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Josef Felix Müller

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12. Mai: Ströhmender Regen. Die Dachrinne ist verstopft. Mit meinem Schirm steige ich auf die Leiter um kiloweise Buchenlaub und Dreck aus dem Kängel zu putzen. Ich bin total durchnässt und fühle mich wie ein schlecht gemaltes Aquarell.

11. Mai: Es ist soviel passiert in den letzten Tagen. Das grosse Bild entwickelt sich. Das Brennholz im Garten ist gehackt und verstaut. Den doofen Wasserhahn von Philippe Starck habe ich eigenhändig repariert. Vieles von Starck ist zwar schön aber unpraktisch. Der Wasserstrahl spritzt jetzt nicht mehr durch das Badezimmer oder an meinen Bauch. Durch ein kleines Ersatzteil fliesst das Wasser nun wieder kontrolliert in den Trog. Den verstopften Syphon im Erdgeschoss habe ich endlich gereinigt und nach heftigem Fluchen, mit Hilfe meines Nachbarn wieder zusammengebaut. Dann war diese Woche noch Diego Stampa hier um Bilder für die Art Basel auszuwählen. Zusammen haben wir dann die Ausstellung von Vera bei Christian Röllin angeschaut. Zwischendurch habe ich viele Bücher in alle Richtungen abgeschickt. Drei wahnsinns Packete habe ich für das Kunstmuseum Olten gemacht mit Büchern von Monika Dillier. Der arme Pöstler. Ich verstehe nicht, wie man für ein winziges Packet sieben Franken bezahlt und für 20 Kilo Packete nur 15 Stutz. Ja und dann haben wir ja am Montag 100 Bücher von Roman Signer im Necker gewässert und anschliessend luftgetrocknet . Vexer - Necker - Skulptur.

Heute stand ich um sechs Uhr auf. Ich nahm den Zug um sieben nach Chur. Dann mit der Rhätischen Bahn nach Jlanz und dann mit dem Postauto nach Vals. Das dauert fast dreieinhalb Stunden. Ich war im Steinbruch von Truffer in Vals. Das ist alles sehr beeindruckend. Mal sehen was aus meinem 190 m2 Mauerprojekt wird.

3. Mai: Seit Tagen male ich an einem grossen neuen Bild. Ich habe mich gefreut über die Ballonaktion am 1. Mai in Zürich. Um Chaoten fröhlich zu stimmen hat eine Gruppe von Menschen drei Tage lang tausende von Ballonen aufgeblasen und dann am ersten Mai in einer Strasse aus den Wohnungen aufs Volk schweben lassen. Dieser Akt scheint eine sehr positive Energie ausgelöst zu haben. Die Chaoten konnten Ballone zerknallen und mussten keine Polizisten attackieren. Frische Luft tut einfach gut. Pfff....

1. Mai: Ich wünsche allen einen tief grünen 1. Mai.

29. April: Um 5.25 Uhr stand ich in Wien auf.  Ich habe extra einen Wecker kaufen müssen, aber ich bin fünf Minuten vor ihm aufgewacht.  Trotzdem verpasste ich fast das Flugzeug. Ich habe mich entschieden, mit der Strassenbahn zur U-Bahn zu fahren, dann mit der U-Bahn zum CAT, das ist der Zug zum Flughafen. Das ist eigentlich sehr praktisch, weil man da gleich das Flugticket bekommt und den Koffer aufgeben kann. Nicht aber heute morgen. Das Einchecken war nicht möglich, der Cat fuhr erst in 30 Minuten und ich musste ein Taxi nehmen. Im allerletzten Moment schaffte ich es noch, auf dem Flughafen mein Ticket zu bekommen. Das Problem lag darin, dass die Galerie bei der Buchung den Namen Josef Felix Müller angegeben hat und in meinem Pass steht Felix Josef. Um 7.20 war der Abflug und in Zürich fehlte mein Koffer, der wollte in Wien bleiben. Zum Glück habe ich in weiser Voraussicht die Magnum Flasche Rotwein dem Taxifahrer geschenkt, sonst hätte ich auch noch Zollprobleme bekommen. In den Sonntagszeitungen lese ich, dass David Weiss gestorben ist. Was für ein himmeltrauriger Tag!

28. April: Ich bin den ganzen Tag unterwegs in der Stadt. Zuerst Frühstück im Kunsthallenrestaurant. Auffallend ist, dass sich die Gastronomie im Museumsquartier jedes Jahr ausweitet. Kunst scheint enormen Durst auszulösen. Im MUMOK wird die Arbeit von Claes Oldenburg aus den 60er Jahren gezeigt. Die Ausstellung ist für meinen Geschmack etwas zu Warenhausmässig aufgebaut - eher ein Warenhaus der billigeren Sorte, mit vielen Podesten und einer unmotivierten "Überhängung" der Wände. Einige Arbeiten sind wunderschön, z.B. die weichen Lichtschalter. In der Kunsthalle durfte Urs Fischer seine Werke ausbreiten. Interessant ist die verblüffende Nähe zur Arbeit von Oldenburg. Begrüsst wird man von der pinkfarbigen, "weichen" Strassenlaterne, die im Mondschein geschmolzen zu sein scheint. Mich überzeugt das Skelett, das auf einer Parkbank total vital seinen Arsch in die Höhe streckt. Richtig meditativ wird es bei den zwei gegossennen, langsam im Raum kreisenden Ästen. An den Enden der Äste steht je eine brennende Kerze. Der heruntertropfende Wachs bildel zwei sich überschneidende, weisse  Kreise am Boden.  Die Aufsicht, warscheindlich eine handwerklich begabte Kunststudentin, hat einiges an Gerätschaften unter ihrem Sitzplatz angehäuft. Sie scheint dafür zuständig zu sein, dass die Motoren geschmiert und der tropfende Kreislauf nicht unterbrochen wird. In jedem Raum hängt ein knallrotes, echtes Feuerlöschgerät, warscheindlich sind die dazu da, um die Gefahr der brennenden Kerzen zu bannen. Unweigerlich wünscht man sich, dass auch diese Feuerlöschgeräte aus Wachs gefertigt wären und vor sich hinschmelzen könnten.

Im Foyer der Kunsthalle wird der Film über Urs Fischer auf einem Monitor gezeigt. In Schweizerdeutsch, das die Wienerinnen und Wiener ja so gut verstehen.

Der Höhepunkt des Tages ist die Ausstellung im Kunstforum mit der Sammlungspräsentation der Fondation Hubert Looser. Eine  präziese und stimmige Sammlung, die sehr sorgfältig aufgebaut worden ist. Die intelligenten Gegenüberstellungen und die daraus entstehenden Dialoge zwischen den Werken sind eine Sinnesfreude und eine grosse Bereicherung.

27. April: Flug nach Wien. Ernst Hilger zeigt Malerei unter dem Titel "Zeitlos". Die Vernissage am Mittwochabend habe ich verpasst. Ernst hat ein Jahresblatt von mir herausgegeben, das ich heute abend für seine Sammler und Freunde signieren soll. Ernst möchte Arbeiten von mir zeigen an der Kunstmesse Wien, die im September stattfindet und für das nächste Frühjahr planen wir eine Einzelausstellung. Es gibt viel zu tun. Das wurde ein gemütlicher Abend mit netten Leuten, gutem Essen und schönem Wein.

25. April: Ein wunderbares Essen von Meria genossen. Christian Röllin hat uns eingeladen mit einem sehr sympatischen Sammlerpaar.

23. April: Heute ist «Welttag des Buches» Schade, dass die meisten Buchläden am Montag geschlossen sind.
Gestern am Sonntagnachmittag haben wir uns zusammen mit Irené, Max, Ursula, Alena und Theo im Bücherladen Appenzell "einschliessen und geniessen" lassen. Eine wirklich gute Idee. Man wird drei Stunden im Bücherladen eingeschlossen mit Getränken, Essen und natürlich mit all den auserlesenen  Büchern. Wir haben alle einiges an Spezialitäten gefunden. ZB. Fortuna auf Triumphzug, Von der Notwendigkeit des Zufalls, Verlag Galiani Berlin (das habe ich gekauft weil ich mich mit dem Zufall in der Kunst von Bernard Tagwerker beschäftige) oder "Tauschen, sprechen, begehren" Edition Akzente Hanser Verlag - oder Jenseits von Gut und Böse, "Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind" Piper Verlag.... Das weitgefächerte Sortiment im Bücherladen Appenzell ist wirklich sehr erstaunlich. H.R.Fricker, Cecile Wick, Alex Katz, James Joyce von Fritz Senn, eine Fassbinder Biographie... bekannte und weniger bekannte Freunde...., da ist einiges zusammengekommen an diesem Nachmittag.

13.30 Uhr: Erstes Treffen mit Gaston Isoz aus Berlin. Er gestaltet die Publikation "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel. Ich glaube das kommt gut. Es lohnt sich die Veröffentlichungen von Gaston in seinem Kleinverlag anzuschauen. www.disadorno.de

21. April: Hermann hat mir angeboten, beim Zersägen des ganzen Buchenholzes zu helfen. Ich mache heute kurze Scheiter für den Holzkochherd, damit ich im nächsten Winter wieder all diese Köstlichkeiten schmoren lassen kann. Monika rumpelt zur Zeit in der Küche herum. Sie packt Töpfe, Geschirr und Besteck zusammen für unser winziges Haus in Italien.

Ja jetzt hat gerade Vera aus Berlin angerufen und erzählt von ihrer Begegnung mit den zwei Töchtern von Hees die sie in Berlin getroffen hat. Nächste Woche soll alles mit dem Wunschatelier geklärt werden. Alles kommt gut!

Heute Abend fahren wir mit dem Zug nach Tägerwilen und dann gehts zu Fuss nach Gottlieben zur Tischeinweihung bei Lucy Schenker und Kurt Huber. Ich habe ihnen ein grosses Stück massives Mammutbaumholz besorgt für ihren neuen Tisch. An diesem Abend sind auch der Schreiner Marcel und der Schlosser Markus mit ihren Frauen anwesend. Ich freue mich. 

20. April: Früh am Morgen trinke ich noch einen Kaffee mit Monika Dillier und bespreche die nächsten Schritte, die wir organisieren müssen. Zum Beispiel die Abrechnung für Pro Helvetia und die Buchpräsentation am Sonntag 3. Juni im Kunstmuseum Olten...
Anschliessend findet um 9.00 die Startersitzung mit allen Fachplanern bei D&D Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums Aarau statt.  Ich staune immer wieder über die Komplexität eines solchen Bauvorhabens. 
Am Mittag fahre ich nach Zürich und hohle in der Galerie von Marlene Frei den "Kurator" von Nanne
Meyer ab. Vor vielen Jahren habe ich in Berlin einen "Zwieback" von Nanne gekauft. Nun bin ich stolzer Besitzer von einem Zwieback und einem Kurator. Das ist doch toll! Und passt in die Zeit der "Zwieback zum Frühstück Kuratoren".
Auf der Nachhausefahrt schimpft im Zugabteil hinter mir eine etwas ältere "Kunststudentin" über die Galerien, die sich allesamt mit fremden Federn schmücken. Dazwischen schellt dauernd ihr Handy und sie bespricht sich mit schweissenden, malenden, polierenden und verzweifelnden Künstlerfreunden, denen sie allen von ihrem inspirierenden Südfrankreich Aufenthalt vorschwärmt. (Derweil stelle ich mir all die noch feuchten Aquarelle in ihrem Rollköfferli vor) 

Kaum zu Hause klingelt mein Nachbar an der Haustüre. Er hat seine Buchenhecke mit einem Bagger ausreissen lassen, nun schenkt er mir das Holz und ich stehe zwei Stunden frierend mit der Motorsäge in Nachbars Garten...

19. April: Eigentlich hatte ich geplant an diesem Abend die Vorträge von Roger Diener und von Franz Wanner im Gewerbemuseum Winterthur anzuhören zum Thema Glas. Nun findet aber die Buchpremiere von Monika Dillier bei Stampa in Basel statt. Ich liebe die Zugfahrt nach Basel. Die Zeit bis Zürich reicht genau für das Lesen der NZZ und der zweite Abschnitt bis Basel eignet sich sehr gut für die Reflektion des Gelesenen. Wasserkraft, Atomausstieg, Zersiedelung, Rückbau von Atomanlagen, Grenzverkehr, Eurokurs, Asylanträge und jammernde Bauern die günstige Landarbeiter aus Moldavien brauchen...
Bei Stampa diskutiert eine Gruppe von Frauen in englischer "Sprasche" vor den Bildern von Hanspeter Hofmann. Die Lebenspartnerin von Hanspeter übt mit ihrer Englischklasse den Umgang mit Kunst. Dann werde ich gleich von Anna Rist begrüsst. Sie ist eine wunderbare, interessierte und offene Urmutter der Kunst. Ich habe nicht mit einer Vertreterin des Oberrheintals gerechnet. An diesem Abend wird  mir bewusst, dass in den 80er Jahren sehr viele interessante Ostschweizerinnen nach Basel gezogen sind und es ist erstaunlich, wieviele von ihnen an diesem Abend auftauchen. Da ist einmal Muda Mathis, Bernadette Johnson die Cellistin, Silvia Staub, die mich in den 80ern in den aufrechten Gang, mit Alexandertechnik eingeführt hat und viele mehr. Thomas Spielmann taucht auf und Alex Silber, Mireille Gros, Irene Wiedler, Marlies Pekarek von St.Gallen ist auch da. Sie war einmal Schülerin von Monika Dillier an der F&F und dann natürlich Anneliese Zwez, die schon viele der hier anwesenden Künstlerinnen und Künstler  mit ihren Texten gewürdigt hat.
Birgit Kempker liest an diesem Abend. Beim Nachtessen kann ich mich endlich outen als begeisterter Leser ihrer Bücher und ich gelobe, dass ich nach diesem Abend alle ihre Bücher abstauben und frisch lesen werde. Alle ihre Bücher sind komplett aufgereiht in der direkten Nachbarschaft von John Berger und Marlene Duras. Die Buchpremiere ist ein voller Erfolg. Jetzt hoffe ich einfach, dass alle aufgeweckten Köpfe dieses Buch bestellen... This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

18. April: Heute sollten die Bücher von Monika Dillier eintreffen. Ich bin sehr gespannt. Es ist schon ein spezieller Moment, das gesamte Werk einer Künstlerin in einem Buch ausgebreitet und beschrieben zu sehen. Vor allem, wenn man diese Künstlerin schon seit den frühen 80er Jahren kennt. Ich kann mich noch erinnern an diese Ausstellung in Nürnberg 1987, "Offenes Ende - Junge Schweizer Kunst" Da habe ich beschlossen die erste Publikation mit Monika Dillier im Vexer Verlag herauszugeben. Eine Mappe mit 23 faksimilierten, schwarzen Zeichnungen. Ich zeigte damals meine riesigen Holzschnitte meines Ateliebodens in der ehrenwerten Dürer Gesellschaft. 50 Künstler wurden damals an 17 verschiedenen Orten in Nürnberg und Erlangen vorgestellt. Monika zeigte damals Zeichnungen und Hefte, die mich sehr beeindruckten. 1997 verlegte ich dann das Buch "177 mal grosse Sehnsucht und grosse Angst" 177 Kugelschreiberzeichnungen die für den Vexer Verlag entstanden waren. Wenn ich dieses Buch heute wieder anschaue stelle ich einfach fest, dass sich Monika Dillier immer wieder als eine der verquersten und eigenwilligsten Zeichnerinnen ihrer Generation behaupten kann. 1987, 1997, 2012 - drei Publikationen und schon sind wieder 25 Jahre weggeflutscht.
Jetzt sind wir gerade  eingeladen worden zum Nachtessen bei Elsbeth Fischer und Hansueli Stettler, mit Fredi  Altherr und Menga Frei. So hangelt man sich glücklich von Tisch zu Tisch.

Der Transport wird sich verspäten, die Verzollung scheint nicht so einfach zu sein. Es ist zwar sehr viel billiger, Bücher in Deutschland zu drucken aber die Grenze existiert immer noch als grosses Handelshindernis. Wir vereinbaren, dass Manuel der Fahrer bei Elsbeth anruft, wenn er in St.Gallen eintrifft. So kann ich das Abendessen geniessen. Kaum hatte ich das wunderbare Gemüsecurry gegessen kam das Telefon und die Bücher. Der Fahrer Manuel Meisel ist  Bandmitglied von Anna Rossinelli. Als erstes hat er mich gefragt, ob der grosse Berg, den man von der Autobahn aus sehen könne, der Säntis sei. Die Band hat ein Konzert am 28. April auf dem Säntis. Manuel wollte dann noch wissen, ob man mit dem Auto auf den Säntis fahren könne. (Wegen der vielen Instrumente) Ich kann leider nicht an dieses Konzert gehen, ich fliege Ende Woche nach Wien. Die  Ausstellung "ZEITLOS-Positionen der Malerei" wird bei Hilger eröffnet. Bin ich wirklich schon zeitlos? ich empfinde mich eher als rastlos.

13. April: Vordergrund über Abendrot gemalt. (Die Stimmungen stammen vom Bierli, einem Weiler in Appenzellausserhoden) Am Nachmittag bringen wir 100 Bücher "Skulptur" von Roman Signer zum Buchbinder, um Löcher bohren zu lassen. Der Buchbinder hatte nicht viel Zeit. Er wollte zum Tauchen im Bodensee, Welse anschauen. Der 77 järige erzählte von riesen Welsen, die da herumschwimmen. Die Bücher von Roman Signer dürfen  auch bald schwimmen im Necker. Am Abend ein Geburtstagsfest im ehemaligen Kino in Uster. Felix Roth ist sechzig geworden. Ein Dorf mit 30 tausend Einwohnern und einem Kino, das für Anlässe von der Gemeinde gemietet werden kann. Super geschlafen im Gästezimmer von Liv und Felix, umgeben von einer imposanten Spielzeugburg von Linus. Beim Frühstück spannende Gespräche über Ernährungswissenschaft und Gesundheit. Spiel, Sport und Kultur, Lebensplanung, Freidenker, Kinder, veganische Gerichte usw.

... ob ich je Veganer werden kann bezweifle ich. Ich habe gestern Abend einen Lammbraten auf dem Holzofen gegart, mit Basilikumtomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz, Rosmarin, Estragon, Thymian und einer riesigen, in mundgerechte Stücke geschnittenen Peperoni und natürlich frischen, gevierteilten Pilzen. Die Pilze saugen den Geschmack so wunderbar auf) Den halben Liter verdampften Rotwein nicht vergessen. (Zum Essen genoss ich  dann einiges an Gegorenem aber unverdampft)

12. April: Ich wage mich wieder an meine Abendrotbilder. Abendbrot wäre auch mal was. Am Mittag habe ich einen Gemüsekuchen gebacken. Rote Peperoni, Selleriestangen, Karotten, Brocoli, Zugetti, Pilze, Ingwer, zwei Eier, etwas Mehl, Hüttenkäse, Koreander, Salz und Pfeffer. Dazu frischen Salat mit Schnittlauch, importiert aus meinem  Italienischen Kräutergarten. Sabin und Monika waren sehr zufrieden.

11. April: Das Haus im Piemont ist ausgemalt. Die Farbe macht sich prächtig. Ein grün, frisch wie Pfefferminze oder diese scharfen Fischermannsfreunde. Ein wunderbares Erdpigment. Am Montag habe ich aus grossen, teilweise behauenen  Steinbläcken eine Feuerstelle gebaut. Schön gross und archaisch. Die Ecksteine stammen teilweise vom Haus, das restauriert und neu aufgebaut worden ist. Einen kleinen Kreutergarten habe ich auch schon angelegt - für die geplanten Grilladen. Da fehlt aber noch einiges. Wir sind seit dem 10. April zurück in St.Gallen. Eine riesen Flut von mails schwappte mir beim Öffnen des PC's entgegen. Ein grosser Aufsteller: Felix Droese hat die Entwürfe für die XYLON Zeitschrift geschickt. Das wird super. Die Nachlese der Zeitungen der letzten Tage braucht viel Zeit. Brigitte Schmid-Gugler hat einen Artikel über die Ausstellung von Vera geschrieben. Ich versuche den Text für Monika laut vorzulesen. Ich stolpere bei jedem zweiten Satz. Ist der Text so kompliziert geschrieben oder bin ich noch in einer anderen Welt? Klammern, Komas, verschachtelte Sätze zu hauf. Aber Kunst muss man ja von allen Seiten betrachten und sich ab und zu auf den Kopf stellen. Apropos schreiben, heute habe ich einen super Satz von Bruno Steiger gelesen. Er stellt sich die Frage ob es Worte gibt, die sich nicht in Anführungszeichen setzen lassen. - "Schlittenhund". Geht das?  Und, so es ginge, was für Schlüsse wären daraus zu ziehen; Frage. Zitiert aus dem Buch: Bruno Steiger, Der Trick mit dem Sprung aus dem Stuhl, herausgegeben von Urs Engeler, roughbook 021, April 2012.

5. April: Ich muss dringend die weisse Untermalung schaffen, damit das Riesenbild über Ostern trocknen kann. Ich male weisse Ostern 2012.
Dann gehts ab ins Rheintal, Mutter besuchen und dann nach Italien. Vera  hat ein wunderschönes grün für das Haus in Italien ausgewählt. Das Haus ist mit einem zweistöckigen Ei vergleichbar. Innenmass 270 x 330 cm. Die Gesammthöhe 535 cm. Dieses Haus werde ich wie ein Ei bemalen aber von Innen. Frohe Ostern an Alle.

4. April: Seit Tagen warte ich auf ein Packet von DHL. Ich warte weil ich warten muss. Wenn ich mit dem Zug nach Deutschland und zurück gefahren wäre, hätte ich mein Zeugs sieben Tage früher gehabt und die Zollkosten sparen können. Reisen macht mitunter Sinn!
Dafür am Mittag eine gute Neuigkeit. Roman Signer macht ein Projekt für die Vexer Verlagsausstellung in der Probstei St. Peterzell. Wir lassen hundert seiner Bücher "Roman Signer Skulptur" die 1987 im Vexer Verlag erschienen sind an Schnüren im Necker schwimmen. Die aufgequollenen Buchskulpturen werden dann am 17. August erstmals in der Probstei präsentiert. Das gibt ein Fest. (Eröffnung am 17. August um 19.00 Uhr)

3. April: Malen, malen, malen. Am Abend Premiere des Dokumentarfilms von Brigitte Schmied-Gugler. "Das Geheimnis der Heie" in der Lockremiese. Wir sind viel zu früh da und haben dadurch die Möglichkeit die Ausstellung des Kunstmuseums in der Lockremiese anzuschauen. Werke von Künstlerinnen aus der Sammlung von Ursula Hauser. Wohnen und Hausen mit diesen zum Teil riesigen Werken wird wohl eher schwierig sein. Sammeln und lagern ist da eher das Thema. Die Ausstellung mit Werken von Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Loredana Sperini, Carol Rama usw. gibt einen spannenden Einblick zu Empfindsamkeit und körperliches Empfinden.  Die Ausstellung ist gut gemacht und zeigt die Problematik dieses Ausstellungsortes, der eben wirklich mehr ein "Ort" wie ein konzentrierter Raum für Kunst ist.

Dann ein grosszügiger Apéro - mehr ein Toggenburger Nachtmahl am Tresen, gesponsort vom Metzgermeister aus Ennetbühl.

Dann der Film - Das Geheimnis der Heie...

Wer kennt den Bildhauer Jesper Neergaards? Wer kennt Ennetbühl? Wer kennt die Skulptur Heie? Wie kommt dieser Marmormocken auf diese Alp? Eine interessante Geschichte, die mehr aussagt über lokale Politik und Schlitzohrigkeit wie über das Verständnis von Kunst auf dem Lande. Ein gut betuchtes Sammlerehepaar sucht einen passenden OIrt für eine mehrere Tonnen schwere Marmorskulptur, die das Universum mit dem Irdischen verbinden soll. Um den riesigen Mocken auf die schöne Alp zu bringen braucht es eine mit einem Lastwagen befahrbare Alpstrasse. Das Sammlerehepaar finanziert diese Strasse, die Ortsbürger stellen einen Quadratmeter Land zur Verfügung und die "Anlage" wird bewilligt, ohne das Wissen des Kantons. Lustig ist, dass dieses Kunstwerk für die Baubewilligung als "Anlage" und nicht als "Baute" behandelt wurde.  Der Kanton schluckte dann nach einer Beschwerde diese Bewilligung missmutig mit der Auflage, dass vom Sammlerehepaar rund um die Skulptur herum sieben Bergahornbäume als Sichtschutz gepflanzt und gepflegt werden müssen. Die Kraft der "Heie" erweist sich aber als so stark, dass bis anhin nur ein Bergahorn überleben konnte.
Kunst als Anlage für das Seelenheil und die Heilung der Erde - und der Strassenbau als Weg zur Kunst.

2. April: Malen, malen, malen r

1. April: Kein Scherz in Sicht. Eventuell kommt noch Lisa Schiess vorbei für einen Büchertausch. Am Mittag bereite ich eine Sauce für die Pasta am Abend vor. Zwiebeln, gehacktes vom Reh, zwei Hände voll kleine, fein geschnittene Ringe von grünen Peperonis aus Sizilien, 1 Pfefferschote, Pelatti und Basilikumtomaten, Pilze, Oliven, Oregano, beim Anbraten etwas Tomatenpürée... den Weisswein lege ich in den Kühlschrank, den Korkenzieher habe ich schon in den Zapfen gedreht und im letzten Moment auf Wein in der Sauce verzichtet. Nun liegt die Flasche mit Korkenzieher schräg im Kühlschrank und muss bis zum Abend warten.
Die Sauce köchelt den ganzen Nachmittag vor sich hin.
Monika und Vera sind am Abend echt begeistert.

31. März: Ausflug mit Ramon Lenherr zur Probstei in St. Peterzell. Ausstellungsbesprechung mit Roman Menzi. Hier wird vom 17. August bis zum 16. September der Vexer Verlag präsentiert. Das wird hoffentlich ein Fest. Wir feiern 27 Jahre Vexer Verlag.

30. März: 11.00 Meret Brauner doziert "Kuratieren" an der Höheren Fachschule für bildende Kunst in St. Gallen. Sie hat mich eingeladen, zwei Stunden über die Anfänge der Kunsthalle St. Gallen zu dozieren. Ich habe über die kulturelle Situation in den 80er Jahren geredet. Über die St. Galerie, die ich von 1979-1982 betrieben habe, die ersten Szenenausstellungen, das Engagement einer ganzen Künstlergeneration für mehr Kulturräume. Heute ist es unvorstellbar, dass das Kunstmuseum in St. Gallen von 1968 bis 1987 wegen Baufälligkeit geschlossen war. Eine Stadt, zwanzig Jahre ohne Kunstmuseum. Zwei Künstlergenerationen ohne institutionelle Unterstützung. Das wäre in der gegenwärtigen Diskussion, die Pius Knüsel mit angezettelt hat ein spannendes Thema für eine Feldstudie. Ja die Anfänge der Kunsthalle in St. Gallen, mit der ersten Ausstellung -  Balthasar Burkhard im Volksbad, den Videopräsentationen mit Ulrike Rosenbach, Filmen von Pezold, Tanz mit Christine Brodbeck... und dann die Zeit an der Wassergasse mit der ersten Ausstellung von Pippilotti Rist und Muda Mathis, den Präsentationen von Roman Signer, Sivia Bächli, Guido Nussbaum, Boris Nieslony, Katharina Sieverding, Patricia London Ante Paris usw. usw. Das war eine spannende Zeit in St.Gallen. Wir beackerten gemeinsam das kulturelle Brachland...

Anschliessend ein schönes Essen im Klassenraum. Bibi hat Huhn gekocht und Reis und Karotten und Zugetti und Kartoffeln - wunderbar.  

Am Abend die Eröffnung von meiner Tochter Vera Ida Müller in der Galerie Christian Röllin. Ich bin sehr beglückt. Berlin scheint der richtige Arbeitsort für Vera zu sein. Was im letzten halben Jahr unter erschwerten Umständen entstanden ist, finde ich einfach fantastisch.

28. März: Zwei grosse Bilder überarbeitet. Jetzt kommt alles gut. Flug für Wien bestellt. Ernst Hilger plant im April eine Ausstellung mit Malerei wo ich mit dabei bin.
Am Abend eine wunderbare Lesung mit Arno Camenisch in der Buchhandlung zur Rose in St.Gallen. Zuerst fand ich den Tonfall etwas aufgesetzt - "schlätzig". Nach einer gewissen Zeit wurde die Lesung rhytmischer und musikalischer. Die feinen textlichen "Rückgriffe" und kleine Wiederholungen liessen das Publikum durch das eigene Erinnern zu einem Teil der Textentwicklung werden. Ich bin gespannt wie die drei Bücher funktionieren wenn man sie selber liest. 

27. März: 5.30 Uhr aufstehen. Der Mammutbaum wird gesägt in der Sägerei Koller in Attelwil. Filmaufnahmen mit Sandra von donkyshot. Es ist kalt und laut. Das Singen der Sägen macht verquitschte Ohren. Der Kaffee von Bärbel wärmt die Seele. Beim Fällen des Baumes erzählte Sandra, dass sie einmal auf einem Bauernhof beim Schlachten einer Sau dabei gewesen sei. Nach dem Todesschuss sei die Sau auf einen Schlag nur noch Fleisch gewesen. Bei diesem Baum war es genau gleich. Ein Schnitt und der Baum wurde zu Holz. Und nun in dieser Sägerei relativieren sich die Dimensionen. Hier wird  jeder noch so grosse Baum sehr schnell sehr klein. Mich beeindruckt die Konzentration, die Ernsthaftigkeit und die Ruhe der Sägereiarbeiter inmitten dieser kreischenden Sägen. Eine interessante Geschäftsidee fällt mir ein: feine, kleine, rötliche Zahnstocher aus Mammutbaumholz, von Hand geschnitzt.

23. - 26. März: Holzen im Piemont. Am Abend Wiedersehn mit Vera. Sie baut ihre Ausstellung bei Christian Röllin auf.

22. März: Heute ist von Honoré de Balzac eingetroffen: Die derbdrolligen Geschichten in den Abteien der Touraine, gesammelt und ans Licht gebracht durch den edlen Herrn von Balzac zur besonderen Erbauung aller Pantagruelsfreunde und nicht für andere. Leipzig 1927. Die Illustrationen von Gustave Doré sind teilweise sehr skurriel.

21. März: Heute muss ich mir eine Sicherheitshose kaufen für Kettensägearbeiten aber vorher werde ich noch eine Ulme malen.

20. März: Konzeptarbeit für das geplante Künstlerbuch von und mit Bernard Tagwerker. Gespräch mit der Druckerei und mit Roland Stieger von TGG. Dieses Projekt wird spannend, da es die Möglichjkeiten einer neuen Offsetmaschiene total ausnützt. Eine Maschiene mit sechs Farbwerken, die schrittweise dazugeschaltet werden können.
Am Mittag ein Treffen mit Maren Brauner von der Kunsthalle. Sie ist Assistenzkuratorin von Giovanni Carmine und unterichtet "Kuratieren" an der höheren Fachschule für bildende Kunst der GBS in St. Gallen. Meine Aufgabe besteht darin, in einer Woche den Studierenden von den Anfängen der Kunsthalle zu erzählen, die 1985 gegründet wurde. All die Bilder kommen wieder hoch, die erste Ausstellung im Volksbad mit einer riesigen Fotoarbeit von Balthasar Burkhard und Vernissagemusik aus dem Gummikanu auf dem Wasser. Norbert Möslang und Ralph Hug spielten Saxophon. Dann das "Erobern" von leerstehenden Räumen für Kunstprojekte und die verzweifelte Suche nach etwas Geld.
Am Nachmittag finde ich das Buch "Tante Lisbeth" von Balzac im Briefkasten, vom Antiquariat pinkRus. In den nächsten Tagen werde ich von Balzac umgeben sein, wenn alles eintrifft, das ich bestellt habe.
Ich schlage das Buch auf und lese:"Herr Crevel!" schluchzte Madame Hulot in ihr Taschentuch, das bereits ganz tränenfeucht war. "Es ist genug! Schweigen Sie!"

19. März: Die Frösche in den Teichen sind heute ruhig. Wenn es kühler wird tauchen sie ab.

18. März: Beim lesen der NZZ am Sonntag spüre ich noch die Nachtschwere. Das Textverständnis lässt zu wünschen übrig. Am Nachmittag ein wunderschöner Spaziergang zum alten Rhein. Efeubewachsene Baumstämme im Sonntagslicht.

17. März: Rosen schneiden, Staubsaugen, Himmel malen und beim Kochen helfen. Heute Abend kommen Gäste. Ein bewährtes Grüppchen von Geburtstag feiernden. Zwischen durch lese ich Honoré de Balzac. "Das unbekannte Meisterwerk", mit Illustrationen von Pablo Picasso, neu erschienen in der Insel-Bücherei. Ein sensationelles Buch für 14.90. Grossartig!
Das Essen am Abend ist umwerfend. Dabei hilft auch der schwere Amarone.

16. März: Rosen schneiden, anschliessend Vorbereitungsgespräch mit Adrian Notz und Thomas Gehrig für die Fachkommission Bildende Kunst der GBS St. Gallen, deren Präsidium ich übernehmen soll.  Adrian zeigt uns ein beeindruckendes Filmchen auf seinem Handy, von einer Performance. Eine Studentin in Basel sagt vor Publikum sehr intensiv eine Stunde lang den Satz: "Was ist Kunst". Sie schreit sie haucht sie zischt diesen Satz bis sie komplet erschöpft und heiser ist. Heute erreichte ich nach einigen vergeblichen Versuchen Felix Droese. Ein gutes Gespräch. Ich bin gespannt auf seinen Beitrag und freue mich darauf.

15. März: Rosen schneiden und Himmel malen.

14. März: Seit langer Zeit wieder einmal mit Rolf Staeck aus Heidelberg gesprochen. Seit dem 3. Bitterfelder Kongress von 1992 habe ich ihn und meinen Hasen nicht mehr gesehen. Rolf hat damals eine kleine Skulptur von mir gekauft. Ein Holzhase mit Schockoladeohren, vor der Welt stehend.

13. März: Andreas Schwendener hat Filmaufnahmen gemacht von meiner Malaktion "Mammutbaum und Hirte", die am 7. März in meinem Atelier stattgefunden hat. Der Anlass wurde von der Universität St. Gallen organisiert im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen.  Angeregt wurde die Aktion vom Musiker Rudolf Lutz. Andreas Schwendener hat diesen Film nun auf You Tube veröffentlicht. Hier der Link:

http://www.youtube.com/watch?v=0CmTy07ej7M

Um 15.15 treffe ich Sandra und Ahmed von www.donkeyshot.ch zu einer Besprechung des Aarauer Filmprojekts. Ich muss unbedingt Balsac lesen. In der grössten Buchhandlung der Stadt fand ich kein Buch von Balzac. Es scheint, dass dieser Bursche nicht mehr so gefragt ist...

Comédie
humaine

12. März: Ein dichter Tag. Am Abend Sitzung in Winterthur. Wir bestimmen die drei Künstler-Innen für die nächsten XYLON Zeitschriften. In der Altstadt hat es gebrannt. Undefinierter Rauchgeruch erzeugt bei mir immer ein angespanntes Körpergefühl.

11. März: Mineralienbörse in St. Gallen. Wir kaufen einen sehr grossen, wunderbaren Rutilrauchquarz aus Brasilien, (Zwillingsrutil) einen grossen Mocken Schwefelkristall für Vera, wegen der Farbe, einen sehr speziellen Calcit Doppelender mit Pyrit und Kupfer und für mich drei kleine Bergkristalle aus dem Tessin. Diese drei kleinen, sehr spitzen Kristalle scheinen eingraphierte Botschaften aus einem anderen Zeitraum in sich zu tragen. Die Transparenz dieser drei Kristalle ist wie frisches Eiswasser am Morgen.

10. März: 7.15 Uhr raus aus dem Bett. Das war eine kurze Nacht. Fünf Stunden Schlaf. Normalerweise brauche  ich acht bis neun Stunden Schlaf, aber die GV der XYLON Vereinigung beginnt um 9.00 in Winterthur. Im Zug treffe ich Ulrich im Bistro. Er gönnt sich ein grosses Frühstück. Wir sprechen über den Begriff Wutkäufer von Karl Marx oder Wutbesitzer? Ueli hat aus Wut über die Banken eine Eigentumswohnung gekauft. Im Restaurant Blume in Winterthur sind schon eine grosse Anzahl Xylonistinnen und Xylonisten versammelt zu Kaffee und Gipfeli. Es wird eine ausgesprochen anregende und engagierte GV. Der grosse Erfolg des Jubelbuches gibt etwas Spielraum für die Zukunft der Xylon Zeitschrift, die jetzt von der gleichen Arbeitsgruppe herausgegeben wird, die auch das Jubelbuch gemacht hat. Die Zusammenarbeit mit Eva Galizzi, Ernst Egli, René Fehr-Biscioni, Peter Emch und Kaspar Toggenburger ist für mich sehr angenehm und bereichernd.

Um 15.00 Uhr ist eine weitere Buchpräsentation vorbereitet im Gewerbemuseum Winterthur. Die Xylon Vereinigung hatte früher in diesem Haus regelmässig ihre internationalen Ausstellungen. Als 17 oder 18 jähriger besuchte ich erstmals eine Xylon Ausstellung. Zu Hause suchte ich sofort nach ein paar Brettern und machte meine ersten Holzschnitte. Adrian Künzi hällt eine kurze Rede und ich erzähle wie das Buch entstanden ist. Ich glaube wirklich an die Kraft von archaischen Drucktechniken, in einer Zeit der totalen Digitalisierung.
Beim anschliessenden Gespräch mit Markus Rigert, dem  Direktor des Museums wird mir klar, was für eine wunderbare, kleine Museale Seidenstrasse in der Schweiz existiert. Vom Museum für Gestaltung in Zürich, über das Gewerbemuseum in Winterthur zum Textilmuseum in St. Gallen. (Ich bin gespannt auf die Arbeit der neuen Direktorin Michaela Reichel im Textilmuseums in St. Gallen. Etwas Wiener Schmäh kann nicht schaden.

9. März: Ein Verlagsmorgen mit vielen Bestellungen des Dada Büchleins. Im St. Galler Tagblatt ist dazu ein Artikel von David Gazde erschienen. Viele schöne Rückmeldungen auf die Malaktion. Am Abend ein wunderbares Nachtessen, gute Gespräche und viel Heiterkeit mit Helen, Hansjörg, Meria, Monika und Christian. Ich fühle mich angekommen und aufgehoben in einem neuen Lebensabschnitt. Ich fühle mich seit einiger Zeit einer anderen Generation zugehörig.

8. März: Ein erfüllter, ruhiger Morgen. Gaston Isoz, hat mir letzthin ein schönes Buch geschickt. Er arbeitet als Gestalter in Berlin und ich überlege mir, das Buch "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel mit ihm zu machen. Viele Mails erledigt. Dann koche ich für Sabin und Monika. Eigentlich wollte ich eine Pizza backen aber Sabin schreibt eine mail. Sie braucht heute Schonkost. Im letzten Moment stelle ich um auf Kartoffeln, die ich in Schnitze schneide, etwas Lauch, Selleriestangen, italienische Petersilie und einen grossen Broccoli. Ich koche das Gemüse mit etwas Salz im Dampf. Derweil bereite ich für Monika und mich einen einfachen Salat zu, mit diesem speziellen Cicorino (keine Ahnung wie man das schreibt). Der sieht ein bisschen aus wie ein grünes, zusammengewachsenes Bündel Chicorée, umrandet mit Löhwenzahnblättern. Diesen Salat zerreisse ich und schneide die grossen Stücke kreuz und quer. Ich rühre zwei Eier an mit etwas Milch und grobem Roggenmehl, gebe das Gemüse und den Guss in eine Gratinform. Etwas Kräutersalz, Pfeffer, und gemörserten Koreander drauf. Bevor ich jeweils den Gemüsegratin in den Ofen schiebe, schaue ich immer nach, was noch im Kühlschrank liegt. Ich finde ein Stück Feta, das ich auf zwei Drittel des Gemüses brocke. Sabin bekommt das nicht. Ein bisschen Muscat und dann ab in den heissen Ofen. Für den Salat liebe ich Olivenöl, weissen italienischen Balsamico, groben Senf und einen Löffel Birnell. Das verrühre ich zu einer sähmigen Sauce mit etwas Pfeffer und Salz.
Alles OK.
Um 15 Uhr erwarte ich Ramon Lenherr. Er bereitet eine Ausstellung vor zum 27 Jahr Jubiläum des Vexer Verlags. Ramon bringt die frisch gedruckten Kärtchen: "27=3 hoch 3 = Denkräume". Gemeinsam sichten wir alle Auflagenobjekte. Wir überlegen hin und hehr, ob wir für die Ausstellung ein grosses Sitzpodium oder eine doppelte Leesekabine bauen sollen...schon 18 Uhr.


 7. März: Dieser Tag war sehr anstrengend. In der Nacht (morgens um drei) habe ich die gemeinsame Aktion mit dem Musiker und Improvisator Rudolf Lutz durchgedacht. Er hat mich für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen eingeladen, die dann am Abend in meinem Atelier an der Haggenstrasse stattfinden sollte. Ich war fest entschlossen, an diesem Abend nur Geschichten aus meiner Jugend zum Thema Wahrnehmung zu erzählen und nicht zu malen. Malen vor Publikum ist für mich ein fast unvorstellbarer Akt. Trotzdem habe ich zugesagt, dass ich diesen Abend mache. Nun steh ich da und habe die Hosen voll. Getrichen voll.
Am morgen um 10 Uhr ein Interview im News, mit David Gadze. Er schreibt einen Text zum neuen Dada Buch für das St. Galler Tagblatt. Ich habe die Tendenz, wenn ich gefordert bin, alle Anfragen anzunehmen, um noch einmal einige Hacken schlagen zu können ...
Am Mittag Stühle schleppen für den Abend und letzte Vorbereitungen im Atelier. Monika half mir schon am Vorabend ein riesiges Stück Papier aufzuhängen (275 x 800). Ich konnte mich am Nachmittag überhaupt nicht konzentrieren. Ich hatte den totalen Bammel. Für Rudolf Lutz war es der dritte Auftritt in dieser Veranstaltungsreihe. Den ersten Abend bestritt er mit Hans Thomann, dann improvisierte er zur Arbeit von Floristinnen und nun bin ich an der Reihe. Den letzten Abend spielt er dann zusammen mit Gardi Hutter. Vor dem Clown kommt also der Affe.
Um 18 Uhr sind schon einige Leute da. Ich rechne so mit 20 Personen. Um 18.15 drängen sich schon 70 bis 80 Menschen in meinem Malatelier. Noch mehr Stühle - der Raum ist gerammelt voll. Ruedi Lutz macht eine kurze Einführung. Wir haben vorher darüber geredet, dass für einen Musiker das Auftreten vor Publikum das Normalste der Welt ist. Für mich als Maler ist das ganz anders. Ich suche im Normalfall die Stille, um mich konzentrieren zu können. Nun sitze ich auf meinem Stuhl und wage einen Blick ins Publikum. Erwartungsvoll schauen mich all diese Menschen an. 
Ein Adrenalinstoss - und schon stehe ich auf meinem Stuhl. Ich singe das Lied, das der Hansli vom Bürgerheim immer in den Beizen gesungen hat (für eine Flasche Bier). "Schwarz schwarz schwarz ist alles was ich habe, drum lieb ich was schwarz ist weil mein Vater Bürgermeister ist". Beim Hansli war es natürlich der Kaminfegermeister, nicht der Bürgermeister. (Der schwarze Bürgermeister ist mir spontan eingefallen) Ich erzählte dann die Geschichte von den Buchstaben in der ersten Klasse, die ich nicht sehen konnte. Die Lehrerin tippte auf einen imaginären Ort an der Tafel und die andern Kinder sagten: "Das ist ein H - oder das ist ein M, ein ÄSS, bis das ganze Alphabet durch war. Alle, die einen Buchstaben richtig sagen konnten, durften nach Hause gehen. Ich sass  bis zum Schluss da und hatte keine Ahnung was da ablief. Die Lehrerin dachte sicher: "Ach der arme Bub."
Dann folgte die Geschichte von mir als Hirte am Rhein, als ich Rinder und Kälber hüten musste.
Das Rheinvorland wurde ca. 1960 total abgeholtzt. Als Kindergärtler sah ich die tausenden von Wurzelstöcke, die wie eine riesige Mammutherde im sandigen Boden lagen. Ich erzählte, wie mein Vater mit dem Fahrrad, in einer Milchkanne eine Suppe mit Würstchen zum Weideplatz brachte. Er zog eine Wurst aus der Kanne und an der Wurst klebten all die Buchstaben der Buchstabensuppe. Das war eine sehr eindrückliche Skulptur. Ich wollte damals sofort Schriftsteller werden. Ich stellte mir all die geheimen Texte vor, die beim Durchschütteln der Suppe in der Milchkanne fortwährend geschrieben wurden. 
Nach dieser Erzählung setzte ich mich auf meinen Stuhl und wartete auf die Musik von Ruedi. Mir wurde schlagartig klar, dass ich keine Geschichten mehr erzählen konnte. Ich musste malen. Die Leute wollten das.

Das tat ich dann auch. Ich schrieb zuerst und malte dann ruhig und rythmisch mit der Musik, im Dunst von Leinöhl und Terpentin. Es war unglaublich. Ich hatte keine Distanz zum Bild, hinter meinem Rücken all die vielen Menschen, die Musik, der einsetzende Gesang, die sich langsam ausbreitende Körperwärme des Publikums. Ich fühlte mich getragen, aufgewärmt von einem überwältigenden, kollektieven "Heizkörper".

Ich glaube ich habe eine grosse Schwelle überschritten und meine Malhemmung abgelegt.

In verschiedenen Schichten entstand ein riesiger liegender Baumstamm. Ich werde einige Tage warten, bis ich diese Zeichnung richtig anschauen kann. Ich habe diese Aktion in einer Mail angekündigt als "Mammutbaum und Hirte", als Vorbereitung und Reflextion meiner geplanten Arbeit mit dem Aarauer Mammutbaum, der letzte Woche gefällt worden ist.

6. März: Ein strahlend blauer Himmel. Sonnenschein. Heute abend nehme ich ein Bad mit Wasser, das den ganzen Tag durch Solarenergie aufgewärmt wird. Das ist ein super gutes, feines Gefühl. Diese Investition hat sich gelohnt. Ich habe am Wochenende eine Wette abgeschlossen mit Monika. Sie sagte, dass  Beat Wismer im Kunst Palast Düsseldorf eine Goya Ausstellung vorbereite. Ich wettete, dass es eine Grünewald Ausstellung sei. Nun ist es aber eine El Greco Ausstellung. Monika behauptet nun sie habe recht gehabt. Sie hätte zwar Goya gesagt, aber El Greco gemeint. Nun ja, selbstverständlich haben wir beide recht, ich sagte zwar Grünewald, meine aber ganz klar El Greco. Voila! Die gute Flasche bleibt im Haus.

5. März 10.30 Uhr: Adrian Küenzi holt die letzten verkäuflichen Bücher vom sehr erfolgreichen XYLON JUBELDRUCK bei mir im Atelier ab, für die Buchpräsentation am 10. März, 15 Uhr im Gewerbemuseum Winterthur.
Ich muss heute alles vorbereiten für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen. In meinem Atelier an der Haggenstrasse 51 mache ich am 7. März eine gemeinsame Veranstaltung  mit Rudolf Lutz. Mein Arbeitstitel: "Mammutbaum und Hirte". Rudolf Lutz improvisiert und ich auch.

4. März: Ich wollte Monika den geräumten Platz beim Schlössli Aarau zeigen. Da wo der Erweiterungsbau für das Stadtmuseum gebaut wird. Nun steht an Stelle des gefällten Mammutbaumes ein grosses weisses Kreuz, beschriftet mit "Mammutbaum".  Am Boden stehen Kerzen. Ein richtiger Trauerplatz ist da eingerichtet worden. Anschliessend besuchen wir die Ausstellung von Roman Signer im Kunsthaus Aarau. Eine tolle Präsentation mit einer wunderbaren Raumabfolge. Als ich 1989 sämtliche Super 8 Filme von Roman Signer im Vexer Verlag als dreistündiges Videoband herausgegeben habe, wäre eine solch perfekte Installation gar nicht machbar gewesen. Die technische Entwicklung macht aus diesen Arbeiten etwas ganz Anderes. (Wenn man das vergleicht mit der Präsentation im Fojer des Kunsthauses Zürich in den 80er Jahrenden, als die original "Super 8 Wackelfilmchen" in kleinen Filmboxen vor sich hin ratterten. 
In der Ausstellung wird auch die Fotoserie mit "Verkaufsständchen" für Früchte und Gemüse und "Altärchen" für Verkehrsopfer am Strassenrand gezeigt.

3. März: Besuch in Baden. Wir steigen ab im Atrium Hotel Blume. Das Atrium ist wunderschön. Den Wunschbrunnen muss ich bei Gelegenheit noch fotografieren. Tamara Weibel hat einen wissenschaftlichen Text zum Thema geschrieben, den ich gerne mit meiner Arbeit für die Kantonalbank Filiale Bruggen bebildern und im Vexer Verlag veröffentlichen möchte. Das wird aber sicher Sommer.
Am Abend zu Besuch mit einem wunderbaren Essen von und bei Susanna Widmer, mit Christoph Gallio, Gabi Fuhrimann, Wiliam und Rolf Winnewisser. Ich habe selten so viel gelacht.

2. März 10.07:
Gute Nachrichten. Pro Helvetia bezahlt einen schönen Beitrag an das geplante Buch "Knabenmorgenblütenträume" von Monika Dillier, das Isabel Zürcher im Vexer Verlag herausgeben wird. Mit  Beiträgen von Andreas Cremonini, Birgit Kempker, Andrea Saemann, Chris Regn. Da freue ich mich drauf. Die Buchpremiere findet statt am 19. April bei Stampa in Basel.
Aus grossem Jubel heraus habe ich den ganzen Morgen an einem Himmel gemalt. Der Himmel ist von Peter Liechtis Wohnung im Bierli herausfotografiert, vor einem wunderbaren Abendessen im letzten Herbst.

1. März, 23.10 Uhr:
Alles ist OK. Der Mammutbaum liegt in der Sägerei und die Eröffnung der Dada Ausstellung in Zürich war auch sehr interessant.
Das neue Vexer Buch mit Dada Poesie mit dem schlichten Titel "Modul BMK-BMK-11H-IN-PRFO-01" ist sehr schön geworden.
24.07 Uhr: Ich sitze jetzt schon länger am PC und versuche meine Stimmungen und Eindrücke zu sammeln. Ich hole mir ein Glas Wein und versuche einiges zu klären. Ich war gestern in Aarau. Die Vorbereitungen für die Fällaktion des Mammutbaumes waren sehr gut vorbereitet. Alle waren da. Die da waren,  waren Martin und Bärbel und Sandra und Achmed und der Tonmeister. Aber auch Kaba vom Stadtmuseum, alle Facharbeiter vom Forstamt und viele andere die ich nicht kannte und ich war auch da. Ja da wurden dann um 13.15 Uhr (auf die Minute genau)  die Abschrankungsgitter platziert. Auf alle Fälle und zur Sicherheit. Allsbald wurden die untersten Äste des Baumes bis auf ca. 15 Meter hinauf  abgesägt. Der Baum sah nicht mehr sehr vorteilhaft aus. Es wurden Begriffe genannt wie: gerupftes Huhn, WC Besen, Zahnstocher mit was dran usw. , und auch Bemerkungen wie: "jetzt sieht er aber gar nicht mehr schön aus" oder "am Morgen hat es mich noch gereut dass der gefällt wird, aber jetzt ist die Aussicht um einiges besser - oder "Scheisse! jetzt hauen die den Baum um." Ja es war ein starkes Bild. Ein 130 jähriger Baum, den "Unterleib" entblösst. Für mich gab es aber keinen Moment der Peinlichkeit gegenüber dem Baum. Da muss ich betonen, dass ich am Morgen früh, bevor ich nach Aarau gefahren bin, das Gespräch gesucht habe zu diesem 130 jährigen Baum. In diesem persönlichen Kontakt mit dem Baum versuchte ich ihm klar zu machen, dass es bei dieser Fällaktion nicht um einen böswilligen Zerstörungsakt geht. Ich kam in einen Zusatand hinein, in dem ich fast den Baum vergass, fast den Zug verpasste und auch nicht bemerkte dass die liebe Monika schon längst zur Arbeit gegangen war. Der Mammutbaum hat aufmerksam zugehört und hat alles verstanden.
Mein rechtes Augenlied zittert leicht. Eigentlich ist das ein Zeichen , endlich schlafen zu gehen. Aber - es gibt so viel zu berichten.
der Mittwoch war ein himmelblauer Tag. Endlich  Sonne nach einer langen, sehr  kalten und grauen Winterzeit. Ich hatte das Gefühl, dass der Baum sich auf einen riesigen, frühlingshaften ersten Schluck des frisch aufgetauten, eiskalten Frostwassers eingestellt hatte. Und nun diese Aufregung. Absperrungen, Kettensägen, Helme, Kameras, kreisende Krähen usw. Aber der Baum zeigte sich von seiner elegantesten Seite.
Um 16.00 musste ich gehen. Möglichst schnell nach Zürich ins Cabaret Volaire, zur feierlichen Übergabe das Buches: Modul BMK - 11H - Int - PRFO - 01" an die  Studierenden der ZHDK.
All die Bücher für die Studierenden zog ich in einem Rollkoffer zum Cabaret. Im Niederdorf versuchte ich ganz höfeli und langsam am Koffer zu ziehen, damit der Krach, dieses unmögliche Geräusch des ploppernden Koffers nicht stört.
Ich war dann so durcheinander, dass ich bei meiner kurzen Einführung Ernst Hemingway mit Hermann Hesse verwechselte. Pardong den Erben! Dabei wollte ich ja nur das Buch von Eveline Hasler empfehlen.

Dann schnell wider nach Aarau zum Znacht. Ein guter Abend mit dem Filmteam Sandra und Achmed und den Gastgebern Bärbel und Martin. (Frühlingssalat, Pasta mit Ruccola und Speckwürfeli, Wein aus der Toscana, sehr schöne Stimmung)

29. Februar, 10.00:
Heute Nachmittag beginnen die Vorbereitungen für die Baumfällaktion in Aarau. Der  Mammutbaum wird zu Brettern gesägt. Das Holz verwende ich für Reliefs, die in Beton gegossen werden für die Fassade des Neubaus von Diener&Diener. Um 17 Uhr feierliche Übergabe des Buches "Dada Modul" im Cabaret Voltaire an die beteiligten Studierenden der ZHDK. Das gibt einen dichten Tag. Ich freue mich.

27. Februar, 22.30:
Martin Steinmann hat angerufen. Die Sanierung und Erneuerung des Stadtmuseums Aarau ist heute Abend vom Einwohnerrat der Stadt Aarau bestätigt worden. Die SVP war trotz einer klaren Volksmehrheit geschlossen dagegen und will weitere Kulturprojekte kompromisslos verhindern. Vor drei Jahren hat mich Roger Diener angefragt ob ich interessiert wäre, die Fassade des neuen Gebäudes zu gestalten. Jetzt geht es an die Realisierung. Hodleriho...Holderi-oh...

27. Februar 19.27:
Heute den ganzen Tag Dada Poesie verpackt und verschickt. Wer noch ein nummeriertes Dadamodul will muss sich beeilen. Heute Abend gibts Gerstensuppe, Käse Brot und Wein mit unseren lieben Nachbarn Ruth und HerrMann. Ihre Katze Tiger muss zu Hause bleiben. (Tieger kriegt Trockenfutter)
Jetzt fällt mir wieder ein was ich in Berlin gegessen habe. Das ist ein richtiges Esswortspiel. Ich verwechsle nämlich immer ähnlich klingende Begriffe und Namen wie Goldach und Gossau, Nanne und Nina oder Biene und Maia, Amriswil und Abderhalden usw. Also in Berlin habe ich als Vorspeise Oktopus gewählt und als Hauptspeise ass ich dann Ossobucco. Octopus und Ossobucco war super zu essen aber sehr schwierig richtig auszusprechen und sprachlich nicht zu verwecheln.

26. Februar:
Gestern Samstag habe ich nach Jahren Nanne Meyer wieder einmal getroffen anlässlich ihrer Eröffnung in der Galerie & Edition Marlene Frei in Zürich. Ausstellungstitel: "Reste der Welt". Ich war schon vor der Ausstellung sehr begeistert von einer Zeichnung mit dem Titel "Kurator" von 2011. Ein gelbgrüner, schwarz gefleckter Hund sitzt da, gegen rechts schauend. Dieser Hund ist als Kurator bezeichnet. Mit offenen, nach oben gereckten Ohren hört er alles. Der Hund wirkt, wie wenn er gleich zu einem kurzen aber kräftigen Durchschnuppern ansetzen würde. Gleichzeitig scheint er sehr interessiert und konzentriert ein Werk ausserhalb des Bildes zu betrachten. Hinter dem Hund liegt eine Kugel - die Welt frisch geschissen und in alle Richtungen versplitternd. Der Hund trägt ein Halsband mit dem Wichtigkeitsverzeichnis. Abgetrennt vom "Kurator" liegt sein Schwanz, der als Künstler beschriftet ist.
Nachher Nachtessen im EXER (Was für ein Zufall dass Herr und Frau VEXER im Restaurant EXER dinieren) Der Max Wexler war auch im EXER und viele andere interessante Gäste mit schönen Namen. Der Grossneffe von Nanne, der Klaus ist Hirnforscher und weiss von jedem Getier bis hinunter zu den Hunden und Insekten, warum die schnell fliegen, wenig fressen, gut riechen oder was auch immer usw. - etc.  weil er eben ein Hirnforscher ist. Seine reizende Lebensgefährtin die Sina aus Indien ist Neurologin, weiss auch sehr viel, kocht gut und sieht auch noch toll aus. Ich habe ihr erklärt, wie ich das mit dem Hirn sehe, dass das Denken sich nämlich wie Wasser verhalte, einfach immer den geringsten Widerstand wähle. Das Tolle am Fluss der Gedankenströme sei aber, dass im Hirn genau wie auf dieser Kugel Erde alles in alle Richtungen fliessen könne, eben wegen der Rundung. Ja na, dem Wexler Max war im Exer der Wein zu teuer und dem Vexer war der Abend fast zu kurz, weil da nämlich schon der Zug im HB bereit stand. Ganz kurz noch mit Lis Mjinssen und Felix Philipp Ingold und seiner Freundin ein paar Sätze ausgetauscht. Mit Christoph Gallio und Susanna reden wir dann am nächsten Samstag mehr. Mit Stefan Kunz und Max und Monika schnellstens zum Bahnhof. Beim Tramfahren hat mir der Stefan gesagt, dass ich vor Jahren gesagt hätte, dass die Gründung der Kunsthalle St. Gallen von grösster Bedeutung sei, denn Basel, Zürich, Bern und Luzern seien viel Erdbeben gefährdeter als St. Gallen. Wenn eine Kunsthalle verschont bleibe vom grossen Beben sei das eben St. Gallen. Ja die Abende sind einfach zu kurz.

25. Februar, 10.10:
Heute nummeriere ich die fünfhundert DADA MODULE. Ich liebe es, jedes einzelne Buch in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen und die richtige Zahl hinein zu schreiben, was gar nicht so einfach ist. Man kommt leicht ins Stocken, - 187, 188, 189 ... oder war das die 198? Das Buch aufgeschlagen auf Seite 107. Da steht doch wirklich: "ICH MÖCHTE EIN STEIN SEIN" von Valéri Voeten. Ist doch grossartig - oder?

24. Februar:
MODUL DADA  ist DA! - die Bücher sind endlich eingetroffen. Druckfrische Bücherstapel machen mich so glücklich. Diese Bücher riechen etwas nach Mehl und Olivenöl. Es muss das Papier sein. Munkenprint riecht gut. Das nächste Projekt ist auch auf gutem Wege. Die Göhner Stiftung hat soeben einen Beitrag an das geplante Buch von Monika Dillier gesprochen. Titel: KNABENMORGENBLÜTHENTRÄUME. Wenn nun auch noch Pro Helvetia ja sagt kann gedruckt werden.
Vera hat gut verhandelt in Berlin.

23. Februar:
Habe heute die traurige Nachricht erhalten, dass die Malerin Leta Peer gestorben ist.  Ich werde versuchen am Himmel weiter zu malen. 

22. Februar:
Schneller Kaffee und schnelle Brötchen zum Frühstück nebenan an der Boxhagenerstrasse, ein Taxi zum Flughafen und dann warten, der Flug ist verspätet. Wir treffen um 14.15 in St. Gallen ein. Zu Hause fühlen wir uns wie bei der Ankunft in einem Ferienhaus. Erledigen der Post, dann schneller Abgang zurück nach Zürich zur Buchpräsentation in der Grafischen Sammlung der ETH. Paul Tanner hat uns eingeladen, Das XYLON JUBELBUCH und die Xylon Zeitschrift vorzustellen. Viele bekannte Menschen, gute Gespräche. Daniel Meile überrascht mich und stellt mir seine Freundin vor, Liv Kriesi und Felix Roth und Luzzi Rageth mit Freiherr von Gamm, Monika Dillier und Prof. Wolfram und einige Sammler, die alte Sachen signiert haben möchten und das in Zürich. Peter Emch präsentiert die Zeitschriften von Adrian Küenzi, Katharina Henking und Sebastian Uzni. Ich erzähle über die Entstehung des XYLON Jubelbuches. 200 Holzschnitte von 50 KünstlerInnen. Alles super gelaufen. Wieder sieben Bücher weg. Wer noch eins will muss sich beeilen. (Das ist wiklich sensationell, drei Monate nach Erscheinen des Buches sind die fünfhundert Exemplare praktisch weg)

21. Februar:
Vera hat vor ein paar Tagen den Bescheid bekommen, dass sie aus dem provisorischen Atelier auf der 4. Etage in ein anderes Provisorium im Nebengebäude umziehen muss. Wir helfen heute, die Bilder zu verpacken und zu transportieren. Das Treppenhaus ist wie für die  Bilder gebaut. Wenn die Formate zehn Zentimeter grösser gewesen wären hätten wir keine Chance gehabt.
Anschliessend zeigt uns Vera die Baustelle ihres Traumateliers am Mehringdamm.  Anschliessend ein schnelles Pils in einer Raucherkneipe und dann etwas verspätet treffen wir Beate Günther und Tobias Hauser an der Olauerstrasse. Beate hat umwerfende neue Bilder gemalt und die ersten Broncegüsse ihrer "Farbrestskulpturen" bei Noack gegossen. Die Güsse sind sensationell. Eingemalte und eingegossene, dichte Zeitgeschichte. Ein umspannendes, künstlerisches Netzwerk hält das Wesentliche zusammen. 
Anschliessend grosses Wienerschnitzel vom Kalb in der Nähe der U-Bahn Görlitzebahnhof.
Erst beim Rausgehen bemerke ich Leiko Jkemura und Philipp von Matt.

20. Februar:
Schönes Frühstück beim Hamburger Bahnhof gemeinsam mit Vera. Die Ausstellung von Tomás Saraceno. Cloud Cities ist ein begehrter Rummelplatz für Familien mit Kindern. In der Ausstellung der "Toten" von Hanspeter Feldnmann treffen wir Otto Heigold und seine Rosmarie (quiklebendig).
Anschliessend Besuch des Naturkundemuseums. Wir schauen uns stundenlang Steine an. Als starken Abschluss: der neue Raum von Diener & Diener, angefüllt bis zur Decke mit in Formaldehyd eingelegtem Getier. Eine Wucht.
Fulminantes Essen bei Sarah Wiener. Sechs Gänge mit Weinbegleitung. Ein kleiner Zwischengang bestand aus einer Kartoffelknödelscheibe mit vermantschtem Ossobucozentrum in einer Milchschaumsauce. Das Ganze sah aus wie ein Markbein eines jungen Kalbes. Meine spontane Beschreibung: "Man fühlt sich wie das Kalb auf der Wiese, an einem Estragonzweig kauend. Gleichzeitig beisst man in das Bein des Kalbeskamarädleins, das gerade eine Kartoffel vermantscht, schwelgend in der Erinnerung an den ersten Milchschoppen, als Abgewöhnung von der Kuhbrust gedacht".

19. Februar:
Als ich 1991 als Gast des daad für ein Jahr in Berlin lebte, im Nebenhaus von Bethanien, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal einen schönen Weisswein in einer Wohnung an der Karl Marx Allee trinken würde. Die Mauer war damals zwar offen aber zum grössten Teil noch real da, auch in den Köpfen. Nun sind wir beim Apéro bei Vera, in einer "Volkswohnung" an der einstigen Paradestrasse. Vera wohnt hier vorübergehend mit einer Freundin, zusammen mit zwei Katzen. Zum Apéro kommen der Landschaftsarchitekt Tilo, die Architekten Stefan und Monika aus Winterthur, mit der reizenden Luzia (9 Monate) und die Mitbewohnerin Edith.  Später spazieren wir zu acht mit Kinderwagen zum Alexanderplatz - wie eine Grossfamilie in Palermo.

18. Februar:
Nach dem Besuch der Alten Natianalgalerie fühle ich mich malerisch plattgewalzt. Die grauen Bilder von Gerhard Richter im grauen Saal an Drähten aufgehängt, leicht schräg. Eigentlich dachte ich diese Art der Hängung sei schon seit Jahrzehnten überwunden. Trotzdem - der "Zyklus 18. Oktober 1977"  ist sehr berührend. Die Bemerkung von Monika, dass in der alten Nationalgalerie alle dargestellten Menschen und alle Künstler schon längst tod sind hat mich umgehauen. Der einzige Maler in diesem Haus der noch lebt ist Gerhard Richter.(Malerinnen gibt es glaube ich gar keine an diesem Ort)

17. Februar:
Angekommen in Berlin. Taxifahrt zur Boxhagenerstrasse. Tolle kleine Wohnung im 4. Stock gemietet. Keine Zeit vertrödeln - zu Fuss Richtung Alexanderplatz. Fischsuppe bei einem Spanier. Um 17 Uhr wollen wir Vera treffen in ihrem provisorischen Atelier in einem seit 10 Jahren leerstehenden Neubau, Next Malzfabrik. Eine wild überbaute Gegend beim Südkreuz. IKEA weist den Weg. Finden den Eingang nicht. Auf der 4. Etage oben links arbeitet Vera seit September in diesem komplett leeren Gebäude. Nebst all dem organisatorischen Alltagskram und der aufwändigen Neuorientierung hat sie noch gemalt. Bewundernswert!

16. Februar 17.30:
Eigentlich sollte ich meine Sachen zusammenpacken. Wir fliegen nach Berlin. Ich habe heute Nachmittag an meinem Himmel weitergemalt - der war vorher um einiges schöner. Mit meiner Malerei ist es wie mit dem Wetter. Gestern habe ich alle Bücher aus dem Vexer Verlag ausgelegt für Ramon Lenherr. Er ist verantwortlich für die Verlagspräsentation in der Probstei St. Peterszell. Die Eröffnung findet am 17.August 2012 statt. Das ist schon sehr speziell, was da in 27 Jahren an Publikationen zusammen gekommen ist.

13. Februar 15.17 Uhr:
Oliver Stäudlin hat uns heute besucht und bei Suppe und Brot über Leipzig erzählt. Wir haben über das XYLON Jubelbuch, über den Lubock Verlag und den kleinen SALZ Verlag geredet. Die Bemühungen, originalgraphische Druckerzeugnisse unter die Leute zu bringen scheint ein Bedürfnis zu sein. Jetzt bin ich total ausser Atem, den alten Volvo von Oli die gefrohrene Rampe rauf schieben war gar nicht so einfach bei diesem vielen Schnee.

10. Februar 2012:
Unbedingt die Kunsthalle in St.Gallen besuchen. Im Foyer wird der Mark Pezinger Verlag präsentiert. Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten. Meine Bibliothek ist um einige Titel  gewachsen. www.markpezinger.de
Und nach der Kunsthalle das Museum besuchen! Silvia Bächli schauen.

9. Februar:
Habe heute einen Himmel gemalt und verkehrt aufgehängt. Nun steht die Welt  Kopf und niemand hats bemerkt.

7. Februar 2012:
Banker sind die waren Künstler. Nach dem Verkauf von Wegelin an Raiffeisen wurde über Nacht der Bankname Notenstein kreiert. Pirmin Vinzenz überlegt sich schon wie die Bank Julius Bär genannt werden könnte... Für mich ist klar, nach Notenstein folgt Frankenstein.

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