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Josef Felix Müller

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19. Mai: Endlich! Heute Morgen kurz vor dem Aufwachen hatte ich die entscheidende Idee, wie ich meine Arbeit für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau visualisieren kann. Es stimmt eben doch: "An Pfingsten geht es am Ringsten!" Nun geht es los!

18. Mai: Um 8.30 Uhr klingelte  es schon an meiner Haustüre. Ich wurde abgeholt, um nach St. Peterzell zu fahren. Zusammen mit der Familie des Kurators Ramon Lenherr bauten wir bis um 14 Uhr die gesamte Ausstellung "Felix der Verleger" ab. Für die grosse Arbeit von Roman Signer hatte ich spezielle Schachteln anfertigen lassen. Auf der Fahrt ins Toggenburg war das ganze Auto total vollgestopft. Die Mutter von Ramon war nicht mehr sichtbar unter all den Schachteln. Nun sind die Kostbarkeiten wieder in meinem Vexer Archiv. Lustiger weise habe ich beim Einräumen das lange vermisste Multiple "Taschenlampe" von Roman Signer wieder gefunden. Da ich die Batterien der zwei an den Leuchtflächen zusammengeklebten Lampen nicht entfernt hatte, ist das Objekt komplett verrostet. Der Zeitfaktor spielt ja in der Arbeit von Roman eine grosse Rolle. Das passt.

Als Abschluss haben wir bei mir im Garten spontan ein kleines Essen veranstaltet.

17. Mai: Ab 10 Uhr war ich heute bei TGG, um das geplante Buch von Peter Liechti zu gestalten. Zusammen mit Jessika Frey sass ich vor dem Bildschirm und wir bearbeiteten Seite um Seite. "Klartext. Fragen an meine Eltern" wird im August erscheinen anlässlich der Schweizer Vorpremiere vom Film "Vaters Garten". Für den Schutzumschlag verwenden wir eine Skizze der Figurenbauerin Eva Ruch. Den Klappentext wird Ruth Schweikert schreiben. Geplant ist ein flaschengrüner Leineneinband mit Prägeschrift und einem dreiseitigen, rüebliroten Farbschnitt und zwei Lesebändeln in Schürzenblau und Kragenweiss. Das Vorsatzpapier wird Obergine. Wir haben ohne Unterbruch bis 14 Uhr durchgearbeitet. Nun sind die wichtigsten gestalterischen Entscheidungen gefallen. Das wird ein tolles Buch.

16. Mai: Heute Nachmittag war ich zu einer EXPO Schweiz, 2027 Sitzung in Herisau an die Schützengasse eingeladen. Die alte Kaserne wurde sehr schön renoviert und umgebaut. Sie dient nun als Staatsarchiv. Im Eingang hängt der Holzschnitt "Bloch" von Markus Gossold und Johannes Hedinger. Schräg gegenüber ist die sechsteilige Fotoserie "Waldschrat" von Peter Liechti platziert.  Sehr schön gerahmt, macht sich der durch den Wald hüpfende und durch eine Warmbildkamera aufgenommene H.R. Fricker sehr gut.

15. Mai: Am Dienstag reiste ich nach Basel um zusammen mit Gilli und Diego Stampa mit Sammlerfreunden zu feiern. Das Sammlerpaar hat letztes Jahr eine riesige, frühe Zeichnung von mir dem Museum Folkwang in Essen geschenkt. Als Dankeschön schenkte ich den Sammlern nun eine kleine Zeichnung, "Erinnerung an einen Wald". Ein wunderbares Essen, Guter Wein und schöne Gespräche. Übernachtet habe ich in einem Hotel in der Nähe vom Messeplatz. Der Neubau von Herzog &  de Meuron ist gigantisch.  Mit einem sehr langen und 10 Meter hohen Baukörper wird ein neues Eingangstor zum Messeplatz geschaffen. Zudem entsteht ein neuer zentraler Platz mit einem runden offenen Schlund zum Himmel, der mit seinem Sog die Messebesucher gleich am Anfang in höhere Sphären katapultiert. Der vor ein paar Jahren von Hotz entworfene Messeturm wirkt nach diesem gelungenen architektonischen Eingriff immer noch schön aber etwas klein und verloren.

Heute Nachmittag habe ich meine Mutter besucht. Wie immer in den letzten Jahren um diese Zeit habe ich einen kleinen Tomatenstock auf ihrem Balkon eingepflanzt. Mutter pflegte früher immer einen grossen Gemüsegarten zu unserem Wohl. Mich bezeichnete sie als Kind immer als den besten Pflanzer, wohl wissend dass ich die Gartenarbeit nach so einem Lob noch viel eifriger ausführen würde. Die Tomaten geben der Mutter das Gefühl immer noch einen Garten zu betreuen und sie kann bis in den Herbst hinein fast täglich ernten. Dazu gehört natürlich auch Schnittlauch und Petersilie für die Suppe und Pfefferminze für den Tee.

Als Aufheiterung brachte ich auch das Buch "MAMA - Eine Szene" mit. Die dicken Buchseiten haben sie sichtlich irritiert. Das Gesicht aus Brei und Holunderkompott erinnerte sie an meine nicht zu bremsende Lust, als Kind dauernd für Unruhe und Unterhaltung bei den gemeinsamen Familienessen zu sorgen.

Einmal drückte ich beim "Znüni" den Senf direkt auf den Tisch anstatt in den Teller, mit der Begründung, dass Mutter so viel weniger Abwasch habe. Mein Vater wurde so hässig, dass er seine volle Kaffeetasse quer über den Tisch nach mir warf. Ein Jahr später drückte die ganze Familie den Senf direkt auf den Küchentisch und das blieb so. 

13. Mai: Die Schlussveranstaltung in der Propstei St.Peterzell war ein voller Erfolg. Viele Interessierte aus der ganzen Schweiz reisten am internationalen Museumstag in die Provinz, um die Vexer Verlagspräsentation zu sehen und den ersten Film von Peter Liechti zu geniessen. "Sommerhügel, eine Inszenierung der Appenzellischen Landschaft in 10 Akten" entstand 1984. Mitwirkender war unter anderem auch Roman Signer, der am Anfang des Films ein an einer Gummischnur befestigtes Taburettli von der Ganggelibrücke im Haggenquartier ins Sittertobel wirft. Mich hat es sehr gefreut, dass Roman an diesem Nachmittag anwesend war. Er hat ja für diese Ausstellung die wunderbare Arbeit "Vexer-Necker-Skulptur" realisiert. Unter seinem Beisein haben wir letztes Jahr 112 seiner Bücher "Skulptur" im Necker gewässert und im Dachstock der Propstei ein Jahr lang luftgetrocknet.

12. Mai: Am Samstagabend besuchte ich mit Monika, Vera, und Eri die Lesung bei Felix Falkner. Er und eine schreibende Kollegin lasen Texte zum Thema Mutter , Mütter und Mütterchen. Ich staune immer wieder, wie neu man einen bereits bekannten Text empfinden kann, wenn er von jemandem vorgelesen wird. Durch eine andere Stimme, durch einen anderen Menschen entfaltet und entwickelt sich auch der Text. In einer Gruppe von Menschen spürt man direkt, dass alle Anwesenden mit ihren Gedanken in ihrer eigenen Weise um das Gehörte herumkreisen.  

11. Mai: Das war ein wirklich schöner Abend in Zürich. Am Bahnhof hatten wir zwar grossen Ärger. Kein Taxifahrer war bereit uns an die Holzgasse zu fahren und wir wussten nicht mehr genau wo die Strasse ist. Das war richtig mühsam. Ich kenne keine Stadt, wo so etwas passiert. Ich dachte immer, Taxis sind dazu da um Passagiere zu befördern und nicht um blöd am Bahnhof herum zu stehen. Na ja. Dafür wurden wir etwas später bekocht von Petra und Peter mit einem excelenten Kabeljau mit Kräuterkruste, Frühlingszwiebeln und Kartoffelstampf. Als Dessert frische Erdbeeren, Rhabarber und Vanilleeis. Das Leben kann so überraschend und gut gewürzt sein. Nun freue ich mich auf die Lesungen von Felix Falkner heute Abend. Ich bin sehr gespannt, wie er den MAMA-Text von Wolfram Lotz lesen wird und natürlich Jelinek und Mayröcker, und, und, und...

 

10. Mai: Gestern hatten wir eine schöne, internationale Gästerunde. Hermann hat im Garten  eine wunderbare Paella gekocht für Freunde aus der Schweiz, Deutschland, Taiwan und Argentinien. Heute fahren wir nach Zürich zu Petra und Peter. Gut Essen, fein trinken und über die neue CD BALLADADA reden...

8. Mai: Ein strahlender Tag. Ich freue mich schon darauf das von den Sonnenkollektoren aufgewärmte Wasser über mich regnen zu lassen. Wir haben seit ein paar Tagen eine Regendusche - oder sagt man dazu Regenschauer?  Am frühen Nachmittag ist Vera für einen Besuch angereist. Gegen fünf habe ich Peter Liechti getroffen. Er hat die 50 DVD seines ersten Films "Sommerhügel" von 1984 signiert. Dann diskutierten wir die Buchgestaltung der geplanten Publikation "Klartext". Ich bin sehr froh über all die Entscheidungen. Das Buch wird sehr schön. Um 22 Uhr gab Norbert Möslang ein fulminantes Konzert im Palace. Unheimlich lauter Sound, vibrierende Bilder und Lichtblitze, die den ganzen Körper in Wallung gebracht haben. Durch die Bässe spürte ich alle meine Organe und entdeckte noch einige dazu.

7. Mai: Ein Tag wie man sich das so vorstellt. Um 7.30 Uhr steht der Elektriker vor der Türe. Er will uns schon Helle bringen, bevor wir einen starken, dunkeln Kaffee getrunken haben. Gegen Mittag ist alles repariert, erneuert und Strom auf allen Leitungen. Am frühen Nachmittag holt Matias meine neuen Bilder ab, die ich im grossen Atelier aufhängen und kontrollieren will, bevor sie für meine Ausstellung in Wien abgeholt werden. Anschliessend gehe ich spontan zum Grafikatelier TGG, um die Buchumschläge und die Schriften für das neue Buch von Peter Liechti zu besprechen. Es ist sehr anregend, mit Roland und Jessica zusammen zu arbeiten. Um sieben Uhr bin ich mit einem Stapel Kopien zu Hause und schaue alles noch einmal durch. Ich muss die Entwürfe herumliegen lassen bis eine Entscheidung fällt. Um acht kommt Ramon, um gemeinsam eine Schrift für ein Gebäude zu Entwickeln. Seit ich unser neues Bad gestrichen habe, möchte ich am liebsten alles in einem feinen Petrol sehen. FAVREHOF heisst das Gebäude. FAV - REH - OF ist mir spontan eingefallen. Das ist gar nicht so einfach.

6. Mai: Flach liegen und lesen. Erica Pedretti hat mir als kleine Retourkutsche auf meine Glückwünsche zum Literaturpreis ihr Buch "fremd genug" mit einer Widmung zugeschickt. ( Insel-Bücherei Nr. 1329) Das Büchlein ist sehr zu empfehlen und wunderbar zu lesen. Es beschreibt aus der erinnerten Erinnerung einer zurückblickenden Frau heraus die Kindheit am Ende des Krieges, auf der Flucht, die Überquerung der Grenze in St. Margrethen, die Zeit bei der Grossmutter, die Aufenthalte in verschiedenen Kinderheimen, ihre Stationen in Balgach und in Amerika. Fremd sein und heimisch werden an den Orten, an denen sie versuchte bei sich selbst zu sein. Erica hat dem Rheintal einige Sätze mehr geschenkt wie dem fernen Amerika. Wissen die Rheintaler eigentlich, dass sich eine Literaturpreisträgerin auf ihrem Talboden bewegt hat? Ich habe Erica vor 33 Jahren kennengelernt und sie hat damals eine wunderbare Ausstellung in meiner St. Galerie eingerichtet mit Flügelobjekten. Wenn es etwas zu gratulieren gibt, sende ich in letzter Zeit immer das neue Buch "Anthologie Bd. 1 von Lorenz Oliver Schmid. Dieses wunderbare Blumenbuch ersetzt jeden vergänglichen Wiesenstrauss. Ich habe das Buch auch an Eva und Walter Reimann von der Hirslanden Buchhandlung geschickt. Die Beiden haben dieses Jahr den Preis für die beste Buchhandlung bekommen. Walter Reimann hat mir eine Dankes-Mail geschrieben. Darin steht "Vielen herzlichen Dank.... ein wunderschönes Bch. Ich habe Ihre Website angekuckt und die gefällt mir, ihr Tagebuch ist toll Ich denke es braucht auch viel Zeit es zu schreiben. Ich könnte stundenlang darin lesen, wie bei Thomas Mann, Tagebücher." Ja, bei solchen Komplimenten kann ich mich ja richtig aufbauen, auftürmen, über mich hinauswachsen, über den Berg sehen, weiterschreiben und fast platzen vor Freude. Schluss jetzt... Ich muss ja schon wieder wunderbare Blumenbücher zur Post bringen.

5. Mai: Ein heiterer Sonntag, der  mit etwas Gartenarbeit beginnt. Am Nachmittag haben wir uns überwunden, die Vernissage von Veronika Spierenburg im Sitterwerk zu besuchen. Veronika zeigt in der Bibliothek sehr schöne Videoarbeiten zum Thema Buch. Im Zentrum des Raumes steht ein eigens für diese Ausstellung gebautes Bücherrad. Die Künstlerin verbrachte sehr viel Zeit mit dem Bücherschatz dieser einzigartigen Sammlung. Entstanden ist in dieser Zeit ein wunderbares Buchprojekt mit Buchseiten von 1 - 500. Für jede Seite der neuen Publikation mit dem Titel "In Order of Pages" wurde stellvertretend eine Buchseite aus den Beständen der Bibliothek ausgewählt. Der daraus entstandene Bilderbogen vermittelt ein ganz eigenes Bild der ästhetischen und inhaltlichen Vorlieben und Interessen der Künstlerin. Ein spannendes gedankliches Kreisen und persönliches Aneignen von Kultur. Das Buch ist bei Kodoji Press erschienen. Super!

4. Mai: Heute Abend haben wir unsere allererste Aktionärs Versammlung besucht. In der Militärkantine mitten im Park der Kreuzbleiche soll ein neues Restaurant mit einem Hotelbetrieb aufgebaut werden. Das anschliessende Fest ist gelungen und ich habe mich sehr gefreut, dass es in St.Gallen und Umgebung möglich ist, so viele Menschen zu finden, die bereit sind eine kulturelle Initiative finanziell mit zu tragen. Hier versammelte sich nicht der übliche St.Galler Kuchen. Es scheint, dass sich die Basis für solche Projekte vergrössert hat. Ich habe auf jeden fall sehr viele neue Gesichter gesehen. Das Tanzen hat mich richtig beflügelt.

1. Mai: Heute ist ein guter Tag. Ein viel versprechendes Gespräch mit einer guten Freundin für eine Sponsoring Idee. Dann am Mittag ein langes und spannendes Telefongespräch mit Vera. Ich freue mich immer wieder auf Neuigkeiten aus Kreuzberg. Heute am 1. Mai ist Vorsicht angesagt. Wer an diesem Tage arbeitet scheint verdächtig. Ich weiss zwar nicht ob das auch für Künstler gilt. Ich habe heute nur mit weisser Grundierung  gemalt und bin dann prompt auf eine rote Tube Ölfarbe gestanden. Es hat bis zum Kinn gespritzt. Sauerei. 

30. April: Heute hat Stefan Rohner alle Abendbilder fotografiert. Ich bin sehr erleichtert und freue mich nun sehr auf den geplanten Katalog. Gestern habe ich mit Monika einen Dialog notiert als Grundlage für die Textarbeit. Und das Thema für meine neue Bilderserie steht auch schon fest. Am Mittag habe ich Roland Stieger getroffen, um das geplante Buch "KLARTEXT" von Peter Liechti zu besprechen. Roland hat schöne Schriftmuster mitgebracht und ich habe ein schönes altes Buch gefunden als Idee für die Ausrüstung.

29. April: Ein geruhsamer Sonntag. Die Wochentage sind so dicht, dass ich manchmal kaum Ruhe finde. Malend in meinen Bildern herumspazieren macht bei diesem Wetter sowieso mehr Spass wie mit kalten, nassen Füssen durch den Sumpf zu stapfen.

28. April: Gestern hatten wir einen lustigen und interessanten Abend mit Inge und Erich. Monika hat einen wunderbaren Rehrücken gebraten. So schläft es sich gut...

25. April: Eigentlich hatten wir geplant, am Freitag früh nach Italien zu fahren. Die Wetteraussichten sind aber so schlecht, dass wir keine Lust haben. Wann gibt es das schon. St.Gallen 17 - 19 Grad, Piemont 12 - 14 Grad. Na ja es gibt viel zu tun hier. Ich werde am Wochenende meine Bilderserie "Abend" fertigstellen für die Ausstellung in der Galerie Ernst Hilger in Wien. Die Eröffnung ist am 7. Juni.

23. April: Seit heute Mittag habe ich endlich wieder Internetzugang und ein funktionierendes Telefon. Aus unerfindlichen Gründen hat mir die Swisscom letzten Donnerstag die ISDN Leitung gekappt. Diese Woche ohne Festnetz Telefon, ohne funktionierenden Mail Kontakt und ohne Internet hat mich ziemlich an den Rand gebracht. Eigentlich hatte ich mit Swisscom die schriftliche Abmachung, dass das System ab dem 10. Mai auf Glasfaser umgestellt wird und dass der technische Dienst vor Ort alles einrichtet. Nun haben sie als kleines Dankeschön gleich alle Leitungen gekappt. Wenn so ein Fehler passiert, frage ich mich immer, wie das Menschen machen, die jeden Tag zur Arbeit ausser Haus gehen müssen. Ich war eine Woche lang damit beschäftigt, mit dem Abbo-Service von Swisscom hin und her zu telefonieren und auf verschiedenste Techniker zu warten. Eine solche Kacke wünsche ich niemandem. Nun funktioniert fast alles, ausser dem Fernsehempfang. Das nennt sich Vivo Casa. Der Name klingt ja schon sehr gut. So viel Leben war schon lange nicht mehr im Haus. Vivo Merda wäre aber doch stimmiger.

15. April: Um 10.30 Uhr erwartete ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtmuseums von Aarau. Ich hatte speziell für diesen Anlass eine kleine Präsentation aufgebaut, um mein Projekt für die Fassade des neuen Museums zu erläutern. Das Interesse der ganzen Gruppe hat mich sehr motiviert. Das Erzählen, Diskutieren und Beantworten von Fragen dauerte volle zwei Stunden. Das war ein gelungener Starteranlass für meine Arbeit.

14. April:  Endlich ein wunderbar langer, warmer Tag. Am frühen Abend kochte Monika feine Bodenseeforellen mit allem Drumherum für uns und unsere Nachbarn Thomas und Ursina. Ein richtig schöner Sonntag für alle Sinne. Insbesondere für Magen Geist und Herz.

13. April: Wieder eine von diesen ganz schnellen Wochen. Einer der kulturellen Höhepunkte war der Besuch der Kunsthalle St. Gallen. Die Arbeiten von Irene Kopelmann und von Stefan Burger interessieren mich sehr. Beide versuchen Zusammenhänge von Natur, Gesellschaft und Kultur in einer Art Puzzle zusammen zu führen und durch verschiedene Arbeitsmethoden verständlich zu machen. Das Buch "sehr sehr dünne suppe" von Stefan Burger musste ich gleich kaufen. Als erstes bin ich auf die Arbeit Seite 34/35 zur Abwassernutzung des Höllentors von August Rodin gestossen. Anlässlich meiner Führung für die Mitglieder des Vereins für Originalgrafik zu diesem Werk vor einer Woche, ist mir die spezielle Abwasserführung auch sofort aufgefallen.

Auf Einladung von Menga und Fredi waren wir am Abend Gäste an der langen Tafel von Matias Stebler. Ein angenehmer und anregender Abend.

12. April: Der exzellente Kaffee beim Zahnarzt heute Morgen war ein echter Genuss.

7. April: Das waren dichte Tage. Am Freitagabend hatten wir eine gelungene Informationsveranstaltung für den neuen Lehrgang HF Bildende Kunst. Ich erzählte 45 Minuten lang über meinen beruflichen Werdegang als Künstler und Verleger. 58 Jahre im Schnellgang. Anschliessend stellte Adrian Notz das geplante Lernprogramm vor. Hoffentlich melden sich viele interessierte für die Kunstklasse an. Ich war sehr in Eile, Monika holte mich ab, um mich zu schminken für den Maskenball von Martin Leuthold. Er feierte seinen sechzigsten Geburtstag im Grubenmann Museum in Teufen mit einem berauschenden Fest. Ein wunderbar gestalteter Festsaal, viele interessante Menschen in fantasievollen Kostümen, gute Musik zum Tanzen und Essen vom Feinsten. Man kann sich auf die Neueröffnung der Militärkantine freuen. Martin Kappenthuler und sein Team sind einfach Spitze. 

Am Samstag Abend fand die Hauptversammlung vom Verein für Originalgrafik statt. Zu diesem Anlass referierten verschiedene Künstler über ein Werk aus der Sammlung des Kunsthauses Zürich. Ich sprach draussen in der Kälte über das Höllentor von August Rodin. Die Auseinandersetzung mit diesem Werk hat mir persönlich sehr viel gebracht. Ich bin auf interessante Zusammenhänge gestossen. Es wartet viel Lesestoff auf mich. Anschliessend verbrachte ich einen sehr lustigen Abend mit Georg Gatsas und Claudius Krucker. Im Speisewagen machten wir noch eine Berufsberatung für die Kubanische Kellnerin. Ich habe ihr geraten Schriftstellerin zu werden. In St. Gallen kam ich dann etwas zu spät zu einem feinen, privaten Jazz Konzert vom Kimm Trio bei Brigitte und Felix.  Das war ein sehr anregender und langer Tag mit grossartigen Gastgebern und interessanten Menschen. 

4. April: In den letzten Tagen seit Beginn der Sommerzeit spüre ich doch etwas wie Frühling. Eine Stunde früher aufstehen bringt meine Sensorien durcheinander. Mein ganzer Körper sehnt sich nach Wärme. Frierend bin ich am organisieren. Durch Malen, Zeichnen, Lesen und Schreiben versuche ich meine nächsten Aufgaben in den Griff zu bekommen. Ich muss mir etwas einfallen lassen für das Freitagsgespräch, das am 5.4. um 19.00 in der ehemaligen Stickfachschule an der Fürstenlandstrasse 142 in St.Gallen stattfindet. Als Präsident der Fachkommission HF Bildende Kunst werde ich über meinen Werdegang als Künstler und Verleger erzählen. An diesem Abend macht Adrian Notz eine Informationsveranstaltung zum neuen Lehrgang HF Bildende Kunst.  In der legendären Küche wird Max Bottini bereit stehen. Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele interessierte, zukünftige Studentinnen und Studenten anwesend sein werden.

Zudem beschäftige ich mich mit dem Höllentor von Rodin, das seit 1947 beim Eingang des Kunsthauses Zürich platziert ist. Ich mache am Samstag dazu einen kurzen Vortrag vor dem Werk in Zürich.

31. März: Seit heute weiss ich warum bei uns die Ostereier bunt bemalt werden müssen. Man würde sie sonst im Schnee nicht finden.

30. März: Bei Dauerregen sind wir am Morgen nach Aarau gefahren. Der erste Akt ist immer ein Besuch im Kunsthaus. Die Ausstellung "Stille Reserven" bietet Einblick in einen grossen Fundus von unbekannten oder selten gesehenen Malereien. Für mich ist der Maler Hans Emmenegger eine grosse Entdeckung. Die Präsentation von «Stille Reserven» ist anders, weil die Ausstellung auf zwei ganz verschiedenen Sammlungen basiert. Erstens auf dem, was der Basler Künstler, Sammler und Autor Peter Suter nach dem eigenen Interesse und Geschmack über Jahrzehnte zusammengetragen hat und andererseits auf den Schlüsselwerken zur Schweizer Kunst aus den Beständen des Kunsthauses Aarau.  

Im Untergeschoss wird in einer weiteren Sammlungspräsentation der Frage nachgegangen: "Was ist grau genau?" Hugo Sutter hat sich mit dieser Frage ein Künstlerleben lang befasst. In dieser Ausstellung steht die sehr spät entdeckte Künstlerin Maya Aeschbach (1928) im Mittelpunkt. Ich frage mich, warum das erstaunliche Werk der 85 jährigen Künstlerin erst jetzt gebührend gewürdigt wird. Es scheint auch in unserer Zeit der totalen Vernetzung noch unentdeckte schwarze Löcher zu geben. Zu meiner Überraschung hängen auch zwei kleine, frühe Werke von mir in dieser Präsentation.

Kurz vor Mittag habe ich in der Buchhandlung Kronengasse die drei bestellten Bücher von Lorenz Oliver Schmid vorbei gebracht. Hauslieferdienst macht immer Spass. Anschliessend haben wir die Baustelle für die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums besucht. Es ist interessant, wie sich ein Platz durch einen baulichen Eingriff verändert. Im Moment sieht alles eher klein und kompliziert aus. Wenn das Bauwerk fertig ist, wird sich hier ein neuer, grosszügiger Platz befinden. Ich versuche mir vorzustellen, wie dann meine 134 lebensgrossen, in Beton gegossenen Menschenbilder an der Fassade wirken werden. Bis zur Vollendung dieses Werks bleibt noch ein langer Weg.

Nach dem Mittagessen beim Italiener fahren wir weiter nach Küttigen. Wir besuchen Lorenz, um die Restauflage seiner Anthologie abzuholen. Er wohnt und arbeitet in der alten Papiermühle. Ein eindrücklicher frühindustrieller Bau, der 1822 - 24 erbaut worden ist. Hier entstanden schon sehr früh die ersten Vorzeige -  Lofts in der Schweiz.

29. März: Heute Morgen hat mich eine Kindheitserinnerung eingeholt. Im Tankstellenshop habe ich zwei Pakete Fischstäbchen und einen grossen Sack Ofenfrites gekauft. Als Kinder freuten wir uns immer, dass am Karfreitag kein Fleisch gegessen werden durfte, denn unsere Mutter tischte an diesem Tag immer einen riesen Berg Fischstäbchen auf. Mit Fasten war da gar nichts. Heute Mittag kommt Vanja Hutter zum gemeinsamen Essen. Ich bin gespannt auf alle ihre neuen Projekte, die sie an der Hochschule in Luzern gemacht hat. Vor zwei Tagen hatten wir gar keine Gelegenheit lange zu reden. Bei der Buchpremiere waren so viele Leute anwesend und ich musste um 20 Uhr bereits zurück. 

28. März: Gestern Mittag bin ich nach Luzern gefahren und habe mir die Ausstellungen im Kunstmuseum angeschaut. In der Ausstellung NEUNZEHNHUNDERTSIEBZIG werden sehr schöne Arbeiten aus der Sammlung präsentiert. Überraschendes von John Armleder, Rolf Winnewisser, Aldo Walker und ein schönes Wiedersehen u. A. bei Hanna Villiger, James Lee Bayers oder Helmuth Federle. Seine Bergzeichnung sah ich in den siebziger Jahren an einer Eidgenössischen Stipendiumsausstellung. (So hiess das damals noch) Im Eingangsbereich des Museums hängt ein unbeschrifteter Block mit Papierarbeiten. Ich dachte, dass es sich um frühe Arbeiten von Rolf Winnewisser handelt. In der Ausstellung wurde ich überrascht durch die grosszügige plastische Umsetzung dieser Zeichnungen und es zeigte sich, diese Werke stammen nicht von Winnewisser, sondern vom Argentinischen Künstler Jorge Macchi. 

Anschliessend suchte ich die Produzentengalerie zur Vorbereitung der Buchpräsentation der Anthologie von Lorenz Oliver Schmid, die ich im Vexer Verlag herausgegeben habe. Ein guter Raum, sehr schöne Arbeiten von Lorenz, ein toll gestaltetes und produziertes Buch und ein riesiger Andrang von interessierten Leuten. Alles wunderbar gelaufen!

 26. März: Im Haus rumoren die Handwerker. Eine neue Dusche wird eingebaut. Zum Glück sind wir schon gestern Abend nach Hause gefahren. Es gab einige Fragen zu klären auf der Baustelle. Eigentlich wollte ich heute an meinen Reliefs arbeiten aber es ist einfach zu kalt. Nun sitze ich schon den ganzen Tag im Büro und beschäftige mich mit Papieren aller Art... Am Abend diskutieren wir im Pädagogischen Beirat der Stadt über die Frage wie Schulkindern ein adäquater Umgang mit neuen Medien vermitelt werden kann.

25. März: Vier Tage Waldarbeit im Piemont. Ich habe einige Bäume gefällt und ein ganzes Waldstück aufgeräumt. Der Brennholzvorrat wirkt beruhigend. Ab dem Sonntag war es regnerisch und sehr kalt. Eine lustige, eingespielte Truppe war mit dabei. Wunderbares Essen und guter Wein - das hat Spass gemacht. Dem kleinen Mammutbaum, den ich letztes Jahr gepflanzt habe geht es prächtig. Der lange Winter hat ihm nicht zugesetzt. Heute Morgen hat uns Markus Allemann einen spontanen Obstbaum Schneidekurs gegeben. Jetzt habe ich endlich einiges verstanden. Die Wetteraussichten waren so schlecht, dass wir uns am Mittag entschlossen haben nach Hause zu fahren. Die Heimreise war sehr angenehm bis nach dem San Bernardino. Da kam der Regen und im Rheintal begann ein richtiger Schneesturm. Zuhause erwarteten mich ein richtiger Postberg, den ich verzweifelt abzubauen versuchte.

21. März: Morgen müssen wir um 5.30 aufstehen. Wir fahren nach Italien.

19. März: Heute Morgen musste ich mich spontan einem bildhauerischen Prozess unterwerfen. Die neue Dentalhygienikerin von Marco Stefani hat mich zur Zahnreinigung aufgeboten. Ich habe zwar keine Goldzähne aber mir ist während der Behandlung eingefallen, dass dieser Beruf eine gute Grundlage für Goldschmiede sein könnte. Broschen aus Amalgan,  Perlen aus Keramik und ab und zu einen Fingerring aus einem alten Goldzahn schmieden...autsch... Spülen bitte....

17. März: Ich freue mich auf heute Abend mit Vera und auf ihre Neuigkeiten aus Berlin. Monika wird einen wunderbaren Zander aus dem Bodensee schmoren mit Currykartoffeln und einem Gemüsegratin. Wenn ich ein Anderer wäre würde ich mich beneiden.

16. März: Stefan Rohner hat heute Morgen meine neue Bilderserie "Abend" fotografiert. An dieser Serie arbeite ich schon mehr als ein Jahr. Die Bilder werde ich im Sommer in der Galerie Hilger in Wien präsentieren. Am Abend sind wir bei Anita Zimmermann eingeladen. Vor einer sehr komplizierten Operation möchte sie in diesen schwierigen Tagen noch einmal alle Freunde sehen. Ich bewundere die Haltung von Anita. Sie holt sich die Unterstützung der Menschen, die sie mag.

15. März: Heute Morgen sind wir nach Schaffhausen gefahren zum Waldfriedhof. Die betagte Mutter einer lieben Freundin ist gestorben. Das war ein sehr schöner und würdiger Abschied. Auf Wunsch der beiden Töchter der Verstorbenen sangen wir in der Kirche das Lied: "Es isch mir alles ei Ding, ob i lach oder sing..." Der Pfarrer war leicht irritiert. Er hat dann aber die richtigen Worte gefunden. 

14. März: Die Woche ist so schnell vorbei wie wenn es sie nicht gegeben hätte. Milenco hat im oberen Stockwerk den Boden aufgefräst. Wir wollen eine neue Dusche einbauen. Es gibt viel zu diskutieren und zu organisieren.

11. März: Ich habe unruhig geschlafen und bin um 6 Uhr aufgestanden. Ich musste rechtzeitig im Atelier in Haggen sein. Ich sperrte  die Zufahrt und die Parkpläte, damit der erwartete Sattelschlepper dann auch zu meinem Atelier fahren konnte. Mit dem Holztransport hat dann auch alles sehr gut geklappt. Matias Stebler, Martin Steinmann und das Filmteam von donkeyshot waren bei diesem beeindruckende Moment dabei. Heute ist genau ein Jahr nach der Fällaktion der ganze Mammutbaum in Form von verleimten Brettern zu mir nach St. Gallen geliefert worden. Neun Paletten mit je 18 Brettern aufeinandergelegt. Das sind neun absolut kompakte Holzblöcke von rund 2000 x 950 x 810 mm. Das ist Minimal Art der Urzeit. Das Mammut ruft. Dieser ganze Prozess, der schon 2009 mit den ersten Planungen begonnen hat, eröffnet mir einen ganz neuen Zeitbegriff.

9. März: um 13 Uhr haben wir uns im Kinok in der Lockremiese den Film "Vergiss mein nicht" von David Sievekind angeschaut. Der Satz von der an Alzheimer erkrankten Mutter: "lass uns an einen Ort sitzen wo man nicht stirbt" hat mich nachhaltig beeindruckt.  Ein sehr berührender Film über eine beeindruckende und wunderschöne Frau, die durch ihre Krankheit die gelebten Ideale in einem anderen Licht erscheinen lässt und ihre Familie komplett neu aufstellt.

Das Kunstmuseum präsentiert in der Lokremiese eine eindrückliche Lichtinstallation von Anthony McCall. Mich faszinierten als Kind immer wieder die Lichtspiele in der Scheune, wenn durch ein Astloch scheinendes Sonnenlicht den ganzen Heuboden mit einer hellen Linie durchflutete. Der Staub des Heus flimmerte dann in diesem Lichtkanal wie ein glitzerndes Sternenmeer. Bei McCall erschafft das Licht der Filmprojektoren skulpturale Räume, die man betreten kann. Ein Nebelschleier erzeugt sich dauernd verändernde Muster, die sich auf den Lichtkegeln abbilden. Da durch die Projektoren nur die äusseren Linien der Lichtskulptur auf die Wände projeziert werden, kann man diese skulpturalen Räume betreten und sich in diesen Körpern bewegen. 1981 stand ich sprachlos in einem der ersten Lichträume von James Tyrell in der Kunsthalle Basel. Mich faszinierte damals die ungeheuerliche Schönheit und die unfassbare Unendlichkeit des Lichts. Bei McCall werden wir zu aktiven Benutzer der Skulpturen, die wir betreten und verlassen können. Das Licht und der Raum bewirken ein spezielles, verstörendes Körpergefühl, im Gegensatz zu Tyrell. Beim Betrachten seines Lichts fühlt man sich eher gereinigt.

Am frühen Abend haben wir uns noch den Film über Les Raines Prochaines angeschaut. Muda Mathis kenne und schätze ich seit 1979. Die künstlerische Beharrlichkeit dieser ganzen Frauen Truppe ist grossartig. Die Aussage:"Alleine denken ist kriminell" werde ich mir zu Herzen nehmen.

7. März: Ich muss leider meine geplante Reise nach Reutlingen absagen. Am Wochenende muss ich alles vorbereiten, damit der Holztransport am Montag klappt. Das Filmteam von donkeyshot wird auch mit dabei sein.

6. März: Ich kann wieder fröhlich durchatmen. Die Zahnreinigung fällt aus. Bei der Dentalhygienikerin muss ich immer die Augen schliessen. Diese vorwurfsvollen Blicke auf meinen Zahnstein sind noch fast schmerzhafter wie die Behandlung.

5. März: Ich freute mich den ganzen Tag auf die Lesung von Laura de Weck im Kulturraum in der Hauptpost - und das zu Recht. Eine junge sehr sympathische Frau mit hell wachem Geist und einer kristallklaren Sprache. Diese Frau hat die Gabe, ganz genau hin zu hören und das Gehörte nieder zu schreiben. Dank ihrer Ausbildung zur Schauspielerin ist es auch ein grosser Genuss zu zu hören. Es gibt ja sehr viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die ihre eigenen Texte derart verknorzt vortragen, dass man jegliche Lust verliert, je ein Buch von ihnen zu kaufen.

4. März: Am Morgen bin ich zur Firma  Debrunner gegangen. Der bestellte Palettroli mit zwei Meter Gabellänge ist eingetroffen. Wenn man so ein Gerät abholen muss, wird einem bewusst wie lang zwei Meter wirklich sind. Ein sympatischer Secondo begleitete mich mit dem Lift ins Untergeschoss. Er zog dann den Roli ca. 800 Meter durch die riesigen Lagerhallen, vorbei an Armierungseisen, Stahlplatten, Profilrohren usw. alles geradeaus bis zum Bahnhof Haggen. Unterwegs wurden wir von vielen wartenden Lastwagenfahrern begrüsst. Ein Mann mit einem zwei Meter langen, niegelnagelneuen Gerät macht offensichtlich grossen Eindruck.

2. März: Heute möchte ich ein weiteres Bild aus dem Zyklus "Abend" endlich fertig malen. Es handelt sich dabei um einen frühen Abend im Piemont  mit sehr schönem, kühlem Herbstlicht.

1. März: Heute baute ich zusammen mit Matias eine knapp fünf Meter hohe Wand ins Atelier, damit ich dann die Abdrucke meiner geplanten Reliefs aufhängen und auf ihre Wirkung hin kontrollieren kann. Der Raum hat sich dadurch stark verändert. Die Wirkung ist gigantisch.

28. Februar: Nach sehr vielen Telefonaten und Abklärungen habe ich endlich eine Firma gefunden, die meine Sternbilder in Bronzeskulpturen eingravieren kann. Heute werden die Teile in der Kunstgiesserei im Sitterwerk abgeholt und am Freitag nach Dietikon transportiert. Ich bin erleichtert. Am Abend feiern wir in der Blume bei Ali einen Meilenstein im Entwicklungsprozess, den Monika für die Fusion der Spitex des Kantons Appenzell Ausserhoden mitgestaltet hat.


26. Februar: Um 8.00 Uhr erwarte ich Matias Stebler. Ein Freund aus bewegten alten Zeiten. Er hilft mir, die schweren, fünf Meter langen Bretter von einem Mamutbaum und eine grosse Ladung von Brennholz zu transportieren. In den lezten Wochen habe ich einige alte unvollendete Skulpturen zersägt. Ich brauche einfach Platz für mein grosses Projekt für das Stadtmuseum in Aarau.

25. Februar: Wolfram nimmt den 12 Uhr Zug zurück nach Leipzig und ich arbeite weiter in meinem Bildhaueratelier an der Haggenstrasse. Alles muss geräumt werden für die grosse Holzlieferung die ich am 4. März erwarte. 

24. Februar: Am Abend holen wir Wolfram Lotz beim Bahnhof ab. Gemeinsam werden wir am Montagmorgen die 300 Bücher signieren. Ein angenehmer Abend, mit einem wunderbaren Rehgulasch mit Gemüse und Spätzle, das Monika vorbereitet hat, dazu einem guten Wein und lange Gespräche über Literatur und Kunst.

23. Februar: Am Morgen besuchen wir einen Graveur in Flawil, der eine Serie von Sternbildern in Bronzegüsse eingravieren soll. Das wird eine kurlige Begegnung.  In der Küche eines winzigen Häuschens warten wir auf den frisch pensionierten Meister, der bedächtig die Treppe herabsteigt...

22. Februar: Gestern fuhr ich mit dem Zug nach St. Moritz. Das ist immer eine wunderbare Reise. Es war ein ganz spezieller Moment, zum ersten Mal die fertig gebauten Häuser in Champfèr zu sehen. Die Fassade mit meinem eingefrästen Muster sieht umwerfend aus. Die Handwerker haben wunderbare Arbeit geleistet. Das Eröffnungsfest am Abend hat mich sehr berührt.  Es ist schon sehr speziell, wenn über 20 junge Schreinerinnen und Schreiner acht Monate lang gemeinsam auf der gleichen Baustelle arbeiten und auch die Freizeit gemeinsam verbringen. Da kennt man am Schluss alle Macken der Kollegen und jedes Astloch auf der Baustelle.

Um 10 Uhr sass ich schon wieder im Zug Richtung Chur. So schaffte ich es, rechtzeitig in St.Gallen zu sein, um die Büchersendung der Niedermann Druck AG entgegen zu nehmen. Ich freue mich sehr auf das Theaterstück "MAMA EINE SZENE" von Wolfram Lotz mit meiner Bildvolge "BREI".

20. Februar: Am Nachmittag traf ich Felix Lehner im Sitterwerk. Die Bronzegüsse für die Häuser in Champfèr sind eingetroffen und frisch poliert. Langsam begreife ich die alchemistische Kraft, die im Gussverfahren drin steckt.

17. Februar: Wir haben ein kleines Landschaftsbild von Stéphan Schweizer gekauft und zuhause lange den richtigen Platz dafür gesucht. Nun hängt es über einem Textbild von Ernst Bonda: "dem lärm entwischt der stille das zirpen abgelauscht". Neben meinem aus Mammutbaumholz gebauten Bücherregal. Dieses Regal heisst "Irrtumstier". Diesen Namen kreierte die Tochter von Sandra Kranich und Jochem Hendricks bei einem Besuch bei uns.

Ich habe anschliessend den ganzen Nachmittag gemalt. Um 16.30 feierten wir den Abschluss meines Bildes "Abend VI". Anschliessend waren wir mit den Nachbarn zusammen bei Ali und Gülüstan zu einem feinen Essen eingeladen. Ein wirklich schöner Abend. Es gab viel zu reden. In den letzten Jahren ist das ganze Quartier im Umbruch.

16. Februar: Gestern besuchten wir Freunde in Flims. Eine schöne Fahrt durchs Rheintal mit viel Gesprächsstoff. Nach einer ausführlichen Besichtigung der neu gebauten Bleibe an einem Steilhang mit Blick auf Flims fuhren wir zu viert nach Morissen. Ein schöner einstündiger Fussmarsch durch die Surselva führt zur Bündner Rigi in Surcuolm. Das ist eines der ältesten Gasthäuser in dieser Gegend. Hier waren wir zu Alexas Geburtstag eingeladen und haben an diesem Ort das bestgelagertste Hirschentreôte des bisherigen Lebens gegessen. Grossartig!

Nach dem Abstieg fuhren wir um 17 Uhr von Flims zurück zu meiner Mutter, um für sie die Steuererklärung zu machen.

 

14. Februar: Jetzt rufe ich gleich Vera in Berlin an. Ich bin gespannt, wie sie gestern den neuen Film "Vaters Garten"von Peter Liechti erlebt hat. Ich wäre gerne selber an die Berlinale gegangen aber es ist einfach zu viel los hier in der Provinz ...

Am Nachmittag ist Lorenz Olivier Schmid vorbei gekommen. Er hat ein wunderbares Buchprojekt entwickelt. Eine Serie von Fotos von gepressten Blumen, die nun wirken wie verbotene Einblicke ins Universum oder in den Mikrokosmos der gefährlichsten Elemente. Auf dieses Künstlerbuch freue ich mich wirklich. Das gibt ein grandioses Werk.

13. Februar: Der Tag des Telefons. Ich sass den halben Tag am PC und am Telefon. Es gibt viel zu organisieren für mein Fassadenprojekt für das Stadtmuseums in Aarau. Für meine Reliefs werden ca. neun Tonnen Holzplatten angeliefert. Bis dahin muss alles präziese geplant sein. Scharfkantiges Denken ist angesagt. Meine Tage sind schon lange sehr dicht. Organisieren, malen, telefonieren, notieren und beim Weitermalen alles noch einmal reflektieren.

12. Februar: Sophia von Gaffron hat ein kurzers Filmchen über meine Malaktion vom 18. 1. 2013 in München auf you tube geladen. Hier der Link: http://www.youtube.com/watch?v=WP4I7nxKERI

11. Februar: Ich habe den ganzen Tag gemalt und vergessen das Radio einzuschalten. Erst am Abend habe ich erfahren, dass der Papst zurückgetreten ist.

10. Februar: Nach einem schönen Spaziergang am Morgen, mit Sicht zum Bodensee und guten Gesprächen über unsere Wohn- und Arbeitssituation in St. Gallen sehe ich einiges wieder klarer. St. Gallen ist eindeutig unser Landsitz. Ich komme darauf, weil heute ein schönes Foto vom Atelier von Mary Heilmann in der NZZ am Sonntag veröffentlicht worden ist. Jetzt fehlt uns einfach noch die tolle Wohnung in einer interessanten Grossstadt. 

Bereits sind die ersten Handyfotos der frisch gehängten Bilder in der Galerie Lovers of Art in Gstaad per Mail eingetroffen. Freude herrscht. Alles kommt gut. Die acht Bilder aus dem Naturzyklus ab 2000 scheinen ihren Winterurlaub in Gstaad zu geniessen. Jetzt wird mit vollem Elan weiter gemalt an rosaroten Wolken, dann gibts Kaffee und Kuchen... 

9. Februar: Am Morgen bin ich mit Ramon Lenherr nach St. Peterzell gefahren. Ich wollte wissen wie es den ganzen Vexer Projekten geht. Die Ausstellung "Felix der Verleger" in der Propstei ist noch nicht abgebaut. Die Fledermäuse, die hier im Dachstock überwintern verhalten sich sehr ruhig und sie hängen auch nicht in den Büchern von Roman Signer wie im letzten Herbst. Ich plane eine Veranstaltung am Samstag 18. Mai. Dann können sich alle, die noch keine Zeit hatten die Ausstellung anschauen und um 17 Uhr werde ich dann den ersten Film "Sommerhügel" von Peter Liechti zeigen. Dieses Filmexperiment entsand 1983 und zeigt sehr gut den damaligen künstlerischen Aufbruch in der Ostschweiz.  Ich werde diesen Film in einer kleinen Auflage als DVD im Vexer Verlag herausgeben.

Am Nachmittag sehen wir uns im Kinok den Film "DIE WAND" an. Ein weiteres Beispiel von einer unüberwindbaren Enge. Als Bild fällt mir das Kinderspielzeug ein, wo man eine Glashalbkugel drehen kann und dann schneits. Die Figuren in der Halbkugel bewegen sich nicht, sie werden einfach zugeschneit. In diesem Film ist es umgekehrt. Die Frau im Film lebt in ihrem eigenen Eingeschlossensein und das Leben ausserhalb der Kugel ist erstarrt. (Nur als Kinobesucher ist man priviligiert und lebt) Nach der Vorstellung treffen wir noch Elisabeth und Bruno Karrer. Zwei Ostschweizer Komponisten an zwei Tagen. Das kann ja ein richtig musikalisches Jahr werden.

Am Abend gibt es einen spontanen Besuch von Eveline und Roman. Monika hat bereits kleine Artischocken in der Bratpfanne. Nun wird das Menü umgestellt und ergänzt mit viel Gemüse, Peperoni, Zwiebeln und Petersilie. Wir kochen diese speziellen Teigwaren, die wie Spätzle aussehen. Alles kommt in einen grossen Topf und obendrauf gibt es wunderbare kleine Rehschnitzel. Der Jäger sitzt mit uns am Tisch. Und dann wird gejasst dass es eine Freude ist.   

8. Februar: Am Mittag hat mich der Komponist Alfons Karl Zwicker besucht. Diese Begegnung wäre schon lange fällig gewesen. Ich weiss auch nicht, warum ich mich bis anhin nicht auf diesen Komponisten und seine Klangwelt eingelassen habe. Ich entschuldige mich selbst damit, dass diese Musik eine Reife braucht, die mir wahrscheindlich gefehlt hat. Der Tod, die nicht gelebten Leben und die Erlösung oder Erfüllung im Jenseits sind ja nicht gerade leichte Brocken. Nun habe ich viel Lesestoff zu bestellen für eine vertiefte Auseinandersetzung und in den nächsten Tagen bekomme ich einige musikalische Kostproben. Ich spüre schon jetzt, wenn ich diese Türe nur einen Spalt breit öffne, fliessen nicht mehr zu stoppende universelle Klänge in mich hinein. Wie heisst es so schön im Alpsegen: Bhüet's Gott, vergelt's Gott. (Nicht etwa verhüet's Gott)

Am Abend einen super Krimi gesehen bei Arte: Der Räuber.

7. Februar: Peter Liechti hat mir die Interviews geschickt, die er mit seiner Mutter und seinem Vater gemacht hat als Vorbereitung zu seinem neuen Film. Beim Lesen erschüttert mich die Enge und die Sprachlosikeit der Kriegsgeneration, zu der ja auch meine Eltern gehören. Diese Enge beschreibt ja auch Paul Nizon sehr eindrücklich. Bei ihm genügte es noch 1977 nach Paris zu entfliehen. Wo könnte man heute hin? Ich glaube es bleiben uns nur noch unsere eigenen geistigen Reservate.

6. Februar. Aus einer angedachten, kleinen Präsentation von drei Bildern, wird nun eine Einzelausstellung in Gstaad. In der Galerie haben unter Anderem schon Balthasar Burkhard, Franz Gertsch und Sam Francis ausgestellt. Die Ort heisst "GALERIE LOVERS OF FINE ARTS".  Bei diesem Namen kann ja nichts schief gehen und etwas frische Bergluft schadet meinen Malereien sicher auch nicht. So schnell und spontan habe ich noch nie eine Ausstellung organisiert. Heute Morgen sind meine Bilder bei Stampa bereits abgeholt worden. Good Luck.

5. Februar: Am Abend fand eine XYLON Sitzung in Winterthur statt. Die drei Künstler und Künstlerinnen für die drei Nummern der Zeitschrift sind nun ausgewählt. Das gibt eine gute Sache. Am Bahnhof kaufte ich unter Anderem Wurst Brot und ein paar Brezeln. In Winterthur kostet eine Brezel 3.60 und in München 30 cent. Das ist der elffache Preis. Brezeln scheinen mir unter diesen Umständen in der Schweiz nicht als Grundnahrungsmittel geeignet. 

4. Februar: Eine überraschende Anfrage für die Präsentation von drei Bildern in Gstaad muss abgeklärt werden. Welche Bilder stehen zur Verfügung und wo sind sie? Ist eine solche Aktion sinnvoll?

2. Februar: Heute hat mir Wolfram Lotz das Gut zum Druck gegeben für sein Stück "Mama eine Szene", zu dem ich die Bildfolge "BREI" entwickelt habe. Das kleine Theaterstück und meine 16 teilige Fotoserie ergeben eine Publikation, die von Kasper Kobel typographisch gestaltet worden ist und sicher rechtzeitig zum Muttertag 2013 erscheinen wird.  Ein Buch für jeden Sohn, alle Töchter, Väter und eben für alle Mütter und Grossmütter...(Am Besten gleich vorbestellen! Auflage 300 nummerierte, signierte und gestempelte Exemplare für Fr. 55.- ((weil ich diese Zahl so schön finde))

13.00 Uhr: Hermann hat uns zu einer wunderbaren Gemüsepasta eingeladen.

Jetzt habe ich soeben eine schöne E-Mail erhalten mit viel Text von der Landschaftsarchitektin Ruth Hanna Stahel aus Uster. Ich kenne sie nicht persönlich. Sie hat hier gelesen, dass ich mich mit dem Malen von Bäumen beschäftige. Ich male ja Bäume nicht nur, ich pflanze, schneide und fälle auch ab und zu einen. Mich interessiert das Gestalten, das Wachsenlassen im Garten und im Wald genauso wie im Bild. Ich freue mich und staune immer wieder über Zusammenhänge, Verflechtungen und Lichtungen, die sich ja nicht nur in unseren Lebensräumen, sondern auch im Denken und Empfinden aus unserem Tun entwickeln. Spannend in diesem Zusammenhang finde ich die Schnittstellen von wilder, ungezähmter Natur und den bewusst gestalteten Räumen, die wir Menschen schaffen können.

1. Februar: Monika hat gestern schon ein wunderbares Rehgulasch mit Blaukraut und Spätzle zubereitet für heute Mittag. Ganz benommen male ich nun Eschen und Birken vor einen Wolkenhimmel, derweil ab und zu Farbe auf meinen Bauch tropft.

31. Januar: In den letzten Tagen beschäftigte ich mich mit einem Ausstellungsangebot in Gstaad. In der Galerie haben unter Anderem Franz Gertsch, Balthasar Burkhard, Sam Fancis, Michel Compte usw. ausgestellt. Ich denke ein bisschen frische Bergluft würde meinen Bildern nicht schaden.

30. Januar: Walter Angern zeigt mir eindrückliche Fotos, die auf einer einsamen Insel irgendwo in der Nähe von Irland entstanden  sind. Die Lanschaft wirkt wie wenn sie nach einem geheimen Plan aus Basaltsteinen und Basaltplatten aufgemauert worden wäre.

Vera fliegt heute nach New York. Ich bin gespannt auf ihre Eindrücke - super, so muss ich nicht selber reisen, das ist schön bequem und ich leide auch nicht unter der Zeiverschiebung...

29. Januar: Hansjörg Bachmann bringt eine riesige, ca. 25 Jahre alte schwarz weiss Fotografie vorbei, die für eine Atelierausstellung im Schlattergebäude an der Wassergasse entstanden ist.  Er hat dieses Foto zu seinem letzten Arbeitstag als Lehrer geschenkt bekommen. Ein Kollege von ihm hat es vor einem Jahr auf dem Flohmarkt gekauft. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, wenn solche Dokumente schon auf dem Flohmarkt angeboten werden. Auf dem Bild sind die meisten Künstlerinnen und Künstler abgebildet, die damals im Schlattergebäude gearbeitet haben. Die eigene Geschichte holt uns alle ein.

Am Nachmittag traf ich Peter Liechti. Ich überlege mir, sein erstes Filmexperiment "Sommerhügel" von 1982 als DVD herauszugeben. Felix Kählin, Walter Siering, Roman Signer, Walter, Johanna und Budatz waren bei diesem Film mit dabei. Ich warte nun auf die Texte zum neuen Film "Vaters Garten" und auf die Standbilder davon. Eventuell wäre das etwas.

28. Januar: Petra Ronner feiert Geburtstag auf dem Zürichsee und ich beschäftige mich mit den Fotos und der Gestaltung für die neue CD von Petra und Peter. Das nennt man Arbeitsteilung.

27. Januar: Am Samstag malte ich den ganzen Tag. Am Abend ein feines Essen, guten Wein und endlose Diskussionen mit Hugo und Susi. Heute Morgen erholten wir uns durch einen langen Spaziergang am Bodensee bei Rheineck. Zum Abschluss dann Kaffee und Gugelhopf in der Lockremise. Da sassen um 14.00 Uhr immer noch Dutzende junge Väter und Mütter mit ihren kleinen Kindern beim Frühstück. Das scheint sehr atraktiv zu sein. Da müssen keine Breireste weggeputzt und keine Brösmeli aus dem Teppich gepoppelt werden wie zuhause. 

24. Januar: Ich musste früh zum Bahnhof heute Morgen. Zuerst an eine Sitzung in Olten, dann nach Bern ins Kunstmuseum. Kathleen Bühler plant eine thematische Gruppenausstellung zum Thema: "Das schwache Geschlecht: Neue Mannsbilder in der Kunst", das wird ein spannendes Projekt. Ich habe mir dann noch die aktuellen Ausstellungen angeschaut. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, da ich um 16 Uhr in Zürich erwartet wurde. Der Sounddesigner Ernst Thoma macht Aufnahmen von Petra Ronner und Peter Schweiger für eine neue CD Produktion im Vexer Verlag. Das wird eine ziemlich schräge Sache mit DADA Zitaten, Tierlauten, Klaviermusik und Sound usw. Ich machte einige hundert Fotos für die bevorstehende Produktion.

23. Januar: Ich male an meinem Abendbild mit schräg über das Bild ziehenden Wolken.

22. Januar: Am frühen Nachmittag traf ich Giovanni Carmine zu einer Besprechung wegen der geplanten Ausstellung zum 75. Geburtstag von Roman Signer in der Kunsthalle St. Gallen. Giovanni möchte eine Art Rekonstruktion der Ausstellung von 1988 organisieren, die ich damals für die Kunsthalle kuratiert habe. Peter Liechti hat mir Fotos  geschickt und Giovanni hat eine Ankündigung der Führungen durch die Ausstellung gefunden, die damals von Corinne Schatz, Hans Ulrich Obrist und von mir gemacht wurden. Das war wirklich eine tolle Zeit.

21. Januar: Ich erledige den ganzen Tag die angestauten Pendenzen und freue mich auf den Vortrag von Dorothea Strauss im Kulturraum des Kantons St. Gallen. Der Titel:" Mit Kunst die Welt besser ertragen". Liebe Dorothea das hat wirklich Spass gemacht!

20. Januar: Eine wunderbare Zugfahrt. Zuhause laden wir spontan Ruth und Hermann zum Fondue ein. Der Käse klumpt bei mir nicht wärend des Essens sondern erst im Magen und das bis  früh am Morgen. Beim Aufstehen fühle ich mich wie ein gross gewachsener Appenzeller im Emmental.

19. Januar am Nachmittag: Unsere zwei Museumsbesuche in München waren sehr speziell. In der Pinakothek der Moderne wird eine kleine Ausstellung gezeigt von "Entarteter Kunst", die 2010 bei Bauarbeiten in Berlin gefunden wurden. Kriegsarchäologie sozusagen. Da sind einige interessante Werke von Frauen dabei die ich nicht kannte. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass an diesem Ort sehr viele nicht so bekannte Werke gezeigt werden. Einige sehr interessante Münchner Maler von denen ich noch nie etwas gesehen habe. Ich fragte einen der Museumswärter, wo sich denn die Caspar David Friedrich Werke befinden. der alte, bereits pensionierte Mann beklagte sich, dass alles im Haus umgestellt worden sei und dass er keine Ahnung mehr habe wo was gehängt sei. Er ärgerte sich sehr über ein Werk von Goustav Courbet, bei dem der Maler total dilletantisch den Reiter auf dem Pferd kurzerhand übermalt habe. Er zeigte auf den seiner Meinung nach schlampig gemalten Sattel und auf die Zügel, die total straff zum nicht mehr vorhandenen Reiter zielten. Der sichtlich erboste Wärter meinte, mit diesem schlechten Bild im Saal mache ihm die Aufsicht überhaupt keinen Spass mehr. Wir haben dann unseren Rundgang fortgesetzt und bei Arnold Böcklin trafen wir einen rotbackigen gwieften Herrn Aufseher, der uns auf einige Spezialitäten des Malers hinwies. Er sprach über Geräusche, Klänge und Bildwitze, die er in diesen Bildern entdeckt hatte. Der aussergewöhnliche Mann verriet uns auch, dass er schon einen Platz für seine Asche reserviert habe auf einem 3500 Meter hohen Schweizerberg und dass er sich schon freut über die Ruhe im Winter, unter einer Meterdicken Schneedecke. Der Aufseher wurde abgelöst von einem Kollegen, der uns zurückschickte zum Bild "Die Teufelsbrücke". Er zeigte uns das Bild im Katalog und wollte wissen ob wir das "Mystische" im Bild erkennen. Wir rätselten etwas herum und nach langem Hin und Her zeigte er uns am oberen Bildrand die im Felsen verborgene Darstellung des Teufels. Ja und ein paar Bilder weiter könnten wir uns dann noch die Hand Gottes anschauen. Auch sie verborgen in der Malerei, in einer Klippe versteckt. Im Hintergrund das sinkende Schiff im stürmischen Meer, das die Passagiere wie durch ein Wunder auf eben diese Klippe gespült hatte.

Nach diesen unerwarteten Begegnungen labten wir uns im nahegelegenen Restaurant und besuchten anschliessend das Museum Brandhorst. Die Fassade ist sehr schön. Das Gezeigte sieht etwas stark nach "Deutsch - Amerikanischer Freundschaft" aus. Warhol, Polke, Baselitz, Alex Katz, Eric Fischel etc. und im obersten Stock Cy Twombley. Neben wunderbaren skulpturalen Arbeiten und frühen Malereien werden grosse Gruppen von neueren Werken gezeigt die ich ziemlich schrecklich finde. Alterswerke sind leider nicht immer Meisterwerke. Das ist die zweite Begegnung mit zweifelhaften Twombleys. In Berlin im Hamburger Bahnhof hängt ein  scheinbar frühes Werk dieses Malers, das meiner Meinung nach erst kürzlich gemalt worden sein kann. Hat da etwa ein toller Künstler schon einige Zeit vor seinem Tod die Pinsel an einen seiner Assistenten übergeben? Wer weiss?

Na ja und im Untergeschoss spielen eine Überzahl von bunten Warhols gegen einen defensiven Sumamoto in schwarz weiss. In den abgedunkelten Räumen mit einer sehr präziesen Lichtführung beginnen die Fotoarbeiten, verschärft durch die sehr aufwändige Rahmung, eine unerklärliche Farbigkeit zu entwickeln.

Um 18 Uhr fahren wir zurück zum Hotel, ruhen uns aus und freuen uns auf das Nachtessen bei Patricia. Ein sehr netter Abend, mit Patricia, ihrem Partner Gerd, der Fotokünstlerin Scarlett Berner und dem Lichtdesigner Jan Roth und dem schönen Hund, desssen Name ich vergessen habe. Patricia hat wunderbar gekocht. München und die Menschen hier tun uns gut!

19. Januar am Morgen: Ich habe lange geschlafen. Nach meiner Malaktion war ich fix und fertig aber auch erlöst von diesem enormen Druck. Der Abend war sehr anregend mit vielen interessanten Begegnungen. Um Mitternacht sind wir gegangen und vor dem Verlassen des Hauses zerbrach meine Brille und ist auf den Steinboden gefallen. Zum Glück waren die beide Gläser nicht zerbrochen aber ich hatte ein wirklich grosses Problem. Ohne Brille bin ich ziemlich hilflos. Die Lichter sehen aus wie grosse Lichtkugeln, Menschen sind nur noch dunkle Gestalten. Zum Glück war Monika bei mir. Ich bereitete mich schon darauf vor, am nächsten Morgen früh mit dem ersten Zug nach St. Gallen zurück zu fahren. Eine Stadt in der man nichts sieht ist nicht sehr angenehm. Nach dem Frühstück erkundigte ich mich an der Reception nach Brillenfachgeschäften. Gleich neben dem Hotel gab es ein grosses Optikergeschäft. Apollo Optik am Rotkreuzplatz. Der Chef, ein sehr sympatischer Türke bediente mich und suchte eine Brillenfassung, in die er meine alten Gläser schleifen konnte. Er fand eine kleine, schwarze Fassung die einigermassen passte. Nach einer halben Stunde war die Brille fertig. Ich hatte wirklich grosses Glück. Ich sehe nun einfach aus wie ein grosser Knabe mit einem alten Gesicht.

18. Januar: Am Mittag holte ich Monika beim HB München ab. Wir kauften in einem Warenhaus noch einige Kleinigkeiten für meine Ausstellung und haben anschliessend im Augustiener gegessen. Dann wollte ich Monika möglichst bald meine Hängung bei Patricia zeigen. Ich war den ganzen Nachmittag ziemlich nervös. Malen vor Publikum ist wirklich eine Herausforderung, besonders wenn man vorher kein präzieses Bild im Kopf hat.

Um 19 Uhr waren dann ca. vierzig Personen anwesend und ich malte eine Stunde lang mit schwarzer Ölfarbe ein immer dichter werdendes Dickicht. Als begleitenden Text hatte ich eine Hör - CD von Peter Kurzeck ausgewählt, auf der er aus einer kindlichen Sicht erzählt über die Zeit nach dem Krieg. Mich hat es sehr interessiert was passiert, wenn ein Text gesprochen wird während des Malens.  Nach einer Stunde war ich total KO und beendete meine Aktion abrupt. Die Zuschauer waren begeistert von diesem Text und der dazu entstandenen Malerei.

17. Januar: Am Morgen früh habe ich alles zusammengepackt für meine Ausstellung und die Malaktion im LabKunstklub bei Patricia London Ante Paris in München. Jetzt freue ich mich auf eine entspannende Zugfahrt. Pünktlich um 13.30 Uhr bin ich in München angekommen. Patricia hat mich abgeholt und wir sind gleich in ihr Atelier gefahren. Meine Arbeiten waren am Abend gehängt und fotographiert. An der zentralen Wand des Raumes platzierte ich eine grosse Papierbahn für die geplante Malaktion. Um 21 Uhr trafen wir Gerd beim Griechen. In der Nacht schlief ich im Atelier von Patricia.

16. Januar: Gestern Abend sind wir bei Schneegestöber mit Ruth und Hermann nach Fussach in A gefahren. Wir wollten den sechzigsten von Hermann feiern in einem Argentini-schen Restaurant Namens Gaucho an der Rheinstrasse 89. Unser TOM TOM hat versagt. Er wollte wissen, ob die Strasse in Höchst oder in Hard ist. Da wir das auch nicht wussten, haben wir das Restaurant nur mit grosser Mühe gefunden. Diese Mühe hat sich aber gelohnt. Hermann und ich haben je ein richtig grosses Stück Rinsfilet verschlungen. Unsere Damen waren etwas zurückhaltender in den Mengen. Ein schöner Abend mit genügend Malbec, der sehr viele gute Erinnerungen an unsere Argentinienreisen zu Erika Bachmann in Buones Aires wachgerufen hat.

Am Morgen ein klärendes Gespräch mit Wolfram Lotz. Als erstes gebe ich nun im Vexer Verlag den Text "MAMA - eine Szene" heraus. Das Büchlein mit einer Bildfolge von mir sollte rechtzeitig zum Muttertag verfügbar sein. Auf den Herbst planen wir  eine Textsammlung mit Erzählungen von Wolfram und zwei weiteren Bildfolgen von mir.

Heute Mittag hatte ich ein "Arbeitsessen" mit Ramon Lenherr. Bei selbst gekochter Gemüsesuppe, Käse, Fleisch und Brot haben wir Schrift- und Sternbilder entwickelt. Das hat richtig Spass gemacht. Ich nehme mir jetzt den Satz von Muda Mathis und Les Raines Prochaines zu Herzen, der da lautet: "Alleine Denken ist kriminell."  

15. Januar: Die letzten Tage waren sehr intensiv. Ich habe zwei Gussmodelle aus Pappelholz geschnitten. Es ist so lustig, zwei Tannenholzstämme aus Pappelholz zu schnitzen, mit Rinde und Ast und Schnittfläche etc. Die fertigen Modelle übergab ich heute Morgen am Bahnhof an Felix Lehner, der sie gleich mit nach Schanghai genommen hat. Die zwei Modelle werden dann in Bronze gegossen. Die zwölf Teile dienen dann als Abdeckungen von geschählten Holzpfählen auf Balkonen. Die oberen Schnittflächen werden poliert und anschliessend wird in jedes der 12  Gussteile ein anderes  Sternbild eingraviert.

Morgen Mittag treffe ich mich mit Ramon, um die grafische Umsetzung der Sternbilder vorzubereiten. Nun muss ich aber endlich alles zusammenpacken für meine Ausstellung und die geplante Malaktion in München, die am Freitagabend um 19 Uhr im LAPKUNSTKLUB von Patricia London Ante Paris,  an der Schluderstrasse 45 stattfindet.  

 

http://lap-kunstklub.blogspot.de

 

13. Januar: Ein richtiger Sonntag, mit allem was dazugehört.

12. Januar: Heute mussten wir schon um 4.45 aufstehen. Wir waren verabredet zum Frühstück bei Lisa Schiess in Waldstatt mit einem Schubel Silvesterkläuse. Als Erstes holten wir zwei riesige Butterzöpfe beim Quartierbeck Wernli ab und dann fuhren wir los. Das Zusammentreffen war sehr lustig und eindrucksvoll. Ich war total überrscht und beeindruckt von der Präzision und der durchdachten Choreographie bei diesem Silvesterbrauchs. Die träfen Sprüche, der frische Schnee, die Morgendämmerung, der Gesang und die magisch strahlenden Farben verzauberten diesen Morgen.

Am Abend ein wunderbares Essen mit einem sensationellen Wein und guten Gesprächen bei unseren Nachbarn Ursina und Thomas.

11. Januar: Am Mitteg telefonierte ich lange und mit einigen Unterbrüchen mit Vera.
Das war ein wiklich sehr interessantes Gespräch über Strategien von jungen Künstlern. Vera hat da eine ganz differenzierte eigene Meinung. Mir scheint, dass die heutige globale Vernetzung bei vielen Künstlern zu einem gigantischen Jdeenklau oder positiv ausgedrückt zu einem Jdeentransfer geführt hat. Die gesammte Kunstgeschichte und alles was aktuell auf dem Markt sichtbar ist, wird gnaden- und rücksichtslos kopiert, variert  und als eigene Leistung präsentiert. Junge Kuratorinnen und Kuratoren kämpfen an vorderster Front für ihre Schützlinge und fördern nach zwei drei Jahren schon die nachfolgenden Scharen von Verehrern der zuvor geförderten. Heute sind die Jungkuratorinnen und Kuratoren ja in gleichem Masse unter einem riesigen Erfolgsdruck. Da lob ich mir doch die alten Hasen, die ab und an auch hinter einem Baum verharren, bis die ganze Jagdgesellschaft mit ihren jungen Hunden vorbei gezogen ist. Was aber die Hasen oft vergessen: hinter dem dicksten Baum lauert der alte Fux und der beisst im richtigen Moment genüsslich zu.

Am Nachmittag wühle ich im Archiv herum, um alte Dokumente von Roman Signer zu sichten. Was ich suchte habe ich sofort gefunden. Toll!

10. Januar: Den ganzen Tag habe ich nach geeigneten Papieren gesucht im Internet für eine grosse Serie von Holzschnitten die ich plane. Für diese Arbeit werde ich fast eine Tonne Papier benötigen. Will ich das wirklich? Jetzt suche ich ein ganz dünnes aber strapazierfähiges Seidenpapier, dann reichen 50 Kilo. Am Abend habe ich mir die Wettbewerbsarbeiten für das neue Krematorium in St. Gallen angeschaut. Das Architekturbüro von Iso Senn aus St.Gallen hat den Wettbewerb gewonnen. Mich interessiert das sehr, denn vor fast dreissig Jahren habe ich mein erstes Kunst am Bau Projekt für die Abdankungskapelle im Friedhof Feldli realisieren können. Ich habe damals drei fünf Meter hohe "Menschensäulen" aus ganzen Pappelstämmen gehauen. Es wäre wünschenswert, dass im Zuge eines Neubaus auch die Kapelle renoviert werden könnte. Mit einem neuen Verputz im Inneraum, zeitgemässem Mobiliar und einer neuen Beleuchtung wäre schon viel gewonnen.

Anschliessend ein kurzer Besuch in der Kunsthalle. Giovanni Carmine plant eine Ausstellung von und zu Roman Signer, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Giovanni möchte die Ausstellung von Roman rekonstruieren, die ich 1988 in der Kunsthalle an der Wassergasse kuratiert habe. Spontan skitzierte ich ihm die Ausstellung mit den Signer Objekten. Das war wirklich eine tolle Ausstellung. Roman war damals schon fünfzig!

 Auf dem Weg nach Hause kaufte ich bei Farben Müller noch einiges Malmaterial, das ich für München brauche.

9. Januar: Malen, malen, malen und nachdenken über die geplante Malaktion in München.

8. Januar: Am Nachmittag konnte ich meine zwei in Holz geschnitzten und in Bronze gegossenen Äste im Sitterwerk abholen. Die sind sehr schön geworden. Für den Transport hatte ich mein kleines Rollwägelchen mitgenommen. Die Bronzeteile waren aber um einiges schwerer als ich gedacht hatte. Nach der Steigung im Stocken war ich ziemlich ausser Atem und der Wagen rollte auf den Felgen. Ein nächste Mal werde ich wohl ein Taxi rufen.

7. Januar: Das intensive Malen hat mich einen wichtigen Schritt weitergebracht. Langsam klären sich die Vorstellungen für die geplante Ausstellung bei Ernst Hilger in Wien. Es bleiben mir ja noch ein paar Monate.
Letzte Nacht träumte ich von meiner Familie. In einem skulpturalen Anfall fräste ich heute Nachmittag meine ganze Familie aus der Sicht als 16 jähriger mit der Motorsäge aus einem Pappelstamm. Vater, Mutter sieben Geschwister und mich. Die ganze Bande packte ich am Abend in eine COOP Einkaufstasche und wartete an der Bushaltestelle, um mit meiner ganzen Familie gemeinsam nach Hause zu fahren. "Exgüsi, isch do no frei"? fragte ich eine alte Dame im Bus. "Ich brauche Platz für meine Grossfamilie." Die Dame machte sich ganz klein und dachte wohl der spinnt.  

Am Abend freute ich mich schon darauf, Monika meine neuste Arbeit zu präsentieren. Als sie nach Hause kam ging sie zuerst in ihr Arbeitszimmer. Ich war in der Küche beschäftigt und hörte plötzlich einen lauten Schrei und noch einen und dann noch ein sehr lautes, anhaltendes Gekreische. Irritiert schaute ich nach und sah Monika am Boden liegen. Sie machte mit den Armen merkwürdige Ruderbewegungen. Die Szenerie wirkte, als müsste sich Monika, auf dem Rücken liegend vor einem Gespenst in Sicherheit bringen. Ich versuchte Monika zu beruhigen: "Eine Fledermaus" schrie sie, eine riesige Fledermaus ist im Zimmer". Wirklich flog inm Raum ein riesiges Etwas im Kreis herum. Ich löschte sofort das Licht und öffnete die Fenster. Nach einigen vergeblichen Versuchen flog das Tier in die Nacht hinaus. Monika beruhigte sich langsam und wir rätselten darüber, wie dieser "Flugsaurier" wohl in den verschlossenen Raum gekommen sein konnte. Nach einigem Hin und Her waren wir uns einig, dass es sich um eine verirrte Schwalbe gehandeln haben musste. Sie hatte wohl den Abflug nach Afrika verpasst. Oder war das Ganze ein misteriöses Zeichen? Hatte sich mein verstorbener Vater nach meiner Familienschnitzarbeit bei mir gemeldet? War er nicht zufrieden mit seinem Abbild? Wer kann es wissen?

6. Januar: Malen

5. Januar: Malen

4. Januar: Malen

3. Januar: Malen

2. Januar: Wir sind zurück in St.Gallen. Die Zeitungen der letzten Tage habe ich nachgelesen und die Post erledigt. Das neue Jahr kann beginnen. Es wartet viel Arbeit auf mich. Nun restauriere ich als Erstes meine kleine schwarze Madonna, die beim Herstellen der Gussform kaputt gegangen ist. Es ist ein spezielles Gefühl, eine selbst gestaltete Figur nach vierzig Jahren nachzuempfinden und wieder herzustellen.

Wir waren einige Tage im Piemont mit Freunden bei Freunden. Wir haben excelent gegessen, Gutes getrunken, schöne Spaziergänge gemacht durch Rebberge und durch Eichenwälder, wir sind ans Meer gefahren und durch Sand gestapft, haben Steine gesucht und gefunden, wir legten sie und uns an die Sonne und ich fotografierte silberne Sterne im gleissenden Licht, das sich auf den Wellen brach. In einem kleinen Restaurant assen wir ein paar Köstlichkeiten. Ich konnte dem fritierten Tintenfisch, den Sardellen, den Scampis und den Pomes nicht widerstehen. Am Abend haben wiir gut gekocht, viel diskutiert und debatiert vor dem Kaminfeuer und tanzten dann ins neue Jahr hinein.

28.Januar: Eine lange geruhsame Autofahrt ins Piemont. Solche Fahrten bieten immer die Möglichkeit für ausführliche Gespräche. Monika fährt und ich bin der Lotse.

26. Dezember: Endlich ein ruhiger, besinnlicher Tag. Ich male ein grosses Bild fertig. Der Himmel war schon lange vorbereitet und die Wolken gemalt...

15.00 Uhr: "Poem in the Sky" Nr. I ist vollendet...

25. Dezember: Ein wunderbarer, dreistündiger Spaziergang von Niederteufen bis zu uns nach Hause. Wenige Menschen sind unterwegs. Viele werden sich prall und satt auf ihren Sofas trollen. Bei der Wegkreuzung nach der Waldegg treffen wir Jolanda und Peter Liechti. Das kurze Gespräch bringt gute Laune für unseren Abstieg durch den Pflotsch auf der letzten Wegstunde. Bei einem Bauernhof weckt Monika den alten Appenzellerhund, der uns schon seit vielen, vielen Jahren immer wieder erschreckt und uns ausgiebig anbellt. Warum musste sie ihn aufwecken? Ich glaube es war das letzte Mal.

24. Heute haben wir einige Freunde zum "Lyoner" eingeladen. In meiner Familie war das ein rituelles Mal vor der Beschehrung. Mein Vater bekam immer sehr viele Lyoner, Salami und Schinken von den Metzgern und Viehändlern, denen er über das Jahr hindurch Tiere vom Bauernhof des Bürgerheims verkauft hatte. Dieser Wurstberg wurde dann immer gemeinsam mit der ganzen Familie am Heiligabend abgebaut. Erst nach diesem Abendmal duften wir die Stube mit dem von der Mutter geschmückten Christbaum betreten . Für uns Alle gab es mindestens ein Paar selbst gestrickte Socken, eine Schokolade und je nach Finanzlage auch mehr oder weniger Spielzeug... Bei acht Kindern war das dann doch immer ein richtiger Geschenkeberg in den 60er und 70er Jahren. (Und natürlich ein guter Grund zum Singen)

Vera istam Nachmittag leider schon wieder abgereist. Sie besucht Freunde in Winterthur und Zürich.

Heute im Jahre 2012 braten wir am Abend zwei schöne Biohühnchen, draussen am Drehspiess, am offenen, geschützten Feuer für Ruth, Hermann, Nock und Ning. Das wird sicher ein lustiger Abend, mit dem transportablen, batteriebetriebenen Christbäumchen von Ruth. Leider musste Vera schon am Nachmittag wieder weiterziehen.Sie ist unterwegs als junge Weihnachtsfrau mit einem prall gefüllten Rollkoffer, voll von Geschenken, die sie noch verteilen will. 

23. Dezember: Weihnächtliches Familientreffen mit Hutters in Kriessern. Alle haben etwas Selbstgekochtes mitgebracht. Ein wunderbarer Nachmittag mit vielen Überraschungen.

22. Dezember: Um 10 Uhr morgens ist Vera eingetroffen. Sie kam direkt vom Flughafen. Wir hatten Zeit, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen, bevor wir nach Gais fahren mussten, denn heute hat das Müller - Familientreffen früher als üblich stattgefunden. Sieben Jahre lang haben Monika und ich immer am 25. Dezember für die ganze Familie Müller und am 26. Dezember für die Familie Hutter gekocht. Das sind pro Familie doch immer 15 bis 25 Personen. Dieses Jahr haben wir die Termine nach vorne verlegt. Heute bekochten uns Ursula und Martin in ihrem Restaurant Sternen in Gais. Alles war sehr gut, sehr gemütlich und ich hatte es ausserordentlich lustig.

21. Dezember: Gestern hat mir mein Bruder Hubert gesagt, dass drei kleine Bronzegüsse fertig geworden sind von meiner allerersten Skulptur, die ich als 15 Jähriger in der 3. Sek. modelliert habe. Eine kleine schwarze Madonna, die seit dieser Zeit bei meiner Mutter in der Wohnung steht. Ich war sehr gerührt als meine Mutter den Wunsch äusserte, dass sie diese kleine Madonna als Bronzeguss für ihren zukünftigen Grabstein haben möchte.  Hübi hat alles organisiert und morgen werde ich das Resultat sehen. Leider ist bei der Herstellung der Gussform mein Tonmodell zerstört worden. Ich weiss noch nicht wie Mama darauf reagieren wird.

20. Dezember: Vor zwei Tagen habe ich ein Musterbrett zu Urban Stoob in die Druckerei gebracht. Ich überlege mir, von den Reliefs für Aarau Abriebe zu machen, damit ich die Wirkung der geplanten Motorsägenzeichnungen kontrollieren kann. Urban war voll im Schuss und hat gleich angefangen Proben zu machen. In anderthalb Stunden hiengen schon acht Blätter an der Wand. das Problem liegt darin, dass ich die Zeichnungen seitenrichtig sehen möchte. Die Proben sind sehr vielversprechend. Ein Knackpunkt ist es, das geeignete, farbige Papier in der Grösse von 100 x 200 cm zu finden. Heute bekomme ich die ersten Papiermuster die ich gefunden habe.

Am Abend war ich an einer Weihnachtsfeier bei Vitamin 2. Ramon Lenherr hat mich eingeladen. Eine bunte gemischte Gesellschaft von sehr jungen Gestalterinnen und Gestaltern. Wenige bekannte Gesichter aber viele junge Menschen, die in Zukunft eine schönere Warenwelt kreieren möchten.

19. Dezember: Kurzbesuch in Basel. Stampas machen grossen Bücherverkauf und haben eine Zeichnungsausstellung eingerichtet mit Arbeiten aus ihrem Archiv aus der Zeit von 1970 - 81. Von mir liegen auch zwei sehr frühe Tuschzeichnungen in einer Vitrine. Ich liebe solche Einblicke in Archive und die sich daraus ergebenden zufälligen Nachbarschaften. Es ist doch schon speziell, wie in einem Massenlager neben wildfremden aber total wichtigen Zeitgenossen zu liegen. Notabene ohne Schnarchgeräusche und verschwitzte Wandersocken. Anschliessend eine Sitzung mit den Architekten. Eine Besprechung für einen künstlerischen Schlussakt für die Wohnhäuser in Chamfèr.

18. Dezember: Gestern hatte ich Besuch von einem Fachmann für die Herstellung von Gussmatritzen für den Betonguss. Nun muss ich alles ordnen und aufarbeiten. Ich staune was heute alles möglich ist. Bei ornamentalen und figurativen Betonfassaden wird aber sehr viel blödsinniger Kitsch produziert. Am Mittag sägte ich mit der Motorsäge einen Kopf in ein sägerohes Mammutbaumbrett und habe gleich eine Mustermatritze bestellt. Im Januar sehe ich weiter. 

17. Dezember: Arbeitsreiche Tage. Viele Anfragen und Angebote. Gegen Ende Jahr wollen alle Pendenzen abbauen und das neue Jahr vorplanen. Eine richtige Aufräumwoche. Vermeintlich kleine Aufgaben erweisen sich oft als richtig schwierige und aufwändige Projekte. Ich habe einige Tage mit meinem neuen PC gekämpft. Jetzt läuft alles wieder perfekt. Ich bin gerüstet.
Heute werden meine in Holz geschnitzten Astgabeln in der Kunstgiesserei  im Sitterwerk gegossen. Ich habe die konzipiert als "Türdrücker" für die zwei Häuser in Champfèr, wo ich auch das Borkenkäfermuster für die Holzfassaden entwickelt habe. Ich bin ja gespannt.

16. Dezember: Am Nachmittag ist Jassen angesagt mit Conny und Ceferino aus Schaffhausen. Cefi ist ein Naturtalent. Wir haben den zwei Damen erbarmungslos den Garaus gemacht.

10. Dezember: Abschied, langes Warten, Rückflug und zu Hause ein gemeinsames Geburtstagsessen (Monika und ich haben wirklich gemeinsam Geburtstag) Es gibt einen wunderbaren Barolo, Pasta und Wienerli, sonst ist nichts mehr da. Nach den kulinarischen Höhepunkten der letzten Tage ein spezieller Schlusspunkt, der uns inspiriert, nach Berlin möglichst bald wieder einmal nach Wien zu reisen. 

9. Dezember: Der Sonntag beginnt im Einstein an der Kurfürstenstrasse mit einem fulminanten Frühstück zu später Mittagsstunde.  Die Stadt ist durch den vielen Schnee ruhig und kaltgestellt. Die Atmosphäre im Einstein ist einmalig. Da kommen bei mir immer etwas Heimatgefühle hoch.

Durch dichtes Schneetreiben stapfen wir zur Nationalgalerie. Hans Peter Feldmann hat eine Kopie der Aphrodite in einer hohen Vitrine in der Mitte des Ausstellungsraumes platziert. Die grossen Glascheiben des Gebäudes von Mies van der Rohe sind im oberen Bereich beschlagen und bieten dadurch einen schleierhaften "Vorhangblick" in die Stadtlandschaft hinaus. Ein wunderbares Raumerlebnis mit einer leicht schielenden, dem Meerschaum entstiegenen Göttin im Zentrum.

In den unteren Räumen wird eine Ausstellung aus Sammlungsbeständen der Nationalgalerie präsentiert. "Roter Himel über Berlin" oder so... es gibt immer wieder Entdeckungen zu machen. Unter Anderem die beeindruckende Skulptur "Bleiche Mutter Deutschland".

Am Abend haben wir sehr gut aber überteuert gegessen bei einem Italiener an der Rudolf Dutschke Strasse.

8. Dezember: Endlich haben wir die Gelegenheit die neuen Arbeits- und Wohnräume von Vera in Kreuzberg zu sehen. Vera hat sich wirklich gute Räume geschaffen. Riesige Leinwände stehen zur Grundierung bereit. Ich bin sicher, das wird ein malerisches Freudenfest. Anschliessend gehen wir zum Frühstück im Bethanien. Bei mir kochen natürlich viele Erinnerungen hoch an meine Zeit vor 21 Jahren. Kurz nach dem Mauerfall war ich Gast des Akademischen Austasuschdienstes DAAD und hatte für ein Jahr ein Atelier und eine Wohnung im "Ärztehaus" neben Bethanien. Vera war damals elf Jahre alt und wollte nicht mit nach Berlin. Nun 22 Jahre später arbeitet sie ganz in der Nähe meines damaligen Arbeitsortes. Hinter dem Haus wohnen immer noch die Rollheimer und verwehren was sie verwehren können. In den Ausstellungsräumen werden Werke gezeigt, die sich mit der Warnehmung von Gehörlosen auseinandersetzt. Unter Anderem werden auf Monitoren Filme von Roman Signer gezeigt und über jedem Fernseher läuft ein weiteres Bild mit der jeweiligen Simultanübersetzung in der Gebärdensprache. Am Abend geniessen wir ein üppiges Essen in einem Restaurant, das sich auf Spezialitäten aus Lyon eingeschwoen hat. Viele Innereien werden angeboten. Wir haben erstmals Gänsemagen gegessen. Der zieht sich beim Kochen zu einem kleinen fleischigen Ballen zusammen.0h das war gut aber zu viel.

7. Dezember: Wir haben sehr gut geschlafen an der Boxhagenerstrasse. Eine angenehme, ruhige Wohnung. Um 10.30 Uhr treffen wir Vera zum Frühstück im Restaurant von Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof. Es gibt viel zu geniessen und zu erzählen.

Der anschliessende Besuch der Ausstellung von Martin Honert ist ein wunderbarer Anfang für unser familiäres und kulturelles Treffen in Berlin. Ich schätze die Arbeiten von Honert schon seit den 80er Jahren. Ich glaube Jean Christophe Amman hat erstmals Werke in der Kunsthalle Basel gezeigt und dann viele Arbeiten für das MMK Frankfurt angekauft.

Über dem Lokal von Sarah Wiener wird bis im April 2013 eine sehr feine Ausstellung präsentiert von der jungen Schwedischen Künstlerin Nina Canell und vom letztes Jahr verstorbenen Klang- und Bildkünstler Rolf Julius.

Für den Abend hat Vera Tickets reserviert in der Volksbühne am Rosa Luxenburgplatz. Gespielt wird "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann und Oskar Panizza/Klinik. Ein starker Wind wirbelt für mich unbekannte Seiten der Romantik auf die Bühne und dreht meinen Blick auf diese Zeit. Das Bühnenbild ist gewöhnungsbedürftig, realistisch und anregend. Nach der Vorstellung spielt Bob Rutmann mit seinem Steel Cello Ensemble im Parkett-Café. Ein lustiges Konzert mit einem richtig alten Mann. Ein richtiger Ausklang.

6. Dezember: Heute hatte ich eine spannende Weiterbildung im Hofkeller in St.Gallen. Das statistische Amt des Kantons St. Gallen feierte das 15 jährige Jubiläum. Hochkarätige Referentinnen und Referenten führten ein in Sinn und Zweck von Statistiken und würdigten Dr. Theo Hutter, den Leiter des Amtes, der mit seinem Team die 15 jährige Aufbauarbeit geleistet hat. Ich habe viel über kreative Mathematik und die Spielräume in der Interpretation von Zahlen gelernt. Der anschliessende Imbiss war auch nicht ohne. Unter Anderem Ribelmais mit Maroni und Rüebli? Ich weiss nicht mehr genau, schmeckte aber sehr gut. 

Am Abend Abflug nach Berlin. Endlich können wir Vera besuchen.

5. Dezember: Gestern und heute sind sehr viele Bestellungen für das Buch "DAS HAUS - EIN BERICHT" hereingerasselt. Walter Morgenthaler beschreibt in diesem Buch sehr präziese sein Elternhaus in Grabs, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Fotografisch dokumentiert wurde das Haus von Ute Schendel. Das Vorwort hat Peter Zumtor geschrieben. Gestern war eine kleine aber feine Buchbesprechung in der NZZ abgedruckt und nun wollen alle dieses Buch vom Vexer Verlag. Ja nun bestellen und bestellen und bestellen sie ohne Unterbruch. Mich freuts - das ist ja auch ein ganz schönes Teil.

4. Dezember: Eine Sitzung bei D&D in Basel hat länger gedauert als gedacht. Ich konnte mir gar keine Ausstellungen anschauen. Es ging unter Anderem um die Entscheidung wie die Oberfläche der Mammutbaumretter behandelt werden soll. Sägeroh, Geschliffen, Gehobelt,  oder Gebürstet. Das Holz für die Reliefs, die ich für die Fassade Stadtmuseums in Aarau mache muss über die Festtage im Ofen getrocknet werden und im Januar müssen die Holzplatten produziert werden.

3. Dezember: Nach dem Gespräch mit Ernst Hilger bin ich voll motiviert zum Malen. Es ist einfacher mit einem genauen Ziel die notwendige Disziplin und die Motivation zu halten. Langsam klären sich auch die möglichen Motive für die Bilder. Dieser Prozess wird immer aufwändiger je länger ich an meinem Naturzyklus arbeite.

2. Dezember: Es wurde sehr spät gestern. Ein schönes Frühstück und eine gebührende Aufarbeitung der nächtlichen Dikussionen dauert bis zum Mittag.
Um 16 Uhr gehe ich an ein Künstlergespräch von Bernard Tagwerker mit Roland Wäspe im Architekturforum an der Davidstrasse. Ein Künstler, ein Museumsdirektor und zwölf Besucher. Die eineinhalb Stunden sind schnell vorbei und mir wird einmal mehr klar, wie rasant sich die digitale Technik in den letzten zwanzig Jahren weiterentwickelt hat. Wie schnell auch neue Technologie einen nostalgischen Anstrich bekommt. Bernard arbeitet schon lange mit dem Zufallsprinzip. Ich finde es spannend, dass in der Kunst von Bernard durch präziese Konzepte, durch eine sorgfältige Materialwahl und durch Beharrlichkeit über viele Jahre hinweg ein sehr sinnliches, ästhetisches und sehr persönliches Werk entstanden ist. Eigentlich hat Bernard ja das Persönliche, Künstlerische und Haptische an technische Gerätschaften delegiert und trotzdem sind die entstehenden Resultate immer sehr intime, persönliche Werke.

1. Dezember: Gestern haben wir einen wunderbaren Abend verbracht, mit feinen Speisen, gutem Wein und interessanten Gesprächen. Helen und Hansjörg Heé sind gute Esser und ebensogute Gesprächspartner. Für mich wird das Altern immer mehr zu einem Thema. Viele Freundinnen und Freunde werden in den nächsten Jahren pensioniert und planen somit ihre letzten Lebensabschnitte. Das ist sehr spannend und macht mir bewusst, dass es wichtig ist auch wieder vermehrt mit einer jüngeren Generation in Kontakt zu treten. Plötzlich ist man mitten drin, was eigentlich ganz schön ist.

Heute kommen Walter Tschopp, Tina Moor, Brigitte Ambühl und Hans Fässler. Ich habe schon wieder meinen Holzofen eingeheizt. Monika hat einen Hackbraten vorbereitet, dazu gibts Kartoffelstock und Blaukraut - es duftet schon sehr gut im Haus. Ich treffe Walter am Bahnhof und wir fahren direkt zum Atelier. Es ist bitter kalt. Der Raum ist fast nicht heizbar aber ich habe eine kleine Ausstellung vorbereitet um die Arbeit der letzten 10 Jahre nachvollziehbar zu machen.
Der Abend wird sehr lustig und unterhaltsam. Am Schluss entsteht noch eine vehemente Männerdiskussion über den Feminismus.  Brigit Schmid hat im Tagesanzeiger Magazin eine Polemik zum livestyl Feminismus geschrieben. Die drei Frauen am Tisch hatten den Artikel nicht gelesen. Umso heftiger argumentierten wir Männer.  Na ja eine Lösung wäre ja, wenn wir nicht mehr über Männer und Frauen, sondern über soziale Gerechtigkeit diskutieren würden. Über gleiche Löhne, gleiche Bildungschancen und Solidarität über die Körper- und Landesgrenzen hinaus.

30. November: Schneeschaufeln, malen und Feuer machen. Heute wird auf dem Holzherd in meinem Atelier ein Kaninchen aus dem Rheintal gekocht. Monika hat schon alles vorbereitet. Wir erwarten Besuch. 

29. November: Malen - organisieren - nachdenken - lesen. Ein langes Telefongespräch mit Ernst Hilger bringt Klarheit. Die geplante Ausstellung in Wien ist jetzt fixiert auf Dienstag 28. Mai 2013 und dauert bis mitte Juli. . Ich mache die Ausstellung in der Galerie an der Dorotheergasse, obwohl Ernst im März einen riesigen neuen Galerieraum bei der Brot Kunsthalle eröffnet. Für meine Ausstellung mit neuen Bildern ist ein Katalog geplant. Darauf freue ich mich natürlich sehr.

28. November: Heute Mittag war ich kurz in der Giesserei im Sitterwerk um die zwei Wachsmodelle meiner Äste zu kontrollieren. Die zwei Astgabeln habe ich mit der Motorsäge aus einem Pappelstamm herausgeschnitten und bearbeitet. Mitte Dezember werden die zwei Teile in Bronze gegossen und anschliessend als "Türdrücker" bei zwei Häusern in Champfèr montiert.

27. November: Die letzten Tage war ich sehr gespannt auf die Gestaltungsarbeit von Kasper Kobel. Ihn habe ich kennen und schätzen gelernt durch das Dada Modul, das er zusammen mit Joelle Lehmann gestaltet hat. Er hat nun die drei geplanten Publikationen von Wolfram Lotz vorbereitet. Ich habe diesen Herbst im Piemont drei Bildfolgen zu diesen drei Titeln gemacht. "MAMA eine Szene", "Einige Engelserscheinungen in Amerika" und "Kleine Erzählungen". Diese drei Bände möchte ich in der Serie der neuen Planeten herausgeben. In dieser Reihe ist als erstes das Buch der Niederlagen von Vanja Hutter erschienen. Heute morgen habe ich gelesen, dass der Stand der Planeten einen grossen Einfluss auf die Sonnenstürme hat. Das habe ich schon lange vermutet und darum die Serie der neuen Planeten gestartet. Für noch mehr Sturm.

26. November: Jetzt habe ich das neue Parkett vor mir liegen mit dem Maler Liu Xiaodong und der Malerin Nicole Eisenmann. Das haut mich um.

25. November: Ein ruhiger Sonntag mit einem langen Spaziergang. Die Stadtratswahl bietet eine grosse Überraschung. Markus Buschor wird als Parteiloser gewählt und die zwei SP Kandidaten schaffen es nicht. In unserem Quartier kann nun das Naturmuseum gebaut werden. Das ist eine sehr gute Entscheidung und ermöglicht mehr Raum für das Kunstmuseum.

24. November: Ich arbeitete den ganzen Tag im Garten und habe das Holz verarbeitet. In zwei Tagen habe ich sechzig Büscheli geschafft. Das reicht um zwei Monate mein Atelier zu heizen. Am Abend essen wir mit sieben Freunden bei Ali und Gülüstan in der Blume und gehen anschliessend in die Disco im Kastanienhof. Hermann und Ruth legen auf. Tanzen macht Spass.

23. November: Am Morgen habe ich begonnen das ganze zurückgeschnittene Holz der Hecken zu Büscheli zu verarbeiten. Als kleiner Knabe habe ich meinem Grossvater tagelang zugeschaut, wie er am Waldrand riesige Haufen von Ästen zu wunderschönen Büscheli verarbeitet hat. Nun mache ich das Gleiche aus der Erinnerung heraus. Ich bin mir nicht sicher, ob die kleine rote Katze die mir den ganzen Tag zuschaut, in ihrem nächsten Leben fähig ist Büscheli zu machen.

Am Abend haben wir schnell bei Christian Röllin vorbeigeschaut. Die Eröffnung von Sangalensia III. Was hätte wohl Gallus zu dieser Ausstellungs-Serie gesagt? Wärend ich am PC sitze und schreibe, sitzen zwei riesige schwarze Raben auf dem Essigbaum im Garten und versuchen mir mit grossem Lärm etwas zu erklären. Ich verstehe leider ihre Sprache nicht.
Um 19 Uhr schiebt Monika eine riesige Bodenseeforelle auf einem getrockneten Estragonbett in den Backofen. Dazu gibt es Kartoffeln, die ich in Currywasser koche (wegen dem Geschmack und der Farbe) das passt wunderbar zu Spinat. Leider haben Werner und ich keine Chance beim Jass gegen Monika und Gabriela. Schön war's trotzdem.

22. November: Am Morgen habe ich ein neues Bild begonnen und am Nachmittag 200 Bücher nummeriert und einzeln an Bernard Tagwerker zum signieren hingereicht. Bernard hat viel erzählt. Beim signieren wird das immer schwierig weil man die bereits geschriebenen Nummern vergisst oder beim Schreiben des Namens den eigenen Namen vergisst. Es kann sein, dass Bernard einige Bücher mit Bernard Picasso unterschrieben hat. Wir haben wirklich viel gelacht.

 21. November: Gestern hatte ich Besuch von einer Gruppe Studierender von der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen. Zwanzig junge, sehr symathische Menschen, vor allem Frauen, die in Zukunft Kinder unterrichten werden. Ich staune einfach immer wieder über die Tatsache, dass Kunst für viele Menschen sehr sehr weit weg ist. Kunst ist für viele ein klischierter Sammelbegriff für überteuertes, exzentrisches und unverständliches Tun. Unfassbar, unbeschreibbar, unbrauchbar. Ich hoffe, dass ich diesen Eindruck ein bisschen korrigieren konnte. Hat es ein Tennisspieler eventuell einfacher, die Menschheit von seiner hohen Kunst des Spiels zu überzeugen?

18. November: Heute Sonntagmorgen um 11 Uhr waren wir zu sechst zu einer Führung durch die Ausstellung von Pipilotti Rist im Kunstmuseum St. Gallen eingeladen. Das war nun mein dritter Besuch der Ausstellung. Zuerst bei der Eröffnung mit sehr vielen Menschen, dann fast alleine unter der Woche und nun in einer kleinen Gruppe mit einer Museumspädagogin. Ich habe viel über neue Gerätetechnologie, versteckte Projektoren und Minimonitoren erfahren. In einer Gruppe schaut es sich leichter und man kann unbekümmerter in den Räumen herumliegen. Ich persönlich werde mit meiner eigenen blutbetriebenen Kamera weiterschauen und an meinen Bildern weitermalen. Meine Malereien sind bei Tageslicht auch bei einem Stromausfall sichtbar. Manchmal gibt mir die Tatsache zu denken, dass ein Sturm genügt, um alle digitalen Bilder auszuschalten und hunderttausende von Menschen unerreichbar zu machen.

Am Nachmittag werden in der Bibliothek im Sitterwerk die schönsten Schweizer Bücher von 2011 präsentiert. Leider ist das XYLON Jubelbuch nicht dabei. Wir haben es leider verpasst dieses Buch einzureichen. Es ist trotzdem das schönste Buch von 2011. Gell. Anisha Imhasly vom Bundesamt für Kultur hat die Ausstellung eröffnet mit einer erhellenden Einführung in den Wettbewerb und in die aufliegenden Publikationen. Dieses Jahr hat der Nieves Verlag gross abgeräumt. Als Schweizerbuch gilt ein Werk, wenn der/die Gestalter oder der Herausgeber oder der Verlag oder die Druckerei in der Schweiz ansässig ist oder aus der Schweiz stammt. Herr Minder wäre mit diesem Swissnessbegriff sicher nicht einverstanden.  

17. November: Am Abend haben wir den Film über Marina Abramovic im Kinok gesehen. Ein sehr eindrücklicher Dokfilm, der viel zu denken gibt. 750 tausend Menschen haben ihre Ausstellung im MOMA in New York gesehen. Tausende dieser Menschen hatten eine direkte persönliche Begegnung mit der Künstlerin. Sie war drei Monate als Mensch performativ in der Ausstellung anwesend. Eine riesige Anstrengung, die neue Bewusstseinsebenen bei der Künstlerin und beim Publikum öffnete. Kunst als eine neue Form von Religion scheint nun Wirklichkeit geworden zu sein.

16. November: Heute habe ich ausgerechnet wie viele Kilos ich herumschleppe mit dem neuen Buch von Bernard Tagwerker. Das ganze Balett wiegt 800 Kilo. Jedes Buch wird kontrolliert und signiert. Schritt eins: alle Büpcher auspacken und zum signieren vorlegen = 800 Kilo. Schritt zwei: jedes Buch wird in ein Makulaturpapier eingepackt =1600 Kilo. Schritt drei: jedes Buch wird nach Hause getragen = 2400 Kilo. Schritt vier: jedes Buch wird ins Lager eingeordnet = 3200 Kilo. Schritt fünf: jedes Buch wird aus dem Lager geholt = 4000 Kilo. Schritt sechs: jedes Buch wird in einen Versandkarton gepackt = 4800 Kilo. Schritt sieben: jedes Buch wird zur Post gebracht = 5600 Kilo. Erfahrungsgemäss muss das Lager einmal im Jahr aus Platzgründen umgeräumt werden. Das sind dann schon 10 Tonnen Bücher von Bernard Tagwerker, die ich bis Ende Jahr herumgeschleppt habe. Meine Erkenntnis: das Herausgeben von Büchern macht grossen Spass und das Herumtragen von Büchern macht extrem müde.

15. November: Es ist Zeit für einen radikalen Schnitt. Meine Haare müssen weg. Diese Lust auf Veränderung gibt es bei mir immer wieder. Es tut gut, allte Zöpfe abzuschneiden und neu zu beginnen. Wenn ich meine Ohren wieder sehe, läuft alles viel einfacher.

12. November: Die Nachbereitung der Frauenfelder Buch und Handpressenmesse gibt einiges zu tun. Aber diese Woche wird gemalt. Ich muss mich total disziplinieren, damit ich wirklich dran bleibe. Einige grosse Leinwände sind grundiert und die Motive ausgewählt.

11. November: Am Freitagmorgen reiste ich nach Frauenfeld an die Buch und Handpressen-Messe. Ich habe das erste Mal an diesem Ort einen Teil vom Vexer Verlagsprogramm präsentiert. Drei Tage an einem Messestand zu stehen ist sehr anstrengend aber es hat sich gelohnt. Einige Profis waren da, u. A. Markus Landert, René Munz, Christof Rütimann, Susanna Gahse, viele Kunstschaffende und auch ganz junge interessierte Gestalter sind vorbeigekommen. Es gab viele  aufschlussreiche Gespräche mit Verlegern, Buchhändlern und interessierten Menschen. Der Verkauf war erstaundlich gut. Ich denke da gehe ich in zwei Jahren wieder hin.

8. November:  Sitzung in Aarau mit der Firma, die nächstes Jahr die Betonelemente für die Fassade des Stadtmuseums Aarau giessen werden. Anschliessend besuche ich die Ausstellung im Kunsthaus Aarau. Anlässlich des 30 Jahr Jubiläums der Manorkunstpreise präsentiert das Kunsthaus 49 Künstlerinnen und Künstler unter 40. Ein Kuratorenboard hat unter dem Vorsitz von Madeleine Schuppli eine Auswahl getroffen. Auffällig ist, dass praktisch alle Kunstschaffenden die hier präsentiert werden bereits durch Galerien vertreten werden. Ich staune immer wieder, wie "Museal" junge Kunst heute daherkommt.  Am beeindruckensten fand ich die vergängliche Installation im Innenhof von Fabian Marti. Der Künstler hat aus ungebranntem Ton verschiedene skulpturale Elemente geformt, die bis zum Ende der Ausstellung durch die Witterung wieder zerstört werden. Das ist Kunst die entstanden ist aus einem vergnügliche künstlerischen Tun und dieses Werk ist sicher nicht für einen Lagerraum bis ans Ende unserer  Zeit gemacht.

Am Abend musste ich wieder in St.Gallen sein für die Eröffnung der Ausstellung von Bernard Tagwerker, mit der Buchpremiere des Vexer Verlages. Bernard hat im Architekturforum Ostschweiz im Lagerhaus vorgeführt, wie man einen Raum durch wenige Eingriffe klären und optimieren kann. Diese Eröffnung war ein richtig guter St. Galler Kulturanlass.  

5. November: Heute machte ich einen Atelierbesuch bei Walter Angern in Teufen. Der bald sechzigjährige hat in den letzten Jahren eindrückliche Werke geschaffen. Ausgehend von "abstrakten" Fotos sucht er malerische Antworten. Dabei entstehen meist mehrteilige Arbeiten, die durch die feinstoffliche Farbigkeit und die delikate Materialität eine sehr persönliche, intime Empfindsamkeit offenbaren. Diese Arbeiten haben mich echt überrascht und beeindruckt.

4. November: Dieses Wochenende waren wir in Biel und haben Freunde besucht. Wunderbares Essen, gute Gespräche, interessante Stadtspaziergänge. Biel scheint mir aber sehr verschlafen zu sein. Am Sonntag auf der Heimreise machen wir in Olten einen Zwischenhalt, um die Ausstellung von Katja Schenker anzuschauen. Sie hat die Böden des Museums mit einem Flies abgedeckt, mit Isolationsmaterial ausgelegt  und mit Zement übergossen. Mit grossen, blumenartigen Tampons, die mit Farbe getränkt wurden, vertropfte sie dann den Boden. Durch das Gewicht der Besucher bildeten sich Risse im Zement und das weiche Isolationsmaterial gab bei jedem Schritt nach. Dadurch entstand ein irritierendes, unangenehm weiches Körpergefühl beim Gehen. Dieses Gefühl ist auch nicht unbedingt förderlich um die an den Wänden platzierten Zeichnungen anzuschauen. Man bekommt dabei ganz weiche Knie. Was will uns Katja wohl damit sagen? 

2. November: Am Morgen treffe ich Felix Lehner in der Kunstgiesserei im Sittertal für eine Besprechung meiner Türdrückeridee für Champhèr. Felix führt mich anschliessend durch die Räume, (da ist wieder einiges dazugekommen) und zeigt mir all die Werke, die in Arbeit sind.  Es ist eindrücklich und verrückt was hier entsteht und entstanden ist.

Am Abend fahre ich mit Monika nach St. Peterzell. Wir sind eingeladen zu einem Abschlussessen mit all den Helferinnen und Helfern, die im Sommer die Vexer Ausstellung in der Propstei gehütet haben. Das sind alles ganz feine und interessierte Menschen. Die Ausstellung bleibt bis im nächsten Frühsommer installiert und kann bei Voranmeldung in Gruppen angeschaut werden. Die Vexer-Necker-Skulptur von Roman Signer kann somit richtig schön langsam im Dachgeschoss lufttrocknen.

 

1. November: Heute bin ich nach Basel gefahren für eine Besprechung. Ich konnte die Fassaden für zwei Holzhäuser von Diener&Diener in Champhèr gestalten. Nun geht es darum, wie die Türdrücker für die zwei Hauseingänge gestaltet werden. Mir wurde bei dieser Aufgabe bewusst, wie wichtig dieses Detail ist. Wenn wir eine Türe öffnen, ist das die erste Berührung mit dem Haus, das wir betreten möchten. Achtsamkeit und Sorgfalt sind angesagt. Ich denke mir, ein kleines "Hopla", "Aha" oder "Exgüsi" bei dieser Berührung könnte nicht schaden.

Anschliessend habe ich im Kunstmuseum die Ausstellung "Arte Povera - Der grosse Aufbruch angeschaut". Der erste Raum ist so schwindelerregend und so voll. Ich fühlte mich wie bei einer Bergtour, kurz bevor man den Gipfel erreicht. Man stolpert über die letzten Steine und ist schon vom sich bietenden Ausblick überwältigt. Die eindrücklichen Werke aus der Sammlung Goetz bieten einen Panoramablick auf die Zeit seit den sechziger Jahren. Staunend stellt man fest, wieviele Ideen von diesen Pionieren (P wie: Pascali, Paolini, Prini, Pistoletto usw.) bis in unsere Zeit nachhallen. Diesen Werken würde man gerne mehr Platz wünschen.

Im Kupferstichkabinett wird das breite zeichnerische Werk von Markus Rätz ausgebreitet. Ein Genuss. Rätz ist für mich auch ohne Professur einer der wichtigsten Lehrer in Sachen Warnehmung.
Anschliessend ein Besuch in der Galerie Stampa. Die Fotoarbeiten von Daniela Kaiser überraschen mich immer wieder. Valentina Stieger hat Keilrahmen mit Bettwäschemustern überzogen und mit malerischen Mitteln "versteift". Schreckliche Muster aus Warenhäusern. Für mich als ehemaligen Stickerei- und Textilentwerfer ist es fast unmöglich diese Scheusslichkeiten auszuhalten. Ein biederer, halb über die Heizkörper hängender Vorhang und eine glänzende Stahlrohrskulptur im Raum, die mich an eine Vergrösserung einer Büroklammer erinnert, gibt mir den Rest. So haben Büro und Wohnräume in den siebziger und achziger Jahren gewirkt. 
Nach dem Besuch bei Stampas habe ich noch die Ausstellungen in der Kunsthalle angeschaut. Pamela Rosenkranz bespielt die Räume im Erdgeschoss mit Ironie und Intelligenz. Am Anfang der Ausstellung fliesst unter hohem Druck blaues Wasser in ein Waschbecken. Blaue Viagratabletten bilden eine Linie, die man überschreiten muss. Kleine Videos  werden durch Petflaschen, die mit hautfarbenen Flüssigkeiten gefüllt sind an die Wände projeziert. In einem Zwischenraum hängen vergrösserte und verfremdete blaue Arbeiten von Yves Klein. In einem Kühlschrank stehen weitere Petflaschen als Vorrat bereit. In dieser Ausstellung hat es im Gegensatz zum Kunstmuseum Platz zum versauen.
Im Oberlichtsaal zeigt Adriana Lara durch eine simple Darstellung den Domino Effekt. Laut der aufliegenden Ausstellungsbroschüre geht es nicht um das Spiel sondern um Revolutionen. Der Künstlerin ist es gelungen, das Leid und die Not von Millionen von Menschen auf eine unerträgliche Art und Weise zu simplifizieren, die ich zum Schreien finde.
Ab zum Bahnhof - ab nach Hause.

 

29. Oktober: Beim Malen denke ich darüber nach, wie ich die Türdrücker für die Häuser in Champhèr gestalten könnte. Holz?, geschmiedetes Eisen oder eine Gussform? Es eilt. Die Wohnungen werden bis Februar 2013 bezogen.

28. Oktober: Endlich habe ich etwas Zeit für mich. Am Freitag habe ich mir natürlich auch die Ausstellungen im Kunsthaus Zürich angeschaut. Die graphischen Blätter von Paul Gaugin sind sehr eindrücklich in ihrer Einfachheit. Spürbar wird der grosse Respekt vor dem unfassbaren, göttlichen Geist. Keine grossen Gesten, eher ein vorsichtiges Herantasten an die verborgenen spirituellen Geheimnisse. Bei diesen Arbeiten geht es nicht darum, sich als potenter Künstler zu beweisen, Gaugin wollte eher etwas über das Sein in einer fremden Kultur herausfinden und begreifen. Eine kleine feine Präsentation. Im Obergeschoss wird mit grosser Geste die Grosszügigkeit des geplanten Neubaus durchgespielt. Der Drang nach Internationalität zeigt sich beispielhaft am übergewichtigen massiven Holzrahmen eines Werkes von David Renggli. Fetter Rahmen, magerrer Inhalt. das ist natürlich ironisch gemeint - oder. Im Tagesanzeiger lese ich von der ablehnenden Haltung der Visarte Zürich zum Neubauprojekt. Bei knapper werdenden Geldmitteln scheint sich wieder ein Sturm gegen die etablierten Kulturhäuser aufzubauen. Die Frage ist natürlich berechtigt, ob es bei Kultur um Städtemarketing und Schickimicki oder um die Vermittlung von Inhalten gehen soll. Ich bin ja gespannt. Schön wäre ja auch wenn private Stiftungen wenigstens für die Versicherungsgelder aufkommen würden. Von den Wertsteigerungen durch die Dauerpräsenz in einer Institution profitieren ja auch nur sie.

27. Oktober: http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/reflexe/2741.sh10244498.html

26. Oktober: Ein strenger Tag. In der Früh mit dem Zug nach Zürich ins Radio Studio. Dann das Gespräch als Monatsgast für Reflexe mit Barbara Basting. Solche Momente der Konzentration ordnen bei mir die Gehirnzellen. Das tut gut. Anschliessend bin ich zum Helmhaus gefahren und schaute mir die Malereiausstellung noch einmal in aller Ruhe an. Das war sehr aufschlussreich und anregend. Im Kunstkiost bei Bruno Rusterholz fand ich zufällig ein paar antiquarische Kostbarkeiten von Frida Kahlo und Tina Modotti, von Michael Foucault "Überwachen und Strafen" Die Geburt des gefängnisses und ein thematisches Buch von Claudia Benthien und Christoph Wulf "KÖRPERTEILE". Beim Kapitel Haar habe ich schon gelernt, dass es auf französisch verschiedene Worte gibt für Körperhaar und Kopfhaar. Interessant. Der Kopf ist Mensch und der Körper ein Tier?

Am Nachmittag werden die Bücher von Bernard Tagwerker geliefert. Wir treffen uns um 15.00 Uhr im Atelier in Haggen.Die Freude ist gross. Vorsichtig blättert Bernard Seite um Seite. Bei diesen zwölffachen Überdrucken ist es auch ihm nicht möglich ebventuelle Fehler zu erkennen. Das Buch ist wunderschön geworden und sehr schwer. 1,6 Kilo pro Buch. Nun liegt fast eine Tonne neue Bücher bei mir im Atelier. Bis die alle signiert, eingepackt, gelagert, nach Hause gebracht, in Packete verpackt und auf die Post gebracht sind, habe ich weitere zehn Tonnen Material herumgeschleppt. Was mache ich doch alles für die Kunst. Ich bin ein Schlepper.

25. Heute male ich bis der Pinsel Funken sprüht. Ich habe keine Zeit zum Essen. Morgen bin ich im Radio Studio DRS bei Barbara Basting als Monatsgast eingeladen. Die Sendung wird um 10.00 Uhr direkt übertragen. Beim Malen sage ich heute dauernd ä und ö und ä und ö, damit mir das morgen nicht zu oft passiert. Patricia London ante Paris hat mich heute zu einer Malaktion und zu einer Ausstellung nach München eingeladen. Ich werde das im Januar machen. Malen vor Publikum generiert so wunderbar viel Adrenalin und München ist immer einen Besuch wert.

Morgen Nachmittag werden die Bücher von Bernard Tagwerker ausgeliefert. Ich bin sehr gespannt darauf. Es ist immer ein sehr spezieller Moment, wenn man das erste Buch einer neuen Produktion öffnen kann. Nur schon der Geruch ist einmalig. Besser als die feinsten Fritten.

24. Oktober: Langsam habe ich alle meine Pendenzen erledigt. Gestern war ein strenger Tag. Ich habe eine kleine Ausstellung eingerichtet in meinem Atelier. Besuch war angesagt. Eine spannende Begegnung die Katharina Bütikofer aus Bern organisiert und geleitet hat. Am Abend sind wir einmal mehr nach Zürich gefahren. Sebastian Utzni hat eine sehr dichte Zeichnungsausstellung für die Galerie Katz Contemporary kuratiert. Ein bunter Mix aus verschiedenen Künstlergenerationen bis hin zu Albert Anker und Ferdinand Hodler. Dabei sind auch Peter Emch und Thomas Müllenbach und viele ihrer ehemaligen Schüler von der ZHDK. Vera zeigt eine Serie von neuen Blättern, die auf mich wie mikroskopische Einblicke in ihre neuen "abstrakten" Bilder wirken.  Viel Überraschendes und Unbekanntes, genügend Erotisches und Skurriles um einen Besuch dieser Ausstellung interessant und lohnenswert zu machen.

21. Oktober: Ein wunderbarer Herbsttag und ich sitze im Keller in meinem Büro. Es gibt soviel zu tun nach 14 Tagen Piemont. Wir waren in unserem winzigen Haus oberhalb des Ortasees. Den See haben wir praktisch nie gesehen. Es war neblieb, niesieg und kalt. Ein super Wetter um täglich drei Stunden steile Wiesenborde mit der Sense zu mähen. Ich war etwas aus der Übung aber nach dem dritten Tag klappte es immer besser. Das Mähen war eine ungeahnte Möglichkeit, mit meinem Grossvater und meinem Vater in Kontakt zu treten. Die beiden sind schon lange gestorben aber durch die Arbeit erwachten viele Erinnerungen. Mein Grossvater weigerte sich 1960 standhaft den Motormäher  zu benützen. Er schnitt das Gras für das Vieh täglich mit der Sense und mein Onkel konnte die Verweigerungshaltung seines Vaters nicht verstehen. Als kleines Kind hat mir die Meinung des Grossvaters sehr imponiert. Dass dieser alter Mann so uneinsichtig und starrköpfig sein konnte, bestätigte mich in meiner Angst vor Maschinen. Zufällig fand ich in einem Gemischtwarenladen in Omegna ein handgeschmiedetes Eisenteil, das notwendig ist um Sensen zu dengeln. Aus meiner Erinnerung heraus baute ich einen Dengelbock. Dazu fällte ich im Wald zuerst eine abgestobene Lärche mit ca. 25 cm Durchmesser und sägte die notwendigen Holzrugel zurecht. Die Sitzbank schnitt ich mit der Motorsäge aus einem Kastanienbrett.

Bevor ich weiterschreibe lege ich mich nun in die Badewanne mit frisch von der Sonne erwärmtem Wasser. Herrlich!

Auf den Abend haben wie einige Nachbarn zu Maroni, Käse, und Salami eingeladen. Auch der Wein kommt aus dem Piemont. Ein einfacher Nebiolo, der in Zweilitterflaschen abgefüllt ist. Die Maroni brate ich direkt über dem Feuer im Freien. Vera wird auch dabei sein. Monika hat schon alle Schaffelle bereitgelegt, damit niemand frieren wird. Wärend das Badewasser langsam abkühlt, denke ich an die wunderschöne Wanderung, die wir am einzig richtig sonnigen Tag im Nationalpark Val Grande unternehmen konnten - und schon klingelt es an der Haustüre...

6. Oktober: Gestern baute ich einen neuen grossen Drucktisch. Die Kniehebelpresse von Emil Zbinden ist nun gut platziert und betriebsbereit. Es macht Spass, 1000 Kilogramm Gusseisen alleine herumbewegen zu können.  Aber ich gebe zu, dass ich einen Moment lang Angst hatte, dass die ganze Maschine vom Palett herunterkippen könnte.

Am Aben gingen wir zur Eröffnung in die Kunsthalle St.Gallen. Die Malerin Sylvia Sleigh wird mit einer Retrospektive präsentiert. Martin Leuthold hat eine spannende Inszenierung geschaffen. Aus gemusterten Bildausschnitten hat er Tapeten produziert und damit ganze Wände überzogen. Die Bilder sind nun eingebettet auf bunten und gemusterten Wänden. Ein interessanter Rückblick auf den gesellschaftlichen Aufbruch in den, sechziger und siebziger Jahren. Jimi Hendricks wir vermissen dich. Es ist so verrückt, die Muster stammen aus der Zeit als ich mit Martin zusammen an der Vadianstrasse Müsterli gezeichnet habe.

4. Oktober: Ich habe den ganzen Tag mein Bildhaueratelier umorganisiert. Ich muss Platz schaffen, wenn in den nächsten Monaten die 150 Holzplatten für das riesige Kunst am Bau Projekt für das Stadtmuseum in Aarau geliefert werden. Das ist eine logistische Herausforderung.

Um 18 Uhr treffe ich Monika auf dem Bahnhofplatz. Wir wollen uns eine Ausstellung von Christian Vetter anschauen. Er hat auf Einladung der Guerilla Galerie in den ehemaligen Räumen des Betreibungsamtes eine Installation realisiert. Die Türen der Schränke sind teilweise geöffnet. Er hat schwarzen Stoff über Dachlattenrahmen gespannt und diese unterschiedlich in den Räumen platziert. Die ganze Installation wirkt ärmlich, mager und kulissenhaft. In einem Raum steht ein grosser, geschlossenner, schwarzer Stoffkubus. Die letzten Reste der tiefen schwarzen Schuldenlöcher, in die schon so viele Menschen und nun auch ganze Staaten gefallen sind. Der prunkvolle Holzkorpus des Schalterbeamten, mit dem eingebauten Tresor wirkt wie ein Altar um Schuldscheine zu zelebrieren. Dieser Altar wäre bestens geeignet für alle zukünftiegen Abdankungsfeiern für den Kapitalismus.

3. Oktober: Eigentlich wollte ich gestern Mittag nur kurz zur Raiffeisenbank. In der Vadianstrasse konnte ich aber nicht am Textilmuseum vorbei gehen. Es zog mich förmlich in dieses Haus hinein. Manchmal verschwindet die Zeit. Gedankenverloren schritt ich die Treppen hinauf, wie anfang der siebziger Jahre, als ich in der Textilfachschule zum Stickereientwerfer ausgebildet wurde. Im obersten Stock ist aber keiner meiner Lehrer. Kein Willi Koch, kein Peter Käser und auch kein Urs Hochuli. Es riecht auch nicht mehr nach alten Textilien in hunderten von Kartonschachteln, mit eingestreuten Mottenkugeln.

Das Haus wirkt gelüftet und ausgestaubt. Im Textilmuseum werden Herrlichkeiten präsentiert. Die textilen Kirchenschätze aus St.Gallen sind wunderschön. Als Kind wäre ich in der Sonntagsmesse immer gerne ganz nahe an die priesterlichen Gewänder herangegangen. Die prunkvoll bestickten Textilien blieben aber für mich etwas Geheimnisumwobenes. Als Kind stellte ich mir vor, dass die Priester in der Kirche nicht selber gehen. Ich sah ja keine Füsse. Mir schien es eher so zu sein, dass sie durch eine höhere Macht langsam, würdevoll und sehr vorsichtig hin und her geschoben werden. Dabei bewegten sich die farbigen Kleider kaum. Nun stehe ich vor den Vitrinen und drücke mir fast die Nase platt, um ja kein Detail zu übersehen. Das ist wirklich Weltkultur.

Etwas benommen bin ich dann an der Bank vorbei zum Bahnhof gegangen und nach Winterthur gefahren.

Ich liebe die Arbeiten von Vallotton. Die Frauenzeichnungen im Kunstmuseum sind schon fast schmerzhaft schön.
Was mich aber völlig beglückt hat ist die Sammlungsausstellung im Neubau mit den Neuerwerbungen. Die schwarz lackierte Holzskulptur "Meister Gerhard" von Isa Gensken umweht die präziese ausgewählten Werke mit einer sanften Ironie und öffnet Gedankenräume einer Künstlerin. Die Werke scheinen plötzlich sprechen zu können. Ich höre die Stimmen der Künstler. Was mich besonders gefreut hat ist die Wiederbegegnung mit dem britischen Bildhauers Richard Deakon. Ich habe ihn kennengelernt 1985 in einem Kloster in Frankreich. Wir waren beide eingeladen für die "Premiers Ateliers Internationaux de Fontevraud". Ich habe keine Ahnung, ob es die erste und gleichzeitig die letzte Ausstellung an diesem Ort war. Er hämmerte, bohrte und werkte im Obergeschoss an seinen Skulpturen herum und ich bearbeitete im Hof der Abtei einen Marmorblock und einen riesigen Baumstamm. Wir verstanden uns sehr gut und wir beide waren froh, die Arbeitsgeräusche des Anderen zu hören. Die Marmorskulptur "Fuss-Kopf" schenkte ich später aus Dankbarkeit dem Museum in les Sables d'Olonne. Ja und nun ist eine sehr schöne Werkgruppe von Richard im Kunstmuseum Winterthur gelandet. Dieter Schwarz sei's gedankt.

2. Oktober: Heute gibt es einen geistigen Aufräumtag. Gedanken ordnen und die anstehenden Projekte planen. Zuerst signiere ich aber einen Stapel Hozdrucke, die Ulrich Tarlatt für seinen Almanach gedruckt hat. In ein Mammutbaumbrett habe ich den Satz "Viel Glücks und gute Zähne, dein Borki" gefräst. Na ja der Borkenkäfer hat nun auch schreiben gelernt. Per Mail kommt eine gute Nachricht von Dorothee Elmiger. Gedankenreisen in die Zukunft halten mich lebendig. Am Nachmittag werde ich mir die Zeichnungen von Félix Vallotton in Kunstmuseum Winterthur anschauen. Am Abend haben wir dann eine Redaktionssitzung für die nächsten drei Xylon Zeitschriften und anschliessend gibt es beim Italiener hinter dem Bahnhof Winterthur ein Belohnungsessen für die ganze Arbeit rund um das Xylon Jubelbuch.

1. Oktober: Gestern Sonntag wurde um 11.00  der Film von Ai Wei Wei das letzte Mal im Kinok gespielt. Wir haben uns dann gegen Ai Wei Wei und für ein gemütliches Frühstück entschieden. Am Nachmittag machten wir einen Ausflug nach Littenheid. Dieter Hall hat dort eine Ausstellung eingerichtet im ehemaligen Kofferraum der Klinik Littenheid. In diesem Raum wurden alle Koffer der Patienten und vom Personal gelagert. Viele der Koffer blieben 20, 30 Jahre hier liegen, bis zum Tode. Unter dem Titel "Heimat - eine Erfindung" hat Dieter eine eindrückliche Malerei Ausstellung inszeniert. Sein Vater arbeitete in dieser Klinik und Dieter hat hier seine Jugend verbracht. Eine berührende Ausstellung an einem emotional aufgeladenen Ort. An diesem Sonntagnachmittag scheinen alle Patienten still und flach und ruhig gehalten zu sein. Die Vorstellung, dass die authentischen und ehrlichen Bilder von Dieter Hall diese eigenartige und trügerische Ruhe an diesem Ort ausgelöst haben, gefällt mir. Ich spüre aber, dass über all diesen Gebäuden eine unsichtbare, dämpfende, pharmazeutische Wattewolke schwebt. Ein bisschen unheimlich ist es schon. Zum Glück ist Dieter da. Schön, dass er wieder da ist nach 27 Jahren New York.

Es gibt soviel zu diskutieren auf der Heimfahrt. Ich liebe es nach Ausstellungsbesuchen über das Gesehene zu diskutieren. Zuhause mache ich sofort eine grosse Karaffe Tee mit frischer Pfefferminze und Zitronenmelisse aus dem Garten. Dazu essen wir ein wunderbares Schokoladengebäck das uns Ruth vorbei gebracht hat.

Anschliessend kochen wir ein Festessen. Bratkartoffeln und ein sensationelles Gemüse mit Bohnen, Rüebli und einer scharfen Paprikaschotte im Dampf vorgegart. Dann frischen Knoblauch angedämpft, das Gemüse dazu und ganz am Schluss, kurz vor dem Anrichten, frische, kleingeschnittene Tomatenwürfel drauf. Im Chemineofen brateten wir auf der vorbereiteten Glut zwei Gigosteaks. Herrlich!
Der Gesprächsstoff ist unendlich. Es ist wunderbar mit Vera über Kunst, Kunst im öffentlichen Raum, Kunst am Bau, Künstliches, Aufgeblasenes, Dekoratives, über die unterschiedliche Wahrnehmung und das Künstlerleben zu reden.

30. September: Vera kam erst gegen Abend. Wir sind dann wieder einmal im Engel eingekehrt. Als Vera ihre Berufslehre machte, haben wir drei Jahre lang jeden Mittag im Engel gegessen. Das Essen an diesem Abend war sehr gut und der Wein ebenso. Der Kellner hat drei Gläser gefüllt. Irgendwie war spürbar, dass Monika fehlt. Um 22.00 Uhr stehen wir im Palace. Es liest Danko Rabrenovic der Balkanizer. Anschliessend über die Strasse in die Grabenhalle. Der Deutsche Reiseschriftsteller Helge Timmerberg berichtet aus Indien und Afrika. Die zwei Lesungen haben sich gelohnt. Seit Donnerstag läuft das Wortlaut Festival. Mir ist das immer viel zu viel des Guten. Ich staune über die vielen Menschen, die sich einen ganzen Tag lang, jede halbe Stunde eine Lesung an einem anderen Ort anhören können.

29. September: Der Abend bei Urs und Heinz war sehr anregend. Sehr feines Essen, sehr feiner Wein in einer sehr schön renovierten Altbauwohnung. Es ist interessant, wie Urs Eberle durch die Kunst einen ganz eigenständigen Weg gefunden hat für seine architektonischen Arbeiten. Urs hat einfach einen guten Geschmack, einen guten Partner und er kann sehr gut kochen. (Mit so einer ungeduldigen Leichtigkeit hingezaubert)
Um Mitternacht habe ich noch den Tatort und anschliessend den wunderschönen Film "Les petites Fugues" von Alain Tanner angeschaut. Ich war so aufgekratzt und der Film von 1979 passte so gut zum Abend. Das war die Zeit als Urs zusammen mit Lucie Schenker die Kunst der Perfomance in St. Gallen bekannt machte. Ich als Landei war sehr beeindruckt, wie die beiden mit schwarzen Masken durch die Multergasse schritten. Ich weiss nicht ob es um die Frage des blinden Konsums in der Einkaufsstrasse ging. Na ja- es war einfach die erste Performance in St.Gallen und dieses Bild habe ich nie vergessen.

Heute bin ich früh aufgestanden und las das Buch von Judith Schalansky "Der Hals der Giraffe". Dieser Text hat in mir sehr viele Erinnerungen an meine Schulzeit geweckt. Ich staune immer wieder wie ähnlich spiessig und streng der Alltag in der DDR und in der Schweiz die ich kenne war. Was mich erstaunt hat sind die Beschreibungen des Schulalltags kurz vor der Wende. So habe ich die Schule in den sechziger Jahren in der Schweiz erlebt. Ein sehr gut geschriebenes Buch, das mit einem emotionalen Notstand endet. Könnte eventuell vieles besser sein, wenn Menschen mehr auf ihren Bauch hören würden und der Kopf wie bei der Giraffe ganz weit weg nur für das Fressen und nicht für das Denken zuständig wäre?

In den nächsten Augenblicken kommt Vera. Wir werden was schönes kochen und vieles diskutieren.  Ich bin ja so gespannt wie die Reaktionen auf ihre neuen Arbeiten waren. Ich finde die neuen Bilder auf eine wunderbare weise berührend und sehr intim. Wie die abgelegten Kleider eines glücklichen Harlekins nach einem tollen Auftritt.

28. September: Die Ausstellung im Helmhaus ist etwas abenteuerlich gehängt. Es ist ein interessanter Versuch der Kuratoren, ohne das Beisein der Künstler Werke in Zusammenhänge zu stellen und die Bilder im malerischen Dickicht zu testen. In diesem Bilderdschungel heben sich Werke hervor, lösen sich heraus, behaupten sich oder verschwinden im Verbund der Belanglosigkeit. Eine Ausstellung, die natürlich viele Zürcher Malerinnen und Maler  provoziert, die nicht mit dabei sind. Eine Malereiausstellung über die man wunderbar und ergiebig streiten und dabei über Malerei nachdenken kann. Mich persönlich hat diese Bilderschau angeregt und nicht aufgeregt. Was ich aber noch nie richtig verstanden habe im Helmhaus ist der helle, reflektierende Bodenbelag und das daraus resultierende quätschig - blendige Licht. Ich rieb mir die Augen und zusammen mit Monika, Sandra Kranich und Jochem Hendricks verbrachten wir einen vergnügten Abend in der Bodega im Niederdorf. So gefällt mir Zürich. Ich freue mich nun auf heute Abend. Wir sind bei Urs und Heinz eingeladen.

27. September: Malen, schreiben, planen, verlegen und wieder nach Zürich reisen. Im Helmhaus wird Malerei aus Zürich präsentiert. Ich freue mich auf Vera und auf ihre neuen Bilder. Und ich freue mich auf Dieter Hall. Ihn habe ich so lange nicht mehr gesehen. 1981 stertete er zusammen mit Martin Disler den Verlag "Nachbar der Welt" Da war ich auch in einer Publikation mit dabei. 1987 traf ich ihn mal in New York, seither sah ich nur auf seinen Bildern, wie auch er stetig reift.

26. September: Am Morgen habe ich stapelweise Zeitungen durchgeblättert. Ich suche Menschen die als Ganzes und unbeschnitten abgebildet sind. Drei Taikonauten, Pussy Riots und eine Serie von sehr schönen Modeaufnahmen sind meine Faforriten. Den Rest der Zeitungen habe ich schön gebündelt und für die Wiederverwertung bereitgelegt.
Am Abend fahren wir nach Zürich an die Eröffnung der Ausstellung von Jochem Hendricks im Haus Konstruktiv. Im Speisewagen treffen wir Kati Deer und den Fortospezialisten vom Sitterwerk. Eine lustige Fahrt. Die Ausstellung von Jochem ist sehr eindrücklich. Im Haus Konstruktiv schreitet man zuerst durch eine Arbeit von Mariana Castilla Deball. Rote, gelbe und blaue Fetzen mit Bildfragmenten hängen an Metallrahmen. Die Bildträger erinnern an überdimensionierte Kletterhilfen für Rosen und Schlingpflanzen. Jochem empfängt die Besucher als nackter Abguss mit vergoldetem Kopf. Seine Kleidungsstücke liegen ordentlich gebügelt und geordnet auf einem Servierwagen. Diese Arbeit macht nachdenklich. Der Künstler entblösst sich für das Publikum. Er zeigt sich nackt. Ist nun das Denken, das Konzept, die Entblössung oder die äusserste Schicht, die Kleidung die Kunst? Die Kleider als Skulpturen auf dem Wagen, der auch ein Sockel sein könnte. Ich stelle mir beim Malen immer wieder die Frage, ob die äusserste, sichtbare Haut des Bildes auch wirklich die inhaltlich relevante Schicht des Bildes ist.

Beim anschliessenden Essen habe ich mich wieder einmal richtig gut unterhalten. Ein wunderbar anregender Abend.

25. September: Am Morgen früh war ich mit Bernard Tagwerker in der Ostschweizdruck AG in Wittenbach. Es stellte sich heraus, dass der Chef Urs Kolb auch in Oberriet aufgewachsen ist und mit einer der legendär schönen Hühnerfarm - Huttertöchter aus Kriessern verheiratet ist. Ja das ist alles sehr beeindruckend. Um 9.00 Uhr beginnt der Druck des neuen Buches. Kein Mensch weiss wie das Resultat aussehen wird. Sechs Farbwerke drucken gleichzeitig sechs ausgewählte Pantonefarben auf das Format 70 x 100 cm. Immer nach 400 Blatt wird ein Farbwerk nach dem anderen ausgeschaltet, dann werden die nächsten sechs Farbwerke eingerichtet für den Überdruck. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Hutters 12 oder 13 Töchter haben, jede so schön wie eine der Pantonefarben aus diesem Buch. Einen Schockmoment erlebte ich beim Verlassen der Firma. Ich hörte ein merkwürdiges Rumpeln und Platschen. Ich drehte mich um und sah, wie Bernard die Treppe herunterstürzte oder eher wie ein Gummiboot herunterschnellte. Das Leben ist nicht ungefährlich. Bernard meinte noch auf dem Boden liegend und den schmerzenden Kopf haltend:"Zum Glück ist hier kein Türstoper montiert".

Am Nachmittag habe ich gemalt, Martin Suters Buch "Die Zeit, die Zeit" fertig gelesen und über das Sein oder Nichtsein nachgedacht. Die Rekonstruktion der Geschichte, der ungewisse Ausgang und ein verblüffendes Resultat. Das Alles passt zum neu entstehenden Buch
Am Abend besuchten wir Anastasia Katsidis im Sitterwerk. Sie belegt dort noch drei Wochen ein Gastatelier und öffnete die Tore für das Publikum. Der spielerische Aspekt in ihren Arbeiten gefällt mir sehr. Ich habe auch immer noch grosse Freude an ihrem Werkbuch, das sie vor zwei Jahren im Vexer Verlag herausgegeben hat. Mit Kati Deer verstrickte ich mich noch in eine Diskussion über die Notwendigkeit der regionalen Kulturförderung durch alle staatlich finanzierten Institutionen. Wie auf Knopfdruck kann ich mich da immer wieder in eine grosse Erregung hinein verknoten. Ich frage nächstens im Migros Kulturbüro an, ob sie nicht einen kulturpsychologischen Dienst anbieten könnten.  

24. September: Ich bin erkältet. An diesem Wochenende hatten wir von allem sehr viel. Gut gegessen, gut getrunken, schön gewandert, viel gelacht und ausgelassen getanzt.

Zuhause wartet ein Stapel Zeitungen und die Post auf Leser. Im Magazin des Tagesanzeigers ist ein grosser Artikel über die Augenzeichnungen von Jochem Hendricks erschienen. Im Vexer Verlag ist das nummerierte und signierte Buch Augenzeichnungen von 1993 immer noch erhältlich. Auch die FAZ als Sonderausgabe von 1994 gibt es noch.   

21. September: Bis 11 Uhr müssen alle Pendenzen erledigt und der Koffer gepackt sein. Wir fahren ins Zillertal. Patrick hat uns eingeladen, wir feiern seinen fünfzigsten Geburtstag.

20. September: Ein hektischer Tag. Beim Gut -  zum - Druck des Buches von Bernard Tagwerker stellt sich heraus, dass die Paginierung doch nicht wie vorgesehen möglich ist. Ein Denkfehler.  (Ich liess mich übeschwatzen aber so spät Recht zu bekommen ist auch nicht lustig) Nun haben wir eine Lösung. Anfang Woche wird gedruckt. Meistens wenn ich ein verlängertes Wochenende plane rollt eine kleine Problemlawiene auf mich zu in Form von vielen Anfragen, mails, Briefen, Gefühlen usw.

19. September: Das Nachdenken hat sich gelohnt. das war ein fruchtbarer Tag heute. Fruchtbar, nicht furchtbar! Das begann schon beim Morgenmüsli , mit Erdbeeren und einer Birne. Bis zum Mittag hatte ich schon soviel gearbeitet, dass ich mich auf den Weg machen musste, um etwas zum Essen zu finden. Ich packte das neue Buch "Die Zeit die zeit"von Martin Sutter ein, kaufte mir einen Schockogipfel, sass in den Bus und fuhr quer durch die Stadt. Das nächste mal bleibe ich sitzen bis ich das Buch fertig gelesen habe. Vom Stephanshorn bis zum Wolfganghof, immer dieselbe Schlaufe. Im Haggener Atelier streichelte ich kurz über die gusseiserne Druckpresse und ordnete anschliessend sackweise Bücher in meine Bibliothek. Im Briefkasten lag ein sehr schöner Brief eines grossen Sammlers. Das tut meiner Seele gut.

18. September: Und was tat ich heute?

Ich dachte nach.

Und dann kam ein Postpaket mit sämtlichen Büchern von Julia Schalansky. Da habe ich im "Hals der Giraffe" gelesen, dass wir Menschen die Säuger auf diesem Planeten sind mit den tiefsten Hirnfurchen. Denken gibt Falten habe ich dann gedacht - gell. Dann brachte ich noch zwei Signer Publikationen in eine Buchhandlung und habe gleich das neue Buch "Die Zeit, die Zeit" von Martin Sutter gekauft. Schon im Bus habe ich mit lesen begonnen. Ich habe ja so viel Zeit zum lesen, zum nachdenken und zum bildhauern. Ich bearbeite zur Zeit ein riesiges Relief. Ich arbeite lesend und denkend an meinem bilhauerischen Werk, nämlich an der Vertiefung meiner Hirnfalten.
Und nun muss ich noch eine dropbox einrichten (tropox gibts doch auch - oder?) , damit ich die Buchdaten von Vanja herüberbiemen kann. Das gibt heute wieder keinen Feierabend. Doch es gibt Feierabend mit einem gemütlichen Essen in der Blume um die Ecke, bei Ali und Gülüstan.

17. September: Was tat ich heute? Viel! Und weil ich so viel tat, wollte ich mich und Monika am Abend mit einem kleinen Rehrücken belohnen, der dann aber zu meinem Entzücken von Monika zubereitet wurde. Ich meinerseits kochte die riesige Kartoffel aus unserem Garten. Ohne Witz, die sah aus wie eine Supervenus mit mehreren, kiemenden, Knollenkindern. Irgendwann werde ich das Foto veröffentlichen, das ich heute auch noch gemacht habe. Dass die Kartoffel wärend des Fotografierens nicht nach hinten kippte, schob ich ihr eine kleine Astgabel unter ihren Hintern. Jawohl.

16. September: Heute war die Schlussveranstaltung der Verlagspräsentation in der Propstei St.Peterzell. Julian Sartorius traf schon um 13.30 Uhr ein. Er reist fast immer mit dem ÖV. Auf einem Sackkarren transportiert er sein ganzes Schlagzeug durch die Welt. Gemeinsam mit Peter Schweiger setzten wir uns ins Restaurant Schäfle, um den Ablauf des Auftritts zu besprechen. Die dadaistische Lesung von Peter und die musikalischen Reaktionen von Julian waren fulminat und grossartig. Das Publikum war begeistert. Dieser Ausklang hat mich total beglückt. Schade, dass keine Studierenden der HDKZ mit dabei waren. Sie haben die Texte für das DADA MODUL geschrieben. Die hätten sicher gestaunt, was Peter Schweiger aus ihen Texten herausgeholt hat. Na ja, St.Peterzell liegt ja auch nicht gerade am Weg. Umso erfreulicher, dass Ute Schendel und Walter Morgenthaler die lange Reise von Basel auf sich genommen haben.

15. September: Das gestrige Treffen mit Walter Tschopp in Neuenburg war sehr herzlich und aufschlussreich. Seit Matthias Thomi seine Masterarbeit in Zeitgeschichte über die Kunst Skandale von Kurt Fahrner und von mir geschrieben hat, bin ich wieder öfter mit der Vergangenheit konfrontiert. Dieser Prozess liegt nun schon mehr als dreissig Jahre zurück. Nach so langer Zeit ist es spannend, zu reflektieren, wie Andere das Ganze erlebt haben und was man vergessen oder in anderer Erinnerung behalten hat. Ich freue mich auf jeden Fall, Walter schon bald in St. Gallen empfangen zu können. Auf dem Heimweg sass ich im Speisewagen, trank viel Wasser und las im Buch von Dorothee Elmiger vom verschwundenen Fluss Buenaventuro, wärend der Zug der Aare entlang fuhr.

Am Nachmittag fahren wir nach Appenzell. Im Bücherladen findet die letzte Runde des spannenden Jubiläumsprogramms "bücher laden ein" statt. Um 18 Uhr stelle ich den Vexer Verlag und die neusten Publikationen von Vanja Hutter, Tamara Weibel und Roman Signer vor. Anschliessend ist im Gewächshaus der Schlusspunkt mit der musikalischen Komödie von Lutz & Guggisberg. Ich war sozusagen die Vorgruppe. Das hat grossen Spass gemacht. Das ganze Programm war ein Hammer und das in der Hauptstatt von Appenzell in Apppenzell. Diese Kultur - Destination muss man sich merken.

14. September: Ich fahre heute früh mit dem Zug nach Neuenburg und treffe mich mit Walter Tschopp. Vergangenheitsbewältigung ist angesagt. 

13. September: Ich sammle schon seit langer Zeit Abbildungen von Menschen in Zeitungen. Menschen die einfach so dastehen. Das gibt es gar nicht so oft. Die meisten Bilder sind beschnitten. Beine scheinen nur in Ausnahmefällen interessant zu sein. Heute habe ich ein schönes Bild gefunden. Eine Chemikerin im hellblauen Schutzanzug. Sie bekommt einen Ehrenplatz in meiner Menschen Sammlung. Um 14.30 Uhr bei TGG die Freigabe des Buches von Bernard Tagwerker. Einige letzte Korrekturen. Grosse Freude herrscht. Am Nachmittag arbeite ich an den Illustrationen für die Zeitschrift "Kirchenbote" zum Thema Patchworkreligion. Als Titelblatt habe ich eine "Pussy Riot Srickmütze" gemalt, mit verschiedenen religiosen Motiven von allen grossen Weltreligionen drauf. Weiter malte ich ein schwarzes Tier, das rechts an der Umfriedung leckt und ein oranges Tier, das links am Zaun leckt. Das Feld in dem sich die beiden Tiere befinden ist mit braunen Kegeln bedeckt. Eine Zeichnung zeigt einen ziemlich zerzottelten Kopf, der einen orangen Ballon aufbläst mit drei Kreuzen drauf. Kreuze fliegen auch im ganzen Bild umher, oben sehen sie aus wie Sterne oder Flugzeuge, unten sind es eher zerzauste Barthaare. Monika hat diese Zeichnung als "Sterntrinker" betitelt.

Dann habe ich den Himmel noch einmal gemalt. Himmel - Hergott, dieses Bild wird nie fertig. Als Abschluss des Tages gibt es vorgekochte Kartoffelscheiben mit vielen Kräutern und Frischkäse aus der Folie und Felchen auf der Feuerstelle gebraten, plus einen Gemüsesalat mit Fenchel. Gute Nacht.

12. September: Heute beginnt der Schlussspurt für das Künstlerbuch von Bernard Tagwerker. Das wird ein tolles Projekt. Heute Morgen war schon Peter Zünd bei mir. Er hat Texte von Eugen Cunz aufgearbeitet und sucht einen Verlag. Eugen war Zeichnungslehrer und ein Neffe von Martha Cunz. Er beschreibt aus der Erinnerung heraus St.Gallen und das  Bürgertum ab den 30er Jahren. Die Sache ist sehr spannend aber nichts für Vexer. Nun kommt gleich ein Techniker, der mich von einem super schnellen Internetzugang überzeugen will. Am Nachmittag wird die museumsreife Kniehebelpresse von Emil Zbinden in mein Atelier transportiert. Ich freue mich schon, auf dieser geschichtsträchtige Druckmaschine meine Experimente zu machen und an Jeremias Gotthelf zu denken. (und an seine nie geöffneten Briefe) Dann ist um 17.30 Uhr der Launch Apero der Crowdfunding-Kampagne von artagenda.com und anschliessend wird gejasst. Uff - das wird ein langer Tag.

11. September: Den ganzen Tag herumgekramt, verlegt und gefunden, am neuen Bild weitergemalt und gekocht. In der Nacht bis 24 Uhr Holunder zum einkochen vorbereitet. Sechs Liter habe ich geschafft.  Wir sagen dem "Holderezune", Holunderbeeren mit Zucker und etwas Mehl aufgekocht. Ideal für Desserts, als Beilage zu Eierspeisen oder ins Morgenmüsli. Der ganze Küchenboden war violett gesprenckelt, sah sehr schön aus. Ein gutes Bild. Man malt ja auch beim Kochen.

10. September: Zufällig habe ich DRS 2 eingeschaltet um fünf vor drei. Zwei Stunden Parlando mit Petra Ronner und Claudia Rüegg, die sich seit Jahren mit der Musik von John Cage beschäftigen. Die besprochenen und abgespielten  CD's mit "PREPARED PIANO" sind 2004 und 2005 im Vexer Verlag erschienen. Stolz? ja, sehr stolz! Anschliessend schwimmen im See, derweil das Lammfleisch und das Gemüse in der Tachine auf dem kleinen Feuer vor sich hin köchelt. Och - da gibt es nichts zu murren.

9. September: Eine schöne Fahrt nach Schaffhausen zu einem Konzert mit dem Chor von Peter Roth. Das Requiem von Gabriel Fauré musste dieses Mal herhalten für Gallus. Die Gallusfeier in St.Gallen hat einiges an kostspieligen, kulturellen Blüten erzeugt. Duftende und verduftende.

8. September: Die "Kompression" in Feldkirch war sehr speziell. Ein wunderbarer Ort, gute Begegnungen. Hans Ruedi Fricker hat eine Performance mit Anagrammen vorgeführt. Max Grrüter hat überall hin Siebdrucke gemacht und wir haben viel gelacht. Ich habe einige sehr interessante Leute kennengelernt. Die Vorarlberger würden wirklich gut zu uns passen. Schade dass der Zusammenschluss mit der Schweiz nicht geklappt hat. Die wären eine echte Bereicherung für uns.

Am Abend ein wunderschönes Geburtstagsfest von Norbert Möslang und Paul Rechsteiner im Alpenhof auf dem St. Anton bei bestem Herbstwetter. Es ist spannend zu sehen wie sich das Rheintal entwickelt. Es wächst immer mehr zu einer grossen Stadt zusammen. Etwas unorganisiert, ungeplant und anarchisch. Ich denke den Rheintalern ist das gar nicht so bewusst. Die wollen das gar nicht sehen. Nach ethlichen Reden und verbalen Längen hat Norbert eine starke Performance zu Ehren von Hans Käfig gemacht am präparierten Klavier. Super. Paul rückte mit einem kurzen und prägnanten Statement alles ins richtige Mass. Ich war froh, einmal zu sehen und zu hören, wie man heute den sechzigsten Geburtstag feiert. Bei mir dauert das ja auch nicht mehr so lange.

8. September: 8.00 Uhr. Heute fahren wir nach Feldkirch. Karlheinz Pichler hat mich zu seiner Ausstellung "Fünf Wochen an einem Tag-eine Kompression" eingeladen. Das ganze findet in und um eine Burg herum in Feldkirch statt. Alles beginnt um 11.00 Uhr. Aufbau, Vernissage, Führungen, Lesungen, Performances, Präsentationen, Finissage und Abbau der Ausstellung an einem Tag. Die Idee gefällt mir. Morgen ist dann wieder ein anderer Tag und ein neues Projekt. Ich mache auf stressfrei, es ist ja Samstag. Ich lege ein Sortiment meiner Vexer Bücher auf einer schönen blauen Decke aus. Ein Layout sozusagen. Kaufen kann man nichts, nur schauen, blättern und  lesen . Ich bin gespannt auf die Österreichischen "Kunstraubritter" und ihre Komparsen.

6. September: Habe heute ein neues Bild begonnen. Wie eine befreiende weisse Wolke ist diese Leinwand. Vera hat mir schöne Videolinks von Jonathan Meese und Thomas Schütte geschickt. Dank dieser Videos habe ich nun endlich den Nerv, das notwendige Kabel für den Ton am richtigen Ort reinzustecken. Am Abend sind wir bei Martha und Christian zu Pizza eingeladen. Köstlich.

5. September: Ich habe den ganzen Tag die zwei neuen Bilder abhängen lassen. Erst wenn sie trocken sind kann ich beurteilen ob das Resultat OK ist für mich. So gelitten an meiner Malerei habe ich schon lange nicht mehr. Sicher schon vier oder fünf mal hatte ich das Gefühl, die Bilder seien fertig und immer wieder prallte mir am nächsten Morgen eine unerträgliche Dumpfheit entgegen. Scheinbar harmlose Abendbilder, die aber sehr viel mit Abschied und dem Eintreten in ein neues Licht, in Energie, in etwas unbekanntes zu tun haben. Heute Mittag habe ich mit Vera telefoniert. Sie hat eine Serie von neuen Bildern gemalt und nun kann sie alle ausstellen im Helmhaus Zürich. Zürcher Malerei. Da sind einige alte Freunde mit dabei. Die Vernissage ist am Donnerstag 27. September. Am Mittwoch, einen Tag davor hat Jochem Hendricks seine Eröffnung im Haus Konstruktiv. Da fällt mir ein, dass ich die liebe Dorothe Strauss anrufen muss, dass sie alle Bücher von Jochem aus dem Hause Vexer rechzeitig auf dem Büchertisch hat. Heute war ich den ganzen Tag administrativ tätig. Rechnungen bezahlen, mails beantworten und frohe Botschaften entgegen nehmen. Dorothée Elmiger hat mir alle  ihre Texte geschickt, die sie in der Altpapiersammelstelle in Appenzell gelesen hat. Ich bin total beeindruckt. Gertrude Stein hätte sicher grosse Freude an diesen sinnlichen, realen Schriftwerken von Dorothée. Jetzt warte ich noch neugierig auf die Texte von Wolfram Lotz. Ich habe leider diese Lesung verpasst, weil ich im Kunsthaus Grenchen engagiert war. Das tut mir so leid aber etwas verpasstes ist immer auch eine Chance, wenn man nachhakt.

Ach und heute Abend der grosse Auftritt eines Urgrossvaters der Kunsttheorie. Bazon Brock trug 100 Minuten in freier Rede vor, anlässlich der Ausstellung von Com%Com im Architekturforum St.Gallen. Er redete pausenlos und ohne Erbarmen. Diese Veranstaltung haben zu viele verpasst. Ein gutes Duzend inklusive der am Projekt beteiligten waren da. Bazon Brock hat viele seiner Themen aufgebrüht und einige alte Weggefährten abgekocht. Die Dokumentaleiterin Carolyn Christov-Bakargiev hat er unwiedersprochen als wohlstandsverwarlostes Dummerchen bezeichnet. weil sie mit Bäumen spricht - oder den Dialog mit ihnen sucht, Hunde abstimmen lässt usw.  BB meinte, dass jeder intelligente Mensch wissen müsste, dass Bäume nichts über ihre Jahrringe wüssten und dass von den Bäumen keine Weisheiten kommen. Gebildete müssten wissen, dass  von den Bäumen viel mehr hundertausende von Erhängten heruntergefault seien in der Menschheitsgeschichte. Ich denke aber schon, dass doch einiges mehr an Früchtchen und Früchten geerntet und verspeist worden sind, als all die Teile von Erhängten, die  im Gras landeten. Dazu kommt, dass Kunsttheoretiker natürlich auch dauernd irgendwelche armen Wesen aufknöpfen und verbal vernichten.

Eine Behauptung oder besser eine heoretische Enthauptungvon vielen Kunstschaffenden stimmt nachdenklich. Laut Bazon Brock kann man sich erst dann Künstler nennen, wenn man 35 Jahre künstlerisch und zwar ausnamslos künstlerisch gearbeitet hat. Meine diesbezügliche  Arbeit begann 1979.  Ich wurde durch die Verkündigung dieser frohen Botschaft schon ein halbes Jahr vor der Geburt von Vera zum Vater. Dieses Ereignis katapultierte mich in eine neue Rolle, die ich nur durch eine intensive Suche und Auseinandersetzung mit mir, meiner Mitwelt und durch Kunst bewältigen konnte. Das würde laut BB bedeuten, dass ich 2014 berechtigt bin, mich als Künstler zu bezeichnen. Vera wird 2014 bereits 35 Jahre alt und ich werde endlich Künstler.

4. September: Die letzten zwei Tage habe ich voll durchgemalt. die zwei Abendbilder sind nun hoffentlich fertig. Getern kam Vanja vorbei. Wir brauchen schon wieder neue Bücher. Sie macht alles selber, handgezeichnet, handkopiert, handgeschnitten, handgebunden. Das macht hungrig. Ich kochte für uns alle eine riesige Portion Gehacktes mit Hörnli. Ohne Apfelmus, dafür mit frischem Krautstiel aus dem Garten. Den roten und den grünen, schön geschnitten und die Blätter am Schluss dazu, mit einer Béchamelsauce. Der erdige Geschmack des Gemüses passt ausgezeichnet.  (Das Hackfleisch vom Reh schmeckt auch herrlich)

Am späteren Abend hatten wir noch ein kleines Festchen mit Ruth und Hermann. Er hat eine Praktikumsstelle bekommen und das mit 59 Jahren. Das ist doch super.

3. September: Rückblickend ein dichtes, inspirierendes Wochenende. Am Samstag die Diskussion in der Propstei mit rund fünfzig sehr interessierten Menschen. Ich bekomme immer noch positive Rückmeldungen. Am Sonntag der literarische Spaziergang mit neun kurzen Lesungen im Appenzellischen. Der Text von Peter Kurzeck hat gut gepasst. Um 17 Uhr präsentierte sich der Salon Verlag aus dem Tirol mit kulinarischen Köstlichkeiten. Der Kunsthof war rammelvoll mit Leuten. Ich staune immer wieder wieviele interessante Menschen sich irgendwo ins Hinterland zurückziehen und immer wieder auftauchen. Am Abend auf der Rückfahrt ein gutes Gespräch mit Walter Angehrn, der vor fünf Jahren den weissen Ärztekittel abgelegt hat und sich seither auf seine künstlerische Arbeit konzentriert.

2. September: Monika ist drei Tage weg. Trotzdem geniesse ich mein einsames Frühstück mit Kaffee, argentinischer Musik, dem obligatorischen dreieinhalb Minuten - Sonntags - Frühstücks - Ei und einem Eurogipfel. Kennst du die Eurogipfel? Die sind riesig und hängen rechts und links über den Tellerrand. NZZ am Sonntag - jetzt zwei Stunden später fällt mir nichts mehr wichtiges ein, was ich gelesen habe.  
Ach doch, da gibt es jetzt die neue populäre Theaterform, das "Eastwooding", erfunden von einem wirren, alten Mann. Clint Eastwood wird mit dem leeren Stuhl in die Theatergeschichte eingehen.  
Als Vorbereitung für den Nachmittag lese ich einige Stellen von Peter Kurzeck und lege eine seiner Hör CDS auf. Ich mag seine Stimme. Er erzählt wie ein sprudelnder Bach über seine Kindheit und über die Gepflogenheiten auf dem Lande wärend des Krieges. Jeder Stein, jedes Huhn, die Schweine und die Menschen - er erzählt und erzählt stundenlang mit der Angst im Nacken, etwas wichtiges vergessen zu können. Ich mag das sehr.

1. September: Heute werde ich früh abgeholt von Ramon Lenherr. Wir haben eine Veranstaltung in der Propstei. Thema"Wie entsteht ein Buch" Mit dabei sind Monika Dillier, Isabell Zürcher und Thomas Dillier. Monikas Mann, der Professor Wolfram wird auch da sein. Die vier sind schon gestern abend gereist und haben in St.Peterzell im Gasthof Schäfle übernachtet. Die Reise von Basel dauert doch rund drei Stunden. Das ist fast wie zu Goethes Zeiten. Um halb zehn sitzen alle gut gelaunt und ausgeschlafen am Frühstückstisch. Wir machen noch eine kurze Besprechung. Ich werde die Moderation des Gesprächs übernehmen. Um 11 Uhr sind schon mehr als 20 interessierte Personen da. Wir warten noch auf zwanzig junge Gestalterinnen und Gestalter. Die ganze "Typo" Klasse von Roland Stieger hat sich angemeldet. Die sind in Herisau durch einen Alpabzug aufgehalten worden. Die ganze Veranstaltung hat grossen Spass gemacht. Die Lust auf spezielle Bücher scheint ungebrochen zu sein, trotz oder gerade auch dank der neuen Medien. 

31. August: Habe heute den ganzen Morgen mit Christian Röllin zugebracht. Wir trafen uns um 9.00 bei mir zu Hause. Ich benutzte die Gunst der Stunde und belud den gemieteten Bus mit Säcken voller Bücher, mit gesammelten Artikeln, Korrespondenz, schöner Post usw. um alles in mein Atelier im Haggen zu transportieren. Der Transport war notwendig, weil ich alle restlichen Arbeiten, die ich bei Christian in der Galerie ausgestellt hatte wieder für weitere Ausstellungsprojekte brauche. Dann ein gemeinsames Mittagessen in der frisch renovierten Blume an der Brauerstrasse. Am Nachmittag ruft mich Carol vom Bücherladen Appenzell an, ob ich Lust hätte, am Sonntag aus einem meiner Lieblingsbücher zu lesen. Ich mache das sehr gerne. Einen literarischen Spaziergang, zuhören und zuhören, verschiedenen Texten, Orten und Menschen begegnen. Spontan habe ich mich für das Buch "Kein Frühling" von Peter Kurzeck entschieden. Diese Texte passen sehr gut in die Appenzellerlandschaft.

28. August: Mit grossem, angestautem Ärger habe ich heute zwei Abendbilder komplet übermalt. Das Schwimmen im See holt mich wieder auf den Boden. Eigentlich ist das merkwürdig. Ich schwimme und ich erde mich gleichzeitig.

Heute hat mir Mathias Tomi seine Masterarbeit zugeschickt. Titel: "Künstler mit nonkonformistischem Gedankengut provozieren die Schweiz. Zu den Skandalen um Kurt Farner und Josef Felix Müller" 

Am Abend Sitzung mit dem pädagogischen Beirat. Eine spannende Sitzung zur Frage der Mitwikung der Eltern in der Schule.

27. August: Atelier aufräumen ist angesagt. Um 14.00 Sitzung bei TGG mit Ronny Kocher, Roland Stieger und Bernard Tagwerker. Das geplante Buch muss besprochen werden. Ich habe wieder so viel gelernt über das Drucken. Das Projekt von Bernard bringt jedes noch so schnelle Computer Programm an den Rand des Möglichen. Ich freue mich auf dieses Buch. Bernard fuhr mich nach der Besprechung nach Hause. Wir hatten eine interessante Diskussion über Kunst am Bau, über "drop skulpters" usw. Ich habe den Gauklerbrunnen vor dem Kunstmuseum St. Gallen verteidigt und mit Freude festgestellt, dass Bernard diese Arbeit von Max Oertle auch als eine seiner besten figurativen Arbeiten schätzt. Der günstig angekaufte Richard Serra vor dem Kunstmuseum ist da eher ein Problemfall. Serra entwickelte seine Skulptur als ortsbezogene Plastik für ein Barockgebäude in Münster. Mit grossem theoretischem Getue wurde diese Skulptur in Münster installiert und im Ausstellungskatalog der Skulpturen Projekte  gepriesen. Die Münsterianer kauften diese Arbeit nicht und schlussendlich konnte Rudolf Hanhart 1987? das Werk günstig nach St.Gallen holen mit Geldern der Müller - Guernian Stiftung. Froh wer Müller heisst und Guerne isst.  Na ja - für das lausige Plätzchen in St.Gallen war das Werk von Serra nicht gedacht. Aber lustig ist es doch, dass der Künstler in seiner amerikanischen Grosszügigkeit aus einer klar konzipierten ortsspezifischen Skulptur eine "drop skulpture" für St. Gallen machte. Der Manon macht es möglich. Die Manon musste ihren Krankenwagen wieder wegfahren....

Bernard ist ein versierter Kenner der Kunst und ein starker Lobist für das Urheberrecht. Er liebt die pro Literis. Ich bin eher für pro Klitoris. Am Abend habe ich einen Film im Fernsehen gesehen über ein Somalisches Fotomodell, das als Kind geschlechtlich total verstümmelt worden ist. Das war kein super Film aber die Frage nach der absolut notwendigen Unversehrtheit des Körpers ist so brisant. Für mich darf es kein Recht darauf geben, dass an Kindern aus religiösen Gründen herumgeschnipselt wird.

26. August: Um 9.00 Uhr schwimmen im Bodensee. Es ist stürmisch und bedeutend kälter wie in den letzten Tagen. Vor dem Schwimmbad treffen wir zwei ältere Damen, mit glänzenden Augen. Fit, aufgestellt und total käferig schwärmen sie vom wunderbaren Wasser... 

Schon 13 Uhr - jetzt fahren wir zusammen mit Vera nach St.Peterzell. Vera möchte unbedingt die Vexer Verlagspräsentation in der Popstei anschauen, bevor sie nach Berlin zurück fliegt.

25. August: Heute war frühes aufstehen angesagt. Ich musste noch meine Rede vorbereiten für die Eröffnung im Kunsthaus Grenchen. Das XYLON Jubelbuch, die XYLON Zeitschriften und das wunderbare Mappenwerk Nr. 1 von Felix Droese, Claudia Comte und Irène Wydler werden da ausgestellt. Vera ist seit ein paar Tagen im Lande und kommt heute gegen elf bei uns vorbei. Die Freude ist gross. Es gibt so viel zu berichten. Monika und Vera fahren nach Appenzell zum grossen Literaturnachmittag, den das Team rund um den Bücherladen organisiert hat. Ich fahre nach Grenchen und treffe in Zürich Peter Emch, René Fehr, Eva und René Gallizzi zur Weiterfahrt. Die Eröffnung ist sehr gut besucht. Eva Inversini hat mit Ihren Leuten die Ausstellung wunderbar gehängt. 199 in Holz geschnittene Druckplatten sind sehr sorgfältig nach Farben zusammengestellt. Diese Sorgfalt bringt die Druckstöcke richtig zum strahlen. (eine Platte von mir ist auf mysteriöse Weise verschwunden). Im oberen Stockwerk sind alle Einzelblätter als Gruppen in einer sehr spielerischen Form gruppiert und geschickt in formale und inhaltliche Zusammenhänge gestellt. Die drei neuen Nummern der Xylon Zeitschrift von Felix Droese Nr. 146, Claudia Comte Nr. 147 und Irène Wydler Nr. 148 sind ein absoluter Hammer.
Im Parterre werden Holzschnitte von Alois Lichtsteiner präsentiert, die im Atelier von Nik Hausamann  gedruckt worden sind. Schneefelder und bunte Gebirge.
Herr und Frau Zbinden suchen einen Platz für die Kniehebelpresse von Emil Zbinden. Ein wares Museumsstück. In meiner Euphorie sage ich spontan zu, die Maschine in mein Atelier zu nehmen. Ich habe keine Ahnung wie gross und wie schwer diese Druckmaschine ist.
Ein gelungener Anlass mit guten Begegnungen und einem abrupten verregneten  Abgang. Die Rückreise im Zug mit Peter Emch und Sebastian Utzni ist wunderbar unterhaltsam. Über Kunst und vor allem um das ganze drum herum zu quatschen macht einfach Spass. Von Wil bis St.Gallen wird es auf jedem Bahnhof lauter. St. Gallen hat 2:1 gegen Basel gewonnen. In der Stadt pumpert es so richtig  durch die Gassen. Zu Hause gibt es noch ein kuzes Hallo, etwas Krimi und etwas Boxen und Schluss.

24. August: Heute Morgen ist der Artikel "Vexers Vielfalt" von Brigitte Schmid-Gugler im St.Galler Tagblatt erschienen. Danke - danke Brigitte. Der Artikel hat mich animiert, eine Initiative zu eröffnen für den günstigen Versand von Büchern. Das wäre eine direkte und effiziente Kulturförderung für Verlage. Wir bezahlen in der Schweiz etwa dreimal so viel Porto für den Buchversand wie in den umliegenden europäischen Ländern. Manchmal kostet der Versand mehr wie das Buch im Paket. Der Artikel im Tagblatt bringt den ganzen Tag viel Resonanz und Arbeit.

Heute hat Vitamin 2 die Homepage Atelier Visite aufgeschaltet. ateliervisite.ch 

23. August: 6.30 Uhr. Monika hat heute eine Kadertagung. Mich zieht es auch früh raus. Alle Störungen sind beseitigt. Die Laune ist wieder hervorragend. Um 11.15 Uhr Termin beim Friseur Christian Sutter. Er macht das super.
Im Briefkasten liegen zwei Bücher. Felix Droese hat mir sein Buch über das ALDI Multiple Projekt von 2003 geschenkt und dazu noch das Buch von Herta Müller "DIE BLASSEN HERREN MIT DEN MOKKATASSEN" vom Hanser Verlag dazugelegt. Jetzt bin ich den ganzen Nachmittag beschäftigt. Wenn Felix der Verleger Bücher geschenkt bekommt, ist er der glücklichste Verleger der Welt. Die Bibliothek wächst und wächst und das ist gut so. (Wie auch der Käsekuchen von der Bäckerei Wernli, den ich mir beim Nachhausegehen gekauft habe) Ich bin dann noch kurz entschlossen ins Atelier gefahren und habe einen Holzschnitt für den Almanach 2012 von Ulrich Tarlatt gemacht. Eine spontane Idee zog mich in den Westen der Stadt. Jetzt kann ich das morgen einfach noch abschicken. Kaum zu Hause steht Vanja Hutter vor der Türe mit zehn neuen Büchlein. Die Menschen lieben es, wenn andere ihre Niederlagen aufzeichnen.

22. August: Habe gerade erfahren, dass frühe Arbeiten von mir bei Hilfiker Kunstprojekte in Luzern gezeigt werden. Es gibt immer wieder Überraschungen auf diesem kleinen Planeten. Um 16 Uhr kann ich meinen revidierten und durchgeputzten PC bei fornetic schepis ag abholen. Das ist ein super Service. Jetzt kümmern sich weltweit einige Spezialisten um meine Homepage, die gehackt worden ist. Mein Tagebuch scheint so brisant, dass es jemand vernichten will. Wo sind meine Feinde? Ich halte mich nun an den Rat  "Liebt Euere Feinde". Dieser Spruch ist warscheinlich etwas vom gemeinsten das man machen kann. Es gibt nichts schlimmeres und demütigenderes für einen Feind, wie wenn ich ihn liebe. Ja ich liebe euch alle! Hackt doch ruhig auf meiner Homepage herum. 

17.30 Schwimmen im Bodensee. Heute hat es Wellen wie am Mittelmeer.

Das Nachtessen ist erst um 21.00 bereit. Rind- und Gemüsespiess vom Grill, dazu noch ein seperates Mischgemüse mit breiten Bohnen, Blumenkohl, Tomaten und frischen Kräutern. Für das Feuer verwende ich  Nussbaumholz aus dem Garten des Nachbarn, das ich vor zwei Jahren zu "Büscheli" verarbeitet habe. Der Geschmack des gegrillten Fleisches wird einmalig.

21. August: Heute Nachmittag musste ich meinen PC notfallmässig in die Werkstatt bringen. Ein Trojaner frass mir meine gute Laune weg.  Jetzt habe ich alle Zeit zum malen.

Am Abend fahren Monika und ich nach Zürich. Paul Tanner von der Graphischen Sammlung der ETH Zürich zeigt alle Editionen von Jan Anüll. Eine gelungene Ausstellung, ein gelungener Katalog, erschienen im Schwabe Verlag, ein gut gelaunter Jan und viele alte Bekannte.

19. August: Heute morgen haben wir Abschied gefeiert von unserer lieben Freundin Sabin Schreiber. Sie wünschte sich zu diesem Anlass das Zusammensein ihrer Freunde, bei einem Feuer an ihrem Lieblingsplatz beim Hörlenwald. Alles war so liebevoll, achtsam, und berührend an diesem strahlenden Morgen.

Durch diesen Abschied haben sich für mich viele, vermeintlich wichtige Sachen relativiert. Die Ruhe an dieser Feier hatte für mich etwas ungemein tröstendes.  

18. August: Alles ist gut gegangen. Am Freitagabend eine wunderbare Ausstellungseröffnung. Sehr viele liebe Freunde aus dem ganzen Lande und darüber hinaus reisten ins Toggenburg. Corinne Schatz hat mich und den Verlag mit ihrer Laudatio "Felix der Verleger" sehr stimmig beschrieben. Die Musikantinnen Ruth Degen und Christine Schmid spielten und sangen einige alte Pilger- und Volkslieder. Mir gefällt an dieser Musik die Einfachheit und die Inbrunst im Bitten nach Geist, Wohlergehen und Liebe. Dieser Abend an diesem ORT DER RUHE hat mich gestärkt in meinem Willen, den eingeschlagenen Weg voller Neugierde weiterzugehen und zwar in meinem eigenen Rhythmus.

17. August: Das waren sehr anstrengende Tage. Am Mittwochmittag bis in die Nacht hinein arbeiteten Ramon und ich an den letzten notwendigen Retuschen der Ausstellung in der Propstei. Die neuen Publikationen von Tamara Weibel und von Roman Signer fehlten noch. Die wurden erst am Donnerstag geliefert. Am Donnerstagnachmittag konferierten wir in der Fachkommission HF Bildende Kunst über die neue Promotionsordnung. Das ist alles ser komplex aber auf gutem Weg. Bei dieser neuen Klasse muss jeder Entwicklungsschritt neu erarbeitet werden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es Thomas Gehrig und seinem Team gelungen ist, nach langjährigen kulturpolitischen Forderungen, in St.Gallen eine Kunstklasse an der GBS einzuführen. Die Studierenden sind hochmotiviert und Adrian Notz, der Leiter des Lehrgangs erweist sich immer mehr als eine Traumbesetzung für diesen Job. Jetzt muss ich dreissig Publikationen von Roman Signer präparieren. (DVD Hüllen einkleben und jedes Exemplar nummerieren) Meine Rede ist noch nicht fertig geschrieben und um 12.30 Uhr holt mich Ramon ab.

14. August: Tom Bömmels hat soeben 300 DVD's von Roman Signer gebracht. Jetzt fehlt nur noch die dazugehörige Publikation.

Schon fast 14. August: 23.30 Uhr. Ich bin soeben von St. Peterzell (nicht von Petersburg oder New York) zurückgekommen. Ramon montierte die letzten Schriften, die Jahreszahlen von 1985 bis 2012. Er installierte zwei Leselampen mit schönen roten Kabeln, den Beamer, den CD Player für die John Cage Interpretation von Petra Ronner, einen Flachbildschirm für die neue DVD von Roman Signer usw. Ich habe die neuen zehn Büchlein von Vanja Hutter in die Vitrine gelegt, das TV Möbel grau gestrichen, Fledermauskot weggewischt, Insekten aller Art zusammengelesen, (Hummeln, Wespen, Bienen, Fliegen, Mücken, tropische Holzbockvarianten, Chinesische Tupfenbrigaden, Spinnen, Spinner und Flieger aller Art. Wir haben einfach alles notwendige getan, damit die Ausstellungseröffnung am Freitag eine grosse Freude werden kann. Um 19 Uhr führten wir alle freiwilligen Helferinnen und Helfer durch die Ausstellung, die im nächsten Monat die Ausstellungsaufsicht machen und den ganzen Laden hüten. Ich liebe die Provinz und all die Menschen die da draussen leben und die sich für ihren Lebensraum einsetzen und engagieren. Ruedi hat am Schluss einen so wunderbaren Gedanken eingebracht zur Arbeit von Roman Signer. Im Sinne von: Bücher sind alle gleich wenn sie produziert werden. Durch den individuellen Gebrauch und durch das Lesen verändern sich die Menschen und auch die Bücher. Jedes Buch wird einzigartig. Ruedi hat etwas andere Worte gebraucht aber er hat absolut recht.  Ja und nun trinke ich ein grosses Glas Rotwein (kein Gläschen). Ich freue mich am Leben und an den extrem vielen Rückmeldungen die ich auf meinen E-Mail Versand erhalten habe. Oh - so zfrieden konn nur ein olter, gschmerzter Herrgottsschnitzer sein. Oh mei-jetzt locht er. Gut's Nächtle.

13. August: Der Postbote hat mir heute morgen endlich die Einladung zu meiner Ausstellung "Felix der Verleger" in der Propstei St. Peterzell in den Briefkasten gelegt. Die Eröffnung ist schon diesen Freitag um 19 Uhr und es gibt noch so viel zu tun. Die neue Publikation Roman Signer "Vexer-Necker-Skulptur"mit einer DVD muss diese Woche fertig werden und ich möchte endlich meine vielen schwarzen Himmelbilder vollenden. Schwarze Himmel sind so tief traurig und enorm schwierig zu malen. Diese Bilder widme ich der Sabin.
Und jetzt erwarte ich um 11.00 Uhr die Karoline vom Bücherladen Appenzell. Sie holt all die Vexer Bücher ab, die ich für das 20 jährige Jubiläum in Appenzell vorbereitet habe. Der Bücherladen feiert sich und die treue Kundschaft mit einem spannenden Jubiläumsprogramm unter dem Titel "bücher laden ein". Das Literatur und Kulturfest beginnt an diesem Wopchenende. Am Samstag 18. August um 17 Uhr werden Lutz & Guggisberg ihre Buchvernissage mit dem Nives Verlag feiern. Liest Thomas Hürlimann wirklich um 19 Uhr?, soviel ich weiss liegt er im Spital... weiteres unter www.bücherladen-appenzell.ch/programm

Bücher überall. Jetzt habe ich auf dem Plakat vom Bücherladen den Satz von Gustave Flaubert gelesen:"In einem Buch müssen sich Sätze wie die Blätter im Wald bewegen, alle in ihrer Ähnlichkeit unähnlich". Das klingt ja wie Minimal Musik. Bruno Steiger muss dringend noch einen Nachsatz sprechen auf seiner CD Amerikanische Musik Deutsche Fassung. (Natürlich im Vexer Verlag erschienen. Wo sonst?)

12. August: Gestern Abend sassen wir zusammen mit unseren Nachbarn mitten in der Stadt, auf dem Balkon, bei der zauberhaften Stadtruth. Sie bekochte uns fürstlich und versorgte uns mit reichlich Wein. Mir war gar nicht bewusst wie pulsierend St.Gallen in der Nacht sein kann. Im Innenhof in der Engelgasse geht also wirklich die Post ab. Sternschnuppen haben wir leider trotz bester Aussicht keine gesehen und wir haben uns auch keinen Schnupfen geholt. Monika hat sich eingepackt wie eine Polarforscherin im Frühling und ich stellte mir vor ich sei ein ganz heisser Eskimo... TSSSSCHHHH... 
Heute: schwimmen im Bodensee, Martha und Christian besuchen beim Schaugenbädli, anschliessend das frisch renovierte Gasthaus Blume von Gülüstan und Ali bewundern. Die müssen noch die ganze Nacht putzen... und wir können dann ab Montag eine frisch renovierte Quartierbeiz geniessen. Die Beiden haben Mut!

Heute Abend gibt es bei uns frische Bodenseeforellen im Kreuterbeet vom Grill. Für das Feuer werde ich nur feinstes Baumnussholz verwenden. Krautstiel und einen Lauch habe ich schon im Garten geholt. Zu Fisch liebe ich vorgegarte Kartoffelscheiben mit  viel Kräutern und Frischkäse in der Folie, vorsichtig direkt auf der Glut erhitzt.

11. August: Um 10.30 Uhr habe ich mich auf dem Hauptbahnhof in Zürich mit Felix Droese verabredet. Als wir diesen Termin vor einigen Wochen vereinbart haben, war mir nicht bewusst, dass an diesem Tag eine Million Menschen nach Zürich an die Techno Party reisen. Es war erstaunlich ruhig auf dem Bahnhof, einige Engelchen und ein Engel hingen in der Halle herum", inklusive der von Niki de Saint Phalle. Eine Passantin mit Hündchen hat Felix Droese gefragt, ob er wisse bei wem sie sich beschweren könne. Der grosse Engel müsse dringend gereinigt werden. Auf diese Frau scheint Droese wie ein spiritueller Experte für die Engelreinigung gewirkt zu haben. Wir sind dann mit der S-Bahn in die Druckerei Studer nach Horgen gefahren. Felix signierte dort seine Holzschnitte für das erste Xylon Mappenwerk . Die drei neuen Xylon Zeitschriften von Claudia Comte, Irene Wydler und von Felix Droese sind wunderschön geworden. Ich empfehle allen Freunden der Originalgraphik, sofort die Xylon Zeitschrift zu abonnieren. Für 103 Fränkli plus Porto gibt es 12 Originalholzschnitte vom Feinsten. Diese Nummern sind sicher schon bald ausverkauft. Abbobestellungen bitte sofort an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (späteres Jammern gilt nicht)

Nach dem Signieren sassen wir im Garten des Restaurant Schäfli oder Schwänli?, zusammen mit dem legendären Werber und grossen Kunstfreund  Gredinger. Wir sassen zusammen, assen italienische Speisen und amüsierten uns köstlich über die feinsinnigen, intellektuellen Einschübe von Herrn Gredinger.

10. August: Heute morgen in der Früh, kurz nach sechs Uhr ein wunderbares Morgenschwimmen mit Monika und Eveline im Bodensee.

9. August: Gestern ist unsere liebe Freundin Sabin Schreiber würdevoll und selbstbestimmt gestorben. Wir sind sehr traurig. Als Sabin vor drei Jahren mit der Krebsdiagnose zu uns gekommen ist, hatte ich die spontane Idee, jede Woche einmal für sie zu kochen. Die regelmässigen gemeinsamen Mittagessen ermöglichten viele Gespräche, die unsere Gedankenräume öffneten und erweiterten. Die Zeit hat in diesen drei Jahren eine ganz neue Bedeutung und einen neuen Sinn für mich bekommen. Ich habe auch begriffen, was Joseph Beuys gemeint hat mit seiner Aussage, dass es keine Krankheiten, sondern nur Prozesse gebe. Das nahe Teilhaben an diesem Prozess eines Menschen verändert die Warnehmung auf sich selbst und auf die Mitwelt. Dafür bin ich sehr dankbar.

28. Juli:  Gemütliches Frühstück bei Silvia und Patrick Droz auf der Kalberweid in Teufen, mit Blick zum Säntis. Silvia schenkte uns eine schöne minzenartige Pflanze aus ihrem Garten, die ich bei uns zu Hause gleich zwischen den Pfefferminz und die Zitronenmelisse gesetzt habe.

Jetzt gehts ab zum Sempachersee, zur Geburtstagsparty von Hugo. Ich freue mich schon auf ein Bad im See bei Regen. Als Geschenk bekommt der Hugo einen Bund  Weidenstecklinge zur Befestigung des Seeufers. Für die Stecklinge habe ich gestern einen dicken Ast von unserer Kopfweide herunter geschnitten. Damit pflanze ich eine direkte Verbindung von St. Gallen nach Sempach.
  
Heute Morgen bestellte ich als Erstes zwei Stempel bei arial.ch. In St. Peterzell habe ich bemerkt, dass viele Wanderer Pilgestempel vom Jakobsweg sammeln. Wärend der Ausstellung in der Propstei können nun alle den 

VEXER PILGERSTEMPEL der PROPSTEI ST. PETERZELL 

in ihr Wanderheft stempeln lassen.
Als Zentrum des runden Stempels habe ich eine weibliche und eine männliche Pflanze ausgewählt. So macht Stempeln wirklich Spass.

27. Juli: In den letzten drei Tagen haben wir die Ausstellung in der Probstei St. Peterzell aufgebaut. Das ganze Vexer Verlagsprogramm der letzten 27 Jahre ist das erste Mal als gesamter Werkblock ausgebreitet. Ramon Lenherr hat letzte Woche alle notwendigen Einbauten zusammengeschreinert. Die Denkräume und die Lesebänke. Das war alles sehr anstrengend aber es hat sich gelohnt. Am Abend veranstalten wir zusammen mit Ruth und Hermann ein gemütliches Racletessen im Garten am Kaminfeur.  Zwei heftige Gewitter die uns gleichzeitig von links und von rechts mit Blizen und Donnergegrolle beleuchten und beschallen, können uns nichts anhaben. Geschützt in unserer Gartenhöhle geniessen wir den geschmolzenen Alpkäse und schildern uns gegenseitig die gefärlichsten Erlebnisse bei Gewittern im Gebirge.

20. Juli: Wergenstein ist von Nebel eingehüllt. In der Viamalaschlucht gelingen mir einige interessante Fotos. Die Farbe des Wassers ist atemberaubend blau.

19. Juli: Fahrt nach Wergenstein. Ein wunderschöner Ort, sehr gute Küche und guter Wein. Ein Regenbogen über das ganze Tal.

18. Juli: Ein sehr schönes italienisch - schweizerisches Fest, tägliche Erholung im Schwimmteich, Essen vom Feinsten und guten Schlaf. Gelesen habe ich das Buch "Ein Portrait - Pablo Picasso", das im Piet Meyer Verlag erschienen ist und das ich bei König in Wien zum Spottpreis von 12 Euro gekauft habe...  "Malerei ist nie Prosa" (sagte mal Picasso und pinselte weiter).

13. Juli: Heute sind Monika und ich 33 Jahre verheiratet. Gut so, sogar sehr gut! Als kleinen Höhepunkt fahren wir über den Gotthard.
Jetzt habe ich aber noch das ganze Haus geputzt und die Fussböden Nebelfeucht gewischt. Im Brifkasten ist das Buch "Glimmende Peripherie" von Anselm Stalder gelegen. Ich habe das Buch aufgeschlagen und  seinen Text Nr. 1  gelesen. Was für ein Zufall! In diesem Text beschreibt Anselm den Nebel in Mailand so: "Im November wird der Nebel in Mailand an manchen Tagen so undurchdringlich, dass die Stadt verschwindet. Der Nebel wird zur einzigen Architektur. Die Häuser, Kirchen, Produktionshallen erscheinen wie unscharfe Projektionen, wenn sie aus der gräulich weissen Dichte auftauchen. das Gewicht des Nebels verleitet einen dazu, mit präzisen Schnitten einen Block herauszutrennen, nach Hause zu tragen und zur Beobachtung auf den Tisch zu stellen. Die Wärme der Wohnung wrd den Nebel schnell im ganzen Zimmer verteilen und auflösen, es sei denn man steckt den Nebelblock sofort in ein Glas und verschliesst es fest." .... Ein wunderschönes Buch, gestaltet von Georg Rutishuser. Kann bestellt werden bei: www.editionfink.ch Meine nebelfeucht gewischten Holzböden sind nun trocken und ich kann wieder ins obere Stockwerk ohne ins Feuchte zu tappen. Jetzt fahre ich mit dem Zug nach Baar und treffe Monika zur Weiterfahrt in den Süden. Hoffentlich hängt kein Nebel über dem Gotthard  und es wäre doch schön, wenn weiterhin gute Laune herrscht in den nächsten 33 Jahren.
Die Prognosen sind gut, sehr gut sogar!

12. Juli: Die alten Himbeerstauden entfernt und die Hecke kräftig zurückgestutzt. Dabei einige Astgabeln gesammelt und ein Vogelnest entdeckt. Das werde ich malen ! oder?

11. Juli: Maltag ist Zahltag...

10. Juli: 7.00 Uhr frischen Kaffee, Tagblatt lesen, Tagi lesen, Malerei von gestern begutachten, PC starten, Anfragen beantworten, die drei neuen XYLON Nummern zu Ende bringen, Buchbinder, Drucker, Siebdrucker und Gestalter der Schriften kontaktieren, Korrektur für die Postkarte www.ereignisse-probstei.ch an Grafiker mailen, Farbe für den Nachmittag vorbereiten, mit dem Zug nach Gossau, Sitzung mit Diener & Diener beim Holzbauer, Fassade für Chamfér begutachten, Farbe wählen, zurück nach St.Gallen fahren und dabei die  NZZ lesen, Monika zum Mittagessen treffen, Reise nach Italien besprechen, ins Atelier fahren, weitermalen, Öl bestellen, DADA Buch nach Hamburg schicken, Mails beantworten, Radiosendung mit der Performerin Marina Abramowich anhören. Ein wunderbarer Satz bleibt bei mir hängen, den Abramowich von Schamanen kennt: " Das Leben ist schlafen und der Tod ist das Aufwachen".
Abendessen: Krautstiel, Bohnen, Rüebli, im Dampf vorgekocht, Spätzli vom Bauernmarkt in der Bratpfanne mit Olivenöl erhitzt, das Gemüse dazugegeben, in der Mitte der Bratpfanne frische Zwiebeln, Knoblauch und fein gehackte Tomaten und Pilze gedünstet, eine gereucherte Lammwurst geschnitten und dazugegeben, alles untereinanderrgerührt, hat wunderbar geschmeckt, wie ein altes Bündnerrezept... 

9. Juli: Heute morgen musste ich einmal mehr den Dachkännel herausputzen. Gestern Abend erlebten wir einen beängstigenden Gewaltsregen. Der Himmel verfärbte sich in ein Alpkäsegelb. Ich hatte Angst dass es uns alle Ziegel vom Dach herunterhageln könnte.  Im Garten krochen heute morgen hunderte von wohlgenährten Schnecken im Garten herum. Über Nacht haben sie alles Kleingehackte weggeputzt. Kein Wunder bei unserem exquisiten Kräutergarten. Mal sehen ob ich noch einige Kräuter finde für die geplante Tagine von heute Abend. Ein schönes Stück Lammfleisch liegt schon in der Marinade.

8. Juli: Um 11.55 habe ich mit Monika zusammen den Film "Laila, Hala und Karima - Ein Jahr im revolutionären Kairo" im SF1 angeschaut. Ein erschütternder Film von Ahmed Abdel Mohsen und Eduard Erne, der von Sandra Gysi produziert worden ist. Drei Künstlerinnen beschreiben im Film ihre Hoffnungen, Probleme und Gefühle während  der Revolution in Ägypten. Dieser Kampf um MENSCHLICHE, politische und künstlerische Freiheiten ist von solch existentieller Wucht, dass ich mir mit meinen Alltagssorgen total kümmerlich vorkomme. Ich bewundere den Mut der drei Frauen in diesem Freiheitskampf, die stellvertretend für hundertausende von Menschen in diesem Film porträtiert worden sind.

7. Juli: Ich musste früh raus, trotz  all dem gutem Wein am Vorabend. Der Rollkoffer steht schon seit zwei Tagen vollgepackt mit den neusten Vexer Publikationen startbereit. Georg Rutishauser hat mich eingeladen zu den "Publisher's Tables", anlässlich der Präsentation der schönsten Schweizer Bücher im Helmhaus Zürich. Der Tag beginnt ziemlich anstrengend. Ich bin immer wieder überwältigt vom Gewicht von Büchern. Koffer in den Bus, Koffer aus dem Bus, Koffer in den Zug und dann den  Koffer in den oberen Stock im Zug. Ach - ich freue mich schon auf einen Kaffee mit Gipfeli. Ein Angestellter rumpelt ziemlich unmotiviert in der Küche des Speisewagens herum. Nach einer halben Stunde stellt sich heraus, dass der Aku der Kaffeemaschine leer ist. Meiner war es auch.
Der Tag in Zürich war sehr anregend. Vanja Hutter war mit dabei, mit zwanzig, eigens für diesen Tag von Hand kopierten, von Hand geschnittenen und von Hand gebundenen Büchlein der kleinen Niederlagen. Wir haben dreizehn Stück davon verkaufen können. (In die besten Sammlungen versteht sich) Vanja muss gleich weiter produzieren. Ich konnte viele schöne Publikationen tauschen. Mein Koffer war darum am Schluss gleich schwer wie am Morgen, obwol der Verkauf sehr gut gelaufen ist. Als Abrundung des Tages und des Körpers offerierte das Bundesamt für Kultur ein feines Buffet mit Libanesischen Köstlichkeiten...Um 24 Uhr stand der Koffer wieder im Grossraumbüro des Vexer Verlags.

6. Juli: Heute koche ich für Margrith, Ralph und Monika. Monika hat sehr schöne Sachen eingekauft und einen vielversprechenden Zweigelt dazu.

5. Juli: Heute kann ich endlich weitermalen... 

4. Juli: Heute machte ich Körper - Energiearbeit mit Joy. Das war eine der entspannendsten Stunden die ich je erlebt habe. Ich weiss jetzt tausende von Sachen die ich will und einige die ich nicht will. Holderiho! Und als total gesund empfinde ich mich noch dazu! Holderidiho!
Am Feierabend treffe ich mich mit Roman und Ramon bei Vitamin 2. Wir visionieren die Fotos und den Film, der beim wässern der Bücher im Necker entstanden ist. Roman gefällt das Material und ist einverstanden, dass wir den Film herausgeben im Vexer Verlag. Das muss jetzt schnell gehen, damit die neue Produktion bei der Verlagspräsentation in der Probstei St.Peterzell am 17. August fertig ist.

3. Juli: Besuch im Kunsthaus Grenchen mit Peter Emch um die XYLON Ausstellung vorzubereiten, die am 25. August um 16.30 Uhr eröffnet wird.  www.xylon.ch 
Das Kunsthaus Grenchen ist das einzige Museum mit einem eigenen Bahnhof das ich kenne. Die Kuratorin Eva Inversini macht ihre Arbeit sehr gut. Dafür würde sie eigentlich eine bunte Phantasieuniform verdienen!

2. Juli: Ich musste heute früh nach Brugg. Ich habe ein Ticket nach Baar gekauft. Keine Ahnung warum.

1. Juli: Gestern Abend ist mir ein wunderbares Nachtessen geglückt für Monika, Cony und Cefi. Als Vorspeisen - 1. Schüssel: einige ganz frische kleine Tomaten aus dem Garten und einige spezielle Sorten vom Bauernmarkt geviertelt, schwarze Oliven, etwas Feta, kleine Kugeln aus einer Honigmelone gestochen, frischer Basilikum, etwas Olivenöl und weisser Balsamico. 2. Schüssel: viel frischen Fenchel aus dem Garten ganz fein geschnitten, geräucherte Hünerbrust - noch feiner geschnitten, Parmesanscheibchen, das ganze mariniert mit einer Sauce mit Senf, Olivenöl, Zitronenöl, Balsamico, Birnell, Salz und Pfeffer und etwas Zucker, nach einer Stunde den Fenchel in der Marinade gewendet und blaue Salatblüten , wilde Rosenblütenblätter, Malvenblüten und Borretschblüten darübergestreut. Am Schluss eine Hand voll kleine wilde Himbeeren aus dem Garten frisch gepflückt über alles geschmissen.
Serviert mit einem frischen Brot. Die Teller waren nach dem Essen so blank geputzt, ich hätte sie gleich wieder in den Schrank stellen können.
Als Hauptspeise Vorbereitet hatte ich eine Pfanne mit Bratkartoffeln mit Rosmarin, ein Mischgemüse mit Stangenbohnen, Ruebli und Chefen. Ganz frisch gemacht a la minüt: Felchenfilets gebraten mit einer ganzen Schüssel fein gehackter Zitronenmelisse, angereichert mit zwei Eiern, Milch und  etwas Mehl. Dazu Fischleber, Jakobsmuscheln und Fischbäggli zart im Butter gewendet. Die Fischleber angerichtet wie ein Vogelnest, aussenherum Seebohnen mit etwas Tomaten und Zwiebeln.

Getrunken haben wir dazu einen Ripasso.

Ach ich sage dir... das war einfach wunderbar...

Hier noch ein Hinweis auf Borretschblüten:  John Gerard in „The Herball, or Generall Historie of Plantes“ (1597):

Heute tun die Menschen die Blüten in den Salat, um sich fröhlich zu stimmen und die Laune zu verbessern. Vieles kann man aus der Pflanze machen, was das Herz erleichtert, die Sorgen vertreibt und den Geist erhebt. Die Blätter des Borretsch, im Wein zu sich genommen, machen Männer und Frauen froh und glücklich, vertreiben Trauer, Langeweile und Melancholie, das haben bereits Dioskorides und Plinius bestätigt. Sirup aus Borretschblüten ist gut für das Herz, lässt die Melancholie vergeben und beruhigt die Verrückten.

29. Juni: Bin heute sehr früh aufgestanden. Der Zug nach Basel fährt um 7.48. Im Zugrestaurant bei Kaffee und Gipfeli lese ich im Tagblatt als erstes den Artikel über die Wyborada, illustriert mit einem schönen Bild von Sabin Schreiber und Marina Widmer. Die Frauenbibliothek wurde vor 25 Jahren gegründet. Es ist immer wieder spannend, wenn Zeit menschlich, räumlich und geschichtlich fassbar wird, weil man beim zurückliegenden Ereignis irgendwie mit dabei war. Von Zürich nach Basel staune ich über das alte Rollmaterial der SBB. Das ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Wenn die Fenster im Zug runterlassen werden können, erinnert mich das immer an Schulreisen. Wir Schüler mussten aufpassen, dass uns der Luftzug nicht das Hemd vom Leibe riss und der Lehrer musste derweil sein Toupet sichern.
In Basel hatte ich eine lange Architektursitzung und anschliessend besuchte ich die Kunsthalle. Die Räume und die Installation von Paul Sietsema im Parterre sind wirklich sehr schön. Craigie Horsfield im Oberlichtsaal schöpft aus dem vollen der Menschheitsgeschichte. Mit dem grossen Nashornpaar, eingepfercht - eingesperrt im kleinen Raum ist man mittendrin. Bringt er damit die Situation der Kunst auf den Punkt?...
Nach der Kunsthalle besuche ich wie immer  Stampas. Ernesto Tatafiore verarbeitet den Untergang der Titanik. Geht es dabei um den eigenen Untergang, das eigene Versinken im Strudel von schönen Frauen?
Im hinteren Raum zeigt sich Guido Nussbaum als Kulturbüezer. Er präsentiert humorvoll Welt- und Kunstgeschichte. Beide Künstler füllen die Räume mit etwas viel von Gutem. (Ist das eine Frage des Alters? Wenn man dann mal kann will man dann mal auch?)
Anschliesssend eine lange Unterhaltung mit Ester Hipler im Projektraum an der Gärtnerstrasse. In diesem Atelierhaus arbeiten dutzende von Künstlerinnen und Künstlern. Eine art Kreativbatterie inmitten von internationalen Chemiekonzernen. Die Präsentation ist nun leider schon wieder vorbei.  Es gibt viel nachzudenken auf der Heimfahrt über Produktion, Präsentation, Kunstvermittlung, Warnehmung usw.

28. Juni: Die Veranstaltung in der Kunsthalle St. Gallen war sehr interessant. Gute Gespräche mit interessanten Leuten, eine spannende Einführung in die Ausstellung, feines Essen und jede Menge Klatsch. ( z.B. soll Hans Schweizer seine Retrospektive Einzelausstellung im KUNST Zeughaus in Rapperswil abgesagt haben. Stimmt das wirklich?)
In der Kunsthalle St.Gallen arbeitet ein wirklich hoch motiviertes Team rund um Giovanni, Maren und Elli. Der Vortrag von Urs Stahel hat für mich einige Themenfelder aufgemacht die ich sehr interessant finde. Durch die Digitalisierung kann Fotografie problemloser in den Medien transportiert und verbreitet werden. Der Ausdruck auf Papier ist für nächste Generationen gar nicht mehr so relevant. Laut Urs Stahel gähnen junge, mediengewohnte Museumsbesucher vor Kunstwerken, die sie nicht interaktiv benutzen können. Museen müssen wegen der Preisentwicklung immer früher ankaufen auf die Gefahr hin, dass sie mit der Sammlung danebenliegen. Heute bestimmen nicht mehr Museen die Karrieren von Kunstschaffenden. Es sind vielmehr private SammlerInnen, die mit ihrer Marktkraft erheblichen Einfluss ausüben. Dazu kommt, dass grosse Sammler ihre eigenen Museen bauen und ihre Werke nicht mehr in die Obhut eines öffentlichen Museums geben wollen...Ich habe mir die Frage gestellt, ob sich der Erfolg der Fotografie als künstlerisches Medium durch die Digitalisierung wieder in sich selber auflöst, sozusagen im Universum aufpixelt oder im schwarzen Loch verdampft.

27. Juni: Manchmal öffnet sich der Himmel und alles wird klarer. Am Mittag offerierte ich der Sabin eine super Suppenhuhn Suppe mit Gemüse und sehr vielen frischen Kräutern aus dem Garten und einige Riccota Ravioli, die ich darin baden liess. Monika brachte grosse Erdbeertörtli vom BIO Konditor Lehmann.  Ja und nach dem Essen wurde es wärmer, die Sonne wollte uns sehen. Ein wunderbares Licht verwandelte die Blutbuche im Garten zu einem Kaleidoskop. Rot, hellgrün, hellblau, ein dunkelstes Braun und gleissendes Licht durch die Blätter, wie sirrende Öffnungen in eine andere Welt.
Nun gehts ab in die Kunsthalle. Urs Stahel hällt einen Vortrag, der bestimmt auch zur weiteren Erhellung beitragen wird. Dann gibts schon wieder ein wunderbares Essen...

25. Juni: Heute war ein guter Tag. Ich hatte Besuch vom Künstler Thomas Geiger aus Wien. Er arbeitet zur Zeit in Zürich an seinem Ziel Millionär zu werden.  Für seinen "Mark Pezinger Verlag". Thomas hat mir einige Bücher gebracht von ihm selber und von Karsten Födinger. Ich habe die Publikationen das erste Mal gesehen in einer Präsentation der Kunsthalle St.Gallen. Toll! Ein anregender Nachmittag. Nun habe ich einiges zu recherieren. ZB. www.booklooker.de, Daedalus Verlag Wien, Amour Fou, Paul Armand Gette, Zimtzauberkonserven von Daniel Spoerri, Salon für Kunstbuch, der alle Bücher nach Farben sortiert, Piet Meier Verlag, Billy x Comeno, Prof. Meuser, Julius Deutschbauer usw.  .... jetzt drückt endlich die Sonne durch.

22. Juni: Ab heute werden die Nächte wieder länger. Die Tage kürzer. Bleibt weniger Zeit Tagi zu lesen. Heute analysiert Simon Eppenberger das Debakel um das "Kunst-Y" im Hardaupark in Zürich und Jürg Rohrer karikiert in seinem Artikel "39 Grad Kunstfieber" die gross angelegte Stadtbewerbungsshow "Art and the City". Die fünf amüsant  zu Kunst im öffentlichen Raum erklärten Beispiele verkürzen den Tag schon bevor er begonnen hat.
Manchmal wünscht man sich die Zeiten zurück, als "grosse Kunstwerke" noch in der unbelastenden Form einer konzeptuellen Zeichnung oder einer Ideenzkizze im Listaschrank verschwanden.

20. Juni: In meinem Traum kochte ich eine heilende Suppe aus allen Tränen dieser Welt, mit extra viel Liebstöckel und gekrauster Petersilie.

19. Juni: Von meiner Italienreise zurück. Ich habe zwei neue Abendmotive gefunden, einen einfachen Holztisch gebaut und wunderbar gegessen. Gelesen habe ich im Buch von Umberto Eco "Der Friedhof von Prag".

8. Juni: Bin schon ganz aufgeregt. Vera kommt zu Besuch. Ich bin gespannt was sie über ihr neues Atelier in Berlin berichtet und über das Projekt in Rügen und und und...

7. Juni: Wer die Ausstellung von Pipilotti Rist im Kunstmuseum St.Gallen besucht, sollte sich die Zeit nehmen, die bunten Stickereien von Ficht Tanner im Museum im Lagerhaus an der Davidstrasse anzuschauen. Ich musste unweigerlich an Yellow Submarins von den Beatles denken. Das passt ja auch zu Pepperminta von Pipilotti. Farbige, fliegende Restteile von Erinnerungen, schwebend wie Luftballons. 

Übrigens: vor ein paar Tagen habe ich die Rechnung für das St.Galler Tagblatt erhalten, mit der Aufforderung, mein Zugangskonto zum E-Paper mit meiner neuen Abonummer zu aktualisieren. Ich blieb schon beim Login stecken. Das System lehnte drei mal meinen Namen ab. Ziemlich wütend schrieb ich dann beim Benutzername einfach Arschloch. Dieser Name wurde sofort akzeptiert. Nun klappt ja alles, aber wer hat schon Lust als Arschloch Nummer 10251551 das E-Paper vom St.Galler Tagblatt zu lesen?

6. Juni: Heute abend las und erzählte Peter von Matt im Literaturraum in der Hauptpost in St.Gallen. Ein voller Saal, ein spezielles Thema: "Das Kalb vor der Gotthardpost". Ich kenne dieses Bild von Koller seit der Primarschule, als etwas abgeschabtes und verbrauchtes Schaubild, vom Bambusstöckchen des Lehrers jahrelang malträtiert, hing es leicht schräg an einer Schnur neben der Wandtafel. Stundenlang mussten wir dieses Bildwerk beschreiben. Der Schwanz des Kalbes, die schwingenden Schweife der Pferde, die knallende Geisel des Postillions. Der aufgewirbelte Strassenstaub. Von Matt sprach von den verschiedenen Geschwindigkeiten im Bild und gab spannende und aufheiterne Gedanken zum Mythos der Schweiz zum Besten. Das Bild entstand 1873 zeitgleich mit dem damaligen Börsencrash. Da ging noch die Post ab... da stürzten sich die Spekulanten reihenweise von den Brücken. Ich frage mich, ob heute alle Kälber der Welt fähig wären, die schlingernde internationale Wirtschaftskutsche noch zu stoppen. 

6. Juni: Heute morgen um fünf  habe ich geträumt wie sich die Venus als schwarzer Punkt vor die Sonne schiebt. Im Traum war die Bewegung ruckartig wie in einem alten Superachtfilm. Ich war in einem grossen, gegen oben offenen Toilettenraum. Alles war besetzt. Stumme Menschen schwenkten die leicht bekleideten Körper ihrer Liebsten in grossen Trögen sanft in einer gelblichen Flüssigkeit hin und her. Niemand beachtete mich. Ich musste raus aus diesem Raum und pisste an die seitliche Wand der Erde. Um sechs Uhr bin ich aufgestanden, um eventuell das Venusspektakel real zu beobachten. Der Himmel war mit Wolken behangen. Nur in Richtung Vorarlberg waren zwei Öffnungen in den Wolken zu sehen, wo Sonnenlicht durchscheinen konnte. Weder die Sonne noch die Venus waren zu sehen. Ich dachte mir, dass diese zwei Löcher durch tausende von Augenpaaren in die Wolkendecke geätzt worden sind.

4. Juni: Nachdenken über die Lesungen von Birgit Kempker im Museum Olten und ihr Gespräch mit Monika Dillier. Birgit hat Monika mit ihren Fragen ziemlich an die Wand gedrückt.

3. Juni: Die ganze Woche habe ich gemalt und nachgedacht. Kräuter und Salat angesäht. Gestern traf ich nach langer Zeit wieder einmal Alex Silber und Rut Himmelsbach zu einem Gespräch. Gemeinsam sind wir dann zur Eröffnung von Pipilotti ins Kunstmuseum St. Gallen gepilgert. Eine angenehme Feststimmung mit Weisswein und Bratwurst. Manon war da und Claude Sandoz mit einem schönen Hut, Peter Liechti, der Norbert kam grad vom Schaffen und der Alex trug eine Sonnenbrille, Felix Falkner im Gespräch mit , ach - Caro Niederer war auch da und so viele Andere, grad wie an einem Sommerfest.  Die Ausstellung werde ich mir ein zweites Mal in Ruhe anschauen wenn das überhaupt möglich ist. Unweigerlich erinnerete ich mich an den Geruch der ersten Ausstellung mit Pipilotti in der Kunsthalle 1989, mit Muda Mathis und "Les Raines Prochaines". Da waren alle noch angewiesen  auf einen Schlafplatz bei Freunden, auf genügend Schlafsäcke und auf Entdeckungen in Brockenhäusern. Das sind andere Gerüche und Zeiten, die man nicht wegwaschen oder vergessen kann. Rudolf Schawalder und Roland Frei kauften damals für Pipilotti über Monate hinweg hunderte von alten Handtaschen im Heilsarmee Brockenhaus. Braune, Schwarze, graue, grün gespriggelte, baige. Die Verkäuferinnen machten sich sicher ihre Gedanken, was diese zwei Männer mit all diesen Damentaschen anstellen werden. Und nun in der Jetztzeit?  Der erste Eindruck: eine überraschende, erfrischende bunte Welt. Das Kunst - Licht scheint die Räume auf wundersame Weise zu durchlüften und zu reinigen. Im Oberlichtsaal eine Schafherde wie bei Segantini. Ich weiss nicht ob Pipilotti die Segantini Ausstellung Ende der 90er Jahre im Kunstmuseum gesehen hat. Ich glaube schon. Alle, die sich mit Licht, Rasterung, Projektion und Farbe beschäftigen, werden irgendwann mit der Frische im Werk von Segantini konfrontiert. Der ZUFALLSRASTER in der Malerei kommt dem natürlichen Licht näher wie diese normierten Pixel. Aber die Reinheit des Lichts in der  Arbeit von Pipilotti ist für mich  mit Segantini vergleichbar.  Pipilotti gestaltet Licht in ihrem Sinne. Pipilotti hat die Fähigkeit, sich rein zu denken. Sie denkt ins Reinheft. Brave Mädchen bekommen Schmetterlinge und Bienchen und Kosenamen ins Reinheft. Knaben prügeln sich, zertrampeln Brillen und nerven. Segantini hustete sich mit seinen Visionen in den frühen Tod. Das Licht, die Intensität der Farbwirkung bei Segantini hat mich um die Jahrtausenwende wieder an die Qualität von Malerei glauben lassen. Heute verzweifle ich manchmal fast an der Wirkung von Farbe. Ist das Abendrot gleichzusetzen mit dem Ende? Wann wird ein intensives Gefühl zu Kitsch?

12.15 Uhr. Jetzt reise ich gleich nach Olten an die Buchpräsentation von Monika Dillier im Kunstmuseum. Ich bin gespannt auf die Ausstellung. Die Arbeit von Monika hat sich auch in die Farbe hinein weiterentwickelt.

29. Mai: Pfingsten ohne Stau überstanden. Gut gegessen, gut getrunken, viel geredet. Monika hat viel gejätet. Es ist erstaunlich, wie viel unerwünschte Biomasse in einem Garten ungefragt vor sich hin wächst. Was nicht auf dem Komposthaufen landet, wird für Blumensträusse abgerissen und in Vasen gestellt, als Suppenkräurter klein gehackt, als Salat zerzupft und weggeputzt, Äste werden zu Brennholz verarbeitet, diverse Blüten für Teemischungen getrocknet und Astgabeln sammle ich für ein Kunstprojekt. Der Postbote hat heute nichts spannendes gebracht. Ich habe mich um zwei neue Bilder gekümmert. Abendlicht im Bierli. Türkiese, helles Ultamarin, Orange und Zitronengelb, sehr dunkles Blau mit Lampenschwarz. Aschgrau und Zinkweiss. Die Bilder müssen eine Stille auslösen, dass man meint die Blattläuse  singen zu hören.  
Alex Silber und Rut Himmelsbach haben sich für einen Besuch am Samstag angemeldet.  
Ein Silberstreifen am Abendhimmel.
In Italien bebt die Erde und wir fühlen uns so sicher.
Die Blätter der Weide bewegen sich sachte und zeigen ihre silbergraue Farbe.
Gelber Mohn wiegt in der Abendsonne vor meinem Fenster.
Höre ich  wirklich das feine Plätschern eines Brunnens oder ist das etwa ein kühlender Apéro?
Mai - es ist ein Besuch - Ende - Mai.
 
28. Mai: Besuch bei Rolf und Anik - wunderbar.

27. Mai: Besuch in Schaffhausen, 2 x 55 er Fest bei Coni und Cefi - wunderbar.

26. Mai: Besuch von Judith Hauptlin. Nachmittag - Besuch von Dipl. Ing. Fust. Der Dampfabzug wird repariert.

25. Mai: Besuch von Otto Heigold.

24. Mai: Super Bescheid vom Kanton St.Gallen. Das Amt für Kultur hat einen Beitrag gesprochen für das geplante Buch von Bernard Tagwerker.

23. Mai: Heute muss ich hundert Heimatbücher nach Genf schicken. Eine Knochenarbeit. In zwei Stunden schaffe ich sechs Pakete, die meisten wiegen über 25 Kilo. Der Pöstler in Genf wird seine helle Freude haben. Die Bücher gehen an die Rue Rothschild in Genève, das ist doch nobel - gell? Und dann sind gleich noch 10 Lauftext von Peter Liechti nach Zürich beordert worden. Die Bücher Lauftext sollten doch eigentlich selber laufen können. Das wäre sehr praktisch und lustig, wenn ich mir vorstelle, wie zehn Bücher in Einerkolonne über den Fussgängerstreifen marschieren.

22. Mai: Es gibt so viel zu tun. Ich bin von einem verlängerten Wochenende zurück. Ein kleines Wunder bei diesem Verkehr. Im Stau stehen als Beifahrer ist mühsam und Harntreibend. In Italien habe ich einen  Mammutbaum gepflanzt. Ich habe das Bäumchen "Wildschwein- und Rehsicher" mit Maschendraht eingezäunt. Den Draht habe ich an vier grossen Pfählen aus Kastanienholz befestigt. Mit Heinz zusammen suchte ich einen schönen Platz, wo der Baum in hundert Jahren immer noch gut stehen kann. Einen halben Tag habe ich gebraucht, um das Waldstück aufzuräumen, einen Bewässerungskanal anzulegen und den Baum zu pflanzen. Am Abend haben Silvia, Heinz, Monika, Eri und ich ein kleines Pflanzfest veranstaltet. Der Baum wurde eingeschwemmt mit einer grossen Giesskanne Wasser und wir tranken auf sein Wohl eine Flasche Champagner. Ja nun bin ich zurück und bearbeite meine Post. Im Moment scheinen viele Menschen grosse Lust zu haben Bücher bei mir herauszugeben. Wenn alle, die ein Buch machen wollen zuerst ein dutzend Bücher bei mir kaufen würden, wäre das Vexer Lager sehr schnell leergeräumt. Esther Hiepler hat mir ein sehr schönes Projekt zugeschickt. Da werde ich sicher dran bleiben.

Ach - ich muss mich beeilen. Meine erste Sitzung als Präsident der Fachkommission HF bildende Kunst an der GBS findet heute um 17 Uhr statt. Wir müssen auch in der Ostschweiz dringend mehr Menschen zu Künstlerinnen und Künstler ausbilden. Es gibt einfach viel zu wenig Kunstschaffende. Ich würde es toll finden, wenn alle Berufe in einem künstlerischen Sinne ausgeübt würden. Die Elektriker verlegen alle Kabel in phantasievollen, ornamentalen Formen, die Strassenwischer formen den Abfall zu kleinen, skandalösen Skulpturen, die Automechanikerinnen schweissen alle eintreffenden Neuwagen zu hohen Türmen zusammen. Die Sekretärinnen reimen ihre Geschäftsbriefe zu langen, aufwühlenden Versfolgen, die Bauern und Bäuerinnen machen täglich Land-Art mit Hühnermist, die Homeopatinnen malen mit ihren zehn mal geschüttelten Tröpfchen kleine unsichtbare Bildchen usw. und Ueli Maurer könnte bunte Griepen basteln. ((lieber Toni, schreibt man diese fliegende Grippe wirklich mit ie)) ?

Scheisse, jetzt muss ich rennen...

16. Mai: Endlich komme ich mit meiner Malerei wieder einen Schritt weiter. Das Abendlicht im Bild lullt mich in seiner Sanftheit richtig ein.

15. Andreas Fröhlich und sein Studienkollege aus Indien, beide von der Uni St.Gallen, besuchen und befragen mich. Ein Gesprräch zu meiner dreiteiligen Arbeit an der Universität. Der junge Herr Fröhlich hat es in sich. Ich werde richtiggehend gelöchert. Das hat Spass gemacht.  

14. Mai: Spontanes Gegrille am Feuerplatz.

13. Mai: Gestern feierten wir Sabins 50 sten. an der Metallstrasse. Ich stand als Erster schon um 16 Uhr da. Vorher umrundete ich das ganze Quartier, da ich viel zu früh vor Ort war. Nach dem Bau des Bundesverwaltungsgerichts scheint das ganze Quartier umgepflügt zu werden. An der Zürcherstrasse gibt es immer noch das Ladenlokal, wo ich vor 30 Jahren die St.Galerie eingerichtet hatte. In den letzten Jahren wurde dieser Laden genutzt als Kleiderladen, Bauchtanzkostümladen, für gebrauchte Hochzeitbekleidung, Quartierstübli, Hiundesalon, usw. Im Moment ist ein Nagelstudio eingerichtet. Das Schaufenster wirkt wie eine schräge Installation eines Jungkünstlers. Ja und dann ein selten schönes Fest zu Ehren von Sabin. Ruhig, besinnlich und achtsam. Tiefgründige Gespräche, stimmige Musik und  liebevoll zubereitete Leckereine, die von den Gästen mitgebracht worden waren.

12. Mai: Ströhmender Regen. Die Dachrinne ist verstopft. Mit meinem Schirm steige ich auf die Leiter um kiloweise Buchenlaub und Dreck aus dem Kängel zu putzen. Ich bin total durchnässt und fühle mich wie ein schlecht gemaltes Aquarell.

11. Mai: Es ist soviel passiert in den letzten Tagen. Das grosse Bild entwickelt sich. Das Brennholz im Garten ist gehackt und verstaut. Den doofen Wasserhahn von Philippe Starck habe ich eigenhändig repariert. Vieles von Starck ist zwar schön aber unpraktisch. Der Wasserstrahl spritzt jetzt nicht mehr durch das Badezimmer oder an meinen Bauch. Durch ein kleines Ersatzteil fliesst das Wasser nun wieder kontrolliert in den Trog. Den verstopften Syphon im Erdgeschoss habe ich endlich gereinigt und nach heftigem Fluchen, mit Hilfe meines Nachbarn wieder zusammengebaut. Dann war diese Woche noch Diego Stampa hier um Bilder für die Art Basel auszuwählen. Zusammen haben wir dann die Ausstellung von Vera bei Christian Röllin angeschaut. Zwischendurch habe ich viele Bücher in alle Richtungen abgeschickt. Drei wahnsinns Packete habe ich für das Kunstmuseum Olten gemacht mit Büchern von Monika Dillier. Der arme Pöstler. Ich verstehe nicht, wie man für ein winziges Packet sieben Franken bezahlt und für 20 Kilo Packete nur 15 Stutz. Ja und dann haben wir ja am Montag 100 Bücher von Roman Signer im Necker gewässert und anschliessend luftgetrocknet . Vexer - Necker - Skulptur.

Heute stand ich um sechs Uhr auf. Ich nahm den Zug um sieben nach Chur. Dann mit der Rhätischen Bahn nach Jlanz und dann mit dem Postauto nach Vals. Das dauert fast dreieinhalb Stunden. Ich war im Steinbruch von Truffer in Vals. Das ist alles sehr beeindruckend. Mal sehen was aus meinem 190 m2 Mauerprojekt wird.

3. Mai: Seit Tagen male ich an einem grossen neuen Bild. Ich habe mich gefreut über die Ballonaktion am 1. Mai in Zürich. Um Chaoten fröhlich zu stimmen hat eine Gruppe von Menschen drei Tage lang tausende von Ballonen aufgeblasen und dann am ersten Mai in einer Strasse aus den Wohnungen aufs Volk schweben lassen. Dieser Akt scheint eine sehr positive Energie ausgelöst zu haben. Die Chaoten konnten Ballone zerknallen und mussten keine Polizisten attackieren. Frische Luft tut einfach gut. Pfff....

1. Mai: Ich wünsche allen einen tief grünen 1. Mai.

29. April: Um 5.25 Uhr stand ich in Wien auf.  Ich habe extra einen Wecker kaufen müssen, aber ich bin fünf Minuten vor ihm aufgewacht.  Trotzdem verpasste ich fast das Flugzeug. Ich habe mich entschieden, mit der Strassenbahn zur U-Bahn zu fahren, dann mit der U-Bahn zum CAT, das ist der Zug zum Flughafen. Das ist eigentlich sehr praktisch, weil man da gleich das Flugticket bekommt und den Koffer aufgeben kann. Nicht aber heute morgen. Das Einchecken war nicht möglich, der Cat fuhr erst in 30 Minuten und ich musste ein Taxi nehmen. Im allerletzten Moment schaffte ich es noch, auf dem Flughafen mein Ticket zu bekommen. Das Problem lag darin, dass die Galerie bei der Buchung den Namen Josef Felix Müller angegeben hat und in meinem Pass steht Felix Josef. Um 7.20 war der Abflug und in Zürich fehlte mein Koffer, der wollte in Wien bleiben. Zum Glück habe ich in weiser Voraussicht die Magnum Flasche Rotwein dem Taxifahrer geschenkt, sonst hätte ich auch noch Zollprobleme bekommen. In den Sonntagszeitungen lese ich, dass David Weiss gestorben ist. Was für ein himmeltrauriger Tag!

28. April: Ich bin den ganzen Tag unterwegs in der Stadt. Zuerst Frühstück im Kunsthallenrestaurant. Auffallend ist, dass sich die Gastronomie im Museumsquartier jedes Jahr ausweitet. Kunst scheint enormen Durst auszulösen. Im MUMOK wird die Arbeit von Claes Oldenburg aus den 60er Jahren gezeigt. Die Ausstellung ist für meinen Geschmack etwas zu Warenhausmässig aufgebaut - eher ein Warenhaus der billigeren Sorte, mit vielen Podesten und einer unmotivierten "Überhängung" der Wände. Einige Arbeiten sind wunderschön, z.B. die weichen Lichtschalter. In der Kunsthalle durfte Urs Fischer seine Werke ausbreiten. Interessant ist die verblüffende Nähe zur Arbeit von Oldenburg. Begrüsst wird man von der pinkfarbigen, "weichen" Strassenlaterne, die im Mondschein geschmolzen zu sein scheint. Mich überzeugt das Skelett, das auf einer Parkbank total vital seinen Arsch in die Höhe streckt. Richtig meditativ wird es bei den zwei gegossennen, langsam im Raum kreisenden Ästen. An den Enden der Äste steht je eine brennende Kerze. Der heruntertropfende Wachs bildel zwei sich überschneidende, weisse  Kreise am Boden.  Die Aufsicht, warscheindlich eine handwerklich begabte Kunststudentin, hat einiges an Gerätschaften unter ihrem Sitzplatz angehäuft. Sie scheint dafür zuständig zu sein, dass die Motoren geschmiert und der tropfende Kreislauf nicht unterbrochen wird. In jedem Raum hängt ein knallrotes, echtes Feuerlöschgerät, warscheindlich sind die dazu da, um die Gefahr der brennenden Kerzen zu bannen. Unweigerlich wünscht man sich, dass auch diese Feuerlöschgeräte aus Wachs gefertigt wären und vor sich hinschmelzen könnten.

Im Foyer der Kunsthalle wird der Film über Urs Fischer auf einem Monitor gezeigt. In Schweizerdeutsch, das die Wienerinnen und Wiener ja so gut verstehen.

Der Höhepunkt des Tages ist die Ausstellung im Kunstforum mit der Sammlungspräsentation der Fondation Hubert Looser. Eine  präziese und stimmige Sammlung, die sehr sorgfältig aufgebaut worden ist. Die intelligenten Gegenüberstellungen und die daraus entstehenden Dialoge zwischen den Werken sind eine Sinnesfreude und eine grosse Bereicherung.

27. April: Flug nach Wien. Ernst Hilger zeigt Malerei unter dem Titel "Zeitlos". Die Vernissage am Mittwochabend habe ich verpasst. Ernst hat ein Jahresblatt von mir herausgegeben, das ich heute abend für seine Sammler und Freunde signieren soll. Ernst möchte Arbeiten von mir zeigen an der Kunstmesse Wien, die im September stattfindet und für das nächste Frühjahr planen wir eine Einzelausstellung. Es gibt viel zu tun. Das wurde ein gemütlicher Abend mit netten Leuten, gutem Essen und schönem Wein.

25. April: Ein wunderbares Essen von Meria genossen. Christian Röllin hat uns eingeladen mit einem sehr sympatischen Sammlerpaar.

23. April: Heute ist «Welttag des Buches» Schade, dass die meisten Buchläden am Montag geschlossen sind.
Gestern am Sonntagnachmittag haben wir uns zusammen mit Irené, Max, Ursula, Alena und Theo im Bücherladen Appenzell "einschliessen und geniessen" lassen. Eine wirklich gute Idee. Man wird drei Stunden im Bücherladen eingeschlossen mit Getränken, Essen und natürlich mit all den auserlesenen  Büchern. Wir haben alle einiges an Spezialitäten gefunden. ZB. Fortuna auf Triumphzug, Von der Notwendigkeit des Zufalls, Verlag Galiani Berlin (das habe ich gekauft weil ich mich mit dem Zufall in der Kunst von Bernard Tagwerker beschäftige) oder "Tauschen, sprechen, begehren" Edition Akzente Hanser Verlag - oder Jenseits von Gut und Böse, "Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind" Piper Verlag.... Das weitgefächerte Sortiment im Bücherladen Appenzell ist wirklich sehr erstaunlich. H.R.Fricker, Cecile Wick, Alex Katz, James Joyce von Fritz Senn, eine Fassbinder Biographie... bekannte und weniger bekannte Freunde...., da ist einiges zusammengekommen an diesem Nachmittag.

13.30 Uhr: Erstes Treffen mit Gaston Isoz aus Berlin. Er gestaltet die Publikation "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel. Ich glaube das kommt gut. Es lohnt sich die Veröffentlichungen von Gaston in seinem Kleinverlag anzuschauen. www.disadorno.de

21. April: Hermann hat mir angeboten, beim Zersägen des ganzen Buchenholzes zu helfen. Ich mache heute kurze Scheiter für den Holzkochherd, damit ich im nächsten Winter wieder all diese Köstlichkeiten schmoren lassen kann. Monika rumpelt zur Zeit in der Küche herum. Sie packt Töpfe, Geschirr und Besteck zusammen für unser winziges Haus in Italien.

Ja jetzt hat gerade Vera aus Berlin angerufen und erzählt von ihrer Begegnung mit den zwei Töchtern von Hees die sie in Berlin getroffen hat. Nächste Woche soll alles mit dem Wunschatelier geklärt werden. Alles kommt gut!

Heute Abend fahren wir mit dem Zug nach Tägerwilen und dann gehts zu Fuss nach Gottlieben zur Tischeinweihung bei Lucy Schenker und Kurt Huber. Ich habe ihnen ein grosses Stück massives Mammutbaumholz besorgt für ihren neuen Tisch. An diesem Abend sind auch der Schreiner Marcel und der Schlosser Markus mit ihren Frauen anwesend. Ich freue mich. 

20. April: Früh am Morgen trinke ich noch einen Kaffee mit Monika Dillier und bespreche die nächsten Schritte, die wir organisieren müssen. Zum Beispiel die Abrechnung für Pro Helvetia und die Buchpräsentation am Sonntag 3. Juni im Kunstmuseum Olten...
Anschliessend findet um 9.00 die Startersitzung mit allen Fachplanern bei D&D Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums Aarau statt.  Ich staune immer wieder über die Komplexität eines solchen Bauvorhabens. 
Am Mittag fahre ich nach Zürich und hohle in der Galerie von Marlene Frei den "Kurator" von Nanne
Meyer ab. Vor vielen Jahren habe ich in Berlin einen "Zwieback" von Nanne gekauft. Nun bin ich stolzer Besitzer von einem Zwieback und einem Kurator. Das ist doch toll! Und passt in die Zeit der "Zwieback zum Frühstück Kuratoren".
Auf der Nachhausefahrt schimpft im Zugabteil hinter mir eine etwas ältere "Kunststudentin" über die Galerien, die sich allesamt mit fremden Federn schmücken. Dazwischen schellt dauernd ihr Handy und sie bespricht sich mit schweissenden, malenden, polierenden und verzweifelnden Künstlerfreunden, denen sie allen von ihrem inspirierenden Südfrankreich Aufenthalt vorschwärmt. (Derweil stelle ich mir all die noch feuchten Aquarelle in ihrem Rollköfferli vor) 

Kaum zu Hause klingelt mein Nachbar an der Haustüre. Er hat seine Buchenhecke mit einem Bagger ausreissen lassen, nun schenkt er mir das Holz und ich stehe zwei Stunden frierend mit der Motorsäge in Nachbars Garten...

19. April: Eigentlich hatte ich geplant an diesem Abend die Vorträge von Roger Diener und von Franz Wanner im Gewerbemuseum Winterthur anzuhören zum Thema Glas. Nun findet aber die Buchpremiere von Monika Dillier bei Stampa in Basel statt. Ich liebe die Zugfahrt nach Basel. Die Zeit bis Zürich reicht genau für das Lesen der NZZ und der zweite Abschnitt bis Basel eignet sich sehr gut für die Reflektion des Gelesenen. Wasserkraft, Atomausstieg, Zersiedelung, Rückbau von Atomanlagen, Grenzverkehr, Eurokurs, Asylanträge und jammernde Bauern die günstige Landarbeiter aus Moldavien brauchen...
Bei Stampa diskutiert eine Gruppe von Frauen in englischer "Sprasche" vor den Bildern von Hanspeter Hofmann. Die Lebenspartnerin von Hanspeter übt mit ihrer Englischklasse den Umgang mit Kunst. Dann werde ich gleich von Anna Rist begrüsst. Sie ist eine wunderbare, interessierte und offene Urmutter der Kunst. Ich habe nicht mit einer Vertreterin des Oberrheintals gerechnet. An diesem Abend wird  mir bewusst, dass in den 80er Jahren sehr viele interessante Ostschweizerinnen nach Basel gezogen sind und es ist erstaunlich, wieviele von ihnen an diesem Abend auftauchen. Da ist einmal Muda Mathis, Bernadette Johnson die Cellistin, Silvia Staub, die mich in den 80ern in den aufrechten Gang, mit Alexandertechnik eingeführt hat und viele mehr. Thomas Spielmann taucht auf und Alex Silber, Mireille Gros, Irene Wiedler, Marlies Pekarek von St.Gallen ist auch da. Sie war einmal Schülerin von Monika Dillier an der F&F und dann natürlich Anneliese Zwez, die schon viele der hier anwesenden Künstlerinnen und Künstler  mit ihren Texten gewürdigt hat.
Birgit Kempker liest an diesem Abend. Beim Nachtessen kann ich mich endlich outen als begeisterter Leser ihrer Bücher und ich gelobe, dass ich nach diesem Abend alle ihre Bücher abstauben und frisch lesen werde. Alle ihre Bücher sind komplett aufgereiht in der direkten Nachbarschaft von John Berger und Marlene Duras. Die Buchpremiere ist ein voller Erfolg. Jetzt hoffe ich einfach, dass alle aufgeweckten Köpfe dieses Buch bestellen... Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

18. April: Heute sollten die Bücher von Monika Dillier eintreffen. Ich bin sehr gespannt. Es ist schon ein spezieller Moment, das gesamte Werk einer Künstlerin in einem Buch ausgebreitet und beschrieben zu sehen. Vor allem, wenn man diese Künstlerin schon seit den frühen 80er Jahren kennt. Ich kann mich noch erinnern an diese Ausstellung in Nürnberg 1987, "Offenes Ende - Junge Schweizer Kunst" Da habe ich beschlossen die erste Publikation mit Monika Dillier im Vexer Verlag herauszugeben. Eine Mappe mit 23 faksimilierten, schwarzen Zeichnungen. Ich zeigte damals meine riesigen Holzschnitte meines Ateliebodens in der ehrenwerten Dürer Gesellschaft. 50 Künstler wurden damals an 17 verschiedenen Orten in Nürnberg und Erlangen vorgestellt. Monika zeigte damals Zeichnungen und Hefte, die mich sehr beeindruckten. 1997 verlegte ich dann das Buch "177 mal grosse Sehnsucht und grosse Angst" 177 Kugelschreiberzeichnungen die für den Vexer Verlag entstanden waren. Wenn ich dieses Buch heute wieder anschaue stelle ich einfach fest, dass sich Monika Dillier immer wieder als eine der verquersten und eigenwilligsten Zeichnerinnen ihrer Generation behaupten kann. 1987, 1997, 2012 - drei Publikationen und schon sind wieder 25 Jahre weggeflutscht.
Jetzt sind wir gerade  eingeladen worden zum Nachtessen bei Elsbeth Fischer und Hansueli Stettler, mit Fredi  Altherr und Menga Frei. So hangelt man sich glücklich von Tisch zu Tisch.

Der Transport wird sich verspäten, die Verzollung scheint nicht so einfach zu sein. Es ist zwar sehr viel billiger, Bücher in Deutschland zu drucken aber die Grenze existiert immer noch als grosses Handelshindernis. Wir vereinbaren, dass Manuel der Fahrer bei Elsbeth anruft, wenn er in St.Gallen eintrifft. So kann ich das Abendessen geniessen. Kaum hatte ich das wunderbare Gemüsecurry gegessen kam das Telefon und die Bücher. Der Fahrer Manuel Meisel ist  Bandmitglied von Anna Rossinelli. Als erstes hat er mich gefragt, ob der grosse Berg, den man von der Autobahn aus sehen könne, der Säntis sei. Die Band hat ein Konzert am 28. April auf dem Säntis. Manuel wollte dann noch wissen, ob man mit dem Auto auf den Säntis fahren könne. (Wegen der vielen Instrumente) Ich kann leider nicht an dieses Konzert gehen, ich fliege Ende Woche nach Wien. Die  Ausstellung "ZEITLOS-Positionen der Malerei" wird bei Hilger eröffnet. Bin ich wirklich schon zeitlos? ich empfinde mich eher als rastlos.

13. April: Vordergrund über Abendrot gemalt. (Die Stimmungen stammen vom Bierli, einem Weiler in Appenzellausserhoden) Am Nachmittag bringen wir 100 Bücher "Skulptur" von Roman Signer zum Buchbinder, um Löcher bohren zu lassen. Der Buchbinder hatte nicht viel Zeit. Er wollte zum Tauchen im Bodensee, Welse anschauen. Der 77 järige erzählte von riesen Welsen, die da herumschwimmen. Die Bücher von Roman Signer dürfen  auch bald schwimmen im Necker. Am Abend ein Geburtstagsfest im ehemaligen Kino in Uster. Felix Roth ist sechzig geworden. Ein Dorf mit 30 tausend Einwohnern und einem Kino, das für Anlässe von der Gemeinde gemietet werden kann. Super geschlafen im Gästezimmer von Liv und Felix, umgeben von einer imposanten Spielzeugburg von Linus. Beim Frühstück spannende Gespräche über Ernährungswissenschaft und Gesundheit. Spiel, Sport und Kultur, Lebensplanung, Freidenker, Kinder, veganische Gerichte usw.

... ob ich je Veganer werden kann bezweifle ich. Ich habe gestern Abend einen Lammbraten auf dem Holzofen gegart, mit Basilikumtomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz, Rosmarin, Estragon, Thymian und einer riesigen, in mundgerechte Stücke geschnittenen Peperoni und natürlich frischen, gevierteilten Pilzen. Die Pilze saugen den Geschmack so wunderbar auf) Den halben Liter verdampften Rotwein nicht vergessen. (Zum Essen genoss ich  dann einiges an Gegorenem aber unverdampft)

12. April: Ich wage mich wieder an meine Abendrotbilder. Abendbrot wäre auch mal was. Am Mittag habe ich einen Gemüsekuchen gebacken. Rote Peperoni, Selleriestangen, Karotten, Brocoli, Zugetti, Pilze, Ingwer, zwei Eier, etwas Mehl, Hüttenkäse, Koreander, Salz und Pfeffer. Dazu frischen Salat mit Schnittlauch, importiert aus meinem  Italienischen Kräutergarten. Sabin und Monika waren sehr zufrieden.

11. April: Das Haus im Piemont ist ausgemalt. Die Farbe macht sich prächtig. Ein grün, frisch wie Pfefferminze oder diese scharfen Fischermannsfreunde. Ein wunderbares Erdpigment. Am Montag habe ich aus grossen, teilweise behauenen  Steinbläcken eine Feuerstelle gebaut. Schön gross und archaisch. Die Ecksteine stammen teilweise vom Haus, das restauriert und neu aufgebaut worden ist. Einen kleinen Kreutergarten habe ich auch schon angelegt - für die geplanten Grilladen. Da fehlt aber noch einiges. Wir sind seit dem 10. April zurück in St.Gallen. Eine riesen Flut von mails schwappte mir beim Öffnen des PC's entgegen. Ein grosser Aufsteller: Felix Droese hat die Entwürfe für die XYLON Zeitschrift geschickt. Das wird super. Die Nachlese der Zeitungen der letzten Tage braucht viel Zeit. Brigitte Schmid-Gugler hat einen Artikel über die Ausstellung von Vera geschrieben. Ich versuche den Text für Monika laut vorzulesen. Ich stolpere bei jedem zweiten Satz. Ist der Text so kompliziert geschrieben oder bin ich noch in einer anderen Welt? Klammern, Komas, verschachtelte Sätze zu hauf. Aber Kunst muss man ja von allen Seiten betrachten und sich ab und zu auf den Kopf stellen. Apropos schreiben, heute habe ich einen super Satz von Bruno Steiger gelesen. Er stellt sich die Frage ob es Worte gibt, die sich nicht in Anführungszeichen setzen lassen. - "Schlittenhund". Geht das?  Und, so es ginge, was für Schlüsse wären daraus zu ziehen; Frage. Zitiert aus dem Buch: Bruno Steiger, Der Trick mit dem Sprung aus dem Stuhl, herausgegeben von Urs Engeler, roughbook 021, April 2012.

5. April: Ich muss dringend die weisse Untermalung schaffen, damit das Riesenbild über Ostern trocknen kann. Ich male weisse Ostern 2012.
Dann gehts ab ins Rheintal, Mutter besuchen und dann nach Italien. Vera  hat ein wunderschönes grün für das Haus in Italien ausgewählt. Das Haus ist mit einem zweistöckigen Ei vergleichbar. Innenmass 270 x 330 cm. Die Gesammthöhe 535 cm. Dieses Haus werde ich wie ein Ei bemalen aber von Innen. Frohe Ostern an Alle.

4. April: Seit Tagen warte ich auf ein Packet von DHL. Ich warte weil ich warten muss. Wenn ich mit dem Zug nach Deutschland und zurück gefahren wäre, hätte ich mein Zeugs sieben Tage früher gehabt und die Zollkosten sparen können. Reisen macht mitunter Sinn!
Dafür am Mittag eine gute Neuigkeit. Roman Signer macht ein Projekt für die Vexer Verlagsausstellung in der Probstei St. Peterzell. Wir lassen hundert seiner Bücher "Roman Signer Skulptur" die 1987 im Vexer Verlag erschienen sind an Schnüren im Necker schwimmen. Die aufgequollenen Buchskulpturen werden dann am 17. August erstmals in der Probstei präsentiert. Das gibt ein Fest. (Eröffnung am 17. August um 19.00 Uhr)

3. April: Malen, malen, malen. Am Abend Premiere des Dokumentarfilms von Brigitte Schmied-Gugler. "Das Geheimnis der Heie" in der Lockremiese. Wir sind viel zu früh da und haben dadurch die Möglichkeit die Ausstellung des Kunstmuseums in der Lockremiese anzuschauen. Werke von Künstlerinnen aus der Sammlung von Ursula Hauser. Wohnen und Hausen mit diesen zum Teil riesigen Werken wird wohl eher schwierig sein. Sammeln und lagern ist da eher das Thema. Die Ausstellung mit Werken von Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Loredana Sperini, Carol Rama usw. gibt einen spannenden Einblick zu Empfindsamkeit und körperliches Empfinden.  Die Ausstellung ist gut gemacht und zeigt die Problematik dieses Ausstellungsortes, der eben wirklich mehr ein "Ort" wie ein konzentrierter Raum für Kunst ist.

Dann ein grosszügiger Apéro - mehr ein Toggenburger Nachtmahl am Tresen, gesponsort vom Metzgermeister aus Ennetbühl.

Dann der Film - Das Geheimnis der Heie...

Wer kennt den Bildhauer Jesper Neergaards? Wer kennt Ennetbühl? Wer kennt die Skulptur Heie? Wie kommt dieser Marmormocken auf diese Alp? Eine interessante Geschichte, die mehr aussagt über lokale Politik und Schlitzohrigkeit wie über das Verständnis von Kunst auf dem Lande. Ein gut betuchtes Sammlerehepaar sucht einen passenden OIrt für eine mehrere Tonnen schwere Marmorskulptur, die das Universum mit dem Irdischen verbinden soll. Um den riesigen Mocken auf die schöne Alp zu bringen braucht es eine mit einem Lastwagen befahrbare Alpstrasse. Das Sammlerehepaar finanziert diese Strasse, die Ortsbürger stellen einen Quadratmeter Land zur Verfügung und die "Anlage" wird bewilligt, ohne das Wissen des Kantons. Lustig ist, dass dieses Kunstwerk für die Baubewilligung als "Anlage" und nicht als "Baute" behandelt wurde.  Der Kanton schluckte dann nach einer Beschwerde diese Bewilligung missmutig mit der Auflage, dass vom Sammlerehepaar rund um die Skulptur herum sieben Bergahornbäume als Sichtschutz gepflanzt und gepflegt werden müssen. Die Kraft der "Heie" erweist sich aber als so stark, dass bis anhin nur ein Bergahorn überleben konnte.
Kunst als Anlage für das Seelenheil und die Heilung der Erde - und der Strassenbau als Weg zur Kunst.

2. April: Malen, malen, malen r

1. April: Kein Scherz in Sicht. Eventuell kommt noch Lisa Schiess vorbei für einen Büchertausch. Am Mittag bereite ich eine Sauce für die Pasta am Abend vor. Zwiebeln, gehacktes vom Reh, zwei Hände voll kleine, fein geschnittene Ringe von grünen Peperonis aus Sizilien, 1 Pfefferschote, Pelatti und Basilikumtomaten, Pilze, Oliven, Oregano, beim Anbraten etwas Tomatenpürée... den Weisswein lege ich in den Kühlschrank, den Korkenzieher habe ich schon in den Zapfen gedreht und im letzten Moment auf Wein in der Sauce verzichtet. Nun liegt die Flasche mit Korkenzieher schräg im Kühlschrank und muss bis zum Abend warten.
Die Sauce köchelt den ganzen Nachmittag vor sich hin.
Monika und Vera sind am Abend echt begeistert.

31. März: Ausflug mit Ramon Lenherr zur Probstei in St. Peterzell. Ausstellungsbesprechung mit Roman Menzi. Hier wird vom 17. August bis zum 16. September der Vexer Verlag präsentiert. Das wird hoffentlich ein Fest. Wir feiern 27 Jahre Vexer Verlag.

30. März: 11.00 Meret Brauner doziert "Kuratieren" an der Höheren Fachschule für bildende Kunst in St. Gallen. Sie hat mich eingeladen, zwei Stunden über die Anfänge der Kunsthalle St. Gallen zu dozieren. Ich habe über die kulturelle Situation in den 80er Jahren geredet. Über die St. Galerie, die ich von 1979-1982 betrieben habe, die ersten Szenenausstellungen, das Engagement einer ganzen Künstlergeneration für mehr Kulturräume. Heute ist es unvorstellbar, dass das Kunstmuseum in St. Gallen von 1968 bis 1987 wegen Baufälligkeit geschlossen war. Eine Stadt, zwanzig Jahre ohne Kunstmuseum. Zwei Künstlergenerationen ohne institutionelle Unterstützung. Das wäre in der gegenwärtigen Diskussion, die Pius Knüsel mit angezettelt hat ein spannendes Thema für eine Feldstudie. Ja die Anfänge der Kunsthalle in St. Gallen, mit der ersten Ausstellung -  Balthasar Burkhard im Volksbad, den Videopräsentationen mit Ulrike Rosenbach, Filmen von Pezold, Tanz mit Christine Brodbeck... und dann die Zeit an der Wassergasse mit der ersten Ausstellung von Pippilotti Rist und Muda Mathis, den Präsentationen von Roman Signer, Sivia Bächli, Guido Nussbaum, Boris Nieslony, Katharina Sieverding, Patricia London Ante Paris usw. usw. Das war eine spannende Zeit in St.Gallen. Wir beackerten gemeinsam das kulturelle Brachland...

Anschliessend ein schönes Essen im Klassenraum. Bibi hat Huhn gekocht und Reis und Karotten und Zugetti und Kartoffeln - wunderbar.  

Am Abend die Eröffnung von meiner Tochter Vera Ida Müller in der Galerie Christian Röllin. Ich bin sehr beglückt. Berlin scheint der richtige Arbeitsort für Vera zu sein. Was im letzten halben Jahr unter erschwerten Umständen entstanden ist, finde ich einfach fantastisch.

28. März: Zwei grosse Bilder überarbeitet. Jetzt kommt alles gut. Flug für Wien bestellt. Ernst Hilger plant im April eine Ausstellung mit Malerei wo ich mit dabei bin.
Am Abend eine wunderbare Lesung mit Arno Camenisch in der Buchhandlung zur Rose in St.Gallen. Zuerst fand ich den Tonfall etwas aufgesetzt - "schlätzig". Nach einer gewissen Zeit wurde die Lesung rhytmischer und musikalischer. Die feinen textlichen "Rückgriffe" und kleine Wiederholungen liessen das Publikum durch das eigene Erinnern zu einem Teil der Textentwicklung werden. Ich bin gespannt wie die drei Bücher funktionieren wenn man sie selber liest. 

27. März: 5.30 Uhr aufstehen. Der Mammutbaum wird gesägt in der Sägerei Koller in Attelwil. Filmaufnahmen mit Sandra von donkyshot. Es ist kalt und laut. Das Singen der Sägen macht verquitschte Ohren. Der Kaffee von Bärbel wärmt die Seele. Beim Fällen des Baumes erzählte Sandra, dass sie einmal auf einem Bauernhof beim Schlachten einer Sau dabei gewesen sei. Nach dem Todesschuss sei die Sau auf einen Schlag nur noch Fleisch gewesen. Bei diesem Baum war es genau gleich. Ein Schnitt und der Baum wurde zu Holz. Und nun in dieser Sägerei relativieren sich die Dimensionen. Hier wird  jeder noch so grosse Baum sehr schnell sehr klein. Mich beeindruckt die Konzentration, die Ernsthaftigkeit und die Ruhe der Sägereiarbeiter inmitten dieser kreischenden Sägen. Eine interessante Geschäftsidee fällt mir ein: feine, kleine, rötliche Zahnstocher aus Mammutbaumholz, von Hand geschnitzt.

23. - 26. März: Holzen im Piemont. Am Abend Wiedersehn mit Vera. Sie baut ihre Ausstellung bei Christian Röllin auf.

22. März: Heute ist von Honoré de Balzac eingetroffen: Die derbdrolligen Geschichten in den Abteien der Touraine, gesammelt und ans Licht gebracht durch den edlen Herrn von Balzac zur besonderen Erbauung aller Pantagruelsfreunde und nicht für andere. Leipzig 1927. Die Illustrationen von Gustave Doré sind teilweise sehr skurriel.

21. März: Heute muss ich mir eine Sicherheitshose kaufen für Kettensägearbeiten aber vorher werde ich noch eine Ulme malen.

20. März: Konzeptarbeit für das geplante Künstlerbuch von und mit Bernard Tagwerker. Gespräch mit der Druckerei und mit Roland Stieger von TGG. Dieses Projekt wird spannend, da es die Möglichjkeiten einer neuen Offsetmaschiene total ausnützt. Eine Maschiene mit sechs Farbwerken, die schrittweise dazugeschaltet werden können.
Am Mittag ein Treffen mit Maren Brauner von der Kunsthalle. Sie ist Assistenzkuratorin von Giovanni Carmine und unterichtet "Kuratieren" an der höheren Fachschule für bildende Kunst der GBS in St. Gallen. Meine Aufgabe besteht darin, in einer Woche den Studierenden von den Anfängen der Kunsthalle zu erzählen, die 1985 gegründet wurde. All die Bilder kommen wieder hoch, die erste Ausstellung im Volksbad mit einer riesigen Fotoarbeit von Balthasar Burkhard und Vernissagemusik aus dem Gummikanu auf dem Wasser. Norbert Möslang und Ralph Hug spielten Saxophon. Dann das "Erobern" von leerstehenden Räumen für Kunstprojekte und die verzweifelte Suche nach etwas Geld.
Am Nachmittag finde ich das Buch "Tante Lisbeth" von Balzac im Briefkasten, vom Antiquariat pinkRus. In den nächsten Tagen werde ich von Balzac umgeben sein, wenn alles eintrifft, das ich bestellt habe.
Ich schlage das Buch auf und lese:"Herr Crevel!" schluchzte Madame Hulot in ihr Taschentuch, das bereits ganz tränenfeucht war. "Es ist genug! Schweigen Sie!"

19. März: Die Frösche in den Teichen sind heute ruhig. Wenn es kühler wird tauchen sie ab.

18. März: Beim lesen der NZZ am Sonntag spüre ich noch die Nachtschwere. Das Textverständnis lässt zu wünschen übrig. Am Nachmittag ein wunderschöner Spaziergang zum alten Rhein. Efeubewachsene Baumstämme im Sonntagslicht.

17. März: Rosen schneiden, Staubsaugen, Himmel malen und beim Kochen helfen. Heute Abend kommen Gäste. Ein bewährtes Grüppchen von Geburtstag feiernden. Zwischen durch lese ich Honoré de Balzac. "Das unbekannte Meisterwerk", mit Illustrationen von Pablo Picasso, neu erschienen in der Insel-Bücherei. Ein sensationelles Buch für 14.90. Grossartig!
Das Essen am Abend ist umwerfend. Dabei hilft auch der schwere Amarone.

16. März: Rosen schneiden, anschliessend Vorbereitungsgespräch mit Adrian Notz und Thomas Gehrig für die Fachkommission Bildende Kunst der GBS St. Gallen, deren Präsidium ich übernehmen soll.  Adrian zeigt uns ein beeindruckendes Filmchen auf seinem Handy, von einer Performance. Eine Studentin in Basel sagt vor Publikum sehr intensiv eine Stunde lang den Satz: "Was ist Kunst". Sie schreit sie haucht sie zischt diesen Satz bis sie komplet erschöpft und heiser ist. Heute erreichte ich nach einigen vergeblichen Versuchen Felix Droese. Ein gutes Gespräch. Ich bin gespannt auf seinen Beitrag und freue mich darauf.

15. März: Rosen schneiden und Himmel malen.

14. März: Seit langer Zeit wieder einmal mit Rolf Staeck aus Heidelberg gesprochen. Seit dem 3. Bitterfelder Kongress von 1992 habe ich ihn und meinen Hasen nicht mehr gesehen. Rolf hat damals eine kleine Skulptur von mir gekauft. Ein Holzhase mit Schockoladeohren, vor der Welt stehend.

13. März: Andreas Schwendener hat Filmaufnahmen gemacht von meiner Malaktion "Mammutbaum und Hirte", die am 7. März in meinem Atelier stattgefunden hat. Der Anlass wurde von der Universität St. Gallen organisiert im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen.  Angeregt wurde die Aktion vom Musiker Rudolf Lutz. Andreas Schwendener hat diesen Film nun auf You Tube veröffentlicht. Hier der Link:

http://www.youtube.com/watch?v=0CmTy07ej7M

Um 15.15 treffe ich Sandra und Ahmed von www.donkeyshot.ch zu einer Besprechung des Aarauer Filmprojekts. Ich muss unbedingt Balsac lesen. In der grössten Buchhandlung der Stadt fand ich kein Buch von Balzac. Es scheint, dass dieser Bursche nicht mehr so gefragt ist...

Comédie
humaine

12. März: Ein dichter Tag. Am Abend Sitzung in Winterthur. Wir bestimmen die drei Künstler-Innen für die nächsten XYLON Zeitschriften. In der Altstadt hat es gebrannt. Undefinierter Rauchgeruch erzeugt bei mir immer ein angespanntes Körpergefühl.

11. März: Mineralienbörse in St. Gallen. Wir kaufen einen sehr grossen, wunderbaren Rutilrauchquarz aus Brasilien, (Zwillingsrutil) einen grossen Mocken Schwefelkristall für Vera, wegen der Farbe, einen sehr speziellen Calcit Doppelender mit Pyrit und Kupfer und für mich drei kleine Bergkristalle aus dem Tessin. Diese drei kleinen, sehr spitzen Kristalle scheinen eingraphierte Botschaften aus einem anderen Zeitraum in sich zu tragen. Die Transparenz dieser drei Kristalle ist wie frisches Eiswasser am Morgen.

10. März: 7.15 Uhr raus aus dem Bett. Das war eine kurze Nacht. Fünf Stunden Schlaf. Normalerweise brauche  ich acht bis neun Stunden Schlaf, aber die GV der XYLON Vereinigung beginnt um 9.00 in Winterthur. Im Zug treffe ich Ulrich im Bistro. Er gönnt sich ein grosses Frühstück. Wir sprechen über den Begriff Wutkäufer von Karl Marx oder Wutbesitzer? Ueli hat aus Wut über die Banken eine Eigentumswohnung gekauft. Im Restaurant Blume in Winterthur sind schon eine grosse Anzahl Xylonistinnen und Xylonisten versammelt zu Kaffee und Gipfeli. Es wird eine ausgesprochen anregende und engagierte GV. Der grosse Erfolg des Jubelbuches gibt etwas Spielraum für die Zukunft der Xylon Zeitschrift, die jetzt von der gleichen Arbeitsgruppe herausgegeben wird, die auch das Jubelbuch gemacht hat. Die Zusammenarbeit mit Eva Galizzi, Ernst Egli, René Fehr-Biscioni, Peter Emch und Kaspar Toggenburger ist für mich sehr angenehm und bereichernd.

Um 15.00 Uhr ist eine weitere Buchpräsentation vorbereitet im Gewerbemuseum Winterthur. Die Xylon Vereinigung hatte früher in diesem Haus regelmässig ihre internationalen Ausstellungen. Als 17 oder 18 jähriger besuchte ich erstmals eine Xylon Ausstellung. Zu Hause suchte ich sofort nach ein paar Brettern und machte meine ersten Holzschnitte. Adrian Künzi hällt eine kurze Rede und ich erzähle wie das Buch entstanden ist. Ich glaube wirklich an die Kraft von archaischen Drucktechniken, in einer Zeit der totalen Digitalisierung.
Beim anschliessenden Gespräch mit Markus Rigert, dem  Direktor des Museums wird mir klar, was für eine wunderbare, kleine Museale Seidenstrasse in der Schweiz existiert. Vom Museum für Gestaltung in Zürich, über das Gewerbemuseum in Winterthur zum Textilmuseum in St. Gallen. (Ich bin gespannt auf die Arbeit der neuen Direktorin Michaela Reichel im Textilmuseums in St. Gallen. Etwas Wiener Schmäh kann nicht schaden.

9. März: Ein Verlagsmorgen mit vielen Bestellungen des Dada Büchleins. Im St. Galler Tagblatt ist dazu ein Artikel von David Gazde erschienen. Viele schöne Rückmeldungen auf die Malaktion. Am Abend ein wunderbares Nachtessen, gute Gespräche und viel Heiterkeit mit Helen, Hansjörg, Meria, Monika und Christian. Ich fühle mich angekommen und aufgehoben in einem neuen Lebensabschnitt. Ich fühle mich seit einiger Zeit einer anderen Generation zugehörig.

8. März: Ein erfüllter, ruhiger Morgen. Gaston Isoz, hat mir letzthin ein schönes Buch geschickt. Er arbeitet als Gestalter in Berlin und ich überlege mir, das Buch "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel mit ihm zu machen. Viele Mails erledigt. Dann koche ich für Sabin und Monika. Eigentlich wollte ich eine Pizza backen aber Sabin schreibt eine mail. Sie braucht heute Schonkost. Im letzten Moment stelle ich um auf Kartoffeln, die ich in Schnitze schneide, etwas Lauch, Selleriestangen, italienische Petersilie und einen grossen Broccoli. Ich koche das Gemüse mit etwas Salz im Dampf. Derweil bereite ich für Monika und mich einen einfachen Salat zu, mit diesem speziellen Cicorino (keine Ahnung wie man das schreibt). Der sieht ein bisschen aus wie ein grünes, zusammengewachsenes Bündel Chicorée, umrandet mit Löhwenzahnblättern. Diesen Salat zerreisse ich und schneide die grossen Stücke kreuz und quer. Ich rühre zwei Eier an mit etwas Milch und grobem Roggenmehl, gebe das Gemüse und den Guss in eine Gratinform. Etwas Kräutersalz, Pfeffer, und gemörserten Koreander drauf. Bevor ich jeweils den Gemüsegratin in den Ofen schiebe, schaue ich immer nach, was noch im Kühlschrank liegt. Ich finde ein Stück Feta, das ich auf zwei Drittel des Gemüses brocke. Sabin bekommt das nicht. Ein bisschen Muscat und dann ab in den heissen Ofen. Für den Salat liebe ich Olivenöl, weissen italienischen Balsamico, groben Senf und einen Löffel Birnell. Das verrühre ich zu einer sähmigen Sauce mit etwas Pfeffer und Salz.
Alles OK.
Um 15 Uhr erwarte ich Ramon Lenherr. Er bereitet eine Ausstellung vor zum 27 Jahr Jubiläum des Vexer Verlags. Ramon bringt die frisch gedruckten Kärtchen: "27=3 hoch 3 = Denkräume". Gemeinsam sichten wir alle Auflagenobjekte. Wir überlegen hin und hehr, ob wir für die Ausstellung ein grosses Sitzpodium oder eine doppelte Leesekabine bauen sollen...schon 18 Uhr.


 7. März: Dieser Tag war sehr anstrengend. In der Nacht (morgens um drei) habe ich die gemeinsame Aktion mit dem Musiker und Improvisator Rudolf Lutz durchgedacht. Er hat mich für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen eingeladen, die dann am Abend in meinem Atelier an der Haggenstrasse stattfinden sollte. Ich war fest entschlossen, an diesem Abend nur Geschichten aus meiner Jugend zum Thema Wahrnehmung zu erzählen und nicht zu malen. Malen vor Publikum ist für mich ein fast unvorstellbarer Akt. Trotzdem habe ich zugesagt, dass ich diesen Abend mache. Nun steh ich da und habe die Hosen voll. Getrichen voll.
Am morgen um 10 Uhr ein Interview im News, mit David Gadze. Er schreibt einen Text zum neuen Dada Buch für das St. Galler Tagblatt. Ich habe die Tendenz, wenn ich gefordert bin, alle Anfragen anzunehmen, um noch einmal einige Hacken schlagen zu können ...
Am Mittag Stühle schleppen für den Abend und letzte Vorbereitungen im Atelier. Monika half mir schon am Vorabend ein riesiges Stück Papier aufzuhängen (275 x 800). Ich konnte mich am Nachmittag überhaupt nicht konzentrieren. Ich hatte den totalen Bammel. Für Rudolf Lutz war es der dritte Auftritt in dieser Veranstaltungsreihe. Den ersten Abend bestritt er mit Hans Thomann, dann improvisierte er zur Arbeit von Floristinnen und nun bin ich an der Reihe. Den letzten Abend spielt er dann zusammen mit Gardi Hutter. Vor dem Clown kommt also der Affe.
Um 18 Uhr sind schon einige Leute da. Ich rechne so mit 20 Personen. Um 18.15 drängen sich schon 70 bis 80 Menschen in meinem Malatelier. Noch mehr Stühle - der Raum ist gerammelt voll. Ruedi Lutz macht eine kurze Einführung. Wir haben vorher darüber geredet, dass für einen Musiker das Auftreten vor Publikum das Normalste der Welt ist. Für mich als Maler ist das ganz anders. Ich suche im Normalfall die Stille, um mich konzentrieren zu können. Nun sitze ich auf meinem Stuhl und wage einen Blick ins Publikum. Erwartungsvoll schauen mich all diese Menschen an. 
Ein Adrenalinstoss - und schon stehe ich auf meinem Stuhl. Ich singe das Lied, das der Hansli vom Bürgerheim immer in den Beizen gesungen hat (für eine Flasche Bier). "Schwarz schwarz schwarz ist alles was ich habe, drum lieb ich was schwarz ist weil mein Vater Bürgermeister ist". Beim Hansli war es natürlich der Kaminfegermeister, nicht der Bürgermeister. (Der schwarze Bürgermeister ist mir spontan eingefallen) Ich erzählte dann die Geschichte von den Buchstaben in der ersten Klasse, die ich nicht sehen konnte. Die Lehrerin tippte auf einen imaginären Ort an der Tafel und die andern Kinder sagten: "Das ist ein H - oder das ist ein M, ein ÄSS, bis das ganze Alphabet durch war. Alle, die einen Buchstaben richtig sagen konnten, durften nach Hause gehen. Ich sass  bis zum Schluss da und hatte keine Ahnung was da ablief. Die Lehrerin dachte sicher: "Ach der arme Bub."
Dann folgte die Geschichte von mir als Hirte am Rhein, als ich Rinder und Kälber hüten musste.
Das Rheinvorland wurde ca. 1960 total abgeholtzt. Als Kindergärtler sah ich die tausenden von Wurzelstöcke, die wie eine riesige Mammutherde im sandigen Boden lagen. Ich erzählte, wie mein Vater mit dem Fahrrad, in einer Milchkanne eine Suppe mit Würstchen zum Weideplatz brachte. Er zog eine Wurst aus der Kanne und an der Wurst klebten all die Buchstaben der Buchstabensuppe. Das war eine sehr eindrückliche Skulptur. Ich wollte damals sofort Schriftsteller werden. Ich stellte mir all die geheimen Texte vor, die beim Durchschütteln der Suppe in der Milchkanne fortwährend geschrieben wurden. 
Nach dieser Erzählung setzte ich mich auf meinen Stuhl und wartete auf die Musik von Ruedi. Mir wurde schlagartig klar, dass ich keine Geschichten mehr erzählen konnte. Ich musste malen. Die Leute wollten das.

Das tat ich dann auch. Ich schrieb zuerst und malte dann ruhig und rythmisch mit der Musik, im Dunst von Leinöhl und Terpentin. Es war unglaublich. Ich hatte keine Distanz zum Bild, hinter meinem Rücken all die vielen Menschen, die Musik, der einsetzende Gesang, die sich langsam ausbreitende Körperwärme des Publikums. Ich fühlte mich getragen, aufgewärmt von einem überwältigenden, kollektieven "Heizkörper".

Ich glaube ich habe eine grosse Schwelle überschritten und meine Malhemmung abgelegt.

In verschiedenen Schichten entstand ein riesiger liegender Baumstamm. Ich werde einige Tage warten, bis ich diese Zeichnung richtig anschauen kann. Ich habe diese Aktion in einer Mail angekündigt als "Mammutbaum und Hirte", als Vorbereitung und Reflextion meiner geplanten Arbeit mit dem Aarauer Mammutbaum, der letzte Woche gefällt worden ist.

6. März: Ein strahlend blauer Himmel. Sonnenschein. Heute abend nehme ich ein Bad mit Wasser, das den ganzen Tag durch Solarenergie aufgewärmt wird. Das ist ein super gutes, feines Gefühl. Diese Investition hat sich gelohnt. Ich habe am Wochenende eine Wette abgeschlossen mit Monika. Sie sagte, dass  Beat Wismer im Kunst Palast Düsseldorf eine Goya Ausstellung vorbereite. Ich wettete, dass es eine Grünewald Ausstellung sei. Nun ist es aber eine El Greco Ausstellung. Monika behauptet nun sie habe recht gehabt. Sie hätte zwar Goya gesagt, aber El Greco gemeint. Nun ja, selbstverständlich haben wir beide recht, ich sagte zwar Grünewald, meine aber ganz klar El Greco. Voila! Die gute Flasche bleibt im Haus.

5. März 10.30 Uhr: Adrian Küenzi holt die letzten verkäuflichen Bücher vom sehr erfolgreichen XYLON JUBELDRUCK bei mir im Atelier ab, für die Buchpräsentation am 10. März, 15 Uhr im Gewerbemuseum Winterthur.
Ich muss heute alles vorbereiten für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen. In meinem Atelier an der Haggenstrasse 51 mache ich am 7. März eine gemeinsame Veranstaltung  mit Rudolf Lutz. Mein Arbeitstitel: "Mammutbaum und Hirte". Rudolf Lutz improvisiert und ich auch.

4. März: Ich wollte Monika den geräumten Platz beim Schlössli Aarau zeigen. Da wo der Erweiterungsbau für das Stadtmuseum gebaut wird. Nun steht an Stelle des gefällten Mammutbaumes ein grosses weisses Kreuz, beschriftet mit "Mammutbaum".  Am Boden stehen Kerzen. Ein richtiger Trauerplatz ist da eingerichtet worden. Anschliessend besuchen wir die Ausstellung von Roman Signer im Kunsthaus Aarau. Eine tolle Präsentation mit einer wunderbaren Raumabfolge. Als ich 1989 sämtliche Super 8 Filme von Roman Signer im Vexer Verlag als dreistündiges Videoband herausgegeben habe, wäre eine solch perfekte Installation gar nicht machbar gewesen. Die technische Entwicklung macht aus diesen Arbeiten etwas ganz Anderes. (Wenn man das vergleicht mit der Präsentation im Fojer des Kunsthauses Zürich in den 80er Jahrenden, als die original "Super 8 Wackelfilmchen" in kleinen Filmboxen vor sich hin ratterten. 
In der Ausstellung wird auch die Fotoserie mit "Verkaufsständchen" für Früchte und Gemüse und "Altärchen" für Verkehrsopfer am Strassenrand gezeigt.

3. März: Besuch in Baden. Wir steigen ab im Atrium Hotel Blume. Das Atrium ist wunderschön. Den Wunschbrunnen muss ich bei Gelegenheit noch fotografieren. Tamara Weibel hat einen wissenschaftlichen Text zum Thema geschrieben, den ich gerne mit meiner Arbeit für die Kantonalbank Filiale Bruggen bebildern und im Vexer Verlag veröffentlichen möchte. Das wird aber sicher Sommer.
Am Abend zu Besuch mit einem wunderbaren Essen von und bei Susanna Widmer, mit Christoph Gallio, Gabi Fuhrimann, Wiliam und Rolf Winnewisser. Ich habe selten so viel gelacht.

2. März 10.07:
Gute Nachrichten. Pro Helvetia bezahlt einen schönen Beitrag an das geplante Buch "Knabenmorgenblütenträume" von Monika Dillier, das Isabel Zürcher im Vexer Verlag herausgeben wird. Mit  Beiträgen von Andreas Cremonini, Birgit Kempker, Andrea Saemann, Chris Regn. Da freue ich mich drauf. Die Buchpremiere findet statt am 19. April bei Stampa in Basel.
Aus grossem Jubel heraus habe ich den ganzen Morgen an einem Himmel gemalt. Der Himmel ist von Peter Liechtis Wohnung im Bierli herausfotografiert, vor einem wunderbaren Abendessen im letzten Herbst.

1. März, 23.10 Uhr:
Alles ist OK. Der Mammutbaum liegt in der Sägerei und die Eröffnung der Dada Ausstellung in Zürich war auch sehr interessant.
Das neue Vexer Buch mit Dada Poesie mit dem schlichten Titel "Modul BMK-BMK-11H-IN-PRFO-01" ist sehr schön geworden.
24.07 Uhr: Ich sitze jetzt schon länger am PC und versuche meine Stimmungen und Eindrücke zu sammeln. Ich hole mir ein Glas Wein und versuche einiges zu klären. Ich war gestern in Aarau. Die Vorbereitungen für die Fällaktion des Mammutbaumes waren sehr gut vorbereitet. Alle waren da. Die da waren,  waren Martin und Bärbel und Sandra und Achmed und der Tonmeister. Aber auch Kaba vom Stadtmuseum, alle Facharbeiter vom Forstamt und viele andere die ich nicht kannte und ich war auch da. Ja da wurden dann um 13.15 Uhr (auf die Minute genau)  die Abschrankungsgitter platziert. Auf alle Fälle und zur Sicherheit. Allsbald wurden die untersten Äste des Baumes bis auf ca. 15 Meter hinauf  abgesägt. Der Baum sah nicht mehr sehr vorteilhaft aus. Es wurden Begriffe genannt wie: gerupftes Huhn, WC Besen, Zahnstocher mit was dran usw. , und auch Bemerkungen wie: "jetzt sieht er aber gar nicht mehr schön aus" oder "am Morgen hat es mich noch gereut dass der gefällt wird, aber jetzt ist die Aussicht um einiges besser - oder "Scheisse! jetzt hauen die den Baum um." Ja es war ein starkes Bild. Ein 130 jähriger Baum, den "Unterleib" entblösst. Für mich gab es aber keinen Moment der Peinlichkeit gegenüber dem Baum. Da muss ich betonen, dass ich am Morgen früh, bevor ich nach Aarau gefahren bin, das Gespräch gesucht habe zu diesem 130 jährigen Baum. In diesem persönlichen Kontakt mit dem Baum versuchte ich ihm klar zu machen, dass es bei dieser Fällaktion nicht um einen böswilligen Zerstörungsakt geht. Ich kam in einen Zusatand hinein, in dem ich fast den Baum vergass, fast den Zug verpasste und auch nicht bemerkte dass die liebe Monika schon längst zur Arbeit gegangen war. Der Mammutbaum hat aufmerksam zugehört und hat alles verstanden.
Mein rechtes Augenlied zittert leicht. Eigentlich ist das ein Zeichen , endlich schlafen zu gehen. Aber - es gibt so viel zu berichten.
der Mittwoch war ein himmelblauer Tag. Endlich  Sonne nach einer langen, sehr  kalten und grauen Winterzeit. Ich hatte das Gefühl, dass der Baum sich auf einen riesigen, frühlingshaften ersten Schluck des frisch aufgetauten, eiskalten Frostwassers eingestellt hatte. Und nun diese Aufregung. Absperrungen, Kettensägen, Helme, Kameras, kreisende Krähen usw. Aber der Baum zeigte sich von seiner elegantesten Seite.
Um 16.00 musste ich gehen. Möglichst schnell nach Zürich ins Cabaret Volaire, zur feierlichen Übergabe das Buches: Modul BMK - 11H - Int - PRFO - 01" an die  Studierenden der ZHDK.
All die Bücher für die Studierenden zog ich in einem Rollkoffer zum Cabaret. Im Niederdorf versuchte ich ganz höfeli und langsam am Koffer zu ziehen, damit der Krach, dieses unmögliche Geräusch des ploppernden Koffers nicht stört.
Ich war dann so durcheinander, dass ich bei meiner kurzen Einführung Ernst Hemingway mit Hermann Hesse verwechselte. Pardong den Erben! Dabei wollte ich ja nur das Buch von Eveline Hasler empfehlen.

Dann schnell wider nach Aarau zum Znacht. Ein guter Abend mit dem Filmteam Sandra und Achmed und den Gastgebern Bärbel und Martin. (Frühlingssalat, Pasta mit Ruccola und Speckwürfeli, Wein aus der Toscana, sehr schöne Stimmung)

29. Februar, 10.00:
Heute Nachmittag beginnen die Vorbereitungen für die Baumfällaktion in Aarau. Der  Mammutbaum wird zu Brettern gesägt. Das Holz verwende ich für Reliefs, die in Beton gegossen werden für die Fassade des Neubaus von Diener&Diener. Um 17 Uhr feierliche Übergabe des Buches "Dada Modul" im Cabaret Voltaire an die beteiligten Studierenden der ZHDK. Das gibt einen dichten Tag. Ich freue mich.

27. Februar, 22.30:
Martin Steinmann hat angerufen. Die Sanierung und Erneuerung des Stadtmuseums Aarau ist heute Abend vom Einwohnerrat der Stadt Aarau bestätigt worden. Die SVP war trotz einer klaren Volksmehrheit geschlossen dagegen und will weitere Kulturprojekte kompromisslos verhindern. Vor drei Jahren hat mich Roger Diener angefragt ob ich interessiert wäre, die Fassade des neuen Gebäudes zu gestalten. Jetzt geht es an die Realisierung. Hodleriho...Holderi-oh...

27. Februar 19.27:
Heute den ganzen Tag Dada Poesie verpackt und verschickt. Wer noch ein nummeriertes Dadamodul will muss sich beeilen. Heute Abend gibts Gerstensuppe, Käse Brot und Wein mit unseren lieben Nachbarn Ruth und HerrMann. Ihre Katze Tiger muss zu Hause bleiben. (Tieger kriegt Trockenfutter)
Jetzt fällt mir wieder ein was ich in Berlin gegessen habe. Das ist ein richtiges Esswortspiel. Ich verwechsle nämlich immer ähnlich klingende Begriffe und Namen wie Goldach und Gossau, Nanne und Nina oder Biene und Maia, Amriswil und Abderhalden usw. Also in Berlin habe ich als Vorspeise Oktopus gewählt und als Hauptspeise ass ich dann Ossobucco. Octopus und Ossobucco war super zu essen aber sehr schwierig richtig auszusprechen und sprachlich nicht zu verwecheln.

26. Februar:
Gestern Samstag habe ich nach Jahren Nanne Meyer wieder einmal getroffen anlässlich ihrer Eröffnung in der Galerie & Edition Marlene Frei in Zürich. Ausstellungstitel: "Reste der Welt". Ich war schon vor der Ausstellung sehr begeistert von einer Zeichnung mit dem Titel "Kurator" von 2011. Ein gelbgrüner, schwarz gefleckter Hund sitzt da, gegen rechts schauend. Dieser Hund ist als Kurator bezeichnet. Mit offenen, nach oben gereckten Ohren hört er alles. Der Hund wirkt, wie wenn er gleich zu einem kurzen aber kräftigen Durchschnuppern ansetzen würde. Gleichzeitig scheint er sehr interessiert und konzentriert ein Werk ausserhalb des Bildes zu betrachten. Hinter dem Hund liegt eine Kugel - die Welt frisch geschissen und in alle Richtungen versplitternd. Der Hund trägt ein Halsband mit dem Wichtigkeitsverzeichnis. Abgetrennt vom "Kurator" liegt sein Schwanz, der als Künstler beschriftet ist.
Nachher Nachtessen im EXER (Was für ein Zufall dass Herr und Frau VEXER im Restaurant EXER dinieren) Der Max Wexler war auch im EXER und viele andere interessante Gäste mit schönen Namen. Der Grossneffe von Nanne, der Klaus ist Hirnforscher und weiss von jedem Getier bis hinunter zu den Hunden und Insekten, warum die schnell fliegen, wenig fressen, gut riechen oder was auch immer usw. - etc.  weil er eben ein Hirnforscher ist. Seine reizende Lebensgefährtin die Sina aus Indien ist Neurologin, weiss auch sehr viel, kocht gut und sieht auch noch toll aus. Ich habe ihr erklärt, wie ich das mit dem Hirn sehe, dass das Denken sich nämlich wie Wasser verhalte, einfach immer den geringsten Widerstand wähle. Das Tolle am Fluss der Gedankenströme sei aber, dass im Hirn genau wie auf dieser Kugel Erde alles in alle Richtungen fliessen könne, eben wegen der Rundung. Ja na, dem Wexler Max war im Exer der Wein zu teuer und dem Vexer war der Abend fast zu kurz, weil da nämlich schon der Zug im HB bereit stand. Ganz kurz noch mit Lis Mjinssen und Felix Philipp Ingold und seiner Freundin ein paar Sätze ausgetauscht. Mit Christoph Gallio und Susanna reden wir dann am nächsten Samstag mehr. Mit Stefan Kunz und Max und Monika schnellstens zum Bahnhof. Beim Tramfahren hat mir der Stefan gesagt, dass ich vor Jahren gesagt hätte, dass die Gründung der Kunsthalle St. Gallen von grösster Bedeutung sei, denn Basel, Zürich, Bern und Luzern seien viel Erdbeben gefährdeter als St. Gallen. Wenn eine Kunsthalle verschont bleibe vom grossen Beben sei das eben St. Gallen. Ja die Abende sind einfach zu kurz.

25. Februar, 10.10:
Heute nummeriere ich die fünfhundert DADA MODULE. Ich liebe es, jedes einzelne Buch in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen und die richtige Zahl hinein zu schreiben, was gar nicht so einfach ist. Man kommt leicht ins Stocken, - 187, 188, 189 ... oder war das die 198? Das Buch aufgeschlagen auf Seite 107. Da steht doch wirklich: "ICH MÖCHTE EIN STEIN SEIN" von Valéri Voeten. Ist doch grossartig - oder?

24. Februar:
MODUL DADA  ist DA! - die Bücher sind endlich eingetroffen. Druckfrische Bücherstapel machen mich so glücklich. Diese Bücher riechen etwas nach Mehl und Olivenöl. Es muss das Papier sein. Munkenprint riecht gut. Das nächste Projekt ist auch auf gutem Wege. Die Göhner Stiftung hat soeben einen Beitrag an das geplante Buch von Monika Dillier gesprochen. Titel: KNABENMORGENBLÜTHENTRÄUME. Wenn nun auch noch Pro Helvetia ja sagt kann gedruckt werden.
Vera hat gut verhandelt in Berlin.

23. Februar:
Habe heute die traurige Nachricht erhalten, dass die Malerin Leta Peer gestorben ist.  Ich werde versuchen am Himmel weiter zu malen. 

22. Februar:
Schneller Kaffee und schnelle Brötchen zum Frühstück nebenan an der Boxhagenerstrasse, ein Taxi zum Flughafen und dann warten, der Flug ist verspätet. Wir treffen um 14.15 in St. Gallen ein. Zu Hause fühlen wir uns wie bei der Ankunft in einem Ferienhaus. Erledigen der Post, dann schneller Abgang zurück nach Zürich zur Buchpräsentation in der Grafischen Sammlung der ETH. Paul Tanner hat uns eingeladen, Das XYLON JUBELBUCH und die Xylon Zeitschrift vorzustellen. Viele bekannte Menschen, gute Gespräche. Daniel Meile überrascht mich und stellt mir seine Freundin vor, Liv Kriesi und Felix Roth und Luzzi Rageth mit Freiherr von Gamm, Monika Dillier und Prof. Wolfram und einige Sammler, die alte Sachen signiert haben möchten und das in Zürich. Peter Emch präsentiert die Zeitschriften von Adrian Küenzi, Katharina Henking und Sebastian Uzni. Ich erzähle über die Entstehung des XYLON Jubelbuches. 200 Holzschnitte von 50 KünstlerInnen. Alles super gelaufen. Wieder sieben Bücher weg. Wer noch eins will muss sich beeilen. (Das ist wiklich sensationell, drei Monate nach Erscheinen des Buches sind die fünfhundert Exemplare praktisch weg)

21. Februar:
Vera hat vor ein paar Tagen den Bescheid bekommen, dass sie aus dem provisorischen Atelier auf der 4. Etage in ein anderes Provisorium im Nebengebäude umziehen muss. Wir helfen heute, die Bilder zu verpacken und zu transportieren. Das Treppenhaus ist wie für die  Bilder gebaut. Wenn die Formate zehn Zentimeter grösser gewesen wären hätten wir keine Chance gehabt.
Anschliessend zeigt uns Vera die Baustelle ihres Traumateliers am Mehringdamm.  Anschliessend ein schnelles Pils in einer Raucherkneipe und dann etwas verspätet treffen wir Beate Günther und Tobias Hauser an der Olauerstrasse. Beate hat umwerfende neue Bilder gemalt und die ersten Broncegüsse ihrer "Farbrestskulpturen" bei Noack gegossen. Die Güsse sind sensationell. Eingemalte und eingegossene, dichte Zeitgeschichte. Ein umspannendes, künstlerisches Netzwerk hält das Wesentliche zusammen. 
Anschliessend grosses Wienerschnitzel vom Kalb in der Nähe der U-Bahn Görlitzebahnhof.
Erst beim Rausgehen bemerke ich Leiko Jkemura und Philipp von Matt.

20. Februar:
Schönes Frühstück beim Hamburger Bahnhof gemeinsam mit Vera. Die Ausstellung von Tomás Saraceno. Cloud Cities ist ein begehrter Rummelplatz für Familien mit Kindern. In der Ausstellung der "Toten" von Hanspeter Feldnmann treffen wir Otto Heigold und seine Rosmarie (quiklebendig).
Anschliessend Besuch des Naturkundemuseums. Wir schauen uns stundenlang Steine an. Als starken Abschluss: der neue Raum von Diener & Diener, angefüllt bis zur Decke mit in Formaldehyd eingelegtem Getier. Eine Wucht.
Fulminantes Essen bei Sarah Wiener. Sechs Gänge mit Weinbegleitung. Ein kleiner Zwischengang bestand aus einer Kartoffelknödelscheibe mit vermantschtem Ossobucozentrum in einer Milchschaumsauce. Das Ganze sah aus wie ein Markbein eines jungen Kalbes. Meine spontane Beschreibung: "Man fühlt sich wie das Kalb auf der Wiese, an einem Estragonzweig kauend. Gleichzeitig beisst man in das Bein des Kalbeskamarädleins, das gerade eine Kartoffel vermantscht, schwelgend in der Erinnerung an den ersten Milchschoppen, als Abgewöhnung von der Kuhbrust gedacht".

19. Februar:
Als ich 1991 als Gast des daad für ein Jahr in Berlin lebte, im Nebenhaus von Bethanien, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal einen schönen Weisswein in einer Wohnung an der Karl Marx Allee trinken würde. Die Mauer war damals zwar offen aber zum grössten Teil noch real da, auch in den Köpfen. Nun sind wir beim Apéro bei Vera, in einer "Volkswohnung" an der einstigen Paradestrasse. Vera wohnt hier vorübergehend mit einer Freundin, zusammen mit zwei Katzen. Zum Apéro kommen der Landschaftsarchitekt Tilo, die Architekten Stefan und Monika aus Winterthur, mit der reizenden Luzia (9 Monate) und die Mitbewohnerin Edith.  Später spazieren wir zu acht mit Kinderwagen zum Alexanderplatz - wie eine Grossfamilie in Palermo.

18. Februar:
Nach dem Besuch der Alten Natianalgalerie fühle ich mich malerisch plattgewalzt. Die grauen Bilder von Gerhard Richter im grauen Saal an Drähten aufgehängt, leicht schräg. Eigentlich dachte ich diese Art der Hängung sei schon seit Jahrzehnten überwunden. Trotzdem - der "Zyklus 18. Oktober 1977"  ist sehr berührend. Die Bemerkung von Monika, dass in der alten Nationalgalerie alle dargestellten Menschen und alle Künstler schon längst tod sind hat mich umgehauen. Der einzige Maler in diesem Haus der noch lebt ist Gerhard Richter.(Malerinnen gibt es glaube ich gar keine an diesem Ort)

17. Februar:
Angekommen in Berlin. Taxifahrt zur Boxhagenerstrasse. Tolle kleine Wohnung im 4. Stock gemietet. Keine Zeit vertrödeln - zu Fuss Richtung Alexanderplatz. Fischsuppe bei einem Spanier. Um 17 Uhr wollen wir Vera treffen in ihrem provisorischen Atelier in einem seit 10 Jahren leerstehenden Neubau, Next Malzfabrik. Eine wild überbaute Gegend beim Südkreuz. IKEA weist den Weg. Finden den Eingang nicht. Auf der 4. Etage oben links arbeitet Vera seit September in diesem komplett leeren Gebäude. Nebst all dem organisatorischen Alltagskram und der aufwändigen Neuorientierung hat sie noch gemalt. Bewundernswert!

16. Februar 17.30:
Eigentlich sollte ich meine Sachen zusammenpacken. Wir fliegen nach Berlin. Ich habe heute Nachmittag an meinem Himmel weitergemalt - der war vorher um einiges schöner. Mit meiner Malerei ist es wie mit dem Wetter. Gestern habe ich alle Bücher aus dem Vexer Verlag ausgelegt für Ramon Lenherr. Er ist verantwortlich für die Verlagspräsentation in der Probstei St. Peterszell. Die Eröffnung findet am 17.August 2012 statt. Das ist schon sehr speziell, was da in 27 Jahren an Publikationen zusammen gekommen ist.

13. Februar 15.17 Uhr:
Oliver Stäudlin hat uns heute besucht und bei Suppe und Brot über Leipzig erzählt. Wir haben über das XYLON Jubelbuch, über den Lubock Verlag und den kleinen SALZ Verlag geredet. Die Bemühungen, originalgraphische Druckerzeugnisse unter die Leute zu bringen scheint ein Bedürfnis zu sein. Jetzt bin ich total ausser Atem, den alten Volvo von Oli die gefrohrene Rampe rauf schieben war gar nicht so einfach bei diesem vielen Schnee.

10. Februar 2012:
Unbedingt die Kunsthalle in St.Gallen besuchen. Im Foyer wird der Mark Pezinger Verlag präsentiert. Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten. Meine Bibliothek ist um einige Titel  gewachsen. www.markpezinger.de
Und nach der Kunsthalle das Museum besuchen! Silvia Bächli schauen.

9. Februar:
Habe heute einen Himmel gemalt und verkehrt aufgehängt. Nun steht die Welt  Kopf und niemand hats bemerkt.

7. Februar 2012:
Banker sind die waren Künstler. Nach dem Verkauf von Wegelin an Raiffeisen wurde über Nacht der Bankname Notenstein kreiert. Pirmin Vinzenz überlegt sich schon wie die Bank Julius Bär genannt werden könnte... Für mich ist klar, nach Notenstein folgt Frankenstein.

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