Tageskommentare

Das aktuelle Wort zum Tag von JFM

Startbild Felix Monika2019

Monika und Josef Felix Müller gewinnen das legendäre Jass Turnier am 13.4.2019 im Hotel Hirschen in Wald AR.

 

Samstag 9. November: An diesem Wochenende hat im Kunstmuseum die Buchpräsentation "good life books" stattgefunden. Um 16 Uhr war ich als Verleger eingeladen zur Podiumsdiskussion mit Lorenzo Benedetti, Jiajia Zang, Katalin Deér, Jiri Makovec. Das war gut besucht und das Gespräch war sehr anregend. Ich habe gestaunt, wie gut sich Lorenzo nun auch auf Deutsch ausdrücken kann. ja das war wirklich gut. Anschliessend traf ich wieder einmal Albert Oehlen. Er hat zusammen mit Norbert Möslang eine Soundinstallation im Museumscafé kreiert. Ich konnte leider nicht sehr lange bleiben - besser gesagt, ich wollte nicht zu lange bleiben, weil morgen Monika für vier Wochen nach Thailand fliegt. 

Freitag 8. November: Die letzten Tage waren sehr dicht und erfolgreich auf allen Ebenen. Heute erwarte ich vier handgebundene Musterbücher, die speziell angefertigt werden mussten für die heutige Buchpremiere "Landscape #1" von Johannes Hedinger im Bündner Kunstmuseum. Wir konnten die neue Publikation vorstellen anlässlich des Symposiums zum Thema Landschaft, das von Monika Ursina Jäger geplant wurde. Ich habe mir am Nachmittag die Ausstellung von Hans Danuser in der Galerie von Luciano Fasciati angeschaut. Die Ausstellung ist sehr empfehlenswert und überraschend. Anschliessend habe ich einige spannende Vorträge im Museum angehört und die von Nicole Bachmann choreografierte Tanzperformance mit drei Tänzerinnen genossen. 

Am Schluss des Programms fand dann die Buchpremiere statt. Johannes Hedinger stellte das ILEA - "Institute for Land and Environmental Art" und das neu Buch vor. Geplant ist eine Buchreihe im Vexer Verlag, in der alle zwei Jahre eine neue Publikation erscheinen wird zum Thema Landschaft und Kunst. im Mittelpunkt stehen die Outdoor - Biennale Safiental und die Alps Art Academy.

Dienstag 5. November: Heute wurden die restlichen Bücher von Meier&Franz angeliefert. Ich musste den ganzen Tag viele Pendenzen erledigen, die sich letzte Woche angestaut hatten. Ein richtig langer Büro- und Versandtag... Am Abend waren wir in der Kunsthalle zum Freundesessen eingeladen. Florian Germann hat eine sehr schöne Edition geschaffen für die Freunde der Kunsthalle. Ein sehr anregender Abend.

Montag 4. November: Heute um 9.30 Uhr kann ich endlich meinen Zahnarzttermin wahrnehmen, den ich zwei Mal verschieben musste. Heute ist alles wieder etwas schneller. Um 12.30 Uhr fährt mein Zug nach Bern. Ich habe zusammen mit Regine einen Termin beim Bundesamt für Kultur, für das Jahresgespräch zur Arbeit von Visarte. Das Treffen war sehr angenehm. Die Zugfahrten können wir jeweils sehr gut nutzen, um alle anstehenden Fragen zu diskutieren. 

Sonntag 3. November: Die Rückfahrt von Italien in die Schweiz war problemlos und schnell. Im Sommer ist das immer viel anstrengender. Die Renovationsarbeiten an unserem Haus sind nun abgeschlossen. Nur das Gerüst muss noch abgebaut werden. So macht es richtig Freude wieder nach Hause zu kommen. 

Mittwoch 30. Oktober: Wir sind frühzeitig aufgestanden und zurück nach Bex gefahren. Wir haben dort die eindrückliche, historische Salzmiene besucht. Die Fahrt im winzigen Mienenzug in den Berg hinein, in eine längst vergangene Zeit, war sehr speziell und anregend. Die Minenarbeiter haben 26 Jahre lang geschuftet und von Hand, mit einfachsten Werkzeugen, den Stollen in den Berg gehauen, bis dann endlich Salz gefördert werden konnte. Ein aus heutiger Sicht unvorstellbarer Kraftakt.

Am Mittag sind wir weitergefahren nach Brig und dann über den Simplon nach Italien. Wir freuten uns auf ein paar Tage Ruhe in unserem winzigen Häuschen oberhalb von Agrano. Ich war schon sehr lange nicht mehr dort. Als Erstes habe ich endlich wieder einmal meinen kleinen, nun schon fast drei Meter hohen Mammutbaum "Felice" besucht. Ich habe den Baumschutz aus Ästen, rund um Felice verstärkt, damit die Wildschweine keinen Schaden anrichten können und ich räumte das schnell nachwachsende Gebüsch rund um den Baum weg.

Wir hatten sehr schöne und erholsame Tage mit Silvia und Heinz. Ich konnte es natürlich nicht lassen, in einem steilen Waldstück viele wild wachsende Kastanien zu fällen und aufzuräumen. 

Die Tage in Italien haben gut getan. Wir haben fein gegessen, gute Weine getrunken und uns ordentlich erholt.

Dienstag 29. Oktober: Monika und ich sind heute sehr früh aufgestanden. Wir mussten um 11 Uhr in Bern sein, um die Bücher von Lisa Hoever beim Kanton abzugeben und um Lisa zu treffen. Das hat alles wunderbar geklappt. Wir haben in Bern gemeinsam etwas kleines gegessen und Monika und ich sind anschliessend nach Bex gefahren. Ich bin eingeladen für die nächste Skulpturen Ausstellung in Bex. Wir haben uns den schönen Park angeschaut und einen guten Platz für mein Projekt ausgesucht.

Monika hat in St. Maurice, einem Nachbardorf von Bex, ein Zimmer gebucht in einem alter Palast, hoch oben am Berg. Romantik pur... Am Abend haben wir in St. Maurice wunderbar gegessen in einem bekannten Kaffee. Wild aus der Region, Wein aus der Region, Gemüse aus der Region und Wasser aus Frankreich. 

Montag 28. Oktober: Nach unserem wunderbaren, anregenden und langen Wochenende zusammen mit Vera und Soan fühle ich mich erleichtert, dass alles so gut gelungen ist. Heute muss ich mich um einige wichtige organisatorische Dinge kümmern für mein Kunst am Bau Projekt für das Marthaheim.

Heute ist auch ein grosser Bücherversand geplant. Die Pakete stapeln sich.  

Freitag 25. Oktober: Ein strenger Tag. Wir mussten alles vorbereiten für die bevorstehende Buchpremiere im Raum für Literatur. Der Abend war überwältigend. Über 150 interessierte Menschen waren da. Der Raum war rammelvoll. Jens Lampater, der Kulturbeauftragte der Stadt Schaffhausen hat eine schöne Einführung zu diesem Literatur - Förderprojekt der Ostschweizer Kantone und dem Fürstentum Lichtenstein gemacht. Bei meinem John Berger Projekt "Geografie der Freiheit" haben 25 Autor*innen und Künstler*innen mitgewirkt. Die Buchpremiere wurde musikalisch umrahmt durch "die freylehken". Die drei Musikerinnen haben eine wunderbare Stimmung geschaffen. Nun hoffen wir natürlich, dass sich das Buch in vielen öffentlichen und privaten Bibliotheken unter John Berger einreiht. Gleich neben dem sehr schönen Buch (mit dem zu dicken Papier) "John Berger - John Christie - I send you this cadmium red..." Das überhitzte - knallrote Gesicht der Künstlerin Andrea Vogel auf unserem Buchumschlag passt da wirklich bestens. 

Donnerstag 24. Oktober: Heute Nachmittag bin ich nach Bregenz gefahren und traf dort zufällig den legendären und nun pensionierten Verlagsvertreter Markus Wieser auf einem Bänkchen sitzend. Er hat erfolgreich Werbung gemacht für unser neues Buch "Geografie der Freiheit". Anschliessend habe ich mir die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Bregenz angesehen. Die junge Künstlerin Raphaela Vogel aus Nürnberg hat eindringliche Video und Sound - Installationen für die Räume geschaffen. Eine irritierende Bilder- und Klangwelt mit Endzeitstimmung. Der schwarz weiss Film von Helke Sander im Untergeschoss war kaum auszuhalten. Eine junge Frau klettert mit ihren zwei Kleinkindern auf einen Baukran und wirft Flugblätter ab mit der Forderung, dass sie eine bezahlbare Wohnung braucht...

Ein Film, der nach einer realen Geschichte aus den 80er Jahren nachgespielt wurde...nach diesem Film musste ich mich zerst wieder etwas erholen, bevor ich zum Bahnhof spazierte. Der wirkliche Grund meiner Reise nach Bregenz war ja nicht nur die Kunst sondern ich wollte Vera und Soan beim umsteigen in Bregenz helfen. Vera fuhr das erste Mal mit Soan im Zug von Berlin in die Schweiz.  das kann ja sehr anstrengend sein. In Bregenz war die Umsteigezeit nur drei Minuten. Da wollte ich helfen. Es war dann alles sehr unproblematisch. Soan war gut gelaunt und Vera und ich hatten auf der Reise nach St.Gallen viel Zeit uns auszutauschen. 

 Mittwoch 23. Oktober: Gestern und heute sind die Bücher von Michael Meier und Christoph Franz in zwei Tranchen per Kurier direkt vom Flughafen in St. Gallen eingetroffen. Heute Nachmittag holten mich die Künstler mit den Büchern ab. Wir fuhren dann direkt nach Zürich zur Einweihung ihres Kunst am Bau Werkes an der Uni Zürich. Die Einweihung des Werks und die Buchpremiere waren ein grosser Erfolg. Gute Reden, gute Stimmung und viel Interesse. Ein erfüllender Abend. Die Publikation "Deceitful Habits in a Human's Soul" wurde von Krispin Hee in Berlin gestaltet und bei der DZA in Altenburg produziert - ein Wurf! Die Laudatio hat Dorothee Messmer vom Kunstmuseum Olten gehalten. 

Dienstag 22. Oktober: Heute Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren zur Tagung vom Verein  Kunstmarkt Schweiz in der Luma im Löwenbräu. Der Nachmittag war sehr spannend. Verschiedene Akteure aus dem Kunstmarkt erzählten aus ihrem Alltag als Kunsthändler. Das war wirklich interessant. Ein Galerist aus Spanien forderte, dass Galerien Ablösesummen bezahlen müssten, wenn sie Künstler von einer Galerie übernehmen. Kunst und Fussball. Ein neuer Transfermarkt für Künstler und Künstlerinnen. Es wird immer absurder in der Kunstwelt.

Ich konnte dann mit Ulrich Meinherz vom Sitterwerk mit dem Auto nach St.Gallen zurückfahren. Das war eine gute Möglichkeit zur Reflexion der Kunstmarkt Tagung.

Montag 21. Oktober: Heute hat es geklappt. Die John Berger Bücher sind eingetroffen. Monika und ich haben eine kleine stille Feier abgehalten. Mehr als zwei Jahre Arbeit steckt in diesem Buch. Das ist ein überwältigendes Gefühl. Gelebte Zeit. Nun müssen wir alles für die Buchpremiere vorbereiten, die am Freitagabend im Raum für Literatur stattfindet. In den letzten Tagen habe ich das ganze Bücherlager neu geordnet. In 35 Jahren Verlagsarbeit kommen einige Tonnen Bücher zusammen. Es wurden aber auch einige Tonnen verkauft. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Bücherpakete ich in den letzten 35 Jahren zur Post gebracht habe bekomme ich Krämpfe... 

Freitag 18. Oktober: Ich sitze wie auf Nadeln. Ich habe rumtelefoniert, um den Buchtransport nach zu verfolgen. Die Transportfirma kann mir keine Auskunft geben. Ich habe nun den Plan, dass ich um 14.45 Uhr mit dem Zug nach Berlin reise. Über München. Dann wäre ich zur Überraschung meiner Liebsten in der Nacht um 23.00 Uhr in Berlin.

Am Mittag kontaktierte ich noch einmal die Transportfirma. Sie wissen nichts. Ich muss warten und warten... meine Überraschungsreise mit dem Zug kann ich vergessen. Am Abend bekomme ich den Bescheid, dass die Bücher am Montag geliefert werden. Scheisse.

Donnerstag 17. Oktober: Ich habe heute meine Reise nach Berlin abgesagt. Mein Flug wäre heute um 12.45. Ich habe leider niemanden gefunden, der morgen den grossen Büchertransport für mich übernehmen könnte. Monika unterstützt Vera in Berlin und sie kümmert sich um den kleinen Soan, damit Vera die Vexer Präsentation im neuen Raum aufbauen und vorbereiten kann. 

Dienstag 15. Oktober: Bei uns ist nun das Baugerüst aufgebaut. Die Arbeiten können beginnen.  

Montag 14. Oktober: Monika fliegt heute nach Berlin. Ich kümmere mich um die Renovationsarbeiten. Die Dachkännel werden ersetzt, neue Kaminhüte aufgesetzt, das Dach wird abgedampft, ein Schneefänger wird montiert etc. und ich male alle Untersichten, Guggeren, Fensterumrandungen und so weiter. Ich wollte eigentlich am Donnerstag auch nach Berlin fliegen. Nun ist aber ein Büchertransport angesagt worden mit meinem John Berger Projekt. Transporte werden immer komplizierter. Manchmal muss man tagelang bereit stehen und am Abend kommt die Absage. Es hat auch heute nicht geklappt. Die Bücher sollen nun am Freitag geliefert werden - und ich habe für Donnerstag einen Flug nach Berlin gebucht. Keine Ahnung wie ich das machen soll...

Donnerstag 10. Oktober: diese Woche hat hektisch angefangen. Viele Transporte und viel organisatorisches für Visarte, für mich und für die Renovation unserer Häuser. Heute erwarte ich die Bücher von lisa Hoever und dann kommen die Gerüstbauer. Am Mittag fahren wir nach Basel. Wir werden das Kunstmuseum besuchen und am Nachmittag sind wir bei einem Sammler eingeladen, um frühe Werke von mir anzuschauen. Das war sehr nett, direkt am Rhein. Lustig ist, dass ich die Spiegelung im Wasser, am alten Rhein in Rheineck aufgenommen und dann gemalt habe. Nun hängt das Bild schon einige Jahre am Rhein in Basel. Dazu sind auf einer Wand auch eine Reihe Radierungen von mir gehängt aus dem Jahr 2000, mit Motiven aus einem Hamam in Marokko und mitten drin hängt noch ein Landschaftsbild von Miriam Cahn. Das sind so überraschende Treffen der anderen Art. 

Um 18 Uhr waren wir bei Roger Diener und Mariam eingeladen. Sie gaben ein kleines Fest. Roger wurde als Architekt vom Bauhaus mit dem Ehrendoktortitel ausgezeichnet. Wir haben viele Bekannte und gute Freunde getroffen. Es war sehr anregend und auf eine sehr schöne Weise richtig festlich.

Samstag 5. Oktober: Gestern habe ich zusammen mit Vanja die Homepage und die Einträge im VLB gemacht. Vanja ist sehr schnell. Ich fotografiere die Bücher und diktiere die Texte. Vanja hackt das alles in den PC und gemeinsam freuen wir uns über den Goldstatus beim VLB, wenn alle Informationen sitzen.

Heute sind wir früh aufgestanden. Hubert und Rosa fahren mit uns zusammen zum Cousinen und Cousin - Treffen in einem Hotel in Beinwil am See.

Der Anlass war sehr unterhaltsam. Ich kenne die Verwandtschaft von Mutters Seite nicht sehr gut. Man sucht natürlich überall auf mögliche Gemeinsamkeiten. Die unterschiedliche Sozialisierung verwischt aber viele Spuren in einem gelebten Leben. Die Gestik, Formulierungen und Verhaltensweisen verweisen  aber doch oft auf die Altvorderen. na ja - gut gegessen, viel zugehört und einiges erzählt. Es hat Spass gemacht.

 Donnerstag 3. Oktober: Ich habe wieder an meinem Herbstbild weitergemalt. das scheint einfach nicht fertig zu werden.... Frühling geht schneller... Am Nachmittag haben wir alles Notwendige zusammengepackt für die Buchpremiere im Helmhaus Zürich. Leider kann die wunderbare Autorin Yael Jnokai nicht dabei sein. Sie hat Abgabestress für ein neues Projekt. Ich habe Yael 2017 das erste Mal in Solothurn erlebt. Sie hat damals aus ihrem Roman Mahlstrom gelesen. Eventuell treffe ich sie ja mal in Berlin, wenn ich Vera besuche. 

Mittwoch 2. Oktober: Heute Morgen werden die frisch renovierten Fensterläden geliefert. Vor mehr als zehn Jahren habe ich die selber bemalt. Am Nachmittag konnte ich zusammen mit Herrmann alle Läden wieder einhängen. Das sieht nun wieder sehr gut aus.

Montag 30. September: Um acht Uhr war ich im Atelier an der Lukasstrasse verabredet mit dem Spezialisten für Marder Abschreckung, Herr Krähenbühl. Er weiss auch was gegen Bettwanzen hilft. Das brauche ich zum Glück im Moment nicht. 

Am Nachmittag hatte ich ein Treffen im Martaheim mit dem Architekten. Es geht um die Feinabstimmung für meine grossen Fotoarbeiten, die ich als Kunst am Bau Projekt für diesen Ort realisieren kann. der Bau ist schon weit fortgeschritten und ich kann die letzten Entscheidungen für die Formate treffen.

Sonntag 29. September: Peter Emch hat eine Ausstellung in den neuen Räumen der Galerie Rosenberg im Seefeld in Zürich mit Zeichnungen und Holzschnitte.  Wir haben uns kurz entschlossen nach Zürich zu fahren und gleich noch siebzig Bücher von Nicole Rampa ins Helmhaus zu bringen. Das Buch über Schweizer Kulturschaffende in New York ist sehr schön geworden. Am Donnerstag findet die Buchvernissage statt. Ich bin gespannt ob dann auch etwas Publikum kommt. Bücher sind einfach extrem schwer. ich konnte den Rollwagen fast nicht bis in den ersten Stock tragen. Zu meiner grossen Freude arbeitete Corinna am Empfang. Sie rief sofort dem Hauswart und der brachte die Büchersendung per Lift in die Bibliothek. (Per Lift...)

Die Ausstellung von Peter war sehr schön. Wir haben viele Bekannte getroffen. Unter Anderen Peter Schweiger, der dann bei der Buchpremiere einige Texte von Yael Jnokai im Helmhaus lesen wird.

Samstag 28. September: Vor ein paar Tagen haben uns Claudia und Theo angefragt, ob wir Lust hätten einen französischen Kleinzirkus in Lustenau zu besuchen. Wir haben spontan zugesagt und heute ist es so weit. Gleich neben dem Freudenhaus, einem Kleintheater in Lustenau ist das Zelt aufgebaut. Eine Bühne, zwei Frauen und zwei Männer, keine Tiere, dafür Fahrräder und Musik. Ein toller artistischer und clownesker Abend mit viel Spannung und wohltuendem Humor. Einfach vom Feinsten. Auch ohne Französischkenntnisse sehr gut verständlich.

Freitag 27. September: Am Morgen bin ich losgefahren nach Solothurn. ich war eingeladen zur Abnahme der Kunst am Bau Werke von Katja Schenker, Lang - Baumann und Christoph Haerle im neuen Spitalbau von Solothurn. Die Arbeiten sind sehr gut gelungen. Auf der Rückreise hat mir Christoph Haerle erzählt vom grossartigen Nachlass des St. Galler Künstlers Florian Granwehr. Da gibt es viel zu tun. Ich muss mir überlegen, wie ich da etwas Hilfe leisten kann. 

Donnerstag 26. September: heute Mittag bin ich zur Alltag Agentur spaziert, um Johannes Hedinger für eine Buchbesprechung zu treffen. Wir planen eine langfristig angelegte Buchreihe "Landscape". Die Gestaltung macht ein junger Grafiker von Alltag. Die Agentur ist nun in einem wunderschönen, alten  Haus bei der Universität unterhalb vom Wienerberg. Die Besprechung war sehr produktiv und ich hatte noch Zeit, Paul zu treffen. Wir haben 2016 gemeinsam mit vielen Helferinnen und Helfern die Planung des Jubiläumsanlasses 150 Jahre  Visarte Schweiz organisiert. Das war eine super Zusammenarbeit ohne böse Überraschungen. Gute Stimmung, kein Defizit. Was will man mehr....

Mittwoch 25. September: Heute hat mich Karl Manfred Rennertz mit Suzanne und ihrem Sohn besucht als Abschluss meiner Ausstellung in Baden-Baden. Monika hat etwas feines gekocht, dann haben wir einen Rundgang durch mein Atelier gemacht und am Nachmittag besuchten wir die Kathedrale und die Stiftsbibliothek. 

Dienstag 24. September: Um acht Uhr war ich im Atelier an der Lukasstrasse verabredet mit dem "Wildtierspezialisten" Herr Kreienbühl. Er muss die Mardersituation in meinen gemieteten Räumen einschätzen und Massnahmen vorschlagen. Ich habe nun schon seit langer Zeit Tag und Nacht das Kulturprogramm von Radio DRS im Dauerbetrieb, um die Marder von einem Besuch abzuhalten. Herr Kreienbühl meint nun, dass sich Marder auch an gehobene Kultursendungen gewöhnen können und diese sogar schätzen lernen...

Am Nachmittag waren Monika und ich auf dem Grundbuchamt, um alle uralten Schuldbriefe, die noch von der Bank physisch aufbewahrt werden mussten aufzulösen und durch ein digitales Dokument zu ersetzen.  

Montag 23. September: Am Morgen bin ich nach Zürich gefahren. Wir hatten eine Sitzung zum Thema Honorarleitlinien. Um 12.30 Uhr begann dann die Sitzung vom Zentralvorstand und um 17 Uhr fuhr mein Zug nach Bern. Ich war als Vertreter von Visarte eingeladen im Casino zur Jahreskonferenz von der Parlamentarischen Kulturgruppe. Bundesrat Berset, Frau Chassot und viele Politikerinnen und Politiker trafen sich mit Vertreterinnen und Vertretern der verbände aus allen Kultursparten. Ein sehr guter Vernetzungsanlass. Um halb Eins in der Früh war ich wieder in St. Gallen.

Sonntag 22. September: Ein ruhiger Sonntag, mit einem Ausflug zur Probstei in St. Peterzell. Wir besuchten die Finissage der Sommerausstellung zum Thema "Luxus Privatsphäre, Mythos, Anonymität, mit Beni Bischoff, Armando Forlin, Mediengruppe Bitnik, Lika Nüssli, Skippi Summers und Herbert Weber. Kuratiert von Patricia Holder. Lika Nüssli machte zum Abschluss eine sehr berührende Performance. Anschliessend waren wir wieder einmal bei Amalie im Landgasthof Schäfle und haben alte Erinnerungen ausgetauscht. Vor einigen Jahren konnte ich das gesamte Programm vom Vexer Verlag in der Probstei präsentieren. Ich war dann beim Auf- und Abbau oft in diesem Restaurant.   

Freitag 20. September: Für heute Mittag hat sich eine grosse Gruppe Studierender der HGK Basel bei mir angemeldet. Die machen eine Tour de Suisse mit einem riesigen Kulturprogramm. In jeder Stadt die besucht wird, gibt es mehrere Besuchsangebote in Museen, Produktionsstätten, Grafikstudios, Künstlerateliers usw. Ich habe alles vorbereitet, das Atelier aufgeräumt, einen grossen Büchertisch aufgebaut, meine Bibliothek abgestaubt und einige aktuelle Kunstprojekte ausgelegt.

Die Studierenden waren sehr engagiert und interessiert an meiner Arbeit als Künstler und Verleger. 

An diesem Wochenende sollte ich gleichzeitig an mehreren Orten sein. In Berlin findet die Buchmesse im Hamburger Bahnhof statt. Ich hätte sehr gerne Vera unterstützt. Drei Messetage alleine durchzustehen ist sehr anstrengend. 

Donnerstag 19. September: Heute Nachmittag hatte ich ein Treffen beim Städtischen Liegenschaften Amt. Die Nebenkostenabrechnung für mein Atelier und das Lager sind für mich brutal. Da gibt es noch viel zu klären. Das Gespräch war sehr sachlich und nett. Die ausgestellte, sehr hohe Rechnung muss ich aber trotzdem bezahlen. Ich hoffe, dass sich die Berechnungen in Zukunft fairer gestalten, sonst muss ich die Stadt mit Kunst bezahlen.

Mittwoch 18. September: Ich gehe in letzter Zeit gerne zu Fuss in mein Atelier an der Lukasstrasse. Ich finde das viel angenehmer wie mit dem Fahrrad. Irgendwie kann ich beim Gehen besser nachdenken. Die Lukasstrasse ist sehr stark befahren und manchmal lebensgefährlich. Auf dieser Strasse müsste unbedingt ein Fahrradweg eingerichtet werden.
Ich habe im Moment eine neue Serie von Hochdrucken in Arbeit. Das macht richtig Freude. Ich weiss nicht, ob Emil Zbinden an meinem Tun an seiner historischen Kniehebelpresse Freude hätte. Ich experimentiere konzentriert an Zufallsdrucken.  Im Moment liegen schon dutzende von fast symmetrischen "Paardrucken" zum Trocknen ausgelegt auf dem Boden. Ich hoffe, dass sich die Marder an den neuen Blättern erfreuen.

Dienstag 17. September: Heute Morgen war wieder viel Betrieb. Die Handwerker im Haus, um 12 Uhr Besuch von Thomas Dillier aus Basel für eine Buchbesprechung des unbekannten Künstlers Peter Wirz. Am Nachmittag war ich dann schnell bei TGG für das Gut zum Druck des John Berger Projekts. 

Montag 16. September: Heute Morgen früh sind die Heizungsmonteure gekommen, um die Ölheizung zu ersetzen. Ich habe einige Bücherpakete zur Hauptpost gebracht und bin dann mit dem Schnellzug nach Konstanz gefahren um ein Eil-Paket an Vera nach Berlin zu senden. Das dauert nur zwei Tage. Auf der Fahrt konnte ich drei Zeitungen lesen und um 10 Uhr 30 war ich bereits wieder zu Hause. Eine schöne Fahrt vom Sonnenschein in den Nebel und wieder zurück.

Sonntag 15. September: Auch heute war frühes Aufstehen angesagt. Monika fährt mit einer Freundin für ein paar Tage nach Italien und ich habe einen Familientag. 

Samstag 14. September: Das Fest war grossartig. Eine Vollmondnacht mit Alpsegen, einem feinen, einfachen Essen, mit vielen sehr interessanten, internationalen Gästen aus der Architektur, der Kunst und aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Alle sassen an einem sehr langen Tisch. Der Abend war sehr anregend und es haben sich viele gute Gespräche ergeben. Geschlafen haben wir im einfachen Berggasthaus Stöffeli. Als Abschluss machten wir dann eine kleine Wanderung zum Schwendisee, zusammen mit einer Architektenfamilie aus Basel mit ihren drei Kindern. Das war richtig erfrischend und unterhaltsam. Auf dem Nachhauseweg besuchten wir die Eltern von Monika in Kriessern. Zu Hause arbeiteten wir dann noch im Garten. Ich fällte eine kleine Esche, damit unser Gemüsegarten nicht zu stark beschattet wird. 

Freitag 13. September: Heute ist das grosse Fest von Christine Binswanger und zwei von ihren Architektenfreunden. Alle drei feiern ihre fünfundfünfzigsten Geburtstage auf der Chäserrugg. 

Donnerstag 12. September: Heute erwarte ich die Bücherlieferung von Vincent Chablais. Ein wunderbares Projekt. Vera ist heute in Berlin mit den Vorbereitungen für die Präsentation des Buches von Zilla Leutenegger beschäftigt. Zilla macht vor Ort Wandmalereien. Ich wäre an diesem Wochenende auch gerne in Berlin. 

Mittwoch 11. September: Heute war ich schon um sieben Uhr unterwegs zum Atelier. der Liftmonteur muss einige Reparaturen machen. Um elf Uhr hatte ich dann eine Besprechung mit den Künstlern Michael Meier & Christoph Franz für ein Buchprojekt über eine spannende Kunst am Bau Arbeit, die sie für die Universität in Zürich ausführen konnten. Krispin Hee macht die Gestaltung. Es eilt. Die Eröffnung ist bereits am 23. Oktober.

Dienstag 10. September: Ich bin im Moment viel im Atelier an der Lukasstrasse. Ich bin sehr gerne in meiner Bibliothek. Jedes Buch ist eine Erinnerung an einen Anlass, eine Ausstellung, eine Begegnung oder an Inhalte. Ein Griff und Welten eröffnen sich...

Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren für die dritte Sitzung im Kunstverein. Die gemeinsame Stellungnahme von ganz verschiedenen Organisationen zur Kulturbotschaft wird sehr stimmig. Das gegenseitige Verständnis für kulturelle Fragestellungen wird dadurch gestärkt.

Montag 9. September: ich bin schon um sechs Uhr aufgestanden. Es hat sich einiges an Arbeit angestaut. Ich musste viele Bestellungen erledigen und um 8 Uhr stand ich schon im Grafikatelier TGG, um die Andrucke vom John Berger Buch zu kontrollieren. Das wird sehr schön. Das Gut zum Druck kann nun erteilt werden.

Am Nachmittag sind wir nach Gossau gefahren zur Abschiedsfeier von Ruedi Hanhart, dem ehemaligen Direktor des Kunstmuseums von St. Gallen. Der Friedhof liegt etwas ausserhalb von Gossau, direkt neben der Autobahn. Es ist nicht wirklich ein Ort der Stille. Monika und ich haben Ruedi und Dorina einige Male besucht im Terzianum in Gossau. Roland Wäspe hat eine sehr stimmige Rede gehalten, die Arbeit von Ruedi Hanhart gewürdigt und die Entwicklung des Kunstmuseums seit den fünfziger Jahren aufgefächert. Es hat sich wirklich viel getan seit dieser Zeit. Unvergesslich und unbegreiflich bleibt für mich immer noch die sehr lange, museumslose Zeit ab 1970 bis 1987. Das ist wirklich kein Ruhmesblatt für St. Gallen.

Sonntag 8. September: Ein müder Sonntagmorgen, lange geschlafen bei strömendem Regen. Eigentlich wollten wir an die Einweihungsfeier von der Madonna von Marlies Pekarek beim Pilgerort Maria Bildstein in der Nähe von Uznach. Leider war unser Auto nicht fahrtüchtig und wir genossen einen kunstfreien Tag.

Samstag 7. September: Sehr früh am Morgen habe ich im Atelier den Büchertisch vorbereitet und mit dem Staubsauger alle Räume, Nischen und Spalten ausgesaugt. Dann platzierte ich einige Skulpturen und das riesige, dreiteilige Triptychon "Spiegelung im Fluss" in meinen Räumen. Um 9.45 erwartete ich eine grosse Gesellschaft der Freunde des Kunstmuseums Basel. Die Besucher*innen waren sehr interessiert und auch sehr gut informiert. Ich habe viel erzählt über meine Anfänge in den späten 70er Jahren, über die Begegnung mit Jean Christoph Ammann 1980 und über den Beginn meiner bewegten Künstlerkarriere, mit der Konfiszierung von drei Bildern in Fribourg, den verschiedenen Gerichtsverhandlungen bis zum Europäischen Gerichtshof in Strassbourg. Der Atelierbesuch von so vielen kunstinteressierten Menschen hat mich sehr bewegt und hat mir grosse Freude bereitet. Bei den Gesprächen beim gemeinsamen Mittagessen habe ich erst bemerkt, dass einige der Besucher seit langer Zeit mit Werken von mir leben. Das war ein sehr guter Tag.

Freitag 6. September: Um sechs Uhr früh aus den Federn. Um halb Sieben die Zeitung gelesen und um halb Acht stand ich bereits im Atelier. Ich musste dringend meine Aufräumarbeiten zu Ende bringen. Die neue Ordnung beruhigt mich sehr. Alles wird transparenter und übersichtlicher. Ich habe auch schöne und emotional aufwühlende Briefe und Objekte wieder gefunden, die mich mitten in die 80er Jahre katapultiert haben. Das kommt alles in die Archivschachtel "Schöne Post".

Um 14.30 Uhr sind wir losgefahren für die Buchvernissage von Vincent Chablais in Bern, im Kunstraum Oktogon. Vincent Chablais hat dort eine sehr stimmige Ausstellung mit hunderten von Zeichnungen aufgebaut. Schichten über Schichten von losen, teilweise transparenten Blättern, die Gedanken, Räume und Konstellationen des Denkens und Empfindens transformieren. Die Publikation - Buch und Leporello zugleich wird durch die Ausstellung zum eigenständigen Kunstwerk. Es wird klar, dass jedes Werk, jede Zeichnung ein kleines, eigenständiges Teilchen eines grossen Ganzen ist, das man sich aber selber zusammendenken muss. Das Ganze Werk ist variabel und immer wieder veränderbar, wie unsere Gedankenwelt. Das Galeristen- und Sammlerpaar, Ferdinand und Elisabeth Oberholzer haben sehr schöne Ausstellungsräume und einen tollen Garten. Die Eröffnung war sehr gut besucht, das Buffet wunderbar und die Lesung von Julien Maret grossartig. Um 20 Uhr haben wir alles zusammengepackt und konnten noch mit Tageslicht losfahren. Ab Zürich hat es dann heftig geregnet. Ein insgesamt anregender und erfüllender Abend.

Donnerstag 5. September: In den letzten Tagen habe ich das ganze Atelier neu geordnet, aufgeräumt und das Lager vom Vexer Verlag optimiert. So viele Bücherschachteln habe ich schon lange nicht mehr herum geschleppt und den Kopf angeschlagen auch nicht. Beim Tragen von schweren Schachteln möchte man sich  ja so schnell wie möglich in eine optimale Stellung bringen und aufrecht gehen. Das heisst bei meinem abgeschrägten Dachraum, dass ich mit meinem Kopf immer wieder an die Dachbalken krachte. Da sieht man die Sterne und die Planeten durch das Dach hindurch. Autsch - der Saturn, Scheisse, schon wieder der Jupiter. 

Dienstag 3. September: Am Nachmittag hatten wir eine spannende Retraite im Ackersmannhof in Basel, mit SWIPS, den unabhängigen Schweizer Verlagen. 

Am Abend besuchte ich wieder einmal Stampas am Spalenberg zu einem fröhlichen Gespräch. Das dauerte dann so lange, dass ich zuerst rennen musste, um das Tram zu erreichen und dann den Zug. Ich habe es geschafft. Rennen, Tram fahren, rennen, rauf - Rolltreppe fahren, rennen, runter - Rolltreppe fahren, einsteigen, ein Pfiff und dann abfahren, tief durchatmen. Und das alles in 15 Minuten vom Spalenberg. 

Sonntag 1. September: Sonntag gleich Aufräumtag. Ich erwarte Atelierbesuch und das zwingt mich, wieder einmal das ganze Atelier zu ordnen und aufzuräumen. Leider habe ich nun den Abschieds Apéro vom Projekt "Der Grüne Henry" in Zürich absagen müssen. Wir konnten dazu das sehr schöne Begleitbuch im Vexer Verlag realisieren.

Samstag 31. August: Ich bin heute früh aufgestanden. Ich war als Künstler, Verleger und als Präsident von Visarte Schweiz in Wil eingeladen für eine Podiumsdiskussion zum Thema "Entschädigung für Kulturschaffende", anlässlich der Kulturkonferenz vom Amt für Kultur des Kantons St. Gallen. Das war ein spannender und inhaltlich sehr lebendiger Anlass. Bei dieser Gelegenheit habe ich wieder einmal Dorothea Strauss getroffen und ihren spannenden Vortrag gehört. 

Freitag 30. August: In den letzten Wochen waren wir stark beschäftigt mit der Organisation von Renovationsarbeiten an unserem Doppelhaus. Die Holzläden müssen abgelaugt, repariert und neu gespritzt werden. Die Heizung und der Kamin müssen nach 25 Jahren ersetzt werden. Das Dach wird abgedampft und die Dachtraufen und Abflussrohre werden neu gemacht. Unter der Solaranlage braucht es einen Schneefang etc. Ich freue mich schon auf das Gerüst. Dann kann ich endlich die Dachgauben neu streichen und die gute Aussicht geniessen.

Am Abend besuchte ich die Vernissage von Birgit Edelmann, Stefan Rohner und Andi Storchenegger im Historischen Museum. "wild, exotic, different". Das schön gestaltete Buch zur Ausstellung ist bei Judith Luks, in der edition clandestin erschienen. Ein Besuch lohnt sich. 

Donnerstag 29. August: Im Moment arbeiten wir bei Visarte an unserer Antwort an den Bundesrat auf die Kulturbotschaft. Viele unserer Anliegen sind in der Botschaft enthalten. 

Am Abend besuchten wir die Vernissage von Herbert Weber im Architekturforum in St.Gallen. Eine schöne, siebenteilige Filminstallation mit der Sicht auf sieben Meere. Beunruhigend sehnsüchtig. 

Mittwoch 28. August: Die letzten Tage war ich mit Aufräumen im Garten beschäftigt. Ich habe alles Weidenholz das ich heruntergeschnitten hatte verwendet, um unseren Steilhang zu schützen. Ich habe Weidenpfähle auf der Grenze zu den Nachbarn eingeschlagen und Weidenruten eingeflochten. 

Heute schichtete ich meinen riesigen Komposthaufen um. Ich riss alle grossen, nicht vermoderten Äste heraus und zersägte sie mit der Motorsäge zu Brennholz. Kleinere Äste und die lange Rosentriebe zerkleinerte ich und mischte sie in den Kompost. Nach rund fünf Stunden Arbeit liegt nun alles schön geschichtet bereit und wird bis zum Frühjahr zu wunderbarer Erde. Bei dieser Arbeit habe ich das grösste und schönste Schneckenhaus gefunden, das ich je gesehen habe. Ich habe das Gehäuse ans Ohr gehalten und welch Wunder, das gurgelnde, feine Plätschern eines frischen Weissweins beim Einschenken gehört. 

Sonntag 25. August: Heute hat es mich gepackt. Am frühen Nachmittag habe ich mich an unseren ehemaligen Nachbarn erinnert. Herr Beerle sass oft an Sonntagen auf seinen Bäumen im parkähnlichen Garten an der Parketteriestrasse. Mit weissem, zerzaustem Haar, das er jeweils mit einem Stirnband zähmte, schnitt er gutgelaunt seine Apfelbäume. Der ehemalige Kantonsschullehrer sah jeweils aus wie ein Hippy auf Urlaub. 

Bei dieser Erinnerung holte ich kurz entschlossen meine Säge und die grosse Auszugsleiter und stieg auf meine Kopfweide, die ich dann radikal aber mit Verstand kräftig zurück stutzte. Die Weidentriebe waren schon mindestens vier Jahre alt, rund 10 cm dick und sechs Meter lang. Kein leichtes Unterfangen. Mein Nachbar Hermann half mir dann mit einem langen Seil, die schweren Äste zu sichern und auf unser Grundstück fallen zu lassen. Die gute Stimmung und das schön einfallende Licht veranlassten mich dazu, auch noch den grossen Holunder und die Birke neu zu gestalten. Es war wie Malen im Freien. Wiederum ein guter Grund für Monika etwas feines zu kochen. 

Freitag 23. August: Heute war Administration angesagt. Liegengebliebener Bürokram, Zahlungen etc. So einer der Tage, wo man am Abend froh ist, dass er endlich vorbei ist. Heute hat Monika für einen schönen Tagesabschluss gesorgt mit einem feinen Essen. Elisabeth, Doris und Erich waren eingeladen. Ein sehr angenehmes, kleines Familienessen mit lustigen Anekdoten.

Donnerstag 22. August. Visarte - Zeit. Ich war am Nachmittag in Zürich, um mit Regine alle Pendenzen der Sommerzeit zu diskutieren. Um 18 Uhr besuchten wir gemeinsam die Eröffnung der wunderbaren Installation von Heinrich Gartentor auf dem Münsterplatz. Er hat mit vielen Helfer*innen in einer langen Nacht eine beeindruckende, vielfältige Magerwiese, Holzstege und zwei Linden aufgebaut. Die Wiese wurde vor mehr als einem Jahr von einer spezialisierten Gärtnerei in hunderten Pflanzbecken aus Plastik gesät und gepflegt. Nun ist die "künstlerisch geplante Natur" drei Wochen lang in Zürich zu bewundern. Mein Tipp an die Zürcherinnen und Zürcher: kauft euch Wanderschuhe und geniesst eine Woche Wanderferien im Alpstein oder noch besser im Jura. 

Mittwoch 21. August: Heute Haare schneiden und Massageöl kaufen. Beides waren gute Entscheidungen. Arnika bringts.

Sonntag 18. August: Nach drei Tagen mit wunderbaren Konzerten und intensiver Musik sind wir heute über den Klausenpass mit dem Auto zurückgefahren. Vor der Abfahrt haben wir uns noch die beeindruckende Ausstellung von Karolin Schreiber im Haus für Kunst angeschaut und ihr druckfrisches Buch gekauft. In Kriessern machten wir einen Halt im Riet. Die Eltern von Monika und Theo haben dort ein kleines Paradies mit einem Schopf mitten im Grünen. 

Das Alpentöne Festival war grossartig. Die Musik klingt immer noch nach. Schön war, dass man in den drei Tagen immer wieder die gleichen Musiker*innen in anderen Formationen erleben konnte. Ganz junge Musikerinnen und Musiker aus der Schweiz und aus Skandinavischen Ländern faszinierten durch ihre technisch fundierte und musikalisch hochstehende Spielfreude bei ihren teilweise selbst geschriebenen Stücken. Das Love Tree Ensemble spielte ein fulminantes Eröffnungskonzert. Höhepunkte gab es viele. das Volksmusik-Ensemble Alpinis, Töbi Toblers Hackbrettuniversum, "Zwingli im Alpstein", das Andreas Gabriel Ensemble mit "Verändler - eine kleine Synfonie" oder die Alpentöne Folk Big Band. Absolut umwerfend fand ich in allen Formationen die junge Musikerin Kristina Brunner.

Einfach grossartig.

Logiert haben wir im sehr sympathischen Zwyssighaus in Bauen, direkt am See. leider hatten wir keine Zeit da zu essen. Das hohlen wir aber sicher einmal nach.

 

Donnerstag 15. August: Maria Himmelfahrt - das passt,  ich fahre mit Theo mit dem Zug nach Altdorf für das internationale Musikfestival Alpentöne. Die Vorfreude ist gross.

Mittwoch 14. August: heute früh hatte ich einen Fototermin bei Stefan Rohner. Die letzten Bilder für das John Berger Buch. Am Nachmittag dann eine weitere Besprechung bei TGG mit Jonas Niedermann. Nun sollte eigentlich alles beisammen sein.

Dienstag 13. August. In den letzten Wochen habe ich mein Lager optimiert, Regale gezimmert und Bücher eingeräumt. ich habe viel spannende Kunst durchgesehen aus den 70er und 80er Jahren, die ich gesammelt habe. Teilweise ganz unbekannte Sachen.

Montag 12. August: Im Moment sind wir an den letzten Arbeiten für das Buch "Geografie der Freiheit - John-Berger-Projekt. Alles Material liegt bei den Gestaltern. Teilweise müssen Fotos noch einmal besser gemacht werden. Es nimmt kein Ende.

Am Nachmittag sind der Dachdecker und der Spengler vorbeigekommen um Offerten für die Sanierung des Hausdachs und der Dachrinnen vorzubereiten. Wir wollen einiges sanieren.

Sonntag 11. August: Laut meiner Agenda ist heute Opferfest in TR. Keine Ahnung was das bedeutet. Ich habe jedenfalls einen schönen Ruhetag.

Samstag 10. August: Heute habe ich bis 16 Uhr geschlafen. Wir waren gestern Nacht an einem wunderbaren Fest in Wil. Eveline hat mit rund dreissig Freundinnen und Freunden ihren sechzigsten Geburtstag gefeiert. Sie hat dazu eine tolle Band aus Köln eingeladen. Die Musik war so fetzig, dass ich wieder einmal eine Nacht richtig wild durchgetanzt habe. Es war ein super Fest mit guten Gästen, die ich teilweise auch zum Tanzen animieren konnte. Eine tolle Stimmung bis lange nach Mitternacht. Um zwei Uhr kam dann noch eine sehr nette Delegation der Kantonspolizei vorbei. Zwei Männer und eine Frau. Es war wirklich sehr speziell. Ich glaube die hätten am liebsten mitgefeiert aber sie waren ja im Dienst. Irgendwann hat mich dann Monika in das Auto von Freunden verpackt und ich bin dann zuhause im Tiefschlaf ins Bett gekrochen. 

Freitag 9. August: Die letzten Tage habe ich vor allem gewartet auf die Bücher von Marta Pohlmann-Kryszkiewicz. Eine interessante Künstlerin, die in Berlin lebt. Vera hat dieses Projekt betreut und es macht richtig Freude. Inhaltlich und thematisch knüpft diese Publikation nahtlos an an den Fotografien von Wolfram Hahn, obwohl beide Künstler fotografisch komplett unterschiedlich arbeiten. Ja und nun sind die Bücher nach langem Nachfragen bei der Spedition endlich da. 

Ich habe dann die Zeit an der Lukasstrasse genutzt, um mein neues Lagesystem weiter voran zu bringen. Heute war es besonders heiss. Ich habe die Türe zum Flur und alle Dachluken geöffnet um den Dachstock richtig durchzulüften. Das kam bei einem Mieter im gehobeneren, gepflegt heruntergekühlten Hausteil gar nicht gut an. Ich kam mir vor wie ein Flüchtling in der Wüste. 

Dienstag 6. August: Jeder Morgen beginnt bei mir mit einem ausgiebigen Spaziergang durch den Garten. Das stetige kontrollieren vom Wachstum der Nutzpflanzen, der Unkrauter und der Schnecken. Die Schnecken sammle ich ein und schicke sie anschliessend in die Ferien. Es gibt ja Gärtnerinnen, die zerstückeln die Schnecken oder ersäufen sie in heissem Wasser oder sie verwenden diese entsetzlichen Schneckenkörner. In die Ferien schicken finde ich viel besser. Ein Ferienparadies ist bei mir der riesige Komposthaufen. Da lege ich alle vegetativen Leckerbissen rein. Wie in einem "all inclusiv hotel" sozusagen. Die Schnecken danken mir das mit einem enormen Wachstum. Ich erziehe sie so zu vegetarischen Verwertern, die nur das Fressen, was welk am Boden liegt. Wenn sich dann eine Schnecke doch ausnahmsweise an einem wachsenden jungen Salat vergeht, nehme ich sie zuallererst in eine Gesprächstherapie. Wenn das nichts nützt schenke ich sie dem Nachbarn. Ja so mache ich das.

Heute hatte ich nicht so viel Zeit für meine Schnecken. Ich musste am Mittag in Zürich sein für eine Buchbesprechung. Ich traf Nicole Rampa im Bistro vom Landesmuseum. Wir konnten alle Fragen klären und anschliessend traf ich mich mit Simon Maurer im Helmhaus, um die Buchpremiere zu bereden. Das war ein sehr nettes Gespräch und die Buchvernissage findet nun am Donnerstag 3. Oktober um 17.30 mit einer Lesung statt. Yael Inokai hat sehr feinfühlige und stimmige literarische Portraits von Schweizer Kulturschaffenden geschrieben, die in New York leben. Dazu gibt es Fotoserien und Illustrationen. Ich freue mich auf dieses Buch. 

Montag 5. August: heute habe ich wieder einmal gewartet auf eine Büchersendung. Das ist manchmal zum Verzweifeln. Bei mir erzeugt Warten immer eine totale Blockade. Ich könnte ja arbeiten und warten gleichzeitig aber das gelingt mir selten. 

Sonntag 4. August: Gestern und heute habe ich im Atelier gearbeitet um mein Bücherlager zu optimieren. Ich habe ein grosses Regal gebaut für die wertvollen Restauflagen von den Vexer Büchern. und versuchte eine bessere Ordnung für die vielen Paletten zu erreichen. Es gibt noch viel zu tun. Heute war es so heiss unter dem Eternitdach, dass ich es nur drei Stunden ausgehalten habe. Ich trank literweise Wasser, das dann aber förmlich aus allen Poren spritzte. 

Am Nachmittag kommt Monika zurück aus den Ferien. Freude herrscht allenthalben. Ich freue mich schon auf das gemeinsame Spazieren durch unseren Garten. Es wächst und gedeiht wie nie zuvor. Wir haben Gurken, Zuccini, Kartoffeln, Mais, viele verschiedene Gemüse, viele Kräuter und Tee.  Im Moment würde das alles für eine Grossfamilie reichen. 

Samstag 3. August: In den letzten Monaten habe ich täglich Unkraut aus meinem Kiesplatz gepflückt. In den letzten Tagen hat es mich total gepackt und nun gibt es kein Gräschen, keinen Löwenzahn und keinen Spitzwegerich mehr auf dem Platz. Die ganze Aktion hatte etwas sehr reinigendes. Mal sehen wie lange das anhält und wie lange es dauert bis wieder Gras wächst. Ich finde einfach ein Kiesplatz ist ein Kiesplatz und keine Wiese - oder? Ich habe mir viele Methoden beschreiben lassen. Viele verwenden Gift. das mache ich natürlich nicht. Andere versuchen es mit dem Abbrennen der Pflanzen. Nun hat mir mein Bruder gesagt, dass man die Pflanzen auf keinen Fall verbrennen darf. Das stört nämlich die Pflanzen nicht. Sie wachsen nachher einfach noch stärker. Man darf das Unkraut nur "anwelken"  mit dem Bunsenbrenner. Und das am Besten alle zwei drei Tage nacheinander. Das Anwelken bewirkt ein Zerstören des Eiweisses und das überleben Pflanzen nicht. Ich habe aber alles von Hand gemacht. Jedes einzelne Pflänzchen ausgezupft und kompostiert.

Mein Nachbar sagte zu mir, dass das was ich mache das Gleiche sei wie Malerei, dass ich aber mit Graszupfen kein Geld verdienen könne. Hermann hat einmal mehr Recht.

Donnerstag 1. August: heute besuchte mich die Journalistin und Kunsthistorikerin Nadia El Beblawi, um über meine geplante Arbeit für die nächste Skulpturenausstellung in Bex zu sprechen. Das Thema der Ausstellung ist die "Industrialisierung". Ich wollte ursprünglich aus alten Autopneus einen Turm bauen, mit Erde füllen und darin Kartoffeln pflanzen. Anleitungen dazu findet man im Internet. Es wurde mir dann vermittelt, dass im historischen Park von Bex keine fremden Pflanzen gesetzt werden dürfen. Schade eigentlich. Ich wollte mit der Ernte im Herbst ein Kartoffelfest mit Manifest veranstalten als Hilfe zur Überwindung des Röstigrabens. Nun hänge ich einen alten Autoreifen auf einen Fahnenmast. Den müssen oder können dann die Besucher*innen begrüssen. Der Titel heisst Windrad. Ein im Wind baumelndes Symbol für unsere wahnsinnige Mobilität. Das ist gar nicht lustig - gell. 

Dienstag 30. August: Am Morgen habe ich hunderte von E-Mails beantwortet und die angestaute Post beantwortet.  Am Nachmittag sass ich bis zum Abend bei Jonas Niedermann bei der TGG vor dem Bildschirm, um das ganze John Berger Buch durch zu arbeiten. Wir haben einiges vereinfacht. ich bin sicher, dass nun alles gut kommt. In meiner totalen Erfülltheit habe ich mich spontan zu einem Spaziergang zu den drei Weihern entschieden. Ein richtig schönes Heimkommen war das.

Montag 29. Juli: Venedig war grossartig aber extrem anstrengend. Die Biennale war zu grossen Teilen ziemlich enttäuschend. Viele schlechte  Ausstellungen in den Länderpavillons. Ich bin der Meinung, dass wir im Moment eine  Kriese der Kuratorinnen und Kuratoren erleben. Die Arsenale und die Hauptausstellung bringt viel Überraschendes. Der Kurator Ralph Rugoff hat viele interessante Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die ich nicht kannte. Es gab viel zu entdecken in der Ausstellung "May you Live in Interestin Time". Christian Marclay hat ein überragendes Filmwerk geschaffen. ich fand auch die viel kritisierten Einbauten sehr gelungen und beruhigend für dien Kunst. Auch das Konzept von allen Teilnehmenden Arbeiten an zwei ganz unterschliedlichen Orten zu zeigen fand ich spannend. Erinnern regt zum Nachdenken an. Ein Höhepunkt in Venedig war die Ausstellung von Luc Tuymanns im Palazzo Grassi. Die teilweise riesigen Malereien wurden unterstützt durch sehr starke, kleine frühe Arbeiten, die inhaltlich aufgeladener waren wie die neueren Werke. Hier wird es einem einfach schwindelig, wenn man an das unsagbar viele Geld und die damit verbundene Marktmacht denkt, die diesem Sammler zur Verfügung steht. Gefallen hat mir auch die Präsentation von Georg Baselitz. In einem kurzen Film spricht er sehr ehrlich und erstaunlich sympathisch über seine Altersgebrechen, seine Zusammenbrüche und psychologischen Probleme. Im Film sieht man an den Spuren auf dem Atelierboden, dass Baselitz seine Bilder nicht verkehrt an der Wand, sondern auf dem Boden malt und dann kopfüber aufhängt. Das ist kein malerischer sondern ein strategischer Akt. Interessant finde ich auch, dass es bei den letzten Bildern nicht aufwärts, sondern abwärts die Treppe runter geht. 

Mein Kopf ist ziemlich voll von Bildern, die ich nun verarbeiten muss. Monika hat mich gestern in Gravellona ausgeladen und ich bin mit dem Zug nach Hause gefahren. Sie macht mit ihren Freundinnen noch eine Woche Ferien in Agrano. Ich habe diese Woche viel zu tun mit der Begleitung der Gestaltung von unserem John Berger Buch. 

Mittwoch 24. Juli: Heute geht's los nach Italien. Monika fährt Eveline, Lissa und mich per Auto nach Venedig. Ich bin ja sehr gespannt auf die Biennale, die Arsenale und auf die vielen Ausstellungen in den Palästen von Venedig.  

Mittwoch 17. Juli: Heute ist bereits ein sehr positiver Artikel erschienen zu meiner Ausstellung im Tagblatt von Baden Baden. Geschrieben von Rainer Braxmaier. Grosse Freude herrscht.

Am Morgen hatten wir eine erste Sitzung bei TGG um das John Berger Buchprojekt zu besprechen. Wir konnten schon sehr viele Eckpfeiler bestimmen. Endlich geht es in die Schlussphase. ich freue mich riesig.

Am Nachmittag hat mich Karin Mairitsch besucht. Sie arbeitet an einem spannenden und sehr exklusiven Künstlerbuch, das sie im Vexer Verlag herausgeben möchte, wenn die Finanzierung gelingt.  

Sonntag 14. Juli: Alles ist sehr gut gelaufen. Eine sehr schöne Ausstellungseröffnung mit einem spontanen Konzert von einem Koreanischen Musiker, der auch bei Karl Manfred und Suzanne wohnt und eine Sommerakademie in Baden Baden besucht. Das war grossartig. Ich habe mich sehr gefreut, dass einige gute Freunde aus der Schweiz angereist sind. Ein toller Sonntag. Wir sind dann am Nachmittag nach St. Gallen zurückgefahren, dieses Mal über Basel. Wir hatten viel Stau wegen Autounfällen aber schlussendlich ist alles gut gegangen. ich bin total auf der Schnauze aber sehr glücklich.

Samstag 13. Monika und ich hatten eine sehr strenge Aufbauwoche. Nun ist alles geschafft und wir können heute unseren vierzigsten Hochzeitstag feiern. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf die kommende Eröffnung. 

Montag 8. Juli: Am Wochenende habe ich noch einmal richtig Gas gegeben und eine grosse Serie von Malereien auf Papier geschaffen. Neun grosse, bunte Portraits sind entstanden mit dem Titel "Spaziergang im Regen". jetzt kann ich alles verpacken und dann geht die Reise los nach Baden-Baden. Wir hatten eine lange aber gemütliche Autofahrt über den Schwarzwald mit vielen Umleitungen und wurden von Karl Manfred und Suzanne sehnlichst erwartet. 

Freitag 5. Juli: Heute sind endlich die Bücher von Sally De Kunst eingetroffen, die ich schon vor mehr wie einer Woche erwartet habe. Sally leitete vom Januar 2015 bis Dezember 2018 die Künstlerresidenz der Migros in Romainmôtier. Das Buch mit dem Titel "This Book is yours" bietet auf über 300 Seiten Rezepte für künstlerische Kollaborationen und wurde konzipiert und  herausgegeben von Sally De Kunst, Julien Babel, Alberto de Andrés, Valentine Paley, Gosie Vervloessern & Julien Vuilleumier. Das ganze ist eine Koproduktion vom Vexer Verlag und art&fiction publications. Eine richtig gefreute Sache ist das geworden.

Donnerstag 4. Juli: Am Nachmittag fuhr ich nach Zürich für ein Künstlergespräch mit Christoph Haerle, das in der Galerie und Edition Stephan Witschi stattfand. Christoph konnte eine grosse Kunst am Bau Arbeit realisieren für den Spitalneubau in Solothurn und hat eine ganz neue Technik entwickelt, um mit eingefärbtem Beton eine riesige Mauer zu giessen. Eine sehr eindrückliche Arbeit. Ich habe mich sehr gut verstanden mit Christoph und unser Künstlergespräch wurde sehr lebendig und anregend. Ein guter Abend mit einem sehr grossen und interessierten Publikum. 

Mittwoch 3. Juli: Ich bin sehr früh aufgewacht und hatte viel Zeit für den kleinen Soan. Kinder sind einfach wunderbar und Soan natürlich noch viel besser...

Dienstag 2. Juli: Die Diskussionen haben sich gelohnt. Wir konnten sehr viele Fragen besprechen und neue Themen setzen für unseren Berufsverband visuelle Kunst. Christian hat unsere Retraite wunderbar vorbereitet und eine gute Arbeitsatmosphäre geschaffen.  Am Abend bin ich nach Bern gefahren zu Dimitri Reist, um das Buchprojekt von Vincent Chablais zu besprechen. Das wird eine sehr spannende Publikation. Ein Leporello von 75 Meter Länge. Ich war dann aber ziemlich geschafft und bin erst gegen Mitternacht wieder in St. Gallen eingetroffen. 

Montag 1. Juli: Heute bin ich sehr früh aufgestanden. Ich muss nach Saint Croix im Jura fahren für die Retraite von Visarte. Das werden sicher zwei sehr spannende Tage. 

Samstag 29. Juni: Monika und ich sind am Mittag nach Winterthur gefahren, um Vera, Jeremie und Soan zu treffen. Wir haben uns riesig auf unseren kleinen Enkel gefreut. Er kommt einige Tage zu uns nach St. Gallen. das wird ein richtiges Fest.

Freitag 28. Juni: Monika und ich sind nach Zürich gefahren für die Eröffnung der Ausstellung "Der grüne Henry". Die Ausstellungen von Judith Albert, Isabelle Krieg, Rémy Markowitsch, Yves Netzhammer, Ursula Palla und Mario Sala sind sehr gut geworden. Ein richtig inspirierender Kunstparcours durch Gottfried Kellers Zürich ist entstanden. Eine sehr angenehme Vernissage.

Mittwoch 26. Juni: Ich bin in seit Wochen sehr stark beschäftigt mit der Vorbereitung meiner Ausstellung in Baden Baden. Ich habe sehr viel gezeichnet und es sind grosse Werkblöcke entstanden. langsam werde ich etwas ruhiger aber es gibt noch viel zu tun.

Am späten Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren für eine Besprechung zur Kulturbotschaft. Das war sehr konstruktiv und spannend. 

Dienstag 25. Juni: Gestern sind die Bücher eingetroffen zur Ausstellung "Der grüne Henry". Ich bin sehr glücklich mit dem Resultat. Wir sind dann gleich nach Russikon gefahren, um die Kataloge abzuliefern. Am Donnerstag findet die Pressekonferenz im Zunfthaus zur Meissen statt.

Sonntag 23. Juni: Nach unserem Fest sind wir früh aufgestanden. Wir mussten nach Bellelay in den Jura fahren für die Buchpremiere von Zilla Leutenegger. Eine sehr schöne Ausstellung und ein tolles Buch mit dem Titel "Pianos & Melonen", mit Texten von Marina Porobic und Kathleen Bühler. Wir packten die Bücher für den Vexer Verlag in unser Auto und haben uns entschlossen, in Biel noch die Robert Walser Skulptur von Thomas Hirschhorn anzuschauen. Kathleen war auch in Bellelay und hat uns erzählt, dass sie im Kunstmuseum Bern eine Auszeit genommen hat, um täglich in Biel vor Ort die Ausstellung zu betreuen. Die Arbeit und das Rahmenprogramm sind wirklich beachtlich. Thomas wirkte sehr beglückt. Es war sehr heiss. Wir haben es nicht lange ausgehalten und ich habe mich gefragt wie sich wohl Robert Walser in dieser brachialen Kunstwelt fühlen würde wenn er denn könnte. 

Unsere Heimfahrt nutzten wir für einen intensiven und langen Kunst und Kulturdiskurs über Gott, Tomas Hirschhorn, Zilla Leutenegger und die Welt. 

Samstag 22. Juni: Heute war die Familie Hutter bei uns zu Gast. Das war ein wunderbares und lustiges Zusammentreffen. Ich habe seit langer Zeit wieder einmal einen grossen Lammgigot am Drehspiess gebraten. Ein grossartiges Essen mit dankbaren Gästen.

Donnerstag 20. Juni: Am Abend besuchte ich die Eröffnungen von Muda Matthis und Elisabeth Nembrini im Hiltibold. Anschliessend war im Nextex eine Diskussionsrunde mit jungen Kuratorinnen. Das war wirklich spannend und mir ist bewusst geworden, dass Kuratorinnen heute oft mit ähnlich prekären Arbeitssituationen leben müssen wie Künstlerinnen.  

Dienstag 18. Juni: Um 12 Uhr begann die Jurysitzung zum Prix Visarte. Eine spannende Runde mit der Archhitektin Tilla Theus, der Kuratorin Charlotte Laubard, der Galeristin Barbara Seiler und dem Künstler Kerim Seiler. Geleitet wurde die Sitzung von Christoph Doswald. Es gab sehr überraschende und spannende Entscheidungen, nach intensiven Diskussionen. Das war ein richtig guter Nachmittag. Am Abend war ich in der Kunsthalle in St. Gallen zum Freundesessen eigeladen. Die Kuratorin Maren Brauner machte eine spannende Einführung zur Ausstellung "The Promise" von Ella Littwitz. 

Sonntag 16. Juni: Heute sind wir früh losgefahren für die Ausstellungseröffnung VEH LANDSCHAFTEN im Talmuseum St. Antönien. Der Buchgestalter Peter Zimmermann hat mich vor einigen Wochen angefragt, ob ich bereit wäre, den Katalog zu dieser Ausstellung heraus zu geben. Ich habe zugesagt weil einige Künstlerfreunde mit dabei sind die ich sehr schätze. U. A. Hans Danuser, Klodin Erb, Gerber & Bardill, Hans Krüsi, Andres Lutz, Ursula Palla, Roman Signer und Agatha Zobrist … Dsas war ein sehr schönes Zusammentreffen in den Bergen. 

Samstag 15. Juni: Die Tage in Basel waren anstrengend aber insgesamt sehr erfolgreich. Ich habe viele Termine war nehmen und an einigen Projekten weiter arbeiten können. Von Ute Schendel habe ich zum Beispiel eine wunderbare Portraitserie von John Berger bekommen für das geplante Buch "Geografie der Freiheit".

Donnerstag 13. Juni: Am Nachmittag musste ich meinen Büchertisch sich selbst überlassen. Ich war eingeladen von Pro Helvetia für eine Podiumsdiskussion zum Thema Künstlerhonorare. Das war eine spannende Diskussion mit internationaler Besetzung vor viel Publikum im Innenhof der Kaserne. das Thema einer gerechten Bezahlung von Kunstschaffenden wird uns bei Visarte noch lange beschäftigen. 

Mittwoch 12. Juni: Ich bin relativ stressfrei nach Basel gefahren für die Buchmesse "i never read", habe meine Sachen bei Esther und Max deponiert, habe dann meinen Rollkoffer zur Kaserne getragen (ein Rad hatte sich verklemmt) und ich versuchte dann leicht vor mich hin pfeifend, alles ordentlich aufzubauen, was mir auch ganz gut gelang. Ich hatte ja vorab vier oder fünf  sehr schwere Schachteln, gefüllt mit Büchern per Post nach Basel geschickt. Ja und nun sass ich Schulter an Schuler mit Gloria Wismer von der Edition Patrik Frey in der alten Reithalle und wartete ab 18 Uhr auf die ersten Kunden.  Um 22 Uhr bin ich dann ziemlich müde in ein Gartenrestaurant im Quartir gesessen. Die Küche war schon geschlossen. Ich konnte dann noch ein "Wurstsalätchen" bestellen, dann war fertig. Ich habe mir dann in der nächsten Quartierbeiz ein Glas Wein bestellt. Am grossen Tisch sass eine Gruppe sehr fröhlicher Japaner*innen. Die genau gleiche Truppe wie vor zwei Jahren. Um 23 Uhr war definitiv Schluss. Der Wirt hatte genug von diesem ART - Kunstpublikum. Eine Feststellung, die mir für die Kunstmesse Sorge macht. Die Messe wird in den Quartieren nicht mehr als super Event war genommen. es ist eine Reserviertheit zu spüren, die mich sehr nachdenklich stimmt. Die ART ist für die Basler*innen  kein Fest der Kunst mehr, sondern eine perverse manifestation des internationalen Kapitals. Die Menschen spüren, dass alles viel zu gross angerichtet wird und dass die Quartierbewohner und die Restbasler*innen von diesem Spekulantenfest ausgeschlossen sind. Die einfachen Menschen bezahlen unter Anderem wegen diesem Luxusevent schlicht und einfach mehr Miete.

Dienstag 11. Juni: Ich habe mich heute auf die Buchmesse in Basel vorbereitet.  Monika und Vera haben in Berlin extra ein Kreditkartengerät für mich besorgt. Nun haben wir versucht, das Ding zu aktivieren. Monika hat das in Deutschland bestellt weil das nur die Hälfte kostet wie ein Gerät das in die Schweiz spediert wird. Nun hat sich herausgestellt, das das Gerät in der Schweiz nicht funktioniert. ja nun stehe ich in Basel wieder da wie ein altbackener verlegener Verleger, der nur Bargeld akzeptiert. (Ich werde auch das überleben)

Ja und am Abend war mein Rollkoffer vollgepackt mit exklusiven Büchern, einem Quittungsblock, der tscheppernden Kasse mit Kleingeld, einigen Paar Socken, Unterhosen, Hemden und alles was zum Mann dazugehört. Ich habe dann ganz ruhig geschlafen. Ich war mir sicher, alle Termine waren sorgfältig notiert, die Wohnadresse bei Esther und Max kannte ich. Die Träume in der Nacht waren dann doch etwas unruhig. Ich sah riesige Menschenschlangen vor meinem Bücherstand, niemand bediente und ich suchte dauernd nach Kleingeld. 

Montag 10. Juni 2019: Heute haben wir einen wirklich freien Tag. Das Pfingstwochenende war toll. Wir haben viele Veranstaltungen am Literaturfestival "Kleiner Frühling" in Appenzell besucht. Es gab hervorragende Lesungen, gute Musik, hintersinnige Kunst und feine Gespräche. Es ist einfach grossartig, was Agathe Nisple und  Carol Forster mit vielen, hochmotivierten, kompetenten Freundinnen und Freunden zustande bringen. Weltklasse und das in Appenzell.

Ich habe zu Hause alle neu entstandenen Arbeiten für Baden Baden sortiert und gebündelt. Gegen Abend sind wir (Monika und ich) zwei Stunden in mein Atelier gegangen um einiges an Kunst von Freunden  zu verstauen. Dabei haben wir viele kleine und grosse Entdeckungen gemacht. Wenn ich meine geplante Ausstellung in Baden Baden geschafft habe, werden wir mal einen Monat das ganze Kunstlager durchstöbern und neu sortieren. Das wird ein Fest der vergangenen Zeiten und ein Fest für die Zukunft. Ich habe da so meine Ideen, wie das ganze Archiv spannend aufgearbeitet und potenziert werden könnte. 

Donnerstag 7.  Juni: Heute musste ich 5 schwere Bücherpakete zur post bringen für die kommende Messe "i never read" in Basel und für eine Buchpremiere im Binz in Zürich. Am Abend war dann die Vernissage von Alex Hanimann im Kunstmuseum. Lange Reden, kurzer Sinn, viele Bekannte Gesichter, ein unterhaltsamer Abend im Baratella mit altbekannten Freunden. Was will man mehr. Die Ausstellung werde ich sicher noch einmal anschauen. Für mich gibt es vieles zu hinterfragen. Ich kenne Alex seit 1980. Ich habe ihn damals eingeladen zu einer Einzelausstellung in der St. Galerie. Er hat dort seine erste Wandmalerei realisiert. Wir haben damals auch einen kleinen Katalog gedruckt. In den 80er Jahren haben wir auch einige Bücher von Alex herausgegeben und wir arbeiteten bis 1984 im gleichen Atelierhaus an der Haldenstrasse. Das war eine gute und produktive Zeit.

Mittwoch 5. Juni: Gestern hatten wir Besuch von Alice aus Liestal. Wir haben uns lange nicht gesehen und es gab viel zu erzählen. Nun bereiten wir uns vor auf eine erste Besprechung mit Jonas und Roland von TGG für die Gestaltung von meinem John Berger Projekt "Geografie der Freiheit". Monika hat zum Glück vor einiger Zeit beschlossen, dass sie wieder im Verlag mitarbeiten möchte. Sie macht die ganzen Textkontrollen und die Kommunikation mit den Beteiligten.  Es macht richtig Freude. Ich glaube das Projekt wird richtig gut. Alle Beiträge sind nun zusammen und wir sind hoch motiviert. 

Sonntag 2. Juni: Ein ruhiger, geruhsamer Tag zu Hause mit einem Ausflug an den Bodensee am frühen Abend. Monika hat ein Geburtstagsessen für unsere Nachbarin Elsbeth und für ausgewählte Gäste vorbereitet. Ein sehr schöner Abend, an dem wir in diesem Jahr das erste mal im See schwimmen konnten. 

Samstag 1. Juni: Nach dem grossen Fest von gestern musste ich mich richtig aus dem Bett quälen. Ich hatte mich angemeldet für eine kleine Buchmesse im EXREX. das Kino ist ausgeräumt und wird ein paar Monate für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Ich bin mit meinem Bücherwagen anmarschiert und habe alles ausgebreitet. Der Tag hat sich gelohnt. Ich konnte zwei kleine, sehr schöne, aquarellierte Zeichnungen von Lika Nüssli kaufen. Es gab auch einige sehr überraschende Begegnungen und anregende Gespräche. 

Samstag 31. Mai: Die Woche war sehr arbeitsintensiv. Ich malte an meinem grossen Herbstbild und liess mich verzaubern von den Farben. 

Am Abend hatten wir ein wunderbares Essen, gekocht von Monika. Die Gäste waren Anita Hohengasser mit ihrem Mann und Hans Jörg Bachmann. Ich fühlte mich gleich wieder in die 80er Jahre zurückversetzt. Die damaligen Kulturdiskussionen, der Aufbruch in der Kunstszene etc. Es ist ziemlich spät geworden. 

Samstagabend 25. Mai: An diesem Wochenende hatten wir eine grossartige Delegiertenversammlung von Visarte in Fribourg. Die Organisation war perfekt. Das Kulturprogramm war spannend, die Diskussionen an der Versammlung waren sehr konstruktiv, das Essen sehr fein und überraschend und die Gespräche wohltuend und freundschaftlich. 

Ich musste die Gesellschaft etwas früher verlassen, weil mich Nicole Rampa, die Herausgeberin des Buches "Schweizer Kunstschafende in New York" in Basel zusammen mit dem Grafiker treffen wollte. Ich hatte dann etwas Pech, weil meine ältere Taxifahrerin mehr als eine halbe Stunde durch Basel gekurft ist und das Ziel nicht gefunden hat. Ich bin dann etwa 45 Minuten zu spät angekommen. Das Treffen war aber sehr ergiebig. Wir sind wieder einen grossen Schritt weiter und Nicole kann beruhigt wieder nach NY zurück fliegen. Zugfahrten in der Nacht finde ich immer sehr anstrengend. Ich war dann aber zum Glück schon um 22 Uhr wieder in St. Gallen. 

Donnerstag 23. Mai: Ich habe in den letzten Wochen intensiv an meiner Ausstellung für Baden Baden gearbeitet. Ich bin aber auch froh um kurze Pausen während dem Malen. Um 14 Uhr hatte ich einen Ortstermin mit dem Architekten im Marthaheim. Der Bau ist schon weit fortgeschritten. Heute mussten wir die Dimensionen der geplanten Leuchtkästen  kontrollieren. Die Bildfelder waren mit blauem Klebeband umrissen, damit sich die Bauherrschaft die Grösse der geplanten Werke vorstellen kann. Die präzisen Masse werden wir aber erst nach dem Einbau der Decken und der Böden machen können. Diese beruhigende Besichtigung habe ich anschliessend mit einem wohltuenden Stadtspaziergang abgerundet.

Mittwoch 22. Mai: Monika und ich haben am Nachmittag an der Abschiedsfeier von Marianne Schatz teilgenommen in der Linsenbühl Kirche. Das war ein richtig berührender Anlass. 

Montag 20. Mai: In unserem Quartier sind viele bauliche Veränderungen geplant. Heute um 11 Uhr präsentierte uns der Architekt Juerg Keel das Bauprojekt, das an der Brauerstrasse 27 in unmittelbarer Nachbarschaft von uns realisiert werden soll. Unser Grundstück wird in einigen Jahren eine Oase inmitten von grossen Bauten sein. 

Am Abend besuchte ich die Hauptversammlung vom Verein Buchstadt St. Gallen in der Stiftsbibliothek, mit einer Führung von Cornel Dora. 

Sonntag 19. Mai: Am Morgen sind wir zusammen mit Menga nach Ittingen gefahren zur Eröffnung der Ausstellung l'univers de Germaine von Muda Matthis und Sus Zwick und Hip Matthis. Eine gute Zeitreise mit einer spannenden Frau. Ich war auch gespannt auf die Arbeit von Till Velten. Am Nachmittag sind wir dann ins Rheintal gefahren und haben gemeinsam den Neubau vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez besichtigt. Andy Senn hat ein sehr ansprechendes Schulhaus gebaut.  Wir wollten natürlich unbedingt die Kunst am Bau Arbeit von Elisabeth Nembrini sehen. Zusammen mit Corinne Schatz haben wir zu dieser Arbeit die Kunst und Bau Nummer 8 im Vexer Verlag herausgegeben. 

Samstag 18. Mai: Ein wunderbares Essen mit Freunden in Rorschach. 

Freitag 17. Mai: Heute bin ich nach Bern gefahren für eine weitere Buch Besprechung mit Lisa Hoever. Das dauerte bis nach Mittag. Das gemeinsame Treffen mit der Grafikerin Franzi Schott - Schiebig und mit dem Lyriker Michel Mettler war sehr produktiv. Ich freue mich auf dieses Buch. Das wird sehr schön auch mit den Texten.

Um 18 Uhr war ich wieder in St. Gallen und bin direkt zur Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle gegangen. Ella Littwitz hat eine sehr starke Ausstellung eingerichtet, die von Maren Brauner kuratiert worden ist. Nach der Eröffnung bin ich kurz nach Hause und habe dann gegen 22 Uhr Monika vom Bahnhof abgeholt. Sie ist zurück aus Berlin und total hingerissen von unserem kleinen Enkelsohn. Ich glaube sie hatte schon im Taxi in Berlin Heimweh nach dem Kleinen.

Mittwoch 15. Mai: Die Podiumsdiskussion gestern Abend war sehr spannend. Ich habe viele Anregungen durch das Gespräch erhalten. Ich habe unter Anderem auf das Bauhaus verwiesen und auf die Künstler die dort gearbeitet haben. Klee, Kandinsky und Johannes Itten. In diesem Zusammenhang erfuhr ich schon am Nachmittag durch meine Architektenfreunde, dass sich damals Itten und Gropius zerstritten haben wegen der sektiererischen Haltung von Itten und seinen Anhängern. Die Mazdaznan Bewegung kannte ich gar nicht. Ein Freund hat mir erzählte dann am Abend, dass es bis in die 80er Jahre auch in Herisau eine Gruppe der Mazdazianer gegeben hat. Eine kuriose, teilweise rassistisch argumentierende, spirituelle Heilslehre. Zum Schaudern... der Farbkreis und die Farbenlehre von Johannes Itten erscheint für mich nun in einem ganz anderen Licht. Die Farben haben sich sofort etwas verschattet und verdunkelt. Heute Abend gehe ich wieder einmal in die Kellerbühne. Der Sohn von Hans Jörg Geiger und von Sophie präsentiert sein erstes Soloprogramm.

Dienstag 14. Mai: Am Mittag hatte ich einen Baustellentermin in Zürich. Ich bin erleichtert, denn das langwierige Projekt klärt sich langsam Punkt für Punkt. Das modifizierte, frisch betonierte Fassadenteil ist sehr viel skulpturaler geworden. Die Faltung ist nun in der Schattierung stärker sichtbar. 

Es wird interessant, das Projekt mit den farbigen Gläsern weiter zu entwickeln. heute passt alles. Am Abend bin ich eingeladen zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Farbe im öffentlichen Raum". Die  Denkmalpflege vom Kanton St. Gallen präsentiert den Jahresbericht im Architekturforum. Die Moderation macht Karin Salm. 

Montag 13. Mai 2019: Das Wochenende war ruhig und ich malte in einem meditativen, fast tranceähnlichen Zustand an meinem grossen Herbstbild. Nach ein paar Stunden komme ich immer an eine Grenze, wo ich nichts mehr sehe, wo ich so im Bild verfangen bin wie eine Spinne im Netz.

Am Abend ist Lika Nüssli vorbei gekommen und hat mir ihre Arbeit gezeigt, die in Israel und Palästina entstanden ist. Eine sehr eindrückliche Fotoserie in dem ein bemaltes Tuch an verschiedenen Orten ausgewaschen wird. Das gibt einen starken künstlerischen Beitrag für das Buch "Geografie der Freiheit". 

Samstag 11. Mai: gestern Abend war ich zusammen mit Monika an der Preisverleihung der Paul Grüninger Stiftung im Palace. Das war eine sehr eindrückliche Veranstaltung. Heute sind wir sehr früh aufgestanden. Monika fliegt zusammen mit Manuela nach Berlin. Die letzten zwei Wochen waren sehr intensiv. Monika hat den gesamten lektorierten Inhalt des geplanten Buches "Geografie der Freiheit" kontrolliert und die Korrekturen gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren abgesprochen. Jetzt fehlen noch einige Kunstbeiträge. Es ist super, dass Monika vermehrt im Vexer Verlag mit arbeitet. Alleine würde ich das nicht mehr schaffen. 

Am Nachmittag hat mir Hans Jörg Geiger seine feine Zeichnungsserie vorbei gebracht. Wunderbar.

Ich habe in jeder freien Minute intensiv gemalt. Am Abend war ich fix und fertig. In einem Energieanfall bin ich dann aber am frühen Abend noch in die Stiefel geschlüpft, um im Garten zu arbeiten. Ich hatte plötzlich das starke Gefühl, dass nun der richtige Pflanzzeitpunkt sei. Tomaten, Randen, Lauch, Krautstiel und Salate können nun gedeihen. Das hat richtig Freude gemacht und das Alles bei Regen. 

Donnerstag 9. Mai: Vor einiger Zeit habe ich die Arbeit an meinem Herbstbild wieder aufgenommen. das Bild steht schon fast ein Jahr in meinem Atelier. Ich möchte das nun endlich zu Ende bringen. Es gibt Bildmotive die viel mehr Zeit brauchen um gemalt zu werden. 

Dienstag 7. Mai: Heute Abend habe ich drei Masken montiert bei Freunden. Die clownesken, aus Pappelholz geschnitzten und bemalten Gesichter betitelte ich vor Jahren mit " Abstrakte Malerei". Die Gesichter sind weiss. Die Nasen und Münder sind rot bemalt. Das sieht sehr speziell aus. Die Köpfe vermitteln einen ganz speziellen Schalk. 

Montag 6. Mai: Heute hatte ich ein weiteres Treffen mit Andeas Müry. Ich möchte Arbeiten vom Künstler Peter Wirz im John Berger Projekt "Geografie der Freiheit" publizieren. Eine umfassende Monografie planen wir für das Frühjahr 2020. 

Sonntag 5. Mai: Wir waren gestern in der Nähe der Schwägalp, unterhalb vom Säntis, zu einem Fest eingeladen. In der Nacht hat es dann angefangen sehr stark zu schneien. Schnee im Mai hat für mich etwas beängstigendes. Zuhause mussten wir um Mitternacht viele von unseren blühenden Büschen vom Schnee befreien. Heute morgen sah ich, dass unsere Pappel aussieht wie ein riesiges gerupftes Huhn. Durch die Schneelast sind viele Äset abgebrochen. Die roten Tulpen im Garten sehen auch ziemlich traurig aus.

Freitag 3. Mai: Am Morgen musste ich zur Zahnreinigung. Nun brummt der Schädel... Am Abend fuhren wir nach Teufen. Thomas Stricker hielt einen Vortrag zu seinem Schulgarten Projekt in Kalkfeld, Namibia. Er eröffnete damit die Kulturlandsgemeinde, die an diesem Wochenende stattfindet. Es ist spannend, wie sich dieses Projekt in den letzten Jahren kontinuierlich weiter entwickelt hat. Wir haben 2015 im Vexer Verlag die Kunst und Bau Nummer 4 zu diesem Projekt herausgegeben. 
Im Ausstellungssaal vom Grubenmann Museum war ein sehr langer, weiss gedeckter Tisch für alle Gäste aufgebaut. 

Donnerstag 2. Mai: In den letzten Tagen habe ich viel gelesen, gezeichnet und geschrieben. Ruhige Tage um Angefangenes weiter zu treiben.  Gestern am 1. Mai haben wir einen wunderschönen Spaziergang gemacht. Ich wollte unbedingt einmal von meinem Atelier an der Lukasstrasse aus, so weit wie möglich der Steinach entlang spazieren. das Ziel war eigentlich der Bodensee. In Mörschwil haben wir aber bereits wieder umgekehrt. Ich hatte schon so viele spannende Naturfundstücke, dass mir meine Tragtasche zu schwer wurde. 

Sonntag 28. April: Wir sind heute nach Bregenz gefahren für die Ausstellung von Miriam Cahn. Für mich ist das eine der besten Ausstellungen von Zeichnung und Malerei, die ich je gesehen habe. Eine sehr klare und stimmige Präsentation auf vier Stockwerken, die von der Künstlerin selber bestimmt wurde. Das Parterre dient als Informationshalle mit einem Video, in dem Miriam ihre Arbeit erläutert und mit einer grossen Serie von kleinen , teilweise überarbeiteten Werkfotos, die hinter kleinen Gläsern in einer langen Reihe, mit kleinen Winkelschrauben an den Betonwänden befestigt sind. Beim installieren wurde sicher viel geflucht, weil bei vielen Löchern der Beton abgeplatzt ist. Miriam wird auch auf diesen Betonwänden sichtbare Spuren hinterlassen. Im ersten Stockwerk sind viele Mappen mit Kreidezeichnungen ungeschützt auf dem Boden ausgelegt aus den Serien L.I.S. lesen im Staub. In der zweiten Etage hängen riesige Kreidezeichnungen mit einem Abstand zu den Wänden von der Decke und bilden dadurch einen eigenen, etwas kleineren Raum im Raum.  In der vierten Etage sind die sehr farbigen, unterschiedlich grossen Malereien präsentiert.

Wenn ich diese Werkschau vergleiche mit der Präsentation im Kunstmuseum Bern wird mir bewusst, wie stark dass Kunstwerke  oder die Sicht auf Werke durch die Traditionen der Institutionen mitgeprägt werden. In Bern riecht es für mich im ganzen Haus nach Ferdinand Hodler und seinen Zeitgenossen. Die Räume sind extrem stak patriarchal aufgeladen und in meinem Kopf erscheinen überall Hellebarden, Schutzschilder, Geschlechtsschütze  und Schwerter von brutalen Schlachten aus vergangenen Zeiten.

In Bregenz sind andere Mächte spürbar. Auch Marktmächte entwickeln mit der Zeit ein starkes "Gschmäckle". 

Das war ein guter, erhellender Kunstsonntag. Ein regelmässiges und kräftiges Durchlüften ist auch in unseren Denkräumen absolut notwendig. 

Freitag 26. April: Heute hatte ich einen effizienten Aufräummorgen. Viele Projekte stehen kurz vor der Realisierung und Entscheidungen müssen gefällt werden. Die Publikation "Der grüne Henry", die wir anlässlich einer spannenden Ausstellung in Zürich zum Jubiläum von Gottfried Keller planen, ist für den Druck bereit. Die beteiligten Künstler*Innen haben auf Einladung der Kuratorin Angelika Affentranger  tolle Projekte vorgeschlagen. Mit dabei sind Judith Albert, Isabelle Krieg, Rémy Markowitsch, Yves Netzhammer, Ursula Palla und Mario Sala. Der Kunstparcour durch Gottfried Kellers Zürich wird eröffnet am 28. Juni und dauert bis zum 1. September. Die Ausstellungsstationen sind "Der schwarze Garten" (Stüssihofstatt 6,8, 10), in der Zentralbibliothek am Predigerplatz, im Zunfthaus zur Meisen, im Böcklin-Atelier, im Internationalen Lyceum Club Zürich und oberhalb der Enge im Oberen Bürgli.

Am Nachmittag hatte ich ein Erlebnis der anderen Art. Ich konnte beim Arzt das erste Mal mein Herz ausgiebig betrachten Dank einer ausführlichen Ultraschalll - Untersuchung. Diese Pumpstation ist wirklich ein aussergewöhnliches Organ. Vor allem wenn es so gut funktioniert. ich bin richtig beglückt und fühle mich sehr erleichtert.

Am Abend besuchten wir eine sehr feine Ausstellung von Herbert Weber an der St. Jakobstrasse. Herbert hat einige Arbeiten in einem Gemeinschaftsbüro eines Architekten eingerichtet. Ein überraschender Ort. Lustig ist, dass wir in den frühen 80er Jahren nur ein paar Häuser weiter im ehemaligen Möbelgeschäft "Oase" eine grosse, für alle offene Fotoausstellung organisiert haben, mit dem damals noch jungen Verein Kunsthalle St. Gallen.  

Donnerstag 25. April: Heute hatte ich eine sehr gemütliche Bahnfahrt nach Bern. Das Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hat eingeladen zum Urheberrechtsgespräch. Die Veranstaltung war sehr spannend. Damian Schai referierte zum Thema Lichtbildschutz, Philipp Kübler, Direktor von Pro Litteris erläuterte die neue Strategie der Vereinfachung der Regelwerke von Pro Litteris. Andreas Ritter, der neue Präsident vom Verband Kunstmarkt Schweiz (VKMS) präsentierte eine spannende Auswahl von Rechtsfällen zum Thema "APPROPRIATION ART" im Zusammenhang mit dem Schweizer Urheberrecht. Es wurde viel Information geboten. Im Moment sind natürlich alle Verbände gespannt, wie sich die Debatten im Ständerat und im Nationalrat zur Revision des Urheberrechtsgesetzes entwickeln werden. 

24. April: Ich musste heute früh aus  den Federn. Der Liftmonteur hat sich angemeldet und ich muss rechtzeitig im Atelier sein. Ich habe die Zeit genutzt, alle Neuerwerbungen in meiner Bibliothek einzuräumen. Ich brauche dringend neue Regale. Alles ist überfüllt. Ich habe dann noch eine grosse Zeichnung gesucht, gefunden und aufgerollt, die ich als Zeichnungsperformance 2015 in meinem ehemaligen Atelier an der Haggenstrasse vor Publikum gemalt habe. Die schwarze Zeichnung ist 250 cm hoch und etwa sechs - sieben Meter lang. Eventuell verwende ich diese Arbeit im Sommer für meine Ausstellung in Baden-Baden.

Dienstag 23. April: Welttag des Buches. Gemeinsam mit dem Triest Verlag und der Verlagsgenossenschaft VGS sass ich den ganzen Nachmittag im historischen Lesesaal in der Kantonsbibliothek Vadiana. Wir haben unsere Verlagsprogramme ausgebreitet und auf interessierte Besucher-innen gewartet. Es gab einige überraschende Begegnungen. Meinen Erlös investierte ich in den Ankauf von sehr günstigen Doubletten aus der Bibliothek. Ich habe sehr schöne Bücher mit nach Hause genommen. Unter Anderem von Silvia Bächli, Katalin Deér, Maria Eichhorn, Bertold Brecht, Ernst Barlach, Fredi Kobel, David Renggli, Mark Dion, Peter Handke und vielen mehr.

Grossartig. Vermehrung der eigenen Bibliothek durch den Welttag des Buches. 

Am Abend gab es dann zu Ehren von Gottfried Keller ein Wort - Musik Programm von Vera Bauer und David Goldzycher mit anschliessendem Apero. Schräg vis a vis hörte man das Bummern und Klatschen aus dem Zelt vom Zirkus Knie. Gacobo - Müller scheinen beim Publikum gut anzukommen - als Ersatz für die verbotenen wilden Tiere. 

Montag 22. April: Heute Morgen fuhren wir mit dem Postauto nach Rehetobel und wanderten dann in zweieinhalb Stunden nach St. Gallen. Das ist eine sehr abwechslungsreiche Wanderung durch eine etwas verlorene Gegend mit vielen ganz kleinen, teilweise unbewohnten und verfallenen Bauernhäuschen. Wenn ich mir vorstelle, wie da vor hundert Jahren in ärmlichsten Verhältnissen gearbeitet, gelebt und gehaust werden musste, macht mich das nicht sehr froh. Steile Hänge, Kuh- und Ziegenmist, Schnaps, Schläge, und ab und zu eine geschlachtete Sau. Scheisse...

Aus zeitlicher Distanz geht man sicher leichter diese Abhänge runter nach St. Gallen.

Sonntag 21. April: Ostern am Sempachersee. Wir haben schöne Spaziergänge gemacht, dabei die unmöglichsten Fortbewegungsmittel bestaunt, die Abende an der Feuerstelle genossen, siebengescheite Spiele gemacht, viel diskutiert, gut gegessen und reichlich getrunken. Kurz um, es war sehr schön am See bei unseren Freunden. Gut gelaunt besuchten wir auf dem Heimweg die Eltern von Monika im Rheintal und verloren saumässig beim Jassen. (Da nützt der schönste Pokal nichts)

Freitag 19. April: Am späten Vormittag sind wir losgefahren Richtung Luzern und dann zum Sempachersee. Wir wollen die Ostertage bei Freunden geniessen. 

Donnerstag 18. April: Am Mittag war ich zu einem Arbeitstreffen bei Pro Helvetia eingeladen. Wir diskutieren schon lange über eine gerechte Honorierung von Kunstschaffenden. Bei Ausstellungen ist es leider immer noch so, dass alle Mitarbeitenden von Institutionen ihren Lohn erhalten und dass die Künstlerinnen und Künstler in vielen Fällen nur für "Ruhm und Ehre" arbeiten. Hier muss sich unbedingt etwas ändern. Es ist ja nicht mehr so, dass Kunst einfach an die Wand gehängt und gleich verkauft wird. Kunst wird schon lange und in den meisten Fällen Ortspezifisch geplant und erarbeitet. Das braucht immer viel Kapital, Zeit und gute Nerven.  

Mittwoch 17. April: Am Morgen hatte ich meine Körpertherapie. Das Rackern im Garten war für die Therapeutin an jedem Wirbel, bei jedem Muskel und bei der ungleichen Länge meiner Beine nachvollziehbar. Ich war in einem veritablen Schiefstand, wie ein alter Rosenstock. 

Nach dem Mittagessen erwartete ich den Kaminfeger. Er kontrollierte den kleinen Holzofen der Nachbarn, reinigte den Ölbrenner, den Cheminéeofen, den Lehmofen und den Kamin der Gartenfeuerstelle. So viel Kaminreinigung bringt sicher Glück. 

Am Nachmittag sind wir nach Schönengrund gefahren, um Arbeiten von Hans Jörg Geiger  anzuschauen. Er setzt sich schon sehr lange mit den Texten von John Berger auseinander. Er wohnt zusammen mit seiner Frau in einem sehr schönen alten Bauernhaus. Sein Atelier hat er in der ehemaligen Web Stube eingerichtet. 

Den Tag haben wir abgeschlossen bei Freunden, die uns zu einem wunderbaren Nachtessen eingeladen hatten. 

Dienstag 16. April: Heute habe ich den ganzen alten Rosengarten umgegraben und die Rosen versetzt. das war notwendig, weil alles ziemlich alt und verwildert war. Ich weiss nicht ob das die Rosen schätzen aber ich habe mir in den Kopf gesetzt, mehr Essbares zu sähen, zu setzen, zu stecken und anzupflanzen. Im  schön hergerichteten "Blätz" gibt es schon bald ein Kartoffeläckerchen. Von einem Kartoffelacker zu sprechen wäre etwas übertrieben. Am Abend war ich körperlich komplett erledigt. Mit geschundenen und geschwollenen Händen erledigte ich am Abend noch meine E-Mails.

Ich musste oft korrigieren. Aus einem E wurde ein ER und aus einem D ein DF, weil meine Finger so geschwollen waren, dass ich immer zwei Tasten mit einem Schlage traf... 

Montag 15. April: Ich bin heute Morgen sehr früh aufgewacht. Ich warte auf den letzten Text, der noch übersetzt werden musste. Um 7.30 Uhr kam die Mail und es war mir eine enorme Freude, das ganze Textpaket zum John Berger Projekt, (insgesamt 13 Beiträge) an die Lektorin und Korrektorin nach München senden zu können. Für mich war das ein ausserordentlich intensiver Moment. 

Nun kann ich mich in aller Ruhe um die Kunst Beiträge kümmern. Ich habe die Kunst für das geplante Buch ausgesucht wie ein Kurator. Ich möchte keine Illustrierung der Texte, sondern eigenständige, aussagekräftige Kunst, die das Thema "Geografie der Freiheit" beinhaltet.
Am Nachmittag hatte ich endlich wieder einmal die Möglichkeit, ein langes und ergiebiges Telefongespräch mit Vera zu führen. Sie hat im Moment enorm viel zu organisieren für den neuen Vexer Standort und für die Renovation ihres neuen Ateliers. Ich wäre so gerne in Berlin um mitzuhelfen. 

Sonntag 14. April: Etwas lesen, etwas trinken, etwas fernsehen, dösen und auf schöneres Wetter warten... und dazwischen verstohlen auf den Jasspokal schielen und staunen.... bei uns schneit es heftig. Ich hoffe die frischen Blüten der Fruchtbäume verfrieren nicht. 

Samstag 13. April: Die letzten Tage waren ganz meiner Kunst gewidmet. Ich habe aber auch viel gerntet im garten. Mir gefällt der Gedanke, dass meine Kunst wachsen kann wie Gemüse, wie Kräuter oder Obst. Wenn das Gewachsene reif ist ernte ich. Ja so muss es gehen. Stressfreie Ernte. 

Heute werden wir um 11 Uhr abgeholt von Eveline und von Roman. Wir fahren zum hotel Hirschen in Wald. Dort werden wir etwas kleines essen und anschliessend alles vorbereiten für die Jassmeisterschaft. Monika hat im letzten Moment noch zwei Siegerkränze geflochten aus frisch gewachsenem Grünzeug aus unserem Garten. Effeu, Lavendel, Feuerbusch etc. Wunderschön.

Um 14 Uhr sind alle Gäste eingetroffen. Wir haben die Regeln erklärt und das Turnier konnte wie geplant beginnen. Ich war in den ersten Runden sehr nervös und ich hatte Angst, dass ich das Ganze nicht durchstehe. Monika und ich jassen nicht mehr sehr viel. Es lief dann aber sehr gut für uns. Wir jassten unkompliziert und sehr schnell, ohne Federlesen. Fadengerade und Zielstrebig. Es hat wirklich Spass gemacht. Bei der Siegerehrung kam dann die grosse Nervosität wieder auf bei mir. Wir waren nicht fünfte, nicht vierte, nicht dritte. Was war den das? Wir waren auch nicht zweite, sondern wir haben mit drei Punkten Vorsprung, man stelle sich das vor, wir haben mit drei Punkten Vorsprung nach sechs Stunden Jassen das Turnier gewonnen, vor Lissa und Tobias. Das war wirklich ziemlich aufregend.

Wir durften bekränzt und gefeiert werden. 

Nun haben wir einen extrem "schönen" Pokal zu Hause... den wir in gewissen Momenten wieder hochheben werden. 

Mittwoch 10. April: Ich habe den ganzen Tag grosse Zeichnungen gemacht mit Ölfarbe. Am Abend hatte ich komplett blaue Hände. Am Abend war ich in der Vadiana verabredet mit Thomas Wieland. Er hat mir den historischen Lesesaal gezeigt, wo wir am Welttag des Buches unsere Neuerscheinungen und Buchprojekte präsentieren können. Mit dabei sind der Triest Verlag, die Verlags genossenschaft St.Gallen und der Vexer Verlag. Jeder Verlag hat einen riesigen Tisch zur Verfügung in diesem sehr schönen Saal. Die Vadiana wird an diesem Tag Doubletten aus der Bibliothek zu sehr günstigen Preisen verkaufen.

Dienstag 9. April: Die letzten Tage waren turbulent. Ich musste die letzten Texte einfordern für das John Berger Projekt. Es gab Probleme mit Textlängen, mit der Wahl der Sprachen, mit den Übersetzungen. Ich konnte nun dank guten Tipps von Profis die richtigen Fachfrauen beiziehen. Nun sollte bis zum Wochenende mit viel Nachtarbeit alles klappen. 

Am Abend holte Lika Nüssli noch Bestellkarten und Bücher ab. Sie hat sehr viele Einladungen für Diskussionen, Präsentationen etc für ihr Buch "Vergiss dich nicht". Das hilft sehr beim Verkauf. Lika hat dann erzählt, dass sie nach Jsrael und nach Palästina reisen wird für eine Olivenöl Aktion. Das klingt alles sehr interessant. Sie hat auch berichtet von der Kinderbuchmesse in Bologna, wo Zeichnungen aus ihrem Buch als grosse Panels ausgestellt wurden. Die Schweiz war in diesem Jahr Gastland an diesem Anlass.  

Montag 8. April: Schon wieder in Zürich auf der Baustelle - neue Herausforderungen warten. Es wird sehr knifflig und das am Tag vom Sechseleuten. Für mich war das ein Erlebnis der besonderen Art. Grosse Teile der Innenstadt waren für den öffentlichen und für den privaten Verkehr gesperrt. Es waren sehr viele Menschen und Pferde da. Was mich verblüfft hat war die grosse, ungewöhnliche Ruhe. Trotz viel Blasmusik war alles wie verlangsamt, sehr würdevoll und still. (Und das in Zürich)

Sonntag 7. April: In den letzten Tagen kam ich mir vor wie ein Einpeitscher. Ich musste unbedingt sicherstellen, dass alle Textbeiträge für das John Berger Projekt rechtzeitig bei mir eintreffen. Ab dem 15. April habe ich ein zweiwöchiges Zeitfenster reserviert bei der sehr versierten Lektorin und Korrektorin Kirsten Rachowiak in München. Ein Text muss vorher noch übersetzt werden. das Ganze hat aber auch etwas sehr beglückendes. Es ist nun so viel wunderbares Text- und Bildmaterial beisammen, dass es wirklich eine grosse Freude ist. Langsam reift bei mir auch die Vorstellung der Buchform. Es ist ja klar, dass ich zu Ehren von John Berger das aller schönste Buch machen möchte. 

Zur Entspannung sind wir um elf Uhr nach Wald gefahren, um im Atelierhaus Bierli, wo Peter Liechti lange gewirkt hat, die Ausstellung von Norbert Möslang an zu schauen. Zwei junge Gastkünstler aus Deutschland haben in eingeladen, das ganze Vorderhaus der Schlesinger Stiftung zu bespielen. Eine wirklich sehr gelungene Präsentation mit vielen überraschenden kleinen und grösseren Interventionen. Norbert hat das Haus zum vibrieren und zum schwingen gebracht wie ein übergrosses Instrument. Passend zu Appenzell Ausserrhoden klingen und quietschen da die Schönen, die Schönwüsten und die Wüsten wild durcheinander. 

Anschliessend haben wir zusammen mit Eveline und Roman im Hotel Hirschen in Wald gegessen und gejasst. Wir planen hier am 13. April wieder die legendäre Jassmeisterschaft mit Freunden. 

Samstag 6. April 2019: Am frühen Nachmittag besuchten wir das Wohn- und Atelierhaus der verstorbenen Künstlerin Pia Hug in Goldach. Ralph und Margrith haben einige Freunde eingeladen, damit die restlichen, noch nicht verkauften Arbeiten bei befreundeten Menschen einen Platz erhalten. Wir haben ein schönes Ensemble von frühen Arbeite ausgewählt. Zu Hause haben wir dann gleich eine kleine Ehrenausstellung für Pia Hug eingerichtet. Das gibt auf einen Schlag eine ganz andere Atmosphäre im Haus.  

Am Nachmittag wollte ich eigentlich die Gründungsversammlung der neuen Kulturorganisation im Nextex besuchen und am Abend das grosse Jubiläumsfest von Saiten im ehemaligen Kino Rex geniessen. Ich war aber so stark erkältet und körperlich total kaputt, dass ich mir eine eine kleine kulturelle Pause gegönnt habe. Das Fest muss aber super gewesen sein. 

5. April: heute bin ich sehr früh los gefahren für einen Baustellenbesuch in Zürich. Über die Mittagszeit bin ich dann nach Basel gefahren, um die Ausstellung von Monika Dillier bei Stampa nicht zu verpassen. Eine sehr schöne, wilde Ausstellung mit Aquarellen. Im grossen Ausstellungsraum gibt es zur Zeit eine historische Präsentation von frühen internationalen Video Arbeiten. Die Kurzvisite hat sich gelohnt. Es war auch sehr schön, wieder einmal mit Gilli und Diego zu plaudern. 

Um halb Zwei war ich schon wieder in Zürich und habe dann in Stadelhofen Sebastian Utzni getroffen. Ich hatte einiges zu bereden und ich wollte auch endlich meine Holzschnitte abholen, die er nach der grossen Ausstellung in Reutlingen bei sich gelagert hat. Das Spendhaus hat einen sehr schönen Katalog zum aktuellen Holzschnitt herausgegeben. 

Am Abend besuchten wir die Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum St.Gallen von Keith Sonnier. Eine sehr gelungene Präsentation von frühen Arbeiten. Überraschend sind vor allem die sehr frühen Videoarbeiten.  Ein sehr schöner Abend mit einem anschliessenden essen im baratella. Zufälligerweise sass ich neben der Tochter einer Jugendfreundin. das war eine richtig tolle Begegnung. 

4. April: Eigentlich wollte ich heute zusammen mit Monika nach Konstanz fahren. Ich habe dann aber im Garten gearbeitet. Ich ernte zur Zeit für meine Sommerausstellung in Baden Baden. 

3. April: In den letzten Tagen konnte ich endlich mein zweites, grossformatiges  Bild "Selbst im Regen" fertig malen. Das hat wirklich Nerven gekostet. Alles scheint im Moment im Fluss zu sein. Heute sind nun auch noch die letzten Textbeiträge für das John Berger Projekt eingetroffen. In zwei Wochen geht alles in das Lektorat. Die Ostschweizer Kantone haben heute die zweite Runde ausgeschrieben für das Förderprojekt Buch und Literatur Os+ 

www.buchundliteraturostplus.ch    

2. April: Heute ist die gesamte Auflage der Kunst und Bau Nummer 8 von Elisabeth Nembrini geliefert worden. Corinne Schatz hat einen sehr schönen Text zum Thema Bienen geschrieben. Die Arbeit "Pendant" von Elisabeth Nembrini entstand für das Landwirtschaftliche Zentrum in Salez. Die Einweihung findet am Wochenende vom 17. 18. Mai statt.

1. April: Heute habe ich mich entschlossen im Garten Kunst zu ernten. Ich sammle Astgabeln für eine Ausstellung. Das Thema beschäftigt mich schon sehr lange und meine Sammlung wächst von Jahr zu Jahr. Am Abend war ich verabredet für eine Vernissage im Museum im Lagerhaus. Antonio Ligabue wird ausgestellt. Ein Maler, der mit zwanzig aus der Schweiz ausgewiesen worden ist. Eine skandalöse und tragische Geschichte eines eigenwilligen und unangepassten Art Brut Künstlers, der am Anfang des letzten Jahrhunderts in verschiedenen Anstalten in der Ostschweiz lebte und schikaniert wurde. In der Ausstellung traf ich Andres Müry. Der Basler Autor ist ein Neffe des Künstlers "WIRZIANA" (1915 - 2000). Peter Wirz war ein visionärer Basler Art-Brut Künstler, und arbeitete als Gärtnergehilfe. Er war entmündigt und zeitweilig psychiatrisch interniert. Er war der erst geborene Sohn des bekannten Schweizer Neuguinea - Forschers Paul Wirtz. Als Kleinkind wurde der Junge sehr krank und die Eltern schoben den Kleinen ab in einen evangelischen Pfarrerhaushalt in Goldach SG, damit der Forscher und seine Gattin ihrer Forscherlust in Afrika nachgehen konnten. Um das umfangreiche zeichnerische Werk bekannt zu machen planen wir die Herausgabe eines Buches mit dem Titel "Der Kontinent WIRZIANA". Die Monografie ist benannt nach einer von Peter Wirz erfundenen Pflanze. 

31. März: Die letzten Tage waren wir in Agrano für eine Holzer-Woche. Ich habe bei grossartigen Wetterbedingungen eine sehr steile Böschung ausgeholzt. Wir haben immer sehr gut gegessen und viel gelacht in einer angenehmen Runde von Freunden. An diesem Wochenende ist die Natur fast explodiert. Knospen, Sprossen, Keimlinge, Blüten, aufplatzendes Grün, feurige Magnolienblüten, weiss blühende Kirschbäume und flaumiges Gelb. 

27. März: Am Morgen hatte ich einen Arzttermin in der Stadt und am Nachmittag traf ich mich mit Johannes Hedinger für eine Buchbesprechung. Ein langfristiges Publikationsprojekt zum Thema "Landscape and art". 

26. März: Heute bin ich früh nach Zürich gefahren. Ich hatte um 10 Uhr eine Besprechung auf einer Baustelle. Ein von mir entwickeltes Betonelement ist geliefert worden. 

25. März: Am Morgen hatte ich eine Besprechung mit einer Arbeitsgruppe  zum Thema Berufsbild der Künstler*innen bei Visarte in Zürich und am Nachmittag traf sich der Zentralvorstand zu einer sehr langen und ergiebigen Sitzung. 

24. März: Ein wunderbar warmer Sonntag. Monika und ich haben einen ausgiebigen Spaziergang über die Stadthügel gemacht. Das einzig unangenehme war der Gestank von Gülle und Mist. ich verstehe nicht, dass die Bauern immer kurz vor dem Wochenende ihre Stinkgülle auf die Felder spritzen.

23. März 2019: gestern Abend waren wir wieder in Zürich zu einem Geburtstagsessen. Es ist spät geworden. Heute Morgen konnte ich aber sehr gut arbeiten. Um 16 Uhr bin ich zur Bibliothek in der Hauptpost gefahren. ich musste die Ausstellung zum John berger Projekt wieder abbauen. Das Ganze war ein schöner Erfolg. Sehr viele der präsentierten Bücher wurden ausgeliehen und ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen. Am Abend hatten wir Besuch von Freunden und Monika hat wunderbar gekocht.

21. März: Ich habe den ganzen Morgen an meinem neusten Bild gemalt. (Tausende von Regentropfen...)  Um vier Uhr am Nachmittag hatte ich dann eine Besprechung in Zürich. Das Buch zur Ausstellung "Der grüne Henry" kommt in die Schlussphase. Ich freue mich, dieses Projekt zum 200. Geburtstag von Gottfried Keller begleiten und herausgeben zu können. Gottfried war ja einer der Gründerväter vom Berufsverband GSMBA, der Vorgängerorganisation von Visarte. Das Zirkular, das er im 19. Jahrhundert verfasste und an seine Künstlerfreunde verschickte, ist heute noch immer aktuell. Wir wollten uns bei der Grafikerin Nadine Riedener treffen. Ich bin dann etwa eine halbe Stunde im Binzquartier herumgeirrt bis ich die Bühlstrasse gefunden hatte. Das Begleitbuch wird sehr schön. Die Ausstellungsbeiträge von Judith Albert, Isabelle Krieg, Ursula Palla, Rémy Markowitsch, Yves Netzhammer und Mario Sala sind sehr überzeugend. Angelika Affentranger als Kuratorin hat das Projekt vorbildlich konzipiert. Nun wird mir endlich bewusst, warum ich als Kind, nächtelang, mit der Taschenlampe unter dem Kopfkissen, Gottfried Keller gelesen habe...

Nach dieser intensiven und konstruktiven Besprechung traf ich mich mit Monika beim Förrlibuck. Wir hatten eine sehr schöne Einladung in einer Alters WG zum Znacht.

Mittwoch 20. März: Heute Mittag hatte ich eine erste Untersuchung bei meinem Hausarzt. Alles hat sich wieder beruhigt. Am Nachmittag bin ich dann mit dem Zug nach Zug gefahren. Klingt gut - gell? Ich besuchte die Hauptversammlung der Visarte Zentralschweiz. Der Anlass war sehr interessant und gut besucht. Ich konnte mit vielen Künstlerinnen und Künstler reden. Die Zentralschweiz stellt eine der grössten und aktivsten Visartegruppen in der Schweiz. 

Dienstag 19. März: Mein Herz hat sich zum Glück wieder beruhigt. Eventuell war ich einfach zu stark euphorisiert durch all die Begegnungen in Luzern. 

Montag 18. März: Das Wochenende war sehr anstrengend aber auch sehr erholsam für den Geist. Wir waren Gast bei Eri Bachmann. Sie hat uns wunderbar bewirtet. Gemeinsam haben wir viele Lesungen gehört. Unter Anderem von Maruan Paschen, Lucy Fricke, Klaus Merz, Yael Inokai und von Pedro Lenz. Das war alles sehr dicht. Ich hatte auch die Gelegenheit für eine kurze Begegnung mit Yael Inokai. Ich habe sie vor einem Jahr lesen gehört an den Solothurner Literaturtagen. Nun schreibt sie für ein Buch von uns literarische Portraits von Schweizerinnen und Schweizern, die sich im Kulturbetrieb von New York tummeln. Ein Projekt von Nicole Rampa. Darauf freue ich mich. 

Bis am Abend lief alles gut und dann begann mein Herz zu rasen. Mein Blutdruck stieg auf beängstigende Höhen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Um 20 Uhr hat mich Monika zum Notfall gefahren. Die Ärzte waren sehr ruhig und besonnen. Ich bekam ein Medikament, wurde beobachtet und nach drei Stunden wieder entlassen. Mir stehen in den nächsten Tagen einige Herzuntersuchegen bevor. 

Freitag 15. März: Ich hatte die ganze Woche Zeit, mich um meine Ausstellung zu kümmern. Zwischendurch habe ich eine 12 teilige Serie von Radierungen mit Aquarell überarbeitet zum Thema Tier. Manfred Rennertz hat mich zu einer thematischen Ausstellung eingeladen. So spontan war ich schon lange nicht mehr. das war eine Freude. 

Heute fahren wir zuerst zu Benno Zehnder, um Bücher abzuholen und dann geht es nach Luzern zum Literaturfest. Ich präsentiere den Vexer Verlag in der Kornschütte am Büchermarkt. 

Freitag 8. März: Nach einem intensiven Ateliertag traf ich gegen Abend Thamar Ette. Sie machte vor einigen Jahren ein Praktikum bei mir im Verlag. Sie reiste damals mit dem Buch "Lauftext" von Peter Liechti in der Schweiz herum. Das war grossartig und sie war und ist auch heute noch so frisch und unerschrocken. Wir trafen uns an der Universität, um dann am Abend gemeinsam den Vortrag von Tony Cragg anzuhören. Ich habe Tony 1984 in Sydnay kennengelernt, anlässlich der Biennale. Das war eine lustige und lehrreiche Zeit.

Donnerstag 7. März: Die letzten Monate habe ich viel gemalt für meine Ausstellung in Baden Baden. Ich komme gut voran. Heute war ich froh um einen Unterbruch. Am Mittag besuchte mich Dominik Staub, um mir ein Buchprojekt vorzustellen. Das war ein sehr konstruktiver Austausch. In diesem Jahr haben wir ein sehr dichtes Programm mit dem Vexer Verlag. 

Mittwoch 6. März: Markus Comba hat mir heute Morgen eine grossartige Auswahl von antiquarischen Büchern vorbei gebracht. Das gibt wieder Einiges zum studieren, sortieren und zum einräumen. Ich brauche dringend neue Regale in meinem Atelier. 

Dienstag 5. März: Heute bin ich früh los. Ich hatte einige Termine in Bern. Visarte, Kulturpolitik, Nationalbibliothek etc. Um 16 Uhr hatten wir dann in Zürich die Rechnungsrevision von Visarte Schweiz. Es ist alles sehr gut gelaufen und während den Zugfahrten konnte ich viele Pendenzen erledigen. Texte lesen, E-Mails beantworten und nachdenken. 

Samstag 2. März: Ich bin noch ganz erfüllt von der gelungenen Eröffnung in der Bibliothek in der Hauptpost. Das wird ein guter Tag heute. Am Abend hat Monika sehr fein gekocht für unsere Nachbarn Lilian und Paul. Im Winter haben wir wenig Sichtkontakt. Ein Treffen war daher überfällig. Es gibt auch immer viel zu plaudern. Die geplanten Bauprojekt rund um uns herum, die Quartierentwicklung und natürlich die persönliche Befindlichkeit. 

Freitag 1. März 2019: In den letzten Tagen habe ich viel Material zu meinem John Berger Projekt zusammengestellt und aus meinem Archiv geholt. Heute muss ich drei Vitrinen einrichten in der Bibliothek in der Hauptpost. Die Vorbereitungen waren sehr angenehm. Ich habe viel Hilfe von der Bibliotheksleitung erhalten. Zudem sind immer wieder spannende E-Mails von internationalen John Berger Spezialistinnen und Spezialisten bei uns eingegangen. Hans Jörg Geiger hat eine eigene Vitrine eingerichtet mit einer alten Arbeit, die er vor vielen Jahren für die Eröffnungsausstellung der Probstei in St. Peterzell entwickelt hat. In der Ausstellung zeigen wir auch kurze Textproben die wir veröffentlichen werden und wir präsentieren alle Bestände von John Berger, die in der Bibliothek ausgeliehen werden können. Auf dem Bücherrad liegen viele Publikationen, zum Thema "Geografie der Freiheit", die Rolf Bossart ausgewählt hat. 

Am Mittag war alles fertig vorbereitet. Am abend um 18 Uhr wartete ich dann auf die Schauspielerin Jeanne Devos. Sie wird den Text "Haftgenossen" von John Berger lesen. 

Es war ein toller Abend. Über sechzig interessierte Menschen kamen zu diesem Anlass und das trotz der Fasnacht und trotz den gleichzeitig stattfindenden Ausstellungseröffnungen im Kunstmuseum und in der Kunsthalle. Eine kritische und gute Rede von Sonja Abun Nasr, der Leiterin der Kantonsbibliothek, eine spannende Präsentation der ausgestellten Bücher durch Rolf Bossart und eine grandiose, Herz und Geist nährende Lesung von Jeanne Devos. 

ich freue mich sehr, mit all den schreibenden und künstlerisch mitarbeitenden Menschen an diesem Buchprojekt weiter zu arbeiten. 

Mittwoch 27. Februar: Die letzten zwei Tage wartete ich vergebens auf einen Transport aus Mailand. Heute Mittag bin ich endlich erlöst worden. 

Dienstag 26. Februar 2019: Nach einem intensiven Malertag bin ich am Abend nach Winterthur gefahren. Ich war verabredet im Restaurant "Nachbarsgarten". Ein schönes und bis zum letzten Platz ausgebuchtes Lokal. Es war ziemlich laut für meine letzte Redaktionssitzung der XYLON Zeitschrift. Nach neun Jahren der Reorganisation und der finanziellen Sanierung der traditionsreichen Zeitschrift der Holzschneiderinnen und Holzschneider kann ich beruhigt zurücktreten. Angefangen hat meine Mitarbeit 2010 mit der Konzeption der sehr erfolgreichen und  praktisch vergriffenen Publikation "JUBELDRUCK XYLON".

In diesem einzigartigen Buch sind 200 Originaldrucke von 50 Künstlerinnen und Künstlern im Original abgedruckt. Damit haben wir das Bestehen von 50 Jahren XYLON Schweiz gefeiert. Die letzten sieben Jahre Redaktionsarbeit für XYLON haben mir grosse Freude gemacht. Ich rate allen Freundinnen und Freunden der Druckgrafik, diese wunderbare und einzigartige Originalzeitschrift zu abonnieren und möglichst viele alte Ausgaben nachzukaufen. 

Montag 25. Februar: Im Moment kommen von Vera nur spärliche Kurznachrichten aus Berlin. Sie hat einen riesigen Arbeitsaufwand zu leisten. Sie musste bis Mitte Februar ihr schönes Atelier in Kreuzberg Rückbauen und abgeben. Die Vermieter wollten einfach so die doppelte Miete. Vera hat alles zeitlich geschafft, dank dem grossen Engagement von Jérémie und vielen guten Freundinnen Freunden. Nun muss sie den neuen Standort aufbauen. Bewundernswert wie sie das alles schafft neben der Betreuung des kleinen Sohnes. 

Ich habe in den letzten Wochen wieder einmal richtig Zeit und Lust zum Malen. 

Sonntag 24. Februar: Heute sind wir bei Rheineck über die Grenze gefahren und haben dann endlich wieder einmal einen sehr langen Spaziergang am Bodensee gemacht. Ich habe viel fotografiert. Der Wasserspiegel ist immer noch sehr tief. Das ergibt ganz andere Landschaftsbilder. Am Abend war dann meine neue Kamera defekt. Nix ging mehr. Ich glaube die hat sich definitiv satt gesehen und streikt.

Samstag 23. Februar: das war ein wundervolles Fest im Restaurant in der hinteren Enge in Bern. Es wurde etwas spät. Wir haben uns sehr gut unterhalten, gut gegessen und getrunken. Unsere Nacht in der Mansarde von Susi Hugo war dann nicht sehr lange.

Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir uns die Ausstellung von Miriam Cahn im Kunstmuseum angeschaut. Mich hat das ziemlich umgehauen. Miriam war ihre eigene Kuratorin und das sieht man. Kompromisslos wie immer hat sie die Räume mit Arbeiten aus vierzig Jahren in Beschlag genommen. Wir haben die Ausstellung mehrmals durchschritten. Bei jedem Durchgang kamen neue Gedanken und Widerstände aber auch Erkenntnis und Bewunderung. In einem Begleitbuch hat Miriam ihre frechen Briefe publiziert. (Sie nennt das so) Leider sind bei vielen Briefwechseln die Antworten nicht publiziert. In meinem Fall beschreibt sie einen Atelierbesuch, den sie in den frühen 80er Jahren bei mir in St. Gallen gemacht hat. Sie hat damals angeregt, dass wir eine Ausstellung zusammen machen sollten zum Thema Frau-Mann. Nach dem Besuch bei mir schrieb sie mir dann, dass sie keine Lust auf ein Mamma - Bub Verhältnis hätte und dass sie sich beim Gedanken an eine gemeinsame Ausstellung fürchterlich langweile.

Na ja - ich denke wir haben uns viel Ärger und Fürchterliches mehr erspart.

Nach dem Kunstmuseum sind wir zur Kunsthalle spaziert, um die Arbeiten von Isa Genzken zu sehen. Ich habe mir etwas ganz Anderes vorgestellt. Präsentiert werden hauptsächlich Modelle für Kunst im öffentlichen Raum und eine grosse Installation mit zerrissenen Sonnenschirmen. Ich kannte das alles nicht. Ich habe immer ihre rohen Betonskulpturen mit ihrer skulpturalen Kraft bewundert. Über diese eher ironischen Modelle und den frivolen Film im Untergeschoss konnte ich mich nicht wirklich freuen. Aber man ist ja auch nicht mehr zwanzig. Gell.  

Freitag 22. Februar: Heute war ich am Mittag in Zürich verabredet. Monika und ich trafen uns auf einer grossen Baustelle mit den Architekten, um farbige Gläser zu montieren. Die Wirkung ist wie die eines leuchtenden Aquarells. Anschliessend sind wir mit dem Zug nach Bern gefahren für das grosse Fest von Susi. Susi hat sehr spät die Matura nachgeholt. Ich finde das bewundernswert. Der super gute Abschluss ist wirklich ein grosses Fest wert. 

Donnerstag 21. Februar: Daniele wollte von mir wissen, wie denn nun mein Haar geschnitten werden soll. Ich sagte ihm, dass er mal den Künstler Florian Graf googeln soll. Der hat so einen dichten, künstlerisch modellierten Haarschopf. Mein Friseur tippte dann mit seinem Kamm auf meine hohe Stirn und meinte, dass mein hoher Haaransatz eine solche Lockenpracht nicht zulasse. Na ja, ich liess mich nicht beirren. Mein Haar liegt nun am Boden des Friseursalons. Ein super Gefühl. Obwohl ich bei Weitem nicht an die Lockenpracht von Florian heran komme. Meine Frisur ist eher wieder die von Frau Blankenmeier, der Katzentrainerin und ehemaligen Zirkusdirektorin aus dem Altersheim Feldhof in Oberriet in den 70er Jahren. Mein Vater nannte mich immer Frau Blankenmeier, wenn er mit meiner Frisur nicht zufrieden war. 

Ich bin heute aber sehr zufrieden. Danke Daniele! 

Mittwoch 20. Februar: Ich freue mich auf meinen Termin bei Danile. Morgen um zwölf Uhr wird mein alter Zopf radikal zurück geschnitten. In dieser Vorfreude habe ich in den letzten Tagen viel gemalt und endlich mein erstes Selbstbildnis im Regen abgeschossen. jetzt kann ich mit der Nummer zwei weitermachen.

Montag 18. Februar: Am Morgen war ich verabredet mit Christine Frey. Sie wollte um 11 Uhr mit ihrer Erwachsenen Vorkurs Klasse der HSLU einen Atelierbesuch bei mir machen. Wegen einem Bahnunglück eines ICE in Basel waren viele Züge in der Schweiz verspätet. Gegen 12 Uhr waren dann alle da und ich erzählte über meinen künstlerischen Werdegang, über meine Vermittlungsarbeit und über den Vexer Verlag. Manchmal staune ich selber, wenn ich mir beim Erzählen zuhöre, was ich schon alles gemacht habe in den letzten vierzig Jahren... Dank dem wunderschönem, sonnigen Wetter wärmte sich auch mein Dachgeschoss langsam auf angenehme 10 Grad auf. Bei diesen Temperaturen braucht es wenigstens keine Garderobe. Alle Besucherinnen und Besucher fühlten sich wohl in ihren Wintermänteln. das war eine sehr unterschiedliche und dadurch auch sehr spannende Besucher*innen Gruppe. Die spürbare Frische hat mich angeregt, endlich meinen alten Zopf abzuschneiden. Lange Haare sind ja wie ein Archiv des Erlebten. Es wird dringend Zeit für einen Neuanfang. Der Frühling naht.

Samstag 16. Februar: Um 10 Uhr waren wir verabredet bei Eveline und Roman in der neuen Wohnung in Wil. Evelin hat mich gebeten, ihre Bildersammlung zu hängen. Nach einem ausgiebigen Frühstück habe ich dann mit Eveline zusammen alle Bilder gesichtet, aufgestellt und dann eine Auswahl für die Hängung getroffen. das ist alles sehr stimmig und schön geworden. 

Freitag 15. Februar: Monika und ich sind am Abend nach Chur gefahren, um die Ausstellungseröffnung im Bündner Kunstmuseum zu besuchen. Im Moment wird das 140 Meter lange Gemälde "Umgebung der Liebe" präsentiert, das Martin Disler 1981 in Stuttgart gemalt hat. Das ist wirklich überwältigend. Es war auch sehr spannend, viele der Künstlerinnen und Künstler aus diesen Zeiten bei diesem Anlass zu treffen. Einige Vernissagegäste sind dann aber fast  zusammengebrochen wegen den langen Ansprachen. Vor allem der Präsident der Gottfried Keller Stiftung fand fast kein Ende. Trotzdem alles wunderbar und eindrücklich.

Donnerstag 14. Februar: Diese Woche war enorm vielseitig. Ich hatte Gespräche mit Karin Karinna Bühler, mit Sally de Kunst zu Buchprojekten, eine Aufrichtefeier im Martaheim, eine lustige Bob Ross Präsentation im Splügeneck usw. 

Samstag 9. Februar: Diese Woche mit Vera und Soahn war sehr intensiv. Es ist so schön und so wohltuend aufrüttelnd Grossvater zu sein. Vera und ich konnten trotz dem Kleinen sehr viel Verlagsarbeit erledigen und Projekte besprechen. Vera hat eine sehr intensive und anstrengende Zeit vor sich. Sie muss in Berlin mit dem Atelier und dem Vexer Büro umziehen. Die Spekulation für Gewerberäume ist knall hart und Berlin wird immer teurer. Gewerberäume werden vorsorglich gekündigt, um höhere Mieten verlangen zu können. Vera hat aber zum Glück ein interessantes Ladenlokal mit Lagerräumen gefunden, wo sie ihr Atelier und den Verlag unterbringen kann.

Heute Nachmittag kam die Künstlerin und Kuratorin Catherine Bolle mit einer Freundin bei mir vorbei, um meinen Ausstellungsbeitrag für BEX 2020 zu besprechen. Ich habe danach die zwei Damen noch in die Kunsthalle geführt, habe ihnen den roten Platz von Pipilotti Rist gezeigt und sie dann zur Stiftsbibliothek begleitet. Ein anregender Nachmittag. Jetzt müsste ich eigentlich sofort ein Modell für mein skulpturales Projekt bauen. 

 

Mittwoch 6. Februar: ich musste mich vorbereiten für einen Vortrag im Kunstmuseum in St. Gallen. Anita Zimmermann hat mich eingeladen, einen "Schnörkel" Vortrag zu halten. Unter dem Titel "Frühe Gedichte und Ausätze" las ich dann Texte aus meinem Schulheft von der vierten Klasse und projizierte die dazugehörenden Zeichnungen auf eine Leinwand. Ich illustrierte damals meine Texte mit comicartigen Bildchen. An diesem Abend gab es vier oder fünf sehr unterschiedliche Vorträge und ein Konzert von Andy Guhl. Das war alles sehr unterschiedlich und sehr amüsant. 

Dienstag 5. Februar: Am Morgen wurde mir eine meiner Holzplatten zurückgebracht, die in der betonhalle der Fachhochschule für Architektur in Winterthur ausgestellt war. Am Mittag erwartete ich einen internationalen Kunsttransport. Das verzögerte sich aber bis zum Abend. Eigentlich hätte ich nach Zürich fahren müssen für eine Visarte Sitzung zum Thema Berufsbild "Künstler". Das war mir sehr unangenehm. Ich verpasse sehr ungerne eine Sitzung.  

Montag 4. Februar: Heute Morgen hatte ich ein sehr angenehmes Telefongespräch mit Anna Pabst. Sie ist bereit, einen Text für das geplante Buch "Geografie der Freiheit" zu schreiben. Von ihr wir im moment das Stück "Freigänger" in Bern aufgeführt, wo Jeanne Devos mitspielt. Am Abend treffe ich mich mit Thomas Wieland, um die Details der geplanten Ausstellung zum John Berger Projekt zu besprechen. Das macht grosse Freude. Die Organisation ist so schön unkompliziert. 

Sonntag 3. Februar. es schneit ganz extrem. Monika fährt am Mittag nach Chur, um Vera und unser  Enkelkind Soahn abzuholen. Sie kommen eine Woche zu uns. Ich freue mich sehr darauf. 

Samstag 2. Heute habe ich den ganzen Tag an meinem "Selbstbildnis im Regen" gearbeitet. 

Freitag 1. Februar: Am Morgen um neun Uhr ist Christine Genova vom St. Galler Tagblatt vorbei gekommen. Gemeinsam haben wir einen Dokumentarfilm angeschaut, der nächste Woche im Kinok gezeigt wird. Es geht um die extremen Kunstauktionen in den USA, bei denen Kunstpreise spekulativ in exorbitante Höhen gesteigert werden. Christine macht einen Artikel im St. Galler Tagblatt und will meine Kommentare zu diesem Film.  

Am Abend bin ich nach Hochdorf gefahren für ein sehr schönes Dankesessen, das Benno Zehnder mit seiner Familie in seinem Atelier vorbereitet hat. Alle am Projekt Beteiligten waren eingeladen, das entstandene Buch "Architektur Farbe Licht Die Kunst von Benno K. Zehnder im Spital Schwyz" zu feiern. Ein wunderbarer Abend mit schönen und erhellenden Gesprächen.

Donnerstag 31. Januar: Heute morgen bin ich früh zu meinem Atelier an die Lukasstrasse spaziert. Der Liftmonteur kommt vorbei und macht seine Kontrolle. Im Moment ist es minus vier Grad in meinen Räumen. Lange tatenlos herumstehen geht nicht. 

Mittwoch 30. Januar: Heute erlebte ich einen angenehm ruhigen Arbeitstag. ich bin am Planen von meiner Ausstellung in Baden Baden, die im Sommer stattfinden wird. Es ist noch alles offen. Malerei, Zeichnung, Skulptur. Im Werbeflyer habe ich mich als Tümpelforscher angekündigt. Das lässt mir den notwendigen Spielraum, um mich frei zu fühlen.

Am Abend hatte ich eine ergiebige Sitzung mit der Fachkommission HF bildende Kunst an der Schule für Gestaltung an der Demutstrasse. ich habe bei der Sitzungsvorbereitung bemerkt, dass ich diese Fachkommission nun schon seit sieben Jahren präsidiere. das war dann auch der Grund dafür, dass ich heute Abend bekannt gab, dass ich per sofort meine Arbeit als Präsident von dieser Kommission beenden werde. Sieben Jahre sind wirklich genug. Das Spannendste an dieser Arbeit waren jeweils die zwei Tage dauernden Fachgespräche mit der Kommission, die die Arbeiten der Studierenden beurteilten. Da gab es sehr interessante Begegnungen, unter Anderem mit Una Szeemann, Britta Polzer, Thomas Müllenbach  und vielen anderen Expertinnen und Experten. Ja nun habe ich eine Aufgabe weniger und fühle mich sehr befreit.

Dienstag 29. Januar: In  Berlin hat sich vieles geklärt. Vera hat eine Zusage bekommen für ihr Lieblingsobjekt, ein Ladenlokal ganz nahe an ihrem Wohnort in Kreuzberg. Nun muss alles sehr schnell gehen. Unterschriften, Garantien, Abmachungen etc. das ist richtig spannend und es bleibt aufregend.

Seit langer Zeit kann ich nun wieder beruhigter arbeiten und malen. 

Montag 28. Januar: Gestern verbrachten wir einen ruhigen aber arbeitsintensiven Sonntag. Es ist schön zu arbeiten, wenn man nicht dauernd durch das Telefon gestört wird. Am Abend sind wir nach Appenzell gefahren zum Bücherfreunde - Treffen im Buchladen Appenzell.

Heute hatte ich von 11 bis 17.30 Uhr  eine Visarte Sitzung in Zürich.  Alles ist gut gelaufen. Spannende Themen, intensive Gespräche geführt und gute Lösungen gefunden.

Samstag 26. Januar: In Berlin spitzt sich die Raumfrage zu. Vera hat in den letzten Wochen schon viele Optionen geprüft und sich auf ein Objekt fokussiert. Sie möchte ihr Atelier und den Raum für den Vexer Verlag ganz neu denken. Das ist alles sehr aufregend und braucht starke Nerven. In Berlin wird der Raum knapper und dadurch teurer. Räumliche Veränderungen bieten aber auch immer wieder Chancen.

Am Abend waren wir eingeladen bei Ursula und Martin in Gais. Ein lustiges,  Enkelkind war auch dabei. Ein richtig schöner Familienabend.

Freitag 25. Januar: ich habe die ganze Woche mit meinen Farben gearbeitet und eine geeignete Präsentationsform für das Farbkonzept entwickelt. Nun bin ich einen ganz grossen Schritt weiter gekommen.

Heute Morgen um neun Uhr war ich mit Rolf Bossart im Tibits verabredet, um das John Berger Projekt weiter zu diskutieren. Als nächstes steht die geplante Ausstellung in der Bibliothek in der Hauptpost auf der Agenda. Jeanne Devos hat mir bereits drei tolle Fotos geschickt für die Werbekarten. Die Ausstellung wird am 1. März um 18 Uhr eröffnet.

Sonntag 20. Januar: Gestern waren wir zu einem sehr schönen Fest eingeladen von Corinne, Judith und marina im Literaturraum in der Hauptpost. Gute Leute, Gutes Essen, wunderbare Speisen und viel gute Musik. Seit langer Zeit habe ich wieder einmal eine ganze Nacht getanzt.  Wunderbar. 

Freitag 18. Januar: Heute ist ein guter Aufräumtag. Ich brauche viel Platz, um mein Farbkonzept für ein Kunst am Bau Projekt weiter zu bearbeiten und die neuen Ideen umzusetzen. Ein leerer Raum, frische Farben und neue Pinsel, alles muss rein sein. Als historische Hilfe lege ich die Farbenlehren von Goethe und von Johannes Itten auf meinen Farbenschrank. Diese beiden Bücher begleiten mich seit den frühen 70er Jahren als ich meine Berufslehre als Stickereientwerfer begonnen habe. Ich denke so kommt alles gut.

Am Abend haben wir die Vernissage von Vanja Hutter in der Galerie vor der Klostermauer besucht. Sie hat ihre feinen Zeichnungen sehr schön präsentiert als hängende Kartonmappen mit eingebundenen Zeichnungen. Die Kartonumschläge sind mit Bindfäden an der Decke aufgehängt. Alles sehr fein, verletzlich und intim beim Betrachten. 

Donnerstag 17. Januar: In den letzten Minuten donnerten in drei Schüben die ganzen Schneemassen von unserem Hausdach. Unruhige Zeiten. Das hat mich richtig aufgeschreckt.

Dienstag 15. Januar: Heute habe ich die dritte Buchbesprechung in drei Tagen. Es geht um die Themen transformieren und weiterbauen. Architektonische Lösungen im Umgang mit historischer Bausubstanz. Wenn es so weitergeht machen wir in diesem Jahr sehr viele spannende Buchprojekte. Den Nachmittag habe ich intensiv mit dem Mischen von Farben und dem Malen von Farbfeldern verbracht. Das ist eine wunderbare und feinstoffliche Auseinandersetzung mit Licht und Farbenergie. 

Mittwoch 16. Januar: Am Mittag hatte ich eine intensive Körpertherapiestunde bei Theresa. Mein rechter "Flügel" hing fünf Zentimeter tiefer wie der linke. Keine Ahnung wie das passiert. ich habe wahrscheinlich zu viele schräge Sachen gelesen... Nun stehe ich wieder gerade in der Landschaft und fühle mich sehr wohl. Am Abend besuchten wir die Vorstellung "Die Traumbeschauten", ein Abend um Egon Schiele, mit Werken von Dowland, Schönberg, Messian und Esenvalds. unter der musikalischen Leitung von Kristjan Döhring. Den Text zum Musiktheater hat Laura Vogt geschrieben. Wegen ihr wollten wir uns dieses Stück anhören und anschauen. Es war beeindruckend, mit welcher Professionalität und Hingabe die beteiligten Laiendarsteller-Innen in diesem Stück agiert haben. Das ganze war für mich etwas zu journalistisch und zu realistisch dargestellt. Etwas mehr von der hemmungslosen Leidenschaftlichkeit und von der körperlichen und seelischen Verzweiflung in der damaligen Zeit hätte sich durch schrillere Bilder zeigen können. Der Abend war aber sehr anregend und ich habe mir vorgenommen, mich wieder einmal mit der Kunst von Egon Schiele und seiner Zeit auseinander zu setzen.

Montag 14. Januar: Am Morgen hatte ich eine sympathische Besprechung mit Vincent Chablais. Er arbeitet an einem sehr interessanten Projekt. Draussen hat in den letzten Tagen das grosse Schmelzen begonnen. Es tropft von allen Dächern. Um 14 Uhr traf ich mich an der Lukasstrasse mit einer sehr sympathischen und kompetenten Dachdeckermeisterin. In meinem Atelier ist an einer Stelle das Dach nicht dicht. Das muss unbedingt repariert werden. Ich habe vorsorglich an der undichten Stelle schon vor einiger Zeit alles weggestellt. gegen Abend habe ich mich mit neuen Farben eingedeckt beim Farben Müller. Seit langer Zeit versuche ich es wieder einmal mit Gouache. Das scheint mir  für ein aufwändiges Farbkonzept am geeignetsten. Seit meiner Zeit als Textilentwerfer in den Siebzigerjahren habe ich dieses Material nie mehr benutzt. 

Sonntag 13. Januar: Der gestrige Nachmittag und der Abend in Bern waren sehr interessant. Ich hatte eine unterhaltsame Bahnfahrt mit dem Buch "Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt von Peter Stamm". Das Vermischen der Zeiten, das Erinnern in falschen Momenten, die Wiedererkennung von Vergangenem in der Jugend der Gegenwart, in einer neuen Generationen und das unbewusste Ausblenden des eigenen Alters ist mir nicht fremd. Manchmal ist das lustig und oft eher peinlich.

Der Schnelligkeit zu liebe bin in Bern mit dem Taxi zum Marzillibad gefahren, um Lisa Hoever zu besuchen. Das war ein sehr spannender Atelierbesuch. Anschliessend haben wir in der Altstadt ein Glas Wein getrunken und haben dann gemeinsam den Ort gesucht, wo die Podiumsdiskussion anlässlich des Berner Galerie Wochenendes geplant war. Durch einen Hintereingang sind wir dann durch die Küche am richtigen Ort gelandet. der Abend war sehr spannend. Der Saal war proppenvoll und die Diskussion zum Thema Galerien hat mich richtig wach gemacht.  Es war eine Freude, viele Bekannte anzutreffen. Ich habe im Anschluss viele positiven Rückmeldungen bekommen. Um acht Uhr sass ich dann schon wieder im Zug.

Für den heutigen Sonntag haben wir alles abgesagt. Zu viel Schnee, zu müde und grosse Lust einfach abzuhängen.

Samstag 12. Januar 2019: Ich bin früh aufgestanden und habe schon einige Buchbestellungen bearbeitet. Am Mittag fahre ich nach Bern und treffe Lisa Hoever in ihrem Atelier. Wir besprechen eine Publikation mit ihren neuen Aquarellen. Am Abend bin ich Gast an der Podiumsdiskussion zum Thema " Sind kleine Galerien noch zeitgemäss?". Eingeladen wurde ich von Barbara Marbot. Mit auf dem Podium wird auch die Sammlerin Sabine Hahnloser Tschopp sein. Moderieren wird der Anlass von Alice Henkes. Ich freue mich auf diese Diskussionsrunde, die heute um 17.30  Uhr im Grand Société am Theaterplatz 7 in Bern stattfindet.

Freitag 11. Januar: Der üppige Schneefall verlangsamt unseren Alltag. Das Licht ist wunderbar um zu malen. Ich habe nur einen schaufelbreiten Weg durch den Schnee gepflügt. Alles ist hell und klar. Gestern Abend waren wir in der alten Fabrik in Rapperswil. Alle drei ausgewählten Förderprojekte "Literatur Ost+" wurden im gut besuchten Fabriktheater vorgestellt. Peter Schweiger hat zu jedem Projekt einen Textausschnitt gelesen. Bei meiner Projektpräsentation zum Text "Haftgenossen" von John Berger bin ich ziemlich ausgeschweift. Es gibt so viel zu erzählen dazu... na ja die charmante Moderatorin Corina Freudiger hat mich dann sanft gestoppt. Ich freue mich auf die Projekt von Anette Hug und von Anna Hilti und natürlich auch auf meins....

Samstag 5. Januar 2019: Die Tage in Berlin waren sehr erholsam. Es ist wunderbar Opa zu sein. Soan entwickelt sich prächtig und ich glaube er mag mich sehr. Wir haben wunderbar gegessen, lange Spaziergänge gemacht und viel diskutiert. In Berlin herrscht im Moment die absolute Spekulation. In Kreuzberg steigt der Preisdruck für Wohnungen und für Gewerbemieten. Vera wurde überraschend das Atelier gekündigt und sie muss nun etwas neues suchen. Die Vermieter sagen, dass sie gerne bleiben könne. Sie wollen einfach tausend Euro mehr Miete im Monat. Das ist im Moment nicht sehr einfach und schlägt uns allen aufs Gemüt. 

Nun sind wir wieder zurück in St. Gallen. Heute Mittag hatten wir bereits wieder eine Buchbesprechung. -+++- 

Dienstag 1. Januar 2019: Wir konnten nicht sehr lange ausschlafen. Wir mussten rechtzeitig auf dem Flugplatz in Kloten sein. Wir machen einen Überraschungsbesuch in Berlin bei Vera, Jerémie und dem kleinen Soan. Trotz dem vielen Schnee hat alles wunderbar geklappt. 

Montag 31. Dezember: Zum Silvester waren wir verabredet mit Inge und Erich Weber zu einer Tischrunde mit Freunden im Baratella verabredet. Ein wunderbarer Abend mit sehr gutem Essen und guten Gesprächen. Ein richtig lustiger und gemütlicher Jahresabschluss. 

Sonntag 30. Dezember: Die Weihnachtswoche war sehr friedlich und ruhig. Familie und Freunde treffen, lesen und träumen. Am Freitag besuchten wir wieder einmal Ruedi und Dorina Hanhart im Seniorenheim in Gossau. Wir haben gemeinsam gegessen und über alte Zeiten geplaudert. Ruedi ist immer noch sehr interessiert was im Kunstmuseum läuft. Er kann aber kaum mehr lesen und kann Kunst nur noch aus der Erinnerung geniessen.

Am Samstagabend sind wir mit Freunden zusammen nach Zürich gefahren und haben uns im Schiffsbau die Produktion "44 Harmonies from Apartement House 1776" von Marthaler angeschaut. Ich habe mich köstlich amüsiert. Der zerstreute und auf der Bühne herumschlurfende John Cage war grossartig. (Natürlich nicht nur er)

Montag 24. Dezember: In den letzten Wochen versuchte ich mich streng an einen Arbeitsplan zu halten. Malen stand an erster Stelle, dann Korrespondenz und gegen Abend die Verlagsarbeit und der ganze Paketversand. Heute gibt es ein schönes Weihnachtsfest mit Freundinnen und Freunden. Es duftet schon den ganzen Tag nach wunderbaren Köstlichkeiten aus der Küche. Ich freue mich auf diese wunderbare Tafelrunde. 

Freitag 21. Dezember: Das verschobene Geburtstagsfest war grossartig, der Weinverbrauch immens, der Kater verhält sich friedlich. Ich kann hoch motiviert weiter malen.

Donnerstag 20. Dezember: In den letzten Wochen bin ich intensiv am Malen. Es gibt einige Arbeiten, die ich endlich zu Ende bringen will. Monika kocht heute für unsere Geburtstagsgäste. Wir feiern jedes Jahr im Dezember ein grosses, gemeinsames Schützenfest. Urs Klauser, Monika und ich haben am 10. Dezember gemeinsam Geburtstag. 

Montag 17. Dezember: Um elf Uhr hatten wir ein sehr gutes Gespräch mit einer Künstlerin bei Visarte in Zürich. Wir suchen eine Nachfolgerin für Alex Meszmer für den Zentralvorstand. 

Am Nachmittag traf ich mich mit Vanja Hutter. Sie erledigt alle Anmeldungen für das VLB Verzeichnis und sie betreut auch unsere Homepage vom Vexer Verlag. 

Sonntag 16. Dezember: Die letzten Tage waren sehr intensiv mit all den Ausstellungseröffnungen vom Heimspiel. Ich konnte sehr viele Künstlerinnen und Künstlern treffen, die ich sonst nicht so oft sehe. Die vielen Gespräche und Diskussionen über Kunst und Kulturpolitik haben mir grossen Spass gemacht. Es gibt bei solchen Anlässen natürlich auch sehr viel Eitelkeit, Frust und unerfüllte Hoffnungen. Um eine kontinuierliche Förderung des regionalen Kunstschaffens zu gewährleisten wäre es notwendig, dass jedes Jahr eine Ausstellung für die  regionalen Künstler-Innen organisiert wird. Das hat sich seit Jahrzehnten sehr bewährt in Basel, Aarau, Bern, Graubünden etc.

Am Abend haben wir ein sehr schönes Konzert besucht im Palais bleu in Trogen mit Petra Ronner und Thomas Bächli. Eric Satie vierhändig, "en habit de cheval". Ein wunderbarer musikalischer Wochenabschluss.

Samstag 15. Dezember: Vera musste am Mittag schon wieder los für ihren Rückflug nach Berlin. Die gemeinsame Zeit war eindeutig zu knapp... Am Abend haben wir uns noch den vierten Teil vom Heimspiel im Kunstmuseum Appenzell angeschaut. Der Museumsleiter Herr Scotti war restlos von seiner Arbeit begeistert. Er befand seine Auswahl als das ultimativ gelbe vom Ei. Das konnte man dann von der peinlichen Verköstigung der Gäste im Zeughaus Appenzell nicht behaupten. Pro Besucher gab es ein winziges "Siedwürstchen" und ein ebenso kleines "Wienerchen". Die Getränke mussten von den Besuchern selber bezahlt werden. Appenzell spart halt schon eifrig für das unnötige eigene Spital. 

Freitag 14. Dezember: Heute konnte ich die frisch folierten Bücher wieder entgegen nehmen. Ich habe dann die Wartezeit genutzt, um in meiner Bibliothek alle Bücher von John Berger zu sichten und eine Auswahl mit nach Hause zu nehmen. Am Nachmittag ist dann Vera von Berlin eingetroffen und am Abend haben wir zusammen die Eröffnung vom Heimspiel in der Kunsthalle St.Gallen besucht. Vera präsentiert dort eine sehr beeindruckende Arbeit. Die Vernissage war super besucht und wir sind dann zusammen zum Kunstmuseum gefahren. 

Donnerstag 13. Dezember: am Morgen früh bin ich mit Monika nach Konstanz gefahren. Wir mussten einiges einkaufen und Pakete versenden. Ich bin dann mit dem Zug zurück nach St. Gallen gefahren. Das war richtig erholsam und erstaunlich schnell. 

Am Abend waren wir zur ersten Eröffnung vom Heimspiel in der riesigen Ausstellungshalle in Dornbirn. Wir sind vor allem wegen Lika Nüssli dahin gefahren. Sie präsentiert in luftiger Höhe eine grosse Anzahl von ihren bemalten Tüchern. Der Besuch hat sich gelohnt. Christian Hörler ist einmal mehr ein spannender Eingriff im Raum gelungen und Stöcker Seelig präsentieren eine hintersinnige Arbeit mit ausgelegten Orientteppichen, in die der Schriftzug "... wenn hier ein Mienenfeld wäre und ich in der ferne das Meer hören könnte...

Ein guter Abend für die regionale Kunst.

Mittwoch 12. Dezember: Die letzten Tage hatte ich einigen Ärger. Die neuen Bücher waren total schlecht foliert. Ich musste alles noch einmal in die Buchbinderei zurücksenden. So etwas sollte in einem Hochpreisland wie der Schweiz eigentlich nicht passieren. Zum Glück ging das dann aber alles reibungslos. Die ganze Übung war einfach mit viel Arbeit verbunden. Kontrollieren, herumstehen und warten, frieren und dann alles neu einräumen.

Dienstag 11. Dezember: Ich habe den ganzen tag gemalt und am Abend die Veranstaltung im Ramen der "erfreulichen Universitäten" im Palace besucht. Rolf Bosshard und Thomas Stüssi machten eine sehr spezielle Performance zum Thema Verschwörungstheorien. Das war sehr aufschlussreich und unterhaltsam. 

Sonntag 9. Dezember: Heute ist Aufräumtag. Mit einem gemieteten Lieferwagen haben wir alle Stühle, Tische, Gläser und die Restauflagen wieder in meinem Atelier - Lager verstaut.

Der Verlagsanlass am Samstag war eine ganz tolle Sache. In unserem Wohnraum hatten wir einen wirklich riesigen Büchertisch mit unseren Publikationen aufgebaut. Monika funktionierte ihr Büro um für all die selber zubereiteten Köstlichkeiten und für die Getränke, die sie für die Gäste vorbereitet hatte. Ab 14 Uhr war mein Malatelier, das ich zum Veranstaltungsraum umfunktionierte, zu jeder Stunde immer voll besetzt mit Publikum. Um 14 Uhr hat Reto Hänny sein wunderschönes Buch, das vor vielen Jahren zu seinem fünfzigsten Geburtstag erschienen ist, vorgestellt. Gestaltet wurde das damals vom Künstler Felix Humm, der in Mailand arbeitet. Nun haben wir die restlichen Bücher im Vexer Verlag aufgenommen und mit einer ISBN Nummer versehen, damit dieses Werk endlich in allen Verzeichnissen erscheint und wieder lieferbar ist. Um 15 Uhr erzählte Benno K. Zehnder von seiner sechzehn Jahre dauernden Auseinandersetzung mit dem Farbkonzept das er für das Krankenhaus in Schwyz, zusammen mit den BSS Architekten entwickelt hat. Benno ist ein sehr guter Erzähler und Vermittler. Das neu erschienene Buch "Architektur Farbe Licht Die Kunst von Benno K. Zehnder im Spital Schwyz" ist eine grossartige Würdigung seiner Arbeit.

Um 16 Uhr schilderte Katja Schenker den Entstehungsprozess ihrer grossen Kunst am Bau Arbeit für die Fachhochschule in Muttenz. Sie hat dort im Neubau von Pool Architekten vier Jahre lang vor Ort an ihrem monumentalen "Dreamer" gearbeitet.

Claudia Kübler hat dann aus ihrem Tagebuch gelesen und ihr Buch "Loch" vorgestellt.

Um 18 Uhr berichtete Lika Nüssli über die Arbeit an ihrem Buch "Vergiss dich nicht" und über die positiven Reaktionen die sie an vielen Veranstaltungen entgegen nehmen durfte. Das Buch entwickelt sich zu einem echten Bestseller in unserem Verlag. Am Schluss des Veranstaltungsprogramms berichtete ich über das grosse John Berger Projekt, an dem ich nun schon mehr als ein Jahr arbeite. Ausgehend von einem Essay von Berger (Fellow Prisoners) entwickeln Schriftstellerinnen und Künstlerinnen Arbeiten zum Thema "Geografie der Freiheit". Ich plane zu eine grosse Publikation auf den Herbst 2019, die von Literatur Ost+ gefördert wird. Diese Förderplattform wurde entwickelt von Johannes Stieger und Dorothee Elmiger für die Ostschweizer Kantone. 

Der Verlagsanlass war sehr gut besucht, wir haben sehr gut verkauft dank der interessanten Gäste, Die vielen aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörer machen Mut und geben uns  ein wunderbares Gefühl für weitere Projekte. Leider konnte Vera nicht dabei sein. Sie hatte einen wichtigen Termin für ein neues Buchprojekt in Berlin. Wir sehen sie leider erst am Freitag bei der Eröffnung vom Heimspiel in der Kunsthalle St. Gallen. 

Freitag 7. Dezember: Ich war den ganzen Tag mit der Buchauswahl für die Verlagspräsentation beschäftigt. Nun sieht es ziemlich imposant aus, was ich da alles ausgelegt habe aus meinen 33 Jahren Verlagsarbeit. Jede Publikation hat ihre ganz eigene Geschichte. Da liegt nun ein riesiger Fundus von Erlebtem, Erlittenem und Genossenem auf den Büchertischen. 

Donnerstag 6. Dezember: Monika hat einen Sprenger Bus gemietet, um all die Gläser, Stühle, meine selbstgebauten Stehtische und eine grosse Auswahl an Büchern aus unserem Sortiment zu transportieren. Alles ist eingerichtet. Ein riesiger Büchertisch, der Veranstaltungsraum, mit Platz für rund vierzig Personen, der Raum für all das Essen und die Getränke. Auch all die Köstlichkeiten aus der Küche sind vorbereitet. Ich freue mich auf das tolle Programm mit Reto Hänny, Benno K. Zehnder, Katja Schenker, Claudia Kübler, Lika Nüssli, und auf meine Präsentation vom John Berger Projekt.

Am Abend freuten wir uns auf die Preisverleihung der St.Galler Kulturstiftung. Bernard Tagwerker erhielt den grossen Kulturpreis. Ein sehr stimmiger Abend, mit einer sehr langen "Vorlesung"  von Bernard Tagwerker, in der der Künstler die Kunstgeschichte bis weit - weit zurück aufrollte. Bei der Renaissance geriet er etwas ins Stocken und ich habe ihm dann später gestanden, dass ich froh war, dass er die Kunstgeschichte nicht bis zu den Höhlenbewohnern beschrieben hat. Ein gelungener Abend mit einer souveränen Corinne Schatz, einer starken Lesung von einem Text der jungen Autorin Anna Stern und einer schönen Würdigung des Performerduos aus Rapperswil. 

Mittwoch 5. Dezember: Ich habe heute alles zusammengepackt und aufgeräumt in meinem Atelier an der Brauerstrasse. Für unsere traditionelle Verlagspräsentation "Schnäppchen & Häppchen" muss mein Atelier komplett ausgeräumt sein. Dann seifte ich wieder einmal den Holzboden nach langer Zeit.

Dienstag 4. Dezember: Sehr früh aufgestanden. Ich fuhr mit meinen Kunstschätzen aus dem Vexer Verlag nach Bern. Ich hatte ein sehr gutes Treffen in der Nationalbibliothek. Das ist ein sehr konzentrierter Ort, der ob seiner Bedeutung und Gewichtigkeit zusammenzubrechen droht. Das Gewicht der geschriebenen Geschichte drückt gewaltig. Am Mittag bin ich zum Proger spaziert mit meinem leeren Wagen und einem knurrenden Magen. Spontan besuchte ich den Vatter & Vatter Verlag und hatte eine sehr schöne Begegnung mit Annina Schneller. Klug, kompetent und sympathisch. Dann ab ins Lehrerzimmer auf der gegenüber liegenden Seite im Innenhof. Ein Treffpunkt für einen Imbiss, ein Gals Wein, inmitten von Kunst und ausgewählten Büchern. Ich habe eine feine Suppe genossen und bin dann bald zum Bahnhof. Ich musste rechtzeitig in Zürich sein für eine Budget Sitzung von Visarte Schweiz. 

Montag 3. Dezember: Ich mag Montage. Da ist immer etwas Hoffnung, dass die Woche frisch und etwas weniger hektisch geplant werden kann. Nach dem lesen von allen E-Mails, die sich immer am Wochenende anstauen, verfliegt diese Hoffnung dann immer wieder relativ rasch. Heute war ich damit beschäftigt, alle Vorzugsausgaben, Original - Künstlerbücher und Raritäten zusammen zu stellen für meinen Besuch in der Nationalbibliothek. Ich habe alle Schätze sorgfältig verpackt und vorsichtig in meinen übergrossen Rollwagen gelegt. Es war sensationell. Alles hat haargenau in den Wagen gepasst. Wirklich randvoll stand der nun vor meiner Türe. Das gab mir ein wunderbares Gefühl von Stimmigkeit. 

Am Abend besuchte ich die zweite Versammlung zum neuen Kulturkonzept für die Stadt St.Gallen in der Lockremise. Das Thema bewegt. Es waren aus allen Sparten sehr engagierte Leute da. Meine Meinung ist gemacht. Die Stadt muss durch den Kanton entlastet werden bei den grossen Museen und Kulturinstitutionen. Nur so wird es möglich sein, mehr Geld für frei organisierte Kultur ausgeben zu können.

 

Sonntag 2. Dezember: Heute Morgen habe ich zusammen mit Monika zwei kleine aber sehr schöne Arbeiten bei Florian Vetsch aufgehängt. Ich habe ihm das schon vor mehr als einem Jahr versprochen. Die letzten drei Tage war ich in Schwyz. Am Donnerstagabend feierten wir die Buchpremiere von Benno K. Zehnder. Architektur Farbe Licht. Ein 16 Jahre dauerndes Farbkonzept für das Spital in Schwyz, das der Künstler zusammen mit Alfred Sutter von BSS Architekten kontinuierlich weiter entwickelt hat. Das Buch ist grossartig geworden. Anne Hofmann hat die Gestaltung gemacht. Die tollen Fotos sind von Seraina Wirz. Es gibt sehr schöne Texte von Erwin Koch, Silvia Henke, Jürg Krummenacher, Alfred Suter, Gabriela Christen, Kerstin Moeller, Anselm Burr, Dieter Geissbühler und von Benno K. Zehnder. Monika ist am Freitagmorgen nachgekommen und gemeinsam haben wir alles Sehenswerte von Schwyz angeschaut. Den Spital, die Kirchen, das Museum, fast alle Restaurants, Kaffees etc. Gehaust haben wir im Hotel Hirschen. Am Samstagmorgen trafen wir uns mit dem Künstler, dem Architekten und interessierten Gästen zu einer gelungenen Buchpräsentation in der Buchhandlung Tau in Schwyz. Wir erlebten ein richtig anregendes Wochenende mit einer sehr schönen Rückfahrt über das naturbelassene Riet von Rotenturm.

Mittwoch 28. November: Treffen mit Andres Müry, Besprechung vom Buchprojekt über Peter Wirz.

Dienstag 27. November: Treffen mit Rolf Bossart. Buchprojekt Besprechung.

Montag 26. November: Ein guter Arbeitstag und am Abend eine sehr schöne Ausstellungseröffnung von Pia Hug im Museum im Lagerhaus. 

Sonntag 25. November: Die letzten drei tage waren sehr intensiv. Ich beteiligte mich an der Buchmesse VOLUMES in der Kunsthalle in Zürich. Am Freitag half mir Monika, die schweren Bücher im Zug nach Zürich zu transportieren. Die Messe war insgesamt sehr erfolgreich für uns. Wir haben gut verkauft, interessante Leute getroffen und gute Kontakte geknüpft. Es war vor allem am Sonntag alles sehr offen und positiv. Ich konnte mich mit Sarah Zürcher treffen und das anstehende John Berger Projekt diskutieren und ich hatte Zeit die wunderbare und radikale Ausstellung von Maria Eichhorn im Migros Museum anzuschauen. Für mich ist das die Ausstellung des Jahres. Konsequent, eindrücklich und blitzgescheit ist diese Künstlerin.

Am Abend bin ich mit meiner verbliebenen Bücherlast glücklich und erfüllt nach St. Gallen zurück gefahren. 

Dienstag 20. November: Ich bin früh nach Zürich gefahren zu einer Sitzung bei Visarte. Wir haben über das Künstleratelier in Sciaredo diskutiert und überlegt, wie sich die Visarte hier einbringen könnte. Ich möchte diesen Ort möglichst bald besuchen. Im Moment liegt viel Sturmholz im grossen Garten, das weggeräumt werden muss.

Am Mittag hatte ich dann eine Baustellenbesichtigung in Zürich, um die Farbe eines Betonmusters zu beurteilen, das wir für ein Kunst am Bau Projekt ausführen wollen.

Sonntag 18. November: Ein schöner Spaziergang mit Freunden in Berg SG, mit guten Diskussionen, feinem Essen und einer schönen, spontanen Gesangseinlage von einigen Gästen. 

Freitag 16. November: Die letzten zwei Tage in Kopenhagen waren anstrengend aber sehr interessant. Die Diskussionen am Kongress waren sehr dicht, anregend und ergiebig. Gemeinsam haben wir am Abend das riesige neue Kunstzentrum in einer ehemaligen Schiffswerft ausserhalb von Kopenhagen besucht. Die potentesten Galerien, die wichtigsten Ausstellungshäuser und die reichsten Sammler sind daran beteiligt. Hochfinanz in allen Lagen. Irgendwie hatte ich den Eindruck von einer gigantischer Spekulationsmasse unter dem Deckmantel aktuelle Kunst. Ich bin gespannt, wie dieser Ort in zehn Jahren aussieht. Das anschliessende, gemeinsame Nachtessen in einem Künstlerlokal war sehr unterhaltsam. Am Donnerstag besuchte ich das Kunstmuseum. Es hat mich sehr gefreut, nicht nur internationale, sondern vor allem sehr spannende und für mich unbekannte Dänische Künstlerinnen und Künstler mit tollen Werken zu sehen. 

Dienstag 13. November: Am Mittag hatte ich einen Termin mit Diane, um mich für einen Kulturkongress in Kopenhagen vorzubereiten. Ich wollte mit ihr meinen englischen Text vorbereiten. Bei diesem Kongress geht es um Künstler Honorare. Ein Thema, das uns bei Visarte Schweiz schon lange beschäftigt. Bei Ausstellungen werden alle bezahlt. Die Aufsicht, das Aufbauteam, Die Direktoren, die Kunstvermittlerinnen, die Putzmannschaft etc. Nur die Kunstschaffenden arbeiten in den meisten fällen für Ruhm und Ehre. Eingeladen wurde ich für den Kongress in Kopenhagen von Marianne Burki von Pro Helvetia. 

Am Abend bin ich nach Winterthur gefahren. Im Materialarchiv der Fachhochschule für Architektur wurde meine Arbeit für das Stadtmuseum in Aarau präsentiert. Es wurden Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm von Sandra Gisin von Donkey shot. Es diskutierten anschliessend Christian Severin, Architekt, Lukas Metternich, Modellbauer, Stefan Stüssi Betongiesser und ich über die Fassade von Aarau. Moderiert wurde der Anlass von Stefanie Müller De Pedrini von der Fachhochschule.

Montag 12. November: Karl Manfred hat mir gestern die Ausstellungsräume vom Kunstverein, viele schöne Orte in Baden Baden und sein eindrückliches Atelier gezeigt. Suzanne hat am Abend ein wunderbares Essen aufgetischt und wir haben uns blendend unterhalten. Am Morgen um neun trafen wir uns wieder in der Küche zum Frühstück. Suzanne hat uns den frischen, selbst gemachten  Quittengelee aufgetischt. Ich habe dann eine Gelee Zeichnung von uns drei als Gästebucheintrag gemacht. Karl Manfred und ich sind dann noch einmal durch die Stadt gewandert. Er hat mir die historische Trinkhalle gezeigt und ich habe noch einmal die Ausstellungsräume angeschaut. das Ausstellungsbudget ist sehr schmal. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Am Mittag war ich schon wieder beim Bahnhof. Die Rückreise machte ich nun über Basel und Zürich.  

Sonntag 11. November 2018: Die zwei Tage im Kunstmuseum mit den Vexer Büchern waren sehr erfolgreich. Heute Morgen habe ich nach einem schönen Frühstück mit Ei meine Sachen zusammengepackt. Angesagt ist ein Besuch bei Karl Manfred Rennertz in Baden-Baden. Ich fuhr über Konstanz. Im Zug sass schlafend ein total betrunkener Engländer ohne Ticket und ohne Geld. Er erzählte dem Zugbegleiter, dass er seine Ex. Frau und seine Kinder besuchen wollte. Da sei aber alles schief gelaufen. Nun sass er ohne Geld im Zug und musste wieder aussteigen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dieser unglückliche Mann je wieder nach England zurückkommen wird. 

Samstag 10. November: Heute wurde ich um sieben Uhr geweckt durch das Telefon. Irgend ein Idiot aus Indien war am Apparat, der mir eine neue Homepage verkaufen wollte. Ich war ziemlich sauer und meine Müdigkeit trieb mich noch einmal ins Bett. Die Buchpräsentation im Kunstmuseum dauerte bis 22.00 Uhr. Das war ziemlich anstrengend und recht erfolgreich. Mein Platz ist neben dem Verlag von Dino Simonett (da habe ich vor Jahren ein signiertes Buch von Tilda Swinton gekauft. Eins meiner kleinsten und liebsten Bücher) Hinter mir ist der Bücherstand von der Edition Patrick Frey. Die haben in diesem Jahr sage und schreibe 33 Bücher herausgegeben. Wir haben es auf sechs Titel gebracht. Mehr geht einfach nicht, wenn man das Leben mit Kunst verdienen muss.... Ich konnte mir zwischendurch den animierten Kurzfilm anschauen von Michaela Müller. Der Film ist wirklich grossartig gemacht. 

Ja und nun muss ich los mit einer neuen Ladung Bücher. ich werde auch die Erstausgaben von Roman Signer Skulptur mitnehmen von 1987. Das Buch gibt es nun auch auf Chinesisch.... da soll mal jemand sagen wir hätten keinen Markt...

Freitag 9. November: Heute muss ich mich vorbereiten für die Nachtschicht im Kunstmuseum St. Gallen. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung  "GOOD LIFE BOOKS", Raum für zeitgenössisches Publizieren".

Um neun Uhr sind die Bücher von Siegfried Kaden von der Druckerei aus Spanien angeliefert worden. Sigi lebt schon lange Zeit in Kuba. Im Buch sind viele Portraitfotos seiner Freunde abgebildet, die er mit Bleistift überarbeitet und ironisiert hat. Wir haben dieses Buch gemeinsam mit der Edition Staeck in Heidelberg herausgegeben. Ein Freundschaftsdienst für Sigi Kaden, den ich schon seit den 80er Jahren kenne. Er war immer präsent bei den Eröffnungen bei Christian Gögger in München und er hat mich 1991 eingeladen für den Kulturkongress in Bitterfeld. Ich zeigte damals einen aus Holz geschnitzten Hasen auf einem Ei sitzend, den dann Rolf Staeck gekauft hat. Maria Eichhorn, Felix Droese, die Gebrüder Staeck und viele weitere grossartige Menschen aus der Kunstszene waren damals dabei. Ja und nun liegen diese Bücher von Siegfried bei mir. Agathe Nisple und Migg aus Appenzell sind auch darin verewigt. 

Nun erwarte ich Monika Dillier. Sie bringt Originalbücher vorbei für eine Präsentation. Ja und dann muss ich endlich alles zusammenpacken.

Donnerstag 8. November: In den letzten Tagen habe ich mich vor allem um mein grosses Buchprojekt zum Thema "Geografie der Freiheit" gekümmert. Die ersten Texte sind bereits eingetroffen. die Ideen für den Kunstteil wachsen. Stefan Rohner hat mir in Berlin von vier Porträts über John Berger erzählt, die von der Schauspielerin Tilda Swinton, Christopher Roth, Colin MacCabe und Bartek Dziadosz aufgenommen wurden. Tilda Swinton hätte ich bei meinem Projekt gerne dabei. Man darf ja träumen - oder? Um fünf Uhr bin ich bei Doktor Huber um über meinen Blutdruck zu diskutieren. Spontan, angenehm, vertrauensvoll. Am Abend waren André Gunz und Irene bei uns zu Gast. Monika hat fein gekocht. Für die Truthankeule habe ich ein Feuer in unserem Holzofen vorbereitet, damit das Bein richtig schön durchschmoren konnte. Herrlich. André und Irene haben 9 Jahre in Berlin gelebt und hatten viel zu erzählen.  

Montag 5. November: Am Morgen hatte ich viel zu tun mit der Aufarbeitung der Messe in Frauenfeld und mit der in den letzten Tagen liegengebliebenen Post und den hunderten von unbeantworteten e- mails. Am Mittag bin ich nach Zürich gefahren für eine lange und intensive Sitzung vom Visarte Zentralvorstand. Am Schluss haben wir Regine geehrt für ihre erfolgreichen zehn Jahre, die sie nun schon die Geschäftsstelle von Visarte leitet.

Sonntag 4. November: Die Messe in Frauenfeld war für mich und den Vexer Verlag sehr gut. Das Interesse an unseren Publikationen war gross. Zum Messe-Hit wurde die Monographie über David Bürkler und sein Werk. In der Region kennen und vermissen sehr viele ihren Freund David. Für viele scheint David auch stellvertretend zu sein für all die vom offiziellen Kultursystem vergessenen, unterschätzten und vernachlässigten Kunstschaffenden zu sein. Vincenzo Baviera hat die Arbeit von David sehr treffend beschrieben. David war einer, der meisterhaft internationale Kunst nacherzählt, nachempfunden und ganz neu und eigenwillig interpretiert hat. Für mich hat David ganz persönliche, bildhafte Kommentare zur Zeit-Kunst geschaffen. Kunst ist für mich eine bildhafte Sprache, die von uns allen benutzt und weiterentwickelt werden kann. 

Stark beachtet wurde auch die Publikationsreihe "Kunst und Bau" und die zwei neuen Nummern von Lorenz Oliver Schmid und das monumentale Werk "Dreamer" von Katja Schenker. 

Feitag 2. November: In den nächsten drei Tagen bin ich an der Buch- und Druckkunstmesse in Frauenfeld. Um 10 Uhr habe ich alles eingerichtet. Monika hat mich mit den vielen Büchern zur Shedhalle gefahren. Um 11 Uhr hatte ich dann schon einen Termin mit Karl Manfred Rennartz für eine Ausstellungsbesprechung. 

Mittwoch 31. Oktober: Am Mittag wurde ich informiert über die Ausstellungseröffnung von Peter Kamm in der Vadiana. Ich bin dann spontan dahin gegangen weil ich Peter schon sehr lange nicht mehr gesehen habe. Gezeigt werden Arbeiten seiner Künstlerfreunde aus seiner Zeit in der Atelierwohnung in Rom und seine Beschäftigung mit Aby Warburg. 

Montag 29. Oktober: Zusammen Mit Regine Helbling nach Bern gereist. Wir hatten einen Termin beim Bundesamt für Kultur, um unsere aktuellen Themen vorzustellen und gemeinsam die Leistungsvereinbarung zu überprüfen. Das Gespräch hat wieder einmal aufgezeigt, wie viele Themen wir bei Visarte bearbeiten. Wir bleiben dran - es gibt noch viel zu tun. 

Sonntag 28. Oktober: weitermalen... und am Abend Geburtstag feiern mit Fredi Altherr

Samstag 27. Oktober: Heute bin ich sehr früh aufgestanden. mein Zug nach Bern ging schon um 7.25 und ich war kurz vor zehn Uhr im Progr in Bern. Wir hatten am Morgen eine Gruppenkonferenz mit Delegierten aus der ganzen Schweiz von allen Visarte Gruppen. Wir stellten die neue Homepage vor und diskutierten anschliessend das aktuelle Berufsbild von Künstlerinnen und Künstlern. Am Nachmittag hatten wir in der Aula eine öffentliche Diskussion mit vier Inputreferaten zum Thema "Von Kunst leben - aber wie". Der Künstler Christian Jelk, der Künstler und  Philosoph Julius Weber, die Performerin Irene Maag und der Maler Hanspeter Hofmann trugen ihre spannenden Inputreferate vor. Das Ganze wurde moderiert durch Christoph Doswald. Nach einer Pause gab es eine witzige und freche "Nachäffung" des Vorgetragenen durch die Berner Autorin und Slampoetin Sandra Künzi. Die anschliessende Diskussion zeigte die vielen existenziellen Fragen zum Thema Kunst und Geld.

Für mich war das eine wirklich spannende Veranstaltung. 

Freitag 26. Oktober: Den ganzen Tag gemalt. Am Abend hat uns Claudia Kübler besucht. Sie hat wunderbare Originalbücher mitgebracht. Monika hat sehr fein gekocht. Ein sehr schöner Abend. 

Donnerstag 25. Oktober. Bei mir ist immer noch malen angesagt. Am Abend haben wir die Eröffnung von Jan Käser und Christian Vetter im Hiltibold besucht und anschliessend die gelungene Ausstellung im NEXTEX mit Lika Nüssli, Marianne Rinderknecht, Christian Hörler, Beate Frommelt, Sebastian Stadler und Anna Hug. Es hat wirklich grossartige und überraschende Arbeiten in dieser Ausstellung.

Mittwoch 24. Oktober: Am Morgen war ich in meinen Atelier- und Lagerräumen an der Lukasstrasse. Der Liftmonteur hatte sich angemeldet und am Nachmittag gab es eine Besprechung auf dem Liegenschaftenamt der Stadt St. Gallen. Ich bin konfrontiert mit unakzeptablen Nebenkosten , die die Stadt von mir fordert. Herr Ippen erschien mit einem riesigen Stapel von Abrechnungen. Gezeigt hat er mir aber keine. 

Dienstag 23. Oktober: Heute früh eine schöne Zugreise mit der Bodensee - Toggenburg Bahn nach Pfäffikon und dann mit der S-Bahn nach Horgen. Ich musste meine neue Holzschnittserie signieren, die ich für die XYLON Zeitschrift gemacht habe. Der Titel: "Vier Holzschnitte für ein Baby, dessen Grossvater das Stricken verlernt hat".

Am Nachmittag hatte ich noch eine Körpertherapie bei Theresa und am Abend wurde eine Buchpremiere gefeiert. Kilian Meyer und Adrian Riklin haben für die WOZ das Buch "Frau Huber geht nach Strassburg" herausgegeben. In diesem Buch wird auch mein Fall geschildert von der Beschlagnahmung meiner Werke "drei Nächte drei Bilder" in Fribourg 1981 und die anschliessenden Gerichtstermine bis zum Europäischen Gerichtshof in Strassburg. Das war ein spannender und lebendiger Abend mit viel interessiertem Publikum. Die Podiumsdiskussion wurde geleitet von Etrit Hasler. Mit dabei waren die Juristin Vanessa Rüegger, Ständerat Paul Rechsteiner und ich. Für mich war das eine weitere Reise mehr in meine Vergangenheit. Da kommen immer noch sehr intensive Emotionen hoch.

Montag 22. Oktober: Wir sind früh aufgestanden in Berlin für unseren Rückflug nach Zürich. Es braucht alles immer so viel Wartezeit. Der Flug hatte Verspätung. Ich war etwas unruhig, weil ich um 13.30 Uhr eine Wettbewerbspräsentation für ein Kunst am Bau Projekt in St. Gallen vereinbart hatte. Es hat aber alles geklappt. Wir konnten unsere Koffer nach Hause bringen und ich eilte mit meinen Unterlagen zur Besprechung. Die letzten 300 Meter musste ich rennen, um dann pünktlich vor Ort zu sein.

Meine Projektvorstellung war OK aber sehr schwer einzuschätzen. Jetzt heisst es geduldig auf den Entscheid warten

Sonntag 21. Oktober: Die letzten Tage waren sehr anstrengend und sehr intensiv. Ich war jeden Tag von 11 Uhr bis 20 Uhr an der Buchmesse und habe tausende von interessierten Menschen gesehen. Eine unglaubliche Masse von Buchideen und von neugierigen Gestalterinnen, Gestaltern, Kunstschaffenden und Produzenten. Am Abend rauchte jeweils mein Kopf und ich wusste nicht mehr ob ich sitzen oder stehen sollte. Der Verkauf war bis zur letzten Stunde eher mässig, dann folgte aber zum Schluss am Sonntagabend ein kaum zu bewältigender Ansturm. Viele hatten bis zum letzten Moment gewartet, um sich für ihr Lieblingsbuch zu entscheiden. Zum Glück waren es nicht wenige, die sich dann für ein Werk vom Vexer Verlag entschieden haben. Grossartige Tage, viele Anregungen und gute Gespräche... wir könnten gleich wieder ein dutzend spannende Bücher herausgeben... Vera und ich haben dann alles zusammengepackt, ein Taxi bestellt und brachte die restlichen Bücher ins Atelier von Vera. Zum Auslüften sind wir dann zu Fuss bis zur Urbanstrasse spaziert und konnten unsere Eindrücke austauschen. Monika hatte ein feines Essen vorbereitet. Ein schöner Abschluss. Nach einem weiteren Nachtspaziergang durch Kreuzberg haben wir wunderbar geschlafen.  

Für fühlten uns in den letzten Tagen im Atelier von Vera, inmitten von ihrer Kunst, wie ein junges Künstlerpaar in einer pulsierenden Stadt. Mir ist meine Zeit von 1991 wieder sehr nahe gekommen als ich für ein Jahr, auf Einladung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, in Berlin gelebt habe. Ich habe ja damals gleich um die Ecke im ehemaligen Ärztehaus von Betanien gewohnt und gearbeitet. Meine Nachbarn waren Svetlana und Igor Kopystiansky. In Bethanien arbeiteten damals unter Anderem auch Daniele Boetti, John Miller und Aura Rosenberg. Als weiterer Gast lebte Nan Goldin in Berlin... Das war eine intensive Zeit.

Donnerstag 18. Oktober: Heute fliegen wir nach Berlin und freuen uns auf Vera, Jérémie und auf unser Enkelkind. Monika wird sich um Shoan kümmern und Vera und ich sind beschäftigt mit der Buchmesse "Friends with books" im Museum im Hamburger Bahnhof. Nach unserer Ankunft sind wir direkt zu Vera nach Kreuzberg gefahren. Erik Steinbrecher macht eine Inszenierung rund um seine neue Publikation "METALSTIL", die an diesem Abend in den Ausstellungsräumen vom Vexer Büro Berlin vorgestellt wird. Es waren viele Freunde von Vera da, viele Künstlerinnen und Künstler, unter anderem Florian Dombois und Thomas Huber und lustigerweise eine unerwartete Delegation aus St.Gallen, mit Andrea Vogel und Stefan Rohner.

Es wurde ziemlich spät. Monika und ich hausten im Atelier von Vera und konnten uns gleich hinlegen.

Mittwoch 17. Oktober: Eine ganze Woche ohne Termine. Es ist fast nicht zu Glauben. Die fünftägige Schreibpause beweist, dass ich mir Zeit genommen habe für eine intensive Malerwoche. Ich muss ja schauen, dass ich mein Herbstbild vor der Winterzeit vollenden kann. Sonst muss ich wieder ein Jahr auf die richtige Stimmung warten. 

Donnerstag 11. Oktober: Ich hatte noch bis um 14 Uhr Zeit, alle meine Entwürfe zu überprüfen, zu ordnen, zu optimieren und zu fotografieren, dann fuhr ich nach Zürich und konnte um 16 Uhr alles abgeben. Anschliessend hatte ich bei Visarte eine spannende Sitzung zum Thema des heutigen Berufsbildes von Künstlerinnen und Künstlern. Persönlich weiss ich ja wie vielfältig meine Arbeit ist. Das beginnt am Morgen früh mit Blutdruck messen (man steht ja unter Druck) und dann folgt das Zeitung lesen. Ein schneller Blick ins St. Galler Tagblatt, das immer dünner wird. Dann kommt etwas intensiver der Tagesanzeiger dran. Die Zeitungslektüre wird immer mehr zu einem Ärgernis. Seit einem Jahr bekommt man das Gefühl, dass die Welt nur noch aus Trump und Trampeln besteht. Ein Graus. Die Kulturseiten gleichen immer mehr einer Wohlfühlzone für Freizeitplaner. Für Kunst ist da wenig Platz. Ausstellungsbesprechungen gibt es kaum mehr.

Nach dem Kaffee folgt dann meistens das Lesen der angestauten Mails. Es kommt oft vor, dass ich bis zum Abend gar nicht mehr vom PC wegkomme... Nun ist in dieser Woche aber alles ganz anders. Ich will endlich malen und die Zeit nehme ich mir.

Mittwoch 10. Oktober: Ich habe den ganzen Tag bis in die Nacht hinein Ornamente entworfen, Farbkonzepte ausprobiert und Ideen geprüft für den Einsatz von Kunst im anstehenden Architekturwettbewerb. 

Dienstag 9. Oktober: Um elf Uhr traf ich in Zürich die junge Architektin Yasemin, um ein Wettbewerbsprojekt zu besprechen. Ich finde es immer sehr spannend, wenn ich schon in der Planungsphase mitdenken kann, wie und wo bei einem Gebäude eventuell Kunst eingesetzt werden könnte. Bis um 14 Uhr hatten wir alle Pläne diskutiert und Ideen besprochen. Für mich steht einiges an Denkarbeit an.

Um 15 Uhr hatte ich dann einen Termin mit Marianne Burki von Pro Helvetia. Wir werden mitte Oktober gemeinsam zu einem internationalen Kongress nach Kopenhagen reisen, bei dem das Thema Künstlerhonorare besprochen wird. Es wird immer wichtiger, dass Förderstellen über das Thema einer gerechten Entschädigung diskutieren für Künstlerinnen und Künstler. Im Ausstellungsbetrieb werden ja alle bezahlt. Die Kuratorinnen und Kuratoren, die Aufbautruppe, die Textschreiber, das Aufsichtspersonal, das Putzteam etc. Nur die Kunstschaffenden stehen im regen und gehen leer aus. Sie dürfen ja schliesslich ihre Kunst zeigen und können hoffen, dass sie berühmt werden. Kunst ist aber leider nicht mehr so einfach zu verkaufen und die Erwartungen des Kunstbetriebs werden immer grösser. Jeder kleine Provinzkünstler muss sich messen lassen mit den Materialschlachten der ganz Grossen... und oft ist am Ende nicht klar wer die Materialkosten übernehmen wird. 

Montag 8. Oktober: Heute morgen war viel los. Monika machte sich auf die Reise nach Italien mit ihrem neu - alten Nissan, den wir vor einigen Tagen spontan in einer Autogarage in Appenzell gekauft haben. Das grosse Auto sieht sehr schwarz aus. In Wirklichkeit ist es dunkel obergine. Man sieht die Farbe aber nur bei Sonnenschein. Das ist für mich rätselhaft. Ich habe mit vorgenommen meine Zeit zum Malen zu nutzen. Es wird Zeit, mein Herbstbild vom letzten Jahr endlich fertig zu bringen, bevor es wieder Frühling wird.

Sonntag 7. Oktober: Wir waren am Mittag eingeladen zu einem wunderbaren Hackbraten mit Ofenfritten und Jasstraining...

Samstag 6. Oktober: Eigentlich hatte ich einen ganz ruhigen Samstag geplant. Am Schluss hatte ich einen ziemlich anstrengenden Gartentag. Zuerst schnitt ich beim Vorbau unsere vermieteten Hausteils die extrem wuchernden Kletterpflanzen und Buschrosen zurück. Dann pickierte ich etwa zwei Stunden lang die weissen und roten Radieschen. Ich habe keine Ahnung ob wir im nächsten Jahr fähig sein werden all diese scharfen Dinger essen zu können.

Freitag 5. Oktober: Heute musste ich einige kritische Sachen organisieren und viele Telefonate führen. Um 14 Uhr war ich im Atelier für einen Termin mit dem Elektriker. Die Stadt verlangt viel zu hohe Kosten für meinen bescheidenen Stromverbrauch. Ich will einen eigenen Strohmzähler. 

Donnerstag 4. Oktober: Die letzten Tage konnte ich in Ruhe malen. Heute fuhr ich nach Zürich um Projekte von Visarte zu besprechen. Um 12 Uhr fuhr ich dann weiter nach Biel für die Abschiedsfeier des verstorbenen, langjährigen Visarte Präsidenten von Biel. Ich habe den engagierten und liebenswürdigen Robert Schüll immer sehr geschätzt. 

Mittwoch 3. Oktober: Kurz entschlossen habe ich heute Monika begleitet, um einen Nissan zu testen. Wir brauchen ein stärkeres und grösseres Auto. Bücher sind schwer, Kunst ist sperrig und die notwendigen Fahrten werden länger...

Am Abend fuhr ich nach Zürich. Ich habe einen Artikel gelesen, dass die Koreanische Schriftstellerin Bae Shua im Literaturhaus lesen wird. Sie ist Artist in Residenz in Zürich. Das war ein sehr guter Abend. Am Schluss las Bae Shua einen Text auf Koreanisch. Eine sehr musikalische Laut-Sprache. An diesem Abend habe ich wieder einmal Reto Hänny getroffen und wir verabredeten dann gleich ein Projekt. Er wird bei unserer Verlagspräsentation in St. Gallen am 8. Dezember sein Buch "Frühling Primavera Printemps Spring Time" vorstellen, das zu seinem 50. Geburtstag erschienen ist, das aber doch nicht wirklich existiert...

Montag 1. Oktober: Telefonthermin mit der Schauspielerin Jeanne Devos. Ich möchte sie engagieren für eine Lesung von einem Text von John Berger. Alles klappt. 

Sonntag 30. September: Nach dem Geburtstagsfest das grosse gemeinsame Frühstück, ein schöner Spaziergang mit dem kleinen Soan und dann der Abschied. Schöne emotionale Momente. Es ist schon spannend. Da sind wir wieder einmal im Bündnerland und genau heute kommt eine sehr spannende Anfrage für ein Kunst und Bau Projekt, aufbauend an den Ornamenten, die ich vor einigen jahren für zwei Häuser in Champher entworfen habe. 

In Chur haben Monika und ich halt gemacht, um die Ausstellung von Sahra Magüser im Labor des Kunstmuseums anzuschauen. Sahra hat eine riesige, raumsprengende Skulptur aufgebaut mit dem Titel "Teilkörper". Ein schwarzer, in der Mitte aufgeschnittener "Berg", gebaut aus einem Holzgerüst, Stoff, Gips und schwarzem Pigment. 

Samstag 29. September: Um zehn Uhr habe ich mich aufgemacht zu einer langen Bahnreise nach Muttenz. Ich war unterwegs mit der neuen Kunst und Bau Nummern von Katja Schenker, die wir im Vexer Verlag herausgegeben haben. Katja hat einen sehr eindrücklichen Monotih aus Beton, Holz, Metall und weiteren Gegenständen aufgebaut, ausgegossen und aufgesägt im neuen Campus der Fachhochschule in Muttenz. Der Bau wurde von pool Architekten geplant. Eine wirklich gelungene und imposante Anlage. Ich traf viele Kunstschaffende, die ich lange nicht gesehen habe, ich hörte mir die Rede von Katja an und rannte dann zum Bahnhof, um nach Breil Brigels zu fahren. Unsere Freundin Flurina feiert ein grosses Geburtstagsfest. Ich hatte eine unterhaltsame Fahrt über Basel, Zürich und Chur.

Freitag 28. September: Monika ist heute Morgen zusammen mit der jungen Familie ins Bündnerland gefahren. Ich malte weiter an meinem Herbstbild und vergass meine Körpertherapiestunde. Theresa hat dann telefoniert und ich bin mit dem Fahrrad in Rekordzeit nach St. Fieden gefahren. Ich denke es waren höchstens drei Minuten... aber ziemlich gefährliche Minuten. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ich wusste gar nicht, dass ich so schnell sein kann.

Am Abend besuchte ich die Vernissage von Valentina Stieger und von Renato Leotta in der Kunsthalle. Eine eindrückliche Ausstellung. Leotta präsentiert eine umfassende Sandsammlung von Stränden in Italien und Valentina präsentiert eine Installation mit Wachsobjekten, die durch ein eingegossenes, weisses Tau zusammengehalten werden. An den Rändern des Ausstellungsraums liegen vereinzelte, weissse Socken.

Mich hat das alles sofort an die Flüchtlingsdramatik am Meer erinnert. Total unterkühlte Brisanz. 

Donnerstag 27. September: Familien- und Maltag.

Mittwoch 26. September: Heute gab es viel zu besprechen mit Vera. Das neugeborene Kind, der Alltag, die Kunst- und Buchprojekte, das Leben, etc. Am Abend veranstalteten wir im Freien ein wunderbares Grossfamilienessen zusammen mit Ruth und Hermann. 

Dienstag 25. September: Ich habe den ganzen Tag an einem neuen Herbstbild gemalt und am Abend besuchte ich eine Veranstaltung von Olav Nicolai in der Lockremiese. In der Sandinstallation von Olav wurde der Film Zabriskipoint von 2010 ohne Ton abgespielt. Dazu improvisierte der Künstler mit einem Kollegen zusammen einen eigenen Soundtrac. Das war sehr spannend. Ich musste dann aber sofort nach hause. Wir erwarteten vera und Jérémie mit unserem Enkelkind Soan und mussten noch einige Vorbereitungen treffen.

Montag 24. September: Bin sehr früh aufgestanden und nach Zürich gefahren für eine Präsentation. Wir planen eine neue Webseite für Visarte Schweiz. Das kommt alles sehr gut. Am Mittag hatte ich dann noch eine Besprechung für ein grosses Kunst am Bau Projekt. Ich war im La Stanza verabredet. Nach einem sehr langen Fussmarsch habe ich die Bar nach vielem Nachfragen dann doch noch rechtzeitig gefunden.

Sonntag 23. September: Zusammen mit Monika sind wir in den  Thurgau gefahren zum Frühstück bei Gisi und Ueli. Anschliessend spazierten wir auf dem mehr als dreistündigen Panoramaweg oberhalb des Bodensees. Ich sah dabei eine der grössten Eichen der Schweiz, hunderte von schwer behangenen Apfelbäumen, den Mühlebach mit den alten Wehren, die Berge, den See und die sich dauernd verändernden Wolken. Laut Wetterprognose war ein gewaltiger Sturm mit starken Windböen und Regen angesagt. Es war dann aber alles halb so wild. Am Abend genossen wir ein feines Essen in einem sehr guten Landgasthof in der Nähe von Schönenbaumgarten.

Samstag 22. September: Gartenarbeit, malen und am frühen Abend gemeinsam mit Monika zur Eröffnung von Vanessa Billy im St.Peter in Zürich. Ich war Mitglied der Jury, die zum Thema "Schatten der Reformation" eine künstlerische Arbeit für die Kirche St.Peter ausgewählt hat. Vanessa Billy hat zwei Krohnleichter im Kirchenschiff abmontieren lassen und diese Leuchter mit zwei mundgeblasenen, pulsierenden Glastränen ersetzt. Eine sehr gelungene Arbeit für diesen Kirchenraum.

Freitag 21. September: Heute Nachmittag machten wir einen sehr schönen Ausflug mit Irène und Max. Zuerst mit dem Postauto und dann mit dem Zug nach Gais und dann eine zweistündige Wanderung über die Herbstwiesen nach Appenzell. Max hatte vorab sein Auto nach Appenzell gefahren, damit wir nachher zum geschenkten Geburtstagsessen in die Traube in Gais fahren konnten. Das Essen , der Wein und die Gastlichkeit sind grossartig. Wenn man so verwöhnt wird, macht das Älterwerden Spass. 

Donnerstag 20. September: Heute Morgen habe ich spontan ein Treffen vereinbart mit Thomas Wieland von der Bibliothek in der Hauptpost. Ich würde gerne eine Sonderpräsentation zu einem Buchprojekt vorbereiten. Nächste Woche bekomme ich Bescheid ob alles klappt.

Am Mittag haben wir ein feines Lammragout von unserem Nachbarn Hermann genossen. Monika hat dazu einen feinen Basmatireis gekocht. Als Extra versuchten wir das frisch eingekochte Ebereschen Chutney. Die Vogelbeeren galten für mich immer als giftig. Durch das richtige vorgefrieren und präziese Kochen wird das aber eine leicht bitterscharfe, sensationelle Beigabe. Ein Rezept findet man im Internet u. A. bei Unkrautgourmet. 

Traurig. Jetzt hat mich per Mail die Nachricht erreicht, dass unser Freund Robert Schüll, der langjährige Präsident von Visarte Biel nach langer Krankheit verstorben ist. Die Abschiedsfeier findet am 4. Oktober um 14 Uhr in der Stadtkirche in Biel statt.

Mittwoch 19. September: Um 10 Uhr war ich mit einem Stadtrat verabredet für ein Gespräch zuim Thema Kulturkonzept der Stadt St.Gallen. Das war sehr anregend und konstruktiv. 

Dienstag 18. September: Am Morgen habe ich mich vorbereitet für die Projektsitzung mit Johannes Stieger und Jens Lampater zum Thema "Geografie der Freiheit". Monika hat ein kleines aber feines Essen gekocht. Ich habe alle abstracts der Autorinnen und Autoren kurz vorgestellt. Die Sitzung war anregend. Es gibt aber noch viel zu bedenken und zu tun. Nach diesem Gespräch habe ich mich im Garten erholt durch das umgraben und präpariene von unserem riesigen, alten Komposthaufen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele und so grosse Würmer gesehen. ich habe den Kompost gesiebt und die Würmer im neuen Garten von Hand in der Erde eingebettet. 

Montag 17. September: Ernst Egli hat mich angerufen. Die Druckstöcke für die XYLON Nummer 166 sind wirklich nicht druckbar. Notfallmässig werde ich eine Nummer vorbereiten. Ich bin sofort ins Atelier gefahren, um alles vorzubereiten für eine grosse Holzschnittserie. Ich musste nur noch die besten Zeichnungen aussuchen und ins Holz zu schneiden. Es hat grossen Spass gemacht und am Abend bin ich mit vier fertig geschnittenen Holzplatten im Fahrradanhänger nach Hause gefahren. 

Sonntag 16. September: das Wochenende habe ich im Garten verbracht und zwei tage Erde herum gekarrt. Am Sonntagabend hatten wir unsere Nachbarn zu einer vergnüglichen kulinarischen Zusammenkunft eingeladen. Mit 10 gutgelaunten Gästen, die alle wunderbare Köstlichkeiten mitgebracht hatten erlebten wir einen anregenden, warmen Herbstabend. Das Thema wäre eigentlich der geplante , riesige Neubau im Nachbarsgarten gewesen. Irgendwie hatte aber niemand richtig Lust darüber zu reden. Der Abend war zu schön undd keiner wollte die Stimmung trüben. 

Freitag 14. September: In den letzten Tagen habe ich viel im Garten gearbeitet. Heute Nachmittag wurde die zweite Ladung Erde geliefert. Ein riesiger Latwagen mit Baggerschaufel musste vom Fahrer rückwärts, mit grosser Vorsicht den engen Weg zu unserem Haus chauffiert werden. Beim ersten Transport hat er ein Stück des Treppenabsatzes "mitgenommen". Dieses Mal hielt er sich mehr auf die andere Seite und ich hatte Angst, dass der Lastwagen ins Nachbargrundstück stürzt. Der versierte Fahrer hat aber alles sehr gut gemeistert. Nun liegen wieder rund sechs Kubikmeter Erde im Garten, die ich mit der Karette den kurzen aber steilen Weg zum grossen Biotop schippen muss. 

Am Abend waren wir zu einem sensationellen Essen mit Weinbegleitung im Restaurant Gut im Vorarlberg eingeladen. Eine tolle Runde in einer angenehmen Atmosphäre.

Donnerstag 13. September: Um 12.30 Uhr war ich in Zürich. In der Geschäftsstelle von Visarte Schweiz trafen wir in einer grossen Runde zusammen, um über das aktuelle Berufsbild der Künstlerin - des Künstlers zu sprechen. Karin Frommherz hat die Sitzung geleitet und war sehr gut vorbereitet. Das Thema wird uns noch längere Zeit beschäftigen. 

Mittwoch 12. September: Um 10 Uhr war ich mit Isuf Sherifi für eine Besprechung verabredet. Wir haben uns sehr gut verstanden. Die Besprechung im Garten vom Kaffee Gschwend war sehr ergiebig. Ich hätte gerne einen Text von Isuf für das John Berger Projekt. Ich habe seinen Gedichtband "Die weisse Filzkappe" gelesen, der im Waldgut Verlag erschienen ist. Eva Bachmann hat mir den Autor empfohlen. 

Dienstag 11. September: Heute um 10 Uhr traf ich mich mit Max Frischknecht für die Vorbereitung eines Wettbewerbdossiers für ein Kunst am Bau Projekt in St.Gallen. Dann musste ich alle Texte für die Unterlagen schreiben.

Am Nachmittag habe ich Holzplatten bestellt. Wenn ich bei XYLON notfallmässig für eine Xylonnummer einspringen muss möchte ich bereit sein.

Montag 10. September 2018: Heute Morgen hatte ich eine angenehme Reise nach Zürich. Ich habe mir viel Zeit gelassen für den Bus, für das Lösen des Bahnbillets, für den frischen Kaffee etc. und stand dann auch eine halbe Stunde zu früh in der Bahnhofhalle in Zürich. Ich hatte um 10 Uhr die Abschlusssitzung bei Anne Hofmann für das Buch über das Kunst am Bau Projekt von benno K. Zehnder im Spital Schwyz. Er hat zusammen mit dem Architekten 16 Jahre lang daran gearbeitet. Das wird ein richtig schönes Buch zum Thema Farbe und Architektur.

Am Nachmittag traf ich Daniele Hediger und ihre zwei technischen Berater für eine Besprechung einer geplanten thematischen Wanderausstellung. Das wird ein sehr anspruchvolles und spannendes Projekt zum Thema Karriere und Familie.

Sonntag 9. September: Beim Aufstehen irritierte mich ein miefiger Geruch. Beim Öffnen der Fensterläden sah ich schnell, dass mein selbst geschaffener Vulkan im Garten immer noch rauchte. Spärlich bekleidet mit einer Unterhose habe ich dann mit dem Gartenschlauch die zischende Glut gelöscht. 

Am Mittag fuhren wir ins Toggenburg, um in Krienau eine Freiluftausstellung zu besichtigen. Es sind einige eindrückliche Arbeiten entstanden. Wir schauten uns auch die leerstehende Weberei am Dorfrand an. Eine Schulkollegin hat mit im sommer eine Dokumentation von dieser Liegenschaft zugeschickt. das riesige gebäude kann günstig erworben werden. Aber wer will wirklich nach Krienau? Auf dem Heimweg besuchten wir noch die Ausstellung von drei Armeinschen Künstlern in der Probstei in St. Peterzell. Eine sehr schön inszenierte Präsentation. dann gab es einen vesprer bei Amelie im Rössli. Sehr fein geschnittener Schwartenmagencarpacio mit frischemn Salaten. dazu einen spritzigen Weisswein und dann schnell Heim.

Samstag 8. September: Heute habe ich mich aufgerafft, am Zuschütten meines zweiten Biotops weiter zu arbeiten. Ich habe im Krater des Biotops Gartenabfälle, Äste und altes Holz verbrannt. Irgendwann hat das dann einen ziemlichen Rauch erzeugt. um die Naschbarn nicht zu stark zu ärgern schaufelte ich dann einige Karetten Erde auf das glimmende Feuer und schüttete alles möglichst dicht zu. Am Abend präsentierte sich das ehemalige Biotop wie ein Isländisches Vulkanfeld. Überall stiegen im Garten kleine Räuchlein auf.  

Donnerstag 6. September: Um 18 Uhr haben wir die Eröffnungen von Illona Rüegg und Michael Bodenmann beim Hiltibold besucht. Anschliessend haben wir ein grossartiges Orgelkonzert in der Linsenbühlkirche erlebt. Der Komponist und Organist Hampus Lindwall hat nach dem Libretto der Künstlergruppe "Studio for propositional Cinema" ein Orgelstück geschrieben. Bis zum Wochenende ist noch die Ausstellung zum Libretto in der Kunsthalle zu sehen. Inhaltlich setzt sich dieses Stück mit der in Vergessenheit geratenen und fast ausgestorbenen Pfeiffsprache auseinander, die in Griechenland von Hirten, Lumpensammlern und andern als eine Art Geheimsprache verwendet wurde. Das Konzert begann mit einem verwirrenden und schwirrenden Klingen aus den hohen Pfeiffen, das sich zu nähern und zu entfernen schien, um dann um so wuchtiger wieder zu einer von hinten anschleichenden Gegenwart anschwoll. In verschiedenen unheimlich intensiven Sätzen pfiff, flirrte und donnerte es aus dieser Orgel, die teilweise zu zerbersten drohte. Meditativ, unheimlich, geheimnisvoll und alsbald wieder prallvoll von unegeheuerlicher Kraft und inte4nsiver Musikalität. ich habe mir das orgelspiel, die Musik immer so stark vorgestellt imbeim Lesen des Buches "Schlafes Bruder". Ich hatte aber nie die Hoffnung, diese Intesität je erleben und hören zu können. Ich glaube, dass die Orgelpfeiffen nach diesem Kraftakt in der Nacht schlaff und ausgepowert in Querlage liegen und sich in tiefem Schlaf erholen mussten. Dieses Konzert hat mein Orgelerlebnis in einer Kathedrale in Toulouse vor Weihnachten 2016 noch übertroffen. Damals spielte ein unbekannter Organist Musik der stärksten Sorte. Es könnte ja sein, dass es zufällig auch Hampus Lindwall war. Wer weiss - er weiss.

Nach dem Konzetrt sind wir nudelfertig nach Hause spaziert. An der Rehetobelstrasse überholte uns dann Marie Hanimann zusammen mit zwei Freundinnen auf ihren Fahrrädern. Spontan hat sie uns dann eingeladen zur Besichtigung ihrer neu erworbene Jugendstilvilla. Das Haus wurde von der Bauherrin im Jugendstil der nordischen Göttin der Liebe und der Ehe gewidmet. Diese Göttin war eine spezielle Frau, die sich von Katzen in einem Wagen herumziehen liess. Na ja wir haben ein Glas Wein getrunken und Geschichten aus alten Zeiten aufgefrischt. 

Ein denkwürdiger Tag der nachklingen wird.

Mittwoch 5. September: Ein guter Arbeitstag, der am Abend mit einem vielversprechenden und sehr netten Atelierbesuch endete.

Dienstag 4. September: Früh aufgestanden und um 7.25 trotzdem den Zug nach Basel verpasst. War dann erst um 10.30 Uhr an der Retraite von SWIPS im Ackermannshof. War ein anregender Verlegertag. Ich konnte für mich einige persönliche und in die Zukunft weisende Fragestellungen klären. Um 18 Uhr hatte ich dann noch eine Sitzung mit der Redaktionsgruppe von XYLON. Es haben sich bei den neuen XYLON Nummern einige drucktechnische Probleme ergeben die wir lösen müssen. Eine Serie Druckstöcke scheint für einen maschinellen Druck nicht geeignet. Im Notfall muss ich einspringen mit einer Mappe. Ich werde mal vorsorglich Holzplatten bestellen. Ein Aufsteller sind die 32 frisch geschnittenen Motive für unsere neue Schwarzgeld Edition. Das wird eine gute Sache. Die Auflage sollte fertig sein bis zur Druck- und Kunstbuchmesse in Frauenfeld. Um 23 Uhr war ich dann wieder zu Hause.

Montag 3. September: Ein guter Arbeitstag im Atelier. Zusammen mit Monika habe ich eine kleine Präsentation an der Lukasstrasse vorbereitet und ein grosses Gemälde verpackt. Am Abend gut gekocht und fein gespiesen.

Sonntag 2. September: Nach einem gemeinsamen Frühstück mit Petra und Peter fuhren wir die Beiden gegen zehn Uhr nach Glarus zum Bahnhof. Monika und ich sind dann nach Vaduz weitergefahren. Ich wollte unbedingt noch die Ausstellung von Thomas Lehnerer sehen und das zufällig am letzten Tag. Die Präsentation dieser Werkübersicht hat mir sehr gut gefallen. Das zeichnerische und skulpturale Werk wurde sehr sorgfältig ausgewählt und präsentiert. Für mich war das eine grosse Entdeckung. Ich bin auf die Arbeit von Lehener aufmerksam geworden an der Austellung zum Thema Kapital vor ca. einem Jahr am gleichen Ort. Damals waren einige ganz kleine aber sehr berührende Skulpturen präsentiert worden. In meiner Bibliothek habe ich dann einige Publikationen aus den 80er jahren gefunden, die ihrer Schmalheit wegen untergegangen waren. Antiquarisch habe ich dann noch einiges mehr gefunden. Bei dieser Ausstellung von Lehnerer ist mir einmal mehr die gemeinsame Sprache von vielen Kunstschaffenden aus dieser Zeit bewusst geworden. 

Samstag 1. September: Heute Morgen sind wir ins Glarnerland gefahren für die Eröffnung der Musikwoche in Braunwald. Um 15 Uhr spielten Petra Ronner und Peter Schweiger ein ausgefuxtes Spiel mit Texten von Karl Krauss. Ein starkes Programm mit überraschenden Gesangseinlagen von Petra und Peter. Nach dem Apéro gab es ein Performatives Saxofonkonzert mit Studierenden der ZHDK. Es spielte das Toni Sax Quartet. Dazu performte Emanuel Michaud. Wir genossen dann den Abend mit einem feinen Essen und guten Gesprächen. Wir übernachteten dann im Hotel Todi, wo Karl Krauss in den 30er Jahren mit seiner geliebten Baronin Sidonie Nàdhony zu nächtigen pflegte. Das Tal war damals noch komplet unversehrt und die Wasserfälle stürzten von allen steilen Flanken. das muss ein Tosen und Donnern gewesen sein in den rauen Nächten. Heute wirkt die Landschaft total umgepflügt und die Bäche gebändigt durch die extreme Nutzung der Wasserkraft. Die erotisierende Wirkung von damals scheint komplett weggebaggert zu sein. Das Wochenende war trotzdem sehr anregend. 

Freitag 31. August: Die letzten Tage habe ich konzentriert gearbeitet für einen Kunst am Bau Wettbewerb. Es gibt viel zu überlegen, zu texten und zu konzipieren. Am Abend hatten wir eine Nachfeier von einem Geburtstag im Bühler. Karin hat einmal mehr wunderbar gekocht und Urs trug grossartige Weine vom Feinsten auf. Wir hatten dann eine lustige Rückfahrt. Beim Bahnhof hingen noch viele Jugentliche herum. Der neue Bahnhofplatz wurde mit einem grossen Fest eingeweiht. Leider hat es stark geregnet und der Publikumsaufmarsch hielt sich in Genzen. Rechtzeitig zum Fest wurde auch die grosse Anzeigentafel an der Front des Neubaus  entfernt, die das Kunst am Baukonzept von Norbert Möslang extrem gestört hat.  Nun läuft die binäre Uhr als dauernd bewegtes Bild im Sekundenrythmus. 

Mittwoch 29. August: Die letzten wei Tage war ich im Schloss in Übersdorf bei Fribourg. Das Anwesen gehörte einmal den Künstlern Daniel Spörri und Jean Tingueli und der Galeristin Littmann. Später war dann Dieter Roth der Schlossbesitzer. Da gab es sicher legendäre Feste. Ein sehr schöner Ort. Wir hatten mit dem Zentralvorstand von Visarte eine zweitägige und intensive Retraite. 

Heute um 10 Uhr erwarte ich Lika Nüssli. Sie will mir ihre Arbeiten zeigen, die sie in Paris in der Cité des Art gemacht hat. 

Sonntag 26. August: Viel Ruhe heute. 

Samstag 25. August: Heute las ich im Tagesanzeiger, dass am Abend ein Grossbrand beim Bahnhof in Zürich wütete. Zum Glück erreichte ich gestern noch retzeitig meinen Zug in Zürich. Eine halbe Stunde später wäre ich gar nicht mehr zum bahnhof gekommen.

Heute erlebten wir ein sehr angenehmes Familientreffen in Ernetschwil. Treffpunkt war das Elternhaus meines Vaters. Ich habe als Kind oft die Sommerferien oder die Herbstferien hier verbracht. Viele Erinnerungen werden wach an meine Cousinen, an die Grosseltern, Onkel und Tanten. da war immer sehr viel los auf dem Bauernhof.

Freitag 24. August: Am Morgen hatte ich ein grosses Gejufel. Sebastian Utzni hat mir kurzfristig mitgeteilt, dass die Holzdrucke am Freitag in Zürich sein müssen. Zum Glück hatte ich bereits einen Termin für eine Sitzung. Ich musste alles vorbereiten und verpasste prompt den Zug. In Zürich traf ich bei der Tramhaltestelle zufällig Albert Mauerhofer. Er half mir beim Lösen des Tickets. ich konnte nicht mit der Karte bezahlen, weil der Schlitz zugeleimt war. Ein richtiger Morgenstress. Vor dem Retaurant "Zum  grünen Glas" wartete bereits Daniela und neben ihr auch der Sebastian Utzni. Die Beiden kannten sich nicht und staunten, dass ich gleich mehrere Verabredungen zur gleichen Zeit verabredet hatte. Es ging dann zum Glück alles doch noch auf. Der nächste Stress folgte dann nach dem Essen. Um 14 Uhr musste ich an die Forsterstrasse für ein Treffen mit Angelika Affentranger und der Grafikerin Nadine Rinderer. Ich bin als Verleger involviert bei der Ausstellung "Grüner Henry", die zum Jubeljahr von Gottfried Keller 2019 stattfinden wird. Ich traf auf die Minute genau zur Besprechung ein.... später war dann noch ein Rundgang durch die Ausstellung "Zürich Nord" angesagt. Beeindruckend was Christoph Doswald alles präsentiert. 

Donnerstag 23. August: Am späten Vormittag sind wir mit fast 200 Büchern nach Luzern gefahren für die Buchvernissage von Claudia Kübler in der Kunsthalle. Die Fahrt ist reibungslos gelaufen. Wir haben die Bücher abgegeben und die Ausstellung kurz angeschaut. Claudia war noch an der Arbeit. Wir haben uns dann sehr viel Zeit gelassen um die grosse Präsentation von Claude Sandoz im Kunstmuseum zu besuchen. Unter dem Titel "Ab auf die Insel" hat das Museum eine ganz tolle Ausstellung mit unterschiedlichen Künstlern und Künstlerinnen konzipiert. Claude Sandoz hat einen super Auftritt. Es war sehr schön, einmal seine ganze Arbeit im Überblick zu sehen. 

Am Abend hatten wir dann eine sehr schöne und erfolgreiche Buchvernissage mit Claudia mit viel Publikum. Wir konnten leider nicht so lange bleiben. Die Rückfahrt nach St.Gallen ist nach so einem Tag immer sehr anstrengend. 

Mittwoch 22. August: Den ganzen Tag im Garten gemauert und gebudelt. Ich habe mich entschieden, bei beiden Biotopen einen kleinen Teil als  Wasserbecken für das Regenwasser umzubauen und mit Schilf, Lilien, Seerosen etc. zu bepflanzen. Das erste Biotop ist nun bereits aufgefüllt und sieht sehr gut aus. Ich habe grossflächig Kresse und Petersilie ausgesät für einen ersten Bewuchs. Wenn nötig werde ich das dann als Gründünger wieder in die Erde einarbeiten. 

Am Abend musste ich zusammen mit Monika noch fünf grosse Holzdrucke verpacken für eine Ausstellung in Reutlingen.

Dienstag 21. August: Nach intensiver Schaufelarbeit im Garten traf ich am Abend Eva Bachmann zum Nachtessen im schwarzen Adler. Ich wollte mit ihr das John Berger Projekt diskutieren. Das hat sehr viel gebracht und Eva konnte mir einige wichtige Tips geben. 

Montag 20. August. Um 7.45 stand schon ein riesiger Lastwagen mit Bagger vor unserem Haus. Ich habe Erde bestellt, um die Biotope teilweise wieder aufzufüllen. Wir wollen den Garten vergrössern und mehr Gemüse anpflanzen. Da werde ich in nächster Zeit einige Tonnen Material im Garten herumstossen. 

Sonntag 19. August: Heute war alles ganz Familie. Eine neue Erfahrung. Erinnerungen werden wach an unsere Familienzeit vor fast vierzig Jahren. Wir waren so jung damals. Unerfahren, unerschrocken, wild drauflos. 

Unser Wochenende in Berlin war natürlich viel zu kurz. Der Rückflug funktionierte reibungslos.

Samstag 18. August: Wir haben alle gemeinsam einen langen und schönen Spaziergang gemacht in der Hasenheide. Am Abend haben wir die junge Familie alleine gelassen und sassen in Berlin Mitte zusammen mit St.Galler Freunden hoch oben über den Dächern auf einer wunderbaren Terasse, bei feiner Pasta und gutem Wein.

Freitag 17. August: Am Morgen früh kam Nicole rampa vorbei um ihr Buchprojekt zu besprechen. Literarische Portraits über Schweizer Kulturschaffende, die in New York arbeiten. Wie immer steht natürlich auch die Finanzierbarkeit des Projekts im Focus. Ich spiele ja regelmässig Euromillion. Über den Einsatz hinaus habe ich aber nie etwas gewonnen...

Am Nachmittag sind wir zum Flughafen Kloten gefahren und haben als Erstes erfahren, dass unser Flug ausfällt. Statt eine Stunde Warten waren es nun plötzlich drei Stunden Wartezeit. Das war hart. Wir wollten doch möglichst schnell unser Enkelkind in den Händen halten. Nach mehr als sieben Stunden waren wir dann endlich in Berlin. Schnelles Eincecken im Hotel und dann ums Eck zu Vera Jérémie und Soan. Das war ein wunderbarer und berührender Moment. 

Donnerstag 16. August: Ein vielseitiger Büro und Arbeitstag. Briefe beantwortet, viele e-mails verschickt, Packete verpackt, Atelier aufgeräumt, Bibliothek geordnet etc. Am Abend veranstalteten wir das erste Kartoffelessen mit der frischen Ernte aus unserem Garten. Grossartig. Zu den Kartoffeln haben wir Schafsraclett vom Feuer serviert. Als Beilagen habe ich viele verschiedene Gemüse vorbereitet. Pilze, Zuccinis, Peperoni, Zwiebeln etc. mit frischen Kräutern und ganz unterschiedlichen Saucen. Als Gäste waren Carole, Vanja und Santos dabei. Ein richtig schöner Abend. 

Mittwoch 15. August: Am Mittag war ich verabredet mit Rolf Bossart im Tibits, um über das John Berger Projekt zu reden. Vor dem Eingang begegneten mit die Hohengasser Sisters Anita und Conny. Ein schöner Zufall, der viele gute Erinnerungen wachruft. 

Am Abend fand in der Lockremise ein Grossanlass mit der Fachstelle Kultur statt. Es geht um die Erabeitung von einem neuen Kulturförderungskonzept. Rund 150 Kulturinteressierte diskutierten in Gruppen über neue Möglichkeiten in der Kulturförderung und um eine effiziente und zukunftsgerichtete Kulturpolitik. Mir ist wieder einmal klar geworden, dass die Stadt St.Gallen mit rund 80 tausend Einwohnern viel zu grosse kulturelle Lasten trägt. Der Kanton müsste sich viel stärker engagieren beim Kunstmuseum, beim Historischen und Völkerkundemuseum beim Naturmuseum und beim Textilmuseum. All diese Museen haben eine starke überregionale, schweizerische- und teilweise auch internationale Ausstrahlung. Die städtische Kulturförderung kann langfristig nur verbessert und für regionale Kunstschaffende ausgebaut werden, wenn sie durch den Kanton und durch die Region von den überregionalen Lasten entbunden wird. Leider wird das viel zu wenig diskutiert. Viele meinen, dass der Kanton und die Region nicht in der Lage wären, die Trägerschaft der Museen zu übernehmen. Ich frage mich da einfach wie das denn die kleine Stadt St.Gallen schaffen soll.

Insgesammt war das ein spannender Anfang in einer Kulturdebatte, die noch lange nicht zu Ende sein wird. Es braucht ein Umdenken. Weg von den Leuchttürmen und viel Mut zur Stärkung des Regionalen. Bei uns ist ja wirklich weit und breit kein Meer in Sicht - aber viele Leuchten.

 

Dienstag 14. August: Nach den schönen Tagen in Italien versuche ich mich zu disziplinieren und zu arbeiten. Das ist gar nicht so eingfach. Ich habe vor der Reise viele Bücher antiquarisch über das ZVAB bestellt von Sibylle Berg und habe einige Raritäten gefunden. Jetzt lese ich mit grossem Genuss das Buch "Der Tag an dem meine Frau einen Mann fand." Als Auflockerung erledigte ich zwischendurch einige Bestellungen, bin mit Fahrrad und Anhänger ins Atelier an der Lukasstrasse gefahren um Büchernachschub zu holen, durchgelüftete die überhitzten Räume und freute mich mich an diesem und jenem. Zu Hause malte ich dann an einer Spiegelung weiter und spielte ein richtig sommerliches Künstlerleben in Echt. Macht ja richtig Spass. 

Montag 13. August: Heute musste ich mich als Erstes durch einen riesigen Stapel von Post arbeiten. Am Nachmittag hatte ich dann eine Baustellenbesichtigung für ein Kunst am Bau Projekt. 

Sonntag 12. August: Die Rückreise haben wir zu dritt angetreten. Nach gut sechs Stunden waren wir wieder in St.Gallen. Wie erwartet sind unsere Zucchinis und die Gurken enorm gewachsen. Das gab ein prächtiges Nachtessen. Frische Bratkartoffeln, marinierter Tofu und dazu Zucchinispagetti. Für die Zubereitung gibt es einen super Schäler, mit dem man das Gemüse vorbereiten kann wie Spagetti. Die brät man dann zwei drei Minuten lang mit viel Knoblauch, scharfen Peperoncini und frischen Gewürzen in der Bratpfanne. Ein wunderbares Essen.

Donnerstag 9. August: Ein schöner Tag zum Herumhängen und lesen. Am Abend sind wir nach Pollenzo gefahren zu einem guten Geburtstagsessen und anschliessend zum Konzert von Joan Baez. Die 77 jährige Musikerin gibt zur Zeit eine Abschiedstournee in Europa. Joan Baez hat immer noch eine wunderbare Stimme und das Konzert hat mich sehr beeindruckt. Die Ruhe und Bescheidenheit der Musikerin und ihr Umgang mit den Bandmitgliedern war grossartig. Ihr Sohn spielte Schlagzeug. Unaufdringlich aber höchst kompetent. Ihre politischen Aussagen waren klar und sehr differenziert. Die italienischen Konzertbesucher haben aber kaum darauf reagiert. Vieleicht haben sie es einfach nicht verstanden oder nicht verstehen wollen. 

Mittwoch 8. August: Der gestrige Abend war voller Emotionen. Um 18.43 ist unser Enkelkind geboren. Alles ist gut gegangen. Grosse Erleichterung und riesige Freude. Die ersten Fotos sind schon eingetroffen per Watsapp. Ein wunderschönes Kind mit dem Namen Soan - Naos. Das heisst Stern auf Algerisch. Der Vater von Jérémie hat algerisch - jüdische Wurzeln. Er musste vor Jahrzehnten nach Marokko flüchten und ist dann in Paris gelandet. Leider haben die Beiden keinen Kontakt mehr. Ich denke da gäbe es einiges zu klären und zu diskutieren. 
Heute fahren wir nach Loazollo im Piemont zu einer Geburtstagsfeier. Das gibt uns viel Zeit zur Ruhe zu kommen. Die rund sechs Stunden Fahrt waren anstrengend aber alles ist gut gegangen. Es war sehr heiss aber in Italien hatte ich das Gefühl, dass die Felder noch viel grüner sind wie bei uns. Italien scheint viel besser mit der Hitze umgehen zu können. Da müssen unsere Bauern noch viel lernen. 

Ein sehr schöner Abend mit einem feinen Essen und gutem Wein. Ein sehr starkes Gewitter mit enorm viel Regen brachte Abkühlung in der Nacht.

Dienstag 7. August: Gestern Abend ist es spät geworden. Das Verarbeiten der Holunderbeeren hat viel Zeit gekostet. Nun stehen 12 fertig abgefüllte und ausgekühlte Einmachgläser in der Küche. Ich freu mich sehr aber ich denke für dieses Jahr reicht es mit Holder pflücken.

Heute musste ich einige Dossiers für Gesuche vorbereiten. Huuuu... das ist eine meiner Lieblingarbeiten... uuuhhh. Aber es führt nichts daran vorbei. Kunstpublikationen können einfach nicht ohne die Hilfe von Stiftungen und Kulturämtern finanziert werden. Anschliessend habe ich im Garten die Hecke zurückgeschnitten. Eine Wüstenhitze war das. Die Büsche haben sich mit allergischen Essenzen gewehrt. Nun sehe ich aus wie eine faulende Erdbeere nach einem schlechten Markttag- und das Alles nur weil ich die Fernsicht liebe. 

Am liebsten würde ich heute bis nach Berlin sehen. Vera wartet auf die Geburt ihres Kindes in einem Spital in Kreuzberg. Jeremie ist bei ihr und ich auch - aber ich nur per Whatsapp. Es ist für mich fast anstrengender wie vor fast 39 Jahren als Vera geboren wurde. Es ist so anspruchsvoll Grossvater zu werden. 

Montag 6. August: Heute habe ich mir vorgenommen, zusammen mit Monika den Holunder im Garten zu pflücken und zu Holunderbrei zu verarbeiten. Bei uns nennt man das Holderäzonä. Ich liebe diese Beeren für meine Frühstücksmüsli im Winter, zusammen mit eingemachtem Rabarbermus, Jogurt und frischen Früchten ist das wunderbar. 

Nach unserer Ernte sieht nun der Holunderbaum aus wie nach einem radikalen Haarschnitt. Mich erinnert das spontan an meine Besuche beim Dorfcoiffeur - Herr Hasler. (Ich weiss nicht mehr sicher wie er hiess). Ich musste jeweils sagen: "kurz und hinten gerade..." Für zwei Franken war dieser Schnitt zu haben. Wenn die Haare zu wenig kurz geschnitten waren schickte mich der Vater noch einmal ins Dorf. Er soll es noch einmal machen aber dieses Mal gratis. Das war mir immer so peinlich. Ich versteckte mich dann jeweils für eine Stunde, machte meine Haare nass  und zeigte mich nocheinmal meinem Vater. "Ja so ist es doch viel besser," meinte er jeweils und gab mir einen Klapps auf den Hinterkopf. Seine Hände waren riesengross und sehr stark - zum Stolpern stark. 

Sonntag 5. August: Die letzten Tage habe ich genutzt für den Garten, die Kunst und den Verlag. Ich bin immer sehr früh, zwischen sechs und halb sieben aufgestanden. Heute habe ich mir mehr Zeit gelassen und den Morgen im Bett genossen. Am Nachmittag waren wir zum Geburtstagsfest von meinem Bruder Benno eingeladen. Als Messmer konnte er den Pfareisaal benutzen. Ein lustiges und wirklich sehr durchmischtes Publikum war anwesend. Mich hat das alles sehr an meine Kindheit in Oberriet erinnert. 

Mittwoch 1. August: In den letzten Monaten ist bei mir der Entschluss gereift, meine zwei Biotope im Garten zurück zu bauen. Die anhaltende Hitze in den letzten Wochen hat dazu geführt, dass sich sehr viele Algen gebildet haben in den Weiern. Zudem müsste ich dauernd frisches Trinkwasser in die Teiche fliessen lassen und das finde ich nicht sehr sinnvoll. Der Hauptgrund ist aber der, dass wir ein Enkelkind erwarten und für Kleinkinder sind Biotope einfach zu gefährlich. Ich habe nun den Plan, im ersten Biotop das Wasser ausfliessen zu lassen und auf der rechten Seite einen abgedichteten Wall aus Steinen zu bauen. In diesem Teil möchte ich ein Feuchtgebiet für Wasserpflanzen anlegen. Den Rest des ehemaligen Teichs werde ich dann mit Ästen, Grünzeug und Erde auffüllen und als Salat- und Kreutergarten nutzen. 

Der Tag im Garten war sehr heiss. Am frühen Abend hat sich in unserem Nachbarsgarten eine grosse und laute Fussball - Fangemeinschaft eingefunden.  Grölend und saufend vergnügten sie sich im blauen Wasserbecken und besangen ihre Lieblingsfussballer. Ich habe keine Ahnung was es zu feiern gab.  

Wir hatten Claudia und Theo zu Gast, die ziemlich erstaunt waren, dass es so lebendig zu und her gehen kann in unserem Quartier. Ich habe am Feuer auf dem heissen Stein einen Wildschweinbraten und einige marinierte Tofustücke gebraten. Dazu servierten wir fein gebratene Zucchinischeiben mit frischen Käutern und vielen  Salaten aus unserem Garten. Dazu viel Wasser und einen guten Wein. In der frühen Nacht überraschte uns dann ein unheimlich starkes Gewitter. Die Wassermassen flossen wie noch nie direkt in unseren Gartenraum und bildeten einen grossen See unter unseren Tischen. Barfuss  standen wir im Wasser und retteten was noch zu retten war. Auch im Nachbarhaus kehrte dann Ruhe ein. Ich staunte dann doch, dass an diesem 1. Augustabend keine einzige Rakete, kein Knaller und auch kein Vulkan abgebrannt worden ist. Ein sehr diszipliniertes Völklein.

Montag 30. Juli: Heute morgen früh um halb acht hat mich bereits der Spediteur angerufen, dass er in zehn Minuten an der Lukasstrasse eintreffe und ich soll doch bitte auch gleich die Mehrwertsteuer bezahlen - sonst könne er mir die Ware nicht ausliefern. Ich schwang mich auf mein Fahrrad und freute mich auf die Büchersendung. 1000 Exemplare des neuen Buches von Claudia Kübler mit dem Titel "Im Loch ist es dunkel. Eine imposante und interessante Sammlung von Löchern. Die Löcher sind teilweise erschreckend brutal, manchmal humorvoll, künstlerisch und hintergründig bis ausgefranst oder erotisch. Ich freue mich auf die Ausstellung von Claudia in der Kunsthalle Luzern, die am Donnerstag 23. August um 19 Uhr eröffntet wird. Dann wird auch die Buchpremiere gefeiert. Das Buch erscheint in der Reihe junge Kunst der Stadt Luzern. Eine Kommission wählt jedes Jahr eine junge Künstlerin, einen jungen Künstler aus, der oder die dann mit einer Publikation gefördert wird. Im Vexer Verlag sind bisher sehr schöne Bücher erschienen von Sandra Ulloni, Jeroen Geel, René Odermatt, Lorenz Oliver Schmid und von Anastasia Katsidis.   

Alles hat gut geklappt. Auch der Warenlift hat funktioniert. Das ist leider nicht immer der Fall. 

Das Buch ist sehr schön geworden. Lars Egert und Claudia haben sehr viel an diesem gelungenen Werk gearbeitet. Super - Bestellungen sind anb sofort möglich. Für CHF 35.- verschchicke ich die vielen Löcher mit grosser Freude. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Um 11.30 Uhr hatte ich dann einen sehr interessanten Atelierbesuch. Wir machten zuerst eine Aufwärmrunde in meinem Malatelier an der Brauerstrasse und anschliessend habe meine grossen Bilder inm Lager  präsentiert. Wir hatten interessante Gespräche und einen intensiven Austausch über Kunst und insbesondere über Malerei. Ich denke das war ein guter Tag.

Sonntag 29. Juli: Schöner Sonntagsausflug ins Vorarlberg. Eveline und Roman haben uns in einer alten Mühle zum Mittagessen eingeladen. Gutes Essen, viel Sonne, feiner Wein. Ganz in der Nähe ist Angelika Kauffmann aufgewachsen bei Schwarzenberg. Wir haben uns da auch den Musiksaal angeschaut. 

Samstag 28. Juli: Die letzten Tage habe ich mit dem Aufarbeiten der liegengebliebenen Aufgaben verbracht. Nur schon die Bearbeitung aller Mails der letzten Tage war sehr aufwändig. Am Montag erwarte ich Atelierbesuch. Das heisst aufräumen und wegräumen. Heute habe ich alle Bilder im Lager sortiert und bereitgestellt, damit ich dem Besuch eine spannende Auswahl von Werken präsentieren kann. Unter Anderem die drei sehr grossen Bilder der Wasserspiegelung im Necker von 2007, an denen ich ein ganzes Jahr lang im neuen Atelierbau an der Brauerstrasse gearbeitet habe. In meinem Lager war es sehr heiss aber nun steht alles bereit für den Montagsbesuch.

Mittwoch 25. Juli: Ich stand wieder um sechs Uhr auf. Ich wollte unbedingt noch alles gehackte Holz in das neu gebaute Lager beigen. Um zehn Uhr war ich so weit. Wir packten unsere Sachen ins Auto und fuhren um elf Uhr los. Die Fahrt dauerte mehr als fünf Stunden. Es gab viele Baustellen mit Stau. In Altstätten haben wir dann noch 20 Kilo Biotomaten abgeholt, die wir in den nächsten Tagen zu Sugo verkochen werden. 

Bei uns zu Hause konnten wir dann im Garten einige riesige Zucchinis ernten. Die sind so gross, dass sie im Kühlschrank keinen Platz haben.

Dienstag 24. Juli: Die letzten Tage habe ich viel nachgedacht, wie ich einen neuen Lagerraum für unser Brennholz bauen könnte. Die letzten sieben Jahre und die vielen Stürme haben meinem Holzlager arg zugesetzt. Am Morgen um sechs Uhr habe ich mit der Arbeit begonnen und am Abend um 19 Uhr stand das neue, sehr solide gebaute Teil. Heinz hat mir noch geholfen beim verschrauben der Blechabdeckung. Nun steht das Holzlager für die nächsten Jahre bereit.

Montag 23. Juli: Die Tage waren wunderbar. Am Donnerstag ein grosses Fest für die Menschen aus dem Dorf, für die Arbeiter und die Freunde aus Italien. Am Freitag der Empfang der Freunde aus der Schweiz und am Samstag das grosse Geburtstagsfest von Silvia und Heinz. Das war alles grossartig. Ich habe selten über eine so lange Zeit so viele fröhliche und glückliche Menschen erlebt. Am Sonntagmorgen gab es in einer kleinen, natürlichen Arena im Wald eine klassische Matinee mit zwei Musiklehrerinnen und zwei Musiklehrern. Wunderbare Musik aus ganz verschiedenen Zeiten. Ich habe die ganzen Tage sehr viele Fotos gemacht mit meiner Canon. Die Italiener waren so dankbar fotografiert zu werden. Einer lobte mich als "molto sensibile" .... An den Abenden hatte ich mit dem jungen Tiroler Alex und dem erfahrenen Roman zwei ausgezeichnete Assistenten. Es war also auch mir möglich das gute Essen und "einige" Gläser Wein zu geniessen. Am Samstag spielte auch eine tolle Band. Wir tanzten wie die Wilden. Und das grossartige war für mich, dass mein Knie das alles ausgehalten hat. 

Mittwoch 18. Juli: Alles zusammengepackt und nach Agrano gefahren. Monika hat Berge von Gläsern, Besteck und Dekorationsmaterial mit genommen für das Sommer und Geburtstagsfest von Silvia und Heinz. Eine ruhige und beruhigende Fahrt. 

Dienstag 17. Juli: Heute traf ich die Kunsthistorikerin Nicole Rampa. Sie bereitet ein spannendes Buchprojekt vor über Künstlerinnen und Künstler, die in New York leben. Ein literarisches, fotografisches Lese- und Bilderbuch mit interessanten Menschen. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und ich denke das kann zu einer guten Zusammenarbeit führen.

Montag 16. Juli: Heute früh hatte ich einen Termin im Atelier an der Lukasstrasse. Ich musste den Kammerjäger, Herr Krähenbühl aufbieten, da sich bei mir wieder junge Marder eingenistet haben. Die veranstalten richtige Festessen in den Nächten, mit frisch gejagten Vögeln. 

Sonntag 15. Juli: Wir haben lange ausgeschlafen und bereiteten uns dann auf das nächste Fest vor. Wir haben Erika Bachmann bei uns zu ihrem  69. Geburtstag mit einer Festgesellschaft von 25 Freunden in unserem Garten eingeladen. Das dritte grosse Fest in drei Tagen. Ein sehr schöner Nachmittag mit Kind und Kegel. 

Samstag 14. Juli: Heute Nacht waren wir im Alpenhof um den Geburtstag von Bea Hadorn zu feiern. Eine schöne Gesellschaft bei bestem Wetter und toller Aussicht auf das Rheintal. Ich habe auch endlich wieder einmal Hannah, mein Patenkind getroffen. 

Freitag 13. Juli:  Heute sind die Bücher von Mirko Baselgia geliefert worden. Die Ausstellungsdokumentation von Bellelay ist sehr schön geworden. Die heisse Sommerzeit ist aber leider nicht optimal, um ein Buch anzupreisen, auch wenn es "PARDIS (CURZOIN) heisst.

Das Buch kann aber ab sofort bestellt werden bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! für CHF 25.-, mit einem interessanten Text von Andreas Vogel und starken Fotos von Stefan Altenburger.

Am Abend hatten wir einen wunderbaren Abend in Trogen bei bestem Grillwetter. Es war sehr lustig. Für die Gastgeber riss der Abend aber eine grosse Schneise in den Weinkeller. 

Donnerstag 12. Juli: Heute bin ich um sechs Uhr aufgestanden und nahm den Zug um 7.42 nach Bern. Leider habe ich meine Tageskarte im Billett Automaten vergessen. Das kam mich sehr teuer zu stehen. Hundert Franken Busse, ein vergessenes Ticket und dazu in Zürich noch einmal ein Ticket. Insgesamt 250 Franken für eine Fahrt nach Bern. Die Sitzung mit Regine und Christian im Proger war sehr ergiebig. Wir planen mit Visarte Schweiz eine Veranstaltung zum Thema, wie Künstlerinnen und Künstler mit ihrer Kunst überleben können. Die offene Diskussion mit Inputvorträgen wird am 27. Oktober ab 14 Uhr im Saal vom Proger in Bern stattfinden.

 

Mittwoch 11. Juli: Um neun Uhr musste ich in meinem Atelier sein. Der Liftmonteur hat sich angemeldet. Ich habe die Zeit genutzt, um die Bücher aus etwa zehn prall gefüllten Papiertaschen in meiner Bibliothek einzuräumen. Bei solchen Aufräumarbeiten stosse ich immer wieder auf überraschende Trouvaillen. Leider habe ich meistens zu wenig Zeit um mich einer vertiefter Lekture zu widmen. Das heisst dann, dass ich die die interessanten Bücher wieder auf einem neuen Stoss staple, der sich dann mit der Zeit wieder zu einem hohen Bücherturm entwickelt. Das Wissen stapelt sich somit immer wieder in neuen Zusammenhängen.

Dienstag 10. Juli: Am Mittag hat mich Carole abgeholt. Ich wollte unbedingt das Weidenholz in ihrem garten zu Brennholz verarbeiten und aufräumen. Beim Holzhacken bin ich auf die Schädlinge gestossen, die dem Baum schon sehr zugesetzt haben. Es sind Weidenbohrer. Das sind richtig gefrässige, bis zu 10 Zentimeter lange rötliche Raupen, die sich nach vier Jahren zu Nachtfaltern verwandeln, die ihre Eier wiederum in alten, morschen Birken oder Weidenbäumen ablegen. Diese Falter haben eine Flügelspannweite von sechs bis neun Zentimeter. So richtig hässliche Riesenfalter. Um 19 Uhr hat mich dann Monika wieder abgeholt. Ich bin leider nicht ganz fertig geworden mit aufräumen.

Montag 9. Juli: Heute um fünf Uhr wurde mein neustes Werk von drei Bauarbeitern abgeholt. Die haben die 210 cm hohe Skulptur wie ein Baby auf den Lieferwagen gehoben. Ich hatte etwas Angst, dass die Figur zu schwer ist für den Transport. Alles ist gut gegangen. 

Sonntag 8. Juli 2018: Am Nachmittag fuhren wir zu Carol Forster nach Appenzell. Sie hat in ihrem Garten eine grosse morsche Weide, die weit über das Hausdach gewachsen ist. Bei stürmischem Wetter schlagen die Äste auf die Dachziegel und es ist nie sicher ob ein Teil des Baumes abbrechen könnte. Ich habe Carol versprochen, den Baum zurück zu schneiden. Ich bin dann mehr als drei Stunden mit meiner Motorsäge und mit einer neuen Handsäge auf dem Baum herumgeturnt und schnitt den dicht ausgeschossenen Baum zu einem frischen und luftigen Weidebäumchen zurecht. Den riesigen Asthaufen werde ich in den nächsten Tagen zu Brennholz verarbeiten. Monika und Carole haben während meinen gewagten Sägekapriolen einen wunderbaren Kalbsbraten mit Ofenfritten und Gemüse gekocht. Als Abschluss des Tages habe ich dann im Garten noch zwei junge, schön gewachsene Holunderbäume eingepflanzt. 

Samstag 7. Juli: Nach dem Frühstück waren wir im Nachbarsgarten eingeladen zu einer gegenseitigen Informationsrunde zum geplanten Neubau von Rosmarie und Franz, der an der Parketteriestrasse gebaut werden soll. Das ist ein riesiges Bauvolumen mit 18 Eigentumswohnungen. Das Bauprojekt wird uns die nächsten Jahre noch oft beschäftigen. Wenn das Projekt bewilligt wird müssen wir mit zwei Jahren Baulärm rechnen. 

Freitag 6. Juli: Um 9.30 Uhr war ich im Martaheim an der Unterstrasse in St. Gallen eingeladen für eine Besprechung eines Kunst am Bau Wettbewerbs mit einer anschliessender Baustellenbesichtigung. Das wird eine spannende Aufgabe sein, eine gute Lösung zu finden für drei Wandbilder. 

Am Abend sind wir zu einem Geburtstagsfest nach Büllach gefahren. Brigitta Loher feiert ihren Sechzigsten. Ein richtig schönes Fest mit vielen interessanten Gästen, sehr guter Klezmer Musik und einer anschliessenden, lustigen, gemeinsamen Singrunde.

Donnerstag 5. Juli: Heute Mittag musste ich zusammen mit Monika den kleinen, bearbeiteten Tisch zu Gilgi Guggenheim bringen. Das Bild von Gilgi, mein Tisch und das Gästebuch werden heute abgeholt für die Wanderausstellung Sardona. Das Gemälde von Gilgi konnten wir einladen aber das Auto war leider zu klein für meinen Tisch. Die Fahrerin konnte dann zum Glück ihren Vater erreichen, der dann den Tisch bei uns zu Hause mit seinem Firmenwagen abholte. Nun ist alles doch noch gut gelaufen. Am Nachmittag hatte ich einen Termin mit Stefan Rohner, der in meinem Atelier an der Lukasstrasse eine neue Skulptur fotografierte. Stefan hat dann eine schöne Fotoserie gemacht, mit allen Seiten der Holzskulptur. 

Mittwoch 4. Juli: Bis um 11 Uhr organisierte ich meine neusten Projekte in der Kunst und bei den Büchern. Mit dem Fahrradanhänger habe ich dann rund 50 Kilo der neuen Publikation von Erik Steinbrecher ins Atelier - Lager gefahren. Das hat ganz schön geholpert und gerumpelt. Den Hang runter ins Espenmoos gab dieses Gewicht so richtig Schub. Die schnellen Land Rover wagten mich nicht zu überholen. Dann habe ich gewartet auf den Transport der neusten Bücher. Ich erwarte 300 Exemplare von meinem Gästebuch - Planet Erde. Pünktlich um halb zwölf ist ein riesiger Lastwagen angefahren. Ich bin so glücklich. Dier Bücher für die Tektonik Ausstellung sind sehr schön geworden. Das Gästebuch wird jetzt den ganzen Sommer in der Spitzmeilenhütte auf einem Tischchen liegen und für schöne Einträge der Gäste bereit sein. Jetzt muss ich in den Garten. Hermann hat für einige Gäste Wildschweinbraten gegart....

Dienstag 3. Juli: Heute morgen früh um acht Uhr habe ich mir die räumliche Situation bei der Firma Morant angeschaut. Ich bearbeitete in ihrem Auftrag den letztjährigen grossen Christbaum, den sie der Stadt St. Gallen geschenkt und auf dem Klosterplatz aufgestellt hatten, mit der Kettensäge zu einer Skulptur. Nun suchten wir den idealen Standort im Firmengebäude. Ich gebe der Holzskulptur den Titel "Schöne Bescherung". Auf einem Hocker türmen sich über zwei Meter hoch viele Bücher, Folianten, ein Telefon, ein Radio, Planrollen, Dokumente, eine Bierflasche ein Schutzhelm, schwarze Gummistiefel, und vieles mehr. Ungefähr so sah es bei mir zu Hause jeweils nach der Bescherung an Weihnachten aus... bei sieben Geschwistern gab das immer ein riesen Haufen an mehr oder weniger brauchbaren Sachen.

Per Handschlag haben wir das "Geschäft" besiegelt. Nun muss ich die neue Skulptur noch fotografieren lassen und für den Transport vorbereiten.

Montag 2. Juli: Heute Morgen bin ich zur Nachkontrolle beim Zahnarzt. Marco war sehr zufrieden mit dem Heilungsprozess. Ein paar Retuschen und ein leichtes Abschleifen von spitzen Kanten und dann war es schon OK. 

Sonntag 1. Juli: Aufwachen im Jura. Nach gutem Schlaf und einem kleinen Frühstück trafen wir am Sonntagmorgen im Garten die Gastgeberin Jim und den Tenor Walter Kurzmeier zu einem Kaffee. Walter Kurzmeier ist auf die Musik von Bach spezialisiert wie unser Freund Rudolf Lutz aus St. Gallen. Zufälligerweise haben die Beiden vor vielen Jahren gemeinsam in Winterthur studiert. Walter Kurzmeier hat uns versprochen, per WhatsApp einige Gesangsproben zu senden.  Auf dem Rückweg nach St. Gallen besuchten wir die Ausstellung im Kulturort Weihertal bei Winterthur. Ein eindrücklicher Ort und eine feinsinnige Ausstellung, bei der viele Freunde und Freundinnen beteiligt sind. Mir haben bei dieser Ausstellung vor allem die unscheinbaren künstlerischen Interventionen gefallen. Im Galeriehaus wird es dann immer etwas wild aber auch hier gab es einige Überraschungen. Z.B. die Malereien von Simone Monstein oder einige sehr starke, kleine Objekte von Margaretha Dubach. Die Kuchen von der Kulturaktivistin Maya von Meiss die wir probiert haben sind auch wahre Kunstwerke. Ganz hohe Backkunst. 

Wir wollten dann zügig nach Hause fahren. Nach so heissen Tagen braucht es einiges an Wasser für den Garten und für die Teiche.  Mit einem richtig schönen Ritual haben wir am Abend die erste grosse Zucchini aus unserem Garten gekocht mit Hackfleisch vom Bio-Truthahn, den ein Onkel von Monika aufgezogen hat und feinen Salaten, die ich eigenhändig ausgesät habe. 

Später animierten wir noch unsere Nachbarn Lilian und Paul, bei uns vorbei zu kommen zu einem Schluck Wein. Ein schöner Tagesabschluss mit engagierten Gesprächen - wie immer. Heute ging es auch um die Schweizer Fussballmannschaft und um unsere multikulturelle Identität. 

Samstag 30. Juni: Am Morgen pflückten wir sehr viele Himbeeren in unserem Garten und fuhren dann gegen Mittag Richtung Biel, nach Bellelay für die Buchvernissage von Mirko Baselgia . Der Künstler hat eine aufwändige und starke Installation für die Barockkirche geschaffen. Es scheint noch nicht ganz klar zu sein wer die immensen Kosten übernimmt. Die Publikation wird sehr schön. Beim Prägen des Umschlages gab es Probleme, die noch gelöst werden müssen. Aber in ca. 10 Tagen sollte das Buch ausgeliefert werden können. Das ist nun nach Julia Steiner und Lutz & Guggisberg die dritte Publikation, die wir mit dem Vexer Verlag für die Stiftung Bellelay realisieren konnten. Nach dem Apero trafen wir uns in einem sehr schönen jurassischen Restaurant in der Nähe zu einem feinen Nachtessen in einer spannenden und anregenden Runde.

Übernachten konnten wir dann in einem sehr schönen historischen Haus im Weiler Les Calet in Saintlégier, das Jim mit ihrem früh verstorbenen Mann, dem Künstler René Fendt renoviert hat.

Freitag 29. Juni: Pünktlich um zehn Uhr war ich bei Anne Hoffmann in Zürich für eine Besprechung von einem Buchprojekt. Der Künstler Benno K. Zehnder hat in den letzten 16 Jahren ein eindrückliches Farbkonzept für das Spital Schwyz realisiert, das nun in Buchform dokumentiert und besprochen wird. Anne hat grossartige Gestaltungsarbeit geleistet und Seraina Wirtz fotografierte die Arbeiten von Benno K. Zehnder auf eindrückliche Art. Da ist bei allen Sitzungsteilnehmern richtig Freude aufgekommen.

Ich habe dann in der Nähe vom Neumarkttheater, im grünen Glas gespiesen und anschliessend im Kunsthaus die Ausstellung "Extreme Mode in der Kunst" angeschaut. Ich war total überrascht und verblüfft über die Exponate. Unsere Vorfahren waren um einiges verrückter wie die heutigen Modedessigner. Angetan hat es mir vor allem der  "Gockel - Harnisch" mit dem Adlergesicht, dem Eisernen Faltenrock und dem vorgebauten Geschlechtsschutz in Extremis. Das wäre ein super "Kleid" für mich. Eventuell etwas ungelenk und unbequem bei meinen vielen Zugfahrten, aber total sicher im Strassenverkehr und bei nächtlichen Spaziergängen. Klapper - Klapper...

Am Nachmittag habe ich auf der Geschäftsstelle von Visarte Schweiz zusammen mit Regine Helbling alle laufenden Geschäfte und Projekt der nächsten Zeit diskutiert. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch die druckfrische Visarte Zeitschrift "Schweizer Kunst" mitnehmen. Das aktuelle Heft ist dem Kunstmarkt gewidmet. Eine spannende Nummer zu einem brisanten Thema.

Am Abend um 18 Uhr traf ich Monika auf dem Bahnhof. Gemeinsam haben wir die Vernissage des Brasilianers Ernesto Neto in der Bahnhofhalle besucht. Die eindrückliche, riesige Installation "GaiaMother Tree" wurde unter anderem durch einen rituellen Gesang des Künstlers eingeweiht. Das war eiine schöne Gelegenheit um viele Bekannte zu treffen. 

Mittwoch 27. Juni: In den letzten Wochen male ich bei jeder Gelegenheit an meinem Regenbild. Tropfen um Tropfen. Das braucht Geduld und Nerven. Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren für eine vorbereitende Sitzung zur nächsten Kulturbotschaft. Zusammen mit dem Schweizerischen Kunstverein, Kunst-Bulletin, freien Ausstellungsräumen, Pro Helvetia, Kuratorinnen, dem Galerieverband etc, formulieren wir Anliegen und Anregungen für die Kulturförderung der Zukunft.

Dienstag 26. Juni: Die letzten Tage dienten der Erholung und dem Aufarbeiten von Liegengebliebenem. Heute Hatten wir noch einen Termin bei einem Generalunternehmer. Unsere Nachbarn wollen einen sehr grossen Neubau mit 18 Wohnungen realisieren. Nun geht es um Baufragen, Abgeltungen, Sicherheiten, Baurisiken etc. Die Baugrube wird in unmittelbarer Nähe von uns rund zehn Meter in die Tiefe gehen. Ich hoffe wir werden durch dieses riesen Loch nicht eines Nachts im Schlaf verschlungen. 

Am Abend haben wir dreissig Liter Bio-Olivenöl aus Griechenland in St. Georgen bei Kollegen abgeholt. Monika hat viele Freundinnen und Freunde, die jedes Jahr bei dieser Kollektivbestellung mitmachen. Nun müssen die Ölkanister und die vielen Tapenaden noch verteilt werden. 

Sonntag 24. Juni: Um elf Uhr waren wir bereits beim Flughafen Tegel und am späten Nachmittag wieder in St. Gallen.  Ein tolles Wochenende mit wunderbaren Menschen. Ich freue mich riesig auf mein Enkelkind. 

Samstag 23. Juni: Nach einem späten Frühstück haben wir einen langen Spaziergang in der nahen Hasenheide unternommen. Vera wohnt da gleich um die Ecke. Das ist ein richtiges Paradies für Familien mit Kindern, mit Spielplätzen, Streichelzoo, riesigen Liegewiesen etc.

Freitag 22. Juni: Am Morgen waren wir rund 20 Personen beim Standesamt in Kreuzberg mit Freunden und Familie. Die Trauung war ernst, festlich und doch von grosser Berliner Lockerheit. Den Nachmittag verbrachten wir mit einem wunderbaren Essen im sehr schönen Salon im Restaurant Obermaier. Am Abend sassen wir dann mit einer grossen Runde von Freunden in einer Bar in Kreuzberg. Ich habe mich wunderbar unterhalten. Vera redet immer von der "Schnapsibar". Die heisst aber ganz anders und Schnaps trinke ich eh keinen.

Donnerstag 21. Juni: Monika und ich sind am Mittag nach Berlin geflogen für die Hochzeit von Vera und Jeremie. In Kreuzberg musste ich mir zuerst eine Kleidung kaufen. Ich hatte grosses Glück und fand einen passenden, strahlend blauen Anzug. Ich weiss gar nicht ob ich nach meiner Erstkommunion je wieder einen Anzug gekauft habe. Ich weiss nur dass die Ärmel meines damaligen Kittels viel zu lange waren. Mein Vater sagte dem Dorfschneider Ferdi Hutter, dass die Ärmel mindesten 10 Zentimeter länger sein müssten wie mein ausgestreckter Arm. Er hätte kein Geld, um allen Söhnen jedes Jahr einen neuen Anzug zu kaufen. Ja und so wuchs ich dann Jahr für Jahr etwas besser in diese Kleidung hinein und dann auch ziemlich schnell wieder hinaus. 

Wir haben uns dann nach dem Einkaufen im Hotel Beethoven etwas ausgeruht und am Abend trafen wir dann Vera, Jeremie, seine Eltern und einige gute Freunde zum Essen. Ich habe mich sehr gefreut, Vera endlich hoch schwanger zu sehen. Nach einer langen Hitzeperiode freuten sich die Berliner an der starken Abkühlung. Ich habe ziemlich gefroren. 

Mittwoch 20. Juni: Am Morgen früh kündeten Böllerschüsse an, dass das Kinderfest stattfinden wird. Heute hatt ich meine Ruhe und konnte den ganzen Tag malen.  

Dienstag 19. Juni: Am Morgen malen bis gegen 15 Uhr. Dann musste ich mich vorbereiten für einen Vortrag in der Bibliothek in der Hauptpost. Das Zentrum für das Buch hat mich eingeladen einen Vortrag über den vexer Verlag zu halten für Studierende der Buchwissenschaften aus Erlangen. Ich habe viele Geschichten zu den Vexer Büchern erzählt und einige Beispiele vorgestellt. Die Stunde war sehr schnell vorbei. Die Studenten waren sehr interessiert. Ich brachte dann meine Bücher wieder nach Hause und fuhr anschliessend quer durch die Stadt zum Sitterwerk. Dort fand die Hauptversammlung vom Verein "Buchstadt St. Gallen statt. 

Montag 18. Juni: Am Morgen konnte ich alle Pendenzen, Bestellungen, Anfragen und Nachsendungen erledigen, die sich in der letzten Woche angestaut hatten. Um 14.15 Uhr sass ich dann beim Zahnarzt, der meinen Stockzahn mit einiger Mühe aus meinem Kiefer brechen musste. Die zwei Schmerzspritzen verhinderten zwar ein grösseres Geschrei aber es war wirklich sehr anstrengend. Der Zahn war so richtig verkeilt mit seinen Pfahlwurzeln. Ich habe alles überstanden und meine Zunge ist nun dauernd damit beschäftigt, den grossen Wundkrater hinten links abzutasten. Die Zunge ist wirklich ein interessantes Organ. Ich war etwas benommen den ganzen Nachmittag. Ich beschäftigte mich mit Disziplinarbeit an einem meiner neuen Bilder.

Sonntag 17. Juni: Die Messe in Basel war sehr anstrengend aber spannend. An den Vormittagen hatte ich Zeit viele Ausstellungen zu besuchen und ab 14 Uhr war ich bei meinen Büchern in der Kaserne. Der Vorteil von einer solchen Messe ist, dass man sehr viele Bekannte und interessierte Menschen an einem Ort treffen kann. Ich habe viele Gespräche geführt und viele interessante Leute aus der Kunstwelt kennen gelernt. Am Samstag wollte Monika nach Basel fahren, um mir beim Rücktransport der Bücher zu helfen - Bücher sind ja so extrem schwer. Das ging dann leider nicht, weil die Bahnstrecke in Winterthur unterbrochen war. Zum Glück konnte ich dann mit Kerstin vom Triest Verlag zurück nach St. Gallen fahren. Das war dann total stressfrei. 

Samstag 16. Juni: Heute Morgen erwachte ich mit extremen Zahnschmerzen. Ein Stockzahn mit einer  Amalgam-Plombe hatte sich gelockert. Eigentlich fühlte sich der Zahn eher wie eine Amalgam - Bombe an. Ich musste mir Schmerzmittel besorgen in einer Apotheke. Das hatte den schönen Nebeneffekt, dass ich ganz locker, leicht beduselt und stressfrei hinter meinem Büchertisch stehen konnte. Die Welt war wieder in Ordnung, die Geschäfte liefen bestens und meine Laune war grossartig. 

Mittwoch 13. Juni: Am Nachmittag fuhr ich ohne Umsteigen nach Basel. ich musste meine schwere Bücherlast also nur einmal ein- und ausladen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Ich war rechtzeitig in der Kaserne in Basel und habe meinen Vexer Büchertisch eingerichtet. Um 19 Uhr war Eröffnung. Ich mag die Messe "I never Read". Es hat immer ein sehr interessiertes Publikum. Viele Studierende aus allen kreativen Sparten. Die meisten haben zwar kein Geld aber sie schauen deshalb noch genauer hin. Am Abend habe ich dann zusammen mit Stefan Banz in einem nahen Restaurant einen kleinen Imbiss genommen. Wir hatten ein sehr inspirierendes und langes Gespräch. 

Dienstag 12. Juni: Die letzten Tage konnte ich in Ruhe malen. Mein Bild bekommt immer mehr Kontur. Aber es dauert und dauert. Heute habe ich alle Bücher in einen neuen, noch grösseren Rollwagen verstaut. Ich hoffe, dass ich morgen den schweren Wagen überhaupt in den Zug reissen kann....

Samstag 9. Juni: Nach einem intensiven Kunst - und Gartentag besuchten wir das Kulturfest "Mutente" bei Lissa und Tobi. Vier Frauen spielten Klezmer Musik vom Feinsten, drei Schreibende trugen ihre Texte vor und am Schluss gab es neben feinen Häppchen und dem auserlesenen Wein noch eine wunderbare Gesangseinlage mit spanischen und einem chinesischen Lied von Verena. Eine warmherzige  Musikerin und Künstlerin, die sich irgendwie in St. Gallen in unserem Quartier vor uns versteckt gehalten hat. Ich habe an diesem Abend wieder einmal mein lädiertes Knie beim Tanz getestet. Das malträtierte Teil hat sich unwahrscheinlich gefreut und bis zum Ende mitgetanzt. 

Freitag 8. Juni: Die letzten drei Tage konnte ich mich wieder meiner Malerei widmen. Das ist richtig wohltuend und meditativ. Zwischendurch packte ich drei grosse Schachteln mit Büchern für die Buchmesse in Basel. Ich musste einiges per Post voraussenden. Bücher sind ja so schwer. Gestern Abend hatten wir in meinen neuen Lager- und Atelierräumen eine kleine Privatvernissage. Bei einem feinen Apero habe ich meinen Auftraggebern die nun fertiggestellte und bemalte Skulptur vorgestellt. Anschliessend haben wir bei Andrea Hornstein Geburtstag gefeiert in ihrem wunderschönen Garten im Linsenbühl. Ein richtig schöner Sommerabend mit vielen Freunden.

Dienstag 5. Juni: Heute war ich den ganzen Morgen mit Korrespondenz beschäftigt. Am Mittag bin ich nach Basel gefahren und besuchte zuerst Gilli und Diego Stampa. Die zeigen zur Zeit schöne frühe Arbeiten von General Idea. Einige der Auflagenobjekte und Publikationen habe ich selber auch in den 80er und 90er Jahren bei Stampa gekauft. Im hinteren Raum werden eine Vielzahl von Bildern aus allen Zeiten von Vivian Sutter als Retrospektive präsentiert. Eine ziemlich wilde Auswahl. Nach dem Dokumentaauftritt scheinen nun viele Sammler ganz wild auf diese Malerei zu sein. Es ist manchmal zum Schreien. Jahrzehnte lang interessiert sich niemand für eine Arbeit und dann genügt ein Dokumentabeitrag um die Galeristen und die Sammler komplett gierig zu machen.

Anschliessend habe ich Esther Hiepler in ihrem Atelier besucht und sie hat mir sehr schöne Originalhefte und Performancefotos aus den letzten Jahren gezeigt. Ich bin immer noch sehr froh, dass ich ihre Heftsammlung als kleine Edition im schönen grünen Schuber im Vexer Verlag herausgeben konnte.

Ja und dann bin ich zum Tingely Museum gefahren für die Eröffnung der Ausstellung von Steiner Lenzlinger. Ich konnte nicht lange bleiben, weil ich nicht mit dem letzten Zug nach Hause fahren wollte. Ich werde mir die Ausstellung noch in Ruhe anschauen während der Art.

Montag 4. Juni: Nach einem ruhigen Sonntag mit viel Gartenarbeit habe ich heute an meinem neuen grossen Bild weitergemalt. 

Samstag 2. Juni: Heute bin ich um sechs Uhr aufgestanden. ich musste früh los um den Zug nach Thun zu erreichen. Ich besuchte die Delegiertenversammlung vom Schweizerischen Kunstverein im Kunstmuseum Thun. Ein wichtiges Thema war die schlechte finanzielle Situation vom Kunst Bulletin. Claudia Jolles hat dieses Anliegen sehr engagiert vertreten und Ideen zur Sanierung präsentiert. Ein spannender Tag mit vielen Begegnungen und einer interessanten Führung durch die Ausstellung von Jeppe Hein. "Ausatmen - Innehalten - Einatmen". 

Wir hatten eine sehr unterhaltsame Rückfahrt, mit den Kunstvereins - Delegierten aus Frauenfeld und St.Gallen. Am Abend waren Monika und ich eingeladen bei Bea und Jürg zu einem wunderbaren Nachtessen. 

Freitag 1. Juni: Am Morgen um neun Uhr erwartete ich meinen ehemaligen Sekundarlehrer Peter Zünd. Er hat mich in der Schulzeit an die Kultur herangeführt. Er beschäftigt sich seit den 70er Jahren mit dem Werk von Hedwig Scherrer. Ohne seine akribischen Forschungen und die daraus entstandenen Publikationen würde man dieses Werk heute gar nicht kennen. Er brachte mir eine Mappe mit Werken seines Kantonschullehrers Eugen Cunz und die Biografie, die er bearbeitet und 2013 in der VGS St. Gallen herausgegeben hat.

Donnerstag 31 Mai: Bin mit meinem Bild gut vorangekommen. Am Abend besuchte ich die Veranstaltung im NEXTEX zum Thema Künstlernachlässe, das von Visarte Ost gemeinsam mit dem SIK - ISEA durchgeführt wurde. Matthias Oberli führe aus, wie das SIK mit diesem wichtigen Thema umgeht und welche Hilfestellungen sie bieten können. Corinne Schatz stellte anschliessend beispielhaft den unterschiedlichen Umgang mit den Nachlässen von Hedwig Scherrer und von David Bürkler vor. Ein gut besuchter Anlass und ein spannender Abend.

Mittwoch 28. Mai: Heute Nachmittag fuhr ich nach Zürich, um das Layout vom geplanten Buch von Claudia Kübler anzuschauen. das gab eine intensive Sitzung, mit textlichen Anpassungen und einigen kleinen Änderungen. Das Werk "Im Loch ist es dunkel" wird sehr schön. Anschliessend bin ich zum Haus Konstruktiv gefahren um die Eröffnung der Ausstellungen von Imi Knöbel und von Till Velten zu besuchen. Die letzten 500 Meter musste ich rennen. Ich wurde von einem extremen Gewitter überrascht und bin ziemlich durchnässt angekommen. Ich habe viele alte Freunde und Freundinnen aus der Kunstszene getroffen. Die Ausstellungen werde ich mir in Ruhe noch einmal anschauen.  

Dienstag 29. Mai: Ich bin im Moment intensiv am malen. Ich arbeite an einem aufwändigen Selbstportrait. 

Sonntag 27. Mai: Ein schöner und ruhiger Sonntagmorgen mit einem ausgiebigen Gartenrundgang. Es macht Freude, die Kartoffeln, Zucchini, Kürbisse, Stangenbohnen etc. in ihrem Wachstum zu beobachten. Alles gedeiht prächtig. Ich hoffe das wird auch in Zukunft so bleiben. Im Nachbarsgarten sind am Freitag riesige Visiere für einen Wohnblock aufgebaut worden. Das gibt sicher noch viel zu diskutieren und zu entscheiden. 

Am Nachmittag sind wir zum Sitterwerk gefahren. Es werden Drucksachen von Urs Lüthi ausgestellt. Es war schön Urs wieder einmal zu sehen und über alte Zeiten zu plaudern. Es waren auch einige gemeinsame Freunde aus München da. Urs hat mir erzählt, dass er schon mehr als zwei Jahre Grossvater ist. da ist er mir auch voraus. Bei mir sollte es im August klappen. Vera erwartet ein Kind. Das ist grossartig. Ich habe nun mit Urs abgemacht, dass wir irgendwann in naher Zukunft mit unseren Enkelkindern ein Picknick an der Isar in München machen wollen. Als Erinnerung an unser lustiges Picknick in Fontefraud 1984. Urs war damals mit seinem Hündchen an diesem Ort, um seine Einzelausstellung einzurichten. Sein damaliger Galerist Pablo Stähli kam zur Ausstellungseröffnung mit dem kleinen Pablito nach Fontefraud und wir machten ein wunderschönes Picknick im Klostergarten.

Samstag 26. Mai: Nach dem Frühstück sind wir zum Rathaussaal spaziert. Wir konnten für unsere Versammlung den Gemeinderatsaal benutzen. Im Vorfeld gab es einige Aufregung wegen dem Antrag der ehemaligen Mitglieder der SGBK Zürich. Die rund 50 Künstlerinnen stellten den Antrag, dass sie unter dem Arbeitsnamen "Artedonna" eine thematische Gruppe bilden möchten. Die Versammlung ist dann sehr engagiert abgelaufen. Es gab viele Voten zu diesem Thema. Bei der Abstimmung war dann aber alles klar. Die Delegierten haben dem Antrag zugestimmt. Das Nachmittagsprogramm zum Thema internationale Beziehungen wurde von Alex Messzmer organisiert und moderiert. Die Tessiner Gruppe hat diesen Anlass sehr gut organisiert. In 152 Jahren fand die Delegiertenversammlung von Visarte das allererste Mal in Lugano statt. Ein herzliches Dankeschön an die Präsidentin Fabiola Quezada und ihr Team. 

Freitag 25. Mai: Heute bin ich um 10 Uhr los gefahren Richtung Art Goldau. Dort bin ich umgestiegen in den Zug nach Lugano. Sergio wartete schon und es gab einige Aufregung weil der Zug viel weniger Wagons hatte wie üblich. Alles war total überfüllt. Aber unsere Visarte Mitarbeitenden hatten für uns zwei Plätze verteidigt. In Lugano haben wir die Hotelzimmer bezogen und dann waren wir verabredet für eine Sitzung des Zentralvorstandes, um die Delegiertenversammlung vorzubereiten. Am Nachmittag gab es dann eine Architekturführung durch das neue Kunstmuseum und das umliegende Quartier. Mich hat vor allem die Chiesa di S.Maria degli Angioli beeindruckt. Die flächendeckenden, dichten Malereien und der Altar dieser Kirche sind ausserordentlich.  Das ist wirklich eine der eindrücklichsten Kirchen die ich je gesehen habe. Anschliessend haben wir uns eine Ausstellung angesehen von Schülerarbeiten. Nach einem Apero hatten wir ein sehr schönes Fest mit einem feinen Nachtessen direkt am See. Weiss gedeckte Tische für rund 80 Delegierte, interessante Gespräche, guter Wein und eine nicht enden wollende Sprechperformance eines jungen Tessiner Künstlers. Ich bin dann um Mitternacht zurück ins Hotel gegangen. Ich wollte fit sein für die Delegiertenversammlung.  

Donnerstag 24. Mai: Heute Morgen früh habe ich die restlichen Kartoffeln im Garten eingegraben, die ich gestern nicht für meine Rösti geraffelt habe. Im letzten Jahr hatten wir eine grossartige Kartoffelernte aus unserem kleinen Garten. Ja und dann habe ich mit der Sense die Wiese gemäht. Fühle mich wie ein Kleinbauer. Nun wird gemalt. Regentropfen über Selbstportrait.

Mittwoch 23. Mai: Das gestrige Künstlergespräch im Kunstmuseum Winterthur zur Ausstellung von Hodler und Giacometti in Winterthur war gut besucht. Ich glaube Koni und ich haben uns im Gespräch gut ergänzt. Wir haben sehr viele Aspekte zu den unterschiedlichen Arbeitsweisen der zwei Künstler diskutiert. Im Verlauf von diesem Gedankenaustausch ist mir vieles klarer geworden. Ein Aspekt würde mich sehr interessieren. Hodler hat ja von vielen Bildern mehrere Variationen gemalt. Vom Holzfäller soll es 15 Bilder geben. Ich würde es super finden, wenn ein Museum den Mut hätte all diese leicht variierenden Bilder zusammen auszustellen. Ein grosser Saal mit Holzfällern, ein Anderer mit all den "Empfindungen" usw. Das Ganze hätte dann eine Wirkung wie ein Film. 

Dienstag 22. Mai 2018: Bin wieder zurück aus Italien. Ich musste gestern mit dem Zug zurückfahren, weil alle Pässe ziemlich verstopft waren. Monika hatte keine Lust diesen Stress mitzumachen und ist zusammen mit Susi und Hugo in Agrano geblieben. Das Wetter war miserabel aber es zwang mich zur Ruhe. Ich habe viel geschlafen, gelesen und gut gegessen. Ich konnte mich gut vorbereiten auf das Künstlergespräch, das heute um 18.30 Uhr im Kunstmuseum Winterthur stattfindet. Ein Zusammentreffen mit Hodler, Giacometti und Konrad Bitterli. 

Donnerstag 17. Mai: Einen Moment bitte. Es hat geklingelt...

Dienstag 15. Mai: Am Mittag hatte ich Besuch im Atelier. Präsentieren der Auftragsarbeit. Eine schöne Bescherung... Anschliessend habe ich an zwei kleinen Skulpturen gearbeitet und aus unerfindlichen Gründen haben gleich zwei Motorsägen den Geist aufgegeben. Ich finde das ziemlich STYL-los. 

Montag 14. Mai: Monika fährt heute nach Italien und ich bin um 10.15 beim Bahnhof verabredet mit Carole, Vanja und Melina vom Bücherladen Appenzell. Gemeinsam sind wir dann nach Bern gefahren für die Generalversammlung vom Schweizer Buchhändler und Verleger Verband. Die Versammlung fand in der Nationalbibliothek statt. Für mich war es spannend all die Buchhändler und Buchhändlerinnen und Verleger-Innen zu sehen. Viele Verlage haben nun für mich "Gesichter" bekommen. Der Einblick in die Arbeit der Nationalbibliothek und in das riesige Archiv waren sehr eindrücklich. In einer kleinen Ausstellung wurde von allen beteiligten Verlagen die erste Publikation präsentiert, die in den Beständen der Nationalbibliothek Eingang gefunden haben. Vom Vexer Verlag ist das der Schuber mit den zehn kleinen, im Buchdruckverfahren gedruckten und von Hand gebundene Heftchen von 1985. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Eine grosse Freude war für mich auch die Begegnung mit Lea Rubin. Sie arbeitet im Erwerbungsdienst der Nationalbibliothek. Seit über dreissig Jahren sende ich alle Publikationen vom Vexer Verlag an sie und heute sind wir uns das erste Mal begegnet. Das ist sozusagen eine 33 jährige Fernbeziehung. Nach dem Apero wurden noch der Verlag des Jahres und die Buchhandlung des Jahres gekürt. Dirk Vaihinger vom Verlag Nagel & Kimche und Ruth Baeriswyl vom Chinderbuechlade Bern durften die Preise entgegen nehmen. 

Die anschliessende Bahnfahrt nach Zürich und St. Gallen mit den vielen spannenden Buchmenschen war sehr ausgelassen und lustig.

Sonntag 13. Mai: Die Literaturtage in Solothurn waren sehr anregend und intensiv. Es gab einige Höhepunkte mit für mich noch unbekannten Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Das sommerliche Wetter hat auch zu einer sehr guten Stimmung beigetragen. Ich war sehr beeindruckt von Yael Inokai und R. Prosser. Aber es gab auch wunderbare Lesungen und Arbeitsgespräche mit sehr bekannten Namen. Nach vielen Jahren habe ich auch Mariella Mehr wieder einmal getroffen. Es ist schon speziell. Ein bisschen wie eine Klassenzusammenkunft. Das Schöne war, dass viele Begegnungen und gute Gespräche möglich waren mit wildfremden Menschen auf den Strassen und in den Beizen. Am frühen Nachmittag haben wir uns entschlossen noch nach Grenchen zu fahren, um die Ausstellung von Cecile Wick anzuschauen. Eine sehr feine und zarte Präsentation. Der Schlenker nach Grenchen hat sich gelohnt. Anschliessend fuhren wir nach Olten und besuchten im Kunstmuseum die Finissage von Marc - Antoine Fehr. "Renaissance" vereinigt eine eindrückliche Bilderauswahl aus den letzten Jahren. Es war sehr schön endlich Marc-Antoine persönlich kennen zu lernen. Die Arbeiten kenne ich seit den 80er Jahren aber begegnet sind wir uns heute das erste Mal. Das war ein wirklich beglückendes und anregendes Wochenende. Kultur belebt und tut wirklich gut. 

Freitag 11. Mai: Heute heisst es schon wieder Abschied nehmen von Vera. Monika und ich fahren das erste Mal zusammen nach Solothurn an die Literaturtage. Ich muss die Vexer Bücher liefern für die Buchpräsentation von SWIPS. Wir haben anschliessend die Airbnb Unterkunft aufgesucht in einem Aussenquartier von Solothurn. Eine spärlich möblierte vier Zimmer Wohnung mit Balkon in einem etwas schäbigen Wohnblock. Wir mussten uns für diese Unterkunft entscheiden weil alle Hotels ausgebucht oder überrissen teuer waren. Wir sind dann 20 Minuten zu Fuss in die Altstadt spaziert und haben gleich die ersten Lesungen genossen. 

Donnerstag 10. Mai: Intensive Familienzeit. Heute feierten wir den 90. Geburtstag von Arthur. Der Vater von Monika hat den Tag sichtlich genossen. Ein wirklich schönes Familientreffen in Kriessern. 

Mittwoch 9. Mai: Intensive Arbeitstage nach London. Ich war beschäftigt mit dem Bemalen einer Auftragsskulptur. Der neue Arbeitsraum bewährt sich. Heute ist Vera aus Berlin angereist für unser Familienfest. Es gibt wie immer viel zu besprechen. Wir haben dann in meinem Atelier eine Bilderpräsentation vorbereitet. Vera lagert ihre frühen Bilder bei mir. Ich finde es immer wieder spannend, Bilder nach längerer Zeit wieder neu zu sehen. Erinnerungen machen sich immer selbstständig und entfernen sich oft sehr stark von der Realität. 

Sonntag 5. Mai: Nach dem Frühstück im Novotel Tower Bridge Hotel haben wir uns noch einige tolle Architekturikonen angeschaut und besuchten dann die Whitchapel Gallery. Mark Dian präsentiert sehr humorvolle und aufwändige Installationen mit seinen skurrilen Sammlungen. Der teilweise bissige Humor hat mich überrascht und im Nachhinein habe ich auch die Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen besser verstanden. Mark Dian hat im letzten Jahr nach dem Auszug des Naturmuseums als erster Künstler die Räume im Untergeschoss des Museums bespielt. Bei dieser Art Kunst ist es dann aber halt schnell einmal ein Witz zu viel. Das zeigte sich spätestens im Buch Shop bei den nicht enden wollenden Buchtiteln von Dian. 

Ja und dann ab zum Flughafen. Schönes Wetter, guter Flug, weiche Landung und um 19.30 Uhr wieder zu Hause. Frische Salate aus dem Garten und eine Bratwurst vom Grill. Das St.Galler Leben ist auch nicht ohne. 

Samstag 4. Mai: Den ganzen Tag herumflaniert. Am Vormittag besuchten wir einige Ausstellungen. Ein Höhepunkt war die Animationsfilminstallation von Ian Cheng in der Serpentine Gallery. Eine beängstigende und fantastische Anfangs- und Endzeitstimmung aus einer Kinderperspektive heraus gesehen. Beeindruckend war auch das Privatmuseum von Damien Hirst, die Newport Street Gallery. Präsentiert werden grosse, fliessende Malereien aus Küchenglas und Pigmenten von Rachel Howard. (Ich habe keine Ahnung was Küchenglas ist) Nun habe ich gelesen, dass Rachel Howard die Topassistentin von Damian Hirst war und dass sie seine bekannten Punktebilder gemalt hat. Nun züchtet sie Schafe und malt ihre eigenen Bilder. Toll. Im Obergeschoss werden 25 Malereinen des Amerikaners John Copeland präsentiert. Gestische, dichte Malereien, mit Motiven aus Photo-Magazinen des 20. Jahrhunderts. Die Werke stammen aus der Murderm Collection. Die Ausstellungsräume sind wirklich wunderschön. Am Abend ein sehr gutes Indisches Essen. 

Freitag 4. Mai: Wir besuchten viele historische Plätze in London und gegen Abend trafen wir Medea. Wir besuchten gemeinsam in einem Aussenquartier, im Stadtteil Norwood Junction in den Stanley Halls ein Konzert von "Seun Kuti & Egypt 80". Die Stimmung und das Konzert waren super. Das bunt gemischte Publikum war begeistert. Dank Medea erwischten wir dann um Mitternacht noch einen Bus in die Innenstadt. Die einstündige Fahrt durch teilweise düstere Gegenden von London war ziemlich wild.

Donnerstag 3. Mai: Um sechs Uhr früh bin ich bereits aufgestanden. Kurzes Frühstück, dann zusammen mit Monika zum Bahnhof und anschliessend gemeinsam mit Ralph und Margrit nach Kloten. Der Flug nach London war prächtig. Das verlängerte Wochenende war geprägt von wunderbarem Wetter. Wir fühlten uns wie im Süden. Kein Regenschirm und keine Windjacke war nötig. Wir haben lange Stadtwanderungen unternommen und dabei viel interessante Architektur und spannende Ausstellungsorte gesehen. In der Tate Modern haben wir uns vor allem den gelungenen Neubau von Herzog & De Meuron angeschaut. Bei den Ausstellungen konzentrierten wir uns auf die Performance Pionierin Joan Jonas. Erstaunlich, überraschend und witzig. Dann haben wir eine Fahrt im Riesenrad mitgemacht. Das bietet einen unglaublichen Überblick über das Stadtzentrum. 

Mittwoch 2. Mai: Die letzten Tage waren ruhig aber arbeitsintensiv. Ich habe meine Arbeit für die kommende  Ausstellung in der Tektonikarena Sardona vorbereitet. Ich plane ein Gästebuch "Planet Erde". Ich finde es einfach faszinierend, dass unsere Alpen in Jahrmillionen entstanden sind durch das Aufeinandertreffen von Afrikanischen und Europäischen Gesteinsplatten. Enorme Kräfte haben die Platten zertrümmert und unsere Alpen aufgetürmt. Gestern bin ich vor dem PC richtig ausgerastet. Zu viele Themen, zu viel Strahlung und zu wenig Kompetenz lassen auch bei mir vor dem PC massive Berge im Gefühlsleben entstehen. Dann kracht's nur so vor sich hin. Am Abend war dann aber doch sehr viel erledigt, an geschriebenen Texten, an versendeten Konzepten, erfundenen Arbeitstiteln, einem geschliffenen und bemalten Tisch etc.

Heute Abend fahre ich nach Alt Sankt Johann. Im Johanneum gibt es einen Vortrag zum Thema Demenz. Ich bin eingeladen worden, um das neue Buch von Lika Nüssli vorzustellen, das Aufgrund der Demenzerkrankung von Likas Mutter entstanden ist. Ja und morgen geht's ab nach London. 

Sonntag 29. April: Wir haben uns gegen Abend mit Freunden in Schaffhausen verabredet für ein Konzert im Ausstellungsraum  Rheinart am Rheinfall. Ein Künstlerkollege möchte mit mir zusammen eine Ausstellung an diesem Ort durchführen. Mir wurde sehr schnell klar, dass die Räume für mich und meine Arbeiten nicht geeignet sind. Ich finde es aber trotzdem wunderbar und wichtig, dass hier Kunstprojekte präsentiert werden. Bei mir persönlich merke ich schon seit langer Zeit, dass ich nur noch total stimmige Projekte machen will. Der Aufwand für eine professionelle Ausstellungsvorbereitung ist enorm. Wenn die Räume schwierig sind wird es immer noch komplizierter.   

Samstag 28. April: Am Morgen machte Monika die letzten Vorbereitungen für unser Jassturnier im Hotel Hirschen in Wald. Sie sammelte im garten Lorbeerzweige für die Krönung des heutigen Gewinnerpaares. Monika und ich machten uns dann zurecht und stellten uns vor den Spiegel für ein Siegerfoto. Hoffen darf man ja und ein Foto kostet ja nichts. Beim Turnier hatten wir einmal mehr keine Chance auf den Sieg. Wir haben nicht schlecht gejasst aber es gab doch wirklich noch fünf Bessere Paarungen. Wir konnten das dank unserer grossen Erfahrung verwinden. Der Tag war ausgesprochen friedlich und teilweise sehr lustig.  Also wirklich!

Freitag 27. April: Am frühen Abend eine Projektbesprechung in der Stadt zusammen mit Monika. Förderprojekt Literatur Ost+... wir konnten wichtige Punkte klären.

Donnerstag 26. April: Am Morgen habe ich im Kunsthausrestaurant Daniela Hediger in Zürich getroffen. Sie plant ein breitangelegtes Festival für ein besseres Verständnis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auch Väter in Kaderpositionen sollten ihre Arbeitspensen reduzieren können, um bei der Kinderbetreuung mit zu helfen. Ein sehr sympathisches Treffen. Bei visarte beschäftigen wir uns auch mit dem Thema Kunst und Kind. Nur sind Künstlerinnen und Künstler selten in Spitzenpositionen. Sie kämpfen oft um das finanzielle Überleben. 

Mittwoch 25. April: Die letzten zwei Tage an der F&F in Zürich waren sehr intensiv. Ich habe zusammen mit Britta Polzer, Talaya Schmid und Daniel Hauser Arbeiten der Studierenden aus der Kunstklasse besprochen. Eindrücklich, irritierend, feinstofflich und überraschend. Die Gefühle und Empfindungen flitzten in alle Richtungen bei diesen Kunstbetrachtungen. Talaya und Daniel machen ihre schwierigen Jobs grandios. Klar, kritisch, unaufgeregt und höchst kompetent. Auch streng wenn es sein muss. Mütze ab! 

Montag 23. April: Schon wieder sehr früh raus. Wir brachten eine Auswahl von unseren Büchern aus dem Vexer Verlag in die neue Bibliothek in der Fachhochschule. Ich habe eine kleine Präsentation der St. Galler Verlage organisiert mit dem Triest Verlag und der VGS. Das ist sehr schön geworden.

Sonntag 22. April: Monika ist zu ihrem Geburtstag zu einem Privatkonzert eingeladen worden von Petra Ronner und Peter Schweiger. Ich durfte auch mit - habe ja schliesslich am gleichen Tag Geburtstag. "vom - umhalsen- der - sperlingswand - oder 1 - schumannwahnsinn".  Das war ein eindringlicher und unvergesslicher Nachmittag im Atelier von Petra, irgendwo auf dem Lande in der Nähe von Zürich. Petra spiele Lieder von Schumann und Peter rezitierte Texte von Fredericke Mayröcker. Ernst Jandl war mitten unter uns, langgestreckt und erstaunlich ruhig. 

Unvergesslich. Anschliessend ein feines Abendessen im Freien in einem sehr gut besuchten Landgasthof an schönster Lage. Beim verschneiten Berg den wir in der Ferne sahen, wussten wir nicht ob es wirklich der Säntis ist. Ich ass ein feines Spargelrisotto. 

Samstag 21. April: um 13.30 Uhr Haben wir uns auf dem Gallusplatz versammelt für das anstehende "Speed-Dating mit Buch". Eingeladen haben die Bibliotheken, Verlage und Buchhandlungen aus der Umgebung von St. Gallen. Leseinteressierte wurden aufgefordert an diesem Nachmittag mit wildfremden Leuten Bücher zu tauschen. Martin Amstutz hat dazu auf seinem Bandoneon gespielt und ein wunderschönes Paar hat dazu Tango getanzt. Ein lustiger Anlass unter der Linde. Ich konnte mir einige rare Bücher ergattern. 

Freitag 20. April: Bin heute früh nach Zürich gefahren für eine Besprechung bei visarte mit der IG Holz und unserem Anwalt. Das war dann alles sehr erfreulich. Nach dem Mittag diskutierten wir mit der Agentur Pol aus Bern das weitere Vorgehen bei der Neugestaltung der visarte Homepage. Das war alles sehr konstruktiv und ergiebig. Ich denke wir sind auf einem guten Weg.

Donnerstag 19. April: Heute war ich ziemlich müde.  

Mittwoch 18. April: Ich hatte eine gute Nacht. Am Morgen einen mords Schreck. Um ca. 7 Uhr stand ohne zu klopfen ein schwarz gekleideter Servicefachmann in meinem Appartement. Er sagte irgendwie etwas von "Nix machen - keine Angst - Entschuldigung - nur muss kontrollieren". Ich zog die Decke über den Kopf und schlief ziemlich heiter in aller Ruhe weiter. War ja nix - oder?  Um 9 Uhr Treffen mit Roger Diener und zwei Architekten im Speisewagen. Dann eine lange Projektbesprechung auf einer Baustelle in Zürich und dann am frühen Nachmittag wieder zu Hause.

Dienstag 17. April: Um die Mittagszeit bin ich losgefahren nach Stuttgart. Dort wurde Diener&Diener Architekten von der Wüstenroth Stiftung der Gestaltungspreis für vorbildliches Bauen verliehen für das Projekt "Stadtmuseum Aarau" wo ich die Fassade gestalten konnte. Lange Fahrt, kurze Feier und wieder eine lange Fahrt bis Basel, wo ich übernachten konnte. 

Montag 16. April: Heute hatte ich um 9 Uhr die letzte Therapiestunde für mein kaputtes Knie. Ich hüpfte so munter wie möglich und lief einen Kilometer auf dem Laufband. Nun muss ich meine Übungen ohne Anweisungen von Frau Wrangel machen. Sie hat mich teilweise sehr in die Mangel genommen. Na ja mit einer Therapeutin hüpft es sich leichter...

Um 11 Uhr hatten wir im Bistro der Stiftsbibliothek ein Treffen, um den Auftakt zum Tag des Buches am kommenden Samstag zu besprechen. 

Am Nachmittag traf ich mich mit Matthias Schmid. Er schreibt und macht Musik. Sehr sympathisch und interessant.

Sonntag 15. April: von Allem das Feinste...

Samstag 14. April: Wieder sehr früh aufgestanden, um die Hauptversammlung von XYLON Schweiz in Lenzburg zu besuchen. Ich glaube ich war noch gar nie in Lenzburg und kenne nur den Blick aus dem Zug auf das Schloss. das war ein sehr unterhaltsamer Tag mit all den Holzschneiderinnen und Holzschneidern. Nach der Sitzung und dem guten Essen haben wir einen Werkstattbesuch beim Drucker Urs Jost gemacht. Ein riesiger Maschinenpark aus alten Zeiten steht bereit für neue Druckgrafik. 

Freitag 13. April: Obwohl eine schwarze Katze am frühen Morgen meinen Weg kreuzte war der tag sehr gut. Ich bin nach Bern gefahren. Ungewollt eine Stunde zu früh. Nach einem Kaffee im Proger habe ich mir die Ausstellung im Kunstmuseum angeschaut über die Sammlung von Hahnloser. Es ist einfach wunderschön solche Sammlungen immer wieder in anderen Zusammenhängen und Zusammenstellungen zu sehen. Spitzenwerke von Felix Vallotton, Pierre Bonnard, van Gogh, Hodler usw. Viele unerwartete Werke. Das war ein sehr malerischer Morgenanfang vor den langen Sitzungen mit swissculture, die bis um halb fünf dauerten. 

Donnerstag 12. April: Ich konnte in den letzten Wochen immer wieder an meiner neuen Skulptur arbeiten. Das macht einen freien Kopf und müde Arme. Am Abend reicht die Energie dann aber immer noch um alle Bestellungen des neuen Buches von Lika Nüssli zu bearbeiten.

Mittwoch 11. April: Heute traf ich mich am Morgen mit der jungen Schriftstellerin Laura Vogt. Um 10 Uhr kam dann auch die Studentin, die ich einen Tag vorher erwartete. Ja das ergab dann einen sehr intensiven Dauersprechtag. Es war alles sehr ergiebig. Die Studentin arbeitet an einer Masterarbeit zum Thema "Künstler als Unternehmer". 

Dienstag 10. April: Am Morgen habe ich auf eine Studentin von der HSG gewartet für ein Interview. Sie kam leider nicht. Ich habe mich dann mit meinem neuen Buchprojekt "Geografie der Freiheit" auseinandergesetzt. 

Sonntag 8. April: Ein ruhiger und besinnlicher Tag. Am Abend haben wir uns im Stadttheater das Tanzstück "Schlafes Bruder" angeschaut. Eine eindrückliche und grandiose Aufführung. Gute Musik, intensiver Tanz und eine starke Choreographie in einem ausverkauften Haus. 

Samstag 7. April: ich arbeitete den ganzen Morgen an meinen Konzepten und fuhr am Nachmittag nach Solothurn. Auf meinem Spaziergang durch sie Stadt habe ich gestaunt, wie bevölkert die ganze Altstadt war. Ein warmer Samstagabend und alle sind auf der Strasse. Im Kunstmuseum wurden um 17 Uhr einige sehr schöne Bilder aus der Sammlung des verstorbenen Arztes und Künstler Urs Burki an das Museum übergeben. Unter Anderem von Per Kirkeby, Gubser, Klodin Erb, und Le Corbusier. Rosmarie Burki hat mich zu diesem Anlass eingeladen, weil ich ja die sehr schön gestaltete und umfangreiche Monografie im Vexer Verlag herausgegeben habe. Der Abend gab mir die Möglichkeit Rosmarie Weibel wieder einmal zu sehen und die Ausstellungen von Jan Anüll, und Judith Albert anzuschauen. Das war ein sehr interessanter Abend in einem kleinen Kreis. 

Freitag 6. April: Ich arbeitete intensiv weiter an der neuen Skulptur, die übrigens aus dem dicksten Stammteil des St. Galler Weihnachtsbaums entsteht, der im letzten Winter auf dem Klosterplatz stand und von der Familie Morant gestiftet wurde. Das gibt ja eine schöne Bescherung. 

Am Nachmittag wollte mich eine junge Praktikantin kennenlernen. leider ist sie nicht an die Brauerstrasse gekommen. Sie landete an meiner alten Atelieradresse an der Haggenstrasse. Dort sind die Lichter schon mehr als ein Jahr gelöscht. Jetzt praktiziere ich halt weiterhin alleine....

Am Abend hat Monika ein fulminantes Essen für Freunde vorbereitet. Wildschweinbraten und Rehrücken mit viel verschiedenem Ofengemüse. Super - und wunderbaren Wein von unserer letztjährigen Frankreichreise. Das Weingut Château Jander muss man sich merken. Der Jahrgang 2010 ist super gut.50% Merlot und 50% Cabernet Sauvignon.

Donnerstag 5. April: Am Abend besuchten wir die Eröffnung der Kunst am Bau Arbeit "patern" von Norbert Möslang am neuen Pavillon beim Hauptbahnhof. Ich war ziemlich irritiert, dass auf der Einladungskarte vom Hochbauamt die verschickt wurde der Name des Künstlers nicht erwähnt wurde. Der Abend war sehr gut besucht. Norbert hatte eigens für diesen Anlass zwei Stücke komponiert, die von einer Gruppe von Musikern aus Basel uraufgeführt wurden. Die Ansprachen waren mässig aber die binäre Uhr setzt ein starkes Zeichen in St. Gallen. Leider hat die SBB oder waren es die technischen Betriebe der Stadt? an einem unsäglichen Ort eine Orientierungstafel installiert, die das Kunstwerk empfindlich stört. Ich bin ja sehr gespannt, wie der neue Bahnhofplatz wirkt, wenn im Herbst endlich alles fertig gebaut ist. 

Mittwoch 4. April: Heute hatte ich endlich den Mut mit einer neue Skulptur zu beginnen. Im Winter war es auch viel zu kalt. Der Frühling tut mir gut. Die Stimmung in den neuen Räumen ist sehr speziell und anregend. 

Dienstag 3. April: Die Ostertage in Italien waren sehr kalt aber erholsam. Viel Holz verfeuert, einige Bücher gelesen, sehr gut gekocht und viel gegessen. Was will man mehr. 

Donnerstag 29. März: Gegen Mittag sind wir losgefahren nach Italien. Alles ist gut gegangen. Überhaupt keinen Stau. 

Montag 26. März: Heute Mittag hat sich im Kunsthausrestaurant in Zürich die Organisationsgruppe und die beteiligten Künstlerinnen und Künstler getroffen für das Ausstellungsprojekt ""grüner Henry", das im Sommer 2019 zum Jubiläum von Gottfried Keller stattfinden wird. Ich planem mit dem Vexer Verlag das Begleitbuch zur Ausstellung. Wir haben alle Schauplätze angeschaut, wo die Installationen aufgebaut werden. Das war ein Stadtspaziergang der ganz anderen Art. Zentralbibliothek, Zunfthaus, der schwarze Garten, den Lyceum Club der Frauen und als Höhepunkt das Atelier von Arnold Böcklin. Ich habe Zürich wieder einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. 

Sonntag 25. März: Um 13 Uhr sind wir mit über hundert Büchern von Lika Nüssli zum Kunstmuseum St. Gallen gefahren. Wir wollten uns rechtzeitig vorbereiten für die Buchpremiere. Das war ein überwältigendes Ereignis. Rund 140 Personen haben an diesem Anlass teilgenommen. Lika führte ein sehr persönliches und berührendes Gespräch mit Anette Gehrig, der Leiterin vom  Cartoonmuseum Basel. Der Anlass dauerte bis um 18 Uhr. Die Teilnehmenden standen geduldig in der Schlange, um ein persönlich signiertes Buch zu bekommen. Wir haben an diesem Nachmittag auch die grosse Familie von Lika kennen gelernt, mit ihren vielen vielen, ganz unterschiedlichen Schwestern. Das Buch heisst "Vergiss dich nicht" und die Grafik Novelle erzählt die Geschichte der an Demenz erkrankten Mutter der Künstlerin und dem sehr speziellen Heimalltag, mit all den persönlichen Geschichten der Bewohnerinnen und Bewohnern und ihren Pflegenden. 

Samstag 24. März: Am Nachmittag haben wir uns einige Lesungen beim Wortlaut Festival angehört im Splügeneck und dabei zufällig Laura Vogt kennen gelernt. Sie hat einen sehr guten Text gelesen. Ja und dann sind wir mit Eveline und Roman nach Wald gefahren, um unser Jass - Turnier vorzubereiten. 

Am Abend haben wir uns dann die Solo Show von Doktor Lüdi im Palace angeschaut. Ein wirklich toller Analass. 

Freitag 23. März: Um 9 Uhr Therapiestunde bei Theresa. Physio Balance. Wenn ich da jeweils raus komme muss ich immer überlegen wo ich bin, wie ich heisse und ob ich in die richtige Richtung gehe. Auffällig ist, dass mich alle mir entgegenkommenden Menschen kurz stehen bleiben, mich enorm freundlich grüssen, nicken, lächeln und in die Wolken schauen. Die Buschauffeure warten lange, wenn sie mich kommen sehen. Sie lassen die Türen weit offen und wünschen mir und allen Passagieren einen ganz schönen Tag. 

Am Nachmittag ist dann noch Hans Jörg Bachmann vorbeigekommen mit der Fotoserie aus einem uralten Japanischen Kloster. Dann habe auch ich in die Wolken geschaut und gelächelt. Das wir d eine ganz schöne Edition. 

Donnerstag 22. März: Im Moment gibt es zum Glück viele Bestellungen des neuen Buches von Lika Nüssli. Um 16.30 Uhr hatte ich einen Termin bei Danilo zum Haare schneiden. Dazu hat er mir wunderbare, improvisierte  Orgelmusik von einem Musiker aus Berlin zu Ohren geführt. Das war eine sehr erholsame Stunde. Wenn ich dann nach dem Haareschneiden wieder die Brille aufsetze, staune ich meistens, wer mir da so unverfroren entgegenblickt.

Mittwoch 21. März: Ich habe den ganzen Tag gemalt und bin am Nachmittag nach Emmenbrücke gefahren. Um 18 Uhr war ein Ausstellungsrundgang mit Klaudia Schifferle und Lena Friedli im Aku in Emmenbrücke angesagt als Auftakt der Hauptversammlung von der visarte Zentralschweiz. Leider waren dann weder Klaudia noch Lena vor Ort. Die Versammlung war sehr gut besucht und wurde zügig durchgeführt von den beiden Co-Präsidentinnen Karin Mairitsch und Katrin Odermatt. Ich musste kurz nach 21 Uhr wieder zum Bahnhof rennen, damit ich dann um halb eins in der Nacht wieder zu Hause war. 

Dienstag 20. März: Ein normaler Arbeitstag ohne Störungen. Am Abend besuchten wir den Orientierungsanlass, wie in unserer Nachbarschaft alles zugebaut werden soll. Mutig - mutig. St. Gallen schrumpft und trotzdem wollen alle bauen. Ich beneide all die Laien nicht, die meinen sie könnten in diesem Markt wie Profis mitspielen. Am Schluss ist das Bauland weg und die Schulden um einiges höher. War trotzdem ganz nett. Wir haben einige neue Nachbarn kennengelernt und alte verloren. 

Montag 19. März:  Ich musste früh raus. Am Morgen hatte ich ein Projektgespräch mit der zuständigen Jury für die Literaturförderung Ost+ in Zürich. Ich konnte mein Pilotprojekt vorstellen, das ich unter dem Titel "Geografie der Freiheit" vorbereitet habe. Das war ein richtiger Nervenkitzel. Als ich mich beim Pförtner der kantonalen Verwaltung anmeldete, wurde mir gesagt, dass an diesem Morgen keine Sitzung stattfinde und dass ich nicht angelmeldet sei. Er telefonierte etwas herum und sagte mir ich müsse halt einfach warten...

Mein ausgedrucktes e-mail mit der Einladung interessierte ihn überhaupt nicht. Eine Minute vor Sitzungsbeginn merkte der Pförtner dann, dass eben doch eine Sitzung statt findet. Ich durfte mich durch die Schleuse bewegen und war dann doch ziemlich nervös...

Alles ist dann doch noch gut gegangen.

Am Mittag bin ich mit dem Tram Richtung Haus Konstruktiv gefahren. dann weiter zu Fuss. ich wollte mein Knie etwas trainieren und habe mich ziemlich verlaufen. Ich war dann aber doch rechtzeitig bei der Geschäftsstelle von visarte Schweiz zur Vorstandssitzung. 

Samstag 17. März: Monika ist den ganzen Tag weg. Ich habe mich entschlossen beim Solidaritätsjassen im Restaurant Militärkantine mit zu machen. das war sehr lustig. Über hundert eifrige Jasserinnen und Jasser aus der linken Szene. Sozusagen linke Folklore für einen guten Zweck. Im Zentrum ein riesiger Gabentisch mit grossartigen Preisen. Ich konnte leider nur vier mal Jassen und musste dann gehen. Ich bin ja gespannt was Brigitte Wiederkehr für einen Preis für mich aussuchen wird. beschenkt werden alle...

Donnerstag 15. März: Hatte ein gutes Gespräch mit meinem Arzt und Homöopathen. Ich bekomme einen Zaubertrank. 

Dienstag 13. März: Den ganzen Tag gemalt und am frühen Abend nach Zürich gefahren für eine Buchbesprechung mit Anne Hofmann und Sereina. Ein guter Abend.

Montag 12. März: Eingeheizt und gemalt.

Sonntag 11. März: Nach den hektischen Tagen ist Ruhe angesagt. Eigentlich wollte ich an die Lesung von Thomas Müllenbach in Zürich. Ich habe es nicht geschafft. Ich habe selber gelesen und herumgedöst. Am Abend habe ich einen ganzen Blumenkohl, ungeschnitten in eine Dampfgarpfanne gelegt und rund fünf Minuten gekocht. Dazu gab es handgeschnittene Pommes von ungeschälten Kartoffeln, Randenschnitze, Zwiebeln und Peperonigemüse aus dem Backofen. Dazu gut gewürzte Fetakrümel etc. und einen guten Roten.

Samstag 10. März: Heute bin ich am Morgen früh losgefahren nach Schwyz, für eine Besprechung eines Buchprojektes zur Kunst am Bau Arbeit von Benno Zehnder. Die ganze Arbeitsgruppe war angereist, um das Farb- und Kunstprojekt von Benno kennen zu lernen, das er für das Spital in Schwyz in den letzten 16 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat. Das war ein intensiever Tag mit kompetenten und interessanten Menschen aus ganz verschiedenen Fachgebieten.

Freitag 9. März: Heute gegen Mittag sind zwei Paletten mit den 1000 Büchern von Lika Nüssli geliefert worden. Die Bücher sind wunderschön geworden. Die Zeichnerin und Grafikerin Julia Marti hat das Werk sehr schön gestaltet und Lika hat sich total verausgabt für dieses Projekt. Ich freue mich auf die Buchpremiere am Sonntag 25. März im Kunstmuseum St.Gallen um 14 Uhr. Ich habe gleich sechzig Exemplare in meinen Veloanhänger gepackt und bin nach Hause getrampelt. Das war sehr anstrengend weil die Reifen meines Anhängers ziemlich platt waren. Das war ein richtiges Quitschen auf den Felgen. Ich habe diese Fahrt kurzerhand als Gratistherapie für mein Knie abgehakt. Im Fahrradgeschäft kaufte ich dann anschliessend für fünf Franken Frischluft für die Reifen.

Am Abend waren wir eingeladen zu einem wunderbaren Essen. Ein toller Abend mit Freunden.

Donnerstag 8. März: Heute hatte ich einen Termin mit Stefan Rohner. Er hat einige Fotos von meinen neuen Atelier und Lagerräumen an der Lukasstrasse gemacht. Ich freue mich auf wärmere Tage.

Dienstag 6. März: Heute Mittag fuhr ich nach Zürich zur Budgeplanung und Rechnungsrevision bei visarte. Wir haben einen neuen und sehr kompetenten Revisor. ich habe wieder einiges dazu gelernt. Am Abend musste ich mit klappernden Zähnen mehr als eine Stunde auf meinen Zug warten. Alles war eingefrohren und die wenigen Züge waren total überfüllt.

Montag 5. März: Bei der Zeitungslektüre habe ich gestaunt, wie die unterlegenen Radio und Fernsehabschaffer von einem Ja - Aber Entscheid vom Schweizervolk reden. Bei einer Ablehnung von 72 Prozent der Bevölkerung zu dieser unschweizerischen Initiative sollte doch eigentlich alles klar sein. Die extreme Rechte hat sich selbst ins Knie geschossen und gleich auch noch die Wahlen in Winterthur und Zürich verloren. Ich verstehe nicht, dass eine Partei, die sich als Gralshüterin von allem Schweizerischen ausgibt, diese Initialive unterstützt hat. Die Milchkühe werden froh sein, dass sie am Morgen früh beim Melken weiterhin das beliebte Schweizer Radioprogramm geniessen können.

Um elf Uhr durfte mein Knie bei medbase wieder eine neue Therapeutin und eine neue Massagetechnik kennenlernen. Es hat sich gefreut...

Sonntag 4. März: Ich sass schon um 12 Uhr vor dem Fernseher und habe mit grosser Freude das super Resultat gegen die No-Bilag Initiative entgegen genommen. Das Resultat zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer die Gefährlichkeit einer privat finanzierten  Meinungsmacht erkannt hat. Diese Abstimmung ist ein klares Signal, dass das Volk bereit ist, weiterhin eine breite und vertiefte Diskussionskultur mit zu finanzieren. Diese Kultur ist dringend notwendig um unsere Demokratie und unsere vielseitigen Kulturen zu erhalten und zu vermitteln. Das gibt einen sehr guten Sonntag.

Jetzt habe ich auch den ersten Abstimmungstrend für die Renovation des Theaters in St.Gallen gelesen. Auch hier scheint es ein klares ja zu geben. Super.

Am Abend habe ich bei Kleinaberfein die Lesung "Zündels Abgang" genossen.  Kleinaberfein (Kaf) St.Gallen verbindet Literatur mit Musik. Theater am Tisch (Hans Rudolf Spühler und Marcus Schäfer) lasen erstmals szenisch aus dem Roman von Markus Werner "Zündels Abgang". Sie wurden musikalisch begleitet vom Gitarristen Peter Lutz. Eine ganz tolle Aufführung. Ich habe das erste Buch von Markus Werner schon mehrmals gelesen. Das Hörerlebnis war aber total neu und frisch.

Zu Hause wartete Monika bereits auf mich und erzählte mir von ihrer Berlinreise und von unserem zukünftigen Grosskind. Es ist alles so aufregend.

Samstag 3. März: Heute Nachmittag nehme ich in Mogelsberg teil am Abschidsritual für meine Schulfreundin Hildegard Zäch. Traurig.

Ich bin rechtzeitig aus dem Haus gegangen und habe ein Bahnticket nach Mogelsberg gekauft. Als ich auf dem angegebenen Perron 5 war bemerkte ich, dass der Zug am Samstag gar nicht fährt. Mir blieb nur noch die Möglichkeit mit dem Taxi nach Mogelsberg zu fahren. Ein lustiger Sizilianer hat mich zimlich schnell in die Hügel chauffiert. Ich habe es gerade noch geschafft, rechtzeitig da zu sein. Viele Menschen hatten sich versammelt zu einem sehr berührenden Abschiedsritual. Alle gaben ihr Bestes und besser ging es nicht. Es war sehr schön einige meiner ehemaligen Mitschülerinnen zu treffen.

Freitag 2. März: Am Morgen habe ich zurückgeschaut auf meinen ersten Eintrag in meinem Tagebuch vom 7. Februar 2012. Da habe ich doch vor sechs Jahren in prophetischer Voraussicht geschrieben:
"Banker sind die waren Künstler. Nach dem Verkauf von Wegelin an Raiffeisen wurde über Nacht der Bankname Notenstein kreiert. Pirmin Vinzenz überlegt sich schon wie die Bank Julius Bär genannt werden könnte... Für mich ist klar, nach Notenstein folgt Frankenstein."

Das passt doch. In den letzten Tagen sind alle Zeitungen voll mit Vorwürfen an den ehemaligen Bankdirektor. Der rote Platz in St.Gallen bekommt nun eine ganz andere Bedeutung.

 Am Mittag bin ich nach Zürich gefahren für eine visarte Sitzung. Im Zug habe ich zufällig Charles Keller getroffen. Wir haben dann zusammen Tee getrunken im Speisewagen und uns dabei bestens unterhalten. Am Abend sass ich dann fest auf dem Bahnhof in Zürich. Zugausfälle und Verspätungen. Der Ersatzzug kam dann erst eine Stunde später und war sau kalt. Total durchgefroren stand ich dann auf dem Bahnhof in St.Gallen und wen treffe ich da? Es war wieder Cherles Keller. Er hat mich animiert, ihn an die Vernissage ins Kunstmuseum zu begleiten. Eine schöne Ausstellung mit Highlihts aus der Sammlung und einer speziellen Präsentation von Urs Lüthi Werken aus der Sammlung von Felix Falkner. Ich führte viele spannende Gespräche und habe auch sehr delikate Neuigkeiten vernommen. (neben dem üppigen Buffet notabene) Eine richtig pralle Vollmondnacht.

Donnerstag 1. März: Monika ist heute nach Berlin geflogen, um das Bäuchlein von Vera anzuschauen. Es ist grossartig. Ich werde Grossvater. Wir werden Grosseltern. Es ist ein sehr spezielles Gefühl. Ich wurde mit 24 Jahren Vater und nun mit 62 Grossvater. Ich glaube ich bin um einiges nervöser auf dieses Ereignis hin. Ich hoffe ich werde nun nicht plötzlich zu erwachsen. Älter werden ist das Eine aber so richtig erwachsen? Ich weiss natürlich schon länger von der Schwangerschaft von Vera. Ich konnte sie aber erst heute fragen, ob ich auch darüber reden darf. ICH DARF! In diesem Zusammenhang habe ich auch eine grosse Kunst und Bauarbeit geplant. Einen Baldachin mit 56'112 Namen. Von Allen über 56 tausend Namen, der in der Schweiz registrierten Menschen. Leider hat Amriswil meine Arbeit nicht realisieren wollen für ihre Sportanlage Tellenfeld. Da traf der Pfeil ins Schwarze Loch, nicht in den rotbackigen Apfel.

Heute habe ich mich mit Rolf getroffen im Tibits. Ein Vorgespräch zu einem Buchprojekt. Ich sage heute bewusst nicht welchen Rolf ich getroffen habe. Ich kenne einige interessante Menschen mit diesem Namen. Namen haben es in sich. Auch Buchtitel haben es in sich und genau diesen Arbeitstitel haben wir heute entwickelt. "Geografie der Freiheit" klingt gut - gell.

Mittwoch 28. Februar: Heute bin ich nach Zürich gefahren um ein1:1 Modell anzuschauen für eine Fassade, die ich 2016 entworfen habe. Planen und  Bauen dauert. Das Modell wird wunderbar und übertrifft meine Vorstellung um Vieles. Farbe, Licht und Form. Es ist einfach wunderbar wenn alles zusammenspielt. Ein beglückender Moment.

Dienstag 27. Februar: Malen ist angesagt, schon seit Wochen. In der kältesten Winterzeit an einem Herbstbild zu arbeiten bringt etwas Wärme ins Atelier und spart Heizkosten.

Sonntag 25. Februar: Ich bin ja kein grosser Kirchengänger. Ich liebe aber Kirchen als Stätten der Kultur. Heute gedachten wir mit einigen Geschwistern unserer verstorbenen Mutter. Dann assen wir im Adler. Solche Familientreffen sind immer sehr speziell für mich. Man hat zwar die gleichen Gene und trotzdem sind alle ziemlich einsam in ihren eigenen Geschichten verstrickt.

Samstag 24. Februar: Ein vielversprechender Tag. Um 14 Uhr Hochzeit von Angela und Ruedi in der evangelischen Kirche in Teufen, verbunden mit der Taufe ihres Kindes. Bevor wir in die Kirche gegangen sind mussten wir noch warme Socken für Monika kaufen. Zum Glück war das Schuhgeschäft geöffnet. Die Feier war dann sehr überraschend, witzig, teilweise tiefsinnig und mit wunderbarem Gesang umrahmt. Anschliessend gab es einen Apero im Zeughaus. Der grosse Saal war gerammelt voll. Der Bräutigamm singt eine der ersten Stimmen im Jodlerchor Teufen. Ruedi ist wirklich ein begnadeter Sänger.

Wir sind dann um vier zu Carol Forster nach Appenzell gefahren um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Das ist immer ein unkompliziertes Kommen und Gehen. Ein offenes Haus, an einem schönen Ort, mit interessanten Gästen und einer grossartigen Gastgeberin.

Am Abend waren wir dann mit Freunden bei Felix Falkner zum Essen eingeladen. Felix sammelt schon lange Arbeiten von mir. Jetzt gab es ein Wiedersehen mit meiner frühen Skulptur "Felix", die ich 1983 gemacht habe. Mich hat das emotional ziemlich mitgenommen. Es war eine Begegnung wie mit einem verlorenen Sohn, der in mir steckt. Auf jeden Fall habe ich dann sehr tief und fest geschlafen. Für Träume war gar kein Platz mehr da.

Freitag 23. Februar: Habe den ganzen Tag gearbeitet und gelesen. Um zwei Uhr bin ich ins Trainig gefahren. Ich muss mein defektes Knie bewegen. Am Nachmittag mit dem Zug nach Altstetten und dann mit dem Bus nach Kriessern. Das Dorf wirkte für mich ganz anders wie in meiner Erinnerung. Ich glaube das lag daran, weil ich im Bus rückwärts gefahren bin. Das brachte meine Warnehmung komplett durcheinander. Monika war schon bei ihren Eltern. Wir plauderten über Alltägliches und ich wurde bedient wie ein kleiner Fürst. Mit Wurst, Käse, Speck und selbstgebackenem Brot. Dazu Kalterersee Rittertrunk. Das ist der Wein meiner Jugend im Rheintal. Kurz nach fünf Uhr sind wir losgefahren Richtung Chur. Wir wollten die Vernissagen von Gaudenz Signorell und Peter Trachsel im Bündner Kunstmuseum besuchen. Zwei spannende Ausstellungen. Gaudenz war ziemlich aufgeweicht im Trubel der vielen Besucher. Ich habe viele alte Bekannte getroffen, unter Anderem den Musiker Knut Remond, der in den 80er Jahren einige Konzerte und Projekte mit Norbert Möslang realisiert hat. Knut lebt nun schon lange in Berlin und betreibt einen Geräuschladen mit dem Namen "ohrenhoch". Er hat für den Eröffnungsabend ein Stück komponiert das von einer singenden Performerin ab Blatt als Rede gesungen und am Ende verschlungen wurde. Zur Ausstellung ist ein sehr schön gestaltetes Buch erschienen. Rolf Winnewisser hat neben vielen Anderen auch einen sehr schönen Text geschrieben. Auf dem Rückweg haben wir auf dem Rücksitz unseren neu-alten Nachbarn Alex Hanimann mit nach St.Gallen genommen und hatten endlich wieder einmal Zeit uns auszutauschen.

Donnerstag 22. Februar: Heute schon wieder Hiltibold. Anita Tarnutzer und Herbert Weber haben zwei interessante Installationen eingerichtet. Dann war im Nextex die Eröffnung mit einer Gruppe von Finnischen Künstlerinnen. Ein sehr anregender Abend, der dann im National endete.

Dienstag 20. Februar: Zur Zeit arbeite ich an einem spannenden Buchkonzept. Die Recherchen laufen heiss. Es geht um ein Literaturförderkonzept, das von Dorothee Elmiger und Johannes Stieger ausgearbeitet wurde für die Ostschweizer Kantone. In einem Monat kann ich meine Projektidee vorstellen.

Am Nachmittag haben wir die Einladungskarten von Lika zum Museum gebracht. Anschliessend fuhren wir nach Winterthur. Spontan haben wir die eindrückliche und berührende Retrospektive von Balthasar Burkhard im Fotomuseum besucht. Da sind viele Erinnerungen an einen guten Freund wieder wach geworden. Wir haben ja in den achziger Jahren zwei wunderbare Ausstellungen mit Balz in der Kunsthalle St.Gallen gemacht. Die erste im Volksbad und die zweite an der Wassergasse.

Anschliessend fuhren wir zum Sulzerareal. Die Fachhochschule für Architektur eröffnete in ihrem Materialarchiv auf dem Sulzerareal eine "Betonhalle" mit Beispielen aus dem Bau. Von mir wird die Fassade des Stadtmuseums Aarau dokumentiert mit einer originalen Holzplatte vom Mammutbaum, einer Polyurethanmatritze und einem gegossenen Betonelement. Es gab sehr interessante Vorträge zum Thema "textiler Beton" und ein fulminantes Buffet. Im laufe der Monate wird es einige vertiefende Gesprächsrunden geben zu den ausgestellten Beispielen.

Montag 19. Februar: Der Tag hat gut angefangen. Typodron hat am Morgen früh bereits die frisch gedruckten Einladungs- und Bestellkarten für das Buch von Lika Nüssli geliefert. Die Buchvernissage findet am Sonntag 24. März um 14 Uhr im Kunstmuseum St.Gallen statt.

Dann hatte ich wieder einmal einen Termin bei Theresa Germann für eine physiobalance - Massage. Stand der Dinge: Beckenstand schräg, ein Fuss kürzer wie der Andere, verspannter Rücken, siebte Rippe schief, Verspannung in der linken Schulter, und, und, und. Theresa musste wie bei einer Marionette alle Fäden wieder entknoten. Als ich nach Hause spazierte, klapperte es leise vor sich hin.

Am Abend hatten wir eine sehr ergiebige Sitzung mit der XYLON Redaktion in Winterthur. Mit dabei waren Thierry Perriard, Kaspar Toggenbureger und ich. Wir haben bereits Ideen für die nächsten drei Nummern und planen eine Sonderedition, bei der alle Mitglieder mitmachen können. Der Abend hat richtig Spass gemacht.

Sonntag 18. Februar: Alles weiss, ruhig und gemütlich. Am Abend assen und diskutierten wir bei Anita Zimmermann über vergangene Zeiten, die Gegenwart und die Zukunft der Kunst. Ein nachdenklicher stimmender und zugleich fröhlicher Zeitvertreib.

Samstag 17. Februar: Am Nachmittag kochte ich mit grosser Freude vor mich hin. Die Truthankeule liess ich auf meinem Holzofen gute zwei Stunden köcheln. Dazu habe ich Kartoffelstampf mit frischer Petersilie vorbereitet. Ich würzte die grob geschnittenen Kartoffeln und die feingeschnittene Petersilie mit Salz Pfeffer und etwas Muskatnuss und liess alles in einer mit lauwarmem Wasser gefüllten Schüssel stehen. Als Vorspeise bereitete ich ein feingeschnittenes Fenchelcarpatio mit Bresaola vor und träuffelte Zitronensaft und Olivenöl auf die ausgelegten Schichten. Darüber streute ich fein geschnittene Würfelchen einer Gemüsezitrone und ganze Rosenpfefferkörner. Als Gemüse vermengte ich frischen Brocoli und tiefgefrorene Bohnen aus unserem Garten mit Knoblauch. Monika würde ja nie zwei grüne Gemüse zusammen kochen. Mir gefällt es, wenn das Gemüse sehr weich gekocht ist. Dann wird das Grün noch intensiver und der Geschmack vermischt sich. In diesem Fall zu einer nicht existierenden Broccolibohne. Hähä war wirklich gut.

Das Essen hat uns und unseren Jassfreunden sehr gut getan.

Freitag 16. Februar: Heute bin ich früh aufgestanden und habe mich mental vorbereitet auf meine Präsentation in Amriswil. Ich war sehr gespannt wie die Jury auf mein Projekt für die Sporthalle Tellenfeld reagieren wird. Am Mittag sind wir dann nach Konstanz gefahren. Ein richtig wohltuender Ausflug.

Donnerstag 16. März: Am Abend haben wir die Vernissage von marlis Pekarek im Architekturforum besucht. Eine dichte überraschende Präsentation. Ich kenne Marlis schon fast dreissig Jahre und kann mich noch gut erinnern als sie bei mir in der Kunsthalle vorbeigekommen ist nach ihrer Rückkehr aus Australien. das muss 1992 gewesen sein.

Dienstag 13. Februar: Um neun Uhr kam Sascha Erni vorbei für ein Intervieuw über den vexer Verlag. Er möchte in der Toggenburger zeitung ein Verlagsporträit veröffentlichen. Das passt. Heute sind die neuen Bücher von Michael Bartel eingetroffen. das ist ein sehr intensiver Lautperformer. Vera hat mit ihm ein sehr schönes Buch gemacht.

Am Nachmittag musste ich farbige Gläser bestellen für ein Mockup für ein Bauprojekt in Zürich. Ich bin schon ein Jahr mit diesem Projekt beschäftigt und nun geht alles sehr plötzlich. das ist spannend. Ich bin bei vielen Arbeiten in einer lauernden Wartestellung und muss jederzeit bereit sein wenn die Zeit reif ist. das gibt dann so richtig intensive Adrinalinschübe.

Freitag 9. Februar: Heute Morgen bin ich bereit gestanden für einen Transport. Eine der original Holzplatten die ich für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau gemacht habe wird heute abgeholt für eine Präsentation in Winterthur. Die Fachhochschule für Architektur richtet eine Betonhalle ein mit Beispielen, wie heute mit dem Werkstoff Beton gearbeitet wird.

Am Nachmittag war ich verabredet zu einem Gespräch mit den zwei Präsidentinnen von visarte Ost. Anschliessend traf ich Anita Zimmermann und dann gab es eine feine Suppe in der Ausstellung von Timo Müller Müller, Katrin Keller und Thomas Stüssi. An diesem Abend lernte ich zufällig Rolf Bossart kennen, der schon drei Bücher mit Milo Rau gemacht hat. Ein guter Zufall.

Donnerstag 8. Februar: heute bin ich sehr früh mit dem Zug nach Zürich gefahren. Ich war den ganzen Tag an einer Jurierung für ein Ausstellungsprojekt zu den schattenseiten der Reformation. Ein sehr anregender Tag mit guten und intensiven Diskussionen.

Mittwoch 7. Februar: Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren zu einer Besprechung zum Thema Kulturbotschaft. Wir konnten viele Aspekte andiskutieren in einer sehr anregenden Runde.

Dienstag 6. Februar: In den letrzten Tagen hatte ich viel Zeit für mein neues Herbstbild. Das meditative Malen macht richtig Spass aber es ist auch sehr anstrengend.

Samstag 3. Februar: Dieses Wochenende werde ich meine Präsentation und die Dossiers vorbereiten für den Kunst am Bau Wettbewerb in Amriswil. Am Nachmittag habe ich noch ein Gespräch mit meinem Bruder Hübi.

Freitag 2. Februar: Vernissage im Kunstmuseum. Die erste Ausstellung des neuen Kurators Lorenzo Benedetti wurde eröffnet. Converter zeigt verschiedene Positionen in der Skulptur. Raphael Hefti zeigt eine eindrückliche Arbeit zum Thema Zeit und Vergänglichkeit. Er hat grosse Eisenstücke in einem Ofen extremer  Hitze ausgesetzt und dadurch einen Veränderungsprozess in Gang gesetzt, der etwa einer Zeit von 1000 Jahren entspricht. Das ist wirklich sehenswert. Anschliessend gab es die üblichen Häppchen und ein üppiges Dessertbuffet vom Kostbarsten. Muss Kunst heute versüsst werden um deren Inhalte vermitteln zu können? Ich konnte mich daran nicht laben weil Monika eine schöne Runde zum Essen eingeladen hatte.

Donnerstag 1. Februar: Heute durfte mein Knie das erste Mal zur Physiotherapeutin. Hat ihm gut gefallen. Am Liebsten wäre es mir wenn ich es in Zukunft alleine dahin schicken könnte.

Dienstag 30. Januar: Ich bin schon um halb sechs aufgestanden. Ich musste rechtzeitig in Zürich sein. Um neun Uhr war die Pressekonferenz vom neuen Direktor der Pro Helvetia. Philipphe Bischof hat das sehr kompetent und sympatisch gemacht. Ich war zusammen mit unserer Geschäftsführerin Regine Helbling an diesem Anlass. Für visarte Schweiz ist es natürlich von grossem Interesse, wie sich die Stiftung Pro Helvetia neu positioniert und was an neuen Fördermöglichkeiten angedacht wird.

Am Mittag war ich verabredet für ein Mittagessen mit einem Autor und dem Grafikerteam, die gemeinsam an einem spannenden Buchprojekt arbeiten. Wir haben uns spontan blendend verstanden. Nun geht es wie immer um die Finanzierbarkeit.

Um 17.30 durfte ich dann bei Frau Dr. Oth einmal mehr mein lädiertes Knie herzeigen.

Montag 29. Februar: Am Mittag bin ich nach Zürich gefahren. visarte Schweiz möchte die Homepage neu gestalten und an die aktuellen technischen Möglichkeiten anpassen. Dazu haben wir vier Agenturen aus der ganzen Schweiz eingelade, die uns ihre Vorschläge unterbreitet haben. Das war ein sehr spannender Nachmittag mit einem guten Zwischenresultat.

Sonntag 28. Januar: Vanjamusstet schon am Morgen zurückgefahren und Monika und ich besuchten unsere Freunde Susi und Hugo in Bern die uns zu einem üppigen Frühstück eingeladen haben. Am frühen nachmittag machten wir uns dann auch auf den Weg. Um 17 Uhr wollten wir unbedingt im Bücherladen Appenzell sein zum jährlich stattfindenden Treffen der Freunde der Buchhandlung. Wir konnten uns gerade noch in den hintersten Winkel der gut besuchten Veranstaltung quetschen. Carol und ihre Mitarbeiterinnen berichteten sehr sympatisch über die Aktivitäten des Bücherladens. Dann las Camenisch aus seinem neusten Buch in seinem etwas selbstverliebten Bündner Singsang. Alles in Allem ein sehr stimmiger Abend in einer der schönsten Buchhandlungen die ich kenne. Carol Forster hätte eigentlich den Appenzeller Kulturpreis verdient. Ich habe aber keine Ahnung ob es einen solchen Preis überhaupt gibt.

Samstag 27. Januar: Vera hat uns reich beschenkt an Weihnachten in Berlin. Theatereintritte für Monika, Vanja und mich für ein Tanzstück in der Dampfzentrale in Bern. Wir sind mit dem Zug nach Bern gefahren, haben unsere Zimmer bezogen im Hotel-Pension Marthahaus und haben dann fein gegessen im Restaurant der Dampfzentrale. Das Stück hat mir sehr gut gefallen. Eine sehr reduzierte Inszenierung mit eingeblendetem text in deutsch und englisch. Im ersten Teil konnte man die Texte lesen. Die Musikerin Chryssi Dimitriou hat mich sehr beeindruckt mit ihrem ins Extreme gesteigerten rythmischen Flötenspiel. Die Tänzerin verausgabte sich tanzend und gleichzeitig nach Luft ringend den Text sprechend. Eine sehr starke, puristische Aufführung.

Anne Teresa De Keersmaeker, Michaël Pomero, Chryssi Dimitriou / Rosas (BE):
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke

Freitag 26. Januar: Ein dichtes Tagesprogramm. Ich male an einem neuen Herbstbild. Am Abend besuchten wir die Vernissage in der Kunsthalle. Fotos von einem legendären Tätowierer aus Heiden und unzimperliche, geschlechtsspezifische Darstellungen des weiblichen Körpers durch junge Künstlerinnen. Anschliessend haben wir uns die Ausstellungen von Thomas Stüssi, Timo Müller und Katrin Keller im NEXTEX im ehemaligen Italienischen Konsulat angeschaut. Ein heiterer Abend mit viel engagierter Jungkunst im Keller.

Donnerstag 25. Januar: Heute um 9.15 hatte ich einen termin bei der Rodiag um ein MRT von meinem Kniegelenk machen zu lassen. Ich war vorgewarnt. das gerät macht einen enormen Lärm. Ich habe versucht mir die Geräuschkulisse als ein spannendes Konzert von zeitgenössischer Musik vorzustellen. Das hat sehr geholfen, konzentriert still zu liegen und nicht zu niessen.

Mittwoch 24. Januar: Das war ein spannender Tag. Der Lehrgang HF Bildende Kunst hat für die Zwischenprüfung eine Ausstellung in den spannenden Räumen des Kirchhoferhauses eingerichtet. Ich war schon jahrelang nicht mehr in diesem haus. ich kann mich noch an eine Ausstellung mit Bärenknochen erinnern, die im Wildkirchli gefunden wurden und an eine opulente Silbersammlung. Nun wird das Haus für die Museumspädagogik benutzt.

Das war ein spannender Tag. Die Studierenden stelleten ihre Arbeiten vor und die Expertengruppe diskutierte über die Präsentationen. Britta Polzer, Una Szemann, Susanne und Thomas Müllenbach waren einmal mehr in Topform.

Am Abend haben wir uns im Kinik einen wunderschönen Liebesfilm aus der Bretagne angeschaut.

Dienstag 23. Januar: Ich tatte einen Termin bei TGG in St.Gallen. Es geht um die grafische Umsetzung meiner Projektidee. Das gibt noch einiges zu tun. Am Nachmittag habe ich alle Offerten zusammengestellt für das Budget und die Texte korrigiert.

Montag 22. Januar: Im Moment bin ich im Endspurt für den Projektwettbewerb für Kunst am Bau für die Erweiterung der Sportanlage in Amriswil. Ich muss noch alle Texte schreiben und korrigieren.

Samstag 20. Januar: Lange ausgeschlafen. Am Abend ins Kinok.

Freitag 19. Januar: Heute hat sich für den Mittag der Liftmonteur angemeldet. Ich habe die Zeit genutzt, um das Bücherlager vom Vexer Verlag zu optimieren und einen ersten Teil zu inventarisieren. Mir wurde etwas schwindlig, als mir bewusst wurde, wie viele Bücher ich in den letzten dreissig Jahren schon verschickt habe. Am Abend war ich an der Ausstellungseröffnung vom Studiengang HF bildende Kunst im Kirchhoferhaus. Die acht Studentinnen überzeugen mit ihren eindrücklichen Arbeiten. Der neue Lehrgangsleiter Thomas Stüssi hat einen guten Schwung und neue Energie in die Klasse gebracht. Anschliessend gut gegessen in einer sehr angenehmen Runde im Baratella, anschliessend einen Schwenk in die Grabenhalle, am Palace vorbei und dann ziemlich verhängt im Perron Nord. Das hat mir und meinem schmerzenden Knie richtig gut getan.

Donnerstag 18. Januar: Den ganzen Tag gemalt an einem herbstlichen Waldbild und das mitten im Winter.

Mittwoch 17. Januar: Heute habe ich endlich die deutsche Übersetzung von einem wunderbaren Text von John Berger erhalten, die ich in Auftrag gegeben habe. Nun kann ich weiterarbeiten an meinem Konzept für ein grosses Pilotprojekt in der Buch und Literaturförderung das ich hoffentlich in diesem Jahr realisieren kann. 

Am Abend habe ich mir gleich zwei Filme im Kinok angeschaut mit Jeanne Moreau. Grossartig.

Montag 15. Januar: In den letzten Tagen konnte ich mich ungestört um meine neuen Malereien kümmern. Ein gutes Gefühl. Beim Malen höre ich immer SRF 2 Kultur. Das tut wirklich gut. Als ersten rituellen Akt mache ich immer ein Feuer im Speicherofen und freue mich über die sich langsam ausbreitende Wärme im Raum.

Am Abend habe ich ein Treffen in Winterthur mit der Redaktion und  dem Vorstand von XYLON. Mit den neuen XYLON Nummern von Ian Anüll, Thierry Perriard und Roman Signer scheinen wir einige langjährige XYLON Abonenten erschreckt zu haben. Ich hoffe doch, dass endlich auch jüngere Kunstinteressierte diese spannende Zeitschrift für sich entdecken. Für wenig Geld erhällt man im Jahr drei Zeitschriften, die direkt von den Originaldruckstöcken im Buchdruckverfahren hergestellt werden.

Mittwoch 10. Januar: Heute musste ich sehr früh aufstehen. Ein Holztransport war angesagt von der Stadt St.Gallen. Der unterste Teil der Tanne, die als Weihnachtsbaum auf dem Klosterplatz aufgestellt war soll durch mich künstlerisch bearbeitet werden im Auftrag der Familie, die den Baum gespendet hat. Ich bin ja gespannt was daraus wird. 

Dienstag 9. Januar: nach dem Mittagessen hatte ich einen Arzttermin bei Frau Doktor Ott. Mein Knie ist immer noch nicht in Ordnung und ich kann es kaum belasten. Wir haben uns dann für ein Röntgenbild entschieden. Das gelenk ist OK, leichte Arthrose ist erkennbar. Nun mache ich eine Schmerztherapie und wenn das nichts bringt werde ich in die Röhre liegen müssen. Am Nachmittag ist Roman Signer vorbei gekommen. Ich konnte ihm die frisch gedruckten XYLON Zeitschriften und das Mappenwerk 2017 übergeben. Roman hat eine wunderbare Mappe gemacht mit einem historischen Heiku in Morseschrift.

Infos unter  http://www.xylon.ch/index.shtml  

Montag 8. Januar 2018: Heute habe ich mich intensiv mit einer Wettbewerbsaufgabe für ein Kunst am Bau Projekt beschäftigt. Ich habe noch einen Monat Zeit um den Entwurf fertig zu stellen. Bei den notwendigen Recherchen hat mich Vera unterstützt. 

Am Abend habe ich Lika Nüssli und Julia Marti getroffen. Es geht um den Schlussspurt für das Buchprojekt "Vergiss dich nicht" von Lika zum Thema Demenz. Heute haben wir zusammen mit Julia alle gestalterischen Fragen diskutiert und viele Entscheidungen getroffen. Ich freue mich sehr auf dieses Buchprojekt.

Samstag 6. Januar: Nach unserem Schneetagen in Zermatt war ich hoch motiviert, endlich wieder mit meiner Malerei zu starten. Ich habe viele Motive aus meiner riesigen Fotosammlung ausgewählt, ich grundierte einige grosse Leinwände. Malerisch startete ich ins neue Jahr mit zwei grossen Selbstportraits im Regen, die viel Zeit in Anspruch nehmen werden. Gleichzeitig arbeite ich an einem aufwändigen Herbstbild. Ich brauche immer einige Tage um eine angenehme Temperatur zu erreichen mit meinem Holz- Speicherofen. Nun ist es schon angenehm warm und es riecht endlich wieder nach frischer Ölfarbe. 

Freitag 5. Januar 2018: Heute sind in einigen Schweizerzeitungen Nachrufe für Lilly Keller erschienen. Fredi Lerch hat das organisiert. Bei mir sind in den letzten Tagen viele Bücher von Lilly bestellt worden. Die Anteilnahme ist gross. Lilly wäre sicher sauer gewoden und hätte gesagt" Typisch - man muss zuerst sterben bevor das grosse Interesse kommt". Ich habe Lilly 2014 kennengelernt. Sie hat mich zusammen mit Fredi Lerch und Katharina Altas in St.Gallen besucht. Sie war damals bereits 87 Jahre alt aber im Wesen und körperlich wirkte sie bedeutend jünger. Vital, frech und ungemein lebendig. Ich habe mich spontan in diese Künstlerin verliebt. Vielen Männern hat sie zeitlebens Angst eingeflösst mit ihrer direkten und unverblümten Art. Ich habe ihre  widerständische und kompromisslose Haltung auf Anhieb gemocht und bewundert. Von einigen älteren Bernerkünstlern habe ich gehört, dass sie in der Männerwelt eine Spur von verbrannten Emotionen hinterlassen habe.

Donnerstag 4. Januar 2018: Wir haben wunderbar gegessen, getrunken, hatten lustige Gespräche und ich konnte viel lesen. Mein lädiertes Knie verhinderte grosse Sprünge. In den letzten Tagen hat es so viel geschneit und nun regnet es in den frischen Schnee. Das erhöt die Lawinengefahr. Die Bahnlinie ist gesperrt. Es verkehrt ein Ersatzbus. Am frühen Morgen erreichte mich eine Mail von Fredi Lerch. Er hat mir geschrieben, dass am 2. Januar Lilly Keller in Thusis verstorben sei. Ein trauriger Moment. Ich konnte das gar nicht richtig einordnen. Dann erschreckte mich ein lautes Tosen. Ich öffnete das Fenster und wir erlebten erschreckende Lawinenniedergänge direkt hinter unserem Haus. Die Schneemassen schossen mit Getöse wie riesige Wasserfälle über die Felskannten. Immer wieder an anderen Stellen. Am Nachmittag mussten wir rund drei Stunden warten, bis wir losfahren konnten. Monika wäre gerne noch einen Tag geblieben. Ich wollte unbedingt weg. Ich hatte das Gefühl, dass es noch schlimmer kommt. Wir hatten Glück. Gegen vier Uhr konnten wir losfahren und sahen auf der Strecke die vielen Lawinen, die heruntergekommen waren. Die Rückfahrt war sehr eindrücklich. In der Abenddämmerung wirkte die Landschaft wie ein alter schwarz weiss Film. Ich habe viele Fotos gemacht, direkt durch die Scheiben des Postautos.

In den kommenden Tagen wurde es wie befürchtet noch schlimmer und Zermatt war von der Aussenwelt abgeschnitten.

Sonntag 31. Dezember: Wir geniessen einige Tage zusammen mit Freunden in Zermatt. Es hat viel geschneit. Der Silvesterabend auf dem Dorfplatz war sehr eindrücklich und feierlich. Über die Festtage sind rund fünfzehntausend Menschen in diesem Dorf. Eine fröhliche internationale Festgemeinde.

Freitag 29. Dezember: Ich bin sehr froh um einen Zwischenarbeitstag.  Es hat sich viel Post angesammelt, die erledigt werden muss. Anfragen, Bestellungen, Lustiges und weniger Lustiges.

Donnerstag 28. Dezember: Heute früh sind wir wieder losgefahren Richtung St.Gallen. Wir hatten grossartige Familientage bei Vera in Berlin mit den Eltern von Jeremie und mit Freunden. Grosse unerwartete Ruhe in der Stadt, super gutes Essen, zubereitet von Jeremie und Vera, lustige und auch intensive Gespräche über vergangenes, gegenwärtiges und Zukünftiges... in Kunst Politik und im Verlag.

Ausser einem Besuch im Gewerbemuseum bin ich nur im engsten Quartier umhergehinkt mit meinem schmerzenden Knie. Ich habe viel gelesen und nachgedacht. Wenn ich nur noch wüsste was genau...

Die Stadt war ungewohnt leer und schon fast erschreckend ruhig. Ein Mädchen hat ihre Mutter beim Radfahren in Kreuzberg gefragt "Warum ist denn hier niemand?"...

Samstag 23. Dezember: Heute morgen sind wir um 9 Uhr mit dem Zug Richtung München gefahren und dann auf der neuen, schnellen Bahnstrecke über Erfurt nach Berlin. Nach vielen Jahren wollten wir die Reise wieder einmal mit dem Zug machen. Es hat sich gelohnt. Lesen, Plaudern,Eessen, Schlafen und aus dem Fenster schauen. Wunderbar. In Berlin fuhren wir dann mit dem Taxi zum Hotel Ludwig van Beethofen. das ist gleich ums Eck wo Vera wohnt.

Freitag 22. Dezember: Diese Woche gab es noch sehr viel zu tun vor unserer Reise nach Berlin. Fotos abholen und überprüfen, Haare schneiden, Freunde im Atelier empfangen, ein grosses Bild ausliefern und hängen, Geschenke zusammentragen, Bilderrahmen für Vera abholen, einen Artzbesuch wegen zu hohem Blutdruck absolvieren und zur guten Letzt heute noch zum Zahnarzt, Dentalhygiene, Zahnstein entfernen lassen - oh wie ich das liebe. das ist noch schlimmer wie früher das Beichten...

Montag 18. Dezember: Am Morgen haben wir viele Fotos ausgewählt für eine neue Bilderserie. Ich habe im Wald im Sittertobel viele Hersbststimmungen fotografiert. Nun möchte ich endlich Abzüge sehen.

Sonntag 17. Dezember: Die edICIon war am Morgen etwas flau besucht.  Am Nachmittag wurde es aber sehr lebhaft in der halle. Um 17 Uhr hat Peter Bichsel gelesen. das hat dann doch sehr viel Publikum angezogen. In der letzten halben Stunde habe ich mehr verkauft als in den zwei Tagen. Insgesammt war ich sehr zufrieden. Am Schluss wird es immer sehr lustig und hektisch. Innerhalb von zehn Minuten haben alle zusammengepackt und verschwinden wie in einem Spuck.

Die Heimfahrt war ruhig und friedlich. Wir kamen gerade noch rechtzeitig für unsere Freundin Rosamunde Pilcher.... Nach zwei Tagen Buchmesse hat man einfach keine Lust mehr auf Tatort.

Samstag 16. Dezember: Wir haben sehr gut geschlafen im Gästezimmer, in der Dachkammer, hoch über der Stadt und sind relatif früh aufgestanden. Wir wollten unseren Büchstisch stressfrei aufbauen. Es ist sehr schön, immer wieder die bekannten Verlegerinnen und Verleger aus allen Sparten und Städten an solchen kleinen Buchmessen zu treffen. Die Halle im Farelhaus ist sehr schön. Super, dass dieses Gebäude von einer Gruppe von Architekten übernommen und renoviert worden ist.

Parallel zur Edition gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Gesprächen und Präsentationen von Büchern. Monika hat sich vieles angehört. Ich liebe es meine Bücher zu vermitteln und herumzustöbern. In Biel gibt es eine anregende Szene von jungen Buchgestalterinnen und Buchgestaltern. Ich konnte auch viele anregende Gespräche führen mit vielen Künstlerinnen und Künstlern. Unter Anderem habe ich nach fast dreissig Jahren wieder einmal mit M.S. Bastian gesprochen, der mit Isabell L. zusammenarbeitet. Ich habe in den frühen 90er Jahren von ihm eine Auswahl von Comics in der Kunsthalle St.Gallen präsentiert. Ja und dann war da ja noch meine ganz persönliche kleine Vernissage. Benjamin Dodel aus Bern hat mit mir eine Edition herausgegeben. Ich habe eine Serie von original Handdrucken gemacht. Ich habe blaue Ölfarbe auf ein Blatt gemalt, das Blatt gefaltet wie bei einem Rorschachtest und dann die Blätter mit dem Handballen eingerieben. Entstanden ist eine Serie von blauen Originalblättern, die alle an männliche oder weibliche Hüftpartien erinnern. Benjamin hat die Blätter sorgfältig rahmen lassen und in Biel erstmals präsentiert. Eine grosse Freude.

Freitag 15. Dezember: Am Morgen erwartete ich eine Lieferung mit Drucksachen von Xylon. Roman Signer, Ian Anüll und Thierry Periard haben die neuen Nummern für die XYLON Zeitschrift gemacht.

Ich musste am Vormittag auch noch alle Bücher und Editionen vorbereiten für unseren Transport nach Biel. Am Samstag und Sonntag findet in Biel die edICIon im Farelhaus statt. Am frühen Nachmittag sind wir losgefahren. Ich liebe diese Autofahrten. Das gibt immer die Möglichkeit, alle anstehenden Fragen zu klären.

Um 17 Uhr waren wir schon in Biel und versuchten so nahe wie möglich zum haus von HJB zu fahren. Das war nicht so einfach wegen zwei Baustellen. Monika hat es aber geschafft grosse Baumaschienen geschickt zu umfahren. Wir sind dann später gemeinsam mit Hansjörg und Verana zu einem Linanesen gegangen und haben fein gegessen.

Donnerstag 14. Dezember: Am Morgen bin ich nach Bern gefahren. Im PROGR habe ich als erstes eine feine Suppe gegessen. das ist ein wirklich guter Ort. Um 13.15 Uhr begann dann die Sitzung von Swissculture im Bollwerk. Zuerst mit allen Mitgliedergruppen aus allen Kultursparten und dann ab 14.45 mit den Präsidentinnen und Präsidenten der Berufsverbände. Im Moment laufen die Vorbereitungen zur Bekämpfung der No Billag - Initiative auf Hochtouren. Ich finde es unglaublich, dass es Menschen gibt, die unseren service Public mutwillig zerstören wollen. Für unsere Demokratie und für unsere unterschiedlichen Kulturen wäre die annahme dieser Initiative eine riesige Katastrophe. 

Mittwoch 13. Dezember: Heute haben wir alle ausgeliehenen Festmöbel zurücktransportiert in mein Atelier - Lager und zu Agathe Nisple nach Appenzell und ein grosses Bild zu Corinne gebracht.

Dienstag 12. Dezember: Am Morgen traf ich Johannes Hedinger in der Stadt, um sein Buchprojekt und sein Symposion im Saviental zu besprechen.

Am Abend bin ich zusammen mit Corinne und Guido von Stürler nach Vaduz gefahren, um die Ausstellung im Engländerbau anzuschauen. Ernst Toma und Guido haben eine sehr spannende Ausstellung erarbeitet und aufgebaut. Das Künstlergespräch im kleinen Rahmen unter der Leitung von Corinne Schatz war sehr aufschlussreich und anregend.

Montag 11. Dezember: Am Morgen hatte ich einen Thermin für Bio Balance. Eine feine Körpertherapie die mir sehr hilft gerade und zufrieden in der Welt zu stehen.

Am Mittag mussten wir schon wieder Abschied nehmen von Vera und Jeremie. Es gäbe noch so viel zu besprechen...

Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren für eine Sitzung. Der grüne Henry muss geplant werden.

Sonntag 10. Dezember: Das Fest war wunderbar. Sechzig Jahre Monika. Beim üppigen "Katerfrühstück" wird alles noch einmal reflektiert und viel gelacht. Das Essen war super. Eine freie Mischung aus der Weltküche. Viele Freundinnen haben unter dem Komando von Eveline ein fulminates Dessertbuffet vorbereitet. Monika hat eine sehr lustige Rede aufgenommen und am Fest abgespielt. Theo hat eine richtig gute musikalische Darbietung vorbereitet und Brigitte brachte einen sanft aufspielenden und in den obersten Tönen singenden Gast mit. Die anschliessende OLDI Disco wurde sehr genossen. ich konnte mit meinem kaputten Knie leider überhaupt nicht tanzen... Ich war vor allem mit dem Empfang, der Betreuung  und der Verabschiedung der Gäste beschäftigt... unser Haus hat sich einmal mehr bewährt als guter Ort für grosse Feste mit gutenFreunden.

Samstag 9. Dezember: Die letzten Vorbereitungen für unsere rund neunzig Gäste für das Geburtstagsfest sind reibungslos verlaufen. Wir sind bereit.

Freitag, Samstag 8. 9. Dezember: Wir haben unter der Anleitung von Monika zusammen mit Vera und Jeremie die ganzen Zeit gekocht für das grosse Fest und Möbel herumgeschleppt.

Donnerstag 7. Dezember: Heute Morgen sind endlich die restlichen Bücher von Ursula Jakob und Jacqueline Baum eingetroffen. Die BLUMENLESE hat gedauert... Die Geduld hat sich gelohnt. das neue Buch ist wunderschön geworden.

Am Mittag sind Vera und Jeremie aus Berlin eingetroffen. Sie werden uns helfen bei den Vorbereitungen für das grosse Geburtstagsfest von Monika. 60 Jahre Monika ist eine tolle Leistung. Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage, kochen, plaudern, Pläne schmieden, reden, essen, trinken, nachfragen etc.

Am Nachmittag hatte ich ein Informationsgespräch über eine neue Förderplattform der Region Ostschweiz. Mit dabei waren Dorothe Elmiger, Johannes Stieger und Jens Lampater. Es geht um eine Förderplattform Buch und Literatur Ost+. Auf meinen Vorschlag hin haben wir uns im Café St.Gall in der Bibliothek in der Hauptpost getroffen. Das Gespräch war sehr aufschlussreich und anregend. Sabina Brunschwiler von der Kantonalen Kulturförderung Zürich hat mich vor einigen Tagen informiert, dass ich mit dem Vexer Verlag für ein Projekt vorgeschlagen worden bin. Nun geht es um das Ausloten und Entwickeln einer Projektidee....

Mittwoch 6. Dezember: Um neun Uhr war ich in der Kantonsbibliothek Vadiana verabredet für eine Besprechung mit dem Verein Buchstadt St.Gallen. Wir wollten über den kommenden Tag des Buches diskutieren. Am 21. April planen wir nun einen Flashmob auf dem Gallusplatz in St.Gallen zum spontanen Büchertausch. Arman hat mir anschliessend noch spannende Einblicke in die Sammlung der Vadiana gegeben. Eine Exlibris Sammlung von Albert Sahner und spannende Fotos von Rietmann. Ein ziemlich dichter Morgen. 

Dienstag 5. Dezember: heute Morgen habe ich Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur im Kaffeehaus getroffen. Nach der Podiumsdiskussion am selben Ort vom 29. Oktober zum Thema Kunst im öffentlichen Raum hatte ich einige Fragen zu klären. Ich hatte damals einige kritische Gedanken eingebracht. Nun wollte ich meine Anmerkungen noch präzisieren und bei Kristin nachhaken. Dazu habe ich einen Fragenkatalog zusammengestellt. 

Am Mittag hat ein Sammler ein kleines "Regenbild" abgeholt.

Um 16 Uhr musste ich wieder los. Ich musste um 18 Uhr in Zürich sein für eine SWIPS Sitzung. Die Vereinigung der unabhängigen Schweizer Verlage. Das sind immer sehr informative und lehrreiche Abende.

Montag 4. Dezember: Heute hat Monika bei Sprenger einen Bus gemietet. Wir mussten meine Bilder in mein Atelier - Lager transportieren und dann bei Agathe Nisple in Appenzell Stehtische für das Geburtstagsfest abholen. 

Sonntag 3. Dezember: Ein ruhiger Sonntag mit einem langen, schmerzhaften  Spaziergang nach Mörschwil. Ich wollte mein Knie testen und fühlte mich schon sehr bald wie ein alter Indianer mit einem giftigen Pfeil im Knie und ohne Pferd. 

Am frühen Abend besuchten wir bei "klein aber fein" ein wunderbares Konzert von der Gruppe Suden Aika, vier finnischen Sängerinnen. Das war sehr berührend. 

Samstag 2. Dezember: Ich bin früh aufgestanden. Auf dem Programm stand ein gemeinsamer Besuch der Bibliothek von Andreas Züst im Alpenhof und anschliessend ein Besuch der Bibliothek im Sitterwerk. Viele der Aussteller der Buchmesse hatten sich angemeldet und einige haben es dann doch nicht geschafft. Die Fahrt nach Oberegg war aber wunderschön. Richtig tourismusmässig. Viel frischer Schnee, Sonnenschein und gute Sicht bis nach Österreich. 

Am Nachmittag ging es dann im Museum weiter mit dem Bücherverkauf. Die rund  eine Stunde dauernden Diskussion zum Thema des Büchermachens in mässigem Englisch kam beim Publikum nicht sehr gut an.  Na ja insgesamt ein guter Versuch. Wenn dieses Projekt weiter geführt werden soll gibt es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten. Kunst-Buch-Messen sind ein grosses Bedürfnis. 

Freitag 1. Dezember: Um halb sechs aufgestanden und um 7.30 Uhr wieder beim Artzt. Es hat sich herausgestellt, dass ich einen viel zu hohen Blutdruck habe. Der Arzt meinte ich sei einer der Fälle, die am Morgen halbseitig gelähmt im Bett liegen könnten. Ziemlich krass oder? Ja nun schlucke ich halt das erste Mal regelmässig Medikamente. Im Moment ist alles ziemlich mühsam. Mein rechtes Knie ist total lädiert. Ich denke oft an meine Mutter, die beide Knie operieren musste. Den hohen Blutdruck scheine ich auch von ihr geerbt zu haben. 

Am frühen Abend bin ich zusammen mit Monika zum Kunstmuseum gefahren mit unseren VEXER Büchern.  Wir sind eingeladen worden, an der Kunstbuchmesse teilzunehmen. Mit der Werbung scheint einiges schief gelaufen zu sein. Es hatte wenig Publikum für so einen Anlass. Um neun Uhr gab es dann ein Konzert, das jegliche Gespräche verunmöglichte. 

Donnerstag 30. November: Um 8 Uhr der nächste Artztthermin bei SWICA. Die wollen es ganz genau wissen. Nun muss ich einen Tag und eine Nacht ein Blutdruckgerät tragen. Am Abend wollte ich eigentlich nach Zürich ins Theater. Nun habe ich diese ziemlich unflätige Luftdruckpumpe, die jede viertel Stunde meinen Blutdruck misst und das mit sehr missverständlicher Geräuschkulisse. Also der Theaterbesuch geht mit diesem schnaubenden Gerät sicher nicht.

Um zehn Uhr hatte sich ein Sammeltransport angemeldet. Mein frühes Skandalbild von 1981 das ich in  Fribourg gemalt hatte wurde vom Kunsthaus Uri nach einer Ausstellung zurück gebracht.

Mittwoch 29. November: Am Mittag hatte ich einen Telefontermin mit Doro Harer. Sie schreibt einen Artikel für das Magazin SAITEN, als Vorschau für die Buchkunstmesse im Kunstmuseum. Am Abend habe ich eine Veranstaltung besucht vom Kulturamt von Appenzell Ausserhoden. Ich bin bis Rheineck mit dem Zug und dann mit dem Postauto nach Wolfhalden gefahren. Das Thema des Abends war Baukultur und Denkmalpflege im Appenzellischen. Margrith Bürer hat den sehr gut besuchten Abend im Kronensaal moderiert. Spannend waren die Ausführungen und die Beispiele die der Denkmalpfleger Fredi Altherr präsentiert hat. Das Spannungsfeld zwischen den Bauherren, der Denkmalpflege und dem Ortsbildschutz hat es in sich.  

Dienstag 28. November: Heute hatte ich meinen zweiten Gesundheitscheck bei der SWICA. Fahrradfahren, Herz testen etc. Am Nachmittag kam Roman Signer vorbei, um die neuen Holzdrucke für XYLON zu signieren. Das war richtig lustig. Das Haiku in Morseschrift ist sehr schön geworden.

Am Abend hatten wir ein sehr schönes Essen mit gemeinsamen Freunden.

Montag 27. November: Heute hatten wir eine intensive Sitzung vom Zentralvorstand von visarte in der Geschäftsstelle in Zürich. Ich habe mit Regine alle Punkte vor besprochen und kurz vor Mittag hatten wir noch eine Finanz Sitzung. Anschliessend diskutierten wir alles im Vorstand. Es sammeln sich immer sehr viele Themen an, die besprochen werden müssen.

Um 19 Uhr war ich verabredet mit Bea Maritz und der Grafikerin Lea Fischlin beim Bahnhof, um das geplante Buch mit den Aufwachbildern von Bea zu besprechen.  Das wird ein sehr schönes Projekt, das wir 2018 realisieren wollen.

Sonntag 26. November: nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir nach Ittingen gefahren. Die Ausstellung über Adolf Dietrich ist sehr eindrücklich. Ich verstehe überhaupt nicht, wie irgendjemand auf die Idee kommen konnte, dass es sich bei Dietrich um einen naiven Künstler handeln soll.

Das Zeichnerische Werk ist für mich eine richtige Entdeckung. Ich habe vor einiger Zeit die grosse Ausstellung im Kunstmuseum Olten gesehen. Dort wurde der Künstler mit Zeitgenossen präsentiert. In Ittingen ist es nun eine Konfrontation der Zeichnungen mit den Bildern. Oft scheinen mir die Zeichnungen tiefer und lebendiger als die Malereine. Die Tafelbilder sind ja sehr konstruiert und rhythmisiert. Teilweise fast ornamental. Die Ausstellung ist für mich eine der eindrücklichsten Werkpräsentationen in diesem Jahr.

Im hinteren Teil des Museums wird regionales aus der sammlung präsentiert.

Hier kann man endlich drei dichte Werkgruppen von Daniel Gallmann geniessen.

Samstag 25. November:  Herrlich - den ganzen Tag für mich. Ich habe endlich Zeit, im Buch von Lara Vogt zu lesen. Bei mir hat sich so viel Lesestoff angehäuft. Es ist dann oft ein Zufall wo ich gerade ein Buch in die Hand nehme.

Freitag 24. November: Heute sind Jacqueline Baum und Ursula Jakob nach St.Gallen gekommen um ihre neuen Bücher "BLUMENLESE" abzuholen. Die Bücher sind wirklich wunderschön geworden. Monika hat ein feines Kürbisgericht ala Ottolenghi gekocht, dazu frische Felchenfilets. Den Kaffee konnten wir draussen an der Sonne geniessen. Ein herrlich warmer Tag - Freude herrscht!

Nun freue ich mich auf das Konzert mit A NEW DAY, mit der wunderbaren Sängerin Sonya Enzler, zusammen mit Max Feuerstein. Paul Gruber hat mich per E-Mail informiert: "Wir spielen heute Abend mit im Wein Berneck. Eintritt kostenlos". ----- Des wird a Gaudi!

Donnerstag 23. November: Ich habe mich den ganzen Tag gefreut, nach langer Zeit wieder einmal Walter Pfeiffer zu sehen. Im Kinok war Premiere des neuen Films "chasing Beauty" von Iwan Schumacher über Walter Pfeiffer. Der Film ist sehr unterhaltsam, feinfühlig und humorvoll. Leider war dann aber der "Walti" nicht anwesend. Ich erinnere mich immer noch gerne an seine Ausstellung in der St. Galerie von 1981, die ich damals an der Zürcherstrasse 20 organisiert habe. Er zeigte unter Anderem eine grosse Fotografie von einem Mann, der eine riesige Spargel in der Hand gehalten hat. Wir haben uns damals kennengelernt anlässlich der Ausstellung "Bilder" im Kunstmuseum Winterthur, die Patrick Frey als junger Kurator geplant und durchgeführt hat. Für mich war das ein fulminanter Einstieg in die Schweizer Kunstszene. Mit dabei waren unter anderem auch Martin Disler, Fischli Weiss, Anselm Stalder, Klaudia Schifferle, Urs Lüthi usw. Eine super Sache war das. 

Mittwoch 22. November: Um elf Uhr haben wir die 20 Jahrfeier des Statistischen Amtes vom Kanton St.Gallen besucht. Theo Hutter, der Bruder von Monika hat dieses Amt kontinuierlich aufgebaut und er gab einen Einblick in die komplexe Welt der Zahlen. 

Am Abend fand die zweite Teileröffnung im Kunstmuseum St.Gallen von Caro Niederer statt. Sie hat von mir zwei Holztische aus Mammutbaumholz, ein Regal mit dem Namen "Irrtumstier" und das aus Pappelholz geschnitzte "Birkenwäldchen" ausgewählt. Lorenzo Benedetti und Caro führten durch die Ausstellung. An diesem Anlass wurde auch das Buch zur Ausstellung gefeiert. Ein Album der Instagram - Fotos von Caro. Caro kenne ich schon sehr lange. ich habe ihre erste grosse Einzelausstellung in der Kunsthalle St.Gallen kuratiert. Ich denke das war vor ca. 15 Jahren. Sie hat damals ihre grossen Seidentepiche präsentiert. 

Dienstag 21. November: Heute bin ich schon um sechs Uhr aufgestanden. Ich hatte einen sehr frühen Arzttermin. Ich werde zur Zeit auf Herz und Nieren geprüft. 

Montag 20. November: Heute hatte ich eine spannende Besprechung für ein Buchprojekt. Eine Dokumentation über eine Kunst am Bau Arbeit, in einem Spital, die sich seit 16 Jahren immer weiter entwickelt.

Sonntag 19. November: Nach einem schönen Frühstück habe ich mir in der Sternstunde den neuen Film über Roman Signer angeschaut. Es gab sehr viele Filmzitate aus Peter Liechtis Film "Signers Koffer". Der Film heisst "Mein Alphabet". Das passt wunderbar zur neuen Arbeit, die Roman Signer exclusiv  für die Xylon Zeitschrift Nr. 163 gemacht hat. Er hat in Morseschrift ein Heiku von Matsuo Basho in vier Holzplatten gefräst. Ich freue mich schon jetzt, nächste Woche diese Arbeiten gedruckt zu sehen. 

Am frühen Nachmittag sind wir nach Trogen gefahren für ein Konzert von Alfons Zwicker im Grubenmannmuseum. Die Komposition Druck-Klang (2017) nimmt Bezug auf die Druckgraphiken von Bruno Hufenus. Das Konzert war super besucht und es hat sich gelohnt. Als erstes Stück wurde "Empathie" aufgeführt mit Martina Brodbeck, Claudia Sutter und Ruth Weibel. Das neue Stück für Altsaxaphon, Klarinette, Schlagzeug, Violine und Violincello wurde uraufgeführt von Vincent Daoud, Heinrich Mätzener, Martin Flüge, Mirka Scepanovic und Lorena Dorizzi. Mir hat das sehr gefallen. Schnelle und abwechslungsreiche Rhythmus- und Melodienwechsel, bekannte und schräge Klänge virtuos ineinander verwoben. Ein spannendes Klangerlebnis in einem starken Resonanzraum von Grubenmann. Ich fühlte mich, wie wenn ich selber in einem riesigen Instrument sitzen würde. Wunderbar.

Am Abend waren wir zu einem sehr schönen Essen eingeladen bei Freunden im Quartier. Feines Essen, persönliche Gespräche und ein exzellenter Wein. So machen Sonntage grossen Spass.

Samstag 18. November: Ich musste früh aufstehen um den 8 Uhr Zug zu erwischen. Ich war um 10 Uhr im Kunsthaus Aarau mit der Eidgenössischen Kunstkommission verabredet. Nadia Schneider wurde als Präsidentin verabschiedet und ich wurde angefragt, ob ich die Architektur und meine Fassadenarbeit beim Stadtmuseum in Aarau erläutern würde. Für mich war das sehr spannend und es bot sich mir die Gelegenheit einige Kolleginnen und Kollegen aus der Kunstwelt wieder einmal zu sehen. Sarah Zürcher hat mich auf einen sehr spannenden Text von John Berger aufmerksam gemacht. Ich glaube den lasse ich gleich professionell übersetzen. das könnte eine gute Grundlage sein für ein neues Projekt.

Am Abend waren wir bei Freunden am Bodensee zu einem feinen Essen und zum Jassen eingeladen. 

Freitag 17. November: Heute war ich zum Mittagessen eingeladen, zusammen mit dem Stiftungsrat der Taggeldkasse und des Unterstützungsfonds für bildende KünstlerInnen, bei Swiss Life am General - Guisan Quai in Zürich. Ama Muelthaler, die Präsidentin vom SGBK war auch da. Es gab interessante und anregende Diskussionen. In der Schweizer Gesellschaft Bildende Künstlerinnen gibt es im Moment sehr viel Unruhe. Ich hoffe, dass sich die Situation wieder beruhigt. Nach dem Essen habe ich mich beim Hauptbahnhof noch mit einer Künstlerin getroffen, die seit langer Zeit in New York lebt. Sie plant ein Buchprojekt und sucht wie so viele Andere nach Finanzierungsmöglichkeiten und nach einem Verlag. 

Donnerstag 16. November: Ein Tag nur für mich - herrlich.

Mittwoch 15. November: Ich arbeite zur Zeit an vielen Konzepten. Die Projekte entwickeln sich Schritt um Schritt jeden Tag ein Stück weiter. Am Nachmittag holte mich Erich Frischknecht ab um einige Arbeiten von mir ins Kunstmuseum zu transportieren. Caro Niederer hat zwei Tische und ein Regal aus Mammutbaumholz und ein aus Pappelholz geschnitztes Birkenwäldchen von mir  für ihre Ausstellung ausgewählt. Am 22. November werden die Stücke zu sehen sein. Ich freue mich sehr, dass mein Regal mit dem Namen "Irrtumstier" erstmals öffentlich zu sehen sein wird.  

Dienstag 14. November: Schon wieder sehr früh aufgestanden. Ich hatte einen Arzt Termin bei der SWICA. Ich habe schon seit 25 Jahren keinen Gesundheitscheck mehr gemacht. Nun lag ich wie ein Käfer auf dem Rücken und konnte via Ultraschall meine Innereien anschauen. Leber gut, Nieren gut, Magen gut, Blase OK, Prostata gut, Herz schlägt noch. Blutabnahme, Urin im Becher - und dann ab ins Kaffee. In einer Woche wieder, dann darf ich auf dem Fahrrad noch einen heruntertrampeln. Anschliessend hatte ich gleich noch eine Stunde Massage in der Physio Balance bei Theresa Germann. Das war richtig wohltuend.  

Montag 13. November. Ich bin schon um sechs Uhr aufgestanden. Ich musste früh bei meinem Bücherlager an der Lukasstrasse sein. Eine Büchersendung war angesagt. Ich habe den ganzen Morgen Bücher geordnet und das Lager aufgeräumt um Platz zu schaffen. Ich wartete aber bis halb eins vergebens bis auf den Kurier. Total durchgefroren fuhr ich dann mit dem Fahrrad nach Hause. Dort standen dann 5 riesige Schachteln mit Büchern vor der Haustüre.  Die Adresse lautete auf Lukasstrasse. Ich habe keine Ahnung warum die Lieferung an der Brauerstrasse landete. Jens Sippenauer von der DZA schrieb mir dann in einer Mail, das grenze an Zauberei. Am Nachmittag habe ich dann fünfzig Buchpakete vorbereitet und am Abend zur Post gebracht. Wau...

Sonntag 12. November: Kathrin Lettner hat mich angefragt, ob ich sie bei der Führung zu den schönsten Schweizer Büchern an der gewerblichen Berufsschule unterstützen würde. Ich habe mich schon um 10 Uhr auf den Weg gemacht um rechtzeitig an der GBS im Riethüsli zu sein. Das war eine sehr angenehme und spannende Auseinandersetzung zum Thema Buchkunst im Vergleich Schweiz und Deutschland. Mit dem Vexer Verlag hatten wir 2015 mit dem Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller und 2016 mit Lulia Steiner eins der schönsten Schweizer Bücher.  

Am Nachmittag haben wir die Buchvernissage von Edith Horlach im Raum für Literatur besucht. Claudia Römmel und Theo Hutter haben dieses kreative Werk herausgegeben. Ein beeindruckender Publikumserfolg. 

Samstag 11. November: Schreiben, lesen, Projekte bearbeiten, Bilder präparieren, so richtig gemütliche Samstagsarbeit. Um 15 Uhr hatte ich eine Besprechung bei der Kinokbar in der Lokremiese. Johannes Hediger hat viele unterschiedliche Projekte als Kulturvermittler, Wissenschaftler und als Künstler. Ich wollte mir da mal einen Überblick verschaffen.

Um punkt fünf vor vier Uhr stand Monika vor der Lokremiese um mich abzuholen. Unser Ziel war der Besuch der Ausstellung von Anita Zimmermann in Eschlikon. Die Galerie Widmer - Theodoridis zeigt Arbeiten von Fux, Huber und Huber und in der grossen Scheune eine Installation von Anita Zimmermann.  Ich war das erste Mal an diesem eindrücklichen Ort für Kunst. Die nähere Umgebung ist ein riesiger Bauplatz. Keine Ahnung wer und wofür hier auf dem Land so geklotzt wird. Der "Säntisblick" wird zugebaut.

Freitag 10. November: Heute Morgen musste ich alle neuen Biotop bilder vorbereiten. Anna Tina Eberhard kommt vorbei, um alles zu fotografieren. Gestern Abend habe ich gleich zwei Ausstellungen besucht. Eine kleine Ausstellung von unbekannten Künstlern. Einige von ihnen haben den Lehrgang HF Bildende Kunst in St.Gallen besucht und sind sehr aktiv. Die Ausstellung ist eingerichtet an der Glockengasse, in einem verlassenen Schuhgeschäft. Anschliessend habe ich im Projektraum, im ehemaligen Italienischen Konsulat die Installation von Theresa Peverelli angeschaut. Corinne Schatz hat eine sehr kluge Ansprache gehalten. Für die lange Rede musste ich mich hinsetzten. Im Moment muss ich langsames Gehen üben. Mein Meniskus macht mir Schwierigkeiten. Eine richtige Bremse. Manchmal muss ich zur Langsamkeit gezwungen werden. Ich behandle das Knie schon seit ein paar Tagen mit der legendären Pferdesalbe. Ich hoffe ich fange nicht an zu wiehern. 

Mittwoch 8. November: Vera reist heute Nachmittag wieder nach Berlin. Wir hatten eine sehr gute Zeit. Die vielen gemeinsamen Projekte machen richtig Spass.

Am Abend habe ich die Vernissage von Vanja Hutter in der ehemaligen Bäckerei Scheiwiler besucht. Vanja schafft es immer wieder durch ganz einfache Installationen ihre Inhalte zu vermitteln und das Publikum einzubeziehen. Die Guerilla Galerie von Nadia Veronese ist eine sehr spannende Initiative, die durch Kunstinterventionen immer wieder Einblicke in unbekannte Räume bietet.

Dienstag 7. November: Heute Mittag erwartete ich die Musiker Bo Wiget und Luigi Archetti. Wir planen eine spannende Musik - Film - Produktion im Vexer Verlag. Das Treffen war sehr lustig und ergiebig. Auf diese Arbeit freue ich mich sehr. Ja und in allen Pausen male ich an meinen Bildserien weiter. Die Sitzungstermine sind eine gute Art des Wartens, bis die Ölfarbe wieder getrocknet ist. Ich könnte sagen, dass die Arbeit für den Vexer Verlag eine reine farbtrocknung Strategie ist. Ein optimales Nutzen der Pausen, die es zum Trocknen der Malerei braucht.

Montag 6. November: Kaum von Bern zurück geht es heute wieder in die Bärenstadt. Am Mittag habe ich Regine im Zug getroffen, damit wir unsere Sitzung mit dem Bundesamt für Kultur besprechen konnten. Wir waren dann ziemlich lange beim BAK und hatten eine sehr konstruktive Sitzung. In Zürich habe ich einen Zwischenhalt gemacht, um zusammen mit Lika Nüssli und Julia Marti die Buchproduktion "Vergiss dich nicht" zu besprechen. Das war alles sehr konstruktiv. 

Sonntag 5. November: Es ist richtig kalt geworden. Das schöne Herbstwetter ist vorbei. Es regnet in Strömen und Monika muss mich nach Bern fahren zur Buchpremiere ohne verkäufliche Bücher. Wir haben uns entschlossen, den Besuch in Bern zu nutzen, um die Ausstellung von Stefan Burger in der Kunsthalle zu besuchen. Das war für mich eine der besten Ausstellungen die ich seit langer Zeit in der Kunsthalle gesehen habe. Die sehr präzise inszenierten Fotoarbeiten sind vom Allerfeinsten!

Anschliessend sind wir zur Galerie Béatrice Brunner zum Nydeggstalden gefahren, um alles für die Buchpremiere vorzubereiten. Jacqueline Baum und Ursula Jakob hatten eine richtig schöne Installation mit Andrucken und mit Büchertischen eingerichtet. Wir haben Wasser, Brot und Wein mitgebracht. Um 17 Uhr war der Raum gerammelt voll mit interessierten Menschen. Das war ein sehr guter Abend und eine schöne Feier. Jetzt hoffe ich, dass alle Produktionsprobleme gelöst werden können und dass ich die bestellten Bücher bald ausliefern kann.

Obwohl es stark regnete ist unsere Heimfahrt gut verlaufen. Monika ist einfach eine sehr gute Autofahrerin. Wir wollten unbedingt vor 21 Uhr zu Hause sein. Wir erwarteten unsere Tochter Vera. Alles hat gut geklappt und wir haben einen sehr schönen Abend mit Vera verbracht.

Samstag 4. November: heute musste ich einiges vorbereiten im Atelier. Wir erwarteten einen Atelierbesuch. Das wurde dann ein sehr angenehmer Abend. 

Freitag 3. November: Das Produktionsproblem beim neuen Buch konnte noch nicht gelöst werden. Die bereits gelieferten Bücher weisen einen Fehler auf. Wir werden also an der Buchpremiere keine Bücher verkaufen können. Mist! Am Mittag hatten wir eine kleine Geburtstagsfeier mit Theresa. Monika hat ein einfaches aber sehr feines Essen zubereitet. 

Donnerstag 2. November: Heute kam der Bescheid, dass SICH beim neuen Buch "Blumenlese" von Baum/Jakob ein Produktionsproblem ergeben hat. Alles ist ziemlich kompliziert und wir werden an der Buchpremiere nur wenige Exemplare zur Verfügung haben. Alles ist ziemlich aufregend. 

Mittwoch 1. November: Allerheiligen.  Am Nachmittag hatten wir das traditionelle Familientreffen bei Marianne und Oreste in Kriessern mit guten Gesprächen und einem feinen Essen. Ich bin kurz vor 17 Uhr mit dem Bus nach Altstätten gefahren und anschliessend mit dem Zug nach Sargans und dann nach Rapperswil gereis. Im Kunstzeughaus fand die Buchpremiere des Sammlungskataloges von Lisi und Peter Bosshard statt. Es war wirklich eindrücklich. Der grosse Ausstellungssaal war leergeräumt, damit die über dreihundert besucher und Besucherinnen Platz haben. Es war eine der grössten Zusammenkünfte von Künstlerinnen und Künstlern aus allen Generationen die ich je in einem Kunsthaus erlebt habe. Das Buch heisst "von anselm bis zilla" und es bietet trotz seinem Umfang "nur" einen kleinen Einblick in die Sammlung. Die Kuratoren haben den Fokus auf das Thema des"Alltäglichen" in der Sammlung gerichtet und Lars Müller hat den Band gestaltet.Die Rückreise nach St.Gallen dauerte dann ziemlich lange wegen einer Baustelle. Eine gute Gelegenheit um mit Ursula Badrutt über ihr Ausstellungsprojekt in der Zisterzinserinnenabtei im Kloster Magdenau zu diskutieren. Der Titel: "Des einen Glanz, des andren Glut" war vielversprechend. Ich finde es ja sehr interessant, solche unbekannte Orte durch Kunstausstellungen der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Trotzdem muss man sich fragen, was eine solche Ausstellung den eingeladenen Künstlern wirklich bringt. Eine grosse Arbeit von Manon musste mit einem Tuch bedeckt werden, Jonathan Meese legte ein paar "Monster" in die Gästebetten, Sarah Elena Müller und Birgit Kempker erarbeiteten einen experimentellen Film, Peter Dew setzte einige rätselhafte Zeichen im Dachstock und Alfred Sturzenegger präsentierte einige Arbeiten auf Papier. Für mich waren vor allem die Räume und die Interventionen einer im Kloster lebenden Nonne interessant. Am verrücktesten fand ich aber den muffigen Klosterladen. Für Monika und für mich war dieser Ausflug auch eine Reise in unsere eigene Vergangenheit. Im Saal vom Restaurant Magdenau genossen wir 1979 mit unserer Hochzeitsgesellschaft einen Vesper.

Dienstag 31. Oktober: Reformationstag - Am Mittag habe ich mich entschlossen, zusammen mit Monika, Carol Forster und ihrem jungen Hund Santo eine Wanderung im Appenzellischen zu machen. Wir sind vom Eggli rund um die Fähnern spaziert. Ein wunderbarer Nachmittag mit sensationellem Herbstlicht. Ich habe den Kamor, den Hohen Kasten und den Säntis noch nie so eindrücklich erlebt. Santo hat seine Freiheit genossen und ich den Blick ins Rheintal. An leicht nebligen Tagen stelle ich mir immer das Eismeer vor, das noch vor 45 tausend Jahren dieses Tal bedeckt hat.

Montag 30. Oktober: Heute habe ich alle Bestellungen erledigt vom neuen Buch von Roland Dostal. Da ist eine richtige Wagenladung zusammengekommen. 

Am Abend hatte ich eine Sitzung der Fachkommission des Lehrgangs HF Bildende Kunst. Wir haben uns im Oberlichtsaal im Schulhaus Bild getroffen. Thomas Stüssi hat die Lehrgangsleitung übernommen von Alex Meszmer, der Im Sommer überraschend gekündigt hat. Es gab viel anzuhören und zu berichten. 

Sonntag 29. Oktober: Ruhig und schön war es heute. Richtig erholsam... viel gelesen und herumgedöst. Am Abend habe ich die Diskussionsrunde im Kaffeehaus im Linsenbühl besucht zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch Anita Sonnabend in ihrer Wunderkammer, dem Basar Bisar besucht der ja gleich gegenüber vom Kaffeehaus gelegen ist.  Das Kaffeehaus ist übrigens wunderschön renoviert worden. Das ist ein echter Gastronomischer Glanzpunkt in der Stadt. Die Organisatorinnen vom Projekt Stadtprojektionen II, Nina Keel und Anna Vetsch diskutierten hier mit Patrick Graf und Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur St.Gallen über Kunst im öffentlichen Raum. Ich würde mir viel öfter Diskussionen zu diesem Thema wünschen. Ich plädiere für mehr Transparenz in der Entscheidungsfindung, für mehr Vermittlung der Kunstprojekte und für ein Inventar von allen künstlerischen Arbeiten im öffentlichen Raum. In der Stadt ist dafür leider niemand zuständig.

Anschliessend gab es eine kleine Privatführung zu den diesjährigen Projektionen durch Nina und Anna für Florian und für mich. Auch in diesem Jahr werden durch diese Projektionen interessante und unbekannte Orte in der Stadt beleuchtet. Eine sehr innovative Ausstellungsidee. 

Samstag 28. Oktober: Heute bin ich schon um sechs Uhr aufgestanden. Ich musste rechtzeitig in Bern sein für die Gruppenkonferenz von visarte. Wir hatten einen Raum im Proger gebucht. Der Tag mit rund fünfzig kulturpolitisch aktiven Künstlerinnen und Künstlern aus allen Landesteilen war sehr anregend und erhellend. Alle Regionalgruppen von visarte berichteten von ihren Aktivitäten und von Zukunftsprojekten. Ein interessanter Gedankenaustausch. Ich denke alle haben von dieser Ideenbörse profitiert. Am Nachmittag haben zwei Zürcher Künstlerinnen informiert über ihren Wunsch, als thematische Gruppe bei visarte Mitglied zu werden. Die Zürcher Gruppe mit rund fünfzig Künstlerinnen hat sich vom SGBK gelöst und sucht nun eine neue "Heimat" bei visarte. Der Tag war sehr anstrengend aber höchst motivierend für die Zukunft. Wir beschäftigen uns immer wieder mit der Frage nach einer Verjüngung von visarte. Mir wird aber immer wieder bewusst, dass unser Berufsverband auch existenziell wichtig ist für eine ältere Generation von Kunstschaffenden.  

Freitag 27. Oktober: Ein vielseitiger Arbeitstag. Gegen vier haben wir die Neuen Bücher von Roland Dostal für den Transport vorbereitet und sind dann zum Kunstraum nach Kreuzlingen gefahren um alles vorzubereiten für die Buchpremiere. Die Ausstellung von Roland ist sehr eindrücklich. Eine wunderbare und sehr feine Installation der Zeichnungen ist gelungen. Die Buchpremiere war sehr fulminant. Ich denke es waren über hundert sehr interessierte Menschen anwesend. Ein grossartiger Abend. Gegen neun Uhr haben wir noch den neuen Kulturclub von Kurt Schmied in einem ehemaligen Rauchwarengeschäft angeschaut. Ich bin gespannt was für eine Wirkung dieser Raum entwickeln kann. Der Anfang war schon einmal vielversprechend. Ich konnte leider nicht sehr lange bleiben. 

Donnerstag 26. Oktober: Habe heute den ganzen Tag gemalt. Am Abend war Eröffnung im Hiltibold. Alex Hanimann und Jiajia Zang präsentierten ihre Arbeiten. 

Mittwoch 25. Oktober: Heute Morgen sind die Bücher von Roland Dostal geliefert worden. Ich bin sehr glücklich über diese Publikation. Der Titel "Schichten" bezieht sich auf die Arbeitsweise von Roland. Seine Zeichnungen sind keine spontanen "Würfe", sondern zeitintensive Überschreibungen, Überlagerungen, Weiterentwicklungen von Versuchsfeldern auf Papier, die sich im Laufe von vielen Jahren durch dauernde Überarbeitung verwandeln.  

Am Nachmittag bin ich zusammen mit Urs Eberle nach Amriswil gefahren. Wir sind gemeinsam mit einigen anderen Künstlern zu einem Kunst am Bau Wettbewerb eingeladen für die neue Sporthalle in Amriswil. Das ist keine einfache Aufgabe aber ich liebe solche Denkübungen. 

Dienstag 24. Oktober: In den letzten Tagen konnte ich mich intensiv mit meinen unterschiedlichen  aktuellen Projekten beschäftigen. In meinem Atelier steht schon mehr als ein halbes Jahr eine Abfolge von vielen farbigen Gläsern. Es braucht sehr viel Zeit und Geduld. dann genügt ein Wechsel in der Abfolge der Farben und die Stimmung verändert sich wie durch Zauberhand. Das sind richtige Glücksmomente.

Am Abend bin ich nach Zürich gefahren, um mit Bea Maritz und der jungen Gestalterin Lea Fischlin ein Buchprojekt zu besprechen. Bea hat uns in die SBB Kantine geführt. das ist ein ruhiger und idealer Ort für eine Besprechung mitten in Zürich. Diese Startersitzung war super.

Montag 23. Oktober: Das Wochenende war ruhig und angenehm. Zeit zum Lesen, Spazieren, Reflektieren  und Nachdenken. Am Sonntag haben wir uns den ersten Teil der Ausstellung von Caro Niederer im Kunstmuseum angeschaut. Sie hat im ehemaligen Naturmuseum, im verglasten Rundbau zum Stadtpark ein schickes Kaffee eingerichtet. Der Raum ist sehr schön geworden und der Kaffee ist erstklassig. Die Ausstellung wird in den nächsten Monaten kontinuierlich ausgebaut. Die nächste Erweiterung wird am 22. November eröffnet. dann werden auch einige Möbel und Holzwerke von mir zu sehen sein. Am 1. und 2. Dezember gibt es dann noch eine Buchmesse in der Ausstellung, bei der wir mit dem Vexer Verlag präsent sein werden. Im Obergeschoss wird zur Zeit die amerikanische Künstlerin Marcia Hafif präsentiert. In enger Kooperation mit dem Kunsthaus Baselland sind zur Zeit zwei Ausstellungen der Künstlerin in der Schweiz zu sehen. Die systematische Untersuchung von Farbe als Medium ist ausserordentlich spannend. Irritierend ist für mich die Betonung der Giftigkeit des verwendeten Materials. Im Oberlichtsaal ist eine präzise Abfolge von Bildtafeln installiert, die sich aus einem milchigen Weiss in ein nass schieferiges Schwarz entwickelt.  Dabei spielt nicht nur die Farbe, sondern auch der Farbauftrag und die Struktur der Malerei eine grosse Rolle.  

Freitag 20. Oktober: Heute hatte ich ein sehr spannendes Gespräch zu einem Ausstellungs- und Buchprojekt, das im Jahr 2019 in Zürich stattfinden wird. Es macht grossen Spass, wenn man auf eine sehr lange Zeit des Büchermachens zurückgreifen und alte Formate neu beleben kann.

Mittwoch 18. Oktober: Ein sehr inspirierender Spaziergang durch den Herbstwald im Sittertobel. Ich konnte viele gute Motive fotografieren, Spiegelungen an der Sitter und erstaunliche Einblicke in den enorm bunten Wald.

Dienstag 17. Oktober: Ich musste heute einen Sehtest machen bei Fielmann. Bei den Aufräumarbeiten im Piemont habe ich zwei Tage lang ein grosses Feuer mit Altholz gemacht aus einem Waldstück, das ich vor ein paar Jahren abgeholzt habe. Meine Brille hat dabei zu heiss bekommen und ist etwas "verschmörzelet". Nun muss ich einen Sehtest machen und neue Varilux-Gläser anpassen lassen. Zu meiner grossen Freude hat sich meine Sehkraft um einiges verbessert aber die Gläser sind immer noch sehr stark. Jetzt heisst es auf die neue Brille warten und halbblind herum straucheln. Bei diesem wunderbaren Herbstwetter ist das ja nur halb so schlimm.

Montag 16. Oktober. Die Rückfahrt aus dem Piemont war total stressfrei. Am Mittag gönnten wir uns ein einfaches Mittagessen vor dem Bernardino Tunnel, in einer ehemaligen Militärkantine. Ein grosser Saal in einem alten Barackenbau. Eventuell war das auch einmal der Speisesaal für die Bauarbeiter des Tunnels. Ein wunderbar einfaches und günstiges Essen - und zudem noch sehr fein zubereitet.

Donnerstag 12. Oktober: Ich hatte eine sehr ruhige Arbeitswoche und konnte mich um alle aktuellen Projekte kümmern. Die neue Ausgabe "Kunst und Bau Nummer 5" ist fertig gestaltet und bereits im Druck. Ich fühle mich richtig aufgeräumt. Nun packen wir bereits wieder unsere Sachen für die Fahrt ins Piemont. Ich freue mich sehr auf das lange Wochenende in Agrano. Das herbstliche Aufräumen auf den Wiesen und in den Wäldern tut auch der Seele gut. 

Sonntag 8. Oktober: Um 9 Uhr waren wir im Hotel zum Frühstück verabredet. Wir haben uns sehr gut verstanden mit Yvonne und Michael. Eine gemütliche, reflektive  Frühstücksrunde an einem geschichtsträchtigen Ort.

Unsere Rückreise war dann sehr entspannt. Nach dem vielen Reden konzentrierten wir uns nun auf die Sprechkassette. 

7. Oktober: Wir sind stressfrei nach Königstein gefahren und haben die KLEIN GALLERY gesucht. Michael Klein hat vor vielen Jahren an der Kunstmesse in Köln zwei grosse Bergbilder von mir bei der Deweer Art Gallery gekauft. Ich habe ihn und meine zwei Bilder dann Jahre später in Frankfurt zusammen mit dem Galeristen Carlo Schwind besucht.

Michael und Yvonne Klein führen nun seit ein paar Jahren eine kleine Sammler Galerie in Königstein. Nun zeigen sie grosse Arbeiten von mir in ihrer Wohnung, umgeben von ihren Sammlungsstücken. Mir gefällt dieses private Engagement, das auch einen Einblick in das private Leben bietet. Wir sind sehr nett empfangen worden. Untergebracht waren wir im noblen Hotel Kempinski, mit einem eindrücklichen Fernblick nach Frankfurt.

Ja das war ein wirklich schöner Nachmittag mit vielen interessierten Menschen, guten Gesprächen und spannenden Begegnungen. Am Abend gab es dann ein wunderbares italienisches Essen und eine kleine Stadtführung durch Königstein. 

6. Oktober: Am Morgen haben wir aufgeräumt, die Post erledigt und unsere Sachen gepackt. Am Mittag sind wir losgefahren nach Karlsruhe. Bei der Reiseplanung nach Königstein im Taunus ist uns bewusst geworden, dass die Reise fünf bis sechs Stunden dauert. Wir haben dann ein Hotel in Karlsruhe gebucht, um die Fahrt angenehmer und spannender zu gestalten. Wir sind dann aber nach Stuttgart lange Zeit in einem Stau gestanden. Zum Glück haben wir kurz vorher in einer Raststätte eine 12 Stunden dauernde Sprech-CD mit einem spannenden Krimi gekauft. Der Stau dauerte ziemlich lange und als wir dann endlich im Hotel in Karlsruhe angekommen sind, waren bereits alle Museen geschlossen. Die Stadt wird zur Zeit total umgepflügt für den U-Bahnbau. Wir haben dann ohne Kunst ein feines biologisches Essen genossen und gut geschlafen.

Donnerstag 5. Oktober: Heute Mittag fuhr ich nach Aarau für ein Gespräch mit einem Architekten, der eine Masterarbeit schreiben will zur Frage, ob es einen Mehrwert gibt, wenn Architekten mit Künstlern zusammenarbeiten. Wir haben uns vor dem Stadtmuseum getroffen und über meine Fassadenarbeit und den Bau geredet. Das war eine sehr bereichernde Begegnung. Im Foyer des Museums hingen viele kleine Laternen, gebastelt von Kindern, die meine Menschenfiguren abgezeichnet haben. Das hat mich sehr berührt. Am Schluss habe ich mich noch mit Kaba Rössler getroffen. Das Stadtmuseum scheint ein ganz grosser Erfolg zu sein. Vor der Eröffnung wurde mit einer Besucherzahl von zehntausend  Menschen kalkuliert. Nun kommen im Jahr rund 25 Tausend Besucherinnen und Besucher. Die Menschen haben diesen Ort sehr gut angenommen. Das Museum ist ein Ort der Begegnung geworden.

Um 18 Uhr war ich bereits wieder in St.Gallen und besuchte inach meiner Rückreise die Ausstellung vom HF Bildende Kunst im Lattich. Das ist ein temporärer Kulturraum im ehemaligen Güterbahnhof in St.Gallen. Der Künstler Thomas Stüssi hat den Lehrgang von Alex Meszmer übernommen. Die Stimmung unter den Studierenden scheint mir nun sehr gut. Die grosse  Gemeinschaftsarbeit hat mich überrascht und überzeugt.

Am Abend hatten wir dann eine kleine Grillparty in unserem Gartenraum zu Ehren von Vanja, die ihren 30. Geburtstag feiert. Ein schöner Abend in einer kleinen Runde.

Dienstag 3. Oktober: Es gibt viele Hausaufgaben zu erledigen nach unserer Besprechung in Berlin. Neben unseren Strategiegesprächen blieb auch einige Zeit für ausgedehnte Stadtspaziergänge. Zur Zeit arbeiten wir auch an einer neuen Nummer Kunst und Bau über die Situation in der Stadt Bern. Das ist ein dauerndes Hin und Her. Wenn es funktioniert macht das aber grossen Spass.

Montag 2. Oktober: Heute sind wir in Berlin schon um 6.00 Uhr aufgestanden. Wir bestellten schon gestern Abend auf 6.30 Uhr ein Taxi zum Flugplatz. Wir haben in den letzten Tagen sehr viel gesprochen über den Verlag, über unsere Gesprächs- und Kommunikationskultur, über Projekte und Ideen. Monika hat die Gespräche moderiert und protokolliert. Es war uns klar, dass eine solche Familienkonstellation nicht sehr einfach zu bewältigen sein wird. Da wir aber feste Ziele vor Augen haben und sehr motiviert sind konnten wir alles tabufrei und konstruktiv diskutieren. Ich glaube wir sind wieder einen grossen Schritt weiter. Eigentlich ist es ja ein Wahnsinn was wir alles machen. Ohne die Mitarbeit von Vera und der Mithilfe von Vanja wäre das gar nicht mehr möglich. 

Der Flug war sehr angenehm. Vom Flughafen fuhr Monika direkt nach Hause und ich musste einen Abstecher nach Zürich machen. Beim Auktionshaus Germann wurden einige frühe Arbeiten eingereicht. Die wollte ich anschauen und auf ihre Echtheit prüfen. Ich bin da sehr nett empfangen worden.  

Sonntag 1. Oktober: Heute Morgen haben wir bei Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof gefrühstückt und dann die Ausstellungen zum Preis der Nationalgalerie angeschaut. Die nominierten vier Künstlerinnen arbeiten alle multimedial und leben in Berlin. Sol Calora, 1982 aus Caracas, Agnieszka Polska, 1985 aus Lublin, Iman Issa, 1979 aus Kairo und Jumana Manna, 1987 aus Princeton. Eine sehr interessante Auswahl, die wohl auch die Internationalität der Kunstmetropole Berlin dokumentieren soll.

Eine grosse Ausstellung ist dem 1954 geborenen Künstler Raimund Kummer gewidmet. Er zeigt in vier Räumen einen anregenden Überblick über sein Schaffen seit Ende der 70er Jahre. Er hat in den 80er Jahren das Büro Berlin gegründet. Ziel war es, Ausstellungen zu organisieren an unbekannten und überraschenden Orten. Die Erkenntnis war, dass jeder Ort ein möglicher Ort für Kunst sein kann. Ich habe das damals mit meiner St.Galerie in St.Gallen ausprobiert, indem ich in einem ehemaligen Milchladen im Lachenquartier in zwei Jahren mehr als 20 junge Schweizer Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt habe. Mitte der 80er Jahre haben wir dann mit der Kunsthalle an allen möglichen und unmöglichen Orten Kunstpräsentationen organisiert. Begonnen hatte das 1985 mit einer Installation von Balthasar Burkhard im Volksbad in St.Gallen. Die Ausstellung von Reimund Kummer hat mich wieder an diese Zeiten erinnert. Es ist eindrücklich, dieses vielschichtige Werk konzentriert an diesem Ort zu sehen. Kummer besuchte unter Anderem 17 Kunst-Orte und führte Gespräche mit Eugen Blumer, die in 17 Filmen dokumentiert sind. Eine Ausstellung in der man stundenlang verweilen kann und sehr viel über eine künstlerische Praxis erfahren kann.

Anschliessend haben wir die König Galerie besucht. Präsentiert wurden grosse und kleine Öl - Malereien von Norbert Bisky. Eine explodierende bunte Bilderwelt, die sich bei genauem Hinsehen als bunter Horror entpuppt. Nach der Ausstellung haben wir einen langen Stadtspaziergang unternommen bis zum Atelier von Vera an der Köpenickerstrasse. dann haben wir gemeinsam mit Jéremie einen gemütlichen italienischen Abend verbracht.

Samstag 30. September: Wir haben den ganzen Tag gearbeitet im Atelier von Vera und am Abend besuchten wir die Vernissage von Eva-Fiore Kovacovsky in der BAECKEREI-MOABIT. Eine sehr schön und sorgfältig inszenierte Ausstellung in einer ehemaligen Bäckerei. Die Räume sind sorgfältig renoviert aber für Kunst nicht einfach. Eva hat das grossartig gemeistert. Anschliessend sind wir zum Japaner für feine Vorspeisen und eine grosse Suppe.

Donnerstag 28. September: das war eine intensive und kurze Woche. Heute früh fliegen wir nach Berlin. Gemeinsam mit Vera wollen wir am Wochenende über die Zukunft vom Vexer Verlag diskutieren. Das wird sicher aufregend und spannend.

Dienstag 26. September: Heute Morgen hatte ich eine Besprechung für ein neues Buchprojekt zum Thema Rituale, Verwandlungen und Masken in verschiedenen Kulturen. 

Am Abend waren wir eingeladen und haben sehr gut gegessen im Restaurant Gut im Vorarlberg. 

Sonntag 24. September: Abstimmungssonntag zur AHV Revision. Nach den ersten 15 Minuten der Fernsehreportage war schon klar, dass die Abstimmung nicht zu gewinnen ist. Es scheint zu viele Menschen zu geben, die im hundertfach abgesicherten Kompromiss einen Nachteil für sich persönlich gefunden haben. Viele Menschen wollen einfach nicht begreifen, dass die AHV ein beispielhaftes, solidarisches Gemeinschaftswerk ist, das dringend saniert werden muss.

Samstag 23. September: Heute war ich eingeladen zur Geburtstagsfeier von Viola und Thomas, zu  einer Schifffahrt auf dem Bodensee auf dem wunderschönes Schiff von 1914, der Hohentwil. Sechs Stunden bei super Wetter auf einem gemütlichen Schiff mit feinem Essen und in interessanter Gesellschaft. Das gab mir ein ganz neues Zeit- und Raumgefühl. 

Freitag 22. September: An diesem Wochenende findet die Buchmesse "friends of books" im Hamburger Bahnhof in Berlin statt. Vera und Jeremie betreuen den Stand vom Vexer Verlag. Ich bin gespannt wie das läuft.  

Donnerstag 21. September: Um 10 Uhr bin ich im Restaurant Kunsthaus  verabredet für eine Vorbesprechung. Um elf Uhr haben wir ein Gespräch mit Marianne Burki von der Pro Helvetia, um Anregungen von der VISARTE für die Kulturpolitik einzubringen. Das war ein richtig guter und anregender Austausch. Am Abend bin ich in die Kunsthalle in St.Gallen gegangen zur Präsentation der neuen Nummer vom Strapazien. Eine bunte, junge Gesellschaft kam da zusammen. Viele neue Gesichter. Es war richtig aufgestellt.

Dienstag 19. September: Monika fährt heute heute für eine Woche nach Italien. Ich habe viel Zeit für meine Projekte. 

Montag 18. September: Den ganzen Tag gearbeitet und am Abend an eine Sitzung nach Zürich. 

Sonntag 17. September: Wir sind früh aufgestanden und nach Sachseln gefahren. Wir waren dort am Mittag mit Esther Maria Jungo verabredet. Nach einer kleinen Stärkung im Gartenrestaurant haben wir gemeinsam das Bruder Klaus Museum angeschaut mit der Sonderausstellung "Ins Zentrum - Radbilder und Räderwerk". Es gibt einige spannende Arbeiten zu sehen unter Anderem von Christian Kathriner, Bea Maritz und Andrea Wolfensberger. Sie hat eine eindrückliche Skulptur aus Wellkartonstücken geschaffen, die sie mit Laser ausgeschnitten und neu zusammengefügt hat. Für mich waren die reduzierten Arbeiten von Vincent Fournier eine Entdeckung. Im Internet habe ich dann unter diesem Namen "nur" ein Spaceprojekt gefunden von einem Luxenburger Künstler. Auch das eine Entdeckung... ab in andere Sphären... 

Nach dem Museum haben wir uns die eindrückliche Dorfkirche angeschaut und dann wanderten wir Richtung Flüeli Ranft zum Bruder Klaus Festspiel. Nach einer sehr schönen einstündigen Wanderung habe ich Spaziergänger nach dem Weg zur Allmend gefragt. In unserem Eifer waren wir viel zu weit und viel zu hoch hinauf gewandert. Unsre Ziel war rund zwei Kilometer weiter unten. Ja und dann haben wir richtig Gas gegeben, um rechtzeitig am richtigen Ort zu sein. Für das Festspiel wurde ein sehr einfaches, schönes Holzgebäude erstellt. Wir wollten uns die Vorstellung vor allem wegen Judith Albert anschauen. Sie hat das Bühnenbild - oder besser gesagt das Bühnen-Lichtbild gemacht. Mir hat das alles sehr gut gefallen, obwohl oder gerade weil ich als Kind die Geschichte von Bruder Klaus absolut skandalös und unchristlich empfunden habe. Dass ein Mann aus einem religiösen Wahn heraus seine 12 köpfige Familie verlässt und dass das auch noch bewundert wurde habe ich nicht begriffen. Ich wusste damals nichts von den brutalen Kriegen, dem Söldnertum und den körperlichen und psychischen Folgen der unglaublichen Schlächtereien. 

Nach der Aufführung haben wir gemeinsam Mit Esther Maria, Andrea Wolfensberger und ihrem Lebenspartner noch eine Suppe gegessen. ich habe mich für die moderne Form der Kappelermilchsuppe mit Gersteneinlage entschieden. 

Ja und dann sind wir sehr erfüllt und zufrieden wieder nach Hause gefahren.

Samstag 16. September: den ganzen Tag Gartenarbeit und am Abend ein schönes Essen. Monika hat ein wunderbares Kanienchenragout nach Ottolenghi aufgetischt und viel frisches Gemüse und Salat aus unserem Garten. Wir haben einen schönen Abend mit Stephan und Helene verbracht. Kulturpolitische Themen gibt es ja zu Hauf. 

Freitag 15. September: heute Morgen habe ich mein neues Radiogerät im Atelier aufgebaut. Ich möchte, dass meine Marder Freunde die ganze Nacht klassische Musik hören können. Etwas musikalische Bildung ist auch wichtig für kleine Raubtiere.

Nun warte ich auf Caro Niederer für eine Besprechung.

Caro macht ein grosses Ausstellungsexperiment im Kunstmuseum St.Gallen mit vielen Gästen und wechselnder Besetzung in den ehemaligen Räumen des Naturmuseums. Keine einfache Aufgabe. Ich bin als Gast eingeladen und bin gespannt, welche Arbeit dass Caro auswählt. Im Atelier war sie vor allem begeistert von meinen "Gebrauchswaren", Tische, Regale, Töpfe etc. die ich bei guter Laune für unseren Alltag herstelle. Ich habe 1992 eine der ersten grossen Ausstellungen von Caro in der Kunsthalle in St.Gallen kuratiert mit ihren Teppichen. 

Donnerstag 14. September: Die Dossiers für das geplante Buch von Lika Nüssli sind versandbereit. Ich habe mit vielen Förderstellen Gespräche geführt. Mit etwas Glück sollte es möglich sein, die Finanzierung zu sichern. Als Belohnung habe ich mir ein ganz kleines digitales Radiogerät gekauft, damit ich im Atelier den Kultursender DRS 2 hören kann. Im Fachgeschäft erklärte ich der Verkäuferin, dass mir ein Sender genügt. Es wurde mir dann vermittelt, dass kein modernes Radiogerät mit nur einem Sender angeboten wird. 

Dienstag 12. September: Heute habe ich alle neuen Bücher durchgeschaut, die ich in den letzten Wochen bestellt und gekauft habe. Es gibt viel zu lesen und zu erforschen. Am Nachmittag hatte ich ein sehr interessantes Gespräch auf dem kantonalen Amt für Kultur zum Thema Verlagsförderung. Es gibt Kunstförderung, Literaturförderung, Filmförderung aber leider keine explizite Verlagsförderung und das in der Buchstadt St.Gallen. Vielleicht müsste ich ein neues Kloster gründen, mit vielen fleissigen Schreiberinnen und Schreibern, die handschriftlich das Wichtigste niederschreiben und jedes Jahr ein kleines Regal mit neuen Büchern füllen.

Montag 11. September: Heute gibt es viel aufzuarbeiten nach dem literarischen Wochenende mit swips. Ich muss die Abrechnung der Veranstaltung machen um einen klaren Kopf zu behalten. Wir müssen alle unsre "Festgläser" waschen, Bücher ordnen, Kisten verräumen etc.

Heute habe ich auch das Dossier für das geplante Buch von Lika Nüssli vorbereitet. Die ersten Offerten sind eingetroffen. Nun kann ich das Budget für die Geldsuche zusammenstellen. 

Am Abend habe ich einen Kürbis aus unserem Garten verarbeitet. In Stücke geschnitten, dazu viel Knoblauch, einige Tomaten kleingeschnitten, frischen Thymian und Liebstöckel, Curry, Kardamon, Paprika und Paprikaschoten, alles im Dampfkochtopf gekocht und dann gemixt. Serviert mit Ziegen Frischkäse, Gorgonzola und dazu ein frisches Dinkelbrot. Perfekt.

Sonntag 10. September: Die übliche Sonntagslekture mit dem Kulturteil der NZZ am Sonntag. Ich mag die gut recherchierten Hintergrundartikel von Gerhard Mack, letzte Woche zum Beispiel über Jimmie Durham und heute habe ich noch den Artikel von Alexander Sury im Tagi gelesen über den ungeheuerlichen Bilderraub eines Schülers von Ernst Ludwig Kirchner in Davos. 

Am Mittag sind wir nach Gais gefahren zur Ausstellung " Klang Moor Schopfe", mit Klanginstallationen in alten, kleinen Scheunen im Riet. Unter Anderem waren Arbeiten von Norbert Möslang, Svetlana Maras, Albert Oehlen und Roman Signer zu sehen und zu hören. Ein schöner Spaziergang durch eine sehr spezielle Landschaft. Santo, der junge Hund von Carol hat uns begleitet. Von den klingenden Kunstwerken hat ihm das mit Moos bedeckte Klanggerät von Vanessa Lorenzo eindeutig am meisten Eindruck gemacht. Er hat mit den Pfoten wie ein begabter Pianist darauf gespielt. Anschliessend haben uns Ursula und Martin zu einem Drink in ihrem frisch renovierten Haus vis a vis vom ehemaligen Restaurant Sternen eingeladen. 

Samstag 9. September: Wir sind früh aufgestanden. Um 10 Uhr waren wir mit Carol im Bücherladen Appenzell verabredet, um mit zwei Autos alle Bücher nach St.Gallen zu transportieren für die fünf grossen Büchertische im Raum für Literatur. Cristina hat Vanja und mir die technischen Geräte erklärt, die Mikrophone und Scheinwerfer und das Lichtsystem eingeschaltet und den komplizierten Weg durch das Haus gezeigt. Am Nachmittag konnten wir uns zwei Stunden ausruhen und waren dann um halb sechs wieder in der Bibliothek in der Hauptpost. Ich machte etwas verspätet eine Einführung zu "SWISS INDEPENDENT PUBLISHERS" SWIPS, und moderierte zusammen mit den Verlegerinnen die Lesungen von Christa und Emil Zopfi mit ihrem literarischen Wanderführer durch die Ostschweiz, die Lecture/ Performance von Katja Baumhoff und Helmut Dworschak über Moden und Sammeln,  die fein vorgetragenen Texte von Judith Keller "Die Fragwürdigen", die düstere Beschreibung des bäuerlichen Lebens im 19. Jahrhundert von Barbara Lutz, "Keinen Seufzer wert" und die Schlusslesung der St.Gallerin Rebecca Schnyder aus ihrem Erstling "Alles ist besser in der Nacht". Ich war erleichtert und überrascht über das grosse Publikumsinteresse. Es scheint aber viele kulturinteressierte Menschen zu geben,  die auch an der Museumsnacht nicht das grosse Spektakel, sondern inhaltliche Auseinandersetzung suchen. Der Abend war ein Erfolg und der Büchertisch mit den rund hundert Neuerscheinungen bot viel überraschende Lektüre. Um punkt 24 Uhr haben wir alles abgeräumt und weg transportiert. Das war wie ein Spuk um Mitternacht. Intensiv und prickelnd. Wir waren ein super Team. 

Freitag 8. September: Am Morgen habe ich an meiner Schlussrede für den PRIXVISARTE gearbeitet. Um eins bin ich los, um mit dem Zug  nach Basel zu fahren. Ich war um 16 Uhr verabredet mit Esther Hiepler an der Gärtnerstrasse 50. Sie zeigt neue Arbeiten in einer Gruppenausstellung im Ausstellungsraum des Atelierhauses am Wiesenplatz. Ich hatte einige überraschende Begegnungen mit Künstlern, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Anschliessend habe ich mir die Ausstellungen von  Valentina Stieger und Véronique Arnold bei Stampa am Spalenberg angeschaut. Valentina zeigt in den ersten zwei Räumen vielschichtige Wachsgüsse auf einfachen Metallkonstruktionen. Zwei sehr schöne Rauminstallatioen. Veronique präsentiert ihre in rot schwarz und blau gehaltenen Stickereien. Zeichnung, Schrift und Bild in einem. Die beiden Künstlerinnen schaffen eine sehr starke Stimmung. Gilli hat mir das kleine, schön gestaltete Büchlein von Véronique geschenkt und ich habe den neu erschienenen Ratgeber "Vom Umgang mit Künstlernachlässen" gekauft, der im SIK erschienen ist. 

Anschliessend bin ich zur Kunsthalle spaziert für die feierliche Verleihung des PRIXVISARTE 2017. Ich war etwas zu früh und konnte mir noch die Performance von Adam Linder "Dare to Keep Kids Off Naturalism" für vier Tänzerinnen und Tänzer anschauen. Eine sehr eindrückliche Arbeit.

Ja und dann folgte die Preisvergabe oder besser gesagt die Preisvergaben vom PRIXVISARTE 2017. Geehrt wurden Florian Graf, Vera Marke, Simon Lamunière, George Steinmann und Sigmar Polke. Begleitet wurde der Abend vom Musiker Fritz Hauser. Ich bin dann nach acht zusammen mit Fredi Altherr mit dem Zug zurückgefahren. Ein strenger aber sehr erfüllender Tag mit erhellenden Gesprächen,  schönen Begegnungen, berührender Musik und lehrreichen Diskussionen.


PRIX VISARTE 2017 – Preisträger



Am 8. September wurde in Basel zum zweiten Mal der PRIX VISARTE verliehen, die Schweizer Auszeichnung herausragender Projekte im Bereich Kunst und Bau /
Kunst im öffentlichen Raum. Der Preis wird von der Julius Bär Stiftung dotiert.

Für den PRIX VISARTE 2017 standen 124 Werke zur Wahl. Eine unabhängige, interdisziplinär besetzte Jury mit Katya García-Antón (Kuratorin, Oslo), Gabrielle Hächler (Architektin, Zürich), Etienne Lullin (Galerist, Zürich), Josef Felix Müller (Künstler, Präsident visarte.schweiz, St.Gallen), und Claudia Müller (Künstlerin, Basel), präsidiert von Christoph Doswald (Kurator, Zentralvorstand visarte.schweiz) ermittelte für den PRIX VISARTE 2017 fünf Preisträgerinnen und Preisträger.

Der PRIX VISARTE 2017 geht mit je CHF 10'000 an Vera Marke für ihr Werk «Triade» im Gasthaus Krone in Hundwil und an Florian Graf für sein Werk «weg weisend» in Zug. Den Anerkennungspreis erhält der Kurator Simon Lamunière für sein Projekt «Neon Parallax» in Genf.
 
Erstmals wird dieses Jahr der PRIX VISARTE HISTORIQUE für Projekte, die zwischen 2000 und 2009 entstanden sind, vergeben. Der ebenfalls mit CHF 10'000 dotierte Preis geht an George Steinmann für «Das Werk Saxeten, eine wachsende Skulptur», eine «Recherche über die Möglichkeit einer Kunst-und-Bau-Intervention mit zukunftsfähiger Wirkung».

Ebenfalls zum ersten Mal wird ein PRIX VISARTE D’HONNEUR verliehen für ein Werk, das die Jury als konkurrenzlos und deshalb in einer eigenen Kategorie zu prämierend beurteilte. Es sind die Kirchenfenster, die Sigmar Polke für das Grossmünster Zürich entwarf und die 2009 eingeweiht wurden.

Donnerstag 7. September: Die letzten Tage hatte ich viel Zeit zum lesen und arbeiten im Atelier. Ich arbeite gleichzeitig an sehr unterschiedlichen Projekten. Das ist sehr anstrengend und hilft im Denken flexibel zu bleiben. Die restliche Zeit nutze ich um den Leseabend und die Buchpräsentation von SWIPS vorzubereiten. 

Dienstag 5. September: In den letzten Tagen habe ich eine Serie von Holztafeln grundiert und heute ist aus einer Laune heraus eine zwanzig - teilige Zeichnungsserie entstanden, weil ich die restliche blaue Ölfarbe nicht weg werfen wollte. Das Gelingen kann man nicht planen, man muss einfach bereit sein wenn es passiert.

Montag 4. September: Am Morgen habe ich viel organisatorisches erledigt und bin dann nach Zürich gefahren zur Sitzung vom Zentalvorstand von visarte. Über die Sommermonate haben sich viele Geschäfte und Fragen angestaut. Heute war Karin Frommherz das erste Mal dabei. Ich freue mich auf diese Zusammenarbeit. Wir konnten heute den Abschlussbericht der 150 Jahrfeier von visarte verabschieden. Ich bin sehr glücklich und erleichtert, dass wir unser Jubiläumsjahr so erfolgreich abschliessen konnten. Dabei haben das Organisationskomitee, die Geschäftsstelle und alle 18 visarte Gruppen mit geholfen und natürlich alle Sponsoren. Allen gilt unser herzliche Dank. 

Sonntag 3. September: Schöner Spaziergang, gute Gespräche, feines Essen...

Samstag 2. September: Rund um die Ausstellung der schönsten Schweizer Bücher im Helmhaus konnte ich in den letzten Tagen viele Gespräche mit Kunstschaffenden, Verlegern und Gestalterinnen führen, und wichtige Kontakte pflegen.  Heute Abend kommt Monika aus Italien zurück. Ich werde etwas feines kochen...

Donnerstag 31. August: Tagsüber gemalt, am späten Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren für die Feier der schönsten Schweizer Bücher im Helmhaus Zürich. Frau Chassot vom BAK war persönlich anwesend und hielt eine stimmige rede. Der Tycholdpreis wurde verliehen an das Büro Bonbon von Valeria Bonin und Diego Bontognali. Die Laudation von Thomas Kramer, dem Verlagsleiter von Scheidegger & Spiess war sehr ausführlich. Insgesamt ein angenehmer Abend mit sehr vielen überraschenden Begegnungen. Viele Kreise haben sich geschlossen. Neue Projekte zeichnen sich ab. Ich bin so glücklich, dass wir mit dem wunderbaren Buch von Julia Steiner ausgezeichnet worden sind. Von über 400 Eingaben sind gut 20 Bücher ausgewählt worden. Davon zwei aus St.Gallen. Kein schlechter Schnitt - oder?

Mittwoch 30. August: Tagsüber gemalt. Am Abend Jurysitzung in Zürich.

Dienstag 29. August. Tagsüber gemalt. Am Abend 10 Jahre SWIPS Essen in Baden im roten Turm.

Sonntag 27. August: Monika ist heute abgereist nach Italien. Ich werde meine Zeit nutzen um intensiv zu arbeiten. Es gibt viel zu tun.

Samstag 26. August: Gestern waren wir am SUMMERSDAY Festival in Arbon. Zuerst The Hooters, dann Manfred Mans'Erdt Band und als Schluss die legendären STATUS QUO. Eine für mich irritierende Zeitreise in die Vergangenheit. Sehr inspirierend aber anstrengend. 

Donnerstag 24. August: Endlich kann ich die Haare schneiden lassen. Haarschnitt im Querschnitt. das hat gut getan. Nach dem riesigen Bergsturz in Bondo wurde ich wieder eingeholt von meinen Ängsten, die mich um die Jahrtaiusendwende plagten. Wenn ich mit dem Zug durch die Landschaft fuhr, sah ich überall drohende Bergstürze, Murgänge, Hochwassergefahr und extreme landschaftliche Veränderungen. Das hat mich dann dazu bewogen, grosse, realistische Landschaften zu malen. Wenn ich mein Bild aus dem Jahr 2003 vom Aletschgletscher mit der Situation von heute vergleiche, muss ich feststellen, dass die Veränderung viel schneller und brutaler abgelaufen ist, wie ich mir das damals vorgestellt habe. Heute sind rund 150 Millionen Kubikmeter Gestein in Bewegung. Das ist dreissig mal mehr wie in Bondo. Eigentlich müsste vorsichtshalber das ganze Tal gesperrt werden. Ich denke Brieg ist in grosser Gefahr. Ich habe viele Gletscher gemalt. 2003 auch den Triftgletscher. Hier hat sich in den letzten Jahren ein grosser See mit Schmelzwasser gebildet. Hier genügt ein Gletscherabbruch, um eine Katastrophe auszulösen. 

Mittwoch 23. August: Die letzten tage bin ich ruhig angegangen. das vergangene Wochenende hat viel ausgelöst. Nun bin ich mit meiner Malerei und meinem Farbkonzept beschäftigt. Heute Morgen bin ich vor neun mit Roman Signer verabredet. Wir müssen dringend ein Projekt besprechen. Um 10 Uhr bin ich in der Hauptpost mit Lika Nüssli und Julia Marti verabredet. Wir planen ein Buch. Darauf freue ich mich sehr. 

Sonntag 20. August: Monika und ich sind früh aufgestanden. Wir wollten unbedingt schon um 9 Uhr an der Lukasstrasse sein. Wir erwarteten unsere Ateliergäste nach dem Frühstück um zehn Uhr. Es gab noch einiges zu tun. Die kunstinteressierten Gäste waren sehr neugierig und gut gelaunt. Ich habe eine Einführung gemacht in meine Arbeit und habe aus meinem Leben erzählt. Manchmal wird es mir selber fast unheimlich, wenn sich im Redefluss mein ganzes Leben auffächert. Diese Art von Transparenz - schaffen hat aber immer auch etwas reinigendes. Für mich war es sehr interessant, die erste Führung in meinen neuen Räumen abzuhalten. Die alten Arbeiten, die neue Bibliothek, das Bücherlager und der neue, fast kirchlich anmutende Arbeitsraum haben sich in der Stimmung bewährt. 

Anschliessend sind wir mit dem Reisebus gemeinsam zum Friedhof Feldli gefahren. Meine drei "Menschensäulen" von 1985, die ich damals in über fünf Meter hohe Pappelstämme gehauen habe regten zu langen Diskussionen an. Ein grosses Thema war die Frage nach der "fehlenden" Weiblichkeit. Für mich war immer klar, dass die Figuren männlich und weiblich in Einem sind. Für mich ist diese Arbeit heute wie aus einem anderen Leben geschaffen und doch sind mir die Figuren sehr nah. So nahe, wie ich eben die vergangenen Generationen in mir selber spüre. 

Nach diesem langen und intensiven Sonntagmorgen sind wir nach Teufen gefahren. Ueli Vogt hat uns empfangen vor dem Grubenmann Museum. Hier steht eine eindrücklich schief stehende Eisenplastick von Jürg Altherr. Den mit einem Liniengeflecht bezeichneten Vorplatz konzipierte Christian Kathriner. Ueli Vogt hat uns eine sehr engagierte Einführung in die Aufgaben des Museums und in das Werk von Grubenmann geboten. Das Konzept mit  Dauerausstellungen und immer wieder neuen Ausstellungselementen, die sich zum teil überlagern ist sehr überzeugend und hält das Museum lebendig. Hier spannte sich plötzlich ein Bogen vom Dachstock der Kathedrale, zu meinen Archiv - und Arbeitsräumen im Dachgeschoss an der Lukasstrasse und zu den genial konstruierten Zimmermannsarbeiten der verschiedenen Grubenmann Generationen im Museum in Teufen.

Nach dem Lunch bin ich still und unauffällig in den Reisebus eingestiegen und mitgefahren nach Aarau. Dort war ein Schlussapero geplant beim Stadtmuseum am Schlossplatz. Ich habe dort kurz über meine Arbeit für die Museumsfassade mit den 134 Menschenfiguren gesprochen. Der ganze Platz und die Eingangshalle war total belebt. Der Ort bewährt sich als neuer Stadtraum bestens für Feste aller art. Ich war beglückt und berührt, wie gut dieser neue Platz von den Menschen angenommen wird. Nach einem sehr vielfältigen und durch die vielen Diskussionen anregenden Wochenende bin ich dann ganz alleine mit dem Zug nach St.Gallen zurückgefahren. Ich bin sofort in einen gesunden tiefen Schlaf gefallen.

Samstag 19. August. Um ein Viertel vor elf Uhr war ich bereits auf dem Gallusplatz vor der Kathedrale in St.Gallen. Ich wartete auf die dreissig Gäste vom Aargauer Kunstverein. Otto Grimm, Sabine Trüb und Rolf Lenzin organisieren jedes Jahr eine Überraschungsfahrt für die Mitglieder vom Kunstverein.  In diesem Jahr haben sie St.Gallen ausgewählt und mich für eine Zusammenarbeit eingeladen. Bei mehreren Treffen vor Ort und einem regen Mail - Austausch haben wir gemeinsam ein Programm organisiert. Das Ziel war, unbekannte Orte zu bestimmen, die man bei einem Städtebesuch nicht unbedingt sehen würde. Die Gruppe hatte sich bereits im Hotel Militärkantine eingecheckt. Nun trafen wir uns vor der Kathedrale. Wir besuchten aber nicht den Kirchenraum, sondern den eindrücklichen Dachstock. Der Messmer, ein gebürtiger Peruaner erklärte uns das Dachgebälk, er erläuterte die Sicherheitsmassnahmen, erklärte das komplizierte Uhrwerk und das Glocken - Geläut. Das war wirklich beeindruckend. Anschliessend führte ich die Gruppe zur Talstation vom Müleggbähnli. Hier gibt es ja viel zu erzählen über Kunst im öffentlichen Raum. Anlässlich des Gallusjubiläums wurden in der Steinachschlucht Arbeiten von Maria Eichhorn, Bethan Huws und Norbert Möslang realisiert. Norbert hat in der Mühlenenschlucht mehrere Überwachungskameras installiert, damit ein allfällig auftauchender Bär sofort gesichtet werden könnte. Maria Eichhorn versenkte im Gestein des Flussbettes eine Bronzene Zeitkapsel mit einer Zeichnung, die Gallus und seinen Kollegen Hiltibold beim Fischen darstellt. Die Kapsel sollte in 1400 Jahren durch die Erosion wieder freigelegt sein. Bethan Huws hat eine Neonschrift hoch oben am Brückengewölbe montieren lassen mit dem Satz:" ARTISTS INTERPRET THE WORLD AND THAN WE INTERPRET THE ARTISTS".

Das Gebäude vom Mülegglift ist beschriftet mit dem Namen BANGOR. Eine Metalltafel, weisse Schrift auf blauem Grund wie bei einer Bahnstation. Eine sehr schöne Arbeit der St.Gallerin Michele Thaler, die leider nirgends erwähnt wird. Die "Kunstgelehrten" der Stadt wollten diese Schrifttafel entfernen lassen. Nach lautem Protest durfte dann aber das Werk der unbekannten, regionalen Künstlerin bleiben. Bangor ist die Geburtstadt von Gallus in Irland und lustigerweise ist die Künstlerin Bethan Huws im gleichnamigen Dorf Bangor in Wales aufgewachsen.  Auf diesem Platz gibt es auch eine "Brunnenstube" von Roman Signer. Durch einen Schacht sieht man das herabstürzende Wasser der Steinach. In der Schlucht ist auch noch eine zweite Arbeit von Signer installiert. Aus einer hohen Stahlsäule, spritzt täglich aus fünf Löchern pünktlich um 11.57 Wasser. (Warum immer kurz vor zwölf? - keine Ahnung- Zeit zum Mittagessen?)  Wir spazierten dann durch die Innestadt zum Union Gebäude. Roman Signer hat hier für das elegante Treppenhaus aus den 50er Jahren eine seiner schönsten Arbeiten realisiert. Ein Kajak ist im obersten Stock stehend im Boden eingelassen. Aus dem Kajak tropft regelmässig Wasser durch alle Decken der fünf Stockwerke. Im Erdgeschoss fallen die Tropfen in ein im Boden eingelassenes, flaches, schwarzes und kreisrundes Becken. Unaufhörlich tropft es in regelmässigen Intervallen durch das ganze Treppenhaus. 

Unser Spaziergan führte weiter zum Grabenpärkli zum umstrittenen Fassbrunnen von Roman, zum Broderbrunnen und dann zum roten Platz von Pipi Lotti Rist.

Angela Kuratli und Anna Beck-Wörner, die beiden Copräsidentinnen von visarte - ost haben uns dann im Ausstellungsraum Nextex, im ehemaligen italienischen Konsulat empfangen zum Ausstellungsbesuch, zum Lunch und zu einer anschliessenden Information zur kulturellen Situation in St.Gallen. Das Konsulat ist ja ein gutes Beispiel einer kulturellen Zwischennutzung von einem Abbruchgebäudes.

Ja und dann ging es weiter zur Fotoausstellung von Rico Scaglialo & Michael Meier in der Kunsthalle und zur Filminstallation von Pierre Bismuth "Where ist Rocky II" in der Lockremise. Dann ging es zurück zum Restaurant Militärkantine. Wir hatten uns mit Roman Signer verabredet beim KV Schulhaus in der Kreuzbleiche, vor seinem Werk "Wassertunnel". Nach dieser sehr lustigen und stimmigen Begegnung mit Roman brauchten alle Teilnehmenden eine längere Pause bis zum Apero und dem Nachtessen, bei dem dann auch Monika und Aleksandra und Roman Signer teilgenommen haben. Ein sehr lustiger und gemütlicher4 Abend mit vielen ausgeschmückten geschichten und Anekdoten von Roman.

Der Überraschungsgast beim Nachtessen war die Zeichnerin und Performerin Lika Nüssli. Sie zeichnete den ganzen Abend Stimmungen rund um die anwesenden Gäste und den Mitgliedern vom Kunstverein Argau.  

Freitag 18. August: Heute Nachmittag musste ich den Schlüssel abholen von der Kapelle im Friedhof Feldli. Meine Gäste möchten am Sonntagmorgen meine grosse dreiteilige Figurengruppe anschauen. Ich war schon lange nicht mehr an diesem Ort. Ich habe anschliessend einen kleinen Rundgang durch den Friedhof gemacht. Am Abend haben wir die Eröffnung der Ausstellung von Ueli Alder in der Galerie Paul Hafner besucht. Der Appenzeller zeigt Naturfotos aus der realen und aus der digitalen Welt. Die Bilder sind nicht mehr zu verorten. Vor zwei Tagen habe ich einen spannenden Artikel von Daniele Muscionico in der NZZ gelesen. "Das Ende einer Kunstgattung. Die Fotografie versinkt im Massengrab. Wer heute noch glaubt, eine Fotografie erzähle Wahrheit, ist ein Exot. Die Fotografie ist die Krankheit, für deren Therapie sie sich hält." In den 80er Jahren wurde endlich Fotografie als wichtiges künstlerisches Medium und als Kunstgattung anerkannt. Fotokünstler erreichten Millionenpreise auf dem Kunstmarkt. Nun scheint sich diese Kunstgattung selber abzuschaffen. Daniele Muscionico stellt in ihrem Artikel die interessante Frage, ob es heute überhaupt noch möglich ist, die Urheberschaft eines fotografischen Werks zu schützen. "Persönlichkeits- und Urheberrechte werden ausser Kraft gesetzt." Auf Instagramm sind seit 2010 rund 40 Milliarden Bilder veröffentlicht worden... täglich kommen 95 Millionen neue Bilder dazu.

Nach der vermeintlich "urigen Welt vom Ueli aus dem Appenzell" haben wir uns ein Stockwerk tiefer die Ausstellung von Rico Scagliola & Michael Meier in der Kunsthalle St.Gallen angeschaut. Die jungen Fotografen zeigen grossformatige Fotos. Städtische Szenen mit anonymen Menschen. Alltagsszenen beim Warten, Einkaufen, Ausruhen, Essen, Trinken, Gehen und Stehen. Ich habe vor ca. 25 Jahren in der Kunsthalle eine Ausstellung mit Beat Sreuli kuratiert. Sein Blick war/ist näher beim Menschen, direkter, persönlicher, im schlimmsten Fall diffamierend und entblössend. Es ist sehr interessant zu sehen, wie sich das öffentliche, städtische Leben in 25 Jahren verändert hat. Stadt ist immer und überall. Entweder im Realen leben oder als empfangene Bilder - Botschaft auf dem Smartfon. Auswechselbar, schnell, dicht, anonym und multikulturell. Was wir heute als Abbild der Zeit sehen ist erschreckend entmenschlicht. Wir erkennen niemanden und werden auch nicht erkannt. Wir sind im künstlerischen Sinn vom Klacks  (Klecks) zum Klick mutiert.

Zur Ausstellung ist ein schönes Fotobuch in der Edition Patrick Frey erschienen. Wenn alle Personen die in diesem Buch abgebildet sind ein Buch kaufen würden wäre das Werk sehr schnell vergriffen. 99 Prozent der Abgebildeten werden aber dieses Buch gar nie sehen, weil sie erstens nichts von ihrem "Glück" wissen und weil sie zweitens nie in einem der raren Kunstbuchläden nach diesem Buch suchen werden. Genauso wie ein Sonnenuntergang, der ja auch keine Sonnenuntergänge in Buchform sammelt.

Wir sind früh nach Hause gegangen und wurden total verregnet. Wirklich platschnass. 

Donnerstag 17. August: Heute erwartete ich in meinen neuen Räumen an der Lukasstrasse den Liftmonteur. Ich nutzte die Wartezeit für das Heraussägen und Formen einer unvollendeten Holzarbeit und für das Umplatzieren von einigen Skulpturen und Bildern. 

Mittwoch 16. August: Die letzten Wochen arbeite ich intensiv an einem Farbkonzept. Dabei hilft mir meine Malerei, die mich richtig weiter treibt.  Ich liebe es, tagelang Farben zu mischen und auf ihre Wirkung zu überprüfen. Am Nachmittag hatte ich eine Besprechung mit Jaqueline Baum und Ursula Jakob im Bahnhof Zürich. Wir planen ein Buchprojekt. Ich bin begeistert über die Weiterentwicklung. In den letzten Monaten ist viel passiert und der Buchinhalt hat sich geklärt. Im Oktober müsste alles fertig sein.

Dienstag 15. August: In den letzten zwei Tagen habe ich in meinen neuen Räumen alles vorbereitet. Ich erwarte am Wochenende Atelierbesuch. Monika hat mir geholfen, mein grosses Wassertryptichon vom Necker aufzubauen. Die drei je zwei mal drei Meter grossen Bilder kann ich nicht alleine bewegen. Ich habe Glück gehabt. Die Bilder sind zu gross für die normalen Türen. Diagonal haben sie aber Platz im Warenlift. Ich habe dazu noch mein "Birkenwäldchen" und eine neue Serie von Malereinen meines Biotops installiert. Nun bin ich bereit für meine Gäste.

Sonntag 13. August: Heute Morgen wollten wir die Ausstellung von Karl Fürer im Schloss Dottenwil in Wittenbach besuchen. Wir brauchten aber viel zeit um das Schloss zu finden. Karl hat alle Wände mit Aktzeichnungen behängt. Bei mir hat das viele Erinnerungen ausgelöst. In den 70er Jahren ging ich oft ins Zeichnen, zusammen mit älteren Herren aus der GSMBA. Legendär ist das Modell Ingeborg. Sie wollte mindestens einmal im Jahr mit dem "Tütü" auftreten. das etwas zu enge und ziemlich verstaubte Balletkleidchen löste aber bei den Aktzeichnern gar keine Freude aus.  Nach diesem Ausflug in vergangene Zeiten fuhren wir ins Rheintal mit dem Ziel Dornbirn. Ich bin zwar im St.Galler Rheintal aufgewachsen aber nach Dornbirn habe ich es noch nie geschafft. Ich habe immer wieder Besprechungen gelesen von Ausstellungs, die im Kunstraum stattgefunden haben. Heute konnten wir uns endlich überwinden zu einem Ausflug, um die Ausstellung von Hans Op de Beeck, "The Pond Room" anzuschauen. Eine raumfüllende Installation mit einem grossen Seerosenteich aus Beton, viel Kies, künstlichen Bäumchen, rundherum graue, gegossenen Sofas und ein Werkzeugschuppen, in dem ein Film des Künstlers gezeigt wird - im Stil: "mit so wenig Mitteln kann man Natur künstlich herstellen...  Die Ausstellung ist  Filmreif inszeniert. Kulissenhaft und künstlich. Für mich geht das unter steinerner Kitsch. Die Industriegebäude im Park sind sehr zweckmäßig und schön renoviert. das Naturmuseum ist sehr gut gemacht. Wir haben kein Kunstbuch sondern einen Wanderführer der Vorarlberger Alpen und ein Bio-Gartenbuch gekauft. Bei uns wird im Garten gemulcht und nicht betoniert.

Anschliessend ein Spaziergang durch die Altstadt und ein sehr gutes Softeis vom Italiener. das hat sich wirklich gelohnt.

Wir sind dann bei Balgach über den Berg gefahren, nach Heiden und dann nach Trogen. Einige Kolleginnen zeigten im Park des Herrschaftshauses von Johann Conrad Honnerlag ihre Textilen, ihren Schmuck oder sich selbst etc. Eine exklusive Gesellschaft aus Alt Hippies, sympatischen, berühmten und verblassenden Individualisten. Die Ausstellung im prächtigen Garten erinnerte mich an die Filme von Rosamunde Pilcher. 

Samstag 12. August: Heute war ein ruhiger Aufräum-Tag angesagt. Lesen, schreiben und ernten. Gestern Abend hatten wir unsere Nachbaren, die Familie Lulli zu Gast mit dem frisch verheirateten Pieter und seiner Betina. Monika und Ruth haben am Nachmittag Apero - Gerichte vorbereitet. Der Abend war sehr gemütlich und unterhaltsam. Wir haben berichtet, wie wir vor fast 30 Jahren hierher gezogen sind. Es gab viele lustige Episoden zu erzählen, die wir in dieser langen Zeit mit Oskar und Loni, mit Franz und Rosmarie, Marion, Mathias und Cecilie, mit unseren ersten Mietern Christine, Peter und ihren Kindern und mit der verstorbenen "Igelmutter" Frau Lehner und ihren dauernd bellenden Hunden erlebt haben. Mir ist wieder einmal bewusst geworden wie viele Geschichten und Veränderungen ein Quartier in einem Lebensabschnitt generieren kann.  

Zu guter Letzt habe ich mir dann noch einen Krimi mit Komissar Wallander angeschaut. 

Freitag 11. August: Heute war es höchste Zeit, die geplante SWIPS Präsentation anlässlich der Museumsnacht vom 9. September vorzubereiten. Ich habe alle beteiligten Verlage angeschrieben, damit die Bücher für den Büchertisch bestellt werden können. Im Raum für Literatur in der Bibliothek in der Hauptpost werden wir von 18 Uhr bis 24 Uhr fünf Lesungen und Gespräche durchführen. Es gibt noch einiges zu tun. 

Donnerstag 10. August: Gestern Abend gab es eine Besprechung für ein spannendes Buchprojekt von Roland Dostal. Ich kenne den Künstler seit den neunziger Jahren. Dorothea Strauss hat damals eine Einzelausstellung in der Kunsthalle St.Gallen kuratiert. Nun bereitet er eine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier vor , die im Oktober im Kunstraum Kreuzlingen stattfinden wird.

Mittwoch 9. August: Heute habe ich meine Arbeit unterbrochen um Caro Niederer in  ihrem Zürcher Atelier zu besuchen. Sie hat mich für ein Ausstellungsprojekt eingeladen. Nach dem besuch bin ich im strömenden regen zur Bushaltestelle gelaufen. Erfrischend und reinigend zugleich.

Dienstag 8. August: Heute habe ich Caro Niederer in ihrem Atelier in Zürich besucht. Sie bereitet eine grosse, stetig wachsende und fast ein Jahr dauernde Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen vor und hat mich zu einer Besprechung eingeladen.  

Sonntag 6. August: Die Woche nach den Ferien war schnell vorbei. Es gab viel nachzulesen, zu ordnen und aufzuarbeiten. Ich habe es sehr genossen, nach zwei Wochen mein neues Lager, das Atelier und meine Bibliothek zu besuchen. Dabei konnte ich die neue Lagerordnung vom Vexer Verlag testen. Nach meiner von Hand gezeichneten und beschrifteten Skizze konnte ich wirklich alle Titel ausfindig machen. Am Abend bin ich dann mit meinem schweren, mit Büchern gefüllten Rollkoffer nach Hause spaziert und habe alle aktuellen Bestellungen erledigt. 

In dieser Woche konnte ich mich auch in aller Ruhe mit der Weiterentwicklung von meiner Biotop - Bilderserie beschäftigen. Ich staune immer wieder wie unterschiedlich sich diese zwei "Tümpel" entwickeln und wie sie dauernd neue Ansichten für meine Bilder bieten. Als Höhepunkt konnte ich heute bei guten Freunden eine fünfteilige Bilderserie hängen und das gelungene  Resultat bei einem feinen Essen gemeinsam feiern.

Samstag 5. August: Heute sind wir nach Kriessern gefahren zur Beerdigung und Verabschiedung von Siegfried Lüchinger. Er hat die letzten zwei jahre im Altersheim Feldhof in Oberriet verbracht, wo ich aufgewachsen bin. Ich kannte den Onkel von Monika und seine Familie seit Mitte der 70'er Jahre. Es war sehr berührend, die ganze Familie nach so langer Zeit, anlässlich dieses Abschied - Rituals versammelt zu sehen.

Montag 31. Juli: Unser Garten gedeiht prächtig. Die drei Kürbis - Pflanzen breiten sich aus wie ein riesiger, alles umschlingender Krake. Die einzelnen Schösslinge wachsen ungebremst in alle Richtungen. Die Stangenbohnen ergeben Erträge, die bis in den Winter hinein reichen werden.

Sonntag 30. Juli: Nun sind wir schon wieder auf der Heimreise. Die zwei Wochen im Piemont haben wir sehr genossen. Ich habe am Abend immer im Freien direkt auf der Feuerstelle gekocht. Frisches Gemüse vom Grill in allen Varianten. Zucchinis, Tomaten, Zwiebeln, Kürbis, Kartoffeln, Randen, Gurken  und viele Kräuter direkt aus dem Biogarten. Für das Zubereiten der Gerichte hatte ich auch drei Taginen zur Verfügung. Das waren richtige Festessen. Am Freitagabend besuchten wir ein unterhaltsames Konzert in der Villa Nigra in Miasino in einem historischen Innenhof eines Palazzos, umgeben von einem schönen Park. Inmitten der lokalen Prominenz genossen wir Stücke von Offenbach, Rossini, Mozart, Verdi und Bizet, die mit grosser Leidenschaft vorgetragen wurden. In der Pause offerierten regionale Produzenten Käse, Wurst und Wein. 

Ja und jetzt fahren wir bereits wieder nach Hause. Auf dem Heimweg besuchen wir Kollegen im Rheintal, um die bestellten 18 Kilo Biotomaten abzuholen an einem wunderschönen, paradiesischen Ort, mitten  in den Rebbergen oberhalb von Altstätten. 

Mittwoch 19. Juli: Heute Abend erlebten wir ein beeindruckendes Konzert in der Chiesa di S. Maria Assunta in Orta San Giulio. Der italienische Pianist Allessandro Taverna spielte auf einem riesigen Flügel das Piano Recital von Chopin. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der zweiten Hälfte des Konzerts zog ein heftiges Gewitter über den Ort. Die grossen Hagelkörner prasselten mit voller Wucht an die Kirchentüre und bei den Seiteneingängen floss das Regenwasser herein. Die Stimmung hatte etwas Klaustrophobisches.

Nach dem Konzert war es sehr ruhig im historischen Städtchen Orta. Die Strassen waren bedeckt mit Hagelkörnern und zerstückeltem Laub. Auf dem Weg lag unter Anderem auch ein grosser, zerfetzter Raubvogel, der wahrscheinlich vom Blitz getroffen worden war.  

Donnerstag 20. Juli: In der ersten Ferienwoche arbeitete ich ziemlich viel mit der Motorsäge. Ich habe als erstes den steilen Hang unter unserem Steinhaus gemäht, die Bäume und das Gebüsch gerodet und  die Terrassierung des Geländes freigelegt. Hier wächst alles so schnell. Junge Kastanienbäume schissen in einigen Jahren rund zehn Meter in die Höhe. Nun haben wir wieder freie Sicht auf die umliegenden Dörfer auf der anderen Seeseite. Zusammen mit Monika habe ich auch einen schönen Arena-artigen Platz frisch herausgeholzt und von der dicken Laubschicht befreit. Vor ein paar Jahren schnitt ich eine kleine "Venus" in einen Kiefer-stamm für diesen Platz. Da der Baumstamm umzukippen drohte habe ich ihn nun verkleinert und die "Venus" an einem neuen Ort fest mit Mörtel auf einer Steinmauer verankert. 

Sonntag 16. Juli: Gestern waren wir zu Gast bei Freunden in Trogen mit einem wunderbaren Essen und langen Gesprächen. Dass wurde eine sehr lange und lustige Nacht. Den wunderbaren Wein musste ich mir beschreiben lassen - ich trinke ja schon seit längerer Zeit keinen Alkohol. Ich lasse mir jeweils einfach das Wasser auf der Zunge zergehen. Herrlich - und darum war ich heute morgen trotz wenig Schlaf sehr fit für unsere Fahrt nach Italien. 

Samstag 15. Juli: Das war eine intensive Woche. Der Ferienbeginn der Anderen bringt für mich auch immer Ruhe in mein System. Ich nutzte die Zeit um meine neuen Bilder weiter zu bearbeiten und neue Buchprojekte vorzubereiten. Im Moment tut sich sehr viel auf unterschiedlichen Ebenen. Kommende Ausstellungsprojekte, Kunst am Bau Studien und vielversprechende Buchkonzepte. Das wird sicher ein dichter Herbst mit viel spannender Konzeptarbeit.

Sonntag 9. Juli: Nach einem frühen Bad im See, bei leichtem Regen, genossen wir das anschliessende Frühstück. Am Nachmittag fuhren wir nach Kriens. Ich wollte mir unbedingt einmal das Museum im Bellpark anschauen. Hilar Stalder macht ein spannendes Programm. Ein schönes Haus in einem grossen Park mit einem alten Baumbestand. Mammutbäume, Buchen, Eichen, Ulmen etc. Als Hauptausstellung wird die Malerei von Emil Michael Klein präsentiert und im obersten Stockwerk ist eine Dokumentation über den FC Kriens zu sehen. Dieser Museumsbesuch war für mich überfällig aber die präsentierte Malerei kann ich nun wirklich nicht als den grossen Sommerhit empfehlen. Die Malerei hinterließ bei mir den Eindruck von Fahren mit angezogener Handbremse, Rauch und Gummi. Der dann folgende Stau auf der Autobahn und die empfohlene Umleitung durch Zürich hat die Stimmung auch nicht aufgeheitert.  

Samstag 8. Juli: Wir sind früh aufgestanden. Nach dem Kaffee holten wir die Motorsäge im Atelier und alles, was zu einem Baumfäller - Wochenende dazugehört. Wir fuhren nach Eggerswil am Sempachersee. Ich wollte dort, vor dem Haus von Hugo schon lange eine verdorrte Birke fällen. Es kam aber immer wieder etwas dazwischen. Nun liegt das Holz zersägt bereit und muss nur noch zu Scheitern verarbeitet werden. Wir haben ein sehr schönes Wochenende am See verbracht. Am Abend haben wir mit dem Kleinholz der gefällten Birke ein eindrückliches Feuer gemacht in einer wunderbaren Vollmondnacht.

Freitag 7. Juli: Am Abend waren wir eingeladen ins Badehüsli von Elsbeth und Hansruedi in Arbon zu einem feinen Spagettiessen. Ich kam bei dieser Gelegenheit in diesem Jahr zu meinem ersten Bad im Bodensee. Ein wunderschöner vor - Vollmond Abend.  

Donnerstag 6. Juli: Am Nachmittag hat Anna -Tina Eberhard meine neue Bilderserie fotografiert. Stefan Rohner hat das sicher 20 Jahre lang für mich gemacht. Nun möchte er sich 100 Prozent auf seine eigene künstlerische Arbeit konzentrieren.

Mittwoch 5. Juli: In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit Farbe und Licht auseinandergesetzt. Ich ordnete alle farbigen Glas Muster und und reihte sie auf. Nun geht es darum möglichst viele Zwischentöne zu bestimmen und eine Auswahl zu treffen. Für diese Arbeit suchte ich verschiedene theoretische Farblehren. Ich hoffe, dass vor meiner Reise ins Piemont alle Fachbücher geliefert werden. Mein Ziel ist es, im Sommer, ohne Internet und Telefon, in aller Ruhe an meinem Konzept zu arbeiten. 

Sonntag 2. Juli: Gestern Abend nach der Vernissage von Lutz&Guggisberg sind wir gemeinsam essen gegangen, irgendwo in der Nähe zur französischen Grenze neben einem schwarzen Torfsee. Es hat geregnet und wir mussten uns die wunderschöne Natur beschreiben lassen. Ein richtig schöner Abend in einer  anregenden Gesellschaft. Übernachtet haben wir dann im Gästezimmer vom Käsemuseum von Bellelay. Ein riesiges Zimmer der anderen Art. An einer Wand standen drei uralte Holzbetten in einer Reihe, wie eine Vergrösserung aus dem Märchen die sieben Zwerge. Wir waren ganz alleine in diesem historischen Gebäude. Am Morgen in de Früh war es kalt und regnerisch. Im grossen Hof der Reitställe fuhren Rang Rover und Vans mit Anhängern auf. Draussen bauten Marktfahrer Stände auf mit geschnitzten Brunnentröglein, Pferdezubehör, selbst gebasteltem und gebackenem Krimskrams. Zum Sonntags Frühstück trafen wir uns mit den Vernissagegästen im Cafe der Klinik Bellelay.  

Am Mittag fuhren wir nach Biel. Wir haben uns im Centre Pasquart die Ausstellungen von Rachel Lumsden und von Marie José Burki angeschaut. Wir waren die ersten Besucher und es war wohltuend wieder einmal reine Malerei zu geniessen. Ich habe noch nie eine so umfassende Ausstellung von Rachel gesehen. Sie lebt und arbeitet seit vielen Jahren in St.Gallen. In ihrer Malerei nimmt sie Bezug auf wichtige Positionen der Kunstgeschichte und verwebt das malerische Gedächtnis mit der Aktualität. Ein verspielter Umgang mit Farben und Fakten, die sich dann in kultivierter und ab und zu explodierender Malerei Raum verschaffen. Farbexplosionen um den Kopf der Künstlerin zu befreien und die Köpfe der Betrachter natürlich auch. 

Am Nachmittag nahmen wir im Centre Pasquart teil am Gespräch von Felicity Lunn mit Marie José Burki. Eine feine Inszenierung, nahe am Leben. Empfinden und Wahrnehmen von Eigenem und Fremdem, das ja auch immer in uns Platz einnimmt. Die grosse Robert Walser Arbeit mit nebelverhangenen Bieler - Landschaften knüpfte für mich einen engen Bezug zur Ostschweiz. Der schleierhafte Bieler Nebel verdichtete sich dann für Walser in Herisau zu frostigem Eis und Schnee. Im öffentlichen Diskurs präsentierte sich Marie José Burki als resolute, kompromisslose und hart argumentierende Künstlerin. Im persönlichen Gespräch erlebte ich sie dann als höchst sensibel und feinfühlig empfindendes Wesen.  

Samstag 1. Juli: Am Mittag sind wir losgefahren nach Bellelay, zur Buchvernissage von Lutz&Guggisberg. Die Publikation wurde von Selina Bütler gestaltet und ist im Vexer Verlag erschienen. Das Resultat macht uns wirklich glücklich. Das Künstlerduo hat eine sehr intensive Ausstellung eingerichtet. Der ganze barocke Glanz der ehemaligen Kirche wurde mit einfachen künstlerischen Mitteln neutralisiert. Eine verwinkelte räumliche Verbauung durch schäbige Stellwände gliedert den Kirchenraum neu und bietet viele Schauplätze für die über eintausend kleinen Tonobjekte. Verschiedene Videos zeigen den schöpferischen Entstehungsprozess der Figuren. Über dem ganzen Geschehen läuft ein Film auf acht Metern Höhe. Als kleiner Wicht - und Kunstbetrachter  sieht man die Schöpferhand am Kneten und Formen einer Hand aus Ton. Intensiv, witzig und doch voller Ernst zeigt die Installation einen unaufhörlichen Strom aus Figuren und Möbeln, die sich einem unbekannten Ziel zubewegen. Monika fühlte sich an das Buch "Feuer" erinnert, das vor einigen Jahren im Verbrecher Verlag Berlin erschienen ist.

„Feuer“, Chaim Nolls neuester Roman, beschreibt eine Gruppe verschiedener Menschen, die nach einer Katastrophe zusammenfindet. Sie werden durch das Unglück nicht zusammengeschweißt – es gibt Missgunst, Hinterhältigkeiten, Drohungen. Dennoch müssen sie sich gemeinsam auf den Weg machen, um aus dem Katastrophengebiet herauszukommen, Rettung scheint nicht in Sicht, die Medien schweigen.

Ungemein spannend schildert Chaim Noll den Weg dieser Gruppe durch eine Gefahrenzone, zugleich bietet ihm das Thema die Möglichkeit, unsere heutige Medienwelt und das Miteinander der Menschen zu hinterfragen. „Feuer“ ist ein ebenso kluger wie mitreißender Roman, den die Leserinnen und Leser so schnell nicht wieder aus der Hand legen werden. 

Freitag 30. Juni: Am Mittag sind die neuen Publikationen geliefert worden von der Ausstellung von Lutz & Guggisberg" la grande invasion des peuples et des meubles" in der Fondation de l'Abbatiale de Bellelay. Die Publikation ist sehr schön geworden. Gestaltet wurde das Heft von Selina Bütler. Ich freue mich auf die Buchpremiere am Samstag.

Am Abend waren wir eingeladen bei Lika Nüssli und Herbert Weber. Beim wunderbaren veganen Essen und den spannenden Geschichten fühlte ich mich sehr wohl. In unserer Region entsteht so viel gute Kunst die man in unseren Institutionen nicht sieht. Manchmal frage ich mich, wofür ich vor dreissig Jahren, bei der Gründung der Kunsthalle, zusammen  mit vielen kreativen Menschen gekämpft habe. Unser Anliegen war immer ein emanzipiertes Miteinander von künstlerischen Positionen. Wir wollten immer regionale, nationale und internationale Kunst im Dialog präsentieren und diskutieren. Im Kunstmuseum und in der Kunsthalle gibt es zwar immer wieder spannende Ausstellungen aber der Bezug zu interessanten künstlerischen Positionen aus der Region ist erschreckend mager. Wir haben immer dafür gekämpft, dass die Stadt und der Kanton Leistungsverträge mit den Kulturinstitutionen erarbeitet, die garantieren, dass die Kulturgelder auch für die regionale Kunst eingesetzt wird. Eben im Dialog mit nationalen und internationalen künstlerischen Entwicklungen. Die Provinz hat nur dann eine Chance wenn sie sich selber und ihre Kulturschaffenden ernst nimmt.

Mittwoch 28. Juni: Am Montag und Dienstag war ich an der Retraite von visarte Schweiz in Wasserfallen, Baselland. Wir hatten mit dem Zentralvorstand zwei intensive Tage mit reflektieren, diskutieren und zuhören.  

Am Dienstag gegen Abend bin ich nach St.Gallen zurückgefahren. Ich habe es geschafft, noch rechtzeitig zum Galadiner in der Kunsthalle einzutreffen. Das ist immer ein sehr interessanter Anlass mit vielen kunstinteressierten und engagierten Gönnerinnen und Gönnern der Kunsthalle. 

Sonntag 25. Juni: Monika und ich sind gemeinsam mit Carole Forster nach Thusis gefahren zu Lilly Keller. Das war ein sehr schöner Nachmittag, mitten im üppigen Garten von Lilly, bei Kaffee und Kuchen und guten Gesprächen. Ich staune immer wieder über die ungebrochene Schaffenskraft von Lilly. Auf der Rückfahrt haben wir in Kriessern  Halt gemacht für ein Bad im Baggersee. da sind bei mir viele alte Erinnerungen hochgekommen. Das Wasser hatte fast Körpertemperatur. Für mich eindeutig zu warm. Bei uns zu Hause haben wir dann ein unkompliziertes Nachtessen zubereitet mit viel Gemüse, frischen Ofenkartoffeln und Bratwurst vom Grill. 

Samstag 24. Juni: Am Nachmitttag fand in der Olmahalle 9 die Generalversammlung von Pro Litteris statt. Fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre als St.Galler,  eine kurze Rede zur Begrüssung zu machen. Mich hat es sehr gefreut, dass sich in der Olmahalle rund fünfhundert Journalisten, Künstlerinnen und Verleger aus der ganzen Schweiz für eine Versammlung eingefunden hatten. Gestaunt habe ich, dass dieser Anlass in den Medien null Beachtung gefunden hat. Marie José Burki  wurde mit dem Pro Litteris Preis gewürdigt. Felicitie Lunn vom centre pasquart hielt eine sehr ausführliche Laudatio. 

Freitag 23. Juni: Es gibt viele Pendenzen. Archiv aufbereiten, Fotos sichten, Ausstellungen vorbereiten etc. Am Abend waren wir eingeladen im Restaurant Militärkantine zum Geburtstagsfest von Gabriela Tschan. Nach dem feinen Essen haben Monika und ich ausgiebig getanzt. Das hat richtig Spaß gemacht. 

Donnerstag 22. Juni: Gestern war ich am Abend in Zürich für eine SWIPS Sitzung beim Union Verlag. Für mich ist das immer ein spannender Austausch mit vielen unabhängigen Schweizer Verlagen.  

Mittwoch 21. Juni: In Chur ist einiges los. Stefan Kunz wurde als Museumsdirektor degradiert zum ersten Kurator und die Museumsmitarbeiterin Nicole Seeberger wurde zur Dirktorin ad Interim ernannt. Nach lauten Protesten der Kulturszene wurde die Entscheidung durch Regierungsrat Jäger wieder sistiert. Der Regierungsrat sagte aber auch, dass das nicht heisse, dass Stefan Kunz nun wieder Direktor sei. In der Zwischenzeit wurden die beiden krankgeschrieben und das Bündner Kunstmuseum ist führungslos. Es ist jammerschade, dass diese grossartige Institution mit dem gelungenen Neubau und der renovierten Villa in ein paar Tagen wieder so provinziell und klein gemacht worden ist. Das ist verantwortungslos und skandalös. In der Zwischenzeit haben bereits rund zweitausend Kulturinteressierte  eine Petition unterzeichnet die verlangt, dass Stefan Kunz wieder als Direktor eingesetzt wird. Dieser Fall zeigt einmal mehr, dass es nicht reicht, sich als Standortgemeinde oder als Kanton, einen schönen Neubau finazieren zu lassen. Für ein atraktives Kunstmuseum müssen auch die für den Betrieb notwendigen Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.

Dienstag 20. Juni: Um 11.30 Uhr hatte ich einen Termin bei Theresa. Bio balance par exelance. Meine rechte Schulter hing fünf Zentimeter tiefer wie die linke, wer weiss warum. Ich befand mich also in einer echt prekären Schräglage. Nach einer Stunde sass ich dann leicht nach links gebeugt auf meinem Fahrrad und pfiff leise Weisen vor mich hin.

Montag 19. Juni: Am Morgen bin ich zeitig nach Zürich gefahren für eine Buchbesprechung und für eine Sitzung bei visarte.

Sonntag 18. Juni: Am Vormittag erledigte ich alle Bestellungen die ich nach der Messe "I Never Read" zu erledigen hatte. Claudia hat mich und Vanja dann um 15.30 Uhr abgeholt für ein Familientreffen in Kriessern. Ein wunderbarer Nachmittag im sehr schön gestalteten und gepflegten Garten von Ruth und Andre. Monika kam mit grosser Verspätung zurück aus Agrano.

Samstag 17. Juni: Gestern und heute stand ich vorwiegend an meinem Büchertisch. Ich hatte sehr viele Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern und konnte viele positive Rückmeldungen zur Arbeit von visarte entgegen nehmen. Ab Mittag hat mich Vanja unterstützt und ich konnte mir zwei Stunden lang alle interessanten Verlagsprogramme anschauen. Ich habe viel verkauft, gekauft und getauscht. Der grosse Hit war das kleine Buch von Joelle Lehman: "100 things stohlen by my father", das ich 2014 im Vexer Verlag herausgegeben habe. Eine Verlegerin aus Kolumbien war hin und weg und ein Editeur aus Portugal mit dem Verlagsnamen "stohlen books" war kaum mehr zu halten... für die Fanschals von Till Velten war es eindeutig zu heiss und die Bücher von Urs Burki muss ich alle per Post nachsenden wegen den Gewichtslimiten beim Handgepäck.

Für mich war die Messe sehr anstrengend aber ein grosser Erfolg. Ich habe Thomas Geiger vom Pezold Verlag aus Wien wieder einmal gesehen und viele junge Verleger und Verlegerinnen kennengelernt. Die Messe hat pulsiert durch viele junge und hoch motivierte Künstlerinnen, Gestalter und interessierte Sammler. Insgesamt erlebte ich super Tage in Basel mit vielen tollen Begegnungen. Schade war, dass ich am Freitagabend das Tanzbein nicht schwingen konnte. Ian Anüll hat im Unternehmen Mitte aufgelegt. Ich war einfach fix und fertig und musste auf die Pritsche.

Freitag 16. Juni: Ich bin früh aufgestanden und wollte mir die "Liste" anschauen. Zu Fuss bin ich eine halbe Stunde Rheinaufwärts spaziert. Um elf war die alternative Messe aber noch nicht geöffnet. Ich bin dann eine Viertelstunde weiter dem Rhein entlang zum Tinguely Museum gewandert und habe mir die Ausstellung von Wim Delvoye mit seinen Verdauungsmaschinen angeschaut. Die Aussage des Künstlers, dass wir alle zwischen Urin und Kot geboren wurden stimmt natürlich. Irgendwie wehte aber so ein HR Giger Groove durch die Räume. Für mich ist der Schalk und der schwarze Humor von Tinguely etwas untergegangen. Ich habe Jean Tinguely in den 80er Jahren zusammen mit Pierre Keller in Fribourg besucht. Ich war damals sehr stolz weil Jean meine dreiteilige Skulptur lobte, die ich 1985 für die Abdankungskappelle im Friedhof Feldli in St.Gallen gemacht hatte. Er hatte gerade den Artikel im Kunst-Bulletin gelesen.  

Donnerstag 15. Juni: Am Morgen habe ich mir die Swiss Art Avards von Kunst und Design angeschaut. Für mich hat alles etwas zu ordentlich ausgeschaut. Wenig archaisches und nichts anarchisches. Durchgehend ein sehr hohes Niveau der Arbeiten aber keine wirklichen Überraschungen. Luigi Archetti hat für meine Begriffe etwas zu viele Arbeiten gezeigt. Die tolle Zeichnungsserie und sein Musikvideo hätten mir genügt. Im Film ist er mit einem Gerät wie mit einem Laubbläser durch die Gegend gekurft und hat dabei eindrückliche Geräusche produziert.  Er hat mir dann später erzählt, dass die Töne durch die Bodenunebenheiten erzeugt wurden. Kein Metall-, sondern ein Tondedektor. Marianne Müller hat auch eine sehr schöne Arbeit installiert. Ein weisser Vorhang, der sich wie von einer Zauberhand, dem Raum entlang bewegt. Beide "Oldis" wurden leider von der Kunstkommission nicht belohnt.

Mittwoch 14. Juni: Grosse Aufregung vor der Fahrt nach Basel. Bücher packen, Akus laden, passende Kleider suchen und noch schnell alle Post erledigen. Immer wenn ich verreise, kommen im letzten Moment noch Bestellungen für den Vexer Verlag. Heute Morgen musste ich noch Büchernachschub holen im Lager. Das alles mit meinem "Firmenfahrzeug". Ein altes, schwarzes Fahrrad der Marke Titan, mit Anhänger...

Ich habe es dann geschafft auf den 13.12 Uhr Zug. In Zürich musste ich mit meinem schweren Gepäck umsteigen und habe etwas vor mich hingeflucht, mehr gemurmelt, man will sich ja keine Blösse geben... In Basel bin ich direkt zur Kaserne gefahren und habe meinen Bücherstand eingerichtet. Die zwei grossen Bücherpakete, die ich vorausgeschickt hatte lagen schon bereit. Tief durchatmen, alle Bücher ordnen, warten und geniessen.  Eine sehr gut besuchte Eröffnung der Messe "I Never Read". Dann um halb elf zu Esther und Max, die mir für die tage eine Schlafmöglichkeit bieten. Dort wurde ich gleich mit einer wunderbaren Pasta verköstigt.

Dienstag 13. Juni: Grosse Aufregung im Haus. Ich muss alle Bücher vorbereiten für die Messe in Basel. Einen Teil habe ich schon per Post abgeschickt. Dann gibt es viel zu tun im Garten. In diesem jahr habe ich grosse Mühe mit den Stangenbohnen. Irgend ein Tier klaut mir die keimenden jungen Bohnen. Elstern? Igel? das soeben gesichtete rotbraune Eichhörnchen oder die nachtaktive Spitzmaus? Was für ein Schmaus muss das sein. Nun keimen und wachsen aber an allen vorbereiteten Stangen genügend Bohnen. In diesem Jahr habe ich sehr viel Kompost verteilt. Nun wachsen an den unmöglichsten Stellen Gurken, Kürbisse und Zucchinis. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch male. Das ganze Naturzeugs wächst ja viel unangestrengter im Garten wie auf meinen Bildern.

Montag 12. Juni: Ein aufregender Morgen. Um neun Uhr brachte die Druckerei Niedermann die ersten vierzig Publikationen von Vera, "Sprache vermittelt Eindrücke" an der Brauerstrasse vorbei. Ich war schon lange sehr gespannt auf diese Publikation. Ich habe sofort zwei Pakete gemacht und nach Berlin geschickt. Vera hat eine Präsentation geplant auf Samstag 24. Juni ab 19 Uhr. Die Bücher müssen also so schnell wie möglich nach Berlin. Ein grosses Paket habe ich für Natalia Huser vorbereitet. Sie hat für die neue Publikation ein wirklich spannendes Gespräch mit Vera geführt zum Thema Malerei. Natalia und Flurina werden im Handgepäck eine Anzahl Bücher nach Berlin transportieren. So müsste eigentlich alles klappen. Mit Postpaketen ist es in Berlin immer sehr schwierig. Oft landen die dann nach zwei Wochen wieder bei mir in St.Gallen.

Sonntag 11. Juni: Das Frühstück im Löwen war etwas schwierig. Die sehr nette und sehr junge Bedienung war total überfordert. Die Frau eines Kollegen hat dann in der Dorfbäckerei einen grossen, frischen Zopf gekauft. Ein anderer hat sich um die Eier gekümmert, Monika hat im Flur die Kaffeemaschine bedient etc. So richtig familiär.

Ian hat dann um halb Zehn auf Wunsch von Monika eine Führung durch die Ausstellung angeboten. Das war sehr hilfreich. Viele Werke sind durch den künstlerischen Entdecker - Geist, durch Zufall oder in Kooperation mit Freunden entstanden. Das Leben und das Erlebte als Gesamtkunstwerk. Einfach grossartig und konsequent.

Am Mittag fuhren wir nach Ermatingen am Bodensee für eine Geburtstagsfeier. Dort haben wir erfahren, dass unsere Freundin erkrankt ist. Wir freuten uns dann über das Schwanenpaar, das am Seeufer vehement sein Nest verteidigte. Da war nix mit Schwimmen.

Wir sind dann nach St.Gallen gefahren. Ich wollte mich noch vorbereiten für meinen "Schnörkel Vortrag" in der Ausstellung im Block in Trogen. Ich habe eine mehrfarbige Zeichnung gemacht, um die Überlagerungen von Gedanken zu visualisieren und habe dazu noch ein Inhaltsverzeichnis für meine Rede geschrieben. Diese Methode habe ich vom Soziologen Peter Gross gelernt. Er erzählte mir einmal, dass er seine Vorträge wenn möglich immer in direkter Rede halte. Dazu brauche er nur einige gedankliche Slalomstangen, um die er dann während des Vortrags herumkurfe. 

Meine Kapitel waren: 

Wie ich sehen lernte

Mein erster Kuss

Warum ich Künstler werden wollte

Wie ich Vater wurde und plötzlich Künstler war

Was ich heute, vorgestern und vor - vorgestern erlebte

Blick in die Zukunft

Den Abend eröffnete Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur der Stadt St.Gallen mit einem Vortrag zum Thema Kunst im öffentlichen Raum. 

Das war für mich ein sehr gelungener Abend mit einem anschliessenden feinen Essen bei Gabriele in einem sehr schönen Freundeskreis. Das Kaninchen "murmelte" ca. drei Stunden auf kleinem Feuer. Dazu gab eis ein auserlesenes Mischgemüse und Polenta. Grossartig. 

Samstag 10. Juni: Am Abend wird ein frühes Skandalbild von mir in der grossen Ausstellung von Ian Anüll im Haus der Kunst in Uri präsentiert. Das Bild wurde 1981 mit zwei weiteren Werken aus dem Zyklus "Drei Nächte drei Bilder" in Fribourg von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Die Ausstellung fand damals in einem ehemaligen Pristerseminar statt und Ian Anüll hat neben meinen Räumen an seiner Präsentation gearbeitet. Er hat meine von mir abgeschittenen Bildränder eingesammelt und daraus kleine Fähnchen gebastelt. Das war nur ein paar Tage bevor der Staatsanwalt meine Bilder mit einem Grossaufgebot von Polizisten aus der noch nicht eröffneten Ausstellung holte. Diese Fähnchen wollte Ian nun in Altdorf in der Ausstellung meinem Bild gegenüberstellen. Monika und ich sind am Mittag losgefahren nach Luzern. Ich wollte mir bei einem Zwischenhalt unbedingt die neuen Malereien von Franz Wanner in der Galerie Periferia anschauen. Die Räume sind beeindruckend und ebenso die grossformatigen, sieben oder acht Werke von Franz Wanner. Er hat sechs Jahre nicht mehr gemalt. Nun sind in einer eruptiven Malaktion die grossen Bilder entstanden. Alles sauber recherchiert und kunstgeschichtlich abgesichert. Die Form, die Farbe und die Bildmotive hat er sich von den ganz grossen Meistern angeeignet. Im Moment scheine ich auf einer grossen Reise in die Vergangenheit zu sein. Die Begegnung mit Franz war lustig. Ich kenne ihn seit 1981. Ich traf ihn damals an beim Einrichten seiner Ausstellung bei Luigi Kurmann in Luzern. In der Zeit war er noch ein überzeugter Fan von Joseph Beuys. Die zweite Begegnung hatten wir dann bei einer Gruppenausstellung in der Galerie Farideh Cadot in Paris. Er kämpft sich seit seinen Anfängen kontinuierlich zurück in der Kunstgeschichte. Ich bin überzeugt, dass er auf seinem Weg bis zum Ursprung gelangt. Laut Raoul Schrott müssten wir dann eigentlich die uns allen eigene Schwammstruktur verstehen.

Nach diesen Bildfenstern in die Vergangenheit sind wir zusammen mit Eri nach Altdorf gefahren. Hier habe ich wieder einmal ein richtiges Fest der Kunst erlebt. Ian Anüll hat eine sehr persönliche Ausstellung mit Werken von vielen Künstlerfreunden eingerichtet. Eine Sammlung von Werken, die das Denken und die Sicht auf die Welt durch die Augen von Ian ermöglicht. Beim anschliessenden Essen im grossen Löwensaal ging es dann laut zu und her. Durch das Dorf donnerten in einer Endlosschleife hunderte von Harley Davidson Fans. Bei diesem Krach wurde es sehr schwierig, anständig über Kunst zu reden. 

Freitag 9. Juni: ich konnte gestern meine Kollegen aus Solothurn überzeugen, dass wir uns heute eine Stunde später treffen. ich bin also erst um sechs Uhr aufgestanden um den 7.12 Uhr Zug zu erreichen. Ich erlebte einen weiteren sehr spannenden Tag und war schon um 17 Uhr wieder in St. Gallen. Ich bin dann nach Trogen gefahren zur Ausstellungseröffnung. Ich war viel zu früh und wollte einen kleinen Spaziergang machen. Zufällig traf ich dann Vanja und Walter. Gemeinsam spazierten wir zum neuen kleinen Haus von Gabriela, die uns dann spontan zu einem Spagetti - Essen einlud. Gabriela hat ein ganz kleines, eindrückliches Haus gebaut. Auf kleinstem Platz und mit wenig Geld hat sie ein persönliches kleines Paradies geschaffen. Wunderschön.

Nach dieser Stärkung haben wir uns dann aufgemacht zur Vernissage im geilen Block von Leila Bock. Eine gelungene Ausstellung von befreundeten Künstlerinnen und Künstlern in einem ehemaligen Geschäfts- und Lagerhaus vom Cornelia Versand. Anita Zimmermann hat hier ihre Künstlerfreunde eingeladen. Ein temporärer, grosser Freiraum zur Bündelung von kreativer Energie.  

Donnerstag 8. Juni: Ich musste um 5.15 Uhr aufstehen um den Zug nach Solothurn zu erreichen. Ich stand ziemlich schräg im Duschraum und liess kaltes Wasser über meine  Arme und Beine fliessen. Monika hat mir beigebracht, dass am Morgen Arme und Beine mit einer harten Bürste in die richtige Richtung gefegt werden müssen, um das tägliche Wohlbefinden zu stärken, die Lymphbahnen zu aktivieren und die Durchblutung anzuregen. Na ja - den Zug habe ich jedenfalls nicht verpasst.

Ich freute mich auf das Lesen im Speisewagen. Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gefunden, das ich vergessen hatte. Das muss schon sehr viele Jahre ungelesen neben meinem Bett gelegen sein.  Es ist nämlich 1999 erschienen. Die Schriftstellerin Dagmar Leupold ist für mich eine späte Entdeckung. Das Buch heisst "Ende der Saison". Ich bin total begeistert und freue mich auf jede noch so kurze Zugfahrt, damit ich dieses Meisterwerk endlich fertig lesen kann. Am Anfang habe ich einfach so vor mich hin gelesen. Die Kapitel sind wie Kurzgeschichten in meinem Kopf herumgeschwebt und plötzlich merkte ich, dass Figuren wieder in späteren Szenen auftauchen. Ich musste immer wieder von vorne beginnen, um mich an die einzelnen Menschen zu erinnern. Ein Buch über Erinnerung, Gegenwart und Vergangenheit. Ich habe mich durch selber gelebte Zeiten gelesen und mich über kurze lustvolle Momente gefreut. Ich bin froh, dass ich dieses Buch vor dem nahenden Sommer bereits fertig lesen konnte. Der Herbst kommt dann schnell genug.

Heute habe ich alle Titel dieser Autorin bei Wikipedia herauskopiert. Ich will nun alles wissen.

Mittwoch 7. Juni: Am Morgen habe ich alle Bestellungen vom Verlag erledigt. Über Pfingsten hat sich einiges angestaut. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Monika nach Trogen gefahren, um meinen Raum im geilen Block einzurichten. Zuerst mussten wir noch alle Pakete zur Post bringen und anschliessend Stahlnägel und eine Sraydose mit weisser Farbe einkaufen. Ich wollte eine Zeichnung auf den Boden sprayen. Monika hat mich assistiert und mit der Zeit haben wir einen guten Arbeitsrhythmus gefunden. Die Installation der Fotos ist gut gelungen. Ich hatte etwas Bedenken wegen dem neuen Fotomaterial. das einzige Problem scheint mir nun, dass die Fotos so solide angeklebt sind, dass sie beim Entfernen kaputt gehen werden. Ich bin nun sehr erleichtert. Dieser Ausstellungsbeitrag hat mich sehr viel Energie gekostet. Als die Fotos im Raum platziert waren habe ich meine Sprayidee mit Klebeband simuliert. Dann kam Beni Bischof und hat husch-husch eine Schrift in den Gang gesprayt. Für mich war nun schlagartig klar, dass ich nur drei ganz einfache Zeichen am Boden setzten will. Zwei Pfeile und ein Kreuz. Der Rauminstallation heisst "Tatort Aufenthaltsraum". Dazu ist zu sagen, dass für mich dieser kleine Raum von Beginn weg etwas unheimliches ausgestrahlt hat. Ein Spind mit drei Schränken, ein Lavabo mit einem Holzbrett als Ablage und gegenüber vom Eingang zwei Kellerfenster mit einem metallenen, wie durch einen Meteoriteneinschlag verbogenen Gitterrost, durch den man etwas Natur sehen kann. An einer Wand ist eine Fläche weiss ausgespart. Da wurde einfach um ein Möbel herum gemalt und die Farbe tropfte dann sehr malerisch in diese Fläche hinein. Ja ich fotografierte einfach den Raum und den Blick gegen oben ins Freie. Nun hängen diese kleinformatigen Fotos im Raum auf denen der Raum und die Natur abwechselnd abgebildet ist. Ein fotografisch festgehaltener malerischer Blick in einen für mich rätselhaften und bedrohlichen Raum.

Dienstag 6. Juni: Ich stand früh bereit. Unser Haus musste für die Steuern neu eingeschätzt werden. Anschliessend habe ich mich vorbereitet für die Buchvernissage mit Esther Hiepler. Zur Sicherheit schreibe ich wenn möglich immer einen kurzen Text zum Projekt. Um 14 Uhr ging ich zum Bahnhof und anschliessend nach Basel. Ich bin dann direkt zur Galerie Stampa gefahren. Sie präsentieren eine Ausstellung zum Thema Natur. Von mir hängt ein frühes Waldbild von 2005. Stampa und ich haben dann gemeinsam mit Sabine Hertig noch einen Kaffee getrunken vor dem Hotel Basel. Kurzinformation, Lacher der Woche, Lageanalyse des Kunstmarktes etc. Alles im Schnellgang. Anschliessend bin ich mit meinem Rollkoffer zur Schule für Gestaltung bei der Spalenvorstatt spaziert. Esther hat eine sehr schöne Vitrine gestaltet. Wir haben alles vorbereitet und den Ablauf der Buchvernissage besprochen. Das Ganze fand im sehr schönen Lesesaal der Bibliothek von der Schule für Gestaltung statt. Ich habe gestaunt bis um 19 Uhr war der Saal gerammelt voll. Ich habe eine kurze Rede gehalten. Das hat richtig Spass gemacht. Sehr viele Freunde von Esther waren anwesend, darunter viele Künstler und Künstlerinnen die ich persönlich kenne. Esther hat ihre Texte gelesen und ich habe den von Esther selber produzierten Likör ausgeschenkt. Das grosse Interesse an dieser Publikation hat mich gefreut und der überwältigende Publikumsaufmarsch war eine grossartige Bestätigung und Anerkennung für Esther Hiepler. So macht das Büchermachen Freude. Ich musste dann um halb Neun bereits wieder zum Bahnhof und war um Mitternacht  zu Hause.

Pfingstmontag 5. Juni: Heute hatte ich endlich Gelegenheit den von mir hochgeschätzten Schriftsteller Klaus Merz persönlich kennen zu lernen.  Ich habe schon sehr viele Bücher von Klaus Merz gelesen und im Buch "Antologie Bd. 1" von Laurenz Oliver Schmid auch schon einen kurzen Text von ihm veröffentlichen dürfen. Angesagt war ein literarischer Spaziergang. Die Lesung war sehr intensiv und die Auswahl der Texte spannte einen emotionalen Bogen über eine lange Zeit. Das Reisen, das geistige Unterwegs sein in einem stetigen Lebens- und Sprachfluss. Die Sprache als Möglichkeit, das Leben und das Erlebte fest-zu-zurren und nachzuformen. Der Spaziergang in der Sprache und im Klang von Klaus Merz war intensiv, humorvoll, kraftvoll übertrieben, teilweise quer gedacht und heiter. Die Texte zeugen von einer un verklemmten Lust auf Leben. Jeder Tag wird durch die verflossene Zeit zu einem weiteren guter Tag!

Sonntag 4. Juni: Am Morgen sind wir wider zeitig nach Appenzell gefahren zum kleinen Frühling. Im Treibhaus war ein Konzert angesagt vom Pacivic Quartet Vienna, mit Yuta Takase, 1. Violine, Eszter Major, 2. Violine, Chin-Ting Huang, Viola und Sarah Weilenmann am Violoncello. 

Das Quartet war fantastisch. Am meisten beeindruckt hat mich die Zwölftonmusik von Anton Webern mit sechs Bagatellen für Streichquartett. Die drei Musikerinnen und der Musiker spielten mit einer fast unheimlichen Hingabe. Ich hatte in einigen Momenten richtig Angst, dass der total entrückte und in der Musik aufgehende Violaspieler Chin-Ting Huang samt seinem Stuhl und in Symbiose mit dem übernatürlich klingenden Instrument unsanft von der Bühne stürzt. Es ist aber alles gut gegangen.  Nur Zentimeter fehlten.

Ein fulminanter Morgenanfang mit Höchstspannung, in bester Gesellschaft und angereichert mit feinster Appenzeller Bergluft.

Im Anschluss erzählte der Autor Raul Schrott spannende Geschichten über die Entstehung seines neusten Werks "Erste Erde.Epos". ich lernte dabei, dass die Gebirge nichts weiter sind als riesige Abfallhalden vergangener Epochen, aus denen immer komplexere Lebensformen entstanden sind.  Dass wir heute quasi im Verbund auf einer Aufschichtung von uns Vorangegangenem hausen und vegetieren. Raul Schrott hat sehr bildhaft und mit spannenden, selbst erlebten Geschichten gespickt unsere Herkunft und Entwicklung erklärt. Das Bild, dass wir Menschen schwamm ähnlich aufgebaut sind und dank dauernden, mikroskopisch kleinen Wedel-Bewegungen an unserer Lebenserhaltung arbeiten fand ich total stimmig. Ich stelle mir mich vor als einen mit Sperienschwärmen gefüllten Ozean. Oder habe ich etwas falsch verstanden? Was solls. Ich habe den Geschichtenerzähler und seine Geschichten genossen. Ich weiss nun auch, dass ich mich im Notfall mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf den Boden legen muss, wenn ein grosser Bär auftaucht. Die Arme verschränkt man hinter dem Kopf, damit  man vom Bären und seiner Schnauze nicht auf den Bauch gedreht werden kann. (Dank der grösseren Hebelwirkung durch die verschränkten Arme) Das Buch liegt nun auf unserem Tisch zum lesen bereit. Ich freue mich, lesend mehr zu erfahren über den Kosmos und die Entstehung des Lebendigen. 

Samstag 3. Juni: Schon seit Wochen haben wir uns auf den kleinen Frühling in Appenzell gefreut. Ein intelligent und feinfühlig komponiertes Literaturprogramm. Das grosse Team rund um Carol Forster, Agathe Nisple und ihren wundervollen Netzwerken bewährt sich schon lange Zeit in der Kulturvermittlung in Appenzell.

Für uns begann der Tag mit dem Verleger Erwin Künzli und der Autorin Julia Weber.  In ihrem eindrücklichen Debüt - Roman "Immer ist alles schön" erzählt sie in ungekünstelter Sprache eine sehr persönliche Familiengeschichte aus dem direkten Erleben eines Kindes. Ich wurde richtig in diese Geschichte hinein gesogen und beim vorgelesenen Text schlüpfte ich als Zuhörer ungewollt in die Rollen der einzelnen Personen Ich war abwechslungsweise Mutter, Tochter oder Sohn. Ein ungeheuerlicher Vorgang, ausgelöst durch eine verführerische Stimme im ehemaligen Tanzsaal  an der Gaiserstrasse 5. Es ist lustig, dass dieses winzige Säli in Appenzell Tanzsaal genannt wird. Klein aber fein wie die Appenzeller.

Die zweite Lesung haben wir erlebt im Schloss an der Poststrasse 5. Wir wurden empfangen in einem sehr gepflegter, schöner Garten vor einem rätselhaften Schloss, mitten im Dorf Appenzell. In den normalerweise verschlossenen Gemäuern von Fabienne Sutter Sogo stellte der drahtige und sehr trocken wirkende Verleger Dirk Vaihinger, vom Verlag Nagel & Kimche, den jungen St. Galler Autor Frédéric Zwicker vor. Der Verleger entpuppte sich dann als humorvoller, singender und klimpernder Unterhalter. Der junge Autor wurde als Pointenschreiber, Moderator, Werbetexter, Saiten-Redaktor und Musiklehrer angekündigt. In seinem ersten Roman beschreibt er die Zustände und die Bewohner in einem Heim für an Demenz erkrankten Menschen. Die Idee im Roman "Hier können Sie im Kreis gehen" handelt von einem Bewohner, der seine Demenzerkrankung nur vorspielt, damit er alle Freiheiten im Heim geniessen kann. Diese Idee eröffnet zwar dem Autor ein lustiges Spielfeld. Mir als Zuhörer war das dann aber doch ein bisschen zuviel. Für mich ist es schon schmerzhaft genug, wenn ich mich nicht mehr an die Namen von Bekannten erinnere oder wenn ich sehr lange nachdenken muss was ich am Vorabend gegessen habe. Ich bin erst 61. Was kommt da noch auf mich zu? Im Moment weiss ich mit Sicherheit, dass ich an der Brauerstrasse 27 b in St.Gallen wohne und dass es mir sehr gut geht. 

Am Mittag genossen wir vor dem Treibhaus bei leichtem Regen unter grossen Schirmen stehend eine Siedwurst mit Chäschnöpfli und Apfelmus. BRRR.

Der Nachmittag wurde eröffnet vom Verleger Matthias Burki. Er ist der Gründer vom Verlag" Der gesunde Menschenversand" Der Walliser Autor Rolf Hermann war leider nicht anwesend. Er wurde aber kompetent vertreten durch einen Walliser, der schon lange in Appenzell lebt. Die wirklich saumässig lustigen, in Mundart geschriebenen Geschichten im Buch sind auch auf Deutsch übersetzt. Titel: Das Leben ist ein Steilhang". Die Lesung fand bei Maria Dörig im haus "Konzerthalle" an der Weissbadstrasse 8a statt. Interessanterweise weiss kein Mensch warum das Haus Konzerthalle heisst. 

Am frühen Abend las noch der junge, 1992 geborene Autor Alfonso Hophan im Haus Konkordia an der Engelgasse 7 aus seinem zweiten Buch: "Schuld Ein Geständnis". der Autor las sehr gut und bemühte sich, seinen Protagonisten verschiedene Stimmen zu verleihen. das Buch ist sicher sehr gut geschrieben und der Autor scheint mir sehr vielversprechend. Für mich wirkte das Vorgetragene aber etwas zu altklug, wie aus einer anderen Zeit. Vielleicht liegt ja gerade darin das Geheimniss. Am Schluss sprach der Hausherr Franz Bischofberger über die Geschichte des Gebäudes, das ursprünglich gleich in zweifacher Ausführung vom Schlossherrn gebaut worden war.  Am Schluss konnten wir noch einen nebenraum besichtigen, der vom Boden bis zur Decke mit kleinen, bunten Spielsachen aufgefüllt war. Regal um Regal mit aufgereihten und thematisch gruppierten Objekten. Marienkäfer, Heliköpterchen, Hunde, Zwerge, allerlei Getier, etc. Alles sehr streng ausgerichtet wie kleine Bataillone, ein bisschen unheimlich. 

In der Abendpause habe ich mir die wunderschöne Videoarbeit von Judith Albert in der Station von Agathe Nisple angeschaut. Eine sehr sinnliche Umschreibung von Werden, Sein und Vergehen oder auch von der Unsterblichkeit der Erkenntnis und von der Transformation von gefühltem Wissen.

Am Abend war dann einer der Höhepunkte angesagt mit Nora Gomringer, begleitet vom Schlagzeuger Philipp Scholz. Wir haben die Lyrikerin, Erzählerin und Essayistin vor einiger Zeit erlebt im Kultbau in St.Gallen. Der Abend in Appenzell war aber noch energiegeladener. Nora Gomringer war eine Wucht. 

Freitag 2. Juni: Kunst, Garten, Post abholen, lesen, zeichnen, Fotos auslegen, Kaffee trinken, diskutieren, Bücher verpacken für die Buchmesse "I Never Read" etc. und vor mich hin sinnieren.

Kurz vor fünf sind wir losgefahren nach Chur für die Ausstellungseröffnung von Hans Danuser.  Jedesmal wenn wir nach Chur fahren, wird ein Stadtfest gefeiert. In der Altstadt riecht es abwechselnd wie unter einer Käseglocke, Nasigorenghaube, Capunstuntschi oder nach Spagettipfanne. Kein Mensch weiss warum gefestet wird. Hauptsache es riecht ordentlich. Wir sind vom Parkhaus direkt zum Museum gegangen und haben uns die Einführung von Stephan Kunz zu Hans Danuser angehört. Die Ausstellung heisst "DUNKELKAMMERN DER FOTOGRAFIE". Hans Danuser hat in den letzten Jahrzehnten wirklich dunkle Flecken beleuchtet. Er hat visuell Landschaften in Körper und Körper in Landschaften verwandelt. Für mich war es sehr interessant, die Arbeit "IN VIVO" in einer installativen, wand füllenden Präsentation als Originalfotografien zu sehen. Ich kannte die Arbeit nur aus dem Buch von Lars Müller. In der sehr schönen Publikation sind die Bilder nah und körperlich. Die Fotos habe ich mir immer in einem sehr grossen Format vorgestellt. Ich glaube das ist das erste Mal, dass ich Abbildungen in einem Buch als monumentale Werke gespeichert habe. Hans geht sehr nah ran. Es scheint, als ob er in jede Pore, in jedes noch so dunkle Loch einzudringen vermöge. Eine echte Dunkelkammer. Um halb Neun sind wir wieder losgefahren, kurz bevor sich das schwarz augestaute Gewitter über Chur entladen hat. 

Donnerstag 1. Juni: Am Morgen um acht Uhr musste ich in der Stadt meinen Stick mit den ausgewählten Fotos abgeben, damit ich am Abend die Vergrösserungen abholen konnte. 

Alles ist wunderbar aufgegangen. Pünktlich um 16.50 Uhr konnte ich meine Fotos abholen und um 17 Uhr hatte ich eine Sitzung beim Lattich mit der Fachkommission HF Bildende Kunst. Die Schule für Gestaltung hat für die Fachklasse einen Container gemietet, als Gemeinschaftsatelier. Knapp sechs Meter lang und 230 cm breit, mit einer Fensterfront. Stehend haben die neun verbliebenen Studierenden sicher Platz in diesem Raum, wenn sie nicht zu wild gestikulieren.

Mittwoch 31. Mai: Ein grosser Arbeitstag. Ich bin schon seit Wochen in Gedanken bei einer Arbeit für die Ausstellung im geilen Block in Trogen. Ich habe so vieles angedacht und wieder verworfen. Langsam wird die Zeit knapp und die Ideen fallen wie faules Obst vom Baum. Ich muss mich endlich entscheiden. Als Ausstellungsort habe ich den kleinen  Aufenthaltsraum im unteren Gebäudeteil gewählt. Durch zwei Kellerschächte dringt wenig Tageslicht. Links beim Eingang steht ein dreiteiliger Spind mit den Nummern 29, 28, 27 und recht ein Lavabo mit einem Holztablar. An einer Wand sieht man eine weisse, ungestrichene Fläche, wo einmal ein grösserer Schrank stand. Der Maler hatte einfach grüngrau um den Schrank herum gestrichen. Die Farbe rann dann am oberen Rand fein herunter, ein richtiges unfreiwilliges Kunstwerk. Ich habe zusammen mit Monika einige Fotoserien in diesem Raum gemacht. Der Unort erinnert eher an eine Gefängnisszelle als an einen Aufenthaltsraum.  Ich kann mir kaum vorstellen, dass dieser Raum zur Entspannung in den Arbeitspausen beitrug. In diesem Gebäude wurden hunderttausende von Paketen für den Cornelia Versand vorbereitet. das muss ein emsiges Treiben gewesen sein. Riesige Regale gefüllt mit Damenwäsche in allen Grössen. Ich höre das Knistern von Seidenpapier und in meiner Vorstellung erscheint der Versand-Chef im blauen Kittel mit einigen billigen Kugelschreibern im Revers. Ein Wichtigtuer, gar nicht fröhlich. Ich habe den ganzen Tag gezeichnet und geschrieben. Spät in der Nacht habe ich mich für die Vergrösserung einer Fotoserie entschieden. 

Dienstag 30. Mai: In den letzten Wochen sind wir bei jeder Gelegenheit im garten und freuen uns über das Heranwachsende. Kartofflkontrolle, Stangenbohnensuche, Schneckenleese, gutes Zureden bei den Kürbis-Zucchini- und Gurkensetzlingen.  Es gibt immer etwas zu entdecken und viel zu zupfen. Am Nachmittag erwartete ich Käthi und Karl Zbinden zu einer Besprechung. Ich habe vor einigen Jahren die Kniehebelpresse von Emil Zbinden zu einem symbolischen Preis gekauft. Mich verbindet der Geist von Jeremias Gotthelf. Als Kind hörte ich mir im Kreise der Familie immer die Hörspiele im Radio an. Ueli der Knecht in zehn Folgen war ein Höhepunkt. Mir hat das so gefallen, weil sich mein Vater so intensiv mit Ueli und seinem Vreneli identifizieren konnte. Die zehn Folgen der liefe Hörspielserie kann man heute noch nachhören im Archiv von Radio DRS. Nun höre ich die Geschichte im Off während ich schreibe. 

Montag 29. Mai: Ich musste sehr früh aufstehen und fuhr mit dem Zug nach Zürich. Die Jury für den PRIX VISARTE traf sich bei der Geschäftsstelle an der Kasernenstrasse 23. Die Sitzung begann um 9 Uhr. Die Sitzungsleitung oblag Christoph Doswald. Mit dabei waren in der Jury: die Architektin Gabrielle Hächler, Die Kuratorin Katya Garcia-Anton, die Künstlerin Claudia Müller, der Galerist Etienne Lullin  und ich. Der PRIX VISARTE ist ein grosser Erfolg. Es wurden wieder weit über 100 Projekte eingereicht. Darunter sehr viele neu entstandene Arbeiten. Die Datenbank wächst zu einer sehr informativen Plattform über Kunst und Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Die Diskussionen und der Verlauf der Gespräche waren sehr spannend. Durch das Umkreisen, Argumentieren und Beschreiben von künstlerischen Positionen entwickelt sich immer wieder ein Spannungsbogen, der Inhalte klärt, Arbeitshaltungen umschreibt, Positionen verschiebt und auch die eigene Wahrnehmung korrigiert und durch die Diskussionen verschärft. Das war eine richtig bereichernde, gemeinschaftliche Suche nach künstlerischer Qualität mit vielen sehr überraschenden Erkenntnissen und Entscheidungen. Ich freue mich schon auf die Vergabe der Preise am 8. September in der Kunsthalle Basel.

Sonntag 28. Mai: Monika und ich haben uns entschlossen den Tag ruhig anzugehen, uns dem Sonntäglichen zu widmen. Temperatur zwischen 11 und 28 Grad. Vorbereitung der Jurysitzung von visarte Schweiz in Zürich. Ich habe alle Einträge im Internet für den PRIX VISARTE noch einmal angeschaut. 

Samstag 27. Mai: Heute war ich um 10 Uhr in einem Kaffee im  Stadtzentrum verabredet. Zu viert wollten wir ein Programm diskutieren für einen geplanten Besuch einer kunstinteressierten Gruppe in der Stadt St.Gallen. Es ist für mich erstaunlicher weise immer wieder spannend, die Stadt neu du erleben, in der ich nun doch schon 42 Jahre lebe. 

Am Nachmittag habe ich gelesen. Ich kann mich kaum trennen vom Buch "Widerfahrnis" von Bodo Kirchhoff. Schon die Geschichte, wie Monika und ich zu diesem Buch gekommen sind ist sehr speziell. Wir waren vor einem halben Jahr gemeinsam mit Carol Forster zu einem Essen eingeladen. Carol hat dieses Buch als Gastgeschenk dabei gehabt. Die Gastgeberin hat aber jegliche Geschenke abgelehnt. Ich denke aus Prinzip. Es wurde dann sehr spät und Carol hat dann bei uns gastiert. Zu guter Letzt wurden wir dann mit diesem Buch beschenkt. Ich bin beim Lesen total begeistert vom Gefühl - unterwegs zu sein. Ich liege bei schönstem Sonnenschein im Bett und lese von einer gefühlvoll erzählten, rätselhaften und wunderbaren Fahrt in den Süden. Ich bin gerade an der Stelle angelangt, wo ein Mädchen dem pleite gegangenen Kleinverleger einen selbst gebastelten Schmuck, bestehend aus einer Scherbe an einer Schnur anbietet. 

Gegen Abend haben wir unseren Nachbarn Martin angefragt, ob wir die sehr schnell gewachsenen Eiben zurückschneiden dürfen, die an der Grenze zu unserem Grundstück stehen. Für mich sind diese Bäume immer wie ein schwarzes Loch. Ich möchte wieder Himmel sehen und das schimmernde Licht über dem Bodensee spüren. Wir sehen nicht bis zum See. Bei weitem nicht aber wir spüren ihn. Ich habe dann mehr als eine Stunde unter schwierigen Umständen die hohen Eiben gestutzt. Nun ist der ganze, riesige Nussbaum wieder freigestellt und wir können uns im Bodensee-Abendlicht suhlen. Herrlich!

Freitag 26. Mai: Heute Morgen hat Rolf Müller mein Bild von 1981, das damals mit zwei weiteren Bildern in Fribourg beschlagnahmt wurde, abgeholt für die Ausstellung von Ian Anüll im Haus der Kunst in Uri. Alles hat sehr gut geklappt. Ich habe noch eine Kiste mit alten Fotos sortiert und nach elf Uhr haben mich Christian Herren und Anatole Compt an der Lukasstrasse besucht. Sie wollten die Bücher von Urs Burki anschauen. Die Farbschnitte mussten abgeschliffen und neu aufgedruckt werden. nun ist aber alles wunderbar geworden. Ich habe dann zu Hause einen kleinen Imbiss gekocht mit Ravioli und Salat. Das war ein richtig gemütliches Festchen als Abschluss zu diesem gemeinsamen Projekt. Sehr viele Bücher konnten die Beiden nicht mitnehmen. Ein Urs Burki Buch wiegt 2,2 Kilo. 

Am Nachmittag habe ich zusammen mit Theo einen riesigen, zweiteiligen Schrank von Ursula gezügelt für Vanja.

Theo wollte das unbedingt mit seinem Fahrrad mit Anhänger machen. Eine Art Biografie-arbeit. Ich schätze das waren rund 150 Kilo auf dem Hänger. Mit zwei Gurten und einem Kletterseil haben wir die Möbel richtig festgezurrt. Die Ladung durfte wirklich nicht vom karren fallen. Theo ist mit dem Hänger sehr langsam voraus und ich als Begleitschutz hinterher gefahren. Die Autofahrer und Fussgänger haben sehr gestaunt. Bei uns kennt man solche extremen Transporte nur aus chinesischen oder indischen Filmen. Zum Glück ist alles gut gegangen. Theo kam recht ins Schwitzen. Bis zum Bahnhof St.Fiden war eher Bremsen alst Treten angesagt. dann kam aber der Aufstieg bis zur Heimatstrasse. Beim Restaurant Heimat gröhlen uns dann einige angeheiterte Gäste zu. Ich glaube die waren echt begeistert, an einem Samstagnachmittag so etwas schwer transportierbares auf einem Fahrradanhänger sehen zu können. Ich denke die haben gleich noch eine Runde bestellt um auf sich selber anzustossen. Die zwei richtig schweren Kastenteile mussten wir dann vier Stockwerke hoch tragen. Ich war ziemlich pessimistisch aber es hat alles sehr gut geklappt. Theo schwitzend und keuchen treppan - voraus und ich gegen das Gewicht stemmend hinterher. Logistisch immer einen Schritt vorausdenkend. Nun kommt für Vanja das fröhliche Einräumen. 

Donnerstag 25. Mai: Ein guter Tag und ein guter Abend mit einem sehr schönen Essen bei Ueli Vogt, mit Monika, Vanja und Eva. Monika und ich sind beide Wege zu Fuss gegangen. Ein halbstündiger Anmarsch und ein halbstündiger Abmarsch durch die klare Nacht.

Mittwoch 24. Mai: Am Morgen bin ich nach Zürich gefahren. Ich liebe es im Zug Zeitung zu lesen. Ich war verabredet mit Marina Porobic verabredet, um die geplante Publikation von Lutz Guggisberg zu besprechen. Sie bereiten zur Zeit eine grosse Installation in der Barockkirche in Bellelay vor, die am 10. Juni eröffnet wird. Ich kann dann leider nicht dabei sein, weil gleichzeitig in Uri die Ausstellung von Ian Anüll eröffnet wird. Er zeigt eines von meinen Skandalbildern von Fribourg. Er hat 1981 am Tag vor der Beschlagnahmung meiner Bilder die Bildränder meiner Leinwände eingesammelt, die ich abgeschnitten hatte. Er hat daraus eine eigene Arbeit gemacht. Ich bin ja gespannt wie das ausschaut. Das Werk wir am 10. Juni im Haus für Kunst in Uri präsentiert in der Ausstellung "IAN ANÜLL PEINTRE EN PROMO". (Ausstellung vom 10. Juni bis 20. August) 

Dienstag 23. Mai: Um neun Uhr war ich in der Physio - Balance bei Theresa Germann. Sie hat mich einmal mehr in den Senkel gestellt und durchgeknetet. Heute hat sie Schmerzpunkte gefunden und behandelt, die meine Vorstellungskraft übertroffen haben. ich wusste gar nicht, dass verspannte Muskeln so viel Schmerz bereiten können. ich bin dann aber sehr fröhlich auf mein Fahrrad gehüpft und fühlte mich an wie ein weichgekochter Kürbis.

Dann habe ich den ganzen restlichen Tag im Garten gearbeitet. Stangenbohnen und Cheven gepflanzt, Kompost umgepflügt, usw. ich freue mich schon auf die reiche Ernte.

Montag 22. Mai: Nach dem Frühstück habe ich alle Tomatenstöcke, Kürbisse, Gurken und Zucchini eingepflanzt, die Monika frisch aus Italien mitgebracht hat. Silvia hat die Setzlinge selber in Agrano aufgezogen. Am nachmittag musste ich den neuen Raum fertig herrichten für die Jahresversammlung des Vereins "Buchstadt St.Gallen". Ich bereitete einen grossen Bücherstand vor. Marc Besselar half mir dann die ganze Technik und das Essen und die Getränke für den Abend bereit zu stellen. Meine neuen Räumlichkeiten sehen wunderbar aus. An diesem sonnigen Tag wurde es aber sehr heiss. Ich öffnete alles was es an Dachfenstern und Türen zu öffnen gab und ich habe mich promt extrem erkältet. Ich habe am Abend eine Stunde lang über den Vexer Verlag referiert und hatte sehr dankbare Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Anlass ist wirklich sehr gut gelungen. Die interessierten Gäste sind ziemlich lange geblieben und haben sich bestens unterhalten. Ich bin überzeugt, dass dieser Verein noch viel bewirken kann in der Region. ich liebe ja solche Behauptungen wie der Vereinsname "Buchstadt St.Gallen". Das verpflichtet alle. 

Solche Anlässe kann man in meinen Räumen ruhig wiederholen... Die Athmosphäre ist wirklich sehr stimmig geworden. der Raum hat schon fast etwas Klösterliches. Ich sollte einmal Umberto Eco in meine Bibliothek einladen. 

Sonntag 21. Mai: Ich wurde um 11 Uhr in Rapperswil erwartet für die Jubiläumsausstellung vom Verein JG Halle. Wir haben das Begleitbuch über die 25 jährige Geschichte im Vexer Verlag herausgegeben. Es ist einfach grossartig, dass nun die Vermittlungsarbeit rund um Peter Röllin dokumentiert ist.  Eine gelungene Ausstellung mit einer Buchvernissage nach Mass und mit sehr viel interessiertem Publikum. Am Nachmittag bin ich dann einmal mehr, schwer mit Büchern bepackt, mit dem Zug nach St.Gallen gefahren. Die Fahrt zusammen mit Thomas Stricker war sehr unterhaltsam. Er hat im Zeughaus seine Kunst am Bauarbeit für die U-Bahn von Düsseldorf präsentiert. 

Samstag 20. Mai: Um 10 Uhr begann die Delegiertenversammlung. Ein spannender und intensiver Tag mit vielen Begegnungen und vielen Anregungen für die weitere Verbandsarbeit.

Freitag 19. Mai: Heute stand ich schon um acht Uhr an der Lukasstrasse 29. Der Monteur von Grafitec hatte sich angemeldet, um mein erstes und  wunderschöne Firmenschild zu montieren. Auf dem ultramarin farbigen Metallschild  steht in weisser Schrift: Josef Felix Müller + Vexer Verlag. Die Schrift wird unterstrichen durch einen sehr langen Pfeil, der nach der Schrift steil nach oben zeigt. Das soll heissen: "Bitte bis zum Ende des Gebäudes gehen und dann scharf links abzweigen". Ramon Lehnherr hat meine Idee grafisch umgesetzt. Auf den Monteur habe ich dann ziemlich genervt rund zwei Stunden gewartet. Nun hängt das Schild exakt und im rechten Winkel neben der Haustüre. Mir gefällt's. Auf einen Schlag bin ich eine richtige Firma. Was doch ein solches Schild ausmacht.

Ich war nach diesem Akt der späten  Firmengründung physisch ziemlich geschafft. Ein Firmenschild verpflichtet... ich musste mich beeilen, meine Sachen zusammenpacken und schnell zum bahnhof. Um 14 Uhr war ich verabredet für eine Vorbereitungssitzung für die Delegiertenversammlung von visarte Schweiz. Um 16 Uhr war dann die offizielle Begrüssung im Engländerbau und anschliessend besuchten wir die Ausstellung im Museum.  In der Eile hatte ich vergessen, warme Kleidung einzupacken. Am Abend wurde es bitter kalt. Ich musste die Führung kurz verlassen und Visavis vom Museum, im Sportgeschäft einen dicken Pullover kaufen. Die Ausstellung mit dem Titel WHO PAYS zum Thema Kapital beinhaltet sehr spannende Zusammenhänge und für mich viele unbekannte Werke. Chiarenza & Hauser haben hier einen grossen wohlverdienten Auftritt. In dieser Ausstellung sah ich einige sehr berührende Arbeiten von Thomas Lehener aus München. Er ist im gleichen Jahr geboren wie ich. Ich bin gespannt, ob es da noch mehr Gemeinsamkeiten gibt. Ich möchte möglichst bald dieses Werk erkunden.

Am Aben waren wir von visarte Liechtenstein zum Essen geladen in einem kleinen Theater, mit anschliessendem Dancefloor. Das war wunderbar. 

Donnerstag 18. Mai: Monika ist zusammen mit Alena schon recht früh für einige tage nach Italien gefahren. ich konnte mich um den Finisch bim Einräumen von meiner neuen Arbeitsstätte widmen. Am Abend bin ich total kaputt nach Hause gegangen. Ich war so müde, am liebsten wäre ich gekrochen.

Mittwoch 17. Mai: Am Morgen um zehn nach Acht hat mich Marcus Gossold angerufen. Promt habe ich unseren gemeinsamen Morgenkaffee vergessen. Wir haben uns dann für eine kleine Telefonkonferenz entschieden. Ich weiss nicht was da los ist. Ich selber sass vor zwei Wochen am falschen Tag im Gentile und wartete auf Marcus, weil ich normalerweise nicht so weit voraus plane. Aber was solls. Unsere Phantasien von neuen, zukunftsweisenden Projekten konnten wir auch sehr gut per Telefon besprechen. Es fehlte einfach das frische Gipferl...

Samstag 13. Mai: Am Morgen war ich schon wieder mit meinem Bücherkoffer unterwegs. heute musste ich zur Stiftsbibliothek um unsere Bücherpräsentation abzuräumen. 

Und dann wurden wir am Mittag von Eveline abgeholt für unsere Jassmeisterschaft im Hirschen in Wald. Die vierte Auflage von diesem legendären Anlass hat Monika und mir zwar einen lustigen Tag beschert aber unser zweitletzter Rang hat uns in den Grundfesten unseres Spieler-Daseins erschüttert. Es gibt nichts zu beschönigen. Wir konnten unsere vermeintlichen Stärken nicht durchsetzen. Liegt es an der erährung?, am Aufbauplan? oder einfach am fehlenden Glück? Was soll ich sagen. Aus einem Bauern wird einfach nie ein König und umgekehrt.  

Freitag 12. Mai: der Tag begann heute wieder einmal mit Bücher packen. ich musste unbedingt die neusten Publikationen bereit machen für Vera. Ein neues Urs Burki Buch wiegt genau 2223 Gramm. Bei fünf Stück ergibt das enorm schwere Schachteln. Solche Pakete zwingen jeden Pöstler in die Knie. Ich musste mit einer Bücherauswahl vom VEXER Verlag nach Kreuzlingen zum Kunstraum. Ich hatte dann einige logistische Reiseprobleme zu lösen. Soll ich mit dem Zug und meinem Rollkoffer auf die Reise oder kann mich Monika mit dem Auto an den Bodensee fahren? Soill ich überhaupt Bücher mitnehmen oder nur darüber reden? ... Dann haben wir uns geeinigt. Zuerst mit den Büchern zum Kunstraum Kreuzlingen, dann zur Post in Konstanz, dann ein Stadtrundgang mit eventuellem Einkaufsbummel und dann wieder zum Kunstraum. Dort hat Nils Röller von der ZHDK ein Treffen organisiert zum Thema Büchermachen. An diesem Mini Symposium waren mit dabei: der Künstler Peter Stoffel aus Genf, Ulrike Meyer Stump vom Collegium Helveticum, Georg Rutishuser von der Edition Fink, der Künstler und Büchersammler Dirk Meinzer aus Hamburg und ich vom Vexer Verlag. Moderiert hat das Gespräch Nils Röller. An diesem Nachmittag waren erstaunlicherweise rund sechzig Personen anwesend und der Anlass entwickelte sich sehr lebendig. Einige Studenten haben mir dann am Schluss ganz schüchtern ihre Buchwerke gezeigt. Am Abend wre ich noch zum Jubiläum zwei jahre Triest Verlag eingeladen gewesen. Das habe ich leider nicht mehr geschafft. Da gibt es ja in den nächsten Jahren hoffentlich noch weitere Jubiläen zu feiern.

Donnerstag 11. Mai: Heute den ganzen Tag Bücher eingeräumt. Langsam sind alle Regale voll. Es ist immer so schwierig bei einer alphabetischen Ordnung abzuschätzen, wie viel Platz es braucht für die einzelnen Buchstaben. Monika, Manuela und Claudia haben zwar beim Einpacken der Bücher alles alphabetisch eingepackt und die Bücherschachteln genau beschriftet. Beim Auspacken reicht es aber schon, wenn man nur eine Schachtel übersieht. Dann fängt plötzlich das grosse Schieben an. Beim Einräumen hatte ich auch oft grosse Lust, das ganze Ordnungssystem zu verändern. Gewisse Künstlerinnen und Künstler passen einfach nicht neben einander. 

Am Abend besuchten wir ganz kurz die Eröffnung im Hiltibold. Thomas Stüssi machte mit etwas Glimmer einen erst auf den zweiten Blick sichtbaren,malerischen Eingriff am Mauerwerk und Andy Guhl füllte die grosse Vitrine in der Stadtmauer  mit allerlei für musikalische Zwecke brauchbare Gerätschaften. Das Quitscht und tschäppert schon wenn man nur kurz hinschaut.

Mittwoch 10 Mai: heute Morgen früh sind die Bücher "Chaos und Ordnung" von Urs Burki angeliefert worden. 1200 Kilo Mehr-Buch in meinem Lager. Das war wirklich ein lange dauernder Produktionsprozess. Der Buchbinder hatte Probleme beim digitalen Bedrucken vom Fabschnitt. Nun ist hoffentlich alles gut. Mich freut's. 

Am frühen Nachmittag bin ich nach Luzern gefahren und habe mir die Ausstellung von Claudia Comte im Kunstmuseum angeschaut. Ich bewundere die ungebremste Energie dieser Künstlerin. Vor fünf Jahren haben wir Claudia zu den ersten Holzschnitten animiert. Sie hat in grosszügiger Manier eine vierteilige Serie von Drucken für die XYLON Zeitschrift mit der Motorsäge in Holz geschnitten, die dann in einem sehr schönen hellblau geduckt worden sind. (XYLON Zeitschrift Nr. 148, 2012). In der Folge sind dann sehr viele farbige Holzdrucke von Claudia entstanden. Ich stand nun voller Erwartungen im Kunstmuseum Luzern. Ich bin zügig durch die vielen Ausstellungsräume geschritten und habe mir die Raumabfolge immer wieder auf verschiedenen Wegen einverleibt. Sie bespielt 10 Räume, schafft 40 Wandbilder und füllt 1059 Quadratmetern. Das ist alles sehr eindrücklich in dieser Konsequenz. Für mich stellte sich aber die Frage, ob dieser ungebremste Tatendrang genügt für einen Platz in der Kunstgeschichte. Am Ende der Ausstellung wurde gleichzeitig eine sehr stringente Auswahl von Arbeiten von Bertrand Lavier präsentiert. Seine Arbeiten geben präzise künstlerische Antworten auf all die inhaltlichen Fragen, die sich bei Claudia Compte stellen. Leider wird dies Präsentation von Lavier schon Ende Mai abgebaut. Lavier hat sich mit grossem Wissen, Humor und Intellekt  mit den Formen der Pop Art auseinandergesetzt. Claudia führt uns nicht mehr eine Warenwelt vor. Sie kreiert viel mehr ein ganzes Shoppingcenter. Produkte in Variationen, Holz, Stein, Metall, alles kann angefertigt und geliefert werden. Nach der Popart die Deko-Kunst. Eigentlich ist das sehr clever. Dekoration muss immer wieder saisonal abgebaut und durch neue Moden und Modelle ersetzt werden. Amerikanische Millionärinnen und Russische Oligarchen-Gattinnen lieben das.  Eigene Parfums, pompöse Villen und die saisonal passende Dekorationskunst. 

Sonntag 7. Mai: Zusammen mit Monika bin ich heute nach Arbon gefahren für ein Künstlergespräch von Guido Stürler und Jan Käser in der Galerie Adrian Bleisch. Eine überraschende Präsentation von neuen Werken der beiden Künstlerkollegen. 

Samstag 6. Mai: Wieder den ganzen Tag in den neuen Räumen bis 16 Uhr. Dann habe ich mich frisch gemacht und bin nach Herisau gefahren. Bei strömendem Regen bin ich dann zu Fuss in 20 Minuten zur Sporthalle spaziert. Ich wollte bei den ersten Preisvergaben von der Stiftung Erbprozent dabei sein, die anlässlich der traditionellen Kulturlandsgemeinde in Herisau stattfand. Stimmige Ansprachen, eine stimmige musikalische Moderation und interessante Preisträger-Innen. Ich habe gestaunt. Von den sechs ausgewählten Kunstschaffenden waren fünf anwesend. Es gab interessante Begegnungen und Gespräche. Viele Kulturschaffende waren da. Es ist doch schön, kurz mit Laura de Weck in der Sporthalle zu plaudern. Leider musste ich zu früh zurück nach St.Gallen. ich hatte zum Glück eine Mitfahrgelegenheit. Der öffentliche Verkehr ist um diese Zeit in dieser Gegend nicht sehr gut ausgebaut.

Freitag 6. Mai: Das Einrichten meiner neuen Bibliothek ist nun schon weit fortgeschritten. Es macht richtig Spass, die Bücher vom 25 jährigen Staub zu befreien, zu öffnen, Inhalte zu entdecken und dann neben neuen Nachbarn einzuordnen. 

Donnerstag 4. Mai: Heute Abend diskutierten wir einmal mehr in einer kleinen Gruppe, wie die Schule für Gestaltung in St.Gallen besser positioniert werden könnte. Für viele Kolleginnen und Kollegen ist das ein wichtiger Arbeitsplatz, um die eigene künstlerische Existenz absichern zu können. Seit der Kanton diese Schule von der Stadt übernommen und in der Beruflichen Gewerbeschule integriert hat ist es leider kaum mehr möglich, diese kreative Brutstätte in der Öffentlichkeit zu verorten und als eigenständige Bildungsinstitution zu verankern. Die Textilindustrie, die Werbebranche, die Fachhochschule und die Universität müssten doch daran interessiert sein, dass dieser Schule wieder zu altem oder eben neuem Glanz verholfen wird. Wo bleiben die mutigen Bildungspolitikerinnen und Politiker, die sich für eine starke Schule für Gestaltung einsetzen? Es ist kläglich, wie sich die Ostschweiz in diesem wichtigen Ausbildungsbereich aus der Verantwortung stielt. 

Mittwoch 3. Mai: Gestern Nachmittag bin ich nach Wädenswil gefahren für eine Verlagsitzung von SWIPS, bei Pudelundpinscher. Ich war eine Stunde zu früh und habe einen längeren Spaziergang durch Wädenswil gemacht. Ich war noch nie an diesem schön gelegenen Ort. Wie überall in der Schweiz gibt es einen grossen Coop und eine grosse Migros und ein paar Bankfilialen. Was tun die Menschen an so einem Ort? Wir hatten eine spannende Sitzung in einem Partyraum mit Kaminfeuer im Untergeschoss eines alten Herrschaftshauses. Um halb zehn war ich wieder beim Bahnhof und fuhr über Ziegelbrücke nach Uznach und dann nach St.Gallen. Die Züge waren fast leer. Die Fahrt hatte etwas Gespenstisches. 

Dienstag 2. März 2017: Monika und ich haben die letzten Tage in meinen neuen Räumen gearbeitet und die Bibliothek eingerichtet. Es gibt noch so viel zu tun. Mich macht das sehr nervös aber ich habe sehr schöne Wiederentdeckungen gemacht. Eigentlich müsste man eine Bibliothek immer wieder umstellen und neu ordnen. Es ist sehr lustig, welche Künstlerinnen und Künstler da neben einander im Regal stehen. In der Bibliothek im Sitterwerk passiert das durch die Benutzer. Bei mir ist es im Moment eine alphabetische Ordnung. Die hat es aber auch in sich. Freund und Feind stehen da oft Rücken an Rücken...

Sonntag 30. April 2017: Ein erholsamer Sonntag mit viel Zeit, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten. Am Abend um 20 Uhr trafen wir uns an der Lämmlisbrunnstrasse. Barbara Signer hat vor dem Ausstellungsraum von Jiajia Zang zu  einer rosaroten Aktion zu Ehren von David Bürkler eingeladen. Auf einem kleinen Podest hat sie Weingläser vorbereitet und mit einem rosaroten Fruchtsaft aufgefüllt. Die rund zwanzig Gäste wurden dazu animiert, die Gläser mit dem feuchten Finger durch Reibung zum Klingen zu bringen. Es entstand ein feines, gemeinsames Konzert aus unterschiedlich hohen und höchsten Tönen. Im Hintergrund leuchtete es rosarot aus der Installation, die eine Ausstellung von David Bürkler dokumentiert, die 1981 in meiner St.Galerie an der Zürcherstrasse 21 stattgefunden hat. Das ist schon bald dreissig Jahre her. Roman Signer erzählte mir an diesem Abend, dass David jeweils auf dem Geländer der Fürstenlandbrücke balanciert sei. 

Samstag 29. April: Um 10 Uhr war ich in der Stiftsbibliothek verabredet. Die vier St.Galler Verlage, VGS, Triest Verlag, Jungle books und der Vexer Verlag stellten sich um 11 Uhr vor bei einem Treppenhausgespräch. Begleitet wurden wir durch den Musiker Patrick Kessler am Contrabass. Er hatte einen grossen Trichter aufgebaut, der mit einem am Mundstück angehängten Stapel Bücher in der Balance gehalten wurde. Wir mussten dann vor unseren kurzen Vorträgen einen verlags - Slogan und einige passende Adiektive in den Trichter sprechen. Die Worte wurden gesampelt und dienten dann als Untergrund für die Musik. Ich sagte den einfachen Satz: "Der Vexer Verlag ist ein Kunstprojekt". 

Das war lustig. Die Gäste sassen auf der Treppe und vor uns marschierten scharenweise Gruppen von Japanern und Chinesen vorbei, die die Stiftsbibliothek besuchen wollten. Wir haben also sehr viel Publikum erreicht... zu gast war auch meine Cousine Annemarie aus Ernetschwil. Sie lebt und arbeitet schon sehr lange im Kloster Ilanz. Der Gedankenaustausch war sehr spannend. 

Freitag 28. April: Schnee - Schnee - Schnee. Am Abend war ich in der Nachbarschaft zu einem sehr schönen Loft-Konzert eingeladen. Monika konnte nicht mitkommen weil sie Geburtstagsgäste bekochte. Schubert Lieder. Der Schwanengesang. (Nicht die Winterreise. Draussen bogen sich die Bäume unter der grossen Last) Die Musik war traurig aber wunderbar. 1. Liebesbotschaft, 2. Kriegers Ahnung, 3. Frühlingssehnsucht, 4. Ständchen, (hier brauchte der Sänger ein Glas Wasser) 5. Aufenthalt, 6. In der Ferne, 7. Abschied, 8. Der Atlas, 9. Ihr Bild, 10. das Fischermädchen, 11. Die Stadt, 12. Am Meer, 13. Der Doppelgänger, 14. Die Taubenpost. 

Ich habe ein paar libanesische Köstlichkeiten probiert und dann ab die Post. Erfüllt von der Musik bin ich zu Hause erst später zur lustigen Runde gestossen. 

Donnerstag 27. April: Gestern und heute wartete ich wieder vergeblich auf den Liftmonteur. Wenn das drei Tage dauert, wenn ich mal im Lift stecken bleiben sollte ist das gar nicht lustig. Ich war nun schon viele Tage mit dem Einräumen von meinen Büchern und dem sortieren meines Archivs beschäftigt. Es türmen sich Kistenweise Zeitungsartikel und Zeitschriften mit texten über mich und meine Arbeit. In vierzig Jahren sammelt sich einiges an. heute war es brutal kalt. ich war eingepackt wie ein Eskimo aber ich hatte total klamme Finger. Um 16 Uhr haben mich zum Glück Monika und Carol besucht und von meinem Frieren erlöst. Es hat geschneit wie im tiefsten Winter. Monika hat fein gekocht und ich habe ein Feuer angemacht, das war ein sehr gemütlicher Abend. Am Morgen war alles komplet zugeschneit. Draussen lagen dreissig Zentimeter Schnee. Es schneite dann den ganzen tag weiter und im Garten hat es viele Bäume und Sträucher geknickt. Ich verstehe das nicht. Die Erde erwärmt sich immer mehr und wir haben immer längere Heizperioden. 

Dienstag 25. April: Am Morgen bin ich für eine Projektbesprechung nach Zürich gefahren. Das war sehr intensiv und impulsiv. Ich bin gespannt wie sich dieses Projekt weiter entwickelt. Um 15 Uhr musste ich im Atelier sein. der Liftmonteur hat sich angemeldet. Er ist dann aber nicht aufgetaucht. Ich habe den ganzen tag Bücher von meiner Bibliothek sortiert und eingeräumt. 

Montag 24. April: Die Tage in Hamburg waren intensiv und unterhaltsam. Das Wetter hat alles geboten. Sonne, viel Regen und Sturmböen. Richtig abwechslungsreich wie das Kulturangebot. Wir haben einige interessante Ausstellungen gesehen und alle Museen besucht. Am eindrücklichsten war die Ausstellung von Paula Moderson Becker im Kunstforum im Rathaus. Ich habe noch nie eine so umfassende Ausstellung der Künstlerin gesehen. Sehr intensiv. Wir haben auch die Produzentengalerie besucht. Das war für mich wie eine Zeitreise. Ich hatte da mal eine Einzelausstellung in den 90er Jahren. 

Donnerstag 20. April: Wir sind sehr früh aufgestanden und nach einem schnellen Kaffee zur Bushaltestelle gerannt. Wir waren rechtzeitig da aber der Bus ist ohne uns abgefahren. Der Busfahrer hat einfach die Türe nicht geöffnet. Wir haben uns dann verbal richtig befreien können vor unserer Reise nach Hamburg. Ich finde das beim Reisen immer so anstrengend. Es braucht immer wieder höchste Beschleunigung und dann folgt oft endloses Warten. Beim Bahnhof trafen wir Margrit und Ralph. Wir haben in den letzten jahren schon einige gemeinsame Reisen unternommen und  sind ein bewährtes Reisetheam. Am Mittag konnten wir unsere Koffer im Hotel deponieren und dann machten wir gleich einen langen Stadtspaziergang in Richtung Elbphilharmonie und Hafen. Das neue Wahrzeichen von Hamburg ist wirklich toll. 

Mittwoch 19. April: Heute habe ich einen richtigen Aufräum-tag eingeschaltet. Rechnungen bezahlen, telefonieren, Texte schreiben, Fotos suchen und weitere unheimlich lustige Sachen ...

Um 16 Uhr habe ich  meinen Rollkoffer mit den neusten Büchern beladen und bin dann mit dem Bus in die Stadt gefahren. Der Rolli war so schwer, dass ich ihn kaum in den Bus tragen konnte. Ich war schon um halb fünf im Shop von der Stiftsbibliothek und habe die neusten Vexer Bücher für unsere Präsentation ausgelegt. Die St.Galler Verlage sind aus Anlass der Aktionen zum Tag des Buches zu Gast an diesem ehrwürdigen Ort.

Am Abend musste ich den Koffer packen. Am Morgen fliegen wir nach Hamburg.

Dienstag 18. April: Um 10 Uhr war ich in Zürich verabredet für eine Jurysitzung. Die Stiftung Erbprozent kann dieses Jahr bereits die ersten Gelder an Kulturschaffende vergeben. Das war eine richtig gute Runde, mit interessanten Gesprächen, quer durch alle Kultursparten. Susanna Tanner, Anne Fournier und ich haben alle Dossiers schon vor unserem Treffen in Zürich durchgearbeitet und bei allen Vorschlägen auch nach Hinweisen und Material im Internet gesucht. Bei der Beurteilung waren wir uns sehr nahe. Es war uns ein Anliegen, die Kulturschaffenden Spartenübergreifend zu beurteilen und alle Landesteile zu berücksichtigen. nach einem Mittagessen im Volkshaus einigten wir uns auf sechs ganz unterschiedliche Positionen.

Da ich früher mit der Juryarbeit fertig war, freute ich mich auf einen Ausstellungsbesuch im Haus Konstruktiv. Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind sehr schöne Installationen von Cerith Wyn Evens zu sehen. Eindrückliche, schwebende Lichtzeichnungen, Saundkompositionen und bewegte Bilder zum Künstler Marcel Broodhaers. Die zweite Ausstellung ist dem 1963 geborenen englischen Künstler Anrdew Bick gewidmet. Eine verschlüsselte und etwas verkopfte Auseinandersetzung mit den Systemen und dem Geist der Konkreten. 

Für mich war die Ausstellung von Marlow Moss eine grosse Entdeckung. Die britische Künstlerin war eine der wenigen Vertreterinnen zu Beginn der konstruktiven Kunst. Sie galt als Rebellin und kämpfte gegen die geltende Kunst- und Geschlechterrolle. Sie legte 1919 ihren weiblichen Taufnahmen Marjorie Jewel ab und nannte sich Marlow. Sie kleidete sich wie ein Mann und war fasziniert von den Arbeiten des Künstlers Piet Mondrian. 

Um 16 Uhr war ich dann bereits in der Geschäftsstelle von visarte.Schweiz für eine weitere Sitzung. Ein guter Tag!

Montag 17. April: Um 5.30 Uhr sind wir schon aufgestanden, haben schnell gepackt und sind losgefahren, um dem Stau zuvor zu kommen. Am Mittag waren wir nach vier Stunden Autofahrt bereits wieder in St.Gallen.

Donnerstag 13. April: Wir sind früh aufgestanden, haben unsere Sachen in das Auto geladen und fuhren Richtung San-Bernardino-Pass. Unseren Frühstücks Kaffee haben wir wie immer in Campagniola vor Bellinzona getrunken. Wir hatten Glück mit unserer Entscheidung, doch am Morgen früh loszufahren. Im Radio hören wir immer den Kultursender. Es war lustig. Das neue Buch mit den Interviews und Gesprächen von Max Frisch wurde besprochen. genau das Buch, das ich über die Ostertage lesen werde. dann hörten wir eine Sendung mit der Sängerin Mari Boine, Samischer Jodel. Es ist schon verrückt, dass die Samische Sprache und die Musik in Norwegen lange Zeit verboten war. Es ist wie wenn man Regen, Blitz und Donner verbieten wollte. Man kann das schon verbieten aber es nützt nichts. Die Angst der Politik vor dem Ursprünglichen, vor alten Kulturen kann ja nur darin begründet sein, dass man Ansprüche von Ureinwohnern nicht anerkennen will. Gute Musik, Null Stau - kein Stress - eine richtig schöne Fahrt in den Süden. Am Mittag waren wir schon in Agrano und wir konnten uns richtig gemütlich einrichten.

Mittwoch 12. April: Die letzten Tagen habe ich versucht einen Überblick zu bekommen, was noch alles an Vorbereitungen notwendig ist in den neuen Lager - und Arbeitsräumen. Die ganze Züglerei hat mich ziemlich mitgenommen. Mir wurde vor allem bewusst, dass auch meine Arbeits- und Lebenszeit begrenzt ist. Als Künstler neigt man ja oft dazu, sich selbst als unsterblich zu denken. Nun stehe ich frierend in den wunderbaren aber nicht heizbaren Räumen und schlottere nicht nur wegen der Kälte...  

Um 16 Uhr Besprechung mit den St.Galler Verlagen für unsere Präsentation in der Stiftsbibliothek. Anschliessend ein wichtiges und aufschlussreiches Strategiegespräch zum Folgerecht und das alles kurz vor Ostern. Am Abend um acht Uhr hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es wieder einmal Zeit wäre für ein Abenteuer. Warum nicht schon in der Nacht losfahren Richtung Italien und dann auf irgend einem Pass in einem Hospitz übernachten. Nach einigem hin und her haben wir uns dann für einen ziemlich blöden Fernsehfilm entschieden. 

Montag 10. April: Am Mittag fuhr ich nach Zürich für zwei sehr interessante Gespräche mit Künstlerinnen.

Samstag 8. April: Heute besuchten wir die Vernissage von unserer Freundin Lucie Schenker im Bernerhaus in Frauenfeld.  Anina und Kathia haben unter dem Titel "verzweig" eine sehr stimmige Ausstellung geplant mit Künstlerfreunden von und mit Lucie. Ich habe ein kleines, weisses Blütenbild und sechs weibliche "Waffen" für diese Ausstellung beigesteuert. Ich war eingeladen, die Eröffnungsrede zu halten. Ich bin extra mit dem Zug gereist, damit ich meine Rede fertig vorbereiten konnte. In Wil ist eine Kollegin mit ihren zwei Enkelkindern zugestiegen. Damit war dann Schluss mit meiner geplanten Vorbereitung. Es ging dann aber alles sehr gut an diesem stimmigen Abend.

Freitag 7. April: das war eine dichte Woche. Alle Regale sind aufgebaut. Die Tatsache, dass wir alles vorhandene Material wieder verwenden und einbauen konnten, gibt mir ein sehr gutes Gefühl. 

Dienstag 4. April: Monika hat einen sehr grossen Bus gemietet. Wir sind zusammen mit vera nach Zürich gefahren, um ihr Bilderlager an der Geerenstrasse zu räumen. Wir haben drei Stunden gebraucht um alles einzuladen. Es hat logistisch wunderbar geklappt. Der Bus war komplett gefüllt. Vor der Heimfahrt haben wir dann zwei riesige Malereien von Vera in einer schönen Wohnung in Zürich gehängt. Die zwei abstrakten Bilder sehen toll aus. Um acht Uhr abends hatten wir dann alle Werke von Vera im neuen Lager in St.Gallen untergebracht. Anschliessend waren wir zu einem feinen Nachtessen eingeladen. Theo hat gekocht.

Montag 3. April: Die letzten zwei Tage habe ich zusammen mit Vera den Aufbau der neuen Bibliothek und die Nutzung der Räume an der Lukasstrasse geplant. Mein Ziel ist es, möglichst alle bestehenden Regale wieder zu verwenden und zusammen mit dem Schreiner Matthias Strupler neu aufzubauen. Solche Planungen und Entscheidungen sind für mich immer sehr emotionale Momente. Vera kann zum Glück sehr gut damit umgehen. Nun steht das Raukonzept und ich bin sehr gespannt wie sich alles weiter entwickelt.

Samstag 1. April: Monika hat mich am Morgen früh von Roggwil zur Hochschule der Künste in Bern gefahren. Wir hatten dort mit visarte.schweiz eine Gruppenkonferenz, die von Pablo Bianchi moderiert wurde. Wir wollten zusammen mit Studierenden herausfinden, wie sich visarte verjüngen könnte. Die Studenten waren dann leider nicht anwesend. Sie haben uns eine anonymisierte Videobotschaft zugespielt. Mir hat diese radikale Geste gefallen. Die Studierenden haben uns klar gemacht, dass sie sich nicht befähigt und beauftragt fühlen, an Stelle von tausenden von Kunststudenten Antworten auf unsere Fragen zu liefern. Die Vertreterinnen und Vertreter der 18 visarte Gruppen mussten sich somit einen Tag lang selber hinterfragen. Mir hat die Veranstaltung viele Erkenntnisse geliefert. Nun stellt sich die schwierige Aufgabe, wie diese vielen Anregungen aus dem Plenum umgesetzt werden können.

Als Abschluss besuchten wir am Abend ein paar Häuser weiter die Präsentation der Wettbewerbsarbeiten für die Kunst am Bau im renovierten Bundeshauses in Bern. Hans Rudolf Reust hat die einzelnen Arbeiten vorgestellt. 

Freitag 31. März: Am frühen Nachmittag sind wir losgefahren nach Roggwil im Kanton Bern. Wir wurden erwartet für die Ausstellungseröffnung von Urs Burki in der Kunstgalerie Bromer. An diesem Abend wurde auch die im vexer Verlag erschienene Monografie des Künstlers vorgestellt. Das von Andreas Comte gestaltete monumentale Buchkunstwerk ist sehr schön geworden. Ich war sehr glücklich, dass sehr viele Freunde aus der ganzen Schweiz angereist waren. Mario Botta hat als Freund des verstorbenen Künstlers und Schönheitschirurgen eine sehr persönliche Ansprache gehalten. Das war eine von vielen schönen persönlichen Begegnungen an diesem Abend.

Donnerstag 30. März: Heute hatte ich um 10 Uhr meinen Abgabetermin an der Haggenstrasse 51. Es ist schon sehr speziell, nach 25 Jahren einen wunderbaren Atelierraum abzugeben. Für mich ist an diesem Ort so viel Gutes passiert. Leider ist meine wunderbare Vermieterin Frau Schüppach verstorben. Ich kann mich aber wirklich nicht beklagen. Ich hatte ein viertel Jahrhundert die Möglichkeit zu sehr günstigen Bedingungen zu arbeiten. Nun freue ich mich auf die neuen, grossen  Räume an der Lukasstrasse. Auch dieser neue Arbeitsort ist nicht beheizt. Es ist wirklich sehr speziell. Seit meinen Anfängen in den siebziger Jahren habe ich immer in ungeheizten Räumen gearbeitet. Zuerst ab 1975 an der Brauerstrasse 3 dann im "Zabi" an der Haldenstrasse, dann nach meinem Frankreich - Jahr ab 1985 im schönen Atelier an der Schochengasse, dann ab 1992 in der zweigeschossigen, ehemaligen Mosterei an der Haggenstrasse 51 und nun ab dem 1. April im riesigen, kathedralenartigen Dachgeschoss an der Lukasstrasse 29. Ich werde mich weiterhin warm anziehen müssen für meine Arbeit. Kunst wird für mich immer Feldarbeit bleiben. Planen, säen, ernten. Mir wurde in den letzten vierzig Jahren immer wieder bewusst, dass zum Erfolg auch sehr viele äussere Faktoren eine grosse Rolle spielen.

Meinen Abschied von der Haggenstrasse habe ich mit grosser Dankbarkeit und Vorfreude auf den neuen Arbeitsort ganz für mich alleine vollzogen. 

Mittwoch 29. März: Nach meiner Bauarbeit am Gartenhaus musste ich um 16 Uhr in der Stiftsbibliothek sein für eine Besprechung. Wir sind anlässlich vom internationalen Tag des Buches eingeladen, unsere Bücher im Shop zu präsentieren. Mit dabei sind die VSG, der Triest Verlag und jungle books. Zudem planen wir eine Veranstaltung unter dem Titel "Treppenhausgespräch" am 29. April um 11 Uhr. Für die musikalische Begleitung konnte ich den Bassisten Patrick Kessler gewinnen. 

Dienstag 28. März: Heute hatten wir in Zürich eine Sitzung mit dem Zentralvorstand von visarte.schweiz. Das war ziemlich anstrengend. Die Finanzen, der PRIX VISARTE, die Zeitschrift Schweizer Kunst, die Nachfolgeregelung von Eva - Maria Würth, Kulturpolitik usw. Es gab viel zu reden und zu regeln. 

Montag 27. März: Ich habe mir vorgenommen, unseren kleinen Geräteschuppppen im Garten zu reparieren. Die Dachpappe muss erneuert werden. das Dach ist teilweise verfault. Das gibt einen grossen Bastel aber ich liebe das improvisierte Bauen. Als Abwechslung habe ich damit begonnen, unseren riesigen Komposthaufen um zu graben. Monika hat ein Sieb gekauft, um die frische Erde zusammen mit Ruth gartengerecht vorzubereiten. 

Sonntag 26. März: Am Wochenende habe ich zusammen mit Monika die Räume an der Haggenstrasse gereinigt. Nun ist alles geschafft. Totale, besenreine Leere. Vera war an diesem Wochenende in Leipzig. Sie konnte unsere vexer Bücher mit grossem Erfolg an einer kleinen Messe an der Akademie präsentieren.

Donnerstag: Am frühen Morgen war ich eingeladen, um einen Vortrag zu halten zu meiner Sicht auf das geplante Kulturförderungsgesetz im Kanton St.Gallen. Die vorbereitenden Kommission des Kantonsrats tagte unter dem Vorsitz von Bettina Surber an der Moosbrugstrasse. Ich musste nach meinem Vortrag direkt zum Bahnhof, damit ich den Zug nach Zürich nicht verpasste. Bei visarte war eine Sitzung zum Folgerecht angesagt. Anschliessend trafen wir uns mit dem Rechnungsrevisor René Steimer und am Nachmittag hatten wir ein sehr gutes Gespräch mit einer Kandidatin für den Zentralvorstand von visarte.schweiz. 

Nach meiner Rückkehr nach St.Gallen besuchte ich die Eröffnung im Hiltibold an der Goliathgasse. Andrea Vogel machte eine Frühlingsperformance. Mit einem Staubsauger saugte sie die Isolierfüllung aus einer aufgeschnittenen Winterjacke. Die gefüllten Staubsaugersäcke lagen wie kleine Wolken auf der Strasse. Ich freute mich sehr auf die Arbeit von Vera. Sie hat in der grossen Vitrine, mit ganz einfachen Mitteln, eine sehr schöne Landschaft installiert. 

Mittwoch 22. März: Am Morgen um sieben Uhr hat mich Hans Enderli mit seinem Lastwagen abgeholt. Heute ist der letzte Zügeltag. Mit Gurten haben wir die zwei schweren Listaschränke die grosse Treppe herunter getragen. Heute war alles sehr schwer. Noch einmal zwei prall gefüllte Lastwagen voll Ware. Um 14 Uhr war es vollbracht. Am Nachmittag wollte ich dann noch einen persönlichen Text zur Notwendigkeit des Kulturförderungsgesetzes des Kantons St.Gallen schreiben für das Kultur - Magazin Saiten . Das Schreiben viel mir schwer und ich war erst um zehn Uhr in der Nacht zufrieden mit dem Geschriebenen.

Dienstag 21. März: Am Morgen in der Früh war ich verabredet im Radiostudio von Radio DRS im Silberturm. Am Anfang war ich sehr nervös. Der sehr gut vorbereitete Moderator Joachim Salau hat mich schon mit der ersten Frage herausgefordert. Nach der Sendung bin ich direkt in die Physio - Balance zu Theresa German gegangen. Die Körperarbeit tut mir sehr gut. ich bin erstaunt, wie gut ich bisher den körperlich sehr anstrengenden Umzug überstanden habe. Bewegung scheint nicht zu schaden. Ich habe schon Oberarme wie ein Alpkäser.  

 

 

Blick in die Feuilletons mit Josef Felix Müller

 

«Der Strukturwandel im internationalen Kunstmarkt betrifft auch die Schweiz: Kleine Galerien haben es schwerer denn je.» Das sagt der Künstler und Präsident von Visarte Schweiz, dem Berufsverband für visuelle Kunst im Gespräch mit Joachim Salau.

Foto von Josef Felix Müller vor dem eigenen Kunstwerk
Bildlegende:Der St. Galler Künstler Josef Felix Müller. KEYSTONE
 
Sonntag 19. März: Ausgiebiges Sonntagsfrühstück, dann eine anregende Sternstunde mit der Feministin Laura Penny. Ihre These: "Die nächste Revolution ist feministisch". Eine beeindruckende junge Frau. Anschliessend ein sehr schöner Spaziergang zum Bauernhof oberhalb von MörschwilSamstag
18. März: Um zehn Uhr war ich an der Haggenstrasse mit Matias Stebler verabredet. Er hat einen grossen Anhänger, der für meinen Umzug sehr geeignet ist. Zusammen mit Matias habe ich zwei Fuhren gemacht mit allen Sachen, die ich nicht auf Paletten transportieren konnte. Riesige Holzplatten und grosse Skulpturen. Am Abend hat Monika ein "Essen vorbereitet für unsere frisch pensionierte Freundin Kathrin. Wir waren eine schöne Runde zusammen mit Urs, Bri und Felix. Monika hat super gekocht und einen sehr guten Wein ausgeschenkt, den wir von Frankreich mitgebracht haben. Ich habe mich mit alkoholfreiem Bier vergnügt.

Freitag 17. März: Am Mittag habe ich eine feine Suppe gekocht für Anita Zimmermann. Wir sind dann gemeinsam nach Trogen gefahren, um das leerstehende Fabrikgebäude anzuschauen, in dem Anita die zweite Ausstellung unter dem Label "Geiler Block" organisieren wird. In diesem Gebäude war der Cornelia-Versand untergebracht. ich habe mir einen sehr speziellen Raum ausgesucht im Untergeschoss. Ein merkwürdiger Garderobenraum mit drei Spinden, einem Lavabo und zwei Fensterschächten. 

Anita hat mich dann nach Wald gefahren. Im Bierli, dem Gästehaus von der Schlesinger Stiftung fand eine kleine Ausstellung statt, die von Christian Rothmaler organisiert wurde. Jiajia Zang hat zwei schöne Collagen präsentiert. Alle beteiligten Künstler haben ein Plakat gestaltet. Die Präsentation ist unaufgeregt, unspektakulär und sehr sympatisch. Am Abend waren wir bei unseren Nachbarn Liliane und Paul und ihren drei Katzen zu einem feinen Essen eingeladen. Sie wohnen im Nebenhaus an der Lindenstrasse in der Attikawohnung. Es ist immer sehr speziell unser Haus und den Garten von oben herab aus einer ganz anderen Perspektive anschauen zu können. Ein richtig gemütlicher Abend.

Donnerstag 16. März: Heute haben mich Luigi Archetti und Bo Wiget besucht. Wir planen ein interessantes Projekt im Vexer Verlag. Die Besprechung hat richtig Spass gemacht. 

Am Abend habe ich die Hauptversammlung von visarte.ost im Nextex besucht. Stephan Rohner gibt das Präsidium nach zehn Jahren ab und wird abgelöst von Angela Kuratli und ,Anna Beck Wörner, die das Amt zusammen leiten werden. Es ist interessant, dass nach Graubünden und visarte.ost  schon bald auch die visarte.zentralschweiz im Co Präsidium geleitet werden wird. 

Mittwoch 15. März: In den letzten Tagen habe ich die Wände des WC-Raumes im Atelier abgebrochen. Als Baumaterial hatte ich vor vielen Jahren grosse Druckplatten von Holzschnitten verwendet, die ich 1995 im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt habe. Die 12 teilige Arbeit heisst "Gesellschaft" und die Drucke sind 258 x 108 cm gross. Ich wollte diese Platten vor der Zerstörung retten und ich hoffe, im neuen Atelier eine neue Verwendung für das Werk zu finden.

Montag 13. März: Heute musste ich schon um sechs Uhr aufstehen. Ich hatte gemeinsam mit Regine Helbling einen Termin beim Bundesamt für Kultur in Bern, um die Leistungsvereinbarung von visarte.schweiz zu diskutieren. Das war ein guter Tag. Nach meiner Rückkehr in St.Gallen hatte ich sehr viele Telefongespräche zu erledigen. Wir suchen für den Zentralvorstand von visarte eine junge Nachfolgerin für Eva Maria Würth. Sie ist nachgerückt als SP Vertreterin im Zürcher Kantonsrat.

Sonntag 12. März: Den ganzen Tag von 10 Uhr bis 17 Uhr am Büchertisch. Ich konnte viele Gespräche führen. Heute war ein richtiger visarte Tag. Ich bin nun wieder auf dem neusten Stand der Vereinsgeschichte. An kleinen Buchmessen gibt es in der Schlussphase meistens einen regen Büchertausch unter den Verlagen. Es kann passieren, dass man vom Volumen her wieder gleich viele Bücher mit nach Hause nimmt wie man mitgebracht hat. Für mich ist alles sehr positiv gelaufen. ich habe gut verkauft, viele Kontakte geknüpft und zudem habe ich einige vielversprechende Buchprojekte im Kopf. Die Fahrt nach St.Gallen war sehr entspannt. Vor Wil erlebten wir einen magischen Moment. Völlig unerwartet war plötzlich der Vollmond zu sehen in einer unglaublichen Grösse. Ein wunderschönes Abendlicht. 

Samstag 11. März: Der Tag an der Buchmesse war anstrengend. Ich hatte sehr viele spannende Begegnungen und Gespräche. An solchen Orten sind auch immer Autorinnen und Autoren mit ihren Projekten unterwegs, um einen passenden Verlag zu finden. Die Spannbreite der Buchideen reicht immer von sehr peinlich bis zu grossen Überraschungen. Der Tag war lang. Ich stand an meinem Bücherstand von 10 Uhr am Morgen bis um acht Uhr am Abend mit einer kurzen Kaffeepause. Am Abend sind wir gemeinsam mit Erika ins Neubad zu den Lesungen gegangen. Severin Perrig hat wie letztes Jahr die Moderation gemacht. Der sehr gescheite Mann weiss viel und hört sich selber gerne zu. Ein richtiger Wissens-Geniesser. Den Auftakt machte Dieter Zwicky mit einem ziemlich verqueren Text. Zora del Buono hat in ihrem neuen Buch ihre Liebe als reife Frau zu einem jungen amerikanischen Studenten beschrieben. Na ja - was soll's. Wenn es funkt darf das doch sein. Der Israelische Autor Tomer Gardi hat eine spannende Geschichte in gebrochenem Deutsch geschrieben und vorgetragen und Alex Capus hat nicht gelesen, sondern frei erzählt. das war sehr unterhaltsam. Ich sass im Neubad zwischen Michael Guggenheim und Monika. Hab mal nach  links und mal nach rechts Auskunft gegeben.

Freitag 10. März: In den letzten Tagen habe ich alle Bücher vorbereitet für den Buchmarkt in Luzern. Heute Morgen habe ich unser Auto beladen. Wir hatten eine gute Fahrt und waren pünktlich um eins bei unserer Freundin Erika Bachmann. Sie hat uns zu einer feinen Suppe eingeladen und beherbergt uns bis zum Sonntag. Am Nachmittag habe ich den Büchertisch in der Kornschütte eingerichtet und um 17 Uhr ging es los. Die beteiligten verlage werden jedes Jahr neu verteilt. man hat also die Chance im Lauf der jahre alle Verlegerinnen und Verleger besser kennen zu lernen. Dieses Mal waren Flurina und Gianni Paravicini meine direkten Nachbarn und gegenüber von mir waren Ursula und Theo Hurter aus Winterthur mit ihrem kleinen Verlag "SchwarzHand Presse".  

Mittwoch 8. März: Ein weiterer Meilenstein für das neue Atelier. Ich habe mich an der Lukasstrasse mit Daniel Ammann getroffen, um alle Fragen zu klären, wie die elektrischen Leitungen für das Licht und die Steckdosen mit möglichst geringem Aufwand optimiert werden können. Die Räume waren bis vor einigen Jahren von der Matratzenfabrik "bisal" belegt. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren nicht in einem tiefen, künstlerischen Schlaf versinke. 

Montag 6. März: Einige Telefontermine, einige Anfragen und Abklärungen erledigt und ein paar "Lenin" Bücher (Über die Notwendigkeit des Bewahrens) von Adi Hösli eingepackt und verschickt.  Am Nachmittag im Atelier weiter aufgeräumt. Ich habe Holzwände abgebrochen, in denen ich frühe Skulpturen eingebaut und "versteckt" hatte. Ich wollte diese Werke in den letzten Jahren nicht dauernd sehen und zeigen. Die drei Frauen und die vielen kleinen Skulpturen musste ich von Spinnweben und Staub befreien. Nun stehen sie "in sich gekehrt" für den Abtransport bereit. Am Abend war ich fix und fertig und habe mir feine Ravioli mit viel frischem Gemüse gekocht. Dann zwei wunderbare aber deprimierende Filme auf Arte angeschaut.  

Sonntag 5. März: Starker Kaffee und die üblichen Sonntagszeitungen haben mich fit für den Tag gemacht. Der Autohändler Frey soll Ringier 230 Millionen für die Blick Gruppe angeboten haben. Eine windige Sache hinter der eigentlich nur Herr Blocher mit seinen strammen Männerfreunden stehen kann. Zu viel Geld hat oft Auswirkungen wie unheilbare Krankheiten. 

Um 11 Uhr waren wir bereits bei einem schönen Frühstück bei Carol in Appenzell. Frisch gebackene Zöpfe und weitere Köstlichkeiten bauten uns auf für einen guten Tag. Gartenarbeit war angesagt. Rebenschneiden, Beerensträucher umpflanzen, Rosen zurückschneiden und den riesigen Rabarberstock teilen und versetzen. Ein warmer und sonniger Sonntag. 

Am frühen Abend habe ich zusammen mit Monika die Ausstellung von Christian Hörler in der Ziegelhütte in Appenzell angeschaut. Er hat mir vorab schon den kleinen Katalog zugeschickt. Die gelungene Werkschau hat mich sehr beeindruckt. Empfinden durch Arbeiten, verstehen-lernen durch Tun, unaufgeregtes Annehmen der sich ergebenden Resultate. Entscheidungen treffen, schauen, staunen und weiterarbeiten. Heute war schon wieder ein guter Tag.

Samstag 4. März: Zusammen mit Matias Stebler den ganzen Tag geschuftet. Wir haben alle grossen Bilder, alle Regale und alle überlangen Rollen mit Holzschnitten, Zeichnungen und Malereien an die Lukasstrasse transportiert. Ich konnte heute eine grosse Belastung ablegen. Die zwei mal drei Meter grossen Bilder konnten wir auch mit dem Warenlift trasportieren. Bei einem Umzug lernt man Rechnen. Die Diagonale war für mich schon lange nicht mehr so wichtig wie heute...

Am späten Nachmittag waren wir am Bodensee zum Essen und Jassen geladen. Ein schöner und gemütlicher Abend. 

Freitag 3. März: Heute Morgen baute ich zusammen mit Matthias Strupler alle Archiv- und Bibliothekregale ab. Dann trug ich alle grossen Bilder ins Erdgeschoss, damit ich Morgen den divisielen Transport machen kann. Am Nachmittag traf ich Jiajia Zang zum Kaffee. Sie hat ein interessantes Projekt angeregt. Sie hat mich eingeladen, eine Hommage an meine St.Galerie und die Ausstellung von David Bürkler von 1981 zu machen.

Am Abend waren wir an der Eröffnung der Ausstellung von Andrea Büttner in der Kunsthalle. Eine sehr eindrückliche Inszenierung, in der eine von der Friedensbibliothek/Antikriegsmuseum Berlin erarbeitete Präsentation über Simone Weil im Zentrum steht. Auf einfachen Stellwänden sind historische schwarz-weiss Fotos und handgeschriebene Texte aufgereiht. Krieg, Entbehrung, Unterdrückung, Einsamkeit und Leid an Körper und Geist... Die Lektüre lässt einen eintauchen in eine mystische und humanistische Weltsicht, die in der Präsentation auch an Rudolf Steiner und Joseph Beuys erinnert. Die religiös geprägte Präsentationsform irritiert und fasziniert. Andrea Büttner arbeitet mit sehr subtilen Setzungen von grosser inhaltlicher Substanz, die sie sich  "quasi" ausleiht und mit eigenen Arbeiten auf ganz subtile Art  auflädt. Die ganz einfach gehaltenen, grossen Holzschnitte vermitteln eine erstaunlich frisch wirkende "ältelige" Zeit. Säen, Ernten, Auslegen, Nachzählen und Teilen. Eine subtil Ausstellung, die ich sicher noch mehrmals besuchen und studieren werde.

Anschliessend gemeinsames Essen mit Elisabeth und Thomas beim Italiener. 

 Donnerstag 2. März: Gestern und heute haben wir weitere Bücher und Archivalien verpackt. Monika mietete heute einen Bus. Bis um 18 Uhr haben wir zwei Ladungen geschafft. Unter Anderem eine schöne, fünfteilige Schriftarbeit von Monika aus den 80er Jahren. Mein Bruder Hubert hat damals die Schriften in Marmorplatten gehauen. Ich kann mich noch erinnern, dass HP Müller damals gefunden hat, Monika sei viel die interessantere Künstlerin wie ich. Sie hat dann noch eine rund dreissig teilige Serie von "Pisskugeln" gemacht aus Urin und Seife und ein wunderschönes Seifenhündchen. Das habe ich gestern sorgfältig eingepackt. Dazu gibt es noch eine Serie von Zeichnungen. Das war es dann mit der Kunst, schade.

Dienstag 28. Februar: Am Morgen früh wartete ich beim Restaurant Blume auf den Lastwagen für weitere Transporte. Wir haben wieder 15 Tonnen transportiert.

Montag 27. Februar: Am Morgen sind wir zum Bahnhof gefahren. Peter Z. Herzog hat alle Schaumdosen in zwei riesigen Griechischen Taschen mit dem Zug nach St.Gallen gebracht. Die müssen nächstens restauriert und archiviert werden. 

Sonntag 26. Februar: Heute Morgen den Film über Al Imfeld in den Sternstunden gesehen. Lebensfreude, Intelligenz und Neugierde haben diesen Journalisten und Theologen geprägt. Ein feinsinniger Denker und verführbarer Geniesser-Priester. Sein neu erschienenes Buch über seine erotischen Erlebnisse und Phantasien muss ein Schreck für die katholische Kirche sein. Und das alles von einem Mann aus dem hinterwäldlerischen Napf im Emmental, erlebt in Afrika. Die Illustrationen die ich gesehen habe finde ich aber schrecklich.

Am Nachmittag sind wir in die Stadt spaziert. Als Erstes wollte ich wieder einmal an der Oststrasse vorbeigehen, wo Vera in den 90er Jahren einmal gewohnt hat. Das Haus ist schrecklich renoviert, mit Kunststoff-Fensterrahmen und die Jugendstielfassade ist angestrichen mit einer Schlagrahmfarbe. Wir sind dann weiter am Spital vorbei. Beim Volksbad sind uns zum ersten mal die sehr speziellen Malereien unter dem Dachvorsprung aufgefallen. Badende im Schilf? - da muss ich mal näher ran. Beim Kunstmuseum, auf der Seite der Museumstrasse fragte ich mich, warum auf der Terrasse über dem Medienraum kein Museumskaffee eingerichtet ist. Das wäre eine grossartige Aufwertung des Quartiers.  

Dann sind wir weiter zur Goliathgasse. >Ich wollte mir unbedingt die Arbeit von Elisabeth Nembrini im Hiltipold anschauen. Aus der Distanz wirkt das bemalte fenster wie eine vergrösserter Plan. Je näher man dann kommt, verwandelt sich der Plan in eine verschneite Kultur - Landschaft. Mir gefällt das sehr. Eine organische Malerei aus Quark, die sich langsam verändert und wieder auflöst. Im zweiten Fenster hat Salome Schmuki ein rätselhaftes Schriftbild realisiert. "Double Keys". Der Spaziergang hat sich gelohnt. Die Stadt war an diesem Abend ziemlich leer. Der Marktplatz bedeckt mit Konfetti. Im Bus haben wir gelesen, dass am Nachmittag 40 tausend Menschen am Fastnachtsumzug teilgenommen haben. Nun steht Vadian wieder alleine da auf seinem Sockel. 

Samstag 25. Februar: Lange ausgeschlafen, etwas gelesen in den Tagebüchern von Paul Klee und von Fritz J. Raddatz.  Raddatz schreibt schnell, klug, eitel bis zum Scheitel und radikal. Er entblösst "beste" Freunde hemmungslos. Ich habe ihn einmal erlebt in Wien in den 80er Jahren, zusammen mit Hrdlicka an einer Vernissage bei Ernst Hilger. Ich hatte damals keine Ahnung was für eine wichtige Rolle FJR im Kultur- und Literaturbetrieb innehat. Heute weiss ich immerhin, dass er noch ein Jahr jünger ist als ich. Er drescht in seinen Notizen auch unverschämt schön auf unseren schreibenden Nationalhelden herum. Auch Dürrenmatt kriegt sein Fett weg. Das Buch ist sehr zu empfehlen als eine intime Sicht auf die Kulturelle - Zeitgeschichte der 80er und 90er Jahre. rororo 25899. 

Nach der Lektüre ein kurzer Spaziergang über die Wiesen nach Mörschwil. Überal ist Fasnachtsmusik hörbar. Beim Bauernhof trinken wir einen Holunderpunch, essen etwas Süsses und kaufen unser Sonntagsfrühstück ein. Mit dem Gehen verbessert sich meine Tageslaune enorm. ich bin etwas angespannt und körperlich sehr müde von der Plackerei mit meinen Umzugskisten.

Am Abend fuhren wir nach Oberriet und parkten beim Friedhof. Hier war die Hölle los. Viele fasnächtlich geschmückte Wagen standen da, mit lauter Musik, tanzenden Jugendlichen und verkleideten Kindern. das wirkte ziemlich absurd und auch etwas traurig. Wir besuchten den Gottesdienst in der Pfarrkirche, im Gedenken an meine Mutter, die vor zwei Jahren verstorben ist. Anschliessend haben wir mit einigen Geschwistern und ihren Angetrauten im Adler gegessen. Erstaunlich gute Küche. In den siebziger Jahren gab es hier höchstens Fleischkäse mit Spiegelei und wenn man Glück hatte noch mit Schinken. Na ja. 

Freitag 24. Februar: heute habe ich bemerkt, dass ich nun schon seit mehr als fünf Jahren an diesem Tagebuch schreibe.  In den 80 er Jahren lag ich manchmal Tagelang auf meinem Sofa im Atelier an der Schochengasse (heute ist dort der Hauptsitz der Raiffeisenbank in St.Gallen) und las das Tagebuch von Andy Warhol. Das war ein endloses Aufzählen von den abendlichen Treffen mit Stars aus der Musik und Kunstwelt, Warhol notierte auch kleinlichst jede Ausgabe für seine Taxifahrten. Taxi Dollar 7.50, traf Mick Jagger im Club sowieso - oder er schrieb: "Taxifahrt Dollar 20.75, sass den ganzen Abend neben Yoko Ono" -  Yoko Ono ist am 18. Februar 84 Jahre alt geworden. Sie sagte unter Anderem:  

«Kosmetik ist ein Segen für jede Frau, aber das beste Beauty-Helferchen eines Mädchens ist und bleibt ein kurzsichtiger Mann.»   

Ich weiss gar nicht ob ich diese Aussage so toll finde. Vor allem stimmt sie überhaupt nicht. Ich als extrem Kurzsichtiger weiss, dass alles aus der Nähe betrachtet viel klarer, schärfer und tief-porig wird.

Am Abend sind wir zu Carol Forster nach Appenzell gefahren. Zu ihrer Geburtstagsfeier. Eine bunte Gruppe von starken Frauen waren da und die Männer hörten zu. Was wäre Appenzell ohne die Frauen. Essen - Gespräche - Stimmung - alles vom Feinsten. Ich habe mich lange mit Juri, Gass und mit Albert Oehlen unterhalten. Er war gerade in Amerika und hat von der aktuellen Stimmung berichtet. Die politische Situation ist so deprimierend. Viele Menschen sind wütend, vor allem in den Städten.

Zu späterer Stunde gab es noch ein Tänzchen von Juri und Carol zu bestaunen. Juri ist ein hervorragender Salsatänzer. Er hat dann auch noch Agathe Nisple herausgefordert.  Ich war leider zu müde um zu tanzen. 

Donnerstag 23. Februar: Monika und ich waren den ganzen Tag an der Haggenstrasse. Wir verpackten alle Bücher aus den Bereichen Literatur, Philosophie und von den regionalen Künstler aus der Ostschweiz. Als Leckerbissen kümmerten wir uns dann gemeinsam um alle signierten Sonderausgaben, Originalbücher und die Sammlung der Multiples. Ich räumte einen riesigen Lista-Schrank mit Zeichnungen aus den 80 er und 90 er Jahren aus. Das war wie ein Wiedersehen von vielen alten Freunden. Mit all den Zeichnungen könnte ein Museum gefüllt werden. In einigen Schubladen fand ich Mäusekot. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die Tiere in diesen Schrank gelangt sind. Ich habe auch keine mumifizierten Tiere gefunden und es war nichts angefressen. Ein Mäusewunder in meinem Atelier? 

Am Abend habe ich eine wunderbare Pasta gekocht. Dazu gab es einen frischen Salat. Dann konnten wir uns nur noch erschöpft vor den Fernseher schleppen. Auf Arte wurde eine vierteilige Kriminalserie aus Island gezeigt. Ich habe alle vier Folgen angeschaut und gestaunt, wie sich Reykjavik in den letzten dreissig Jahren entwickelt hat. So lange war ich nämlich nicht mehr in dieser Stadt.  

Mittwoch 22. Februar: Heute haben wir zu viert meine ganze Bibliothek in Archiv-schachteln verpackt. Am Abend war ich Nudel fertig aber glücklich. Es ist sehr interessant und es gibt ein gutes Gefühl, alle Bücher einzeln in die Hand zu nehmen und zu verpacken. Ich habe so viele alte Schätze wieder gesehen. ich freue mich schon auf den Aufbau der neuen und viel grösseren Bibliothek.

Am Abend traf ich Roman Signer im Metropol beim Hauptbahnhof. Er möchte gerne eine Fotografie von der Aktion, die wir gemeinsam am Necker gemacht haben. Vor fünf Jahren wässerte Roman 112 seiner "Skulptur Bücher von 1987" im Necker. Die durchnässten Bücher hängten wir dann in der Probstei St.Peterzell im Dachstock zum trocknen auf. Die Vexer - Necker - Skulptur war damals ein sehr schöner Beitrag für eine grosse Verlagspräsentation.

Dienstag 21. Februar: heute um 10.10 Uhr erwartete ich die Schätzkommission von der Stadt St.Gallen. Unser Haus muss nach 10 Jahren neu eingeschätzt werden. 

Am Nachmittag haben wir dann mit der Transportfirma Enderli aus Steinach rund 15 Tonnen Bücher und Kunst an die Lukasstrasse transportiert. Wir waren sehr gut vorbereitet und alles hat wunderbar geklappt. 

Montag 20. Februar: Nach dem üblichen Kaffee, Fruchtmüsli und Tageszeitungsleser- Ritual bin ich zusammen mit Monika an die Lukasstrasse gefahren für die Schlüsselübergabe von meinem neuen Atelier und Lagerraum. Es gibt noch einiges zu regeln aber ich freue mich sehr auf diesen inspirierenden Ort und auf das zukünftige Schaffen.

Am Abend traf ich Kaspar Toggenburger und Peter Emch in Winterthur im national beim Bahnhof. Es gab einiges zu besprechen für die neuen Nummern der XYLON Zeitschrift für das Jahr 2017. Wir haben in den letzten fünf Jahren wunderbare Mappen herausgeben können mit Felix Droese, Iréne Wydler, Claudie Compte, Alix Stadtbäumer, Sébastien Metraux, Gustav Kluge, Iean Cotti, Gabriela Jolonicz, Patrick Graf und vielen weiteren spannenden Künstlern. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir viele junge Abonnenten gewinnen könnten. Irgendwie ist die XYLON Zeitschrift ein Bollwerk im digitalen Wahnsinn. Heute haben viele Menschen den Irrglauben, dass sie alle Informationen eins zu eins aus dem Internet herunterladen können. Für mich ist ein spezielles Printprodukt aber immer noch eine grosse Freude.  

Sonntag 19. Februar: Sehr früh aufgestanden. Wir sind nach  Giubiasco gefahren, um die Arbeiten von der Ausstellung "ArteperArte ilpaesedi Tell" zurück zu holen. Gemeinsam mit der Malerin Anna Altmeier und mit Hans Jörg Bachmann haben wir gleich auch die Arbeiten von Hans und Harlis Schweizer abgehängt und verpackt. Es ging alles sehr rasch. Ein kurzes Händeschütteln und ein paar Sprüche ausgetauscht mit Urs Dickerhof, Giancarlo Tamagni, Pavel Schmidt und Ruedy Schwyn und dann ab die Post. Wir wollten zeitig zurück, weil wir auf der Rückreise Lilly Keller in Thusis besuchen wollten.

Lilly hat sich sehr schön eingerichtet. Die umgebaute Scheune ist sehr gross. Die Stimmung ist noch fast dichter wie in Montet. Zwei lustige Hunde, viel Kunst, erlesene Teppiche, schöne Möbel, Pflanzen und unzählige Sammlungsstücke bilden mit Lilly Keller zusammen eine Lebens - Einheit. Bewundernswert, wie Lilly das alles geschafft hat. Wir haben dann eine wunderbare Erdbeertorte aus der Dorfbäckerei gegessen und feierten den Geburtstag von Lilly. Wir wussten gar nichts von diesem historischen Tag. Der Zufall hat uns am richtigen Tag zu Lilly geführt.

Samstag 18. Februar: ich habe am Morgen zwei Kollegen getroffen, um einen Atelierbesuch vorzubereiten. Anschliessend habe ich im Stadt Cafe beim Marktplatz die NZZ vom Donnerstag nachgelesen Es war ein interessanter Artikel über die Vergabe vom Swiss Art Award erschienen. Die Kriterien für die Auswahl werden von den Jury-mitgliedern nicht genannt und alles passiert unkontrollierbar im Verborgenen... Der Wirt schenkte mir dann die Zeitung. Er hat alles im Doppel und behält alle Zeitungen eine Woche lang.  Anschliessend habe ich auf dem Markt feine Gemüse und Kräuter eingekauft.

Am Nachmittag kochte ich auf meinem kleinen Holzherd eine grosse Keule von einem Truthahn, der eine erfülltes und glückliches Leben auf einem Bauernhof im Rheintal erlebt hatte. Ich habe das Fleisch scharf angebraten, einen sehr grossen Kohlrabi in Stücke geschnitten, drei Zwiebeln mit Nelken gespickt, Stangensellerie geschnitten,frische Lorbeerblätter und viel Rosmarin direkt aus dem garten geholt und alles in den Sud gelegt. Dann habe ich zwei Flaschen Vollmondbier in den Topf geleert und alles mehr als drei Stunden auf dem Holzherd köcheln lassen. 

Am Abend sind dann Monika und Carol direkt vom Wellnessen zu Tisch gesessen und ich wurde ganz schön gelobt. Als Vorspeise hatte ich ein Carpaccio vorbereitet mit geräuchertem Schweinefleisch, fein geschnittenem Fenchel und einem Zitrone-Honig-Olivenöl - dressing. Dann gab es das wunderbare Truthanfleisch, das nicht geschnitten werden musste, weil es so richtig schön vom Knochen gefallen ist. Serviert habe ich das mit (selbst gepflanzten) Stangenbohnen und Kartoffelstampf. Ich gönnte mir einen alkoholfreien Most.

Freitag 17. Februar: Monika hat heute einen Bus gemietet. Wir haben einiges zu erledigen. Zuerst den Märchenwald aufladen im Atelier, dann die Fahrt nach Zürich zu einer Cousine von Monika und anschließend dem See entlang zu Hornbach am Zürichsee. Dort kaufte ich 202 Archivschachteln für meinen Umzug. Ich denke das sollte genügen. Wir haben dann am Abend alles im Atelier abgeladen und brachten den gemieteten Bus zurück. Wir fühlten uns heute wie zwei Ferienreisende im Wohnmobil. Man sitzt in so einem Bus sehr hoch oben und hat eine gute Übersicht. Ich fand den Sitz aber sehr unbequem. Na ja. 

Donnerstag 16. Februar: Heute habe ich ein wunderbares Seerosenblatt gemalt, das so toll im Bild liegt... 

Mittwoch 15. Februar: heute war ich mit dem defekten Dampfabzug von unseren Nachbarn beschäftigt. Die Regel gilt: Wo Dampf erzeugt wird, muss derselbige organisiert abgeführt werden. Darum riecht es an Sonntagen in fast allen Gassen nach Schweinebraten.

Dienstag 14. Februar: Nach einem Tag in meinem Malatelier, wo ich meine Tümpelforscherarbeit weitergeführt habe, waren wir am Abend bei Elsbeth, um ihren Geburtstag zu feiern. In unserem Freundeskreis wird immer öfter über das Thema Pensionierung, wohnen im Alter, Verwirklichung von Träumen, Reisen etc. diskutiert. Die Dauerdiskussion über das Ende der aktiven Arbeitszeit macht mich etwas nervös. Als Künstler wird man ja nie in Pension gehen können und auch nicht wollen. ich habe aber vor einigen Jahren gestaunt, als ich in einem Interview von H. R. Giger gelesen habe, dass er mit 65 Jahren radikal aufgehört hat Kunst zu machen. Er sagte, dass er nur noch vor dem Fernseher sitze. 

Montag 13. Februar: Nach einem ruhigen Sonntag gut erholt früh aufgestanden. Ein besuch in einem Betonwerk war angesagt. Es mussten technische Details abgeklärt werden. Nun ist alles OK. Ich bin sehr beruhigt, dass meine Idee umgesetzt werden kann.

Am Nachmittag hat mich ein alter Freund besucht. Wir haben lange geplaudert über das Leben und was es so alles mit sich bringt. 

Samstag 11. Februar: ? Was war denn heute los?

Freitag 10. Februar: Heute hatte ich einen richtig guten Aufräumtag. Ich konnte viel Liegengebliebenes erledigen. Am Abend sind wir noch ins Atelier gefahren, um eine Bildauswahl zu treffen für eine Präsentation. Es war bitter kalt. Es ist schon sehr speziell. Seit meinen Anfängen als Künstler hatte ich nie ein geheiztes Atelier. Zuerst an der Bleichestrasse, dann an der Haldenstrasse, dann an der Wassergasse und in den letzten 25 Jahren an der Haggenstrasse. Nun ziehe ich um an die Lukasstrasse in riesige, ungeheizte Räume. Zum Glück konnten wir vor 10 Jahren einen Anbau an der Brauerstrasse realisieren. Der Atelierraum hat sich bewährt für meine Malerei. Hier kann ich Bilder in der Grösse  von 2 mal 3 Meter malen und für mein Wohlbefinden haben wir einen wunderbaren Holzofen einbauen lassen. 

Donnerstag 9. Februar: Am Nachmittag bin ich mit dem Zug, zusammen mit Paul Gruber, nach Zürich gefahren. Wir hatten eine Schlusssitzung mit Organisationskomitee für das Jubiläumsfest von visarte. ich bin sehr erleichtert, dass alles so gut gelaufen ist. Wir haben dann den Abschluss gefeiert mit einem feinen Essen. ich war leider stark erkältet und spürte schon den kommenden Vollmond. Um zehn Uhr mussten wir, Aline, Paul und ich, die Runde leider schon wieder verlassen. Um 00.08 sass ich wieder in meinem Büro in St.Gallen vor meinem PC und habe den Mondkalender studiert. 99% des Mondes war bereits sichtbar in dieser Nacht. (leider nur virtuell)

Mittwoch 8. Februar: Am Mittag haben wir zusammen mit Hans Jörg Bachmann eine Suppe gegessen. Wir kennen uns nun schon so lange und haben seit den 80er Jahren so viele gemeinsame Kulturprojekte durchgezogen. 
Am Nachmittag hatte ich eine Besprechung in der Bibliothek in der Hauptpost. Wir planen mit "swips", den unabhängigen Schweizer Verlagen eine grössere Veranstaltung. "swips" feiert in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen. ich bin nun seit einem Jahr in dieser Vereinigung und habe sehr viel gelernt im gegenseitigen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der unterschiedlichsten Verlage.

Dienstag 7. Februar: Am Mittag bin ich ins Atelier an der Haggenstrasse gefahren und habe sechs Paletten mit Büchern bepackt. Der untere Raum ist gerammelt voll mit Zügelware. Das viele Bücherschleppen ist anstrengend.

Als ich nach Hause kam lag meine Knochenarbeit, die ich für meine Performance im Hiltibold benutzt habe im Flur. Elisabeth Nembrini hat mir die Arbeit zurückgebracht. Überall Bücher, überall Kunst, das macht gute Laune. 

Montag 6. Februar: Heute war ich etwas chaotisch. Vanja hat vieles aufgearbeitet, das im VEXER Verlag liegengeblieben ist. Am Nachmittag wurden vier oder fünf riesige Pakete aus Köln angeliefert. Ich hatte einige Schnäppchen bei König bestellt. Nun sind alle "König -Schnäppchen" eingetroffen. Rund fünfzig Bücher. Ein Missverständnis, das mir nun sehr viel interesssanten Bildungsstoff bietet. Na ja die Bibliothek wächst und wächst. Die Post hat auch noch eine wunderbare Nachricht vom Bundesamt für Kultur gebracht. Eines unserer VEXER Bücher wurde ausgewählt im Wettbewerb"Schönste Schweizer Bücher 2016". Aber es ist noch streng geheim welches Buch es ist. Am Nachmittag habe ich zusammen mit Vanja einiges an Verlagsarbeit aufarbeiten können. Neueinträge auf der Homepage, die Vorschau, die sich eigentlich fast im Wochentakt verändert usw. Es wäre wunderbar, wenn ich Vanja einstellen könnte. Dazu fehlt aber leider das notwendige Kapital. Ich versuche es einfach weiterhin mit Lotto...

 

Sonntag: Heute Morgen um 11 bin ich verabredet im Historischen und Völkerkunde Museum. Ich mache zusammen mit Daniel Studer eine Führung durch die Ausstellung von Martha Cunz. Martha Cunz hat in München zusammen mit Ferdinand Hodler studiert. Es wäre interessant zu wissen, wie sich die Beiden verstanden haben. Hodler war damals gegenüber Frauenkunst nicht sehr positiv eingestellt. Baselitz findet auch heute noch, dass Frauen nicht malen können. Dieses Mackertum, dass Künstler den Pinsel besser schwingen können wie Frauen finde ich unerträglich. Oder meinen die was ganz anderes?

Samstag 4. Februar: Heute sind Christian Alexander Herren und Anatole Comte aus Bern im Verlag vorbei gekommen. Sie haben uns ein sehr interessantes Buchprojekt vorgestellt über Urs Burki, der sich in den 70er Jahren in der Kunstszene in Luzern bewegt hat mit Jean Christoph Ammann, Luciano Castelli etc. Das künstlerische Werk wurde bis heute unter dem Deckel gehalten. Nun ist ein umfangreiches Buch geplant. Ich freue mich sehr auf dieses Werk. 

Freitag 3. Februar: Heute hatte ich wieder Therapie bei Theresa. Mein "Morbus Ledderhosen" bessert sich Schritt um Schritt. Heute wurde die Hüfte gelockert. Sehr angenehm. Nach der Behandlung bin ich wie ein junges Reh durch die Gegend gehüpft. Um halb zwei habe ich Beni B. in der Militärkantine getroffen. Das war ein interessantes Gespräch.

Donnerstag 2. Februar: Früh aufgestanden und schön gefrühstückt.

Am Mittag nach Zürich gefahren für eine visarte Sitzung mit dem Zentralvorstand. 

Heute ist ein grosses Interview von mir erschienen in der WOZ zur Kulturpolitik, und zur Unternehmenssteuerreform III. 

 

Kulturpolitik: «Die Kritik versinkt im Eröffnungssekt»

WOZ Die Wochenzeitung

Eine Annahme der Unternehmenssteuerreform III bedeute für die Kultur ein Gemetzel, warnt der Künstler und Verleger Josef Felix Müller. Was ihn ...

Google Plus

Facebook

Twitter

Als irrelevant markieren

Mittwoch 1. Februar: Heute hatte ich endlich Zeit, viele Telefonate zu erledigen und meine Zügeltermine zu organisieren. Ich war sehr gut gelaunt und konnte einige gute Projekte anreissen. Mal sehen was daraus wird. Die Sterne standen sehr gut. Ich habe mich mit Kerstin Forster getroffen vom TRIEST Verlag. Sie ist nun seit gestern auch Mitglied von SWIPS. SWISS INDEPENDENT PUBLISHERS. Ich denke wir können in St.Gallen einiges bewegen. St. Gallen nennt sich ja sehr selbstbewusst "Buchstadt St.Gallen". Wenn wir erreichen, dass die Verlagsförderung gleich ernst genommen wird wie die Filmförderung könnte das ja sogar gelingen.

Dienstag 31. Januar: Am frühen Nachmittag bin ich nach Basel gefahren und habe Gilli und Diego Stampa besucht. Sie zeigen zur Zeit am Spalenberg grosse Schätze aus der Bücherwelt. Wenn ich einen Lastwagen dabei gehabt hätte, wäre der sehr schnell gefüllt gewesen. Es ist schon wunderbar, was alles an Büchern herausgegeben worden ist. Schade, dass ich nicht alles sammeln kann was mir gefällt. In den nächsten Jahren habe ich aber noch sehr viel mehr Platz. Da kann ich tonnenweise Bücher lagern. Ich wollte unbedingt eine neue Arbeit von Monika Dillier anschauen. Sie malte ein grosses Aquarell von einer Bibliothek, die wie bei Aby Warburg nach dem System der guten Nachbarschaft und nicht nach den Namen der Autoren eingereit ist. Vor ein paar Tagen habe ich im ZVB einige Bücher bestellt von John Berger und ich war total entsetzt, wie billig alles geworden ist. Da kann man Bücher für 70 Rappen bestellen. Ein Buchhändler hat mir dann erklärt, dass es bei vielen antiquarischen Angeboten gar nicht mehr um die Bücher geht. Das sind Firmen, die ihr Geld mit der Anzahl Pakete verdienen, die sie versenden. Pervers - oder?

Um 17.30 Uhr war ich an der GV von SWIPS, das ist die Vereinigung "SWISS INDEPENDENT PUBLISHERS". Die Versammlung in der Nähe der Johanitterbrücke war sehr anregend. Leider musste ich dann kurz nach halb Neun wegrennen, um den Zug nicht zu verpassen. Im Zug hatten wir dann zu viert eine sehr lustige "Nachsitzung" bis Zürich. Ich geniesse diesen Austausch mit Verlegerinnen und Verlegern sehr.

Montag 30. Januar: Früh aufgestanden und an eine Sitzung in Zürich gefahren. Um 12 wieder zurück nach St.Gallen. Ich konnte viele Sachen überlegen. texte, der anstehende Umzug mit dem Atelier etc. 

Sonntag 29. Januar: Lange geschlafen, schön gefrühstückt und einen wunderbaren Spaziergang gemacht. ich habe viel Schnee fotografiert im frühen Abendlicht. Viele Bäume und auftauender Schnee im blauen Licht.  

Samstag 28. Januar: wir haben sehr lange geschlafen in einem sehr schönen und ruhigen Hotel. Beinahe hätten wir das Frühstück verpasst. Eigentlich wollten wir uns in Mendrisio noch die Ausstellung von Per Kirkeby anschauen aber die Zeit reichte leider nicht mehr. Wir mussten wieder zurück. Wir wollten die Eltern von Monika in Kriessern besuchen. das wurde ein sehr schöner Nachmittag. 

Freitag 27. Januar: Ich bin schon um halb sechs aufgestanden. Versehentlich eine Stunde zu früh. Aber ich konnte die Zeit sehr gut gebrauchen. ich musste noch einige texte fertig schreiben bevor wir uns auf den Weg machten ins Tessin. Zuerst mussten wir ins Atelier fahren, um meine neue, für die Ausstellung ArteperArte ilpaesedi Tell 17 ins Auto zu laden. Die Arbeit heisst "Waffen". Es sind sechs aus einem Sokel herauswachsende, geschnitzte Astgabeln aus Pappelholz, die ich mit Gummibändern zu grossen Steinschleudern umgewandelt habe. Wir mussten um 11 Uhr in Giubiasco sein. Wir haben das wunderbar geschafft und der Aufbau war schnell erledigt. Die Ausstellung ist ein Rückblick auf die legendäre Ausstellung von 1973, bei der viele renommierte Künstler den Mythos Tell bearbeitet haben. Was damals zu grossen Diskussionen und zu Streitereien geführt hat. heute kann man mit diesem Thema niemanden mehr in Aufregung versetzen. Ein sehr schöner Eröffnungsabend mit interessanten Begegnungen.

Mittwoch 25. Januar: Fondue bei Ueli. Ohne Wein und ohne Schnaps. Ich habe mich nach dem letzten Vollmond zu einem persönlichen Ramadan entschieden. Kein Alkohol. Das reinigt die Sinne und die Leber.

Dienstag 24. Januar: Die bittere Kälte macht mir zu schaffen. Seit Wochen heize ich meinen Lehm Ofen, um die Temperatur in meinem Atelier zu Hause halten zu können. Ich male zur Zeit an einer Bilderserie, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Am Abend war ich Aushilfe beim Jassen beim Griechen. das hat Spass gemacht. Nach einem fulminanten Start ist die Partie am Schluss unentschieden ausgegangen.

Montag 23. Januar: Am Mittag war ich eingeladen beim Rotari club im "Restaurant "netts" im Schützengarten, um einen Vortrag zu halten. Mein Thema: Kunst als Strategie. Klingt doch gut - oder? Es waren rund siebzig Leute da. Nach dem Essen, Siedfleisch mit Kartoffeln war ich dran. Ich habe 25 Minuten frei geredet und einige Bild-Beispiele an die Wand gebeamt. Mein Vortrag ist gut angekommen. Als Honorar babe ich eine Flasche Sonnencreme erhalten. Toll - jetzt muss ich einfach noch jemanden finden, der mir die zur Sonnencreme passenden Ferien bezahlt.

Sonntag 22. Januar: Ein ruhiger kalter Tag. Ich habe meinen Lehmofen eingeheizt im Atelier und an meinem Zyklus als Tümpelforscher weitergemalt.

Samstag 21. Januar: Ich bin zeitig aufgestanden und mit dem Zug nach Bern gefahren. ich hatte drei Tageszeitungen bei mir. Es gibt ja nicht mehr viel zu lesen, wenn man all den Schrott zu und über Trump weglässt. Diese geballte Populistenscheisse macht mich wirklich krank.

In Bern habe ich mir zuerst die Ausstellung in der Kunsthalle angesehen. Malerei. Insgesamt fand ich das etwas mager aber es gab einige interessante neue Namen. Die kleinen intensiven Malereien von Anna Nyedegger haben mir imponiert. Die Archiv Ausstellung im Untergeschoss ist sehr aufschlussreich. Die Berner können stolz sein auf die Gründerzeit und die damaligen GSMBA Künstler, die diese Kunsthalle ermöglicht haben. In der Buchhandlung Stauffacher habe ich mir das Buch mit den Skizzenbüchern von Leonardo da Vinci gekauft. Ich fand in der Kunstabteilung nichts Zeitgenössisches das mich interessiert hätte.

Um 14 Uhr war ich im Restaurant Schweizerhof verabredet mit dem Berner Maler Roland Kocher. Ein beharrlicher und beeindruckender, vitaler 88 jähriger Mann. Wir haben uns bestens unterhalten und wir werden weiterdenken, ob es eine Möglichkeit gibt, den Prix Kocher noch einmal aus zuschreiben. 

Dann habe ich mir die Ausstellung von Cecile Hummel an der Gerechtigkeitsgasse 74 angeschaut. Sie zeigt sehr schöne Fotos und Zeichnungen. Mich erinnerte das an meine erste Begegnung mit Cecile in Rom. Das muss Anfang der 90er gewesen sein an der Schweizerschule. Ich habe ihr damals zusammen mit Bea Maritz geholfen unzählige kleine Bilder aufzuhängen. 

Zu Fuss bin ich dann weiter zur Galerie von Beatrice  Brunner im Nydeggstalden. Sie zeigt eine sehr schöne Ausstellung von Baum/Jakob.

Anschliessend besuchte ich noch die Galerie Art + Vision von Martin Thönen. Die Xylon Schweiz präsentierte das Förderblatt des kürzlich verstorbenen Künstlers Rudolf Deerz. Das war eine sehr schöne Ehrung eines unterschätzten und stillen Künstlers.

Auf der Rückfahrt setzte sich in Zürich im Speisewagen der Komponist Alfons Zwicker zu mir. Wir hatten ein sehr interessantes und persönliches Gespräch. Das war ein unerwartet schöner Abschluss von meiner Tagesreise.

Freitag 20. Januar: Gut geschlafen, gut aufgestanden. Beim Frühstück haben wir über die Performance von gestern gesprochen und reflektiert. Zum Mittagessen habe ich mich gestern im Engel getroffen mit Anita Zimmermann, Marianne Rinderknecht, Beni Bischoff und seinem Kollegen. Wir besprachen den Ablauf der Eröffnungsausstellung im HILTIBOLD. Das war eine richtig lustige Zusammenkunft. Ich habe mich gestärkt mit einem Ross - Burger auf rohem Randen mit Nudeln.  Nach dem Essen haben wir uns die Räume noch einmal angeschaut. Bei Beni war schon alles vollgestopft mit Hunderten von Sachen. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Monika ins Atelier gefahren und habe alles für meine Ausstellung vorbereitet und zusammengepackt.

Um 18 Uhr war ich dann wie vereinbart an der Goliathgasse. Der Raum von Beni war schon verschlossen. Er hat in seinem Raum einen detailreichen Schlafplatz von einem Randständigen nachgebaut mit tausenden von Sachen. Ohne Absprache haben wir uns bei den Vorbereitungen in eine ähnliche Richtung bewegt. 

Nach einigen kurzen Begrüssungen von anwesenden Freunden habe ich meine Utensilien in den Raum gestellt. Einen einfachen Hocker aus Holz und eine Trommel. Das Bündel, das ich mit einer Wolldecke umwickelt und mit zwei Fahrradschläuchen zusammengeknotet hatte lehnte ich an die Wand. Ich setzte mich auf den Hocker und begann rhythmisch zu Trommeln. Ich sass parallell zu den Zuschauern die ich nicht wirklich sah im Vitrienenfenster. Für mich war es sehr interessant, dass nach dem ersten Schlag mein Gehirn total ausgeschaltet war. Ich hörte nur mein Trommeln. Kein Gedanke, keine Wünsche, keine Angst, keine Hoffnungen, rein gar nichts. Nach einer viertel Stunde lehnte ich die Trommel an die Wand, legte eine Wolldecke auf dem Boden aus und öffnete das Bündel, in dem ich geschnitzte Holzknochen verpackt hatte. Ich lehnte einige Knochen an die Wand und legte den Rest auf dem Boden aus. Ich nahm meinen Schläger, trommelte noch  etwas auf den Knochen herum, verliess den Raum und schloss die Türe hinter mir.

Ich verneigte mich vor dem Publikum.

Eine Besucherein sagte mit nachher, dass sie meine Aktion sehr stark an meine erste Performance von 1979 bei der Salpeterhöhle in Gossau erinnert habe. Ich ging damals nackt meinen Weg von der Höhle zum Fluss. Dabei bemalte ich meinen Körper mit Farbe und wusch mich dann im Fluss. das war für mich damals wie eine Geburt als Erwachsener. Für mich war diese Erinnerung ein schönes Kompliment. 

Donnerstag, 19. Januar: Ich bin am Vorbereiten für die Eröffnung im Hiltibold, die heute Abend um 18 Uhr beginnt. In der Stadt habe ich mir bei Farben Müller einen grossen wunderschönen Aquarellkasten und einen grossen Marderpinsel gekauft. Ich freue mich jetzt schon, die ersten zarten Farben auf das Papier zu bringen. Ich freue mich auf die kommenden Licht - und Farbe-Erlebnisse.

Nun sitze ich nervös zu Hause und warte auf meinen Auftritt als "Performer". Kunst ist Knochenarbeit.

Mittwoch 18. Januar: Es gab viel aufzuarbeiten vom Vortag. Ein Firmenbesuch im Westen der Stadt für ein Kunst am Bau Projekt. Winkeln ist schon eine sehr spezielle Gegend. Ein urspünglich ländlich geprägter Vorort, der immer mehr zugebaut wird mit Industriegebäuden, Wahrenhäusern, Fussballstadion, Autobahnzubringern etc. Dieses Gebiet ist von einer bewussten Gestaltung und von Entwicklungsideen weit entfernt. Schade, denn in diesem Stadtteil gibt es viele natürliche und Qualitäten und auch alte Gebäude, die bedroht sind.

Dienstag 17. Januar: Ein dichter Sitzungstag. Zuerst mit einer Gruppe von Architekten in Zürich, dann in einem Atelier für Glasmalerei, dann ein Treffen in der Geschäftstelle von visarte.schweiz, dann um 15 Uhr ein Gespräch im Kunsthaus und um 18 Uhr eine Versammlung mit dem Vorstand von visarte.zentralschweiz in Luzern. Um 23 Uhr war ich dann mit einem vollen Kopf aber sehr zufrieden und voller Inspiration wieder zu Hause.

Montag 16. Januar: Heute Morgen hatte ich eine interessante Begegnung mit zwei Künstlerinnen, die mir ein Buchprojekt vorgestellt haben. Wenn das gelingt wäre das Buch eine schöne Fortsetzung der botanischen Linie, die sich wie durch Zufall in den letzten Jahren ergeben hat. Am Abend bin ich nach Winterthur gefahren für das Jahresessen der "Xylon Druckgruppe". Wir hatten viel zu besprechen für die drei neuen Zeitschriften die wir auch 2017 planen. Ich finde es immer spannend, wie schnell wir in unserer Gruppe einen Konsens finden, obwohl alle an einem ganz anderen Ort stehen mit ihren Vorlieben und inhaltlichen Interessen. Wir haben in der Nähe vom Bahnhof bei einem guten Italiener riesen Portionen Ossobuco gegessen. Insgesamt ein fröhlicher Abend.

Sonnteg 15. Januar: Ein friedlicher Tag zu Hause, wie in einer Skiehütte. Alles ist tief verschneit und ruhig. Gestern bekam ich den Hinweis von Felix Falkner, dass er als Lektor in einem musikalischen Werk von Gerd Zacher mitarbeitet, das heute Abend in der Kirche Trogen aufgeführt wird. Wir wollten uns eigentlich die Appenzeller Jazzgruppe im Klein aber fein anhören. Wir haben uns dann für das Stück von Zacher entschieden, weil das sicher nicht mehr so bald zu hören sein wird.

Das Konzert "... Euch ist heute..." war sehr anrührend. Die Uraufführung fand 1974 in der evangelischen Kirche in Essen-Rellinghausen statt und es ist spannend ein damals sicher sehr provokativ wirkendes musikalisches Werk in der heutigen Zeit zu hören. Das Publikum war spärlich, die Begeisterung aber gross. 

Samstag 14. Januar: Zusammen mit Monika bin ich nach Konstanz gefahren. In der Nacht hatte es stark geschneit. Das war keine Blust- sondern eine Schneefahrt. 

Am Abend haben wir mit Eveline und Roman gejasst und sehr fein gegessen. Wir hatten eine Glückssträhne. Um Mitternacht nach dem 15 minütigen Spaziergang nach Hause, durch den tiefen Schnee, haben wir noch unseren Nachbarn Hermann besucht und ihm zum Geburtstag gratuliert. 

Freitag 13. Januar: Am Morgen war ich damit beschäftigt mehrere Pakete mit Büchern für das vexer Büro Berlin vorzubereiten. Am Nachmittag habe ich zusammen mit Vanja alle Neueinträge auf der Homepage vorbereitet. Über die Festtage hat sich vieles angestaut. Nun sind alle neuen Bücher und die Edition "KALEIDOSKOP" von Till Velten aufgeschaltet. In einer sehr lustigen Aktion habe ich Vanja und Monika mit den Fan - Schals von Till Velten fotografieren können.

Donnerstag 12. Januar: Am Morgen schrieb ich einige Texte für visarte und am Mittag hatte ich einen Termin bei Christian Suter, in seinem Salon Querschnitt, um meine Haare etwas zurückschneiden zu lassen. Bei Vollmond ist das besonders gut. Christian hat seinen Laden total zurückgebaut, alles unwesentliche herausgerissen. Ein solch baulich roher Ort, nur mit dem Notwendigsten ausgestattet gefällt mir sehr gut.
Am Abend war ich eingeladen im Solinsieme, der Genossenschaft für neue Wohnform, um das Buch von David Bürkler vorzustellen. David lebte an der Treuackerstrasse und viele der Bewohner kannten ihn als Nachbarn. Es kamen sehr viele Bewohnerinnen und Freunde aus der Umgebung, um mehr über das Leben und das Werk von diesem originellen und unterschätzten Künstler zu erfahren. Das war ein sehr berührender Vollmond - Abend mit vielen neuen Geschichten. David hat Zeit seines Lebens extrem gelitten bei Föhn und bei Vollmond. Das ist ja nun vorbei. David ist am 16. Januar 2016 gestorben.

Mittwoch 11. Januar: Heute ist eine Palette mit einhundert gefalteten Schachteln an die Brauerstrasse geliefert worden und das bei Tiefschnee. Das ist schon einmal ein Anfang. I bereite mich Schritt für Schritt auf den bevorstehenden Umzug von meinem Atelier an der Haggenstrasse vor. Ich habe bereits die schöne Hausbar im Obergeschoss demoliert und abgebaut. In den nächsten Tagen werde ich beginnen mein ganzes Archiv und meine Bibliothek in Schachteln zu verpacken.

Die letzten Wochen bin ich sehr damit beschäftigt, wie ich meine Ausstellung im neuen Ausstellungsraum "HILTIBOLD" an der Goliathgasse in St.Gallen gestalten soll. Ich mache immer die Erfahrung, dass es gedanklich sehr viel schwieriger ist ganz kleine Räume mit Kunst auf zu laden. Die Erwartungen sind genau gleich hoch wie bei einer grossen Ausstellung. Kunst ist Knochenarbeit.

Nach der Mittagszeit haben mich René Odermatt und Timo Müller im Atelier besucht. René lässt zur Zeit eine grosse Skulptur aus Eichenholz fräsen im Sitterwerk und hat dann einige Schachteln von seinen Büchern bei mir abgeholt. Timo hat von einer grossen Arbeit erzählt, die er bei der Militärkantine aufgebaut hat. Ich muss mir das unbedingt einmal anschauen. 

Dienstag 10. Januar: Nach dem Frühstück und nach dem Lesen der Zeitungen bin ich in die  Physiobalance bei Theresa Germann gegangen. Meine linke Schulter war vier Zentimeter höher als die Rechte, das rechte Knie hing lasch am Bein, die Hüfte zeigte in eine interessante Richtung, an beiden Fussunterflächen drückten die Sehnen. Das nennt sich Morbus Ledderhose. Als ich vor ein paar Jahren diese Diagnose bekommen habe, fragte ich den Arzt, ob es denn auch einen Morbus Dirndel gäbe. Er fand das nicht wirklich lustig und schickte mich zur Physiotherapie, die aber gar nichts nützte. Monika hat mir dann Theresa empfohlen und Theresa rückt nun schon längere Zeit alles wieder zurecht mit einer Kraft und Energie, die ihresgleichen sucht. Ich bin immer glücklich und froh, wenn nach der Therapiestunde der Kopf noch nach vorne schaut. Am Nachmittag habe ich dann an der Haggenstrasse ganz entspannt und heiter an meiner aktuellsten Arbeit herumgeschliffen. Ich bereite auf Einladung von Anita Zimmermann und Marianne Rinderknecht eine Ausstellung mit dem Titel "Knochenarbeit" für den neuen Ausstellungsraum "HILTIBOLD" an der Goliathgasse in St.Gallen vor. Beni Bischoff und ich eröffnen diesen Ort gemeinsam am Donnerstag 19. Januar um 18 Uhr. Meine Performance dauert rund eine Stunde. 

Montag 9. Januar: Ich beschäftige mich schon lange intensiv mit Farbe und Licht. Die Winterzeit ist da sehr extrem, vor allem wenn alles mit Schnee bedeckt ist. Die Landschaft wird durch den Schnee zur Reflexionsfläche des Sonnenlichts.  Die intensive Farbigkeit geht weit über die Möglichkeiten des Films hinaus und erinnert auch an das plötzliche Erstrahlen von farbigen Kirchenfenstern, wenn an einem trüben Tag plötzlich die Sonne das Innere eines gotischen Kirchenschiffs in ein Kaleidoskop verzaubert. Ich erlebte das in Toulouse in der Saint Stephen's Cathedral. Ich sass in dieser eindrücklichen Kathedrale, als plötzlich die Sonne das ganze Kirchenschiff verzauberte. Gleichzeitig spielte ein höchst begabter Organist in einer Virtuosität, die mich an Schlafes Bruder erinnerte. Ein solches Orgelfuriosum habe ich noch nie zuvor gehört. Wir fragten dann einen Aufseher, wie denn der Organist heisse. Er sagte uns, das sei nur der Orgel - Stimmer aber ein Padre "sowieso" gebe jeden Sonntag um 11 Uhr ein Konzert. Wir sind dann am Weihnachtsonntag in die Kirche gegangen und erlebten eine berührende Messfeier mit einem erkälteten Priester mit einer zuckersüßen Stimme aber leider gab es kein fulminantes Orgelkonzert. 

In Erinnerung an den Kirchenraum in Toulouse grundierte ich heute einige Holztafeln mit Ölfarbe.

Sonntag 8. Januar: Am Mittag wurde ein berührender Film über John Berger in den SRF Sternstunden ausgestrahlt. Das ist für mich eine der Lichtgestalten, die auf diesem Planeten gelebt haben. Am Nachmittag machten wir einen kurzen Spaziergang durch den verschneiten Guggeienwald. Ich habe viele Fotos gemacht und fand interessante Spuren. Dabei ist mir die Aussage von John Berger eingefallen, dass man versuchen sollte, Bilder wie Texte zu lesen. Ich persönlich würde meine Naturbilder gerne als Musikstücke hören. Das sind sicher gegen einhundert grosse Partituren, die ich schon gemalt habe seit 2000. Cello wäre mir am liebsten.

Samstag 7. Januar:  Heute viel Ruhe und ein feines veganes Nachtessen bei Theo und Claudia.

Freitag 6. Januar: In den letzten Tagen konnte ich alle Pendenzen erledigen. Ich bin schon um halb fünf aufgewacht. Es drehte sich vieles in meinem Kopf, der bevorstehende Umzug von meinem Atelier, alle neuen Projekte und die übliche Angst vor dem neuen Jahr. Ich konnte dann noch einmal etwas schlafen aber als ich dann endlich aufgestanden bin war ich ziemlich grantig. Die Zeitung wurde wieder nicht geliefert und ich musste meinen Kaffee ohne die übliche Lektüre trinken. Etwas missmutig bezahlte ich alle offenen Rechnungen und verpackte viele Bücher, die bestellt worden sind. Nachher sind wir zu Carol nach Appenzell gefahren. Wir hatten uns zu einem Winterspaziergang verabredet. Von Appenzell aus sind mit der Bahn nach Jakobsbad gefahren und dann mit der Gondelbahn auf den Kronberg. Das alles bei wunderbarem Wetter. Am Anfang hat mir die Kälte ziemlich zu schaffen gemacht. Es war bitter kalt. Zu Fuss sind wir etwa eine Stunde durch den Schnee gestapft und machten einen Halt beim Bergrestaurant Scheidegg. Der Tee mit Rum hat meine Laune ziemlich schnell zum Besseren gewendet. Mit jedem weiteren Schritt verbesserte sich dann meine Stimmung. Insgesamt sind wir drei Stunden durch teilweise tiefen Schnee bis nach Appenzell gewandert. Ich war sehr froh, dass das auch mein lädiertes Knie ausgehalten hat. Es war richtig schön zu erleben, wie das kalte, blaue Licht gegen Abend immer mehr von einem feinen Rosa abgelöst wurde. Eine super Stimmung. Zeitweise schien die Sonne, teilweise durch Wolken verdeckt wie ein farbiger Scheinwerfer auf die umliegenden Hügel. Kurz vor dem Hotel Restaurant Freudenberg, (Zimmer mit TV) oberhalb von Appenzell, verschwand die Sonne hinter dem Gebirge und es wurde sehr schnell dunkel. Wir entschlossen uns dann spontan, bei Carol in Appenzell zu bleiben und etwas zu kochen. Ich bereitete drei Gemüsepfannen vor. Die erste mit Brokkoli Knoblauch und Mandelsplittern, die zweite mit Peperoni, Zwiebeln und Auberginen und die dritte mit verschiedenen Pilzen, Zwiebeln und Petersilie. Dazu schnitt ich von Hand Kartoffeln für frische Pommes frites aus dem Backofen. Alles gelang nach Wunsch, die Stimmung war prächtig, der Wein ausgezeichnet und die Träume der Nacht leicht und fröhlich.

Donnerstag 5. Januar: Tagsüber habe ich mein Atelier wieder ausgeräumt und die sechzig Stühle vom Vexer Verlagsanlass zurück an die Haggenstrasse gebracht. Am Abend haben Monika und ich gemeinsam gekocht. Viel Gemüse und ein wunderbares Fischragout. Wir verbrachten einen sehr schönen Abend mit der Schauspielerin Jeanne Devos. Sie probt zur Zeit ein neues Stück im Stadttheater St.Gallen. Wer den Hamlet im grossen Haus noch nicht gesehen hat sollte das unbedingt tun.

Mittwoch 4. Januar: Eigentlich wollten wir ein paar Tage nach Zermatt. Nach unserer langen Reise durch Frankreich haben wir uns aber entschlossen in St.Gallen zu bleiben. Ich habe sehr viel aufzuarbeiten und Monika hat's im Kreuz. Wir sind auch etwas reisemüde nach der 2500 Kilometer langen Autofahrt. Ich habe ja nie einen Führerschein gemacht. Monika musste die ganze Strecke selber fahren. Zum Glück tut sie das sehr gerne. Ich bin ein ziemlich guter Beifahrer, sorge für das Kulturprogramm, die Musik und die Verpflegung. Dabei habe immer einen Blick auf die Landkarte. Ich liebe das.

Heute nutzte ich die Zeit um meinen Jahresabschluss zu machen und war einmal mehr stolz, dass meine von Hand geschriebene Buchhaltung auf den Rappen genau stimmte. Ich mache das sehr gerne. Begonnen mit meiner Buchhaltung habe ich in der dritten Klasse, als ich mein erstes Sackgeld bekommen habe. Damals gab es nicht viel aufzuschreiben. Bis zur sechsten Klasse gab es einen Franken in der Woche. Nachher zwei Franken. Ich war sehr sparsam. Ich kann mich noch an meine ersten selber bezahlten Einkäufe erinnern. Das war ein Mohrenkopf und ein Pack Zwieback. Ziemlich abgefahren gell - aber das gab es bei uns zu Hause eben nie. Das hat mir wunderbar geschmeckt.

Dienstag 3. Januar 2017: Nach den Ferien das grosse digitale Aufräumen. Am Morgen habe ich hunderte von E-Mails durchgelesen und viel unwichtiges gelöscht. Gegen Mittag kam dann dicke Post. Zwei grosse Packen mit Briefen, die wir alle durcharbeiten und beantworten mussten. Am Abend war alles erledigt und die vielen Buchpakete abgeschickt. Wir sind zwar ziemlich fertig von der langen Reise aber doch sehr gut aufgestellt für das neue Jahr.

2. Januar 2017: Montag - Ruhetag. Heute ist John Berger gestorben. Vor ein paar Tagen habe ich in der Buchhandlung zur Rose spontan das berühmteste Buch von ihm über die Schule des Sehens gekauft. Sicher schon zum dritten Mal. Ich wollte es einfach sofort in den Händen halten. Ich sammle schon lange die Bücher von diesem herausragenden Künstler, Kulturvermittler und Schriftsteller. 

Sonntag 1. Januar 2017: Nach dem Frühstück ein schöner Spaziergang von Valbella nach Lenzerheide, über den schwarz zugefrorenen See und zurück den steilen Hang hinauf zum Ferienhaus. Dann ab ins Rheintal für den Apéro in Kriessern mit der Familie von Monika. Wir waren eine Stunde zu früh und ich wurde  zu einem weiteren Spaziergang verknurrt. Ziemlich missmutig bin ich  durch den dichten Nebel  gestapft, dem Rhein entlang. Hier bekomme ich immer wieder eine grosse Wut auf die letzte Rheinplanergeneration, die alle Auenwälder radikal abgeholzt hat und den Rhein in ein enges Korsett zwängte. Das Rheintal könnte eines der schönsten Flusstäler in Europa sein, wenn man den Fluss frei fliessen lassen würde. Ich empfand diese Planung immer schon als eine militärische Entscheidung und nicht als Schutz vor Hochwasser. Der Rhein ist im letzten Jahrhundert zur Panzersperre degradiert worden. Es war bitter kalt und ich brauchte fast eine Stunde bis ich wieder aufgewärmt war im Haus von Paul und Manuela. Das Familientreffen war ein richtig schöner Ausklang von unserer langen Frankreichreise. Paul hat wunderbare Elsässer Flammkuchen gebacken. Monika hat mich über 2500 Kilometer quer durch Frankreich gefahren. Zum Glück ist alles gut gegangen. Wir hatten sehr viel Zeit im Auto um zu diskutieren und viele Fragestellungen zu lösen. Wenn ich unterwegs bin scheint mir auch das Denken leichter zu fallen. Alles ist im Fluss. 

Samstag 31. Dezember: Ein neuer Tag ein neues Ziel. Wir sind nach Valbella gefahren, um mit Corinne und Guido Silvester zu feiern.  Ein wunderbarer Abend mit einem feinen Essen und guten Gesprächen. Unaufgeregt ins neue Jahr geprostet und ausgezeichnet geschlafen.

Freitag 30. Dezember: Nach Lyon haben wir uns spontan entschlossen Hans Jörg und Verena in Biel zu besuchen. Auf dem Weg nach Biel machten wir noch einen Abstecher nach Founex. Monika hat dort als junge Frau als Opairmädchen gearbeitet. Der Ort ist in der Zwischenzeit ziemlich verbaut. Monika hat praktisch nichts mehr gekannt. 44 Jahre sind eine lange Zeit.

Am Abend hatten wir einen sehr unterhaltsamen Abend in einer Altstadtbeiz in Biel. Die Stadt würde mir auch gefallen. 

Donnerstag 29. Dezember: Am Morgen besuchten wir eine grosse Matisse Ausstellung in Lyon. Der Andrang war riesig. Es brauchte einiges an Geduld bis wir uns die Werke ansehen konnten. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mit meinem AIAP Ausweis von visarte in allen Museen freien Eintritt zu den Ausstellungen hatte. In der Schweiz und Deutschland klappt das leider nicht überall. Im Museum wurden sehr viele Zeichnungen, Malereien und Skulpturen von Matisse präsentiert und mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern aus Lyon ergänzt. Gezeigt wurden unter Anderem auch die grossen , gegossenen Rückenakte. Die Bronze wirkte aber wie Schweizer Milchschokolade. Mir gefallen die schwarzen Güsse sehr viel besser. Es gab einige sehr schöne Momente im Museum. Eine junge Japanerin studierte die Arbeiten von Matisse in einer Intensivität, dass es fast zu Verschmelzungen zwischen ihr und den Werken kam. Es gab auch einige Besucher, die aussahen, wie wenn sie aus einer längst vergangenen Epoche zurückgekommen wären.

Am Nachmittag besuchten wir das Musée d'art contemporain. Ich habe gestaunt, dass Thierry Raspail immer noch in Lyon arbeitet. Ich habe ihn kennen gelernt als ich 1984 mit dabei war an der grossen Ausstellung Octobre des Arts. Das Museum war sehr gut besucht auch dank einer Ausstellung zum Thema Street-art. Ich habe mich auch gefreut über die Präsentation von einer Schenkung der Hilger Collection. Das Mappenwerk von Mel Ramos war sehr schön präsentiert. Eine weitere Überraschung war die Präsentation der Performances von Jan Fabre. "Stigmata, Actions & Performancs 1976-2016".Ich kenne viele Arbeiten von Fabre durch meine Zusammenarbeit mit der Deweer Art Gallery in Belgien. Die Performances wurden mit Filmmaterial, Modellen, Texten und mit Materialien auf kleinen, ganz regelmässig im Raum aufgestellten Glastischen präsentiert. Das hat mir sehr gut gefallen. 

Mittwoch 28. Dezember: Wir haben das grosse Areal der LUMA Stiftung besucht. Eine junge Kunsthistorikerin hat uns eineinhalb Stunden durch das ganze Gelände geführt. Auf diesem Industrieareal wurden früher die Lokomotiven und Waggons der SNCF gewartet. Es ist imposant, was nun hier von Maja Hoffmann renoviert und aufgebaut wird. Ein Kulturzentrum für Fotografie, Musik, Tanz, bildende Kunst, mit Laboratorien für alle Sparten, mit einem grossen öffentlichen Park, Künstlerateliers usw. Zur Zeit entsteht als Zentum ein eindrücklicher Bau von Frank O. Gehry. Das ganze Gelände war einmal ein riesiger Friedhof, der in der Zeit der Industrialisierung unzimperlich und respektlos mit Dynamit weggesprengt und flach gelegt worden ist. Das muss wie ein riesiges, verlassenes  Schlachtfeld ausgesehen haben.

Am Nachmittag haben wir uns die Ausstellung von Urs Fischer in der Fondation Vinzent Van Gogh angeschaut und da einige Schweizer angetroffen. Für Franzosen scheint der Eintrittspreis zu teuer zu sein.  Urs Fischer hat aus dem Vollen geschöpft und eine eindrückliche Inszenierung zum Thema Malerei geschaffen, die sehr leichtfüssig und etwas salopp wirkt. 

Nach einem feinen Mittagessen sind wir weiter gefahren nach Lyon. Wir hatten ein sehr schönes Zimmer gebucht in einer Privatwohnung mitten in der Stadt. 

Dienstag 27. Dezember: gegen Mittag war das Auto repariert und wir fuhren los nach Arles. Wir hatten mitten in der Altstadt ein Hotelzimmer gebucht.  

Montag 26. Dezember: Wir hatten alles zusammengepackt und Monika wollte zusammen mit Jeremie das Auto von einem Parkplatz in der Nähe abholen. Das dauerte und dauerte. Nach rund einer Stunde kamen die Beiden zurück aber ohne das Auto. Irgend ein Idiot hatte die Fensterscheibe auf der Fahrerseite eingeschlagen. Wir mussten einen Tag warten wegen der Reparatur. 

Freitag 23. Dezember: Monika fährt mit dem vollgepackten Auto zusammen mit Jérémie und ich nehme zusammen mit Vera den Zug nach Toulouse. Die rund vierstündige Bahnfahrt machte richtig Spass. Vera und ich hatten wieder einmal richtig schön Zeit zum Reden. Am Bahnhof wurden wir von Eric abgeholt und fuhren dann zum Wohnhaus von Catiy und Eric an einem ganz ruhigen Quartier am Stadtrand von Toulouse. Wir haben einige wunderschöne Tage erlabt mit vielen Stadtwanderungen, Museumsbesuchen, gutem Essen, lustigen Spielrunden und einem herrlichen Weihnachtsfest. 

Mittwoch/Donnerstag 21. 22 Dezember: Wir haben lange geschlafen, einen Spaziergang gemacht und das Haus angeschaut, das die Freunde im Moment renovieren. Am Donnerstag hatten wir eine eindrückliche Degustation. Der Wein ist wirklich ausgezeichnet. 

Dienstag 20. Dezember: Gegen Mittag sind wir weiter gefahren nach Bordeaux. Ich war noch nie in dieser Stadt und wollte unbedingt das Musée d art contemporain de Bordeaux besuchen. Dank unserem Tom- Tom haben wir das auch sofort gefunden. Ein eindrücklicher Bau mit einer unrühmlichen Geschichte. Hier war einmal der Sklavenmarkt untergebracht. Das Bauwerk ist eindrücklich. Im Erdgeschoss wurde eine riesige Filminstallation von Rosa Barba präsentiert. In den oberen Räumen sah ich seit langer Zeit wieder einmal eine grosse Installation von Anette Messager. Das erinnerte mich gleich an unsere Begegnung vor 33 Jahren an der Biennale in Sydney. Wir hatten damals eine super Zeit zusammen mit Annik Nozati, Tony Cragg und vielen Anderen. 

Gegen Abend sind wir weitergefahren in die Nacht hinein nach Listrac - Medoc. Vera und Jérémie erwarteten uns dort bei einer befreundeten Familie die auf dem grossen Weingut Jander leben und arbeiten. Die Zukunft scheint hier ungewiss. Das Weingut und das Schloss sollen wieder verkauft werden. 

Montag 19. Dezember: Heute Morgen habe ich noch alle Pakete zur Post gebracht. Monika hat unsere Sachen zusammengepackt und dann sind wir früh losgefahren Richtung Frankreich. Zuerst nach Basel, Mulhouse und dann nach Moulins. Monika hat sich für den ersten Reisetag einfach eine Stadt ausgesucht zwischen St.Gallen und Bordeaux. Nach einer langen Fahrt erreichten wir die sehr schöne alte Handelsstadt aus dem 15. Jahrhundert.  Moulins passt ja bestens für reisende Müller. Der Name der Stadt nimmt Bezug auf die vielen Mühlenschiffe, die auf dem Fluss Allier das Getreide gemahlen und transportiert haben. Am Abend sassen wir zum Essen in einem wunderschönen Restaurant, in dem Coco Chanell sehr oft verkehrt haben soll. Das Restaurant Grand Café aus der "Belle Epoche" soll damals von ihrer Schwester geführt worden sein. Ein wunderschöner Spiegelsaal mit Empore, der sich selbst unendlich im Spiegelbild vervielfacht. 

Sonntag 18. Dezember: Der gestrige Tag war sehr anstrengend aber alles ist wunderbar gelaufen. Die Lesungen, Gespräche und die zwei Buchvernissagen waren sehr anregend. Wir hatten den ganzen Nachmittag ein dichtes Programm und sehr viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Am Nachmittag traf auch Jana Schulz aus Berlin ein mit einem Koffer voller Bücher. Ich liebe diese Tage, umgeben von Büchern und interessanten Menschen. Monika hat wunderbare Suppen gekocht und spezielle Sachen gebacken. Alles vom Feinsten. Als die Besucher gegangen waren haben wir draussen in unserer "Höhle" ein Feuer gemacht und im kleinen Kreis noch einmal eine gute Flasche Wein getrunken. Dick in grosse Schafspelze eingemummelt war das ein wunderbarer Abschluss des Tages.

Heute konnte ich mich noch einmal in aller Ruhe mit Jana Schulz unterhalten. Ihr druckfrisches Buch gefällt mir sehr. "SOME WILL WING, SOME WILL LOSE, SOME WILL SING THE BLUES". Der Buchtitel hat gestern unseren Nachbarn Hermann zum Spiel mit der Mundharmonika angeregt. Spontan hat er vor und nach der Lesung von Jana zwei kurze Stücke gespielt. Richtig gut war das. 

Freitag 16. Dezember: Heute musste ich schon um acht Uhr im Atelier stehen, um zwei Transporte zu machen. Mathias Stäbler hat sechzig Stühle und drei Stehtische abgeholt für unsere Verlagspräsentation. Und um 10 Uhr sind die neuen Bücher geliefert worden von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch. Das war wieder einer dieser tollen Momente. Wenn man nach langer Vorarbeit endlich das erste gedruckte Buch in den Händen halten kann. Das Buch ist wunderbar geworden. 

Am Nachmittag kam schon der erste Besucher an unsere Verlagspräsentation. Das ist immer ein gutes Zeichen, wenn jemand einen Tag zu früh kommt. Ich musste natürlich sofort kontrollieren ob ich das falsche Datum auf die Einladungskarten gedruckt habe. Zum Glück war das aber nicht der Fall.

Am Abend waren wir an der Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum. Mark Dion hat im ehemaligen Naturmuseum eine witzige und eindrückliche Ausstellung inszeniert. Das gab eine lange Nacht. 

Donnerstag 15. Dezember: Heute besuchten wir gleich zwei neue Ausstellungsorte in St.Gallen.  Anita Zimmermann und Marianne Rinderknecht eröffneten an der Goliathgasse zwei in einer Stützmauer eingelassene Vitrinen, die früher vom Strassenbauamt als Materiallager benutz wurden. Der Ausstellungsort heisst "Hiltibold". Das war der Begleiter und Förderer von Gallus, der das Kloster in St.Gallen gegründet hat. Anschliessend haben wir das neue Nextex im ehemaligen italienischen Konsulat besucht. Eine sehr spezielle Ausstellung mit Stefan Inauen, Kasia Maksymowicz und Michael Zellweger.  Wir haben in den achtziger Jahren ganz in der Nähe gewohnt, an der Bleichestrasse 3, gleich beim roten Platz von Pipilotti Rist. Es ist sehr speziell, plötzlich in diesem ehemaligen Italienischen Konsulat  zu stehen und Kunst anzuschauen. Die Räume sind sehr geheimnisvoll, wie aus einer anderen Zeit. 

Mittwoch: 14. Dezember: Ich war die ganze Woche damit beschäftigt alle Bücher zusammen zu tragen für die Verlagspräsentation, die am Samstag stattfindet. Ich mache das sehr gerne. Das Ausbreiten von all den Publikationen erzeugt ein sehr spezielles Zeitgefühl. Die inhaltliche Auseinandersetzung von dreissig Jahren Büchermachen ausgelegt auf grossen Tischen. Ich bin ziemlich nervös. Das neue Buch von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch ist noch nicht geliefert worden. Das wir knapp aber bis jetzt hat es mit den Produktionen immer geklappt. 

Samstag 10. Dezember: Heute ist Feiertag. Monika und ich feiern unsere Geburtstage. Am Nachmittag sind wir für einen Apero auf die Waldegg gefahren. Ein herrlicher Tag mit viel Sonne und einem wunderbaren Blick auf den Alpstein. Am Abend gehen wir mit Freunden zu Freunden und dort werden wir sicher wunderbar bekocht. Grosse Freude.

Freitag 9. Dezember: Heute Morgen hatte ich ein langes Gespräch mit Kaspar Surber über Kulturpolitik und die ganze Entwicklung in der Kulturszene. Es war sehr spannend, wieder einmal laut zu denken. Die ganzen Sparübungen die uns in nächster Zeit bevorstehen können geben mir sehr zu denken. Wenn die Unternehmenssteuerreform angenommen werden sollte besteht die Gefahr, dass vor allem in der Bildung und in der Kultur Abstriche gemacht werden. Zur Zeit siehr man das in Luzern. Die grossen Kulturinstitutionen sollen 8% weniger Geld bekommen und das kann nach der Abstimmung noch viel schlimmer werden. 

Am frühen Abend hatte ich einen Artztermin. Mein rechtes Knie ist defekt. Das hat sich in den letzten Tagen verschlimmert. Ich habe zu viel getanzt. Die sehr sympatische Ärztin hat dann festgestellt, dass ich einen Riss im Miniskus habe. Ich hoffe schwer, dass sich das wieder beruhigt. 

Donnerstag 8. Dezember: Ich musste früh zum Bahnhof. In Zürich hatten wir die Abschlusssitzung von unserem Festkomitee für die Feier 150 Jahre visarte.schweiz. Das Fest war ja wirklich wunderbar. Am Nachmittag war dann noch die Sitzung vom Zentralvorstand von visarte. Bis zum Abend war ich ziemlich geschlaucht. Für dieses Jahr ist nun Schluss mit Sitzungen. 

Mittwoch 7. Dezember: Heute konnte ich eine Arbeit fertigstellen für die Ausstellung Tell in IL PAESE DI TELL, die vom 27. Januar bis zum 18. Februar im Mercato Coperto in Giubiasco stattfindet. Dafür musste ich zuerst beim "Veloflicker" vorbei, um ein paar alte Gummischläuche abzuholen. Ich glaube das wird sehr lustig. Organisiert wird die Ausstellung von Urs Dickerhof und Giancarlo Tamagni. 

Dienstag 6. Dezember: Ich bin sehr früh aufgestanden, um eine Planskizze  noch einmal neu zu zeichnen. Ich hatte am Nachmittag eine Sitzung in Zürich für ein spannendes Bauprojekt. Es ist alles sehr gut gelaufen und ich bin gespannt wie sich dieses Projekt weiter entwickelt. Ich liebe diese Auseinandersetzung mit Architektur. Als Künstler kommt man da in ganz andere Dimensionen hinein, was die Volumen und die Öffentlichkeit betrifft.  

Montag 5. Dezember: Am Morgen hatte ich meine Therapiestunde bei Theresa Germann. Die Physiobalance tut mir sehr gut für mein Körperbewusstsein. Anschliessend musste ich gleich zum Bahnhof. Ich hatte in Solothurn eine Jurysitzung für ein grosses Kunst am Bau Projekt für das neue Spitalgebäude. Ich denke das wird eine sehr spannende Auseinandersetzung. 

Sonntag 4. Dezember: Ein gemütlicher Sonntag mit einem langen Spaziergang und am Abend ein richtig berührendes Konzert vom Orchester der Universität St.Gallen. 

Samstag 3. Dezember: Monika und ich sind am Nachmittag nach Chur gefahren zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung von der visarte Graubünden. Lynn Kost hat eine wunderbare Ausstellung zum Thema "Archive" kuratiert. Ich war vor einem Jahr bei der Jurierung dabei. Es war sehr spannend zu sehen, wie die Künstlerinnen und Künstler die ausgewählten Projekte weiter entwickelt haben. Das war ein riesiger Rummel im Museum. Eine richtige Kontaktbörse. Ich konnte mit vielen Künstlerinnen und Künstlern reden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ein richtig guter Abend. 

Freitag 2. Dezember: Heute wurde Peter Gross mit dem grossen Kulturpreis der St.Galler Kulturstiftung geehrt. Die Feier fand in der Lokremise statt. Launige Reden von Corinne Schatz und Gottfied Höppli und ein starker "Hergott -Text" von Peter Gross, grossartig vorgetragen durch die Schauspielerin Diana Dengler. Die Musikerin Vera Kappeler war auch sehr überzeugend am Klavier. Das war ein sehr unterhaltsamer Abend mit vielen spannenden Gesprächen.

Donnerstag 1. Dezember: Um 11 Uhr bin ich los gefahren nach Bern. Ich habe mir die Ausstellungen im Kunstmuseum und in der Kunsthalle angeschaut und bin dann ins Bollwerk gegangen für eine Sitzung mit den Präsidentinnen und Präsidenten von allen Organisationen, die Mitglieder bei suisseculture sind. Zur Zeit ist die Revision des Urheberrechts ein grosses und umstrittenes Thema. 

Mittwoch 30. November: Ich habe in den letzten Tagen sehr viel arbeiten können an neuen Projekten. Wenn ich in mein Atelier im Haggenquartier fahre umweht mich ein wehmütiges Lüftchen. In drei Monaten ist da Schluss. Es ist sehr speziell, nach einem Vierteljahrhundert auszuziehen. Der Umzug verlangt einiges an Logistik. Ich freue mich aber auch auf einen Neuanfang. Räume können sich auch verbrauchen. Wenn alles zu vertraut wird, verpufft auch die Energie. 

Dienstag 29. November: Am Abend war ich in Zürich verabredet für eine SWIPS Sitzung. Das ist die Vereinigung der unabhängigen Schweizer Verlage. Für mich ist das immer sehr spannend. 

Montag 28. November: Heute hatte ich einen Termin mit einem Marderspezialisten. Das war wirklich spannend. Im neuen Atelier und Lager das ich mieten möchte hat sich ein Marder eingenistet. das sind ja sehr schöne und schlaue Tiere, sie können aber auch enorme Schäden anrichten. Am Abend habe ich an der Haggenstrasse Corinne Schatz getroffen, um ihr noch einige Bücher von David Bürkler zu übergeben. 

Sonntag 27. November: Am Mittag haben wir uns spontan entschlossen, das neue Naturmuseum in St.Gallen zu besichtigen. Für uns ist das zu Fuss in etwa fünf Minuten zu erreichen. Der Bau von Armon Semadeni Architekten gefällt mir ausgezeichnet. Das ergibt nun ein wunderbares Ensemble mit der Kirche vom Neudorf. Stark sind die total unterschiedlichen Aussichten aus dem Museum. Der  ruhige, klösterliche Ausblick auf die St. Maria Kirche im Neudorf. Ich habe gerade gelesen, dass in dieser Kirche eine der bedeutendsten Orgeln der Schweiz steht. Dann der schwindelerregende Anblick der stark befahrene Autobahn und ein Einblick in eine Einfamilienhauskultur mit vielen Chalets aus den Fünfzigerjahren. Das Naturmuseum ist gut gemacht und inhaltlich wird auf den verschiedenen Etagen sehr viel geboten. Die Kinder und ihre Eltern hantieren mit grossem Eifer an den vielen Knöpfen, Informationsteilen etc. herum. Sie hören sich Texte an, ziehen an Schubladen und ergötzen sich an der Vielfalt der ausgestellten Natur. Der Publikumsaufmarsch ist beträchtlich. Vom Säugling bis zum Greis. In den ersten zwei Monaten haben schon 20 tausend Menschen das Museum besucht.

Samstag 26. November: Monika hat wunderbar gekocht für Freunde. Ein schöner Abend mit Spannung, Strahlung und Einblicken.

Freitag 25. November: Ich habe im Atelier an der Haggenstrasse das ganze Atelier aufgeräumt und eine Ausstellung vorbereitet für die Rheintaler Kulturkommission. Am frühen Abend habe ich dann eine Einführung in meine Arbeit als Kulturvermittler, Verleger und Künstler gemacht. Ich glaube das ist ganz gut gelungen. Anschliessend bin ich zusammen mit Karl Stadler zur Ausstellungseröffnung zur Kunsthalle gefahren. Zur Zeit läuft eine ganz spannende Präsentation von jungen Künstlern. Die Performance von Sophie Jung hat mich total begeistert. Ein lustiger Abend mit interessanter Kunst, Party und Tanz. 

Donnerstag 24. November: Bei uns sind heute die Techniker angesagt. Ein Elektiker muss einige Schalter auswechseln und eine Lampe reparieren und ein techniker von Swisscom sorgt heute endlich dafür, dass wir mit zwei Telefonen gleichzeitig telefonieren können und dass auch der TV normal eingeschaltet werden kann. Es war lange Zeit zum Verzweifeln. Nun funktioniert aber alles wieder.

Mittwoch 23. November: Heute habe ich mich den ganzen Tag mit der Illustration einer Zeitschrift beschäftigt. Nach einem harzigen Einstieg ist mir die Sache dann plötzlich sehr leicht von der Hand gegangen. jetzt habe ich 7 Illustrationen, bunt, einfach und mit einem kleinen Rätsel verbunden.

Dienstag 22. November: Gegen Abend war ich verabredet mit Christian Röllin, um alle Bilder aus der vergangenen Ausstellung zu transportieren. Ich konnte mir bei dieser Gelegenheit gleich die neue Ausstellung anschauen. Zur Zeit präsentiert er sehr schöne Arbeiten von Alfred Sturzenegger und Peter Dew.  

Montag 21. November: Ich war zum Mittagessen verabredet mit Christoph Doswald und Regine Helbling. Wir wollten uns vorbereiten für ein Hearing mit der Stiftung Pro Helvetia, an dem auch eine Delegation vom Schweizer Kunstverein beteiligt war. Das zweistündige Gespräch war sehr aufschlussreich und erhellend. Es gibt noch viel Klärungsbedarf, nachdem die Aufgaben im kulturellen Bereich neu verteilt worden sind zwischen dem BAK und der Pro Helvetia.

Sonntag 20. November: Eri hat für uns ein wunderbares Frühstück vorbereitet. Wir sind dann in aller Ruhe und total erfüllt nach Hause gefahren. Ich liebe solche Fahrten, weil man so viel Zeit hat alles erlebte noch einmal zu reflektieren.

Samstag 19. November: Monika und ich sind früh losgefahren nach Luzern für das grosse visarte Fest. Ich wollte unbedingt schon vor 13 Uhr beim Kunstmuseum sein, um die Führungen zu besprechen, die auf halb zwei angesagt waren. Wir erwarteten sehr viele Leute und wollten verhindern, dass das ein Chaos wird. Wir haben dann alle Gäste bereits unten beim Eingang begrüsst und informiert. Im Museum gab es dann jede Viertelstunde zwei kurze Einführungen in die Ausstellungen "Werke aus einer Genfer Privatsammlung" in der auch die frühe Arbeit "Ledertorso" von mir präsentiert wurde und in die sehr interessante, raumgreiffende Installation von Laure Prouvost. Unsere Gäste sind sehr lange im Kunstmuseum geblieben.  Ich bin dann mit der S-Bahn nach Emmenbrücke gefahren. Die nächste Station war die Ausstellung von Maria Zgraggen im akku. Um halb vier waren dann sicher 150 Personen vor Ort. Ich habe die Gäste begrüsst und die Kuratorin Lena Friedli hat zur Arbeit von Maria gesprochen, die innerhalb von zwei Jahren eine tolle Ausstellung erarbeitet hat. Wer Malerei liebt sollte diese Ausstellung nicht verpassen.

Anschliessend sind wir gemeinsam zur HSLU spaziert. Um 17.15 war das Diskussionsforum angesagt zum Thema: "Laut denken, über die Zukunft der Kunst ". Christian Jelk und Dorothea Strauss hielten je ein Impulsreferat und anschliessend diskutierten sie zusammen mit Marianne Burki von Pro Helvetia, der Künstlerin Vanessa Billy und dem Künstler Kerim Seiler. Sehr professionell moderiert wurde das Ganze von Christoph Doswald. Das war eine vielsprachige spannende Diskussion zum Auftakt von unserem visarte Fest.

Nach dem Apero gab es, eingeführt durch Regine Helbling, Reden von der Direktorin Gabriela Christen, dem Ständeratspräsidenten Herr Comte, dem Luzerner Regierungsrat Herr Frick und von mir. Musikalisch begleitet wurden wir durch Balthasar Streiff. Das war schon einmal ein wunderschöner Hörgenuss. Flankiert wurden die Redner durch zwei adrette, hypergestylte Damen in Glimmerkleidern. Die Beiden Performerinnen sorgten bei einer Besucherin für grosse Irritation. Die Besucherin stürmte auf die Bühne und nahm den Beiden als Erstes die Pelzmäntel ab. Zehn Minuten später wollte sie die zwei Frauen von der Bühne bugsieren.  Wir  dachten, das gehöre zur Performance. Schlussendlich musste die Frau von Paul von der Bühne geleitet werden. Ein bisschen Aufregung und Irritation schadet ja nicht. Regierungsrat Frick war ziemlich konsterniert nach seiner Rede.

Ja dann gab es viel zu essen und zu trinken und ein dichtes Kunstprogramm. Eine Gruppe von Studierenden der HSLU haben spannende Beiträge zum Fest vorbereitet. Das Konzert von Les Raines  Prochaines war super. Die Gruppe begeistert mich schon seit den 80er Jahren. Als weiteren Höhepunkt legte dann bis um 2.00 Uhr Ian Anüll Platten auf. Es gab viel Platz zum Tanzen. Die Musik war einfach super.

Für mich war das ein sehr stimmiges Fest mit so vielen guten Begegnungen in einer tollen Atmosphäre. 

Freitag 18. November: Eigentlich hätte ich nach Zürich reisen müssen für ein Arbeitsessen. Ich musste das absagen, weil ich kurzfristig eine Atelierbesucherin empfangen durfte. Nun bin ich sehr gespannt was daraus resultiert.

Mittwoch 16. November: Ich habe den ganzen Tag an meinen Tümpelforscherbildern weitergearbeitet. Am Abend war ich eingeladen für ein Kulturpodium im Palace. Die Kandidatinnen für den Stadtrat, Frau Adam und Maria Pappa erörterten ihre Vorstellungen zur Kultur in der Stadt St.Gallen. René Hornung moderierte das Gespräch. Der Anlass war sehr aufschlussreich und teilweise sogar sehr unterhaltsam. Ich konnte einige Gedanken einbringen, vor allem was die Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum betrifft aber auch das ewige Thema von günstigen Atelierräumen, die auch in St.Gallen immer schwieriger zu finden sind. 

Dienstag 15. November: Ich bin früh in mein Atelier an der Haggenstrasse gefahren. Ich musste abklären, ob eine Arbeit für eine geplante Ausstellung passen könnte. ich habe dann gleich eine neue skulpturale Arbeit entwickelt. Es macht immer noch Spass mit der Motorsäge herum zu werken. Am Mittag habe ich eine kleine Atelierausstellung eingerichtet. Am Nachmittag erwartete ich einen Atelierbesuch. Das war dann alles sehr sympatisch. Ein junges, sehr interessantes Paar, das sich für meine Malerei interessiert. 

Montag 14. November: Früh raus aus dem Haus für eine intensive Sitzung in Zürich zum Thema Folgerecht. Anschliessend haben wir noch die letzten Details vom kommenden visarte Fest besprochen. Ich glaube das kommt gut.

Sonntag 13. November: Ein schöner und geruhsamer Morgen. Monika und Vera sind ins Rheintal gefahren für Familienbesuche. Um halb zwei bin mit dem Zug nach Appenzell gereist. Bei Agathe Nisple war ein Künstlergespräch angesagt von Vera, mit der Kunstwissenschaftlerin Natalia Huser. Die Stube von Agathe war rammelvoll und der 45 minütige Diskurs von Vera und Natalia war sehr intensiv und höchst konzentriert. Ich war richtig beglückt in welcher Klarheit Vera über ihre Wandmalerei gesprochen hat. Das war ein richtig schöner Anlass mit vielen guten Leuten und einem wunderbaren Abendessen von Agathe. 

Samstag 12. November: Nach einem intensiven Morgen im Büro wurde mir plötzlich bewusst, dass ich spätestens um 11.25 losfahren muss, um in Basel alle Orte zu besuchen die mich interessieren. Ich packte meine Sachen zusammen und rannte zur Bushaltestelle. Im Moment ist es ekelhaft zu reisen. Normalerweise liebe ich es möglichst viele Zeitungen zu lesen. Nun ist alles voll von Trump über Trump unter Trump, neben Trump. Ich finde das fürchterlich. Die Welt scheint sich neu erfinden zu müssen. In Basel habe ich mir dann endlich den Neubau des Kunstmuseums angeschaut und dadurch auch viel Amerikanische Kunst. Vom Bau bin ich positiv überrascht. Der Baukörper hat eine sehr starke aber unaufdringliche Präsenz an diesem Ort. Der Altbau wirkt beim Eingang nun etwas verlassen. Ich stand etwas ratlos im Foyer herum. Ich wollte natürlich zuerst den Neubau sehen und suchte den Abgang. Ziemlich wuchtig das Ganze. Ich mag den Marmor nicht wirklich im riesigen Durchgangsbereich. Im Altbau sind die "urigen" Steinböden sehr viel schöner. Dafür liebe ich den in Kreisbewegungen angebrachten Verputz, der vom Altbau übernommen worden ist. Unten sind die Räume teilweise etwas unterbelichtet. Das macht schläferig. Oben irritieren die Holzböden mit dem strengen und zu aufdringlichen Parkett. Josef Helfenstein wird sich da sicher etwas einfallen lassen müssen. Nun gut, ich bin ja nicht ins Museum gegangen um mich über den Holzboden zu ärgern. Eigentlich wollte ich die Frühwerke von Jackson Pollock sehen. Für mich sind diese Werke eine grosse Überraschung und ein wunderbares, inspirierendes Seh - Erlebnis.  Interessanterweise spielt bei dieser Ausstellung die Beschaffenheit des Bodens überhaupt keine Rolle mehr. Ich bin dann noch einmal durch das ganze Haus gegangen. Im ersten Stock traf ich  eine ältere Frau, die verzweifelt den Ausgang suchte. Die Orientierung scheint nicht so einfach zu sein. Im Altbau rauschte ich dann im Schnellgang an den vielen Madonnen vorbei, sagte kurz hallo zu Hans Holbein und dem toten Christus, und tröstete mich im obersten Stockwerk an einigen Lieblingsbildern, die ich immer wieder gerne besuche. Zum Beispiel die zwei Brüder von Picasso und das Dschungelbild von Henri Russeau. 

Draussen habe ich noch einmal versucht den Baukörper zu erfassen. dabei ist mir das verblüffende und sehr raffinierte Schriftband aufgefallen, das für jede Ausstellung verändert werden kann. Keine Ahnung wie das technisch funktioniert. Es wirkt wie ein fester Bestandteil des Gebäudes.

Nach dem Kunstmuseum ging ich zu Stampa in die Galerie. Ich habe mir die Ausstellung von Erik Steinbrecher angeschaut. Die Ausstellung ist sehr frech, politisch und teilweise richtig böse und zynisch. Angesichts der Weltlage scheint mir aber diese Art der künstlerischen  Reaktion als eine legitime Möglichkeit. Gilli Stampa hat mir dann empfohlen, unbedingt die Installation von Steiner Lenzlinger beim Totentanz anzuschauen. Gerda und Jörg haben eine kleine Totenmesse eingerichtet. Rund 200 Künstlerinnen und Künstler sind im Projekt integriert. Man konnte Urnen, Bilder etc. erwerben mit "Knochengeld". An einem Stand konnte man dem Tod schriftlich eine Frage stellen. Ich habe ihn gefragt: "Lieber Tod warum wartest Du auf mich?" und nach längerer Zeit während der ich ein Schnäppschen offeriert bekommen habe kam Die Antwort: "Ich kann nichts dafür."

Ja das war eine wunderbare Sache. Anschliessend bin ich zum Projektraim M54 an der Mörsbergerstrasse gegangen. visarte veranstaltete ein Tribunal mit dem Gerichtspräsidenzen Guido Nussbaum. Es ging um die Klärung der Frage, ob visarte auch Leute aus der Kreativwirtschaft in den Berufsverband aufnehmen soll. Die Votanten waren sich einig, dass visarte geöffnet werden müsste für die Kreativwirtschaft. Einer fand visarte ziemlich unsexi und ein meinte, dass visarte als verstaubter Jammerverein daherkomme. In meinem Schlussvotum habe ich darauf hingewiesen, dass ein klarer Wille zu professioneller Kunst für eine Mitgliedschaft absolut notwendig sei und dass dazu auch eine regelmässige Ausstellungspraxis gehört. Überhaupt sind ja alle Kunstschaffenden Teil einer Kreativwirtschaft. Die meisten müssen ja neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch noch Brotjobs machen. Ich habe dann viele Geschichten erzählt und wurde ziemlich uferlos. In der Kunst gibt es keine sicheren Ufer. Rut Himmelsdbach hat dann am Schluss gefunden ich hätte das super gemacht. Na ja ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten. 

Ich bin dann zum Bahnhof gefahren und gerannt und erst um 23.00 in St.Gallen angekommen.

11. November: Die letzten Tagen konnte ich intensiv an neuen Projekten arbeiten. Manchmal löst sich alles und die Ideen kommen plötzlich ans Licht.

Gestern Abend habe ich die Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum besucht. Der Deutsche Künstler Manfred Pernice hat eine eindrückliche Ausstellung aufgebaut. Schäbig - schick stehen seine Skulpturen im Raum. Die Welt der Dosen birgt unbenannte Geheimnisse, Träume und Wünsche. Die an Säulen, Sitzgruppen, Regale oder an gestrige Möbel erinnernden Objekte sind meist aus Pressspanplatten gesägt und zu bunten, gekachelten Objekten zusammengefügt. Ganz stark ist das im Obergeschoss stehende "Skelett" von Tutti, einer grossen Skulptur mit einer engen Wendeltreppe, die in anderen Ausstellungen noch als gedeckter Rundbau präsentiert wurde. Nun steht nur noch die tragende Struktur wie ein Knochengerüst auf einem runden Podest. Ich habe viele Bekannte getroffen und im Baratella einen schönen Abend mit Sara Masüger verbracht.

8. November: Nach einem intensiven Arbeitstag bin ich zusammen mit Monika in die Kunsthalle gegangen. Am traditionellen Treffen der Freunde der Kunsthalle kocht Agathe Nisple jedes Jahr eine sehr feine Fischsuppe. Bei diesem Anlass wird auch immer die Spezialedition für die Freunde der Kunsthalle verteilt. In diesem Jahr stammt die Edition von Vanessa Billy. "Nature leaves" ist ein Abguss eines Blattes aus lebensmitteltauglichem Silikon. Vanessa Billy hat eine sehr schöne Einzelausstellung aufgebaut. Wir konnten leider nicht lange in der Kunsthalle bleiben. Ich wollte unbedingt an die Lesung von Joachim Sartorius im Kultbau. Ich habe Joachim Sartorius 1991 in Berlin kennengelernt. Ich war damals ein Jahr lang Gast vom Deutschen akademischen Austauschdienst "daad" und er war der Leiter des Berliner Künstlerprogramms. Ich erinnere mich noch an eine sehr lustige, private Einladung bei Joachim Sartorius. Nan Goldin, Aura Rosenberg, John Miller, Igor und Svetlana Kopystiansky und einige weitere Künstler waren mit dabei. Sartorius hat damals erzählt, wie  James Lee Bayers bei einer Einladung all seine eigenen Kataloge aus der Hausbibliothek von Sartorius aus dem Regal genommen und und zum Entsetzen des Gastgebers in Stücke gerissen habe, weil er sie nicht mehr gut fand. Die Lesung gestern im Kultbau war sehr konzentriert und intensiv. Ich bin froh, dass wir da hin gegangen sind. 

7. November: Am Morgen habe ich alles aufgearbeitet und die Post erledigt. Am Mittag traf ich dann Kerstin Forster vom Triest Verlag in ihrem Büro an der Vadianstrasse in St.Gallen zu einem Gespräch. Das ist ja beeindruckend was die in 16 Monaten alles herausgebracht haben. 

Am Abend hat Monika fulminant gekocht. Schöne Zeiten!

Sonntag 6. November: Ein intensiver Tag mit Büchern und Buchliebhabern an der Buch und Druckkunst Messe im Eisenwerk in Frauenfeld. Es ist sehr schön, viele Bekannte aus der Kulturszene an einem Ort versammelt zu sehen. das ist immer eine sehr ergiebige Kontaktbörse. Ich bin sehr zufrieden und motiviert für neue Projekte.

Samstag 5. November: Ich hatte mich mit Walter Schmied beim Bahnhof verabredet. Ich wollte ihm in Frauenfeld alles zeigen und erklären, damit er mich an der Messe vertreten kann, denn ich musste am Mittag weiter nach Aarau fahren. Um 14 Uhr begann im Stadtmuseum Aarau die Ehrung mit dem Heimatschutzpreis, der der Stadt Aarau für das neue Stadtmuseum überreicht wurde. Das war ein sehr würdiger und inhaltlich spannender Anlass mit guten Reden und sehr schöner Musik. Martin Heller hat eine sehr scharfsinnige Laudatio gehalten. Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich bei einem so gelungenen Bauwerk meinen Teil in Form von Kunst am Bau beitragen konnte.

4. November: Um 9 Uhr sind wir los gefahren. Bücher schleppen, einrichten und geduldig auf interessierte Kundschaft warten. Monika fuhr dann gleich weiter an den Bodensee. Mein Tag war nicht sehr aufregend aber gut.

3. November: Diese Woche konnte ich in aller Ruhe an meinen Projekten arbeiten. Die Auszeit in Berlin hat gut getan. Heute habe ich alle Bücher verpackt, die ich für das Wochenende in Frauenfeld brauche. Ich gehe in diesem Jahr das dritte mal an die Buch- und Druckkunst Messe im Eisenwerk.

30. Oktober: Am frühen Nachmittag sind wir mit der S-Bahn Richtung Grunewald gefahren. An der Friedrichstrasse war schon Schluss. Wir mussten umstaigen auf den Schienenersatzverkehr. das gab dann eine gemütliche Fahrt durch Berlin und die Vororte. Mit dem Bus sieht man wirklich viel mehr von der Stadt. Unser Zie war das Kolbe Museum. Alexandra Ranner hat da eine sehr starke und präzise Videoausstellung aufgebaut. Die Bauten und Räume für die inszenierten Videoarbeiten sind sehr irritierend und beeindruckend. Leider konnten wir Alexandra telefonisch nicht erreichen. Wir wollten uns eigentlich zu Kaffee und Kuchen treffen. Na ja - hoffentlich ein Andermal. Ich konnte im garten des Museums sehr schöne Fotos von herbstlichen, wilden Bäumen machen. Wir sind dann anschliessend zum grunewald gefahren und wollten noch ein anderes Museum besuchen. Das war aber alles viel zu weit. Der Wald und die Wege haben mich sehr inspiriert und besänftigt. Wir mussten dann unsere Wanderung abbrechen, um das Rockkonzert einer japanischen Gruppe im "Ausland" nicht zu verpassen. "Ausland" heisst das Kulturlokal im Prenzlauerberg. Die Japaner waren extrem gut und unheimlich präzise in ihrer Musik. Ein super Abschluss von unseren Tagen in Berlin.

29. Oktober: nach dem langen Berliner Abend mit "Tanzeinlagen" sind Monika und ich als Erste am frühen Nachmittag aufgestanden. Wir habe uns dann die Ausstellungen im Hamburger Bahnhof angeschaut. Die Ausstellung "Musikwerke bildender Künstler" war etwas gar trocken. Überzeugt haben mich Saadane Afif und Christian Marcley. Die grosse Übersichtsausstellung der türkischen Künstlerin Gülüsün Karamustafa ist enorm anregend. Am eindrücklichsten war aber die riesige, 12 teilige Filminstallation "Manifesta" von Julian Rosefeld, die er mit der Australischen Schauspielerin Cate Blanchett gedreht hat. Ein Meisterleistung auf allen Ebenen.

Und nach diesem wunderbaren Ausstellungstag wurden wir von Jeremie, Vera und Flurina bekocht mit dem Feinsten. An diesem Abend sind wir nicht all zu späht schlafen gegangen...

28. Oktober: Nach der Ausstellungseröffnung im NEXTEX mussten wir schon um vier Uhr aufstehen, um rechtzeitig am Flughafen in Kloten zu sein. Alles hat geklappt, das Taxi stand rechtzeitig am vereinbarten Ort. der Flug verlief ruhig und Vera hat uns in Berlin mit frische Croissons und Kaffee bewirtet. Am nachmittag bin ich mit Monika durch die Stadt gewandert uns am Abend ab 18 Uhr waren wir bei Vera im Atelier für die Eröffnung der Ausstellung mit den Vexer Editionen. Sie hat das alles wunderbar vorbereitet und präsentiert. Um neun Uhr gab Norbert Möslang ein beeindruckendes Konzert. Ich habe mich sehr gefreut über die vielen spannenden Gäste aus dem Umfeld von Vera. Sie ist sehr gut vernetzt und kennt sehr viele spannende Künstlerinnen und Künstler aus den verschiedensten Ländern Europas, die in Berlin ihr Glück versuchen. 

27. Oktober: 10.25 ab nach Bern. Gemeinsam mit Aline Feichtinger und Paul Gruber bin ich nach Bern gefahren. Wir konnten wunderbar unsere Sitzung vor besprechen. Wir trafen uns im Proger, in einem Künstleratelier für unsere letzte gemeinsame visarte Festsitzung. Das war alles sehr intensiv. In ein paar Wochen gilt es ernst mit dem fest zum 150 jährigen Jubiläum von visarte.schweiz.

Am Abend bin ich dann direkt in den Ausstellungsraum NEXTEX in St.Gallen gefahren. Jiajia Zhang, Thomas Stüssi und Emanuel Geisser haben eine Ausstellung aufgebaut zum Thema "Der Horizont ist klar".

Es waren sehr viele interessierte und engagierte Kunstschaffende aus der Region anwesend.

25. Oktober: Nach einem ruhigen Arbeitstag war ich am Abend eingeladen zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Kunst am Bau" im neuen Werkhof vom Gartenbauamt, gleich neben dem Botanischen Garten. Den Anlass haben wir von visarte gemeinsam mit den BSA Architekten und dem Architekturforum organisiert. Der Architekt Patric Allemann hielt ein Referat zur Zusammenarbeit mit dem Künstler Harald F. Müller, anschliessend referierte die Kunsthistorikerin Karin Frei Rappenecker und danach Tanja Scartazzini von der Fachstelle "Kunst am Bau" vom Kanton Zürich. Katja Schenker und ich konnten dann in der Diskussionsrunde noch die Standpunkte aus Sicht der Künstler-Innen einbringen. Der Anlass war sehr gut besucht und es gab im Anschluss noch sehr intensive Diskussionen. Diese Diskussionen zu Kunst am Bau sind gerade in St.gallen sehr wichtig, da der Kanton St.Gallen viel zu wenig und total konzeptlos agiert bei diesem Thema. beim neuen Bundesverwaltungsgericht, der Fachhochschule und anderen wichtigen bauten des kantons wurde die Kunst einfach vergessen, ignoriert oder weggespart. In den nächsten Jahren werden rund 100 Millionen verbaut für die Spitäler. Ich habe noch nie von einem Konzept gehört was da für die Kunst gemacht wird.

24. Oktober: Um 14 Uhr war ich verabredet bei Pro Litteris in Zürich. Eine interessante Diskussion zusammen mit Vertretern des Kunstvereins, um das Urheberrecht und um die Frage der digitalen Nutzung von Bildern im Internet. 

Am Abend genoss ich zusammen mit Monika die Lesung von Pedro Lenz in der Kellerbühne. Pedro wird auf seiner Tour begleitet durch "Chrigu", Christian Brantschen am Piano. Ein ausserordentlich amüsanter Abend mit Pedro Lenz in seiner niegel-nagel neuen, bordeaux-roten Schale. 

23. Oktober: An diesem Sonntagmorgen war ich um 10.30 Uhr verabredet im Historischen- und Völkerkundemuseum. Zusammen mit der jungen Kunsthistorikerin Sabrina Thöny machte ich dann eine Führung durch die Ausstellung von Martha Cunz. Mit dabei war auch ein Urneffe der Künstlerin, der aus erster Hand eindrückliche und lustige Geschichten über seine Tante Martha erzählte. Die Führung war sehr gut besucht und sehr lebendig. Ein richtig schöner Sonntagmorgen. Am Nachmittag besuchte uns dann Maria Josefa Lichtsteiner mit ihrem Partner. Sie brachten uns die restlichen Bücher "Herbarium der Sehnsucht" direkt aus der Ausstellung vom Bruder Klaus Museum in Sachseln. Heute war die Vinissage mit einem Pflanzenverkauf aus dem Garten, den Maria im Museumspark angelegt hatte.

Ja - und am Abend waren wir dann im Stadttheater um uns Jeanne Devos als Hamlet anzuschauen. Jeanne ist eine unglaublich starke Schauspielerin. Die ganze Truppe rund um den "guten Schäfer" hat uns überzeugt. Ich persönlich habe aber immer etwas Mühe, wenn ein Stück "regionalisiert" wird. Der konstruierte musikalische und visuelle Orstbezug zum Appenzellischen war mir etwas zu aufgesetzt. Das minderte aber nicht die Ausdruckskraft des Ensembles. Am Ende wurde dann aus dem Schlussklamauk noch bitterer Ernst. Eine alte Frau stürzte nach der Vorstellung im Foyer die Treppe herab und lag bewusstlos in ihrem Blut. Ich hoffe dass das alles noch gut gegangen ist.

22. Oktober: Um 11 Uhr bin ich mit dem Zug losgefahren Richtung Bern und in Zürich ist Regine zugestiegen. visarte.bern hat eine Jubiläumsveranstaltung auf dem Bundesplatz organisiert. Das Künstlerpaar Haus am Gern hat einen Rückwärtsmarsch konzipiert.  Zuerst gab es Reden auf dem Bundesplatz, beginnend mit dem Berner Stadtammann Alexander Tschäppät. Die Redner mussten der Reihe nach auf den visarte Piaggio klettern. Als zweiter kam ich dran. Ich hatte keine Lust meine Rede von hinten nach vorne zu halten, wie das geplant war. Ich benutzte die Möglichkeit viel mehr dazu, eine ziemlich politische Rede zu halten. Die endlose Sparpolitik in der Bildung und in der Kultur geht mir total auf die Nerven. Nach mir redete Hans-Ulrich Glarner, der Leiter vom Amt für Kultur vom Kanton Bern, der war echt witzig und dann Patrick Gosatti von der Pro Helvetia.  Anschliessend sind die rund zweihundert demonstrierenden Personen mit vielen Transparenten im Rückwärtsgang zur Kunsthalle gestolpert. Da wurde ein kleiner Apero angeboten. Nüssli und Bier. In der Kunsthalle gab es dann eine Podiumsdiskussion zum Thema Folgerecht. Ewa Hess von der Sonntagszeitung machte eine sehr professionelle Moderation. Es diskutierten dann in der Runde der engagierte Auktionator und Galerist Bernhard Bischoff, der Jurist Dr. Mark Reutter und ich. Es ist ein bisschen peinlich, dass von den Vertretern des Kunstmarktes immer wieder gesagt wird, dass die meisten Künstlerinnen und Künstler sowieso praktisch leer ausgehen würden und trotzdem klagen die gleichen Vertreter, dass das Folgerecht die Existenz der Galerien gefährden würde. 

21. Oktober: Nach dem Mittag habe ich einen schönen Ausflug in den Thurgau unternommen. Die Bahnfahrt war sehr erholsam. Ich hatte einen Termin in einem Betonelement - Werk. Die technische Entwicklung bei den Armierungsmöglichkeiten sind enorm. Das war wirklich spannend.

19. Oktober: heute hatte ich in Zürich eine sehr gute Besprechung und eine spannende Führung durch historische Gebäude. Es gibt viel zu denken, zu planen und zu hoffen, dass sich eine zündende Idee entwickelt.

17. Oktober: Vera und Jeremie mussten sehr früh aufstehen, um  zum Flughafen zu fahren. ich habe gar nichts gehört. Selber bin ich um sieben aus den Federn. ich hatte einen Sitzungstermin in Zürich. Am Nachmittag habe ich dann alle Pendenzen aufgearbeitet Bestellungen erledigt und mich auf Kommendes vorbereitet.

16. Oktober: Nach einem schönen Frühstück sind wir um 10 Uhr losgefahren Richtung Schweiz. Bei Oberriet sind wir von der Autobahn weg und über Eggerstanden nach Appenzell gefahren. Vera hat bei Agathe Nisple in der Station eine sehr gelungene Wandmalerei realisiert. Eine schöne Eröffnung mit vielen Freunden von Vera. Monika und ich sind dann etwas früher nach hause, um die Truthanschenkel vorzubereiten. Auf unserem kleinen Holzherd haben wir das Fleisch dann mehr als zwei Stunden gegart. Dazu frische, selbst gebratene Pommes aus dem Backofen, Gemüse etc. Ein schöner Abschiedsabend für Vera und Jeremie. 

15. Oktober: Eine Gruppe von Freunden wollte den "Schluss-Heuet" machen, alle Wiesen und Borte mähen und das Grunsdstück für den Winter aufräumen. Es hat meistens sehr stark geregnet. Ich bin bei jeder Aufhellung mit der Kettensäge in den Wald gegangen, um ein weiteres, verwildertes Waldstück zu säubern. Ich habe auch einige Bäume gefällt, damit der kleine Mammutbaum "Felice" mehr Licht bekommt. der Baum hat sich prächtig entwickelt und ist bereits grösser wie ich. Die Arbeitstage an der frischen und feuchten Luft haben mir gut getan. Eine schwere und tiefe Müdigkeit hat mir einen gesundenden Schlaf geschenkt. Wie immer haben wir sehr gut gegessen und getrunken. Es war eine grosse Freude.

Es gab dann wie zur Belohnung auch eine Überraschung. Ich wurde eingeladen für ein Vorgespräch zu einem grossen Kunstprojekt. Ich bin in solchen Momenten immer auf Monika angewiesen, da ich immer ohne Handy, ohne Mail und ohne PC unterwegs bin. 

12. Oktober: Am Morgen musste ich einige dringende Geschäfte erledigen und am Mittag haben wir unsere Sachen zusammengepackt und fuhren dann in aller Ruhe, bei schönstem Wetter nach Italien. Die Reise war sehr angenehm. Keine Touristen, keine Wohnwagen, wenige Lastwagen und lange, gute Gespräche. Am Abend haben wir bei Aldo am Ortasee gegessen.

11. Oktober: Um 13 Uhr hatte ich einen termin bei Valentin Hindermann im Büro 146 in Zürich Altstetten. Peter war auch da und wir konnten sehr viele Inhaltliche und gestalterische Fragen klären. Das wird ein sehr schönes Projekt. Anschliessend bin ich an die Josefstrasse gegangen um Nadine Olonetzky zu treffen. Sie hat sehr schöne Texte geschrieben zur Geometrie der Sonne. Ich hoffe, dass es möglich ist für dieses Projekt die Finanzierung zu organisieren. Nach dieser anregenden Begegnung habe ich mir die Ausstellung im Helmhaus mit den Atelier- und Werkstipendien der Stadt Zürich angeschaut. Eine erstaunlich kompakte und sehr ästhetische Ausstellung. Die Jury hat ganze Arbeit geleistet. Aussetzer und Querschläger sind keine zu finden. Ein Guss wie aus einer Hand. Was mich einmal mehr erstaunt hat ist die Tatsache, dass die deutsche Sprache in der Titelsetzung kaum mehr existiert. Woran mag das liegen?

Nach dem kleinen Englischkurs habe ich mich mit einigen Verlegerinnen und Verlegern von SWIPS - Swiss Independent Publishers bei Scheidegger & Spiess getroffen, um über die Verlagsförderung zu diskutieren. Wir haben alle in deutsch gesprochen. Ich habe einmal mehr festgestellt, dass der Vexer Verlag ausserhalb der Normen funktioniert. Dieses persönliche, künstlerische Projekt hat es in der üblichen Verlagsförderung schwer. Das ist kein Grund zu jammern. Der Vexer Verlag ist einfach anders aufgestellt. 

10. Oktober: Heute habe ich die letzten Vorbereitungen getroffen für die geplante Publikation von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch. Nun ist das Material zusammen.

9. Oktober - der Sonntag nach dem Fest: Gegen Mittag fröhlich aufgestanden, starken Kaffee getrunken lange geplaudert und dann einen ausgedehnten Spaziergang zusammen mit Monika und Carol den steilen Hang hinauf auf die Notkersegg, dann über die Hügel mit einem nebligen Blick auf den Bodensee und dann durch einen ziemlich verwunschenen Wald wieder nach Hause zu einem kleinen Abschiedstrank.

8. Oktober: Monika hat den ganzen Tag zusammen mit Carol gekocht für eine illustere Gruppe, die am Abend bei uns eingeladen war. Auberginen Dip mit Granatapfel, Humus, Randen - Dattel - Kaviar, Graved Saibling und dann einen Lamm Shavarama, das ist ein Gigot viereinhalb Stunden im Backofen gegart mit einer grossartigen Kräutermischung, kombiniert mit Spinatsalat,  Tomaten - Gurken - Zwiebel Salat, dazu Butternusskürbisschnitze aus dem Backofen. Als Dessert eine Jorurtcreme mit pochierten Quitten und einer Nusstorte. Es wurde dann fast Morgen, bis wir endlich im Bett lagen. 

7. Oktober: Heute Nachmittag haben wir rund 200 Bücher von Sandra Ulloni eingeladen und nach Luzern transportiert. Alles hat wunderbar geklappt. Etwas verspätet sind wir bei der Kunsthalle angekommen und haben dann alles für die Buch Vernissage vorbereitet. Ein guter Abend mit vielen interessierten Menschen und vielen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung von Sandra Ulloni ist sehr gelungen. Sie präsentiert alle Fotos aus dem Buch und eine eindrückliche Installation mit einer riesigen aufgerollten Leinwand, die durch eine grosse, schwarze  metallene Oese unter Decke durchgezogen und im Raum drapiert wurde. 

6. Oktober: Heute hat uns Hannah besucht. Als Götti kann ich richtig stolz sein. Hannah hat ihr Jusstudium mit einem Mfeinen aster abgeschlossen. In den letzten Jahren hat sie in Zürich, Holland und in Indien studiert. Wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag mit einem Mittagessen, vielen Gesprächen und einem schönen Spaziergang rund um Guggeien. 

4. 5. Oktober: Viel Zeit für mich und meine Malereien.

3. Oktober: Ich hatte einiges aufzuarbeiten. Heute war auch der letzte Tag mit Vera. Sie hat ihre Wandmalerei bei Agathe Nisple fertiggestellt und muss heute Abend wieder zurück nach Berlin fliegen. Wir hatten in der letzten Zeit  viele gute gemeinsame Diskussionen. Am Nachmittag haben wir zusammen mit Monika noch einmal die Räumlichkeiten angeschaut, die ich mieten möchte. Die Atmosphäre ist sehr beeindruckend aber es gibt viel zu überlegen.

Am Abend war ich eingeladen von Studierenden der Uni St.Gallen für eine Podiumsdiskussion zum Thema, was denn Kunst an einer Universität bewirken kann. Die Diskussion war sehr lebendig und es kamen viele Aspekte aufs Tapet, die in solchen Gesprächen oft untergehen. Sehr anregend der Abend. Ich habe gestaunt wie viele junge Menschen sich für die Kunst an der Uni St.Gallen interessieren. Vor der Diskussion hatte ich etwas Zeit, durch den Garten und durch die Gebäude zu flanieren. Der Betonbau von Walter Förderer und der ganze Campus ist wirklich beeindruckend. 

2. Oktober: Wir besuchten gemeinsam mit Renate und Christian das Museum Ritter, das von Max Dudler Architekten gebaut wurde. Das Sammlungskonzept beruht auf dem etwas schlichten Gedanken, dass gute Kunst im quadratischen Format genau so gut ist wie die quadratischen Schokoladen von Ritter. Ja die Quadratur des Kreises entpuppt sich dann aber als zu einfaches Konstrukt um der Welt und dem menschlichen Empfinden näher zu kommen. Insgesammt eine imposante Anlage auf offenem Feld. Auffällig war wie viele übergewichtige Menschen aus den Schockoladen - Museum kamen mit übervollen Plastiktüten. Ich fragte mich wo die all die Schokolade noch hinstopfen wollen. 

Nach diesem Ausflug in die Welt der Süssigkeiten und der leicht verdaulichen Kunst fuhren wir nach Nürtingen zur Stiftung Domnick. Ein eindrücklicher Betonbau von Paul Stohrer, gebaut als Museum, Veranstaltungsort und Wohnung zugleich. Ein sehr spezieller Bau auf einer Fläche von rund 1000 m2 Fläche, an den Hang gedrückt, mit einem Skulpturenpark mit ausschliesslich rostigen Eisenplastiken. Die Sammlung hat hohe Qualität und repräsentiert einen verdunkelten Zeitgeist des Aufbruchs nach dem Krieg. Es ist sehr eindrücklich eine solche Sammlung im privaten Umfeld eines Sammlers sehen zu können. Auf dem Faltprospekt steht: "Sammlung Domnick, internationale Abstraktion und eine Architektur von Rang". Eindrücklich! Auf dem Heimweg haben wir am Strassenrand noch drei wunderbare Kürbisse gekauft und wir hatten viel zu diskutieren auf dem Weg nach Schaffhausen und dann nach St.Gallen. 

1. Oktober: Heute sind wir nach Esslingen gefahren um Freunde zu besuchen. Christian hat in der Villa Merkel eine Ausstellung kuratiert zum Thema "Schrift, Bild Zeichen". Das sind sehr spannende zusammenhänge von Gestalterinnen und Gestaltern aus dem Raum Esslingen, die neben ihrem Brotjob auch ein eigenes künstlerisches Werk geschaffen haben. Christian hat um 15 Uhr eine öffentliche Führung gemacht. Das war ein wirklich aufbauendes Reflektieren über Kunst und Gestaltung. Am Abend gab es ein feines Essen von Christian, einen feinen Kuchen von Melina, viel Wein und Gesprächen bis in die Nacht hinein.

28. 29. 30. September: Viel Zeit für mich und meine Malerei. Es macht Spass Tümpelforscher zu sein. Im Moment geniesse ich es enorm die Leuchtkraft der Ölfarben in kleinen Malereien auszukosten. Das ist wie Gärtnern, Kochen und Essen gleichzeitig.

Am Abend erwarteten wir Besuch von Valentin Rothmaler, seiner Freundin Maria, seinem Sohn Christian und dessen Freundin Ida. Christian arbeitet für ein Jahr in Wald, im Bierli, dem Atelierhaus der Schlesinger Stiftung. Wir haben gut gekocht, viel diskutiert und gelacht. Valentin kenne ich seit 1991. Er besuchte mich, als ich Gast beim daad in berlin war Er hat mich dann zu mehrerern Ausstellungen eingeladen und auch als Dozent an die Sommerakademie in Wiesmar. Das war eine sehr spezielle Zeit damals.

27. September: Lange Festbesprechung in Zürich.

24. 25. 26. September: Am langen Wochenende viel Ruhe und viel Zeit zum malen, spazieren, kochen und geniessen.

23. Heute bin ich zusammen mit Paul im Voralpenexpress ganz gemütlich nach Luzern gefahren auf meiner Lieblingsstrecke über das Hochmoor von Rotenturm. Wir hatten Zeit unsere offenen Fragen zum visartefest zu diskutieren. Wir wollten am Mittag in Emmenbrücke sein, um uns mit dem , Cateringteam den Technikern und einigen Mitorganisatoren zu treffen und auszutauschen. Vor allem wollten wir aber die neuen Räume der HSLU anschauen. Das ist alles wirklich sehr schön geworden und ich denke, dass das ein grossartiger Ort ist um Künstlerinnen und Künstler auszubilden. Ich freue mich richtig auf unser Fest am 19. November.

Wir konnten viele Punkte klären und ich bin dann noch ins Kunstmuseum gegangen, um die Sammlungsausstellung anzuschauen. In der Ausstellung wird eine frühe Arbeit von mir gezeigt aus der Sammlung Jacqueline und Luc Robert aus Genf. Das war eine sehr angenehme Begegnung mit Heinz Stahlhut, dem Sammlungskonservator vom Kunstmuseum Luzern .

22. September: der gestrige Abend wurde noch richtig lustig. Ich ging zuerst kurz bei Christian Röllin vorbei um Hallo zu sagen und um zu schauen wie es meinen Bildern geht. Dann bin ich ins Museum gegangen für das angesagte Künstlergespräch. Es kamen überraschend viele Leute. Marcel van Eeden entpuppte sich als sehr witziger Künstler mit einem einleuchtenden Konzept. Er beschäftigt sich nur mit Sachen, die vor seiner Geburt passiert sind. Er kann sich somit die ganze Geschichte als Unbeteiligter einverleiben. Für mich war es sehr speziell über meine Arbeit zu reden, die vor dreissig Jahren entstanden ist. Das ist wie ein Ausflug in eine längst vergangene Zeit. Das Publikum war sehr aufmerksam und interessiert. Anschliessend haben wir noch zusammen gegessen. War ein richtig schöner Abend mit einigen speziell angereisten Künstlern und Künstlerinnen die ich mag.

21. September: Heute konnte ich grosse, interessante Räume besichtigen. Ich hoffe sehr, dass das klappt. Nun geht es darum, alle notwendigen Abklärungen zu machen. ich bin sehr optimistisch.

Um 18.30 Uhr findet heute ein Künstlergespräch im Kunstmuseum St.Gallen statt mit mir, Marcel van Eeden und mit dem Kurator Koni Bitterli.

19. September: Neue Atelierräume zu finden ist nicht so einfach. Am Nachmittag schauten wir uns Lagerräume im dritten UG an. Gross, günstig aber ohne etwas Tageslicht und einen Bezug nach draussen fühle ich mich nicht sehr wohl. Das wird wohl eher nichts. Am Abend fuhr ich nach Winterthur für eine Sitzung mit der Redaktion von XYLON. Wir müssen dringend die neuen Nummern bewerben und die Handdruckmesse in Frauenfeld vorbereiten, die schon am 4. 5. 6. November stattfindet. Dann bin ich zum Bahnhof gerannt um den Zug nicht zu verpassen. Am Abend erwarteten wir Vera bei uns. Monika und Vera haben es sich aber in der Stadt gemütlich gemacht und ich schaute einen zweitklassigen Krimi. Als die Beiden dann eintrafen hatten wir doch noch sehr intensive Gespräche bis tief in die Nacht.

18. September: Sonntagmittag, gut ausgeschlafen war ich hoch motiviert meine neuen Tümpel Bilder zu vollenden. Am Abend wollte ich Monika bekochen. Sie kam von Italien zurück, ziemlich müde aber schön hungrig. Ich habe zwei frische Wolfsbarsche auf dem Feuer gebraten, dazu kleine Bratkartoffeln aus unserem Garten und frisch gepflückte Stangenbohnen. 

17. September Ich habe den ganzen Tag gemalt und am Abend war ich zum Geburtstagsfest von Barbara Ochsner eingeladen im Cantinas. Essen, reden, trinken, tanzen. Viele alte Freunde waren dort, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ein sehr schöner Abend mit viel Musik.

16. September: In Genf musste ich früh raus aus dem Hotel und um 12 Uhr in Zürich sein. Im Zug habe ich im Restaurant zufällig den Bruder und die Schwägerin von Roman Signer zum Frühstück getroffen. Wir hatten eine sehr lustige Fahrt. Am Mittag war ich an einem interessanten Treffen mit dem Kunstverein im Zeughaushof. Ja und um 16 Uhr kam ich dann endlich wieder zu Hause an. Zuerst habe ich alle Mails und die Post gelesen. Am meisten ist mir eingefahren, dass ich nun definitiv in den nächsten Tagen die offizielle Kündigung von meinem Atelier im Haggen bekomme. Ich hatte immer die Hoffnung, dass das noch lange geht bis die neuen Besitzer eine Umbaubewilligung erhalten. Das wird sicher nicht einfach für mich. Also: in St.Gallen wird per sofort ein möglichst grosser, schöner und günstiger Arbeitsraum mit Lager gesucht. Ja und die Bibliothek muss natürlich auch noch Platz haben. Bitte melden! 

15. September: Heute Mittag bin ich mit dem Zug nach Genf gefahren. Ich habe das Tagblatt, den Tagi und die NZZ gelesen, alle Kreuzworträtsel gelöst und etwas geschlafen. Aufgewacht bin ich in den Weinbergen von Lausanne. Das ist ja wunderschön. In Genf habe ich schnell das Hotelzimmer bezogen und habe dann den Friedhof gesucht an der Rue des bains. Ich bin ziemlich herumgeirrt und auch andere Kunstfreunde waren unterwegs. Ja der Friedhof war dann aber an der Rue des Rois.  Die Organisatoren haben eine falsche Adresse angegeben. In diesem Friedhof haben einige ganz bekannte Künstler skulpturale Arbeiten installiert. Kuratiert wurde die Ausstellung von Simon Lamuniere. Silvie Fleury, Fabrice Gigi, Sophie Call, Katja Schenker und viele Andere. Um 19 Uhr bin ich zum Centre de la Photographie um die Ausstellung von Roman Signer anzuschauen. Die ganze "Familie" von Roman sass schon in einem nahen Restaurant. Monika und ich haben eine sehr schöne frühe Arbeit ausgeliehen. Da war sehr lustig. Neben dem Objekt musste den ganzen Abend immer ein Mitarbeiter des Hauses stehen, damit niemand über das  tolle Teil stolpert. An diesem Abend habe ich nach sehr langer Zeit wieder einmal Pierre Huber und seinen Freund getroffen. Ich wusste gar nicht, dass die immer noch einen Ausstellungsraum betreiben. Der Abend endete dann zusammen mit den "Friedhofskünstlern" in einer schrägen Bar. Es wurde ziemlich spät und keiner von der interessanten Gruppe ist verdurstet. Wir hatten spannende und intensive Diskussionen.

14. September: Lesen und malen. So habe ich mir diese Woche vorgestellt. Ich habe mir einige Taschenbücher von Arnon Grünberg besorgt. Das erinnert mich etwas an Karl Ove Knausgard, eventuell etwas lieblicher aber das kann sich ja noch entwickeln. Ich liebe es von einem Autor alles in einem Schnurz durchzulesen. In den letzten Wochen war als Auffrischung Werner Marti dran und davor eben Knausgard. So lernt man im Schnellgang ein ganzes Leben kennen. Auffällig ist, was die drei alles zusammensauffen in einem Buch. 

13. September: Am Nachmittag habe ich eine Pause eingelegt. Ich hatte Besuch im Atelier Haggen. Vreni Rohner ist mit Christine Niederberger und ihrem Mann vorbeigekommen. Christine ist Bernerin, lebt in London und malt sehr aufwändige, spezielle Bilder. Ich bin dann wieder nach Hause und habe bis in alle Nacht an meinen Tümpeln gemalt und zwischendurch was kleines gekocht. 

12. September: Monika ist heute Morgen losgefahren nach Agrano.  Ich habe mir vorgenommen diese Woche so oft wie möglich zu malen. Die Motive vom Tümpel liegen schon lange bereit. Ich habe immer das Gefühl, dass sich gewisse Vorarbeiten von selbst erledigen, wenn man die Sachen ruhen lässt. Wie bei einem Wein. Es braucht Zeit, damit sich alles setzen und beruhigen kann im Gärprozess. Heute hat es gut geklappt. Ich male schon seit einiger Zeit auf Holz. ich habe meine restlichen, verleimten Platten vom Mammutbaum zuschneiden lassen in kleine Formate. Am Abend hatten wir im Schulhaus Bild eine Sitzung von der Fachkommission HF Bildende Kunst. Der neue Lehrgang ist nun in neuen Räumen. Die riesige Küchenkombination konnte in der ganzen Grösse im neuen Raum eingebaut werden.  Alex Meszmer ist ganz glücklich mit der neuen Gruppe. Die Chemie scheint zu stimmen. Es wäre super, wenn noch zwei drei Teilnehmer dazu kommen würden. 

11. September: Nach einem ausgiebigen Frühstück sassen wir lange im Garten. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Monika losmarschiert, schräg rauf, quer durch den Wald bis in die Notkersegg und zu den drei Weiern. Da haben wir Halt gemacht für ein kühlendes Bad. Dann sind wir zu Fuss weiter an die Berneggstrasse spaziert, um die Wohnung von Gabriella und Andrea Corciulo anzuschauen. Die Beiden wohnen noch ein paar Wochen im "Lieblingshaus" von Monika. Als junge Mutter zog es sie früher immer zu diesem Haus. Wer weiss warum. Die Wohnungen sind sehr schön mit einer tollen Aussicht ins Grüne, zu den Kühen und auf die Stadt. Nun renovieren Gabriella und Andrea ein altes Haus zweihundert Meter weiter unten. Das wir sehr schön mit einem wilden Garten am Südhang. 

10. September: Gestern Abend haben wir ein wirklich überraschendes Konzert erlebt im Palais bleu in Trogen mit: THE FLYING SOFA OF SOFIA. Das war wunderbar.

Heute war Tag der Denkmalflege zum Thema Oasen. Wir sind zur Spiessenrüthi oberhalb von Teufen spaziert und haben uns eine spannende Wandmalerei an einem alten Bauernhaus angeschaut. Fredi Altherr hat eine Einführung gemacht. Er erzählte, dass da möglicherweise ein Handelsreisender aus der Gegend, der mit seiner textilen Ware weit herum kam in Europa und dabei viele Palazzos in wichtigen Städten gesehen hat ein kleines Haus bauen liess im Stil der Zeit, an einem schönen Ort. Ja vielleicht wollte er den einfachen Leuten zeigen, wie es in der Welt draussen aussieht. Heute bauen die da oben ganz andere Häuser und Wohnungen, mit Steueroptimierung, mit riesigen Fenstern mit Blick zum Alpstein aber nicht zur Welt. Früher in den 80er Jahren sind wir bei unseren Spaziergängen mit Vera oft an diesem Haus vorbei gekommen und haben immer die wunderschöne, alte Linde bewundert. Das spezielle an diesem Baum ist, dass die untersten Äste rundherum den Boden berühren. Damals wussten wir aber nicht, dass dieses Haus aus dem 15. Jahrhundert stammt. Eine spannende Geschichte. Heute kann man da Setzlinge kaufen, eine Ferienwohnung mieten und wenn man Glück hat, schöne Sonnenuntergänge geniessen. Anschliessend nach all den Erläuterungen sind wir nach Balgach ins Rheintal gefahren um das Schloss Grünenstein zu besuchen. Wir wussten, dass die gleichen Musiker von flying Sofa of Sofia wieder aufspielen, zusammen mit Schauspielern. Wir haben dann zwar zuerst den Weg zum Schloss nicht gefunden und wurden etwas muffig. Die Organisatorin hat uns aber liebevoll betreut und die Stimmung und die verschiedenen Plätze für die Aufführungen waren sehr schön. Ich habe dann noch eine grosse Überraschung erlebt. Silvia Michel, meine erste und einzige "Schnupperstiftin" ist nach über 45 Jahren wieder aufgetaucht. Sie absolvierte in den siebziger Jahren eine Schnupperlehre als Stickereinetwerferin bei Jacob Rohner in Rebstein. Sie war jung und wunderschön. Ich durfte sie damals betreuen. Ich kann mich an einen sehr schönen Spaziergang erinnern vom Stoss nach Altstätten. Mit meiner Instamatic Kamera habe ich Bäume fotografiert und zelebrierte so mein Künstlersein. Ich habe das nicht vergessen. Sie lebte dann Jahrzehnte lang in Amerika. Ja und nun ist sie wieder da um das "Alter"in der Schweiz zu geniessen. Solche Begegnungen sind für mich richtige "Zeitbomben." Auf einen Schlag ist die vergangene, geraffte Zeit wieder da und man spürt das eigene Alter so richtig in den Knochen. 

Am Abend waren wir zusammen mit Carole Forster eingeladen bei Gret Graf und Peter Rödiger. Gret ist eine begnadete Köchin und Peter der Chef am Grill. Das war alles vom Feinsten. Ich arbeite nun schon 25 Jahre im Haggenquartier aber an diesem Abend konnte ich die Umgebung ganz neu verorten. Auf dem Balkon, der praktisch rund um das ganze Haus reicht hat man einen ungeahnten und überraschenden Rundblick. Den mobilen Abschluss des Abends bot uns ein sehr spezieller und Geschichten erzählender Taxifahrer. Er fuhr uns quer durch die Stadt über den Gallusplatz und er wusste immer noch eine neue, überraschende Geschichte. All das Geschehene haben wir dann in unserem Garten bei einem Feuerchen und einem Schlummertrunk genüsslich reflektiert. 

9. September: Heute hatte ich einen Termin beim neuen Werkhof vom Gartenbauamt in St.Gallen. Dort findet am 25. Oktober eine Veranstaltung zum Thema Kunst am Bau statt. Angeregt wurde der Abend von den BSA Architekten, vom Architekturforum und von visarte ost. Der Künstler Harald F. Müller hat das Farbkonzept für diesen sehr schönen Zweckbau gemacht. Karin Frei Rappenecker, Kunst- und Architekturhistorikerin,Tanja Scartazzini, Fachstelle «Kunst am Bau» Kanton Zürich und Patric Allemann, Architekt halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit den Kunstschaffenden Katja Schenker und mit mir als Präsident der visarte schweiz. Das Podium wird geleitet von Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Thurgau. Das wird sicher ein spannender Abend. Harald F. Müller kann leider nicht dabei sein weil er mit einer Gruppe von Studierenden nach China reist.

8. September: Heute habe ich zusammen mit Vanja Hutter die Homepage von mir und vom Vexer Verlag aktualisiert und eine Herbstvorschau vorbereitet für die SWIPS Homepage. Wir waren enorm speditiv. Am Nachmittag hatte ich dann im Garten eine lange Diskussion mit unserem visarte Fest Organisator Paul Gruber von der Alltag Agentur. Es gibt noch viel zu besprechen und zu organisieren aber wir sind auf gutem Wege. Am Abend habe ich einen kleinen Kürbis in Scheiben geschnitten und auf einem Backblech auf einer schönen Glut gebacken. Dazu assen wir ein scharfes Linsen Gemüse Curry. Schon wieder ein toller Abend mit vielen spannenden Geschichten.

6. September: Heute hatte ich eine lange Sitzung mit dem Zentralvorstand von visarte schweiz in Zürich. Dann gab es ein wunderbares Essen im Garten. Monika hat die Keule von einem Freiland Truthahn im Backofen geschmort auf einem Gemüsebett. Spitzenklasse! Im Moment ist es so schön am Abend, draussen zu sitzen, beim offenen Feuer und einem guten Wein. Anregend. 

5. September: Am Morgen musste ich bereit sein für einen Transport. Wir leihen eine schöne Arbeit von Roman Signer aus an das Centre de la Photographie Genève. Die zeigen Reisefotos von Roman unter dem Titel: Die gefrorene Zeit". Als Ausgangspunkt wird das Objekt "Selbstportrait aus Gewicht und Fallhöhe" präsentiert. Ich habe einmal in einem Artikel geschrieben: "Roman Signer macht aus Sekunden eine Ewigkeit". Das passt doch. 

4. September: Nach gutem gesunden Schlaf haben wir das Frühstück genossen. Das selbst gebackene Zöpfli von den Vermietern war ausgezeichnet. Wr haben dann einen richtigen unternommen. Wiir wollten nach Teufen bei Winterthur gefahren. Wir sind da ziemlich herumgeirrt. Unser TOM TOM hat die Adresse nicht gefunden. Aber irgendwie hat es dann doch geklappt. Die Künstlerin Simone Monstein pflegt dort einen Rebberg. Es war eine Weindegustation angesagt von den Hamacht Weinen. Sehr gut und sehr sympatisch und die selbst gemachte Terrine war auch super. Die Reben haben in diesem Jahr sehr gelitten unter Mehltau. Bei angrenzenden Biowinzern hat es gar keine Reben an den Stöcken. Die dürfen nur Kupfer spritzen. Das verhärtet die Blätter aber wenn der Mehltau einmal da ist nützt das alles nichts mehr und das Schwermetall sammelt sich in den Böden. Ich begreife nicht so ganz, wo hier die BIO- Idee liegt.

3. September: Monika und ich sind am Nachmittag nach Aarau gefahren zum visarte Fest im Kunsthaus. Wir haben zuerst unser Gepäck in das Airbnb gebracht mitten in der Altstadt. Eine sehr angenehme Unterkunft. Wir sind durch die Stadt geschlendert und dann zum Kunsthaus. Nach einem Apero gab es eine Führung durch die Ausstellung von Karl Ballmer. Ein Maler, den ich erst anfang der 90er Jahre kennen gelernt habe. Ich habe damals eine Aargauer Ausstellung in der Kunsthalle St.Gallen kuratiert zusammen mit Stephan Kunz. An dieser Ausstellung zeigten wir das Bild "Kopf in Rot" von 1930/31. Die neuerliche Begegnung mit diesem Werk hat mich sehr berührt. Das anschliessende Fest war dann wirklich wunderbar. Vor allem die Musikperformance mit einer sehr eindrucksvollen Lichtschau unter Einbezug der schonen Treppe war super. Wir sind dann lange in der Stadt geblieben. Ich glaube das Lokal heisst Garage. Es gab viele Gespräche. Unter Anderem habe ich Nesa Gschwend wieder einmal getroffen. 

2. September. Am Mittag ist Florian Bachmann vorbei gekommen um einige Fotos zu machen für den Artikel i der Gewerkschaftszeitung. Bin viel herumgeturnt und habe dazu ein spannendes Gesicht gemacht. Insgesamt sehr lustig. Am Abend wollten wir ein Konzert in Teufen besuchen. Wir waren aber eine Woche zu früh. Nun können wir uns halt noch einmal freuen. Wir sind dann sehr hungrig zurückgefahren und ich habe uns ein einfaches aber sensationelles Nachtessen gekocht. 

1. September: Heute Morgen führte ich ein langes Gespräch mit Ralph Hug. Er schreibt einen Artikel für die Gewerkschaftszeitung über meine Arbeit als Künstler, Verleger und visarte Präsident. Zwischendurch ist das ganz spannend, wenn man sich selber zuhören kann, was man alles so macht und was einen beschäftigt. 

31. August: Viel organisatorisches erledigt, etwas herum geträumt, Gespräche geführt und am Abend sehr gut gegessen.

30. August: Auch heute bin ich sehr sehr früh losgefahren nach Basel zur Retraite von SWIPS. Das ist eine Vereinigung von unabhängigen Schweizer Verlagen. Beim Marktplatz war dann bereits Schluss mit Lustig. Ein Tessiner Autofahrer hatte seinen Kastenwagen zu nahe an den Tramgleisen parkiert. Er musst wahrscheinlich mal. Es ging gar nichts mehr. Der totale Tramstau. Ich musste dann zu Fuss bis zur Jonanniterbrücke laufen. Der Tag war spannend. Ich habe wieder viel gelernt. SWIPS feiert im nächsten Jahr das zehn jährige Bestehen. Dafür müssen wir nun einige Anlässe planen. Bei dieser Gruppe sind viele interessante Verlegerinnen und Verleger dabei. Es gab sehr viele spannende Gespräche. Das tut immer gut in so einem einsamen Job. Schon wieder ein guter Tag.

29. August: Früh raus für eine Sitzung zum Folgerecht in Zürich. Dann ein spontanes halbstündiges Gespräch mit Regine im Piaggio. Das war sehr lustig. Wir haben viel gelacht obwohl wir uns in vielen Punkten gar nicht einig waren. Ich habe zum Beispiel behauptet, dass für mich der Maler Hans Emmenegger genau so wichtig sei wie Ferdinand Hodler. Dem konnte Regine als Kunsthistorikerin gar nicht zustimmen. Na ja anschliessend hatten wir ein kurzes Mittagessen und trafen uns dann um 14 Uhr mit einer grossen Gruppe interessierter leute im SIK um über den Umgang mit Künstlernachlässen zu diskutieren. Die Veranstaltung war sehr interessant. Das SIK baut ein Kompetenzzentrum zu diesem Thema auf. Da tut sich nun einiges. Nach diesen Marathonsitzungen war ich am Abend ziemlich geschlaucht aber auch sehr zufrieden.

27. August: Am Morgen früh bin ich nach Basel gefahren, um meine Ausstellung mit den riesigen Holzschnitten von 1886 bei Stampa anzuschauen. Stampas haben die Arbeiten sehr schön gehängt. Ich war sehr erstaunt, wie diese Blätter heute auf mich wirken. Die dreissig Jahre, die seit der Entstehung dieser Arbeit vergangen sind, lassen eine ganz neue inhaltliche Auseinandersetzung zu. Ich war zwei Stunden da und hatte ganz gute Gespräche mit Gilli und Diego über den Kunstmarkt und die horrenden Preise, über das Wegbrechen von kleinen Sammlern, über Geld und Macht und Gier nach teuren Bildern von immer denselben Künstlern, über meine Präsidentschaft bei visarte.schweiz, die Jugend und das Alter, das Verlagswesen und den ganzen digitalen Salat, es war spannend und die Zeit vergeht so schnell.

Am frühen Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren und bei grosser Hitze auf der Bahnhofstrasse bis zum Bürkliplatz spaziert. Visarte Zürich hat eingeladen zur Schiffsfahrt auf dem Zürichsee mit der legendären panta rhai. Eine grosse Frauschaft in knallroten Kleidern und uniformierten Hüten empfingen die Gäste. die Stimmung war sehr angenehm und es gab viel Zeit und Raum für Gespräche. Nach knapp zwei Stunden merkte ich  nicht einmal dass das Schiff wieder gedreht hatte. In Zürich spazierte eine grosse Gruppe zum helmhaus. ich schaute mir noch die Manfesta Ausstellung an. Ich merkte aber bald, dass das mindestens einen Tag Zeit brauchen würde um alle Videos anzuschauen. Ein riesiger Wusch von kaum verdaubaren Informationen. Beim Eingang fand dann eine nicht ganz einfache Diskussion zum Thema Frauen in der Kunst statt. Monica Ursina Jäger hatt eine sehr gute Einführung in das wichtige Thema vorgetragen. Später gab es dann Würste, Käse und Brot, Wein und Bier. Es war alles sehr locker und sympatisch. Der Piaggio von visarte.faehrt war auch zugegen und ich habe spontan Michael Nitsch vom Lokal14 interviewt. Er hat mir erzählt, dass er früher auch Kunst gemacht hat und dann auf Grafik umgestiegen ist. Er präsentiert nun regelmässig Kunst an seiner Arbeitsstätte. Ich finde das spannend. Weg von der eigenen Kunst und hin zur Vermittlung von anderen künstlerischen Positionen. Michael kann sich ein Leben ohne Kunst auf keinen Fall vorstellen. 

26. August: Am Mittag ein lustiges Treffen mit Ralph Hug und Hansjörg Bachmann im Union. 

25. August: Ein ganz heisser Tag, kaum zum Aushalten. Die Gartenarbeit habe ich nach den ersten Schweissausbrüchen beendet und dann entschloss ich mich spontan, nach Wülflingen ins Weiertal zu fahren. Maja von Mais hat mich eingeladen, die Ausstellung der Ostschweizer Künstler vom Künstlerarchiv anzuschauen. Sie würde gerne die visarte schweiz für eine Ausstellung im Jahr 2018 einladen. Ich hatte dann eine sehr schöne Fahrt und in Wülflingen holte mich Maja von Mais ab. Der Kulturort ist sehr beeindruckend. Ein schöner alter Bauernhof mit Nebengebäuden, ein vierzigjähriger, selbst angebauter "Bommet" mit sehr vielen Apfelbäumen, ein lauschiger Bach, und grosse Naturteiche. In der jurierten Ausstellung sind einige sehr stimmige Werke aufgebaut. Die Ausstellung dauert noch bis zum 11. September. Einige Künstlerinnen haben versucht die ganze Flüchtlingskatastrophe durch Kunst zu verarbeiten. Andere stellen Bezüge her zwischen Kunst und Natur oder sie ironisieren unsere Zeit. Das war ein sehr heisser aber angenehmer Nachmittag mit einem guten Gespräch. Jetzt gilt es einfach herauszufinden ob es Sinn macht, dass für die geplante Ausstellung alle visarte Künstlerinnen und Künstler angefragt werden sollen, oder ob es organisatorisch einfacher und besser wäre, wenn Schritt für Schritt regionale visarte Gruppen eingeladen würden.

23. August: Um elf Uhr besuchte mich Till Velten um ein Projekt zu besprechen. Till war vor vielen Jahren schon einmal hier, als er Peter Stobbe besuchte, der damals zusammen mit Christina und seiner Familie bei uns Mieter war. Till beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Thematik der Demenzerkrankung. Letztes Jahr erschien das spannende Buch "Sprechen über Demenz" von ihm im Herder Verlag. Nun möchten wir ein Auflagenobjekt entwickeln, das eine Verbindung zwischen Angehörigen und Demenzerkrankten schaffen kann. Das war eine wirklich gute Arbeitssitzung mit einem vielversprechenden Projekt.

Am Nachmittag traf ich Donato Amstutz. Er besuchte die Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen "The Dark Side of the Moon" wo meine riesigen Druckstöcke aus meinem Atelierboden präsentiert werden. Das war ein gutes Gespräch. Wir sassen rund drei Stunden in einem Gartenrestaurant und diskutierten über die Kunst und die Welt. Ein spannender und kurzweiliger Diskurs. Am Abend habe ich zwei Fische (Wofsbarsch) auf dem offenen Feuer gebraten mit frischem Gemüse vom Backblech. Grossartig! Dazu tranken wir eine Flasche Masi, die ich bei einer Podiumsdiskussion der Künstlergruppe Winterthur "verdient" hatte. 

21. Gestern waren wir am Familienfest bei Marta und Christian. Das war richtig schön und wir haben viel getanzt. Heute Nachmittag sind wir zu den drei Weieren spaziert für das Glockenkonzert "Zusammenklang". Die Komponistin Natalia Marchenova Frei und der Tubist Karl Schminke kündigten ein aussergewöhnliches Hörerlebnis an. Für dieses Konzert wurden alle Kirchenglocken der Stadt St.Gallen eingesetzt. Der Publikumsandrang war riesig. Tausende Menschen versammelten sich oberhalb der Stadt beim Bubenweier. Das Konzert war dann aber ziemlich unspektakulär. Es klang erstaunlich mager. Viele Klänge wurden richtig gehend vom Winde verweht. Die Stärke lag nicht in der Musik, sondern in der kollektiven Stille. Es war ein sehr starkes Stück, dass sich tausende von Menschen gemeinsam auf die Geräusche der Stadt und auf ihre Glocken konzentrierten. John Cage hätte seine helle Freude an diesem Hörerlebnis gehabt. Das kollektive, gemeinsame Lauschen hat bei mir ganz unbekannte Empfindungen und Gefühle ausgelöst.

20. August: Nach einer langen Sitzung in Zürich musste ich einen Spurt hinlegen, um den Zug nach St.Gallen zu erreichen. Von der Kasernenstrasse 23 bis zum Gleis 34 in vier Minuten. Das ist mein bisheriger Rekord. Zum Glück trug ich meine neuen Laufschuhe "Gel-Kajano 21". Nun weiss ich endlich warum auf den Schuhen FluidFit drauf steht.  In St. Gallen bin ich dann sofort ins Kunstmuseum gefahren. Bernard Tagwerker wurde mit dem Peter Kneubühler Grafhikpreis 2016 ausgezeichnet. Ich kam zwar um einiges zu spät aber doch noch rechtzeitig, um alle Reden zu hören.  Das war ein sehr unterhaltsamer Abend mit guten Begegnungen. Es wurde ziemlich spät und ich musste zu Fuss nach Hause laufen. Tag und Nacht Training. 

19. August: Heute Morgen habe ich frohgemut einen Kaffee aufgesetzt. Ich mag ihn am liebsten aus der traditionellen italienischen Expressokanne. Leider vergass ich, dass mir Monika eine neue "Maschine" gekauft hatte, die man nicht auf den Kochherd stellt, sondern auf eine kleine elektrische Heizstation. Ich hörte plötzlich einen lauten Schrei von Monika aus der Küche. Ich wusste sofort was passiert war. Der ganze Plastik-Elektroteil des neuen Kochers war auf der Herdplatte weggeschmolzen. Die Macht der Gewohnheit hat es in sich. Nach vierzig Jahren Kaffeekochen ist es nicht ratsam das System zu ändern. Nun sind in ein paar Minuten hundert Stutz weggeschmolzen, es stinkt fürchterlich nach verbranntem Plastik und die neue Kanne steht zischend in Schräglage und sieht ziemlich alt aus.  

18. August 2016: Die ersten Tage nach den Ferien sind für mich meistens sehr intensiv. Der Rhythmuswechsel kostet einiges an Energie. Man nimmt sich ja immer so viel vor. Mehr Ruhe, mehr Gelassenheit, für alles viel mehr Zeit etc. Das ist gar nicht so einfach. Ja - und dann kommen noch all die guten Anregungen und Ideen dazu. Heute habe ich Urs Eberle in der Stadt getroffen. Er hat mir ein anregendes Buch übergeben. Die Tagebücher von Fritz J. Raddatz, von 1982 - 2001. Wenn ich da rein lese, könnte ich bei meiner Schreiberei noch manchen Zahn zulegen. Aber auch mit den Zähnen ist das so eine Sache. ich habe mir in den Ferien eine Blombe am rechten Schneidezahn ausgebissen. Der ist erfolgreich geflickt und ich kann wieder ohne Probleme in weiche Pfirsiche beissen. 

15. August: Das lange Wochenende in Loazzolo, im Piemont war wunderschön. In einer lustigen Runde haben wir gute Tage und lange Nächte erlebt. Alles vom Feinsten. Bei unserer Nachtwanderung unter einem wunderbaren Sternenhimmel blieb der erwartete Sternschnuppenregen leider aus. Heute sind wir gegen Mittag wieder abgefahren Richtung Mailand, Como, Mendrisio, Bernardino. In Splügen haben wir eine Gerstensuppe gegessen. Nach der Sommerlichen Hitze in Italien war es hier ziemlich kalt und ein kräftiges Gewitter zog über die Gegend. Ich brauchte dann zu Hause ziemlich viel Zeit um alle E-mail und die vielen Zeitungen nachzulesen und die Post zu ordnen. Da steht schon wieder einiges an in dieser Woche. Ferien ade. 

12. August: Heute fahren wir für ein Geburtstagsfest nach Loazzolo im Piement. Die Fahrt wird ungefähr fünf Stunden dauern. Ich freue mich auf die Fahrt in den Süden.

11. August: Das war eine richtig ergiebige Aufräum-Woche. Sitzungen, Muskellockerung bei Theresa, skulpturales Arbeiten im Atelier, Zahnartzbesuch etc. Vielseitig und ergiebig. 

7. August: An diesem Wochenende haben wir Susi und Huga am Sempachersee besucht. Gute Gespräche, gutes Essen, feine Weine und erholsames Schwimmen. In einem richtig sportlichen Einsatz habe ich zusammen mit Hugo Haselnussstauden zurückgestutzt, Birken zurück geschnitten und bei einigen Bäumen Totholz heruntergesägt. Nun gibt es wieder freie Sicht zum See.

6. August: Diese Woche verging im Flug. Ich hatte viele Bestellungen zu erledigen und  Gartenarbeit war angesagt. Rosen schneiden, ein kräftiger Sommerschnitt bei den sehr schnell wachsenden Birken, Stangenbohnen pflücken, jäten und den Rasen mähen. Das war eher eine Wiese. Ich musste mit der Sense mähen. Wir sind jeden Morgen zum Bodensee gefahren. Das Schwimmen im See ist wunderschön. meistens waren wir fast alleine. Eine Schwimmerin war gestern völlig ausser sich, weil vor ihr ein riesiger Wels aufgetaucht ist. Nach der Beschreibung muss der Fisch mindestens zwei Meter lang gewesen sein. Am Mittwochabend waren wir eingeladen für ein leckeres Mal a-la Ottolenghi. Das war alles wunderbar, auch die auf dem Feuer gebratene Lachsforelle hat super geschmeckt. Diese Abende im Badehüsli in Arbon sind immer sehr erholsam. 

31. Juli: Am Mittag sind wir losgefahren. Dank einer kleinen Eiscremerast vor dem San Bernadino Tunnel sind wir dann nicht in einen Unfall verwickelt worden. Nach dem Tunnel ist ein Reisebus auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Anhänger kollidiert, auf dem eine riesige Yacht geladen war. Es sah ziemlich schlimm aus. Wir konnten dann wenden und auf der alten Passtrasse runterfahren. Das Leben ist voller Risiko. Im Rheintal fuhren wir in heftige Gewitter. das war sehr gefährlich, teilweise sah man die Lichter der Autos nicht mehr. Ich war sehr froh, dass wir unversehrt zu Hause ankamen. 

29. Die Woche in Agrano war sehr vielseitig. Die Geschwister von Monika mit ihren Partnerinnen und Partnern, gutes Essen, Ausflüge, schöne Wanderungen, ein wunderbares gemeinsames Familienessen in einem wunderbaren Restaurant oberhalb vom Ortasee. La Zucca in Arola ist sehr zu empfehlen. Zusammen mit Heinz habe ich eine überwachsene Terasse im Wald ausgeholzt. Das ist sehr schön geworden. Es ist sehr speziell wenn sich plötzlich ein Gefühl für vergangene Agrarkulturen öffnet. Die riesigen Haselnussstauden haben teilweise die Trockenmauer eingedrückt. Das werden wir bei Gelegenheit reparieren. 

24. Juli: Heute ist es einmal mehr wunderschön. Ich habe ganz vergessen ein Frühstücksei zu kochen. Meine Losung heisst schon seit Jahren: "Kein Sonntag ohne Frühstücksei. " Mal sehen ob ich das noch nachholen kann. Heute erwarten wir Marianne und Oreste mit ihrem fidelen Hündchen. In den nächsten tagen kommen dann noch weitere Hutters nach Agrano. Das wird sicher eine dichte Familienwoche.

23. Juli: Es hat heute sehr stark und lange geregnet. Ich habe in einem Schnurz das Buch von Noëlle Revaz das zweite Mal gelesen. "Von wegen den Tieren" ist ein unwahrscheinlich starkes Buch. Das haut jede und jeden um. Der Schlusssatz lässt hoffen, dass trotz den grossen menschlichen Unfähigkeiten ein kleiner Hoffnungsschimmer über uns allen schwebt.

22. Juli: Ich bin sehr früh aufgestanden. Nach einem starken Kaffee habe ich mich wieder an das Früchte pflücken gemacht, die Wäsche zusammengelegt und in meine Reisetasche gestopft. Ich wollte noch auf den Postboten warten, um wirklich alles zu erledigen, bevor ich wieder verreise. Mein Zug fäht um 11.25 nach Domodossola. Es war ja alles OK. Ich war früh dran, trank noch einen Kaffee im Commercio. In Zürich haperte es aber schon. Die Lokomotive war defekt und musste ersetzt werden. In Bern habe ich promt meinen Zug verpasst. Ich bin dann in einen Inter Regio gestiegen und in Spiez auf anraten des Zugbegleiters wieder ausgestiegen. Dort habe ich einen Bahnbeamten gebeten, eine SMS an Monika zu senden. Sie wollte mich ja in Verbania abholen. Es sind ja alle so nett. Es hat auch alles geklappt. Ich bin gut in Agrano angekommen. Am Abend haben wir dann alle zusammen in einem Agrotourismo ziemlich viel und gut gegessen.

21. Juli: Heute habe ich mit Isabel Zürcher telefoniert. Sie schreibt einen Artikel in der Basler Landschaftlichen Zeitung über meine Ausstellung bei Stampa in Basel. Es ist im Moment wirklich spannend, mit meinen alten Werken konfrontiert zu werden. Die vergangene Zeit wird plötzlich in aller Schärfe spürbar an Speck und Knochen. Am Mittag kam ein Techniker von Swisscom um endlich den fernseher wieder zum laufen zu bringen. Er hat alles ausgewechselt. Neue Kabel, neues Modem etc. Nun haben wir rund dreihundert Sender von der Ukraine über Persien, Albanien, Chile, die Pampas von Argentinien etc. Ich habe keine Ahnung wer sich das alles anschauen kann. Ich bin aber froh, dass endlich alles wieder funktioniert. Neu haben wir auch zwei Telefonnummern. Parallel geht es sicher noch besser.

Am Abend hatte ich einen Termin bei Rolf Abraham. Er hat meine Augen untersucht, Augendruck, Sehschärfe etc. Ich war dann den ganzen Abend etwas belämmert wegen den erweiterten Pupillen. Zum Glück ist alles OK. Das ist bei meiner starken Kurzsichtigkeit gar nicht so selbstverständlich.

20. Juli: Ich bin täglich am Beeren pflücken. Die letzten Himbeeren, Walderdbeeren, Johannisbeeren in rot und schwarz, Josta und die Stachelbeeren. Ich friere die Früchtchen in Tagesportionen ein. Herr Bircher seelig hätte sicher grosse Freunde an meinem Tun. 

Am Abend kochte ich für Hermann und mich an der Feuerstelle. Ich hatte viel Gemüse vorbereitet. Ein Stück von meiner dicken Zucchini, Peperoni, frische Tomaten und Zwiebeln. Ich legte alles auf ein altes Backblech, füllte das Blech mit Wasser auf und stelle es über das Feuer. In Alufolien hatte ich zwei Tranchen Wolfsbarsch vorbereitet mit sehr vielen Kräutern, die ich mit Kokosmehl und zwei Eiern vermischt hatte. Die Idee war, den Fisch mit einer Kräuterkruste in der Alufolie zu braten. Als das Wasser im Blech schon fast verdampft war legte ich die zwei Alupäckchen ca. zehn Minuten dazu. Am Schluss etwas frisches Olivenöl über das Gemüse und fertig war's. Mit einem gut gekühlten Weisswein ein Genuss.

Nachher habe ich eine wunderbare Radiosendung gehört. Der Song "The old Man" hat mich total berührt. Mit feuchten Augen habe ich meine ganze Wäsche in die Waschmaschine gesteckt, damit ich wieder was frisches anzuziehen habe. 

19. Juli: Ich war den ganzen Tag damit beschäftigt, meine Pendenzen von einer Woche zu bearbeiten, Bestellungen zu erledigen, Briefe zu beantworten und im Garten zum Rechten zu sehen. Da war unter Anderem die riesig gewachsene Zucchini, die ich mir gleich für das Nachtessen hereinholte. Die Stangenbohnen blühen in grosser Pracht und ein Kürbis hat doch sage und schreibe schon einen Durchmesser von satten drei Zentimeter. Ob das was wird? Dafür habe ich an zwei winzigen Stauden zwei pralle Gurken. Die lasse ich aber noch wachsen und hoffe, dass das reicht in einer Woche für einen griechischen Salat.

18. Juli: Ich konnte heute Nachmittag mit Flurina in die Schweiz zurückfahren. Sie ist eine sehr gute Autofahrerin. Das ging sehr zügig dem See entlang und dann über die San Bernardino Route. Nach der Tunnelausfahrt mussten wir eine halbe Stunde warten. Die Schweizer Armee machte einen Spezialtransport für zwei Schützenpanzer. Nach dem Putschversuch in der Türkei hatte das etwas total absurdes. Sicherung der südlichen Grenze oder so was.... Trotzdem habe ich dann in Landquart noch den direkten Zug nach St.Gallen erwischt. Das war eine sehr spezielle Fahrt im Abendlicht mit einem sensationellen Sonnenuntergang am Bodensee und das völlig entspannt im Zug. Zuhause habe ich mich als Erstes über den riesigen Stapel Post gebeugt. In einer Woche häuft sich doch auch in der Sommerzeit einiges an.

11. Juni: Am Nachmittag holten wir Vera in Verbania beim Bahnhof ab. Sie flog von Berlin nach Mailand und die Reststrecke musste sie mit dem Bus und der Bahn bewältigen. Irgendwie hat alles geklappt und wir konnten damit beginnen, unsere gemeinsame Zeit zu geniessen.  Dazu gehörte natürlich ein grosser Einkauf, damit wir unsere Kochwünsche planen konnten. Ich habe dann die ganze Woche immer wieder am Feuer im Freien gekocht. Frische Kartoffeln und wunderbare Gemüse aus dem Biogarten. Dazu assen wir sehr viele frische Salate mit Bachkresse, wildem Rucola und mit Blüten und Kräutern angereichert. Ab Mitte der Woche war das Wetter sehr schön und warm. Wir machten eine Wanderung durch die umliegenden Wälder und genossen den kühlen Schwimmteich der direkt von der Quelle gespiesen wird. Am Freitagabend besuchte uns dann noch eine Freundin von Vera. Flurina ist auch eine begnadete Köchin und so erlebten wir einige fulminante aber immer sehr gesunde kulinarische Höhenflüge mit dem passenden Wein. 

10. Juli: Um 11 Uhr begann das Sonntag Matinee in der Galerie Bleisch in Arbon. Ein wunderschöner Sommermorgen. Trotzdem war der Anlass sehr gut besucht. Adrian Bleisch moderierte ein Gespräch mit Corinne Schatz, Mathias Morf und mir. Das ganze war sehr lebendig und unterhaltsam. Vor allem Mathias erwies sich als brillanter Erzähler. Wir sind dann bald nach Hause gefahren, um unsere Sachen zu packen. Wir hatten uns kurzfristig entschlossen, schon am Sonntagnachmittag nach Italien zu fahren. Schönes Wetter, gute Stimmung, wenig Verkehr. Wir dachten, dass vor einem EM Final niemand mit dem Auto unterwegs sein wird und so war es auch. Wir hatten eine sehr angenehme und ruhige Fahrt. 

9. Juli: Am Abend haben wir Gäste bewirtet. Monika hat wunderbar gekocht. 

8. Juli: Die Eröffnung der Ausstellung "The Dark Side of the Moon" im Kunstmuseum St.Gallen war sehr stimmig. Die Ausstellung ist beeindruckend und bemerkenswert. Es hat sehr starke Arbeiten von Martin Disler, Marlen Dumas, Miriam Cahn, Sara Masüger, Beni Bischoff, Steven Parrino, Albrecht Dürer und noch von ein paar Jüngeren. www.kunstmuseumsg.ch 

Mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie mager die Kunst der 80er Jahre in der Schweiz reflektiert worden ist - das kann ja noch werden. Es war ein toller Abend mit einem Gartenfest vor dem Museum. Ich habe seit langer Zeit wieder einmal Irene Grundel getroffen und Ursula Perucchi, Elena Buchmann und viele, viele Weggefährtinnen aus alten und neuen Epochen. Ich finde es phänomenal, dass sich Kunstwerke durch die Zeit weiterentwickeln und  dass Werke, in diesem Fall nach 20 oder 30 Jahren ganz anders wahrgenommen werden. Die verfliessende Zeit als Faktor für die Reflektion von Kunst. Die Figurengruppe von Martin Disler sah ich Ende der 80er Jahre im Palais Liechtenstein in Wien. Ich war damals irritiert über diese geisterhaften, unfassbaren Wesen aus frischem Gips. Ich empfand die Arbeiten damals als zu flüchtig, zu unprofessionell, als nicht geeignet im bildhauerischen Diskurs. Wenn ich die Figuren heute sehe, haben sie sich verfestigt, sie zeigen Lebensspuren, ohne je gelebt zu haben. Die Zeit hat etwas entscheidendes verändert. Das Flüchtige wird zur Stärke, das Zeichenhafte wird plötzlich räumlich. Die Patina der verflossenen Zeit erhöht und verfeinert das Spektrum der Plastizität. Die Figuren werden zu fibrierenden Lichtträgern im Raum.

7. Juli: Heute habe ich den Newsletter zu meinen Ausstellungsprojekten vorbereitet.  Vera macht das jeweils für mich. Ich bin so froh dass sie mir da helfen kann. Ich war sehr spät dran aber die letzten Tage gab es so vieles zu organisieren. Wühlen im Archiv, Fotos suchen, Artikel lesen, Infos verschicken etc.

6. Juli: Heute Morgen hatte ich Besuch von einem Vertreter von einer grossen Druckerei. Ich bin gespannt wie das weitergeht im Druckereigewerbe. Der Konkurrenzkampf ist brutal. Die Schweizer leiden unter der deutschen und die Deutschen unter der Konkurrenz aus dem Osten. Der Osten wiederum wird vom chinesischen Druckgewerbe bedrängt. Die Wege werden immer länger. Am Nachmittag habe ich in der ganzen Stadt Bücher von David Bürkler abgeliefert und habe promt eine wichtige Sitzung vergessen. Das passiert mir selten aber wenn es passiert ist es für mich doppelt ärgerlich.

4.5. Juli: Ich bin am Montag früh mit dem Zug nach La Ferrière im Berner Jura gefahren. das war eine sehr schöne Fahrt. In La Chaux de Fonds hatte ich einen Zwischenhalt für einen kleinen Stadtspaziergang. Um 12.30 Uhr war ich dann im Hotel de la Chausx-d Able in La Ferrière. Wir hatten eine zweitägige Retraite mit dem Zentralvorstand der visarte.schweiz. Ein sehr schöner Ort mit einem sensationellen "Vallotonschen Abendlicht". Die zwei Diskussions- und geistigen Genusstage waren sehr intensiv und haben viele inhaltlichen Weichenstellungen ausgelöst. 

3. Juli: Ein ruhiger Sonntag. Nichts tun kann auch ganz schön sein...

2. Juli: Grillparty im Aargauischen mit einem Teil meiner Familie. Es gab hitzige Diskussionen zum Thema Schweiz - Europa und Brexit. Ich musste einmal mehr feststellen, dass ich mit meiner Meinung zu einem starken und vereinigten Europa an der total falschen Adresse eingeladen war. Aber eine Familie hält ja fast alles aus. Oder? Essen gut - Trinken gut - Schwimmbad gut - alles gut?

Gegen Abend sind wir nach Hochdorf gefahren zum Kunstraum Herrmann. Alois hat eine gelungene Ausstellung eingerichtet zum Thema Hochdruck. Ich war mit fünf "Menschenbildern" vertreten. Wir wollten die Finissage nutzen, um noch einmal alle zu sehen und dann gleich die Arbeiten mit nach Hause zu nehmen. Es gibt ja immer wieder Überraschungen. Ich habe die Künstlerin und Winzerin Simone Monstein kennengelernt. Sie macht den Wein "Hamacht" in Teufen bei Winterthur. Da werde ich sicher einmal zu einer Degustation gehen. Ja und dann war da noch ein interessiertes Architektenpaar. Ich bin froh, dass wir noch diesen Umweg gefahren sind. 

1. Juli: Heute hatten wir eine grosse Sitzung für das 150 Jahre visarte Fest. Es gibt noch sehr viel zu tun aber Stück für Stück ergibt sich langsam ein Ganzes. Das macht grossen Spass. Irgendwie spürt man, dass dieses Fest eine ganz eigene Energie entwickelt. Am Abend bin ich dann wieder nach St.Gallen gefahren, um zusammen mit Aline und Paul alle Punkte noch weiter zu besprechen und zu verfestigen. Dann habe ich mich mit Monika beim Bahnhof getroffen für einen Drink und dann sind wir mit der BT zusammen nach Rapperswil gefahren. Wir waren in einem wunderbaren Palast, gleich über dem Rosengarten von Freunden eingeladen. Mit dabei war auch unser ehemalige Vermieter und spätere Verkäufer von unserem Haus in St.Gallen mit seiner Lebenspartnerin. Ach war das Essen gut, der Wein und die Stimmung und überhaupt - ein toller Sommerabend mit Seesicht in einem wilden Garten unter den Rebbergen. Das hat uns richtig beflügelt. 

30. Juni: Heute bin ich sehr früh zum Bahnhof gefahren. Ich musste den 7.12 Uhr Zug erwischen. Es war eine Folgerechtsitzung in Zürich angesagt. Ja heute sind überraschende neue Gedanken zum Thema entwickelt worden. Das wird spannend.

29. Juni: Die letzten tage war ich sehr stark beschäftigt mit Bücher einpacken. das Buch von David ist sehr gefragt. Auch das wunderbare Blumenbuch "Herbarium der Sehnsucht" von Maria Josefa Lichtsteiner und das ROM Buch von Karl Fürer und Erica Engeler werden oft bestellt. Das macht grosse Freude und viel Arbeit. Da gibt es doch diesen wunderbaren Spruch von Karl Valentin. (habe ihn glatt vergessen).

Am Abend hatten wir eine sehr gute Sitzung der Fachkommission HF bildende Kunst. Der Lehrgang ist gut zu Ende gegangen mit einer anregenden Präsentation im Grubenmann Museum in Teufen. Die grosse Freude ist, dass alle Studierenden die Abschlussprüfung bestanden haben. Ich gratuliere allen Beteiligten herzlich.

28. Juni: Am Morgen wurde ich im Kunstmuseum St.Gallen erwartet, um die Platzierung meines bearbeiteten Holzbodens von 1987 zu besprechen. Ich habe 1986/87 riesige Holzschnitte direkt in meinen Atelierboden an der Wassergasse (heute Reiffeisenbank) geschnitten. Die Holzschnittserie wurde dann von Peter Blum aus New York ediert. Nun zeigt das Kunstmuseum in St.Gallen in der thematischen Ausstellung: "The Dark Side of the Moon" die Bodenstücke, die damals dem Museum geschenkt habe. Rudolf Hanhard hat damals alle Andrucke für das Museum angekauft. Die Galerie Stampa zeigt nun parallel zu dieser Ausstellung die Holzdrucke. Nun kann ich wieder einmal sehen, wie ich vor dreissig Jahren drauf war. Der Transport der Holzbodenstücke muss sehr mühsam gewesen sein. Die Teile waren viel zu gross für den Warenlift und mussten von zehn Personen gemeinsam das Treppenhaus hinauf getragen werden. Urs Burger war nicht so amüsiert. Aber nun stehen die Holzböden bereit für die Aufhängung.

Am Abend waren wir eingeladen zum Galadiner in der Kunsthalle St.Gallen. Das war ein wirklich spannender Abend mit einer Führung von Giovanni Carmine durch die Ausstellung von Jill Magid, die unter dem Titel: "The Proposal" eine spannende konzeptuelle Installation rund um das Archiv des mexikanischen Architekten Luis Barragan realisiert hat. Anschliessend sprach Hedi Graber zum Migros Kulturprozent. Beim anschliessenden Essen gab es sehr interessante Gespräche mit Sammlern, Stiftern und vielen Kulturinteressierten. Ich habe endlich Hedi Graber kennengelernt. Wir hatten ja ähnliche Erfahrungen in den 80er Jahren gemacht. Sie als Co Leiterin der Kunsthalle Palazzo in Liestal, zusammen mit Philipp Ursprung und ich in der Kunsthalle St.Gallen als Mitbegründer und Künstler - Kurator.

27. Juni: Ich bin früh mit dem Zug nach Teufen gefahren, um als Beisitzer an der Juryrung der Abschlussarbeiten der Studierenden vom Lehrgang HF bildende Kunst teil zu nehmen. Das sind immer ganz spannende Gespräche. Als Juroren waren Pritta Polzer, Una Szemann, Stephanie Hoch, Thomas Müllenbach und Roland Roos eingeladen. Das Ganze wurde moderiert von Phil Mähr. Für mich war das ein ganz wunderbarer und inspirierender Weiterbildungstag mit interessanten Menschen. Es ist ja immer auch interessant wie sich die Studierenden einbringen und über ihre Arbeiten reden. Ich hatte dieses Mal so ein gutes Gefühl für diesen Lehrgang. Alle Teilnehmenden haben sich enorm weiterentwickelt und das macht wirklich grosse Freude.

26. Juni: Nach einem ruhigen Sonntagmorgen mit viel Reflektion fuhren wir am frühen nachmittag nach Teufen. Der Studiengang bildende Kunst der Höheren Fachschule von St.Gallen präsentierte im Grubenmann Museum ihre Abschlussarbeiten. Ich war wirklich beeindruckt von den Arbeiten.

25. Juni: Wir sind am Morgen zeitig aufgestanden. Im Frühstücksraum konnten wir uns noch von einigen Künstlerfreunden und Kuratoren verabschieden. Wir fuhren dann direkt zum Jubiläumsfest des Gönnervereins vom Sitterwerk in St.Gallen. Die Führungen sind jedesmal sehr spannend. Altes Handwerk verbindet sich da mit neuster Technologie. Am Nachmittag haben wir uns noch etwas ausgeruht. Ich musste noch meine Rede vorbereiten für die Buchvernissage von David Bürkler. Um 16 Uhr war ich im Museum, um die letzten Vorbereitungen zu organisieren. Caroline von Gunten traf mit dem Piaggo von visarte Schweiz kurz nach 16 Uhr ein. Ich hatte etwas Bedenken, denn in St.Gallen stürmte und regnete es unwahrscheinlich stark. Trotz dem Gewitter und dem EM Fussballspiel kamen unheimlich viele Menschen an die Buchpremiere. Ich glaube es waren rund 150 Besucher da. Die Stimmung war grossartig. Nach Roland Wäspe hielt Corinne Schatz eine suveräne Rede zum Leben und zum Werk von David. Das Duo Bruder - Hertz spielte Ungarische Musik und ich konnte noch einen Werbespot für das 150 Jahr Jubiläum von visarte Schweiz platzieren. Ich las dann zum Gedenken an David Bürkler mein Nachwort, das ich für das Buch geschrieben habe. das war einmal mehr eine wunderbar gelungene Buchpremiere. Die Freude über dieses Buch liess viele Freunde von David strahlen und animierte sie zum erzählen von eigenen Geschichten, die sie mit dem Künstler erlebten. Ein toller Abend mit einem anschliessenden Essen im Toscana im kleinen Kreis. Wunderbar - haben wir gut gemacht!

24. Juni: Am späten Vormittag bin ich ins Atelier gefahren, um die frisch gedruckten Bücher entgegen zu nehmen. Das ist immer ein so aufregender Moment, wenn man die Plastikfolie vom ersten Buch wegreissen und mit grosser Aufregung im neuen Werk blättern kann. Ich hatte das Gefühl, David Bürkler sitze mir im Nacken und sein kühler Hauch streife mich. Ich glaube er war sehr zufrieden mit dem Resultat. Der ganze Atelierraum strahlte wie selten in einem mysteriösen Glanz. 

Kurz vor fünf Uhr sind wir losgefahren nach Vaduz. Die BBKL feierte das zehn jährige Bestehen. Der Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler hat sich letztes Jahr der visarte Schweiz angeschlossen. Ich war gefordert, ein Grusswort von unserem Verband an Liechtenstein zu richten. Das Ganze fand im Ausstellungsraum im Engländerbau statt. Vor mir sprach die Kulturministerin Frau Frick und nach mir Johann Fichtner, der Präsident von visarte Liechtenstein. Ein kleines Konzert rundete die sehr sympatische Feier ab. Monika und ich konnten nicht sehr lange bleiben, denn wir waren eingeladen zur Eröffnung vom Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums. Auch um 20 Uhr waren noch sehr viel Künstlerinnen und Künstler, Galeristen, Sammler, Kuratorinnen und Kunstinteressierte da. Der Neubau ist toll. Für mich hat das Bündnerland nun eines der schönsten Kunstmuseen der Schweiz. Der Abend war sehr lustig. Wir sind mit einer grossen Festgruppe noch durch die Altstatt gezogen und trafen viele Kunstfreunde, aus dem In- und Ausland. Zum Glück hatten wir ein Hotelzimmer reserviert. Wegen den extremen Regenfällenin der Nacht waren viele Strassen gesperrt und alle Zugreisenden nach Zürich und Basel mussten umgeleitet werden durch das St.Galler Rheintal. Ich habe gehört, dass im Speisewagen nach Mitternacht eine ganz gute Stimmung herrschte.

23. Juni: Heute hatte ich einen ziemlich struben Tag. Viele Telefonate, Vorbereitungen, organisatorisches für die Buchpremiere. Ich wartete ganz angespannt auf das erlösende Telefon von der Spedition. Am frühen Nachmittag war es soweit. Die Bücher von David werden am Freitag gegen Mittag geliefert. Nun kann ich wider durchatmen.

Am Abend war ich im NEXTEX von visarte.ost verabredet. Stefan Rohner machte verschiedene Skype Schaltungen ins Tessin, nach Bern und nach Paris, um mit vielen Kolleginnen und Kollegen auf das 150 Jahr Jubiläum von visarte.ch anzustossen. Der Anlass war sehr lustig. 

22. Juni: Seit zehn Tagen bin ich damit beschäftigt, die Vorbestellungen des neuen Buches über David Bürkler zu organisieren. Ich bin immer sehr nervös und hoffe, dass nichts schief geht mit dem Büchertransport. Heute müsste ich dringend zwei Ansprachen vorbereiten. Das Leben lenkt mich aber immer wieder ab. (Das kann auch ganz schön sein) jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Reden schreiben ist angesagt.

20. Juni: Heute musste ich in aller Eile eine Fotografin finden, die meine neuen kleinen Bilder fotografieren kann. Anna - Tina Eberhard hatte zum Glück kurzfristig Zeit, bevor die Bilder transportiert wurden. Am späten Nachmittag hat der Architekt Bruno Bossard alle Pläne von unserem Anbau, den wir vor neun Jahren realisiert haben, vorbei gebracht. Eine gute Möglichkeit, um zu reflektieren, was der damalige Entscheid alles ausgelöst hat. Die Veränderung des Gartens, der Atelieranbau und die grosse Feuerstelle unter dem Atelier haben uns sehr viel Lebensqualität gegeben. Die verschiedenen Lebensabschnitte scheinen mir aber immer schneller vorbei zu gehen. 

Am Abend waren wir eingeladen zur dritten Vernissage mit der Bob Ross Serie. Das war einmal mehr sehr lustig. Die Präsentation fand in den Räumen der Denkmalpflege in der Hauptpost statt. Fredi Altherr hat eine grossartige Eröffnungsrede zu den drei Wasserfällen am Berg gehalten. Die Malerinnen Menga Frei, Carol Forster und Brigitte Kemmann haben ihr Bestes gegeben. 

19. Juni: Trotz dem Dauerregen haben wir einen ausgiebigen Spaziergang durch den Guggeienwald gemacht. das Wetter schlägt langsam auf das Gemüt. Zum Glück gibt es noch die Fussball Europa Meisterschaft. 

18. Juni: Am Nachmittag sind wir mit dem Zug nach Wipkingen gefahren. Wir wurden von einem jungen Paar excellent bekocht. Das war ein ein sehr anregender und schöner Abend.

17. Juni: Am Morgen war ich für eine visarte Festsitzung bei der Alltag Agentur. Die Struktur der geplanten 150 Jahr Feier wird immer klarer. Am Abend haben wir die Vernissage im Historischen Museum besucht. Daniel Studer hat eine grosse Ausstellung konzipiert zum Thema: "Faszination Farbholzschnitt". Ausgehend vom japanisierenden Farbholzschnitt als Kunstform des Jugendstils zeigt er die Holzschnitte der St.Gallerin Martha Cunz und von Ihren berühmten Zeitgenossen. Die 1876 geborene Künstlerin studierte in Dachau, München und Paris und zog dann wegen dem 1. Weltkrieg wieder nach St.Gallen. Eine sehr schön gestaltete thematische Ausstellung. 

16. Die Podiumsdiskussion zum Thema Künstlergruppe Winterthur - wie weiter ist sehr interessant verlaufen. Die Frage nach Solidarität unter Kunstschaffenden ist ein spannendes Thema. Das Engagement in einer Künstlergruppe kann regional sehr viel bewirken und ist sehr wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler, damit sie wahrgenommen werden und damit sie durch Ausstellungen erste Erfahrungen im Kunstbetrieb machen können. In der Landesweiten Bildungs- und Kulturpolitik ist es aber wichtig, dass ein starker Berufsverband die Anliegen der visuell arbeitenden Künstlerinnen und Künstler vertritt. 

Nach der Veranstaltung ist mir bewusst geworden, wie stark sich die in der Schweiz die städtischen Räume verändern und verengen. Alles was etwas schief da steht wird plattgewalzt, saniert oder überbaut. Ganze Quartiere werden "optimiert". Das heisst, dass in den Schweizer Städten immer weniger Freiräume für günstige Ateliers und Wohnraum zur Verfügung stehen wird. Das Sulzer Areal hat sich in den letzten zehn Jahren sehr stark verändert. Nicht nur zum Guten. 

15. Juni: Heute Morgen hatten wir ein gemeinsames Frühstück mit Vera. Die gestrige Nacht wurde ziemlich lang. Es gibt immer so viel zu bereden wenn Vera da ist. Monika und Vera haben beide miserabel geschlafen. Am Mondstand kann es nicht liegen. Die vielen offenen Themen wirbelten wahrscheinlich zu stark in den Köpfen herum. Vera musste dann nach Winterthur für die Eröffnung der Jubiläumsausstellung und ich hatte am Abend einen sehr angenehmen Atelierbesuch. 

14. Juni: Heute erwarten wir Vera. Ich freue mich sehr. Als Vera eintraf waren wir noch mit dem Verpacken der Einladungskarten für die Buchpremiere von David Bürkler beschäftigt, die im Kunstmuseum St.Gallen am 25. Juni stattfindet. Es gibt immer so viel zu bereden. Vera ist in die Schweiz gekommen, weil sie beteiligt ist an der Jubiläumsausstellung der Künstlergruppe Winterthur, die morgen Abend im Sulzerareal  eröffnet wird. Ich bin am Donnerstag als visarte Präsident zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, dann kann ich mir alles anschauen. Die Diskussion soll Wege aufzeigen, wie es mit der Künstlergruppe weitergehen könnte. Seit der Gründung sind 100 Jahre vergangen. Die Zeiten haben sich stark verändert. Ich bin gespannt. 

Am Abend haben mir Vera und Monika geholfen den Versand für die Buchpremiere von David vorzubereiten. Alleine bin ich jeweils stundenlang am Karten einstecken.

13. Juni: Heute hat Roland Stieger die gefalteten und geschnittenen Druckbogen vom David Bürkler Buch vorbei gebracht. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf die fertigen Bücher, die nächste Woche geliefert werden sollten.

12. Juni: Wir haben lange ausgeschlafen und sind am Nachmittag ins Atelier gefahren, um meine Holzdrucke zu ordnen und um ein reserviertes Blatt heraus zu suchen. Die Drucke sind so gross, dass ich das nicht alleine bewältigen kann. Eigentlich wollten wir dann noch einen Spaziergang machen. Es goss aber in Strömen. Wir haben uns dann entschlossen, die Ausstellung an der Haggenstrasse anzuschauen. 90 Künstlerinnen und Künstler nutzen zur Zeit ein leerstehendes Bürogebäude von der Stadt als Atelier und Ausstellungsraum. Das ist ein starkes Zeichen für die Notwendigkeit von Freiräumen in der Kreativwirtschaft. Es wäre sehr schön, wenn das Experiment möglichst lange dauern könnte. 

11. Juni: Am Nachmittag besuchten wir die Ausstellung von David Bürkler in der Galerie Bleisch in Arbon. Eine beeindruckende Präsentation. Ich freue mich auf das Buch. Am Abend sind wir zu einem Fest nach Trogen gefahren. Ich kannte das Seminarhotel Lindenbühl gar nicht. Die haben gute Räume, gutes Essen und eine sehr angenehme Atmosphäre. Das war ein wunderbares Geburtstagsfest zum Fünfzigsten von Andrea Hornstein. 

10. Juni: Monika hat wunderbar gekocht für eine angenehme Runde von Freunden. 

9. Juni: Heute um 11 Uhr hat mich Jonny Müller abgeholt für eine kiwanis Veranstaltung in Rorschach. Er lädt regelmässig "ungenormte"  Gesprächspartner aus ganz verschiedenen Bereichen ein. Mich hat er nach dem Mittagessen interviewt zu meiner Arbeit als Künstler, als Verleger und als Präsident von visarte.schweiz. Das Publikum war sehr interessiert und die ganze Veranstaltung war sehr anregend. Anschliessend habe ich bei Jonny einen Atelierbesuch gemacht. Wir kennen uns seit 1972. Ich war damals als 17 jähriger an einer Gruppenausstellung in der Galerie Spigar in Widnau beteiligt. Das war für mich ein grosses Erlebnis. Als  Fan von Pablo Picasso wollte ich unbedingt in der Kunstwelt Fuss fassen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was das wirklich bedeutet. Ich war Fan von Pablo Picasso und nannte mich seit dem 14. Lebensjahr Josef Felix, geschrieben Josefelix. Das klang für mich schon recht schön Spanisch. Die Richtung war somit vorgespurt. 

7. Juni: Die letzten zwei Tage waren angenehm ruhig. Ich hatte endlich Zeit vieles aufzuarbeiten. Recherchen im Atelier, Klärung von vielen Anfragen und die Organisation der nächsten, anstehenden Projekte. Zur Zeit plane ich zusammen mit dem Kunstverein St.Gallen und der visarte.ost die Buchpremiere von David Bürkler, die am Samstag 25. Juni um 17 Uhr im Kunstmuseum St.Gallen stattfindet. Dazu kommt all das Alltägliche, das auch organisiert sein will. Jetzt wird zum Beispiel gerade das Heizöl für das kommende Jahr geliefert. Dabei fällt mir ein, dass ich die Heizkostenabrechnung für uns und die Nachbarn machen muss. Nach einer guten Stunde Büro Aufwand habe ich die wunderbare Aufstellung der Kosten versehentlich auf dem PC gelöscht. Also musste ich wieder von vorne anfangen. Dabei habe ich gelernt: Wenn man zweimal das Gleiche hintereinander macht geht es wesentlich schneller.

Gegen Abend haben wir einen wunderschönen Spaziergang durch den Wald in Guggeien, dem rechten Waldrand entlang gemacht. Ich habe diesen Wald, vor allem das Unterholz  noch nie in so einem explodierendem Grün erlebt. Die Abendsonne hat den Wald vor uns in ein dramatisches, mystisches  Licht gesetzt. Die Baumstämme standen sonnenbestrahlt, rotbraun und körperhaft im dunkeln Raum des nahenden Gewitters.

5. Juni: Ein schönes Frühstück, mit Sicht über die Schaffhauser Landschaft, die von der Wohnung von Conny und Cefi aus wirkt wie eine Toskanische Landschaft mit einer sensationellen Weitsicht, mit Bäumen, Hügeln und Rebbergen. Cefi und ich konnten uns dann bei einer neuen Jass - Runde fulminant revanchieren für unsere Niederlage am Vorabend. Am frühen Nachmittag sind wir losgefahren und haben uns entschlossen, in Rorschach noch die Ausstellung von einigen Freundinnen im Kornhaus anzuschauen. Das hat sich gelohnt. Bei einem Spaziergang durch Rorschach ist uns aufgefallen, wie viele heruntergekommene und wie viele wirklich schöne historische Gebäude diese kleine Stadt zu bieten hat. Hier scheint viel Phantasie und Spekulation im Spiel zu sein. 

5. Juni: Das Wochenende in Schaffhausen war sehr angenehm. Wir haben wunderbar gegessen. Im Moment ist Ottolenghi angesagt. Grossartig! Beim anschliessenden Jass musste ich einmal mehr unten durch. 

4. Juni: Nach zwei ruhigen Tagen hatten wir gestern ein kleines Familienfest bei uns zu Hause. Monika hat ein aufsteigendes "Antipasti - Gedicht" für die zwölf Gäste kreiert. Das war wunderbar. Heute um elf Uhr beginnt die Vernissage bei Christian Röllin und am Nachmittag fahren wir zu unseren Freunden nach Schaffhausen. 

1. Juni: Für heute waren gleich zwei Büchertransporte angesagt. Die Restauflage des neuen Buches ROM, von Erica Engeler und Karl A. Fürer und das neue Buch von einer jungen Luzerner Künstlerin. Anstatt wie vereinbart um 13 Uhr kam der erste Lastwagen schon um zehn Uhr.  Wann immer sie kommen, Bücher machen einfach Freude.

31. Mai: Ruth hat Geburtstag. Am Abend werden wir zu viert eine kleine Bratwurst Grillparty an unserer Feuerstelle veranstalten. 

30. Mai: Am Nachmittag war ich beschäftigt mit dem Ausstellungsaufbau bei Christian Röllin. Monika hat auch mitgeholfen. Ich war ziemlich nervös. Nun bin ich aber sehr zufrieden. Die Auswahl der Werke ist nun stimmig für mich und in der Kombination mit den Arbeiten von Marien Schouten fühle ich mich sehr wohl.

28. Mai: Am Morgen um acht Uhr bin ich im Hotel aufgewacht, habe vor mich hin geträumt, alle Unterlagen für die DV noch einmal durchgelesen und um 9 Uhr habe ich gefrühstückt. Um diese Zeit hat es noch stark geregnet. Alle visarte Vorstandsmitglieder waren um Regenschirme bemüht. Wir sind dann zu Fuss zum Neubad spaziert. Das ist ein eindrücklicher Kulturort mit sehr engagierten und motivierten jungen Menschen. Wir warteten noch auf einige Delegierte. Mit rund fünfzehn Minuten Verspätung eröffnete ich dann die Delegiertenversammlung. Es ist alles sehr gut gegangen. Das einzige umstrittene Traktandum war die Aufnahme von freien Kuratorinnen und Kuratoren. Nach einer gelungenen, fünfzehn minütigen Auszeit mit einer Mediation durch Natalia Schmuki, unserer Juristin, konnten sich die Delegierten auf eine gemeinsame Wortwahl für die Aufnahmekriterien einigen. Die Versammlung hat dann mit grosser Mehrheit den Antrag des Zentralvorstandes angenommen. Nun können engagierte, freie Kuratorinnen und Kuratoren vollwertige Mitglieder von visarte werden. Ich freue mich sehr darüber. Am Nachmittag informierten wir über die verschiedenen Jubiläumsaktivitäten und das grosse Fest vom 19. November an der HSLU in Emmenbrücke.

Wir konnten auch die neue Ausgabe der ältesten Kunst Zeitschrift von Europa, die "Schweizer Kunst" vorstellen, die sich hauptsächlich der vielschichtigen Vergangenheit von visarte auseinandersetzt. 150 Jahre sind wirklich eine lange Zeit. Wenn man aber die Fragen und Problemstellungen der Künstler von damals mit heute vergleicht, gibt es doch viele Fragen und Probleme, die auch heute noch aktuell sind. Ferdinand Hodler und seine Mitstreiter bei der damaligen GSMBA haben schon 1910 erkannt, dass es ein Folgerecht für die Kunst braucht. 2016 meint der Bundesrat, dass man ruhig zuwarten kann, bis Amerika genügend Druck macht... Wie das dann raus kommt kennen wir doch von den Banken. 

27. Mai: Am Morgen habe ich alle Unterlagen zusammengepackt für die Delegiertenversammlung in Luzern. Ich hatte eine richtig schöne Zugfahrt, bin dann gleich ins Hotel spaziert um meine Sachen abzugeben, dann war noch Zeit für einen kleinen Salat und um 13.30 Uhr begann unsere Vorbereitungssitzung im Hotel Schlüssel mit dem Zentralvorstand. 

Anschliessend trafen sich alle Delegierten beim Bahnhof. Marija Bucher, die Präsidentin von visarte.zentalschweiz  begrüsste uns und dann wurden wir in zwei Gruppen durch die Stadt geführt. Es war sehr speziell. Ich bin oft in Luzern aber ich habe mich noch nie als Tourist in dieser Stadt bewegt. Sobald man sich in die Rolle eines Touristen begibt, wirkt die Stadt plötzlich viel kleiner, herausgeputzter und kitschiger. Eine Stadt für die Selfiesammler. Der einsetzende Platzregen versetzte uns dann wieder in die Realität der Schweizer Wasserstadt. Simon Kindle führte uns dann zu seinem grossen Gemeinschaftsatelier hinter den Bahngleisen. Es gab Apéro und anschliessend kochten wir zusammen mit einem sehr guten Koch unser Nachtessen. Das war alles sehr anregend. Später wurde getanzt und diskutiert und getrunken. Ich hatte eine ziemlich wilde Tanzlust. Kein Wunder nach den vielen Aufregungen in den letzten Tagen bei dieser Musik. Der Abend hat meine Nerven sehr beruhigt und ich habe tief und fest geschlafen.

26. Mai: Monika hat schon sehr früh angefangen focaccia Brot zu backen für die Buchvernissage am Abend. Wir mussten noch einiges organisieren und alle notwendigen Sachen im Raum für Literatur vorbeibringen. das ist im Moment etwas mühsam, weil das ganze Bahnhofareal umgebaut wird.

Alles hat geklappt. um 18.30 Uhr waren rund achtzig Leute da. Die Stimmung war grossartig dank dem wunderbaren Gesang von Roland Stieger und dem super Gittaristen Rolf Büchel, den ich noch aus meiner Zeit aus Oberriet kenne. das Buch Rom von Erica Engeler und Karl A. Fürer ist sehr gut angekommen. Die ersten 100 Exemplare sind bereits unter den Leuten. das hat richtig grosse Freude gemacht. Nun muss ich warten, bis die restlichen Bücher ausgeliefert werden.

25. Mai: Heute habe ich wunderbare, kräftige Zucchini Setzlinge aus dem Biogarten, die Monika von Silvia aus Italien mitgebracht hat,  im Garten eingepflanzt. Dann hatte ich die Idee, dass ich auch Stangenbohnen pflanzen könnte. nach dem Fällen unserer riesigen Buche haben wir sehr viel mehr Sonne im Garten und etwas Platz für Gemüse. 

24. Mai: Am Morgen früh hatte ich eine Besprechung wegen dem Buch über David Bürkler. Nun ist alleas Material beisammen und das Layout fast perfekt. das erleichtert mich enorm.

In den letzten Wochen habe ich jede freie Minute verwendet für ein kleines Bild, das ich schon lange realisieren wollte. Nun steht es im Raum und ich muss mich zusammenreissen, um mit dem Malen aufzuhören, damit ich es nicht komplett zumale.

Am Nachmittag bin ich mit vielem Umsteigen nach Vaduz gefahren für eine Ausstellungseröffnung im Engländerbau. Von St.Gallen St.Fiden bis Vaduz brauchte ich fast eineinhalb Stunden. Ich besuchte die Ausstellungseröffnung im Engländerbau. Eine Ausstellung von Künstlerinnen aus dem Aargau und aus Liechtenstein. Und anschliessend traf ich mich mit dem Vorstand von visarte.li um einiges für die kommenden Veranstaltungen zu besprechen. Fast punktgenau um 18 Uhr kam Monika zurück aus Italien, damit wir später gemeinsam nach St.Gallen fahren konnten. Ein schönes Wiedersehen inklusive Pizza im besten Haus am Platz. 

23. Mai: Heute hatte ich eine weitere Sitzung zum Folgerecht in Zürich. Der Bundesrat hat eine ziemlich dürftige Antwort zum Postulat von Ständerat Werner Luginbühl abgeliefert. Der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf, das Folgerecht einzuführen. Es scheint in der Schweiz politisch so zu laufen, dass zuerst ein grosser internationaler Druck da sein muss, bis sich in der Politik etwas tut. 

21. Mai: Um 10 Uhr hat mich Christian Röllin abgeholt für den Bildertransport. Die Ausstellungseröffnung ist schon am Samstag 4. Juni um 11 Uhr. 

Am Nachmittag ist der Baum - Spezialist vorbeigekommen. Er hat unserem Grafensteiner andere Apfelsorten aufgepfropft. Das war sehr eindrücklich. Wenn alles klappt haben wir im nächsten Jahr drei verschiedene Apfelsorten auf einem Baum. 

20. Mai: Unerwartet bin ich heute zu einem Zahnarzttermin aufgeboten worden. Zahnreinigung. Eigentlich mag2 ich das gar nicht. Heute war es aber sehr speziell. Ich empfand meinen Mund plötzlich als riesige, unerforschte und schwer zugängliche Gebirgslandschaft. Beim Reinigen ist dann ein Stück einer alten Füllung weggebrochen. Das fühlte sich wie ein Bergsturz an. Zum Glück hatte Marco Zeit, den malträtierten Kauer gleich wieder zu flicken. Am Nachmittag habe ich Gurken, Kürbis und Zucchini gepflanzt.

18. Mai: Gegen Abend holte ich alle alten, kiemenden Kartoffeln aus dem Keller und pflanzte sie im Garten ein. In drei Monaten gibt es feine Rösti aus eigenen Bio - Kartoffeln.

17. Mai: Am Morgen früh traf ich Paul am Bahnhof. Wir fuhren gemeinsam nach Luzern für mehrere Besprechungen. Wir schauten uns auch die Vorschläge von den Kunststudenten an für unser visarte Fest. Da sind jetzt einige sehr stimmige Ideen entwickelt worden.  

16. Juni: Gemeinsam mit Monika habe ich den "Venusplatz" gemäht, die Feuerstelle aufgeräumt und alles für die Sommerzeit vorbereitet. Am Nachmittag musste ich nach Verbania auf den Zug. Der Zug war verspätet und in Domodossola sind dann zwei Züge zusammengelegt worden. Es war sehr eng bis Brig. Der Anschlusszug in Bern war schon weg und ich bin dann erst um halb elf zu Hause gewesen.

15. Juni: Heute haben wir eine sehr schöne Wanderung gemacht durch den Wald zu einer kleinen Alp. Am Abend habe ich sehr viele Pflanzensamen gesät an einem Hang. Gewürze, Getreide, Kräuter, Blumen usw. Ich bin gespannt was alles gedeihen wird.

14. Mai: Heute habe ich den ganzen Tag im Wald gearbeitet. An Ostern hatte ich sehr viele Bäume gefällt und die Zeit reichte dann nicht mehr um alles zu sägen und aufzuräumen. Da kommen immer Tonnen  an Holz zusammen.

13. Mai: Am Morgen musste ich noch viele Sachen erledigen und meine Sachen packen. Am Mittag sind wir bei strömendem Regen losgefahren Richtung Italien. Nach dem Bernardino Pass wurde es schön warm. Erstaundlicher Weise hatten wir total freie Fahrt. Null Stau und das vor Pfingsten. In Agrano wurden wir herzlich empfangen von Wicki und von Silvia. Als Erstes habe ich  den Ofen eingeheizt, damit es in unserem kleinen Steinhaus richtig gemütlich wird. dann habe ich meinen kleinen, aber nun doch schon zwei Meter hohen Mammutbaum "Felice" besucht. Er gedeiht prächtig. Um 20.00 Uhr sind wir zum Circolo ins Dorf gefahren. Die kochen ausgezeichnet und das Essen ist sehr günstig.

12. Mai: Am Morgen traf ich Paul Gruber von der Alltag Agentur. Wir mussten die Sitzung vom kommenden Dienstag in Luzern vorbereiten. Paul ist zusatändig für die Planung des 150 Jahr Festes von visarte an der HSLU. Am Mittag habe ich einen Kopiensatz vom Bürklerbuch bekommen. Nun geht es an die Korrekturen und an die Feinarbeit. Am Abend fuhr ich nach Zürich. Im Helmhaus wurden die prämierten Bücher im Wettbewerb "Die schönsten Schweizer Bücher 2015" gezeigt. Der Vexer Verlag wurde ausgezeichnet für das Lilly Keller Buch von Fredi Lerch. Es war ein schöner Abend. Lilly ist auch angereist. Es waren enorm viele Ausstellungsbesucher da. Ich konnte viele Gespräche führen. 

11. Mai: Am Nachmittag habe ich mit Christian Röllin eine Bilderauswahl getroffen für die Sommerausstellung.

10. Mai: Heute Morgen sind Daniela Fetz und Roland Stieger von TGG bei mir vorbeigekommen mit dem ersten Teil des Layouts vom David Bürkler Buch. Das gibt noch viel zu tun aber ich bin sehr zuversichtlich und ich freue mich auf das Gut zum Druck. Die letzten zwei Tage waren etwas schwierig. Mein PC musste neu abgesichert werden. Ein Sicherheitssystem hat meine Daten in den letzten Jahren andauernd multipliziert und abgespeichert. Nun habe ich mich mit dem Lesen von Karl Owe Knausgard bei Laune gehalten. Sterben, Lieben, Leben.... das ist auch harte Arbeit.

Um 17 Uhr habe ich bei Christian Röllin vorbei geschaut. Da wird alles neu geregelt mit Wohnen, Präsentieren von Kunst usw. Ich muss mir genau überlegen, was ich in meiner Ausstellung zeigen kann. Auf dem Nachhauseweg traf ich zufällig noch COM & COM im Gartenrestaurant von der Tonhalle. Zwei aufgekratzte Burschen...

9. Mai: Am Morgen früh wurden meine Füsse therapiert. Ich hoffe, meinen "Morbus Ledderhosen"  mit Massagen und Dehnungsübungen beizukommen. Eventuell hilft ja auch etwas Volksmusik oder regelmässige besuche in München. Na ja.  Am Nachmittag kam ich an den rand der Verzweiflung. Ich versuchte einmal mehr über das Internet eine Massensendung bei der PTT zu organisieren. 

8. Mai: Heute mussten wir wieder einmal sehr früh aufstehen. Wir fuhren mit dem Auto nach Sachseln. Im Museum Bruder Klaus feierten wir die Buchpremiere vom "Herbarium der Sehnsucht" von Maria Josefa Lichtsteiner und die Eröffnung von ihrem  speziell angelegten Garten. Wir haben viele alte Bekannte getroffen, die speziell aus allen Ecken der Schweiz angereist waren. Ein wunderbar warmer Frühlingstag mit vielen Familien. ich hatte eine kleine Vernissage Rede vorbereitet zum Thema Sehnsucht. Wir hatten viele sehr schöne Begegnungen und sind dann Richtung Rapperswil gefahren. Auf dem Ricken machten wir Pause und gönnten uns einen Cup Romanoff zum Muttertag. Wir wählten diese Route, weil wir anschliessend in der Gemeinde Bühler leer stehende Räume ansehen wollten. Unter Anderem kann man die alte Post mieten. Ein selten hässliches Gebäude direkt beim Bahnhof.

7. Mai: Gegen Mittag hat mich Hans Jörg zum bahnhof gefahren und ich genoss die Rückreise im Zug. Ich habe in St.Gallen meine Reisetasche nach Hause gebracht und dann sind wir gleich wieder nach Winterthur gefahren. In der Villa Flora  wollten wir Vera treffen. Sie ist an einer Ausstellung der Künstlergruppe Winterthur beteiligt. Das ist ein sehr schöner Ort mit einer alten Villa und einem imposanten Park. Normalerweise werden in der Villa ausgewählte Malereien der Sammlung Hanloser präsentiert. Bonnar, Van Gogh, Valloton etc. Nun ist der Stiftung das Geld ausgegangen und die Sammlung ist auf einer Tournee quer durch Europa. Für die Künstlergruppe ist das eine schöne Möglichkeit, das 100 jährige Bestehen zu feiern. 

6. Mai: Hans Jörg Bachmann hat mich als Gast eingeladen für eine Ausstellung in Biel. "Au Joli Mois de Mai". Das ist eine traditionelle Ausstellungsreihe von visarte Biel. Jeden Abend gibt es zwei Eröffnungen. Ich bin früh losgefahren und am Nachmittag haben wir die Ausstellung eingerichtet. Der Abend war wirklich toll. Ein richtiger Volksauflauf. 

5. Mai: Ich wusste gar nicht, dass heute ein Feiertag ist. Ich habe einen Termin mit Christian Röllin vereinbart. Er möchte einige von meinen Bildern ausstellen. Mal sehen wie das kommt. Am Abend waren wir eingeladen bei Ning und Nock. Wir sind gegen Abend bei schönstem Wetter fast zwei Stunden über die Felder und durch den Wald gewandert bis nach Berg. Dann wurden wir verwöhnt mit einem wunderbaren Thai Essen. 

4. Mai: Heute fand das Begräbnis von Theres in Widnau statt. Eine Lieblingstante von Monika. das war ein sehr spezielles Familientreffen.

3. Mai: Heute Mittag kommt Vera aus Berlin. Ich freue mich. 

Am Abend haben wir uns dann den ersten Spielfilm von Res Balzli im Kinok angeschaut. Nachher haben wir beim Griechen in der Taverna El Greco  am Spiesertor gegessen. Esther hatte grosse Freude Vera wieder einmal zu sehen. Wir waren ja einmal Nachbarn im Bleicheli in den 80er Jahren.   

1. Mai: Wir haben im Hirschen in Wald übernachtet. Beim Frühstückstisch stand natürlich der Ausgang vom gestrigen Jasstournier im Mittelpunkt. An diesem Morgen war es wieder kalt und es regnete. Ich wollte am Mittag wieder in St.Gallen sein. Eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern hatte ein Treffen bei Elisabeth Nembrini in Berg vereinbart. Elisabeth ist leider krank geworden. Das alternativ Programm fand dann in der Stadt St.Gallen statt. Um 14 Uhr trafen wir uns in der Ausstellung von Peter Liechti im Kulturraum vom Kanton St.Gallen. Ich machte spontan eine Führung und anschliessend sind wir mit Plakaten durch die Stadt spaziert. Wir wollten am 1. Mai auf die Gründung der GSMB vor 150 Jahren aufmerksam machen. Dann gab es ein wunderbares Essen im NEXTEX.

30. April: Jasstournier im Hirschen in Wald. Nicht schlecht gejasst aber nur auf dem zweitletzten Rang gelandet. Das ist deprimierend. 

28. April: Diego Stampa kam am Mittag ins Atelier. Es gab viel zu diskutieren. Das war ganz spannend. Mal sehen, was alles realisierbar ist. Ich brachte dann noch zwei grosse Taschen gefüllt mit Büchern nach hause und dann hatte ich eine Besprechung bei TGG mit Roland, Daniela und Matthias. Wir konnten sehr viele Details klären und festlegen für das Buch von David Bürkler. Das wird sehr schön. 

27. April: Heute Morgen machte ich einen Bildertransport ins Atelier. 

26. April: Heute hatten wir in Zürich eine sehr lange und ergiebige Sitzung zum Jubiläum 150 Jahre visarte.ch. Am Abend waren Alexi und Andreas zu Gast bei uns. Monika hat wunderbar gekocht und zu diesem "Nachhochzeitsfestessen" kam wieder einmal unsere riesige, handgestickte Tischdecke aus Portugal zum Einsatz. Wir haben das wunderbare Tuch vor einigen Jahren gekauft. Beim Kauf ging ich davon aus, dass die Tischdecke 250 Euro kostet. In der Nacht wachte ich schweissgebadet auf, weil ich bemerkte, dass ich mich im Umrechnungskurs um eine Null geirrt hatte. Ich hatte nämlich 2500 Euro bezahlt. Monika wollte dann die Tischdecke am anderen Morgen zurückbringen. Ich konnte das aber nicht und habe einfach ein um zwanzig Jahre verspätetes Verlobungsgeschenk daraus gemacht an Monika. Das kam ganz gut an.

25. April: Um 17 Uhr habe ich mich verabredet mit visarte ost, um die Aktionen vom 23. und 25. Juni zu besprechen. Am 23. wird im NEXTEX eine Konferenzschaltung organisiert, damit alle interessierten zugeschaltet werden können. Am 25. Juni um 17 Uhr wird der visarte Piaggio nach St.Gallen kommen zur Buchvernissage von David Bürkler. Diese Veranstaltung wird im Kunstmuseum stattfinden. Ich weiss nicht ob alles klappt aber es wäre lustig, wenn man Probefahrten rund um den Gauklerbrunnen vor dem Museum machen könnte.

23. April: In den letzten Wochen habe ich an meinem neuen Bild gearbeitet. Wir mussten ja in deisem Winter unsere riesige Buche im Garten fällen. bevor die Baumfäller angefangen haben, machte ich einige sehr spannende Aufnahmen des Baumes. Nackt und schwarz wirkte die Silhouette des Baumes im kalten, blauen Morgenlicht wie ein riesiger Kadaver. Ich freue mich auf dieses Wochenende wo ich absolut ungestört durchmalen kann.

22. April: Heute Mittag sind die Bücher von Maria Josefa Lichtsteiner geliefert worden. Ich bin total glücklich. Das Buch "Herbarium der Sehnsucht" ist sehr schön geworden. Die Buchpremiere feiern wir am Sonntag 8. Mai im Bruder Klaus Museum in Sachseln. An diesem Tag wird auch der von Maria gestaltete Garten eingeweiht. Am späten Nachmittag habe ich bereits alle Vorbestellungen erledigt und zur Post gebracht.

21. April: Am Morgen in der Früh ist Monika nach Wien geflogen und ich hatte eine sehr lustige Fotosession mit Salvatore Vinci in meinem Atelier. Er musste mich portraitieren für den Artikel, der in der NZZ am Sonntag erscheinen wird. Salvatore hat mir erzählt, dass er letzthin Pipilotti in ihrer Ausstellung fotografieren durfte und  dass er mit Urs Fischer und Olav Breuning die Fotoklasse in Zürich besucht hat. Nun bin ich gespannt auf die Fotos.

18. April: Am Nachmittag traf ich den neuen Besitzer des Atelierhauses an der Haggenstrasse. Das Haus ist verkauft worden und ich lebe mit der Ungewissheit, wie alles weitergeht. Wenn jemand ein gutes Atelier für mich wüsste, wäre mir sehr geholfen. Gross, hell, zentral und günstig.

16. April: Monika und ich haben uns heute entschlossen, die Ausstellung von Pipilotti im Kunsthaus Zürich zu besuchen. Vor dem Kunsthaus haben wir Pipilotti getroffen. Das war eine sehr schöne Begegnung. Die Ausstellung ist sehr wohltuend. Es ist erstaunlich wie alle Menschen, junge und alte in den mit Musik und Licht bespielten Räumen zur Ruhe kommen. Die Besucher werden Teil des Werks als Lichtträger und Projektionsfläche. Man fühlt sich total eingeladen in der grossen Kunstwohnung. Die Ausstellung hat etwas richtig Heilsames.

Am Nachmittag sind wir dann nach Hochdorf gefahren. Ich bin bei der Ausstellung "directe" mit einer Holzschnittserie beteiligt. Der Künstler Alois Hermann betreibt den Kunstraum in Hochdorf. Die Eröffnung war sehr gut besucht und ich konnte viele gute Gespräche führen. Der von Sebastian Utzni und Thierry Perriard gestaltete Katalog ist sehr schön geworden.

15. April: Am Morgen früh kam Roland Stieger bei mir vorbei. Wir haben den ganzen Buchinhalt durchgearbeitet und vor besprochen. Nun können die Vorlagen in die Bildbearbeitung. Dieses Buch wird aufwändig, da sehr viele Fotos nur analog zur Verfügung stehen. Ich bin mich das gar nicht mehr gewohnt.

Am Nachmittag hat mich Gerhard Mack besucht. Wir machten ein langes Gespräch für einen Artikel in der NZZ am Sonntag aus Anlass des 150 jährigen Bestehens vom Berufsverband visuelle Kunst. Am 1. Mai 1866 wurde in Genf  die Vorgängerorganisation von visarte Schweiz gegründet. Die GSMB, Gesellschaft Schweizer Maler und Bildhauer. Später kamen dann auch noch die Architekten dazu, dann wechselte der Name zu GSMBA. Die Gründungsväter waren unter Anderem Gottfried Keller, Rudolf Koller und Frank Buchser. Das Jubiläum werden wir mit sehr vielen Aktivitäten feiern.

14. April: heute hatten wir eine sehr gute und speditive Sitzung vom Zentralvorstand von visarte.

13. April: Am Mittag habe ich Hans Jörg Bachmann in der Stadt getroffen. Er hat mich eingeladen, als sein Gast in Biel auszustellen. Die visarte organisiert jedes Jahr die Ausstellungsreihe "Au Joli Mois de Mai" Da gibt es jeden Abend eine neue Ausstellung. Hans Jörg holte heue meine Arbeiten ab. Ich werde drei bemalte Masken und 14 Sternbilder zeigen. Das passt sehr gut zur Fotoserie, die Hans Jörg in Japan  aufgenommen hat.

Am Abend kam Gret Graf bei uns vorbei, um das geplante  Buch über David anzuschauen.

12. April: Heute habe ich alle Bilder mit meinem Groblayout zu TGG gebracht, damit die Vorlagen kopiert werden können, bevor das ganze Material zur Bildbearbeitung verschickt wird. Ein richtig guter Moment. Während der Wartezeit habe ich einen Atelierbesuch im Riethüsli gemacht. Das war richtig spannend. Arbeiten aus drei Jahrzehnten.  

10. April: Heute hatte ich eine lange Besprechung mit Corinne Schatz. Wir schauten uns den Ablauf vom Bürkler Buch an, besprachen alle Texte und Legenden. Das kommt gut.

9. April: Heute musste ich früh raus. Eine unterhaltsame Zugreise war angesagt ins Tessin. Die Eduard Bick Stiftung tagte in einem kleinen Weiler oberhalb von Intragna. Ich liebe die Strecke über Rotenturm mit dem Voralpen - Express. Der Zug ist um einiges langsamer wie sein Name. Der Tag im Tessin und die Diskussionen waren sehr ergiebig. Eine richtige Retraite.

7. April: Am Morgen früh brachte ich die Originalzeichnungen von Karl A. Fürer noch einmal zu TGG. Die Bilder mussten teilweise noch angepasst werden. Um 10 Uhr hatte ich eine Informationssitzung an der GBS St.Gallen. Im Moment herrscht ein richtiger Preiskampf unter den Anbietern von Ausbildungen an den Höheren Fachklassen. Ich hoffe sehr, dass St.Gallen da mithalten kann nicht unter die Räder kommt. Ohne die Mithilfe der Politik wird das kaum möglich sein. Der Kanton muss einfach mehr Geld in diese Ausbildungen investieren. 

6. April: Um 14 Uhr habe ich Fred Kurer getroffen. Er besuchte zusammen mit David die Primarschule. Er weiss sehr viel zu berichten über den Menschen und den Künstler. Am Abend hatte ich eine Besprechung in meinem Atelier. Eine Gruppe vom Verein Buchstadt St. Gallen möchten einen Bibliothekrundgang durch die Stadt organisieren.

5. April: Heute Abend war ich das erste Mal bei einer Sitzung von swips in Zürich dabei. An der Neptunstrasse 20 ist ein interessantes Verlegerhaus entstanden.

4. April: Um 8 Uhr ist Roland Stieger vorbeigekommen, um den Buchinhalt zu besprechen. Am Abend hatten wir eine Veranstaltung im Zürcher Literaturhaus mit der Gruppe swips. (swiss independend publishers. Unter Anderem wurde das Vexer - Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller besprochen. Die diskutierende Runde hatte es in sich. Alle waren sehr gut vorbereitet und haben spannende Aspekte diskutiert.

3. April: Monika ist gestern ins Bündnerland gefahren und ich habe mich den ganzen Sonntag mit dem Inhalt vom geplanten Buch über David Bürkler auseinandergesetzt. Die Bilderauswahl muss am Montag fertig sein. Sonst wird es eng.

2. April: Ich bin zeitig nach Zürich gefahren. visarte hat eine Informationsveranstaltung zum Thema Vereinsrecht organisiert. Das war sehr anregend und informativ. Die vielen Fragen haben das Konzept von Frau Baviera ziemlich durcheinander gewirbelt. Um die Mittagszeit herum hatte ich die Befürchtung, dass alle anwesenden Vorstandsmitglieder der visarte Sektionen gleich die Kündigung einreichen wegen der ausführlich beschriebenen Verantwortung. Aber bis zum Schluss hat sich das wieder eingerenkt. 

1. April: Ich habe heute weit und breit keinen Aprilscherz gelesen. Wahrscheindlich habe ich es einfach nicht gemerkt. Am Abend haben wir bei TGG das fertige Layout vom Buch Karl A. Fürer und von Erica Engeler durchgesehen. Roland Stieger hat eine Flasche Weisswein geöffnet. Ein richtig schöner Vor - Premierenabend. Monika hat in der Zeit ein wunderbares Essen vorbereitet. Wir verbrachten einen sehr stimmigen Abend mit Petra Ronner und Peter Schweiger. 

31. März: Am Abend wurde im Kulturraum des Kantons St.Gallen die Ausstellung von Peter Liechti eröffnet. Sein letztes, unvollendetes Filmwerk "DEDICATIONS" wird in einer sehr einfachen und klaren Installation von Yves Netzhammer präsentiert. Die Ausstellung regt sehr dazu an, selber nachzudenken, wie man mit einem unvollendeten Werk im Nachlass umgehen kann. Das ist keine einfache Aufgabe. Es war sehr interessant, mit Yves darüber zu reflektieren. Ein sehr spannender Abend.

28. März: Die Tage in Italien waren prächtig. Eine sehr gute Stimmung, gutes Essen, alten Wein etc. Ich habe sehr viel Waldarbeit erledigt. Das hat richtig Spass gemacht. In den letzten Jahren haben wir sehr viele verbuschte Kastanienbäume gefällt und viele unterschiedliche junge Bäume gepflanzt. Es ist wunderschön zu sehen, wie sich der Wald verjüngt und wie er vielfältiger wird. Durch das Auslichten vermehren sich die Föhren, Eschen und Eiben prächtig. Ich konnte in den letzten Jahren mithelfen, ganz unterschiedliche Räume und Plätze in den verschiedenen Waldstücken zu gestalten. Mein kleiner Mammutbaum ist nun auch schon zwei Meter hoch. Ich musste ihn aber mit einer starken Holzverbauung vor den Rehen schützen. Die Rehe hätten sonst meinen "Felice" kahl gefressen.

23. März: Am Morgen hatte ich sehr viel zu erledigen. Texte schreiben für visarte, komplizierte Telefonate, etc. Punkt 11 Uhr war ich so weit. Wir konnten losfahren nach Italien. 

22. März: heute hatte ich wieder eine Monstersitzung bei visarte in Zürich. Folgerecht, Rechnungsrevision, Jubiläumorganisation etc. Am Abend besuchte ich im Palace die Podiumsdiskussion zum Thema Klanghaus im Toggenburg. Die überraschende Ablehnung von diesem Projekt im Kantonsrat ist mehr als ärgerlich. 2,5 Millionen Planungsgelder sind so vernichtet worden und das notabene von der SVP, die immer vom Sparen redet. Eine Volkspartei müsste sich doch mindestens dafür einsetzen, dass das Volk über ein so wichtiges Kulturprojekt abstimmen kann.

20. März: Wir haben uns spontan entschlossen, die Ausstellungseröffnung im Museum Bickel in Walenstadt zu besuchen. Gezeigt wurden die geförderten Künstlerinnen und Künstler des Kantons St.Gallen. Unter Anderem Katja Schenker, Rachel Lumsden, Veronika Brusa, Stefan Rohner, Jiajia Zhang... Ich war noch nie in diesem Museum. Ein schöner Raum, in dem früher Textilien hergestellt wurden. Am Abend haben wir das Konzert von drei Italienerinnen im Stadthaus genossen. Klein aber fein organisiert immer wieder grossartige Konzerte.

19. März: Heute besuchte ich die Hauptversammlung von XYLON Schweiz. Wir trafen uns im OXYD. Das ist ein wirklich schöner Ausstellungsort in Wülflingen. Die Versammlung war sehr angenehm. Es läuft einiges. In den letzten Jahren ist viel passiert. 

18. März: Gestern besuchte ich die Hauptversammlung von visarte.ost. Im Anschluss gab es einen sehr spannenden Vortrag von Heini Gmeiner über Esel. Diese Tiere haben es in sich. Die Esel - Homepage oder besser den Blog muss ich nächstens besuchen. Im Moment bin ich aber seit Tagen damit beschäftigt, alles Material von David Bürkler zu ordnen und für das Buch zusammen zu stellen. Eine riesige Arbeit, die mir aber auch sehr viel Spass macht. Es bietet mir die Möglichkeit die letzten fünfzig Jahre zurück zu verfolgen und mit meiner eigenen Geschichte in eine Relation zu setzten und zu vergleichen. Da sind mir schon sehr viele Geschichten wieder eingefallen.

Am Abend genossen wir das Fest zum 22 jährigen Bestehen von TGG. Wunderbar. Manuel Stahlberger hatte einen sehr gelungenen Auftritt. 

15. März: Monika und ich fuhren am Abend nach Zürich. Madeleine Dreyfus hatte ihre Buchvernissage. Das Buch mit dem Titel "Ein ziemliches jüdisches Leben Säkulare Idenditäten im Spannungsfeld interreligiöser Beziehungen" wurde sehr sympatisch vorgestellt. Mich erinnerte das Thema an die Geschichte meines Vaters. Er durfte in den fünfziger Jahren seine Liebste nicht heiraten, weil sie eine Reformierte war. In melancholischen Momenten erzählte er immer wieder von dieser ersten grossen und unerfüllten Liebe und dem nachfolgenden katholischen Glück durchdie Heirat mit meiner Mutter. Ja wenn es anders gelaufen wäre, würde ich so nicht existieren. Oder eventuell als kleiner, zuspät gekommener Reformer am Zürichsee.

11. März: Am Morgen mussten wir die vorbereiteten Bücherkisten und die Holzdrucke ins Auto packen. Monika fuhr mich zuerst nach Hochdorf. Alois Hermann organisiert in seinem Ausstellungsraum eine Präsentation von sieben Positionen mit aktueller Druckgrafik. Anschliessend fuhren wir nach Luzern, um den Büchertisch in der Kornschütte aufzubauen. Wir fuhren kreuz und quer durch die autofreie Innenstadt. Natürlich mit einer Bewilligung aber unser Tom Tom konnnte die Reuss nicht von einer Strasse unterscheiden. Das war ziemlich nervig. Ich war für drei Tage engagiert mit dem Vexer Verlag für den Büchermarkt am Luzerner Literaturfest. Ich mache das immer sehr gerne und stehe gerne selber an meinem Bücherstand. Es gibt die Möglichkeit für viele Gespräche und Kontakte mit Kunden und befreundeten Verlegern. Ich konnte an den drei Tagen mindestens zehn Sitzungen abhalten. Am Samstagabend sind wir zusammen mit Erika an die Lesungen im Neubad gegangen. Das war ein sehr anstrengender Marathon. Der Moderator Severin Perrig ist ja wunderbar klug und er war bestens vorbereitet aber er und die Lesenden haben ihre Zeit masslos überzogen. Rolf Lappert, Monique Schwitter, Bettina Spoerri und Adolf Muschg sind ja alles wunderbare Autorinnen und Autoren. Oft vergessen aber Schriftsteller, dass das Publikum ihre Bücher mindestens zum Teil selber lesen möchten.  

10. März: Am Abend besuchte ich die Ausstellung von Harivva Jacobson in der galerie vor der Klostermauer. Sie hat bei einem Spiel im NEXTEX eine Gesprächsstunde mit mir gewonnen. Das Treffen war sehrnett und anregend. Um 19 Uhr bin ich dann an die Eröffnung der Zeichnungsausstellung im NEXTEX gegangen. Lika Nüssli hat eine sehr schöne Ausstellung eingerichtet. Vanja Hutter hat eine wunderbare Arbeit mit Briefen beigesteuert.

9. März: Am Morgen fuhr ich mit Stefan Rohner zum Atelier. Ich machte mit ihm zusammen zwei kurze Videos. Eins für Aura Rosenberg und eins für eine Ausstellungsrekonstruktion in Deutschland. das ging alles sehr zügig. Anschliessend traf ich mich mit Corinne Schatz um alle Schachten mit den Unterlagen von David Bürkler zu durchforsten. Fotos, Zeitungsartikel, Dokumentationen etc. Wir waren den ganzen Tag damit beschäftigt und am Abend waren wir beide fix und fertig.

8. März: Am Morgen früh musste mich Monika zur Körpertherapie fahren. Ich hatte das ganz vergessen. Ich kam knapp aber gerade noch rechtzeitig. Das hat gut getan. meine Beine sind wieder gleich lang, Die Wirbel sitzen und die Rippen sind wieder wunderbar angeordnet. Am Nachmittag brachte mir Adrian Bleisch Material für das geplante Buch über David Bürkler. Langsam verdichtet sich das Konzept. Die Dokumente und Unterlagen sind sehr umfangreich.

7. März: Ein ruhiger Tag. Um 17 Uhr wurde ich abgeholt von Mark Besselaar. Er wollte meine Bibliothek besichtigen. Der Verein Buchstadt St.Gallen plant einen Rundgang in der Stadt von Bibliothek zu Bibliothek.  

6. März: Sonntag. Alles ganz ruhig, abwartend, reflektierend und müde. Ich konnte mich dann durchsetzen für einen gemeinsamen Spaziergang durch den Neuschnee. Das hat gut getan. Auf dem Weg waren wir Zeugen eines unheimlichen Naturschauspiels. Unter uns auf einem Schneefeld rannte eine grosse Feldmaus kreuz und quer über den Schnee. Aus Distanz sah das eher wie ein schnelles Gleiten oder Fahren aus. Ein Hin und Her, wie ein Batteriebetriebenes, von Aussen gesteuertes Spielzeug. Dann passierte das absolut Unerwartete. Ein grosser Milan kreiste plötzlich ganz still über uns. Er segelte in aller Ruhe über dem Schneefeld, zog eine elegante Kurve und griff sich ganz selbstverständlich die Maus. Kein Laut, kein Gepiepse, keine Flucht, kein Kampf. Die Maus schwebte nun ihrem Schicksal hingegeben über die unberührte und schneebedeckte Landschaft. Ein richtig schöner Sonntag für einen ausgewachsenen Vogel. Etwas benommen wanderten wir dann zum Ende der Welt. Vorbei an einem kunstvoll aufgebauten riesigen Holzstoss, der für den heutigen Abend, dem Funkensonntag vorbereitet worden war. Auf dem Weg trafen wir einige verkaterte Spaziergänger und Spaziergängerinnen mit Kindern und Hunden und am Schluss bewunderten wir die "Zündholzfabrik". Ein sehr kleines, gemauertes Häuschen aus dem vorletzten Jahrhundert mit wenigen Fenstern und einem steilen Dach. Nun ja, nicht nur die Appenzeller auch die Zündhölzer sind klein. Da hat auf engem Raum doch einiges Platz.

5. März: Heute wollte ich eigentlich nach Zürich reisen für die Finissage von Hans Jörg Bachmann in der Galerie Claudia Geiser. Ich habe es aber nicht mehr geschafft. Monika ist schon zeitig nach Appenzell zu Carole Forster gefahren, um für den Abend zu kochen. Ich fuhr dann später mit dem Zug nach Appenzell und schaute mir noch die Ausstellung im Kunstmuseum an. Die Malereien von Théodore Strawinsky sind in der Qualität sehr unterschiedlich und nur aus der Zeit heraus zu verstehen. Am meisten beeindruckt haben mich die enorm frischen und in der Dichte des Ausdrucks verblüffenden Kinderzeichnungen des jungen Théodors. Das Museum ist mit der Raumfolge und den Ausblicken wirklich wunderschön. Besser wie das heutige Wetter in Appenzell. Es schneite sehr stark. Ich bin etwa eine halbe Sunde zur Sonnenhalbstrasse gegangen. Fast vor jedem Einfamilienhaus stand ein Schneepflug. Da wurde Schnee geschaufelt, Wege, Stassen und Garageneinfahrten geräumt wie in einem Wintersportort. Ich ging ungeschützt auf der Strasse und wurde mehrmals komplett verspritzt von den vorbeifahrenden Autos. Ich war klatsch nass und trotz meiner Hilflosigkeit erstaunlich gut gelaunt. Ich freute mich einfach auf das Kommende.

Monika und Carol haben mich dann sehr lieb empfangen. In der Küche hing ein feiner Duft von all den Speisen, die sie in stundenlanger Arbeit gemeinsam vorbereitet hatten. Der Starkoch im Hintergrund war Ottolenghi. Ich selber konnte mich nur durch einfache Hilfsdienste wie abwaschen, Petersilie hacken und Prosecco im Keller holen, nützlich machen. 

Eingeladen waren Roman und Aleksandra Signer und Esther und Albert Oehlen. Das war ein unglaublich lustiger Abend mit einem Tisch voll von wunderbaren Gerichten und umwerfenden Geschichten. Roman war in Hochform. Mit seiner Erzählkunst hätte er auch eine Kariere als Alleinunterhalter einschlagen können. Nun ja die Nacht war kurz und ich lag schlussendlich langgestreckt und seelig träumend im dichten Hochnebel an der Sonnenhalbstrasse.

4. März: Ich liebe die Malertage. Wetter gut, Pinsel geschmeidig, Motiv klar, Resultat gelungen. Das nächste bitte.

Am Abend besuchten wir die Vernissage in der Kunsthalle. Zuerst schauten wir uns aber die Ausstellung bei Paul Hafner an. Er zeigt Bilder des unbekannten jungen Malers Lucas Schneeberger. Ich staune immer wieder, wie unbekümmert und hoffnungsfroh gemalt wird. Licht, Farbe, Schichtungen, wenig sichtbare Motive, aufblitzende, gesteigerte Farbigkeit mit lockerer Hand gemalt. Ja dann mal viel Glück.

In der Kunsthalle zeigt Nora Steiner grosse Malereien. Das schwarze Loch, die schwarzen Löcher, die Blicke in die Tiefen oder in die absolute Leere, die Ränder gebrochen in flirrenden Spektralfarben. Das tut gut.

Zu diesem kosmischen Abflug sind in den hinteren Räumen installative Videoarbeiten von Anna Witt zu sehen. Spannende Arbeiten zu unserer Zeit, der millionenfachen Ungewissheit, von der so viele geflüchtete und auch viele vor Ort verharrende Menschen betroffen sind.Ganz speziell an diesem Abend waren die vielen anwesenden Kinder in der Kunsthalle. Einen solchen bunten Rummelplatz von Kindern, notabene alles Kuratoren- und Künstlerinnen-Nachwuchs habe ich noch nie erlebt. 

3. März: Am Morgen hatte ich schon die erste Terminkollision. H.R. Fricker sollte mir ein Muliple "GLOBALTRUEB" vorbeibringen und gleichzeitig musste ich ins Riethüsli fahren für eine Sitzung bei TGG. Ich konnte das dann zum Glück noch klären. Als ich von der Bushaltestelle Richtung Berneggstrasse spaziert bin ist mir Roland Stieger mit dem Auto entgegen gefahren. Er wiederum wollte zu mir an die Brauerstrasse. Manchmal ist es ja wirklich kompliziert. Es hat dann aber alles geklappt. Wir hatten eine sehr konstruktieve Besprechung. Das Buch von Karl A. Fürer und Erica Engeler ist nun gestalterisch geklärt und genau definiert. Nun können wir den Blindband bestellen. Der samtige, textile Umschlag vom Buch ROM wird Kardinalrot mit weisser Prägeschrift. Das wird eine Freude. Am Abend wollten wir eigentlich nach Bern fahren, für die Eröffnung im Kunstraum der Mobiliar. Von Vera wird eine grosse Arbeit gezeigt. Nun ist Vera leider krank geworden und kann nicht in die Schweiz fliegen. Schade, wir hätten so viel zu besprechen...

1. März: Fahrt nach Luzern. Wir haben für unser Fest 150 Jahre visarte.ch einen Informationsanlass organisiert für die Studierenden der HSLU. Wir möchten gerne, dass die Studierenden Vorschläge für Performances, Aktionen etc für unser Fest ausarbeiten. Das Interesse ist gross und Charles Moser hat eine sehr gute Stimmung gemacht für unser Anliegen.

29. Februar: Ich habe heute alle angestauten E-Mails bearbeitet und darob einen Termin vergessen. Das war peinlich, passiert mir aber zum Glück sehr selten.

28. Februar: Wir haben sehr gut und lange geschlafen. Am Nachmittag waren wir verabredet mit Karin Pott. Sie hat sehr viele Werke und Schriften von Helga Sophia Goetze. Ich kenne die Arbeiten der Künstlerin seit dem Film "Rote Liebe" von Rosa von Praunheim. Die Werksammlung und die Schriften sind grossartig. Wir erlebten einen sehr spannenden Nachmittag mit der quirligen Frau Pott. Sie hat immer mehr Werke hervor gezaubert und viel erzählt über die Künstlerin, die spezielle Biographie und über ihre Zeit in Berlin. Als ich 1991 in Berlin arbeitete habe ich Helga Goetze oft protestierend und provozierend gesehen am Kurfürstendamm.

Nach einem gemütlichen türkischen Nachtessen sind wir zum Flughafen gefahren. Unser Flug hatte eine Stunde Verspätung. Wir sind erst um zwei Uhr Nachts zu Hause angelangt. (Total geschlaucht aber sehr zufrieden)

27. Februar. Wir brauchten viel Schlaf. Unser Frühstück nahmen wir erst um 14 Uhr im Restaurant im Bethanien zu uns. Das war etwas lausig. Die waren total ausverkauft. Na ja. Anschliessend haben wir einige Galerien besucht. Wir waren verabredet mit Luigi Kurmann. Er betreibt nun zusammen mit Daniel Marzona eine Galerie an der Friedrichstrasse 17, gleich gegenüber von der Galerie Meyer Riegger. Um 17 Uhr haben wir einen Freund von Vera besucht. Er ist in die neu gebaute Wohnung beim Kottbussertor eingezogen. Eine wunderbare Stadtwohnung. Auf der Vorderseite das pulsierende Stadtleben und hinten die freie Sicht auf einen ganz ruhigen und grossen Innenhof mit altem Baumbestand. Nachher waren wir beim Türken am Schlesischen Tor und am Abend sind wir zum Prenzlauerberg gefahren, in das kleine Kellertheater "Ausland". Ein spezieller Ort. Michael Bartell hat da eine performative Lesung gemacht. Es war auch eine Art Konzert. Michael ist ein Freund von Vera. Er hat für uns 2014 in Leipzig eine Performance dargeboten zu den sieben Seiten Theorie von Erik Steinbrecher. Ja die Lesung im "Ausland" war stark. Vera plant ein Buch mit Texten von Michael Bartell. Darauf bin ich sehr gespannt und freue mich. 

26. Februar: Wir mussten früh aufstehen. Ich bin immer gerne frühzeitig auf dem Flughafen. Unser Flug nach Berlin war sehr angenehm. Um die Mittagszeit waren wir bereits bei Vera in Kreuzberg. Am Nachmittag halfen wir mit bei den letzten Vorbereitungen für die Buchpräsentation von Wolfram Hahn. Jérémie bereitete wunderbare Cuiches für den Abend vor. Vera hat die Fotografien von Wolfram sehr schön gehängt in den neu eingebauten Räumen vom Vexer Verlag. Ich bewundere die planerische Präzision von Vera und ihr Gespür für die richtigen Proportionen und die Materialität bei Umbauten. Die Räume sind wirklich sehr schön geworden und sie sind auch vielseitig nutzbar für Buchpräsentationen, Ausstellungen und Konzerte. Um 18 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Es war sehr schön, viele alte Freunde wieder zu sehen. Das Publikum war sehr durchmischt, interessiert und sehr durstig. Um 19 Uhr eröffneten Vera und ich offiziell das Vexer Büro Berlin. Anschliessend gab es ein eindrückliches Konzert von der Italienischen Musikerin Martha Zapparoli. Sie hat eigens für die Ausstellung der Plastiktüten eine musikalische Interpretation geschaffen. Das war wirklich toll. Der Abend endete für uns in einem Musikclub hinter Bethanien. Das war grossartig. Total schräg aber höchst professionell.  

25. Februar: Am Nachmittag war ich verabredet im Commercio. Nach einer Plauderstunde habe ich den Vorschlag gemacht, gemeinsam die Ausstellung im anzuschauen. In der aktuellen Ausstellung werden florale Textilien gezeigt. Das ist ein wunderbarer Augenschmaus. Immer wenn ich im Textilmuseum bin, werde ich an meine Ausbildung zum Stickereientwerfer erinnert. Das war wirklich eine wunderbare Zeit. Am Abend haben wir die Ausstellung von Karl Führer im Architekturforum angeschaut. Kristin Schmidt und André Gunz haben die Eröffnungsreden gehalten. Das war sehr speziell. André war in den 90er Jahren Kulturbeauftragter der Stadt St.Gallen und Kristin teilt sich nun diese Stelle mit Barbara Affolter. Karl Fürer hat eine sehr starke Ausstellung eingerichtet mit einem sehr schönen Verweis auf seine frühen Arbeiten aus den 70er Jahren. Die grosse Wand ist sehr dicht gehängt mit Werken, die Musik zum Inhalt haben. Diese dichte Hängung erzeugt eine starke orchestralen Klangwelt. 

24. Februar: Am Morgen sind meine Holzdrucke wieder zurück gebracht worden. Ausstellungen gehen immer so schnell zu Ende. Ich konnte die Wartezeit gut nutzen, um die Bücher zu richten, die ich an das Literaturfest in Luzern mitnehme. In der Kornschütte findet vom 11. bis 13. März wieder ein grosser Buchmarkt statt. Ich freue mich darauf. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Bücher mit Künstlerinnen und Künstlern aus Luzern gemacht. Am Abend sind wir zu Carole Forster nach Appenzell gefahren. Sie feierte ihren 55. Geburtstag. Ich liebe diese Art von Hausfestern. Eine offene Stube, es kommt wer Lust und Zeit hat. Jeder Gast ist eine Überraschung und eine Bereicherung für die Tischgesellschaft. Das war wirklich vom Feinsten. Auf der Rückfahrt hat es extrem geschneit. Monika musste sehr vorsichtig fahren. Auf der Strecke gab es mehrere kleine Unfälle. 

23. Februar: Am Morgen früh hat mich Marcel Zünd abgeholt. Er ist neuer Leiter des Museums in Altstätten. Ich war noch nie an diesem Ort, obwohl ich ja in Oberriet aufgewachsen bin. das Schloss Prestegg ist ein imposantes Gebäude. Der Aufbau einer guten Ausstellung  braucht aber sicher grosse Anstrengungen. Das Museum entstand nach einem Festspiel das zum Gedenken an die Schlacht am Stoss durchgeführt wurde. Der Waffensaal ist daher stark bestückt mit Originaltrommeln, Gewehren, Hellebarden und weiteren mörderischen Waffen. Lustig ist, dass es aber auch billig gemachte Attrappen gibt, die damals für das Spiel hergestellt worden sind. Im Keller steht ein frühes "Ambulanzfahrzeug".  Eine Art Sänfte, in der die Halbtoten sitzend ins Spital oder zum Doktor getragen werden konnten. Ein wunderbares Sammelsurium an mehr oder weniger wertvollen Dingen aus den Bürgerstuben der Region. Ich bin gespannt, was marcel alles erreichen kann um das Museum wieder in Schwung zu bringen. Am Nachmittag hatte ich ein Treffen mit der Agentur Alltag, um das Konzept für das visarte Fest weiter zu entwickeln.

Am Abend trafen wir Jeanne Devos in der Lockremiese. Wir haben uns gemeinsam das Stück "Illusionen" von Iwan Wyrypajew, dem Russischen Schauspieler, Regisseur und Autor angesehen. Das Stück hat mich nicht so gepackt. Es geht um die Illusionen von Ehepaaren, die sich quer durch gemeinsame Freundschaften das Leben lang etwas vormachen und sich gegenseitig betrügen. Ich stehe auf Ehrlichkeit. Der Text scheint mir aus einer anderen Zeit zu stammen. Wer eine Beziehung als zu eng oder gar als Gefängnis empfindet, sollte doch schnellst möglich etwas daran ändern. Ja es war aber doch ein lustiger Abend. Peter Schweiger war zufällig auch da und somit hatten wir eine interessante Runde vor und nach dem ganzen Theater. 

22. Februar: Ich bin mit dem Zug nach Luzern gefahren. Ich traf mich um 12.00 im Storchen mit Maria Josefa Lichtsteiner und ihren beratenden Freunden zu einem kleinen Essen und einer anschliessenden Layout - Schlussbesprechung für das geplante Buch "Herbarium der Sehnsucht" das im Mai erscheint. Im Aktsaal der Schule für Gestaltung an der Rössligasse war das ganze Buch ausgelegt. Ich habe nach diesem Treffen ein sehr gutes Gefühl. Die junge Grafikerin Katja Bruhin ist für die Gestaltung zuständig. Ich freue mich schon, dieses Buch in den Händen halten zu können.

20. Februar: Ab 17 Uhr hatten wir eine unterhaltsamen Jassabend mit Freunden die wir leider viel zu selten sehen, gute Spiele, gute Gespräche und einen wunderbaren Stampf aus Kartoffeln und Süsskartoffeln, einem Mischgemüse und einem sehr feinen Hackbraten nach Art der Hutters. Auf meinem Holzherd geschmort, ich sage dir...

19. Februar: Ich habe den ganzen Tag mit Fotografieren und Malen verbracht. Um 18 Uhr hat mich Elisabeth Nembrini abgeholt für eine Veranstaltung vom Lehrgang HF Bildende Kunst. Im Schulhaus Bild trafen sich rund 25 interessierte Künstler - innen und Menschen aus dem Kulturbetrieb, die bereit wären, in Zukunft Praktikanten aus dem Lehrgang zu betreuen. Der Anlass war sehr lebendig und inspirierend. Alex Messzner hat das sehr gut vorbereitet. Nun ist einfach zu hoffen, dass sich genügend Studierende für den neuen Lehrgang anmelden bei der GBS in St. Gallen.

18. Februar: Am Abend fuhr mich Monika mit dem gesamten Vexer Verlagsprogramm nach Zürich zur "Kassette," dem Raum für Projekte, gleich um die Ecke beim Kunsthaus, an der Wolfbachstrasse. Michael Guggenheimer und Regula Ehrliholzer haben mich eingeladen, den Verlag zu präsentieren. Die Räume sind sehr angenehm und beherbergten früher den Pendo Verlag. Ich habe mich sehr schnell wohl gefühlt. Nach einer kurzen Besprechung haben wir die Bücher ausgelegt und tranken dann in einer Bar ein Glas Weisswein zur Auflockerung. Vor solchen Auftritten bin ich immer ein bisschen angespannt. Ich hatte keine Ahnung wie viele Leute dass kommen würden. Viele hatten sich abgemeldet wegen den Sportferien. Es waren dann über zwanzig sehr interessierte Bücherfans anwesend und die Stimmung war ausserordentlich konzentriert. Es hat richtig Freude gemacht vor diesem Publikum zu referieren. Die dreissig Jahre Verlagsarbeit haben wirklich viele Geschichten hervorgebracht. Nach all den Gesprächen und Begegnungen sind wir zurückgefahren und gönnten uns dann zu Hause noch einen Schlummerbecher, um den Abend noch einmal zu reflektieren. Solche Abende machen wirklich Freude und sind sehr motivierend mit der Arbeit weiter zu machen.

17. Februar: Am Morgen bin ich mit dem Sanitär beschäftigt. Wir suchen das Leck in der Wasserleitung. Wir haben uns dann schnell entschieden alle alten, rund sechzig Jahre alten Leitungen im Untergeschoss  zu ersetzen.  Ach wie ich doch unvorhergesehene Unterhaltsarbeiten liebe. 

16. Februar: Meine kleine Bilderserie wächst und wächst. Zwischendurch habe ich mich mit einer Wettbewerbsausschreibung beschäftigt. Der Künstler Ronald Kocher möchte den Prix Kocher lancieren. Er möchte etwas tun gegen den Landverschleiss beim Bauen und dafür sucht er gute Ideen. Dieser Wettbewerb wird nächstens ausgeschrieben für alle aktiven visarte Mitglieder. Am Morgen ist der Wasserstand Ableser von der Stadt St.Gallen gekommen. Wir haben festgestellt, dass unser Wasserverbrauch extrem hoch ist. Irgendwo scheint eine Leitung undicht zu sein. Aber wo?

15. Februar: Habe heute den ganzen Tag gemalt, zwischendurch dutzende von  Mails geschrieben, mich verständigt und ausgetauscht und habe viele wunderbare Antworten auf Fragen erhalten. Am Abend bin ich nach Winterthur gefahren für eine XYLON Sitzung. Ich bin so froh, dass wir die neuen drei Zeitschriften mit sehr guten Künstlerinnen und Künstlern machen können. Ich freue mich auch über die spontane Zusage der jungen Künstlerin Gabriela Jolowicz aus Berlin. Das wird eine sehr gute Sache.

14. Februar: Am heutigen Sonntag sind wir spät aufgestanden. Elsbeth, eine von unseren Lieblings -Nachbarinnen hat zum Brunch geladen. Geburtstage sind immer spezielle Ereignisse. Ich staune immer wieder welche Köstlichkeiten in unserem Freundeskreis bei solchen Anlässen aufgetragen werden. Feinste Käse und Tapas, direkt aus Spanien, klassische und neue Küche vom Pfarrer Künzler und Herrn Kneip werden aufgetischt. Heute konnte die Neuentdeckung Ottolenghi getestet werden. Im kulinarischen Bereich geht das viel einfacher wie im persönlichen. Aber es ist immer schön, gute Freundinnen und Freunde zu sehen, von 25 bis 70, viele Überraschungen in Gesprächen und in den Gesten zu sehen und den politischen Meinungen der Gäste zu folgen. Wir alle werden ungewollt und unfreiwillig radikaler in unserem Ausdruck, in der Gestik, in den Haltungen und im schnellen Altern aber oft auch mit grossem Spass.

13. Februar: Heute hatte ich einen Termin zum Haare schneiden. Christian Suter hat einen sehr schönen Laden im Linsenbühl in St.Gallen. Querschnitt heisst sein Salon. Monika und ich waren etwas zu früh und sind herumspaziert im Quartier. Im Basar Bizzar von Anita Sonnabend haben wir Halt gemacht. Wir waren eine Woche zu früh. Die Eröffnung der Ausstellung von Hans Guggenheim, dem Schwiegersohn von Ben Ami findet erst in einer Woche statt. (Eine Frage: wer kennt Ben Ami?) Na ja es ist ein Kommen und Gehen. Wie gesagt ich hatte meinen Friseur Termin. Ich habe das sehr genossen. Im Stuhl hängen und zuhören wie die Welt funktioniert. Das macht einfach Spass. Und wenn man nachher das Gefühl hat etwas jünger aus zu sehen schwebt man dann richtig durch die Gassen. Es war lustig. Monika hat mich abgeholt und wir schauten uns noch ein paar Häuser an. Man weiss ja nie wenn man neue Räume braucht.

Am Abend waren wir dann bei Ursula und Martin in Gais eingeladen. Fasnachtsamstag. daran habe ich gar nicht gedacht. In Gais geht ja richtig die Post ab mit der Kinderfasnacht am Nachmittag (Kinderfasnacht am Nachmittag geht doch eigentlich gar nicht - oder?) Am Abend dürfen nur die Grossen, die Starken und die Schönen. ja und wir waren zum Essen eingeladen zusammen mit drei wirklich lustigen und quicklebendigen Kindern, die mir durch ihr Wesen und ihr eigenwilliges Verhalten vorgelebt haben, dass wir gar nicht so angepasst geboren werden wie das viele gerne hätten. Ursula hat gut gekocht und Martin als ehemaliger Koch vom Sternen durfte wie wir einfach mitessen. Nach so einem Abend muss man ja nicht nur das Essen verdauen. Die Gespräche können oft auch recht schwer aufliegen.  Aber das war ein guter Abend. Danke - Danke!   

12. Februar: Schon seit geraumer Zeit bin ich immer wieder damit beschäftigt, wie wir unser visarte Jubiläumsjahr nutzbringend gestalten können. Dazu gehört das Erarbeiten von Inhalten, Pressekontakte, das organisieren von einem hochkarätigem Patronatskomitee, die Bewerbung von unserem Fest am 19. November in Viscositadt etc. Was mir grosse Freude bereitet sind die vielen positiven Signale, die von ganz unterschiedlichen und von überraschenden Seiten kommen. Wir werden kein DADA, sondern ein fetziges JETZT Fest feiern.

11. Februar: Meine Bilderserie wächst täglich weiter. Am Nachmittag kam dann etwas Stress auf. Wir fuhren nach Zürich um das Theaterstück "La Chemise Lacoste" im Theater an der Winkelwiese anzuschauen. Das Stück von Anne Lepper wird nur noch heute und morgen gespielt. Die Schweizer Erstaufführung ist wirklich stark. das Stück handelt vom erbarmungslosen Kampf der Unterschicht um Anerkennung in unserer "besseren" Gesellschaft. Wir haben letzthin Jeanne Devos zufällig beim Text lernen im Zug getroffen und sie hat uns begeistert von diesem Stück erzählt. Wir wollten Jeanne nach ihrem Prolog aus "Lächerliche Finsterniss" im Stück von Wolfram Lotz natürlich auch als Kay erleben. Die Rolle ist erbarmungslos und fordert der Schauspielerin alles ab. Dieses erbarmungslose Ausgesetztsein bis zum bitteren und brutalen Ende hat mich sehr betroffen gemacht. Ein grossartiger Abend mit Jeanne Devos, Vivianne Mösli, Matthias Roth und Alexander Maria Schmidt. 

10. Februar: Nach dem gestrigen Fest musste ich schon um 6.30 Uhr aufstehen. Die Agentur Alltag hat mich für eine Sitzung um 7.30 Uhr ins Büro bestellt. ich glaube die wollten mir einfach zeigen, was Alltag wirklich heisst. Wir haben die ganze Werbung für das Jubiläumsjahr von visarte.ch besprochen. Es gibt nun eine dreistufige Zündung in Form einer Bildabfolge. Dann haben wir ein 1. Mai Plakat entwickelt. Unsere Vorgängerorganisation GSMB wurde ja am 1. Mai 1866 in Genf gegründet. An vorderster Front waren Gottfried Keller, Frank Buchser, Rudolf Koller und Ernst Stückelberg mit dabei. Die Fragestellungen sind immer noch die gleichen. Vieles konnte in den letzten 150 Jahren erreicht werden aber die Altersvorsorge, das Folgerecht, die breite Anerkennung von Künstlerinnen und Künstlern in der Gesellschaft und die gemeinsame Solidarität sind wichtige Eckpunkte, die immer wieder diskutiert und verhandelt werden müssen.

Am Abend habe ich wieder einmal einen Risotto im Baratella gegessen und dabei über die grossen Zeiten der Erker Galerie nachgedacht. Franz Larese und Jürg Janett sassen hier Nächtelang mit den Geistesgrössen ihrer Zeit aus der Literatur und der Kunst und becherten Literweise Bordeaux. Es ist richtig brutal, dass das alles nicht mehr real existiert. 

9. Februar: Heute war Patrick Graf bei mir im Atelier. Er fragte mich schon im Sommer an, ob er einmal bei mir im Atelier eine Holzskulptur machen könnte. Ich gab Patrick einen Schnellkurs in der Handhabe der Kettensäge. Entstanden ist eine etwa 90 cm hohe, schwarze Skulptur mit einem gekrönten Menschen und einem Vogelkopf. Ich war ziemlich angespannt. Es ist gar nicht einfach zu zu schauen, wenn jemand das erste Mal mit der Motorsäge hantiert. Patrick hat das aber sehr schnell kapiert. Nun steht diese schwarze Figur als Geschenk in meinem Atelier und wacht über meine Werke.

Am Abend hatten wir eine Vernissage bei uns zu Hause. Drei neu entstandene Bilder von Monika, Marina und Annina - nach Bob Ross sind gefeiert worden. Der Wasserfall fliesst munter weiter. Carol Forster hat eine wunderbare Vernissage - Rede gehalten. Dazu gab es Kartoffelsalat und Wienerli. Ich denke Bob hätte seine helle Freude an diesem Kunstkonzept von Vanja.

8. Februar: Ich habe im Moment grosse Lust zum Malen. Im Moment staune ich, wie die DADA Welle in allen Zeitungen, Radio und Fernsehen etc. über die Schweiz schwappt. Die ganze Bewegung wird vermittelt wie wenn dada eine super lustige, avantgardistische, heitere Modeströmung gewesen wäre.  Es war die bitter Not, das blanke Entsetzen vor der Kriese und dem schrecklichen Krieg. dada war Ausdruck des absoluten Nullpunkts.

7. Februar: Ein ruhiger Sonntag mit einem schönen Spaziergang durch Wälder, über Hügel und Wiesen. Am Abend ein wunderbares Fischessen.

5. 6. Februar: Heute fuhr ich früh nach Zürich. Visarte ruft und Felix fährt hin. Eine weitere Sitzung zum Folgerecht. Am Mittag musste ich gleich wieder zurück, denn um 16 Uhr wurden wir abgeholt für das Theaterstück Checkpoint Säntis, das zur Zeit im alten Berghotel auf der Schwägalp gespielt wird. Das war ein wunderbarer Abend. das Stück spielt um und im alten Hotel. das Gebäude ist total verwinkelt, wie das Stück selber auch. Vier Zuschauergruppen werden parallel und spielerisch auf verschlungenen Wegen durch die vielen Treppenhäuser, Installationen, Gänge und Räume geführt. Die Geschichte stellt die immer gleichen Fragen nach Veränderung, Familie, Besitz, Geld und Macht und Politik. Eine starke Leistung von einer hoch motivierten Theater Laien Gruppe. Der Plot wurde direkt in den Proben entwickelt und ist etwas plakativ geraten. Ein unterhaltsamer Abend mit einer Übernachtung im neuen Hotel, mit einem Säntis - Gipfel - Frühstück, vielen Jasspartien und weiteren lustigen Begebenheiten. Mit einem Spaziergang im Toggenburg, Schnorziflade bei uns zu Hause und weiteren Jasspartien bis zum bitteren Ende. Wenn man genug lange Jasst verliert man immer irgendwann. 

4. Februar: heute Morgen hatte ich wieder einmal eine Körpertherapie. Meine linke Schulte plagt mich oft. Die Meditation hat mich richtig schweben lassen in Nebelfetzen der Grundfarben. Ich war aber sehr erstaunt, dass überhaupt keine Bilder aufgetaucht sind. Eine Stunde lang nur farbiger Nebel. Mein Kopf scheint total leer gefegt zu sein. Ich habe dann den ganzen tag gemalt. Irgendwie muss ich ja zu meinen Bildern kommen. Am Abend besuchte ich die aktuelle Ausstellung von einem Flüchtling aus dem Iran in der Galerie an der Klostermauer. Ich konnte so gleich auch die kommende Präsentation vom Vexer Verlag in der Kassette in Zürich besprechen, die Michael Guggenheimer organisiert. Die Präsentation findet statt am Donnerstag, 18. Februar 2016 um 19.30 Uhr. Kassette für Projekte. Wolfbachstrasse 9. 8000 Zürich. Gleich beim Schauspielhaus. 

3. Februar: Heute habe ich die wunderbare Nachricht erhalten, dass das Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller als eines der schönsten Schweizerbücher von 2015 ausgewählt wurde. Ich freue mich sehr auch für die Gestalterin Krispin Hée und den Gestalter Sämi Bänziger und für das Team der DZA in Altenburg, die das Buch produziert haben. In diesem Jahr wurden von 400 Eingaben 18 Bücher ausgezeichnet. Bei diesem Projekt hat einfach alles geklappt. Grossartig.

Am frühen Abend hat mich Monika nach Nendeln begrleitet. In der Kunstschule von Liechtenstein gab es einen Informationsabend über den Berufsverband visuelle Kunst. Die Lichtensteiner Künstlerinnen und Künstler bilden seit Januar 2016 eine eigene Sektion von visarte.schweiz. Der Anlass war sehr gut besucht. ich hielt ein Referat zur Einführung und anschliessend diskutierten wir gemeinsam Fragen zur Kulturpolitik, zu Ankäufen, günstigen Atelies,   

2. Februar: Am Morgen musste ich rechtzeitig im Atelier an der Haggenstrasse sein. Seit unserem Fest 30 Jahre Vexer Verlag ist das Interesse gross an unseren Publikationen. Im Moment ist mein Atelier total aufgeräumt. Ich muss möglichst bald wieder einen Baumstamm bearbeiten. So ganz ohne Späne sieht alles etwas zu cool aus.

1. Februar: Es macht Spass, Bilder immer wieder vom Positiven ins Negative zu treiben. Vom Hell ins Dunkel zu verwandeln oder wenn die Laune gerade danach ist einfach schwarz zu zumalen. Und dann passiert es, dass ein Bild sich wie von selbst malt. Ferdinand Gehr fühlte sich zum Beispiel von Engelsflügeln getragen. Ich empfinde mich und meine Arbeit oft eher vom Elefanten zertrampelt oder von der Springmaus gefressen. Am frühen Abend bin ich nach Winterthur gefahren. Wir hatten eine Redaktionssitzung von XYLON bei Kaspar Toggenburger. Wir sind eine sehr spezielle und heterogene Gruppe aber wir finden uns immer erstaunlich schnell in unseren Entscheidungen. Ich hoffe, dass alle ausgewählten Künstlerinnen und Künstler mitmachen. Ich freue mich auf die neuen drei Nummern. 

30. Januar: Eigentlich wollte ich heute nach Biel fahren zur Ausstellungseröffnung von Clare Goodwin. Monika ist aber krank geworden und dann habe ich mich anders entschieden.Da sagen doch viele immer wieder, wie klein doch die Schweiz sei. Nun habe ich mir aber gerade sechs Stunden Zugfahrt erspart. Die Ausstellung von Clare werde ich mir aber sicher anschauen und ich schaue, dass ich mit meiner eigenen Malerei weiterkomme. 

29. Januar: Die letzten Wochen habe ich wieder mit Malen begonnen. Es ist sehr speziell. Plötzlich überkommt es mich und die Bilder entwickeln sich in ihrem eigenen Rhythmus.  Es gibt auch so Konstellationen wo einfach ohne Mühe sehr spezielle Fotos gelingen. 

28. Wir haben kurz aber gut geschlafen in Genf. Am Morgen mussten wir früh aufstehen Für ein Frühstück hatten wir keine Zeit. Unser Zug fuhr um neun Uhr. Ich musste um 12 Uhr in Zürich sein für eine lange visarte Sitzung. Ja das waren sehr anstrengende aber spannende Tage. Ich konnte schon einige interessante Persönlichkeiten gewinnen für das Patronatskomitee für unser grosses Jubiläum 150 Jahre visarte.schweiz.

27. Januar: Wir besuchten am Morgen den Künstler Nikola Zaric in seinem sehr schön gelegenen Atelier über dem Genfersee. Nikola hat sich eine ganz eigene künstlerische Arbeits- und Lebenswelt geschaffen mit all seinen Fabelwesen. Das ist wirklich eindrücklich und sehr sympatisch. Gegen Mittag sind wir dann weiter gefahren nach Genf. Wir besuchten zuerst das MAMCO. Da wird die Abschiedsausstellung des Direktors gezeigt. Eine Revue über seine 20 Jahre Ausstellungstätigkeit. Es ist sehr schön einen so eigenen Blick auf die Kunst und die Welt zu erleben. ONE MORE TIME. L'EXPOSITION DE NOS EXPOSITIONS. Die Ausstellung ist sehr zu empfehlen. Anschliessend besuchten wir die Ausstellung von Francis Baudevin in der Galerie Skopia. Er beschäftigt sich mit Symbolen und Signeten, die er dann als Konstruktive Malerei zelebriert.

Ja und dann suchten wir unser Hotel beim Flughafen. Wir waren eingeladen von der Mobiliar für die Vergabe des Prix Mobiliar an der Genfer Kunstmesse. Unsere Tochter Vera Ida Müller war für diesen Preis nominiert und konnte vier riesige Malereien präsentieren. Das war ein sehr schöner Abend mit vielen bekannten Gesichtern, gutem Essen, guten Gesprächen und viel guter Kunst.

26. Januar: Ich bin gemeinsam mit Monika nach Lausanne gefahren für die Verleihung des Preises für die Vermittlung visueller Kunst. Der Preis wird das fünfte Mal vergeben vom Schweizer Kunstverein und von visarte.schweiz. Die Preisvergabe fand im Kino Bellevaux statt. Jean Pierre Hobby sprach über die Idee des Preise, ich erläuterte den Ablauf und die Diskussionen in der Jury mit Gerhard Mack, Roland Roos, Andrea Saemann, Jean Francois Steiert und mir. Die Ständerätin Géraldin Savary hielt die Laudatio für die Preisgewinner "art&fiction" aus Lausanne. Das war eine sehr sympatische Feier mit einem stark verbindenden Moment der unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Es war sehr schön, dass dieser Preis in die Romandie vergeben werden konnte. Monika und ich blieben in Lausanne und verbrachten einen schönen Abend mit Nikola Zaric.

25. Januar: Ich habe am Abend die Vernissage im Museum im Lagerhaus besucht. <Die von Gurs> - Kunst aus dem Internierungslager der Sammlung Elisabeth Kasser. Die Ausstellung ist erschütternd.

24. Januar: Heute waren wir eingeladen zum Sonntagsbrunch im NEXTEX. Anlässlich der Ausstellung "Heimspiel"  wurde eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern ausgelost für ein gemeinsames Morgenessen. Die Vorstandsmitglieder von Visarte Ost haben selbst gebackene Brote aufgetischt, drei Minuten Eier gekocht, Kaffeemaschienen bedient und eine wunderbare Atmosphäre verbreitet. Ich hatte dann die Gelegenheit viele Dokumentationen anzusehen, von Kunstschaffenden. Rund hundert Dokus sind im NEXTEX zu sehen in einer witzigen Installation. Schön war es für mich wieder einmal mit Stefan Bauer zu reden. Ich konnte mich nur noch schwach daran erinnern, dass wir vor vierzig Jahren nebeneinander gezeichnet hatten in der Stickfachschule. Er hat dann die Ausbildung zum Textilentwerfer abgebrochen und ist in die Industrie gegangen. Stefan verschenkt heute seine Zeichnungen, um dem Kunstmarkt und den Galerien das Fürchten zu lehren, wie er sagt. Er hat sich ein ganz bescheidenes Leben eingerichtet, mit einem ganz bewussten und radikalen Konsumverzicht. Er empfindet das als seinen persönlichen Beitrag, um den Planeten Erde zu retten. Monika und ich haben uns dann je eine Zeichnung von ihm schenken lassen. Ein guter Sonntag.

23. Januar: Ein schöner Samstag mit intensiven Gesprächen, schönem Spaziergang, vielen Ideen und feinem Essen. 

22. Januar: ich habe den ganzen Tag geschrieben und Konzepte vorbereitet. Dank einer Bücherbestellung fuhr ich zur Hauptpost mit meinem Paket. Spontan habe ich dann noch die Ausstellung von Vera Marke in der Galerie Paul Hafner angeschaut. Über den neuen Bildern von Vera Marke liegt ein irritierender grauer Nebel, was angesichts der politischen Lage nicht erstaunt. Die Farbe ist verschwunden und die (Sorgen) Falten sind nicht kleiner geworden. bei diesem Besuch ist mir schmerzlich bewusst geworden, wie viele Galerien und Ausstellungsräume in den letzten Jahren in St.Gallen verschwunden sind. Felix Buchmann, Susanna Kulli, Agathe Nisple, Alfons Keller, Wilma Lock, Die Erker Galerie von Jürg Janett und Franz Larese,der Werkstall von Alexandra Osterwold, die deutsche Galerie an der Unterstrasse, deren Namen ich schon vergessen habe etc. etc. St.Gallen ist ein hartes Pflaster geworden für die Kunst und für die Kunst produzierenden. Da reicht auch ein gutes Kunstmuseum und eine aktive Kunsthalle nicht.

21. Januar: Am Morgen hatte ich noch Zeit, ein passendes Foto auszuwählen von David für den Nachruf in Saiten. Zum Glück war Franziska Messner-Rast  sofort bereit, ein Foto freizugeben. Franziska ist eine grossartige Portraitistin. Um 10 Uhr musste ich bereits wieder auf den Zug. Ich hatte eine visarte Sitzung im Schweizerhof in Bern. Ich wollte unbedingt mit dem drei Uhr Zug nach Luzern fahren. So hatten wir die Gelegenheit viele Traktanden vorzubereiten und in Luzern noch das Kunstmuseum zu besuchen. Die Ausstellung von Michael Buthe sah ich nun das zweite Mal. das mache ich sehr gerne. So kann ich mit einem neuen "Tagesblick" meine Meinung zur gezeigten Kunst noch einmal hinterfragen und überprüfen. Buthe hat vieles vorweg genommen. Ein grosser Meister der verzaubernden Rituale.

Anschliessend hatten wir eine Besprechung an der HSLU für unser Fest "150 Jahre visarte.schweiz", das wir in den neuen Räumen in Viscosistadt feiern werden. Paul Gruber hat mir dann auf der Rückfahrt im Zug nach St.Gallen alte Räubergeschichten aus dem Rheintal erzählt. Wenn all diese dunklen und absurden Geschichten verjährt sind, würde ich die gerne in einem "Rheinbuch" im Vexer Verlag herausgeben. Ich bin in Oberriet aufgewachsen aber meine Zeit als junger Erwachsener habe ich bereits in St.Gallen erlebt. Da war alles doch schon etwas zivilisierter.   

20. Januar: Ich musste früh aufstehen. Peter Surber möchte, dass ich für das Kulturmagazin Saiten  einen Nachruf an David Bürkler schreibe. Der muss bis Mittag in der Redaktion sein. Um 10 Uhr habe ich einen Telefontermin mit dem Vertriebsleiter Patrick Schneebeli von Scheidegger & Spiess. Ich interessiere mich für SWIPS. Das ist eine Gruppe von Verlagen, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben. Der Vexer Verlag ist als Kleinverlag auf Vernetzung und Gedankenaustauschj angewiesen. Das Gespräch war sehr spannend und aufschlussreich. 

19. Januar: Am Abend war ich eingeladen zu einer Besprechung von Buchgestaltungen von Studierenden der HSLU im Sitterwerk. Mägi Zumstein und Valentin Hauri waren das zweite mal mit ihren Studenten für einen Workshop im Sitterwerk. Die Studierenden hatten die Aufgabe, ein fiktives Buch zur Stiftung Sitterwerk und zur Kunstgiesserei zu entwerfen. Ich habe mich gefreut, dass alle Studierenden wie das letzte Mal den Vexer Verlag als Lieblingsverlag auf das Cover gesetzt haben. Mich hat das sehr belustigt und beehrt. Bei der Besprechung wurde klar, dass es für Aussenstehende sehr schwierig ist, die Stiftung Sitterwerk und die Kunstgiesserei auseinander zu halten. Die verschiedenen Bereiche wie die Bibliothek, das Materialarchiv, das Kesselhaus, die Werkstätten und die Giesserei  sind in den letzten Jahren zu einer grossen kulturellen Institution zusammen gewachsen. Nach einer sehr lebhaften und und inspirierenden Diskussion mit der Beteiligung von einigen jungen Gestalterinnen und Gestaltern aus St.Gallen kochte und servierte Roland Früh und sein Team ein feines Nachtessen für die Teilnehmenden. An diesem Abend habe ich auch endlich die junge Künstlerin Miriam Sturzenegger kennengelernt. Ich schätze ihre Arbeit sehr und ich freue mich, dass sie von visarte.schweiz ausgewählt wurde für einen Atelieraufenthalt in Paris. Nach dem Essen habe ich einen Spaziergang gemacht bis zur Bushaltestelle. Ein leichter Regen hielt michfrisch und wach, um den Abend zu reflektieren. 

18. Januar: Heute nahm ich den acht Uhr Zug nach Zürich. Wir hatten eine sehr anstrengende Startersitzung, um das Fest 150 Jahre visarte zu diskutieren. Die Sitzung dauerte für mich bis zum Abend.  

17. Januar: eigentlich wollten wir um 10 Uhr den Musiksonntagost von klein aber fein in St.Gallen besuchen. Ein Kulturtag mit Lesungen und Musik im kaf. Vor allem die Lesung von Erica Engeler hätte ich gerne erlebt. Wir sind aber total verschlafen. Sorry. Am Abend habe ich dann von Corinne Schatz erfahren, dass David am Samstag 16. Januar im Spital verstorben ist.

16. Januar 2016: Wir sind mit dem Zug nach Basel gefahren. Um 15 Uhr begann im Schaulager eine Feier für Jean-Christoph Ammann. Rund vierhundert Freunde von Jean-Christoph versammelten sich da, um den unvergesslichen und leidenschaftlichen "Direktor der Kunst" zu würdigen. Sir Nichlolas Serota, Bice Curiger, Stephan Balkenhol, John Armleder, Anna Winteler, Stefan Banz, Gilli Stampa und Werner von Mutzenbecher trugen persönliche und teils sehr berührende Erinnerungen mit Jean-Christophe vor. Das anschliessende Konzert von Charlemagne Palestine war sehr schön. Ich konnte in meinen Gedanken abtauchen in meine frühe Zeit als Künstler. Jean-Christoph hat in den frühen 80er Jahren sehr viel für mich getan. Er hat mich entdeckt, gefördert und er hat mir vor allem eine grosse Sicherheit gegeben, die ich damals in meiner künstlerischen Entwicklung dringend brauchte. Ich weiss nicht wie ich den Skandal von Fribourg, als meine Bilder vom Staatsanwalt aus der Ausstellung heraus beschlagnahmt wurden ohne den Rückhalt von Jean-Christoph geschafft hätte. Er war ein Mensch, der an die Kraft und an die Energie von Kunst geglaubt hat. Seine Leidenschaftlichkeit im Umgang mit Kunst hat mir immer Mut gemacht und ungeahnte kräfte verliehen.

Es war unglaublich wie viele Freundinnen und Freunde aus dem Kulturbetrieb der letzten 35 Jahren an diesem Anlass mit dabei waren. Ich hatte das Gefühl, dass meine Batterien wieder richtig aufgeladen werden. Lieber Jean-Christoph ich danke dir.

Nach einem Essen in der Kunsthalle sind wir dann in der Nacht mit dem stark verspäteten Nachtzug erst um ca. 2 Uhr Morgens wieder in St.Gallen eingetroffen. 

15. Januar: um 12 Uhr hatte ich eine Besprechung mit Maria Josefa Lichtsteiner und der jungen Grafikerin Katja Bruhin aus Luzern. Wir planen ein Buch mit dem Titel: "Herbarium der Sehnsucht". Die Buchpremiere und die Garteneröffnung von Maria wird am 8. Mai im Bruder Klaus Museum in Sachseln stattfinden. Ich glaube dieses Buch wird wunderbar. Dieses Projekt entstand im Rahmen des Kunstprojekts "Sehnsucht", das die Albert Köchlin Stiftung ausgeschrieben hatte.
Nach der Sitzung bin ich mit Monika zusammen nach Chur gefahren für die Ausstellungseröffnung von Lilly Keller  in der Galerie von Thomas Zindel. Ich kenne Thomas seit den ganz frühen 80er Jahren und habe ihn aber seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Lilly ist einfach grossartig. Ich bewundere ihren Schwung und ihre Unerschrockenheit in der Produktion von Kunst. Wir konnten nicht lange bleiben, weil ein Freund von uns mit einer Geburtstagsüberraschung im Hotel und Restaurant "Wunderbar" in Arbon geehrt werden sollte. Das ist ein sehr spezieller Ort. Das Gebäude wurde als Landipavillon für die EXPO 64 in Lausanne gebaut , anschliessend abgebrochen und in Arbon wieder aufgebaut. Der sehrschöne,  schlicht gehaltene Pavillon diente lange Zeit als Kantine der Firma Saurer - oder war es Sulzer? Egal, der Abend in Arbon hat Spass gemacht.

14. Januar: Nach dem Mittagessen habe ich einen langen Besuch im Kantonsspital gemacht. David war sehr müde und schwach. Er konnte kaum sprechen aber er war immer wieder kurze Momente ganz wach. Zur Beruhigung lief klassische Musik im Hintergrund. Die Zeit, die ich in grosser Stille neben David verbrachte, war für mich ein schöner und meditativer Abschied von einem ganz einzigartigen Künstlerkollegen. 

13. Januar 2016: Heute habe ich erfahren, dass David Bürkler in der Nacht mit einem Oberschenkelhalsbruch in das Kantonsspital eingeliefert werden musste. Ich habe meine Teilnahme an der grossen Sitzung "Urheberrechtsgespräch" vom Donnerstag in Bern absagen müssen, um mich um David zu kümmern.  Ich hatte dann einen einsamen Schreib- und Büro- Tag. Manchmal komme ich kaum von meinem PC los. Texte schreiben, Konzepte entwickeln, Briefe schreiben, Rechnungen bezahlen, Anfragen beantworten, viel Telefonieren und organisieren. Erholsam ist es dann zwischendurch wenn ich einfach Bücherpakete vorbereiten und zur Post bringen kann. ich verbinde diese Arbeit immer mit einem Spaziergang. Wenn es sehr viele Bestellungen zu erledigen gibt, fahre ich dann mit meinem "Geschäftswagen" zur Post. Das ist mein alter, klapperiger Fahrradanhänger. Um 17 Uhr hatte ich eine Sitzung mit der Fachkommission HF bildende Kunst, die ich seit einigen Jahren präsidiere. Ich habe den Bus verpasst und bin das erste Mal zu spät gekommen. Das hat mich sehr peinlich berührt. Na ja - wir haben dann doch alle Fragen in der geplanten Zeit durchdiskutieren können. Ich hoffe sehr, dass der nächste Lehrgang wieder durchgeführt werden kann. Die Konkurrenz von den Fachschulen Zürich, Basel und Luzern ist sehr gross. 

12. Januar: Ich hatte am Morgen ein gutes Telefongespräch mit Franziska Messner-Rast. Sie hat viele Fotos gemacht von David Bürkler und von seinen Werken anlässlich der Ausstellung in der Galerie Adrian Bleisch 2014. Es ist beruhigend zu wissen, dass sehr viel Fotomaterial archiviert ist. Am Nachmittag habe ich viele alte Editionen vom Vexer Verlag verpackt, die ich Vera schon vor Jahren geschenkt habe. Nun gibt es zufällig eine Möglichkeit die Sachen endlich nach Berlin zu bringen. Am Abend habe ich  zusammen mit Corinne Schatz Gret Graf getroffen, um das geplante Buch über David Bürkler zu besprechen. Ich freue mich sehr auf dieses Projekt und hoffe, dass es David schon bald wieder besser geht. Er musste vor Weihnachten in die Geriatrie eingeliefert werden zur Erholung. 

10. Januar: Gestern Abend hat Monika ein feines Geburtstagsessen für gute Freunde von uns gekocht. das war ein sehr lustiger Abend mit erhellenden Anekdoten aus dem Alltag einer Familie mit drei Söhnen. Heute sind wir zu einem traditionellen, familiären Lachs-essen eingeladen. 

9. Januar: Heute habe ich eine überraschende Anfrage bekommen. Schüler und Schülerinnen, die die Berufsmatura machen, wollten einen Kommentar von mir zu einem Kunst am Bau Projekt. Jetzt habe ich Lust diesen Text zu veröffentlichen.

Hier mein Text:

Doppelfigur, 1993, Pappelholz

Bildungsdepartement Kanton St.Gallen, Davidstrasse 31

Sehr geehrte J. B. und Mitschüler,

Es freut mich, dass ihr euch mit meiner Holzskulptur "Doppelfigur" von 1993 auseinandersetzt. Die Skulptur habe ich speziell für diesen Ort gemacht. Den Auftrag bekam ich von der Helvetia Versicherung, die damals in diesem Gebäude arbeitete. Das Gebäude war frisch renoviert und die Kunstkommission der Versicherung fragte mich an, ob ich ein Kunstwerk für das Foyer machen würde.Ich hatte die Idee, in diesem Raum eine Skulptur zu entwickeln, die von beiden Seiten die gleiche aufstrebende Figur darstellt, die nur leicht in der Bewegung variiert. Ich wollte, dass die Besucher die das Gebäude durch den Hintereingang betreten die vermeintlich gleiche Figur sehen, wie die Benutzerinnen des Vordereingangs.

Mich interessiert in meiner Arbeit der Moment der Bewegung. Eine Holzskulptur verharrt ja nach der Vollendung in der immer gleichen Pose. Mit meinem "Trick", die gleiche Figur zweimal mit der Motorsäge in das Holz zu schneiden verwandelt sich diese "Starre" in eine leichte, tranceartige und fast tänzerische Bewegung. Ich habe damals vor allem Männer dargestellt weil ich als Mann mich selber als mein Modell empfand.

Kunst heisst ja immer auch zu reflektieren. Ich bin also nicht nur mein eigens "körperliches Modell" sondern auch mein eigenes "Denkmodell". Nicht nur unser Körper bewegt sich - auch unser Geist ist in dauernder Bewegung. Dabei ist nicht alles durch uns steuerbar. Es gibt Zufälle, Überraschungen, neue Erkenntnisse und Begegnungen, die unser Leben und unser Handeln mitbestimmen. Das ist auch in der Kunst so. Das Ungewisse, das Unbekannte, das Überraschende ist für mich bei jeder künstlerischen Tätigkeit eine Herausforderung und ein grosser Spassfaktor.

In einer Empfangshalle begegnen sich immer wieder Menschen die sich nicht kennen. An diesem Ort kommen nun noch meine zwei nackten Männer als weiteres irritierendes Element dazu. Es könnte ja sein, dass diese Doppelfigur etwas in den Betrachterinnen und Betrachtern auslösen kann. Dass ER die Menschen daran erinnert dass wir alle nackt geboren sind und dass Kleidung, Schmuck und Reichtum Zugaben sind, die wir uns selber erarbeiten müssen. Da stellt sich dann für uns Menschen (und da gehören auch die Männer dazu) die grosse Frage nach unseren Werten, unserer Solidarität, unserer sozialen Haltung und unserem Sinn für Gerechtigkeit.

Ein sehr spezieller und interessanter Faktor bei Kunst am Bau ist die Langzeitwirkung eines Kunstwerks. Menschen die an diesem Ort über längere Zeit arbeiten und die täglich mehrmals an dieser Doppelfigur vorbei gehen, entwickeln eine ganz persönliche und sich immer wieder verändernde Beziehung zu diesem Werk. Ein Kunstwerk garantiert in unserer schnelllebigen Zeit Sicherheit und Konstanz, die uns oft fehlen, unabhängig davon ob uns das Werk gefällt oder nicht.

Josef Felix Müller, 09.01. 2016

 

8. Januar: Heute hatte ich eine lange und interessante Sitzung bei der Agentur Alltag. Wir haben das Jubiläum 150 Jahre visarte.ch besprochen. Nach der Sitzung musste ich vom Riethüsli zu Fuss bis zum Marktplatz gehen. Die ganze Stadt war wegen zwei Unfällen verstopft. Ich musste dann mit dem Taxi nach Hause. Wir erwarteten Besuch und als Feuermeister war Pünktlichkeit angesagt. Monika hat wunderbar gekocht und der Abend war sehr unterhaltsam.

6. Januar 2016: Gestern habe ich den ganzen Nachmittag gekocht. Wir haben alle Helfer-innen eingeladen, die beim Vexer Fest mitgeholfen haben. Menga, Vanja, Eva, Carole, Elsbeth und Walter. Um 19 Uhr sassen wir draussen am Feuer und genossen ein Tomatensüppchen von Monika. Um acht gingen wir ins Haus. Ich servierte ein feines Pilzgemüse, Spinat, Bohnen mit verschiedenen Karotten und einem Peruanischen Gemüse (Name vergessen) und selbst geschnittene Pommes aus dem Backofen und dazu Fischfrikadellen nach einem Israelisch - Syrischen Rezept. Dazu einen feinen Rotwein, von dem ich ehrlich gesagt einiges zu viel getrunken habe. Heute war ich erst am Mittag wieder einsatzfähig. 

2016: Das Jahr hat gut begonnen.

Die Festtage waren wunderbar. Viel Familie, gute Zeiten, zusammen mit Vera, feinstes Essen, gute Gespräche. Ich schwebe immer noch auf der Wolke des grossen Festes zum 30 jährigen Vexer Jubiläum. 

19. Dezember: Monika und ich entschlossen uns für einen grossen Spaziergang über die Ecken. In den drei Stunden hatten wir die Zeit, alles Erlebte der letzten Tage noch einmal an uns vorbeiziehen zu lassen. Ich kann mich nicht an einen so schönen und sehr warmen Dezembertag erinnern. Das war einmalig aber diese Wärme gibt einem auch zu denken. Wo führt das hin?

Am Abend testen wir die neue Küche im Restaurant Kurzeck. Brasilianisch. Bin gespannt.

18. Dezember: Am Morgen hatte ich mich mit Matthias Stebler für einen Bildertransport verabredet. Ich wollte die neusten Bilder ins Atelier transportieren und ein paar ältere Malereien mit nach Hause nehmen. Bilderwechsel macht immer Freude. Ich blieb dann gleich im Atelier, um eine ganz neue Ausstellung einzurichten. Am kommenden Montag erwarte ich wichtigen Atelierbesuch. 

Am Abend lud Paul Rechsteiner zu einem Fest für die vielen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Raum für Literatur. Ich habe meinen ehemaligen Chef wieder einmal getroffen. Otmar Elsener war in den 70er Jahren Direktor von Jacob Rohner in Rebstein, wo ich die Berufslehre als Stickereientwerfer absolviert habe. Das war eine wirklich gute Zeit.

17. Dezember: Wir trafen heute Morgen als Delegation von visarte.ch die Leute von der Alltag Agentur, um das visarte Jubiläumsjahr zu besprechen. 2016 feiern wir 150 Jahre Berufsverband visuelle Kunst. Das Gespräch war ausgiebig und spannend. Am Mittag gab es wunderbaren Lachs und etwas gehetzt fuhren wir gemeinsam nach Zürich um die nächsten Kandidaten für die Festorganisation zu treffen. Nach einer intensiven Diskussion haben wir uns für die Agentur Alltag entschieden. Die sind sehr kompetent und bieten für alle Aspekte die wir brauchen gute Lösungen. Nun habe ich ein sehr gutes Gefühl aber es gibt natürlich noch sehr viel zu tun.

Anschliessend folgte noch eine Sitzung zu den Finanzen. Drei Minuten vor mein Zug losgefahren wäre ist mir eingefallen, dass ich kein Ticket habe. Ich musste durch den ganzen Bahnhof rennen bis ich einen Ticketautomaten fand. Ich fühlte mich ziemlich balabala und war nicht mehr fähig die Zeitung zu lesen. Also schaute ich in die dunkle Nacht hinaus und merkte in St.Gallen, dass während der Zugfahrt gar nichts war. Keine Gedanken, keine Ideen, kein Hunger, rein gar nichts ausser der beruhigender Dunkelheit.

15. Dezember: Ich freue mich auf den Nachmittag. Roland Stieger von TGG kommt vorbei, um die ersten Buchentwürfe zu präsentieren für das geplante ROM Buch von Karl A. Fürer und Erica Engeler.

14. Dezember 2015, Ich bin emotional richtig weich geklopft vom wunderbaren Fest. Alles ist bereits aufgeräumt und ich warte auf den Weinhändler, der die Gläser wieder abholen will. Retouren gibt es keine. Die paar wenigen Flaschen, die nicht ausgetrunken worden sind behalten wir für den Privatgebrauch. Der fahrer von Martel ist so nett und nimmt gleich auch das ganze Altglas mit. Etwas wehmütig stapfe ich durchs Atelier. Was kommt als Nächstes? Wie geht es weiter? Der Atelierraum ist erfüllt von guten Energien und ich hoffe, dass das für immer so bleibt. 

13. Dezember: Gestern waren wir schon früh an der Haggenstrasse, um das Fest fertig vorzubereiten. Es war fulminant. ich glaube bis um 20 Uhr waren mehr als 500 Freunde und Bekannte in meinem Atelier. Ich war überrascht, dass schon die ersten Lesungen mit Thomas Müllenbach und Walter Morgenthaler sehr gut besucht waren. Die Performance von Monika Günther und Ruedi Schill war sehr berührend. Dann hat Carole Forster vom Bücherladen Appenzell das Buch über die Künstlerin Lilly Keller vorgestellt. Carol hat einen wunderbaren Text zum Buch vorgetragen und das Publikum total begeistert. Vera und Krispin präsentierten das neu erschienene Buch von Wolfram Hahn, das sie zusammen konzipiert haben. Das ist das erste Buch, das Vera in Berlin realisieren konnte. Ein richtig kompetenter und toller Auftritt. Die Lesung von Rolf Winnewisser hat mir auch sehr gut gefallen. Ich liebe es, wenn man sich einfach so in einen Text hineinbegeben kann. Hörend denken, abschweifen und doch immer wieder den inhaltlichen Pfad durch das Vorgetragene findend. Ein absoluter Höhepunkt war dann die Performance von Jeanne Devos. Sie trug den Prolog aus dem Hörstück " Lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz vor. Ein tiefsinniger Text mit vehementer Kraft vorgetragen von einer jungen und höchst begabten Schauspielerin. das war grosse Kunst. Anschließend sprach Martin Heller über das Verlegen, das Suchen und das Finden. Eine tiefsinnige, menschliche und auch humorvolle Würdigung der Verlagsarbeit. Das war richtig schön. Dann hat mich Monika überrascht mit einer berührenden Liebeserklärung. Sie hat erzählt wie glücklich sie als ehemaliges Tankstellenmädchen ist, die einen Bauernbuben heiraten konnte, der sich ohne künstlerische Sozialisation in die Kunstwelt hinein begeben hat und der sie in diese kulturellen Gefilde mitgenommen hat. Der Bauernbub bin natürlich ich und wir haben das grosse Glück, dass unsere Tochter ganz selbstverständlich und autonom in diese kulturelle Gemeinschaft hinein gewachsen ist.  

Den ganzen Nachmittag haben Paco und seine Frau wunderbare Risotto Varianten gekocht. Carol und Eva haben mit viel Charme an der Bar gearbeitet, Vanja und Walter betreuten den Büchertisch und Monika, Menga, Elsbeth und Thamar waren für das Wohl der Gäste besorgt. Vera und ich versuchten die Kunst zu vermitteln und ich war für die Moderation zuständig. Die große Entspannung trat dann ein beim Konzert von Tamara Weibel und Ursula Bachmann. Sie beglückten uns mit Liebesliedern.

Ich möchte mich bei allen Helferinnen und Helfern, bei allen Künstlerinnen und Künstlern und bei allen Gästen bedanken, die uns ein so tolles Fest erleben ließen.

 11. Dezember: Vera und ich haben den ganzen Tag an unserer Jubiläumsausstellung gearbeitet. Das kommt gut. Am Abend sind wir an die Ausstellungseröffnungen im Kunstmuseum und in der Kunsthalle gegangen. Das Heimspiel ist immer ein sehr besonderer Anlass. Ich habe erst das zweite Mal mitgemacht. Dieses Jahr fand ich es sinnvoll meine neuen Holzdrucke für die Ausstellung einzureichen. Es hat geklappt und nun hängen 17 Drucke mit meinen Menschenbildern im Museum. das war ein guter Abend mit vielen Begegnungen.

10. Dezember: Am Morgen ist Roman Signer ins Atelier gekommen. Er war verspätet. Die ganze Familie ist verschlafen an diesem Morgen. Roman hat mir seine Edition gebracht. Ich habe einen richtigen Lachanfall bekommen. Er hat Brillen auf eine ganz spezielle Weise in Postpakete eingepackt. Aus den flachen Paketen schauen die Brillenstäbe aus zwei Löchern, wie die Fühler von Insekten. Gegen Mittag ist Vera von Berlin eingetroffen. Gemeinsam haben wir die Platzierung der Spezialeditionen im Atelier besprochen und Monika hat den ganzen Tag wunderbar gekocht. Es gab einen orientalischen Abend mit superfeinem Essen zu unserem gemeinsamen Geburtstag. Manchmal lohnt es sich, genau nach Rezepten zu kochen. Es gibt spezielle Gerichte, die man sonst geschmacklich nie erleben könnte. Ich fühlte mich ungefähr wie Alice im Wunderland. Hat die eigentlich auch gegessen in ihrer Geschichte?

9. Dezember: Am Morgen war ich verabredet mit Brigitte Schmid und Hanspeter Schiess vom St.Galler Tagblatt. Brigitte wird einen Artikel für unser Fest schreiben. Fotografiert werden am Morgen ist gar nicht ohne. Ich fühlte mich etwas gstabig. Es hat dann aber doch Spass gemacht. Am Nachmittag musste ich im Atelier sein. Das Haus wurde neu geschätzt. 

8. Dezember: Sitzung in Zürich. Visarte ruft. 

6. Dezember: Wir verbrachten einen geruhsamen Sonntag und genossen den Besuch der jungen Familie von Christian. Mit Christian zusammen habe ich das Kunst am Bau Projekt für das Stadtmuseum in Aarau praktisch umgesetzt. Das war wirklich eine lehrsame und gute Zeit. Am Abend haben wir einen zügigen Spaziergang rund um den Guggeienwald gemacht. Nach dem berauschenden Fest brauchten wir etwas frische Luft.

5. Dezember: Heute haben wir spontan den Wein ausgewählt für unser grosses Fest. Wir mussten auch noch Gasflaschen besorgen. Dann habe ich den ganzen Tag im Atelier gearbeitet und am Abend fuhren wir nach Heiden. Ralph Hug hat mit 61,5 Jahren seinen sechzigsten gefeiert. Das war eine spannende und unterhaltsame Gesellschaft. Töbi Tobler und Ficht haben uns musikalisch unterhalten und ein wunderbares Konzert vorgetragen. Schön dass die Beiden wieder zusammen unterwegs sind.

4. Dezember: Am Morgen früh genoss ich meine Therapie. Theresa knetet mich wie einen Brotteig und nach der Stunde fühle ich mich wie ein Butterzopf. Ich spüre meinen Körper nun sehr viel besser. Meine Entscheidung nach den Sommerferien mehr auf mein Gewicht zu achten hat sich gelohnt. Ich habe rund 12 Kilo abgenommen. Das macht richtig Spass. Am Abend hat Monika ein wunderbares, leichtes Essen zubereitet. Wir verbrachten einen sehr schönen Abend mit Lilian und Paul.

3. Dezember: Am Nachmittag habe ich mich mit Marcus Gossolt verabredet, um über die Jubiläumsaktivitäten der visarte ch zu sprechen. Wir feiern 2016 unser 150 Jahr Jubiläum. Das gibt viel zu tun macht aber grosse Freude. 

2. Dezember: Heute Vormittag habe ich in der Stadt einen guten Freund getroffen, der mehrere Kulturstiftungen präsidiert. Er konnte mir sehr gute Tipps geben, wie wir die Finanzierung unserer Buchprojekte verbessern können. Ich habe einmal mehr gemerkt, wie wichtig es ist gute Beziehungen zu pflegen. Ich bin da oft etwas zu schüchtern und zurückhaltend. Am Abend haben wir in der Lokremiese eine sehr schöne Theateraufführung gesehen, zur Novelle "Der Baron auf den Bäumen." Das Stück für drei Personen hat uns sehr überzeugt.  Regie: Nelly Bütikofer

Sprecher: Horst Warning Cello/Stimme: Johanna Schaub,  Schlagzeug: Maris EgliRegie: Nelly Bütikofer

Sprecher: Horst Warning Cello/Stimme: Johanna Schaub,  Schlagzeug: Mar30. November: Am Morgen war ich verabredet mit einem Transporteur, um eine Tonne Holz zu entsorgen von Skulpturen die ich zersägt hatte. 

Dann war noch ein Transport angesagt für meine 17 Holzdrucke, die ich an der Ausstellung "Heimspiel" im Kunstmuseum St.Gallen zeige. Alles hat wunderbar geklappt. Das grosse Aufräumen ist bald beendet und meine Atelierräume können für das Vexer Fest am 12. Dezember vorbereitet werden.

29. November: Am Freitag sind wir nach Esslingen gefahren um unsere Freunde Renate, Malina, Christian und die süsse Hündin Pucki zu besuchen. Das war alles sehr lustig, intensiv und anregend, inklusive Tanzeinlage nach einem Schweinebraten mit Knödeln und Blaukraut vom Feinsten. Am Samstag besuchten wir ein Schloss in der Nähe von Esslingen mit einer Ausstellung von Naiver Malerei und anschliessend fuhren wir nach Marbach zum Deutschen Literathurarchiv. Das alte Schloss und vor Allem der Neubau von Chiperfield sind grossartige Räume mit sehr schönen Lösungen für die Präsentation von Manuskripten. Einzigartig!

Auf der Rückfahrt nach Esslingen hat uns Christian noch eine Reihe von riesigen Säulen gezeigt, die als Geschenke von Hitler an Mussolini gedacht waren. Die Steinsäulen stehen heute noch in Reih und Glied vor dem Steinbruch.

Am Sonntag haben wir einen wunderbaren Spaziergang gemacht auf einem Höhenweg über dem Neckar. 

26. November: Jetzt geht es los mit dem Buch von Karl A. Führer und Erica Engeler. Am Nachmittag habe ich Roland Stieger von TGG getroffen um die Gestaltung zu besprechen. Das wird ein sehr schönes Buchprojekt.

25. November: Am Montag und Dienstag war ich im provisorischen Büro vom Bündner Kunstmuseum in Chur mit jurieren beschäftigt. Mit dabei waren die Journalistin Gisela Kuoni, die Kunsthistorikerin Mara Züst, der Künstler Gioni Signorell und Lynn Kost der Konservator vom Bündner Kunstmuseum. Das waren zwei intensive Tage. Über 140 Künstlerinnen und Künstler haben Arbeiten eingegeben zum Thema "Archive". Die Qualität von vielen eingereichten Arbeiten hat mich begeistert. Es ist immer interessant, in einer Runde von Fachleuten so ausgiebig über Kunst zu diskutieren. 

Am Sonntagagabend sind wir ins Sitterwerk gefahren. Um 17 Uhr wurde eine Ausstellung mit Zeichnungen eröffnet, die von Roland Früh kuratiert worden ist, mit Skizzen aus den Arbeitsprozessen, Zeichnungen und vielen Büchern zum Thema. 

Nach einer feinen Kastanien - Pilzsuppe zeigte uns Felix Lehner in einer Privatführung den grossen neuen 3D Printer. Im Moment sind wieder sehr interessante Kunstwerke in Arbeit, unter Anderem ein bemalter Bronzeabguss von einer frühen Skulptur von Robert Indiana. Das Sitterwerk ist schon seit Jahren ein wunderbarer Kraftort der Kunst. 

21. November: heute hatten wir unsere Gruppenkonferenz von visarte in Zürich. Es ist immer sehr schön, Künstlerinnen und Künstler aus allen Sektionen zu treffen und die anstehenden Probleme zu diskutieren. Zu Gast war Anina Schenker vom Verein Kleio. Sie hat uns dieses interessante Tool vorgestellt, das geeignet ist für Werkverzeichnisse, Nachlassverwaltungen und für die Erstellung einer Homepage. Dann hat sich das Performance Art Network Punch vorgestellt durch Pascal Grau und Judith Huber. Am Nachmittag standen die Jubiläumsaktivitäten im Mittelpunkt. visarte feiert 2016 das 150 Jahre Jubiläum. Die Sectionen haben ihre Ideen erläutert, die sie im nächsten Jahr unter dem Label "Tour de Suisse" durchführen wollen. Das war ein richtig spannender und kreativer Nachmittag.

20. November: Am Morgen früh erwarteten wir die Holzereqippe. Unsere Buche im Garten ist einfach zu riesig geworden. Mit einem gigantischen Kran wurde Stück um Stück des Baumes aus unserem Garten gehoben und direkt in einem überdimensionalen Container zersägt. Am Mittag war bereits alles aufgeräumt. Unser Haus ist nun wieder Lichtdurchflutet und wir müssen nicht mehr bei jedem Sturm Angst haben, dass der Baum auf unser Haus fällt.

Am Nachmittag war ich an einer Sitzung in Zürich mit dem Zentralvorstand von visarte Schweiz.

19. November: Regine Helbling und ich waren für visarte schweiz eingeladen vom Dachverband Kunsthandel Schweiz, um in Bern an einem Gespräch zum Folgerecht teilzunehmen. Mit dabei waren zudem Sylvia Furrer, Geschäftsführerin Kunstmarkt Schweiz, Dr. Anke Schierholz, Justiarin VG Bild-Kunst Bonn, Dr. Werner Stauffacher, Vizedirektor Pro Litteris, Dr. Kuno Fischer, Präsident Auktionatorenverband, und Michael Haas, galerist in berlin und Zürich. Das Gespräch war sehr interessant, an- und aufregend. Ich hoffe natürlich, dass auch in der Schweiz das Folgerecht als Teil des Urheberrechts gesetzlich verankert wird.  

18. November: Ich war den ganzen Tag mit den nächsten Buchprojekten beschäftigt. Das Organisieren der Finanzierung ist immer sehr aufwändig. 

17. November: Am Freitagmorgen in der Früh sind Monika und ich nach Berlin geflogen. Wir fuhren dann direkt mit dem Taxi zu Vera. Jérémie und Vera haben eine wunderschöne neue Wohnung gefunden. Nach einem Kaffee haben wir einen langen Spaziergang gemacht durch Kreuzberg, zur Markthalle und dann zum Atelier von Vera an der Köpenicker Strasse. Die riesigen neuen Bilder von Vera sind sehr beeindruckend. Wir haben lange diskutiert. Vera ist für den Kunstpreis der Mobiliar Versicherung nominiert und sie wird darum die Bilder im Januar an der Kunstmesse in Genf präsentieren können. Ich hoffe natürlich, dass wir dann nach Genf fahren können. Am Nachmittag haben wir einige Läden abgeklappert. Ich habe mir dann eine neue Wintergarderobe angeschafft. In der Nacht kamen dann die Meldung über die Anschläge in Paris. Die Stimmung war sehr bedrückend. 

Am Samstag waren wir das erste Mal in der  Sankt Hedwigs Kathedrale. Die Kuppel ist sensationell. das Bauwerk soll renoviert werden. Ich freue mich, dass Leo Zogmeier für die Kunst verantwortlich ist. Anschliessend haben wir die Ausstellung von Paul MCCarthy im Schinkel Pavillon angeschaut. Seine Arbeit "Horizontal" von 2012 ist eine lebensgetreue Nachbildung des nackten Körpers des Künstlers. Er liegt in horizontaler Lage auf einem grossen Tisch. Der Körper sieht so echt aus, dass man meint, den Künstler atmen zu hören oder zu sehen, dass er sich leicht bewegt. Mich hat das als Betrachter fasziniert aber gleichzeitig auch unangenehm berührt. Merkwürdigerweise fühlt man sich selber als Voyeur beobachtet. Das Voyeuristische wird im Erdgeschoss noch verstärkt durch die skulpturale Videoinstallation "That Girl T.G. Drawing Table - Drawing" (2011-2013) Am Sonntag sahen wir dann eine weitere grosse Arbeit von McCarthy im Hamburer Bahnhof. Berlin war wieder sehr intensiv. Bei mir sind viele Erinnerungen hochgekommen von meinem Gastjahr 1991 beim DAAD. Ich lebte und arbeitete damals in einer riesigen Wohnung neben Bethanien. 

Am Montag früh sind wir wieder nach Kloten geflogen. Ich musste direkt weiter nach Bern für eine Sitzung zum Folgerecht. 

12. November: Heute fahre ich nach Luzern. Ich wurde angefragt, ob ich ein öffentliches Gespräch mit  dem Kurator der Manifesta von 2016 an der HSLU machen würde. Christian Jankowski ist ein wirklich interessanter Künstler Kurator. Ich habe die letzten Wochen viel recherchiert und habe sehr spannende Artikel gefunden. Der Abend ist gut gelungen. Wir mussten das Gespräch auf englisch führen. Christian hat einige Videos von frühen Arbeiten präsentiert und sein Konzept für die Manifesta erläutert. Die Rückmeldungen von den Studierenden und von den Dozierenden zu diesem Abend waren sehr gut.

11. November: Im Atelier gibt es langsam wieder etwas Platz. Aufräumen hat immer etwas erleichterndes und reinigendes. Es entsteht wieder Raum für neue Ideen und Projekte. Die Einladung zur Ausstellung Heimspiel ist auch eingetroffen. ich werde eine Serie von Holzschnitten von meinen Menschenbildern  im Kunstmuseum St.Gallen zeigen. Darauf freue ich mich. Ich habe beim Heimspiel nur einmal mitgemacht, da ich immer dachte ich möchte meinen Platz für junge Künstler freihalten. 

10. November: Am Nachmittag hatte ich ein Treffen in Zürich. Wir suchen einen Organisator für den Künstlerball zum 150 Jahr Jubiläum von visarte Schweiz, das in einem Jahr in Luzern gefeiert werden wird. Am Abend waren wir eingeladen zum Freundesessen in der Kunsthalle St.Gallen. Giovanni machte eine Führung durch die aktuelle Ausstellung und anschliessend wurde die legendäre Fischsuppe von Agathe Nisple serviert. Wir haben uns wunderbar unterhalten mit Marianne und Jürg Manella und mit Annette und Peter Nobel. Manchmal entstehen ja überraschende und stimmige Diskussionen. Rolf Graf hat ein schönes Jahresblatt für die Freunde der Kunsthalle gestaltet. Ein wirklich gelungener Abend.

9. November: Am Morgen wurden die Bücher von Wolfram Hahn angeliefert. Das erste Buch, das Vera in Berlin herausgegeben hat. das war ein langer und anstrengendes Projekt. Es hat sich gelohnt. Das von Krispin Hée gestaltete Buch ist grossartig. Der philosophische Text von Prof. Catherine Malabou ist ein Wurf.

Am Abend besuchte ich die Veranstaltung im Palace. Die Kulturkommission der Stadt St.Gallen vergab den Anerkennungspreis, die Förderpreise und die Werkbeiträge. Das war ein buntes Grüppchen aus allen Generationen und Kultursparten. Ein richtig lebendiger und inhaltlich spannender Anlass. Ich freue mich für alle Ausgezeichneten und gratuliere herzlich.

8. November: Wir sind früh aufgestanden und nach einigem Murren war ich für eine grössere Bergtour bereit. Vom Hohen Kasten aus sind wir auf dem Grat zum Restaurant Stauberen gewandert. Nach einer Gulaschsuppe ging es auf dem steilen Abstieg weiter zum Sämtisersee und dann zum Ruhesitz. Der Sämtisersee ist zur Zeit wegen der anhaltenden Trockenheit nur noch eine Pfütze. Die Wanderung dauerte rund fünf Stunden bis Brülisau. Der Tag weckte Erinnerungen an das dreitägige Symposion "Berg und Zeit", das ich zusammen mit Marion Thielebein 1997 in Brülisau, auf dem Hohen Kasten und in der ganzen Umgebung organisierte. Ich muss wieder einmal das Filmmaterial sichten. Das wäre sicher spannend nach zwanzig Jahren. Das war ein guter Tag.

7. November: Heute Abend waren wir zu einem Privatkonzert eingeladen. Der Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert wurde gespielt. Als Müller und als Müllerin fühlten wir uns natürlich total angesprochen. Es war ein toller musikalischer Höhepunkt. An diesem Abend habe ich erstmals die über 90 jährige Künstlerin Marie-Cécile Boog kennengelernt. Ich schätze ihre Arbeiten sehr. In St.Gallen hat sie vor langer Zeit den Brunnen vor Katharinen geschaffen und lustiger weise haben wir uns Beide in den letzten Wochen mit den Sibyllen Weissagungen beschäftigt. Cornel Dora von der Stiftsbibliothek möchte von uns kolorierte Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert herausgeben als Weihnachtskarten. Ich habe die Holzschnitte einfach mit einem TV-Testbild unterlegt. Nun wirken die Motive wie Kirchenfenster.

6. November: Am Morgen früh traf ich Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur  im Café ST GALL in der neuen Bibliothek in der Hauptpost. Ich wollte einige Projekte vor besprechen. Es ist schon sehr angenehm, wie sich die kulturelle Situation in den letzten 40 Jahren kontinuierlich verbessert hat. In den frühen achtziger Jahren, als Rennward Wyss das Amt als Kulturbeauftragter leitete wurden jeweils die Gesuche mit dem Rotstift korrigiert. Rennward Wyss ging nur auf absolut fehlerfreie Gesuche ein. In der Zeit "brannte" Zürich und in St.Gallen herrschte der Rotstift.

Am Abend traf sich unsere ganze Familie bei Ursula und Martin Zwyssig im Sternen Gais zur Metzgete. Ursula und Martin  schliessen in den nächsten Wochen das Restaurant. Die Gastronomie ist wirklich sehr schwierig und anstrengend geworden. Ich habe mir einen Schlachtteller geleistet. Das war wirklich ein guter Abend mit einem glücklichen Stück Schwein im Magen.

5. November: Heute musste ich schon um halb sechs aus den Federn. ich musste an eine Baustellenbesichtigung in der Viskosestadt in Emmenbrücke. Die Fachhochschule Luzern bekommt dort wunderbare neue Räume. Wir möchten in diesen Räumen gerne im November 2016 das Jubiläumsfest 150 Jahre visarte.ch mit einem Künstlerball feiern. Die Besichtigung und die Gespräche waren sehr konstruktiv. das hat richtig Freude gemacht. Nach dem Mittagessen habe ich mir die Ausstellung von Michael Buthe im Kunstmuseum angeschaut. Eine ganz wunderbare Retrospektive. Mir wurde plötzlich klar, wie stark Buthe in den sechziger und siebziger Jahren auch die Schweizer Kunstszene beeinflusst hat. Toni Gerber in Bern hat damals mehrere Präsentationen mit dem Künstler gemacht. Leider habe ich das damals als kleiner Bauernbub und Landei verpasst.

Am Nachmittag hatte ich dann noch zwei Sitzungen wegen anstehenden Buchprojekten. Ich konnte zum Glück alles an diesem Tag erledigen. Die dauernde Reiserei durch die halbe Schweiz braucht sehr viel Zeit.

4. November: Heute werden die Bilder zurückgebracht von der Ausstellung "die Welt retten, Arche" in der Kunsthalle Palazzo in Liestal, die von Matthias Aeberli und Elisabeth Heller kuratiert wurde. Zur Ausstellung ist ein schönes kleines Buch erschienen.

Nach dem Einlagern der Bilder habe ich wieder einmal einen riesigen Murks veranstaltet. Ich zersägte unter ziemlich gefährlichen Bedingungen eine alte Skulptur in mehrere Stücke. Das alte Ulmenholz ist extrem schwer. Die einzelnen Stücke hatten sicher mehr als hundert Kilo und dieses Gewicht musste ich mit einem ausgeklügelten System auf den Boden bringen. In solchen Momenten fühle ich mich stark wie ein Pyramiedenbauer.

Am Abend war ich völlig zerkratzt und geschunden und musste noch an eine Sitzung von der Fachkommission HF Bildende Kunst.

3. November: Um sechs Uhr bin ich schon aufgestanden um rechtzeitig in der Therapie zu sein. Mein linker Arm wird immer besser. Am Nachmittag machte ich zusammen mit Vanja die Eingaben für die schönsten Schweizerbücher beim Bundesamt für Kultur. Das ist immer ein ziemlich nerviges Verfahren am PC. Ohne Handy geht gar nichts. Diese Abhängigkeit von  technischem Sondermüll bringt mich immer an meine nervlichen Grenzen.

2. November: Heute früh bin ich wieder zum Zahnarzt gefahren. Der Zahn erlebte schon in meiner Lehrzeit in den siebziger Jahren eine Wurzelbehandlung. Das hat den grossen Vorteil, dass an diesem Stockzahn schmerzfrei herumgebohrt werden kann. Nun sieht der Zahn aus wie ein kleines Möbelstück mit verzahnter Keramik und Amalgam. Eine gelungene Miniskulptur in meinem Mund zum Beissen. Super schön.

Um 17 Uhr traf ich die junge Schauspielerin Jeanne Devos beim Marktplatz. Ich habe sie bei einem Stück von Wolfram Lotz im Theater Winkelwiese in Zürich erlebt. Ich war so begeistert, dass ich ihr spontan die zwei Bücher von Wolfram Lotz aus dem Vexer Verlag zugeschickt habe. Nun trafen wir uns, weil ich Jeanne für eine Performance beim Vexer Fest engagiere. Sie wird den Prolog aus dem Stück "Lächerliche Finsternis" vortragen. Jeanne ist ein echter Glücksfall und ich freue mich sehr auf ihren Auftritt. Wir haben uns zum Glück sofort bestens verstanden und uns im Atelier schnell einigen können über den Ort der geplanten Performance. Es gibt Tage, da passt einfach alles.

1. November: Die Buchmesse edICIon an der Schule für Gestaltung war sehr angenehm. Es gab viele Lesungen und Gespräche. Das sehr junge Publikum hat mich richtig aufgestellt. Viele Schreibende vom literarischen Institut und viele Studierende von der Grafikfachklasse waren da. Das hat richtig Spass gemacht. Es ist auch immer wieder interessant all die Neuigkeiten von anderen Verlagen anzuschauen. Zwei so dichte Tage bringen immer wieder neue Aspekte für die Verlagsarbeit. Zum Glück waren am Sonntagabend meine zwei Koffer nicht mehr so schwer. Die Ansichtsexemplare habe ich gleich da gelassen für die Bibliothek der Kunstgewerbeschule. Die Rückfahrt war so um einiges angenehmer. Meine Bücher und ich im Speisewagen, ohne Umsteigen bis St.Gallen. Das war richtig erholsam. Dabei habe ich die NZZ zweimal durchgelesen und einen guten Weisswein getrunken. Alles doppelt.

31. Oktober: Gegen Mittag bin ich mit dem Bus mit meinen zwei schweren Bücherrollis zum Bahnhof gefahren. Ich konnte die zwei "Emmas" fast nicht in den Bus. Bücher sind so brutal schwer aber sie lassen sich zum Glück so leicht und locker verkaufen. Das denke ich mindestens immer wenn ich mich aufmache, um Buchpräsentationen zu machen.

30. Oktober: Heute Morgen hatte ich einen anregenden Besuch. Martin Kradolfer hat die zwei kleinen Birkenästchen vorbeigebracht. Wir haben an der Ausstellung "Ausgezeichnet" die kleine aber feine Arbeit spontan gekauft. Die zwei geschnitzten Ästchen wirken wie zwei winzige Hirschgeweihe. Sie sind dick mit Aquarellfarbe bemalt und werden direkt an die Wand geklebt. Die Spitzen sind abgesägt und vorne rot bemalt, mit zwei weissen Tupfen, die wie zwei Knöchelchen wirken. Martin musste zuerst Sekundenleim einkaufen und dann ging es ruck - zuck. Nun kleben diese Dinger oberhalb der zwei alten, sehr schönen  Landschaftsbilder von C.A. Martel. Die Künstlerin ist eine unbekannte Meisterin des Kolorits aus der Dynastie der Weinhändlerfamilie Martel aus St.Gallen. Monika hat die Bilder im Brockenhaus entdeckt. Am Nachmittag habe ich meine Bücher für die kleine Buchmesse in Biel gepackt.

29. Oktober: Zur Zeit organisiere ich das Kulturfest zum 30 jährigen Jubiläum des Vexer Verlags. Es ist ein super Gefühl, dass alle Lust haben mit zu machen. Aber es gibt viel zu telefonieren und der PC läuft langsam heiss.

28. Oktober:  Heute habe ich einen richtig strengen Atelier - Aufräumtag eingeschaltet. Am Abend bin ich seit langer Zeit wieder einmal in die Kellerbühne gegangen. Tritonus spielte auf. Einige Musikanten waren aber noch geschwächt von einer Hochzeitsfeier. Eigentlich müsste man sich diese Musik zu einem Gelage in einer schönen Kneipe mit einer grossen Feuerstelle anhören.

27. Oktober:  Am Morgen bin ich als Erstes zu Marco Stefani in die Zahnarztpraxis zur Besichtigung des Schadens an meinem Zahn und zur Besprechung der Reparatur gefahren. Als erstes wurde ein Röntgenbild gemacht. Es scheint möglich, mit Keramik des weggebrochene Stück Zahn zu ersetzen. Ich bin zuversichtlich.

Am Nachmittag sind wir nach Aarau gefahren. Im Stadtmuseum fand die Vorpremiere vom Film "Comédie Humaine - Eine Begegnung von Architektur und Kunst" statt. Sandra Gysi und Ahmed Abdel Mohsen begleiteten mit der Kamera das Kunst und Bau Projekt für die Fassade des Stadtmuseums. Ich finde den Film sehr stimmig und informativ. Das Publikum war auf jeden Fall begeistert. Für mich war das ein sehr bewegender Abend. Ein Projekt, das mich über fünf Jahre beschäftigt hat, ist nun mit all den beteiligten Menschen dokumentiert.  

26. Oktober: Gesund Leben birgt auch Risiken. Heute Morgen ass ich getrocknete Aroniabeeren mit meinem Frühstücksmüesli. Ich habe die Beeren zu wenig lange eingeweicht. Prompt biss ich mir ein grosses Stück von einem geflickten Stockzahn aus. Nun steht ein Amalganklotz wie der Piz Badile in meinem Maul. Schrecklich.

25. Oktober: Ein fauler Sonntag mit viel Lesen und herumkramen. Am Abend besuchten wir die Finissage im Kulturraum mit einer Auswahl von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten Jahren einen Förderbeitrag vom Kanton erhalten haben. Ursula Badrutt machte eine Führung durch die Ausstellung. Ein angenehmen Wochenausklang.

24. Oktober: Heute Morgen wurde das fünfte und sechste Ster Brennholz geliefert. Ich kann den Bauern Toni Eberhard aus Dicken als Holzlieferant bestens empfehlen. Wir haben mit dem Holz unseren überdachten Feuerplatz etwas vor Wind und Kälte geschützt. Jetzt haben wir eine hölzerne Stube im Aussenraum. Am Abend hatten wir eine schöne Runde mit guten Freunden zum Maroni- und Suppenschmaus eingeladen. Die Maroni hat Monika im Piemont selber gesammelt und ich habe sie direkt über dem Feuer gebraten.  Ein richtig schöner Abend war das. 

23. Oktober: Heute hatte ich spontan eine sehr ergiebige Sitzung mit Arica Engeler und Karl Fürer. Ich plane ein Buch zum siebzigsten Geburtstag von Karl. Diese Entscheidung traf ich nach einer Veranstaltung im Kulturraum des Kantons vor einem Jahr. Anlässlich der Ausstellung "Vedi Napoli e poi muoni - Grand tour der Mönche" las Erica Engeler Texte zu Bildprojektionen von Karl A. Fürer. Die Beiden arbeiteten 2011 kurz nacheinander in der Kulturwohnung des Kantons St.Gallen in Rom. Diese Performance hat mich nachhaltig beeindruckt und ich freue mich, ein schönes Buch über Rom herauszugeben. Geplant ist die Buchpremiere anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Karl  A. Fürer im Architekturforum in St.Gallen am 25. Februar 2016.

Am Nachmittag richtete ich sechs riesige und schwere Bücherpakete für das Kunstmuseum Luzern. Die sehr schönen Bücher von Jeroen Geel werden für den Schriftentausch vom Museum in alle Welt versendet.

Am Abend haben wir uns kurzentschlossen, die Filmpremiere im Kinok zu besuchen. Gezeigt wurde der Film "Vanité" im Beisein des Regisseurs Lionel Baier. Der Film ist lustig, tiefsinnig und immer wieder überraschend. Sterben ist auf jeden Fall nicht so einfach auch wenn man sich selbst dafür entscheidet. Dieser Filmabend war ein Vergnügen, mit den  grossartigen Darstellern: Carmen Maura, Patrick Lapp, Ivan Georgiev, Adrien Barazzone, Nian Théron, Pierre-Isaie Duc, Monique Kramer, Stéphanie Blanchoud u.a.

22. Oktober: Heute war ich den ganzen Tag beschäftigt mit dem Schreiben von einem Text zum Thema "Sammeln". Das Kunstmuseum Luzern plant nächstes Jahr eine Sammelausstellung mit Werken aus dem eigenen Haus, mit der Ergänzung der Sammlung Luc Roberts aus Genf. Für diese Ausstellung erscheint eine Publikation. Vor einigen Jahren hat mich Luc Robert angerufen. Er hatte einen Torso von mir gekauft bei der Deweer Art Gallery in Belgien. Beim Transport wurde der Torso beschädigt. Kurzentschlossen habe ich dann in einer zweistündigen "Notoperation" den blutroten Körper in meinem Atelier wieder hergestellt. Das Ehepaar Robert besuchte in dieser Zeit die Kathedrale in St.Gallen. Die inbrünstigen Stossgebete haben sicher geholfen, dass die Operation ohne Komplikationen gelungen ist.

21. Oktober: Um 10.30 Uhr hatte ich eine Sitzung in Zürich für unser 150 Jahr Jubiläum von visarte.ch. Wir planen unter Anderem eine Tour de Suisse. Mit einem wunderschönen Piaggio werden alle Sektionen besucht. Es werden in vielen Städten Kulturbegegnungen organisiert und wir möchten Kulturinteressierte über die wichtigsten Anliegen von visarte informieren. Das sind Themen wie soziale Sicherheit, Urheberrecht, Folgerecht, Kulturförderung, Vernetzung, Kulturpolitik und vieles mehr.

20. Oktober: Am Abend besuchte ich das Kulturgespräch, das von der Fachstelle für Kultur der Stadt St.Gallen an der Haggenstrasse 45 angeboten wurde. Es ging um das Thema der Zwischennutzung von leerstehenden Räumen. Der Anlass war sehr gut besucht. das Thema von Freiräumen für die Kultur ist schon seit Jahrzehnten aktuell. Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation des grossen, alternativen Kulturprojekts Neubad in Luzern. Ich fühlte mich etwas in die 80er Jahre versetzt. Viel junge Kulturschaffende fühlen sich heute wieder an den Rand gedrängt, weil die etablierten Institutionen die ganzen Kulturbutgets wegfressen und weil dadurch für junge alternative Kulturprojekte nur Brosamen übrigbleiben. Es ist wirklich bedenklich, was zur Zeit mit all den angesagten Sparübungen in der Kultur wegbricht. In Luzern soll zum Beispiel die sehr renommierte Grafikfachklasse geschlossen werden und im KKL werden jährlich unzählige Millionen verdampft. Kulturtourismus wird höher gewichtet wie kulturelle Basisarbeit. Das kann nicht gut gehen.

15. Oktober: Um neun Uhr bin ich mit dem Voralpenexpress nach Luzern gefahren. Ich traf dort Christian Seferin von Diener & Diener Architekten. Wir waren eingeladen, zusammen über das Kunst und Bau Projekt für die Fassade vom Stadtmuseum Aarau zu referieren. Die Hochschule für Architektur organisiert immer wieder Veranstaltungen über die Mittagszeit. Dazu wird eine Suppe serviert. Die Präsentation ist gut angekommen und die Veranstaltung war sehr gut besucht.

Anschliessend fuhr ich über Olten nach Brig und dann nach Domodossola. Dort traf ich eine Kollegin und zusammen fuhren wir weiter nach Omegna. Wir hatten uns verabredet für ein verlängertes Arbeitswochenende.

14. Oktober: In den letzten Tagen war ich mit viel organisatorischem beschäftigt. Am 12. Dezember feiern wir das dreissig jährige Jubiläum vom Vexer Verlag in meinem Atelier an der Haggenstrasse 51. Ich möchte einige Jubiläumseditionen herausgeben und ein Kulturprogramm anbieten. Bis jetzt sind alle begeistert und freuen sich darauf an diesem Anlass mitzumachen.

Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren. Thomas Müllenbach hatte seine Buchpremiere bei der Edition von Patrik Frey. Das Buch mit den Aquarellen ist wunderschön geworden. Thomas hat auf jeden Umschlag ein Original - Aquarell gemalt. Mit dieser Publikation sind wieder sechshundert neue Werke entstanden. Das ist wirklich super aber es zeigt auch wie viel man heute als Künstler bieten muss, damit überhaupt noch Bücher gekauft werden.

Vor der Buchpremiere habe ich alle Ausstellungen im Löwenbrräuhaus angeschaut. Am meisten beeindruckt hat mich die präzis inszenierte Präsentation von sechs späten Bronzeskulpturen von Hans Josephson in der Galerie Hauser & Wirth. Da stimmte jetzt einfach wirklich alles.

11. Oktober: Diese Woche war ich sehr viel im Atelier. Monika war in den Ferien und ich konnte mich so richtig schön treiben lassen bei meiner Arbeit im Atelier und am Kochherd.

7. Oktober: Heute besuchte mich Sara Merten. Sie arbeitet an einer Studie über unabhängige Ausstellungsräume in den 80er Jahren. Ich habe alles Archivmaterial über die St.Galerie zusammengestellt. Leider habe ich keine Einladungskarten von all den Ausstellungen mehr. Die habe ich entsorgt bei meinem Atelierwechsel 1992, da ich damals dachte, dass das nie mehr jemanden interessieren würde. Nun zeigt sich, dass die St.Galerie ein wichtiger Ort für Schweizerkunst war. Roman Signer hat dort seine erste Aktion vor Publikum gemacht. Alex Hanimann hatte seine allererste Ausstellung in dem Raum, Peter Fischli und David Weiss, Walter Pfeiffer, H.R. Fricker, Silvia Bächli, Eric Hattan, Anna Winteler, Alex Silber, Rut Himmelsbach und viele weitere Künstler waren damals in St.Gallen präsent.

3. Oktober: Gegen Mittag kam sehr pünktlich der Transporteur aus Berlin. Ich hatte alles sehr gut vorbereitet und alle Bücher in Schachteln verpackt. Ich habe auch alle Doubletten aus meiner Bibliothek geräumt und für Vera eingepackt. Mir fällt immer wieder auf, dass ich über die Jahre sehr schöne Bücher zwei oder dreimal kaufe. Ja nun geht ein riesige Palette mit Büchern nach Berlin.

Nach dem Beladen des Lieferwagens war ich weiterhin beschäftigt mit Aufräumarbeiten. Als ich schon im Bus sass merkte ich, dass ich mich ja für ein Klassentreffen in Oberriet angemeldet hatte. Es wurde höchste Zeit, denn um 17 Uhr sollte ich im Restaurant Schäfli im Moos sein. Das war ein sehr angenehmes und anregendes Treffen. Leider waren einige ehemalige Mitschülerinnen in den Ferien. Zum Glück hatte ich dann nach Mitternacht noch eine Mitfahrmöglichkeit. Mein letzter Zug wäre erst um 5.30 Uhr in St.Gallen eingetroffen.

2. Oktober: Ich plane zur Zeit einige Editionen von Künstlerinnen und Künstlern für unsere Vexer Jubiläumsausstellung im Dezember. Heute morgen sind schon einige sehr schöne Ideen eingetroffen. Zur Mittagszeit habe ich drei ganz unterschiedliche Salate zubereitet. Unser nachsommerliches Fitness- und Abspeckprogramm geht weiter. Am Nachmittag arbeitete ich wieder an meinem Aufräumprogramm und einer grossen Entsorgungstour. Es ist unglaublich wie viel Ballast sich bei der Arbeit im Laufe der Zeit ansammelt. Das Gleiche passiert ja auch bei der Ernährung wenn man nicht aufpasst.

Gegen Abend habe ich zusammen mit Monika meine Atelier Vermieterin in der Geriatrie besucht. Das war sehr traurig. Frau Schüpbach ist sehr schwach und sie kann das Bett nicht mehr selbstständig verlassen.  Ich bin nun schon seit 1992 Mieter an der Haggenstrasse und ich kann mich gut erinnern, wie ich damals nach der Besichtigung der Räume spontan den Mietvertrag unterschrieben habe. Wir haben uns spontan sehr gut verstanden. Da ist in der Zwischenzeit ja schon fast ein viertel Jahrhundert vergangen.

1. Oktober: Der Tag begann mit einer intensiven Therapiestunde. Theresa hat mein Körperbewusstsein enorm erweitert. Meine Muskeln scheinen mir komplett neu sortiert und gruppiert zu sein. Auf dem Heimweg versuchte ich etwas vor mich hin zu pfeifen. Es kam nur ein leises Zischen und viel Luft. Ich fühlte mich richtig entmaterialisiert. Eine super Voraussetzung um die nächsten Tage Bücher herum zu schleppen. Wir machen einen grossen Transport, damit Vera in Berlin auch einen schönen Vorrat von allen Vexer Büchern hat. Bücher aus der Schweiz ins Ausland zu verschicken ist oft teurer wie die verpackten Bücher. Ab Berlin wird nun in Zukunft alles viel günstiger. 

29. September: Am Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Zürich. Ich hatte zusammen mit Christoph und Regine eine Besprechung mit Christian Jankowski. Wir diskutieren zur Zeit ein spannendes Projekt für die Manifesta. Ich hoffe dass diese originelle Idee zusammen mit visarte Schweiz möglich wird. Das wäre für den Berufsverband visuelle Kunst eine tolle Sache im Jubiläumsjahr.

28. September: Heute habe ich zusammen mit Vanja weitergearbeitet am Herbstputz im Atelier. Ich muss dringend meine Bibliothek und das Bücherlager optimieren, damit ich wieder Platz für die Neuerscheinungen habe. Am frühen Nachmittag ist Roland Früh vorbeigekommen um alle Vexer Titel durch zu schauen. Ich finde es natürlich super, dass nun noch mehr Titel von uns in der Bibliothek im Sitterwerk zu finden sind.

27. September: Monika hat zusammen mit einer Freundin einen langen Spaziergang gemacht und ich putzte in der Zeit das Haus. Wir haben genau definierte Aufgaben bei der Hausarbeit. Beim Putzen bin ich gerne alleine. Zu zweit kann ich ganz schön grantig werden. Ich war so schnell mit dem Staubsauger, dass ich noch Zeit fand im neuen Buch von Rolf Lappert zu lesen. Gegen Abend habe ich für uns alle ein feines Reisgericht mit einem ziemlich scharfem Gemüse gekocht.

26. September: Zusammen mit Menga und Fredi haben wir heute das Museum Rietberg in Zürich besucht. Diese kleine Städtereise haben wir spontan abgemacht. Vor einer Woche haben uns unsere Freunde aus Deutschland auf diese sensationelle Ausstellung zur Kultur der "Sepik", aus Papua Neuguinea  aufmerksam gemacht. Das war wirklich ein kulturelles Höhenlicht. Eine echte Sensation. Befremdend und unangenehm berührt wird man beim Gedanken, dass die Männer der Sepik Kopfjäger gewesen sind. Sie bauten ihr Selbstwertgefühl auf, indem sie möglichst viele Köpfe von Männern aus ganz bestimmten Dörfern von ihren rituellen Kriegszügen mit nach Hause bringen konnten. Das erhöte auch ihr Ansehen in ihrem Clan. Grauslich. In der Sonderausstellung "Enthüllung der Linie" habe ich zudem eine Zeichnung eines indischen Künstlers von einem Elefanten gesehen , die mich in ihrer "Geschwindigkeit" tief beeindruckt hat. Ich meine damit nicht eine schnelle Zeichnung, sondern die aufgezeichnete Kraft und das Tempo eines ausreissenden Elefanten. Ein Meisterstück.

Anschliessend sind wir zum Zürichsee spaziert und haben uns kurz entschlossen für eine Seefahrt entschieden. Wir hatten Glück denn in wenigen Minuten legte ein Boot an und wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein bis zum Landesmuseum Im Park wird nun schon die wirklich spannende Architektur von Christ & Gantenbein sichtbar. Ein starker Betonbau umgibt wie ein Gebirgspanorama den kitschigen Altbau. Und das Ganze steht in einem grossartigen Park mit einem sehr alten und beeindruckenden Baumbestand. Von hier aus bewegten wir uns zu Fuss und mit dem Tram Richtung Hardturmbrücke und besuchten das Restaurant im Prime Tower. das ist alles sehr eindrücklich. Ich muss sagen, dass mir Zürich in den letzten Jahren sehr viel näher gekommen ist.

24. September: Heute Mittag hat uns ein Bauernehepaar aus Dicken zwei Ster Brennholz geliefert. Gemeinsam haben wir das Holz aufgeschichtet und anschliessend zusammen Kaffee getrunken. Der Bauer hat auch unsere grosse Buche im Garten begutachtet. In diesem Winter werden wir diesen schönen Baum fällen müssen. Er wird immer mehr zu einer Bedrohung für die Häuser. Als Ersatz habe ich schon vor Jahren junge Vogelbeerstauden wachsen lassen. Das ist ein sehr vielseitiger und interessanter Baum. Im Internet habe ich diese Bezeichnungen für den Baum gefunden. "Eberesche, Schwiiesche, Stinköschä, Nielesche, Gürmsch, Gärgetsch, Mooseisch, Wiismehlbomm, Drosselbeere oder Quitsche": Das sind alles Volksnamen für die Vogelbeerbäume.

Am Abend trafen wir uns in der ehemaligen Stickfachschule für eine Sitzung der Fachkommission "HF bildende Kunst". Der Künstler Alex Messzmer ist seit den Sommerferien neuer Lehrgangsleiter. Er löste Adrian Notz und Beate Rudolph ab.

22.  September: Heute musste ich mich einmal mehr mit hängigen Gesuchen für Buchprojekte befassen. Es wird zunehmend schwieriger, Bücher zu finanzieren. Zusammen mit Vanja musste ich auch sämtliche Titel im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aktualisieren.

21. September: Heute musste ich früh aus den Federn. Eine Sitzung für visarte beim Bundesamt für Kultur in Bern. Ich bin einmal mehr fast fünf Stunden Zug gefahren für eine einstündige Sitzung. Aber es war einmal mehr sehr angenehm und sehr spannend.  Ich hatte endlich auch Zeit, im neuen Buch "Über den Winter" von Rolf Lappert zu lesen. Ich mag diesen Schriftsteller sehr und in diesem Buch beschreibt er einen erfolgreichen Künstler, der eigentlich gar kein Künstler mehr sein will.

20. September: Nach dem Hochzeitsfest auf luftigen Höhen in Naraus haben wir gut geschlafen in einem Hotel in Flims. Wir wollten unbedingt gegen Mittag in St.Gallen sein, da wir Freunde aus Deutschland erwarteten. Wir trafen uns dann direkt im Kunstmuseum um die Ausstellung zum Thema Licht anzuschauen. Es werden viele Werke aus der Sammlung Ricke und einige Malereien von Impressionisten im Dialog präsentiert. Für die vielen Arbeiten würde man sich viel mehr Platz wünschen. Licht hat es in sich. Wenn zu viel leuchtet geht der Glanz verloren.

Anschliessend sind wir zur Lockremise gefahren, um die Ausstellung der Britischen Bildhauerin Phyllida Barlow anzuschauen. Ich habe die Ausstellung schon am Tag der Eröffnung gesehen und ich habe mit Freude festgestellt, dass mir die Werke heute beim zweiten Mal besser eingefahren sind. Irgendwie war an diesem Nachmittag das Licht sehr viel besser. Die Werke hatten an diesem Nachmittag eine sehr schöne Strahlkraft. Eigentlich könnte man auch von dreidimensionalen Malereien sprechen oder von Leerstücken für Farbe, Form und Raum.

Am Abend hat Monika eine wunderbare Lachsforelle aus dem Bodensee gebraten und wir konnten mit Christian und Renate unsere Kunstdiskussionen, angereichert mit Anekdoten aus dem gelebten Leben weiterführen. Das war ein schöner Tag, eine Fortsetzung ist  geboten.

19. September: Als ich letzte Nacht um 24 Uhr nach Hause kam las ich in meinen E-Mails, dass Jean - Christophe Ammann gestorben ist. Ich hätte einen Artikel für eine Sonntagszeitung schreiben sollen. Nun war es aber bereits zu spät. Im Zug hatte ich vom kommenden Blutmond am 28. September um drei Uhr in der Früh gelesen. Irgendwie passt diese sehr spezielle Konstellation. Jean - Christoph sagte einmal am Anfang des Films von Edith Jud, dass er eine Art Blutsauger sei, dass er von den Ideen und Konzepten der Künstler lebe...  Die Sonne, Lilith, die Erde und der Mond werden am 28. 9. auf einer Linie stehen. Ich bin sehr gespannt was für Energien das auslösen wird.

Am Mittag sind wir losgefahren nach Flims zu einem sehr schönen Hochzeitsfest. Wir fuhren mit zwei Sesselliften in die Höhe. Nach all dem feinen Essen, dem Wein und dem wilden Tanzen war dann die Fahrt in die total dunkle Nacht schon sehr speziell.

 18. September: Ich bin frühzeitig nach Zürich gefahren. Wir suchen heute den neuen Preisträger oder die Preisträgerin für Kunstvermittlung. Diese Auszeichnung wird im nächsten Frühjahr zum fünften Mal vergeben. Der Preis wird gemeinsam vom Schweizerischen Kunstverein und von  visarte Schweiz vergeben. In die Jury waren berufen: Andrea Saemann, Gerhard Mack, Felicity Lunn Roland Roos und Jean-François Steiert. Als ich im Büro von visarte ankam wurde ich informiert, dass Feliciry Lunn nicht an der Jurierung teilnehmen kann. Ihr Mann Pascal Danz verunfallte tödlich bei einer hiking tour in Island. Ich mag Pascal als Mensch und als Künstler. Diese schreckliche Nachricht hat mich tief getroffen.

 Ich musste dann für Felicity in der Jury einspringen. Wir führten sehr intensive und tiefe Diskussionen über die vielfältigen Möglichkeiten von Kunstvermittlung. Die Ausmarchung war sehr fair und ich bin überzeugt, dass wir eine gute Wahl getroffen haben.

 Anschliessend bin ich nach Olten gefahren zur Eröffnung und zur Buchvernissage von Claire Goodwin im Kunstmuseum. "THE MUSEUM OF THE UNWANTED". Auch Pascal Danz ist mit zwei grossen Werken an dieser Ausstellung beteiligt. Pascal wurde von Dorothe Messmer gewürdigt und die ganze Gesellschaft war geschockt von der Todesnachricht. Der Abend hatte etwas sehr tröstliches. Viele Freunde und Bekannte waren da und die Ausstellung ist für mich eine der Besten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. iIh mag es sehr, dass Clare der absoluten Sauberkeit, dem einengenden white cube Denken und dem Superstargetue etwas ganz spezielles entgegengesetzt hat.

16. September: Ich wollte heute früh ins Atelier. Jetzt ist es bereits nach zwölf Uhr und ich bin noch nicht aus dem Haus gekommen. Der Tag begann grossartig mit dem Auspacken der drei neuen XYLON Nummern von Ana Stricka.  Jean-Luc Manz und Fred Bauer. Ich bin begeistert über diese neuen Mappen.  Es ist so überraschend, wie alles exakt ins gegenwärtige Weltbild passt. Ich habe es dann doch noch geschafft ins Atelier zu kommen. Ich muss dringend den Jahresputz machen. Abfallholz wegschaffen, Lager optimieren, Archivieren, alle eingekauften Bücher einräumen, und  - und - und.

Um 17 Uhr kommt bereits wieder ein Transport mit den neuen Büchern von Clare Goodwin. Das macht grosse Freude. Die Bücher sind sehr schön geworden.

15. September: Ich habe in den letzten Wochen an einem Konzept gearbeitet für neue Weihnachtskarten für die Stiftsbibliothek in St.Gallen. Krispin Hée hat mir bei der grafischen Umsetzung geholfen. Heute morgen musste ich nun alles ausdrucken lassen und dann bei Cornel Dora präsentieren. Es geht dabei um sehr alte Holzschnittmotive von einem unbekannten Meister, die um 1410 als unikates Blockbuch herausgebracht worden sind. Die Motive waren damals wahrscheinlich gedacht als Vorlagen für Künstler. Es geht dabei um die Weissagungen der Sibyllen. Da gibt es Texte von der persischen, lybischen, erithräischen und der cumanischen Sibylle. Die Texte erinnern in frappanter Weise an das Flüchtlingselend von heute. Das sind echte Weissagungen.

14. September: Nach unserem Wochenende in München hatte ich hunderte von Mails zu beantworten und um 9.45 musste ich bereits wieder zum Bahnhof. Zuerst einige Pakete bei der Post abgeben und dann ab nach Zürich. Wir haben eine weitere Besprechung für das visarte Jubiläumsfest. Es gab dann viel zu besprechen und ich war dann erst um halb vier Uhr wieder zu Hause. Heute kam eine kleine Bestelllawine für Bücher auf mich zu. dann gab es wunderbare Neuigkeiten von Vera. Sie hat nun die finanziellen Mittel beisammen, um das von ihr konzipierte Fotobuch von Wolfram Hahn zu realisieren. Zwei Stiftungen sind bereit dieses Projekt zu unterstützen. Das ist grossartig.

13. September: In der Stadt herrscht eine sehr spezielle Stimmung. An diesem Wochenende sind in München über 20000 Flüchtlinge angekommen. Die Innenstadt ist überfüllt mit durstigen und kaufwütigen Touristen und in Turn- und  Messehallen lagern tausende Menschen, die sich auf der Flucht befinden.

Gemeinsam mit Patricia haben wir die Ausstellung im Haus der Kunst mit einer Auswahl von Münchner Künstlern angeschaut. Die riesigen Räume wirkten schäbig und die gezeigte Kunst beweist, dass Künstlerinnen und Künstler in München eine ganz andere Realität durchleben. Da ist gar nichts von Glanz und Gloria und dem üblichen schicki micki von der reichen Stadt München zu spüren. 

Einen künstlerischen Höhepunkt erlebten wir in der Pinakothek der Moderne. Zilla Leutenegger zeigt auf 400 Quadratmetern eine eindrückliche Auswahl ihrer Werke. Zur Ausstellung ist ein sehr schönes Künstlerbuch erschienen. Zillas Welt handelt von der "gehobenen", gelebten Einsamkeit und Vereinzelung, die von vielen erfolgreichen Menschen erlebt wird. Ein ganz starkes zeichnerisches Werk mit Licht, Schatten und feinem Humor.

Monika und ich sind eigentlich nach München gefahren, um meine Arbeiten abzuholen, die ich vor zwei Jahren in München gemacht habe. Unter Anderem meine ganze Familie, die ich als kleine Figuren in Pappelholz geschnitzt habe. Ich weiss nicht wie wir als Grossfamilie hätten flüchten können. Nun transportiere ich meine Familie einfach im Koffer wieder nach Hause.

12. September: Am Samstag haben wir uns die vielen Ausstellungen in der Städtischen Galerie im Lehnbachhaus angeschaut. Der Neubau gefällt mir sehr und die Präsentation der Sammlung ist Beispielhaft. Der neue Direktor Matthias Mühling hat sehr viele, mir völlig unbekannte Positionen von Münchner Künstlerinnen und Künstlern aus der Region eingebaut. Das sieht man selten und es ist spannend, wie sich die lokalen Künstler in einem internationalen Kunstkontext eingebettet wunderbar behaupten.

Am Abend haben wir uns zusammen mit Patricia und Gerd verköstigt im Hirschgarten. Ich habe mich gestärkt durch üppig Weisswein und Tafelspitz. Es war Wunderbar. Gerd ist ein grosser Fan von Robert Walser. Nun muss ich unbedingt wider einmal den Gehülfen lesen. Ich arbeite ja schliesslich im Haggenquartier. Da ist Walser sicher oft vorbeispaziert und hat einen Most getrunken bei der Familie Schüppach, bevor er dann zur Sitter und weiter nach Niederteufen gegangen ist.

11. September: Wir sind bereits um 5.30 Uhr aufgestanden. Unser Bus nach München fährt um 6.30 beim Bahnhof ab. Der Reisepreis ist mit 25 Franken extrem tief angesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen wie man da Geld verdienen kann. Wahrscheinlich bezahlen die miserable Löhne. Die Fahrt war sehr angenehm. Die Enge im Bus muss man allerdings ertragen. In München hat uns Patricia London Ante Paris abgeholt und direkt zu ihrer Wohnung gebracht. Wir haben uns in der Stadt vergnügt und am Abend kochte Patricia ein wunderbares Gulasch. Mit dabei waren Gerd, Scarlett Berner und Jan Roth, der Lampen Designer. Ein schöner und unterhaltsamer Abend in der Nähe vom Künstlerhof.

10. September: Ich habe wieder angefangen zu fotografieren. Langsam reift eine Idee für eine neue Bilderserie. Wir sind in der letzten Zeit so viel herumgefahren und auf diesen Fahrten hat sich sehr vieles geklärt. Am Abend habe ich Roman Signer in meinem Atelier getroffen. Wir haben einen schönen Tausch gemacht. Grosse Freude herrscht. Dann musste ich meine Reisetasche packen.

9. September: Nach einem anstrengenden Tag wurde ich von Nachbarn eingeladen zu einer Herbstfahrt zum Bodensee in ihrem wunderschönen Oldtimer Limousine. Bei diesem Auto sitzt man vorne zu dritt. Wir sind zu fünft nach Sommeri gefahren und haben fein gegessen im Löwen. Schön war es und gut.

8. September: Um Eins haben wir uns mit Vera in Winterthur getroffen. Es gibt soviel zu besprechen. Buchprojekte, das 30 Jahr Jubiläum in St.Gallen am 12.12., der Vexer Verlag in Berlin und viel privates. Wir sind nach dem Essen den ganzen Nachmittag vor dem Gewerbemuseum im Restaurant an einem sonnigen Platz gesessen und haben uns bestens unterhalten.

7. September: Am heutigen Morgen hatte ich viel aufzuarbeiten. Ausstellungsanfragen, Verlag, Texte etc. Um 11 Uhr sind wir zum Bodensee gefahren. Trotz dem sehr schönen Wetter lag die Aussentemperatur nur bei 13 Grad. Der See war ziemlich aufgewühlt aber wunderbar erfrischend. Heute wurde mir klar warum der See auch das Schwäbische Meer genannt wird. Wir mussten richtig mit den Wellen kämpfen. das macht einen richtig klaren Kopf. Um halb Eins musste ich bereits zum Bahnhof. Ich war eingeladen zu einer Veranstaltung des neuen Dachverbandes "Kunstmarkt Schweiz" im Kunstmuseum Bern. Da waren viele bekannte Gesichter anzutreffen. Um 16 Uhr sprach Christian von Faber Castell sehr engagiert über die Probleme und die Entwicklungen im Kunstmarkt. Er plädierte aus Sicherheitsgründen für eine möglichst internationale Verteilung von Kulturgut, für Transparenz im Handel, Innovation und Information. Er beklagte die fehlende Öffentlichkeits- und Pressearbeit des Kunsthandels. Anschliessend listete die neue Präsidentin des Dachverbandes Silvia Furrer die aktuellen und zukünftigen Probleme des Kunstmarktes auf. Um halb sechs begann die Paneldiskussion mit David Cahn, Kuno Fischer, Peter Haas, Simon Studer, Benno Widmer und mir. Gesprochen wurde über das Folgerecht, Zollfreilager, Schwarzgeld, das neue Kulturgüter Transfer Gesetz, Geldwäscherei im Kunsthandel etc. Ich plädierte für die gesetzliche Verankerung des Folgerechts, da es sich dabei um einen wichtigen Teil des Urheberrechts handelt. Das Folgerecht ist ein international anerkanntes Grundrecht der Künstlerinnen und der Künstler. Es ist wichtig und richtig, dass nun seitens der Behörden und der Politik entsprechende Schritte unternommen werden, dies gesetzlich zu verankern. Das Folgerecht fördert die Transparenz im Handel, es nützt  den Kunstschaffenden und es dient dem Kunstmarkt Schweiz, seinen guten Ruf zu sichern und zu festigen. Ich bin sicher, dass unsere Juristinnen und Juristen beim Bund eine einfache und handhabbare Lösung für die Umsetzung des Folgerechts finden. Die anschliessenden Gespräche nach der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Kunstmarkt stimmen mich sehr zuversichtlich. Der Kulturjournalist von Faber Castell meinte, dass das Folgerecht mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht zu vermeiden sei.

6. September: Nach dem Frühstück haben wir uns entschlossen die Ausstellung von Urs Lüthi in der Kunsthalle Göppingen anzuschauen. Mit dabei waren Monika, Patrizia London, Jan Roth, Christian Gögger und ich. Die Ausstellung ist sehr schön gehängt und durchkomponiert. Urs Lüthi ist ein Meister der feinen Selbstironie und der präzisen Inszenierung. Für diese Ausstellung hat er eine ganz starke Grafik herausgegeben mit einem Selbstportrait. Auf dem etwas ungläubig in die Welt schauenden Gesicht von Urs tummeln sich 13 Fliegen. Monika hat mir spontan die Grafik als Geburtstagsgeschenk gekauft. Das Blatt passt bestens zu meinem sechzigsten. Es wächst kein Kraut gegen das Altern. In einem Raum wurde eine schöne Arbeit von Ian Hamilton Finnlay präsentiert. "Three Sailboats", drei Sonnenschirme sind aufgespannt. Dazwischen stehen drei Sockel mit je einem Segelbootmodell. Die Boote sind beschriftet mit Juan Gris, Jean Cocteaux und Eric Satie. Die drei müssten sich eigentlich gekannt haben oder sind sie aneinander vorbeigesegelt? Ich glaube diese Arbeit wurde vor vielen Jahren auch bei Stampa in Basel gezeigt.

Anschliessend standen wir eine Stunde im Stau. Wir schafften es dann aber doch rechtzeitig nach St.Gallen. Ich hatte ein Treffen mit der Künstlerin Grace Yoon vereinbart. Sie arbeitet an einem Feature für eine Radiosendung zum Thema DADA. Das war eine kurze aber spannende und unterhaltsame Begegnung. 

5. September: Heute morgen machten wir uns auf den Weg in Richtung Stuttgart. Zuerst besuchten wir aber das Kunsthaus in Bregenz. Die amerikanische Malerin Joan Mitchell wird mit einer grossen Überblicksausstellung gewürdigt. Diese Ausstellung zeigt einmal mehr wie Künstlerinnen im letzten Jahrhundert immer wieder hinter ihren Malerkollegen eingeordnet wurden. Jackson Pollock, Franz Kliene oder Willem de Kooning wurden lange viel höher eingeschätzt. Die gestische und farbliche Energie in den Malereien zeigen eine organische Urkraft und eine Wucht, die die Betrachtenden in den Rückwärtsgang versetzt. Ich kann mir vorstellen, dass Vincent van Gogh, könnte er diese Bilder sehen, von einem starken Ohrensausen befallen würde.

Mit diesen Landschaften von Joan Mitchll im Kopf sind wir anschliessend nach Untergröningen gefahren. Im barocken Schloss organisiert der Kunstverein KISS regelmässig Sommerausstellungen. Der Ausstellungsmacher Christian Gögger hat mich eingeladen, den Vexer Verlag zu präsentieren. Auf einem grossen Büchertisch und in Vitrinen konnten wir das ganze Verlagsprogramm ausbreiten. Am Samstagabend gab es ein Sommerfest mit Führungen durch die Ausstellung eine  Lichtinstallation im Gewölbekeller des Münchner Lichtdesigners Jan Roth, eine Grossprojektion von Mikrofotografien von Manfred P. Kage, die Videodokumentation zur Arbeit "Vexer Necker Skulptur" von Roman Signer mit einem Gespräch zwischen Christian Gögger und mir als Verleger. Es war ein kühler aber wunderbarer Abend. Ich habe viele Künstlerfreunde aus den 80er Jahren wieder gesehen und wir konnten trotz der langen Zeit die Gespräche von damals weiterführen. Es war eine grosse und sehr interessierte Gruppe von Menschen anwesend und ich habe einen wunderbaren Kuchen, das beste Sauerkraut und die feinsten Würste gegessen. Der Heimatverein hat das super gemacht. In der Nacht sind wir noch nach Esslingen gefahren. Der Landgasthof "Lamm" war leider bereits ausgebucht von einer Fahrradgruppe.

4. September: In den letzten Tagen habe ich das tägliche Baden im Bodensee genossen. Das erfrischt nicht nur den Körper sondern auch die Hirnzellen. Zur Zeit mache ich die Vorarbeiten für das Buch, das ich mit Karl Fürer und Erica Engeler plane, die beide kurz nacheinander in der Atelierwohnung des Kantons St.Gallen in Rom waren. Die Texte von Erica und die Skizzen von Karl sind nun ausgewählt. Nun beginnt der anstrengendste Teil, nämlich die Geldsuche für das Projekt.

2. September: Heute habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten auf die Verleihung des Prix visarte. Ich glaube das wird noch viel auslösen für die Kunst am Bau und für Kunst im öffentlichen Raum. Die Diskussion über finanzielle Mittel bei öffentlichen Bauten für Kunst am Bau ist für Kunstschaffende eminent wichtig.  In St.Gallen verpasste es der Kanton bei zwei Grossbauten, Kunst und Bau zu ermöglichen. Beim Verwaltungsgericht von den Architekten Stauffer Hasler hat weder der Bund noch der Kanton St.Gallen einen Franken für Kunst ausgegeben und auch beim Bau der Fachhochschule beim Bahnhof St.Gallen wurde nichts für die Kunst am Bau eingeplant. In St.Gallen werden in den nächsten zehn Jahren rund eine Milliarde Franken für Neubauten des Zentrumspitals verbaut. Ich hoffe doch sehr, dass hier ein Prozent der Bausumme für künstlerische Beiträge eingeplant wird.

Um das gute Gefühl nach dem gestrigen Tag abzurunden bin ich am Mittag zusammen mit Monika zum Schwimmen an den Bodensee gefahren. Die Badi war absolut leer. Wir hatten den See für uns alleine. Als wir ins Wasser stiegen, öffnete sich für eine halbe Stunde lang der Himmel wie ein Krater und wir konnten bei herrlichem Sonnenschein unser Bad geniessen.

1. September: Der Morgen begann früh mit einer wohltuenden Therapiestunde für meine Rückenmuskeln, die Wirbelsäule und den Nacken. Auf dem Fahrrad fühlte ich mich anschliessend wie befreit. Ich habe auf dem Heimweg mir völlig unbekannte Melodien gepfiffen. ich schrieb dann am Morgen weiter an meiner Schlussrede für die Prix visarte Verleihung in Thun. Am Nachmittag führ ich das erste Mal in diese Stadt. Die Preisverleihung an Navid Tschopp, Kathia Schenker und an Yves Netzhammer war ein wunderbarer Anlass. Ich bin überzeugt dass die Jury eine sehr gute Auswahl getroffen hat. Der Begriff Kunst und Bau wird erweitert um viele Fassetten. George Steinmann überraschte mich mit seiner grossartigen Musik. Ich kannte George schon lange als Künstler aber Blues spielen habe ich ihn noch nie gehört. Ich musste dann relativ früh zum Bahnhof. Die Reise nach St. Gallen dauert ziemlich lange aber ich hatte sehr nette und interessante Gesprächspartner. Eine Künstlerin, ein Galerist und ein Kunstvereinspräsident.

31. August: Am Morgen früh holten wir zwanzig Kartonmappen ab bei Gebhard Fischer. Der Buchbinder wäre schon seit Jahren pensioniert aber er arbeitet immer noch sehr zuverlässig. Dann mussten wir die Mappen zum Siebdrucker in Winterthur bringen. Die werden nun bedruckt für das Mappenwerk Nummer 4 von XYLON. Das bot uns die Gelegenheit während der Fahrt alle anstehenden Fragen zu klären. Im Auto ist das ja immer so unausweichlich und dicht. Jetzt ist alles klar.

30. August: Nach dem Frühstück in Biel zeigte mir Hansjörg sein Atelier direkt an der Aare. Richtig schön und inspirierend, dieser alte Industriebau. Kurz vor Eins bin ich dann nach Olten gefahren. Dieter Hall schwärmte vor zwei Tagen von der wunderbaren Adolf Dietrich Ausstellung im Kunstmuseum. Das Museumsräume mussten mit provisorisch aufgestellten Ventilatoren heruntergekühlt werden, damit die Farbe nicht von den Bildern tropft. Ich übertreibe natürlich etwas aber es war wirklich sehr heiss und ich war erstaunt über den schlechten baulichen Zustand des Hauses. Die Stadt Olten täte gut daran, das Kunstmuseum einmal richtig zu sanieren. Ich bin ein grosser Fan von Adolf Dietrich und ich verstehe überhaupt nicht, warum dieser Künstler immer wieder in die Nähe der naiven Kunst gerückt wird. Dietrich hat sehr früh mit schwarz - weissen, fotografischen Motiven gearbeitet, die er dann in Malerei umgesetzt hat. Das ist eigentlich frühe konzeptuelle Malerei. Als Reiselektüre habe ich mir das Buch "Fussreise mit Adolf Dietrich" von Beat Brechbühl gekauft. Schade, dass John Berger oder Hans Bösch nie über Dietrich geschrieben haben. Ich glaube da wäre die Heimreise um einiges kurzweiliger geworden.

Am Abend haben wir über dem Feuer einen schönen Fisch gebraten, dazu habe ich Kartoffelschnitze im Backofen gebacken. Selber gepflanzt und selbst geerntet - ein Genuss! Dazu gab es einen Salat mit ganzen, vorgekochten Krautstielblättern  mit einer Handvoll angedünsteten Tomatenstücken. Getrunken haben wir einen absolut einfachen Wein vom Piemont. Ein Wein, natürlich wie Apfelmost für 1.20 der Liter. Direktimport.

29. August: Nach 12 Uhr bin zum Bahnhof in St. Gallen gefahren. Ich wollte frühzeitig in Grenchen sein für die Buchpremiere im Kunsthaus und für den Spaziergang mit Sebastian Utzni. Auf dem Bahnhof waren sehr viele junge Leute und vor den Billet Automaten bildeten sich lange Schlangen. Ich hatte sehr viel Zeit um ein Ticket zu besorgen aber es wurde trotzdem sehr knapp. Im letzten Moment hechtete ich in den wartenden Zug. Der Zug war komplett überfüllt mit jungen Menschen, die an die Street Parade in Zürich fahren wollten. Der Zug hatte eine technische Panne. Die Heizung lief auf Hochtouren und das bei über dreissig Grad Aussentemperatur. Ich brauchte dann für meine Fahrt bis Grenchen mehr als dreieinhalb Stunden. Die Ausstellung hat mir sehr gut gefallen und der einstündige Spaziergang durch die Peripherie von Grenchen zusammen mit Sebastian Utzni bot viele kleine Überraschungen. Nach der Rückkehr war auf dem grossen Platz beim Kunsthaus ein grosser Tisch für alle Gäste vorbereitet. Die Glut in der Feuerstelle war bereit für das Braten der Würste. Ein gelungener Abend mit überraschenden Gästen. In der Nacht fuhr ich dann zusammen mit Hansjörg und Verena nach Biel. In der Stadt herrschte ein reges Treiben. Ein schönes Altstadtfest war im Gange. Wir entschieden uns dann aber für Whisky und Vollmond auf dem Balkon hoch über dem Bielersee. Wir sahen  dann gleichzeitig den Mann und den Hasen im Mond. Ich bin ziemlich sicher, dass der Mond auch uns sah. Wir waren um Mitternacht auch ziemlich rund.

28. August: Heute erlebte ich wider einmal einen dieser sehr anstrengen Tage.  Von 10 bis 17 Uhr hatte ich eine visarte Zentralvorstandssitzung in Zürich. Die Themenvielfalt und die langwierigen Diskussionen  sind sehr spannend aber auch sehr anstrengend. Wir konnten eine riesige Traktandenliste abbauen. Ich fuhr dann gleich nach Liestal. In der Kunsthalle Palazzo wurde die Ausstellung "die Welt retten/Arche" eröffnet. Ich habe zwei grosse, glühende Abendstimmungen und drei kleine Landschaftsmalereien beigesteuert. Das war ein sehr schöner Abend mit vielen guten Begegnungen. Ich sah nach sehr langer Zeit wieder einmal Nick Messerli, der den Palazzo nun schon seit 1978 bespielt.  Dass ist eine erstaunliche lokale Kulturgeschichte. Monika kam von einer Sitzung in Basel an die Eröffnung und wir konnten dann gemeinsam nach St.Gallen zurückfahren. Ich mag es sehr, nach einer Eröffnung, während der Bahnfahrt die Eindrücke austauschen zu können.

27.  August:Heute Morgen sind die Bücher von Sebastian Utzni geliefert worden. Das erste frisch gedruckte Buch zu öffnen ist immer ein sehr spezieller Moment. Das Buch heisst "Memoria" und ist zur gleichnamigen Ausstellung im Kunsthaus Grenchen erschienen. Das Resultat ist eine echte Freude. Ich habe dann gleich zwei sehr schwere Taschen mit Büchern nach Hause geschleppt, um die ersten Bestellungen erledigen zu können. Anschliessend schrieb ich einen Text für die Vernissage von Vanja Hutter, Efa und Walter, die am Abend angesagt war. Die drei besuchten am Samstag gemeinsam einen Malkurs in Appenzell. Sie malten alle das gleiche Bild "Wasserfall am Berg" nach der Methode von Bob Ross. Das Konzept von Vanja sieht vor, dass immer wieder drei Kollegen gemeinsam diesen Malkurs besuchen und dass irgendwann rund dreissig Mal das gleiche Bild von unterschiedlichen Menschen gemalt, zusammenkommen. Der Malkurs kann immer nur von fünf Personen gleichzeitig besucht werden. Die Vernissage am Abend war sehr lustig. Die Besucher mussten raten wer welches Bild gemalt hat. Die anschliessenden Begründungen waren richtig spannend und die Trefferquote erstaunlich hoch. Ja wer Bob Ross noch nicht kennt sollte sich unbedingt einen der Filme im Internet ansehen. Malen kann so einfach sein.

26. August: Heute Abend habe ich einen erstaunlich witzigen Schweizerfilm gesehen. "Les grandes ondes - Revolution auf Langwelle" vom Westschweizer Filmemacher Lionel Baier. Der Direktor des Westschweizer Radios schickte auf Anweisung des Bundesrats drei seiner Leute nach Portugal, wo sie positiv über Schweizer Entwicklungshilfe  berichten sollten. All die Hilfsprojekte erweisen sich als gescheitert und die journalistische Mission am Ende - doch in Portugal ereignet sich etwas Schicksalhaftes. Der Film hat mich persönlich total unerwartet in meine Jugend katapultiert, denn im Sommer 1974 bin ich mit einem Jugendfreund kreuz und quer durch ganz Europa gereist mit dem Inter Rail. Kurz nach der Nelkenrevolution landeten Hansruedi Kühnis und ich in Lissabon. Wir erlebten damals riesige Aufmärsche von Menschenmassen mit fröhlichen Demonstrationen. Das ganze Volk bebte vor Aufregung nach der Beendigung der Diktatur. Die ganze Stadt war komplet zugekleistert mit Wahlplakaten. Wir hatten fast kein Geld und schliefen irgendwo am Strand. Und nun heute Abend, 41 Jahre später sehe ich diesen Film. So Geil. Es ist wie in einem Traum. Schade, dass wir damals keinen VW Bus hatten.

25. August: Gestern ist der ganze Busbetrieb auf dem Hauptbahnhof umgestellt worden wegen den geplanten Bauarbeiten. Ich weiss noch nicht wie das funktioniert. Zuerst muss ich ein Namensschild machen lassen bei Mister Minit im Neumarkt. Dann geht's an die Fürstenlandstrasse zu einer Besprechung im St. Galler Tagblatt. Ich bekomme eine "Carte Blanche" für eine Sonderbeilage für die EXPO 2027. Ich glaube das kommt sehr gut. Meine Laune hat sich sichtlich aufgehellt. Ich stellte mir die hässliche Fürstenlandstrasse als grossen, belebten Boullveard vor, mit einer Alle von riesigen, schattenspendenden Platanen.  Ich ging zu Fuss Richtung Stadt, pfiff fröhlich vor mich hin und stolperte von Baugrube zu Baugrube.

24. August: Ein dichter Tag steht mir bevor. Am Morgen früh zum Buchbinder, um die Kartonmappen für das neue Mappenwerk von XYLON zu bestellen, dann nach Zürich für mehrere Sitzungen. Ich werde warscheindlich erst nach sechs Uhr wieder zu Hause sein. Monika kommt heute von Italien zurück und wird mich fein bekochen. Das wird schön.

23. Sonntagsfreuden, lesen, schreiben, Arbeiten auslegen. Schauen, Garten geniessen, vor sich hin pfeifen...

22. August: Heute morgen bin ich in die Stadt gefahren und habe auf dem Markt eingekauft. Ab und zu geniesse ich das sehr. Das lange Anstehen beim Biogemüse, das Zuhören, mit welcher Geduld und Präzision Menschen ihr Gemüse auswählen. Das klingt dann etwa so: Geben Sie mir doch bitte zwei mittlere ungewaschene Rüebli, drei kleine noch nicht ganz reife Tomaten, einen halben Bund  Vollmondbergpetersilie, zwei grossgewachsene Zwerggurken .... usw. " Als ich eine der Verkäuferinnen fragte ob nun ich dran sei, sagte sie nein leider nicht. Nach etwa zwanzig Minuten wurde ich dann auch ganz freundlich bedient. Die Gurke, die ich bereit gelegt hatte in einem Karottenkistchen, war in der Zwischenzeit eingeschlafen und ich wusste beim besten Willen nicht mehr, was ich eigentlich einkaufen wollte. Ich habe dann beim netten Vorarlberger ein paar Hirschwurzeln gepostet.

21. August: Ja für einen Freitag war heute viel los. Ich habe duzende Bestellungen erledigt  für den Verlag. Am Abend bin ich zusammen mit Efa und Vanja nach St. Peterzell gefahren für die Ausstellungseröffnung zum Thema Zufall in der Probstei. Bernard Tagwerker zeigt eine schön bunte Arbeit. Die Rückfahrt gestaltete sich schwierig. Der letzte Bus fuhr um 20.18 ab aber in  Schönengrund war bereits wieder Schluss. Dort hätten wir eine Stunde warten müssen auf das Postauto nach Herisau. Wir gingen dann zu Fuss weiter. Zum Glück nahmen uns Thomas und Elisabeth Nembrini mit ihrem postautofarbigen Renault mit nach St.Gallen. Das war sehr lustig. Spontan besuchten wir noch die Ausstellung in der Lockremise von Phyllida Barlow. Die Engländerin hätte eindeutig viel mehr oder viel weniger zeigen sollen. Das Kunstmuseum präsentiert vorwiegend  Werke aus der Sammlung von Ursula Hauser. Es hat wunderbare Arbeiten dabei. Die Fülle der Werke ist aber erschlagend. Die Bildhauerin hat in den letzten Jahren überzeugt mit ihren raumfüllenden Rieseninstallationen. Die Ausstellung zeigt, wie schwierig es ist, mit ganz tollen Einzelarbeiten eine schlüssige Rauminstallation zu schaffen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Phyllida Barlow am liebsten alles bereits verkaufte zu einer neuen Grossskulptur zusammengebaut hätte. Aber eben - verkauft ist verkauft.

20. August: Ich bin schon früh ins Atelier gefahren, um Dokumente in meinem Archiv zu suchen aus den frühen 80er Jahren. dabei bin ich auf viele Fotos von unserer Familienzeit im Bleicheli gestossen. Der Abbruch der Kartonagefirma, die Synagoge, Monika jung und schön und mit Vera schwanger, das frisch bemalte AJZ an der Gartenstrasse, unser provisorisches Atelier in unserer Wohnung für Textilentwürfe etc. Eigentlich suchte ich aber Unterlagen über die St. Galerie. Pünktlich um 11.00 Uhr traf Theodor Brunner im Atelier. Er holte meine Bilder ab für die Ausstellung "die Welt retten/Arche", die in der Kunsthalle Palazzo in Liestal stattfindet. Dann kam auch noch Bernard Tagwerker vorbei. Er holte einen Stapel von seinem sehr schönen Buch "to whom it may conzern" für die Ausstellung zum Thema Zufall in der Probstei St. Peterzell.

19. August: Heute Morgen bin ich zusammen mit Vanja beschäftigt mit der Aktualisierung der Einträge im VLB. Um 10 Uhr kam Sara Merten vorbei. Ich hatte sie völlig vergessen. Sie arbeitet mit an einem Forschungsprojekt vom Schweizer Nationalfond zum Thema "Alternative Ausstellungsorte" in den 80er Jahren. Die von mir gegründete und geleitete St. Galerie existierte von 1979 bis 1982. Das war eine spannende Zeit. Im Moment werde ich sehr oft in verschiedenen Zusammenhängen mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Das ist gleichzeitig anstrengend und beglückend.

18. August: Heute ist Monika nach Agrano gefahren. Ich habe sehr viel zu tun für den Verlag. Vera bereitet einen Newsletter vor für Kunst und Bau Nummer 4 von Thomas Stricker. Die Serie bekommt mit jeder neuen Nummer mehr Gewicht.

17. August: Heute hatte ich ein lange Sitzung bei visarte Schweiz in Zürich. Es gibt viel zu tun für die Kunst und die Künstler aber die Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen in der Kulturpolitik interessieren mich sehr. Ich liebe auch die freie Zeit beim Zugfahren. Das ist immer sehr inspirierend, wenn man so durch die Landschaft flitzt.

16. August: nach langem Ausschlafen und anschliessendem Schwimmen im Regen haben wir ein gemütliches Frühstück genossen. Am Nachmittag sind wir dann nach Murg am Walensee gefahren für die Finissage von "LAVORARTE" im ehemaligen Mädchenheim. Gesang, Gespräche, guter Wein von Bosshard + Grimm und Pizza waren angesagt. Meine 17 teilige Arbeit "Heimweh" packten wir vorsichtig ins Auto und fuhren dann zurück nach St.Gallen. Das war ein ziemlich anstrengendes aber spannendes Wochenende.

15. August: Nach einem gründlichen Hausputz sind wir zum Sempachersee gefahren. Hugo feiert Geburtstag. Trotz leichtem Regen sind wir zuallererst schwimmen gegangen. Wir feierten wegen dem schlechten Wetter im nahen Jachtclub. Umgeben von Schiff - und Piratenbildern tanzten wir ziemlich wild in den Morgen hinein. Noch in der Nacht haben wir dann alles aufgeräumt. das ist immer eine sehr gute Ausnüchterungskur.

14. August: Heute wird ein neuer Holzofen im Nachbarhaus eingebaut. Das wird richtig gut. Am Abend sind wir zu einem wunderbaren Familienessen eingeladen.

13. August: Heute ist der grosse Stempel eingetroffen, den ich für den Versand von Sebastian bestellt habe. Auf jeden Umschlag werde ich nun ein grosses "memoria" in roter Farbe auf die Umschläge stempeln. Fröhliche Stunden - ein richtiger Postbeamtentraum...

12. August: Am Morgen früh hatte ich meine Therapiestunde. Meine Muskeln sind etwas ausser Kontrolle geraten. Jetzt werde ich regelmässig geknetet und neu zusammengesetzt. So ähnlich wie beim Brotbacken. Ich staune immer wieder, was da an Muskeln, Sehnen und weiteres Zeugs an mir dran hängt. Anschliessend habe ich den Versand eingetütet für die Buchpremiere von Sebastian Utzni im Kunsthaus Grenchen und Vanja hat sich um die Aktualisierung der Homepage gekümmert. Das ist auch eine endlose Baustelle aber es gibt keinen Weg zurück.

11. August: Die letzte Woche musste ich sehr viel aufarbeiten, das  sich in den Ferien angestaut hat. heute fuhr ich für eine Sitzung nach Zürich. Wir hatten bei visarte eine Besprechung mit zwei Performerinnen und diskutierten über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Förderung von der Performancekunst. PANCH hat eine sehr informative Homepage. Für Performancekünstler sehr zu empfehlen.

Nach dieser Besprechung traf ich Clare Goodwin. Wir werden im Vexer Verlag in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Olten zwei Bücher von Clare herausgeben. das eilt alles. Die Produktion sollte Mitte September bereits fertig sein.

Auf der Rückfahrt hielt der Zug fast 20 Minuten in Will. Nach sehr langer Zeit wurden die Fahrgäste informiert, dass es eine Aggression im Zug gab und dass die Polizei einschreiten musste. Stillstand mag ich nicht. das war echt mühsam.

10. August: Gestern haben wir am Sonntagmorgen vor dem Schwimmen unseren Spaziergang am Bodensee barfuss absolviert. Zwei Stunden Barfuss laufen gibt ein sehr gutes Gefühl.

9. August: Seit unserer Rückkehr aus den Ferien sind wir fast jeden Tag an den Bodensee gefahren zum schwimmen. Wir kauften uns eine Saisonkarte im Schwimmbad Horn. Wir haben auch den Grossbrand erlebt bei den Gewerberäumen von Raduner. Seit diesem Brand gibt es spezielle Begebenheiten. Wir haben an einer Boje weit draussen im See eine Wasserschlange gesehen und zwei Tage später las ich in der Zeitung, dass ein Wildschwein über den See geschwommen ist. Das könnten ja vom Brand geschockte Tiere sein. Na ja, ich hoffe das Wasser ist nicht all zu stark verschmutzt worden. Nach meiner Berechnung sind deutlich mehr wie eine Million Liter Wasser in das Feuer gespritzt worden.

8. August: Gestern bin ich schon um sieben aufgestanden um einen Brotteig vorzubereiten mit drei Kilo Vollkornmehl. Das war eine Freude, diesen riesigen  Brotlaib zu kneten. Wir hatten am Abend zusammen mit unseren Nachbarn ein kleines Ferienabschlussfest verabredet und rund zwanzig Leute eingeladen. Wir haben den ganzen Tag gekocht und einen grossen, weiss gedeckten Tisch vorbereitet. Wir sassen bis um halb Zwei im Garten. Das war richtig schön und niemand aus der Nachbarschaft hat reklamiert.

6. August: Ich bin früh in mein Atelier gefahren und habe vieles aufgeräumt und einige Arbeiten neu präsentiert. Ich versuchte auch mein Archiv aufzuräumen. Ich erwartete "hohen" Atelierbesuch und musste Unterlagen aus den 80er Jahren vorbereiten. Das sind immer gute Gedächtnistrainings. Beim Suchen finde ich aber meistens Sachen, die ich längst vergessen habe oder ich stosse auf interessante Bücher, die ich dann fast nicht mehr weglegen kann. Das Verrückte ist aber, dass jeden Tag neues Material dazu kommt. Ich liebe es Zeitungsartikel auszuschneiden und dann in meiner Bibliothek in die Bücher der besprochenen Künstler zu legen. So bleiben die Bücher aktuell.

4. August: Der abnehmende Mond ist eine gute Gelegenheit mit einer Fastenzeit ligth zu beginnen. Kein Alkohol bis Freitag, viel Wasser, wenig Fleisch, dafür frischen Fisch auf dem Feuer gebraten und schönes Gemüse. Diese Woche habe ich mir reserviert um alle angestauten Geschäfte zu erledigen, die während den Ferien liegen geblieben sind. Es war aber gar nicht so viel. Ich glaube die Hitze hat ganz Europa lahmgelegt.

3. August: Die letzten Tage in Agrano waren mehr als warm. Wir erwarteten täglich auf etwas Regen. In der ganzen Region herrscht Wassermangel. Ich glaube ich habe noch nie so lange Zeit nur das aller Notwendigste gemacht. Ein bisschen lesen, ein bisschen schreiben , viel schlafen, etwas kochen und gut Essen. Am Freitag war dann Schluss mit der Apathie. Wir haben alles aufgeräumt und sind nach Brissago gefahren zu Peter und Madeleine. Auch hier gutes Essen und interessante Gespräche. In der Nacht folgte der lang ersehnte Regen. Der See war fast nicht mehr zu sehen. Am Morgen mussten wir früh los fahren, da wir einen Besuch bei Lilly Keller in Montet geplant hatten. Beim Gotthard gab es eine Stunde Stau aber wir erreichten unser Ziel wie abgemacht präzise um 14 Uhr. Lilly war sehr guter Dinge. Sie hat uns durch den Garten geführt, der um diese Jahreszeit enorm dicht verwachsen ist. Die ungewöhnliche Hitze zeigt auch hier Spuren. Viele Bäume leiden unter Sonnenbrand. Meinen letzten besuch machte ich vor einem halben Jahr und Monika war das erste Mal hier. Lilly hat sehr viel gearbeitet in dieser Zeit. Ich bewundere diesen ungebremsten kreativen Fluss, der auch durch das Alter nicht zu bremsen ist.

Wir sind dann weiter gefahren nach Biel, um Hansjörg zu treffen. Er hat zusammen mit Verena ein wunderbares Japanisches Geburtstagsessen gekocht. Ein unterhaltsamer Abend mit freiem Blick auf die Stadt und den See, zusammen mit Thea und Mathias, die wir auch schon Jahrzehnte lang kennen aber selten sehen. Thea hat ein kleines Büchlein mitgebracht, das ich 1980 zusammen mit ihr gezeichnet habe, als sie bei uns als neunjährige in den Ferien war.

Am Sonntag besuchten wir das Kloster Bellelay im Jura. Das Bieler Künstlerpaar Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner "Haus am Gern" hat in der barocken Kirche eine eindrückliche Installation realisiert. Die Ausstellung wurde kuratiert von der Kunsthistorikerin Marina Porobic, die auch in der visarte Biel aktiv mitarbeitet. Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen im Verlag "Haus am Gern". Dieser Sonntag wurde zu einem richtigen visarte Treffen an einem kulturgeschichtlich interessanten Ort und das an einem Vollmondsonntag.

Das war ein sehr intensives Wochenende und die Fahrt von Brisago durch die ganze Schweiz war ein anregender Schlusspunkt unserer Sommerferien mit guten Gesprächen mit vielen interessanten Menschen.

27. Juli: Heute Morgen bin ich zuerst zum Hühnerstall gehumpelt, um zwei frische Eier zu holen. (Mein rechter Fuss behindert mich immer noch) Eigentlich esse ich immer am Sonntag ein drei Minuten Ei. Meine Parole "Kein Sonntag ohne Frühstücksei" habe ich nicht eingehalten weil ich einfach vergessen habe, dass es Sonntag ist. Also wollte ich das heute nachholen. Gestern Abend haben wir Raclette auf dem offenen Feuer zubereitet. Ich machte  schon mehrere Versuche, die richtige Gemüsemischung als Hauptbeilage zu finden. Dieses Mal habe ich fein geschnittene Peperoni, Zwiebeln, Karotten, Chinakohl, und Fenchel mit etwas Salz im Dampf gegart. Dazu kochten wir frische Kartoffeln. In kleine, spezielle Bratpfännchen, die wir auf dem Wochenmarkt entdeckt hatten, legten wir eine Schicht Gemüse, das wir flächig mit Raclette Käse bedeckten. Obendrauf kommen feingeschnittene Tomaten und Zwiebeln. Die Pfännchen stellten wir auf den Rost über der Glut und deckten sie mit einem Blechdeckel ab, damit der Käse schön schmelzen kann. Ja und wenn der Käse über dem Gemüse geschmolzen ist, kippt man das Ganze über die aufgeschnittenen Kartoffeln. Muskatnuss, Kümmel, Salz und frischen Pfeffer nicht vergessen. Mit einer frischen Jogurt - Kräutersauce und einem feinen Gurkensalat ist das ein erstaunlich frisches Sommeressen. OH - wie kann das Leben doch schön sein. Nebiolo erzeugt übrigens, üppig genossen  einen klaren Blick für die Probleme der Welt! OH - HO!

26. Juli: Sonntagmorgen. Ich bin schon um acht Uhr aufgestanden. Heute war es wirklich kühl. Ich habe mir einen Schal umgebunden, wie es nur Mike Shiva schöner könnte. So eingemummt habe ich zwei Stunden am PC geschrieben. Dann war alles gelöscht. Falsches Programm oder höhere Mächte? Scheisse - jetzt geniesse ich den Sonntag und beginne noch einmal von vorn mit einem frischen Kaffee und ohne das bunte Tuch.

25. Juli: Monika und ich haben uns entschieden am Abend ein feines vegetarisches Essen zu kochen. Wir haben dazu folgende Zutaten aus dem Biogarten verwendet: zwei riesige Tomaten, Sommerschnittlauch, Bachkresse, ein Bund Basilikum und drei Gurken (geraffelt) für den Salat. Den grünen Linsen haben wir frische Pfefferminze beigemischt. In einem Topf kochten wir fein geschnitten: fünf Tomaten, drei Zucchini, zwei Peperoni, vier Auberginen, drei Zwiebeln und wilden Spinat als Gemüseragout. Dazu gaben wir frischen Ananassalbei, Majoran, Estragon, Rosmarin etc. Dazu servierten wir CUSCUS als Sättigungsbeilage. Als wahre Leckerei gab es obendrauf noch einen stark angebratenen, marinierten Tofu mit frischen Zucciniblüten. Habe ich noch etwas vergessen? Na ja - Heinz kredenzte dazu einen sehr feinen Ripasso und das nicht zu knapp! 

24. Juli: heute hat mir Vanja in einer Mail geschrieben, dass sie gut wieder in St. Gallen angekommen sei. Sie schrieb: "ich hoffe, dass du dich entspannen kannst. Lass dich fallen." das habe ich ja dank Wicki wirklich gemacht. Ich kann es aber trotz der Ferien nicht lassen, täglich die neusten Nachrichten aus aller Welt zu lesen und alle meine E-Mails zu beantworten. Die täglich eintreffenden Buchbestellungen sende ich zur Erledigung direkt an Vera in Berlin weiter. Im Moment müssen wir uns dringend um die Verlagsförderung kümmern und das ist sehr aufwändig. Vera hat bereits ein ausführliches Dossier für den Kanton vorbereitet. Internet sei Dank ist es ja heute möglich grosse Datenmengen um die Welt zu senden und zu kommentieren. Ach ich will jetzt aber zum Apéro.

23. Juli 2015: In diesem Jahr habe ich schon drei sehr liebe Hunde kennen gelernt. Ich hätte nie für möglich gehalten,dass ich meine Angst vor Hunden je verlieren könnte. Wicki hat mir dabei sehr geholfen. Er ist eine wunderbare Mischung von einer Bergamaske und einem "Ichweissnichtmehrwas". Lustig, fidel, anhänglich, folgsam äusserst eigenwillig und kraftvoll ist er. Gestern Abend sind wir  zusammen in einem kleinen Städtchen am Ortasee zum Essen gegangen. Diesen Ausflug hat Wicki sehr genossen und er wurde im Laufe des Abends immer wilder wegen den vielen zu erschnüffelnden Hundegerüchen. Als wir zurück zum Auto spazierten roch er eine ganz heisse Spur und er zog mich mit einer unbändigenden Kraft durch die schmale Gasse. ich hing an der Leine, stolperte über den Hund, der um die Ecke bog, schürfte mir die Handgelenke auf und verstauchte mir den rechten Fuss. ABER - ich habe dem Hund und einigen Autofahrern das Leben gerettet. Ich weiss nicht was passiert wäre mit Wicki und all den Anderen, wenn am Randstein der stark befahrenen Stasse nicht meine 87 Kilo Lebendgewicht an der Hundeleine gehangen wären. Ja wir leben alle noch.

20. Juli: Ich habe viel Zeit zum lesen. Arbeiten macht keinen Sinn. Es ist sehr heiss und heute warten wir schon seit einer Stunde auf ein Gewitter. Alle Eidechsen haben sich verkrochen und ich habe das als klares Zeichen eines Jahrhundert Gewitters interpretiert. Eventuell sind sie aber auch aus Angst verschwunden. Monika hat nämlich gestern eine Eidechse in der Kühlschrank Türe eingeklemmt. Das ist sicher unangenehm, die eine Hälfte in der Kälte und den Vorderteil in der Bruthitze. Nun vergeht die Zeit und kein Tropfen Regen ist bis anhin gefallen. Ich habe einige Geschichten von Thomas Hürlimann gelesen und mich bestens amüsiert. Mal sehen was der Tag noch bringt. Ein leichter Wind treibt weitere Wolken ins Tal. Der Weisswein ist bereits gekühlt und schon bald werde ich kleine Peperoni anbraten für den Apero. Das Holz dafür habe ich bereits gehackt und das Leben ist recht schön. Weit unten liegt der Ortasee und verdampft ganz still. 

19. Juli: Heute haben wir einen Spaziergang durch den Wald gemacht um meinen Mammutbaum "Felice" zu besuchen. Monika wurde dabei von einer Schlange überrascht. Monika blieb ganz ruhig und ich hörte das Reptil nicht einmal zischen, so schnell war die im nächsten Busch. Ich habe mich dann etwas später etwas zittrig neben meinen "Felice" gestellt und der Baum ist erstaunlicherweise exakt gleich gross wie ich. 184 Zentimeter. Es geht ihm prächtig. Der Baum erscheint kräftig und trotzdem sehr fragil. Die Grundstruktur ist sehr fein und elegant. Nicht so buschig wie eine Rottanne.

18. Juli: Jetzt konnte ich gerade den lange ersehnten Artikel zum Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller lesen in der WOZ. Ich finde Lilly Keller grossartig. Mit 86 Jahren arbeitet sie immer noch unbeirrt und mit einer bewundernswerten Frische an ihrem Werk. Der Kulturjournalist der WOZ hat es nicht so geschätzt, dass Lilly Keller von ihrem Mann verlangte, dass er das Geld für den Lebensunterhalt verdient, damit sie als freie Künstlerin arbeiten kann. Ich glaube er schätzt Lilly als verwöhnte Oberschichtgöre aus den fünfziger Jahren ein. (Ihr Vater arbeitete ja schliesslich bei der Post und bei Bekannten der Familie hiengen Klee Zeichnungen an der Wand). Wie auch immer, ich denke, dass Lilly mit ihrer Kunst mehr als das tägliche Brot verdient hat. Dazu kommt ein immenses künstlerisches Werk, das es noch zu entdecken und zu sichern gilt. Eine emanzipierte Beziehung zu leben bedingt auch heute noch gegenseitige Absprachen und Entscheidungen. Gell WOZ. (Habe fertig) 

16. Juli: Heute musste Vanja bereits wieder zurück nach St. Gallen. Monika hat sie zum Bahnhof gebracht. In den letzten Tagen konnte ich mich schon richtig gut abhängen lassen. Heute hatte ich die Aufgabe, einen Hahn zu kochen. Der Hahn musste im letzten Herbst geschlachtet werden, weil er nach einem Lebensjahr zu aggressiv geworden war. Monika hat die aufgetauten, dunkelrot und orangefarbenen Fleischstücke schön vorbereitet und ausgebeint. Ich habe bei der offenen Feuerstelle ein kleines Feuer vorbereitet und das Fleisch und einige grössere Knochen in einer alten gusseisernen Pfanne angebraten, mit frischen Zwiebeln aus dem Garten und selbst eingemachtem Tomaten Püree von Silvia. Dann habe ich alles abgelöscht mit einer guten Flasche Rotwein. Dazu habe ich ein Bündel Thymian, Lorbeerblätter und viel frischen Rosmarin in die Pfanne gegeben. Ich habe darauf geachtet, dass das Feuer gleichmässig und nicht zu heftig brennt. Das Fleisch liess ich eineinhalb Stunden köcheln. Danach habe ich geschälte Karotten, eine mit Nelken gespickte Zwiebel und eine in acht Stücke geschnittene Sellerieknolle beigelegt und noch einmal eine Stunde auf dem Feuer köcheln lassen. Ganz zum Schluss legte ich eine grosse Hand voll kleine Tomaten über das Fleisch und liess die ca. zehn Minuten mit köcheln. Dazu gab es Bratkartoffeln aus dem Backofen und einen wunderbaren, frisch gepflückten  Salat. Der Hahn hatte es wirklich in sich. Nach zweieinhalb Stunden garen war er zart wie ein junges Huhn aber kräftig im Geschmack wie ein wunderbares Wildgericht. Auf dem Grill gebraten wäre das Fleisch ungeniessbar und zäh wie ein Gummistiefel.

14. Juli: Alles ist sehr relaxt.

13. Juli: Andreas hat mir heute Morgen den "REX Film" vorbeigebracht. Jetzt kann ich noch alles erledigen vor meiner Abfahrt. Ich habe noch die letzten Bestellungen vorbereitet. Das Buch von Lilly Keller ist ein schöner Erfolg. Um 12.45 treffe ich Vanja auf dem Bahnhof und dann fahren wir gemeinsam nach Italien. Am Abend werden wir von Monika auf dem Bahnhof in Omegna abgeholt. Alles wunderbar.

12. Juli: Ich musste noch einiges aufarbeiten und organisieren. Am dringendsten musste ich Andreas Baumberger suchen, damit er mir die Filmaufnahmen meiner Rede zu den Würsten und den Künsten noch vor meinen Ferien übergibt. Patricia London Ante Paris organisiert in ihrem Kunstclub in München wieder eine Film und Performance Nacht am 1. August. Für diesen Anlass haben wir meine Rede vom REX als Film aufgenommen.

Am Abend habe ich ein kleines Essen für die Nachbarn vorbereitet mit allem Gemüse, das ich noch im Kühlschrank fand. Es gelang mir ein wirklich guter Tomaten, Peperoni, Fenchel, Zuggetti Gemüseeintopf mit vielen frischen Kräutern. Dazu gut gebratene Kartoffeln und Lammfleisch von der Feuerstelle. Nun ist der Kühlschrank leer und ich kann fröhlich und gut gespeist in die Ferien fahren.

11. Juli: Um 11 Uhr bin ich in die Kunsthalle St.Gallen gegangen, um mir einen Vortrag des Jordanischen Künstlers Lawrence Abu Hamdan anzuhören. Der Künstler untersucht Phänomene der Spracherkennung und der Wahrnehmung von Klängen. Anhand eines Filmes, auf dem ein Jugendlicher erschossen wird zeigte er die Differenzen des Knalls einer Gewehrkugel. Mich hat es sehr irritiert, dass der Knall als Phänomen bei Abu Hamdan solch grosses, künstlerisches Interesse weckt und nicht die politischen Hintergründe, die zur Tötung eines Menschen führen. In der Ausstellung gibt es ca. 85 Minuten Ton- und Filmmaterial anzuschauen und anzuhören. Für mich wurde hier ein interessantes Thema formal ungenügend umgesetzt.

10. Juli: Am Morgen früh hatte ich einen Termin mit dem Heizungsspezialisten. Ein etwas spezielles Vorhaben in dieser Hitze. Die Stadt will aber einen Abgastest und ich möchte die längst fällige Heizkostenabrechnung machen.

Am Nachmittag fuhr ich nach Zürich. Wir hatten ein XYLON Treffen, um die nächsten Aktivitäten zu diskutieren und zu planen. Eva Gallizzi hat dann ein wunderbares Buffet für uns vorbereitet. So macht es natürlich sehr viel mehr Spass, über Holzschnitte zu diskutieren. Wir haben beschlossen, einen kleinen internen Wettbewerb zu organisieren. Alle Mitglieder können einen Vorschlag machen für ein Xylonblatt, das das Förderblatt ersetzen soll.

9. Juli: Im Moment kann ich nicht sehr viel körperliche Arbeit verrichten. Meine linke Schulter und mein rechter Fuss sind lädiert. Ich lasse mich seit einiger Zeit behandeln bei einer sehr guten Therapeutin. Sie nennt ihre Technik Physiobalance. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Muskel- und Sehnenstränge habe. Ich scheine nun wieder einigermassen gerade in der Welt zu stehen aber ich spüre jeden Muskel. Am Nachmittag wollte ich mir ganz billige, weiche Schuhe kaufen. Am Schluss erwarb ich ein Paar Sportschuhe der Spitzenqualität für 230 Franken. Nun werde ich wohl eine Sportkarriere starten müssen, sonst kann ich diese Schuhe kaum amortisieren. Dem Verkäufer habe ich bereits angekündigt, dass ich in einem Jahr wieder vorbeikommen werde mit einem Medaillensatz, in der Hoffnung, dann einen Sponsorenvertrag zu erhalten. Jetzt geht es nächste Woche aber zuerst ab ins Trainingslager nach Norditalien. Da werde ich dann im geschützten Rahmen meine ersten Runden laufen, (oder vorsichtig gehen).

8. Juli: Heute Nachmittag sind meine grossen Holzdrucke zurück transportiert worden, die ich im Stadtmuseum in Aarau ausgestellt hatte. Ich musste das Atelier richtig kräftig durchlüften, um die Hitze der letzten Woche zu vertreiben. Da floss ja fast die Ölfarbe von den Bildern runter.

7. Juli: Kleiner Ausflug nach Konstanz. Wir treffen eine junge Künstlerin aus Berlin, die bei Gustav Kluge studiert hat. Er hat sie an mich verwiesen. Solche Begegnungen sind immer spannend.

6. Juli: Aufarbeitungssitzung bei visarte Schweiz in Zürich. Ich schätze die vielen Zugfahrten. Im Moment lese ich sehr viele Berichte über die Finanzkriese in Griechenland. Ich bin ja sehr gespannt wie sich die kommenden Entscheidungen auf die Schweiz auswirken werden. Für Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz wird es immer schwieriger, in Europa Ausstellungsprojekte realisieren und Werke verkaufen zu können. Unsere Preise sind durch die Frankenstärke fast um 20 Prozent gestiegen.

5. Juli: Um 11 Uhr haben wir uns den Film über Segantini angeschaut im Kinok. Ein Sonntags Matinee der feinsten Sorte. Der Film ist sehr gut gemacht und berührt ganz direkt. Für mich ist Segantini etwas zu brav gezeichnet. Sein Geltungsdrang und sein Hang zum ganz Grossen hat auch viel Leid und Entbehrung für die ganze Familie mit sich gebracht. Es ist aber sehr wohltuend, dass man nicht einen hobbymässig malenden Schauspieler gesucht hat um Segantini darzustellen. Mein grösstes Erlebnis mit dem Werk von Segantini hatte ich 1999 in der grossen Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen zum hundertsten Todestag des Malers. damals wurde das grosse Triptychon frisch nach der Restauration ohne die wuchtigen Rahmen im Oberlichtsaal des St. Galler Museums präsentiert. Für mich war diese enorme Klarheit der Bilder enorm beeindruckend. Wenn man die Bilder betrachtete wurde klar, dass diese Brillanz weder mit Video noch mit Film erreicht werden kann. Ich überlegte mir, ob es an dem unregelmässigen "Chaosraster" der Malerei liegt. In der Drucktechnik werden solche Rasterungen eingesetzt. Ich habe keine Ahnung, ob solche unregelmässigen Rasterungen im Film oder Video schon entwickelt und getestet worden sind.

4. Juli: Ich musste sehr früh aufstehen. Um 10 Uhr war eine Retraite in Solothurn angesagt vom Zentralvorstand von visarte Schweiz. Wir hatten eine sehr intensive Sitzung. Das Hauptthema waren die möglichen Projekte für das 150 Jahr Jubiläum, das wir nächstes Jahr feiern werden. Mich hat es sehr gefreut, dass sich der Zentralvorstand nach langer Diskussion einstimmig für die nun ausgewählten Projekte entscheiden konnte. Es wartet sehr viel Arbeit auf uns. In den letzten Nachmittagsstunden hatten wir das Vergnügen 30 Dossiers zu beurteilen, die eingereicht wurden für einen Atelieraufenthalt in Paris. Die Jurierung brachte erstaunlich klare Entscheidungen. Ausgewählt wurde Miriam Sturzenegger und das Künstlerpaar Camille Villetard und Matthieu Barbezat.

3. Juli: Am Nachmittag ein schnelles Bad im Bodensee in der Badi Horn, dann fuhren wir das Rheintal rauf zum Walensee nach Murg. Dort fand die Eröffnung der Ausstellung "Lavorarte" im ehemaligen Mädchenheim statt. Ich war gespannt, wie meine Arbeit mit dem Guckloch in der Türe und dem Licht wirkt. Die Veranstalter haben das sehr gut gemacht. Ich habe bewusst den Zugang zum Raum verschlossen. Die Arbeit kann nur durch ein Guckloch besichtigt werden. Die 17 geschnitzten Astgabeln sind im Raum "eingesperrt" wie die Mädchen aus dem italienisch sprachigen Raum. Meine Heimwehgeschichte ist sehr gut aufgenommen worden. Die meisten Künstlerinnen und Künstler haben speziell für die Räume Werke entwickelt. Eine meiner Lieblingsarbeiten stammt von Timo Müller. Er hat eine Tanne so präpariert, dass aus ihren Ästen Wasser fliesst.

2. Juli: Gegen Abend fuhren wir wieder an den Bodensee. Unser Nachbar Hansueli feierte seinen Sechzigsten. Der See stand hoch, das Wasser war sehr warm, das Essen und die Gäste wunderbar, die Musik Argentinisch sehnsuchtsvoll. Ein sehr schöner lauschiger Abend.

30. Juni: Monika und ich hatten eine wunderbare Aufgabe. Wir waren das erste Mal zusammen als Brautzeugen eingeladen und waren pünktlich um 15 Uhr im Hochzeitssaal in Rorschach am Bodensee. Monika und ich sangen zu Ehren des Brautpaars zweistimmig ein Liebeslied. Der Standesbeamte wollte von uns wissen, ob er uns für weitere Auftritte buchen könnte.

29. Juni: Das Wochenende war ziemlich dicht. Am Samstag ein sehr schönes Geburtstagsfest oberhalb von Bühler und am Sonntagabend Ausstellung abräumen im Geilen Block in Rotmonten. Das war wirklich eine ganz gelungene Ausstellung. Meine 11 grossen "Hundehaufen" passten perfekt in unser kleines Auto. Ich musste mich dann ziemlich klein machen aber es ging. Nun liegen die Gagel in meinem Atelier und harren der Dinge die da kommen.

26. Juni: Heute Mittag sind Monika und ich zusammen mit meiner 17 teiligen Arbeit nach Murg gefahren um alles einzurichten im ehemaligen Mädchenheim. Nach langem Bangen und Fräsen und Schleifen stehen nun die 17 "Mädchen" im Raum. Erst bei meinem letzten Besuch habe ich erfahren, dass in diesem Parterreraum bis Ende der 70er Jahre ein Kindergarten eingerichtet war. Ich musste sofort an meine Kindergartenlehrerin in den sechziger Jahren denken. Sie hiess Schwester Maria Validia. Bei einem Kindergartenausflug nach Feldkirch verirrte sie sich mit uns im Wald. Während eines heftigen Gewitters fand sie einfach nicht mehr aus dem Wald heraus. Nach stundenlangem Herumirren trafen wir zum grossen Glück einen Waldarbeiter, der sich unter einer Wettertanne vor dem Regen schützte. Mit seinem Moped holte er dann Hilfe. Im Dorf zu Hause war alles in Aufregung, weil die Kindergärtler nicht rechtzeitig angekommen waren. Nach diesem Vorfall durfte Schwester Maria Validie keine Ausflüge mehr ins benachbarte Ausland unternehmen.

Ja und unser Ausflug ging nach der Installation von meinen 17 "Kunststücken" im ehemaligen Mädchenheim Murg gleich weiter. Wir fuhren dem Walensee entlang, Richtung Sargans. Unser Ziel war Unterwasser und dann die Chäserrugg. Christine Binswanger, die Partnerin vom Architekturbüro Herzog & de Meuron hat uns eingeladen an die Eröffnungsfeier des Neubaus  auf dem Gipfel. Christine hat diesen Bau mit einem grossen Team und mit Hilfe der Seilbahn richtiggehend hochgezogen. Ein tolles Bauwerk, ein interessantes Publikum und ein sehr schönes Fest. Ich bin begeistert. Dieser Bau setzt neue Massstäbe in der Alpinen Architektur und im Holzbau.

25. Juni: Der Vortrag gestern Abend von Florian Graf in der Kunsthalle St.Gallen war wirklich stark. Sein künstlerisches System, sein Leben und seine Kunst ganz direkt mit Ausstellungsprojekten zu verbinden finde ich stark. Im Ausstellungsraum zu hausen, auf zu bauen und sich am Ende mit aus zu stellen ist konsequent aber sicher sehr anstrengend.

Heute morgen früh hatte ich eine Körpertherapie. Theresa versucht meinen geschundenen Körper wieder in eine passable Form zu bringen. Das braucht für uns beide sehr viel Energie. Ich bin immer sehr erstaunt, was da alles an Muskeln, Sehnen, Fleisch und Fett am Körper hängt.

Am Nachmittag bin ich nach Aarau gefahren. Kaba Rössler vom Stadtmuseum hat zu einem öffentlichen Gespräch zu meiner Fassadenarbeit eingeladen. Eine kleine aber sehr interessierte Gruppe von Menschen war anwesend. Ein gelungener Abend mit guten Rückmeldungen. Am 5. Juli ist der letzte Tag, an dem die Holzdrucke im Foyer des Stadtmuseums noch zu sehen sind.

24. Juni: Nach dem gestrigen intensiven Arbeitstag im Atelier habe ich mich heute mit Lesen vergnügt. Seit ich Thomas Hürlimann in Appenzell persönlich kennengelernt habe, lese ich alle seine Bücher mit grossem Spass. Das ist ein sehr schöner und motivierender Ausgleich zum einpacken und versenden von Büchern. Im Moment geht wirklich die Post ab. Das Buch über die Künstlerin Lilly Keller stösst auf grosses Interesse und wird sehr gelobt. Am Abend sind wir eingeladen in die Kunsthalle zum Galaessen. Das ist immer sehr spannend.

Die Ausstellung von Florian Graf hat mir sehr gefallen und ich freue mich auf seinen Vortrag und seine Erläuterungen zur Arbeit.

23. Juni: Ich bin früh aufgestanden. mein Ziel war, meine vielteilige skulpturale Arbeit für die Ausstellung "Lavorarte" im ehemaligen Mädchenheim in Murg am Walensee weiter zu bringen. An diesem Ort wohnten ab 1900 viele Mädchen und junge Frauen aus dem Tessin und aus Norditalien, die als billige Arbeitskräfte in der Spinnerei Murg arbeiteten. Die Mädchen wohnten hier unter der strengen Obhut von Menzinger Ordensschwestern. Ich mache eine Arbeit zum Thema Heimweh.

Hier mein Text zur Arbeit:

Heimweh 2015

Warum fast 2000 Kastanienbäume in den Wäldern von Murg wachsen

Im Tessin und in Norditalien kenne man seit Urzeiten ein wirksames Rezept gegen Heimweh, erzählte mir in diesem Frühjahr eine alte Frau in Agrano Alto im nördlichen Piemont. Wenn Menschen ihre abgelegenen Dörfer für längere Zeit verlassen mussten, nahmen sie immer einige Kastanien mit auf den Weg. An den Orten wo sie sich dann wieder niederliessen, gruben sie die Kastanien in die Erde und steckten daneben von der Rinde befreite Astgabeln in den Boden. Nur so war es möglich, im folgenden Jahr die Keimlinge für die Pflege wieder zu finden. Wenn die Kastanien austrieben und die Bäumchen wuchsen, verschwand das Heimweh von Jahr zu Jahr mehr.


Dieses Mittel gegen Heimweh hätten damals auch die Mädchen und jungen Frauen angewendet, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter strenger Aufsicht von Menzinger Schwestern im Mädchenheim in Murg hausten und in der Spinnerei nebenan arbeiteten. So entstand im Laufe der Jahre über dem Walensee, einer der grössten Kastanienbestände in der Schweiz. Bei starkem Föhn soll das Weh der Mädchen auch heute noch bis ins St. Galler Rheintal zu spüren sein.

 


Ein Rätsel für die Wissenschaft ist die Tatsache, dass die teilweise über hundertjährigen Heimweh-Astgabeln die ich im Wald von Murg gefunden habe, bis heute nicht verrottet sind.

 

 

 

22. Juni: Der Tag begann schon früh mit einer Besprechung. Anschliessend hatten wir Zeit, die Berlinpläne von Vera und Jeremie zu diskutieren. Wenn alles klappt, bekommt der Vexer Verlag einen wunderbare Verlagssitz in Berlin.

21. Juni: Sonntag = Ruhetag.

20. Juni: Bei strömendem Regen war ein Familienfest in Kriessern angesagt. Meine Schwiegereltern feierten Geburtstag und ihr sechzig Jahre Ehejubiläum. Ich finde das bewundernswert und schön. Das war ein sehr spezielles und angenehmes Familienfest.

19. Juni: Ich freue mich auf Vera und Jérémie. Es gibt sicher viel zu erzählen von Berlin. Ich habe in den letzten Tagen immer wieder an meinem Vortrag gearbeitet für die Ausstellung im geilen Block, zum Thema "über Würste und die Künste". Dieser Vortrag war dann am Abend um 22.22 Uhr angesagt. Ich konnte noch ein kurzes Interview geben für die Sendung Schweiz Aktuell und war so aufgeregt. Meinen kurzen Beitrag musste ich dreimal wiederholen, weil immer wieder ein Pfeifton in der Leitung war. Dreimal das Gleiche sagen hintereinander ist etwas vom Schlimmsten für mich. Die Crew war aber sehr nett und hat  für die Sendung zwei brauchbaren Sätze zusammen gebastelt. Die Medienpräsenz für diese Ausstellung ist enorm. Leila Bock hat gute Arbeit geleistet. Beim Vortrag ist dann alles gut gegangen. Ich staune immer wieder, dass es Menschen gibt, die mir so aufmerksam zuhören.

18. Juni: Bin am Morgen früh losgefahren nach Basel. Bei Balzer Art Projekts traf ich Lilly Keller zum Brunch. Lilly war sehr gut in Form und sehr gut gelaunt. Ich habe mich sehr gefreut dem Musiker Balz Streiff wieder einmal zu begegnen. Ich habe ihn kennengelernt anlässlich einer Sonderwoche "Holz", die ich an der Fachhochschule in Basel geleitet habe. Das muss fast zwanzig Jahre her sein. Mit Stimmhorn habe ich dann Ende der 90er Jahre ein Konzert in der Kirche in Brülisau organisiert, während des Symposions "Berg und Zeit".

Gegen Mittag besuchte ich dann die Art Basel . In diesem Jahr wirkte für mich alles so aufgeräumt und gleichgeschaltet. Irgendwie scheint es einen Kodex zu geben, wie heute Kunst an einer Messe präsentiert werden muss.  Das genau gleiche Gefühl hatte ich auch an der Ausstellung "Swiss Art Award". Die Eidgenössische Kunstkommission hat ganze Arbeit geleistet und alles "Wiederständige und Quere" aussortiert. Die junge Schweizer Kunst präsentiert sich aufgeräumt und bereit für den international gleichgeschalteten Kunstkontext.

17. Juni: Heute hatte ich eine Besprechung mit Eva Inversini, ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Leibbrandt und mit Sebastian Utzni. Wir planen ein Buch zur jetzt laufenden Ausstellung von Sebastian zum Thema Erinnerung. Das kommt gut. Jetzt muss ich unbedingt an meiner Rede arbeiten, die ich in der Freitagnacht, am 19. Juni um 22.22 Uhr in der Ausstellung im geilen Block von Leila Bock  in Rotmonten, St.Gallen halten werde.

16. Juni: Nach einem anstrengenden Ateliertag hatte ich am Abend noch eine Sitzung mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St.Gallen. Das zusägen von skulpturalen Rohlingen aus Pappelholz hat mir richtig zugesetzt. Eigentlich wollte ich in der Nacht das Fussballspiel der Schweizerinnen gegen Kamerun anschauen. Nach der ersten Halbzeit viel ich aber fast vom Stuhl und robbte dann ins Bett.

15. Juni: Nach einem intensiven Arbeitstag fuhr ich am Nachmittag nach Basel zur Verleihung der Swiss Art Awards, der Kiefer Hablitzel Stipendien und der Meret Oppenheim Preise. Nach strengen Einlassregeln folgte ein straffes Programm und eine präzise Rede von Bundesrat Berset. Die kurzen Reden zu den Preisträgern waren aufschlussreich und passend. Der erste Eindruck der Ausstellung kann ich nur mit sehr glatt, durchdacht, strukturiert und designt beschreiben. Ich werde mir die Ausstellung am Donnerstag noch einmal vertiefter und ohne das grosse Publikum anschauen.

14. Juni: Die Nacht war schön. Ausgeruht konnte ich das kurze Frühstück geniessen und dann mit dem Zug nach Luzern fahren. Im Kunstmuseum fand um elf Uhr ein Gespräch statt mit Lena Friedli, Jeroen Geel und mit mir. Es waren rund vierzig sehr interessierte Menschen da und das Gespräch verlief sehr lebhaft.

13. Juni:Nach unserer anstrengenden Nacht sind wir um 10.30 Uhr bereits wieder los gefahren nach Auenstein zu einem Familienfest.  ich musste noch schnell einige Büchersendungen bei der Post abgeben. Die ganze Schweiz will das Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller lesen. Das macht mir grosse Freude. In der Post dauerte es sehr lange. Es gibt ja immer wieder Menschen, die dem Postpersonal den genauen Verlauf ihres Zahlungsverkehrs oder das Drama mit dem ersten Zahn ihres Kindes erklären wollen. Das dauert und dauert dann oft sehr lange. Wenn die ganze Geschichte erzählt wird, inklusive der ungerechtfertigten Mahnung der Migros und das Missverständnis gegenüber der besten Freundin, der böswilligen und gestörten Reaktion des  Nachbarn, der gerade ihre Adresse vom Briefkasten gerubbelt hat, weil er sauer war, weil sie kurz auf seinem Parkplatz das Auto abgestellt hat etc. Nach 20 Minuten habe ich dann meine bereits frankierten Pakete sanft unter dem Glas in die Post hinein geschoben und bin diskret weggegangen. Monika hat freundlicherweise auf mich gewartet. Dann ging es los nach Auenstein. Das Fest war sehr lustig. Wir haben uns gegenseitig wieder einmal alle alten Geschichten erzählt und einige neue kamen dazu. Ich habe dann begeistert von der Videokünstlerin Alexandra Ranner aus Berlin geschwärmt. In diesem Video schwimmt ein Kopf in einem Wasserkanal ganz langsam und singend in der Strömung. Der Kopf mustert neugierig die an ihm vorbei ziehende Umgebung, macht kurze Pausen und singt dann immer wieder "Ich habe genug". Ich sang dann aus allen Kräften dieses: "Ich habe genuhuug, ich hahahabee genug" ... in immer neuen Phrasierungen und Lautstärken. So gegen drei sind wir dann wieder nach St.Gallen gefahren. Es war sehr schön dieses Fest. 

12. Juni: Um 11 Uhr fahren wir los, um die Bücher von Jeroen Geel einzuladen. Am Abend ist Buchpremiere und Vernissage im Kunstmuseum Luzern. Die Ausstellung ist sehr schön und der Publikumsaufmarsch ist beeindruckend. Ich habe am Abend viel an Lilly Keller denken müssen, die gleichzeitig in Basel bei Balzer Art Projekt ihre Ausstellungseröffnung feiert. Monika ist dann um 21 Uhr mit mir zurückgefahren, direkt nach Rotmonten an die Vernissage von Leila Bock. Es war sehr speziell, mitten in der Nacht die ganze Kunstszene in St.Gallen anzutreffen. das war wirklich ein schönes Fest.

11. Juni: Vera ist eingetroffen, um ihre Arbeit im geilen Block aufzubauen. Ein richtiger Freudentag, denn Vera hat am Morgen früh den Bescheid erhalten, dass sie 2015 den Werkbeitrag des Kantons St.Gallen bekommt.

10. Juni: Am Abend gab es ein kleines Fest für David Bürkler im Botanischen Garten in St.Gallen. Eine schöne Arbeit ist dort nun fest installiert.

9. Juni: Heute habe ich meine Arbeiten zusammen mit Stefan Rohner nach Rotmonten transportiert. Das sind immer so mittelgrosse Aufregungen. Ich habe die Skulpturen in den Raum gestellt und bin so schnell wie möglich wieder verschwunden.

4. Juni: Diese Woche konnte ich viel im Atelier arbeiten. Irgendwie habe ich mich in der letzten Zeit etwas überlastet. Ich habe Probleme mit der linken Schulter. Dafür gehe ich nun in die Therapie. Ich wurde nun schon zwei mal richtig in den Senkel gestellt und durchgeknetet. Eigentlich hat mir die Therapeutin zwei Tage Ruhe verordnet. Gestern, als ich dann meine "Zwangsferien" antreten wollte, bekam ich ein Telefon von Rico, dass ein Transporteur zwei Paletten mit Bücher abgeladen hätte. Die Bücher würden nun auf meiner Rampe stehen. Ich hatte keine andere Wahl und musste nun fast eine Tonne Bücher von Hand umlagern. Ich nahm immer gleichzeitig vier links und vier rechts in die Hände, um meine Balance nicht zu gefährden. Ich war dann aber doch sehr froh um die Sendung. Die Bücher von Jeroen Geel sind wunderschön geworden. Am 12. Juni um 18.30 Uhr ist Buchpremiere im Kunstmuseum Luzern anlässlich der Ausstellungseröffnung von Jeroen.

Am Abend haben wir die Ausstellungseröffnung von Jiajia Zang im Architekturmuseum in St.Gallen besucht. Die Ausstellung ist erfrischend. Die sehr unterschiedlichen Werke sind lose und spielerisch frei in ungewohnten Konstellationen kombiniert. Das Mobiliar ist locker im Raum als Teil der Ausstellung integriert. Clever.

30. Mai: Nach zwei intensiven Ateliertagen ist meine Arbeit für die Ausstellung im geilen Block von Leila Bock praktisch fertig. Etwas Glanz fehlt noch. Rex hat gute Arbeit geleistet.

Heute morgen sind Monika und ich in eine echte Aufregung geraten. Wir haben so viel zu tun. Wir haben uns dann entschlossen nach Murg am Walensee zu fahren. Ich bin dort eingeladen, eine Arbeit für das ehemalige Mädchenheim der Spinnerei Murg zu realisieren. Monika wollte links rum durchs Rheintal und ich rechts rum über die Schindelegi und den Ricken fahren. Da ich ja nicht Autofahren kann wollte ich mich wenigstens bei der Route durchsetzten. Man ist ja schliesslich auch jemand. Die Fahrt war sehr schön.
Im Gebäude, das sehr lange leer gestanden ist wurde schon vieles ausgeräumt und einige Stellen mussten aus Sicherheitsgründen abgestützt werden. Es sind immer noch Spuren zu finden von den jungen Tessinerinnen und Norditalienerinnen, die hier unter der Obhut von Menzinger Schwestern gehaust haben und die Tagsüber für einen kleinen Lohn in der Spinnerei gearbeitet haben. Für damalige Verhältnisse waren die Unterkünfte geradezu vornehm. Ich möchte im ehemaligen Kindergarten, der auch in diesem Haus untergebracht war, einen kleinen Kastanienwald realisieren. Nach dem Birkenwäldchen folgt nun das Kastanienwäldchen, als Erinnerung an die jungen Frauen aus dem Süden, wo die Kastanien für viele Familien ein Grundnahrungsmittel waren.

27. Mai: Heute Abend hat Eva Gallizzi ihre Ausstellungseröffnung an der Schoffelgasse 10 bei visarte Zürich. Ich habe ihr versprochen eine kleine Rede zu halten.
An dieser Rede schrieb ich dann bis 16.30 Uhr und rannte mit ungebundenen Schuhen zur Bushaltestelle. Ich erwischte auch den Zug nach Zürich und hatte noch eine Stunde Zeit das Ganze zu verfeinern und zu ergänzen. Alles hat geklappt.

26. Mai: Heute habe ich alle Bücher vom Vexer Verlag neu fotografiert und zusammen mit Vanja alle Eintragungen im VLB (Verlagsverzeichnis lieferbarer Bücher) aktualisiert. Eine riesen Arbeit. Jetzt denke ich nur noch in Stichworten wie: Behausung, Kunst, Bewegung, Lebensgeschichte, Architektur, Farbe, Explosion, Klarsicht, Lebensentwurf, Musikalität, Zukunft, Vision, Realität, Stofflichkeit etc.

25. Mai: Pfingstmontag und schon wieder in Appenzell. das Konzert von Karin Enzler, das wir am Freitagabend verpasst haben, wird noch einmal aufgeführt. Wir sind frühzeitig da, um uns einen guten Platz im Treibhaus von Agathe zu sichern. Gegen 11 Uhr sind bereits alle Plätze besetzt. Die drei Musiker vom Appenzeller Echo sind in ihrer Pracht (Tracht) unübersehbar. Wir erfahren, dass Agathe Nisple die Gotte der neuen CD ist. "E Trocke voll Musig" mit Appenzeller Chansons von Karin Enzler. Die singende Schauspielerin hat eine enorm starke Bühnenpräsenz, einen ur-eigenen Humor und eine wunderbare Stimme. Ihre Lieder sind voll von tief empfundener Traurigkeit. Die butterschwere Melancholie, die so oft in den Appenzeller Tälern liegt wird aber immer wieder weggefegt durch kräftige musikalische Föhnstürme, die dann die Tiere,  die Landschaft und die Menschen in einer leuchtkastenklaren Farbigkeit erstrahlen lässt bis zum nächsten Schnaps im Nebel. Karin Enzler ist für mich eine  unerwartete musikalische Entdeckung. In diesen tiefen Gründen könnte noch manch wackere Seele versinken.

24. Mai: Nach einem kleinen Frühstück sind wir um 10 Uhr schon wieder nach Appenzell gefahren. Um 11 Uhr begann das Konzert vom Blechquartett Rhenus mit Helena Hautle, Nicolas Gschwind, Sandro Pfister und Fredi Sonderegger. Sie spielten Werke von Pierre Passerau, Bruce Fraser und Jan Koetsier. Ich lernte unter Anderem, dass die Luft bei einem Horn mehr als sechs Meter durch die Röhren geblasen wird.

Dann um 12 Uhr folgte der Höhepunkt der Tage mit Thomas Hürlimann. In einem fulminaten Auftritt spannte er mit seinen Text einen schützenden Schirm über die Welt. und das in Appenzell. Der Text "Nietzsches Regenschirm / Gedankenspaziergang" ist ein fein verästeltes, prall gefühltes und gefülltes Wort - Werk. Der Tag wurde so zum Fest und der Text zur Festschrift im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Festschreiben all des gedachten und verstandenen Denkens in einem neuen und zeitlosen Sprachmonument. Wenn ich in Zukunft einen Appenzeller Bauer mit seinem Regenschirm am Arm wandern sehe, werde ich nicht mehr an Sturm und Regen denken sondern an Sprache und an die Erkenntnismöglichkeiten durch Sprache. Dem Bauern wünsche ich dann eine schöne Frau an seinem Arm und mir ein kleines Buch der Erkenntnis in der Tasche, das mich begleitet und beschützt durch alle Orkane der Gefühle.  

Das war eine wunderbare Begegnung.

Später sind wir zurück nach St.Gallen gefahren. Vera musste bereits wieder auf den Flieger nach Berlin und wir waren eingeladen zu einem beschwingten, fröhlichen französischen Film mit anschliessendem Geburtstags Apéro im Kinok. 

23.  Mai: Kleiner Frühling in Appenzell mit dem Buch Kunst Fest am Pfingstwochenende. Grossartig, was Carole Forster vom Bücherladen und die Kunstvermittlerin Agathe Nisple mit allen Helferinnen und Helfern organisiert haben. Ein dichtes und emotional aufwühlendes Programm. Wir haben als Erstes die Lesungen von Angelika Overath und ihrem Lebenspartner Manfred Koch im Wohnzimmer von Nisples angehört. Die Beiden haben sich in Sent eingerichtet und erarbeiten ihre Texte im Erlauschen der Menschen und der Landschaft und forschen nach dem vielfältigen Klang und der Bedeutungsfülle der Romanischen Sprache. Diese Lesung war ein wirklichen Einklang. In einem nahegelegenen Garten mit einem alten Baumbestand, mitten in Appenzell, warteten wir dann fröstelnd auf Ulrike Ulrich und Ruth Schweikert. Ulrike Ulrich las in Decken gehüllt einen ulkigen Text über die Dokumentationspflicht von einem Förderbeitrag. Diese Pflicht ist oft so belastend, dass das Beschreiben des Projektes mehr Energie und Zeit in Anspruch nimmt als die wirklich geplante Textarbeit. 
Dann legte Rut Schweikert los mit einer unglaublich komplizierten, verzweigten und mäandrierenden Familiengeschichte, dass es mir fast schwindlig wurde. Ruth Schweikert hat mit einer Hand das druckfrische Buch gehalten und mit der anderen dirigierte sie sich selbst beim Lesen des verschachtelten Textes. Es muss vorwärts gehen. Ohne Pausen und ohne Gnade pulsiert das Familiengewusel weiter und weiter. Manchmal traurig und manchmal heiter. Das Tempo der Lesung war hoch und wärmte die Menschen, die Pflanzen und die Bäume. Bei einer alten Föhre hatte ich das Gefühl, dass sie sich lauschend und immer gefährlicher, tief über die Lesenden und die Zuhörenden herabneigte. Beim nächsten Föhn wird sie sich hoffentlich wieder aufrichten und einige Föhrenzapfen abschütteln, damit der Nachwuchs eine Chance hat und die Kinder etwas zum Basteln finden. Föhrenharz soll übrigens auch Falten straffen. Dieser Baum bietet für die ganze Familie etwas. (Der knorrige Föhrenstock ist auch bei deutschen Wanderern sehr beliebt, weil er an den Händen kleben bleibt) Der Text hat mich sehr beeindruckt und beunruhigt. Was wir auch immer entscheiden, welche Wege wir auch immer gehen und wie viele Geheimnisse wir mit uns tragen. Der Geschichte ist es schlussendlich egal. Die Geschichten entstehen um uns herum über uns hinweg und manchmal wachsen sie direkt in unsere Herzen hinein.

Nach einer Pause setzten wir uns in eine Appenzeller Stube für die Lesungen von Martin Zingg und Jens Steiner. Martin Zingg las vielschichtige Texte aus seinem Buch, das unlängst in der Edition Engeler  erschienen ist. Bei Jens Steiner fand ich beeindruckend, dass er nicht aus seinem neusten Buch las. Er arbeitet an neuen, surreal anmutenden Geschichten. Kleine literarische Erfindungen die wirklich zu erheitern vermögen.

Nach einer ausgiebigen Verpflegungspause mit Käseschnitten und Weisswein folgte dann am Abend die vom Literaturredaktor Michael Luisier moderierte Lesung von Andrej Kurkow. Der Russländische Ukrainer improvisierte als Einstimmung auf dem bereitstehenden Elektropiano. Den Roman "Jimi Hendrix live in Lemberg liess ich mir nach der Lesung signieren. Wir haben an diesem Tag so viele Bücher gekauft, dass es bis in den Sommer hinein reichen wird. An diesem Abend ist mir bewusst geworden, wie verworren und unüberschaubar die Situation in der Ukraine ist. Die Frage wer die guten und wer die Bösen sind ist unmöglich zu lösen. Es soll rund zweihundert politische Parteien geben, die wirklich meinen, für sich und das malträtierte Land den richtigen Weg zu kennen.

 

22. Mai: Heute Morgen bin ich auf den Bauernmarkt und habe viele schöne Gemüse eingekauft und drei wunderbare, frisch gefangene Bodenseeforellen und vier Zucchini Setzlinge. Bei den Zucchinis habe ich den Verkaufspreis um 50 Rappen aufgerundet. Dafür hat mir dann die sehr sympathische Verkäuferin eine biologische Salatgurke geschenkt. Das ist doch toll, oder? Zuhause habe ich dann die Zucchinis sofort im Garten eingepflanzt und dazu noch 10 alte, kiemende Kartoffeln gesetzt. Um halb zwei - ich war noch am Pflanzen, ist dann Vera angekommen mit ihrem kleinen Rollkoffer. das heisst sie bleibt nicht sehr lange. Aber wir werden für sie und für Flurina ein wunderbares Abendessen zubereiten. dafür habe ich schon einen Weisswein von Thomasi kühl gestellt.

Ach ist das Leben schön. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Vera zum Block gefahren. Sie macht auch einen Beitrag für die Ausstellung. Anita war sehr gut gelaunt und hat schöne Fotos von uns gemacht für ihre Webseite."geilerblockvonleilabock"

Ja und jetzt wird gekocht.

21. Mai: Ich habe im Moment sehr viel zu tun mit dem Verlag aber das macht mir grosse Freude. Heute bin ich ins Atelier gefahren um einige Bücher aus meiner Bibliothek zu holen. Ich schrieb dann den ganzen Tag an der Rede für Manon. Ich wurde wirklich ganz knapp fertig um 17 Uhr. dann musste ich mich beeilen, um den Zug nach Appenzell nicht zu verpassen. Die Ausstellung von Manon bildete den Auftakt zum "kleinen Frühling", dem buch  kunst fest am Pfingstwochenede. Manon schuf für die "Station Agathe Nisple" eine Rauminstallation und zwei Plakatwände. Das Ganze nennt sie "Die gesammelten Ängste". Eine starke Arbeit von einer tollen Künstlerin mit einem sehr interessierten Publikum und grossartigen Gastgebern.

20. Mai: Heute traf ich mich um 11 Uhr im Hauptbahnhof Zürich mit Fred Bauer um seine Xylon Nummer zu besprechen. das gibt eine tolle Sache. Um 13 Uhr starteten wir bei der Geschäftsstelle von visarte Schweiz mit der Jurierung für den "PRIX visarte." Das war ein sehr interessanter Nachmittag mit wirklich erhellenden Diskussionen. Ich habe viel erfahren und viel gelernt. Solche intensiven Auseinandersetzungen mit wirklichen Kunstexpertinnen und Kunstexperten bringen mir sehr viel. Am Abend habe ich mich dann mit Monika getroffen und wir haben uns im Theater Winkelwiese das Stück "Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz angeschaut. Das ist wirklich ein starkes Stück mit einer ergreifenden Jeanne Devos, Ingo Ospelt, Florian Steiner, Hansruedi Twerenbold und Stefan Roppel Jetzt habe ich gerade die Schauspielerin Jeanne Devos gegoogelt und zu meiner grossen Freude gelesen, dass sie aus der Ostschweiz stammt. Aus Appenzell! Grossartig. Ich freue mich so für Wolfram. Leider sind seine zwei Bücher die ich im Vexer Verlag herausgegeben habe noch zu wenig bekannt aber das kommt noch.

19. Mai: Heute musste ich schon um sechs Uhr aus den Federn. Der Kaminfeger kam um sieben Uhr. Ich denke das hat Glück gebracht. Ich hatte anschliessend richtig Lust auf Bildhauerei. Ich bin ins Atelier gefahren und musste zuerst drei Paletten Bücher so gut im Lager verstauen, damit ich überhaupt wieder arbeiten konnte. ja und dann habe ich den imaginären Rex herausgelassen. Rex macht nun für mich die Kunst. Das hat etwas sehr entspannendes. REX-ART macht Spass. Die Arbeiten können schon bald im geilen Block bestaunt werden. Die Eröffnung findet statt am Samstag 12. Juni. Ich kann aber erst am Sonntagnachmittag dort sein, da ich am Freitag eine Buchvernissage mit Jeroun Geel im Kunstmuseum Luzern feiern darf und am Sonntag Morgen findet dann am selben Ort ein Künstlergespräch statt.

18. Mai: Eigentlich hätte ich heute eine Sitzung mit visarte in Zürich. Ich bin nun aber an die Abschiedsfeier von Heinz Müller in die Calatrava Halle gegangen. Heinz Müller war ja lange Direktor der Schule für Gestaltung. Mit einer Gruppe von Freunden der Schule , wir nannten uns "KUK" haben wir viele Aktionen, Podien und Diskussionen durchgezogen, damit der Vorkurs nicht abgeschafft und die Schulkosten nicht ins Unermessliche steigen. Nun ist Heinz für mich völlig unerwartet gestorben.

17. Mai: Heute war ausschlafen angesagt. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend. Am Nachmittag haben wir uns mit Anita Zimmermann verabredet im "geilen Block" in Rotmonten. Jetzt freue ich mich richtig auf die Jahresausstellung. Die Stimmung ist ein bisschen wie in den 80er Jahren.

14. 15. 16. Mai: Wir mussten  schon um sieben Uhr aufstehen in Bern. Eine Autofahrt nach Stuttgart stand auf dem Programm. Wir entschlossen uns dann spontan, zuerst wieder nach St.Gallen zu fahren um dort einen kleinen Stopp einzulegen. Für mich war das eine grosse Erleichterung, denn ich hatte vergessen Unterwäsche und Socken einzupacken und Euros mussten wir auch noch besorgen. Ich beantwortete noch die wichtigsten Mails und gleich ging es weiter zum Schloss Unterhaching. Wir wollten rechtzeitig da sein, um die Präsentation der Vexer Bücher und der Multiples in Ruhe vorbereiten zu können. Es war eine grosse Freude, den Kurator Christian Gögger wieder einmal zu sehen. ich kenne ihn schon seit den 80er Jahren, als er noch eine kleine Galerie in München führte, wo ich damals mehrmals ausgestellt habe. Am Nachmittag kamen dann sehr viele interessierte Menschen, zu der Eröffnung der Ausstellung "Aussenhaut und Innensicht". Nach einer sehr gelungenen Vernissage fuhren wir nach Esslingen zum Hotel und trafen uns später mit Christian, Renate und Alexandra. Ein sehr schöner Abend, der uns animierte gleich noch einen Tag länger in der Region zu bleiben. Wir hatten sehr viel Zeit für Gespräche, gutes Essen, Trinken und einen langen Spaziergang durch die Weinberge. Am Samstagmittag sind wir dann wieder in die Schweiz zurückgefahren. Ich hatte Lust auf dem Markt einzukaufen. Einen sehr schönen Fisch und frisches Gemüse. Ich konnte mich dann durchsetzen, Spagetti mit Mönchsbart zu kochen. Als Roscano Agretto oder Agretti, Barba di frate oder Barba dei frati und Liscari sativa kennt man die Pflanze in Italien, wo sie von Gourmets gern verspeist wird, besonders in der Toskana ist sie auf dem Markt zu finden. Ja das habe ich gekocht mit einer frischen Zwiebel und einigen kleinen frischen Tomaten, gut gewürzt und das war so wunderbar. Derweil hat Monika kleine Artischocken eingekocht, die wir ebenfalls auf dem Markt gekauft hatten. Ein Fest!

13. Mai: Am Morgen erledigte ich alle Pendenzen und packte wieder viele bestellte Bücher ein, die ich unbedingt noch zur Post bringen wollte. Wir mussten am Mittag mit ungefähr zweihundert Kilo Büchern losfahren nach Bern. Die erste Station war die Geschäftsstelle Kultur vom Kanton Bern. Da musste ich fünfzig Belegexemplare vom Buch von Fredi Lerch, das er über Lilly Keller geschrieben hat abgeben. Mein Kontakt zu Christine Wyss erfolgte seit mehreren Monaten nur per Mail. Nun standen wir uns das erste Mal gegenüber. Solche Momente finde ich immer sehr spannend, da man sich ja meistens einen Menschen vorstellt. Eine sehr angenehme Begegnung. Dann fuhren wir schnell zum Hotel Marthahaus. Das ist ein sehr angenehmer Ort. Wir wollten uns kurz ausruhen, und anschliessend die Buchpremiere in der Kunsthalle vorbereiten. Eigentlich war alles schon bereit. Freunde von Lilly Keller hatten zwei riesige Blumensträusse in die Kunsthalle geschickt. Das sah alles sehr festlich aus. Ich erwartete ungefähr fünfzig Leute. Am Schluss waren aber über hundert Interessierte anwesend. Christine Wyss hat eine sehr schöne Einführung gemacht und Fredi Lerch hat eine sehr stimmige Lesung vorbereitet. Alles war wunderbar. Dani Landolt vom SBVV und seine Frau Katharina Altas von der Literaturagentur Altas, die mir die Herausgabe dieses Buches vorgeschlagen hatte waren da und strahlten über alle vier Backen. So eine Freude. Es war eine bunt gemischte Gesellschaft aus der Kulturszene der Schweiz. Frantitscek Klosner hat einige super schöne Fotos geschossen von der glücklichsten Lilly aller Zeiten. Die junge Fotografin Joëlle Lehmann war genau so da wie die erste Frau von Dieter Roth. Mehr verrate ich nicht.

12. Mai: Ich bin mit Monika zusammen nach Zürich gefahren, um den Dokumentarfilm "Comedie Humaine" anzuschauen, den donkeyshot über den Mammutbaum von Aarau und seine Verwendung für die Fassade des neuen Stadtmuseums gedreht haben. Der Ton und die Musik muss noch abgestimmt werden. Mir hat der Film sehr gefallen aber ich bin natürlich etwas befangen, da mir ja neben dem Baum am meisten Zeit gewidmet ist in diesem Dokumentarfilm. Im Moment ist mein Leben so reichhaltig und wunderbar anstrengend.

11. Mai: Ich habe mich den ganzen Tag vorbereitet für einen kleinen Projektwettbewerb, den der Vorstand vom Heimatschutz St.Gallen Appenzell Innerrhoden durchführt. Sie wollen jährlich einen Preis verleihen für ausserordentliche Projekte und dieser Preis muss nun kreiert werden. Die Präsentation fand pünktlich um 18.15 Uhr im Zollfreilager statt. Ich bin gespannt was nun dabei herauskommt.

10. Mai: Am Freitag hatte ich schon um ein Uhr eine Vorbesprechung für die Delegiertenversammlung von visarte Schweiz. Gegen fünf Uhr gab es drei verschiedene Architektur Führungen durch Zürich West durch die Organisation "guiding-architects". Es war sehr spannend all die Neubauten und die neu gestalteten Quartiere in Zürich West anzuschauen. Am Abend gab es feines Essen und gute Musik. Die Versammlung am Samstag verlief reibungslos. Es war eine starke und gute Stimmung unter all den Künstlerinnen und Künstlern spürbar. Peter Haerle, der Leiter des Kulturamtes von der Stadt Zürich  hielt einen spannenden Vortrag. Er versuchte sich gar nicht einzuschmeicheln. Er umschrieb vielmehr all die Probleme und Erwartungen in Sachen Kunst. Sehr sympathisch. Er widersprach der Kultur des Tomatenschmeissens und bot anstelle dessen den Dialog an mit den Kulturschaffenden. Ich muss sagen, Zürich war mir noch nie so nah wie nach diesem Wochenende. Die visarte Zürich hat diese Delegiertenversammlung für die visarte Schweiz wunderbar vorbereitet und organisiert.

7. Mai 2015: Eigentlich wollte ich heute einen Ausflug nach Aarau machen mit meinen Schwiegereltern. Sie werden das neue Stadtmuseum besuchen. ich habe aber so viel mit den neuen Büchern von Lilly Keller zu tun, dass ich nicht weg kann. Ich muss lange Listen abarbeiten mit dem Versand von bereits bestellten Büchern, Presseexemplare, Belegexemplare etc.

6. Mai: Einen Tag zu früh und für mich gerade richtig sind heute drei Paletten mit Büchern von Lilly Keller mit dem wunderbaren Text von Fredi Lerch bei mir angeliefert worden. Der Lastwagenfahrer hat angerufen und in breitestem Sächsisch gesogt: jo ich bring drei Poletten Bücher oder so'n ZEUGS. das Zeugs ist wunderschön. In zwei Stunde habe ich dann etwa fünfzig Bücherpakete gemacht und mit meinem Fahrradanhänger zur Post gebracht. Zwei ganz junge Pöstlerinnen haben sich riesig gefreut. Was sooo viele Pakete bringen sie uns? Für die war das wie Postweihnachten. Am Abend habe ich zusammen mit Monika eine kleine private Feier für das neue Buch gemacht und anschliessend wunderbar geschlafen.

5. Mai: Der Vexer Verlag ist eingeladen, über den ganzen Sommer im Schloss Unterhaching das gesamte Verlagsprogramm zu präsentieren. jetzt musste ich einige grosse Bücherpakete vorbereiten und nach Deutschland senden. Meine linke Schulter hängt vom vielen Bücher schleppen herunter wie ein alter Sack. Am Nachmittag ist dann mein vielteiliges, gerodetes Bikenwäldchen zurückgebracht worden von Wettingen. Schon bald ist da kein Durchkommen mehr in meinem Atelier.

4. Mai: Endlich wieder einmal eine Sitzung in Bern. das ist immer so aufwändig. Durch die ganze Schweiz für ein Stunde Sitzung. Die Aare war sehr beeindruckend mit dem vielen wilden Wasser. Wenn da mal ein Damm bricht müssen die Berner aber hurtig weg.

3. Mai 2015: Ich hatte ruhige Arbeitstage. Monika war im "Aussendienst". Ich mag es, einfach so vor mich hin zu arbeiten, für mich zu kochen und herum zu sinnieren. Ich freute mich schon lange auf das heutige Konzert in der Grabenhalle. das Biel-Bienne Jazz & Impro Orchestra von Daniel Erismann ist in St.Gallen. Ich mag die Stimme der Sängerin Fanny Anderegg. Das war wirklich ein feines Konzert am frühen Sonntagabend. Antonello Messina am "accordion" hat mir sehr gefallen und natürlich alle Anderen auch.

2. Mai: Um 17 Uhr fuhr ich nach Rotmonten. Ich wollte endlich den "geilen Block" anschauen, in dem Anita Zimmermann eine Ausstellung organisiert. Leider war am Samstag niemand da. Der Wirt vom Nachbarhaus wollte wissen, was denn mit diesem Haus los sei. So viele Leute kommen und gehen und alle fotografieren. Warum? Ich sagte ihm, das sei halt ein geiler Block.

1. Mai: Ein trauriger Tag beginnt. Wir nehmen Abschied von Florian Eicher. Der Treffpunkt ist auf dem Friedhof Feldli. Florian hat sich für eine Erdbestattung entschieden. Das war sehr berührend. Ein langer Trauerzug, alle Teilnehmenden mit Regenschirmen, schritten langsam in strömendem Regen durch den sehr schönen Friedhofpark zum Grab. An der Spitze des Zuges spielten drei Musikanten immer wieder die gleiche traurige Melodie. Die Abschiedsfeier fand dann im Chor der Kathedrale St.Gallen statt. Das ist ein sehr eindrücklicher Raum und ich sass erstmals in einem der geschnitzten, barocken Chorstühle, die in vergangenen Zeiten nur von höchsten Ordensträgern und grossen Stiftern benutzt werden konnten. Die verschiedenen Episoden aus der Lebensgeschichte von Florian und die wunderbare, Herzen öffnende Musik von einer mir leider unbekannten Solistin liessen mich zugehörig fühlen zu allen Anwesenden. Ich mag die Kathedrale, vor allem das sehr spezielle Grün und das Rosa der Stuckaturen. Diese Farben waren nach der Renovation in den siebziger Jahren umstritten. Heute passen sie sehr zu meiner Stimmung. Bei Trauerfeiern überlege ich mir immer, wie ich mir meinen eigenen Abschied wünschen würde. Das ist gar nicht so einfach. Der heutige Morgen hat mich wieder etwas näher an die Traditionen der katholischen Kirche heran geführt. Das Reale, Schonungslose, Feierliche und Tröstende im Umgang mit dem Tod hat mich sehr betroffen. Auch die Tradition des anschliessenden, gemeinsamen Mals der Trauernden, heute in der Militärkantine, macht Sinn. Die Lebenden treffen sich, um ihren Alltag und die Zukunft mit einem Menschen weniger zu organisieren.  

29. April: Heute Morgen sind die Drucksachen geliefert worden für die Buchpremiere von Lilly Keller und Jeroen Geel. Ich habe den ganzen Tag Briefe und Bestellkarten verpackt. Beim Schlussspurt um 17 Uhr hat mir Monika noch geholfen für die letzten zweihundert Umschläge. Um 17.45 waren 1500 Umschläge bereit, die wir dann kurz vor 18 Uhr bei der Post abgeben konnten. Das ist immer ein sehr erleichternder Moment. Manchmal liebe ich ja so monotone Arbeiten aber jeden Tag würde ich das nicht aushalten.

28. April: Heute Mittag bin ich nach Zürich gefahren, um Claudia Jolles und Britta Polzer vom Kunst-Bulletin zu treffen. Ich war das erste Mal im Zeughaushof zum Essen. Das ist ein wirklich sehr schönes und sinnstiftendes soziales Projekt. Wir hatten sehr interessante Gespräche über Kunst, über das Verlegen, das Urheberrecht im Zeitalter des Internets, über das Archivieren einer traditionsreichen Zeitschrift und über das Vermitteln von Kunst. Ich habe schon wieder so viel gelernt. Wo führt das noch hin? Anschliessend habe ich mir die Arbeitsräume angeschaut, wo das Kunst-Bulletin gemacht wird. Lustigerweise waren das einmal die Praxisräume von Herrn Dr. Fischer, dem Vater von unserem Superstar Urs Fischer.  Die Räume sind noch mit schönen altern Schildern beschriftet unter Anderem als "Wartezimmer" und  "Sprechzimmer". Ich staune, wie klein und überschaubar die Welt dann doch immer wieder sein kann.

27. April: Ich habe den ganzen lieben langen Tag Bücher verpackt. Langsam geht mir der Vorrat an gebrauchten Kartonschachteln aus. ich liebe es für meine Bücherpakete alte Schachteln zu recyclieren. Am Abend haben wir das erste Mal in diesem Jahr draussen ein Feuer gemacht und einen wunderbaren Fisch gebraten. Plötzlich hing ein Jahrhundert Gewitter über uns. ich habe noch nie eine solche Regenmenge in einer so kurzen Zeit über mich schütten lassen müssen. Beängstigend.

26. April: Sonntag, ausschlafen, faulenzen etc. - denkste, nichts von all dem. Ich hatte so viel nachzuarbeiten. Briefe schreiben, Bücher versenden, die Niederlage beim Jassen verarbeiten und vieles mehr. Am Nachmittag habe ich mich durchgesetzt, endlich einmal um den Gübsensee herum zu spazieren. ich arbeite jetzt schon 23 Jahre im Haggen und war noch nie an diesem See. Schön war das!

25. April: Nach dem Frühstück sind wir noch einmal zum Schlossplatz geschlendert. Eine Gruppe von älteren Frauen war entsetzt, dass das Museum erst um 11 Uhr aufgemacht wird. Die waren fast nicht zu beruhigen. dabei machten sie den Eindruck, dass sie noch Jahrelang Zeit haben um dieses Museum täglich zu besuchen.

Wir hatten nicht so viel Zeit. Wir mussten nach St.Gallen zurück. Wir wollten am Mittag schon im Restaurant Kreuzegg sein, um unser zweites Jass Turnier vorzubereiten. Das Turnier war sehr lustig und alle unsere Freunde waren so zufrieden und strahlen vor sich hin. Monika und ich mussten schwer unten durch. Wir hatten den ganzen Tag so miserable Karten, dass wir am Schluss auf dem letzten Platz gelandet sind. Ehrlich gesagt bilden wir uns ja ein, dass wir zu den besten Kartenspielern der Nation gehören. Aber hoppla, das war ein totaler Tiefpunkt.   

24. April: Um 11 Uhr sind Monika und ich ins Atelier gefahren, um alle bestellten Bücher zu packen für Aarau. Ich habe sicher dreihundert Kilo druckfrische Publikationen eingeladen. Unser Ford K hieng hinten richtig herunter. Die Fahrt war unterhaltsam und stressfrei. Es gab sehr viel zu diskutieren. Strategien, Hoffnungen, Erwartungen, Vorfreude auf die Eröffnung des Stadtmuseums etc.
Wir haben zuerst alle Bücher abgegeben und sind dann ins B&B Tuch und Laube gegangen um uns anzumelden. Am Nachmittag heben wir die Stadt genossen. Aarau ist eine wirklich schöne und kompakte Stadt mit einer wunderbaren historischen Bausubstanz. Wir besuchten dann noch das Kunsthaus. Die Ausstellung von Miriam Cahn war leider schon vorbei und die Sammlung habe ich schon oft gesehen. Wir sind noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert und wollten noch etwas vorschlafen, um die Eröffnung gut zu überstehen. Um 18 Uhr war der Schlossplatz schon sehr voll und immer mehr Menschen strömten daher. Ich glaube es waren weit über tausend Menschen anwesend. Nach dem Fassadentanz von "öff öff aerela dance" mussten die Techniker des Museums alles umbauen, denn die Ansprachen konnten unmöglich im Museum abgehalten werden. Es waren so viele Interessierte Menschen da, dass dann alles im Freien stattfinden musste. Es herrschte eine grossartige Stimmung und für mich war das eine der schönsten Vernissagen die ich je erlebt habe. Das gemeinsame Feiern von einem historischen Ereignis - von einem gemeinschaftlichen Werk. Das war wirklich sehr berührend. Wir waren anschliessend von Roger Diener zu einem Essen eingeladen mit wunderbaren Speisen und das in feinster Gesellschaft.  

23. April: Ich bin früh los gefahren nach Aarau. Zuerst brachte ich meine druckfrischen Bücher in die Buchhandlung an der Kronengasse und anschliessend fand die Pressekonferenz im neuen Stadtmuseum statt. Es war ein grosses Interesse zu spüren. Es wurden verschiedene Führungen durch die neuen Räume und die Ausstellungen angeboten. Mehrere Lokalradios und Fernsehstationen waren anwesend. Ich glaube das kommt jetzt alles gut. Ich bin so froh, dass mein Buch "Menschenbilder" das ich für die aktuelle Ausstellung mit den Holzdrucken vom Mammutbaum gemacht habe rechtzeitig fertig geworden ist. Auch die Kunst und Bau Nummer 3, mit einem Text von Beat Wismer liegt jetzt auf.

Am Nachmittag bin ich nach St.Gallen zurückgefahren und habe einige Kleinigkeiten für ein feines Nachtessen eingekauft. Gemüse, Kräuter und ein schönes Pilzgemisch. Nach dem Beantworten aller Mails habe ich fünf ganz unterschiedliche, scharfe Gemüsebeilagen gekocht. Mit frischen Paprikaschoten, Ingwer, Tofu, Soja etc. dazu einen ganz einfachen Risotto. Ich kam dann in eine so angenehme Entspannung hinein, dass ich prompt eine wichtige Sitzung vergessen habe. (Zum Glück - der Abend war so schön!)

21. April: Heute hatte ich wieder einen dieser unmöglichen Tage. Ich musste schon um acht Uhr an der Haggenstrasse sein wegen einem Transport. Warten ist etwas sehr anstrengendes. Um 11 Uhr war immer noch kein Lastwagen da. Nach einigem Herumtelefonieren wurde mir versprochen, dass die Bücher rechtzeitig geliefert würden. Es wurde dann fast ein Uhr und ich hätte schon längst in Appenzell sein müssen für eine Besprechung und für ein feines Essen. Ich kam dann rund zwei Stunden zu spät in Appenzell an.

19. April: Heute habe ich ein einsames aber reichhaltiges Frühstück genossen. Die Zeitungslektüre war erstaunlich langweilig. Das Bild des Tages sah ich in der NZZ am Sonntag. Ein Pappelbild von Claude Monet. Süss und rhythmisch beschwingt. das animiert mich richtig, nächste Woche im Atelier wieder in meine Pappelstämme hinein zu sägen und zarte, duftende  Wölcklein aus dem Holz zu befreien.

Gestern bin ich früh losgefahren nach Grenchen. Das war eine herrliche Bahnreise. Die Landschaft wurde immer grüner, die Sträucher und Bäume immer bunter in der Blust. Kurz vor meinem Ziel lagen doch wirklich schon Kühe im üppigen Gras. Ich besuchte wieder einmal das einzige Kunsthaus in der Schweiz mit einem eigenen Bahnhof. Eva Inversini und Sebastian Utzni warteten schon auf mich für eine Besprechung.  Um 14 Uhr besuchte ich dann im Parktheater die Hauptversammlung der visarte, Sektion  Solothurn. Es ist für mich eine grosse Freude, dass es innerhalb von ein paar Monaten, mit drei intensiven Sitzungen gelungen ist, einen neuen Vorstand und einen neuen Präsidenten zu finden. Die Versammlung war sehr anregend. Es wurden sehr viele Ausstellungsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert. Ich wünsche mir, dass der neue Präsident Claude Barbey die nötige Unterstützung erhält, damit in dieser Region wieder neue kulturelle Blüten knospen. Es ist auch zu hoffen, dass sich vermehrt wieder ortsansässige junge Künstlerinnen und Künstler engagieren für eine starke, solidarische kulturelle Kraft in dieser Region.

Ich liebe das Zugfahren. Die Rückfahrt endete in Trogen. Eine eisige Schneeluft wehte mir um die Ohren. Im Palais bleu gab es ein Armenisches Essen und anschliessend einen Film über den St. Galler Flugpionier Mittelholzer, der von Karin Karinna Bühler mit Kommentaren und Bildern aktualisiert wurde. ich muss jetzt unbedingt die Ausstellung im Kulturraum anschauen. Einige Äusserungen im Film haben mich richtig genervt. Z.B. "Die Frauen wickeln ihr dicht geknüpftes Haar wie Rattenschwänze um ihre Köpfe" oder - "Die Frauen schmieren ihr Haar mit Butter und Fett ein, was dann richtig stinkt" Eine Frau haben sie für das Filmtem kräftig gewaschen und mit nackten Brüsten vorgeführt. Viele Filmkommentare wirkten auf mich richtig übel. Mittelholzer wirkte für mich in diesem Film trotz aller Genialität wie ein arrogantes, kolonialistisches und sexistisches Arschloch.

18. April: Gestern habe ich wieder einmal einen richtigen Kunstbetrachtungsfeierabend genossen. Zuerst schaute ich mir die neuen Räume vom Auktionshaus Widmer an der Unterstrasse 11 an. Es regnete in Strömen und ich war Mausnass bis ich da war. Dieser Ausstellungsort ist ein grosser Gewinn für St.Gallen. Ich staune, wie viele tolle Werke von Adolf Dietrich immer wieder auf dem Markt auftauchen. Mein zweiter Favorit ist Ferdinand Gehr. Er hat mich schon als Kind fasziniert. Im Rheintal war er ja eine der wenigen Lichtgestalten in der Kunst. Ich finde es interessant, wie er die reine Abstraktion nicht ertragen hat. Mir scheint, als hätte Gehr Angst gehabt, all seine Engel zu beleidigen durch die reine, abstrakte Form. Er brauchte die religiösen Inhalte als Gaben für seine Kunst um die Schöpfung, inklusive seiner eigenen zu feiern.

Anschliessend habe ich die Vernissage in der Kunsthalle besucht. Florian Graf hat eine sehr beeindruckende Ausstellung inszeniert. Man spürt förmlich, dass da ein Künstler zu Gange ist, der sehr viel liest und sehr viel über Kunst und Architektur weiss. Richtig rührend ist der persönliche Brief des Künstlers an sein Publikum. Der von Hand geschriebene Brief liegt auf einem Tisch  in einer art privatem Salon. In diesem  Raum sind die grossen skulpturalen Arbeiten als Keramikobjekte noch einmal wie Modelle präsent. An diesem Abend ist mir bewusst geworden, dass eine neue Generation von akademisch ausgebildeten Menschen Kunst machen. (Architekten, Ärzte, Soziologen, Geisteswissenschaftler etc.) Dadurch wird das Bild des Künstlers stark verändern. Meine Generation wird durch diese Entwicklung der Akademisierung quasi zu Art Brut Künstlern. Bei diesem Gedanken ist es mir aber gar nicht so unwohl.

Ja das war ein lustiger Abend mit vielen altbekannten Künstlerfreunden aus aller Welt. Ich habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt im Kunstkontext.

17. April: Jetzt ist es schon wieder Freitag. Diese Woche hat sich viel getan. Ich habe eine neue, vielteilige Arbeit begonnen für die "Jahrhundertausstellung" von Anita. Gestern hat Hermann eine wunderbare Paella gekocht. Ein schöner und unterhaltsamer Abend.

13. April: Ich freue mich auf eine Woche intensiver Atelier Arbeit. Anita Zimmermann hat einen leerstehenden Wohnblock in Rotmonten für eine kulturelle Zwischennutzung organisiert, Nun lädt sie ihr Netzwerk ein für die Jahrhundert Ausstellung im geilen Block. Ich habe natürlich spontan zugesagt. Jetzt freue ich mich auf eine Woche Atelierarbeit. Ich beschäftige mich mit der Geburtstunde der Kunst.

12. April: Ich bin früh aufgewacht heute morgen. Erstaunlicherweise brauche ich langsam weniger Schlaf. Ich scheine doch etwas zu reifen. Nach dem Frühstück gab es eine kurze Hausputzrunde. Monika wollte vor ihrer Abreise alle Krumeln aus allen Ecken eliminieren... Gegen Mittag ist sie losgefahren und ich habe mich auf einen Kurt Früh-Tag eingerichtet. Der grossartige, 1915 in St.Gallen geborene Regisseur wäre heute 100 Jahre alt geworden. SRF hat ihm in der Sternstunde die gebührende Zeit gewidmet. Ich habe gestaunt, dass das Ostschweizer Sonntagsblatt keinen Satz zu diesem wichtigen Kulturschaffenden gebracht hat. Hier wird so viel verschlafen und vergessen. Es wäre sehr spannend, wie heute ein aktueller Tatort Krimi aussehen würde, gedreht von Kurt Früh. Der geniale Filmer scheiterte ja an seinem letzten und besten, realistischen und gesellschaftskritischen Film in einer Zeit als in der Schweiz eine überhebliche und arrogante Kriegsgewinnlergeneration nur so richtig kitschige und klischierte Wohlfühlfilme sehen wollte. Nun schaue ich mir Tatort an und denke fest an Kurt Früh. Ein grosses Prosit an den verkannten Meister!

11. April: Die letzten Tage sass ich praktisch nur am PC und habe mich um meine Publikationen gekümmert. Redigieren, korrigieren, warten und hoffen dass alles klappt. Nun hängt alles fertig gestaltet irgendwo in einer digitalen Wolke im All und regnet dann am nächsten Montag  als Bild- und Buchstabensuppe in die Druckerei.

Heute hatte ich eine lustige Begegnung im Atelier mit Roman Signer und seiner Tochter Barbara. Sie holten einige Schachteln mit Büchern ab. Roman ist einfach ein wunderbarer Erzähler. Er überrascht mich immer wieder mit irrwitzigen Geschichten. Grossartig!

Jetzt freue ich mich auf einen gemütlichen Jassabend in der Kurzeck. Hier werden wir in zwei Wochen auch unsere zweite Jassmeisterschaft durchführen. Jetzt ist üben angesagt.

8. April: Der von Beat Wismer versprochene Text für meine "Kunst und Bau Nummer 3" zum Stadtmuseum in Aarau ist eingetroffen. Nun kann ich an dieser Drucksache weiterarbeiten.

Am Nachmittag werden Jiajia Zang und ein Mitarbeiter vom Sitterwerk die Chinesischen Bücher "Skulptur" von Roman Signer liefern. Darauf habe ich sehr lange warten müssen. Es gab Probleme mit der Fracht. Dank den guten Beziehungen von Felix Lenherr vom Sitterwerk wurde die Ausfuhr der Bücher aber möglich. Nun habe ich eine riesige Kiste im Atelier. Ich hoffe doch, dass sich viele Sammler  von Roman auf das erste Buch in Chinesischer Sprache freuen. Ich bin auf jeden fall sehr glücklich, dass dieses erste umfassende Werkbuch über Roman Signer, das ich 1987 noch von Hand gezeichnet und entworfen habe jetzt in Chinesischer Sprache vorliegt. Ein wunderschönes Buch nur zum Anschauen. Lesen kann ich es wirklich nicht. Li zenhua hat das mit der grossen Ausstellung in China möglich gemacht. Herzlichen Dank und TCHIN - TSCHIN!

6. April: Agrano alto. Nun ist alles Holz verarbeitet. Die Scheiterbeige kann sich sehen lassen. Morgen fahren wir schon wieder zurück. Ich werde es vermissen, stundenlang durch die Wälder zu streifen.

4. April: Ich habe mich entschlossen einige Birken zu fällen, um den Brennholzvorrat für 2016 vorzubereiten. Ich habe den ganzen Tag im Wald gearbeitet. Dabei habe ich mir aber starke Rückenschmerzen eingehandelt.

3. April: Heute konnten wir bei strahlendem Sonnenschein eine sehr erholsame Wanderung machen durch die Wälder, weit über dem Ortasee. An einer steilen Böschung habe ich eine kleine, spezielle Föhre ausgegraben. Die werde ich dann in der Nähe von Felice, meinem jungen Mammutbaum pflanzen, damit er nicht so einsam ist. Ich denke die Beiden werden sich gut verstehen und gegenseitig im Wachstum anregen.

2. April: Eigentlich wollten wir schon am Mittwochnachmittag losfahren nach Italien. Ich musste aber auf ein Paket von der Druckerei warten mit den Druckbogen für mein neues Buch "Menschenbilder, Holzdrucke vom Mammutbaum Aarau", das ich unbedingt bis zur Eröffnung des Stadtmuseums am 24. April fertigstellen will. Es gab dann noch so viel zu tun dass wir uns für eine Fahrt am Donnerstag um fünf Uhr entschieden haben. Die Strassen waren praktisch leer und wir kamen gut voran. In den Bergen hatte es Neuschnee und die Temperatut lag beim Nullpunkt.

1. April: Die Berichterstattung zum Vortrag von Bundesrat Berset in der Lokremise und der anschliessenden Podiumsdiskussion waren durchwegs gut. Das St.Galler Tagblatt und Saiten haben darüber berichtet. Kaspar Surber und ich haben uns bestens verstanden auf dem Podium und wir konnten richtig Stimmung aufbauen. Persönlich habe ich noch nie so viele positive Reaktionen nach einer Veranstaltung erhalten. Der Anlass war ganz unerwartet eine starke Weiterführung der Diskussionsrunde "Lautes Denken" am gleichen Ort vor einem Jahr.

31. März: Am Nachmittag hatte ich eine aufschlussreiche Besprechung mit Monica Sittaro an der Schule für Gestaltung in St.Gallen. Sie hat mir die Berechnungsgrundlagen für die Vollkostenrechnung der Lehrgänge Höhere Fachschule in den kreativen Berufen erklärt. Mich würde es natürlich interessieren, was mit dieser Rechnungsmethode ein Studienplatz an der Universität St.Gallen kosten würde.

30. März: Am Morgen besuchte ich die ZHDK im Toni Areal. Die Hochschule der Künste ist wirklich sehr beeindruckend. Beim Treppenaufgang muss man sich aber richtig Mühe geben den passenden Schritt zu finden um nicht zu stolpern. Am besten funktioniert es mit Rennen. Ich habe das ausprobiert obwohl ich gar keine Eile hatte. Ich war rechtzeitig da mit einer visarte Delegation für eine Sitzung mit dem Rektor Prof. Thomas D. Meier. Ich höre immer wieder Kritik an dieser neuen Ausbildungsstätte. Zu gross, zu anonym, zu kühl, ohne Atmosphäre etc. Gerade so wie wenn Kultur heute immer noch in romantischen, kuscheligen Ateliers in Dachgeschossen oder ungeheizten Kellern entstehen würde. Kultur findet heute im All und all überall - in endlosen, digitalen und vernetzten Räumen statt.

Am Abend hatte ich ein Engagement im Kulturraum der Lokremise in St. Gallen. Das Kulturmagazin Saiten war Gastgeber für ein Nachdenken über die Kulturbotschaft, zur Kulturpolitik der Schweiz und ihren Auswirkungen für die Regionen. Herr Bundesrat Berset hielt einen klugen und unterhaltsamen Vortrag zur Kulturbotschaft. Die anschliessende Podiumsdiskussion wurde moderiert vom Historiker Stefan Keller. Mit dabei waren der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti, Martha Monstein vom Amt für Kultur Thurgau, Kaspar Surber als Kulturveranstalter im Palace und Redaktor bei der WOZ und ich als Künstler und als Präsident von visarte . Der Anlass war mit über 350 Menschen sehr gut besucht. Das war eine anregende Auseinandersetzung in Sachen Kultur. Dem Publikum und uns hat es richtig Spass gemacht. Ich glaube das war für alle Anwesenden eine richtig gute Teilhabe an lebendiger Kultur im Sinne der Kulturbotschaft. Es ist zu hoffen, dass der Nationalrat wie bereits der Ständerat ja sagt zu dieser Vorlage. Ich hoffe natürlich auch, dass die Diskussionspunkte soziale Sicherheit für Kulturschaffende, mehr Ausbildungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung für kreative Berufe, konsequente Beiträge für Kunst am Bau bei öffentlichen Bauten usw. auch in der regionalen Kulturpolitik umgesetzt werden. Es gibt noch viel zu tun. Das Schlusswort hatte Paul Rechsteiner. Er engagiert sich zusammen mit Frau Karin Keller-Sutter und Ivo Bischofberger für einen widerkehrenden Beitrag des Bundes an die Stiftsbibliothek St.Gallen. Eine tolle Sache!

29. März: Monika ist mit mir nach Wettingen gefahren. Rudolf Velhagen lud zum Künstlergespräch im Gluri Sutter Huus mit Peter Emch, Vincent Kriste, Felix Studinka und mir. Das war sehr interessant und hat mir viele inhaltliche Fassetten von meinen Künstlerkollegen eröffnet. Anschliessend verbrachten wir einen angenehmen und lustigen Geburtstagsnachmittag mit Freunden bei Elisabeth Nembrini.

28. März: Heute fand in Oberriet die Urnenbeisetzung von meiner Mutter im engen Familienkreis statt. Diese Endgültigkeit hat mir richtig zugesetzt.

27. März: Heute hatte ich einen Aufräumtag. Ich musste alle Pendenzen erledigen, die sich wegen meinen vielen Sitzungen angestaut hatten.

26. März: Wieder frühes Aufstehen. In Zürich beginnt um 9.15 Uhr eine Sitzung zum Folgerecht. Anschliessend fahre ich nach Bern. Ich schaue mir zuerst die Ausstellung in der Kunsthalle an und treffe mich dort mit der Verantwortlichen für Veranstaltungen. Wir planen die Präsentation für das Buch von Fredi Lerch - über die Künstlerin Lilly Keller. Die Buchvernissage findet am Mittwoch 13. Mai um 18 Uhr in der Kunsthalle Bern statt. Ich freue mich sehr darauf.

Am Nachmittag besuchte ich das Kunstmuseum. Max Gubler. Es hat einige sehr bemerkenswerte Bilder in der Ausstellung. Die grosse Regenlandschaft zum Beispiel oder die Distelbilder und einige Raumeinsichten haben mich in der Farbigkeit sehr beeindruckt.

Dann gönnte ich mir einen Kebab mit Taschenbrot und Jogurt Sauce zur Stärkung. Um 15.15 hatte ich ein Treffen mit Heinrich Gartentor. Er wollte einiges mit mir besprechen im Zusammenhang mit der Bick Stiftung. Heinrich hat in den letzten Jahren sehr viel Energie für diese Häuser eingesetzt und trotzdem sind die Stiftungen ein Dauerthema bei visarte. Am Abend besuchten wir im Proger gemeinsam die Jahresversammlung von visarte Bern. Der Abend war sehr anregend. Ich finde es super, wie in allen Regionen für die Kultur und für die Anliegen der Künstlerinnen gekämpft wird. Um fünf vor Neun setzte ich zu einem sehr schnellen Spurt zum Bahnhof an. Auf die Sekunde genau erwischte ich meinen Zug, der dann aber mit zehn Minuten Verspätung Richtung Zürich losfuhr. Um 24.00 Uhr war ich wieder in meinem Büro um die Mails zu lesen. Viel Erfreuliches erwartete mich da, wirklich viel Erfreuliches.

25. Am Mittag konnte ich mit Ramon die letzten Details besprechen für mein Buch "Menschenbilder", das ich für die Ausstellung in Aarau plane. Nach dem Mittag hatten Monika und ich eine Beratung mit der Buchhalterin. Unser Wohnhaus wird immer mehr zu einem Grossraumbüro mit Kochnische.

Am Abend dann eine zwei stündige Telefonkonferenz mit Beat Wismer. Er schreibt einen Text zu meiner Kunst und Bau Arbeit in Aarau.

24. März: Am Morgen habe ich ungefähr 30 Künstlerinnen und Künstler im Internet recherchiert, die sich für ein visarte Stipendium bei der Bick Stiftung beworben haben. Ich war sehr glücklich zu sehen, wie viele sehr gute Künstlerinnen und Künstler  wir im Berufsverband haben. Anschliessend fuhr ich nach Zürich. Eine lange Sitzung war angesagt mit dem Zentralvorstand von visarte. Zuerst die Finanzen, dann die Juristerei und anschliessend Themen, Themen und Themen bis zur Erschöpfung und zum Schluss noch die Jurierung. Bei der hohen Qualität der Bewerber und Bewerberinnen war das ein ichtiges Kopf an Kopfrennen.  

23. März: Ich stand vor sechs Uhr schon unter der Dusche. Ich musste nach Bern fahren für einen Termin bei den Anwälten von visarte. Unser Ziel war es, einen Ausstellungsvertrag für unsere Künstlerinnen und Künstler zu diskutieren und vorzubereiten. Das war alles nicht so einfach für mich. Die Sprache der Juristen ist wirklich keine Alltagssprache.

Am Nachmittag traf ich Lilly Keller, Katharina Altas und Fredi Lerch für die Präsentation des Layouts des geplanten Buches. Es ist nun alles für den Druck vorbereitet und alle sind überaus glücklich mit dem Resultat. Krispin Heé und Samuel Bänziger haben ein sehr schönes Buch kreiert.

20. 21. 22. März:  Monika brachte mich und meine Bücherkisten nach Luzern. Während der Sonnenfinsternis wartete ich an einem Schalter auf eine Ausnahmebewilligung für die freie Fahrt in die Altstadt. Ich brauchte also keine Sonnenbrille um dieses Phänomen zu sehen. Ich stand ja am Schalter. Ich war dann drei Tage in Luzern hinter meinem Büchertisch eingeklemmt. Der Anfang war etwas harzig aber nach und nach kam sehr gute Laune auf. Verlegerinnen und Verleger sind ja eine sehr spezielle Spezies und wenn man dann einmal ins Gespräch kommt wird es meistens sehr interessant. Am Schluss hat dann auch das Geschäft etwas angezogen und die Kisten waren nicht mehr ganz so voll, (aber immer noch voll genug)

19. März: Am Nachmittag hatte ich  im Atelier ein Treffen mit Stefan Rohner und mit einem Grafiker. Gefragt waren Fotos für eine Publikation zum Thema Stiftungen. Der arbeitende Künstler ringt erbarmungslos mit seinem Werk... Am Schluss artete das Ganze fast zu einem Ringkampf zwischen dem Grafiker und dem Fotografen aus. Kein Wunder bei einem solchen Modell.

18. März: Endlich ein Tag für mich.

17. März: Um 11.30 Uhr wurde ich in Aarau erwartet, um die Holzdrucke entgegen zu nehmen. Als ich ankam war alles schon da. Nach dem Mittag haben wir zu dritt begonnen die grossen Drucke im Eingangsraum zu hängen. Dazu war ein grosses Rollgerüst notwendig um in der Höhe von fast fünf Metern arbeiten zu können.  Die dreissig Drucke waren um 17.20 Uhr gehängt. Ich kletterte vom Gerüst, nahm einen kurzen Augenschein und entschloss mich spontan sofort zum Bahnhof zu rennen. Ich getraute mich nicht, noch einmal zurück zu schauen. Ich wollte so schnell wie möglich nach hause, um die nötige Distanz zu schaffen. (Innerlich war ich aber sicher, dass alles gut sein wird)

16. März: Ich hatte am Morgen eine Sitzung in einem Grafikatelier in Zürich und anschliessend musste ich bereit stehen im St. Galler Atelier für den Transport. Beim Warten konnte ich die Bücherkisten vorbereiten für die kleine Buchmesse "Luzern Bucht" vom kommenden Wochenende. Das ist immer so schwierig, was und wie viel man mitnehmen soll. Ich bin immer so optimistisch.

15. März: Gemeinsam mit Monika habe ich den ganzen Sonntagnachmittag alle Holzdrucke umgeschichtet und sortiert. das sind mindestens 500 Kilo Papier. Jetzt liegen drei Stapel Drucke im Atelier und einer ist präpariert für den Transport am Montag für die Ausstellung im Stadtmuseum in Aarau. Diese Arbeit war wie ein langer, anstrengender Spaziergang bei Nebel und in der Kälte. Am Abend schmerzten alle Knochen.

14. März: Fahrt nach Wettingen zur Vernissage im Gluri Sutter Huus. Ein angenehmer  Abend, mit vielen Begegnungen. Saadet Türköz hat sehr berührend gesungen. Dann zu Hause noch ein Nachtkrimi der härteren Sorte. Trotzdem sehr gut geschlafen.

13. März: Am Morgen hatte ich eine Sitzung im Stiftsbezirk für ein spannendes Buchprojekt. Mein PC konnte zum Glück wieder hergestellt werden ohne Datenverluste. Bis gegen Abend konnte ich viele Pendenzen erledigen und die aktuellen Buchprojekte aufarbeiten.

12. März: Der PC ist richtig heiss gelaufen und blockiert. Meine Anwenderkompetenz konnte nichts mehr ausrichten. Ich trug die ganze Kiste zu fornetic, in der Hoffnung dass die helfen können. Anschliessend hatte ich ein sehr gutes Gespräch beim Amt für Kultur beim Kanton und dann erwischte ich noch den 12 Uhr Zug nach Zürich. Ich musste bei visarte Schweiz bei der Revision der Jahresrechnung mit dabei sein und dann auch gleich das Budget für 2015 besprechen. Ich kenne eine Frau, die alle Zahlen plastisch und in Farben sieht. Ich bin da einfacher. Ich kenne rot und schwarz.

Mit langen Spurt schaffte ich dann den Zug um 17.09 nach St. Gallen. ich  Ich wollte unbedingt bei der Jahresversammlung von visarte ost dabei sein. Es war ein lustiges Bild. Stefan Rohner, der Präsident, umringt von all den Frauen aus dem alten und dem neuen Vorstand.

11. März: Heute Morgen kaufte ich als Erstes einen neuen Drucker. Mit dem Einrichten war ich völlig überfordert. Bis zum Mittag hatte ich es dann aber doch geschafft. Die Gebrauchsanleitung musste ich zwar wegen einer Fehlmanipulation auf Dänisch Schritt um Schritt erraten und durch meine unkonventionelle Arbeitsweise am PC habe ich sicher auch unbeabsichtigt einige Einkäufe getätigt und gleichzeitig einer neuen Generation von Hackern ein grosses Fenster ins Nirwana geöffnet. Wie von Zauberhand gesteuert und ungefragt  druckte mein "Neuer" den Satz aus "Felix du bist eine Pfeifffe". Nun habe ich meinen Drucker "brother of Duchamp" getauft. Monika war dann so begeistert über meine digitalen Anwendertechniken, dass sie mir gleich noch Skype eingerichtet hat. Jetzt muss ich mich auch noch rasieren vor dem Telefonieren . Das Leben wird immer komplexer. Als Belohnung und zur Erdung ass ich dann am Mittag eine schmerzlindernde St. Galler Bratwurst. Am Nachmittag habe ich froh und heiter am PC gearbeitet. Als ich am Abend alles abschalten wollte, bekam ich die Meldung, dass 24 updates gemacht werden. Nach dem Nachtkrimi war das Programm immer noch nicht abgeschlossen.

10. März: Ich fuhr mit einem frühen Zug nach Zürich und dann nach Wettingen. Ich hatte mich mit Peter Emch verabredet um die Ausstellung mit dem rätselhaften Titel "da stieg ein Baum" einzurichten. Das ging alles sehr gut voran und das Resultat hat mich recht zufrieden gemacht. Jetzt bin ich gespannt auf die Eröffnung am Samstag.

9. März: Am Morgen musste ich meinen Putzdienst nachholen und anschliessend druckte ich sehr viele Konzepte und Projekte aus. Mein Drucker lief richtig heiss und beim Patronenwechsel tschäpperte es anschliessend, wie wenn ich eine Schachtel Briefklammern ins Getriebe geworfen hätte. Ich konnte auch die neue Druckerpatrone nicht mehr aus dem Schlund des Druckers ziehen. Mit grossem Gefluche sendete ich alle Unterlagen per Mail zu Monika in das oberen Stockwerk, um meine Dossiers zu produzieren. Am Nachmittag bereitete ich den Transport für Aarau vor. Das lenkte mich etwas ab von meinem Ärger über die von mir unbeherrschbare Technologie.

8. März: Ich wollte eigentlich einen ruhigen tag einschalten und am Ende habe ich bis am Abend um zehn Uhr Gesuche für ein Buchprojekt und einen zu ausführlichen Jahresbericht geschrieben. Statt auf 2500 Zeichen kam ich auf ca. 17 tausend Zeichen. Egal, für mich war es wichtig, zu überprüfen was ich im letzten Jahr für die visarte geleistet habe. Um die Mittagszeit haben wir aber einen wunderschönen Spaziergang erlebt vom alten Rhein bis zum Bodensee. Diese Region hat etwas sehr grosszügiges. In dieser Jahreszeit wirkt der See wie eine kleine Nordsee.

7. März: Ich fuhr früh los nach Zürich. Im Speisewagen plauderte ich mit einer interessanten Frau, die im Landesmuseum in Zürich arbeitet. Eigentlich wollte ich mich auf die Tagung der visarte vorbereiten aber die Zeit war schneller wie mein Denken. In Zürich hatten wir eine Konferenz mit Vertreterinnen und Vertretern von allen Gruppen der visarte. Der Tag war sehr dicht durch die intensive Auseinandersetzung mit interessanten Themen, Diskussionen und Projekten. Ich war zuständig für die Moderation. Am Abend war ich ziemlich geschlaucht aber sehr erfüllt von den Resultaten, die wir gemeinsam erarbeiten konnten.

6. März: Leider musste Vera schon wieder abreisen und ich hatte einen Termin in Luzern. Ich irrte dann sehr lange hinter dem Bahnhof herum, da ich die Adresse Rösslimattweg 8 nicht gefunden habe. Die Hausnummer ist hinter einem Briefkasten versteckt. Ich plane ein Buch mit Jeroen Geel in der Reihe "Junge Kunst", die von der Stadt Luzern herausgebracht wird. Das Treffen war dann doch sehr produktiv. Das gibt ein sehr schönes Buch.

5. Ich hatte um 14 Uhr ein Treffen mit Kaba Rössler im neuen Stadtmuseum in Aarau. Ich brachte eine  dokumentarische Fotoserie meiner Fassadenarbeit mit, die in einem Zwischengeschoss im Neubau eingerichtet wird. Wir mussten auch noch einmal die Wände in der grossen Halle im Erdgeschoss ausmessen, wo ich 30 Menschenbilder von der grossen, neuen Holzdruckserie bis im Juli ausstellen werde. Anschliessend trafen wir uns mit den Architekten von Diener & Diener für einen Rundgang durch die neu gestalteten Räume.

4. März: Wir trafen in Oberriet die ganze Familie für die Abschiedsfeier von unserer Mutter.

3. März: Am Morgen wurden meine Arbeiten abgeholt für die Ausstellung im Glury Sutter Huus in Wettingen. Unter Anderem meine neue Arbeit "Birkenwäldchen gerodet", das ich aus Pappelholz geschnitten und bemalt habe. Am Nachmittag kam Regine von der visarte Geschäftsstelle nach St. Gallen für eine Vorbesprechung. Dann trafen wir zwei Vertreter von der Künstlervereinigung aus Lichtenstein. Das war ja ein richtiges internationales Verbandstreffen. Am Abend kam Vera von Berlin nach St. Gallen. Wir hatten dann einen richtig schönen Familienabend und konnten vieles bereden.

27. Februar: Die Guerilla Galerie St.Gallen eröffnete eine neue Ausstellung in einer alten Gewerbeliegenschaft an der Heimatstrasse 15. Sebastian Stadler & Patrick Cipriani präsentieren einen eindrücklichen Film.

26. Februar: Um neun Uhr las ich die Nachricht von meiner Schwester, dass  unsere Mutter in der Nacht ganz ruhig wegschlummern konnte. Es ist ein trauriger und besinnlicher Moment. Dieser Verlust wirft so viele Fragen auf mich selber zurück.

Am Abend besuchte ich die Voreröffnung der neuen Bibliothek in der Hauptpost St.Gallen. Bei den vielen Reden wurde nur in einem Nebensatz erwähnt, dass diese Bibliothek nur dank einer der grössten Volksbewegungen zustande gekommen ist. Weit über zehntausend Menschen forderten diese Bibliothek, nachdem der Regierungsrat des Kantons St.Gallen diese Bibliothek aus Spargründen verhindern wollte. Nun ist ein wunderbarer Ort geschaffen worden für das Buch. Es ist zu hoffen, dass aus diesem Provisorium eine wichtige dauerhafte Stätte für eine Volksbibliothek etabliert werden kann.

25. Februar: Ich sass gestern und heute den ganzen Morgen bei meiner Mutter im Alterszentrum Gais. Sie war nicht mehr ansprechbar aber sehr ruhig. Beim letzten Besuch sangen wir zusammen noch alle alten Lieder die mir eingefallen sind. Mutter kannte alle Texte und hatte grosse Freude daran. Wir sagten auch alte Sprüche und Verse auf. Einer wird mir sicher ewig bleiben:

Ich und Du,
Müllers Kuh,Bäckers Stier,das git zäme vier.

23. Februar: Am Nachmittag hatte ich in Zürich einen fruchtbaren Gedankenaustausch mit Marianne Burki und Nicole Rielle von der Pro Helvetia. Regine Helbling und ich konnten die Anliegen von der visarte, dem Berufsverband visuelle Kunst in einem offenen Gespräch einbringen.

22. Februar: Am frühen Abend waren wir in der Tonhalle. Ich wollte mir unbedingt das neue Werk von Alfons Karl Zwicker anhören. Das Orchesterwerk "Unter dem Grabhügel für Orchester und Saxophon" entstand im Rahmen von "oevres:suisse". Alfons Zwicker ist ein beeindruckendes Klangwerk gelungen. Ich freue mich schon auf das kommende grosse Werk, das als Oper geplant ist. Anschliessend wurde das Requiem von Johannes Brahms, zusammen mit dem Bach-Chor und dem Tablater Konzertchor aufgeführt. Für mich war es überraschend und beeindruckend, wie viele alte Bekannte mit ihrer grossen Stimmkraft in diesen Chören mitsingen.

21. Februar: Mein Atelier an der Haggenstrasse ist bitter kalt. Trotzdem geht die Arbeit am Birkenwädchen voran. Am Abend waren wir Gäste beim sehr schönen Fest von Gabriele im Baratella.

19. Februar: Heute konnte ich meine Fotoabzüge abholen. Ich bin gespannt, wie diese Auswahl wirken wird. Ich bin dann gleich ins Atelier gefahren, um mein Birkenwäldchen zu bemalen. ich hatte einen richtigen Mutanfall und nun ist der erste Anstrich vollbracht. Am Abend besuchte ich das Jahresfest bei Vitamin 2 an der Bogenstrasse. Ein erstaunliches Potential an jungen kreativen Menschen war da versammelt. Eine St. Galler Sängerin hat mich sehr überrascht.

17. Februar: In den letzten Tagen habe ich vieles klären und entscheiden müssen. Nach langem Abwägen habe ich eine 16 teilige Fotoserie zusammengestellt für die Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum Aarau. Es sind zwei Präsentationen geplant. In einem Zwischengeschoss des Neubaus wird die Kunst am Bauarbeit von mir dokumentiert und  in der grossen Halle im Parterre werden rund dreissig Menschenbilder präsentiert. Das sind grosse Holzdrucke, die ich von den Original Reliefs vom Mammutbaum Aarau abgezogen habe. Für diese Drucke hat Helmuth Sennhauser mit mir zusammen eine spezielle Vakuumdrucktechnik entwickelt, damit die Holzplatten nicht mit Druckfarbe eingefärbt werden mussten.

13. Februar: Beni Bischoff wird im Kunstmuseum St. Gallen mit dem Manor Kunstpreis ausgezeichnet. Eine etwas späte aber verdiente Preisverleihung. Beni Bischof hat in den letzten zehn Jahren sehr viel gemacht. Nächstes Jahr wird er vierzig und dann kommt schon die Reifeprüfung. Das Künstler Leben ist hart.

12. Februar: Ich bin früh mit dem Zug nach Zürich gefahren für eine Besprechung für ein Buchprojekt. Zufällig habe ich überall alte Bekannte getroffen. Im Speisewagen, auf der Strasse, im Bürogebäude und auf dem Bahnhof. In der Schweiz ist es gar nicht so einfach unerkannt durch eine Stadt zu gehen.

11. Februar: Ich habe wirklich Lust zum malen.

10. Februar: Am Morgen früh erwartete ich eine Lieferung mit Keilrahmen. Dann ein Fototermin für die Aufnahme der neusten Bilder. Das ermuntert mich immer wieder Abschied zu nehmen und etwas neues zu beginnen. Am Abend eine lange und ergiebige Sitzung mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St. Gallen.

9. Februar: Den ganzen Tag gemalt, gekocht, gelesen, gemalt, gekocht, Bücher eingepackt und Holz geschleppt für den Ofen im Atelier.

7. Februar: Heute habe ich die Steuerklärung für meine Mutter ausgefüllt. Ich musste nur zwei Zahlen eintragen. Die AHV Beiträge und den Kontostand. Es scheint Sachen zu geben, die im Alter einfacher werden.

5. Februar: Gestern Abend habe ich mir den Film "Heute bin ich blond: Das Mädchen mit den neun Perücken" auf Arte angeschaut. Lisa Tomaschewsky ist umwerfend. Eine Verfilmung des Bestsellers von Sophie van der Stap durch Marc Rothemund.

Am Wochenende beginnt das Fieber, die grosse Müdigkeit und der tiefe schmerzhafte Husten. Ich begebe mich in den Winterschlaf und sage alle Termine ab.

30. Januar: Heute hatten wir endlich wieder einmal Zeit meine Mutter zu besuchen. Sie kann so lustig sein und trotzdem ist diese letzte Phase des Lebens so anstrengend und traurig.

29. Januar: Eine zügige Sitzung zur Kampagne "Folgerecht". Ich kümmere mich um die Vorbereitung des Plakats.

28. Januar: Wir besuchten eine Theaterabend in der Lokremise. Gerda hatte vor Jahren einen Hirnschlag. Nun spielt sie mach vielen Jahren Rehabilitierungsarbeit mit in einem Theaterstück, das die Frage nach dem "normalen" Menschen stellt. Ziemlich erschütternd das Ganze.

26. Januar: Monika machte mir per Mail den Vorschlag eines gemeinsamen Mittagessens auf dem Flughafen. Meine Alternative war ein Treffen um dreizehn Uhr bei Bindella in Winterthur. Das hat alles gut geklappt. Der Flug von Monika war pünktlich. Es gab viel zu erzählen. Ich staune immer wieder wie man sich schon nach ein paar Tagen wieder aneinander gewöhnen muss. Ich bin dann um 15 Uhr weitergefahren nach Solothurn an eine vorbereitende Sitzung für die visarte Sektion Solothurn. Der Neuanfang scheint zu gelingen. Wir haben uns getroffen im Künstlerhaus an der Schmiedegasse. Ich kannte diesen Ausstellungsort gar nicht.

25. Januar: Um halb 11 Uhr bin in die Stadt gefahren. Die Konzertreihe von Klein aber fein beginnt mit einem Konzert zu John Cage. Albert Zwicker interpretiert Stücke am Piano und Florian Vetsch rezitiert Texte von Cage. Das war ein grandioser  Sonntagmorgen. Ein amerikanischer Frühschoppen. Am Nachmittag malte ich an meinem neuen Bild weiter. Es ist zwar noch nicht viel zu sehen.

24. Januar: Am frühen Morgen habe ich meinen Holzofen eingeheizt und eine grosse Leinwand vorbereitet.  Dann habe ich den ganzen Tag abwechselnd gelesen, gemalt und vor mich hin sinniert.

23. Januar: Ich habe den ganzen Tag im Atelier gearbeitet. Das Birkenwäldchen ist bereits zu einer siebzehnteiligen Installation herangewachsen. Heute war Feinarbeit angesagt. Bildhauerisches Verfeinern, Schleifen, ausgiebiges Husten und Frieren. Ich habe mich körperlich überanstrengt und bin am Abend total erkältet. Eigentlich wollte ich zuerst die Eröffnung von Miriam Cahn in Aarau besuchen. Als ich um 17 Uhr immer noch im Atelier stand dachte ich, dass ich statt nach Aarau ja nach Winterthur fahren könnte, zur Vernissage von Otto Meyer Amden. Ich fuhr nach Hause und duschte mich. Unter dem Wasserstrahl entschied ich mich für die Eröffnung in der Kunsthalle St.Gallen. Als ich dann wieder angezogen und hungrig in der Küche stand entschloss ich mich definitiv für ein gutes Essen und eine Flasche Wein. Ich kochte, führte ausgiebige Selbstgespräche und ich sagte mir: <Es kann einfach nicht immer nur Kunst sein.> 

22. Januar: Heute bin ich mit der Fachkommission HF bildende Kunst an der Fürstenlandstrasse verabredet. Wir müssen die Noten vom Zwischendiplom besprechen. Ich werde das Mittagessen für die teilnehmenden neun Personen vorbereiten. Es gibt ein Tomatensüppchen mit frischen Orangen zubereitet und zwei unterschiedliche Gemüsewähen. Elisabeth Nembrini bringt die Salate mit. In meinem Übereifer habe ich sogar unsere eigenen Backbleche mitgenommen. Als die Gemüsewähen fertig belegt und mit Guss übergossen waren, stellte ich fest, dass die Bleche nicht in den Ofen passen. Eine Nummer zu gross. Zum Glück konnte ich die Kuchen ohne grosse Probleme "umladen". Das Essen ist gelungen und die Sitzung war sehr konstruktiv.

21. Monika ist heute nach Berlin geflogen. Zum Glück habe ich mich vor dieser Reise gedrückt. Ich habe so viel zu tun in meinem künstlichen Birkenwäldchen.

19. Januar: Am Morgen um 10 Uhr begannen die Zwischendiplom - Gespräche vom HF Bildende Kunst im NEXTEX. In der Jury waren Corinne Schatz, Marcus Gossold, Una Szeemann, Britta Polzer, Thomas Müllenbach und Roland Roos. Die Studierenden waren sehr nervös, gaben aber ihr Bestes. Ich mag solche Arbeitsgespräche sehr. Es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich künstlerische Arbeiten beurteilt werden können. Als Zuhörer denkt man sich dann natürlich auch einiges. Manchmal musste ich richtig auf die Zunge beissen, um einen Kommentar zu unterdrücken.

17. Januar: Im letzten November schon bin ich vom Verein für Originalgrafik angefragt worden für eine Ausstellung mit überarbeiteter Druckgrafik. "Original und Edition". Die Arbeit habe ich dauernd vor mich her geschoben. In den 80er und 90er Jahren machte ich sehr viel Grafik für den VFO. Vor einigen Tagen habe ich versucht einen alten Holzschnitt zu überarbeiten. Das ging aber ziemlich daneben. Am Schluss war das Blatt einfach komplett weiss überstrichen. Nichts war mehr zu sehen. Das brachte mich auf die Idee, drei alte Radierungen mit Berglandschaften, die ich schon längst vergessen hatte mit weisser Kunstharzfarbe zuschneien zu lassen. Die drei Blätter heissen nun "Neuschnee" und sind sehr schön und rein geworden. Ein bisschen wie klassische Japanische Holzschnitte. Für die Malerei habe ich eine spezielle Technik ausgetüftelt. Eine Art Maltüte.

16. Januar: Ich habe den ganzen Tag im Atelier gearbeitet. Am Abend besuchte ich die Eröffnung im NEXTEX. Der Lehrgang HF Bildende Kunst präsentiert dort die Arbeiten zum Zwischendiplom. Viele kleine und feine Arbeiten sind zu sehen. Ich bin gespannt auf die Werkbesprechungen am Montag und Dienstag.

15. Januar: Gestern und heute konnte ich sehr gut arbeiten im Atelier. Am Nachmittag fuhr ich dann nach Basel. Ich wurde aufgeboten, um in der Kunsthalle an einer Podiumsdiskussion teil zu nehmen. Ich habe mich richtig darauf gefreut alte Weggefährten und Wegweiserinnen zu treffen. Peter Burri leitete die Diskussion vor vollem Haus. Das Kulturamt Basel hat wirklich die unsägliche Idee, allen Künstlern und Künstlerinnen der Ateliergemeinschaft in der Kaserne auf Ende 2017 zu kündigen, mit dem Vorwand, dass die Gebäude saniert werden müssen. Diese Ateliergemeinschaft existiert sage und schreibe seit fünfzig Jahren. Das ist die älteste und grösste selbst verwaltete Ateliergemeinschaft in der Schweiz. Ich verstehe, dass jeder Kulturbeamte auch die Kunstszene mitgestalten möchte. Ich finde aber, dass das Kulturamt viel gescheiter eine eigene neue Initiative für ein Atelierhaus für junge Künstler aufbauen sollte. Um mehr Ateliers zu kreieren darf man doch nicht einfach ein seit fünfzig Jahren bewährtes und kostengünstiges Modell zerstören. Am besten gefallen würde mir in Basel ein riesiger, international besetzter Atelierturm für alle Kreativen der Welt. Internationale Architekten und Architektinnen gibt es ja in Basel genug, die fähig wären, den  höchsten Turm der Schweiz für kreative Zwecke zu bauen.  Nicht nur die Wissenschaft, auch die Künstlerschaft braucht Platz. Dieser Turm müsste einfach das Herzog de Meuron Gebäude, das zur Zeit für die Roche gebaut wird, um einige dutzend Meter überbieten. Ein solcher, von Kunstschaffenden belebter Wolkenkratzer hätte den Vorteil, dass die Kunstwerke für die Art Basel quasi per Rohrpost zur Messe transportiert werden könnten. Gell Gilli. 

13. Januar: Im Atelier in Haggen wird der Glasfaseranschluss installiert. Ich musste früh raus. Am frühen Nachmittag fand eine Ausstellungsbesprechung in Wettingen statt. Im Zug hatte ich plötzlich Panik. Ich war nicht mehr sicher ob ich wirklich nach Wettingen oder doch eher nach Wetzikon hätte fahren müssen. Der Kurator tröstete mich mit der Aussage, dass ein Künstler Wettingen mit Winterthur verwechselt habe. Na nu und Kanu klingt ja auch ähnlich.

Um 17 Uhr musste ich dann schon wieder in Zürich in der Helferei sein. Ich wollte die Diskussion zum Hafenkrahn auf keinen Fall verpassen. Der anwesende SVP Gemeinderat fand es gar nicht lustig, dass er als einer der verlässlichsten Partner und Wegweiser des Projekts <Zürich Transit Maritim> Projekts benannt wurde. Ian Morgentaler meinte, dass im die SVP  mit ihrer Penetranz und Hartnäckigkeit immer wieder Beachtung geschenkt und somit auf dem holperigen kulturellen Weg die Richtung angezeigt und ihn begleitet habe. Der Herr Thuja, Tenna oder Tonna? (habe gerade den Namen vergessen) wurde zu einem bedeutenden DADA Künstler ernannt. DADA - SVP (sil's vous plats).  Der Abend war sehr lustig und ich war sehr froh, dass ich mit der neuen KUNST UND BAU NUMMER 2 zum Thema Zürich Trans Maritim richtig Gas gegeben habe. Ich konnte die neue Vexer Publikation an diesm Abend rechtzeitig auflegen. Der Essay von Barbara Preisig  <Denkmal an die Schwerkraft - Über Rost, Welthandel und Zürichs nostalgische Beziehung zum Hafenkran> ist richtig gut und wird sinnstiftend ergänzt durch die Lobrede von Christoph Doswald zum Kunstwerk als Phantasma. Die Nummer zwei macht wirklich Freude. 

12. Januar: Am Morgen eine lange Besprechung mit interessanten Leuten aus der Kulturszene mit dem kantonalen Amt für Kultur zum neuen Kulturgesetz. Die Sitzung war sehr spannend und aufschlussreich.

Am Abend eine Redaktionssitzung von XYLON in Winterthur. Das war eine Freude. Kaspar Toggenburger hat mir sechs uralte Xylon Nummern besorgt, die mir in meiner Sammlung noch gefehlt haben. Ich glaube die drei Künstlerinnen und Künstler die dieses Jahr die Xylon Zeitschrift machen sind stark. Das verspricht einmal mehr ein guter Jahrgang zu werden.

5. Januar im 2015: Es ging schon wieder richtig los mit interessanten Sitzungen. Ich hatte aber genügend Zeit, wieder einmal kräftig die Motorsäge zu schwingen. Ich arbeite an einem grossen Birkenwald für eine thematische Ausstellung in Wettingen.  Der Titel lautet: "Da stieg ein Baum" nach einem Gedicht von Rilke. Ich plane eine Rodungsarbeit. Das macht nachdenklich und grossen Spass. Gegen Abend hatte ich ein Treffen mit Krispin Heé im Comercio. Ich übergab ihr Fotomaterial für das Buch von Lilly Keller.

25. Dezember bis 4. Januar 2015: Wunderbar! Wir hatten überhaupt keine Termine. Spazieren, schlafen lesen und das Leben geniessen. Einzig am Silvester besuchten wir ein Konzert im Palace mit einer jungen Klezmer Band aus Biel. Da haben wir wieder einmal sattsam getanzt bis um drei.

24. Am Nachmittag des 24. Dezembers veranstalten wir seid langer Zeit ein Lyoner Essen. Nicht weil wir diese Wurst speziell lieben, nein ich habe das schon in den siebziger Jahren eingeführt weil das bei uns zu Hause Tradition hatte. mein Vater wurde als Bauer immer an Weihnachten von allen Metzgern der Region mit Schinken Lyonern und weiteren exotischen Würsten beschenkt. Meine Mutter hat diesen Wursthaufen dann immer am Weihnachstabend  vor der Bescherung aufgetischt. Als Andenken an meinen familiären Hintergrund ziehen wir das nun jedes Jahr durch. Der Unterschied zu früher ist einfach, dass wir die Würste nicht geschenkt bekommen. Ich bin ja auch kein Bauer - oder?

Einen schönen und ruhigen Weihnachtsabend mit einem wunderbaren Essen feierten wir mit unserer alten Freundin Anita Zimmermann. Wir übten uns im langsamen Sprechen und guten Zuhören.

23. Dezember: Heute habe ich viele Pendenzen aufgearbeitet, unter Anderem einen Brief an alle visarte Mitglieder. Es ist an der Zeit, mich zu bedanken, für all die Arbeit, die in den Sektionen geleistet wird. Nun habe ich eben einen Salat mit frischen Mandarinen vorbereitet. Dazu gibt es einen Wildlachs mit Toast und einen jungen Weisswein.

22. Dezember: Am Mittag wartete ich auf einen Holztransport. Seit Jahren habe ich wieder Lust Skulpturen zu machen. Aber ich plane nichts Figürliches. Ich habe drei fünf Meter lange Pappelstämme bestellt. Auf dem Langholz Sattelschlepper sahen die Stämme aus wie drei Bleistifte. Jetzt liegt das Holz im Atelier und ich glaube ich könnte Millionen von Bleistiften daraus schnitzen.

Am Nachmittag  verkochte ich eine sicher 80 cm grosse Zucchini aus dem Piemont auf meinem Holzkochherd als Basis für Festtagssuppen. Am Abend machte ich an unserer gedeckten Feuerstelle im Freien ein schönes Feuer. Ich verbrannte ein grosses Stück Pappelholz von einer Skulptur, die ich vor Jahren zersägt hatte. Dann genossen wir gewärmt durch das Feuer und geschützt durch warme Decken, zusammen mit Vanja und Medea ein herrliches Fondue in der kalten Nacht. 

21. Dezember: Den heutigen Abend verbrachten wir am Bodensee in Arbon. Wir feierten mit Freunden die Sonnenwende an einem riesigen Feuer.

20. Dezember: Diese Woche hatte ich einige Mammut Sitzungen. Die Unterhaltsamste war die Besprechung mit Krispin Heé und mit Samuel Bänziger. Wir haben die Gestaltung des geplanten Buches von Fredi Lerch, über Lilly Keller diskutiert. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen, wie das aussehen sollte. Nun sind wir einen grossen Schritt weitergekommen. Der Einstig in Lillys Welt wird bunt und wild und wunderschön. Ich sprach immer von einem "schützenden Mantel", den ich um den Text von Fredi Lerch legen will. Ich glaube das haben wir geschafft. Gestern Nachmittag konnte ich alle anstehenden Projekte mit Vera besprechen. Das war sehr intensiv und konstruktiv. Am frühen Abend fuhren wir an einen Geburtstagsapéro in der Brauerei in Rorschach und später haben wir ein wunderbares Essen gekocht. Nüsslisalat mit gekochten Randen, garniert mit Birnenschnitzen, dann ein schönes angebratenes Wurzelgemüse, Kastanienspätzle und dazu feinstes Reh Filet. Getrunken haben wir einen sehr schönen Malbec aus Argentinien. Das war unser "Jahresessen" mit Vera. Heute früh ist sie schon wieder weitergeflogen nach Toulouse und ich vergnüge mich heute mit den Vorbereitungen für meinen Jahresabschluss. Mir glaubt das niemand aber ich mache diese Arbeit sehr gerne. Ich habe schon als Kind eine Milchbüchlein Rechnung geführt für mein spärliches Taschengeld. Bis zur fünften Klasse erhielt ich einen Franken in der Woche und ab der sechsten  wurde der Betrag verdoppelt. (Ho-Ho sagt der Schäfer)

15. Dezember: Heute Nacht bin ich schon um 2.30 Uhr aufgewacht. Mich trieb die Angst um, Monika könnte ihren Flieger nach Wien verpassen. Sie hatte schon auf vier Uhr früh ein Taxi bestellt. Nach unserem Abschied bin ich dann noch einmal tief weggedriftet und habe seit langem wieder einmal bis neun verschlafen. Nach einem grossen Kaffee habe ich lange mit Vera telefoniert. Heute vor 35 Jahren ist sie geboren, lebt schon lange in Berlin und ist doch so nah! Der 15.12. ist und bleibt immer ein grosser Tag für mich.

11. Dezember: Monika verknurrte mich in Luzern zu einem Stadtrundgang. Sie versuchte mich neu einzukleiden. Ich wehrte mich, so gut ich konnte. Zwei Pullover musste ich dann aber doch kaufen, um die Stimmung nicht zu verderben. Ich wollte auf dem Weg nach Zürich unbedingt das Kunsthaus in Zug besuchen. Die Ausstellung von Dieter Roth ist ein echtes Highlight. Musik war ein grosses Thema des Künstlers. Dieser Aspekt wird mit grosser Sorgfalt und durchaus üppig dargelegt.
Um 14 Uhr hatten wir dann einen Termin im Schnittraum von donkeyshot in Zürich Altstätten. Sandra Gysi und Ahmed Abdel Mohsen erwarteten uns schon. Wir haben uns den Rohschnitt des Films angeschaut, der zu meiner Fassadenarbeit für das Stadtmuseum Aarau gedreht worden ist. Ich glaube das Filmprojekt ist auf sehr gutem Wege.

In St.Gallen mussten wir am Abend noch meinen PC beim Computerdoktor abholen und anschliessend besuchte ich die Veranstaltung im Kunstmuseum St.Gallen. Die Ankäufe von drei Skulpturen von Hans Josephson und die Installation der Dauerleihgabe von Pipilotti Rist wurden gefeiert. Ich habe mich sehr gefreut Pipilotti wieder einmal zu sehen. Sie schafft es immer wieder das Publikum und natürlich auch mich zu überraschen. Reich beschenkt und glücklich über die vielen guten Gespräche bin ich dann ins Bett gesunken.

10. Dezember: Monika und ich haben gemeinsam Geburtstag heute. Ich freue mich auf die Buchvernissage mit Monika Günther und Ruedi Schill im Kunstmuseum Luzern, die um 18 Uhr stattfindet.

Wir sind schon am Mittag los gefahren. Zuallererst haben wir die 300 Brötchen bei der Bäckerei Wernli in St.Gallen abgeholt. Um 14 Uhr waren wir schon bei Ruedi, um eine Anzahl Bücher abzugeben. Dann sind wir zum Hotel Rebstock gefahren, haben unsere Sachen aufs Zimmer gebracht und schnell etwas gegessen. Dann brachten wir die Bücher in das Kunstmuseum und richteten den Raum für den Apéro  ein. Zur Performance von Monika und Ruedi und zu der anschliessenden Buchpremiere kamen über einhundert interessierte Menschen. Ein super Abend, inmitten einer tollen Ausstellung von Candida Höfer. Ich habe in den letzten dreissig Jahren mit dem Vexer Verlag noch nie so eine fulminante Premiere, mit so vielen verkauften Büchern erlebt. Die Museumsdirektorin Fanni Fetzer hat gestrahlt und war auch überaus glücklich. Ja das war einer der besten Geburtstage die ich schon erlebt habe. Mal sehen was sich im nächsten Jahr machen lässt.

7. Dezember: Raclette - Spezial im vernebelten Appenzeller Land mit allem Drum und Dran.

6. Dezember: Ich musste zeitig aufstehen, um die Eröffnungsrede für die jurierte Jahresausstellung "Schöne Bescherung" der Visarte Zürich im  ART DOC vorzubereiten. Diese Ausstellungen bieten ja im ganzen Lande immer wieder Konfliktstoff zwischen Institutionen und Kunstschaffenden. Ich persönlich glaube an die grosse Kraft des Provinziellen. Um 13.15 hackte ich die letzten Sätze ins Dossier und um 13.48 fuhr der Zug nach Zürich. An der Eröffnung waren sehr viele Künstlerinnen und Künstler anwesend. Als Ehrengast Gottfried Honegger am Stock. Der 96 jährige ist immer noch präsent und erstaunlich agil. Meine Rede wurde gut aufgenommen und ich fuhr früh wieder zurück nach St.Gallen. Ein wunderbares Nachtessen war mir versprochen worden.

5. Dezember: Am frühen Nachmittag besuchte mich Kaspar Toggenburger. Er brachte mir die Xylon Zeitschriften Nummer zwei bis sechs. Nun fehlen mir noch die Nummern eins, sieben, acht, neun, zehn, 16 und vierundzwanzig. Die Nummer eins hatte ich schon in den Fingern vor ein paar Wochen. Leider habe ich diese sehr rare Nummer dann auf dem Bahnhof Winterthur oder im Zug nach St.Gallen liegen gelassen. Jetzt ist die Nummer eins wieder ein Stück wertvoller.

Um 16 Uhr hatte ich mich mit Richi Küttel im Raum für Literatur in der Hauptpost verabredet. Ich hatte den Raum kurzfristig reserviert für eine Präsentation der neusten Xylon Druck Produktionen. Rainer Stöckli, ein profunder Kenner der Literatur rezitierte dann vor einem begeisterten Publikum Texte aus der alten und schönen Literatur zum Thema Selbstbildnis. Rainer Stöckli war einmal mehr grossartig. Der Abend hat sich gelohnt.

4. Dezember: Am Nachmittag traf ich Krispin Hée und Samuel Bänziger. Wir hatten gleich fünf Druck - Projekte zu besprechen. Nach zwei Sunden war ich fix und fertig aber gut gelaunt.

2. Dezember: Im Speisewagen hatte ich eine angenehme Unterhaltung mit Andrea. Ich musste nach Zürich. Andrea kenne ich von einer Jurierung bei Tanz Plan - Ost. Am Nachmittag war ich das erste Mal dabei an der Stiftungsratssitzung der Stiftung Bick in der Geschäftsstelle der visarte in Zürich. Das wird ein harter Brocken Arbeit. Heinrich hat viel Energie und Zeit investiert um die Ateliers im Tessin besser zu vermieten aber die Stiftung braucht Geld, um die notwendigen Renovationen realisieren zu können.

1. Dezember: Heute habe ich ein kleines Bild gemalt. Am Abend war ich in Winterthur verabredet für das Jahresessen mit der Xylon Druck Gruppe. Wir können auf ein gutes Jahr zurück schauen. Drei gelungene Zeitschriften mit Gustav Kluge, Heinz Keller und Alice Gafner. Dazu die Publikation "SELBST", zum 70 jährigen Jubiläum von XYLON Schweiz. Alle 45 Mitglieder haben ein Selfie in Holz geschnitten. (Was für ein doofes Wort)

29. November: Am Mittag hatten wir ein Treffen im Engel, um einen Kulturanlass mit Bundesrat Berset vorzubereiten. Paul, Norbert, Alex, Kaspar und ich. Die Stimmung war ein bisschen wie vor dreissig Jahren. Anschliessend fuhr ich mit Monika nach Schaffhausen. Jassen und Essen mit Freunden. Das Essen war super und das Jassen eine Katastrophe. Wer verliert schon gerne.

28. November: Ich hatte am Mittag in Bern eine Sitzung mit suisse culture und am Abend ein Abschiedsessen mit Heinrich Gartentor und Hanna Scheuring in Zürich mit dem Vorstand der visarte Schweiz. Ein gelungener Abend mit einem schönen Essen unter der Hardbrücke. Am Schluss, bei der Übergabe des Abschiedsgeschenks blieben mir die Worte im Halse stecken. Ich konnte nur zweimal sagen. Heinrich Gartentor - Heinrich Gartentor. Es kam mir alles so absurd vor. Ich verabschiede jemanden, den ich in drei Tagen bereits wieder für die nächste Sitzung treffen werde. Und überhaupt - Gartentore soll man zwar zuziehen aber nicht verschliessen. Am Schluss des Abends musste ich wieder rennen, um den letzten Zug nicht zu verpassen.

27. November: In den letzten Tagen hatte ich wieder einmal etwas Ruhe und konnte an meiner neuen Bilderserie weiter arbeiten. Um 10 Uhr hatte ich einen Termin zum Haare schneiden. Immer wenn ich etwas zu Ende bringen kann bekomme ich Lust, die Haare kurz zu schneiden. Das ist schon fast ein Ritual. Um 13 Uhr wurden die Bücher von Monika Günther und Ruedi Schill aus Deutschland geliefert. Das sind immer sehr aufregende und emotionale Momente. Es geht immerhin um ein aufgearbeitetes Lebenswerk von zwei Künstlerpersönlichkeiten, die ich in der Schweiz einzigartig finde. Alles ist gut geworden und ich bin sehr erleichtert. Es geht ja auch immer um sehr viel Geld, das investiert werden muss. Ich packte so viele Bücher wie möglich in meinen Handrollwagen und fuhr mit dem Bus nach Hause, um gleich die ersten Bücher zu verschicken.

Um 16 Uhr musste ich schon wieder im Atelier sein. Rolf Müller lieferte die Bilder zurück von der Ausstellung im Haus der Kunst Uri. (Rolf Müller ist übrigens sehr zu empfehlen für Kleintransporte. Ruhig, achtsam und günstig!) Esther Maria Jungo hatte dort eine sehr interessante Ausstellung organisiert mit dem Titel: Aus der Tiefe rufe ich zu Dir,  Teufelsküche & Gotteserfahrung. Von John Armleder war zum Bespiel eine vergoldete Dornenkrone zu sehen. Ein wunderschönes Objekt, das man nicht mehr vergisst.

Um 19.30 Uhr besuchte ich eine Präsentation von Karl Anton Führer und Theres Engeler im Kulturraum des Kantons St.Gallen. Die Marktgasse war komplett verstopft. Der Stadtpräsident von St.Gallen, Thomas Scheitlin  eröffnete die Weihnachtsbeleuchtung  in der Altstatt mit einer fulminanten Rede zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts. Viele Glühweingerötete Backen wendeten sich ihm aufmerksam zu.

Irgendwie schaffte ich es dann doch, den Klosterhof zu erreichen. Die Präsentation der ROM Zeichnungen von Karl Fürer und die von Theres Engeler in ihrer monotonen, eher traurigen aber sehr schönen Stimme vorgetragenen Texte hat mich sehr beeindruckt.

Damit nicht genug. Nach einem Apéro besuchten wir einen Club in der Altstadt, wo ein Musiker und eine Musikerin aus Frankreich zusammen mit ihrem Bassisten aufspielten. Ein super Konzert, das uns seit langer Zeit wieder einmal zum wilden Tanzen anregte.

24. November: Mit der Morgenpost erhielt ich heute einen Gruss der besonderen Art. Die Kunsthalle schickte mir die Jahresedition von 2014, die von Maria Anwander geschaffen wurde. Titel: "French Kiss on Paper". Ein weisses Blatt Papier mit einem Abdruck des Gesichts der Künstlerin. Ich habe gleich der Künstlerin geschrieben und mich bedankt für diesen morgendlichen, feuchten Kuss am Brunnentrog. Danach habe ich den ganzen Tag gemalt. Kurz vor sechs Uhr bekam ich per Mail einige Fotos zugeschickt von der Druckerei. Die Bücher von Monika Günther und Ruedi Schill sind fertig und bereits auf dem Weg nach St.Gallen. Nach dieser Nachricht hatte ich Lust ein Festessen zu kochen. Ein kleiner Kürbis lag in der Küche bereit. Ich schnitt einen schönen Deckel weg in der Absicht, diesen vor dem Verfaulen noch zu malen. Ich schnitt den Kürbis in Stücke, die ich mit etwas Olivenöl und Salz in eine Backform legte und in den Ofen schob. Nach fünf Minuten sahen die Kürbisstücke ziemlich traurig aus. Ich überlegte, was dazu passen könnte. Ich fand ein kleines Päckchen Polenta mit Gewürzen vom Feinkostladen Aemisegger in St.Gallen. Ich kochte kurzerhand einen Liter Gemüsesuppe vom Mittag auf. Dann hackte ich einen grossen Büschel Kraut von einer Petersilienwurzel, warf das gehackte Kraut in die Suppe und streute die Polenta vorsichtig dazu. Nach kurzer Zeit war der feine Mais schon schön dickflüssig. Ich leerte den Brei über die Kürbisstücke und schob das Zufallsgericht  wieder in den Backofen. dazu habe ich vier Rinds - Burger gebraten. Das war wirklich super. Die Polenta goldgelb und würzig, der Kürbis mit süssbitterem Mandelgeschmack und der Rotwein tief und rot. Er wirkte wundersam gesprächsanregend. Insgesamt ein sehr gelungener Abend - gell Moni.

23. November: Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir meine Mutter in Gais besucht. Sie hat seit ein paar Tagen Probleme mit dem Herz. Sie bekommt immer wieder bedrängende Atemnot. Ich bin so froh, dass sie im Alterszentrum so gut aufgehoben ist. Dann sind wir nach Appenzell gefahren. Agathe Nisple hatte eine Ausstellungseröffnung. Es war so sonnig und warm und eine sehr schöne Stimmung in dieser winzigen Galerie. Der Raum ist so klein und so schnittig wie ein frisch gekämmter Appenzeller. Wir haben einige Künstlerinnen und Künstler getroffen und einige neue Publikationen gekauft unter Anderem von Marlis Pekarek. Zu Hause versuchte ich etwas zu lesen aber ich versank im Nebel des Mittagschlafs. Am Nachmittag hatten wir uns bei Freunden zum Jassen und Essen verabredet. Vor dem Essen führten wir mit Zehn zu Null. Nach dem Essen ging es nur noch Bachab. Endresultat: 10 zu 11.

22. November: Am Morgen musste ich viel Bürokram erledigen. dann habe ich mich überwunden zusammen mit Monika auf den Markt zu gehen. Wir haben wunderbare Saibling Filets aus dem Neuenburgersee gekauft. In der Comedia habe wir einige Bücher gesucht. Ich habe mich für das Buch von Simone Lappert  entschieden und das Weinberger - Archiv von Christian Rechsteiner. Draufgelegt habe ich noch Dorothee Elmigers Schlafgänger. Bücher die mir gefallen kaufe ich oft zweimal. Eins hat mir Dorothee an der Buchmesse in Leipzig geschenkt, das muss ich schonen. Bei Markus Comba hatte ich einige Titel von Henri Michaux bestellt und immer wieder vergessen sie abzuholen. Nun ist auch das gemacht. Die Erstausgabe von Dichtungen. Exorzismen und ein kleiner Bildband der Galerie Lelong.

Zu Hause haben wir dann einen feinen Salat und den frischen Fisch verspeist.

Am Abend musste ich einen Stapel Künstlerbücher von Bernard Tagwerker in die Lokremise bringen. Bernard hat heute den grossen Kulturpreis der Stadt St.Gallen erhalten. Eine schöne Feier mit Musik von Edu Haubensack und einer stimmigen Laudatio von Friedemann Malsch.

21. November: Am Mittag war ich zum Essen eingeladen mit dem Stiftungsrat der Taggeldkasse von visarte, die von der Swiss Life in Zürich betreut wird. Das war eine sehr anregende Runde. Anschliessend habe ich Regine in der Geschäftsstelle getroffen um einige Sachen zu besprechen. Ich bin dann durch Zürich geschweift und habe viele Baukräne und den Hafenkrahn fotografiert, inklusive dem Info Container von Zürich Transit Maritim. Leider war die Verkaufsdame im Matrosenkostüm nicht anwesend. Dafür stand ein Dreirad - Fahrradtaxi mit der Aufschrift "Just married" vor dem Container. Am Abend besuchte ich die vielen Eröffnungen im Löwenbräu. Thomas Müllenbach konnte sich in allen Räumen der Kunsthalle ausbreiten. Eine überraschende und gelungene Präsentation seines malerischen Werks. Ein schöner Abend mit vielen Begegnungen und interessanten Gesprächen. Herzig war die Sammlerin Frau Hauser. Sie begrüsste im Treppenhaus der Galerie Hauser und Wirth alle ihre ganz artigen und hübsch gekleideten Enkelkinder.

20. November: Ich war die ganze Woche gedanklich mit dem Buchprojekt von Lilly Keller beschäftigt. Ich habe ganz meditativ an meinen Bildern gearbeitet und dabei viel nachgedacht. Mein Zeitbegriff hat sich in dieser Woche ziemlich krass verschoben. Wohin wird das führen?

17. November: Um fünf Uhr früh ist mir der Wecker auf den Boden gefallen. Die Einzelteile konnte ich nicht mehr zusammensetzen. Ich musste sehr früh aufstehen. Mein Zug fuhr um 6.42. Ich hatte vor, mit Fredi Lerch einen Besuch bei Lilly Keller in der Nähe von Neuenburg zu machen. In Bern traf ich Fredi auf dem Bahnsteig. Zusammen fuhren wir nach Ins. Eine wunderschöne und fruchtbare Gegend. Auf dem Bahnhof holte uns Lilly Keller mit ihrem Auto ab. Sie fährt sehr zügig für ihr Alter. Im Februar wird sie 86 Jahre alt. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden und ich konnte mir viele Arbeiten anschauen. Fredi Lerch hat in den letzten Jahren unzählige Gespräche mit der Künstlerin geführt und damit ein literarisches Portrait erarbeitet. Diesen Text werde ich im Vexer Verlag herausgeben. Eingebettet in zwei grosse Bildteile. Am Anfang möchte ich den Garten als langsam gewachsenes Kunstwerk zeigen und am Schluss Eindrücke aus dem Haus und aus dem Atelier. Ich bewundere die künstlerische Energie von Lilly. In Ihren Händen scheinen die Pflanzen aus dem Park weiterzuwachsen, umgewandelt in eigenwillige Kunstwerke. Nach dem feinen Essen spazierten wir durch den grossen Garten. Das ist eigentlich ein lebendiges, stetig wachsendes Bambusmuseum. Es gibt auch einige vor vierzig Jahren gepflanzte Mammutbäume. In hundert Jahren wird es eng werden in diesem Paradies.

14. November: Am Morgen haben wir meine Mutter besucht im Altersheim. Sie kann so lustig und so traurig sein. Manchmal sind wir uns sehr nah und dann kann es wieder sehr anstrengend sein. Am Besten geht es ihr, wenn sie in der Jetztzeit beschreiben kann was sie gerade sieht. Sie hat eine wunderbare Aussicht, kann Kühe zählen, den Bauern bei der Arbeit zuschauen oder auf die Appenzellerbahn warten. Sie sagt dann immer: "Warte ein bisschen, jetzt pfeifft es dann gleich." Und wirklich, immer bei der Kurve vor Gais ertönt ein Pfiff. Diese Wiederkehr des Gleichen beruhigt meine Mutter ungemein. Nach unserem Besuch sind wir nach Bregenz gefahren um im Kunsthaus die Ausstellung von Jeff Wall anzuschauen. Eine sehr beeindruckende Ausstellung. Der Fotograf als Regisseur. Er inszeniert das Elend und die Verlassenheit von Randständigen genauso, wie das Elend und die Einsamkeit von Schwerreichen. Am Mittag haben wir im nahen Gasthof riesige Wienerschnitzel gegessen. man gönnt sich ja sonst nichts...

Am Nachmittag waren wir dann noch in Friedrichshafen um in der Galerie Bernd Lutze eine Ausstellung mit Kachina Puppen der Hopi Indianer anzuschauen. Horst Antes scheint ein grosser Sammler dieser Figuren zu sein. Er konnte die sehr schöne Sammlung von Duchamp erwerben. Bernd war vor vielen Jahren der Sekretär von Antes und hat mit ihm die Indianerreservate besucht und viele der Puppen gekauft.

13. November: Gestern Abend erlebte ich einen Aufsteller in Olten. Die Visarte Gruppe Solothurn hatte zu einer ausserordentlichen Generalversammlung eingeladen. Es ging um die Frage der weiteren Zukunft dieser traditionsreichen Visarte Sektion. Es standen verschiedene Optionen im Raum. Auflösung des Vereins, die Fusion mit Basel oder der Anschluss an der Gruppe Schweiz. Ich hatte im Vorfeld der Versammlung an alle Mitglieder einen Brief geschickt und mich dafür stark gemacht, dass sich der Verein neu organisiert und aus eigener Kraft weitermacht. Nach zweieinhalb Stunden war einstimmig klar: Der Verein bleibt selbstständig bestehen, eine Arbeitsgruppe plant die Zukunft mit einem neuen Vorstand, im Januar 2015 gibt es eine Strategiesitzung  Kulturhaus in Solothurn und im Frühling sollte der neue Präsident oder die neue Präsidentin mit einem motivierten Vorstand der Öffentlichkeit vorgestellt werden können. Wenn es irgendwo "Heimwehsoloturner" Künstlerinnen und Künstler gebe sollte, die Lust haben bei diesem Projekt mitzumachen, meldet euch bitte sofort. Wir suchen auch junge Künstlerinnen und Künstler aus dieser Region. Eine Verjüngung der Gruppe ist dringend angesagt!

11. November: Am Morgen früh sass ich schon wieder im Zug. Heute war Bern angesagt für eine Sitzung zum Folgerecht. Am Nachmittag machte ich einen Zwischenstopp in Zürich, um Susanna Kulli zu besuchen und um ein  Vexer Verlagsprojekt zu besprechen.

9. November: Am Nachmittag holte mich Monika wieder ab in Frauenfeld. Die drei Tage haben sich sehr gelohnt. Es gibt immer wieder Überraschungen. Ich habe erstaunlich gut verkauft und das Zusammensein mit der kurligen Druckerzunft hat Spass gemacht. Viele Kollegen von der XYLON sind vorbeigekommen, um bei Eva Gallizzi ihre Exemplare der neuen Xylon Publikation "Selbst" abzuholen.

7. Am Morgen früh laden wir die Bücher und Monika fährt mich nach Frauenfeld.

5. Am Morgen besuchte ich die Ausstellung im Haggenquartier von drei ehemaligen Studenten der HF Bildende Kunst. Die drei waren immer noch mit dem Aufbau beschäftigt. Anschliessend habe ich Schachteln mit Vexer Büchern vollgepackt für die Buch und Handdruckmesse in Frauenfeld. Am Mittag traf ich den in Basel lebenden Künstler Alex Silber in der Stadt. Wenn ich ein Museum hätte, würde ich bald möglichst eine Retrospektive von ihm organisieren.  Beim Mittagstisch war auch Christine Rinderknecht dabei. ich muss mir ihre zwei Bücher besorgen, die im Pendo Verlag erschienen sind. Einer der Titel: "Ein Löffel in der Luft" passt ja bestens zur Gemüsebouillon.

4. November: Es geht früh los, mit den Mittarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Amt für Kultur des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Wir reisen gemeinsam nach Aarau, um den Ergänzungsbau des Stadtmuseums zu besichtigen. Gemeinsam mit Christian Severin von Diener & Diener Architekten mache ich eine zweistündige Führung. Vor dem Gebäude sind nun die Bauabschrankungen entfernt und der neue Bodenbelag ist aufgebracht. Jetzt ist endlich der Neubau und meine Fassadenarbeit erstmals richtig zu sehen. Nach dem Mittagessen besuchten wir gemeinsam das Kunsthaus. Ich nahm auch an der Führung durch die Ausstellung von Sophie Teuber Arp teil, obwohl ich diese grandiose Werkschau schon vor ein paar Wochen gemeinsam mit Monika besucht hatte. Sophie Teuber Arp ist wohl die berühmteste Schülerin der Textil und Modefachschule von St.Gallen. Ich habe etwa siebzig Jahre nach ihr die gleiche Schule besucht. (Natürlich mit anderen Lehrern und in einer befreiteren Zeit) Leider gibt es diese Schule nicht mehr. das ist ein echter Kulturverlust für St.Gallen. Das Textilmuseum ist dafür sehr viel aktiver wie damals und präsentiert immer wieder hervorragende Ausstellungen auf Weltniveau. 

3. November: Gegen Mittag erwarte ich Katharina Altas und Fredi Lerch, um das Buchprojekt über Lilly Keller zu besprechen. Es ist interessant. 2011 als Lilly Keller im Kunsthaus Grenchen ausstellte, bat ich Eva Inversini, mir alle verfügbaren Bücher von der Künstlerin signieren zu lassen. Und nun kommt diese spannende Anfrage für ein Buchprojekt. Lilly Keller ist eine beeindruckende Künstlerin, die ab den 50er Jahren einige Erfolge feiern konnte. Viele Künstlermachos stellten sie aber  wegen ihren Tapisserien in die Ecke der Kunstgewerblerinnen. Eine emanzipierte Frau, die einiges durchgewirbelt und wenig ausgelassen hat.

2. November: Die Tage in Agrano waren streng aber erholsam. Mein Kopf ist wieder ausgelüftet und frei. Ich muss mich noch einmal in das Manuskript von Fredi Lerch einlesen, das er über Lilly Keller geschrieben hat.

30. Oktober: Wir fahren zeitig los nach Italien. Gemeinsam mit Freunden wollen wir die ganzen Hänge auf dem Grundstück in Agrano Alto mähen. In den steilen Hanglagen würde sonst alles mit Farn und Sträuchern verwachsen.  Eine sehr schöne ruhige Fahrt in den Süden. Ich persönlich bin sehr froh, dass ich nie Autofahren gelernt habe. Ich liebe das Gefühl chauffiert zu werden. Bei dieser Fahrt habe ich mir überlegt, wie es wohl gewesen wäre einmal mit Goethe in der Pferdekutsche mit zu reisen.

29. Oktober: Um 10 Uhr wurde meine riesige "Hirtenhose" abgeholt für die kleine Messe im Shed im Eisenwerk Frauenfeld. Heute suche ich antiquarisch alle Bücher die mir von Henri Michaux fehlen. Die Lesung von gestern Abend hat mich sehr überzeugt.

28. Oktober: Am Abend besuchte ich mit Monika die Gedenklesung zum 30ten Todestag von Henri Michaux im Kultbau. Florian Fetsch, Clemens Umbricht, Corinne Riedener und Daniel Fuchs lasen Texte von Michaux. Daniel unterlegte seine Lesung mit Klängen aus dem All von den Planeten Pluto und Mars (oder waren es Andere ?) das Ganze wurde per PC bildlich in Sphärische-, an Emma Kunz erinnernde Klangbilder umgesetzt. Ich habe gestaunt, dass Henri Michaux 1979 in der Erker Galerie in St.Gallen ausgestellt hat. Herr Larese und Herr Janet hatten doch nichts mit Meskalin zu tun? Oder etwa doch? Maskulin trifft es sicher besser.

27. Oktober: Am Morgen kam Thomas Stricker vorbei um eine angedachte Publikation über seinen Garten in Afrika zu diskutieren.

25. Oktober: Am Mittag kochte Monika ein wunderbares Fischgericht für Maryam Sachs, Roger Diener, für sich und für mich, als kleine Abschlussfeier des Kunst und Bauprojekts für das Stadtmuseum in Aarau. Wir schauten uns dann auf dem Klosterplatz die Fotoinstallation von Kathalin Deér zum Thema der Wandermönche an. Kathalin hat ihre Fotos von Neapel ausgedruckt und auf einfachen Plakatständern aufgezogen. Eine einfache und gelungene Ausstellungsform für den Aussenraum. In meinem Atelier hatte ich eine Präsentation vorbereitet mit den neu entstandenen Drucken, die ich anlässlich der Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum in Aarau ausstellen werde. Zudem hatte ich in meiner Bibliothek eine grosse Auswahl von Vexer Publikationen ausgelegt. Wir erlebten einen wirklich sehr angenehmen Nachmittag mit feinen Gästen und guten Gesprächen.

24. Oktober: Am Morgen früh bin ich nach Zürich gefahren. Wir hatten den ganzen tag Bewerbungsgespräche bei visarte. das war sehr spannend und ich bin überzeugt, dass wir die Assistentenstelle der Geschäftsleitung sehr gut besetzen konnten.

23. Oktober: Ich war um 14 Uhr in der Brasserie am Bärengraben in Bern zum Mittagessen eingeladen. Ich war von 1996 bis 2000 in der Ankaufskommission der Stiftung Kunst Heute, zusammen mit Esther Maria Jungo und Jean Paul Felley. das war eine spannende Zeit und ich denke wir haben einige sehr gute Ankäufe gemacht. Unter Anderem die Katastrophenfotos von Christoph Dräger, eine  sehr grosse, installative Arbeit von Thomas Hirschhorn, eine Gefriertruhe mit einem Paar mit Wasser gefüllten Gummistiefeln von Roman Signer, eine riesige Videoinstallation von Muda Mathis und vieles, vieles  mehr. Der Nachmittag in der Brasserie war sehr anregend. Ich sass zusammen mit Loredana Sperini, Hans Gerni und Peter Aerschmann.  Anschliessend haben wir uns die Ausstellung im Kunstmuseum angesehen, die von Sarah Mertens kuratiert wurde. Die Ausstellung ist sehr schön gemacht. Gleichzeitig werden auf der gleichen Etage die ausführlichen Studien zu Marcel Duchamp von Bethan Huws gezeigt. Diese Fülle von Material ist optisch sehr reizvoll aber inhaltlich nicht zu bewältigen in einem Ausstellungsbesuch. Auf der Zugfahrt nach St.Gallen konnte ich meine Eindrücke im Speisewagen wunderbar setzten lassen.

21. Oktober: In den letzten Tagen und Wochen konnte ich sehr viel malen. Heute habe ich endlich das Bild "Überlicht" Nr. IV vollendet. Begonnen habe ich damit im August 2013. Jetzt hängt es im Büro von Monika und strahlt vor sich hin. Gegen Abend fürhr ich ins Atelier an der Haggenstrasse. Der Lastwagen mit den 66 Holzplatten stand schon an der Rampe. Ausstellungen gehen immer so schnell vorbei. Der Rücktransport vom Schweizer Architekturmuseum Basel verlief reibungslos.

18. Oktober: Am Nachmittag bin ich nach Rapperswil gefahren. Ich liebe diese Zugstrecke. Gerold und Anita Späht haben zum 75. Geburtstag eingeladen im Rathaussaal. Eine gute Gelegenheit um viele alte Bekannte wieder einmal zu treffen. Um halb fünf bin ich abgeschlichen. Ich wollte mir bei dieser Gelegenheit die Ausstellungen von Hugo Sutter, Rolf Winnewisser/Christian Rothacher und von Othmar Eder anschauen. im Kunst(Zeug)Haus.  Die Zeichnungen von Othmar Eder sind verblüffend, teilweise eventuell etwas zu grafisch aber wirklich schön. Bei Hugo Sutter staune ich immer wieder über seine Einfälle. Der obere grosse Raum ist für seine feinen Arbeiten zu unruhig und in diesem "Schlauch" besteht immer die Problematik, dass die Arbeiten hintereinander aufgereiht werden müssen. Aber die Zusammenstellung und die Querbezüge zu Winnewisser und Rotacher sind spannend. Ich sehe das immer wieder gerne. Die schönste Ausstellung von Hugo habe ich in diesem Januar bei Roberto Medici in Solothurn gesehen.

Am Abend war ich eingeladen zu einem wunderbaren Konzertabend in St.Gallen. Andreas Weller und Götz Payer interpretierten den 24 teiligen Liederzyklus "Die Winterreise" von Franz Schubert. Ich staune immer wieder, wie sich ein musikalisches Werk nach mehr als 200 Jahren so frisch, radikal und thematisch aktuell erleben lässt. Für mich war das ein wundersames musikalisches Erlebnis bei dem sich Kunst und Musik vereinte. Vor Allem das grosse Gemälde von Vera über dem Riesenflügel, das sich mir an diesem Abend noch rätselhafter und geheimnisvoller zeigte wie je zuvor. Vielleicht lag es auch an der gebündelten Energie von all den spannenden Menschen, die sich an diesem Abend gemeinsam auf die Winterreise machten.

17. Oktober: Ich war den ganzen Tag beschäftigt mit dem Redigieren eines Gesprächs, das ich mit Thomas Stricker zu seinem Gartenprojekt in Afrika geführt habe. Die letzten Korrekturen machte ich im Zug während meiner Fahrt nach Winterthur. Ich hatte einen Gesprächstermin mit Heinrich Gartentor. Ich wollte endlich die offizielle "Amtsübergabe" als visarte Präsident nachholen. Wir hatten ein sehr anregendes und informatives Gespräch. Es gibt viel zu tun in unserem Berufsverband. Das wichtige Anliegen der sozialen Sicherheit, das Folgerecht, das Erarbeiten von Ausstellungsverträgen und als grosse Kiste die Planung des Jubiläums im Jahr 2015/16. Der Verband feiert das 150 jährige Bestehen. Viel Gesprächsstoff gab auch die notwendige Sanierung der Bick Stiftung. Diese wunderschönen Ateliers im Tessin möchte ich so bald wie möglich anschauen. Ich kenne nur die Bilder von der visarte Homepage. Die Belegung in konnte dank dem Einsatz von Heinrich dieses Jahr enorm gesteigert werden. Im Moment müssen wir auch noch eine gute Nachfolge für Hanna Scheuring von der Geschäftsstelle finden. Hanna übernimmt ab Januar die Direktion vom Bernhard Theater in Zürich. Schade dass Hanna geht aber der Job ist natürlich SUPER! Auf unsere Stellenausschreibung haben sich etwa 120 sehr interessante Kandidatinnen und Kandidaten aus der Creativwirtschaft gemeldet. Es gibt ein super Gefühl, dass so viele bestens ausgebildete Menschen bei visarte CH arbeiten möchten. Ich freue mich schon auf die Bwerbungsgespräche. Zur Stärkung bestellten wir wunderbaren Rehpfeffer mit Spätzle und eine Flasche cum laude. Ein wunderbarer Abend. Es wird sicher weitere Treffen geben.

 

16. Oktober: Die letzten zehn Tage konnte ich ohne Unterbruch malen. Es geht etwas. Heute Abend erlebten wir eine sehr berührende Abschiedsfeiuer zum Todestag von Christian Mägerle. Ich vergesse die erste Lesung die ich in den siebzuger jahren gehört habe nie. Er hat damals im Klosterhof gelesen. Ein Gedicht rezitiere ich immer wieder gerne: "Der Luganersee - Der Dichter trinkt und schweigt". Eventuell habe ich das Gedicht auch gekürzt in meinem Kopf. Na ja. Rainer Stöckli hat eine wunderbare Textperformance über das Verschwinden dargeboten und Peter Rot umrahmte die Veranstaltung musikalisch mit einem seinem Chor. Richard Butz, Ruedi Hofmänner und zwei Familienmitglieder erzählten über das Leben und über ihre Begegnungen mit Christian Mägerle. Anschliessend bin ich mit Monika in die Militärkantine zum Essen gegangen um alles in Ruhe zu reflektieren. (Es war wirklich angenehm ruhig an diesem Abend)

11. Oktober: Heute habe ich mit Kaba Rössler die Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum Aarau besprochen. Die Eröffnung ist auf den 20. März geplant. Wir werden im Erdgeschoss zwei grosse Blöcke meiner Vakuumdrucke zeigen, die ich ab den Holzplatten gedruckt habe.

9. Oktober: Die Stadt hat mir heute den Geburtsschein von Vera zugeschickt, den sie bestellt hat. Als Erinnerung an die Geburtsstunde um 06.50 Uhr am 15. Dezember 1979 pflanze ich heute spontan einen Quittenbaum. Ich nenne ihn Vera Ida Quitta. Um 16 Uhr wird der Baum geliefert. Ich freue mich sehr darauf. Das Pflanzloch habe ich bereits ausgegraben.

8. Oktober: In der Nacht habe ich ganz allein den grossen, wunderschönen Vollmond genossen.

6. Oktober: Der Samstag und der Sonntag waren für mich sehr streng aber erfüllend. Ich kümmerte mich um die Gestaltung zwei sehr spezielle Orte, für einen in sich abgeschlossenen Platz mit steilen,  von Kastanienbüschen bewachsenen Rändern, wo einmal Kies und Sand abgebaut wurde, schnitt ich eine kleine Venus in einen ca. drei Meter hohen Föhrenstamm, den ich dann beim Eingang zu dieser "Grube" als Pforte aufstellte. Am Ende der Kiesgrube baute ich eine dreiteilige Sitzbank und eine grosse Feuerstelle. Für den zweiten Platz mit einer mächtigen Kastanie baute ich fünf Sitzbänke rund um den Baum. Das Ganze feierten wir am Abend mit einem fulminanten Essen und üppig Wein.

3. Oktober: Nach drei Uhr früh bin ich jede Stunde aufgewacht. Um 05.30 Uhr habe ich mich entschlossen zum Bahnhof zu gehen. Ich wollte spätestens um 8.30 in St.Gallen sein. Monika und ich hatten uns um 11.00 Uhr verabredet um nach Italien zu fahren und ich musste noch meine Sachen packen. Zuerst besuchten wir noch meine Mutter im Altersheim. Sie lag wie ein kleines, müdes Mädchen im Bett. Die Besuch sind immer wieder sehr berührend.

Anschliessend sind wir in die Nähe von Brigels gefahren. Flurina feierte  ihre Hauseinweihung und wir trafen da auch Vera, die ein vielschichtiges, mehrteiliges Kunst am Bauprojekt realisieren konnte. Dann fuhren wir über den Lukmanier ins Tessin, wo wir über eine Stunde im Stau standen. Gegen 20.00 Uhr trafen wir dann in Agrano Alto ein und wurden mit mit einem feinen Nachtessen empfangen.

 

2. Oktober: Am frühen Nachmittag führ ich nach Basel. Ich traf zuerst Ester Hiepler im Garten der Kunsthalle. Sie arbeitet an einer sehr schönen mehrteiligen Publikation. Als ich nach einer Stunde gehen wollte sprach mich Erich Brändle an. Er hatte die Aufgabe, den Architekten Peter Märkli am Abend an der Podiumsdiskussion im Schweizerischen Architekturmuseum  Basel zu vertreten. Wir haben uns gut unterhalten. Die Diskussion mit Ulrike Jehle, Erich Brändle, Roger Diener, Adam Szymczyk und mir zum Thema Kooperationen zwischen Architekten und Künstlern war sehr gut besucht. Rund hundert interessierte Menschen füllten den Saal, in dem 66 Holztafeln von mir die Wände komplett bedecken. Für mich war das ein sehr anregender Abend. Ich landete dann nach dem anschliessenden Essen im Hotel IBIS. Eine Rückfahrt mit dem Zug wäre zu mühsam gewesen.

1. Oktober: Am Morgen hat mich die Filmverleiherin Bea Cuttat angerufen. Sie wollte das Buch "Klartext" an Christian Petzold verschenken. Sein Film "Phoenix" hat Premiere am Abend im Kinok. Ich habe mich zum Glück entschlossen, sofort ein Premierenticket zu bestellen und das Buch persönlich vorbeizubringen. Der Film hat mich sehr berührt. Die beiden Ninas, Nina Hoss und Nina Kunzendorf haben ihre Rollen sehr stark gespielt. Ein Film über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, über die unmögliche Situation, zurück zu kommen nach dem Krieg in eine Beziehung und einen Alltag den es nicht mehr geben kann. Das Gespräch zwischen Sandra Meier und dem Regisseur Christian Pezold war klug, direkt und von grosser Verehrung geprägt.

9. September: Am frühen Abend nahm ich in Zürich an einer Sitzung teil.  Vorab fotografierte ich einige Baukräne, die ich für die nächste Publikation "Kunst und Bau" sammle. Eine spannende Sitzung nach der Sichtung des Materials zum unvollendeten Film "Dedications" von Peter Liechti. Anschliessend ein Wildessen in der Quartierbeiz.

27. September: Am Mittag bin ich nach Aarau gefahren. Claudia Waldner hat mich angefragt, ob ich die Eröffnungsrede  vor dem Kunsthaus Aarau für den Kunstadapter bei "Kilometer Null" halten würde. Der Adapter ist ein alter, umgebauter Opel Blitz, den man für kulturelle Zwecke mieten und durchs Land fahren kann. Wie früher die Migroslastwagen zu ihren Kunden in abgelegene Quartiere, Weiler und Dörfer gefahren sind fährt nun der Adapter für kulturelle Belange durch die Schweiz. Eine gelungen Initiative von Kunstschaffenden für die Belebung und Verbreitung der Kultur. Der entspannte, fröhliche und inhaltlich reiche Start des Adapterprogramms hat mich sehr beglückt. An diesem Nachmittag habe ich viele visarte Künstlerinnen kennengelernt. Unter Anderem endlich auch Pascal Grau. Sie hat die Stadt St.Gallen für ihr Studium 1979 verlassen, genau in dem Jahr als ich die St. Galerie an der Zürcher Strasse gründete. Schade, aber nie zu spät.

Ich musste relativ früh wieder nach Hause. Am Abend fand die "Aktionärsversammlung" der Militärkantine in St.Gallen statt. Das war ein sehr schöner Abend. Ich konnte wieder einmal mit vielen Freunden reden, die ich sehr selten treffe. Das wiedereröffnete Restaurant und Hotel ist sehr gut gestartet. Die Leute sind sehr motiviert. Dieser Ort mit dem wunderbaren "neuen Stadtpark Kreuzbleiche" ist eine grosse Bereicherung für das gastronomische und kulturelle Leben der Stadt St.Gallen.

26. September: Ein ergiebiges Treffen mit Guido M. von visarte Zürich im Bistro beim HB Zürich. Am Mittag begann die Sitzung des Zentralvorstandes der visarte CH. Eigentlich wollten wir unser 150 Jahr Jubiläum von 2015-16 besprechen. Es gab aber so viele aktuelle Themen, dass das Jubiläum noch etwas warten muss. Vieles ist auf gutem Weg.

25. September: Ich habe wieder grosse Lust zu malen. Ich versuche jede freie Minute dafür einzusetzen. Die Langsamkeit, das Meditative, das Versinken in den Farben und dabei Musik hören tut mir gut.

24. September: Heute haben Monika und ich alle 134 Holzschnitte "meines Volkes" zusammen mit Stefan Rohner in einer Rekordzeit fotografiert. Durchschnittlich brauchten wir gute zwei Minuten pro Portrait. Holzschnitt aufhängen, kontrollieren, fotografieren, abhängen und neu stapeln. Insgesamt etwa 500 Kilo Papier.  Ein Stapel von 200 x 100 x 60 cm. Am Abend hatte ich richtig Muskelkater. Ich belohnte mich persönlich mit einer reichhaltigen Gemüse - Nudel - Cervelat - Pfanne und reichlich Rotwein. OHO.

22. September: Eine weitere Fahrt mit Regine nach Bern. Um elf trafen wir Sergio, den Finanzfachmann von visarte Schweiz. Es ist für mich sehr beruhigend, dass wir in allen Sparten des Berufsverbandes Fachleute haben, die auch komplexe Inhalte vermitteln können. Um 14 Uhr waren wir mit Frau Chassot vom Bundesamt für Kultur verabredet. Die neue Kulturministerin ist ein echter Gewinn für die Kultur. Engagiert, humorvoll und blitzgescheit verbreitet sie eine Stimmung, die ich mir vor dreissig Jahren nie in einem Kulturamt hätte vorstellen können. Es hat sich wirklich viel getan im Umgang und im Verständnis für Kultur.  

21. September: Am Abend besuchten wir ein Konzert vom Chorprojekt von Peter Roth. Nicht nur der Chor, sondern auch das Publikum wird immer älter. Der einfache, für wirklich jeden liberalen Altlinken verständliche Inhalt wurde durch den Chor und das Orchester in sehr bekömmliche musikalische Kost umgewandelt. Ich liebe Chormusik! 

20. September: Am Morgen habe ich in Bern einige neue Hemden gekauft. Auf dem Bahnhof trafen wir zufällig Julian Sartorius und seinen Vater. Die beiden kamen gerade von der Preisverleihung des Schweizerischen Musikpreises vom Bundesamt für Kultur. Julian war überglücklich als einer der nominierten Musiker.

Anschliessend erfuhren wir, dass die Strecke von Aarau nach Zürich gesperrt wurde. Wir mussten über Luzern nach Zürich fahren. Die Züge waren komplett überfüllt. Interessant ist in solchen Momenten, wie gesprächig viele Menschen bei einem solchen Ereignis werden. Per Handy werden dann die individuellen "Katastrophengeschichten" mehrmals in feinen Variationen weitergeleitet. Neben Monika sass eine Frau aus Indien, die dermassen laut geschmatzt und gerülpst hat, dass nun für Monika klar ist, dass  sie dieses Land nie bereisen wird. Ist mir auch recht.

In Zürich fuhr ich direkt zum Kongresshaus an das Fest von Pro Litteris. Ich staunte wie liebenswürdig der umstrittene Herr Hefti von den anwesenden Kulturschaffenden mit einer stehenden Ovation in den Ruhestand entsandt worden ist. Es scheint, dass eine Mehrheit des Publikums mit der angedachten Rente einverstanden ist. Für mich gab es einige überraschende Begegnungen, eine Performance von Christoph Rüttimann, gutes Essen, reichlich Wein und eine wunderbare Salome Buser mit Stiller Haas.

19. September: Am Nachmittag sind wir nach Bern gefahren für die Vernissage von Manon und Franticek Klossner. Das war ein richtiger Menschenauflauf. Die Arbeiten von Manon und von Franticek steigern sich gegenseitig. Das Vergängliche, die Zeit die uns noch bleibt und die langsame Veränderung von allem was uns lieb ist wird verbildlicht. Der Weg nach Bern hat sich gelohnt und ich bin froh, dass wir dieser Einladung spontan gefolgt sind. Der Abend und die Nacht in Bern war voller Überraschungen. Die Begegnungen mit Lischka und Feo Eggimann unter den Lauben waren richtig flackernde Nachtlichter.

18. September: In aller Hergottsfrühe bin ich ins Atelier an der Haggenstrasse gefahren. Ich habe auf einen Transport gewartet. Zwei sehr grosse Holzreliefs aus den 90er Jahren wurden angeliefert. Am Abend war ich kurz im Nextex und anschliessend an einem Konzert im Thime out an einem Konzert von Freunden. Ich staune immer wieder, mit welcher Inbrunst Laien musizieren können. Das hat Spass gemacht. Der singende und Gitarre spielende Zahnarzt und der blusende Ökonom HSG haben mich schon sehr beglückt. Den dürren Schlagzeuger mit dem meistens leicht verspäteten Schlag und den hüftschwingenden Bassisten werde ich auch nicht vergessen können.

17. September: Den ganzen Tag gemalt.

16. September: Jetzt hatte ich zwei Tage Zeit, mich um meine künstlerischen Arbeiten zu  kümmern. Am Abend fuhr ich nach Vaduz für eine Podiumsdiskussion  zum Thema Kunst und Bau und Kunst im öffentlichen Raum, die im Engländerbau stattfand. Ich war eingeladen als Präsident der visarte Schweiz. Das war eine gute Gelegenheit, dieses Thema als Künstler und auch aus der Sicht des Berufsverbandes darzulegen. Es waren sehr viele interessierte Leute da und die Diskussion war sehr anregend. Lichtenstein hat den Kulturprozent in der Verfassung festgeschrieben und trotzdem wird die Kunst am Bau oft vergessen.

14. September: Am Morgen fuhren wir los Richtung Aarau. Monika wollte sich die fertige Fassade des Stadtmuseums ansehen. Vor ein paar Tagen war auch die grosse Glasfront beim Eingang eingebaut worden. Es ist spannend zu erleben, wie sich das Gebäude bei jedem Besuch weiterentwickelt und wie sich das optische Erlebnis durch die fortschreitenden Umgebungsarbeiten dauernd verändert. Der Platz war sehr belebt durch Familien, die sich beim Kino am Schlossplatz tummelten.

Anschliessend haben wir uns die Ausstellung von Sophie Teuber Arp im Kunsthaus angeschaut. Wenn man diese beeindruckende Werkauswahl sieht, kann man nicht verstehen, warum diese Künstlerin so lange so brutal unterschätzt worden ist. Als Ostschweizer ärgert es mich sehr, dass diese bedeutende Künstlerin im Kunstmuseum St.Gallen nicht präsent ist. Die Künstlerin hat lange in Trogen gewohnt und hat die Textilfachschule in St.Gallen besucht. Eigentlich kann man Sophie Teuber Arp als eine wichtige Vorläuferin von Rosemarie Trockel bezeichnen. Mit ihren, von der Kunstkritik schnöde als Kunstgewerbe eingestuften Webereien und Stickereien hat sie für die internationale Kunst grosses geleistet.

Nach dieser bereichernden Ausstellung fuhren wir nach Wallisellen, um dort das neu überbaute Richtiareal anzuschauen. Ich konnte dort für Diener&Diener ein grosses Kunst und Bau Projekt realisieren. Beim Haus Favrehof liess ich auf vier Metern Höhe, in einem Betonrahmen eine achtzig Meter lange und 180 cm hohe Mauer aus Valser Naturstein in der Art einer Trockenmauer bauen. Der Fries setzt nun einen starken Akzent auf der Seite des Boulevards. An den Seitenwänden sind je drei kleinere "Steinbilder" über den Hofeingängen gemauert worden. Die grosse Mauer bildet auch die Balkonabdeckung und auf der Brüstung stehen schon viele Pflanzen, Kürbisse usw. Ein belebtes Bild, das von den Bewohnerinnen und Bewohnern sicher nicht als Kunst wahrgenommen wird. Das ist auch gut so, denn ich wollte bewusst ein Urbild von Urbanisation entwickeln, das einfach da ist und das Haus umfasst.

13. September: Wir sind zeitig losgefahren. In Altdorf habe ich ein Meeting mit einer Delegation von der visarte Zentralschweiz und um 17 Uhr beginnt die Eröffnung der Ausstellung "Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Gotteserfahrungen & Teufelsküche. Esther Maria Jungo hat als Gastkuratorin eine sehr spannende, thematische Ausstellung aufgebaut. Von mir hat sie zwei Bilder zum Thema Wasser ausgewählt. Ein schöner Abend mit vielen Künstlerfreunden aus der ganzen Schweiz.

11.12. September: Ich hatte mir vorgenommen, eine weitere schöne Eiche im Wald vom Kleingehölz zu befreien. Ich habe rund um die Eiche einige Ahornbäume, Eschen, eine Kastanie und eine grosse Birke stehen lassen. Das terrassierte und ausgeforstete Waldstück ist nun lichtdurchflutet und öffnet den Blick für eine kommende pflanzliche Vielfalt. Ich stelle mir vor, wie sich in einigen Jahren stattliche Hirsche brünstig die Schädel klopfen.

10. September: Ich musste heute Morgen in aller Eile meine Reisetasche packen. Wir hatten vor am späteren Nachmittag nach Italien zu fahren. Um 14.00 Uhr besuchte ich aber noch das Herbstforum vom Schulamt St.Gallen in der Olma - Halle. Der Vortrag des Zukunftsforschers Georges T. Roos war für mich eine Offenbarung. Spannend, quirlig und eloquent gedacht und fulminant vorgetragen. Das war für mich eine der unterhaltsamsten Stunden der letzten Jahre. Um 16.30 Uhr fuhren wir dann los in Richtung Piemont. Ich geniesse diese Fahrten. Die Gespräche während  dem Autofahren sind immer so unausweichlich und als Beifahrer kann ich die Landschaft und die Diskussionen voll geniessen. Um 20.30 Uhr waren wir am Ziel. Beim Feuer machen sah ich, dass ein Vogel durch den Kamin in den Ofen gefallen und gestorben war. Bei einer kleine Zeremonie mit einem knisternden Feuer, einem guten Wein und einer scharfen Hirschwurst gedachten wir der schwebenden Seele.

9. September: Am Mittag traf ich mich zu einer kulturpolitischen Aussprache im Volkshaus in Zürich. Der Fleischkäse und der Kartoffelsalat halfen mit, die teilweise komplizierten Sachverhalte zu klären und zu verdauen. Anschliessend ging ich zu Fuss an die Idastrasse 46. Jiajia Zhang hatte dort in einem ehemaligen Ladenlokal eine Ausstellung eingerichtet. Ich finde es immer spannend zu sehen, wie sich eine Arbeit weiterentwickelt und in neuen Zusammenhängen weiter erschliesst. Ich erfuhr, dass in der kommenden Nacht der ganz grosse Mond sichtbar sein soll. (der Supermond war aber glaube ich schon am 10. August)

Mit meinen Gedanken vom grossen Mond im Kopf machte ich mich auf den Weg ins Kunsthaus. Die Ausstellung von Cindy Sherman hat mich sehr beeindruckt. Ich war überrascht, wie konsequent die Künstlerin über all die Jahre immer wieder die gleichen Themen variantenreich bearbeitet hat. So werden die gleichen Inhalte im Alterungsprozess der Künstlerin immer wieder neu sichtbar und neu aufgeladen.

Am Abend war ich zum 1. Kulturgipfel in der Kunsthalle Bern eingeladen. Organisiert wurde der Anlass von den kulturinteressierten Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Ein gelungener Anlass mit vielen bekannten und interessanten Kulturvertreter-innen. Ich habe so viele Gespräche geführt, dass ich gar keine Zeit fand, mich beim üppigen Buffet zu bedienen. Nach einer happigen Verspätung bin ich erst um 00.30 in St.Gallen angekommen. Ab und zu war auch der schön grosse Vollmond am bewölkten Himmel sichtbar.

 

7. September: Gestern bin ich von Basel direkt nach Zürich gefahren. "visarte" führte eine Gruppenkonferenz zum Thema soziale Sicherheit durch. Wir wollen daran arbeiten, dass die Vorsorgeregelung des Bundes auch in Städten, Gemeinden und Kantonen eingeführt wird.  Bei Stipendien, Werkbeiträgen und weiteren Kulturförderungen sollen von den Förderstellen zusätzlich sechs Prozent in eine Pensionskasse oder in die dritte Säule einbezahlt werden. Die Kulturschaffenden bezahlen ebenfalls sechs Prozent. Durch diese Regelung wird ein Grundstein gelegt, dass sich professionelle Kulturschaffende eine Altersvorsorge aufbauen können. Der Berufsverband der Schweizerischen Künstlerinnen und Künstler und Architektinnen und Architekten "visarte" wird diese Kampagne führen, weil "visarte" der grösste Berufsverband von Kunstschaffenden in der Schweiz ist und als einziger Verband in allen Regionen der Schweiz mit starken Regionalgruppen präsent ist. Mit dieser Kampagne wollen wir mithelfen, dass Kunstschaffende auch im Alter autonom sein können, und nicht verarmen und auf Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe angewiesen sind.
Die Gruppenkonferenz war sehr spannend und die gute Stimmung machte Mut, dass diese Kampagne für mehr soziale Sicherheit ein Erfolg werden wird.

6. September: Die Ausstellungseröffnung im Schweizer Architekturmuseum war sehr gut besucht. Die Ausstellung ist gelungen und öffnet ein grosses Spannungsfeld von verschiedenen Mentalitäten in Kunst und Architektur. Es ist für mich ein ganz spezieller Moment, nach fünf Jahren Arbeit an einem Projekt an diesem Ort zu stehen. Die grosse Bewährungsprobe folgt dann nächstes Jahr, wenn der Erweiterungsbau des Stadtmuseums in Aarau eröffnet wird. Der Tag ist festgelegt auf den Frühlingsanfang am 20. März 2015.

5. September: Das Essen gestern Abend von unserer Feuerstelle im Freien war ausgiebig und wir diskutierten bis spät in die Nacht hinein. Irgendwann schlug eine Nachbarin ihr Fenster mit einem starken Knall zu. Wir wurden dann zum Glück nicht mehr durch ihr Schnarchen gestört. Heute fahren wir nach Basel. Am Abend wird die Ausstellung "Kooperationen" im Schweizer Architekturmuseum eröffnet. Ich glaube das ist die erste Ausstellung bei der ich beim Aufbau nicht dabei war. Ich bin sehr gespannt, wie meine 66 lebensgrossen Menschenbilder die ich in Mammutbaumholz geschnitten habe in einem Raum vereint wirken. Ulrike Jehle hat bei der Vorbesprechung der Ausstellung von einem Resonanzraum gesprochen und ich glaube sie hat die Stimmung sehr gut getroffen. Die Fassade in Aarau ist gegen aussen gerichtet und der Raum in Basel zeigt die Sicht gegen Innen. Der öffentliche und der private Raum.

4. September: Vera hat uns heute auf einem Zwischenstopp zwischen Berlin, Chur und Toulouse besucht. Am Nachmittag hat sie mir geholfen ein Bild von mir aus dem Jahr 1981 neu aufzuspannen. Ein Sammler kaufte dieses frühe Werk vor ein paar Jahren an einer Auktion. Die Leinwand lag zusammengefaltet in einer Schachtel und  war in einem erbärmlichen Zustand. Die Nachlassverwalter des ursprünglichen, verstorbenen Sammlers dachten wohl, dass dieses Bild ins Dunkel einer Schachtel gehört. Nun haben wir das dünne, mit Dispersion bemalte Baumwolltuch mehrmals gebügelt und über einem mit grundiertem Leinen bespannten Keilrahmen aufgezogen.  Das Bild ist nur zwei Jahre jünger wie meine Tochter. KRASS.

2. September: Heute hatte ich ein Treffen mit Alex Silber und habe mich natürlich an seine Ausstellung in der St. Galerie vor nun wirklich schon 33 Jahren erinnert. Viele meiner Künstlerfreunde und Freundinnen beschäftigen sich mit ihrem Nachlass und der Frage wo all ihre Arbeiten am besten platziert sein könnten. Diese Art des geistigen Aufräumens steht mir auch bevor und ich hoffe, dass das dann auch etwas reinigendes hat.

1. September: Ich habe den ganzen Nachmittag in der Geschäftsstelle von visarte in Zürich verbracht. Die Arbeit in einem Berufsverband ist enorm vielschichtig und spannend. Es gibt so vieles, das ich noch nachfragen muss.

Am Abend traf ich mich mit der XYLON Redaktion in Winterthur, um die geplante Publikation zum 70 jährigen Bestehen der Künstlergruppe zu besprechen. Unter dem Titel "Selbst" werden wir 44 in Holz geschnittene Selbstbildnisse von unseren Mitgliedern publizieren. Das wird eine tolle Sache.

30. August: Wir waren zu einem einzigartigen Wildessen in der Cantina in St.Gallen eingeladen. All die Köstlichkeiten zu beschreiben würde mich eine weitere Nacht kosten.

29. August: Am Nachmittag traf ich Thomas Stricker. Ich machte ein stündiges Interview mit ihm zu seinem Gartenprojekt in Kalkfeld, Namibia. Thomas hat da zusammen mit einer Schule eine reale soziale Skulptur geschaffen, die stetig weiter wächst.

28. August: Heute hat Rolf Müller zwei grosse Bilder abgeholt für die Ausstellung "Aus der Tiefe ruf ich zu Dir - Gotteserfahrungen & Teufelsküche". Diese thematische Ausstellung wird von Esther Maria Jungo kuratiert für das Haus der Kunst in Uri. Die Eröffnung findet am 13. September statt. 

Am Abend hörten wir uns einen Vortrag von Thomas Stricker im NEXTEX an. Titel: "Ich habe einen Garten in Afrika." Thomas hat vor sieben Jahren mit der Arbeit an einem Schulgarten begonnen. Das Projekt ist sehr nachhaltig und die Gartenfläche konnte um die Jahreswende verdoppelt werden.

26. Um 16 Uhr kam Hans Enderli mit seinem Lastwagen, um 66 Holzplatten für die Ausstellung im Schweizer Architekturmuseum in Basel abzuholen. Die Platten sind je 201 x 95 cm gross und ca. 45 Kilo schwer. Sie werden im musealen Rahmen einen Resonanzraum bilden zur Aussenfassade des Stadtmuseums in Aarau. Das war ein echter Lupf zu dritt und die Situation war ziemlich ergreifend. Vorne im Lastwagen lag in einer schweren Kiste wie in einem Sarkophag eine frühe Bronzeplastik von Hans Josephshon und wir luden dann noch 66 Menschen von mir dazu. Insgesamt 67 Menschenbilder in einem Laster. Ich freue mich sehr auf die Ausstellung KOOPERATIONEN mit Diener & Diener/Martin Steinmann mit mir und Peter Märkli mit Hans Josephshon. Die Eröffnung findet statt am Freitag 5. September und die Ausstellung wird kuratiert von Ulrike Jehle-Schulte Strathaus. Es wird auch eine Publikation gedruckt.

www.sam-basel.org

25. August: Beim Mittagessen  im Engel traf ich einen der interessantesten Schweizer Politiker zum Austausch über Kulturpolitik. (PS: Es war bestimmt nicht Geri Müller)

24. August: Monika hat am Freitag auf dem Markt eine riesige Bodenseeforelle eingekauft. gestern stellten wir fest, dass sie unseren Freunden für das Samstagessen zu gross war. Ja nun liegt sie auf einem Kräuterbeet in unserem Backofen und wartet gemeinsam mit uns zusammen auf einen gemütlichen Abend mit guten Menschen. Jetzt hoffe ich, dass nicht der Fisch uns vier verspeist - wobei: Jona hat im Fischbauch dank kräftigem Beten überlebt -  und zu viert könnte man ja auch einen Jass klopfen.

23. August: Ein wunderschöner Abend mit Alpsteinblick über den Dächern im Westen von St.Gallen. Auch regnerische Stimmungen haben dramatisches Lichtpotenzial. Bei Corinne und Guido mit guten Freunden, ein schönes Essen und interessante Gespräche. Literatur, Kunst, Gartenbau, Architektur, Kunstgeschichte, Fotografie, Reisen, Verlagswesen, Unterrichten, Erlebnisse aus Berlin und aus aller Welt, Wandern, Feuer machen (das stand natürlich am Anfang - gell Guido) Auszeiten, älter werden, späte Wünsche, Wünschelruten und vieles mehr. 

22. August: heute Abend sass ich das erste Mal im frisch renovierten Obergerichtssaal in Trogen. H.R. Fricker wurde vom Museum für Lebensgeschichten mit der Publikation seiner eigenen Lebensgeschichte geehrt. Matthias Kuhn las aus der Broschur, Hans Ruedi erzähle Geschichten aus seinem Leben und der Akkordeonspieler Goran Kovacevic spielte ausgewählte Stücke in einer schwindelerregenden und ohrensausenden Virtuosität. Ein familiärer und berührender Abend mit einem Aargauer Künstler, der von den Einheimischen kurzerhand zu einem der Ihren gemacht wurde.  Eine grössere Auszeichnung kann man als Künstler in Appenzell Ausserrhoden kaum bekommen.

21. Die Xylon Schweiz feiert dieses Jahr das siebzig jährige Bestehen. Aus diesem Anlass konzipierte ich eine Publikation zum Thema Selbstbildnis. Alle 45 Mitglieder von Xylon schneiden ein Selbstbildnis in eine Holzplatte. Hanns Studer ist 94 Jahre alt und kann seinen Holzschnitt nicht mehr aus eigener Kraft ins Holz schneiden. Heute Nachmittag sass ich im Sitterwerk an einem PC, um die fotografische Vorlage von Hanns Studer umzusetzen als Grundlage für eine computergesteuerte Fräsung. Hanns hat sich fotografieren lassen mit einem Gefäss frisch gepflückter Kirschen in den Händen. Über seine Ohren hat er wie ein Kind je zwei Kirschen als Ohrringe gehängt. Nun bin ich gespannt was die Fräse wirklich fräsen kann.

19. August: Am frühen Abend besuchte ich die Ausstellungseröffnung der St. Galler Talentschule im Engelwies. Es ist erstaunlich, wie Jugendliche in der Oberstufe die Kraft der eigenen Kreativität entdecken, verfeinern und ausleben können und wie alle eine ganz eigene Sprache im Gestalten entwickeln.

18. August: Heute hatte ich einen spannenden fünfstündigen Sitzungsmarathon an verschiedenen Stationen in Bern und im Zug.

17. August: In den letzten Tagen habe ich einige interessante Performances von Tänzerinnen und Tänzern gesehen im Programm von Tanzplan Ost, das in der Lokremise in St.Gallen präsentiert wurde. Heute wurde ein glanzvoller Höhepunkt geboten mit dem Basler Schlagzeuger Fritz Hauser. Er spielte zusammen mit hörenden und gehörlosen Tänzerinnen und Tänzern.

13. August: Heute ist wieder ein Fest abgesagt worden wegen überflutetem Keller, aufgeweichter Spielwiese und einem Bach am falschen Ort.

10. August: Die ganze Woche war für mich ein innerliches Aufräumen und ein langsames Herantasten an neue Themen. Am Samstag erlebten wir ein sehr schönes Hochzeitsfest in höheren Sphären und Schwingungen der anderen Art mit direktem Ausblick zum Säntis. Ab und zu mussten die Regenschirme aufgespannt werden, damit die Manschettenknöpfe nicht zu rosten beginnen. 

4. August: Am Mittag traf ich Ulrike Jehle beim Bahnhof für einen gemeinsamen Besuch im Sitterwerk als Vorbereitung der Ausstellung "Kooperationen", die am 5. September im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel eröffnet wird. Wir suchten eine stehende Bronzeskulptur von Hans Josephsohn für diese Ausstellung aus.

3. August: Die Ferien in Italien haben mir viel gebracht. Der Holztisch den ich als erste Handlung zusammengezimmert habe hat sich bestens bewährt als Frühstückstisch, Kochtisch, Apérotisch, Cognactisch, Lesetisch, Beistelltisch etc. In den ersten Tagen habe ich meinen kleinen Mammutbaum, den ich vor zwei Jahren als Nachfolger des in Aarau gefällten Baumes gepflanzt habe, von seinem Schutzzaun befreit. Ich habe einen schönen grossen Platz im Wald gerodet, damit sich der Baum in den nächsten Jahren gut entwickeln kann. Mit einem kleinen Steinwall habe ich dafür gesorgt, dass das Regenwasser gebremst wird und beim Baum in den Boden einsickern kann. Über Wassermangel kann man sich ja in diesem Jahr nicht beklagen aber es können ja auch wieder andere Zeiten kommen. Die Baumpflege war für mich ein stimmiger Abschluss meiner grossen Arbeit für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau. Wenn der Baum in hundert Jahren etwa vierzig Meter hoch sein sollte, wird man ihn am Ortasee von Madonna del Sasso aus sehr gut sehen können.

Diese Gegend hat etwas mystisches. Wir haben schwere Gewitter erlebt. In einer Nacht hat es stundenlang wie in einer Disco flackernd und pulsierend geleuchtet und extrem geregnet. Man sah keine Blitze und hörte auch keinen Donner. Das Licht stammte von einem sehr weit entfernten Gewitter hinter den Alpen. An einem Abend raste eine Sternschnuppe so nahe über unsere Köpfe, dass ich vor lauter Schreck gar keine Zeit hatte an einen Wunsch zu denken. Nun ist es wahrscheinlich zu spät aber eventuell erfüllt sich doch das Eine oder Andere.

Am Sonntagmorgen 27. Juli wanderten wir zwei Stunden nach Campello Monti. Das von Omegna ausgehende Tal wurde geprägt durch eindrückliche Walsersiedlungen. An unserem Ziel genossen wir im Dorfrestaurant  ein fulminantes italienisches Sonntagsmenu mit feinstens aufgeschnittenen Salamis, Schinken etc., russischem Salat, Risotto, Polenta, geschmortem Lammfleisch, einem frischen Gamspfeffer, Pasta, Gemüse etc. Beim Dessert konnten wir nur noch zur Hälfte mithalten. Beim Rückweg nach einigen Stunden, sang ein Priester immer noch mit ein paar Getreuen in einer kleinen, der heiligen Magdalena gewidmeten Kapelle unermüdlich Kirchenlieder. Der 27. Juli scheint der Tag von Magdalena zu sein.

In den letzten Tagen unserer Ferien beschäftigten wir uns mit dem Ausholzen eines grossen Waldstücks rund um eine circa hundert Jahre alten Eiche. An diesem Ort steht auch eine ganze Reihe uralter, verkohlter Baumstrünke von ehemals riesigen Kastanienbäumen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrannt sind. Die Dampflokomotiven lösten damals immer wieder heftige Waldbrände bis zu den in grosser Höhe liegenden, damals landwirtschaftlich genutzten Terrassen aus. Die teilweise zwei bis drei Meter hohen schwarzen Baumstrünke stehen noch heute wie wilde Monster und teilweise wie milde Kobolde in einer Linie im Wald. Nach drei Tagen Forstarbeit wächst nun die doppelstämmige Eiche befreit in einer grossen Waldlichtung. Aus einem düsteren dunkeln Ort ist ein lichtdurchfluteter, wunderschöner Platz geworden.

20. Juli: Ein leichter, warmer Sommerregen bringt sanfte Ruhe ins Tal. Monika hat einen riesigen Kochtopf mit einem frisch zerlegten Huhn, Kräutern und Gemüse vorbereitet. Sie trägt den Topf durch den Garten und ruft mir zu das sei so schwer, sie brauche Hilfe. Ein Henkel bricht ab, ein kurzer Schrei und das zerteilte Huhn fliegt ein letztes Mal mit dem gesamten Gemüse durch die Luft. Eine Zwiebel kollert direkt vor meine Füsse und der frische Thymian klebt an meiner Stirn. Jetzt liegt alles wieder im Topf, mit frischem Wasser aufgefüllt köchelt das glücklich gelandete Huhn rund vier Stunden vor sich hin.

19. Juli: Ich sitze im Garten und lausche dem entfernten Donnergrollen. Die Mücken haben mich in den letzten Tagen in eine Art unförmigen Fliegenpilz verwandelt. Zum Glück habe ich Ferien.

18. Juli: Bei Waldarbeiten habe ich heute eine sehr alte Rebe gefunden, die mit extrem langen Ranken an einer Esche ins Licht hochgewachsen ist. Ich habe der Rebe einen Sommerschnitt verpasst, rundherum einige kleinere Bäume gefällt und die Triebe an ein improvisiertes Gestänge aus Ästen gebunden. Im Herbst werde ich sehen, ob es sich um die Ur-Rebe des Nebiolo handelt. Ich hoffe der schöne Eichelhäher überlässt mir ein paar Trauben zum verkosten.

17. Juli: Heute habe ich mich gefragt ob es wirklich möglich ist, dass das Essen im Süden allgemein besser schmeckt. Ist es die Sonne, die Luft, die kleinere Distanz zum Meer oder die grössere Distanz zum Alltag? 

16. Juli: Als erste Ferienaktivität habe ich gemeinsam mit Monika einen einfachen Holztisch aus den Resten von Holzdielen gebaut. 74 cm hoch, 55 cm breit und 92 cm lang steht nun unser neuer Frühstückstisch auf der grünen Wiese im gleissenden Sonnenlicht, wie ein bockiger, junger Stier auf der Alpweide.

15. Juli: Durch einen grossen Zufall konnte ich das Thurgauer Tagblatt mit dem Artikel zur Villa Wiesental in luftiger Höhe lesen. In St. Gallen hat unser Projekt schon einigen Wirbel verursacht. Die Reaktionen sind überraschend und vielversprechend.

14. Juli: Wir fuhren gegen elf Uhr los nach Brig und anschliessend über den Simplonpass. Kurz nach der Italienischen Grenze mussten wir wieder umdrehen, weil die Strasse wegen einem schrecklichen Umfall für ca. sechs Stunden gesperrt werden musste. Wir fuhren zurück nach Brig und verluden unser Auto für die Durchfahrt des Simplon. Wir hatten grosses Glück und waren um 19 Uhr an unserem Ziel über dem Ortasee.

13. Juli: Am Sonntagmittag sind wir losgefahren Richtung Süden, über den Oberalppass, Furkapass zum Grimsel ins Hotel Grimsel Hospitz. Wir besichtigten dort die Ausstellung über den fürchterlichen Rassisten Agazzi, nach dem ein Berg in dieser Region benannt ist. Der Historiker Hans Fässler bemüht sich schon seit Jahren um eine Umbenennung dieses Berges. Wir feierten am Sonntag unser 35 jähriges Eheleben. Ein wunderbares Essen, ein spannendes Fussballfinale und ein sehr schönes Hotelzimmer in einer eindrücklichen Berglandschaft.

11. Juli: Diese Woche hatten wir eine Retraite mit dem Zentralvorstand der visarte. Wir arbeiteten zwei Tage intensiv an den vielen Themen, die in diesem Jahr anstehen. Als Tagungsort haben wir das Hotel/Restaurant Militärkantine in St. Gallen gewählt. Das frisch renovierte, historische Gebäude erstrahlt in neuem Glanz. Hier herrscht nicht mehr das Militär. Eine Gruppe von hochmotivierten Frauen und Männer leiten das Hotel und das sehr schöne Restaurant. Mit diesem wiederbelebten Haus gewinnt der sehr schöne, ehemalige Exerzierpark auf der Kreuzbleiche an Bedeutung für die ganze Region St. Gallen. Wenn es in einigen Jahren gelingen sollte, das alte Zeughaus als neues Schulgebäude für die Schule für Gestaltung in St. Gallen umzunutzen würde dieser Ort geradezu eine magische Ausstrahlung erhalten.  

4. Juli: Gemeinsam mit Jiajia Zhang traf ich am Mittag René Hornung vom Pressebüro St. Gallen. Wir haben ihm unser Projekt für die Erhaltung der Villa Wiesental vorgestellt. René wird einen Artikel für das St.Galler Tagblatt schreiben. Beim Erzählen über das Projekt bin ich selber richtig ins Schwärmen gekommen. Eine Villa aus der Gründerzeit auf einem hohen Sockel, wie ein Kunstwerk im Museum. Ich bin gespannt, wie die Denkmalpflegenden reagieren.

3. Juli: Am Abend machten wir für die Verlagsgenossenschaft ein Essen bei uns im Garten, als "Nachschlag" für die gemeinsame Messebeteiligung in Leipzig. Wir haben sehr viele Themen gestreift und diskutiert. Daraus könnte man mehrere Jahresprogramme in unseren Verlagen erarbeiten.

2. Juli: Zusammen mit Jasmin Kaufmann druckte ich die letzten der 134 Holzplatten. Im Atelier liegt nun ein beachtlicher Stapel von ca. 200 Kilo bedrucktem Recyclingpapier. Die Drucke sind sehr schön geworden. Wir haben alle Motive in einer Auflage von drei Exemplaren mit weisser Farbe auf das graue "Maschinenbüttenpapier" gedruckt im Format von 210 cm x 100 cm. Die neue, speziell für diese Holzschnittserie entwickelte Drucktechnik auf einem Vakuumtisch hat sich bestens bewährt. Die Zusammenarbeit mit dem Künstler und Druckspezialisten Helmut Sennhauser hat sich als Glücksgriff erwiesen.

1. Juli: Ein unterhaltsamer Abend in der Kunsthalle mit dem alljährlichen Galaessen. Giovanni Carmine führte uns durch die aktuelle Ausstellung von Carter Mull und Tobias Kaspar.  Mode, live Style und die Konsumwelt stehen im Fokus der Arbeiten. Im hintersten Raum wird eine sehr schöne Videoarbeit von Kaspar gezeigt, die mit der Hilfe der Kunsthalle St.Gallen in einem Luxusgeschäft in Rom realisiert worden ist. Dorothea Strauss referierte anschliessend über die Möglichkeiten der gesellschaftlichen und der persönlichen Veränderung durch Kunst. Kunst als positive, regenerative Kraft für die Gesellschaft.

30. Juni: Von 10  bis 15 Uhr verfolgte ich die "Enthüllung" der Fassade des Stadtmuseums in Aarau. Das Gerüst wurde abgebaut und die Fassade mit meinen Menschen wurde langsam sichtbar. Es ist schon sehr speziell, wenn ein Werk erst nach fünf Jahren Arbeit als Bild erscheint. Ich bin zum Glück nicht in Ohnmacht gefallen. Im Gegenteil ich fühle mich richtig erlöst und entspannt und bin sehr glücklich, dass alles gut gekommen ist. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle, die an diesem riesigen Werk mitgearbeitet haben. Die 134 erwachsenen Menschen, die drei Kinder und der Hund werden uns bestimmt überdauern.

29. Juni: Um 11 Uhr haben wir uns in der Galerie Bleisch in Arbon die Ausstellungen von Guido von Stürler und von Erwin Schatzmann angeschaut. Guido hat eine sehr lange Zeit keine Kunst mehr gemacht. In der Ausstellung sind frühe Objekte  aus den 90er Jahren neuen digitalen Fotoarbeiten gegenübergestellt. Die "Fliegenfallenobjekte" wirken für mich eher wie Destilliergeräte aus der Landwirtschaft. Apfelernte, Fliegen, Insekten, Bienen, Wespen, Most, Trester und Schnaps und dicke Backen und rote Nasen von den Wespenstichen. In den Fotos werden Säfte abgesondert und gesammelt oder Haut, Körperteile und Haare zu sehr irritierenden, neuen Gewbilden montiert. 

26. Juni: Heute morgen hat mich Fred Bauer besucht. Der 86 jährige Künstler ist immer noch sehr vital. Er hat gerade eine rund 150 teilige Holzschnittserie gemacht. Frisch - frech und witzig.

25. Juni: Heute war ich das erste Mal im Auftrag der visarte im Bundesamt für Kultur in Bern. Der Vernehmlassungsentwurf der zweiten Kulturbotschaft von 2016 bis 2019 wurde vorgestellt. Laut den Aussagen von mehreren Teilnehmern lief das sehr viel professioneller und inhaltlich fundierter ab wie das letzte Mal. Leider will das Bundesamt nur grosse Literaturverlage fördern. Ich sehe das Potenzial selbstverständlich viel eher bei kleinen Kunstbuchverlagen. Es wäre zu hoffen, dass da auch einmal etwas investiert wird. Die einfachste, gerechteste  und beste Förderung wäre sowieso, wenn der Bund das Porto für den Versand von Büchern subventionieren würde. Um die richtigen zu fördern könnte zum Besispiel verlangt werden, dass all die Verlage und Buchhandlungen von billigeren Tarifen profitieren können, die in einem der Schweizerischen Buchändler- und Verlegerverbände Mitglied sind.

Hier der Link zur Kulturbotschaft, die sich nicht so spannend liest wie ein Krimi: http://www.bak.admin.ch/themen/04135/index.html?lang=de    

22. Juni: Ausflug nach Luzern. Zusammen mit Stefan Rohner besuchte ich die Abschlussausstellung der hslu im Messegebäude. Ich wollte mir vor allem die Arbeit von Vanja Hutter ansehen. Die Ausstellung ist eine Überraschung. Die Arbeit zum Thema "Brief" von Vanja gefällt mir sehr. Die Ostschweizer haben mit Vanja Hutter, Selina Buess und Adrian Rast einen starken Auftritt. (die drei sind zusammen im gleichen Quartier in der Remishueb in St. Gallen aufgewachsen) Eine Entdeckung war für mich die Malerin Fabienne Lussmann aus Appenzell. Am Nachmittag konnte ich mich mit Jeroen Geel treffen. Er plant sein Buch für die Reihe "Junge Kunst  in Luzern" für den Vexer Verlag. Das Werk wird 2015 erscheinen.

21. Juni: Eine wunderbare Zeit am Bodensee. Ein kleines Sonnenwendefest mit gutem Essen, schöner Musik, abwechselnd paddeln und schwimmen und diskutierend am Feuer sitzen.

20. Juni: Ab 11:00 Besprechung mit Krispin, Sämi und Florian. Die erste Nummer Kunst und Bau geht schon bald in Druck. Das Kunstwerk "Zugabe"  von Florian Dombois für das Stadtschloss in Potsdam wird am 7. Juli um 10:00 Uhr eingeweiht. Dann muss unser neues Druckwerk vollendet sein.

19. Juni: Ausflug nach Bregenz. Ich wollte endlich wieder einmal alle Ausstellungsorte in Vorarlberg besuchen und einige Sachen einkaufen. Die Geschäfte waren alle geschlossen. Feiertag. Fronleichnam. Ja da blieben dann das erweiterte Landesmuseum mit der speziellen, ornamentalen Betonfassade und die Ausstellung von Maria Eichhorn im Kunsthaus Bregenz. Ich habe noch selten eine so heruntergekühlte Ausstellung erlebt. Dabei geht es um  grosse Fragen, wie: Geldfluss, Körper und Säfte, Schwingungen, Strahlung und Verstrahlung. Da ist die Hanne Darboven geradezu üppig in ihren Installationen. Heute schneide ich mir eine Wünschelrute aus meinem Haselnussstrauch und bin gespannt wo sie juckt und zuckt.

17. Juni: Im St. Galler Tagblatt ist ein Artikel von Brigitte Schmid-Gugler erschienen über das neue Buch Erscheinungen, das ich zusammen m