Tageskommentare

Das aktuelle Wort zum Tag von JFM

Sonntag 1. Januar 2017: Nach dem Frühstück ein schöner Spaziergang von Valbella nach Lenzerheide, über den schwarz zugefrorenen See und zurück den steilen Hang hinauf zum Ferienhaus. Dann ab ins Rheintal für den Apéro in Kriessern mit der Familie von Monika. Wir waren eine Stunde zu früh und ich wurde  zu einem weiteren Spaziergang verknurrt. Ziemlich missmutig bin ich  durch den dichten Nebel  gestapft, dem Rhein entlang. Hier bekomme ich immer wieder eine grosse Wut auf die letzte Rheinplanergeneration, die alle Auenwälder radikal abgeholzt hat und den Rhein in ein enges Korsett zwängte. Das Rheintal könnte eines der schönsten Flusstäler in Europa sein, wenn man den Fluss frei fliessen lassen würde. Ich empfand diese Planung immer schon als eine militärische Entscheidung und nicht als Schutz vor Hochwasser. Der Rhein ist im letzten Jahrhundert zur Panzersperre degradiert worden. Es war bitter kalt und ich brauchte fast eine Stunde bis ich wieder aufgewärmt war im Haus von Paul und Manuela. Das Familientreffen war ein richtig schöner Ausklang von unserer langen Frankreichreise. Paul hat wunderbare Elsässer Flammkuchen gebacken. Monika hat mich über 2500 Kilometer quer durch Frankreich gefahren. Zum Glück ist alles gut gegangen. Wir hatten sehr viel Zeit im Auto um zu diskutieren und viele Fragestellungen zu lösen. Wenn ich unterwegs bin scheint mir auch das Denken leichter zu fallen. Alles ist im Fluss. 

Samstag 31. Dezember: Ein neuer Tag ein neues Ziel. Wir sind nach Valbella gefahren, um mit Corinne und Guido Silvester zu feiern.  Ein wunderbarer Abend mit einem feinen Essen und guten Gesprächen. Unaufgeregt ins neue Jahr geprostet und ausgezeichnet geschlafen.

Freitag 30. Dezember: Nach Lyon haben wir uns spontan entschlossen Hans Jörg und Verena in Biel zu besuchen. Auf dem Weg nach Biel machten wir noch einen Abstecher nach Founex. Monika hat dort als junge Frau als Opairmädchen gearbeitet. Der Ort ist in der Zwischenzeit ziemlich verbaut. Monika hat praktisch nichts mehr gekannt. 44 Jahre sind eine lange Zeit.

Am Abend hatten wir einen sehr unterhaltsamen Abend in einer Altstadtbeiz in Biel. Die Stadt würde mir auch gefallen. 

Donnerstag 29. Dezember: Am Morgen besuchten wir eine grosse Matisse Ausstellung in Lyon. Der Andrang war riesig. Es brauchte einiges an Geduld bis wir uns die Werke ansehen konnten. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mit meinem AIAP Ausweis von visarte in allen Museen freien Eintritt zu den Ausstellungen hatte. In der Schweiz und Deutschland klappt das leider nicht überall. Im Museum wurden sehr viele Zeichnungen, Malereien und Skulpturen von Matisse präsentiert und mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern aus Lyon ergänzt. Gezeigt wurden unter Anderem auch die grossen , gegossenen Rückenakte. Die Bronze wirkte aber wie Schweizer Milchschokolade. Mir gefallen die schwarzen Güsse sehr viel besser. Es gab einige sehr schöne Momente im Museum. Eine junge Japanerin studierte die Arbeiten von Matisse in einer Intensivität, dass es fast zu Verschmelzungen zwischen ihr und den Werken kam. Es gab auch einige Besucher, die aussahen, wie wenn sie aus einer längst vergangenen Epoche zurückgekommen wären.

Am Nachmittag besuchten wir das Musée d'art contemporain. Ich habe gestaunt, dass Thierry Raspail immer noch in Lyon arbeitet. Ich habe ihn kennen gelernt als ich 1984 mit dabei war an der grossen Ausstellung Octobre des Arts. Das Museum war sehr gut besucht auch dank einer Ausstellung zum Thema Street-art. Ich habe mich auch gefreut über die Präsentation von einer Schenkung der Hilger Collection. Das Mappenwerk von Mel Ramos war sehr schön präsentiert. Eine weitere Überraschung war die Präsentation der Performances von Jan Fabre. "Stigmata, Actions & Performancs 1976-2016".Ich kenne viele Arbeiten von Fabre durch meine Zusammenarbeit mit der Deweer Art Gallery in Belgien. Die Performances wurden mit Filmmaterial, Modellen, Texten und mit Materialien auf kleinen, ganz regelmässig im Raum aufgestellten Glastischen präsentiert. Das hat mir sehr gut gefallen. 

Mittwoch 28. Dezember: Wir haben das grosse Areal der LUMA Stiftung besucht. Eine junge Kunsthistorikerin hat uns eineinhalb Stunden durch das ganze Gelände geführt. Auf diesem Industrieareal wurden früher die Lokomotiven und Waggons der SNCF gewartet. Es ist imposant, was nun hier von Maja Hoffmann renoviert und aufgebaut wird. Ein Kulturzentrum für Fotografie, Musik, Tanz, bildende Kunst, mit Laboratorien für alle Sparten, mit einem grossen öffentlichen Park, Künstlerateliers usw. Zur Zeit entsteht als Zentum ein eindrücklicher Bau von Frank O. Gehry. Das ganze Gelände war einmal ein riesiger Friedhof, der in der Zeit der Industrialisierung unzimperlich und respektlos mit Dynamit weggesprengt und flach gelegt worden ist. Das muss wie ein riesiges, verlassenes  Schlachtfeld ausgesehen haben.

Am Nachmittag haben wir uns die Ausstellung von Urs Fischer in der Fondation Vinzent Van Gogh angeschaut und da einige Schweizer angetroffen. Für Franzosen scheint der Eintrittspreis zu teuer zu sein.  Urs Fischer hat aus dem Vollen geschöpft und eine eindrückliche Inszenierung zum Thema Malerei geschaffen, die sehr leichtfüssig und etwas salopp wirkt. 

Nach einem feinen Mittagessen sind wir weiter gefahren nach Lyon. Wir hatten ein sehr schönes Zimmer gebucht in einer Privatwohnung mitten in der Stadt. 

Dienstag 27. Dezember: gegen Mittag war das Auto repariert und wir fuhren los nach Arles. Wir hatten mitten in der Altstadt ein Hotelzimmer gebucht.  

Montag 26. Dezember: Wir hatten alles zusammengepackt und Monika wollte zusammen mit Jeremie das Auto von einem Parkplatz in der Nähe abholen. Das dauerte und dauerte. Nach rund einer Stunde kamen die Beiden zurück aber ohne das Auto. Irgend ein Idiot hatte die Fensterscheibe auf der Fahrerseite eingeschlagen. Wir mussten einen Tag warten wegen der Reparatur. 

Freitag 23. Dezember: Monika fährt mit dem vollgepackten Auto zusammen mit Jérémie und ich nehme zusammen mit Vera den Zug nach Toulouse. Die rund vierstündige Bahnfahrt machte richtig Spass. Vera und ich hatten wieder einmal richtig schön Zeit zum Reden. Am Bahnhof wurden wir von Eric abgeholt und fuhren dann zum Wohnhaus von Catiy und Eric an einem ganz ruhigen Quartier am Stadtrand von Toulouse. Wir haben einige wunderschöne Tage erlabt mit vielen Stadtwanderungen, Museumsbesuchen, gutem Essen, lustigen Spielrunden und einem herrlichen Weihnachtsfest. 

Mittwoch/Donnerstag 21. 22 Dezember: Wir haben lange geschlafen, einen Spaziergang gemacht und das Haus angeschaut, das die Freunde im Moment renovieren. Am Donnerstag hatten wir eine eindrückliche Degustation. Der Wein ist wirklich ausgezeichnet. 

Dienstag 20. Dezember: Gegen Mittag sind wir weiter gefahren nach Bordeaux. Ich war noch nie in dieser Stadt und wollte unbedingt das Musée d art contemporain de Bordeaux besuchen. Dank unserem Tom- Tom haben wir das auch sofort gefunden. Ein eindrücklicher Bau mit einer unrühmlichen Geschichte. Hier war einmal der Sklavenmarkt untergebracht. Das Bauwerk ist eindrücklich. Im Erdgeschoss wurde eine riesige Filminstallation von Rosa Barba präsentiert. In den oberen Räumen sah ich seit langer Zeit wieder einmal eine grosse Installation von Anette Messager. Das erinnerte mich gleich an unsere Begegnung vor 33 Jahren an der Biennale in Sydney. Wir hatten damals eine super Zeit zusammen mit Annik Nozati, Tony Cragg und vielen Anderen. 

Gegen Abend sind wir weitergefahren in die Nacht hinein nach Listrac - Medoc. Vera und Jérémie erwarteten uns dort bei einer befreundeten Familie die auf dem grossen Weingut Jander leben und arbeiten. Die Zukunft scheint hier ungewiss. Das Weingut und das Schloss sollen wieder verkauft werden. 

Montag 19. Dezember: Heute Morgen habe ich noch alle Pakete zur Post gebracht. Monika hat unsere Sachen zusammengepackt und dann sind wir früh losgefahren Richtung Frankreich. Zuerst nach Basel, Mulhouse und dann nach Moulins. Monika hat sich für den ersten Reisetag einfach eine Stadt ausgesucht zwischen St.Gallen und Bordeaux. Nach einer langen Fahrt erreichten wir die sehr schöne alte Handelsstadt aus dem 15. Jahrhundert.  Moulins passt ja bestens für reisende Müller. Der Name der Stadt nimmt Bezug auf die vielen Mühlenschiffe, die auf dem Fluss Allier das Getreide gemahlen und transportiert haben. Am Abend sassen wir zum Essen in einem wunderschönen Restaurant, in dem Coco Chanell sehr oft verkehrt haben soll. Das Restaurant Grand Café aus der "Belle Epoche" soll damals von ihrer Schwester geführt worden sein. Ein wunderschöner Spiegelsaal mit Empore, der sich selbst unendlich im Spiegelbild vervielfacht. 

Sonntag 18. Dezember: Der gestrige Tag war sehr anstrengend aber alles ist wunderbar gelaufen. Die Lesungen, Gespräche und die zwei Buchvernissagen waren sehr anregend. Wir hatten den ganzen Nachmittag ein dichtes Programm und sehr viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Am Nachmittag traf auch Jana Schulz aus Berlin ein mit einem Koffer voller Bücher. Ich liebe diese Tage, umgeben von Büchern und interessanten Menschen. Monika hat wunderbare Suppen gekocht und spezielle Sachen gebacken. Alles vom Feinsten. Als die Besucher gegangen waren haben wir draussen in unserer "Höhle" ein Feuer gemacht und im kleinen Kreis noch einmal eine gute Flasche Wein getrunken. Dick in grosse Schafspelze eingemummelt war das ein wunderbarer Abschluss des Tages.

Heute konnte ich mich noch einmal in aller Ruhe mit Jana Schulz unterhalten. Ihr druckfrisches Buch gefällt mir sehr. "SOME WILL WING, SOME WILL LOSE, SOME WILL SING THE BLUES". Der Buchtitel hat gestern unseren Nachbarn Hermann zum Spiel mit der Mundharmonika angeregt. Spontan hat er vor und nach der Lesung von Jana zwei kurze Stücke gespielt. Richtig gut war das. 

Freitag 16. Dezember: Heute musste ich schon um acht Uhr im Atelier stehen, um zwei Transporte zu machen. Mathias Stäbler hat sechzig Stühle und drei Stehtische abgeholt für unsere Verlagspräsentation. Und um 10 Uhr sind die neuen Bücher geliefert worden von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch. Das war wieder einer dieser tollen Momente. Wenn man nach langer Vorarbeit endlich das erste gedruckte Buch in den Händen halten kann. Das Buch ist wunderbar geworden. 

Am Nachmittag kam schon der erste Besucher an unsere Verlagspräsentation. Das ist immer ein gutes Zeichen, wenn jemand einen Tag zu früh kommt. Ich musste natürlich sofort kontrollieren ob ich das falsche Datum auf die Einladungskarten gedruckt habe. Zum Glück war das aber nicht der Fall.

Am Abend waren wir an der Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum. Mark Dion hat im ehemaligen Naturmuseum eine witzige und eindrückliche Ausstellung inszeniert. Das gab eine lange Nacht. 

Donnerstag 15. Dezember: Heute besuchten wir gleich zwei neue Ausstellungsorte in St.Gallen.  Anita Zimmermann und Marianne Rinderknecht eröffneten an der Goliathgasse zwei in einer Stützmauer eingelassene Vitrinen, die früher vom Strassenbauamt als Materiallager benutz wurden. Der Ausstellungsort heisst "Hiltibold". Das war der Begleiter und Förderer von Gallus, der das Kloster in St.Gallen gegründet hat. Anschliessend haben wir das neue Nextex im ehemaligen italienischen Konsulat besucht. Eine sehr spezielle Ausstellung mit Stefan Inauen, Kasia Maksymowicz und Michael Zellweger.  Wir haben in den achtziger Jahren ganz in der Nähe gewohnt, an der Bleichestrasse 3, gleich beim roten Platz von Pipilotti Rist. Es ist sehr speziell, plötzlich in diesem ehemaligen Italienischen Konsulat  zu stehen und Kunst anzuschauen. Die Räume sind sehr geheimnisvoll, wie aus einer anderen Zeit. 

Mittwoch: 14. Dezember: Ich war die ganze Woche damit beschäftigt alle Bücher zusammen zu tragen für die Verlagspräsentation, die am Samstag stattfindet. Ich mache das sehr gerne. Das Ausbreiten von all den Publikationen erzeugt ein sehr spezielles Zeitgefühl. Die inhaltliche Auseinandersetzung von dreissig Jahren Büchermachen ausgelegt auf grossen Tischen. Ich bin ziemlich nervös. Das neue Buch von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch ist noch nicht geliefert worden. Das wir knapp aber bis jetzt hat es mit den Produktionen immer geklappt. 

Samstag 10. Dezember: Heute ist Feiertag. Monika und ich feiern unsere Geburtstage. Am Nachmittag sind wir für einen Apero auf die Waldegg gefahren. Ein herrlicher Tag mit viel Sonne und einem wunderbaren Blick auf den Alpstein. Am Abend gehen wir mit Freunden zu Freunden und dort werden wir sicher wunderbar bekocht. Grosse Freude.

Freitag 9. Dezember: Heute Morgen hatte ich ein langes Gespräch mit Kaspar Surber über Kulturpolitik und die ganze Entwicklung in der Kulturszene. Es war sehr spannend, wieder einmal laut zu denken. Die ganzen Sparübungen die uns in nächster Zeit bevorstehen können geben mir sehr zu denken. Wenn die Unternehmenssteuerreform angenommen werden sollte besteht die Gefahr, dass vor allem in der Bildung und in der Kultur Abstriche gemacht werden. Zur Zeit siehr man das in Luzern. Die grossen Kulturinstitutionen sollen 8% weniger Geld bekommen und das kann nach der Abstimmung noch viel schlimmer werden. 

Am frühen Abend hatte ich einen Artztermin. Mein rechtes Knie ist defekt. Das hat sich in den letzten Tagen verschlimmert. Ich habe zu viel getanzt. Die sehr sympatische Ärztin hat dann festgestellt, dass ich einen Riss im Miniskus habe. Ich hoffe schwer, dass sich das wieder beruhigt. 

Donnerstag 8. Dezember: Ich musste früh zum Bahnhof. In Zürich hatten wir die Abschlusssitzung von unserem Festkomitee für die Feier 150 Jahre visarte.schweiz. Das Fest war ja wirklich wunderbar. Am Nachmittag war dann noch die Sitzung vom Zentralvorstand von visarte. Bis zum Abend war ich ziemlich geschlaucht. Für dieses Jahr ist nun Schluss mit Sitzungen. 

Mittwoch 7. Dezember: Heute konnte ich eine Arbeit fertigstellen für die Ausstellung Tell in IL PAESE DI TELL, die vom 27. Januar bis zum 18. Februar im Mercato Coperto in Giubiasco stattfindet. Dafür musste ich zuerst beim "Veloflicker" vorbei, um ein paar alte Gummischläuche abzuholen. Ich glaube das wird sehr lustig. Organisiert wird die Ausstellung von Urs Dickerhof und Giancarlo Tamagni. 

Dienstag 6. Dezember: Ich bin sehr früh aufgestanden, um eine Planskizze  noch einmal neu zu zeichnen. Ich hatte am Nachmittag eine Sitzung in Zürich für ein spannendes Bauprojekt. Es ist alles sehr gut gelaufen und ich bin gespannt wie sich dieses Projekt weiter entwickelt. Ich liebe diese Auseinandersetzung mit Architektur. Als Künstler kommt man da in ganz andere Dimensionen hinein, was die Volumen und die Öffentlichkeit betrifft.  

Montag 5. Dezember: Am Morgen hatte ich meine Therapiestunde bei Theresa Germann. Die Physiobalance tut mir sehr gut für mein Körperbewusstsein. Anschliessend musste ich gleich zum Bahnhof. Ich hatte in Solothurn eine Jurysitzung für ein grosses Kunst am Bau Projekt für das neue Spitalgebäude. Ich denke das wird eine sehr spannende Auseinandersetzung. 

Sonntag 4. Dezember: Ein gemütlicher Sonntag mit einem langen Spaziergang und am Abend ein richtig berührendes Konzert vom Orchester der Universität St.Gallen. 

Samstag 3. Dezember: Monika und ich sind am Nachmittag nach Chur gefahren zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung von der visarte Graubünden. Lynn Kost hat eine wunderbare Ausstellung zum Thema "Archive" kuratiert. Ich war vor einem Jahr bei der Jurierung dabei. Es war sehr spannend zu sehen, wie die Künstlerinnen und Künstler die ausgewählten Projekte weiter entwickelt haben. Das war ein riesiger Rummel im Museum. Eine richtige Kontaktbörse. Ich konnte mit vielen Künstlerinnen und Künstlern reden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ein richtig guter Abend. 

Freitag 2. Dezember: Heute wurde Peter Gross mit dem grossen Kulturpreis der St.Galler Kulturstiftung geehrt. Die Feier fand in der Lokremise statt. Launige Reden von Corinne Schatz und Gottfied Höppli und ein starker "Hergott -Text" von Peter Gross, grossartig vorgetragen durch die Schauspielerin Diana Dengler. Die Musikerin Vera Kappeler war auch sehr überzeugend am Klavier. Das war ein sehr unterhaltsamer Abend mit vielen spannenden Gesprächen.

Donnerstag 1. Dezember: Um 11 Uhr bin ich los gefahren nach Bern. Ich habe mir die Ausstellungen im Kunstmuseum und in der Kunsthalle angeschaut und bin dann ins Bollwerk gegangen für eine Sitzung mit den Präsidentinnen und Präsidenten von allen Organisationen, die Mitglieder bei suisseculture sind. Zur Zeit ist die Revision des Urheberrechts ein grosses und umstrittenes Thema. 

Mittwoch 30. November: Ich habe in den letzten Tagen sehr viel arbeiten können an neuen Projekten. Wenn ich in mein Atelier im Haggenquartier fahre umweht mich ein wehmütiges Lüftchen. In drei Monaten ist da Schluss. Es ist sehr speziell, nach einem Vierteljahrhundert auszuziehen. Der Umzug verlangt einiges an Logistik. Ich freue mich aber auch auf einen Neuanfang. Räume können sich auch verbrauchen. Wenn alles zu vertraut wird, verpufft auch die Energie. 

Dienstag 29. November: Am Abend war ich in Zürich verabredet für eine SWIPS Sitzung. Das ist die Vereinigung der unabhängigen Schweizer Verlage. Für mich ist das immer sehr spannend. 

Montag 28. November: Heute hatte ich einen Termin mit einem Marderspezialisten. Das war wirklich spannend. Im neuen Atelier und Lager das ich mieten möchte hat sich ein Marder eingenistet. das sind ja sehr schöne und schlaue Tiere, sie können aber auch enorme Schäden anrichten. Am Abend habe ich an der Haggenstrasse Corinne Schatz getroffen, um ihr noch einige Bücher von David Bürkler zu übergeben. 

Sonntag 27. November: Am Mittag haben wir uns spontan entschlossen, das neue Naturmuseum in St.Gallen zu besichtigen. Für uns ist das zu Fuss in etwa fünf Minuten zu erreichen. Der Bau von Armon Semadeni Architekten gefällt mir ausgezeichnet. Das ergibt nun ein wunderbares Ensemble mit der Kirche vom Neudorf. Stark sind die total unterschiedlichen Aussichten aus dem Museum. Der  ruhige, klösterliche Ausblick auf die St. Maria Kirche im Neudorf. Ich habe gerade gelesen, dass in dieser Kirche eine der bedeutendsten Orgeln der Schweiz steht. Dann der schwindelerregende Anblick der stark befahrene Autobahn und ein Einblick in eine Einfamilienhauskultur mit vielen Chalets aus den Fünfzigerjahren. Das Naturmuseum ist gut gemacht und inhaltlich wird auf den verschiedenen Etagen sehr viel geboten. Die Kinder und ihre Eltern hantieren mit grossem Eifer an den vielen Knöpfen, Informationsteilen etc. herum. Sie hören sich Texte an, ziehen an Schubladen und ergötzen sich an der Vielfalt der ausgestellten Natur. Der Publikumsaufmarsch ist beträchtlich. Vom Säugling bis zum Greis. In den ersten zwei Monaten haben schon 20 tausend Menschen das Museum besucht.

Samstag 26. November: Monika hat wunderbar gekocht für Freunde. Ein schöner Abend mit Spannung, Strahlung und Einblicken.

Freitag 25. November: Ich habe im Atelier an der Haggenstrasse das ganze Atelier aufgeräumt und eine Ausstellung vorbereitet für die Rheintaler Kulturkommission. Am frühen Abend habe ich dann eine Einführung in meine Arbeit als Kulturvermittler, Verleger und Künstler gemacht. Ich glaube das ist ganz gut gelungen. Anschliessend bin ich zusammen mit Karl Stadler zur Ausstellungseröffnung zur Kunsthalle gefahren. Zur Zeit läuft eine ganz spannende Präsentation von jungen Künstlern. Die Performance von Sophie Jung hat mich total begeistert. Ein lustiger Abend mit interessanter Kunst, Party und Tanz. 

Donnerstag 24. November: Bei uns sind heute die Techniker angesagt. Ein Elektiker muss einige Schalter auswechseln und eine Lampe reparieren und ein techniker von Swisscom sorgt heute endlich dafür, dass wir mit zwei Telefonen gleichzeitig telefonieren können und dass auch der TV normal eingeschaltet werden kann. Es war lange Zeit zum Verzweifeln. Nun funktioniert aber alles wieder.

Mittwoch 23. November: Heute habe ich mich den ganzen Tag mit der Illustration einer Zeitschrift beschäftigt. Nach einem harzigen Einstieg ist mir die Sache dann plötzlich sehr leicht von der Hand gegangen. jetzt habe ich 7 Illustrationen, bunt, einfach und mit einem kleinen Rätsel verbunden.

Dienstag 22. November: Gegen Abend war ich verabredet mit Christian Röllin, um alle Bilder aus der vergangenen Ausstellung zu transportieren. Ich konnte mir bei dieser Gelegenheit gleich die neue Ausstellung anschauen. Zur Zeit präsentiert er sehr schöne Arbeiten von Alfred Sturzenegger und Peter Dew.  

Montag 21. November: Ich war zum Mittagessen verabredet mit Christoph Doswald und Regine Helbling. Wir wollten uns vorbereiten für ein Hearing mit der Stiftung Pro Helvetia, an dem auch eine Delegation vom Schweizer Kunstverein beteiligt war. Das zweistündige Gespräch war sehr aufschlussreich und erhellend. Es gibt noch viel Klärungsbedarf, nachdem die Aufgaben im kulturellen Bereich neu verteilt worden sind zwischen dem BAK und der Pro Helvetia.

Sonntag 20. November: Eri hat für uns ein wunderbares Frühstück vorbereitet. Wir sind dann in aller Ruhe und total erfüllt nach Hause gefahren. Ich liebe solche Fahrten, weil man so viel Zeit hat alles erlebte noch einmal zu reflektieren.

Samstag 19. November: Monika und ich sind früh losgefahren nach Luzern für das grosse visarte Fest. Ich wollte unbedingt schon vor 13 Uhr beim Kunstmuseum sein, um die Führungen zu besprechen, die auf halb zwei angesagt waren. Wir erwarteten sehr viele Leute und wollten verhindern, dass das ein Chaos wird. Wir haben dann alle Gäste bereits unten beim Eingang begrüsst und informiert. Im Museum gab es dann jede Viertelstunde zwei kurze Einführungen in die Ausstellungen "Werke aus einer Genfer Privatsammlung" in der auch die frühe Arbeit "Ledertorso" von mir präsentiert wurde und in die sehr interessante, raumgreiffende Installation von Laure Prouvost. Unsere Gäste sind sehr lange im Kunstmuseum geblieben.  Ich bin dann mit der S-Bahn nach Emmenbrücke gefahren. Die nächste Station war die Ausstellung von Maria Zgraggen im akku. Um halb vier waren dann sicher 150 Personen vor Ort. Ich habe die Gäste begrüsst und die Kuratorin Lena Friedli hat zur Arbeit von Maria gesprochen, die innerhalb von zwei Jahren eine tolle Ausstellung erarbeitet hat. Wer Malerei liebt sollte diese Ausstellung nicht verpassen.

Anschliessend sind wir gemeinsam zur HSLU spaziert. Um 17.15 war das Diskussionsforum angesagt zum Thema: "Laut denken, über die Zukunft der Kunst ". Christian Jelk und Dorothea Strauss hielten je ein Impulsreferat und anschliessend diskutierten sie zusammen mit Marianne Burki von Pro Helvetia, der Künstlerin Vanessa Billy und dem Künstler Kerim Seiler. Sehr professionell moderiert wurde das Ganze von Christoph Doswald. Das war eine vielsprachige spannende Diskussion zum Auftakt von unserem visarte Fest.

Nach dem Apero gab es, eingeführt durch Regine Helbling, Reden von der Direktorin Gabriela Christen, dem Ständeratspräsidenten Herr Comte, dem Luzerner Regierungsrat Herr Frick und von mir. Musikalisch begleitet wurden wir durch Balthasar Streiff. Das war schon einmal ein wunderschöner Hörgenuss. Flankiert wurden die Redner durch zwei adrette, hypergestylte Damen in Glimmerkleidern. Die Beiden Performerinnen sorgten bei einer Besucherin für grosse Irritation. Die Besucherin stürmte auf die Bühne und nahm den Beiden als Erstes die Pelzmäntel ab. Zehn Minuten später wollte sie die zwei Frauen von der Bühne bugsieren.  Wir  dachten, das gehöre zur Performance. Schlussendlich musste die Frau von Paul von der Bühne geleitet werden. Ein bisschen Aufregung und Irritation schadet ja nicht. Regierungsrat Frick war ziemlich konsterniert nach seiner Rede.

Ja dann gab es viel zu essen und zu trinken und ein dichtes Kunstprogramm. Eine Gruppe von Studierenden der HSLU haben spannende Beiträge zum Fest vorbereitet. Das Konzert von Les Raines  Prochaines war super. Die Gruppe begeistert mich schon seit den 80er Jahren. Als weiteren Höhepunkt legte dann bis um 2.00 Uhr Ian Anüll Platten auf. Es gab viel Platz zum Tanzen. Die Musik war einfach super.

Für mich war das ein sehr stimmiges Fest mit so vielen guten Begegnungen in einer tollen Atmosphäre. 

Freitag 18. November: Eigentlich hätte ich nach Zürich reisen müssen für ein Arbeitsessen. Ich musste das absagen, weil ich kurzfristig eine Atelierbesucherin empfangen durfte. Nun bin ich sehr gespannt was daraus resultiert.

Mittwoch 16. November: Ich habe den ganzen Tag an meinen Tümpelforscherbildern weitergearbeitet. Am Abend war ich eingeladen für ein Kulturpodium im Palace. Die Kandidatinnen für den Stadtrat, Frau Adam und Maria Pappa erörterten ihre Vorstellungen zur Kultur in der Stadt St.Gallen. René Hornung moderierte das Gespräch. Der Anlass war sehr aufschlussreich und teilweise sogar sehr unterhaltsam. Ich konnte einige Gedanken einbringen, vor allem was die Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum betrifft aber auch das ewige Thema von günstigen Atelierräumen, die auch in St.Gallen immer schwieriger zu finden sind. 

Dienstag 15. November: Ich bin früh in mein Atelier an der Haggenstrasse gefahren. Ich musste abklären, ob eine Arbeit für eine geplante Ausstellung passen könnte. ich habe dann gleich eine neue skulpturale Arbeit entwickelt. Es macht immer noch Spass mit der Motorsäge herum zu werken. Am Mittag habe ich eine kleine Atelierausstellung eingerichtet. Am Nachmittag erwartete ich einen Atelierbesuch. Das war dann alles sehr sympatisch. Ein junges, sehr interessantes Paar, das sich für meine Malerei interessiert. 

Montag 14. November: Früh raus aus dem Haus für eine intensive Sitzung in Zürich zum Thema Folgerecht. Anschliessend haben wir noch die letzten Details vom kommenden visarte Fest besprochen. Ich glaube das kommt gut.

Sonntag 13. November: Ein schöner und geruhsamer Morgen. Monika und Vera sind ins Rheintal gefahren für Familienbesuche. Um halb zwei bin mit dem Zug nach Appenzell gereist. Bei Agathe Nisple war ein Künstlergespräch angesagt von Vera, mit der Kunstwissenschaftlerin Natalia Huser. Die Stube von Agathe war rammelvoll und der 45 minütige Diskurs von Vera und Natalia war sehr intensiv und höchst konzentriert. Ich war richtig beglückt in welcher Klarheit Vera über ihre Wandmalerei gesprochen hat. Das war ein richtig schöner Anlass mit vielen guten Leuten und einem wunderbaren Abendessen von Agathe. 

Samstag 12. November: Nach einem intensiven Morgen im Büro wurde mir plötzlich bewusst, dass ich spätestens um 11.25 losfahren muss, um in Basel alle Orte zu besuchen die mich interessieren. Ich packte meine Sachen zusammen und rannte zur Bushaltestelle. Im Moment ist es ekelhaft zu reisen. Normalerweise liebe ich es möglichst viele Zeitungen zu lesen. Nun ist alles voll von Trump über Trump unter Trump, neben Trump. Ich finde das fürchterlich. Die Welt scheint sich neu erfinden zu müssen. In Basel habe ich mir dann endlich den Neubau des Kunstmuseums angeschaut und dadurch auch viel Amerikanische Kunst. Vom Bau bin ich positiv überrascht. Der Baukörper hat eine sehr starke aber unaufdringliche Präsenz an diesem Ort. Der Altbau wirkt beim Eingang nun etwas verlassen. Ich stand etwas ratlos im Foyer herum. Ich wollte natürlich zuerst den Neubau sehen und suchte den Abgang. Ziemlich wuchtig das Ganze. Ich mag den Marmor nicht wirklich im riesigen Durchgangsbereich. Im Altbau sind die "urigen" Steinböden sehr viel schöner. Dafür liebe ich den in Kreisbewegungen angebrachten Verputz, der vom Altbau übernommen worden ist. Unten sind die Räume teilweise etwas unterbelichtet. Das macht schläferig. Oben irritieren die Holzböden mit dem strengen und zu aufdringlichen Parkett. Josef Helfenstein wird sich da sicher etwas einfallen lassen müssen. Nun gut, ich bin ja nicht ins Museum gegangen um mich über den Holzboden zu ärgern. Eigentlich wollte ich die Frühwerke von Jackson Pollock sehen. Für mich sind diese Werke eine grosse Überraschung und ein wunderbares, inspirierendes Seh - Erlebnis.  Interessanterweise spielt bei dieser Ausstellung die Beschaffenheit des Bodens überhaupt keine Rolle mehr. Ich bin dann noch einmal durch das ganze Haus gegangen. Im ersten Stock traf ich  eine ältere Frau, die verzweifelt den Ausgang suchte. Die Orientierung scheint nicht so einfach zu sein. Im Altbau rauschte ich dann im Schnellgang an den vielen Madonnen vorbei, sagte kurz hallo zu Hans Holbein und dem toten Christus, und tröstete mich im obersten Stockwerk an einigen Lieblingsbildern, die ich immer wieder gerne besuche. Zum Beispiel die zwei Brüder von Picasso und das Dschungelbild von Henri Russeau. 

Draussen habe ich noch einmal versucht den Baukörper zu erfassen. dabei ist mir das verblüffende und sehr raffinierte Schriftband aufgefallen, das für jede Ausstellung verändert werden kann. Keine Ahnung wie das technisch funktioniert. Es wirkt wie ein fester Bestandteil des Gebäudes.

Nach dem Kunstmuseum ging ich zu Stampa in die Galerie. Ich habe mir die Ausstellung von Erik Steinbrecher angeschaut. Die Ausstellung ist sehr frech, politisch und teilweise richtig böse und zynisch. Angesichts der Weltlage scheint mir aber diese Art der künstlerischen  Reaktion als eine legitime Möglichkeit. Gilli Stampa hat mir dann empfohlen, unbedingt die Installation von Steiner Lenzlinger beim Totentanz anzuschauen. Gerda und Jörg haben eine kleine Totenmesse eingerichtet. Rund 200 Künstlerinnen und Künstler sind im Projekt integriert. Man konnte Urnen, Bilder etc. erwerben mit "Knochengeld". An einem Stand konnte man dem Tod schriftlich eine Frage stellen. Ich habe ihn gefragt: "Lieber Tod warum wartest Du auf mich?" und nach längerer Zeit während der ich ein Schnäppschen offeriert bekommen habe kam Die Antwort: "Ich kann nichts dafür."

Ja das war eine wunderbare Sache. Anschliessend bin ich zum Projektraim M54 an der Mörsbergerstrasse gegangen. visarte veranstaltete ein Tribunal mit dem Gerichtspräsidenzen Guido Nussbaum. Es ging um die Klärung der Frage, ob visarte auch Leute aus der Kreativwirtschaft in den Berufsverband aufnehmen soll. Die Votanten waren sich einig, dass visarte geöffnet werden müsste für die Kreativwirtschaft. Einer fand visarte ziemlich unsexi und ein meinte, dass visarte als verstaubter Jammerverein daherkomme. In meinem Schlussvotum habe ich darauf hingewiesen, dass ein klarer Wille zu professioneller Kunst für eine Mitgliedschaft absolut notwendig sei und dass dazu auch eine regelmässige Ausstellungspraxis gehört. Überhaupt sind ja alle Kunstschaffenden Teil einer Kreativwirtschaft. Die meisten müssen ja neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch noch Brotjobs machen. Ich habe dann viele Geschichten erzählt und wurde ziemlich uferlos. In der Kunst gibt es keine sicheren Ufer. Rut Himmelsdbach hat dann am Schluss gefunden ich hätte das super gemacht. Na ja ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten. 

Ich bin dann zum Bahnhof gefahren und gerannt und erst um 23.00 in St.Gallen angekommen.

11. November: Die letzten Tagen konnte ich intensiv an neuen Projekten arbeiten. Manchmal löst sich alles und die Ideen kommen plötzlich ans Licht.

Gestern Abend habe ich die Ausstellungseröffnung im Kunstmuseum besucht. Der Deutsche Künstler Manfred Pernice hat eine eindrückliche Ausstellung aufgebaut. Schäbig - schick stehen seine Skulpturen im Raum. Die Welt der Dosen birgt unbenannte Geheimnisse, Träume und Wünsche. Die an Säulen, Sitzgruppen, Regale oder an gestrige Möbel erinnernden Objekte sind meist aus Pressspanplatten gesägt und zu bunten, gekachelten Objekten zusammengefügt. Ganz stark ist das im Obergeschoss stehende "Skelett" von Tutti, einer grossen Skulptur mit einer engen Wendeltreppe, die in anderen Ausstellungen noch als gedeckter Rundbau präsentiert wurde. Nun steht nur noch die tragende Struktur wie ein Knochengerüst auf einem runden Podest. Ich habe viele Bekannte getroffen und im Baratella einen schönen Abend mit Sara Masüger verbracht.

8. November: Nach einem intensiven Arbeitstag bin ich zusammen mit Monika in die Kunsthalle gegangen. Am traditionellen Treffen der Freunde der Kunsthalle kocht Agathe Nisple jedes Jahr eine sehr feine Fischsuppe. Bei diesem Anlass wird auch immer die Spezialedition für die Freunde der Kunsthalle verteilt. In diesem Jahr stammt die Edition von Vanessa Billy. "Nature leaves" ist ein Abguss eines Blattes aus lebensmitteltauglichem Silikon. Vanessa Billy hat eine sehr schöne Einzelausstellung aufgebaut. Wir konnten leider nicht lange in der Kunsthalle bleiben. Ich wollte unbedingt an die Lesung von Joachim Sartorius im Kultbau. Ich habe Joachim Sartorius 1991 in Berlin kennengelernt. Ich war damals ein Jahr lang Gast vom Deutschen akademischen Austauschdienst "daad" und er war der Leiter des Berliner Künstlerprogramms. Ich erinnere mich noch an eine sehr lustige, private Einladung bei Joachim Sartorius. Nan Goldin, Aura Rosenberg, John Miller, Igor und Svetlana Kopystiansky und einige weitere Künstler waren mit dabei. Sartorius hat damals erzählt, wie  James Lee Bayers bei einer Einladung all seine eigenen Kataloge aus der Hausbibliothek von Sartorius aus dem Regal genommen und und zum Entsetzen des Gastgebers in Stücke gerissen habe, weil er sie nicht mehr gut fand. Die Lesung gestern im Kultbau war sehr konzentriert und intensiv. Ich bin froh, dass wir da hin gegangen sind. 

7. November: Am Morgen habe ich alles aufgearbeitet und die Post erledigt. Am Mittag traf ich dann Kerstin Forster vom Triest Verlag in ihrem Büro an der Vadianstrasse in St.Gallen zu einem Gespräch. Das ist ja beeindruckend was die in 16 Monaten alles herausgebracht haben. 

Am Abend hat Monika fulminant gekocht. Schöne Zeiten!

Sonntag 6. November: Ein intensiver Tag mit Büchern und Buchliebhabern an der Buch und Druckkunst Messe im Eisenwerk in Frauenfeld. Es ist sehr schön, viele Bekannte aus der Kulturszene an einem Ort versammelt zu sehen. das ist immer eine sehr ergiebige Kontaktbörse. Ich bin sehr zufrieden und motiviert für neue Projekte.

Samstag 5. November: Ich hatte mich mit Walter Schmied beim Bahnhof verabredet. Ich wollte ihm in Frauenfeld alles zeigen und erklären, damit er mich an der Messe vertreten kann, denn ich musste am Mittag weiter nach Aarau fahren. Um 14 Uhr begann im Stadtmuseum Aarau die Ehrung mit dem Heimatschutzpreis, der der Stadt Aarau für das neue Stadtmuseum überreicht wurde. Das war ein sehr würdiger und inhaltlich spannender Anlass mit guten Reden und sehr schöner Musik. Martin Heller hat eine sehr scharfsinnige Laudatio gehalten. Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich bei einem so gelungenen Bauwerk meinen Teil in Form von Kunst am Bau beitragen konnte.

4. November: Um 9 Uhr sind wir los gefahren. Bücher schleppen, einrichten und geduldig auf interessierte Kundschaft warten. Monika fuhr dann gleich weiter an den Bodensee. Mein Tag war nicht sehr aufregend aber gut.

3. November: Diese Woche konnte ich in aller Ruhe an meinen Projekten arbeiten. Die Auszeit in Berlin hat gut getan. Heute habe ich alle Bücher verpackt, die ich für das Wochenende in Frauenfeld brauche. Ich gehe in diesem Jahr das dritte mal an die Buch- und Druckkunst Messe im Eisenwerk.

30. Oktober: Am frühen Nachmittag sind wir mit der S-Bahn Richtung Grunewald gefahren. An der Friedrichstrasse war schon Schluss. Wir mussten umstaigen auf den Schienenersatzverkehr. das gab dann eine gemütliche Fahrt durch Berlin und die Vororte. Mit dem Bus sieht man wirklich viel mehr von der Stadt. Unser Zie war das Kolbe Museum. Alexandra Ranner hat da eine sehr starke und präzise Videoausstellung aufgebaut. Die Bauten und Räume für die inszenierten Videoarbeiten sind sehr irritierend und beeindruckend. Leider konnten wir Alexandra telefonisch nicht erreichen. Wir wollten uns eigentlich zu Kaffee und Kuchen treffen. Na ja - hoffentlich ein Andermal. Ich konnte im garten des Museums sehr schöne Fotos von herbstlichen, wilden Bäumen machen. Wir sind dann anschliessend zum grunewald gefahren und wollten noch ein anderes Museum besuchen. Das war aber alles viel zu weit. Der Wald und die Wege haben mich sehr inspiriert und besänftigt. Wir mussten dann unsere Wanderung abbrechen, um das Rockkonzert einer japanischen Gruppe im "Ausland" nicht zu verpassen. "Ausland" heisst das Kulturlokal im Prenzlauerberg. Die Japaner waren extrem gut und unheimlich präzise in ihrer Musik. Ein super Abschluss von unseren Tagen in Berlin.

29. Oktober: nach dem langen Berliner Abend mit "Tanzeinlagen" sind Monika und ich als Erste am frühen Nachmittag aufgestanden. Wir habe uns dann die Ausstellungen im Hamburger Bahnhof angeschaut. Die Ausstellung "Musikwerke bildender Künstler" war etwas gar trocken. Überzeugt haben mich Saadane Afif und Christian Marcley. Die grosse Übersichtsausstellung der türkischen Künstlerin Gülüsün Karamustafa ist enorm anregend. Am eindrücklichsten war aber die riesige, 12 teilige Filminstallation "Manifesta" von Julian Rosefeld, die er mit der Australischen Schauspielerin Cate Blanchett gedreht hat. Ein Meisterleistung auf allen Ebenen.

Und nach diesem wunderbaren Ausstellungstag wurden wir von Jeremie, Vera und Flurina bekocht mit dem Feinsten. An diesem Abend sind wir nicht all zu späht schlafen gegangen...

28. Oktober: Nach der Ausstellungseröffnung im NEXTEX mussten wir schon um vier Uhr aufstehen, um rechtzeitig am Flughafen in Kloten zu sein. Alles hat geklappt, das Taxi stand rechtzeitig am vereinbarten Ort. der Flug verlief ruhig und Vera hat uns in Berlin mit frische Croissons und Kaffee bewirtet. Am nachmittag bin ich mit Monika durch die Stadt gewandert uns am Abend ab 18 Uhr waren wir bei Vera im Atelier für die Eröffnung der Ausstellung mit den Vexer Editionen. Sie hat das alles wunderbar vorbereitet und präsentiert. Um neun Uhr gab Norbert Möslang ein beeindruckendes Konzert. Ich habe mich sehr gefreut über die vielen spannenden Gäste aus dem Umfeld von Vera. Sie ist sehr gut vernetzt und kennt sehr viele spannende Künstlerinnen und Künstler aus den verschiedensten Ländern Europas, die in Berlin ihr Glück versuchen. 

27. Oktober: 10.25 ab nach Bern. Gemeinsam mit Aline Feichtinger und Paul Gruber bin ich nach Bern gefahren. Wir konnten wunderbar unsere Sitzung vor besprechen. Wir trafen uns im Proger, in einem Künstleratelier für unsere letzte gemeinsame visarte Festsitzung. Das war alles sehr intensiv. In ein paar Wochen gilt es ernst mit dem fest zum 150 jährigen Jubiläum von visarte.schweiz.

Am Abend bin ich dann direkt in den Ausstellungsraum NEXTEX in St.Gallen gefahren. Jiajia Zhang, Thomas Stüssi und Emanuel Geisser haben eine Ausstellung aufgebaut zum Thema "Der Horizont ist klar".

Es waren sehr viele interessierte und engagierte Kunstschaffende aus der Region anwesend.

25. Oktober: Nach einem ruhigen Arbeitstag war ich am Abend eingeladen zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Kunst am Bau" im neuen Werkhof vom Gartenbauamt, gleich neben dem Botanischen Garten. Den Anlass haben wir von visarte gemeinsam mit den BSA Architekten und dem Architekturforum organisiert. Der Architekt Patric Allemann hielt ein Referat zur Zusammenarbeit mit dem Künstler Harald F. Müller, anschliessend referierte die Kunsthistorikerin Karin Frei Rappenecker und danach Tanja Scartazzini von der Fachstelle "Kunst am Bau" vom Kanton Zürich. Katja Schenker und ich konnten dann in der Diskussionsrunde noch die Standpunkte aus Sicht der Künstler-Innen einbringen. Der Anlass war sehr gut besucht und es gab im Anschluss noch sehr intensive Diskussionen. Diese Diskussionen zu Kunst am Bau sind gerade in St.gallen sehr wichtig, da der Kanton St.Gallen viel zu wenig und total konzeptlos agiert bei diesem Thema. beim neuen Bundesverwaltungsgericht, der Fachhochschule und anderen wichtigen bauten des kantons wurde die Kunst einfach vergessen, ignoriert oder weggespart. In den nächsten Jahren werden rund 100 Millionen verbaut für die Spitäler. Ich habe noch nie von einem Konzept gehört was da für die Kunst gemacht wird.

24. Oktober: Um 14 Uhr war ich verabredet bei Pro Litteris in Zürich. Eine interessante Diskussion zusammen mit Vertretern des Kunstvereins, um das Urheberrecht und um die Frage der digitalen Nutzung von Bildern im Internet. 

Am Abend genoss ich zusammen mit Monika die Lesung von Pedro Lenz in der Kellerbühne. Pedro wird auf seiner Tour begleitet durch "Chrigu", Christian Brantschen am Piano. Ein ausserordentlich amüsanter Abend mit Pedro Lenz in seiner niegel-nagel neuen, bordeaux-roten Schale. 

23. Oktober: An diesem Sonntagmorgen war ich um 10.30 Uhr verabredet im Historischen- und Völkerkundemuseum. Zusammen mit der jungen Kunsthistorikerin Sabrina Thöny machte ich dann eine Führung durch die Ausstellung von Martha Cunz. Mit dabei war auch ein Urneffe der Künstlerin, der aus erster Hand eindrückliche und lustige Geschichten über seine Tante Martha erzählte. Die Führung war sehr gut besucht und sehr lebendig. Ein richtig schöner Sonntagmorgen. Am Nachmittag besuchte uns dann Maria Josefa Lichtsteiner mit ihrem Partner. Sie brachten uns die restlichen Bücher "Herbarium der Sehnsucht" direkt aus der Ausstellung vom Bruder Klaus Museum in Sachseln. Heute war die Vinissage mit einem Pflanzenverkauf aus dem Garten, den Maria im Museumspark angelegt hatte.

Ja - und am Abend waren wir dann im Stadttheater um uns Jeanne Devos als Hamlet anzuschauen. Jeanne ist eine unglaublich starke Schauspielerin. Die ganze Truppe rund um den "guten Schäfer" hat uns überzeugt. Ich persönlich habe aber immer etwas Mühe, wenn ein Stück "regionalisiert" wird. Der konstruierte musikalische und visuelle Orstbezug zum Appenzellischen war mir etwas zu aufgesetzt. Das minderte aber nicht die Ausdruckskraft des Ensembles. Am Ende wurde dann aus dem Schlussklamauk noch bitterer Ernst. Eine alte Frau stürzte nach der Vorstellung im Foyer die Treppe herab und lag bewusstlos in ihrem Blut. Ich hoffe dass das alles noch gut gegangen ist.

22. Oktober: Um 11 Uhr bin ich mit dem Zug losgefahren Richtung Bern und in Zürich ist Regine zugestiegen. visarte.bern hat eine Jubiläumsveranstaltung auf dem Bundesplatz organisiert. Das Künstlerpaar Haus am Gern hat einen Rückwärtsmarsch konzipiert.  Zuerst gab es Reden auf dem Bundesplatz, beginnend mit dem Berner Stadtammann Alexander Tschäppät. Die Redner mussten der Reihe nach auf den visarte Piaggio klettern. Als zweiter kam ich dran. Ich hatte keine Lust meine Rede von hinten nach vorne zu halten, wie das geplant war. Ich benutzte die Möglichkeit viel mehr dazu, eine ziemlich politische Rede zu halten. Die endlose Sparpolitik in der Bildung und in der Kultur geht mir total auf die Nerven. Nach mir redete Hans-Ulrich Glarner, der Leiter vom Amt für Kultur vom Kanton Bern, der war echt witzig und dann Patrick Gosatti von der Pro Helvetia.  Anschliessend sind die rund zweihundert demonstrierenden Personen mit vielen Transparenten im Rückwärtsgang zur Kunsthalle gestolpert. Da wurde ein kleiner Apero angeboten. Nüssli und Bier. In der Kunsthalle gab es dann eine Podiumsdiskussion zum Thema Folgerecht. Ewa Hess von der Sonntagszeitung machte eine sehr professionelle Moderation. Es diskutierten dann in der Runde der engagierte Auktionator und Galerist Bernhard Bischoff, der Jurist Dr. Mark Reutter und ich. Es ist ein bisschen peinlich, dass von den Vertretern des Kunstmarktes immer wieder gesagt wird, dass die meisten Künstlerinnen und Künstler sowieso praktisch leer ausgehen würden und trotzdem klagen die gleichen Vertreter, dass das Folgerecht die Existenz der Galerien gefährden würde. 

21. Oktober: Nach dem Mittag habe ich einen schönen Ausflug in den Thurgau unternommen. Die Bahnfahrt war sehr erholsam. Ich hatte einen Termin in einem Betonelement - Werk. Die technische Entwicklung bei den Armierungsmöglichkeiten sind enorm. Das war wirklich spannend.

19. Oktober: heute hatte ich in Zürich eine sehr gute Besprechung und eine spannende Führung durch historische Gebäude. Es gibt viel zu denken, zu planen und zu hoffen, dass sich eine zündende Idee entwickelt.

17. Oktober: Vera und Jeremie mussten sehr früh aufstehen, um  zum Flughafen zu fahren. ich habe gar nichts gehört. Selber bin ich um sieben aus den Federn. ich hatte einen Sitzungstermin in Zürich. Am Nachmittag habe ich dann alle Pendenzen aufgearbeitet Bestellungen erledigt und mich auf Kommendes vorbereitet.

16. Oktober: Nach einem schönen Frühstück sind wir um 10 Uhr losgefahren Richtung Schweiz. Bei Oberriet sind wir von der Autobahn weg und über Eggerstanden nach Appenzell gefahren. Vera hat bei Agathe Nisple in der Station eine sehr gelungene Wandmalerei realisiert. Eine schöne Eröffnung mit vielen Freunden von Vera. Monika und ich sind dann etwas früher nach hause, um die Truthanschenkel vorzubereiten. Auf unserem kleinen Holzherd haben wir das Fleisch dann mehr als zwei Stunden gegart. Dazu frische, selbst gebratene Pommes aus dem Backofen, Gemüse etc. Ein schöner Abschiedsabend für Vera und Jeremie. 

15. Oktober: Eine Gruppe von Freunden wollte den "Schluss-Heuet" machen, alle Wiesen und Borte mähen und das Grunsdstück für den Winter aufräumen. Es hat meistens sehr stark geregnet. Ich bin bei jeder Aufhellung mit der Kettensäge in den Wald gegangen, um ein weiteres, verwildertes Waldstück zu säubern. Ich habe auch einige Bäume gefällt, damit der kleine Mammutbaum "Felice" mehr Licht bekommt. der Baum hat sich prächtig entwickelt und ist bereits grösser wie ich. Die Arbeitstage an der frischen und feuchten Luft haben mir gut getan. Eine schwere und tiefe Müdigkeit hat mir einen gesundenden Schlaf geschenkt. Wie immer haben wir sehr gut gegessen und getrunken. Es war eine grosse Freude.

Es gab dann wie zur Belohnung auch eine Überraschung. Ich wurde eingeladen für ein Vorgespräch zu einem grossen Kunstprojekt. Ich bin in solchen Momenten immer auf Monika angewiesen, da ich immer ohne Handy, ohne Mail und ohne PC unterwegs bin. 

12. Oktober: Am Morgen musste ich einige dringende Geschäfte erledigen und am Mittag haben wir unsere Sachen zusammengepackt und fuhren dann in aller Ruhe, bei schönstem Wetter nach Italien. Die Reise war sehr angenehm. Keine Touristen, keine Wohnwagen, wenige Lastwagen und lange, gute Gespräche. Am Abend haben wir bei Aldo am Ortasee gegessen.

11. Oktober: Um 13 Uhr hatte ich einen termin bei Valentin Hindermann im Büro 146 in Zürich Altstetten. Peter war auch da und wir konnten sehr viele Inhaltliche und gestalterische Fragen klären. Das wird ein sehr schönes Projekt. Anschliessend bin ich an die Josefstrasse gegangen um Nadine Olonetzky zu treffen. Sie hat sehr schöne Texte geschrieben zur Geometrie der Sonne. Ich hoffe, dass es möglich ist für dieses Projekt die Finanzierung zu organisieren. Nach dieser anregenden Begegnung habe ich mir die Ausstellung im Helmhaus mit den Atelier- und Werkstipendien der Stadt Zürich angeschaut. Eine erstaunlich kompakte und sehr ästhetische Ausstellung. Die Jury hat ganze Arbeit geleistet. Aussetzer und Querschläger sind keine zu finden. Ein Guss wie aus einer Hand. Was mich einmal mehr erstaunt hat ist die Tatsache, dass die deutsche Sprache in der Titelsetzung kaum mehr existiert. Woran mag das liegen?

Nach dem kleinen Englischkurs habe ich mich mit einigen Verlegerinnen und Verlegern von SWIPS - Swiss Independent Publishers bei Scheidegger & Spiess getroffen, um über die Verlagsförderung zu diskutieren. Wir haben alle in deutsch gesprochen. Ich habe einmal mehr festgestellt, dass der Vexer Verlag ausserhalb der Normen funktioniert. Dieses persönliche, künstlerische Projekt hat es in der üblichen Verlagsförderung schwer. Das ist kein Grund zu jammern. Der Vexer Verlag ist einfach anders aufgestellt. 

10. Oktober: Heute habe ich die letzten Vorbereitungen getroffen für die geplante Publikation von Peter Z. Herzog und Florian Vetsch. Nun ist das Material zusammen.

9. Oktober - der Sonntag nach dem Fest: Gegen Mittag fröhlich aufgestanden, starken Kaffee getrunken lange geplaudert und dann einen ausgedehnten Spaziergang zusammen mit Monika und Carol den steilen Hang hinauf auf die Notkersegg, dann über die Hügel mit einem nebligen Blick auf den Bodensee und dann durch einen ziemlich verwunschenen Wald wieder nach Hause zu einem kleinen Abschiedstrank.

8. Oktober: Monika hat den ganzen Tag zusammen mit Carol gekocht für eine illustere Gruppe, die am Abend bei uns eingeladen war. Auberginen Dip mit Granatapfel, Humus, Randen - Dattel - Kaviar, Graved Saibling und dann einen Lamm Shavarama, das ist ein Gigot viereinhalb Stunden im Backofen gegart mit einer grossartigen Kräutermischung, kombiniert mit Spinatsalat,  Tomaten - Gurken - Zwiebel Salat, dazu Butternusskürbisschnitze aus dem Backofen. Als Dessert eine Jorurtcreme mit pochierten Quitten und einer Nusstorte. Es wurde dann fast Morgen, bis wir endlich im Bett lagen. 

7. Oktober: Heute Nachmittag haben wir rund 200 Bücher von Sandra Ulloni eingeladen und nach Luzern transportiert. Alles hat wunderbar geklappt. Etwas verspätet sind wir bei der Kunsthalle angekommen und haben dann alles für die Buch Vernissage vorbereitet. Ein guter Abend mit vielen interessierten Menschen und vielen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung von Sandra Ulloni ist sehr gelungen. Sie präsentiert alle Fotos aus dem Buch und eine eindrückliche Installation mit einer riesigen aufgerollten Leinwand, die durch eine grosse, schwarze  metallene Oese unter Decke durchgezogen und im Raum drapiert wurde. 

6. Oktober: Heute hat uns Hannah besucht. Als Götti kann ich richtig stolz sein. Hannah hat ihr Jusstudium mit einem Mfeinen aster abgeschlossen. In den letzten Jahren hat sie in Zürich, Holland und in Indien studiert. Wir hatten einen wirklich schönen Nachmittag mit einem Mittagessen, vielen Gesprächen und einem schönen Spaziergang rund um Guggeien. 

4. 5. Oktober: Viel Zeit für mich und meine Malereien.

3. Oktober: Ich hatte einiges aufzuarbeiten. Heute war auch der letzte Tag mit Vera. Sie hat ihre Wandmalerei bei Agathe Nisple fertiggestellt und muss heute Abend wieder zurück nach Berlin fliegen. Wir hatten in der letzten Zeit  viele gute gemeinsame Diskussionen. Am Nachmittag haben wir zusammen mit Monika noch einmal die Räumlichkeiten angeschaut, die ich mieten möchte. Die Atmosphäre ist sehr beeindruckend aber es gibt viel zu überlegen.

Am Abend war ich eingeladen von Studierenden der Uni St.Gallen für eine Podiumsdiskussion zum Thema, was denn Kunst an einer Universität bewirken kann. Die Diskussion war sehr lebendig und es kamen viele Aspekte aufs Tapet, die in solchen Gesprächen oft untergehen. Sehr anregend der Abend. Ich habe gestaunt wie viele junge Menschen sich für die Kunst an der Uni St.Gallen interessieren. Vor der Diskussion hatte ich etwas Zeit, durch den Garten und durch die Gebäude zu flanieren. Der Betonbau von Walter Förderer und der ganze Campus ist wirklich beeindruckend. 

2. Oktober: Wir besuchten gemeinsam mit Renate und Christian das Museum Ritter, das von Max Dudler Architekten gebaut wurde. Das Sammlungskonzept beruht auf dem etwas schlichten Gedanken, dass gute Kunst im quadratischen Format genau so gut ist wie die quadratischen Schokoladen von Ritter. Ja die Quadratur des Kreises entpuppt sich dann aber als zu einfaches Konstrukt um der Welt und dem menschlichen Empfinden näher zu kommen. Insgesammt eine imposante Anlage auf offenem Feld. Auffällig war wie viele übergewichtige Menschen aus den Schockoladen - Museum kamen mit übervollen Plastiktüten. Ich fragte mich wo die all die Schokolade noch hinstopfen wollen. 

Nach diesem Ausflug in die Welt der Süssigkeiten und der leicht verdaulichen Kunst fuhren wir nach Nürtingen zur Stiftung Domnick. Ein eindrücklicher Betonbau von Paul Stohrer, gebaut als Museum, Veranstaltungsort und Wohnung zugleich. Ein sehr spezieller Bau auf einer Fläche von rund 1000 m2 Fläche, an den Hang gedrückt, mit einem Skulpturenpark mit ausschliesslich rostigen Eisenplastiken. Die Sammlung hat hohe Qualität und repräsentiert einen verdunkelten Zeitgeist des Aufbruchs nach dem Krieg. Es ist sehr eindrücklich eine solche Sammlung im privaten Umfeld eines Sammlers sehen zu können. Auf dem Faltprospekt steht: "Sammlung Domnick, internationale Abstraktion und eine Architektur von Rang". Eindrücklich! Auf dem Heimweg haben wir am Strassenrand noch drei wunderbare Kürbisse gekauft und wir hatten viel zu diskutieren auf dem Weg nach Schaffhausen und dann nach St.Gallen. 

1. Oktober: Heute sind wir nach Esslingen gefahren um Freunde zu besuchen. Christian hat in der Villa Merkel eine Ausstellung kuratiert zum Thema "Schrift, Bild Zeichen". Das sind sehr spannende zusammenhänge von Gestalterinnen und Gestaltern aus dem Raum Esslingen, die neben ihrem Brotjob auch ein eigenes künstlerisches Werk geschaffen haben. Christian hat um 15 Uhr eine öffentliche Führung gemacht. Das war ein wirklich aufbauendes Reflektieren über Kunst und Gestaltung. Am Abend gab es ein feines Essen von Christian, einen feinen Kuchen von Melina, viel Wein und Gesprächen bis in die Nacht hinein.

28. 29. 30. September: Viel Zeit für mich und meine Malerei. Es macht Spass Tümpelforscher zu sein. Im Moment geniesse ich es enorm die Leuchtkraft der Ölfarben in kleinen Malereien auszukosten. Das ist wie Gärtnern, Kochen und Essen gleichzeitig.

Am Abend erwarteten wir Besuch von Valentin Rothmaler, seiner Freundin Maria, seinem Sohn Christian und dessen Freundin Ida. Christian arbeitet für ein Jahr in Wald, im Bierli, dem Atelierhaus der Schlesinger Stiftung. Wir haben gut gekocht, viel diskutiert und gelacht. Valentin kenne ich seit 1991. Er besuchte mich, als ich Gast beim daad in berlin war Er hat mich dann zu mehrerern Ausstellungen eingeladen und auch als Dozent an die Sommerakademie in Wiesmar. Das war eine sehr spezielle Zeit damals.

27. September: Lange Festbesprechung in Zürich.

24. 25. 26. September: Am langen Wochenende viel Ruhe und viel Zeit zum malen, spazieren, kochen und geniessen.

23. Heute bin ich zusammen mit Paul im Voralpenexpress ganz gemütlich nach Luzern gefahren auf meiner Lieblingsstrecke über das Hochmoor von Rotenturm. Wir hatten Zeit unsere offenen Fragen zum visartefest zu diskutieren. Wir wollten am Mittag in Emmenbrücke sein, um uns mit dem , Cateringteam den Technikern und einigen Mitorganisatoren zu treffen und auszutauschen. Vor allem wollten wir aber die neuen Räume der HSLU anschauen. Das ist alles wirklich sehr schön geworden und ich denke, dass das ein grossartiger Ort ist um Künstlerinnen und Künstler auszubilden. Ich freue mich richtig auf unser Fest am 19. November.

Wir konnten viele Punkte klären und ich bin dann noch ins Kunstmuseum gegangen, um die Sammlungsausstellung anzuschauen. In der Ausstellung wird eine frühe Arbeit von mir gezeigt aus der Sammlung Jacqueline und Luc Robert aus Genf. Das war eine sehr angenehme Begegnung mit Heinz Stahlhut, dem Sammlungskonservator vom Kunstmuseum Luzern .

22. September: der gestrige Abend wurde noch richtig lustig. Ich ging zuerst kurz bei Christian Röllin vorbei um Hallo zu sagen und um zu schauen wie es meinen Bildern geht. Dann bin ich ins Museum gegangen für das angesagte Künstlergespräch. Es kamen überraschend viele Leute. Marcel van Eeden entpuppte sich als sehr witziger Künstler mit einem einleuchtenden Konzept. Er beschäftigt sich nur mit Sachen, die vor seiner Geburt passiert sind. Er kann sich somit die ganze Geschichte als Unbeteiligter einverleiben. Für mich war es sehr speziell über meine Arbeit zu reden, die vor dreissig Jahren entstanden ist. Das ist wie ein Ausflug in eine längst vergangene Zeit. Das Publikum war sehr aufmerksam und interessiert. Anschliessend haben wir noch zusammen gegessen. War ein richtig schöner Abend mit einigen speziell angereisten Künstlern und Künstlerinnen die ich mag.

21. September: Heute konnte ich grosse, interessante Räume besichtigen. Ich hoffe sehr, dass das klappt. Nun geht es darum, alle notwendigen Abklärungen zu machen. ich bin sehr optimistisch.

Um 18.30 Uhr findet heute ein Künstlergespräch im Kunstmuseum St.Gallen statt mit mir, Marcel van Eeden und mit dem Kurator Koni Bitterli.

19. September: Neue Atelierräume zu finden ist nicht so einfach. Am Nachmittag schauten wir uns Lagerräume im dritten UG an. Gross, günstig aber ohne etwas Tageslicht und einen Bezug nach draussen fühle ich mich nicht sehr wohl. Das wird wohl eher nichts. Am Abend fuhr ich nach Winterthur für eine Sitzung mit der Redaktion von XYLON. Wir müssen dringend die neuen Nummern bewerben und die Handdruckmesse in Frauenfeld vorbereiten, die schon am 4. 5. 6. November stattfindet. Dann bin ich zum Bahnhof gerannt um den Zug nicht zu verpassen. Am Abend erwarteten wir Vera bei uns. Monika und Vera haben es sich aber in der Stadt gemütlich gemacht und ich schaute einen zweitklassigen Krimi. Als die Beiden dann eintrafen hatten wir doch noch sehr intensive Gespräche bis tief in die Nacht.

18. September: Sonntagmittag, gut ausgeschlafen war ich hoch motiviert meine neuen Tümpel Bilder zu vollenden. Am Abend wollte ich Monika bekochen. Sie kam von Italien zurück, ziemlich müde aber schön hungrig. Ich habe zwei frische Wolfsbarsche auf dem Feuer gebraten, dazu kleine Bratkartoffeln aus unserem Garten und frisch gepflückte Stangenbohnen. 

17. September Ich habe den ganzen Tag gemalt und am Abend war ich zum Geburtstagsfest von Barbara Ochsner eingeladen im Cantinas. Essen, reden, trinken, tanzen. Viele alte Freunde waren dort, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ein sehr schöner Abend mit viel Musik.

16. September: In Genf musste ich früh raus aus dem Hotel und um 12 Uhr in Zürich sein. Im Zug habe ich im Restaurant zufällig den Bruder und die Schwägerin von Roman Signer zum Frühstück getroffen. Wir hatten eine sehr lustige Fahrt. Am Mittag war ich an einem interessanten Treffen mit dem Kunstverein im Zeughaushof. Ja und um 16 Uhr kam ich dann endlich wieder zu Hause an. Zuerst habe ich alle Mails und die Post gelesen. Am meisten ist mir eingefahren, dass ich nun definitiv in den nächsten Tagen die offizielle Kündigung von meinem Atelier im Haggen bekomme. Ich hatte immer die Hoffnung, dass das noch lange geht bis die neuen Besitzer eine Umbaubewilligung erhalten. Das wird sicher nicht einfach für mich. Also: in St.Gallen wird per sofort ein möglichst grosser, schöner und günstiger Arbeitsraum mit Lager gesucht. Ja und die Bibliothek muss natürlich auch noch Platz haben. Bitte melden! 

15. September: Heute Mittag bin ich mit dem Zug nach Genf gefahren. Ich habe das Tagblatt, den Tagi und die NZZ gelesen, alle Kreuzworträtsel gelöst und etwas geschlafen. Aufgewacht bin ich in den Weinbergen von Lausanne. Das ist ja wunderschön. In Genf habe ich schnell das Hotelzimmer bezogen und habe dann den Friedhof gesucht an der Rue des bains. Ich bin ziemlich herumgeirrt und auch andere Kunstfreunde waren unterwegs. Ja der Friedhof war dann aber an der Rue des Rois.  Die Organisatoren haben eine falsche Adresse angegeben. In diesem Friedhof haben einige ganz bekannte Künstler skulpturale Arbeiten installiert. Kuratiert wurde die Ausstellung von Simon Lamuniere. Silvie Fleury, Fabrice Gigi, Sophie Call, Katja Schenker und viele Andere. Um 19 Uhr bin ich zum Centre de la Photographie um die Ausstellung von Roman Signer anzuschauen. Die ganze "Familie" von Roman sass schon in einem nahen Restaurant. Monika und ich haben eine sehr schöne frühe Arbeit ausgeliehen. Da war sehr lustig. Neben dem Objekt musste den ganzen Abend immer ein Mitarbeiter des Hauses stehen, damit niemand über das  tolle Teil stolpert. An diesem Abend habe ich nach sehr langer Zeit wieder einmal Pierre Huber und seinen Freund getroffen. Ich wusste gar nicht, dass die immer noch einen Ausstellungsraum betreiben. Der Abend endete dann zusammen mit den "Friedhofskünstlern" in einer schrägen Bar. Es wurde ziemlich spät und keiner von der interessanten Gruppe ist verdurstet. Wir hatten spannende und intensive Diskussionen.

14. September: Lesen und malen. So habe ich mir diese Woche vorgestellt. Ich habe mir einige Taschenbücher von Arnon Grünberg besorgt. Das erinnert mich etwas an Karl Ove Knausgard, eventuell etwas lieblicher aber das kann sich ja noch entwickeln. Ich liebe es von einem Autor alles in einem Schnurz durchzulesen. In den letzten Wochen war als Auffrischung Werner Marti dran und davor eben Knausgard. So lernt man im Schnellgang ein ganzes Leben kennen. Auffällig ist, was die drei alles zusammensauffen in einem Buch. 

13. September: Am Nachmittag habe ich eine Pause eingelegt. Ich hatte Besuch im Atelier Haggen. Vreni Rohner ist mit Christine Niederberger und ihrem Mann vorbeigekommen. Christine ist Bernerin, lebt in London und malt sehr aufwändige, spezielle Bilder. Ich bin dann wieder nach Hause und habe bis in alle Nacht an meinen Tümpeln gemalt und zwischendurch was kleines gekocht. 

12. September: Monika ist heute Morgen losgefahren nach Agrano.  Ich habe mir vorgenommen diese Woche so oft wie möglich zu malen. Die Motive vom Tümpel liegen schon lange bereit. Ich habe immer das Gefühl, dass sich gewisse Vorarbeiten von selbst erledigen, wenn man die Sachen ruhen lässt. Wie bei einem Wein. Es braucht Zeit, damit sich alles setzen und beruhigen kann im Gärprozess. Heute hat es gut geklappt. Ich male schon seit einiger Zeit auf Holz. ich habe meine restlichen, verleimten Platten vom Mammutbaum zuschneiden lassen in kleine Formate. Am Abend hatten wir im Schulhaus Bild eine Sitzung von der Fachkommission HF Bildende Kunst. Der neue Lehrgang ist nun in neuen Räumen. Die riesige Küchenkombination konnte in der ganzen Grösse im neuen Raum eingebaut werden.  Alex Meszmer ist ganz glücklich mit der neuen Gruppe. Die Chemie scheint zu stimmen. Es wäre super, wenn noch zwei drei Teilnehmer dazu kommen würden. 

11. September: Nach einem ausgiebigen Frühstück sassen wir lange im Garten. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Monika losmarschiert, schräg rauf, quer durch den Wald bis in die Notkersegg und zu den drei Weiern. Da haben wir Halt gemacht für ein kühlendes Bad. Dann sind wir zu Fuss weiter an die Berneggstrasse spaziert, um die Wohnung von Gabriella und Andrea Corciulo anzuschauen. Die Beiden wohnen noch ein paar Wochen im "Lieblingshaus" von Monika. Als junge Mutter zog es sie früher immer zu diesem Haus. Wer weiss warum. Die Wohnungen sind sehr schön mit einer tollen Aussicht ins Grüne, zu den Kühen und auf die Stadt. Nun renovieren Gabriella und Andrea ein altes Haus zweihundert Meter weiter unten. Das wir sehr schön mit einem wilden Garten am Südhang. 

10. September: Gestern Abend haben wir ein wirklich überraschendes Konzert erlebt im Palais bleu in Trogen mit: THE FLYING SOFA OF SOFIA. Das war wunderbar.

Heute war Tag der Denkmalflege zum Thema Oasen. Wir sind zur Spiessenrüthi oberhalb von Teufen spaziert und haben uns eine spannende Wandmalerei an einem alten Bauernhaus angeschaut. Fredi Altherr hat eine Einführung gemacht. Er erzählte, dass da möglicherweise ein Handelsreisender aus der Gegend, der mit seiner textilen Ware weit herum kam in Europa und dabei viele Palazzos in wichtigen Städten gesehen hat ein kleines Haus bauen liess im Stil der Zeit, an einem schönen Ort. Ja vielleicht wollte er den einfachen Leuten zeigen, wie es in der Welt draussen aussieht. Heute bauen die da oben ganz andere Häuser und Wohnungen, mit Steueroptimierung, mit riesigen Fenstern mit Blick zum Alpstein aber nicht zur Welt. Früher in den 80er Jahren sind wir bei unseren Spaziergängen mit Vera oft an diesem Haus vorbei gekommen und haben immer die wunderschöne, alte Linde bewundert. Das spezielle an diesem Baum ist, dass die untersten Äste rundherum den Boden berühren. Damals wussten wir aber nicht, dass dieses Haus aus dem 15. Jahrhundert stammt. Eine spannende Geschichte. Heute kann man da Setzlinge kaufen, eine Ferienwohnung mieten und wenn man Glück hat, schöne Sonnenuntergänge geniessen. Anschliessend nach all den Erläuterungen sind wir nach Balgach ins Rheintal gefahren um das Schloss Grünenstein zu besuchen. Wir wussten, dass die gleichen Musiker von flying Sofa of Sofia wieder aufspielen, zusammen mit Schauspielern. Wir haben dann zwar zuerst den Weg zum Schloss nicht gefunden und wurden etwas muffig. Die Organisatorin hat uns aber liebevoll betreut und die Stimmung und die verschiedenen Plätze für die Aufführungen waren sehr schön. Ich habe dann noch eine grosse Überraschung erlebt. Silvia Michel, meine erste und einzige "Schnupperstiftin" ist nach über 45 Jahren wieder aufgetaucht. Sie absolvierte in den siebziger Jahren eine Schnupperlehre als Stickereinetwerferin bei Jacob Rohner in Rebstein. Sie war jung und wunderschön. Ich durfte sie damals betreuen. Ich kann mich an einen sehr schönen Spaziergang erinnern vom Stoss nach Altstätten. Mit meiner Instamatic Kamera habe ich Bäume fotografiert und zelebrierte so mein Künstlersein. Ich habe das nicht vergessen. Sie lebte dann Jahrzehnte lang in Amerika. Ja und nun ist sie wieder da um das "Alter"in der Schweiz zu geniessen. Solche Begegnungen sind für mich richtige "Zeitbomben." Auf einen Schlag ist die vergangene, geraffte Zeit wieder da und man spürt das eigene Alter so richtig in den Knochen. 

Am Abend waren wir zusammen mit Carole Forster eingeladen bei Gret Graf und Peter Rödiger. Gret ist eine begnadete Köchin und Peter der Chef am Grill. Das war alles vom Feinsten. Ich arbeite nun schon 25 Jahre im Haggenquartier aber an diesem Abend konnte ich die Umgebung ganz neu verorten. Auf dem Balkon, der praktisch rund um das ganze Haus reicht hat man einen ungeahnten und überraschenden Rundblick. Den mobilen Abschluss des Abends bot uns ein sehr spezieller und Geschichten erzählender Taxifahrer. Er fuhr uns quer durch die Stadt über den Gallusplatz und er wusste immer noch eine neue, überraschende Geschichte. All das Geschehene haben wir dann in unserem Garten bei einem Feuerchen und einem Schlummertrunk genüsslich reflektiert. 

9. September: Heute hatte ich einen Termin beim neuen Werkhof vom Gartenbauamt in St.Gallen. Dort findet am 25. Oktober eine Veranstaltung zum Thema Kunst am Bau statt. Angeregt wurde der Abend von den BSA Architekten, vom Architekturforum und von visarte ost. Der Künstler Harald F. Müller hat das Farbkonzept für diesen sehr schönen Zweckbau gemacht. Karin Frei Rappenecker, Kunst- und Architekturhistorikerin,Tanja Scartazzini, Fachstelle «Kunst am Bau» Kanton Zürich und Patric Allemann, Architekt halten je ein Einführungsreferat. Im Anschluss diskutieren die Referierenden mit den Kunstschaffenden Katja Schenker und mit mir als Präsident der visarte schweiz. Das Podium wird geleitet von Erol Doguoglu, Kantonsbaumeister Thurgau. Das wird sicher ein spannender Abend. Harald F. Müller kann leider nicht dabei sein weil er mit einer Gruppe von Studierenden nach China reist.

8. September: Heute habe ich zusammen mit Vanja Hutter die Homepage von mir und vom Vexer Verlag aktualisiert und eine Herbstvorschau vorbereitet für die SWIPS Homepage. Wir waren enorm speditiv. Am Nachmittag hatte ich dann im Garten eine lange Diskussion mit unserem visarte Fest Organisator Paul Gruber von der Alltag Agentur. Es gibt noch viel zu besprechen und zu organisieren aber wir sind auf gutem Wege. Am Abend habe ich einen kleinen Kürbis in Scheiben geschnitten und auf einem Backblech auf einer schönen Glut gebacken. Dazu assen wir ein scharfes Linsen Gemüse Curry. Schon wieder ein toller Abend mit vielen spannenden Geschichten.

6. September: Heute hatte ich eine lange Sitzung mit dem Zentralvorstand von visarte schweiz in Zürich. Dann gab es ein wunderbares Essen im Garten. Monika hat die Keule von einem Freiland Truthahn im Backofen geschmort auf einem Gemüsebett. Spitzenklasse! Im Moment ist es so schön am Abend, draussen zu sitzen, beim offenen Feuer und einem guten Wein. Anregend. 

5. September: Am Morgen musste ich bereit sein für einen Transport. Wir leihen eine schöne Arbeit von Roman Signer aus an das Centre de la Photographie Genève. Die zeigen Reisefotos von Roman unter dem Titel: Die gefrorene Zeit". Als Ausgangspunkt wird das Objekt "Selbstportrait aus Gewicht und Fallhöhe" präsentiert. Ich habe einmal in einem Artikel geschrieben: "Roman Signer macht aus Sekunden eine Ewigkeit". Das passt doch. 

4. September: Nach gutem gesunden Schlaf haben wir das Frühstück genossen. Das selbst gebackene Zöpfli von den Vermietern war ausgezeichnet. Wr haben dann einen richtigen unternommen. Wiir wollten nach Teufen bei Winterthur gefahren. Wir sind da ziemlich herumgeirrt. Unser TOM TOM hat die Adresse nicht gefunden. Aber irgendwie hat es dann doch geklappt. Die Künstlerin Simone Monstein pflegt dort einen Rebberg. Es war eine Weindegustation angesagt von den Hamacht Weinen. Sehr gut und sehr sympatisch und die selbst gemachte Terrine war auch super. Die Reben haben in diesem Jahr sehr gelitten unter Mehltau. Bei angrenzenden Biowinzern hat es gar keine Reben an den Stöcken. Die dürfen nur Kupfer spritzen. Das verhärtet die Blätter aber wenn der Mehltau einmal da ist nützt das alles nichts mehr und das Schwermetall sammelt sich in den Böden. Ich begreife nicht so ganz, wo hier die BIO- Idee liegt.

3. September: Monika und ich sind am Nachmittag nach Aarau gefahren zum visarte Fest im Kunsthaus. Wir haben zuerst unser Gepäck in das Airbnb gebracht mitten in der Altstadt. Eine sehr angenehme Unterkunft. Wir sind durch die Stadt geschlendert und dann zum Kunsthaus. Nach einem Apero gab es eine Führung durch die Ausstellung von Karl Ballmer. Ein Maler, den ich erst anfang der 90er Jahre kennen gelernt habe. Ich habe damals eine Aargauer Ausstellung in der Kunsthalle St.Gallen kuratiert zusammen mit Stephan Kunz. An dieser Ausstellung zeigten wir das Bild "Kopf in Rot" von 1930/31. Die neuerliche Begegnung mit diesem Werk hat mich sehr berührt. Das anschliessende Fest war dann wirklich wunderbar. Vor allem die Musikperformance mit einer sehr eindrucksvollen Lichtschau unter Einbezug der schonen Treppe war super. Wir sind dann lange in der Stadt geblieben. Ich glaube das Lokal heisst Garage. Es gab viele Gespräche. Unter Anderem habe ich Nesa Gschwend wieder einmal getroffen. 

2. September. Am Mittag ist Florian Bachmann vorbei gekommen um einige Fotos zu machen für den Artikel i der Gewerkschaftszeitung. Bin viel herumgeturnt und habe dazu ein spannendes Gesicht gemacht. Insgesamt sehr lustig. Am Abend wollten wir ein Konzert in Teufen besuchen. Wir waren aber eine Woche zu früh. Nun können wir uns halt noch einmal freuen. Wir sind dann sehr hungrig zurückgefahren und ich habe uns ein einfaches aber sensationelles Nachtessen gekocht. 

1. September: Heute Morgen führte ich ein langes Gespräch mit Ralph Hug. Er schreibt einen Artikel für die Gewerkschaftszeitung über meine Arbeit als Künstler, Verleger und visarte Präsident. Zwischendurch ist das ganz spannend, wenn man sich selber zuhören kann, was man alles so macht und was einen beschäftigt. 

31. August: Viel organisatorisches erledigt, etwas herum geträumt, Gespräche geführt und am Abend sehr gut gegessen.

30. August: Auch heute bin ich sehr sehr früh losgefahren nach Basel zur Retraite von SWIPS. Das ist eine Vereinigung von unabhängigen Schweizer Verlagen. Beim Marktplatz war dann bereits Schluss mit Lustig. Ein Tessiner Autofahrer hatte seinen Kastenwagen zu nahe an den Tramgleisen parkiert. Er musst wahrscheinlich mal. Es ging gar nichts mehr. Der totale Tramstau. Ich musste dann zu Fuss bis zur Jonanniterbrücke laufen. Der Tag war spannend. Ich habe wieder viel gelernt. SWIPS feiert im nächsten Jahr das zehn jährige Bestehen. Dafür müssen wir nun einige Anlässe planen. Bei dieser Gruppe sind viele interessante Verlegerinnen und Verleger dabei. Es gab sehr viele spannende Gespräche. Das tut immer gut in so einem einsamen Job. Schon wieder ein guter Tag.

29. August: Früh raus für eine Sitzung zum Folgerecht in Zürich. Dann ein spontanes halbstündiges Gespräch mit Regine im Piaggio. Das war sehr lustig. Wir haben viel gelacht obwohl wir uns in vielen Punkten gar nicht einig waren. Ich habe zum Beispiel behauptet, dass für mich der Maler Hans Emmenegger genau so wichtig sei wie Ferdinand Hodler. Dem konnte Regine als Kunsthistorikerin gar nicht zustimmen. Na ja anschliessend hatten wir ein kurzes Mittagessen und trafen uns dann um 14 Uhr mit einer grossen Gruppe interessierter leute im SIK um über den Umgang mit Künstlernachlässen zu diskutieren. Die Veranstaltung war sehr interessant. Das SIK baut ein Kompetenzzentrum zu diesem Thema auf. Da tut sich nun einiges. Nach diesen Marathonsitzungen war ich am Abend ziemlich geschlaucht aber auch sehr zufrieden.

27. August: Am Morgen früh bin ich nach Basel gefahren, um meine Ausstellung mit den riesigen Holzschnitten von 1886 bei Stampa anzuschauen. Stampas haben die Arbeiten sehr schön gehängt. Ich war sehr erstaunt, wie diese Blätter heute auf mich wirken. Die dreissig Jahre, die seit der Entstehung dieser Arbeit vergangen sind, lassen eine ganz neue inhaltliche Auseinandersetzung zu. Ich war zwei Stunden da und hatte ganz gute Gespräche mit Gilli und Diego über den Kunstmarkt und die horrenden Preise, über das Wegbrechen von kleinen Sammlern, über Geld und Macht und Gier nach teuren Bildern von immer denselben Künstlern, über meine Präsidentschaft bei visarte.schweiz, die Jugend und das Alter, das Verlagswesen und den ganzen digitalen Salat, es war spannend und die Zeit vergeht so schnell.

Am frühen Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren und bei grosser Hitze auf der Bahnhofstrasse bis zum Bürkliplatz spaziert. Visarte Zürich hat eingeladen zur Schiffsfahrt auf dem Zürichsee mit der legendären panta rhai. Eine grosse Frauschaft in knallroten Kleidern und uniformierten Hüten empfingen die Gäste. die Stimmung war sehr angenehm und es gab viel Zeit und Raum für Gespräche. Nach knapp zwei Stunden merkte ich  nicht einmal dass das Schiff wieder gedreht hatte. In Zürich spazierte eine grosse Gruppe zum helmhaus. ich schaute mir noch die Manfesta Ausstellung an. Ich merkte aber bald, dass das mindestens einen Tag Zeit brauchen würde um alle Videos anzuschauen. Ein riesiger Wusch von kaum verdaubaren Informationen. Beim Eingang fand dann eine nicht ganz einfache Diskussion zum Thema Frauen in der Kunst statt. Monica Ursina Jäger hatt eine sehr gute Einführung in das wichtige Thema vorgetragen. Später gab es dann Würste, Käse und Brot, Wein und Bier. Es war alles sehr locker und sympatisch. Der Piaggio von visarte.faehrt war auch zugegen und ich habe spontan Michael Nitsch vom Lokal14 interviewt. Er hat mir erzählt, dass er früher auch Kunst gemacht hat und dann auf Grafik umgestiegen ist. Er präsentiert nun regelmässig Kunst an seiner Arbeitsstätte. Ich finde das spannend. Weg von der eigenen Kunst und hin zur Vermittlung von anderen künstlerischen Positionen. Michael kann sich ein Leben ohne Kunst auf keinen Fall vorstellen. 

26. August: Am Mittag ein lustiges Treffen mit Ralph Hug und Hansjörg Bachmann im Union. 

25. August: Ein ganz heisser Tag, kaum zum Aushalten. Die Gartenarbeit habe ich nach den ersten Schweissausbrüchen beendet und dann entschloss ich mich spontan, nach Wülflingen ins Weiertal zu fahren. Maja von Mais hat mich eingeladen, die Ausstellung der Ostschweizer Künstler vom Künstlerarchiv anzuschauen. Sie würde gerne die visarte schweiz für eine Ausstellung im Jahr 2018 einladen. Ich hatte dann eine sehr schöne Fahrt und in Wülflingen holte mich Maja von Mais ab. Der Kulturort ist sehr beeindruckend. Ein schöner alter Bauernhof mit Nebengebäuden, ein vierzigjähriger, selbst angebauter "Bommet" mit sehr vielen Apfelbäumen, ein lauschiger Bach, und grosse Naturteiche. In der jurierten Ausstellung sind einige sehr stimmige Werke aufgebaut. Die Ausstellung dauert noch bis zum 11. September. Einige Künstlerinnen haben versucht die ganze Flüchtlingskatastrophe durch Kunst zu verarbeiten. Andere stellen Bezüge her zwischen Kunst und Natur oder sie ironisieren unsere Zeit. Das war ein sehr heisser aber angenehmer Nachmittag mit einem guten Gespräch. Jetzt gilt es einfach herauszufinden ob es Sinn macht, dass für die geplante Ausstellung alle visarte Künstlerinnen und Künstler angefragt werden sollen, oder ob es organisatorisch einfacher und besser wäre, wenn Schritt für Schritt regionale visarte Gruppen eingeladen würden.

23. August: Um elf Uhr besuchte mich Till Velten um ein Projekt zu besprechen. Till war vor vielen Jahren schon einmal hier, als er Peter Stobbe besuchte, der damals zusammen mit Christina und seiner Familie bei uns Mieter war. Till beschäftigt sich seit einiger Zeit mit der Thematik der Demenzerkrankung. Letztes Jahr erschien das spannende Buch "Sprechen über Demenz" von ihm im Herder Verlag. Nun möchten wir ein Auflagenobjekt entwickeln, das eine Verbindung zwischen Angehörigen und Demenzerkrankten schaffen kann. Das war eine wirklich gute Arbeitssitzung mit einem vielversprechenden Projekt.

Am Nachmittag traf ich Donato Amstutz. Er besuchte die Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen "The Dark Side of the Moon" wo meine riesigen Druckstöcke aus meinem Atelierboden präsentiert werden. Das war ein gutes Gespräch. Wir sassen rund drei Stunden in einem Gartenrestaurant und diskutierten über die Kunst und die Welt. Ein spannender und kurzweiliger Diskurs. Am Abend habe ich zwei Fische (Wofsbarsch) auf dem offenen Feuer gebraten mit frischem Gemüse vom Backblech. Grossartig! Dazu tranken wir eine Flasche Masi, die ich bei einer Podiumsdiskussion der Künstlergruppe Winterthur "verdient" hatte. 

21. Gestern waren wir am Familienfest bei Marta und Christian. Das war richtig schön und wir haben viel getanzt. Heute Nachmittag sind wir zu den drei Weieren spaziert für das Glockenkonzert "Zusammenklang". Die Komponistin Natalia Marchenova Frei und der Tubist Karl Schminke kündigten ein aussergewöhnliches Hörerlebnis an. Für dieses Konzert wurden alle Kirchenglocken der Stadt St.Gallen eingesetzt. Der Publikumsandrang war riesig. Tausende Menschen versammelten sich oberhalb der Stadt beim Bubenweier. Das Konzert war dann aber ziemlich unspektakulär. Es klang erstaunlich mager. Viele Klänge wurden richtig gehend vom Winde verweht. Die Stärke lag nicht in der Musik, sondern in der kollektiven Stille. Es war ein sehr starkes Stück, dass sich tausende von Menschen gemeinsam auf die Geräusche der Stadt und auf ihre Glocken konzentrierten. John Cage hätte seine helle Freude an diesem Hörerlebnis gehabt. Das kollektive, gemeinsame Lauschen hat bei mir ganz unbekannte Empfindungen und Gefühle ausgelöst.

20. August: Nach einer langen Sitzung in Zürich musste ich einen Spurt hinlegen, um den Zug nach St.Gallen zu erreichen. Von der Kasernenstrasse 23 bis zum Gleis 34 in vier Minuten. Das ist mein bisheriger Rekord. Zum Glück trug ich meine neuen Laufschuhe "Gel-Kajano 21". Nun weiss ich endlich warum auf den Schuhen FluidFit drauf steht.  In St. Gallen bin ich dann sofort ins Kunstmuseum gefahren. Bernard Tagwerker wurde mit dem Peter Kneubühler Grafhikpreis 2016 ausgezeichnet. Ich kam zwar um einiges zu spät aber doch noch rechtzeitig, um alle Reden zu hören.  Das war ein sehr unterhaltsamer Abend mit guten Begegnungen. Es wurde ziemlich spät und ich musste zu Fuss nach Hause laufen. Tag und Nacht Training. 

19. August: Heute Morgen habe ich frohgemut einen Kaffee aufgesetzt. Ich mag ihn am liebsten aus der traditionellen italienischen Expressokanne. Leider vergass ich, dass mir Monika eine neue "Maschine" gekauft hatte, die man nicht auf den Kochherd stellt, sondern auf eine kleine elektrische Heizstation. Ich hörte plötzlich einen lauten Schrei von Monika aus der Küche. Ich wusste sofort was passiert war. Der ganze Plastik-Elektroteil des neuen Kochers war auf der Herdplatte weggeschmolzen. Die Macht der Gewohnheit hat es in sich. Nach vierzig Jahren Kaffeekochen ist es nicht ratsam das System zu ändern. Nun sind in ein paar Minuten hundert Stutz weggeschmolzen, es stinkt fürchterlich nach verbranntem Plastik und die neue Kanne steht zischend in Schräglage und sieht ziemlich alt aus.  

18. August 2016: Die ersten Tage nach den Ferien sind für mich meistens sehr intensiv. Der Rhythmuswechsel kostet einiges an Energie. Man nimmt sich ja immer so viel vor. Mehr Ruhe, mehr Gelassenheit, für alles viel mehr Zeit etc. Das ist gar nicht so einfach. Ja - und dann kommen noch all die guten Anregungen und Ideen dazu. Heute habe ich Urs Eberle in der Stadt getroffen. Er hat mir ein anregendes Buch übergeben. Die Tagebücher von Fritz J. Raddatz, von 1982 - 2001. Wenn ich da rein lese, könnte ich bei meiner Schreiberei noch manchen Zahn zulegen. Aber auch mit den Zähnen ist das so eine Sache. ich habe mir in den Ferien eine Blombe am rechten Schneidezahn ausgebissen. Der ist erfolgreich geflickt und ich kann wieder ohne Probleme in weiche Pfirsiche beissen. 

15. August: Das lange Wochenende in Loazzolo, im Piemont war wunderschön. In einer lustigen Runde haben wir gute Tage und lange Nächte erlebt. Alles vom Feinsten. Bei unserer Nachtwanderung unter einem wunderbaren Sternenhimmel blieb der erwartete Sternschnuppenregen leider aus. Heute sind wir gegen Mittag wieder abgefahren Richtung Mailand, Como, Mendrisio, Bernardino. In Splügen haben wir eine Gerstensuppe gegessen. Nach der Sommerlichen Hitze in Italien war es hier ziemlich kalt und ein kräftiges Gewitter zog über die Gegend. Ich brauchte dann zu Hause ziemlich viel Zeit um alle E-mail und die vielen Zeitungen nachzulesen und die Post zu ordnen. Da steht schon wieder einiges an in dieser Woche. Ferien ade. 

12. August: Heute fahren wir für ein Geburtstagsfest nach Loazzolo im Piement. Die Fahrt wird ungefähr fünf Stunden dauern. Ich freue mich auf die Fahrt in den Süden.

11. August: Das war eine richtig ergiebige Aufräum-Woche. Sitzungen, Muskellockerung bei Theresa, skulpturales Arbeiten im Atelier, Zahnartzbesuch etc. Vielseitig und ergiebig. 

7. August: An diesem Wochenende haben wir Susi und Huga am Sempachersee besucht. Gute Gespräche, gutes Essen, feine Weine und erholsames Schwimmen. In einem richtig sportlichen Einsatz habe ich zusammen mit Hugo Haselnussstauden zurückgestutzt, Birken zurück geschnitten und bei einigen Bäumen Totholz heruntergesägt. Nun gibt es wieder freie Sicht zum See.

6. August: Diese Woche verging im Flug. Ich hatte viele Bestellungen zu erledigen und  Gartenarbeit war angesagt. Rosen schneiden, ein kräftiger Sommerschnitt bei den sehr schnell wachsenden Birken, Stangenbohnen pflücken, jäten und den Rasen mähen. Das war eher eine Wiese. Ich musste mit der Sense mähen. Wir sind jeden Morgen zum Bodensee gefahren. Das Schwimmen im See ist wunderschön. meistens waren wir fast alleine. Eine Schwimmerin war gestern völlig ausser sich, weil vor ihr ein riesiger Wels aufgetaucht ist. Nach der Beschreibung muss der Fisch mindestens zwei Meter lang gewesen sein. Am Mittwochabend waren wir eingeladen für ein leckeres Mal a-la Ottolenghi. Das war alles wunderbar, auch die auf dem Feuer gebratene Lachsforelle hat super geschmeckt. Diese Abende im Badehüsli in Arbon sind immer sehr erholsam. 

31. Juli: Am Mittag sind wir losgefahren. Dank einer kleinen Eiscremerast vor dem San Bernadino Tunnel sind wir dann nicht in einen Unfall verwickelt worden. Nach dem Tunnel ist ein Reisebus auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem Anhänger kollidiert, auf dem eine riesige Yacht geladen war. Es sah ziemlich schlimm aus. Wir konnten dann wenden und auf der alten Passtrasse runterfahren. Das Leben ist voller Risiko. Im Rheintal fuhren wir in heftige Gewitter. das war sehr gefährlich, teilweise sah man die Lichter der Autos nicht mehr. Ich war sehr froh, dass wir unversehrt zu Hause ankamen. 

29. Die Woche in Agrano war sehr vielseitig. Die Geschwister von Monika mit ihren Partnerinnen und Partnern, gutes Essen, Ausflüge, schöne Wanderungen, ein wunderbares gemeinsames Familienessen in einem wunderbaren Restaurant oberhalb vom Ortasee. La Zucca in Arola ist sehr zu empfehlen. Zusammen mit Heinz habe ich eine überwachsene Terasse im Wald ausgeholzt. Das ist sehr schön geworden. Es ist sehr speziell wenn sich plötzlich ein Gefühl für vergangene Agrarkulturen öffnet. Die riesigen Haselnussstauden haben teilweise die Trockenmauer eingedrückt. Das werden wir bei Gelegenheit reparieren. 

24. Juli: Heute ist es einmal mehr wunderschön. Ich habe ganz vergessen ein Frühstücksei zu kochen. Meine Losung heisst schon seit Jahren: "Kein Sonntag ohne Frühstücksei. " Mal sehen ob ich das noch nachholen kann. Heute erwarten wir Marianne und Oreste mit ihrem fidelen Hündchen. In den nächsten tagen kommen dann noch weitere Hutters nach Agrano. Das wird sicher eine dichte Familienwoche.

23. Juli: Es hat heute sehr stark und lange geregnet. Ich habe in einem Schnurz das Buch von Noëlle Revaz das zweite Mal gelesen. "Von wegen den Tieren" ist ein unwahrscheinlich starkes Buch. Das haut jede und jeden um. Der Schlusssatz lässt hoffen, dass trotz den grossen menschlichen Unfähigkeiten ein kleiner Hoffnungsschimmer über uns allen schwebt.

22. Juli: Ich bin sehr früh aufgestanden. Nach einem starken Kaffee habe ich mich wieder an das Früchte pflücken gemacht, die Wäsche zusammengelegt und in meine Reisetasche gestopft. Ich wollte noch auf den Postboten warten, um wirklich alles zu erledigen, bevor ich wieder verreise. Mein Zug fäht um 11.25 nach Domodossola. Es war ja alles OK. Ich war früh dran, trank noch einen Kaffee im Commercio. In Zürich haperte es aber schon. Die Lokomotive war defekt und musste ersetzt werden. In Bern habe ich promt meinen Zug verpasst. Ich bin dann in einen Inter Regio gestiegen und in Spiez auf anraten des Zugbegleiters wieder ausgestiegen. Dort habe ich einen Bahnbeamten gebeten, eine SMS an Monika zu senden. Sie wollte mich ja in Verbania abholen. Es sind ja alle so nett. Es hat auch alles geklappt. Ich bin gut in Agrano angekommen. Am Abend haben wir dann alle zusammen in einem Agrotourismo ziemlich viel und gut gegessen.

21. Juli: Heute habe ich mit Isabel Zürcher telefoniert. Sie schreibt einen Artikel in der Basler Landschaftlichen Zeitung über meine Ausstellung bei Stampa in Basel. Es ist im Moment wirklich spannend, mit meinen alten Werken konfrontiert zu werden. Die vergangene Zeit wird plötzlich in aller Schärfe spürbar an Speck und Knochen. Am Mittag kam ein Techniker von Swisscom um endlich den fernseher wieder zum laufen zu bringen. Er hat alles ausgewechselt. Neue Kabel, neues Modem etc. Nun haben wir rund dreihundert Sender von der Ukraine über Persien, Albanien, Chile, die Pampas von Argentinien etc. Ich habe keine Ahnung wer sich das alles anschauen kann. Ich bin aber froh, dass endlich alles wieder funktioniert. Neu haben wir auch zwei Telefonnummern. Parallel geht es sicher noch besser.

Am Abend hatte ich einen Termin bei Rolf Abraham. Er hat meine Augen untersucht, Augendruck, Sehschärfe etc. Ich war dann den ganzen Abend etwas belämmert wegen den erweiterten Pupillen. Zum Glück ist alles OK. Das ist bei meiner starken Kurzsichtigkeit gar nicht so selbstverständlich.

20. Juli: Ich bin täglich am Beeren pflücken. Die letzten Himbeeren, Walderdbeeren, Johannisbeeren in rot und schwarz, Josta und die Stachelbeeren. Ich friere die Früchtchen in Tagesportionen ein. Herr Bircher seelig hätte sicher grosse Freunde an meinem Tun. 

Am Abend kochte ich für Hermann und mich an der Feuerstelle. Ich hatte viel Gemüse vorbereitet. Ein Stück von meiner dicken Zucchini, Peperoni, frische Tomaten und Zwiebeln. Ich legte alles auf ein altes Backblech, füllte das Blech mit Wasser auf und stelle es über das Feuer. In Alufolien hatte ich zwei Tranchen Wolfsbarsch vorbereitet mit sehr vielen Kräutern, die ich mit Kokosmehl und zwei Eiern vermischt hatte. Die Idee war, den Fisch mit einer Kräuterkruste in der Alufolie zu braten. Als das Wasser im Blech schon fast verdampft war legte ich die zwei Alupäckchen ca. zehn Minuten dazu. Am Schluss etwas frisches Olivenöl über das Gemüse und fertig war's. Mit einem gut gekühlten Weisswein ein Genuss.

Nachher habe ich eine wunderbare Radiosendung gehört. Der Song "The old Man" hat mich total berührt. Mit feuchten Augen habe ich meine ganze Wäsche in die Waschmaschine gesteckt, damit ich wieder was frisches anzuziehen habe. 

19. Juli: Ich war den ganzen Tag damit beschäftigt, meine Pendenzen von einer Woche zu bearbeiten, Bestellungen zu erledigen, Briefe zu beantworten und im Garten zum Rechten zu sehen. Da war unter Anderem die riesig gewachsene Zucchini, die ich mir gleich für das Nachtessen hereinholte. Die Stangenbohnen blühen in grosser Pracht und ein Kürbis hat doch sage und schreibe schon einen Durchmesser von satten drei Zentimeter. Ob das was wird? Dafür habe ich an zwei winzigen Stauden zwei pralle Gurken. Die lasse ich aber noch wachsen und hoffe, dass das reicht in einer Woche für einen griechischen Salat.

18. Juli: Ich konnte heute Nachmittag mit Flurina in die Schweiz zurückfahren. Sie ist eine sehr gute Autofahrerin. Das ging sehr zügig dem See entlang und dann über die San Bernardino Route. Nach der Tunnelausfahrt mussten wir eine halbe Stunde warten. Die Schweizer Armee machte einen Spezialtransport für zwei Schützenpanzer. Nach dem Putschversuch in der Türkei hatte das etwas total absurdes. Sicherung der südlichen Grenze oder so was.... Trotzdem habe ich dann in Landquart noch den direkten Zug nach St.Gallen erwischt. Das war eine sehr spezielle Fahrt im Abendlicht mit einem sensationellen Sonnenuntergang am Bodensee und das völlig entspannt im Zug. Zuhause habe ich mich als Erstes über den riesigen Stapel Post gebeugt. In einer Woche häuft sich doch auch in der Sommerzeit einiges an.

11. Juni: Am Nachmittag holten wir Vera in Verbania beim Bahnhof ab. Sie flog von Berlin nach Mailand und die Reststrecke musste sie mit dem Bus und der Bahn bewältigen. Irgendwie hat alles geklappt und wir konnten damit beginnen, unsere gemeinsame Zeit zu geniessen.  Dazu gehörte natürlich ein grosser Einkauf, damit wir unsere Kochwünsche planen konnten. Ich habe dann die ganze Woche immer wieder am Feuer im Freien gekocht. Frische Kartoffeln und wunderbare Gemüse aus dem Biogarten. Dazu assen wir sehr viele frische Salate mit Bachkresse, wildem Rucola und mit Blüten und Kräutern angereichert. Ab Mitte der Woche war das Wetter sehr schön und warm. Wir machten eine Wanderung durch die umliegenden Wälder und genossen den kühlen Schwimmteich der direkt von der Quelle gespiesen wird. Am Freitagabend besuchte uns dann noch eine Freundin von Vera. Flurina ist auch eine begnadete Köchin und so erlebten wir einige fulminante aber immer sehr gesunde kulinarische Höhenflüge mit dem passenden Wein. 

10. Juli: Um 11 Uhr begann das Sonntag Matinee in der Galerie Bleisch in Arbon. Ein wunderschöner Sommermorgen. Trotzdem war der Anlass sehr gut besucht. Adrian Bleisch moderierte ein Gespräch mit Corinne Schatz, Mathias Morf und mir. Das ganze war sehr lebendig und unterhaltsam. Vor allem Mathias erwies sich als brillanter Erzähler. Wir sind dann bald nach Hause gefahren, um unsere Sachen zu packen. Wir hatten uns kurzfristig entschlossen, schon am Sonntagnachmittag nach Italien zu fahren. Schönes Wetter, gute Stimmung, wenig Verkehr. Wir dachten, dass vor einem EM Final niemand mit dem Auto unterwegs sein wird und so war es auch. Wir hatten eine sehr angenehme und ruhige Fahrt. 

9. Juli: Am Abend haben wir Gäste bewirtet. Monika hat wunderbar gekocht. 

8. Juli: Die Eröffnung der Ausstellung "The Dark Side of the Moon" im Kunstmuseum St.Gallen war sehr stimmig. Die Ausstellung ist beeindruckend und bemerkenswert. Es hat sehr starke Arbeiten von Martin Disler, Marlen Dumas, Miriam Cahn, Sara Masüger, Beni Bischoff, Steven Parrino, Albrecht Dürer und noch von ein paar Jüngeren. www.kunstmuseumsg.ch 

Mir ist wieder einmal bewusst geworden, wie mager die Kunst der 80er Jahre in der Schweiz reflektiert worden ist - das kann ja noch werden. Es war ein toller Abend mit einem Gartenfest vor dem Museum. Ich habe seit langer Zeit wieder einmal Irene Grundel getroffen und Ursula Perucchi, Elena Buchmann und viele, viele Weggefährtinnen aus alten und neuen Epochen. Ich finde es phänomenal, dass sich Kunstwerke durch die Zeit weiterentwickeln und  dass Werke, in diesem Fall nach 20 oder 30 Jahren ganz anders wahrgenommen werden. Die verfliessende Zeit als Faktor für die Reflektion von Kunst. Die Figurengruppe von Martin Disler sah ich Ende der 80er Jahre im Palais Liechtenstein in Wien. Ich war damals irritiert über diese geisterhaften, unfassbaren Wesen aus frischem Gips. Ich empfand die Arbeiten damals als zu flüchtig, zu unprofessionell, als nicht geeignet im bildhauerischen Diskurs. Wenn ich die Figuren heute sehe, haben sie sich verfestigt, sie zeigen Lebensspuren, ohne je gelebt zu haben. Die Zeit hat etwas entscheidendes verändert. Das Flüchtige wird zur Stärke, das Zeichenhafte wird plötzlich räumlich. Die Patina der verflossenen Zeit erhöht und verfeinert das Spektrum der Plastizität. Die Figuren werden zu fibrierenden Lichtträgern im Raum.

7. Juli: Heute habe ich den Newsletter zu meinen Ausstellungsprojekten vorbereitet.  Vera macht das jeweils für mich. Ich bin so froh dass sie mir da helfen kann. Ich war sehr spät dran aber die letzten Tage gab es so vieles zu organisieren. Wühlen im Archiv, Fotos suchen, Artikel lesen, Infos verschicken etc.

6. Juli: Heute Morgen hatte ich Besuch von einem Vertreter von einer grossen Druckerei. Ich bin gespannt wie das weitergeht im Druckereigewerbe. Der Konkurrenzkampf ist brutal. Die Schweizer leiden unter der deutschen und die Deutschen unter der Konkurrenz aus dem Osten. Der Osten wiederum wird vom chinesischen Druckgewerbe bedrängt. Die Wege werden immer länger. Am Nachmittag habe ich in der ganzen Stadt Bücher von David Bürkler abgeliefert und habe promt eine wichtige Sitzung vergessen. Das passiert mir selten aber wenn es passiert ist es für mich doppelt ärgerlich.

4.5. Juli: Ich bin am Montag früh mit dem Zug nach La Ferrière im Berner Jura gefahren. das war eine sehr schöne Fahrt. In La Chaux de Fonds hatte ich einen Zwischenhalt für einen kleinen Stadtspaziergang. Um 12.30 Uhr war ich dann im Hotel de la Chausx-d Able in La Ferrière. Wir hatten eine zweitägige Retraite mit dem Zentralvorstand der visarte.schweiz. Ein sehr schöner Ort mit einem sensationellen "Vallotonschen Abendlicht". Die zwei Diskussions- und geistigen Genusstage waren sehr intensiv und haben viele inhaltlichen Weichenstellungen ausgelöst. 

3. Juli: Ein ruhiger Sonntag. Nichts tun kann auch ganz schön sein...

2. Juli: Grillparty im Aargauischen mit einem Teil meiner Familie. Es gab hitzige Diskussionen zum Thema Schweiz - Europa und Brexit. Ich musste einmal mehr feststellen, dass ich mit meiner Meinung zu einem starken und vereinigten Europa an der total falschen Adresse eingeladen war. Aber eine Familie hält ja fast alles aus. Oder? Essen gut - Trinken gut - Schwimmbad gut - alles gut?

Gegen Abend sind wir nach Hochdorf gefahren zum Kunstraum Herrmann. Alois hat eine gelungene Ausstellung eingerichtet zum Thema Hochdruck. Ich war mit fünf "Menschenbildern" vertreten. Wir wollten die Finissage nutzen, um noch einmal alle zu sehen und dann gleich die Arbeiten mit nach Hause zu nehmen. Es gibt ja immer wieder Überraschungen. Ich habe die Künstlerin und Winzerin Simone Monstein kennengelernt. Sie macht den Wein "Hamacht" in Teufen bei Winterthur. Da werde ich sicher einmal zu einer Degustation gehen. Ja und dann war da noch ein interessiertes Architektenpaar. Ich bin froh, dass wir noch diesen Umweg gefahren sind. 

1. Juli: Heute hatten wir eine grosse Sitzung für das 150 Jahre visarte Fest. Es gibt noch sehr viel zu tun aber Stück für Stück ergibt sich langsam ein Ganzes. Das macht grossen Spass. Irgendwie spürt man, dass dieses Fest eine ganz eigene Energie entwickelt. Am Abend bin ich dann wieder nach St.Gallen gefahren, um zusammen mit Aline und Paul alle Punkte noch weiter zu besprechen und zu verfestigen. Dann habe ich mich mit Monika beim Bahnhof getroffen für einen Drink und dann sind wir mit der BT zusammen nach Rapperswil gefahren. Wir waren in einem wunderbaren Palast, gleich über dem Rosengarten von Freunden eingeladen. Mit dabei war auch unser ehemalige Vermieter und spätere Verkäufer von unserem Haus in St.Gallen mit seiner Lebenspartnerin. Ach war das Essen gut, der Wein und die Stimmung und überhaupt - ein toller Sommerabend mit Seesicht in einem wilden Garten unter den Rebbergen. Das hat uns richtig beflügelt. 

30. Juni: Heute bin ich sehr früh zum Bahnhof gefahren. Ich musste den 7.12 Uhr Zug erwischen. Es war eine Folgerechtsitzung in Zürich angesagt. Ja heute sind überraschende neue Gedanken zum Thema entwickelt worden. Das wird spannend.

29. Juni: Die letzten tage war ich sehr stark beschäftigt mit Bücher einpacken. das Buch von David ist sehr gefragt. Auch das wunderbare Blumenbuch "Herbarium der Sehnsucht" von Maria Josefa Lichtsteiner und das ROM Buch von Karl Fürer und Erica Engeler werden oft bestellt. Das macht grosse Freude und viel Arbeit. Da gibt es doch diesen wunderbaren Spruch von Karl Valentin. (habe ihn glatt vergessen).

Am Abend hatten wir eine sehr gute Sitzung der Fachkommission HF bildende Kunst. Der Lehrgang ist gut zu Ende gegangen mit einer anregenden Präsentation im Grubenmann Museum in Teufen. Die grosse Freude ist, dass alle Studierenden die Abschlussprüfung bestanden haben. Ich gratuliere allen Beteiligten herzlich.

28. Juni: Am Morgen wurde ich im Kunstmuseum St.Gallen erwartet, um die Platzierung meines bearbeiteten Holzbodens von 1987 zu besprechen. Ich habe 1986/87 riesige Holzschnitte direkt in meinen Atelierboden an der Wassergasse (heute Reiffeisenbank) geschnitten. Die Holzschnittserie wurde dann von Peter Blum aus New York ediert. Nun zeigt das Kunstmuseum in St.Gallen in der thematischen Ausstellung: "The Dark Side of the Moon" die Bodenstücke, die damals dem Museum geschenkt habe. Rudolf Hanhard hat damals alle Andrucke für das Museum angekauft. Die Galerie Stampa zeigt nun parallel zu dieser Ausstellung die Holzdrucke. Nun kann ich wieder einmal sehen, wie ich vor dreissig Jahren drauf war. Der Transport der Holzbodenstücke muss sehr mühsam gewesen sein. Die Teile waren viel zu gross für den Warenlift und mussten von zehn Personen gemeinsam das Treppenhaus hinauf getragen werden. Urs Burger war nicht so amüsiert. Aber nun stehen die Holzböden bereit für die Aufhängung.

Am Abend waren wir eingeladen zum Galadiner in der Kunsthalle St.Gallen. Das war ein wirklich spannender Abend mit einer Führung von Giovanni Carmine durch die Ausstellung von Jill Magid, die unter dem Titel: "The Proposal" eine spannende konzeptuelle Installation rund um das Archiv des mexikanischen Architekten Luis Barragan realisiert hat. Anschliessend sprach Hedi Graber zum Migros Kulturprozent. Beim anschliessenden Essen gab es sehr interessante Gespräche mit Sammlern, Stiftern und vielen Kulturinteressierten. Ich habe endlich Hedi Graber kennengelernt. Wir hatten ja ähnliche Erfahrungen in den 80er Jahren gemacht. Sie als Co Leiterin der Kunsthalle Palazzo in Liestal, zusammen mit Philipp Ursprung und ich in der Kunsthalle St.Gallen als Mitbegründer und Künstler - Kurator.

27. Juni: Ich bin früh mit dem Zug nach Teufen gefahren, um als Beisitzer an der Juryrung der Abschlussarbeiten der Studierenden vom Lehrgang HF bildende Kunst teil zu nehmen. Das sind immer ganz spannende Gespräche. Als Juroren waren Pritta Polzer, Una Szemann, Stephanie Hoch, Thomas Müllenbach und Roland Roos eingeladen. Das Ganze wurde moderiert von Phil Mähr. Für mich war das ein ganz wunderbarer und inspirierender Weiterbildungstag mit interessanten Menschen. Es ist ja immer auch interessant wie sich die Studierenden einbringen und über ihre Arbeiten reden. Ich hatte dieses Mal so ein gutes Gefühl für diesen Lehrgang. Alle Teilnehmenden haben sich enorm weiterentwickelt und das macht wirklich grosse Freude.

26. Juni: Nach einem ruhigen Sonntagmorgen mit viel Reflektion fuhren wir am frühen nachmittag nach Teufen. Der Studiengang bildende Kunst der Höheren Fachschule von St.Gallen präsentierte im Grubenmann Museum ihre Abschlussarbeiten. Ich war wirklich beeindruckt von den Arbeiten.

25. Juni: Wir sind am Morgen zeitig aufgestanden. Im Frühstücksraum konnten wir uns noch von einigen Künstlerfreunden und Kuratoren verabschieden. Wir fuhren dann direkt zum Jubiläumsfest des Gönnervereins vom Sitterwerk in St.Gallen. Die Führungen sind jedesmal sehr spannend. Altes Handwerk verbindet sich da mit neuster Technologie. Am Nachmittag haben wir uns noch etwas ausgeruht. Ich musste noch meine Rede vorbereiten für die Buchvernissage von David Bürkler. Um 16 Uhr war ich im Museum, um die letzten Vorbereitungen zu organisieren. Caroline von Gunten traf mit dem Piaggo von visarte Schweiz kurz nach 16 Uhr ein. Ich hatte etwas Bedenken, denn in St.Gallen stürmte und regnete es unwahrscheinlich stark. Trotz dem Gewitter und dem EM Fussballspiel kamen unheimlich viele Menschen an die Buchpremiere. Ich glaube es waren rund 150 Besucher da. Die Stimmung war grossartig. Nach Roland Wäspe hielt Corinne Schatz eine suveräne Rede zum Leben und zum Werk von David. Das Duo Bruder - Hertz spielte Ungarische Musik und ich konnte noch einen Werbespot für das 150 Jahr Jubiläum von visarte Schweiz platzieren. Ich las dann zum Gedenken an David Bürkler mein Nachwort, das ich für das Buch geschrieben habe. das war einmal mehr eine wunderbar gelungene Buchpremiere. Die Freude über dieses Buch liess viele Freunde von David strahlen und animierte sie zum erzählen von eigenen Geschichten, die sie mit dem Künstler erlebten. Ein toller Abend mit einem anschliessenden Essen im Toscana im kleinen Kreis. Wunderbar - haben wir gut gemacht!

24. Juni: Am späten Vormittag bin ich ins Atelier gefahren, um die frisch gedruckten Bücher entgegen zu nehmen. Das ist immer ein so aufregender Moment, wenn man die Plastikfolie vom ersten Buch wegreissen und mit grosser Aufregung im neuen Werk blättern kann. Ich hatte das Gefühl, David Bürkler sitze mir im Nacken und sein kühler Hauch streife mich. Ich glaube er war sehr zufrieden mit dem Resultat. Der ganze Atelierraum strahlte wie selten in einem mysteriösen Glanz. 

Kurz vor fünf Uhr sind wir losgefahren nach Vaduz. Die BBKL feierte das zehn jährige Bestehen. Der Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler hat sich letztes Jahr der visarte Schweiz angeschlossen. Ich war gefordert, ein Grusswort von unserem Verband an Liechtenstein zu richten. Das Ganze fand im Ausstellungsraum im Engländerbau statt. Vor mir sprach die Kulturministerin Frau Frick und nach mir Johann Fichtner, der Präsident von visarte Liechtenstein. Ein kleines Konzert rundete die sehr sympatische Feier ab. Monika und ich konnten nicht sehr lange bleiben, denn wir waren eingeladen zur Eröffnung vom Erweiterungsbau des Bündner Kunstmuseums. Auch um 20 Uhr waren noch sehr viel Künstlerinnen und Künstler, Galeristen, Sammler, Kuratorinnen und Kunstinteressierte da. Der Neubau ist toll. Für mich hat das Bündnerland nun eines der schönsten Kunstmuseen der Schweiz. Der Abend war sehr lustig. Wir sind mit einer grossen Festgruppe noch durch die Altstatt gezogen und trafen viele Kunstfreunde, aus dem In- und Ausland. Zum Glück hatten wir ein Hotelzimmer reserviert. Wegen den extremen Regenfällenin der Nacht waren viele Strassen gesperrt und alle Zugreisenden nach Zürich und Basel mussten umgeleitet werden durch das St.Galler Rheintal. Ich habe gehört, dass im Speisewagen nach Mitternacht eine ganz gute Stimmung herrschte.

23. Juni: Heute hatte ich einen ziemlich struben Tag. Viele Telefonate, Vorbereitungen, organisatorisches für die Buchpremiere. Ich wartete ganz angespannt auf das erlösende Telefon von der Spedition. Am frühen Nachmittag war es soweit. Die Bücher von David werden am Freitag gegen Mittag geliefert. Nun kann ich wider durchatmen.

Am Abend war ich im NEXTEX von visarte.ost verabredet. Stefan Rohner machte verschiedene Skype Schaltungen ins Tessin, nach Bern und nach Paris, um mit vielen Kolleginnen und Kollegen auf das 150 Jahr Jubiläum von visarte.ch anzustossen. Der Anlass war sehr lustig. 

22. Juni: Seit zehn Tagen bin ich damit beschäftigt, die Vorbestellungen des neuen Buches über David Bürkler zu organisieren. Ich bin immer sehr nervös und hoffe, dass nichts schief geht mit dem Büchertransport. Heute müsste ich dringend zwei Ansprachen vorbereiten. Das Leben lenkt mich aber immer wieder ab. (Das kann auch ganz schön sein) jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Reden schreiben ist angesagt.

20. Juni: Heute musste ich in aller Eile eine Fotografin finden, die meine neuen kleinen Bilder fotografieren kann. Anna - Tina Eberhard hatte zum Glück kurzfristig Zeit, bevor die Bilder transportiert wurden. Am späten Nachmittag hat der Architekt Bruno Bossard alle Pläne von unserem Anbau, den wir vor neun Jahren realisiert haben, vorbei gebracht. Eine gute Möglichkeit, um zu reflektieren, was der damalige Entscheid alles ausgelöst hat. Die Veränderung des Gartens, der Atelieranbau und die grosse Feuerstelle unter dem Atelier haben uns sehr viel Lebensqualität gegeben. Die verschiedenen Lebensabschnitte scheinen mir aber immer schneller vorbei zu gehen. 

Am Abend waren wir eingeladen zur dritten Vernissage mit der Bob Ross Serie. Das war einmal mehr sehr lustig. Die Präsentation fand in den Räumen der Denkmalpflege in der Hauptpost statt. Fredi Altherr hat eine grossartige Eröffnungsrede zu den drei Wasserfällen am Berg gehalten. Die Malerinnen Menga Frei, Carol Forster und Brigitte Kemmann haben ihr Bestes gegeben. 

19. Juni: Trotz dem Dauerregen haben wir einen ausgiebigen Spaziergang durch den Guggeienwald gemacht. das Wetter schlägt langsam auf das Gemüt. Zum Glück gibt es noch die Fussball Europa Meisterschaft. 

18. Juni: Am Nachmittag sind wir mit dem Zug nach Wipkingen gefahren. Wir wurden von einem jungen Paar excellent bekocht. Das war ein ein sehr anregender und schöner Abend.

17. Juni: Am Morgen war ich für eine visarte Festsitzung bei der Alltag Agentur. Die Struktur der geplanten 150 Jahr Feier wird immer klarer. Am Abend haben wir die Vernissage im Historischen Museum besucht. Daniel Studer hat eine grosse Ausstellung konzipiert zum Thema: "Faszination Farbholzschnitt". Ausgehend vom japanisierenden Farbholzschnitt als Kunstform des Jugendstils zeigt er die Holzschnitte der St.Gallerin Martha Cunz und von Ihren berühmten Zeitgenossen. Die 1876 geborene Künstlerin studierte in Dachau, München und Paris und zog dann wegen dem 1. Weltkrieg wieder nach St.Gallen. Eine sehr schön gestaltete thematische Ausstellung. 

16. Die Podiumsdiskussion zum Thema Künstlergruppe Winterthur - wie weiter ist sehr interessant verlaufen. Die Frage nach Solidarität unter Kunstschaffenden ist ein spannendes Thema. Das Engagement in einer Künstlergruppe kann regional sehr viel bewirken und ist sehr wichtig für junge Künstlerinnen und Künstler, damit sie wahrgenommen werden und damit sie durch Ausstellungen erste Erfahrungen im Kunstbetrieb machen können. In der Landesweiten Bildungs- und Kulturpolitik ist es aber wichtig, dass ein starker Berufsverband die Anliegen der visuell arbeitenden Künstlerinnen und Künstler vertritt. 

Nach der Veranstaltung ist mir bewusst geworden, wie stark sich die in der Schweiz die städtischen Räume verändern und verengen. Alles was etwas schief da steht wird plattgewalzt, saniert oder überbaut. Ganze Quartiere werden "optimiert". Das heisst, dass in den Schweizer Städten immer weniger Freiräume für günstige Ateliers und Wohnraum zur Verfügung stehen wird. Das Sulzer Areal hat sich in den letzten zehn Jahren sehr stark verändert. Nicht nur zum Guten. 

15. Juni: Heute Morgen hatten wir ein gemeinsames Frühstück mit Vera. Die gestrige Nacht wurde ziemlich lang. Es gibt immer so viel zu bereden wenn Vera da ist. Monika und Vera haben beide miserabel geschlafen. Am Mondstand kann es nicht liegen. Die vielen offenen Themen wirbelten wahrscheinlich zu stark in den Köpfen herum. Vera musste dann nach Winterthur für die Eröffnung der Jubiläumsausstellung und ich hatte am Abend einen sehr angenehmen Atelierbesuch. 

14. Juni: Heute erwarten wir Vera. Ich freue mich sehr. Als Vera eintraf waren wir noch mit dem Verpacken der Einladungskarten für die Buchpremiere von David Bürkler beschäftigt, die im Kunstmuseum St.Gallen am 25. Juni stattfindet. Es gibt immer so viel zu bereden. Vera ist in die Schweiz gekommen, weil sie beteiligt ist an der Jubiläumsausstellung der Künstlergruppe Winterthur, die morgen Abend im Sulzerareal  eröffnet wird. Ich bin am Donnerstag als visarte Präsident zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, dann kann ich mir alles anschauen. Die Diskussion soll Wege aufzeigen, wie es mit der Künstlergruppe weitergehen könnte. Seit der Gründung sind 100 Jahre vergangen. Die Zeiten haben sich stark verändert. Ich bin gespannt. 

Am Abend haben mir Vera und Monika geholfen den Versand für die Buchpremiere von David vorzubereiten. Alleine bin ich jeweils stundenlang am Karten einstecken.

13. Juni: Heute hat Roland Stieger die gefalteten und geschnittenen Druckbogen vom David Bürkler Buch vorbei gebracht. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf die fertigen Bücher, die nächste Woche geliefert werden sollten.

12. Juni: Wir haben lange ausgeschlafen und sind am Nachmittag ins Atelier gefahren, um meine Holzdrucke zu ordnen und um ein reserviertes Blatt heraus zu suchen. Die Drucke sind so gross, dass ich das nicht alleine bewältigen kann. Eigentlich wollten wir dann noch einen Spaziergang machen. Es goss aber in Strömen. Wir haben uns dann entschlossen, die Ausstellung an der Haggenstrasse anzuschauen. 90 Künstlerinnen und Künstler nutzen zur Zeit ein leerstehendes Bürogebäude von der Stadt als Atelier und Ausstellungsraum. Das ist ein starkes Zeichen für die Notwendigkeit von Freiräumen in der Kreativwirtschaft. Es wäre sehr schön, wenn das Experiment möglichst lange dauern könnte. 

11. Juni: Am Nachmittag besuchten wir die Ausstellung von David Bürkler in der Galerie Bleisch in Arbon. Eine beeindruckende Präsentation. Ich freue mich auf das Buch. Am Abend sind wir zu einem Fest nach Trogen gefahren. Ich kannte das Seminarhotel Lindenbühl gar nicht. Die haben gute Räume, gutes Essen und eine sehr angenehme Atmosphäre. Das war ein wunderbares Geburtstagsfest zum Fünfzigsten von Andrea Hornstein. 

10. Juni: Monika hat wunderbar gekocht für eine angenehme Runde von Freunden. 

9. Juni: Heute um 11 Uhr hat mich Jonny Müller abgeholt für eine kiwanis Veranstaltung in Rorschach. Er lädt regelmässig "ungenormte"  Gesprächspartner aus ganz verschiedenen Bereichen ein. Mich hat er nach dem Mittagessen interviewt zu meiner Arbeit als Künstler, als Verleger und als Präsident von visarte.schweiz. Das Publikum war sehr interessiert und die ganze Veranstaltung war sehr anregend. Anschliessend habe ich bei Jonny einen Atelierbesuch gemacht. Wir kennen uns seit 1972. Ich war damals als 17 jähriger an einer Gruppenausstellung in der Galerie Spigar in Widnau beteiligt. Das war für mich ein grosses Erlebnis. Als  Fan von Pablo Picasso wollte ich unbedingt in der Kunstwelt Fuss fassen. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was das wirklich bedeutet. Ich war Fan von Pablo Picasso und nannte mich seit dem 14. Lebensjahr Josef Felix, geschrieben Josefelix. Das klang für mich schon recht schön Spanisch. Die Richtung war somit vorgespurt. 

7. Juni: Die letzten zwei Tage waren angenehm ruhig. Ich hatte endlich Zeit vieles aufzuarbeiten. Recherchen im Atelier, Klärung von vielen Anfragen und die Organisation der nächsten, anstehenden Projekte. Zur Zeit plane ich zusammen mit dem Kunstverein St.Gallen und der visarte.ost die Buchpremiere von David Bürkler, die am Samstag 25. Juni um 17 Uhr im Kunstmuseum St.Gallen stattfindet. Dazu kommt all das Alltägliche, das auch organisiert sein will. Jetzt wird zum Beispiel gerade das Heizöl für das kommende Jahr geliefert. Dabei fällt mir ein, dass ich die Heizkostenabrechnung für uns und die Nachbarn machen muss. Nach einer guten Stunde Büro Aufwand habe ich die wunderbare Aufstellung der Kosten versehentlich auf dem PC gelöscht. Also musste ich wieder von vorne anfangen. Dabei habe ich gelernt: Wenn man zweimal das Gleiche hintereinander macht geht es wesentlich schneller.

Gegen Abend haben wir einen wunderschönen Spaziergang durch den Wald in Guggeien, dem rechten Waldrand entlang gemacht. Ich habe diesen Wald, vor allem das Unterholz  noch nie in so einem explodierendem Grün erlebt. Die Abendsonne hat den Wald vor uns in ein dramatisches, mystisches  Licht gesetzt. Die Baumstämme standen sonnenbestrahlt, rotbraun und körperhaft im dunkeln Raum des nahenden Gewitters.

5. Juni: Ein schönes Frühstück, mit Sicht über die Schaffhauser Landschaft, die von der Wohnung von Conny und Cefi aus wirkt wie eine Toskanische Landschaft mit einer sensationellen Weitsicht, mit Bäumen, Hügeln und Rebbergen. Cefi und ich konnten uns dann bei einer neuen Jass - Runde fulminant revanchieren für unsere Niederlage am Vorabend. Am frühen Nachmittag sind wir losgefahren und haben uns entschlossen, in Rorschach noch die Ausstellung von einigen Freundinnen im Kornhaus anzuschauen. Das hat sich gelohnt. Bei einem Spaziergang durch Rorschach ist uns aufgefallen, wie viele heruntergekommene und wie viele wirklich schöne historische Gebäude diese kleine Stadt zu bieten hat. Hier scheint viel Phantasie und Spekulation im Spiel zu sein. 

5. Juni: Das Wochenende in Schaffhausen war sehr angenehm. Wir haben wunderbar gegessen. Im Moment ist Ottolenghi angesagt. Grossartig! Beim anschliessenden Jass musste ich einmal mehr unten durch. 

4. Juni: Nach zwei ruhigen Tagen hatten wir gestern ein kleines Familienfest bei uns zu Hause. Monika hat ein aufsteigendes "Antipasti - Gedicht" für die zwölf Gäste kreiert. Das war wunderbar. Heute um elf Uhr beginnt die Vernissage bei Christian Röllin und am Nachmittag fahren wir zu unseren Freunden nach Schaffhausen. 

1. Juni: Für heute waren gleich zwei Büchertransporte angesagt. Die Restauflage des neuen Buches ROM, von Erica Engeler und Karl A. Fürer und das neue Buch von einer jungen Luzerner Künstlerin. Anstatt wie vereinbart um 13 Uhr kam der erste Lastwagen schon um zehn Uhr.  Wann immer sie kommen, Bücher machen einfach Freude.

31. Mai: Ruth hat Geburtstag. Am Abend werden wir zu viert eine kleine Bratwurst Grillparty an unserer Feuerstelle veranstalten. 

30. Mai: Am Nachmittag war ich beschäftigt mit dem Ausstellungsaufbau bei Christian Röllin. Monika hat auch mitgeholfen. Ich war ziemlich nervös. Nun bin ich aber sehr zufrieden. Die Auswahl der Werke ist nun stimmig für mich und in der Kombination mit den Arbeiten von Marien Schouten fühle ich mich sehr wohl.

28. Mai: Am Morgen um acht Uhr bin ich im Hotel aufgewacht, habe vor mich hin geträumt, alle Unterlagen für die DV noch einmal durchgelesen und um 9 Uhr habe ich gefrühstückt. Um diese Zeit hat es noch stark geregnet. Alle visarte Vorstandsmitglieder waren um Regenschirme bemüht. Wir sind dann zu Fuss zum Neubad spaziert. Das ist ein eindrücklicher Kulturort mit sehr engagierten und motivierten jungen Menschen. Wir warteten noch auf einige Delegierte. Mit rund fünfzehn Minuten Verspätung eröffnete ich dann die Delegiertenversammlung. Es ist alles sehr gut gegangen. Das einzige umstrittene Traktandum war die Aufnahme von freien Kuratorinnen und Kuratoren. Nach einer gelungenen, fünfzehn minütigen Auszeit mit einer Mediation durch Natalia Schmuki, unserer Juristin, konnten sich die Delegierten auf eine gemeinsame Wortwahl für die Aufnahmekriterien einigen. Die Versammlung hat dann mit grosser Mehrheit den Antrag des Zentralvorstandes angenommen. Nun können engagierte, freie Kuratorinnen und Kuratoren vollwertige Mitglieder von visarte werden. Ich freue mich sehr darüber. Am Nachmittag informierten wir über die verschiedenen Jubiläumsaktivitäten und das grosse Fest vom 19. November an der HSLU in Emmenbrücke.

Wir konnten auch die neue Ausgabe der ältesten Kunst Zeitschrift von Europa, die "Schweizer Kunst" vorstellen, die sich hauptsächlich der vielschichtigen Vergangenheit von visarte auseinandersetzt. 150 Jahre sind wirklich eine lange Zeit. Wenn man aber die Fragen und Problemstellungen der Künstler von damals mit heute vergleicht, gibt es doch viele Fragen und Probleme, die auch heute noch aktuell sind. Ferdinand Hodler und seine Mitstreiter bei der damaligen GSMBA haben schon 1910 erkannt, dass es ein Folgerecht für die Kunst braucht. 2016 meint der Bundesrat, dass man ruhig zuwarten kann, bis Amerika genügend Druck macht... Wie das dann raus kommt kennen wir doch von den Banken. 

27. Mai: Am Morgen habe ich alle Unterlagen zusammengepackt für die Delegiertenversammlung in Luzern. Ich hatte eine richtig schöne Zugfahrt, bin dann gleich ins Hotel spaziert um meine Sachen abzugeben, dann war noch Zeit für einen kleinen Salat und um 13.30 Uhr begann unsere Vorbereitungssitzung im Hotel Schlüssel mit dem Zentralvorstand. 

Anschliessend trafen sich alle Delegierten beim Bahnhof. Marija Bucher, die Präsidentin von visarte.zentalschweiz  begrüsste uns und dann wurden wir in zwei Gruppen durch die Stadt geführt. Es war sehr speziell. Ich bin oft in Luzern aber ich habe mich noch nie als Tourist in dieser Stadt bewegt. Sobald man sich in die Rolle eines Touristen begibt, wirkt die Stadt plötzlich viel kleiner, herausgeputzter und kitschiger. Eine Stadt für die Selfiesammler. Der einsetzende Platzregen versetzte uns dann wieder in die Realität der Schweizer Wasserstadt. Simon Kindle führte uns dann zu seinem grossen Gemeinschaftsatelier hinter den Bahngleisen. Es gab Apéro und anschliessend kochten wir zusammen mit einem sehr guten Koch unser Nachtessen. Das war alles sehr anregend. Später wurde getanzt und diskutiert und getrunken. Ich hatte eine ziemlich wilde Tanzlust. Kein Wunder nach den vielen Aufregungen in den letzten Tagen bei dieser Musik. Der Abend hat meine Nerven sehr beruhigt und ich habe tief und fest geschlafen.

26. Mai: Monika hat schon sehr früh angefangen focaccia Brot zu backen für die Buchvernissage am Abend. Wir mussten noch einiges organisieren und alle notwendigen Sachen im Raum für Literatur vorbeibringen. das ist im Moment etwas mühsam, weil das ganze Bahnhofareal umgebaut wird.

Alles hat geklappt. um 18.30 Uhr waren rund achtzig Leute da. Die Stimmung war grossartig dank dem wunderbaren Gesang von Roland Stieger und dem super Gittaristen Rolf Büchel, den ich noch aus meiner Zeit aus Oberriet kenne. das Buch Rom von Erica Engeler und Karl A. Fürer ist sehr gut angekommen. Die ersten 100 Exemplare sind bereits unter den Leuten. das hat richtig grosse Freude gemacht. Nun muss ich warten, bis die restlichen Bücher ausgeliefert werden.

25. Mai: Heute habe ich wunderbare, kräftige Zucchini Setzlinge aus dem Biogarten, die Monika von Silvia aus Italien mitgebracht hat,  im Garten eingepflanzt. Dann hatte ich die Idee, dass ich auch Stangenbohnen pflanzen könnte. nach dem Fällen unserer riesigen Buche haben wir sehr viel mehr Sonne im Garten und etwas Platz für Gemüse. 

24. Mai: Am Morgen früh hatte ich eine Besprechung wegen dem Buch über David Bürkler. Nun ist alleas Material beisammen und das Layout fast perfekt. das erleichtert mich enorm.

In den letzten Wochen habe ich jede freie Minute verwendet für ein kleines Bild, das ich schon lange realisieren wollte. Nun steht es im Raum und ich muss mich zusammenreissen, um mit dem Malen aufzuhören, damit ich es nicht komplett zumale.

Am Nachmittag bin ich mit vielem Umsteigen nach Vaduz gefahren für eine Ausstellungseröffnung im Engländerbau. Von St.Gallen St.Fiden bis Vaduz brauchte ich fast eineinhalb Stunden. Ich besuchte die Ausstellungseröffnung im Engländerbau. Eine Ausstellung von Künstlerinnen aus dem Aargau und aus Liechtenstein. Und anschliessend traf ich mich mit dem Vorstand von visarte.li um einiges für die kommenden Veranstaltungen zu besprechen. Fast punktgenau um 18 Uhr kam Monika zurück aus Italien, damit wir später gemeinsam nach St.Gallen fahren konnten. Ein schönes Wiedersehen inklusive Pizza im besten Haus am Platz. 

23. Mai: Heute hatte ich eine weitere Sitzung zum Folgerecht in Zürich. Der Bundesrat hat eine ziemlich dürftige Antwort zum Postulat von Ständerat Werner Luginbühl abgeliefert. Der Bundesrat sieht keinen Handlungsbedarf, das Folgerecht einzuführen. Es scheint in der Schweiz politisch so zu laufen, dass zuerst ein grosser internationaler Druck da sein muss, bis sich in der Politik etwas tut. 

21. Mai: Um 10 Uhr hat mich Christian Röllin abgeholt für den Bildertransport. Die Ausstellungseröffnung ist schon am Samstag 4. Juni um 11 Uhr. 

Am Nachmittag ist der Baum - Spezialist vorbeigekommen. Er hat unserem Grafensteiner andere Apfelsorten aufgepfropft. Das war sehr eindrücklich. Wenn alles klappt haben wir im nächsten Jahr drei verschiedene Apfelsorten auf einem Baum. 

20. Mai: Unerwartet bin ich heute zu einem Zahnarzttermin aufgeboten worden. Zahnreinigung. Eigentlich mag2 ich das gar nicht. Heute war es aber sehr speziell. Ich empfand meinen Mund plötzlich als riesige, unerforschte und schwer zugängliche Gebirgslandschaft. Beim Reinigen ist dann ein Stück einer alten Füllung weggebrochen. Das fühlte sich wie ein Bergsturz an. Zum Glück hatte Marco Zeit, den malträtierten Kauer gleich wieder zu flicken. Am Nachmittag habe ich Gurken, Kürbis und Zucchini gepflanzt.

18. Mai: Gegen Abend holte ich alle alten, kiemenden Kartoffeln aus dem Keller und pflanzte sie im Garten ein. In drei Monaten gibt es feine Rösti aus eigenen Bio - Kartoffeln.

17. Mai: Am Morgen früh traf ich Paul am Bahnhof. Wir fuhren gemeinsam nach Luzern für mehrere Besprechungen. Wir schauten uns auch die Vorschläge von den Kunststudenten an für unser visarte Fest. Da sind jetzt einige sehr stimmige Ideen entwickelt worden.  

16. Juni: Gemeinsam mit Monika habe ich den "Venusplatz" gemäht, die Feuerstelle aufgeräumt und alles für die Sommerzeit vorbereitet. Am Nachmittag musste ich nach Verbania auf den Zug. Der Zug war verspätet und in Domodossola sind dann zwei Züge zusammengelegt worden. Es war sehr eng bis Brig. Der Anschlusszug in Bern war schon weg und ich bin dann erst um halb elf zu Hause gewesen.

15. Juni: Heute haben wir eine sehr schöne Wanderung gemacht durch den Wald zu einer kleinen Alp. Am Abend habe ich sehr viele Pflanzensamen gesät an einem Hang. Gewürze, Getreide, Kräuter, Blumen usw. Ich bin gespannt was alles gedeihen wird.

14. Mai: Heute habe ich den ganzen Tag im Wald gearbeitet. An Ostern hatte ich sehr viele Bäume gefällt und die Zeit reichte dann nicht mehr um alles zu sägen und aufzuräumen. Da kommen immer Tonnen  an Holz zusammen.

13. Mai: Am Morgen musste ich noch viele Sachen erledigen und meine Sachen packen. Am Mittag sind wir bei strömendem Regen losgefahren Richtung Italien. Nach dem Bernardino Pass wurde es schön warm. Erstaundlicher Weise hatten wir total freie Fahrt. Null Stau und das vor Pfingsten. In Agrano wurden wir herzlich empfangen von Wicki und von Silvia. Als Erstes habe ich  den Ofen eingeheizt, damit es in unserem kleinen Steinhaus richtig gemütlich wird. dann habe ich meinen kleinen, aber nun doch schon zwei Meter hohen Mammutbaum "Felice" besucht. Er gedeiht prächtig. Um 20.00 Uhr sind wir zum Circolo ins Dorf gefahren. Die kochen ausgezeichnet und das Essen ist sehr günstig.

12. Mai: Am Morgen traf ich Paul Gruber von der Alltag Agentur. Wir mussten die Sitzung vom kommenden Dienstag in Luzern vorbereiten. Paul ist zusatändig für die Planung des 150 Jahr Festes von visarte an der HSLU. Am Mittag habe ich einen Kopiensatz vom Bürklerbuch bekommen. Nun geht es an die Korrekturen und an die Feinarbeit. Am Abend fuhr ich nach Zürich. Im Helmhaus wurden die prämierten Bücher im Wettbewerb "Die schönsten Schweizer Bücher 2015" gezeigt. Der Vexer Verlag wurde ausgezeichnet für das Lilly Keller Buch von Fredi Lerch. Es war ein schöner Abend. Lilly ist auch angereist. Es waren enorm viele Ausstellungsbesucher da. Ich konnte viele Gespräche führen. 

11. Mai: Am Nachmittag habe ich mit Christian Röllin eine Bilderauswahl getroffen für die Sommerausstellung.

10. Mai: Heute Morgen sind Daniela Fetz und Roland Stieger von TGG bei mir vorbeigekommen mit dem ersten Teil des Layouts vom David Bürkler Buch. Das gibt noch viel zu tun aber ich bin sehr zuversichtlich und ich freue mich auf das Gut zum Druck. Die letzten zwei Tage waren etwas schwierig. Mein PC musste neu abgesichert werden. Ein Sicherheitssystem hat meine Daten in den letzten Jahren andauernd multipliziert und abgespeichert. Nun habe ich mich mit dem Lesen von Karl Owe Knausgard bei Laune gehalten. Sterben, Lieben, Leben.... das ist auch harte Arbeit.

Um 17 Uhr habe ich bei Christian Röllin vorbei geschaut. Da wird alles neu geregelt mit Wohnen, Präsentieren von Kunst usw. Ich muss mir genau überlegen, was ich in meiner Ausstellung zeigen kann. Auf dem Nachhauseweg traf ich zufällig noch COM & COM im Gartenrestaurant von der Tonhalle. Zwei aufgekratzte Burschen...

9. Mai: Am Morgen früh wurden meine Füsse therapiert. Ich hoffe, meinen "Morbus Ledderhosen"  mit Massagen und Dehnungsübungen beizukommen. Eventuell hilft ja auch etwas Volksmusik oder regelmässige besuche in München. Na ja.  Am Nachmittag kam ich an den rand der Verzweiflung. Ich versuchte einmal mehr über das Internet eine Massensendung bei der PTT zu organisieren. 

8. Mai: Heute mussten wir wieder einmal sehr früh aufstehen. Wir fuhren mit dem Auto nach Sachseln. Im Museum Bruder Klaus feierten wir die Buchpremiere vom "Herbarium der Sehnsucht" von Maria Josefa Lichtsteiner und die Eröffnung von ihrem  speziell angelegten Garten. Wir haben viele alte Bekannte getroffen, die speziell aus allen Ecken der Schweiz angereist waren. Ein wunderbar warmer Frühlingstag mit vielen Familien. ich hatte eine kleine Vernissage Rede vorbereitet zum Thema Sehnsucht. Wir hatten viele sehr schöne Begegnungen und sind dann Richtung Rapperswil gefahren. Auf dem Ricken machten wir Pause und gönnten uns einen Cup Romanoff zum Muttertag. Wir wählten diese Route, weil wir anschliessend in der Gemeinde Bühler leer stehende Räume ansehen wollten. Unter Anderem kann man die alte Post mieten. Ein selten hässliches Gebäude direkt beim Bahnhof.

7. Mai: Gegen Mittag hat mich Hans Jörg zum bahnhof gefahren und ich genoss die Rückreise im Zug. Ich habe in St.Gallen meine Reisetasche nach Hause gebracht und dann sind wir gleich wieder nach Winterthur gefahren. In der Villa Flora  wollten wir Vera treffen. Sie ist an einer Ausstellung der Künstlergruppe Winterthur beteiligt. Das ist ein sehr schöner Ort mit einer alten Villa und einem imposanten Park. Normalerweise werden in der Villa ausgewählte Malereien der Sammlung Hanloser präsentiert. Bonnar, Van Gogh, Valloton etc. Nun ist der Stiftung das Geld ausgegangen und die Sammlung ist auf einer Tournee quer durch Europa. Für die Künstlergruppe ist das eine schöne Möglichkeit, das 100 jährige Bestehen zu feiern. 

6. Mai: Hans Jörg Bachmann hat mich als Gast eingeladen für eine Ausstellung in Biel. "Au Joli Mois de Mai". Das ist eine traditionelle Ausstellungsreihe von visarte Biel. Jeden Abend gibt es zwei Eröffnungen. Ich bin früh losgefahren und am Nachmittag haben wir die Ausstellung eingerichtet. Der Abend war wirklich toll. Ein richtiger Volksauflauf. 

5. Mai: Ich wusste gar nicht, dass heute ein Feiertag ist. Ich habe einen Termin mit Christian Röllin vereinbart. Er möchte einige von meinen Bildern ausstellen. Mal sehen wie das kommt. Am Abend waren wir eingeladen bei Ning und Nock. Wir sind gegen Abend bei schönstem Wetter fast zwei Stunden über die Felder und durch den Wald gewandert bis nach Berg. Dann wurden wir verwöhnt mit einem wunderbaren Thai Essen. 

4. Mai: Heute fand das Begräbnis von Theres in Widnau statt. Eine Lieblingstante von Monika. das war ein sehr spezielles Familientreffen.

3. Mai: Heute Mittag kommt Vera aus Berlin. Ich freue mich. 

Am Abend haben wir uns dann den ersten Spielfilm von Res Balzli im Kinok angeschaut. Nachher haben wir beim Griechen in der Taverna El Greco  am Spiesertor gegessen. Esther hatte grosse Freude Vera wieder einmal zu sehen. Wir waren ja einmal Nachbarn im Bleicheli in den 80er Jahren.   

1. Mai: Wir haben im Hirschen in Wald übernachtet. Beim Frühstückstisch stand natürlich der Ausgang vom gestrigen Jasstournier im Mittelpunkt. An diesem Morgen war es wieder kalt und es regnete. Ich wollte am Mittag wieder in St.Gallen sein. Eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern hatte ein Treffen bei Elisabeth Nembrini in Berg vereinbart. Elisabeth ist leider krank geworden. Das alternativ Programm fand dann in der Stadt St.Gallen statt. Um 14 Uhr trafen wir uns in der Ausstellung von Peter Liechti im Kulturraum vom Kanton St.Gallen. Ich machte spontan eine Führung und anschliessend sind wir mit Plakaten durch die Stadt spaziert. Wir wollten am 1. Mai auf die Gründung der GSMB vor 150 Jahren aufmerksam machen. Dann gab es ein wunderbares Essen im NEXTEX.

30. April: Jasstournier im Hirschen in Wald. Nicht schlecht gejasst aber nur auf dem zweitletzten Rang gelandet. Das ist deprimierend. 

28. April: Diego Stampa kam am Mittag ins Atelier. Es gab viel zu diskutieren. Das war ganz spannend. Mal sehen, was alles realisierbar ist. Ich brachte dann noch zwei grosse Taschen gefüllt mit Büchern nach hause und dann hatte ich eine Besprechung bei TGG mit Roland, Daniela und Matthias. Wir konnten sehr viele Details klären und festlegen für das Buch von David Bürkler. Das wird sehr schön. 

27. April: Heute Morgen machte ich einen Bildertransport ins Atelier. 

26. April: Heute hatten wir in Zürich eine sehr lange und ergiebige Sitzung zum Jubiläum 150 Jahre visarte.ch. Am Abend waren Alexi und Andreas zu Gast bei uns. Monika hat wunderbar gekocht und zu diesem "Nachhochzeitsfestessen" kam wieder einmal unsere riesige, handgestickte Tischdecke aus Portugal zum Einsatz. Wir haben das wunderbare Tuch vor einigen Jahren gekauft. Beim Kauf ging ich davon aus, dass die Tischdecke 250 Euro kostet. In der Nacht wachte ich schweissgebadet auf, weil ich bemerkte, dass ich mich im Umrechnungskurs um eine Null geirrt hatte. Ich hatte nämlich 2500 Euro bezahlt. Monika wollte dann die Tischdecke am anderen Morgen zurückbringen. Ich konnte das aber nicht und habe einfach ein um zwanzig Jahre verspätetes Verlobungsgeschenk daraus gemacht an Monika. Das kam ganz gut an.

25. April: Um 17 Uhr habe ich mich verabredet mit visarte ost, um die Aktionen vom 23. und 25. Juni zu besprechen. Am 23. wird im NEXTEX eine Konferenzschaltung organisiert, damit alle interessierten zugeschaltet werden können. Am 25. Juni um 17 Uhr wird der visarte Piaggio nach St.Gallen kommen zur Buchvernissage von David Bürkler. Diese Veranstaltung wird im Kunstmuseum stattfinden. Ich weiss nicht ob alles klappt aber es wäre lustig, wenn man Probefahrten rund um den Gauklerbrunnen vor dem Museum machen könnte.

23. April: In den letzten Wochen habe ich an meinem neuen Bild gearbeitet. Wir mussten ja in deisem Winter unsere riesige Buche im Garten fällen. bevor die Baumfäller angefangen haben, machte ich einige sehr spannende Aufnahmen des Baumes. Nackt und schwarz wirkte die Silhouette des Baumes im kalten, blauen Morgenlicht wie ein riesiger Kadaver. Ich freue mich auf dieses Wochenende wo ich absolut ungestört durchmalen kann.

22. April: Heute Mittag sind die Bücher von Maria Josefa Lichtsteiner geliefert worden. Ich bin total glücklich. Das Buch "Herbarium der Sehnsucht" ist sehr schön geworden. Die Buchpremiere feiern wir am Sonntag 8. Mai im Bruder Klaus Museum in Sachseln. An diesem Tag wird auch der von Maria gestaltete Garten eingeweiht. Am späten Nachmittag habe ich bereits alle Vorbestellungen erledigt und zur Post gebracht.

21. April: Am Morgen in der Früh ist Monika nach Wien geflogen und ich hatte eine sehr lustige Fotosession mit Salvatore Vinci in meinem Atelier. Er musste mich portraitieren für den Artikel, der in der NZZ am Sonntag erscheinen wird. Salvatore hat mir erzählt, dass er letzthin Pipilotti in ihrer Ausstellung fotografieren durfte und  dass er mit Urs Fischer und Olav Breuning die Fotoklasse in Zürich besucht hat. Nun bin ich gespannt auf die Fotos.

18. April: Am Nachmittag traf ich den neuen Besitzer des Atelierhauses an der Haggenstrasse. Das Haus ist verkauft worden und ich lebe mit der Ungewissheit, wie alles weitergeht. Wenn jemand ein gutes Atelier für mich wüsste, wäre mir sehr geholfen. Gross, hell, zentral und günstig.

16. April: Monika und ich haben uns heute entschlossen, die Ausstellung von Pipilotti im Kunsthaus Zürich zu besuchen. Vor dem Kunsthaus haben wir Pipilotti getroffen. Das war eine sehr schöne Begegnung. Die Ausstellung ist sehr wohltuend. Es ist erstaunlich wie alle Menschen, junge und alte in den mit Musik und Licht bespielten Räumen zur Ruhe kommen. Die Besucher werden Teil des Werks als Lichtträger und Projektionsfläche. Man fühlt sich total eingeladen in der grossen Kunstwohnung. Die Ausstellung hat etwas richtig Heilsames.

Am Nachmittag sind wir dann nach Hochdorf gefahren. Ich bin bei der Ausstellung "directe" mit einer Holzschnittserie beteiligt. Der Künstler Alois Hermann betreibt den Kunstraum in Hochdorf. Die Eröffnung war sehr gut besucht und ich konnte viele gute Gespräche führen. Der von Sebastian Utzni und Thierry Perriard gestaltete Katalog ist sehr schön geworden.

15. April: Am Morgen früh kam Roland Stieger bei mir vorbei. Wir haben den ganzen Buchinhalt durchgearbeitet und vor besprochen. Nun können die Vorlagen in die Bildbearbeitung. Dieses Buch wird aufwändig, da sehr viele Fotos nur analog zur Verfügung stehen. Ich bin mich das gar nicht mehr gewohnt.

Am Nachmittag hat mich Gerhard Mack besucht. Wir machten ein langes Gespräch für einen Artikel in der NZZ am Sonntag aus Anlass des 150 jährigen Bestehens vom Berufsverband visuelle Kunst. Am 1. Mai 1866 wurde in Genf  die Vorgängerorganisation von visarte Schweiz gegründet. Die GSMB, Gesellschaft Schweizer Maler und Bildhauer. Später kamen dann auch noch die Architekten dazu, dann wechselte der Name zu GSMBA. Die Gründungsväter waren unter Anderem Gottfried Keller, Rudolf Koller und Frank Buchser. Das Jubiläum werden wir mit sehr vielen Aktivitäten feiern.

14. April: heute hatten wir eine sehr gute und speditive Sitzung vom Zentralvorstand von visarte.

13. April: Am Mittag habe ich Hans Jörg Bachmann in der Stadt getroffen. Er hat mich eingeladen, als sein Gast in Biel auszustellen. Die visarte organisiert jedes Jahr die Ausstellungsreihe "Au Joli Mois de Mai" Da gibt es jeden Abend eine neue Ausstellung. Hans Jörg holte heue meine Arbeiten ab. Ich werde drei bemalte Masken und 14 Sternbilder zeigen. Das passt sehr gut zur Fotoserie, die Hans Jörg in Japan  aufgenommen hat.

Am Abend kam Gret Graf bei uns vorbei, um das geplante  Buch über David anzuschauen.

12. April: Heute habe ich alle Bilder mit meinem Groblayout zu TGG gebracht, damit die Vorlagen kopiert werden können, bevor das ganze Material zur Bildbearbeitung verschickt wird. Ein richtig guter Moment. Während der Wartezeit habe ich einen Atelierbesuch im Riethüsli gemacht. Das war richtig spannend. Arbeiten aus drei Jahrzehnten.  

10. April: Heute hatte ich eine lange Besprechung mit Corinne Schatz. Wir schauten uns den Ablauf vom Bürkler Buch an, besprachen alle Texte und Legenden. Das kommt gut.

9. April: Heute musste ich früh raus. Eine unterhaltsame Zugreise war angesagt ins Tessin. Die Eduard Bick Stiftung tagte in einem kleinen Weiler oberhalb von Intragna. Ich liebe die Strecke über Rotenturm mit dem Voralpen - Express. Der Zug ist um einiges langsamer wie sein Name. Der Tag im Tessin und die Diskussionen waren sehr ergiebig. Eine richtige Retraite.

7. April: Am Morgen früh brachte ich die Originalzeichnungen von Karl A. Fürer noch einmal zu TGG. Die Bilder mussten teilweise noch angepasst werden. Um 10 Uhr hatte ich eine Informationssitzung an der GBS St.Gallen. Im Moment herrscht ein richtiger Preiskampf unter den Anbietern von Ausbildungen an den Höheren Fachklassen. Ich hoffe sehr, dass St.Gallen da mithalten kann nicht unter die Räder kommt. Ohne die Mithilfe der Politik wird das kaum möglich sein. Der Kanton muss einfach mehr Geld in diese Ausbildungen investieren. 

6. April: Um 14 Uhr habe ich Fred Kurer getroffen. Er besuchte zusammen mit David die Primarschule. Er weiss sehr viel zu berichten über den Menschen und den Künstler. Am Abend hatte ich eine Besprechung in meinem Atelier. Eine Gruppe vom Verein Buchstadt St. Gallen möchten einen Bibliothekrundgang durch die Stadt organisieren.

5. April: Heute Abend war ich das erste Mal bei einer Sitzung von swips in Zürich dabei. An der Neptunstrasse 20 ist ein interessantes Verlegerhaus entstanden.

4. April: Um 8 Uhr ist Roland Stieger vorbeigekommen, um den Buchinhalt zu besprechen. Am Abend hatten wir eine Veranstaltung im Zürcher Literaturhaus mit der Gruppe swips. (swiss independend publishers. Unter Anderem wurde das Vexer - Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller besprochen. Die diskutierende Runde hatte es in sich. Alle waren sehr gut vorbereitet und haben spannende Aspekte diskutiert.

3. April: Monika ist gestern ins Bündnerland gefahren und ich habe mich den ganzen Sonntag mit dem Inhalt vom geplanten Buch über David Bürkler auseinandergesetzt. Die Bilderauswahl muss am Montag fertig sein. Sonst wird es eng.

2. April: Ich bin zeitig nach Zürich gefahren. visarte hat eine Informationsveranstaltung zum Thema Vereinsrecht organisiert. Das war sehr anregend und informativ. Die vielen Fragen haben das Konzept von Frau Baviera ziemlich durcheinander gewirbelt. Um die Mittagszeit herum hatte ich die Befürchtung, dass alle anwesenden Vorstandsmitglieder der visarte Sektionen gleich die Kündigung einreichen wegen der ausführlich beschriebenen Verantwortung. Aber bis zum Schluss hat sich das wieder eingerenkt. 

1. April: Ich habe heute weit und breit keinen Aprilscherz gelesen. Wahrscheindlich habe ich es einfach nicht gemerkt. Am Abend haben wir bei TGG das fertige Layout vom Buch Karl A. Fürer und von Erica Engeler durchgesehen. Roland Stieger hat eine Flasche Weisswein geöffnet. Ein richtig schöner Vor - Premierenabend. Monika hat in der Zeit ein wunderbares Essen vorbereitet. Wir verbrachten einen sehr stimmigen Abend mit Petra Ronner und Peter Schweiger. 

31. März: Am Abend wurde im Kulturraum des Kantons St.Gallen die Ausstellung von Peter Liechti eröffnet. Sein letztes, unvollendetes Filmwerk "DEDICATIONS" wird in einer sehr einfachen und klaren Installation von Yves Netzhammer präsentiert. Die Ausstellung regt sehr dazu an, selber nachzudenken, wie man mit einem unvollendeten Werk im Nachlass umgehen kann. Das ist keine einfache Aufgabe. Es war sehr interessant, mit Yves darüber zu reflektieren. Ein sehr spannender Abend.

28. März: Die Tage in Italien waren prächtig. Eine sehr gute Stimmung, gutes Essen, alten Wein etc. Ich habe sehr viel Waldarbeit erledigt. Das hat richtig Spass gemacht. In den letzten Jahren haben wir sehr viele verbuschte Kastanienbäume gefällt und viele unterschiedliche junge Bäume gepflanzt. Es ist wunderschön zu sehen, wie sich der Wald verjüngt und wie er vielfältiger wird. Durch das Auslichten vermehren sich die Föhren, Eschen und Eiben prächtig. Ich konnte in den letzten Jahren mithelfen, ganz unterschiedliche Räume und Plätze in den verschiedenen Waldstücken zu gestalten. Mein kleiner Mammutbaum ist nun auch schon zwei Meter hoch. Ich musste ihn aber mit einer starken Holzverbauung vor den Rehen schützen. Die Rehe hätten sonst meinen "Felice" kahl gefressen.

23. März: Am Morgen hatte ich sehr viel zu erledigen. Texte schreiben für visarte, komplizierte Telefonate, etc. Punkt 11 Uhr war ich so weit. Wir konnten losfahren nach Italien. 

22. März: heute hatte ich wieder eine Monstersitzung bei visarte in Zürich. Folgerecht, Rechnungsrevision, Jubiläumorganisation etc. Am Abend besuchte ich im Palace die Podiumsdiskussion zum Thema Klanghaus im Toggenburg. Die überraschende Ablehnung von diesem Projekt im Kantonsrat ist mehr als ärgerlich. 2,5 Millionen Planungsgelder sind so vernichtet worden und das notabene von der SVP, die immer vom Sparen redet. Eine Volkspartei müsste sich doch mindestens dafür einsetzen, dass das Volk über ein so wichtiges Kulturprojekt abstimmen kann.

20. März: Wir haben uns spontan entschlossen, die Ausstellungseröffnung im Museum Bickel in Walenstadt zu besuchen. Gezeigt wurden die geförderten Künstlerinnen und Künstler des Kantons St.Gallen. Unter Anderem Katja Schenker, Rachel Lumsden, Veronika Brusa, Stefan Rohner, Jiajia Zhang... Ich war noch nie in diesem Museum. Ein schöner Raum, in dem früher Textilien hergestellt wurden. Am Abend haben wir das Konzert von drei Italienerinnen im Stadthaus genossen. Klein aber fein organisiert immer wieder grossartige Konzerte.

19. März: Heute besuchte ich die Hauptversammlung von XYLON Schweiz. Wir trafen uns im OXYD. Das ist ein wirklich schöner Ausstellungsort in Wülflingen. Die Versammlung war sehr angenehm. Es läuft einiges. In den letzten Jahren ist viel passiert. 

18. März: Gestern besuchte ich die Hauptversammlung von visarte.ost. Im Anschluss gab es einen sehr spannenden Vortrag von Heini Gmeiner über Esel. Diese Tiere haben es in sich. Die Esel - Homepage oder besser den Blog muss ich nächstens besuchen. Im Moment bin ich aber seit Tagen damit beschäftigt, alles Material von David Bürkler zu ordnen und für das Buch zusammen zu stellen. Eine riesige Arbeit, die mir aber auch sehr viel Spass macht. Es bietet mir die Möglichkeit die letzten fünfzig Jahre zurück zu verfolgen und mit meiner eigenen Geschichte in eine Relation zu setzten und zu vergleichen. Da sind mir schon sehr viele Geschichten wieder eingefallen.

Am Abend genossen wir das Fest zum 22 jährigen Bestehen von TGG. Wunderbar. Manuel Stahlberger hatte einen sehr gelungenen Auftritt. 

15. März: Monika und ich fuhren am Abend nach Zürich. Madeleine Dreyfus hatte ihre Buchvernissage. Das Buch mit dem Titel "Ein ziemliches jüdisches Leben Säkulare Idenditäten im Spannungsfeld interreligiöser Beziehungen" wurde sehr sympatisch vorgestellt. Mich erinnerte das Thema an die Geschichte meines Vaters. Er durfte in den fünfziger Jahren seine Liebste nicht heiraten, weil sie eine Reformierte war. In melancholischen Momenten erzählte er immer wieder von dieser ersten grossen und unerfüllten Liebe und dem nachfolgenden katholischen Glück durchdie Heirat mit meiner Mutter. Ja wenn es anders gelaufen wäre, würde ich so nicht existieren. Oder eventuell als kleiner, zuspät gekommener Reformer am Zürichsee.

11. März: Am Morgen mussten wir die vorbereiteten Bücherkisten und die Holzdrucke ins Auto packen. Monika fuhr mich zuerst nach Hochdorf. Alois Hermann organisiert in seinem Ausstellungsraum eine Präsentation von sieben Positionen mit aktueller Druckgrafik. Anschliessend fuhren wir nach Luzern, um den Büchertisch in der Kornschütte aufzubauen. Wir fuhren kreuz und quer durch die autofreie Innenstadt. Natürlich mit einer Bewilligung aber unser Tom Tom konnnte die Reuss nicht von einer Strasse unterscheiden. Das war ziemlich nervig. Ich war für drei Tage engagiert mit dem Vexer Verlag für den Büchermarkt am Luzerner Literaturfest. Ich mache das immer sehr gerne und stehe gerne selber an meinem Bücherstand. Es gibt die Möglichkeit für viele Gespräche und Kontakte mit Kunden und befreundeten Verlegern. Ich konnte an den drei Tagen mindestens zehn Sitzungen abhalten. Am Samstagabend sind wir zusammen mit Erika an die Lesungen im Neubad gegangen. Das war ein sehr anstrengender Marathon. Der Moderator Severin Perrig ist ja wunderbar klug und er war bestens vorbereitet aber er und die Lesenden haben ihre Zeit masslos überzogen. Rolf Lappert, Monique Schwitter, Bettina Spoerri und Adolf Muschg sind ja alles wunderbare Autorinnen und Autoren. Oft vergessen aber Schriftsteller, dass das Publikum ihre Bücher mindestens zum Teil selber lesen möchten.  

10. März: Am Abend besuchte ich die Ausstellung von Harivva Jacobson in der galerie vor der Klostermauer. Sie hat bei einem Spiel im NEXTEX eine Gesprächsstunde mit mir gewonnen. Das Treffen war sehrnett und anregend. Um 19 Uhr bin ich dann an die Eröffnung der Zeichnungsausstellung im NEXTEX gegangen. Lika Nüssli hat eine sehr schöne Ausstellung eingerichtet. Vanja Hutter hat eine wunderbare Arbeit mit Briefen beigesteuert.

9. März: Am Morgen fuhr ich mit Stefan Rohner zum Atelier. Ich machte mit ihm zusammen zwei kurze Videos. Eins für Aura Rosenberg und eins für eine Ausstellungsrekonstruktion in Deutschland. das ging alles sehr zügig. Anschliessend traf ich mich mit Corinne Schatz um alle Schachten mit den Unterlagen von David Bürkler zu durchforsten. Fotos, Zeitungsartikel, Dokumentationen etc. Wir waren den ganzen Tag damit beschäftigt und am Abend waren wir beide fix und fertig.

8. März: Am Morgen früh musste mich Monika zur Körpertherapie fahren. Ich hatte das ganz vergessen. Ich kam knapp aber gerade noch rechtzeitig. Das hat gut getan. meine Beine sind wieder gleich lang, Die Wirbel sitzen und die Rippen sind wieder wunderbar angeordnet. Am Nachmittag brachte mir Adrian Bleisch Material für das geplante Buch über David Bürkler. Langsam verdichtet sich das Konzept. Die Dokumente und Unterlagen sind sehr umfangreich.

7. März: Ein ruhiger Tag. Um 17 Uhr wurde ich abgeholt von Mark Besselaar. Er wollte meine Bibliothek besichtigen. Der Verein Buchstadt St.Gallen plant einen Rundgang in der Stadt von Bibliothek zu Bibliothek.  

6. März: Sonntag. Alles ganz ruhig, abwartend, reflektierend und müde. Ich konnte mich dann durchsetzen für einen gemeinsamen Spaziergang durch den Neuschnee. Das hat gut getan. Auf dem Weg waren wir Zeugen eines unheimlichen Naturschauspiels. Unter uns auf einem Schneefeld rannte eine grosse Feldmaus kreuz und quer über den Schnee. Aus Distanz sah das eher wie ein schnelles Gleiten oder Fahren aus. Ein Hin und Her, wie ein Batteriebetriebenes, von Aussen gesteuertes Spielzeug. Dann passierte das absolut Unerwartete. Ein grosser Milan kreiste plötzlich ganz still über uns. Er segelte in aller Ruhe über dem Schneefeld, zog eine elegante Kurve und griff sich ganz selbstverständlich die Maus. Kein Laut, kein Gepiepse, keine Flucht, kein Kampf. Die Maus schwebte nun ihrem Schicksal hingegeben über die unberührte und schneebedeckte Landschaft. Ein richtig schöner Sonntag für einen ausgewachsenen Vogel. Etwas benommen wanderten wir dann zum Ende der Welt. Vorbei an einem kunstvoll aufgebauten riesigen Holzstoss, der für den heutigen Abend, dem Funkensonntag vorbereitet worden war. Auf dem Weg trafen wir einige verkaterte Spaziergänger und Spaziergängerinnen mit Kindern und Hunden und am Schluss bewunderten wir die "Zündholzfabrik". Ein sehr kleines, gemauertes Häuschen aus dem vorletzten Jahrhundert mit wenigen Fenstern und einem steilen Dach. Nun ja, nicht nur die Appenzeller auch die Zündhölzer sind klein. Da hat auf engem Raum doch einiges Platz.

5. März: Heute wollte ich eigentlich nach Zürich reisen für die Finissage von Hans Jörg Bachmann in der Galerie Claudia Geiser. Ich habe es aber nicht mehr geschafft. Monika ist schon zeitig nach Appenzell zu Carole Forster gefahren, um für den Abend zu kochen. Ich fuhr dann später mit dem Zug nach Appenzell und schaute mir noch die Ausstellung im Kunstmuseum an. Die Malereien von Théodore Strawinsky sind in der Qualität sehr unterschiedlich und nur aus der Zeit heraus zu verstehen. Am meisten beeindruckt haben mich die enorm frischen und in der Dichte des Ausdrucks verblüffenden Kinderzeichnungen des jungen Théodors. Das Museum ist mit der Raumfolge und den Ausblicken wirklich wunderschön. Besser wie das heutige Wetter in Appenzell. Es schneite sehr stark. Ich bin etwa eine halbe Sunde zur Sonnenhalbstrasse gegangen. Fast vor jedem Einfamilienhaus stand ein Schneepflug. Da wurde Schnee geschaufelt, Wege, Stassen und Garageneinfahrten geräumt wie in einem Wintersportort. Ich ging ungeschützt auf der Strasse und wurde mehrmals komplett verspritzt von den vorbeifahrenden Autos. Ich war klatsch nass und trotz meiner Hilflosigkeit erstaunlich gut gelaunt. Ich freute mich einfach auf das Kommende.

Monika und Carol haben mich dann sehr lieb empfangen. In der Küche hing ein feiner Duft von all den Speisen, die sie in stundenlanger Arbeit gemeinsam vorbereitet hatten. Der Starkoch im Hintergrund war Ottolenghi. Ich selber konnte mich nur durch einfache Hilfsdienste wie abwaschen, Petersilie hacken und Prosecco im Keller holen, nützlich machen. 

Eingeladen waren Roman und Aleksandra Signer und Esther und Albert Oehlen. Das war ein unglaublich lustiger Abend mit einem Tisch voll von wunderbaren Gerichten und umwerfenden Geschichten. Roman war in Hochform. Mit seiner Erzählkunst hätte er auch eine Kariere als Alleinunterhalter einschlagen können. Nun ja die Nacht war kurz und ich lag schlussendlich langgestreckt und seelig träumend im dichten Hochnebel an der Sonnenhalbstrasse.

4. März: Ich liebe die Malertage. Wetter gut, Pinsel geschmeidig, Motiv klar, Resultat gelungen. Das nächste bitte.

Am Abend besuchten wir die Vernissage in der Kunsthalle. Zuerst schauten wir uns aber die Ausstellung bei Paul Hafner an. Er zeigt Bilder des unbekannten jungen Malers Lucas Schneeberger. Ich staune immer wieder, wie unbekümmert und hoffnungsfroh gemalt wird. Licht, Farbe, Schichtungen, wenig sichtbare Motive, aufblitzende, gesteigerte Farbigkeit mit lockerer Hand gemalt. Ja dann mal viel Glück.

In der Kunsthalle zeigt Nora Steiner grosse Malereien. Das schwarze Loch, die schwarzen Löcher, die Blicke in die Tiefen oder in die absolute Leere, die Ränder gebrochen in flirrenden Spektralfarben. Das tut gut.

Zu diesem kosmischen Abflug sind in den hinteren Räumen installative Videoarbeiten von Anna Witt zu sehen. Spannende Arbeiten zu unserer Zeit, der millionenfachen Ungewissheit, von der so viele geflüchtete und auch viele vor Ort verharrende Menschen betroffen sind.Ganz speziell an diesem Abend waren die vielen anwesenden Kinder in der Kunsthalle. Einen solchen bunten Rummelplatz von Kindern, notabene alles Kuratoren- und Künstlerinnen-Nachwuchs habe ich noch nie erlebt. 

3. März: Am Morgen hatte ich schon die erste Terminkollision. H.R. Fricker sollte mir ein Muliple "GLOBALTRUEB" vorbeibringen und gleichzeitig musste ich ins Riethüsli fahren für eine Sitzung bei TGG. Ich konnte das dann zum Glück noch klären. Als ich von der Bushaltestelle Richtung Berneggstrasse spaziert bin ist mir Roland Stieger mit dem Auto entgegen gefahren. Er wiederum wollte zu mir an die Brauerstrasse. Manchmal ist es ja wirklich kompliziert. Es hat dann aber alles geklappt. Wir hatten eine sehr konstruktieve Besprechung. Das Buch von Karl A. Fürer und Erica Engeler ist nun gestalterisch geklärt und genau definiert. Nun können wir den Blindband bestellen. Der samtige, textile Umschlag vom Buch ROM wird Kardinalrot mit weisser Prägeschrift. Das wird eine Freude. Am Abend wollten wir eigentlich nach Bern fahren, für die Eröffnung im Kunstraum der Mobiliar. Von Vera wird eine grosse Arbeit gezeigt. Nun ist Vera leider krank geworden und kann nicht in die Schweiz fliegen. Schade, wir hätten so viel zu besprechen...

1. März: Fahrt nach Luzern. Wir haben für unser Fest 150 Jahre visarte.ch einen Informationsanlass organisiert für die Studierenden der HSLU. Wir möchten gerne, dass die Studierenden Vorschläge für Performances, Aktionen etc für unser Fest ausarbeiten. Das Interesse ist gross und Charles Moser hat eine sehr gute Stimmung gemacht für unser Anliegen.

29. Februar: Ich habe heute alle angestauten E-Mails bearbeitet und darob einen Termin vergessen. Das war peinlich, passiert mir aber zum Glück sehr selten.

28. Februar: Wir haben sehr gut und lange geschlafen. Am Nachmittag waren wir verabredet mit Karin Pott. Sie hat sehr viele Werke und Schriften von Helga Sophia Goetze. Ich kenne die Arbeiten der Künstlerin seit dem Film "Rote Liebe" von Rosa von Praunheim. Die Werksammlung und die Schriften sind grossartig. Wir erlebten einen sehr spannenden Nachmittag mit der quirligen Frau Pott. Sie hat immer mehr Werke hervor gezaubert und viel erzählt über die Künstlerin, die spezielle Biographie und über ihre Zeit in Berlin. Als ich 1991 in Berlin arbeitete habe ich Helga Goetze oft protestierend und provozierend gesehen am Kurfürstendamm.

Nach einem gemütlichen türkischen Nachtessen sind wir zum Flughafen gefahren. Unser Flug hatte eine Stunde Verspätung. Wir sind erst um zwei Uhr Nachts zu Hause angelangt. (Total geschlaucht aber sehr zufrieden)

27. Februar. Wir brauchten viel Schlaf. Unser Frühstück nahmen wir erst um 14 Uhr im Restaurant im Bethanien zu uns. Das war etwas lausig. Die waren total ausverkauft. Na ja. Anschliessend haben wir einige Galerien besucht. Wir waren verabredet mit Luigi Kurmann. Er betreibt nun zusammen mit Daniel Marzona eine Galerie an der Friedrichstrasse 17, gleich gegenüber von der Galerie Meyer Riegger. Um 17 Uhr haben wir einen Freund von Vera besucht. Er ist in die neu gebaute Wohnung beim Kottbussertor eingezogen. Eine wunderbare Stadtwohnung. Auf der Vorderseite das pulsierende Stadtleben und hinten die freie Sicht auf einen ganz ruhigen und grossen Innenhof mit altem Baumbestand. Nachher waren wir beim Türken am Schlesischen Tor und am Abend sind wir zum Prenzlauerberg gefahren, in das kleine Kellertheater "Ausland". Ein spezieller Ort. Michael Bartell hat da eine performative Lesung gemacht. Es war auch eine Art Konzert. Michael ist ein Freund von Vera. Er hat für uns 2014 in Leipzig eine Performance dargeboten zu den sieben Seiten Theorie von Erik Steinbrecher. Ja die Lesung im "Ausland" war stark. Vera plant ein Buch mit Texten von Michael Bartell. Darauf bin ich sehr gespannt und freue mich. 

26. Februar: Wir mussten früh aufstehen. Ich bin immer gerne frühzeitig auf dem Flughafen. Unser Flug nach Berlin war sehr angenehm. Um die Mittagszeit waren wir bereits bei Vera in Kreuzberg. Am Nachmittag halfen wir mit bei den letzten Vorbereitungen für die Buchpräsentation von Wolfram Hahn. Jérémie bereitete wunderbare Cuiches für den Abend vor. Vera hat die Fotografien von Wolfram sehr schön gehängt in den neu eingebauten Räumen vom Vexer Verlag. Ich bewundere die planerische Präzision von Vera und ihr Gespür für die richtigen Proportionen und die Materialität bei Umbauten. Die Räume sind wirklich sehr schön geworden und sie sind auch vielseitig nutzbar für Buchpräsentationen, Ausstellungen und Konzerte. Um 18 Uhr trafen die ersten Gäste ein. Es war sehr schön, viele alte Freunde wieder zu sehen. Das Publikum war sehr durchmischt, interessiert und sehr durstig. Um 19 Uhr eröffneten Vera und ich offiziell das Vexer Büro Berlin. Anschliessend gab es ein eindrückliches Konzert von der Italienischen Musikerin Martha Zapparoli. Sie hat eigens für die Ausstellung der Plastiktüten eine musikalische Interpretation geschaffen. Das war wirklich toll. Der Abend endete für uns in einem Musikclub hinter Bethanien. Das war grossartig. Total schräg aber höchst professionell.  

25. Februar: Am Nachmittag war ich verabredet im Commercio. Nach einer Plauderstunde habe ich den Vorschlag gemacht, gemeinsam die Ausstellung im anzuschauen. In der aktuellen Ausstellung werden florale Textilien gezeigt. Das ist ein wunderbarer Augenschmaus. Immer wenn ich im Textilmuseum bin, werde ich an meine Ausbildung zum Stickereientwerfer erinnert. Das war wirklich eine wunderbare Zeit. Am Abend haben wir die Ausstellung von Karl Führer im Architekturforum angeschaut. Kristin Schmidt und André Gunz haben die Eröffnungsreden gehalten. Das war sehr speziell. André war in den 90er Jahren Kulturbeauftragter der Stadt St.Gallen und Kristin teilt sich nun diese Stelle mit Barbara Affolter. Karl Fürer hat eine sehr starke Ausstellung eingerichtet mit einem sehr schönen Verweis auf seine frühen Arbeiten aus den 70er Jahren. Die grosse Wand ist sehr dicht gehängt mit Werken, die Musik zum Inhalt haben. Diese dichte Hängung erzeugt eine starke orchestralen Klangwelt. 

24. Februar: Am Morgen sind meine Holzdrucke wieder zurück gebracht worden. Ausstellungen gehen immer so schnell zu Ende. Ich konnte die Wartezeit gut nutzen, um die Bücher zu richten, die ich an das Literaturfest in Luzern mitnehme. In der Kornschütte findet vom 11. bis 13. März wieder ein grosser Buchmarkt statt. Ich freue mich darauf. Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Bücher mit Künstlerinnen und Künstlern aus Luzern gemacht. Am Abend sind wir zu Carole Forster nach Appenzell gefahren. Sie feierte ihren 55. Geburtstag. Ich liebe diese Art von Hausfestern. Eine offene Stube, es kommt wer Lust und Zeit hat. Jeder Gast ist eine Überraschung und eine Bereicherung für die Tischgesellschaft. Das war wirklich vom Feinsten. Auf der Rückfahrt hat es extrem geschneit. Monika musste sehr vorsichtig fahren. Auf der Strecke gab es mehrere kleine Unfälle. 

23. Februar: Am Morgen früh hat mich Marcel Zünd abgeholt. Er ist neuer Leiter des Museums in Altstätten. Ich war noch nie an diesem Ort, obwohl ich ja in Oberriet aufgewachsen bin. das Schloss Prestegg ist ein imposantes Gebäude. Der Aufbau einer guten Ausstellung  braucht aber sicher grosse Anstrengungen. Das Museum entstand nach einem Festspiel das zum Gedenken an die Schlacht am Stoss durchgeführt wurde. Der Waffensaal ist daher stark bestückt mit Originaltrommeln, Gewehren, Hellebarden und weiteren mörderischen Waffen. Lustig ist, dass es aber auch billig gemachte Attrappen gibt, die damals für das Spiel hergestellt worden sind. Im Keller steht ein frühes "Ambulanzfahrzeug".  Eine Art Sänfte, in der die Halbtoten sitzend ins Spital oder zum Doktor getragen werden konnten. Ein wunderbares Sammelsurium an mehr oder weniger wertvollen Dingen aus den Bürgerstuben der Region. Ich bin gespannt, was marcel alles erreichen kann um das Museum wieder in Schwung zu bringen. Am Nachmittag hatte ich ein Treffen mit der Agentur Alltag, um das Konzept für das visarte Fest weiter zu entwickeln.

Am Abend trafen wir Jeanne Devos in der Lockremiese. Wir haben uns gemeinsam das Stück "Illusionen" von Iwan Wyrypajew, dem Russischen Schauspieler, Regisseur und Autor angesehen. Das Stück hat mich nicht so gepackt. Es geht um die Illusionen von Ehepaaren, die sich quer durch gemeinsame Freundschaften das Leben lang etwas vormachen und sich gegenseitig betrügen. Ich stehe auf Ehrlichkeit. Der Text scheint mir aus einer anderen Zeit zu stammen. Wer eine Beziehung als zu eng oder gar als Gefängnis empfindet, sollte doch schnellst möglich etwas daran ändern. Ja es war aber doch ein lustiger Abend. Peter Schweiger war zufällig auch da und somit hatten wir eine interessante Runde vor und nach dem ganzen Theater. 

22. Februar: Ich bin mit dem Zug nach Luzern gefahren. Ich traf mich um 12.00 im Storchen mit Maria Josefa Lichtsteiner und ihren beratenden Freunden zu einem kleinen Essen und einer anschliessenden Layout - Schlussbesprechung für das geplante Buch "Herbarium der Sehnsucht" das im Mai erscheint. Im Aktsaal der Schule für Gestaltung an der Rössligasse war das ganze Buch ausgelegt. Ich habe nach diesem Treffen ein sehr gutes Gefühl. Die junge Grafikerin Katja Bruhin ist für die Gestaltung zuständig. Ich freue mich schon, dieses Buch in den Händen halten zu können.

20. Februar: Ab 17 Uhr hatten wir eine unterhaltsamen Jassabend mit Freunden die wir leider viel zu selten sehen, gute Spiele, gute Gespräche und einen wunderbaren Stampf aus Kartoffeln und Süsskartoffeln, einem Mischgemüse und einem sehr feinen Hackbraten nach Art der Hutters. Auf meinem Holzherd geschmort, ich sage dir...

19. Februar: Ich habe den ganzen Tag mit Fotografieren und Malen verbracht. Um 18 Uhr hat mich Elisabeth Nembrini abgeholt für eine Veranstaltung vom Lehrgang HF Bildende Kunst. Im Schulhaus Bild trafen sich rund 25 interessierte Künstler - innen und Menschen aus dem Kulturbetrieb, die bereit wären, in Zukunft Praktikanten aus dem Lehrgang zu betreuen. Der Anlass war sehr lebendig und inspirierend. Alex Messzner hat das sehr gut vorbereitet. Nun ist einfach zu hoffen, dass sich genügend Studierende für den neuen Lehrgang anmelden bei der GBS in St. Gallen.

18. Februar: Am Abend fuhr mich Monika mit dem gesamten Vexer Verlagsprogramm nach Zürich zur "Kassette," dem Raum für Projekte, gleich um die Ecke beim Kunsthaus, an der Wolfbachstrasse. Michael Guggenheimer und Regula Ehrliholzer haben mich eingeladen, den Verlag zu präsentieren. Die Räume sind sehr angenehm und beherbergten früher den Pendo Verlag. Ich habe mich sehr schnell wohl gefühlt. Nach einer kurzen Besprechung haben wir die Bücher ausgelegt und tranken dann in einer Bar ein Glas Weisswein zur Auflockerung. Vor solchen Auftritten bin ich immer ein bisschen angespannt. Ich hatte keine Ahnung wie viele Leute dass kommen würden. Viele hatten sich abgemeldet wegen den Sportferien. Es waren dann über zwanzig sehr interessierte Bücherfans anwesend und die Stimmung war ausserordentlich konzentriert. Es hat richtig Freude gemacht vor diesem Publikum zu referieren. Die dreissig Jahre Verlagsarbeit haben wirklich viele Geschichten hervorgebracht. Nach all den Gesprächen und Begegnungen sind wir zurückgefahren und gönnten uns dann zu Hause noch einen Schlummerbecher, um den Abend noch einmal zu reflektieren. Solche Abende machen wirklich Freude und sind sehr motivierend mit der Arbeit weiter zu machen.

17. Februar: Am Morgen bin ich mit dem Sanitär beschäftigt. Wir suchen das Leck in der Wasserleitung. Wir haben uns dann schnell entschieden alle alten, rund sechzig Jahre alten Leitungen im Untergeschoss  zu ersetzen.  Ach wie ich doch unvorhergesehene Unterhaltsarbeiten liebe. 

16. Februar: Meine kleine Bilderserie wächst und wächst. Zwischendurch habe ich mich mit einer Wettbewerbsausschreibung beschäftigt. Der Künstler Ronald Kocher möchte den Prix Kocher lancieren. Er möchte etwas tun gegen den Landverschleiss beim Bauen und dafür sucht er gute Ideen. Dieser Wettbewerb wird nächstens ausgeschrieben für alle aktiven visarte Mitglieder. Am Morgen ist der Wasserstand Ableser von der Stadt St.Gallen gekommen. Wir haben festgestellt, dass unser Wasserverbrauch extrem hoch ist. Irgendwo scheint eine Leitung undicht zu sein. Aber wo?

15. Februar: Habe heute den ganzen Tag gemalt, zwischendurch dutzende von  Mails geschrieben, mich verständigt und ausgetauscht und habe viele wunderbare Antworten auf Fragen erhalten. Am Abend bin ich nach Winterthur gefahren für eine XYLON Sitzung. Ich bin so froh, dass wir die neuen drei Zeitschriften mit sehr guten Künstlerinnen und Künstlern machen können. Ich freue mich auch über die spontane Zusage der jungen Künstlerin Gabriela Jolowicz aus Berlin. Das wird eine sehr gute Sache.

14. Februar: Am heutigen Sonntag sind wir spät aufgestanden. Elsbeth, eine von unseren Lieblings -Nachbarinnen hat zum Brunch geladen. Geburtstage sind immer spezielle Ereignisse. Ich staune immer wieder welche Köstlichkeiten in unserem Freundeskreis bei solchen Anlässen aufgetragen werden. Feinste Käse und Tapas, direkt aus Spanien, klassische und neue Küche vom Pfarrer Künzler und Herrn Kneip werden aufgetischt. Heute konnte die Neuentdeckung Ottolenghi getestet werden. Im kulinarischen Bereich geht das viel einfacher wie im persönlichen. Aber es ist immer schön, gute Freundinnen und Freunde zu sehen, von 25 bis 70, viele Überraschungen in Gesprächen und in den Gesten zu sehen und den politischen Meinungen der Gäste zu folgen. Wir alle werden ungewollt und unfreiwillig radikaler in unserem Ausdruck, in der Gestik, in den Haltungen und im schnellen Altern aber oft auch mit grossem Spass.

13. Februar: Heute hatte ich einen Termin zum Haare schneiden. Christian Suter hat einen sehr schönen Laden im Linsenbühl in St.Gallen. Querschnitt heisst sein Salon. Monika und ich waren etwas zu früh und sind herumspaziert im Quartier. Im Basar Bizzar von Anita Sonnabend haben wir Halt gemacht. Wir waren eine Woche zu früh. Die Eröffnung der Ausstellung von Hans Guggenheim, dem Schwiegersohn von Ben Ami findet erst in einer Woche statt. (Eine Frage: wer kennt Ben Ami?) Na ja es ist ein Kommen und Gehen. Wie gesagt ich hatte meinen Friseur Termin. Ich habe das sehr genossen. Im Stuhl hängen und zuhören wie die Welt funktioniert. Das macht einfach Spass. Und wenn man nachher das Gefühl hat etwas jünger aus zu sehen schwebt man dann richtig durch die Gassen. Es war lustig. Monika hat mich abgeholt und wir schauten uns noch ein paar Häuser an. Man weiss ja nie wenn man neue Räume braucht.

Am Abend waren wir dann bei Ursula und Martin in Gais eingeladen. Fasnachtsamstag. daran habe ich gar nicht gedacht. In Gais geht ja richtig die Post ab mit der Kinderfasnacht am Nachmittag (Kinderfasnacht am Nachmittag geht doch eigentlich gar nicht - oder?) Am Abend dürfen nur die Grossen, die Starken und die Schönen. ja und wir waren zum Essen eingeladen zusammen mit drei wirklich lustigen und quicklebendigen Kindern, die mir durch ihr Wesen und ihr eigenwilliges Verhalten vorgelebt haben, dass wir gar nicht so angepasst geboren werden wie das viele gerne hätten. Ursula hat gut gekocht und Martin als ehemaliger Koch vom Sternen durfte wie wir einfach mitessen. Nach so einem Abend muss man ja nicht nur das Essen verdauen. Die Gespräche können oft auch recht schwer aufliegen.  Aber das war ein guter Abend. Danke - Danke!   

12. Februar: Schon seit geraumer Zeit bin ich immer wieder damit beschäftigt, wie wir unser visarte Jubiläumsjahr nutzbringend gestalten können. Dazu gehört das Erarbeiten von Inhalten, Pressekontakte, das organisieren von einem hochkarätigem Patronatskomitee, die Bewerbung von unserem Fest am 19. November in Viscositadt etc. Was mir grosse Freude bereitet sind die vielen positiven Signale, die von ganz unterschiedlichen und von überraschenden Seiten kommen. Wir werden kein DADA, sondern ein fetziges JETZT Fest feiern.

11. Februar: Meine Bilderserie wächst täglich weiter. Am Nachmittag kam dann etwas Stress auf. Wir fuhren nach Zürich um das Theaterstück "La Chemise Lacoste" im Theater an der Winkelwiese anzuschauen. Das Stück von Anne Lepper wird nur noch heute und morgen gespielt. Die Schweizer Erstaufführung ist wirklich stark. das Stück handelt vom erbarmungslosen Kampf der Unterschicht um Anerkennung in unserer "besseren" Gesellschaft. Wir haben letzthin Jeanne Devos zufällig beim Text lernen im Zug getroffen und sie hat uns begeistert von diesem Stück erzählt. Wir wollten Jeanne nach ihrem Prolog aus "Lächerliche Finsterniss" im Stück von Wolfram Lotz natürlich auch als Kay erleben. Die Rolle ist erbarmungslos und fordert der Schauspielerin alles ab. Dieses erbarmungslose Ausgesetztsein bis zum bitteren und brutalen Ende hat mich sehr betroffen gemacht. Ein grossartiger Abend mit Jeanne Devos, Vivianne Mösli, Matthias Roth und Alexander Maria Schmidt. 

10. Februar: Nach dem gestrigen Fest musste ich schon um 6.30 Uhr aufstehen. Die Agentur Alltag hat mich für eine Sitzung um 7.30 Uhr ins Büro bestellt. ich glaube die wollten mir einfach zeigen, was Alltag wirklich heisst. Wir haben die ganze Werbung für das Jubiläumsjahr von visarte.ch besprochen. Es gibt nun eine dreistufige Zündung in Form einer Bildabfolge. Dann haben wir ein 1. Mai Plakat entwickelt. Unsere Vorgängerorganisation GSMB wurde ja am 1. Mai 1866 in Genf gegründet. An vorderster Front waren Gottfried Keller, Frank Buchser, Rudolf Koller und Ernst Stückelberg mit dabei. Die Fragestellungen sind immer noch die gleichen. Vieles konnte in den letzten 150 Jahren erreicht werden aber die Altersvorsorge, das Folgerecht, die breite Anerkennung von Künstlerinnen und Künstlern in der Gesellschaft und die gemeinsame Solidarität sind wichtige Eckpunkte, die immer wieder diskutiert und verhandelt werden müssen.

Am Abend habe ich wieder einmal einen Risotto im Baratella gegessen und dabei über die grossen Zeiten der Erker Galerie nachgedacht. Franz Larese und Jürg Janett sassen hier Nächtelang mit den Geistesgrössen ihrer Zeit aus der Literatur und der Kunst und becherten Literweise Bordeaux. Es ist richtig brutal, dass das alles nicht mehr real existiert. 

9. Februar: Heute war Patrick Graf bei mir im Atelier. Er fragte mich schon im Sommer an, ob er einmal bei mir im Atelier eine Holzskulptur machen könnte. Ich gab Patrick einen Schnellkurs in der Handhabe der Kettensäge. Entstanden ist eine etwa 90 cm hohe, schwarze Skulptur mit einem gekrönten Menschen und einem Vogelkopf. Ich war ziemlich angespannt. Es ist gar nicht einfach zu zu schauen, wenn jemand das erste Mal mit der Motorsäge hantiert. Patrick hat das aber sehr schnell kapiert. Nun steht diese schwarze Figur als Geschenk in meinem Atelier und wacht über meine Werke.

Am Abend hatten wir eine Vernissage bei uns zu Hause. Drei neu entstandene Bilder von Monika, Marina und Annina - nach Bob Ross sind gefeiert worden. Der Wasserfall fliesst munter weiter. Carol Forster hat eine wunderbare Vernissage - Rede gehalten. Dazu gab es Kartoffelsalat und Wienerli. Ich denke Bob hätte seine helle Freude an diesem Kunstkonzept von Vanja.

8. Februar: Ich habe im Moment grosse Lust zum Malen. Im Moment staune ich, wie die DADA Welle in allen Zeitungen, Radio und Fernsehen etc. über die Schweiz schwappt. Die ganze Bewegung wird vermittelt wie wenn dada eine super lustige, avantgardistische, heitere Modeströmung gewesen wäre.  Es war die bitter Not, das blanke Entsetzen vor der Kriese und dem schrecklichen Krieg. dada war Ausdruck des absoluten Nullpunkts.

7. Februar: Ein ruhiger Sonntag mit einem schönen Spaziergang durch Wälder, über Hügel und Wiesen. Am Abend ein wunderbares Fischessen.

5. 6. Februar: Heute fuhr ich früh nach Zürich. Visarte ruft und Felix fährt hin. Eine weitere Sitzung zum Folgerecht. Am Mittag musste ich gleich wieder zurück, denn um 16 Uhr wurden wir abgeholt für das Theaterstück Checkpoint Säntis, das zur Zeit im alten Berghotel auf der Schwägalp gespielt wird. Das war ein wunderbarer Abend. das Stück spielt um und im alten Hotel. das Gebäude ist total verwinkelt, wie das Stück selber auch. Vier Zuschauergruppen werden parallel und spielerisch auf verschlungenen Wegen durch die vielen Treppenhäuser, Installationen, Gänge und Räume geführt. Die Geschichte stellt die immer gleichen Fragen nach Veränderung, Familie, Besitz, Geld und Macht und Politik. Eine starke Leistung von einer hoch motivierten Theater Laien Gruppe. Der Plot wurde direkt in den Proben entwickelt und ist etwas plakativ geraten. Ein unterhaltsamer Abend mit einer Übernachtung im neuen Hotel, mit einem Säntis - Gipfel - Frühstück, vielen Jasspartien und weiteren lustigen Begebenheiten. Mit einem Spaziergang im Toggenburg, Schnorziflade bei uns zu Hause und weiteren Jasspartien bis zum bitteren Ende. Wenn man genug lange Jasst verliert man immer irgendwann. 

4. Februar: heute Morgen hatte ich wieder einmal eine Körpertherapie. Meine linke Schulte plagt mich oft. Die Meditation hat mich richtig schweben lassen in Nebelfetzen der Grundfarben. Ich war aber sehr erstaunt, dass überhaupt keine Bilder aufgetaucht sind. Eine Stunde lang nur farbiger Nebel. Mein Kopf scheint total leer gefegt zu sein. Ich habe dann den ganzen tag gemalt. Irgendwie muss ich ja zu meinen Bildern kommen. Am Abend besuchte ich die aktuelle Ausstellung von einem Flüchtling aus dem Iran in der Galerie an der Klostermauer. Ich konnte so gleich auch die kommende Präsentation vom Vexer Verlag in der Kassette in Zürich besprechen, die Michael Guggenheimer organisiert. Die Präsentation findet statt am Donnerstag, 18. Februar 2016 um 19.30 Uhr. Kassette für Projekte. Wolfbachstrasse 9. 8000 Zürich. Gleich beim Schauspielhaus. 

3. Februar: Heute habe ich die wunderbare Nachricht erhalten, dass das Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller als eines der schönsten Schweizerbücher von 2015 ausgewählt wurde. Ich freue mich sehr auch für die Gestalterin Krispin Hée und den Gestalter Sämi Bänziger und für das Team der DZA in Altenburg, die das Buch produziert haben. In diesem Jahr wurden von 400 Eingaben 18 Bücher ausgezeichnet. Bei diesem Projekt hat einfach alles geklappt. Grossartig.

Am frühen Abend hat mich Monika nach Nendeln begrleitet. In der Kunstschule von Liechtenstein gab es einen Informationsabend über den Berufsverband visuelle Kunst. Die Lichtensteiner Künstlerinnen und Künstler bilden seit Januar 2016 eine eigene Sektion von visarte.schweiz. Der Anlass war sehr gut besucht. ich hielt ein Referat zur Einführung und anschliessend diskutierten wir gemeinsam Fragen zur Kulturpolitik, zu Ankäufen, günstigen Atelies,   

2. Februar: Am Morgen musste ich rechtzeitig im Atelier an der Haggenstrasse sein. Seit unserem Fest 30 Jahre Vexer Verlag ist das Interesse gross an unseren Publikationen. Im Moment ist mein Atelier total aufgeräumt. Ich muss möglichst bald wieder einen Baumstamm bearbeiten. So ganz ohne Späne sieht alles etwas zu cool aus.

1. Februar: Es macht Spass, Bilder immer wieder vom Positiven ins Negative zu treiben. Vom Hell ins Dunkel zu verwandeln oder wenn die Laune gerade danach ist einfach schwarz zu zumalen. Und dann passiert es, dass ein Bild sich wie von selbst malt. Ferdinand Gehr fühlte sich zum Beispiel von Engelsflügeln getragen. Ich empfinde mich und meine Arbeit oft eher vom Elefanten zertrampelt oder von der Springmaus gefressen. Am frühen Abend bin ich nach Winterthur gefahren. Wir hatten eine Redaktionssitzung von XYLON bei Kaspar Toggenburger. Wir sind eine sehr spezielle und heterogene Gruppe aber wir finden uns immer erstaunlich schnell in unseren Entscheidungen. Ich hoffe, dass alle ausgewählten Künstlerinnen und Künstler mitmachen. Ich freue mich auf die neuen drei Nummern. 

30. Januar: Eigentlich wollte ich heute nach Biel fahren zur Ausstellungseröffnung von Clare Goodwin. Monika ist aber krank geworden und dann habe ich mich anders entschieden.Da sagen doch viele immer wieder, wie klein doch die Schweiz sei. Nun habe ich mir aber gerade sechs Stunden Zugfahrt erspart. Die Ausstellung von Clare werde ich mir aber sicher anschauen und ich schaue, dass ich mit meiner eigenen Malerei weiterkomme. 

29. Januar: Die letzten Wochen habe ich wieder mit Malen begonnen. Es ist sehr speziell. Plötzlich überkommt es mich und die Bilder entwickeln sich in ihrem eigenen Rhythmus.  Es gibt auch so Konstellationen wo einfach ohne Mühe sehr spezielle Fotos gelingen. 

28. Wir haben kurz aber gut geschlafen in Genf. Am Morgen mussten wir früh aufstehen Für ein Frühstück hatten wir keine Zeit. Unser Zug fuhr um neun Uhr. Ich musste um 12 Uhr in Zürich sein für eine lange visarte Sitzung. Ja das waren sehr anstrengende aber spannende Tage. Ich konnte schon einige interessante Persönlichkeiten gewinnen für das Patronatskomitee für unser grosses Jubiläum 150 Jahre visarte.schweiz.

27. Januar: Wir besuchten am Morgen den Künstler Nikola Zaric in seinem sehr schön gelegenen Atelier über dem Genfersee. Nikola hat sich eine ganz eigene künstlerische Arbeits- und Lebenswelt geschaffen mit all seinen Fabelwesen. Das ist wirklich eindrücklich und sehr sympatisch. Gegen Mittag sind wir dann weiter gefahren nach Genf. Wir besuchten zuerst das MAMCO. Da wird die Abschiedsausstellung des Direktors gezeigt. Eine Revue über seine 20 Jahre Ausstellungstätigkeit. Es ist sehr schön einen so eigenen Blick auf die Kunst und die Welt zu erleben. ONE MORE TIME. L'EXPOSITION DE NOS EXPOSITIONS. Die Ausstellung ist sehr zu empfehlen. Anschliessend besuchten wir die Ausstellung von Francis Baudevin in der Galerie Skopia. Er beschäftigt sich mit Symbolen und Signeten, die er dann als Konstruktive Malerei zelebriert.

Ja und dann suchten wir unser Hotel beim Flughafen. Wir waren eingeladen von der Mobiliar für die Vergabe des Prix Mobiliar an der Genfer Kunstmesse. Unsere Tochter Vera Ida Müller war für diesen Preis nominiert und konnte vier riesige Malereien präsentieren. Das war ein sehr schöner Abend mit vielen bekannten Gesichtern, gutem Essen, guten Gesprächen und viel guter Kunst.

26. Januar: Ich bin gemeinsam mit Monika nach Lausanne gefahren für die Verleihung des Preises für die Vermittlung visueller Kunst. Der Preis wird das fünfte Mal vergeben vom Schweizer Kunstverein und von visarte.schweiz. Die Preisvergabe fand im Kino Bellevaux statt. Jean Pierre Hobby sprach über die Idee des Preise, ich erläuterte den Ablauf und die Diskussionen in der Jury mit Gerhard Mack, Roland Roos, Andrea Saemann, Jean Francois Steiert und mir. Die Ständerätin Géraldin Savary hielt die Laudatio für die Preisgewinner "art&fiction" aus Lausanne. Das war eine sehr sympatische Feier mit einem stark verbindenden Moment der unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Es war sehr schön, dass dieser Preis in die Romandie vergeben werden konnte. Monika und ich blieben in Lausanne und verbrachten einen schönen Abend mit Nikola Zaric.

25. Januar: Ich habe am Abend die Vernissage im Museum im Lagerhaus besucht. <Die von Gurs> - Kunst aus dem Internierungslager der Sammlung Elisabeth Kasser. Die Ausstellung ist erschütternd.

24. Januar: Heute waren wir eingeladen zum Sonntagsbrunch im NEXTEX. Anlässlich der Ausstellung "Heimspiel"  wurde eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern ausgelost für ein gemeinsames Morgenessen. Die Vorstandsmitglieder von Visarte Ost haben selbst gebackene Brote aufgetischt, drei Minuten Eier gekocht, Kaffeemaschienen bedient und eine wunderbare Atmosphäre verbreitet. Ich hatte dann die Gelegenheit viele Dokumentationen anzusehen, von Kunstschaffenden. Rund hundert Dokus sind im NEXTEX zu sehen in einer witzigen Installation. Schön war es für mich wieder einmal mit Stefan Bauer zu reden. Ich konnte mich nur noch schwach daran erinnern, dass wir vor vierzig Jahren nebeneinander gezeichnet hatten in der Stickfachschule. Er hat dann die Ausbildung zum Textilentwerfer abgebrochen und ist in die Industrie gegangen. Stefan verschenkt heute seine Zeichnungen, um dem Kunstmarkt und den Galerien das Fürchten zu lehren, wie er sagt. Er hat sich ein ganz bescheidenes Leben eingerichtet, mit einem ganz bewussten und radikalen Konsumverzicht. Er empfindet das als seinen persönlichen Beitrag, um den Planeten Erde zu retten. Monika und ich haben uns dann je eine Zeichnung von ihm schenken lassen. Ein guter Sonntag.

23. Januar: Ein schöner Samstag mit intensiven Gesprächen, schönem Spaziergang, vielen Ideen und feinem Essen. 

22. Januar: ich habe den ganzen Tag geschrieben und Konzepte vorbereitet. Dank einer Bücherbestellung fuhr ich zur Hauptpost mit meinem Paket. Spontan habe ich dann noch die Ausstellung von Vera Marke in der Galerie Paul Hafner angeschaut. Über den neuen Bildern von Vera Marke liegt ein irritierender grauer Nebel, was angesichts der politischen Lage nicht erstaunt. Die Farbe ist verschwunden und die (Sorgen) Falten sind nicht kleiner geworden. bei diesem Besuch ist mir schmerzlich bewusst geworden, wie viele Galerien und Ausstellungsräume in den letzten Jahren in St.Gallen verschwunden sind. Felix Buchmann, Susanna Kulli, Agathe Nisple, Alfons Keller, Wilma Lock, Die Erker Galerie von Jürg Janett und Franz Larese,der Werkstall von Alexandra Osterwold, die deutsche Galerie an der Unterstrasse, deren Namen ich schon vergessen habe etc. etc. St.Gallen ist ein hartes Pflaster geworden für die Kunst und für die Kunst produzierenden. Da reicht auch ein gutes Kunstmuseum und eine aktive Kunsthalle nicht.

21. Januar: Am Morgen hatte ich noch Zeit, ein passendes Foto auszuwählen von David für den Nachruf in Saiten. Zum Glück war Franziska Messner-Rast  sofort bereit, ein Foto freizugeben. Franziska ist eine grossartige Portraitistin. Um 10 Uhr musste ich bereits wieder auf den Zug. Ich hatte eine visarte Sitzung im Schweizerhof in Bern. Ich wollte unbedingt mit dem drei Uhr Zug nach Luzern fahren. So hatten wir die Gelegenheit viele Traktanden vorzubereiten und in Luzern noch das Kunstmuseum zu besuchen. Die Ausstellung von Michael Buthe sah ich nun das zweite Mal. das mache ich sehr gerne. So kann ich mit einem neuen "Tagesblick" meine Meinung zur gezeigten Kunst noch einmal hinterfragen und überprüfen. Buthe hat vieles vorweg genommen. Ein grosser Meister der verzaubernden Rituale.

Anschliessend hatten wir eine Besprechung an der HSLU für unser Fest "150 Jahre visarte.schweiz", das wir in den neuen Räumen in Viscosistadt feiern werden. Paul Gruber hat mir dann auf der Rückfahrt im Zug nach St.Gallen alte Räubergeschichten aus dem Rheintal erzählt. Wenn all diese dunklen und absurden Geschichten verjährt sind, würde ich die gerne in einem "Rheinbuch" im Vexer Verlag herausgeben. Ich bin in Oberriet aufgewachsen aber meine Zeit als junger Erwachsener habe ich bereits in St.Gallen erlebt. Da war alles doch schon etwas zivilisierter.   

20. Januar: Ich musste früh aufstehen. Peter Surber möchte, dass ich für das Kulturmagazin Saiten  einen Nachruf an David Bürkler schreibe. Der muss bis Mittag in der Redaktion sein. Um 10 Uhr habe ich einen Telefontermin mit dem Vertriebsleiter Patrick Schneebeli von Scheidegger & Spiess. Ich interessiere mich für SWIPS. Das ist eine Gruppe von Verlagen, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben. Der Vexer Verlag ist als Kleinverlag auf Vernetzung und Gedankenaustauschj angewiesen. Das Gespräch war sehr spannend und aufschlussreich. 

19. Januar: Am Abend war ich eingeladen zu einer Besprechung von Buchgestaltungen von Studierenden der HSLU im Sitterwerk. Mägi Zumstein und Valentin Hauri waren das zweite mal mit ihren Studenten für einen Workshop im Sitterwerk. Die Studierenden hatten die Aufgabe, ein fiktives Buch zur Stiftung Sitterwerk und zur Kunstgiesserei zu entwerfen. Ich habe mich gefreut, dass alle Studierenden wie das letzte Mal den Vexer Verlag als Lieblingsverlag auf das Cover gesetzt haben. Mich hat das sehr belustigt und beehrt. Bei der Besprechung wurde klar, dass es für Aussenstehende sehr schwierig ist, die Stiftung Sitterwerk und die Kunstgiesserei auseinander zu halten. Die verschiedenen Bereiche wie die Bibliothek, das Materialarchiv, das Kesselhaus, die Werkstätten und die Giesserei  sind in den letzten Jahren zu einer grossen kulturellen Institution zusammen gewachsen. Nach einer sehr lebhaften und und inspirierenden Diskussion mit der Beteiligung von einigen jungen Gestalterinnen und Gestaltern aus St.Gallen kochte und servierte Roland Früh und sein Team ein feines Nachtessen für die Teilnehmenden. An diesem Abend habe ich auch endlich die junge Künstlerin Miriam Sturzenegger kennengelernt. Ich schätze ihre Arbeit sehr und ich freue mich, dass sie von visarte.schweiz ausgewählt wurde für einen Atelieraufenthalt in Paris. Nach dem Essen habe ich einen Spaziergang gemacht bis zur Bushaltestelle. Ein leichter Regen hielt michfrisch und wach, um den Abend zu reflektieren. 

18. Januar: Heute nahm ich den acht Uhr Zug nach Zürich. Wir hatten eine sehr anstrengende Startersitzung, um das Fest 150 Jahre visarte zu diskutieren. Die Sitzung dauerte für mich bis zum Abend.  

17. Januar: eigentlich wollten wir um 10 Uhr den Musiksonntagost von klein aber fein in St.Gallen besuchen. Ein Kulturtag mit Lesungen und Musik im kaf. Vor allem die Lesung von Erica Engeler hätte ich gerne erlebt. Wir sind aber total verschlafen. Sorry. Am Abend habe ich dann von Corinne Schatz erfahren, dass David am Samstag 16. Januar im Spital verstorben ist.

16. Januar 2016: Wir sind mit dem Zug nach Basel gefahren. Um 15 Uhr begann im Schaulager eine Feier für Jean-Christoph Ammann. Rund vierhundert Freunde von Jean-Christoph versammelten sich da, um den unvergesslichen und leidenschaftlichen "Direktor der Kunst" zu würdigen. Sir Nichlolas Serota, Bice Curiger, Stephan Balkenhol, John Armleder, Anna Winteler, Stefan Banz, Gilli Stampa und Werner von Mutzenbecher trugen persönliche und teils sehr berührende Erinnerungen mit Jean-Christophe vor. Das anschliessende Konzert von Charlemagne Palestine war sehr schön. Ich konnte in meinen Gedanken abtauchen in meine frühe Zeit als Künstler. Jean-Christoph hat in den frühen 80er Jahren sehr viel für mich getan. Er hat mich entdeckt, gefördert und er hat mir vor allem eine grosse Sicherheit gegeben, die ich damals in meiner künstlerischen Entwicklung dringend brauchte. Ich weiss nicht wie ich den Skandal von Fribourg, als meine Bilder vom Staatsanwalt aus der Ausstellung heraus beschlagnahmt wurden ohne den Rückhalt von Jean-Christoph geschafft hätte. Er war ein Mensch, der an die Kraft und an die Energie von Kunst geglaubt hat. Seine Leidenschaftlichkeit im Umgang mit Kunst hat mir immer Mut gemacht und ungeahnte kräfte verliehen.

Es war unglaublich wie viele Freundinnen und Freunde aus dem Kulturbetrieb der letzten 35 Jahren an diesem Anlass mit dabei waren. Ich hatte das Gefühl, dass meine Batterien wieder richtig aufgeladen werden. Lieber Jean-Christoph ich danke dir.

Nach einem Essen in der Kunsthalle sind wir dann in der Nacht mit dem stark verspäteten Nachtzug erst um ca. 2 Uhr Morgens wieder in St.Gallen eingetroffen. 

15. Januar: um 12 Uhr hatte ich eine Besprechung mit Maria Josefa Lichtsteiner und der jungen Grafikerin Katja Bruhin aus Luzern. Wir planen ein Buch mit dem Titel: "Herbarium der Sehnsucht". Die Buchpremiere und die Garteneröffnung von Maria wird am 8. Mai im Bruder Klaus Museum in Sachseln stattfinden. Ich glaube dieses Buch wird wunderbar. Dieses Projekt entstand im Rahmen des Kunstprojekts "Sehnsucht", das die Albert Köchlin Stiftung ausgeschrieben hatte.
Nach der Sitzung bin ich mit Monika zusammen nach Chur gefahren für die Ausstellungseröffnung von Lilly Keller  in der Galerie von Thomas Zindel. Ich kenne Thomas seit den ganz frühen 80er Jahren und habe ihn aber seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Lilly ist einfach grossartig. Ich bewundere ihren Schwung und ihre Unerschrockenheit in der Produktion von Kunst. Wir konnten nicht lange bleiben, weil ein Freund von uns mit einer Geburtstagsüberraschung im Hotel und Restaurant "Wunderbar" in Arbon geehrt werden sollte. Das ist ein sehr spezieller Ort. Das Gebäude wurde als Landipavillon für die EXPO 64 in Lausanne gebaut , anschliessend abgebrochen und in Arbon wieder aufgebaut. Der sehrschöne,  schlicht gehaltene Pavillon diente lange Zeit als Kantine der Firma Saurer - oder war es Sulzer? Egal, der Abend in Arbon hat Spass gemacht.

14. Januar: Nach dem Mittagessen habe ich einen langen Besuch im Kantonsspital gemacht. David war sehr müde und schwach. Er konnte kaum sprechen aber er war immer wieder kurze Momente ganz wach. Zur Beruhigung lief klassische Musik im Hintergrund. Die Zeit, die ich in grosser Stille neben David verbrachte, war für mich ein schöner und meditativer Abschied von einem ganz einzigartigen Künstlerkollegen. 

13. Januar 2016: Heute habe ich erfahren, dass David Bürkler in der Nacht mit einem Oberschenkelhalsbruch in das Kantonsspital eingeliefert werden musste. Ich habe meine Teilnahme an der grossen Sitzung "Urheberrechtsgespräch" vom Donnerstag in Bern absagen müssen, um mich um David zu kümmern.  Ich hatte dann einen einsamen Schreib- und Büro- Tag. Manchmal komme ich kaum von meinem PC los. Texte schreiben, Konzepte entwickeln, Briefe schreiben, Rechnungen bezahlen, Anfragen beantworten, viel Telefonieren und organisieren. Erholsam ist es dann zwischendurch wenn ich einfach Bücherpakete vorbereiten und zur Post bringen kann. ich verbinde diese Arbeit immer mit einem Spaziergang. Wenn es sehr viele Bestellungen zu erledigen gibt, fahre ich dann mit meinem "Geschäftswagen" zur Post. Das ist mein alter, klapperiger Fahrradanhänger. Um 17 Uhr hatte ich eine Sitzung mit der Fachkommission HF bildende Kunst, die ich seit einigen Jahren präsidiere. Ich habe den Bus verpasst und bin das erste Mal zu spät gekommen. Das hat mich sehr peinlich berührt. Na ja - wir haben dann doch alle Fragen in der geplanten Zeit durchdiskutieren können. Ich hoffe sehr, dass der nächste Lehrgang wieder durchgeführt werden kann. Die Konkurrenz von den Fachschulen Zürich, Basel und Luzern ist sehr gross. 

12. Januar: Ich hatte am Morgen ein gutes Telefongespräch mit Franziska Messner-Rast. Sie hat viele Fotos gemacht von David Bürkler und von seinen Werken anlässlich der Ausstellung in der Galerie Adrian Bleisch 2014. Es ist beruhigend zu wissen, dass sehr viel Fotomaterial archiviert ist. Am Nachmittag habe ich viele alte Editionen vom Vexer Verlag verpackt, die ich Vera schon vor Jahren geschenkt habe. Nun gibt es zufällig eine Möglichkeit die Sachen endlich nach Berlin zu bringen. Am Abend habe ich  zusammen mit Corinne Schatz Gret Graf getroffen, um das geplante Buch über David Bürkler zu besprechen. Ich freue mich sehr auf dieses Projekt und hoffe, dass es David schon bald wieder besser geht. Er musste vor Weihnachten in die Geriatrie eingeliefert werden zur Erholung. 

10. Januar: Gestern Abend hat Monika ein feines Geburtstagsessen für gute Freunde von uns gekocht. das war ein sehr lustiger Abend mit erhellenden Anekdoten aus dem Alltag einer Familie mit drei Söhnen. Heute sind wir zu einem traditionellen, familiären Lachs-essen eingeladen. 

9. Januar: Heute habe ich eine überraschende Anfrage bekommen. Schüler und Schülerinnen, die die Berufsmatura machen, wollten einen Kommentar von mir zu einem Kunst am Bau Projekt. Jetzt habe ich Lust diesen Text zu veröffentlichen.

Hier mein Text:

Doppelfigur, 1993, Pappelholz

Bildungsdepartement Kanton St.Gallen, Davidstrasse 31

Sehr geehrte J. B. und Mitschüler,

Es freut mich, dass ihr euch mit meiner Holzskulptur "Doppelfigur" von 1993 auseinandersetzt. Die Skulptur habe ich speziell für diesen Ort gemacht. Den Auftrag bekam ich von der Helvetia Versicherung, die damals in diesem Gebäude arbeitete. Das Gebäude war frisch renoviert und die Kunstkommission der Versicherung fragte mich an, ob ich ein Kunstwerk für das Foyer machen würde.Ich hatte die Idee, in diesem Raum eine Skulptur zu entwickeln, die von beiden Seiten die gleiche aufstrebende Figur darstellt, die nur leicht in der Bewegung variiert. Ich wollte, dass die Besucher die das Gebäude durch den Hintereingang betreten die vermeintlich gleiche Figur sehen, wie die Benutzerinnen des Vordereingangs.

Mich interessiert in meiner Arbeit der Moment der Bewegung. Eine Holzskulptur verharrt ja nach der Vollendung in der immer gleichen Pose. Mit meinem "Trick", die gleiche Figur zweimal mit der Motorsäge in das Holz zu schneiden verwandelt sich diese "Starre" in eine leichte, tranceartige und fast tänzerische Bewegung. Ich habe damals vor allem Männer dargestellt weil ich als Mann mich selber als mein Modell empfand.

Kunst heisst ja immer auch zu reflektieren. Ich bin also nicht nur mein eigens "körperliches Modell" sondern auch mein eigenes "Denkmodell". Nicht nur unser Körper bewegt sich - auch unser Geist ist in dauernder Bewegung. Dabei ist nicht alles durch uns steuerbar. Es gibt Zufälle, Überraschungen, neue Erkenntnisse und Begegnungen, die unser Leben und unser Handeln mitbestimmen. Das ist auch in der Kunst so. Das Ungewisse, das Unbekannte, das Überraschende ist für mich bei jeder künstlerischen Tätigkeit eine Herausforderung und ein grosser Spassfaktor.

In einer Empfangshalle begegnen sich immer wieder Menschen die sich nicht kennen. An diesem Ort kommen nun noch meine zwei nackten Männer als weiteres irritierendes Element dazu. Es könnte ja sein, dass diese Doppelfigur etwas in den Betrachterinnen und Betrachtern auslösen kann. Dass ER die Menschen daran erinnert dass wir alle nackt geboren sind und dass Kleidung, Schmuck und Reichtum Zugaben sind, die wir uns selber erarbeiten müssen. Da stellt sich dann für uns Menschen (und da gehören auch die Männer dazu) die grosse Frage nach unseren Werten, unserer Solidarität, unserer sozialen Haltung und unserem Sinn für Gerechtigkeit.

Ein sehr spezieller und interessanter Faktor bei Kunst am Bau ist die Langzeitwirkung eines Kunstwerks. Menschen die an diesem Ort über längere Zeit arbeiten und die täglich mehrmals an dieser Doppelfigur vorbei gehen, entwickeln eine ganz persönliche und sich immer wieder verändernde Beziehung zu diesem Werk. Ein Kunstwerk garantiert in unserer schnelllebigen Zeit Sicherheit und Konstanz, die uns oft fehlen, unabhängig davon ob uns das Werk gefällt oder nicht.

Josef Felix Müller, 09.01. 2016

 

8. Januar: Heute hatte ich eine lange und interessante Sitzung bei der Agentur Alltag. Wir haben das Jubiläum 150 Jahre visarte.ch besprochen. Nach der Sitzung musste ich vom Riethüsli zu Fuss bis zum Marktplatz gehen. Die ganze Stadt war wegen zwei Unfällen verstopft. Ich musste dann mit dem Taxi nach Hause. Wir erwarteten Besuch und als Feuermeister war Pünktlichkeit angesagt. Monika hat wunderbar gekocht und der Abend war sehr unterhaltsam.

6. Januar 2016: Gestern habe ich den ganzen Nachmittag gekocht. Wir haben alle Helfer-innen eingeladen, die beim Vexer Fest mitgeholfen haben. Menga, Vanja, Eva, Carole, Elsbeth und Walter. Um 19 Uhr sassen wir draussen am Feuer und genossen ein Tomatensüppchen von Monika. Um acht gingen wir ins Haus. Ich servierte ein feines Pilzgemüse, Spinat, Bohnen mit verschiedenen Karotten und einem Peruanischen Gemüse (Name vergessen) und selbst geschnittene Pommes aus dem Backofen und dazu Fischfrikadellen nach einem Israelisch - Syrischen Rezept. Dazu einen feinen Rotwein, von dem ich ehrlich gesagt einiges zu viel getrunken habe. Heute war ich erst am Mittag wieder einsatzfähig. 

2016: Das Jahr hat gut begonnen.

Die Festtage waren wunderbar. Viel Familie, gute Zeiten, zusammen mit Vera, feinstes Essen, gute Gespräche. Ich schwebe immer noch auf der Wolke des grossen Festes zum 30 jährigen Vexer Jubiläum. 

19. Dezember: Monika und ich entschlossen uns für einen grossen Spaziergang über die Ecken. In den drei Stunden hatten wir die Zeit, alles Erlebte der letzten Tage noch einmal an uns vorbeiziehen zu lassen. Ich kann mich nicht an einen so schönen und sehr warmen Dezembertag erinnern. Das war einmalig aber diese Wärme gibt einem auch zu denken. Wo führt das hin?

Am Abend testen wir die neue Küche im Restaurant Kurzeck. Brasilianisch. Bin gespannt.

18. Dezember: Am Morgen hatte ich mich mit Matthias Stebler für einen Bildertransport verabredet. Ich wollte die neusten Bilder ins Atelier transportieren und ein paar ältere Malereien mit nach Hause nehmen. Bilderwechsel macht immer Freude. Ich blieb dann gleich im Atelier, um eine ganz neue Ausstellung einzurichten. Am kommenden Montag erwarte ich wichtigen Atelierbesuch. 

Am Abend lud Paul Rechsteiner zu einem Fest für die vielen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Raum für Literatur. Ich habe meinen ehemaligen Chef wieder einmal getroffen. Otmar Elsener war in den 70er Jahren Direktor von Jacob Rohner in Rebstein, wo ich die Berufslehre als Stickereientwerfer absolviert habe. Das war eine wirklich gute Zeit.

17. Dezember: Wir trafen heute Morgen als Delegation von visarte.ch die Leute von der Alltag Agentur, um das visarte Jubiläumsjahr zu besprechen. 2016 feiern wir 150 Jahre Berufsverband visuelle Kunst. Das Gespräch war ausgiebig und spannend. Am Mittag gab es wunderbaren Lachs und etwas gehetzt fuhren wir gemeinsam nach Zürich um die nächsten Kandidaten für die Festorganisation zu treffen. Nach einer intensiven Diskussion haben wir uns für die Agentur Alltag entschieden. Die sind sehr kompetent und bieten für alle Aspekte die wir brauchen gute Lösungen. Nun habe ich ein sehr gutes Gefühl aber es gibt natürlich noch sehr viel zu tun.

Anschliessend folgte noch eine Sitzung zu den Finanzen. Drei Minuten vor mein Zug losgefahren wäre ist mir eingefallen, dass ich kein Ticket habe. Ich musste durch den ganzen Bahnhof rennen bis ich einen Ticketautomaten fand. Ich fühlte mich ziemlich balabala und war nicht mehr fähig die Zeitung zu lesen. Also schaute ich in die dunkle Nacht hinaus und merkte in St.Gallen, dass während der Zugfahrt gar nichts war. Keine Gedanken, keine Ideen, kein Hunger, rein gar nichts ausser der beruhigender Dunkelheit.

15. Dezember: Ich freue mich auf den Nachmittag. Roland Stieger von TGG kommt vorbei, um die ersten Buchentwürfe zu präsentieren für das geplante ROM Buch von Karl A. Fürer und Erica Engeler.

14. Dezember 2015, Ich bin emotional richtig weich geklopft vom wunderbaren Fest. Alles ist bereits aufgeräumt und ich warte auf den Weinhändler, der die Gläser wieder abholen will. Retouren gibt es keine. Die paar wenigen Flaschen, die nicht ausgetrunken worden sind behalten wir für den Privatgebrauch. Der fahrer von Martel ist so nett und nimmt gleich auch das ganze Altglas mit. Etwas wehmütig stapfe ich durchs Atelier. Was kommt als Nächstes? Wie geht es weiter? Der Atelierraum ist erfüllt von guten Energien und ich hoffe, dass das für immer so bleibt. 

13. Dezember: Gestern waren wir schon früh an der Haggenstrasse, um das Fest fertig vorzubereiten. Es war fulminant. ich glaube bis um 20 Uhr waren mehr als 500 Freunde und Bekannte in meinem Atelier. Ich war überrascht, dass schon die ersten Lesungen mit Thomas Müllenbach und Walter Morgenthaler sehr gut besucht waren. Die Performance von Monika Günther und Ruedi Schill war sehr berührend. Dann hat Carole Forster vom Bücherladen Appenzell das Buch über die Künstlerin Lilly Keller vorgestellt. Carol hat einen wunderbaren Text zum Buch vorgetragen und das Publikum total begeistert. Vera und Krispin präsentierten das neu erschienene Buch von Wolfram Hahn, das sie zusammen konzipiert haben. Das ist das erste Buch, das Vera in Berlin realisieren konnte. Ein richtig kompetenter und toller Auftritt. Die Lesung von Rolf Winnewisser hat mir auch sehr gut gefallen. Ich liebe es, wenn man sich einfach so in einen Text hineinbegeben kann. Hörend denken, abschweifen und doch immer wieder den inhaltlichen Pfad durch das Vorgetragene findend. Ein absoluter Höhepunkt war dann die Performance von Jeanne Devos. Sie trug den Prolog aus dem Hörstück " Lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz vor. Ein tiefsinniger Text mit vehementer Kraft vorgetragen von einer jungen und höchst begabten Schauspielerin. das war grosse Kunst. Anschließend sprach Martin Heller über das Verlegen, das Suchen und das Finden. Eine tiefsinnige, menschliche und auch humorvolle Würdigung der Verlagsarbeit. Das war richtig schön. Dann hat mich Monika überrascht mit einer berührenden Liebeserklärung. Sie hat erzählt wie glücklich sie als ehemaliges Tankstellenmädchen ist, die einen Bauernbuben heiraten konnte, der sich ohne künstlerische Sozialisation in die Kunstwelt hinein begeben hat und der sie in diese kulturellen Gefilde mitgenommen hat. Der Bauernbub bin natürlich ich und wir haben das grosse Glück, dass unsere Tochter ganz selbstverständlich und autonom in diese kulturelle Gemeinschaft hinein gewachsen ist.  

Den ganzen Nachmittag haben Paco und seine Frau wunderbare Risotto Varianten gekocht. Carol und Eva haben mit viel Charme an der Bar gearbeitet, Vanja und Walter betreuten den Büchertisch und Monika, Menga, Elsbeth und Thamar waren für das Wohl der Gäste besorgt. Vera und ich versuchten die Kunst zu vermitteln und ich war für die Moderation zuständig. Die große Entspannung trat dann ein beim Konzert von Tamara Weibel und Ursula Bachmann. Sie beglückten uns mit Liebesliedern.

Ich möchte mich bei allen Helferinnen und Helfern, bei allen Künstlerinnen und Künstlern und bei allen Gästen bedanken, die uns ein so tolles Fest erleben ließen.

 11. Dezember: Vera und ich haben den ganzen Tag an unserer Jubiläumsausstellung gearbeitet. Das kommt gut. Am Abend sind wir an die Ausstellungseröffnungen im Kunstmuseum und in der Kunsthalle gegangen. Das Heimspiel ist immer ein sehr besonderer Anlass. Ich habe erst das zweite Mal mitgemacht. Dieses Jahr fand ich es sinnvoll meine neuen Holzdrucke für die Ausstellung einzureichen. Es hat geklappt und nun hängen 17 Drucke mit meinen Menschenbildern im Museum. das war ein guter Abend mit vielen Begegnungen.

10. Dezember: Am Morgen ist Roman Signer ins Atelier gekommen. Er war verspätet. Die ganze Familie ist verschlafen an diesem Morgen. Roman hat mir seine Edition gebracht. Ich habe einen richtigen Lachanfall bekommen. Er hat Brillen auf eine ganz spezielle Weise in Postpakete eingepackt. Aus den flachen Paketen schauen die Brillenstäbe aus zwei Löchern, wie die Fühler von Insekten. Gegen Mittag ist Vera von Berlin eingetroffen. Gemeinsam haben wir die Platzierung der Spezialeditionen im Atelier besprochen und Monika hat den ganzen Tag wunderbar gekocht. Es gab einen orientalischen Abend mit superfeinem Essen zu unserem gemeinsamen Geburtstag. Manchmal lohnt es sich, genau nach Rezepten zu kochen. Es gibt spezielle Gerichte, die man sonst geschmacklich nie erleben könnte. Ich fühlte mich ungefähr wie Alice im Wunderland. Hat die eigentlich auch gegessen in ihrer Geschichte?

9. Dezember: Am Morgen war ich verabredet mit Brigitte Schmid und Hanspeter Schiess vom St.Galler Tagblatt. Brigitte wird einen Artikel für unser Fest schreiben. Fotografiert werden am Morgen ist gar nicht ohne. Ich fühlte mich etwas gstabig. Es hat dann aber doch Spass gemacht. Am Nachmittag musste ich im Atelier sein. Das Haus wurde neu geschätzt. 

8. Dezember: Sitzung in Zürich. Visarte ruft. 

6. Dezember: Wir verbrachten einen geruhsamen Sonntag und genossen den Besuch der jungen Familie von Christian. Mit Christian zusammen habe ich das Kunst am Bau Projekt für das Stadtmuseum in Aarau praktisch umgesetzt. Das war wirklich eine lehrsame und gute Zeit. Am Abend haben wir einen zügigen Spaziergang rund um den Guggeienwald gemacht. Nach dem berauschenden Fest brauchten wir etwas frische Luft.

5. Dezember: Heute haben wir spontan den Wein ausgewählt für unser grosses Fest. Wir mussten auch noch Gasflaschen besorgen. Dann habe ich den ganzen Tag im Atelier gearbeitet und am Abend fuhren wir nach Heiden. Ralph Hug hat mit 61,5 Jahren seinen sechzigsten gefeiert. Das war eine spannende und unterhaltsame Gesellschaft. Töbi Tobler und Ficht haben uns musikalisch unterhalten und ein wunderbares Konzert vorgetragen. Schön dass die Beiden wieder zusammen unterwegs sind.

4. Dezember: Am Morgen früh genoss ich meine Therapie. Theresa knetet mich wie einen Brotteig und nach der Stunde fühle ich mich wie ein Butterzopf. Ich spüre meinen Körper nun sehr viel besser. Meine Entscheidung nach den Sommerferien mehr auf mein Gewicht zu achten hat sich gelohnt. Ich habe rund 12 Kilo abgenommen. Das macht richtig Spass. Am Abend hat Monika ein wunderbares, leichtes Essen zubereitet. Wir verbrachten einen sehr schönen Abend mit Lilian und Paul.

3. Dezember: Am Nachmittag habe ich mich mit Marcus Gossolt verabredet, um über die Jubiläumsaktivitäten der visarte ch zu sprechen. Wir feiern 2016 unser 150 Jahr Jubiläum. Das gibt viel zu tun macht aber grosse Freude. 

2. Dezember: Heute Vormittag habe ich in der Stadt einen guten Freund getroffen, der mehrere Kulturstiftungen präsidiert. Er konnte mir sehr gute Tipps geben, wie wir die Finanzierung unserer Buchprojekte verbessern können. Ich habe einmal mehr gemerkt, wie wichtig es ist gute Beziehungen zu pflegen. Ich bin da oft etwas zu schüchtern und zurückhaltend. Am Abend haben wir in der Lokremiese eine sehr schöne Theateraufführung gesehen, zur Novelle "Der Baron auf den Bäumen." Das Stück für drei Personen hat uns sehr überzeugt.  Regie: Nelly Bütikofer

Sprecher: Horst Warning Cello/Stimme: Johanna Schaub,  Schlagzeug: Maris EgliRegie: Nelly Bütikofer

Sprecher: Horst Warning Cello/Stimme: Johanna Schaub,  Schlagzeug: Mar30. November: Am Morgen war ich verabredet mit einem Transporteur, um eine Tonne Holz zu entsorgen von Skulpturen die ich zersägt hatte. 

Dann war noch ein Transport angesagt für meine 17 Holzdrucke, die ich an der Ausstellung "Heimspiel" im Kunstmuseum St.Gallen zeige. Alles hat wunderbar geklappt. Das grosse Aufräumen ist bald beendet und meine Atelierräume können für das Vexer Fest am 12. Dezember vorbereitet werden.

29. November: Am Freitag sind wir nach Esslingen gefahren um unsere Freunde Renate, Malina, Christian und die süsse Hündin Pucki zu besuchen. Das war alles sehr lustig, intensiv und anregend, inklusive Tanzeinlage nach einem Schweinebraten mit Knödeln und Blaukraut vom Feinsten. Am Samstag besuchten wir ein Schloss in der Nähe von Esslingen mit einer Ausstellung von Naiver Malerei und anschliessend fuhren wir nach Marbach zum Deutschen Literathurarchiv. Das alte Schloss und vor Allem der Neubau von Chiperfield sind grossartige Räume mit sehr schönen Lösungen für die Präsentation von Manuskripten. Einzigartig!

Auf der Rückfahrt nach Esslingen hat uns Christian noch eine Reihe von riesigen Säulen gezeigt, die als Geschenke von Hitler an Mussolini gedacht waren. Die Steinsäulen stehen heute noch in Reih und Glied vor dem Steinbruch.

Am Sonntag haben wir einen wunderbaren Spaziergang gemacht auf einem Höhenweg über dem Neckar. 

26. November: Jetzt geht es los mit dem Buch von Karl A. Führer und Erica Engeler. Am Nachmittag habe ich Roland Stieger von TGG getroffen um die Gestaltung zu besprechen. Das wird ein sehr schönes Buchprojekt.

25. November: Am Montag und Dienstag war ich im provisorischen Büro vom Bündner Kunstmuseum in Chur mit jurieren beschäftigt. Mit dabei waren die Journalistin Gisela Kuoni, die Kunsthistorikerin Mara Züst, der Künstler Gioni Signorell und Lynn Kost der Konservator vom Bündner Kunstmuseum. Das waren zwei intensive Tage. Über 140 Künstlerinnen und Künstler haben Arbeiten eingegeben zum Thema "Archive". Die Qualität von vielen eingereichten Arbeiten hat mich begeistert. Es ist immer interessant, in einer Runde von Fachleuten so ausgiebig über Kunst zu diskutieren. 

Am Sonntagagabend sind wir ins Sitterwerk gefahren. Um 17 Uhr wurde eine Ausstellung mit Zeichnungen eröffnet, die von Roland Früh kuratiert worden ist, mit Skizzen aus den Arbeitsprozessen, Zeichnungen und vielen Büchern zum Thema. 

Nach einer feinen Kastanien - Pilzsuppe zeigte uns Felix Lehner in einer Privatführung den grossen neuen 3D Printer. Im Moment sind wieder sehr interessante Kunstwerke in Arbeit, unter Anderem ein bemalter Bronzeabguss von einer frühen Skulptur von Robert Indiana. Das Sitterwerk ist schon seit Jahren ein wunderbarer Kraftort der Kunst. 

21. November: heute hatten wir unsere Gruppenkonferenz von visarte in Zürich. Es ist immer sehr schön, Künstlerinnen und Künstler aus allen Sektionen zu treffen und die anstehenden Probleme zu diskutieren. Zu Gast war Anina Schenker vom Verein Kleio. Sie hat uns dieses interessante Tool vorgestellt, das geeignet ist für Werkverzeichnisse, Nachlassverwaltungen und für die Erstellung einer Homepage. Dann hat sich das Performance Art Network Punch vorgestellt durch Pascal Grau und Judith Huber. Am Nachmittag standen die Jubiläumsaktivitäten im Mittelpunkt. visarte feiert 2016 das 150 Jahre Jubiläum. Die Sectionen haben ihre Ideen erläutert, die sie im nächsten Jahr unter dem Label "Tour de Suisse" durchführen wollen. Das war ein richtig spannender und kreativer Nachmittag.

20. November: Am Morgen früh erwarteten wir die Holzereqippe. Unsere Buche im Garten ist einfach zu riesig geworden. Mit einem gigantischen Kran wurde Stück um Stück des Baumes aus unserem Garten gehoben und direkt in einem überdimensionalen Container zersägt. Am Mittag war bereits alles aufgeräumt. Unser Haus ist nun wieder Lichtdurchflutet und wir müssen nicht mehr bei jedem Sturm Angst haben, dass der Baum auf unser Haus fällt.

Am Nachmittag war ich an einer Sitzung in Zürich mit dem Zentralvorstand von visarte Schweiz.

19. November: Regine Helbling und ich waren für visarte schweiz eingeladen vom Dachverband Kunsthandel Schweiz, um in Bern an einem Gespräch zum Folgerecht teilzunehmen. Mit dabei waren zudem Sylvia Furrer, Geschäftsführerin Kunstmarkt Schweiz, Dr. Anke Schierholz, Justiarin VG Bild-Kunst Bonn, Dr. Werner Stauffacher, Vizedirektor Pro Litteris, Dr. Kuno Fischer, Präsident Auktionatorenverband, und Michael Haas, galerist in berlin und Zürich. Das Gespräch war sehr interessant, an- und aufregend. Ich hoffe natürlich, dass auch in der Schweiz das Folgerecht als Teil des Urheberrechts gesetzlich verankert wird.  

18. November: Ich war den ganzen Tag mit den nächsten Buchprojekten beschäftigt. Das Organisieren der Finanzierung ist immer sehr aufwändig. 

17. November: Am Freitagmorgen in der Früh sind Monika und ich nach Berlin geflogen. Wir fuhren dann direkt mit dem Taxi zu Vera. Jérémie und Vera haben eine wunderschöne neue Wohnung gefunden. Nach einem Kaffee haben wir einen langen Spaziergang gemacht durch Kreuzberg, zur Markthalle und dann zum Atelier von Vera an der Köpenicker Strasse. Die riesigen neuen Bilder von Vera sind sehr beeindruckend. Wir haben lange diskutiert. Vera ist für den Kunstpreis der Mobiliar Versicherung nominiert und sie wird darum die Bilder im Januar an der Kunstmesse in Genf präsentieren können. Ich hoffe natürlich, dass wir dann nach Genf fahren können. Am Nachmittag haben wir einige Läden abgeklappert. Ich habe mir dann eine neue Wintergarderobe angeschafft. In der Nacht kamen dann die Meldung über die Anschläge in Paris. Die Stimmung war sehr bedrückend. 

Am Samstag waren wir das erste Mal in der  Sankt Hedwigs Kathedrale. Die Kuppel ist sensationell. das Bauwerk soll renoviert werden. Ich freue mich, dass Leo Zogmeier für die Kunst verantwortlich ist. Anschliessend haben wir die Ausstellung von Paul MCCarthy im Schinkel Pavillon angeschaut. Seine Arbeit "Horizontal" von 2012 ist eine lebensgetreue Nachbildung des nackten Körpers des Künstlers. Er liegt in horizontaler Lage auf einem grossen Tisch. Der Körper sieht so echt aus, dass man meint, den Künstler atmen zu hören oder zu sehen, dass er sich leicht bewegt. Mich hat das als Betrachter fasziniert aber gleichzeitig auch unangenehm berührt. Merkwürdigerweise fühlt man sich selber als Voyeur beobachtet. Das Voyeuristische wird im Erdgeschoss noch verstärkt durch die skulpturale Videoinstallation "That Girl T.G. Drawing Table - Drawing" (2011-2013) Am Sonntag sahen wir dann eine weitere grosse Arbeit von McCarthy im Hamburer Bahnhof. Berlin war wieder sehr intensiv. Bei mir sind viele Erinnerungen hochgekommen von meinem Gastjahr 1991 beim DAAD. Ich lebte und arbeitete damals in einer riesigen Wohnung neben Bethanien. 

Am Montag früh sind wir wieder nach Kloten geflogen. Ich musste direkt weiter nach Bern für eine Sitzung zum Folgerecht. 

12. November: Heute fahre ich nach Luzern. Ich wurde angefragt, ob ich ein öffentliches Gespräch mit  dem Kurator der Manifesta von 2016 an der HSLU machen würde. Christian Jankowski ist ein wirklich interessanter Künstler Kurator. Ich habe die letzten Wochen viel recherchiert und habe sehr spannende Artikel gefunden. Der Abend ist gut gelungen. Wir mussten das Gespräch auf englisch führen. Christian hat einige Videos von frühen Arbeiten präsentiert und sein Konzept für die Manifesta erläutert. Die Rückmeldungen von den Studierenden und von den Dozierenden zu diesem Abend waren sehr gut.

11. November: Im Atelier gibt es langsam wieder etwas Platz. Aufräumen hat immer etwas erleichterndes und reinigendes. Es entsteht wieder Raum für neue Ideen und Projekte. Die Einladung zur Ausstellung Heimspiel ist auch eingetroffen. ich werde eine Serie von Holzschnitten von meinen Menschenbildern  im Kunstmuseum St.Gallen zeigen. Darauf freue ich mich. Ich habe beim Heimspiel nur einmal mitgemacht, da ich immer dachte ich möchte meinen Platz für junge Künstler freihalten. 

10. November: Am Nachmittag hatte ich ein Treffen in Zürich. Wir suchen einen Organisator für den Künstlerball zum 150 Jahr Jubiläum von visarte Schweiz, das in einem Jahr in Luzern gefeiert werden wird. Am Abend waren wir eingeladen zum Freundesessen in der Kunsthalle St.Gallen. Giovanni machte eine Führung durch die aktuelle Ausstellung und anschliessend wurde die legendäre Fischsuppe von Agathe Nisple serviert. Wir haben uns wunderbar unterhalten mit Marianne und Jürg Manella und mit Annette und Peter Nobel. Manchmal entstehen ja überraschende und stimmige Diskussionen. Rolf Graf hat ein schönes Jahresblatt für die Freunde der Kunsthalle gestaltet. Ein wirklich gelungener Abend.

9. November: Am Morgen wurden die Bücher von Wolfram Hahn angeliefert. Das erste Buch, das Vera in Berlin herausgegeben hat. das war ein langer und anstrengendes Projekt. Es hat sich gelohnt. Das von Krispin Hée gestaltete Buch ist grossartig. Der philosophische Text von Prof. Catherine Malabou ist ein Wurf.

Am Abend besuchte ich die Veranstaltung im Palace. Die Kulturkommission der Stadt St.Gallen vergab den Anerkennungspreis, die Förderpreise und die Werkbeiträge. Das war ein buntes Grüppchen aus allen Generationen und Kultursparten. Ein richtig lebendiger und inhaltlich spannender Anlass. Ich freue mich für alle Ausgezeichneten und gratuliere herzlich.

8. November: Wir sind früh aufgestanden und nach einigem Murren war ich für eine grössere Bergtour bereit. Vom Hohen Kasten aus sind wir auf dem Grat zum Restaurant Stauberen gewandert. Nach einer Gulaschsuppe ging es auf dem steilen Abstieg weiter zum Sämtisersee und dann zum Ruhesitz. Der Sämtisersee ist zur Zeit wegen der anhaltenden Trockenheit nur noch eine Pfütze. Die Wanderung dauerte rund fünf Stunden bis Brülisau. Der Tag weckte Erinnerungen an das dreitägige Symposion "Berg und Zeit", das ich zusammen mit Marion Thielebein 1997 in Brülisau, auf dem Hohen Kasten und in der ganzen Umgebung organisierte. Ich muss wieder einmal das Filmmaterial sichten. Das wäre sicher spannend nach zwanzig Jahren. Das war ein guter Tag.

7. November: Heute Abend waren wir zu einem Privatkonzert eingeladen. Der Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert wurde gespielt. Als Müller und als Müllerin fühlten wir uns natürlich total angesprochen. Es war ein toller musikalischer Höhepunkt. An diesem Abend habe ich erstmals die über 90 jährige Künstlerin Marie-Cécile Boog kennengelernt. Ich schätze ihre Arbeiten sehr. In St.Gallen hat sie vor langer Zeit den Brunnen vor Katharinen geschaffen und lustiger weise haben wir uns Beide in den letzten Wochen mit den Sibyllen Weissagungen beschäftigt. Cornel Dora von der Stiftsbibliothek möchte von uns kolorierte Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert herausgeben als Weihnachtskarten. Ich habe die Holzschnitte einfach mit einem TV-Testbild unterlegt. Nun wirken die Motive wie Kirchenfenster.

6. November: Am Morgen früh traf ich Kristin Schmidt von der Fachstelle Kultur  im Café ST GALL in der neuen Bibliothek in der Hauptpost. Ich wollte einige Projekte vor besprechen. Es ist schon sehr angenehm, wie sich die kulturelle Situation in den letzten 40 Jahren kontinuierlich verbessert hat. In den frühen achtziger Jahren, als Rennward Wyss das Amt als Kulturbeauftragter leitete wurden jeweils die Gesuche mit dem Rotstift korrigiert. Rennward Wyss ging nur auf absolut fehlerfreie Gesuche ein. In der Zeit "brannte" Zürich und in St.Gallen herrschte der Rotstift.

Am Abend traf sich unsere ganze Familie bei Ursula und Martin Zwyssig im Sternen Gais zur Metzgete. Ursula und Martin  schliessen in den nächsten Wochen das Restaurant. Die Gastronomie ist wirklich sehr schwierig und anstrengend geworden. Ich habe mir einen Schlachtteller geleistet. Das war wirklich ein guter Abend mit einem glücklichen Stück Schwein im Magen.

5. November: Heute musste ich schon um halb sechs aus den Federn. ich musste an eine Baustellenbesichtigung in der Viskosestadt in Emmenbrücke. Die Fachhochschule Luzern bekommt dort wunderbare neue Räume. Wir möchten in diesen Räumen gerne im November 2016 das Jubiläumsfest 150 Jahre visarte.ch mit einem Künstlerball feiern. Die Besichtigung und die Gespräche waren sehr konstruktiv. das hat richtig Freude gemacht. Nach dem Mittagessen habe ich mir die Ausstellung von Michael Buthe im Kunstmuseum angeschaut. Eine ganz wunderbare Retrospektive. Mir wurde plötzlich klar, wie stark Buthe in den sechziger und siebziger Jahren auch die Schweizer Kunstszene beeinflusst hat. Toni Gerber in Bern hat damals mehrere Präsentationen mit dem Künstler gemacht. Leider habe ich das damals als kleiner Bauernbub und Landei verpasst.

Am Nachmittag hatte ich dann noch zwei Sitzungen wegen anstehenden Buchprojekten. Ich konnte zum Glück alles an diesem Tag erledigen. Die dauernde Reiserei durch die halbe Schweiz braucht sehr viel Zeit.

4. November: Heute werden die Bilder zurückgebracht von der Ausstellung "die Welt retten, Arche" in der Kunsthalle Palazzo in Liestal, die von Matthias Aeberli und Elisabeth Heller kuratiert wurde. Zur Ausstellung ist ein schönes kleines Buch erschienen.

Nach dem Einlagern der Bilder habe ich wieder einmal einen riesigen Murks veranstaltet. Ich zersägte unter ziemlich gefährlichen Bedingungen eine alte Skulptur in mehrere Stücke. Das alte Ulmenholz ist extrem schwer. Die einzelnen Stücke hatten sicher mehr als hundert Kilo und dieses Gewicht musste ich mit einem ausgeklügelten System auf den Boden bringen. In solchen Momenten fühle ich mich stark wie ein Pyramiedenbauer.

Am Abend war ich völlig zerkratzt und geschunden und musste noch an eine Sitzung von der Fachkommission HF Bildende Kunst.

3. November: Um sechs Uhr bin ich schon aufgestanden um rechtzeitig in der Therapie zu sein. Mein linker Arm wird immer besser. Am Nachmittag machte ich zusammen mit Vanja die Eingaben für die schönsten Schweizerbücher beim Bundesamt für Kultur. Das ist immer ein ziemlich nerviges Verfahren am PC. Ohne Handy geht gar nichts. Diese Abhängigkeit von  technischem Sondermüll bringt mich immer an meine nervlichen Grenzen.

2. November: Heute früh bin ich wieder zum Zahnarzt gefahren. Der Zahn erlebte schon in meiner Lehrzeit in den siebziger Jahren eine Wurzelbehandlung. Das hat den grossen Vorteil, dass an diesem Stockzahn schmerzfrei herumgebohrt werden kann. Nun sieht der Zahn aus wie ein kleines Möbelstück mit verzahnter Keramik und Amalgam. Eine gelungene Miniskulptur in meinem Mund zum Beissen. Super schön.

Um 17 Uhr traf ich die junge Schauspielerin Jeanne Devos beim Marktplatz. Ich habe sie bei einem Stück von Wolfram Lotz im Theater Winkelwiese in Zürich erlebt. Ich war so begeistert, dass ich ihr spontan die zwei Bücher von Wolfram Lotz aus dem Vexer Verlag zugeschickt habe. Nun trafen wir uns, weil ich Jeanne für eine Performance beim Vexer Fest engagiere. Sie wird den Prolog aus dem Stück "Lächerliche Finsternis" vortragen. Jeanne ist ein echter Glücksfall und ich freue mich sehr auf ihren Auftritt. Wir haben uns zum Glück sofort bestens verstanden und uns im Atelier schnell einigen können über den Ort der geplanten Performance. Es gibt Tage, da passt einfach alles.

1. November: Die Buchmesse edICIon an der Schule für Gestaltung war sehr angenehm. Es gab viele Lesungen und Gespräche. Das sehr junge Publikum hat mich richtig aufgestellt. Viele Schreibende vom literarischen Institut und viele Studierende von der Grafikfachklasse waren da. Das hat richtig Spass gemacht. Es ist auch immer wieder interessant all die Neuigkeiten von anderen Verlagen anzuschauen. Zwei so dichte Tage bringen immer wieder neue Aspekte für die Verlagsarbeit. Zum Glück waren am Sonntagabend meine zwei Koffer nicht mehr so schwer. Die Ansichtsexemplare habe ich gleich da gelassen für die Bibliothek der Kunstgewerbeschule. Die Rückfahrt war so um einiges angenehmer. Meine Bücher und ich im Speisewagen, ohne Umsteigen bis St.Gallen. Das war richtig erholsam. Dabei habe ich die NZZ zweimal durchgelesen und einen guten Weisswein getrunken. Alles doppelt.

31. Oktober: Gegen Mittag bin ich mit dem Bus mit meinen zwei schweren Bücherrollis zum Bahnhof gefahren. Ich konnte die zwei "Emmas" fast nicht in den Bus. Bücher sind so brutal schwer aber sie lassen sich zum Glück so leicht und locker verkaufen. Das denke ich mindestens immer wenn ich mich aufmache, um Buchpräsentationen zu machen.

30. Oktober: Heute Morgen hatte ich einen anregenden Besuch. Martin Kradolfer hat die zwei kleinen Birkenästchen vorbeigebracht. Wir haben an der Ausstellung "Ausgezeichnet" die kleine aber feine Arbeit spontan gekauft. Die zwei geschnitzten Ästchen wirken wie zwei winzige Hirschgeweihe. Sie sind dick mit Aquarellfarbe bemalt und werden direkt an die Wand geklebt. Die Spitzen sind abgesägt und vorne rot bemalt, mit zwei weissen Tupfen, die wie zwei Knöchelchen wirken. Martin musste zuerst Sekundenleim einkaufen und dann ging es ruck - zuck. Nun kleben diese Dinger oberhalb der zwei alten, sehr schönen  Landschaftsbilder von C.A. Martel. Die Künstlerin ist eine unbekannte Meisterin des Kolorits aus der Dynastie der Weinhändlerfamilie Martel aus St.Gallen. Monika hat die Bilder im Brockenhaus entdeckt. Am Nachmittag habe ich meine Bücher für die kleine Buchmesse in Biel gepackt.

29. Oktober: Zur Zeit organisiere ich das Kulturfest zum 30 jährigen Jubiläum des Vexer Verlags. Es ist ein super Gefühl, dass alle Lust haben mit zu machen. Aber es gibt viel zu telefonieren und der PC läuft langsam heiss.

28. Oktober:  Heute habe ich einen richtig strengen Atelier - Aufräumtag eingeschaltet. Am Abend bin ich seit langer Zeit wieder einmal in die Kellerbühne gegangen. Tritonus spielte auf. Einige Musikanten waren aber noch geschwächt von einer Hochzeitsfeier. Eigentlich müsste man sich diese Musik zu einem Gelage in einer schönen Kneipe mit einer grossen Feuerstelle anhören.

27. Oktober:  Am Morgen bin ich als Erstes zu Marco Stefani in die Zahnarztpraxis zur Besichtigung des Schadens an meinem Zahn und zur Besprechung der Reparatur gefahren. Als erstes wurde ein Röntgenbild gemacht. Es scheint möglich, mit Keramik des weggebrochene Stück Zahn zu ersetzen. Ich bin zuversichtlich.

Am Nachmittag sind wir nach Aarau gefahren. Im Stadtmuseum fand die Vorpremiere vom Film "Comédie Humaine - Eine Begegnung von Architektur und Kunst" statt. Sandra Gysi und Ahmed Abdel Mohsen begleiteten mit der Kamera das Kunst und Bau Projekt für die Fassade des Stadtmuseums. Ich finde den Film sehr stimmig und informativ. Das Publikum war auf jeden Fall begeistert. Für mich war das ein sehr bewegender Abend. Ein Projekt, das mich über fünf Jahre beschäftigt hat, ist nun mit all den beteiligten Menschen dokumentiert.  

26. Oktober: Gesund Leben birgt auch Risiken. Heute Morgen ass ich getrocknete Aroniabeeren mit meinem Frühstücksmüesli. Ich habe die Beeren zu wenig lange eingeweicht. Prompt biss ich mir ein grosses Stück von einem geflickten Stockzahn aus. Nun steht ein Amalganklotz wie der Piz Badile in meinem Maul. Schrecklich.

25. Oktober: Ein fauler Sonntag mit viel Lesen und herumkramen. Am Abend besuchten wir die Finissage im Kulturraum mit einer Auswahl von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten Jahren einen Förderbeitrag vom Kanton erhalten haben. Ursula Badrutt machte eine Führung durch die Ausstellung. Ein angenehmen Wochenausklang.

24. Oktober: Heute Morgen wurde das fünfte und sechste Ster Brennholz geliefert. Ich kann den Bauern Toni Eberhard aus Dicken als Holzlieferant bestens empfehlen. Wir haben mit dem Holz unseren überdachten Feuerplatz etwas vor Wind und Kälte geschützt. Jetzt haben wir eine hölzerne Stube im Aussenraum. Am Abend hatten wir eine schöne Runde mit guten Freunden zum Maroni- und Suppenschmaus eingeladen. Die Maroni hat Monika im Piemont selber gesammelt und ich habe sie direkt über dem Feuer gebraten.  Ein richtig schöner Abend war das. 

23. Oktober: Heute hatte ich spontan eine sehr ergiebige Sitzung mit Arica Engeler und Karl Fürer. Ich plane ein Buch zum siebzigsten Geburtstag von Karl. Diese Entscheidung traf ich nach einer Veranstaltung im Kulturraum des Kantons vor einem Jahr. Anlässlich der Ausstellung "Vedi Napoli e poi muoni - Grand tour der Mönche" las Erica Engeler Texte zu Bildprojektionen von Karl A. Fürer. Die Beiden arbeiteten 2011 kurz nacheinander in der Kulturwohnung des Kantons St.Gallen in Rom. Diese Performance hat mich nachhaltig beeindruckt und ich freue mich, ein schönes Buch über Rom herauszugeben. Geplant ist die Buchpremiere anlässlich der Eröffnung der Ausstellung von Karl  A. Fürer im Architekturforum in St.Gallen am 25. Februar 2016.

Am Nachmittag richtete ich sechs riesige und schwere Bücherpakete für das Kunstmuseum Luzern. Die sehr schönen Bücher von Jeroen Geel werden für den Schriftentausch vom Museum in alle Welt versendet.

Am Abend haben wir uns kurzentschlossen, die Filmpremiere im Kinok zu besuchen. Gezeigt wurde der Film "Vanité" im Beisein des Regisseurs Lionel Baier. Der Film ist lustig, tiefsinnig und immer wieder überraschend. Sterben ist auf jeden Fall nicht so einfach auch wenn man sich selbst dafür entscheidet. Dieser Filmabend war ein Vergnügen, mit den  grossartigen Darstellern: Carmen Maura, Patrick Lapp, Ivan Georgiev, Adrien Barazzone, Nian Théron, Pierre-Isaie Duc, Monique Kramer, Stéphanie Blanchoud u.a.

22. Oktober: Heute war ich den ganzen Tag beschäftigt mit dem Schreiben von einem Text zum Thema "Sammeln". Das Kunstmuseum Luzern plant nächstes Jahr eine Sammelausstellung mit Werken aus dem eigenen Haus, mit der Ergänzung der Sammlung Luc Roberts aus Genf. Für diese Ausstellung erscheint eine Publikation. Vor einigen Jahren hat mich Luc Robert angerufen. Er hatte einen Torso von mir gekauft bei der Deweer Art Gallery in Belgien. Beim Transport wurde der Torso beschädigt. Kurzentschlossen habe ich dann in einer zweistündigen "Notoperation" den blutroten Körper in meinem Atelier wieder hergestellt. Das Ehepaar Robert besuchte in dieser Zeit die Kathedrale in St.Gallen. Die inbrünstigen Stossgebete haben sicher geholfen, dass die Operation ohne Komplikationen gelungen ist.

21. Oktober: Um 10.30 Uhr hatte ich eine Sitzung in Zürich für unser 150 Jahr Jubiläum von visarte.ch. Wir planen unter Anderem eine Tour de Suisse. Mit einem wunderschönen Piaggio werden alle Sektionen besucht. Es werden in vielen Städten Kulturbegegnungen organisiert und wir möchten Kulturinteressierte über die wichtigsten Anliegen von visarte informieren. Das sind Themen wie soziale Sicherheit, Urheberrecht, Folgerecht, Kulturförderung, Vernetzung, Kulturpolitik und vieles mehr.

20. Oktober: Am Abend besuchte ich das Kulturgespräch, das von der Fachstelle für Kultur der Stadt St.Gallen an der Haggenstrasse 45 angeboten wurde. Es ging um das Thema der Zwischennutzung von leerstehenden Räumen. Der Anlass war sehr gut besucht. das Thema von Freiräumen für die Kultur ist schon seit Jahrzehnten aktuell. Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation des grossen, alternativen Kulturprojekts Neubad in Luzern. Ich fühlte mich etwas in die 80er Jahre versetzt. Viel junge Kulturschaffende fühlen sich heute wieder an den Rand gedrängt, weil die etablierten Institutionen die ganzen Kulturbutgets wegfressen und weil dadurch für junge alternative Kulturprojekte nur Brosamen übrigbleiben. Es ist wirklich bedenklich, was zur Zeit mit all den angesagten Sparübungen in der Kultur wegbricht. In Luzern soll zum Beispiel die sehr renommierte Grafikfachklasse geschlossen werden und im KKL werden jährlich unzählige Millionen verdampft. Kulturtourismus wird höher gewichtet wie kulturelle Basisarbeit. Das kann nicht gut gehen.

15. Oktober: Um neun Uhr bin ich mit dem Voralpenexpress nach Luzern gefahren. Ich traf dort Christian Seferin von Diener & Diener Architekten. Wir waren eingeladen, zusammen über das Kunst und Bau Projekt für die Fassade vom Stadtmuseum Aarau zu referieren. Die Hochschule für Architektur organisiert immer wieder Veranstaltungen über die Mittagszeit. Dazu wird eine Suppe serviert. Die Präsentation ist gut angekommen und die Veranstaltung war sehr gut besucht.

Anschliessend fuhr ich über Olten nach Brig und dann nach Domodossola. Dort traf ich eine Kollegin und zusammen fuhren wir weiter nach Omegna. Wir hatten uns verabredet für ein verlängertes Arbeitswochenende.

14. Oktober: In den letzten Tagen war ich mit viel organisatorischem beschäftigt. Am 12. Dezember feiern wir das dreissig jährige Jubiläum vom Vexer Verlag in meinem Atelier an der Haggenstrasse 51. Ich möchte einige Jubiläumseditionen herausgeben und ein Kulturprogramm anbieten. Bis jetzt sind alle begeistert und freuen sich darauf an diesem Anlass mitzumachen.

Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren. Thomas Müllenbach hatte seine Buchpremiere bei der Edition von Patrik Frey. Das Buch mit den Aquarellen ist wunderschön geworden. Thomas hat auf jeden Umschlag ein Original - Aquarell gemalt. Mit dieser Publikation sind wieder sechshundert neue Werke entstanden. Das ist wirklich super aber es zeigt auch wie viel man heute als Künstler bieten muss, damit überhaupt noch Bücher gekauft werden.

Vor der Buchpremiere habe ich alle Ausstellungen im Löwenbrräuhaus angeschaut. Am meisten beeindruckt hat mich die präzis inszenierte Präsentation von sechs späten Bronzeskulpturen von Hans Josephson in der Galerie Hauser & Wirth. Da stimmte jetzt einfach wirklich alles.

11. Oktober: Diese Woche war ich sehr viel im Atelier. Monika war in den Ferien und ich konnte mich so richtig schön treiben lassen bei meiner Arbeit im Atelier und am Kochherd.

7. Oktober: Heute besuchte mich Sara Merten. Sie arbeitet an einer Studie über unabhängige Ausstellungsräume in den 80er Jahren. Ich habe alles Archivmaterial über die St.Galerie zusammengestellt. Leider habe ich keine Einladungskarten von all den Ausstellungen mehr. Die habe ich entsorgt bei meinem Atelierwechsel 1992, da ich damals dachte, dass das nie mehr jemanden interessieren würde. Nun zeigt sich, dass die St.Galerie ein wichtiger Ort für Schweizerkunst war. Roman Signer hat dort seine erste Aktion vor Publikum gemacht. Alex Hanimann hatte seine allererste Ausstellung in dem Raum, Peter Fischli und David Weiss, Walter Pfeiffer, H.R. Fricker, Silvia Bächli, Eric Hattan, Anna Winteler, Alex Silber, Rut Himmelsbach und viele weitere Künstler waren damals in St.Gallen präsent.

3. Oktober: Gegen Mittag kam sehr pünktlich der Transporteur aus Berlin. Ich hatte alles sehr gut vorbereitet und alle Bücher in Schachteln verpackt. Ich habe auch alle Doubletten aus meiner Bibliothek geräumt und für Vera eingepackt. Mir fällt immer wieder auf, dass ich über die Jahre sehr schöne Bücher zwei oder dreimal kaufe. Ja nun geht ein riesige Palette mit Büchern nach Berlin.

Nach dem Beladen des Lieferwagens war ich weiterhin beschäftigt mit Aufräumarbeiten. Als ich schon im Bus sass merkte ich, dass ich mich ja für ein Klassentreffen in Oberriet angemeldet hatte. Es wurde höchste Zeit, denn um 17 Uhr sollte ich im Restaurant Schäfli im Moos sein. Das war ein sehr angenehmes und anregendes Treffen. Leider waren einige ehemalige Mitschülerinnen in den Ferien. Zum Glück hatte ich dann nach Mitternacht noch eine Mitfahrmöglichkeit. Mein letzter Zug wäre erst um 5.30 Uhr in St.Gallen eingetroffen.

2. Oktober: Ich plane zur Zeit einige Editionen von Künstlerinnen und Künstlern für unsere Vexer Jubiläumsausstellung im Dezember. Heute morgen sind schon einige sehr schöne Ideen eingetroffen. Zur Mittagszeit habe ich drei ganz unterschiedliche Salate zubereitet. Unser nachsommerliches Fitness- und Abspeckprogramm geht weiter. Am Nachmittag arbeitete ich wieder an meinem Aufräumprogramm und einer grossen Entsorgungstour. Es ist unglaublich wie viel Ballast sich bei der Arbeit im Laufe der Zeit ansammelt. Das Gleiche passiert ja auch bei der Ernährung wenn man nicht aufpasst.

Gegen Abend habe ich zusammen mit Monika meine Atelier Vermieterin in der Geriatrie besucht. Das war sehr traurig. Frau Schüpbach ist sehr schwach und sie kann das Bett nicht mehr selbstständig verlassen.  Ich bin nun schon seit 1992 Mieter an der Haggenstrasse und ich kann mich gut erinnern, wie ich damals nach der Besichtigung der Räume spontan den Mietvertrag unterschrieben habe. Wir haben uns spontan sehr gut verstanden. Da ist in der Zwischenzeit ja schon fast ein viertel Jahrhundert vergangen.

1. Oktober: Der Tag begann mit einer intensiven Therapiestunde. Theresa hat mein Körperbewusstsein enorm erweitert. Meine Muskeln scheinen mir komplett neu sortiert und gruppiert zu sein. Auf dem Heimweg versuchte ich etwas vor mich hin zu pfeifen. Es kam nur ein leises Zischen und viel Luft. Ich fühlte mich richtig entmaterialisiert. Eine super Voraussetzung um die nächsten Tage Bücher herum zu schleppen. Wir machen einen grossen Transport, damit Vera in Berlin auch einen schönen Vorrat von allen Vexer Büchern hat. Bücher aus der Schweiz ins Ausland zu verschicken ist oft teurer wie die verpackten Bücher. Ab Berlin wird nun in Zukunft alles viel günstiger. 

29. September: Am Nachmittag fuhr ich mit dem Zug nach Zürich. Ich hatte zusammen mit Christoph und Regine eine Besprechung mit Christian Jankowski. Wir diskutieren zur Zeit ein spannendes Projekt für die Manifesta. Ich hoffe dass diese originelle Idee zusammen mit visarte Schweiz möglich wird. Das wäre für den Berufsverband visuelle Kunst eine tolle Sache im Jubiläumsjahr.

28. September: Heute habe ich zusammen mit Vanja weitergearbeitet am Herbstputz im Atelier. Ich muss dringend meine Bibliothek und das Bücherlager optimieren, damit ich wieder Platz für die Neuerscheinungen habe. Am frühen Nachmittag ist Roland Früh vorbeigekommen um alle Vexer Titel durch zu schauen. Ich finde es natürlich super, dass nun noch mehr Titel von uns in der Bibliothek im Sitterwerk zu finden sind.

27. September: Monika hat zusammen mit einer Freundin einen langen Spaziergang gemacht und ich putzte in der Zeit das Haus. Wir haben genau definierte Aufgaben bei der Hausarbeit. Beim Putzen bin ich gerne alleine. Zu zweit kann ich ganz schön grantig werden. Ich war so schnell mit dem Staubsauger, dass ich noch Zeit fand im neuen Buch von Rolf Lappert zu lesen. Gegen Abend habe ich für uns alle ein feines Reisgericht mit einem ziemlich scharfem Gemüse gekocht.

26. September: Zusammen mit Menga und Fredi haben wir heute das Museum Rietberg in Zürich besucht. Diese kleine Städtereise haben wir spontan abgemacht. Vor einer Woche haben uns unsere Freunde aus Deutschland auf diese sensationelle Ausstellung zur Kultur der "Sepik", aus Papua Neuguinea  aufmerksam gemacht. Das war wirklich ein kulturelles Höhenlicht. Eine echte Sensation. Befremdend und unangenehm berührt wird man beim Gedanken, dass die Männer der Sepik Kopfjäger gewesen sind. Sie bauten ihr Selbstwertgefühl auf, indem sie möglichst viele Köpfe von Männern aus ganz bestimmten Dörfern von ihren rituellen Kriegszügen mit nach Hause bringen konnten. Das erhöte auch ihr Ansehen in ihrem Clan. Grauslich. In der Sonderausstellung "Enthüllung der Linie" habe ich zudem eine Zeichnung eines indischen Künstlers von einem Elefanten gesehen , die mich in ihrer "Geschwindigkeit" tief beeindruckt hat. Ich meine damit nicht eine schnelle Zeichnung, sondern die aufgezeichnete Kraft und das Tempo eines ausreissenden Elefanten. Ein Meisterstück.

Anschliessend sind wir zum Zürichsee spaziert und haben uns kurz entschlossen für eine Seefahrt entschieden. Wir hatten Glück denn in wenigen Minuten legte ein Boot an und wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein bis zum Landesmuseum Im Park wird nun schon die wirklich spannende Architektur von Christ & Gantenbein sichtbar. Ein starker Betonbau umgibt wie ein Gebirgspanorama den kitschigen Altbau. Und das Ganze steht in einem grossartigen Park mit einem sehr alten und beeindruckenden Baumbestand. Von hier aus bewegten wir uns zu Fuss und mit dem Tram Richtung Hardturmbrücke und besuchten das Restaurant im Prime Tower. das ist alles sehr eindrücklich. Ich muss sagen, dass mir Zürich in den letzten Jahren sehr viel näher gekommen ist.

24. September: Heute Mittag hat uns ein Bauernehepaar aus Dicken zwei Ster Brennholz geliefert. Gemeinsam haben wir das Holz aufgeschichtet und anschliessend zusammen Kaffee getrunken. Der Bauer hat auch unsere grosse Buche im Garten begutachtet. In diesem Winter werden wir diesen schönen Baum fällen müssen. Er wird immer mehr zu einer Bedrohung für die Häuser. Als Ersatz habe ich schon vor Jahren junge Vogelbeerstauden wachsen lassen. Das ist ein sehr vielseitiger und interessanter Baum. Im Internet habe ich diese Bezeichnungen für den Baum gefunden. "Eberesche, Schwiiesche, Stinköschä, Nielesche, Gürmsch, Gärgetsch, Mooseisch, Wiismehlbomm, Drosselbeere oder Quitsche": Das sind alles Volksnamen für die Vogelbeerbäume.

Am Abend trafen wir uns in der ehemaligen Stickfachschule für eine Sitzung der Fachkommission "HF bildende Kunst". Der Künstler Alex Messzmer ist seit den Sommerferien neuer Lehrgangsleiter. Er löste Adrian Notz und Beate Rudolph ab.

22.  September: Heute musste ich mich einmal mehr mit hängigen Gesuchen für Buchprojekte befassen. Es wird zunehmend schwieriger, Bücher zu finanzieren. Zusammen mit Vanja musste ich auch sämtliche Titel im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) aktualisieren.

21. September: Heute musste ich früh aus den Federn. Eine Sitzung für visarte beim Bundesamt für Kultur in Bern. Ich bin einmal mehr fast fünf Stunden Zug gefahren für eine einstündige Sitzung. Aber es war einmal mehr sehr angenehm und sehr spannend.  Ich hatte endlich auch Zeit, im neuen Buch "Über den Winter" von Rolf Lappert zu lesen. Ich mag diesen Schriftsteller sehr und in diesem Buch beschreibt er einen erfolgreichen Künstler, der eigentlich gar kein Künstler mehr sein will.

20. September: Nach dem Hochzeitsfest auf luftigen Höhen in Naraus haben wir gut geschlafen in einem Hotel in Flims. Wir wollten unbedingt gegen Mittag in St.Gallen sein, da wir Freunde aus Deutschland erwarteten. Wir trafen uns dann direkt im Kunstmuseum um die Ausstellung zum Thema Licht anzuschauen. Es werden viele Werke aus der Sammlung Ricke und einige Malereien von Impressionisten im Dialog präsentiert. Für die vielen Arbeiten würde man sich viel mehr Platz wünschen. Licht hat es in sich. Wenn zu viel leuchtet geht der Glanz verloren.

Anschliessend sind wir zur Lockremise gefahren, um die Ausstellung der Britischen Bildhauerin Phyllida Barlow anzuschauen. Ich habe die Ausstellung schon am Tag der Eröffnung gesehen und ich habe mit Freude festgestellt, dass mir die Werke heute beim zweiten Mal besser eingefahren sind. Irgendwie war an diesem Nachmittag das Licht sehr viel besser. Die Werke hatten an diesem Nachmittag eine sehr schöne Strahlkraft. Eigentlich könnte man auch von dreidimensionalen Malereien sprechen oder von Leerstücken für Farbe, Form und Raum.

Am Abend hat Monika eine wunderbare Lachsforelle aus dem Bodensee gebraten und wir konnten mit Christian und Renate unsere Kunstdiskussionen, angereichert mit Anekdoten aus dem gelebten Leben weiterführen. Das war ein schöner Tag, eine Fortsetzung ist  geboten.

19. September: Als ich letzte Nacht um 24 Uhr nach Hause kam las ich in meinen E-Mails, dass Jean - Christophe Ammann gestorben ist. Ich hätte einen Artikel für eine Sonntagszeitung schreiben sollen. Nun war es aber bereits zu spät. Im Zug hatte ich vom kommenden Blutmond am 28. September um drei Uhr in der Früh gelesen. Irgendwie passt diese sehr spezielle Konstellation. Jean - Christoph sagte einmal am Anfang des Films von Edith Jud, dass er eine Art Blutsauger sei, dass er von den Ideen und Konzepten der Künstler lebe...  Die Sonne, Lilith, die Erde und der Mond werden am 28. 9. auf einer Linie stehen. Ich bin sehr gespannt was für Energien das auslösen wird.

Am Mittag sind wir losgefahren nach Flims zu einem sehr schönen Hochzeitsfest. Wir fuhren mit zwei Sesselliften in die Höhe. Nach all dem feinen Essen, dem Wein und dem wilden Tanzen war dann die Fahrt in die total dunkle Nacht schon sehr speziell.

 18. September: Ich bin frühzeitig nach Zürich gefahren. Wir suchen heute den neuen Preisträger oder die Preisträgerin für Kunstvermittlung. Diese Auszeichnung wird im nächsten Frühjahr zum fünften Mal vergeben. Der Preis wird gemeinsam vom Schweizerischen Kunstverein und von  visarte Schweiz vergeben. In die Jury waren berufen: Andrea Saemann, Gerhard Mack, Felicity Lunn Roland Roos und Jean-François Steiert. Als ich im Büro von visarte ankam wurde ich informiert, dass Feliciry Lunn nicht an der Jurierung teilnehmen kann. Ihr Mann Pascal Danz verunfallte tödlich bei einer hiking tour in Island. Ich mag Pascal als Mensch und als Künstler. Diese schreckliche Nachricht hat mich tief getroffen.

 Ich musste dann für Felicity in der Jury einspringen. Wir führten sehr intensive und tiefe Diskussionen über die vielfältigen Möglichkeiten von Kunstvermittlung. Die Ausmarchung war sehr fair und ich bin überzeugt, dass wir eine gute Wahl getroffen haben.

 Anschliessend bin ich nach Olten gefahren zur Eröffnung und zur Buchvernissage von Claire Goodwin im Kunstmuseum. "THE MUSEUM OF THE UNWANTED". Auch Pascal Danz ist mit zwei grossen Werken an dieser Ausstellung beteiligt. Pascal wurde von Dorothe Messmer gewürdigt und die ganze Gesellschaft war geschockt von der Todesnachricht. Der Abend hatte etwas sehr tröstliches. Viele Freunde und Bekannte waren da und die Ausstellung ist für mich eine der Besten, die ich in diesem Jahr gesehen habe. iIh mag es sehr, dass Clare der absoluten Sauberkeit, dem einengenden white cube Denken und dem Superstargetue etwas ganz spezielles entgegengesetzt hat.

16. September: Ich wollte heute früh ins Atelier. Jetzt ist es bereits nach zwölf Uhr und ich bin noch nicht aus dem Haus gekommen. Der Tag begann grossartig mit dem Auspacken der drei neuen XYLON Nummern von Ana Stricka.  Jean-Luc Manz und Fred Bauer. Ich bin begeistert über diese neuen Mappen.  Es ist so überraschend, wie alles exakt ins gegenwärtige Weltbild passt. Ich habe es dann doch noch geschafft ins Atelier zu kommen. Ich muss dringend den Jahresputz machen. Abfallholz wegschaffen, Lager optimieren, Archivieren, alle eingekauften Bücher einräumen, und  - und - und.

Um 17 Uhr kommt bereits wieder ein Transport mit den neuen Büchern von Clare Goodwin. Das macht grosse Freude. Die Bücher sind sehr schön geworden.

15. September: Ich habe in den letzten Wochen an einem Konzept gearbeitet für neue Weihnachtskarten für die Stiftsbibliothek in St.Gallen. Krispin Hée hat mir bei der grafischen Umsetzung geholfen. Heute morgen musste ich nun alles ausdrucken lassen und dann bei Cornel Dora präsentieren. Es geht dabei um sehr alte Holzschnittmotive von einem unbekannten Meister, die um 1410 als unikates Blockbuch herausgebracht worden sind. Die Motive waren damals wahrscheinlich gedacht als Vorlagen für Künstler. Es geht dabei um die Weissagungen der Sibyllen. Da gibt es Texte von der persischen, lybischen, erithräischen und der cumanischen Sibylle. Die Texte erinnern in frappanter Weise an das Flüchtlingselend von heute. Das sind echte Weissagungen.

14. September: Nach unserem Wochenende in München hatte ich hunderte von Mails zu beantworten und um 9.45 musste ich bereits wieder zum Bahnhof. Zuerst einige Pakete bei der Post abgeben und dann ab nach Zürich. Wir haben eine weitere Besprechung für das visarte Jubiläumsfest. Es gab dann viel zu besprechen und ich war dann erst um halb vier Uhr wieder zu Hause. Heute kam eine kleine Bestelllawine für Bücher auf mich zu. dann gab es wunderbare Neuigkeiten von Vera. Sie hat nun die finanziellen Mittel beisammen, um das von ihr konzipierte Fotobuch von Wolfram Hahn zu realisieren. Zwei Stiftungen sind bereit dieses Projekt zu unterstützen. Das ist grossartig.

13. September: In der Stadt herrscht eine sehr spezielle Stimmung. An diesem Wochenende sind in München über 20000 Flüchtlinge angekommen. Die Innenstadt ist überfüllt mit durstigen und kaufwütigen Touristen und in Turn- und  Messehallen lagern tausende Menschen, die sich auf der Flucht befinden.

Gemeinsam mit Patricia haben wir die Ausstellung im Haus der Kunst mit einer Auswahl von Münchner Künstlern angeschaut. Die riesigen Räume wirkten schäbig und die gezeigte Kunst beweist, dass Künstlerinnen und Künstler in München eine ganz andere Realität durchleben. Da ist gar nichts von Glanz und Gloria und dem üblichen schicki micki von der reichen Stadt München zu spüren. 

Einen künstlerischen Höhepunkt erlebten wir in der Pinakothek der Moderne. Zilla Leutenegger zeigt auf 400 Quadratmetern eine eindrückliche Auswahl ihrer Werke. Zur Ausstellung ist ein sehr schönes Künstlerbuch erschienen. Zillas Welt handelt von der "gehobenen", gelebten Einsamkeit und Vereinzelung, die von vielen erfolgreichen Menschen erlebt wird. Ein ganz starkes zeichnerisches Werk mit Licht, Schatten und feinem Humor.

Monika und ich sind eigentlich nach München gefahren, um meine Arbeiten abzuholen, die ich vor zwei Jahren in München gemacht habe. Unter Anderem meine ganze Familie, die ich als kleine Figuren in Pappelholz geschnitzt habe. Ich weiss nicht wie wir als Grossfamilie hätten flüchten können. Nun transportiere ich meine Familie einfach im Koffer wieder nach Hause.

12. September: Am Samstag haben wir uns die vielen Ausstellungen in der Städtischen Galerie im Lehnbachhaus angeschaut. Der Neubau gefällt mir sehr und die Präsentation der Sammlung ist Beispielhaft. Der neue Direktor Matthias Mühling hat sehr viele, mir völlig unbekannte Positionen von Münchner Künstlerinnen und Künstlern aus der Region eingebaut. Das sieht man selten und es ist spannend, wie sich die lokalen Künstler in einem internationalen Kunstkontext eingebettet wunderbar behaupten.

Am Abend haben wir uns zusammen mit Patricia und Gerd verköstigt im Hirschgarten. Ich habe mich gestärkt durch üppig Weisswein und Tafelspitz. Es war Wunderbar. Gerd ist ein grosser Fan von Robert Walser. Nun muss ich unbedingt wider einmal den Gehülfen lesen. Ich arbeite ja schliesslich im Haggenquartier. Da ist Walser sicher oft vorbeispaziert und hat einen Most getrunken bei der Familie Schüppach, bevor er dann zur Sitter und weiter nach Niederteufen gegangen ist.

11. September: Wir sind bereits um 5.30 Uhr aufgestanden. Unser Bus nach München fährt um 6.30 beim Bahnhof ab. Der Reisepreis ist mit 25 Franken extrem tief angesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen wie man da Geld verdienen kann. Wahrscheinlich bezahlen die miserable Löhne. Die Fahrt war sehr angenehm. Die Enge im Bus muss man allerdings ertragen. In München hat uns Patricia London Ante Paris abgeholt und direkt zu ihrer Wohnung gebracht. Wir haben uns in der Stadt vergnügt und am Abend kochte Patricia ein wunderbares Gulasch. Mit dabei waren Gerd, Scarlett Berner und Jan Roth, der Lampen Designer. Ein schöner und unterhaltsamer Abend in der Nähe vom Künstlerhof.

10. September: Ich habe wieder angefangen zu fotografieren. Langsam reift eine Idee für eine neue Bilderserie. Wir sind in der letzten Zeit so viel herumgefahren und auf diesen Fahrten hat sich sehr vieles geklärt. Am Abend habe ich Roman Signer in meinem Atelier getroffen. Wir haben einen schönen Tausch gemacht. Grosse Freude herrscht. Dann musste ich meine Reisetasche packen.

9. September: Nach einem anstrengenden Tag wurde ich von Nachbarn eingeladen zu einer Herbstfahrt zum Bodensee in ihrem wunderschönen Oldtimer Limousine. Bei diesem Auto sitzt man vorne zu dritt. Wir sind zu fünft nach Sommeri gefahren und haben fein gegessen im Löwen. Schön war es und gut.

8. September: Um Eins haben wir uns mit Vera in Winterthur getroffen. Es gibt soviel zu besprechen. Buchprojekte, das 30 Jahr Jubiläum in St.Gallen am 12.12., der Vexer Verlag in Berlin und viel privates. Wir sind nach dem Essen den ganzen Nachmittag vor dem Gewerbemuseum im Restaurant an einem sonnigen Platz gesessen und haben uns bestens unterhalten.

7. September: Am heutigen Morgen hatte ich viel aufzuarbeiten. Ausstellungsanfragen, Verlag, Texte etc. Um 11 Uhr sind wir zum Bodensee gefahren. Trotz dem sehr schönen Wetter lag die Aussentemperatur nur bei 13 Grad. Der See war ziemlich aufgewühlt aber wunderbar erfrischend. Heute wurde mir klar warum der See auch das Schwäbische Meer genannt wird. Wir mussten richtig mit den Wellen kämpfen. das macht einen richtig klaren Kopf. Um halb Eins musste ich bereits zum Bahnhof. Ich war eingeladen zu einer Veranstaltung des neuen Dachverbandes "Kunstmarkt Schweiz" im Kunstmuseum Bern. Da waren viele bekannte Gesichter anzutreffen. Um 16 Uhr sprach Christian von Faber Castell sehr engagiert über die Probleme und die Entwicklungen im Kunstmarkt. Er plädierte aus Sicherheitsgründen für eine möglichst internationale Verteilung von Kulturgut, für Transparenz im Handel, Innovation und Information. Er beklagte die fehlende Öffentlichkeits- und Pressearbeit des Kunsthandels. Anschliessend listete die neue Präsidentin des Dachverbandes Silvia Furrer die aktuellen und zukünftigen Probleme des Kunstmarktes auf. Um halb sechs begann die Paneldiskussion mit David Cahn, Kuno Fischer, Peter Haas, Simon Studer, Benno Widmer und mir. Gesprochen wurde über das Folgerecht, Zollfreilager, Schwarzgeld, das neue Kulturgüter Transfer Gesetz, Geldwäscherei im Kunsthandel etc. Ich plädierte für die gesetzliche Verankerung des Folgerechts, da es sich dabei um einen wichtigen Teil des Urheberrechts handelt. Das Folgerecht ist ein international anerkanntes Grundrecht der Künstlerinnen und der Künstler. Es ist wichtig und richtig, dass nun seitens der Behörden und der Politik entsprechende Schritte unternommen werden, dies gesetzlich zu verankern. Das Folgerecht fördert die Transparenz im Handel, es nützt  den Kunstschaffenden und es dient dem Kunstmarkt Schweiz, seinen guten Ruf zu sichern und zu festigen. Ich bin sicher, dass unsere Juristinnen und Juristen beim Bund eine einfache und handhabbare Lösung für die Umsetzung des Folgerechts finden. Die anschliessenden Gespräche nach der Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Kunstmarkt stimmen mich sehr zuversichtlich. Der Kulturjournalist von Faber Castell meinte, dass das Folgerecht mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht zu vermeiden sei.

6. September: Nach dem Frühstück haben wir uns entschlossen die Ausstellung von Urs Lüthi in der Kunsthalle Göppingen anzuschauen. Mit dabei waren Monika, Patrizia London, Jan Roth, Christian Gögger und ich. Die Ausstellung ist sehr schön gehängt und durchkomponiert. Urs Lüthi ist ein Meister der feinen Selbstironie und der präzisen Inszenierung. Für diese Ausstellung hat er eine ganz starke Grafik herausgegeben mit einem Selbstportrait. Auf dem etwas ungläubig in die Welt schauenden Gesicht von Urs tummeln sich 13 Fliegen. Monika hat mir spontan die Grafik als Geburtstagsgeschenk gekauft. Das Blatt passt bestens zu meinem sechzigsten. Es wächst kein Kraut gegen das Altern. In einem Raum wurde eine schöne Arbeit von Ian Hamilton Finnlay präsentiert. "Three Sailboats", drei Sonnenschirme sind aufgespannt. Dazwischen stehen drei Sockel mit je einem Segelbootmodell. Die Boote sind beschriftet mit Juan Gris, Jean Cocteaux und Eric Satie. Die drei müssten sich eigentlich gekannt haben oder sind sie aneinander vorbeigesegelt? Ich glaube diese Arbeit wurde vor vielen Jahren auch bei Stampa in Basel gezeigt.

Anschliessend standen wir eine Stunde im Stau. Wir schafften es dann aber doch rechtzeitig nach St.Gallen. Ich hatte ein Treffen mit der Künstlerin Grace Yoon vereinbart. Sie arbeitet an einem Feature für eine Radiosendung zum Thema DADA. Das war eine kurze aber spannende und unterhaltsame Begegnung. 

5. September: Heute morgen machten wir uns auf den Weg in Richtung Stuttgart. Zuerst besuchten wir aber das Kunsthaus in Bregenz. Die amerikanische Malerin Joan Mitchell wird mit einer grossen Überblicksausstellung gewürdigt. Diese Ausstellung zeigt einmal mehr wie Künstlerinnen im letzten Jahrhundert immer wieder hinter ihren Malerkollegen eingeordnet wurden. Jackson Pollock, Franz Kliene oder Willem de Kooning wurden lange viel höher eingeschätzt. Die gestische und farbliche Energie in den Malereien zeigen eine organische Urkraft und eine Wucht, die die Betrachtenden in den Rückwärtsgang versetzt. Ich kann mir vorstellen, dass Vincent van Gogh, könnte er diese Bilder sehen, von einem starken Ohrensausen befallen würde.

Mit diesen Landschaften von Joan Mitchll im Kopf sind wir anschliessend nach Untergröningen gefahren. Im barocken Schloss organisiert der Kunstverein KISS regelmässig Sommerausstellungen. Der Ausstellungsmacher Christian Gögger hat mich eingeladen, den Vexer Verlag zu präsentieren. Auf einem grossen Büchertisch und in Vitrinen konnten wir das ganze Verlagsprogramm ausbreiten. Am Samstagabend gab es ein Sommerfest mit Führungen durch die Ausstellung eine  Lichtinstallation im Gewölbekeller des Münchner Lichtdesigners Jan Roth, eine Grossprojektion von Mikrofotografien von Manfred P. Kage, die Videodokumentation zur Arbeit "Vexer Necker Skulptur" von Roman Signer mit einem Gespräch zwischen Christian Gögger und mir als Verleger. Es war ein kühler aber wunderbarer Abend. Ich habe viele Künstlerfreunde aus den 80er Jahren wieder gesehen und wir konnten trotz der langen Zeit die Gespräche von damals weiterführen. Es war eine grosse und sehr interessierte Gruppe von Menschen anwesend und ich habe einen wunderbaren Kuchen, das beste Sauerkraut und die feinsten Würste gegessen. Der Heimatverein hat das super gemacht. In der Nacht sind wir noch nach Esslingen gefahren. Der Landgasthof "Lamm" war leider bereits ausgebucht von einer Fahrradgruppe.

4. September: In den letzten Tagen habe ich das tägliche Baden im Bodensee genossen. Das erfrischt nicht nur den Körper sondern auch die Hirnzellen. Zur Zeit mache ich die Vorarbeiten für das Buch, das ich mit Karl Fürer und Erica Engeler plane, die beide kurz nacheinander in der Atelierwohnung des Kantons St.Gallen in Rom waren. Die Texte von Erica und die Skizzen von Karl sind nun ausgewählt. Nun beginnt der anstrengendste Teil, nämlich die Geldsuche für das Projekt.

2. September: Heute habe ich viele positive Rückmeldungen erhalten auf die Verleihung des Prix visarte. Ich glaube das wird noch viel auslösen für die Kunst am Bau und für Kunst im öffentlichen Raum. Die Diskussion über finanzielle Mittel bei öffentlichen Bauten für Kunst am Bau ist für Kunstschaffende eminent wichtig.  In St.Gallen verpasste es der Kanton bei zwei Grossbauten, Kunst und Bau zu ermöglichen. Beim Verwaltungsgericht von den Architekten Stauffer Hasler hat weder der Bund noch der Kanton St.Gallen einen Franken für Kunst ausgegeben und auch beim Bau der Fachhochschule beim Bahnhof St.Gallen wurde nichts für die Kunst am Bau eingeplant. In St.Gallen werden in den nächsten zehn Jahren rund eine Milliarde Franken für Neubauten des Zentrumspitals verbaut. Ich hoffe doch sehr, dass hier ein Prozent der Bausumme für künstlerische Beiträge eingeplant wird.

Um das gute Gefühl nach dem gestrigen Tag abzurunden bin ich am Mittag zusammen mit Monika zum Schwimmen an den Bodensee gefahren. Die Badi war absolut leer. Wir hatten den See für uns alleine. Als wir ins Wasser stiegen, öffnete sich für eine halbe Stunde lang der Himmel wie ein Krater und wir konnten bei herrlichem Sonnenschein unser Bad geniessen.

1. September: Der Morgen begann früh mit einer wohltuenden Therapiestunde für meine Rückenmuskeln, die Wirbelsäule und den Nacken. Auf dem Fahrrad fühlte ich mich anschliessend wie befreit. Ich habe auf dem Heimweg mir völlig unbekannte Melodien gepfiffen. ich schrieb dann am Morgen weiter an meiner Schlussrede für die Prix visarte Verleihung in Thun. Am Nachmittag führ ich das erste Mal in diese Stadt. Die Preisverleihung an Navid Tschopp, Kathia Schenker und an Yves Netzhammer war ein wunderbarer Anlass. Ich bin überzeugt dass die Jury eine sehr gute Auswahl getroffen hat. Der Begriff Kunst und Bau wird erweitert um viele Fassetten. George Steinmann überraschte mich mit seiner grossartigen Musik. Ich kannte George schon lange als Künstler aber Blues spielen habe ich ihn noch nie gehört. Ich musste dann relativ früh zum Bahnhof. Die Reise nach St. Gallen dauert ziemlich lange aber ich hatte sehr nette und interessante Gesprächspartner. Eine Künstlerin, ein Galerist und ein Kunstvereinspräsident.

31. August: Am Morgen früh holten wir zwanzig Kartonmappen ab bei Gebhard Fischer. Der Buchbinder wäre schon seit Jahren pensioniert aber er arbeitet immer noch sehr zuverlässig. Dann mussten wir die Mappen zum Siebdrucker in Winterthur bringen. Die werden nun bedruckt für das Mappenwerk Nummer 4 von XYLON. Das bot uns die Gelegenheit während der Fahrt alle anstehenden Fragen zu klären. Im Auto ist das ja immer so unausweichlich und dicht. Jetzt ist alles klar.

30. August: Nach dem Frühstück in Biel zeigte mir Hansjörg sein Atelier direkt an der Aare. Richtig schön und inspirierend, dieser alte Industriebau. Kurz vor Eins bin ich dann nach Olten gefahren. Dieter Hall schwärmte vor zwei Tagen von der wunderbaren Adolf Dietrich Ausstellung im Kunstmuseum. Das Museumsräume mussten mit provisorisch aufgestellten Ventilatoren heruntergekühlt werden, damit die Farbe nicht von den Bildern tropft. Ich übertreibe natürlich etwas aber es war wirklich sehr heiss und ich war erstaunt über den schlechten baulichen Zustand des Hauses. Die Stadt Olten täte gut daran, das Kunstmuseum einmal richtig zu sanieren. Ich bin ein grosser Fan von Adolf Dietrich und ich verstehe überhaupt nicht, warum dieser Künstler immer wieder in die Nähe der naiven Kunst gerückt wird. Dietrich hat sehr früh mit schwarz - weissen, fotografischen Motiven gearbeitet, die er dann in Malerei umgesetzt hat. Das ist eigentlich frühe konzeptuelle Malerei. Als Reiselektüre habe ich mir das Buch "Fussreise mit Adolf Dietrich" von Beat Brechbühl gekauft. Schade, dass John Berger oder Hans Bösch nie über Dietrich geschrieben haben. Ich glaube da wäre die Heimreise um einiges kurzweiliger geworden.

Am Abend haben wir über dem Feuer einen schönen Fisch gebraten, dazu habe ich Kartoffelschnitze im Backofen gebacken. Selber gepflanzt und selbst geerntet - ein Genuss! Dazu gab es einen Salat mit ganzen, vorgekochten Krautstielblättern  mit einer Handvoll angedünsteten Tomatenstücken. Getrunken haben wir einen absolut einfachen Wein vom Piemont. Ein Wein, natürlich wie Apfelmost für 1.20 der Liter. Direktimport.

29. August: Nach 12 Uhr bin zum Bahnhof in St. Gallen gefahren. Ich wollte frühzeitig in Grenchen sein für die Buchpremiere im Kunsthaus und für den Spaziergang mit Sebastian Utzni. Auf dem Bahnhof waren sehr viele junge Leute und vor den Billet Automaten bildeten sich lange Schlangen. Ich hatte sehr viel Zeit um ein Ticket zu besorgen aber es wurde trotzdem sehr knapp. Im letzten Moment hechtete ich in den wartenden Zug. Der Zug war komplett überfüllt mit jungen Menschen, die an die Street Parade in Zürich fahren wollten. Der Zug hatte eine technische Panne. Die Heizung lief auf Hochtouren und das bei über dreissig Grad Aussentemperatur. Ich brauchte dann für meine Fahrt bis Grenchen mehr als dreieinhalb Stunden. Die Ausstellung hat mir sehr gut gefallen und der einstündige Spaziergang durch die Peripherie von Grenchen zusammen mit Sebastian Utzni bot viele kleine Überraschungen. Nach der Rückkehr war auf dem grossen Platz beim Kunsthaus ein grosser Tisch für alle Gäste vorbereitet. Die Glut in der Feuerstelle war bereit für das Braten der Würste. Ein gelungener Abend mit überraschenden Gästen. In der Nacht fuhr ich dann zusammen mit Hansjörg und Verena nach Biel. In der Stadt herrschte ein reges Treiben. Ein schönes Altstadtfest war im Gange. Wir entschieden uns dann aber für Whisky und Vollmond auf dem Balkon hoch über dem Bielersee. Wir sahen  dann gleichzeitig den Mann und den Hasen im Mond. Ich bin ziemlich sicher, dass der Mond auch uns sah. Wir waren um Mitternacht auch ziemlich rund.

28. August: Heute erlebte ich wider einmal einen dieser sehr anstrengen Tage.  Von 10 bis 17 Uhr hatte ich eine visarte Zentralvorstandssitzung in Zürich. Die Themenvielfalt und die langwierigen Diskussionen  sind sehr spannend aber auch sehr anstrengend. Wir konnten eine riesige Traktandenliste abbauen. Ich fuhr dann gleich nach Liestal. In der Kunsthalle Palazzo wurde die Ausstellung "die Welt retten/Arche" eröffnet. Ich habe zwei grosse, glühende Abendstimmungen und drei kleine Landschaftsmalereien beigesteuert. Das war ein sehr schöner Abend mit vielen guten Begegnungen. Ich sah nach sehr langer Zeit wieder einmal Nick Messerli, der den Palazzo nun schon seit 1978 bespielt.  Dass ist eine erstaunliche lokale Kulturgeschichte. Monika kam von einer Sitzung in Basel an die Eröffnung und wir konnten dann gemeinsam nach St.Gallen zurückfahren. Ich mag es sehr, nach einer Eröffnung, während der Bahnfahrt die Eindrücke austauschen zu können.

27.  August:Heute Morgen sind die Bücher von Sebastian Utzni geliefert worden. Das erste frisch gedruckte Buch zu öffnen ist immer ein sehr spezieller Moment. Das Buch heisst "Memoria" und ist zur gleichnamigen Ausstellung im Kunsthaus Grenchen erschienen. Das Resultat ist eine echte Freude. Ich habe dann gleich zwei sehr schwere Taschen mit Büchern nach Hause geschleppt, um die ersten Bestellungen erledigen zu können. Anschliessend schrieb ich einen Text für die Vernissage von Vanja Hutter, Efa und Walter, die am Abend angesagt war. Die drei besuchten am Samstag gemeinsam einen Malkurs in Appenzell. Sie malten alle das gleiche Bild "Wasserfall am Berg" nach der Methode von Bob Ross. Das Konzept von Vanja sieht vor, dass immer wieder drei Kollegen gemeinsam diesen Malkurs besuchen und dass irgendwann rund dreissig Mal das gleiche Bild von unterschiedlichen Menschen gemalt, zusammenkommen. Der Malkurs kann immer nur von fünf Personen gleichzeitig besucht werden. Die Vernissage am Abend war sehr lustig. Die Besucher mussten raten wer welches Bild gemalt hat. Die anschliessenden Begründungen waren richtig spannend und die Trefferquote erstaunlich hoch. Ja wer Bob Ross noch nicht kennt sollte sich unbedingt einen der Filme im Internet ansehen. Malen kann so einfach sein.

26. August: Heute Abend habe ich einen erstaunlich witzigen Schweizerfilm gesehen. "Les grandes ondes - Revolution auf Langwelle" vom Westschweizer Filmemacher Lionel Baier. Der Direktor des Westschweizer Radios schickte auf Anweisung des Bundesrats drei seiner Leute nach Portugal, wo sie positiv über Schweizer Entwicklungshilfe  berichten sollten. All die Hilfsprojekte erweisen sich als gescheitert und die journalistische Mission am Ende - doch in Portugal ereignet sich etwas Schicksalhaftes. Der Film hat mich persönlich total unerwartet in meine Jugend katapultiert, denn im Sommer 1974 bin ich mit einem Jugendfreund kreuz und quer durch ganz Europa gereist mit dem Inter Rail. Kurz nach der Nelkenrevolution landeten Hansruedi Kühnis und ich in Lissabon. Wir erlebten damals riesige Aufmärsche von Menschenmassen mit fröhlichen Demonstrationen. Das ganze Volk bebte vor Aufregung nach der Beendigung der Diktatur. Die ganze Stadt war komplet zugekleistert mit Wahlplakaten. Wir hatten fast kein Geld und schliefen irgendwo am Strand. Und nun heute Abend, 41 Jahre später sehe ich diesen Film. So Geil. Es ist wie in einem Traum. Schade, dass wir damals keinen VW Bus hatten.

25. August: Gestern ist der ganze Busbetrieb auf dem Hauptbahnhof umgestellt worden wegen den geplanten Bauarbeiten. Ich weiss noch nicht wie das funktioniert. Zuerst muss ich ein Namensschild machen lassen bei Mister Minit im Neumarkt. Dann geht's an die Fürstenlandstrasse zu einer Besprechung im St. Galler Tagblatt. Ich bekomme eine "Carte Blanche" für eine Sonderbeilage für die EXPO 2027. Ich glaube das kommt sehr gut. Meine Laune hat sich sichtlich aufgehellt. Ich stellte mir die hässliche Fürstenlandstrasse als grossen, belebten Boullveard vor, mit einer Alle von riesigen, schattenspendenden Platanen.  Ich ging zu Fuss Richtung Stadt, pfiff fröhlich vor mich hin und stolperte von Baugrube zu Baugrube.

24. August: Ein dichter Tag steht mir bevor. Am Morgen früh zum Buchbinder, um die Kartonmappen für das neue Mappenwerk von XYLON zu bestellen, dann nach Zürich für mehrere Sitzungen. Ich werde warscheindlich erst nach sechs Uhr wieder zu Hause sein. Monika kommt heute von Italien zurück und wird mich fein bekochen. Das wird schön.

23. Sonntagsfreuden, lesen, schreiben, Arbeiten auslegen. Schauen, Garten geniessen, vor sich hin pfeifen...

22. August: Heute morgen bin ich in die Stadt gefahren und habe auf dem Markt eingekauft. Ab und zu geniesse ich das sehr. Das lange Anstehen beim Biogemüse, das Zuhören, mit welcher Geduld und Präzision Menschen ihr Gemüse auswählen. Das klingt dann etwa so: Geben Sie mir doch bitte zwei mittlere ungewaschene Rüebli, drei kleine noch nicht ganz reife Tomaten, einen halben Bund  Vollmondbergpetersilie, zwei grossgewachsene Zwerggurken .... usw. " Als ich eine der Verkäuferinnen fragte ob nun ich dran sei, sagte sie nein leider nicht. Nach etwa zwanzig Minuten wurde ich dann auch ganz freundlich bedient. Die Gurke, die ich bereit gelegt hatte in einem Karottenkistchen, war in der Zwischenzeit eingeschlafen und ich wusste beim besten Willen nicht mehr, was ich eigentlich einkaufen wollte. Ich habe dann beim netten Vorarlberger ein paar Hirschwurzeln gepostet.

21. August: Ja für einen Freitag war heute viel los. Ich habe duzende Bestellungen erledigt  für den Verlag. Am Abend bin ich zusammen mit Efa und Vanja nach St. Peterzell gefahren für die Ausstellungseröffnung zum Thema Zufall in der Probstei. Bernard Tagwerker zeigt eine schön bunte Arbeit. Die Rückfahrt gestaltete sich schwierig. Der letzte Bus fuhr um 20.18 ab aber in  Schönengrund war bereits wieder Schluss. Dort hätten wir eine Stunde warten müssen auf das Postauto nach Herisau. Wir gingen dann zu Fuss weiter. Zum Glück nahmen uns Thomas und Elisabeth Nembrini mit ihrem postautofarbigen Renault mit nach St.Gallen. Das war sehr lustig. Spontan besuchten wir noch die Ausstellung in der Lockremise von Phyllida Barlow. Die Engländerin hätte eindeutig viel mehr oder viel weniger zeigen sollen. Das Kunstmuseum präsentiert vorwiegend  Werke aus der Sammlung von Ursula Hauser. Es hat wunderbare Arbeiten dabei. Die Fülle der Werke ist aber erschlagend. Die Bildhauerin hat in den letzten Jahren überzeugt mit ihren raumfüllenden Rieseninstallationen. Die Ausstellung zeigt, wie schwierig es ist, mit ganz tollen Einzelarbeiten eine schlüssige Rauminstallation zu schaffen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Phyllida Barlow am liebsten alles bereits verkaufte zu einer neuen Grossskulptur zusammengebaut hätte. Aber eben - verkauft ist verkauft.

20. August: Ich bin schon früh ins Atelier gefahren, um Dokumente in meinem Archiv zu suchen aus den frühen 80er Jahren. dabei bin ich auf viele Fotos von unserer Familienzeit im Bleicheli gestossen. Der Abbruch der Kartonagefirma, die Synagoge, Monika jung und schön und mit Vera schwanger, das frisch bemalte AJZ an der Gartenstrasse, unser provisorisches Atelier in unserer Wohnung für Textilentwürfe etc. Eigentlich suchte ich aber Unterlagen über die St. Galerie. Pünktlich um 11.00 Uhr traf Theodor Brunner im Atelier. Er holte meine Bilder ab für die Ausstellung "die Welt retten/Arche", die in der Kunsthalle Palazzo in Liestal stattfindet. Dann kam auch noch Bernard Tagwerker vorbei. Er holte einen Stapel von seinem sehr schönen Buch "to whom it may conzern" für die Ausstellung zum Thema Zufall in der Probstei St. Peterzell.

19. August: Heute Morgen bin ich zusammen mit Vanja beschäftigt mit der Aktualisierung der Einträge im VLB. Um 10 Uhr kam Sara Merten vorbei. Ich hatte sie völlig vergessen. Sie arbeitet mit an einem Forschungsprojekt vom Schweizer Nationalfond zum Thema "Alternative Ausstellungsorte" in den 80er Jahren. Die von mir gegründete und geleitete St. Galerie existierte von 1979 bis 1982. Das war eine spannende Zeit. Im Moment werde ich sehr oft in verschiedenen Zusammenhängen mit meiner Vergangenheit konfrontiert. Das ist gleichzeitig anstrengend und beglückend.

18. August: Heute ist Monika nach Agrano gefahren. Ich habe sehr viel zu tun für den Verlag. Vera bereitet einen Newsletter vor für Kunst und Bau Nummer 4 von Thomas Stricker. Die Serie bekommt mit jeder neuen Nummer mehr Gewicht.

17. August: Heute hatte ich ein lange Sitzung bei visarte Schweiz in Zürich. Es gibt viel zu tun für die Kunst und die Künstler aber die Auseinandersetzungen mit aktuellen Themen in der Kulturpolitik interessieren mich sehr. Ich liebe auch die freie Zeit beim Zugfahren. Das ist immer sehr inspirierend, wenn man so durch die Landschaft flitzt.

16. August: nach langem Ausschlafen und anschliessendem Schwimmen im Regen haben wir ein gemütliches Frühstück genossen. Am Nachmittag sind wir dann nach Murg am Walensee gefahren für die Finissage von "LAVORARTE" im ehemaligen Mädchenheim. Gesang, Gespräche, guter Wein von Bosshard + Grimm und Pizza waren angesagt. Meine 17 teilige Arbeit "Heimweh" packten wir vorsichtig ins Auto und fuhren dann zurück nach St.Gallen. Das war ein ziemlich anstrengendes aber spannendes Wochenende.

15. August: Nach einem gründlichen Hausputz sind wir zum Sempachersee gefahren. Hugo feiert Geburtstag. Trotz leichtem Regen sind wir zuallererst schwimmen gegangen. Wir feierten wegen dem schlechten Wetter im nahen Jachtclub. Umgeben von Schiff - und Piratenbildern tanzten wir ziemlich wild in den Morgen hinein. Noch in der Nacht haben wir dann alles aufgeräumt. das ist immer eine sehr gute Ausnüchterungskur.

14. August: Heute wird ein neuer Holzofen im Nachbarhaus eingebaut. Das wird richtig gut. Am Abend sind wir zu einem wunderbaren Familienessen eingeladen.

13. August: Heute ist der grosse Stempel eingetroffen, den ich für den Versand von Sebastian bestellt habe. Auf jeden Umschlag werde ich nun ein grosses "memoria" in roter Farbe auf die Umschläge stempeln. Fröhliche Stunden - ein richtiger Postbeamtentraum...

12. August: Am Morgen früh hatte ich meine Therapiestunde. Meine Muskeln sind etwas ausser Kontrolle geraten. Jetzt werde ich regelmässig geknetet und neu zusammengesetzt. So ähnlich wie beim Brotbacken. Ich staune immer wieder, was da an Muskeln, Sehnen und weiteres Zeugs an mir dran hängt. Anschliessend habe ich den Versand eingetütet für die Buchpremiere von Sebastian Utzni im Kunsthaus Grenchen und Vanja hat sich um die Aktualisierung der Homepage gekümmert. Das ist auch eine endlose Baustelle aber es gibt keinen Weg zurück.

11. August: Die letzte Woche musste ich sehr viel aufarbeiten, das  sich in den Ferien angestaut hat. heute fuhr ich für eine Sitzung nach Zürich. Wir hatten bei visarte eine Besprechung mit zwei Performerinnen und diskutierten über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Förderung von der Performancekunst. PANCH hat eine sehr informative Homepage. Für Performancekünstler sehr zu empfehlen.

Nach dieser Besprechung traf ich Clare Goodwin. Wir werden im Vexer Verlag in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Olten zwei Bücher von Clare herausgeben. das eilt alles. Die Produktion sollte Mitte September bereits fertig sein.

Auf der Rückfahrt hielt der Zug fast 20 Minuten in Will. Nach sehr langer Zeit wurden die Fahrgäste informiert, dass es eine Aggression im Zug gab und dass die Polizei einschreiten musste. Stillstand mag ich nicht. das war echt mühsam.

10. August: Gestern haben wir am Sonntagmorgen vor dem Schwimmen unseren Spaziergang am Bodensee barfuss absolviert. Zwei Stunden Barfuss laufen gibt ein sehr gutes Gefühl.

9. August: Seit unserer Rückkehr aus den Ferien sind wir fast jeden Tag an den Bodensee gefahren zum schwimmen. Wir kauften uns eine Saisonkarte im Schwimmbad Horn. Wir haben auch den Grossbrand erlebt bei den Gewerberäumen von Raduner. Seit diesem Brand gibt es spezielle Begebenheiten. Wir haben an einer Boje weit draussen im See eine Wasserschlange gesehen und zwei Tage später las ich in der Zeitung, dass ein Wildschwein über den See geschwommen ist. Das könnten ja vom Brand geschockte Tiere sein. Na ja, ich hoffe das Wasser ist nicht all zu stark verschmutzt worden. Nach meiner Berechnung sind deutlich mehr wie eine Million Liter Wasser in das Feuer gespritzt worden.

8. August: Gestern bin ich schon um sieben aufgestanden um einen Brotteig vorzubereiten mit drei Kilo Vollkornmehl. Das war eine Freude, diesen riesigen  Brotlaib zu kneten. Wir hatten am Abend zusammen mit unseren Nachbarn ein kleines Ferienabschlussfest verabredet und rund zwanzig Leute eingeladen. Wir haben den ganzen Tag gekocht und einen grossen, weiss gedeckten Tisch vorbereitet. Wir sassen bis um halb Zwei im Garten. Das war richtig schön und niemand aus der Nachbarschaft hat reklamiert.

6. August: Ich bin früh in mein Atelier gefahren und habe vieles aufgeräumt und einige Arbeiten neu präsentiert. Ich versuchte auch mein Archiv aufzuräumen. Ich erwartete "hohen" Atelierbesuch und musste Unterlagen aus den 80er Jahren vorbereiten. Das sind immer gute Gedächtnistrainings. Beim Suchen finde ich aber meistens Sachen, die ich längst vergessen habe oder ich stosse auf interessante Bücher, die ich dann fast nicht mehr weglegen kann. Das Verrückte ist aber, dass jeden Tag neues Material dazu kommt. Ich liebe es Zeitungsartikel auszuschneiden und dann in meiner Bibliothek in die Bücher der besprochenen Künstler zu legen. So bleiben die Bücher aktuell.

4. August: Der abnehmende Mond ist eine gute Gelegenheit mit einer Fastenzeit ligth zu beginnen. Kein Alkohol bis Freitag, viel Wasser, wenig Fleisch, dafür frischen Fisch auf dem Feuer gebraten und schönes Gemüse. Diese Woche habe ich mir reserviert um alle angestauten Geschäfte zu erledigen, die während den Ferien liegen geblieben sind. Es war aber gar nicht so viel. Ich glaube die Hitze hat ganz Europa lahmgelegt.

3. August: Die letzten Tage in Agrano waren mehr als warm. Wir erwarteten täglich auf etwas Regen. In der ganzen Region herrscht Wassermangel. Ich glaube ich habe noch nie so lange Zeit nur das aller Notwendigste gemacht. Ein bisschen lesen, ein bisschen schreiben , viel schlafen, etwas kochen und gut Essen. Am Freitag war dann Schluss mit der Apathie. Wir haben alles aufgeräumt und sind nach Brissago gefahren zu Peter und Madeleine. Auch hier gutes Essen und interessante Gespräche. In der Nacht folgte der lang ersehnte Regen. Der See war fast nicht mehr zu sehen. Am Morgen mussten wir früh los fahren, da wir einen Besuch bei Lilly Keller in Montet geplant hatten. Beim Gotthard gab es eine Stunde Stau aber wir erreichten unser Ziel wie abgemacht präzise um 14 Uhr. Lilly war sehr guter Dinge. Sie hat uns durch den Garten geführt, der um diese Jahreszeit enorm dicht verwachsen ist. Die ungewöhnliche Hitze zeigt auch hier Spuren. Viele Bäume leiden unter Sonnenbrand. Meinen letzten besuch machte ich vor einem halben Jahr und Monika war das erste Mal hier. Lilly hat sehr viel gearbeitet in dieser Zeit. Ich bewundere diesen ungebremsten kreativen Fluss, der auch durch das Alter nicht zu bremsen ist.

Wir sind dann weiter gefahren nach Biel, um Hansjörg zu treffen. Er hat zusammen mit Verena ein wunderbares Japanisches Geburtstagsessen gekocht. Ein unterhaltsamer Abend mit freiem Blick auf die Stadt und den See, zusammen mit Thea und Mathias, die wir auch schon Jahrzehnte lang kennen aber selten sehen. Thea hat ein kleines Büchlein mitgebracht, das ich 1980 zusammen mit ihr gezeichnet habe, als sie bei uns als neunjährige in den Ferien war.

Am Sonntag besuchten wir das Kloster Bellelay im Jura. Das Bieler Künstlerpaar Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner "Haus am Gern" hat in der barocken Kirche eine eindrückliche Installation realisiert. Die Ausstellung wurde kuratiert von der Kunsthistorikerin Marina Porobic, die auch in der visarte Biel aktiv mitarbeitet. Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen im Verlag "Haus am Gern". Dieser Sonntag wurde zu einem richtigen visarte Treffen an einem kulturgeschichtlich interessanten Ort und das an einem Vollmondsonntag.

Das war ein sehr intensives Wochenende und die Fahrt von Brisago durch die ganze Schweiz war ein anregender Schlusspunkt unserer Sommerferien mit guten Gesprächen mit vielen interessanten Menschen.

27. Juli: Heute Morgen bin ich zuerst zum Hühnerstall gehumpelt, um zwei frische Eier zu holen. (Mein rechter Fuss behindert mich immer noch) Eigentlich esse ich immer am Sonntag ein drei Minuten Ei. Meine Parole "Kein Sonntag ohne Frühstücksei" habe ich nicht eingehalten weil ich einfach vergessen habe, dass es Sonntag ist. Also wollte ich das heute nachholen. Gestern Abend haben wir Raclette auf dem offenen Feuer zubereitet. Ich machte  schon mehrere Versuche, die richtige Gemüsemischung als Hauptbeilage zu finden. Dieses Mal habe ich fein geschnittene Peperoni, Zwiebeln, Karotten, Chinakohl, und Fenchel mit etwas Salz im Dampf gegart. Dazu kochten wir frische Kartoffeln. In kleine, spezielle Bratpfännchen, die wir auf dem Wochenmarkt entdeckt hatten, legten wir eine Schicht Gemüse, das wir flächig mit Raclette Käse bedeckten. Obendrauf kommen feingeschnittene Tomaten und Zwiebeln. Die Pfännchen stellten wir auf den Rost über der Glut und deckten sie mit einem Blechdeckel ab, damit der Käse schön schmelzen kann. Ja und wenn der Käse über dem Gemüse geschmolzen ist, kippt man das Ganze über die aufgeschnittenen Kartoffeln. Muskatnuss, Kümmel, Salz und frischen Pfeffer nicht vergessen. Mit einer frischen Jogurt - Kräutersauce und einem feinen Gurkensalat ist das ein erstaunlich frisches Sommeressen. OH - wie kann das Leben doch schön sein. Nebiolo erzeugt übrigens, üppig genossen  einen klaren Blick für die Probleme der Welt! OH - HO!

26. Juli: Sonntagmorgen. Ich bin schon um acht Uhr aufgestanden. Heute war es wirklich kühl. Ich habe mir einen Schal umgebunden, wie es nur Mike Shiva schöner könnte. So eingemummt habe ich zwei Stunden am PC geschrieben. Dann war alles gelöscht. Falsches Programm oder höhere Mächte? Scheisse - jetzt geniesse ich den Sonntag und beginne noch einmal von vorn mit einem frischen Kaffee und ohne das bunte Tuch.

25. Juli: Monika und ich haben uns entschieden am Abend ein feines vegetarisches Essen zu kochen. Wir haben dazu folgende Zutaten aus dem Biogarten verwendet: zwei riesige Tomaten, Sommerschnittlauch, Bachkresse, ein Bund Basilikum und drei Gurken (geraffelt) für den Salat. Den grünen Linsen haben wir frische Pfefferminze beigemischt. In einem Topf kochten wir fein geschnitten: fünf Tomaten, drei Zucchini, zwei Peperoni, vier Auberginen, drei Zwiebeln und wilden Spinat als Gemüseragout. Dazu gaben wir frischen Ananassalbei, Majoran, Estragon, Rosmarin etc. Dazu servierten wir CUSCUS als Sättigungsbeilage. Als wahre Leckerei gab es obendrauf noch einen stark angebratenen, marinierten Tofu mit frischen Zucciniblüten. Habe ich noch etwas vergessen? Na ja - Heinz kredenzte dazu einen sehr feinen Ripasso und das nicht zu knapp! 

24. Juli: heute hat mir Vanja in einer Mail geschrieben, dass sie gut wieder in St. Gallen angekommen sei. Sie schrieb: "ich hoffe, dass du dich entspannen kannst. Lass dich fallen." das habe ich ja dank Wicki wirklich gemacht. Ich kann es aber trotz der Ferien nicht lassen, täglich die neusten Nachrichten aus aller Welt zu lesen und alle meine E-Mails zu beantworten. Die täglich eintreffenden Buchbestellungen sende ich zur Erledigung direkt an Vera in Berlin weiter. Im Moment müssen wir uns dringend um die Verlagsförderung kümmern und das ist sehr aufwändig. Vera hat bereits ein ausführliches Dossier für den Kanton vorbereitet. Internet sei Dank ist es ja heute möglich grosse Datenmengen um die Welt zu senden und zu kommentieren. Ach ich will jetzt aber zum Apéro.

23. Juli 2015: In diesem Jahr habe ich schon drei sehr liebe Hunde kennen gelernt. Ich hätte nie für möglich gehalten,dass ich meine Angst vor Hunden je verlieren könnte. Wicki hat mir dabei sehr geholfen. Er ist eine wunderbare Mischung von einer Bergamaske und einem "Ichweissnichtmehrwas". Lustig, fidel, anhänglich, folgsam äusserst eigenwillig und kraftvoll ist er. Gestern Abend sind wir  zusammen in einem kleinen Städtchen am Ortasee zum Essen gegangen. Diesen Ausflug hat Wicki sehr genossen und er wurde im Laufe des Abends immer wilder wegen den vielen zu erschnüffelnden Hundegerüchen. Als wir zurück zum Auto spazierten roch er eine ganz heisse Spur und er zog mich mit einer unbändigenden Kraft durch die schmale Gasse. ich hing an der Leine, stolperte über den Hund, der um die Ecke bog, schürfte mir die Handgelenke auf und verstauchte mir den rechten Fuss. ABER - ich habe dem Hund und einigen Autofahrern das Leben gerettet. Ich weiss nicht was passiert wäre mit Wicki und all den Anderen, wenn am Randstein der stark befahrenen Stasse nicht meine 87 Kilo Lebendgewicht an der Hundeleine gehangen wären. Ja wir leben alle noch.

20. Juli: Ich habe viel Zeit zum lesen. Arbeiten macht keinen Sinn. Es ist sehr heiss und heute warten wir schon seit einer Stunde auf ein Gewitter. Alle Eidechsen haben sich verkrochen und ich habe das als klares Zeichen eines Jahrhundert Gewitters interpretiert. Eventuell sind sie aber auch aus Angst verschwunden. Monika hat nämlich gestern eine Eidechse in der Kühlschrank Türe eingeklemmt. Das ist sicher unangenehm, die eine Hälfte in der Kälte und den Vorderteil in der Bruthitze. Nun vergeht die Zeit und kein Tropfen Regen ist bis anhin gefallen. Ich habe einige Geschichten von Thomas Hürlimann gelesen und mich bestens amüsiert. Mal sehen was der Tag noch bringt. Ein leichter Wind treibt weitere Wolken ins Tal. Der Weisswein ist bereits gekühlt und schon bald werde ich kleine Peperoni anbraten für den Apero. Das Holz dafür habe ich bereits gehackt und das Leben ist recht schön. Weit unten liegt der Ortasee und verdampft ganz still. 

19. Juli: Heute haben wir einen Spaziergang durch den Wald gemacht um meinen Mammutbaum "Felice" zu besuchen. Monika wurde dabei von einer Schlange überrascht. Monika blieb ganz ruhig und ich hörte das Reptil nicht einmal zischen, so schnell war die im nächsten Busch. Ich habe mich dann etwas später etwas zittrig neben meinen "Felice" gestellt und der Baum ist erstaunlicherweise exakt gleich gross wie ich. 184 Zentimeter. Es geht ihm prächtig. Der Baum erscheint kräftig und trotzdem sehr fragil. Die Grundstruktur ist sehr fein und elegant. Nicht so buschig wie eine Rottanne.

18. Juli: Jetzt konnte ich gerade den lange ersehnten Artikel zum Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller lesen in der WOZ. Ich finde Lilly Keller grossartig. Mit 86 Jahren arbeitet sie immer noch unbeirrt und mit einer bewundernswerten Frische an ihrem Werk. Der Kulturjournalist der WOZ hat es nicht so geschätzt, dass Lilly Keller von ihrem Mann verlangte, dass er das Geld für den Lebensunterhalt verdient, damit sie als freie Künstlerin arbeiten kann. Ich glaube er schätzt Lilly als verwöhnte Oberschichtgöre aus den fünfziger Jahren ein. (Ihr Vater arbeitete ja schliesslich bei der Post und bei Bekannten der Familie hiengen Klee Zeichnungen an der Wand). Wie auch immer, ich denke, dass Lilly mit ihrer Kunst mehr als das tägliche Brot verdient hat. Dazu kommt ein immenses künstlerisches Werk, das es noch zu entdecken und zu sichern gilt. Eine emanzipierte Beziehung zu leben bedingt auch heute noch gegenseitige Absprachen und Entscheidungen. Gell WOZ. (Habe fertig) 

16. Juli: Heute musste Vanja bereits wieder zurück nach St. Gallen. Monika hat sie zum Bahnhof gebracht. In den letzten Tagen konnte ich mich schon richtig gut abhängen lassen. Heute hatte ich die Aufgabe, einen Hahn zu kochen. Der Hahn musste im letzten Herbst geschlachtet werden, weil er nach einem Lebensjahr zu aggressiv geworden war. Monika hat die aufgetauten, dunkelrot und orangefarbenen Fleischstücke schön vorbereitet und ausgebeint. Ich habe bei der offenen Feuerstelle ein kleines Feuer vorbereitet und das Fleisch und einige grössere Knochen in einer alten gusseisernen Pfanne angebraten, mit frischen Zwiebeln aus dem Garten und selbst eingemachtem Tomaten Püree von Silvia. Dann habe ich alles abgelöscht mit einer guten Flasche Rotwein. Dazu habe ich ein Bündel Thymian, Lorbeerblätter und viel frischen Rosmarin in die Pfanne gegeben. Ich habe darauf geachtet, dass das Feuer gleichmässig und nicht zu heftig brennt. Das Fleisch liess ich eineinhalb Stunden köcheln. Danach habe ich geschälte Karotten, eine mit Nelken gespickte Zwiebel und eine in acht Stücke geschnittene Sellerieknolle beigelegt und noch einmal eine Stunde auf dem Feuer köcheln lassen. Ganz zum Schluss legte ich eine grosse Hand voll kleine Tomaten über das Fleisch und liess die ca. zehn Minuten mit köcheln. Dazu gab es Bratkartoffeln aus dem Backofen und einen wunderbaren, frisch gepflückten  Salat. Der Hahn hatte es wirklich in sich. Nach zweieinhalb Stunden garen war er zart wie ein junges Huhn aber kräftig im Geschmack wie ein wunderbares Wildgericht. Auf dem Grill gebraten wäre das Fleisch ungeniessbar und zäh wie ein Gummistiefel.

14. Juli: Alles ist sehr relaxt.

13. Juli: Andreas hat mir heute Morgen den "REX Film" vorbeigebracht. Jetzt kann ich noch alles erledigen vor meiner Abfahrt. Ich habe noch die letzten Bestellungen vorbereitet. Das Buch von Lilly Keller ist ein schöner Erfolg. Um 12.45 treffe ich Vanja auf dem Bahnhof und dann fahren wir gemeinsam nach Italien. Am Abend werden wir von Monika auf dem Bahnhof in Omegna abgeholt. Alles wunderbar.

12. Juli: Ich musste noch einiges aufarbeiten und organisieren. Am dringendsten musste ich Andreas Baumberger suchen, damit er mir die Filmaufnahmen meiner Rede zu den Würsten und den Künsten noch vor meinen Ferien übergibt. Patricia London Ante Paris organisiert in ihrem Kunstclub in München wieder eine Film und Performance Nacht am 1. August. Für diesen Anlass haben wir meine Rede vom REX als Film aufgenommen.

Am Abend habe ich ein kleines Essen für die Nachbarn vorbereitet mit allem Gemüse, das ich noch im Kühlschrank fand. Es gelang mir ein wirklich guter Tomaten, Peperoni, Fenchel, Zuggetti Gemüseeintopf mit vielen frischen Kräutern. Dazu gut gebratene Kartoffeln und Lammfleisch von der Feuerstelle. Nun ist der Kühlschrank leer und ich kann fröhlich und gut gespeist in die Ferien fahren.

11. Juli: Um 11 Uhr bin ich in die Kunsthalle St.Gallen gegangen, um mir einen Vortrag des Jordanischen Künstlers Lawrence Abu Hamdan anzuhören. Der Künstler untersucht Phänomene der Spracherkennung und der Wahrnehmung von Klängen. Anhand eines Filmes, auf dem ein Jugendlicher erschossen wird zeigte er die Differenzen des Knalls einer Gewehrkugel. Mich hat es sehr irritiert, dass der Knall als Phänomen bei Abu Hamdan solch grosses, künstlerisches Interesse weckt und nicht die politischen Hintergründe, die zur Tötung eines Menschen führen. In der Ausstellung gibt es ca. 85 Minuten Ton- und Filmmaterial anzuschauen und anzuhören. Für mich wurde hier ein interessantes Thema formal ungenügend umgesetzt.

10. Juli: Am Morgen früh hatte ich einen Termin mit dem Heizungsspezialisten. Ein etwas spezielles Vorhaben in dieser Hitze. Die Stadt will aber einen Abgastest und ich möchte die längst fällige Heizkostenabrechnung machen.

Am Nachmittag fuhr ich nach Zürich. Wir hatten ein XYLON Treffen, um die nächsten Aktivitäten zu diskutieren und zu planen. Eva Gallizzi hat dann ein wunderbares Buffet für uns vorbereitet. So macht es natürlich sehr viel mehr Spass, über Holzschnitte zu diskutieren. Wir haben beschlossen, einen kleinen internen Wettbewerb zu organisieren. Alle Mitglieder können einen Vorschlag machen für ein Xylonblatt, das das Förderblatt ersetzen soll.

9. Juli: Im Moment kann ich nicht sehr viel körperliche Arbeit verrichten. Meine linke Schulter und mein rechter Fuss sind lädiert. Ich lasse mich seit einiger Zeit behandeln bei einer sehr guten Therapeutin. Sie nennt ihre Technik Physiobalance. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Muskel- und Sehnenstränge habe. Ich scheine nun wieder einigermassen gerade in der Welt zu stehen aber ich spüre jeden Muskel. Am Nachmittag wollte ich mir ganz billige, weiche Schuhe kaufen. Am Schluss erwarb ich ein Paar Sportschuhe der Spitzenqualität für 230 Franken. Nun werde ich wohl eine Sportkarriere starten müssen, sonst kann ich diese Schuhe kaum amortisieren. Dem Verkäufer habe ich bereits angekündigt, dass ich in einem Jahr wieder vorbeikommen werde mit einem Medaillensatz, in der Hoffnung, dann einen Sponsorenvertrag zu erhalten. Jetzt geht es nächste Woche aber zuerst ab ins Trainingslager nach Norditalien. Da werde ich dann im geschützten Rahmen meine ersten Runden laufen, (oder vorsichtig gehen).

8. Juli: Heute Nachmittag sind meine grossen Holzdrucke zurück transportiert worden, die ich im Stadtmuseum in Aarau ausgestellt hatte. Ich musste das Atelier richtig kräftig durchlüften, um die Hitze der letzten Woche zu vertreiben. Da floss ja fast die Ölfarbe von den Bildern runter.

7. Juli: Kleiner Ausflug nach Konstanz. Wir treffen eine junge Künstlerin aus Berlin, die bei Gustav Kluge studiert hat. Er hat sie an mich verwiesen. Solche Begegnungen sind immer spannend.

6. Juli: Aufarbeitungssitzung bei visarte Schweiz in Zürich. Ich schätze die vielen Zugfahrten. Im Moment lese ich sehr viele Berichte über die Finanzkriese in Griechenland. Ich bin ja sehr gespannt wie sich die kommenden Entscheidungen auf die Schweiz auswirken werden. Für Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz wird es immer schwieriger, in Europa Ausstellungsprojekte realisieren und Werke verkaufen zu können. Unsere Preise sind durch die Frankenstärke fast um 20 Prozent gestiegen.

5. Juli: Um 11 Uhr haben wir uns den Film über Segantini angeschaut im Kinok. Ein Sonntags Matinee der feinsten Sorte. Der Film ist sehr gut gemacht und berührt ganz direkt. Für mich ist Segantini etwas zu brav gezeichnet. Sein Geltungsdrang und sein Hang zum ganz Grossen hat auch viel Leid und Entbehrung für die ganze Familie mit sich gebracht. Es ist aber sehr wohltuend, dass man nicht einen hobbymässig malenden Schauspieler gesucht hat um Segantini darzustellen. Mein grösstes Erlebnis mit dem Werk von Segantini hatte ich 1999 in der grossen Ausstellung im Kunstmuseum St.Gallen zum hundertsten Todestag des Malers. damals wurde das grosse Triptychon frisch nach der Restauration ohne die wuchtigen Rahmen im Oberlichtsaal des St. Galler Museums präsentiert. Für mich war diese enorme Klarheit der Bilder enorm beeindruckend. Wenn man die Bilder betrachtete wurde klar, dass diese Brillanz weder mit Video noch mit Film erreicht werden kann. Ich überlegte mir, ob es an dem unregelmässigen "Chaosraster" der Malerei liegt. In der Drucktechnik werden solche Rasterungen eingesetzt. Ich habe keine Ahnung, ob solche unregelmässigen Rasterungen im Film oder Video schon entwickelt und getestet worden sind.

4. Juli: Ich musste sehr früh aufstehen. Um 10 Uhr war eine Retraite in Solothurn angesagt vom Zentralvorstand von visarte Schweiz. Wir hatten eine sehr intensive Sitzung. Das Hauptthema waren die möglichen Projekte für das 150 Jahr Jubiläum, das wir nächstes Jahr feiern werden. Mich hat es sehr gefreut, dass sich der Zentralvorstand nach langer Diskussion einstimmig für die nun ausgewählten Projekte entscheiden konnte. Es wartet sehr viel Arbeit auf uns. In den letzten Nachmittagsstunden hatten wir das Vergnügen 30 Dossiers zu beurteilen, die eingereicht wurden für einen Atelieraufenthalt in Paris. Die Jurierung brachte erstaunlich klare Entscheidungen. Ausgewählt wurde Miriam Sturzenegger und das Künstlerpaar Camille Villetard und Matthieu Barbezat.

3. Juli: Am Nachmittag ein schnelles Bad im Bodensee in der Badi Horn, dann fuhren wir das Rheintal rauf zum Walensee nach Murg. Dort fand die Eröffnung der Ausstellung "Lavorarte" im ehemaligen Mädchenheim statt. Ich war gespannt, wie meine Arbeit mit dem Guckloch in der Türe und dem Licht wirkt. Die Veranstalter haben das sehr gut gemacht. Ich habe bewusst den Zugang zum Raum verschlossen. Die Arbeit kann nur durch ein Guckloch besichtigt werden. Die 17 geschnitzten Astgabeln sind im Raum "eingesperrt" wie die Mädchen aus dem italienisch sprachigen Raum. Meine Heimwehgeschichte ist sehr gut aufgenommen worden. Die meisten Künstlerinnen und Künstler haben speziell für die Räume Werke entwickelt. Eine meiner Lieblingsarbeiten stammt von Timo Müller. Er hat eine Tanne so präpariert, dass aus ihren Ästen Wasser fliesst.

2. Juli: Gegen Abend fuhren wir wieder an den Bodensee. Unser Nachbar Hansueli feierte seinen Sechzigsten. Der See stand hoch, das Wasser war sehr warm, das Essen und die Gäste wunderbar, die Musik Argentinisch sehnsuchtsvoll. Ein sehr schöner lauschiger Abend.

30. Juni: Monika und ich hatten eine wunderbare Aufgabe. Wir waren das erste Mal zusammen als Brautzeugen eingeladen und waren pünktlich um 15 Uhr im Hochzeitssaal in Rorschach am Bodensee. Monika und ich sangen zu Ehren des Brautpaars zweistimmig ein Liebeslied. Der Standesbeamte wollte von uns wissen, ob er uns für weitere Auftritte buchen könnte.

29. Juni: Das Wochenende war ziemlich dicht. Am Samstag ein sehr schönes Geburtstagsfest oberhalb von Bühler und am Sonntagabend Ausstellung abräumen im Geilen Block in Rotmonten. Das war wirklich eine ganz gelungene Ausstellung. Meine 11 grossen "Hundehaufen" passten perfekt in unser kleines Auto. Ich musste mich dann ziemlich klein machen aber es ging. Nun liegen die Gagel in meinem Atelier und harren der Dinge die da kommen.

26. Juni: Heute Mittag sind Monika und ich zusammen mit meiner 17 teiligen Arbeit nach Murg gefahren um alles einzurichten im ehemaligen Mädchenheim. Nach langem Bangen und Fräsen und Schleifen stehen nun die 17 "Mädchen" im Raum. Erst bei meinem letzten Besuch habe ich erfahren, dass in diesem Parterreraum bis Ende der 70er Jahre ein Kindergarten eingerichtet war. Ich musste sofort an meine Kindergartenlehrerin in den sechziger Jahren denken. Sie hiess Schwester Maria Validia. Bei einem Kindergartenausflug nach Feldkirch verirrte sie sich mit uns im Wald. Während eines heftigen Gewitters fand sie einfach nicht mehr aus dem Wald heraus. Nach stundenlangem Herumirren trafen wir zum grossen Glück einen Waldarbeiter, der sich unter einer Wettertanne vor dem Regen schützte. Mit seinem Moped holte er dann Hilfe. Im Dorf zu Hause war alles in Aufregung, weil die Kindergärtler nicht rechtzeitig angekommen waren. Nach diesem Vorfall durfte Schwester Maria Validie keine Ausflüge mehr ins benachbarte Ausland unternehmen.

Ja und unser Ausflug ging nach der Installation von meinen 17 "Kunststücken" im ehemaligen Mädchenheim Murg gleich weiter. Wir fuhren dem Walensee entlang, Richtung Sargans. Unser Ziel war Unterwasser und dann die Chäserrugg. Christine Binswanger, die Partnerin vom Architekturbüro Herzog & de Meuron hat uns eingeladen an die Eröffnungsfeier des Neubaus  auf dem Gipfel. Christine hat diesen Bau mit einem grossen Team und mit Hilfe der Seilbahn richtiggehend hochgezogen. Ein tolles Bauwerk, ein interessantes Publikum und ein sehr schönes Fest. Ich bin begeistert. Dieser Bau setzt neue Massstäbe in der Alpinen Architektur und im Holzbau.

25. Juni: Der Vortrag gestern Abend von Florian Graf in der Kunsthalle St.Gallen war wirklich stark. Sein künstlerisches System, sein Leben und seine Kunst ganz direkt mit Ausstellungsprojekten zu verbinden finde ich stark. Im Ausstellungsraum zu hausen, auf zu bauen und sich am Ende mit aus zu stellen ist konsequent aber sicher sehr anstrengend.

Heute morgen früh hatte ich eine Körpertherapie. Theresa versucht meinen geschundenen Körper wieder in eine passable Form zu bringen. Das braucht für uns beide sehr viel Energie. Ich bin immer sehr erstaunt, was da alles an Muskeln, Sehnen, Fleisch und Fett am Körper hängt.

Am Nachmittag bin ich nach Aarau gefahren. Kaba Rössler vom Stadtmuseum hat zu einem öffentlichen Gespräch zu meiner Fassadenarbeit eingeladen. Eine kleine aber sehr interessierte Gruppe von Menschen war anwesend. Ein gelungener Abend mit guten Rückmeldungen. Am 5. Juli ist der letzte Tag, an dem die Holzdrucke im Foyer des Stadtmuseums noch zu sehen sind.

24. Juni: Nach dem gestrigen intensiven Arbeitstag im Atelier habe ich mich heute mit Lesen vergnügt. Seit ich Thomas Hürlimann in Appenzell persönlich kennengelernt habe, lese ich alle seine Bücher mit grossem Spass. Das ist ein sehr schöner und motivierender Ausgleich zum einpacken und versenden von Büchern. Im Moment geht wirklich die Post ab. Das Buch über die Künstlerin Lilly Keller stösst auf grosses Interesse und wird sehr gelobt. Am Abend sind wir eingeladen in die Kunsthalle zum Galaessen. Das ist immer sehr spannend.

Die Ausstellung von Florian Graf hat mir sehr gefallen und ich freue mich auf seinen Vortrag und seine Erläuterungen zur Arbeit.

23. Juni: Ich bin früh aufgestanden. mein Ziel war, meine vielteilige skulpturale Arbeit für die Ausstellung "Lavorarte" im ehemaligen Mädchenheim in Murg am Walensee weiter zu bringen. An diesem Ort wohnten ab 1900 viele Mädchen und junge Frauen aus dem Tessin und aus Norditalien, die als billige Arbeitskräfte in der Spinnerei Murg arbeiteten. Die Mädchen wohnten hier unter der strengen Obhut von Menzinger Ordensschwestern. Ich mache eine Arbeit zum Thema Heimweh.

Hier mein Text zur Arbeit:

Heimweh 2015

Warum fast 2000 Kastanienbäume in den Wäldern von Murg wachsen

Im Tessin und in Norditalien kenne man seit Urzeiten ein wirksames Rezept gegen Heimweh, erzählte mir in diesem Frühjahr eine alte Frau in Agrano Alto im nördlichen Piemont. Wenn Menschen ihre abgelegenen Dörfer für längere Zeit verlassen mussten, nahmen sie immer einige Kastanien mit auf den Weg. An den Orten wo sie sich dann wieder niederliessen, gruben sie die Kastanien in die Erde und steckten daneben von der Rinde befreite Astgabeln in den Boden. Nur so war es möglich, im folgenden Jahr die Keimlinge für die Pflege wieder zu finden. Wenn die Kastanien austrieben und die Bäumchen wuchsen, verschwand das Heimweh von Jahr zu Jahr mehr.


Dieses Mittel gegen Heimweh hätten damals auch die Mädchen und jungen Frauen angewendet, die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter strenger Aufsicht von Menzinger Schwestern im Mädchenheim in Murg hausten und in der Spinnerei nebenan arbeiteten. So entstand im Laufe der Jahre über dem Walensee, einer der grössten Kastanienbestände in der Schweiz. Bei starkem Föhn soll das Weh der Mädchen auch heute noch bis ins St. Galler Rheintal zu spüren sein.

 


Ein Rätsel für die Wissenschaft ist die Tatsache, dass die teilweise über hundertjährigen Heimweh-Astgabeln die ich im Wald von Murg gefunden habe, bis heute nicht verrottet sind.

 

 

 

22. Juni: Der Tag begann schon früh mit einer Besprechung. Anschliessend hatten wir Zeit, die Berlinpläne von Vera und Jeremie zu diskutieren. Wenn alles klappt, bekommt der Vexer Verlag einen wunderbare Verlagssitz in Berlin.

21. Juni: Sonntag = Ruhetag.

20. Juni: Bei strömendem Regen war ein Familienfest in Kriessern angesagt. Meine Schwiegereltern feierten Geburtstag und ihr sechzig Jahre Ehejubiläum. Ich finde das bewundernswert und schön. Das war ein sehr spezielles und angenehmes Familienfest.

19. Juni: Ich freue mich auf Vera und Jérémie. Es gibt sicher viel zu erzählen von Berlin. Ich habe in den letzten Tagen immer wieder an meinem Vortrag gearbeitet für die Ausstellung im geilen Block, zum Thema "über Würste und die Künste". Dieser Vortrag war dann am Abend um 22.22 Uhr angesagt. Ich konnte noch ein kurzes Interview geben für die Sendung Schweiz Aktuell und war so aufgeregt. Meinen kurzen Beitrag musste ich dreimal wiederholen, weil immer wieder ein Pfeifton in der Leitung war. Dreimal das Gleiche sagen hintereinander ist etwas vom Schlimmsten für mich. Die Crew war aber sehr nett und hat  für die Sendung zwei brauchbaren Sätze zusammen gebastelt. Die Medienpräsenz für diese Ausstellung ist enorm. Leila Bock hat gute Arbeit geleistet. Beim Vortrag ist dann alles gut gegangen. Ich staune immer wieder, dass es Menschen gibt, die mir so aufmerksam zuhören.

18. Juni: Bin am Morgen früh losgefahren nach Basel. Bei Balzer Art Projekts traf ich Lilly Keller zum Brunch. Lilly war sehr gut in Form und sehr gut gelaunt. Ich habe mich sehr gefreut dem Musiker Balz Streiff wieder einmal zu begegnen. Ich habe ihn kennengelernt anlässlich einer Sonderwoche "Holz", die ich an der Fachhochschule in Basel geleitet habe. Das muss fast zwanzig Jahre her sein. Mit Stimmhorn habe ich dann Ende der 90er Jahre ein Konzert in der Kirche in Brülisau organisiert, während des Symposions "Berg und Zeit".

Gegen Mittag besuchte ich dann die Art Basel . In diesem Jahr wirkte für mich alles so aufgeräumt und gleichgeschaltet. Irgendwie scheint es einen Kodex zu geben, wie heute Kunst an einer Messe präsentiert werden muss.  Das genau gleiche Gefühl hatte ich auch an der Ausstellung "Swiss Art Award". Die Eidgenössische Kunstkommission hat ganze Arbeit geleistet und alles "Wiederständige und Quere" aussortiert. Die junge Schweizer Kunst präsentiert sich aufgeräumt und bereit für den international gleichgeschalteten Kunstkontext.

17. Juni: Heute hatte ich eine Besprechung mit Eva Inversini, ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Leibbrandt und mit Sebastian Utzni. Wir planen ein Buch zur jetzt laufenden Ausstellung von Sebastian zum Thema Erinnerung. Das kommt gut. Jetzt muss ich unbedingt an meiner Rede arbeiten, die ich in der Freitagnacht, am 19. Juni um 22.22 Uhr in der Ausstellung im geilen Block von Leila Bock  in Rotmonten, St.Gallen halten werde.

16. Juni: Nach einem anstrengenden Ateliertag hatte ich am Abend noch eine Sitzung mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St.Gallen. Das zusägen von skulpturalen Rohlingen aus Pappelholz hat mir richtig zugesetzt. Eigentlich wollte ich in der Nacht das Fussballspiel der Schweizerinnen gegen Kamerun anschauen. Nach der ersten Halbzeit viel ich aber fast vom Stuhl und robbte dann ins Bett.

15. Juni: Nach einem intensiven Arbeitstag fuhr ich am Nachmittag nach Basel zur Verleihung der Swiss Art Awards, der Kiefer Hablitzel Stipendien und der Meret Oppenheim Preise. Nach strengen Einlassregeln folgte ein straffes Programm und eine präzise Rede von Bundesrat Berset. Die kurzen Reden zu den Preisträgern waren aufschlussreich und passend. Der erste Eindruck der Ausstellung kann ich nur mit sehr glatt, durchdacht, strukturiert und designt beschreiben. Ich werde mir die Ausstellung am Donnerstag noch einmal vertiefter und ohne das grosse Publikum anschauen.

14. Juni: Die Nacht war schön. Ausgeruht konnte ich das kurze Frühstück geniessen und dann mit dem Zug nach Luzern fahren. Im Kunstmuseum fand um elf Uhr ein Gespräch statt mit Lena Friedli, Jeroen Geel und mit mir. Es waren rund vierzig sehr interessierte Menschen da und das Gespräch verlief sehr lebhaft.

13. Juni:Nach unserer anstrengenden Nacht sind wir um 10.30 Uhr bereits wieder los gefahren nach Auenstein zu einem Familienfest.  ich musste noch schnell einige Büchersendungen bei der Post abgeben. Die ganze Schweiz will das Buch von Fredi Lerch über die Künstlerin Lilly Keller lesen. Das macht mir grosse Freude. In der Post dauerte es sehr lange. Es gibt ja immer wieder Menschen, die dem Postpersonal den genauen Verlauf ihres Zahlungsverkehrs oder das Drama mit dem ersten Zahn ihres Kindes erklären wollen. Das dauert und dauert dann oft sehr lange. Wenn die ganze Geschichte erzählt wird, inklusive der ungerechtfertigten Mahnung der Migros und das Missverständnis gegenüber der besten Freundin, der böswilligen und gestörten Reaktion des  Nachbarn, der gerade ihre Adresse vom Briefkasten gerubbelt hat, weil er sauer war, weil sie kurz auf seinem Parkplatz das Auto abgestellt hat etc. Nach 20 Minuten habe ich dann meine bereits frankierten Pakete sanft unter dem Glas in die Post hinein geschoben und bin diskret weggegangen. Monika hat freundlicherweise auf mich gewartet. Dann ging es los nach Auenstein. Das Fest war sehr lustig. Wir haben uns gegenseitig wieder einmal alle alten Geschichten erzählt und einige neue kamen dazu. Ich habe dann begeistert von der Videokünstlerin Alexandra Ranner aus Berlin geschwärmt. In diesem Video schwimmt ein Kopf in einem Wasserkanal ganz langsam und singend in der Strömung. Der Kopf mustert neugierig die an ihm vorbei ziehende Umgebung, macht kurze Pausen und singt dann immer wieder "Ich habe genug". Ich sang dann aus allen Kräften dieses: "Ich habe genuhuug, ich hahahabee genug" ... in immer neuen Phrasierungen und Lautstärken. So gegen drei sind wir dann wieder nach St.Gallen gefahren. Es war sehr schön dieses Fest. 

12. Juni: Um 11 Uhr fahren wir los, um die Bücher von Jeroen Geel einzuladen. Am Abend ist Buchpremiere und Vernissage im Kunstmuseum Luzern. Die Ausstellung ist sehr schön und der Publikumsaufmarsch ist beeindruckend. Ich habe am Abend viel an Lilly Keller denken müssen, die gleichzeitig in Basel bei Balzer Art Projekt ihre Ausstellungseröffnung feiert. Monika ist dann um 21 Uhr mit mir zurückgefahren, direkt nach Rotmonten an die Vernissage von Leila Bock. Es war sehr speziell, mitten in der Nacht die ganze Kunstszene in St.Gallen anzutreffen. das war wirklich ein schönes Fest.

11. Juni: Vera ist eingetroffen, um ihre Arbeit im geilen Block aufzubauen. Ein richtiger Freudentag, denn Vera hat am Morgen früh den Bescheid erhalten, dass sie 2015 den Werkbeitrag des Kantons St.Gallen bekommt.

10. Juni: Am Abend gab es ein kleines Fest für David Bürkler im Botanischen Garten in St.Gallen. Eine schöne Arbeit ist dort nun fest installiert.

9. Juni: Heute habe ich meine Arbeiten zusammen mit Stefan Rohner nach Rotmonten transportiert. Das sind immer so mittelgrosse Aufregungen. Ich habe die Skulpturen in den Raum gestellt und bin so schnell wie möglich wieder verschwunden.

4. Juni: Diese Woche konnte ich viel im Atelier arbeiten. Irgendwie habe ich mich in der letzten Zeit etwas überlastet. Ich habe Probleme mit der linken Schulter. Dafür gehe ich nun in die Therapie. Ich wurde nun schon zwei mal richtig in den Senkel gestellt und durchgeknetet. Eigentlich hat mir die Therapeutin zwei Tage Ruhe verordnet. Gestern, als ich dann meine "Zwangsferien" antreten wollte, bekam ich ein Telefon von Rico, dass ein Transporteur zwei Paletten mit Bücher abgeladen hätte. Die Bücher würden nun auf meiner Rampe stehen. Ich hatte keine andere Wahl und musste nun fast eine Tonne Bücher von Hand umlagern. Ich nahm immer gleichzeitig vier links und vier rechts in die Hände, um meine Balance nicht zu gefährden. Ich war dann aber doch sehr froh um die Sendung. Die Bücher von Jeroen Geel sind wunderschön geworden. Am 12. Juni um 18.30 Uhr ist Buchpremiere im Kunstmuseum Luzern anlässlich der Ausstellungseröffnung von Jeroen.

Am Abend haben wir die Ausstellungseröffnung von Jiajia Zang im Architekturmuseum in St.Gallen besucht. Die Ausstellung ist erfrischend. Die sehr unterschiedlichen Werke sind lose und spielerisch frei in ungewohnten Konstellationen kombiniert. Das Mobiliar ist locker im Raum als Teil der Ausstellung integriert. Clever.

30. Mai: Nach zwei intensiven Ateliertagen ist meine Arbeit für die Ausstellung im geilen Block von Leila Bock praktisch fertig. Etwas Glanz fehlt noch. Rex hat gute Arbeit geleistet.

Heute morgen sind Monika und ich in eine echte Aufregung geraten. Wir haben so viel zu tun. Wir haben uns dann entschlossen nach Murg am Walensee zu fahren. Ich bin dort eingeladen, eine Arbeit für das ehemalige Mädchenheim der Spinnerei Murg zu realisieren. Monika wollte links rum durchs Rheintal und ich rechts rum über die Schindelegi und den Ricken fahren. Da ich ja nicht Autofahren kann wollte ich mich wenigstens bei der Route durchsetzten. Man ist ja schliesslich auch jemand. Die Fahrt war sehr schön.
Im Gebäude, das sehr lange leer gestanden ist wurde schon vieles ausgeräumt und einige Stellen mussten aus Sicherheitsgründen abgestützt werden. Es sind immer noch Spuren zu finden von den jungen Tessinerinnen und Norditalienerinnen, die hier unter der Obhut von Menzinger Schwestern gehaust haben und die Tagsüber für einen kleinen Lohn in der Spinnerei gearbeitet haben. Für damalige Verhältnisse waren die Unterkünfte geradezu vornehm. Ich möchte im ehemaligen Kindergarten, der auch in diesem Haus untergebracht war, einen kleinen Kastanienwald realisieren. Nach dem Birkenwäldchen folgt nun das Kastanienwäldchen, als Erinnerung an die jungen Frauen aus dem Süden, wo die Kastanien für viele Familien ein Grundnahrungsmittel waren.

27. Mai: Heute Abend hat Eva Gallizzi ihre Ausstellungseröffnung an der Schoffelgasse 10 bei visarte Zürich. Ich habe ihr versprochen eine kleine Rede zu halten.
An dieser Rede schrieb ich dann bis 16.30 Uhr und rannte mit ungebundenen Schuhen zur Bushaltestelle. Ich erwischte auch den Zug nach Zürich und hatte noch eine Stunde Zeit das Ganze zu verfeinern und zu ergänzen. Alles hat geklappt.

26. Mai: Heute habe ich alle Bücher vom Vexer Verlag neu fotografiert und zusammen mit Vanja alle Eintragungen im VLB (Verlagsverzeichnis lieferbarer Bücher) aktualisiert. Eine riesen Arbeit. Jetzt denke ich nur noch in Stichworten wie: Behausung, Kunst, Bewegung, Lebensgeschichte, Architektur, Farbe, Explosion, Klarsicht, Lebensentwurf, Musikalität, Zukunft, Vision, Realität, Stofflichkeit etc.

25. Mai: Pfingstmontag und schon wieder in Appenzell. das Konzert von Karin Enzler, das wir am Freitagabend verpasst haben, wird noch einmal aufgeführt. Wir sind frühzeitig da, um uns einen guten Platz im Treibhaus von Agathe zu sichern. Gegen 11 Uhr sind bereits alle Plätze besetzt. Die drei Musiker vom Appenzeller Echo sind in ihrer Pracht (Tracht) unübersehbar. Wir erfahren, dass Agathe Nisple die Gotte der neuen CD ist. "E Trocke voll Musig" mit Appenzeller Chansons von Karin Enzler. Die singende Schauspielerin hat eine enorm starke Bühnenpräsenz, einen ur-eigenen Humor und eine wunderbare Stimme. Ihre Lieder sind voll von tief empfundener Traurigkeit. Die butterschwere Melancholie, die so oft in den Appenzeller Tälern liegt wird aber immer wieder weggefegt durch kräftige musikalische Föhnstürme, die dann die Tiere,  die Landschaft und die Menschen in einer leuchtkastenklaren Farbigkeit erstrahlen lässt bis zum nächsten Schnaps im Nebel. Karin Enzler ist für mich eine  unerwartete musikalische Entdeckung. In diesen tiefen Gründen könnte noch manch wackere Seele versinken.

24. Mai: Nach einem kleinen Frühstück sind wir um 10 Uhr schon wieder nach Appenzell gefahren. Um 11 Uhr begann das Konzert vom Blechquartett Rhenus mit Helena Hautle, Nicolas Gschwind, Sandro Pfister und Fredi Sonderegger. Sie spielten Werke von Pierre Passerau, Bruce Fraser und Jan Koetsier. Ich lernte unter Anderem, dass die Luft bei einem Horn mehr als sechs Meter durch die Röhren geblasen wird.

Dann um 12 Uhr folgte der Höhepunkt der Tage mit Thomas Hürlimann. In einem fulminaten Auftritt spannte er mit seinen Text einen schützenden Schirm über die Welt. und das in Appenzell. Der Text "Nietzsches Regenschirm / Gedankenspaziergang" ist ein fein verästeltes, prall gefühltes und gefülltes Wort - Werk. Der Tag wurde so zum Fest und der Text zur Festschrift im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Festschreiben all des gedachten und verstandenen Denkens in einem neuen und zeitlosen Sprachmonument. Wenn ich in Zukunft einen Appenzeller Bauer mit seinem Regenschirm am Arm wandern sehe, werde ich nicht mehr an Sturm und Regen denken sondern an Sprache und an die Erkenntnismöglichkeiten durch Sprache. Dem Bauern wünsche ich dann eine schöne Frau an seinem Arm und mir ein kleines Buch der Erkenntnis in der Tasche, das mich begleitet und beschützt durch alle Orkane der Gefühle.  

Das war eine wunderbare Begegnung.

Später sind wir zurück nach St.Gallen gefahren. Vera musste bereits wieder auf den Flieger nach Berlin und wir waren eingeladen zu einem beschwingten, fröhlichen französischen Film mit anschliessendem Geburtstags Apéro im Kinok. 

23.  Mai: Kleiner Frühling in Appenzell mit dem Buch Kunst Fest am Pfingstwochenende. Grossartig, was Carole Forster vom Bücherladen und die Kunstvermittlerin Agathe Nisple mit allen Helferinnen und Helfern organisiert haben. Ein dichtes und emotional aufwühlendes Programm. Wir haben als Erstes die Lesungen von Angelika Overath und ihrem Lebenspartner Manfred Koch im Wohnzimmer von Nisples angehört. Die Beiden haben sich in Sent eingerichtet und erarbeiten ihre Texte im Erlauschen der Menschen und der Landschaft und forschen nach dem vielfältigen Klang und der Bedeutungsfülle der Romanischen Sprache. Diese Lesung war ein wirklichen Einklang. In einem nahegelegenen Garten mit einem alten Baumbestand, mitten in Appenzell, warteten wir dann fröstelnd auf Ulrike Ulrich und Ruth Schweikert. Ulrike Ulrich las in Decken gehüllt einen ulkigen Text über die Dokumentationspflicht von einem Förderbeitrag. Diese Pflicht ist oft so belastend, dass das Beschreiben des Projektes mehr Energie und Zeit in Anspruch nimmt als die wirklich geplante Textarbeit. 
Dann legte Rut Schweikert los mit einer unglaublich komplizierten, verzweigten und mäandrierenden Familiengeschichte, dass es mir fast schwindlig wurde. Ruth Schweikert hat mit einer Hand das druckfrische Buch gehalten und mit der anderen dirigierte sie sich selbst beim Lesen des verschachtelten Textes. Es muss vorwärts gehen. Ohne Pausen und ohne Gnade pulsiert das Familiengewusel weiter und weiter. Manchmal traurig und manchmal heiter. Das Tempo der Lesung war hoch und wärmte die Menschen, die Pflanzen und die Bäume. Bei einer alten Föhre hatte ich das Gefühl, dass sie sich lauschend und immer gefährlicher, tief über die Lesenden und die Zuhörenden herabneigte. Beim nächsten Föhn wird sie sich hoffentlich wieder aufrichten und einige Föhrenzapfen abschütteln, damit der Nachwuchs eine Chance hat und die Kinder etwas zum Basteln finden. Föhrenharz soll übrigens auch Falten straffen. Dieser Baum bietet für die ganze Familie etwas. (Der knorrige Föhrenstock ist auch bei deutschen Wanderern sehr beliebt, weil er an den Händen kleben bleibt) Der Text hat mich sehr beeindruckt und beunruhigt. Was wir auch immer entscheiden, welche Wege wir auch immer gehen und wie viele Geheimnisse wir mit uns tragen. Der Geschichte ist es schlussendlich egal. Die Geschichten entstehen um uns herum über uns hinweg und manchmal wachsen sie direkt in unsere Herzen hinein.

Nach einer Pause setzten wir uns in eine Appenzeller Stube für die Lesungen von Martin Zingg und Jens Steiner. Martin Zingg las vielschichtige Texte aus seinem Buch, das unlängst in der Edition Engeler  erschienen ist. Bei Jens Steiner fand ich beeindruckend, dass er nicht aus seinem neusten Buch las. Er arbeitet an neuen, surreal anmutenden Geschichten. Kleine literarische Erfindungen die wirklich zu erheitern vermögen.

Nach einer ausgiebigen Verpflegungspause mit Käseschnitten und Weisswein folgte dann am Abend die vom Literaturredaktor Michael Luisier moderierte Lesung von Andrej Kurkow. Der Russländische Ukrainer improvisierte als Einstimmung auf dem bereitstehenden Elektropiano. Den Roman "Jimi Hendrix live in Lemberg liess ich mir nach der Lesung signieren. Wir haben an diesem Tag so viele Bücher gekauft, dass es bis in den Sommer hinein reichen wird. An diesem Abend ist mir bewusst geworden, wie verworren und unüberschaubar die Situation in der Ukraine ist. Die Frage wer die guten und wer die Bösen sind ist unmöglich zu lösen. Es soll rund zweihundert politische Parteien geben, die wirklich meinen, für sich und das malträtierte Land den richtigen Weg zu kennen.

 

22. Mai: Heute Morgen bin ich auf den Bauernmarkt und habe viele schöne Gemüse eingekauft und drei wunderbare, frisch gefangene Bodenseeforellen und vier Zucchini Setzlinge. Bei den Zucchinis habe ich den Verkaufspreis um 50 Rappen aufgerundet. Dafür hat mir dann die sehr sympathische Verkäuferin eine biologische Salatgurke geschenkt. Das ist doch toll, oder? Zuhause habe ich dann die Zucchinis sofort im Garten eingepflanzt und dazu noch 10 alte, kiemende Kartoffeln gesetzt. Um halb zwei - ich war noch am Pflanzen, ist dann Vera angekommen mit ihrem kleinen Rollkoffer. das heisst sie bleibt nicht sehr lange. Aber wir werden für sie und für Flurina ein wunderbares Abendessen zubereiten. dafür habe ich schon einen Weisswein von Thomasi kühl gestellt.

Ach ist das Leben schön. Am Nachmittag bin ich zusammen mit Vera zum Block gefahren. Sie macht auch einen Beitrag für die Ausstellung. Anita war sehr gut gelaunt und hat schöne Fotos von uns gemacht für ihre Webseite."geilerblockvonleilabock"

Ja und jetzt wird gekocht.

21. Mai: Ich habe im Moment sehr viel zu tun mit dem Verlag aber das macht mir grosse Freude. Heute bin ich ins Atelier gefahren um einige Bücher aus meiner Bibliothek zu holen. Ich schrieb dann den ganzen Tag an der Rede für Manon. Ich wurde wirklich ganz knapp fertig um 17 Uhr. dann musste ich mich beeilen, um den Zug nach Appenzell nicht zu verpassen. Die Ausstellung von Manon bildete den Auftakt zum "kleinen Frühling", dem buch  kunst fest am Pfingstwochenede. Manon schuf für die "Station Agathe Nisple" eine Rauminstallation und zwei Plakatwände. Das Ganze nennt sie "Die gesammelten Ängste". Eine starke Arbeit von einer tollen Künstlerin mit einem sehr interessierten Publikum und grossartigen Gastgebern.

20. Mai: Heute traf ich mich um 11 Uhr im Hauptbahnhof Zürich mit Fred Bauer um seine Xylon Nummer zu besprechen. das gibt eine tolle Sache. Um 13 Uhr starteten wir bei der Geschäftsstelle von visarte Schweiz mit der Jurierung für den "PRIX visarte." Das war ein sehr interessanter Nachmittag mit wirklich erhellenden Diskussionen. Ich habe viel erfahren und viel gelernt. Solche intensiven Auseinandersetzungen mit wirklichen Kunstexpertinnen und Kunstexperten bringen mir sehr viel. Am Abend habe ich mich dann mit Monika getroffen und wir haben uns im Theater Winkelwiese das Stück "Die lächerliche Finsternis" von Wolfram Lotz angeschaut. Das ist wirklich ein starkes Stück mit einer ergreifenden Jeanne Devos, Ingo Ospelt, Florian Steiner, Hansruedi Twerenbold und Stefan Roppel Jetzt habe ich gerade die Schauspielerin Jeanne Devos gegoogelt und zu meiner grossen Freude gelesen, dass sie aus der Ostschweiz stammt. Aus Appenzell! Grossartig. Ich freue mich so für Wolfram. Leider sind seine zwei Bücher die ich im Vexer Verlag herausgegeben habe noch zu wenig bekannt aber das kommt noch.

19. Mai: Heute musste ich schon um sechs Uhr aus den Federn. Der Kaminfeger kam um sieben Uhr. Ich denke das hat Glück gebracht. Ich hatte anschliessend richtig Lust auf Bildhauerei. Ich bin ins Atelier gefahren und musste zuerst drei Paletten Bücher so gut im Lager verstauen, damit ich überhaupt wieder arbeiten konnte. ja und dann habe ich den imaginären Rex herausgelassen. Rex macht nun für mich die Kunst. Das hat etwas sehr entspannendes. REX-ART macht Spass. Die Arbeiten können schon bald im geilen Block bestaunt werden. Die Eröffnung findet statt am Samstag 12. Juni. Ich kann aber erst am Sonntagnachmittag dort sein, da ich am Freitag eine Buchvernissage mit Jeroun Geel im Kunstmuseum Luzern feiern darf und am Sonntag Morgen findet dann am selben Ort ein Künstlergespräch statt.

18. Mai: Eigentlich hätte ich heute eine Sitzung mit visarte in Zürich. Ich bin nun aber an die Abschiedsfeier von Heinz Müller in die Calatrava Halle gegangen. Heinz Müller war ja lange Direktor der Schule für Gestaltung. Mit einer Gruppe von Freunden der Schule , wir nannten uns "KUK" haben wir viele Aktionen, Podien und Diskussionen durchgezogen, damit der Vorkurs nicht abgeschafft und die Schulkosten nicht ins Unermessliche steigen. Nun ist Heinz für mich völlig unerwartet gestorben.

17. Mai: Heute war ausschlafen angesagt. Die letzten Tage waren doch sehr anstrengend. Am Nachmittag haben wir uns mit Anita Zimmermann verabredet im "geilen Block" in Rotmonten. Jetzt freue ich mich richtig auf die Jahresausstellung. Die Stimmung ist ein bisschen wie in den 80er Jahren.

14. 15. 16. Mai: Wir mussten  schon um sieben Uhr aufstehen in Bern. Eine Autofahrt nach Stuttgart stand auf dem Programm. Wir entschlossen uns dann spontan, zuerst wieder nach St.Gallen zu fahren um dort einen kleinen Stopp einzulegen. Für mich war das eine grosse Erleichterung, denn ich hatte vergessen Unterwäsche und Socken einzupacken und Euros mussten wir auch noch besorgen. Ich beantwortete noch die wichtigsten Mails und gleich ging es weiter zum Schloss Unterhaching. Wir wollten rechtzeitig da sein, um die Präsentation der Vexer Bücher und der Multiples in Ruhe vorbereiten zu können. Es war eine grosse Freude, den Kurator Christian Gögger wieder einmal zu sehen. ich kenne ihn schon seit den 80er Jahren, als er noch eine kleine Galerie in München führte, wo ich damals mehrmals ausgestellt habe. Am Nachmittag kamen dann sehr viele interessierte Menschen, zu der Eröffnung der Ausstellung "Aussenhaut und Innensicht". Nach einer sehr gelungenen Vernissage fuhren wir nach Esslingen zum Hotel und trafen uns später mit Christian, Renate und Alexandra. Ein sehr schöner Abend, der uns animierte gleich noch einen Tag länger in der Region zu bleiben. Wir hatten sehr viel Zeit für Gespräche, gutes Essen, Trinken und einen langen Spaziergang durch die Weinberge. Am Samstagmittag sind wir dann wieder in die Schweiz zurückgefahren. Ich hatte Lust auf dem Markt einzukaufen. Einen sehr schönen Fisch und frisches Gemüse. Ich konnte mich dann durchsetzen, Spagetti mit Mönchsbart zu kochen. Als Roscano Agretto oder Agretti, Barba di frate oder Barba dei frati und Liscari sativa kennt man die Pflanze in Italien, wo sie von Gourmets gern verspeist wird, besonders in der Toskana ist sie auf dem Markt zu finden. Ja das habe ich gekocht mit einer frischen Zwiebel und einigen kleinen frischen Tomaten, gut gewürzt und das war so wunderbar. Derweil hat Monika kleine Artischocken eingekocht, die wir ebenfalls auf dem Markt gekauft hatten. Ein Fest!

13. Mai: Am Morgen erledigte ich alle Pendenzen und packte wieder viele bestellte Bücher ein, die ich unbedingt noch zur Post bringen wollte. Wir mussten am Mittag mit ungefähr zweihundert Kilo Büchern losfahren nach Bern. Die erste Station war die Geschäftsstelle Kultur vom Kanton Bern. Da musste ich fünfzig Belegexemplare vom Buch von Fredi Lerch, das er über Lilly Keller geschrieben hat abgeben. Mein Kontakt zu Christine Wyss erfolgte seit mehreren Monaten nur per Mail. Nun standen wir uns das erste Mal gegenüber. Solche Momente finde ich immer sehr spannend, da man sich ja meistens einen Menschen vorstellt. Eine sehr angenehme Begegnung. Dann fuhren wir schnell zum Hotel Marthahaus. Das ist ein sehr angenehmer Ort. Wir wollten uns kurz ausruhen, und anschliessend die Buchpremiere in der Kunsthalle vorbereiten. Eigentlich war alles schon bereit. Freunde von Lilly Keller hatten zwei riesige Blumensträusse in die Kunsthalle geschickt. Das sah alles sehr festlich aus. Ich erwartete ungefähr fünfzig Leute. Am Schluss waren aber über hundert Interessierte anwesend. Christine Wyss hat eine sehr schöne Einführung gemacht und Fredi Lerch hat eine sehr stimmige Lesung vorbereitet. Alles war wunderbar. Dani Landolt vom SBVV und seine Frau Katharina Altas von der Literaturagentur Altas, die mir die Herausgabe dieses Buches vorgeschlagen hatte waren da und strahlten über alle vier Backen. So eine Freude. Es war eine bunt gemischte Gesellschaft aus der Kulturszene der Schweiz. Frantitscek Klosner hat einige super schöne Fotos geschossen von der glücklichsten Lilly aller Zeiten. Die junge Fotografin Joëlle Lehmann war genau so da wie die erste Frau von Dieter Roth. Mehr verrate ich nicht.

12. Mai: Ich bin mit Monika zusammen nach Zürich gefahren, um den Dokumentarfilm "Comedie Humaine" anzuschauen, den donkeyshot über den Mammutbaum von Aarau und seine Verwendung für die Fassade des neuen Stadtmuseums gedreht haben. Der Ton und die Musik muss noch abgestimmt werden. Mir hat der Film sehr gefallen aber ich bin natürlich etwas befangen, da mir ja neben dem Baum am meisten Zeit gewidmet ist in diesem Dokumentarfilm. Im Moment ist mein Leben so reichhaltig und wunderbar anstrengend.

11. Mai: Ich habe mich den ganzen Tag vorbereitet für einen kleinen Projektwettbewerb, den der Vorstand vom Heimatschutz St.Gallen Appenzell Innerrhoden durchführt. Sie wollen jährlich einen Preis verleihen für ausserordentliche Projekte und dieser Preis muss nun kreiert werden. Die Präsentation fand pünktlich um 18.15 Uhr im Zollfreilager statt. Ich bin gespannt was nun dabei herauskommt.

10. Mai: Am Freitag hatte ich schon um ein Uhr eine Vorbesprechung für die Delegiertenversammlung von visarte Schweiz. Gegen fünf Uhr gab es drei verschiedene Architektur Führungen durch Zürich West durch die Organisation "guiding-architects". Es war sehr spannend all die Neubauten und die neu gestalteten Quartiere in Zürich West anzuschauen. Am Abend gab es feines Essen und gute Musik. Die Versammlung am Samstag verlief reibungslos. Es war eine starke und gute Stimmung unter all den Künstlerinnen und Künstlern spürbar. Peter Haerle, der Leiter des Kulturamtes von der Stadt Zürich  hielt einen spannenden Vortrag. Er versuchte sich gar nicht einzuschmeicheln. Er umschrieb vielmehr all die Probleme und Erwartungen in Sachen Kunst. Sehr sympathisch. Er widersprach der Kultur des Tomatenschmeissens und bot anstelle dessen den Dialog an mit den Kulturschaffenden. Ich muss sagen, Zürich war mir noch nie so nah wie nach diesem Wochenende. Die visarte Zürich hat diese Delegiertenversammlung für die visarte Schweiz wunderbar vorbereitet und organisiert.

7. Mai 2015: Eigentlich wollte ich heute einen Ausflug nach Aarau machen mit meinen Schwiegereltern. Sie werden das neue Stadtmuseum besuchen. ich habe aber so viel mit den neuen Büchern von Lilly Keller zu tun, dass ich nicht weg kann. Ich muss lange Listen abarbeiten mit dem Versand von bereits bestellten Büchern, Presseexemplare, Belegexemplare etc.

6. Mai: Einen Tag zu früh und für mich gerade richtig sind heute drei Paletten mit Büchern von Lilly Keller mit dem wunderbaren Text von Fredi Lerch bei mir angeliefert worden. Der Lastwagenfahrer hat angerufen und in breitestem Sächsisch gesogt: jo ich bring drei Poletten Bücher oder so'n ZEUGS. das Zeugs ist wunderschön. In zwei Stunde habe ich dann etwa fünfzig Bücherpakete gemacht und mit meinem Fahrradanhänger zur Post gebracht. Zwei ganz junge Pöstlerinnen haben sich riesig gefreut. Was sooo viele Pakete bringen sie uns? Für die war das wie Postweihnachten. Am Abend habe ich zusammen mit Monika eine kleine private Feier für das neue Buch gemacht und anschliessend wunderbar geschlafen.

5. Mai: Der Vexer Verlag ist eingeladen, über den ganzen Sommer im Schloss Unterhaching das gesamte Verlagsprogramm zu präsentieren. jetzt musste ich einige grosse Bücherpakete vorbereiten und nach Deutschland senden. Meine linke Schulter hängt vom vielen Bücher schleppen herunter wie ein alter Sack. Am Nachmittag ist dann mein vielteiliges, gerodetes Bikenwäldchen zurückgebracht worden von Wettingen. Schon bald ist da kein Durchkommen mehr in meinem Atelier.

4. Mai: Endlich wieder einmal eine Sitzung in Bern. das ist immer so aufwändig. Durch die ganze Schweiz für ein Stunde Sitzung. Die Aare war sehr beeindruckend mit dem vielen wilden Wasser. Wenn da mal ein Damm bricht müssen die Berner aber hurtig weg.

3. Mai 2015: Ich hatte ruhige Arbeitstage. Monika war im "Aussendienst". Ich mag es, einfach so vor mich hin zu arbeiten, für mich zu kochen und herum zu sinnieren. Ich freute mich schon lange auf das heutige Konzert in der Grabenhalle. das Biel-Bienne Jazz & Impro Orchestra von Daniel Erismann ist in St.Gallen. Ich mag die Stimme der Sängerin Fanny Anderegg. Das war wirklich ein feines Konzert am frühen Sonntagabend. Antonello Messina am "accordion" hat mir sehr gefallen und natürlich alle Anderen auch.

2. Mai: Um 17 Uhr fuhr ich nach Rotmonten. Ich wollte endlich den "geilen Block" anschauen, in dem Anita Zimmermann eine Ausstellung organisiert. Leider war am Samstag niemand da. Der Wirt vom Nachbarhaus wollte wissen, was denn mit diesem Haus los sei. So viele Leute kommen und gehen und alle fotografieren. Warum? Ich sagte ihm, das sei halt ein geiler Block.

1. Mai: Ein trauriger Tag beginnt. Wir nehmen Abschied von Florian Eicher. Der Treffpunkt ist auf dem Friedhof Feldli. Florian hat sich für eine Erdbestattung entschieden. Das war sehr berührend. Ein langer Trauerzug, alle Teilnehmenden mit Regenschirmen, schritten langsam in strömendem Regen durch den sehr schönen Friedhofpark zum Grab. An der Spitze des Zuges spielten drei Musikanten immer wieder die gleiche traurige Melodie. Die Abschiedsfeier fand dann im Chor der Kathedrale St.Gallen statt. Das ist ein sehr eindrücklicher Raum und ich sass erstmals in einem der geschnitzten, barocken Chorstühle, die in vergangenen Zeiten nur von höchsten Ordensträgern und grossen Stiftern benutzt werden konnten. Die verschiedenen Episoden aus der Lebensgeschichte von Florian und die wunderbare, Herzen öffnende Musik von einer mir leider unbekannten Solistin liessen mich zugehörig fühlen zu allen Anwesenden. Ich mag die Kathedrale, vor allem das sehr spezielle Grün und das Rosa der Stuckaturen. Diese Farben waren nach der Renovation in den siebziger Jahren umstritten. Heute passen sie sehr zu meiner Stimmung. Bei Trauerfeiern überlege ich mir immer, wie ich mir meinen eigenen Abschied wünschen würde. Das ist gar nicht so einfach. Der heutige Morgen hat mich wieder etwas näher an die Traditionen der katholischen Kirche heran geführt. Das Reale, Schonungslose, Feierliche und Tröstende im Umgang mit dem Tod hat mich sehr betroffen. Auch die Tradition des anschliessenden, gemeinsamen Mals der Trauernden, heute in der Militärkantine, macht Sinn. Die Lebenden treffen sich, um ihren Alltag und die Zukunft mit einem Menschen weniger zu organisieren.  

29. April: Heute Morgen sind die Drucksachen geliefert worden für die Buchpremiere von Lilly Keller und Jeroen Geel. Ich habe den ganzen Tag Briefe und Bestellkarten verpackt. Beim Schlussspurt um 17 Uhr hat mir Monika noch geholfen für die letzten zweihundert Umschläge. Um 17.45 waren 1500 Umschläge bereit, die wir dann kurz vor 18 Uhr bei der Post abgeben konnten. Das ist immer ein sehr erleichternder Moment. Manchmal liebe ich ja so monotone Arbeiten aber jeden Tag würde ich das nicht aushalten.

28. April: Heute Mittag bin ich nach Zürich gefahren, um Claudia Jolles und Britta Polzer vom Kunst-Bulletin zu treffen. Ich war das erste Mal im Zeughaushof zum Essen. Das ist ein wirklich sehr schönes und sinnstiftendes soziales Projekt. Wir hatten sehr interessante Gespräche über Kunst, über das Verlegen, das Urheberrecht im Zeitalter des Internets, über das Archivieren einer traditionsreichen Zeitschrift und über das Vermitteln von Kunst. Ich habe schon wieder so viel gelernt. Wo führt das noch hin? Anschliessend habe ich mir die Arbeitsräume angeschaut, wo das Kunst-Bulletin gemacht wird. Lustigerweise waren das einmal die Praxisräume von Herrn Dr. Fischer, dem Vater von unserem Superstar Urs Fischer.  Die Räume sind noch mit schönen altern Schildern beschriftet unter Anderem als "Wartezimmer" und  "Sprechzimmer". Ich staune, wie klein und überschaubar die Welt dann doch immer wieder sein kann.

27. April: Ich habe den ganzen lieben langen Tag Bücher verpackt. Langsam geht mir der Vorrat an gebrauchten Kartonschachteln aus. ich liebe es für meine Bücherpakete alte Schachteln zu recyclieren. Am Abend haben wir das erste Mal in diesem Jahr draussen ein Feuer gemacht und einen wunderbaren Fisch gebraten. Plötzlich hing ein Jahrhundert Gewitter über uns. ich habe noch nie eine solche Regenmenge in einer so kurzen Zeit über mich schütten lassen müssen. Beängstigend.

26. April: Sonntag, ausschlafen, faulenzen etc. - denkste, nichts von all dem. Ich hatte so viel nachzuarbeiten. Briefe schreiben, Bücher versenden, die Niederlage beim Jassen verarbeiten und vieles mehr. Am Nachmittag habe ich mich durchgesetzt, endlich einmal um den Gübsensee herum zu spazieren. ich arbeite jetzt schon 23 Jahre im Haggen und war noch nie an diesem See. Schön war das!

25. April: Nach dem Frühstück sind wir noch einmal zum Schlossplatz geschlendert. Eine Gruppe von älteren Frauen war entsetzt, dass das Museum erst um 11 Uhr aufgemacht wird. Die waren fast nicht zu beruhigen. dabei machten sie den Eindruck, dass sie noch Jahrelang Zeit haben um dieses Museum täglich zu besuchen.

Wir hatten nicht so viel Zeit. Wir mussten nach St.Gallen zurück. Wir wollten am Mittag schon im Restaurant Kreuzegg sein, um unser zweites Jass Turnier vorzubereiten. Das Turnier war sehr lustig und alle unsere Freunde waren so zufrieden und strahlen vor sich hin. Monika und ich mussten schwer unten durch. Wir hatten den ganzen Tag so miserable Karten, dass wir am Schluss auf dem letzten Platz gelandet sind. Ehrlich gesagt bilden wir uns ja ein, dass wir zu den besten Kartenspielern der Nation gehören. Aber hoppla, das war ein totaler Tiefpunkt.   

24. April: Um 11 Uhr sind Monika und ich ins Atelier gefahren, um alle bestellten Bücher zu packen für Aarau. Ich habe sicher dreihundert Kilo druckfrische Publikationen eingeladen. Unser Ford K hieng hinten richtig herunter. Die Fahrt war unterhaltsam und stressfrei. Es gab sehr viel zu diskutieren. Strategien, Hoffnungen, Erwartungen, Vorfreude auf die Eröffnung des Stadtmuseums etc.
Wir haben zuerst alle Bücher abgegeben und sind dann ins B&B Tuch und Laube gegangen um uns anzumelden. Am Nachmittag heben wir die Stadt genossen. Aarau ist eine wirklich schöne und kompakte Stadt mit einer wunderbaren historischen Bausubstanz. Wir besuchten dann noch das Kunsthaus. Die Ausstellung von Miriam Cahn war leider schon vorbei und die Sammlung habe ich schon oft gesehen. Wir sind noch ein bisschen durch die Stadt geschlendert und wollten noch etwas vorschlafen, um die Eröffnung gut zu überstehen. Um 18 Uhr war der Schlossplatz schon sehr voll und immer mehr Menschen strömten daher. Ich glaube es waren weit über tausend Menschen anwesend. Nach dem Fassadentanz von "öff öff aerela dance" mussten die Techniker des Museums alles umbauen, denn die Ansprachen konnten unmöglich im Museum abgehalten werden. Es waren so viele Interessierte Menschen da, dass dann alles im Freien stattfinden musste. Es herrschte eine grossartige Stimmung und für mich war das eine der schönsten Vernissagen die ich je erlebt habe. Das gemeinsame Feiern von einem historischen Ereignis - von einem gemeinschaftlichen Werk. Das war wirklich sehr berührend. Wir waren anschliessend von Roger Diener zu einem Essen eingeladen mit wunderbaren Speisen und das in feinster Gesellschaft.  

23. April: Ich bin früh los gefahren nach Aarau. Zuerst brachte ich meine druckfrischen Bücher in die Buchhandlung an der Kronengasse und anschliessend fand die Pressekonferenz im neuen Stadtmuseum statt. Es war ein grosses Interesse zu spüren. Es wurden verschiedene Führungen durch die neuen Räume und die Ausstellungen angeboten. Mehrere Lokalradios und Fernsehstationen waren anwesend. Ich glaube das kommt jetzt alles gut. Ich bin so froh, dass mein Buch "Menschenbilder" das ich für die aktuelle Ausstellung mit den Holzdrucken vom Mammutbaum gemacht habe rechtzeitig fertig geworden ist. Auch die Kunst und Bau Nummer 3, mit einem Text von Beat Wismer liegt jetzt auf.

Am Nachmittag bin ich nach St.Gallen zurückgefahren und habe einige Kleinigkeiten für ein feines Nachtessen eingekauft. Gemüse, Kräuter und ein schönes Pilzgemisch. Nach dem Beantworten aller Mails habe ich fünf ganz unterschiedliche, scharfe Gemüsebeilagen gekocht. Mit frischen Paprikaschoten, Ingwer, Tofu, Soja etc. dazu einen ganz einfachen Risotto. Ich kam dann in eine so angenehme Entspannung hinein, dass ich prompt eine wichtige Sitzung vergessen habe. (Zum Glück - der Abend war so schön!)

21. April: Heute hatte ich wieder einen dieser unmöglichen Tage. Ich musste schon um acht Uhr an der Haggenstrasse sein wegen einem Transport. Warten ist etwas sehr anstrengendes. Um 11 Uhr war immer noch kein Lastwagen da. Nach einigem Herumtelefonieren wurde mir versprochen, dass die Bücher rechtzeitig geliefert würden. Es wurde dann fast ein Uhr und ich hätte schon längst in Appenzell sein müssen für eine Besprechung und für ein feines Essen. Ich kam dann rund zwei Stunden zu spät in Appenzell an.

19. April: Heute habe ich ein einsames aber reichhaltiges Frühstück genossen. Die Zeitungslektüre war erstaunlich langweilig. Das Bild des Tages sah ich in der NZZ am Sonntag. Ein Pappelbild von Claude Monet. Süss und rhythmisch beschwingt. das animiert mich richtig, nächste Woche im Atelier wieder in meine Pappelstämme hinein zu sägen und zarte, duftende  Wölcklein aus dem Holz zu befreien.

Gestern bin ich früh losgefahren nach Grenchen. Das war eine herrliche Bahnreise. Die Landschaft wurde immer grüner, die Sträucher und Bäume immer bunter in der Blust. Kurz vor meinem Ziel lagen doch wirklich schon Kühe im üppigen Gras. Ich besuchte wieder einmal das einzige Kunsthaus in der Schweiz mit einem eigenen Bahnhof. Eva Inversini und Sebastian Utzni warteten schon auf mich für eine Besprechung.  Um 14 Uhr besuchte ich dann im Parktheater die Hauptversammlung der visarte, Sektion  Solothurn. Es ist für mich eine grosse Freude, dass es innerhalb von ein paar Monaten, mit drei intensiven Sitzungen gelungen ist, einen neuen Vorstand und einen neuen Präsidenten zu finden. Die Versammlung war sehr anregend. Es wurden sehr viele Ausstellungsmöglichkeiten vorgestellt und diskutiert. Ich wünsche mir, dass der neue Präsident Claude Barbey die nötige Unterstützung erhält, damit in dieser Region wieder neue kulturelle Blüten knospen. Es ist auch zu hoffen, dass sich vermehrt wieder ortsansässige junge Künstlerinnen und Künstler engagieren für eine starke, solidarische kulturelle Kraft in dieser Region.

Ich liebe das Zugfahren. Die Rückfahrt endete in Trogen. Eine eisige Schneeluft wehte mir um die Ohren. Im Palais bleu gab es ein Armenisches Essen und anschliessend einen Film über den St. Galler Flugpionier Mittelholzer, der von Karin Karinna Bühler mit Kommentaren und Bildern aktualisiert wurde. ich muss jetzt unbedingt die Ausstellung im Kulturraum anschauen. Einige Äusserungen im Film haben mich richtig genervt. Z.B. "Die Frauen wickeln ihr dicht geknüpftes Haar wie Rattenschwänze um ihre Köpfe" oder - "Die Frauen schmieren ihr Haar mit Butter und Fett ein, was dann richtig stinkt" Eine Frau haben sie für das Filmtem kräftig gewaschen und mit nackten Brüsten vorgeführt. Viele Filmkommentare wirkten auf mich richtig übel. Mittelholzer wirkte für mich in diesem Film trotz aller Genialität wie ein arrogantes, kolonialistisches und sexistisches Arschloch.

18. April: Gestern habe ich wieder einmal einen richtigen Kunstbetrachtungsfeierabend genossen. Zuerst schaute ich mir die neuen Räume vom Auktionshaus Widmer an der Unterstrasse 11 an. Es regnete in Strömen und ich war Mausnass bis ich da war. Dieser Ausstellungsort ist ein grosser Gewinn für St.Gallen. Ich staune, wie viele tolle Werke von Adolf Dietrich immer wieder auf dem Markt auftauchen. Mein zweiter Favorit ist Ferdinand Gehr. Er hat mich schon als Kind fasziniert. Im Rheintal war er ja eine der wenigen Lichtgestalten in der Kunst. Ich finde es interessant, wie er die reine Abstraktion nicht ertragen hat. Mir scheint, als hätte Gehr Angst gehabt, all seine Engel zu beleidigen durch die reine, abstrakte Form. Er brauchte die religiösen Inhalte als Gaben für seine Kunst um die Schöpfung, inklusive seiner eigenen zu feiern.

Anschliessend habe ich die Vernissage in der Kunsthalle besucht. Florian Graf hat eine sehr beeindruckende Ausstellung inszeniert. Man spürt förmlich, dass da ein Künstler zu Gange ist, der sehr viel liest und sehr viel über Kunst und Architektur weiss. Richtig rührend ist der persönliche Brief des Künstlers an sein Publikum. Der von Hand geschriebene Brief liegt auf einem Tisch  in einer art privatem Salon. In diesem  Raum sind die grossen skulpturalen Arbeiten als Keramikobjekte noch einmal wie Modelle präsent. An diesem Abend ist mir bewusst geworden, dass eine neue Generation von akademisch ausgebildeten Menschen Kunst machen. (Architekten, Ärzte, Soziologen, Geisteswissenschaftler etc.) Dadurch wird das Bild des Künstlers stark verändern. Meine Generation wird durch diese Entwicklung der Akademisierung quasi zu Art Brut Künstlern. Bei diesem Gedanken ist es mir aber gar nicht so unwohl.

Ja das war ein lustiger Abend mit vielen altbekannten Künstlerfreunden aus aller Welt. Ich habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt im Kunstkontext.

17. April: Jetzt ist es schon wieder Freitag. Diese Woche hat sich viel getan. Ich habe eine neue, vielteilige Arbeit begonnen für die "Jahrhundertausstellung" von Anita. Gestern hat Hermann eine wunderbare Paella gekocht. Ein schöner und unterhaltsamer Abend.

13. April: Ich freue mich auf eine Woche intensiver Atelier Arbeit. Anita Zimmermann hat einen leerstehenden Wohnblock in Rotmonten für eine kulturelle Zwischennutzung organisiert, Nun lädt sie ihr Netzwerk ein für die Jahrhundert Ausstellung im geilen Block. Ich habe natürlich spontan zugesagt. Jetzt freue ich mich auf eine Woche Atelierarbeit. Ich beschäftige mich mit der Geburtstunde der Kunst.

12. April: Ich bin früh aufgewacht heute morgen. Erstaunlicherweise brauche ich langsam weniger Schlaf. Ich scheine doch etwas zu reifen. Nach dem Frühstück gab es eine kurze Hausputzrunde. Monika wollte vor ihrer Abreise alle Krumeln aus allen Ecken eliminieren... Gegen Mittag ist sie losgefahren und ich habe mich auf einen Kurt Früh-Tag eingerichtet. Der grossartige, 1915 in St.Gallen geborene Regisseur wäre heute 100 Jahre alt geworden. SRF hat ihm in der Sternstunde die gebührende Zeit gewidmet. Ich habe gestaunt, dass das Ostschweizer Sonntagsblatt keinen Satz zu diesem wichtigen Kulturschaffenden gebracht hat. Hier wird so viel verschlafen und vergessen. Es wäre sehr spannend, wie heute ein aktueller Tatort Krimi aussehen würde, gedreht von Kurt Früh. Der geniale Filmer scheiterte ja an seinem letzten und besten, realistischen und gesellschaftskritischen Film in einer Zeit als in der Schweiz eine überhebliche und arrogante Kriegsgewinnlergeneration nur so richtig kitschige und klischierte Wohlfühlfilme sehen wollte. Nun schaue ich mir Tatort an und denke fest an Kurt Früh. Ein grosses Prosit an den verkannten Meister!

11. April: Die letzten Tage sass ich praktisch nur am PC und habe mich um meine Publikationen gekümmert. Redigieren, korrigieren, warten und hoffen dass alles klappt. Nun hängt alles fertig gestaltet irgendwo in einer digitalen Wolke im All und regnet dann am nächsten Montag  als Bild- und Buchstabensuppe in die Druckerei.

Heute hatte ich eine lustige Begegnung im Atelier mit Roman Signer und seiner Tochter Barbara. Sie holten einige Schachteln mit Büchern ab. Roman ist einfach ein wunderbarer Erzähler. Er überrascht mich immer wieder mit irrwitzigen Geschichten. Grossartig!

Jetzt freue ich mich auf einen gemütlichen Jassabend in der Kurzeck. Hier werden wir in zwei Wochen auch unsere zweite Jassmeisterschaft durchführen. Jetzt ist üben angesagt.

8. April: Der von Beat Wismer versprochene Text für meine "Kunst und Bau Nummer 3" zum Stadtmuseum in Aarau ist eingetroffen. Nun kann ich an dieser Drucksache weiterarbeiten.

Am Nachmittag werden Jiajia Zang und ein Mitarbeiter vom Sitterwerk die Chinesischen Bücher "Skulptur" von Roman Signer liefern. Darauf habe ich sehr lange warten müssen. Es gab Probleme mit der Fracht. Dank den guten Beziehungen von Felix Lenherr vom Sitterwerk wurde die Ausfuhr der Bücher aber möglich. Nun habe ich eine riesige Kiste im Atelier. Ich hoffe doch, dass sich viele Sammler  von Roman auf das erste Buch in Chinesischer Sprache freuen. Ich bin auf jeden fall sehr glücklich, dass dieses erste umfassende Werkbuch über Roman Signer, das ich 1987 noch von Hand gezeichnet und entworfen habe jetzt in Chinesischer Sprache vorliegt. Ein wunderschönes Buch nur zum Anschauen. Lesen kann ich es wirklich nicht. Li zenhua hat das mit der grossen Ausstellung in China möglich gemacht. Herzlichen Dank und TCHIN - TSCHIN!

6. April: Agrano alto. Nun ist alles Holz verarbeitet. Die Scheiterbeige kann sich sehen lassen. Morgen fahren wir schon wieder zurück. Ich werde es vermissen, stundenlang durch die Wälder zu streifen.

4. April: Ich habe mich entschlossen einige Birken zu fällen, um den Brennholzvorrat für 2016 vorzubereiten. Ich habe den ganzen Tag im Wald gearbeitet. Dabei habe ich mir aber starke Rückenschmerzen eingehandelt.

3. April: Heute konnten wir bei strahlendem Sonnenschein eine sehr erholsame Wanderung machen durch die Wälder, weit über dem Ortasee. An einer steilen Böschung habe ich eine kleine, spezielle Föhre ausgegraben. Die werde ich dann in der Nähe von Felice, meinem jungen Mammutbaum pflanzen, damit er nicht so einsam ist. Ich denke die Beiden werden sich gut verstehen und gegenseitig im Wachstum anregen.

2. April: Eigentlich wollten wir schon am Mittwochnachmittag losfahren nach Italien. Ich musste aber auf ein Paket von der Druckerei warten mit den Druckbogen für mein neues Buch "Menschenbilder, Holzdrucke vom Mammutbaum Aarau", das ich unbedingt bis zur Eröffnung des Stadtmuseums am 24. April fertigstellen will. Es gab dann noch so viel zu tun dass wir uns für eine Fahrt am Donnerstag um fünf Uhr entschieden haben. Die Strassen waren praktisch leer und wir kamen gut voran. In den Bergen hatte es Neuschnee und die Temperatut lag beim Nullpunkt.

1. April: Die Berichterstattung zum Vortrag von Bundesrat Berset in der Lokremise und der anschliessenden Podiumsdiskussion waren durchwegs gut. Das St.Galler Tagblatt und Saiten haben darüber berichtet. Kaspar Surber und ich haben uns bestens verstanden auf dem Podium und wir konnten richtig Stimmung aufbauen. Persönlich habe ich noch nie so viele positive Reaktionen nach einer Veranstaltung erhalten. Der Anlass war ganz unerwartet eine starke Weiterführung der Diskussionsrunde "Lautes Denken" am gleichen Ort vor einem Jahr.

31. März: Am Nachmittag hatte ich eine aufschlussreiche Besprechung mit Monica Sittaro an der Schule für Gestaltung in St.Gallen. Sie hat mir die Berechnungsgrundlagen für die Vollkostenrechnung der Lehrgänge Höhere Fachschule in den kreativen Berufen erklärt. Mich würde es natürlich interessieren, was mit dieser Rechnungsmethode ein Studienplatz an der Universität St.Gallen kosten würde.

30. März: Am Morgen besuchte ich die ZHDK im Toni Areal. Die Hochschule der Künste ist wirklich sehr beeindruckend. Beim Treppenaufgang muss man sich aber richtig Mühe geben den passenden Schritt zu finden um nicht zu stolpern. Am besten funktioniert es mit Rennen. Ich habe das ausprobiert obwohl ich gar keine Eile hatte. Ich war rechtzeitig da mit einer visarte Delegation für eine Sitzung mit dem Rektor Prof. Thomas D. Meier. Ich höre immer wieder Kritik an dieser neuen Ausbildungsstätte. Zu gross, zu anonym, zu kühl, ohne Atmosphäre etc. Gerade so wie wenn Kultur heute immer noch in romantischen, kuscheligen Ateliers in Dachgeschossen oder ungeheizten Kellern entstehen würde. Kultur findet heute im All und all überall - in endlosen, digitalen und vernetzten Räumen statt.

Am Abend hatte ich ein Engagement im Kulturraum der Lokremise in St. Gallen. Das Kulturmagazin Saiten war Gastgeber für ein Nachdenken über die Kulturbotschaft, zur Kulturpolitik der Schweiz und ihren Auswirkungen für die Regionen. Herr Bundesrat Berset hielt einen klugen und unterhaltsamen Vortrag zur Kulturbotschaft. Die anschliessende Podiumsdiskussion wurde moderiert vom Historiker Stefan Keller. Mit dabei waren der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti, Martha Monstein vom Amt für Kultur Thurgau, Kaspar Surber als Kulturveranstalter im Palace und Redaktor bei der WOZ und ich als Künstler und als Präsident von visarte . Der Anlass war mit über 350 Menschen sehr gut besucht. Das war eine anregende Auseinandersetzung in Sachen Kultur. Dem Publikum und uns hat es richtig Spass gemacht. Ich glaube das war für alle Anwesenden eine richtig gute Teilhabe an lebendiger Kultur im Sinne der Kulturbotschaft. Es ist zu hoffen, dass der Nationalrat wie bereits der Ständerat ja sagt zu dieser Vorlage. Ich hoffe natürlich auch, dass die Diskussionspunkte soziale Sicherheit für Kulturschaffende, mehr Ausbildungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung für kreative Berufe, konsequente Beiträge für Kunst am Bau bei öffentlichen Bauten usw. auch in der regionalen Kulturpolitik umgesetzt werden. Es gibt noch viel zu tun. Das Schlusswort hatte Paul Rechsteiner. Er engagiert sich zusammen mit Frau Karin Keller-Sutter und Ivo Bischofberger für einen widerkehrenden Beitrag des Bundes an die Stiftsbibliothek St.Gallen. Eine tolle Sache!

29. März: Monika ist mit mir nach Wettingen gefahren. Rudolf Velhagen lud zum Künstlergespräch im Gluri Sutter Huus mit Peter Emch, Vincent Kriste, Felix Studinka und mir. Das war sehr interessant und hat mir viele inhaltliche Fassetten von meinen Künstlerkollegen eröffnet. Anschliessend verbrachten wir einen angenehmen und lustigen Geburtstagsnachmittag mit Freunden bei Elisabeth Nembrini.

28. März: Heute fand in Oberriet die Urnenbeisetzung von meiner Mutter im engen Familienkreis statt. Diese Endgültigkeit hat mir richtig zugesetzt.

27. März: Heute hatte ich einen Aufräumtag. Ich musste alle Pendenzen erledigen, die sich wegen meinen vielen Sitzungen angestaut hatten.

26. März: Wieder frühes Aufstehen. In Zürich beginnt um 9.15 Uhr eine Sitzung zum Folgerecht. Anschliessend fahre ich nach Bern. Ich schaue mir zuerst die Ausstellung in der Kunsthalle an und treffe mich dort mit der Verantwortlichen für Veranstaltungen. Wir planen die Präsentation für das Buch von Fredi Lerch - über die Künstlerin Lilly Keller. Die Buchvernissage findet am Mittwoch 13. Mai um 18 Uhr in der Kunsthalle Bern statt. Ich freue mich sehr darauf.

Am Nachmittag besuchte ich das Kunstmuseum. Max Gubler. Es hat einige sehr bemerkenswerte Bilder in der Ausstellung. Die grosse Regenlandschaft zum Beispiel oder die Distelbilder und einige Raumeinsichten haben mich in der Farbigkeit sehr beeindruckt.

Dann gönnte ich mir einen Kebab mit Taschenbrot und Jogurt Sauce zur Stärkung. Um 15.15 hatte ich ein Treffen mit Heinrich Gartentor. Er wollte einiges mit mir besprechen im Zusammenhang mit der Bick Stiftung. Heinrich hat in den letzten Jahren sehr viel Energie für diese Häuser eingesetzt und trotzdem sind die Stiftungen ein Dauerthema bei visarte. Am Abend besuchten wir im Proger gemeinsam die Jahresversammlung von visarte Bern. Der Abend war sehr anregend. Ich finde es super, wie in allen Regionen für die Kultur und für die Anliegen der Künstlerinnen gekämpft wird. Um fünf vor Neun setzte ich zu einem sehr schnellen Spurt zum Bahnhof an. Auf die Sekunde genau erwischte ich meinen Zug, der dann aber mit zehn Minuten Verspätung Richtung Zürich losfuhr. Um 24.00 Uhr war ich wieder in meinem Büro um die Mails zu lesen. Viel Erfreuliches erwartete mich da, wirklich viel Erfreuliches.

25. Am Mittag konnte ich mit Ramon die letzten Details besprechen für mein Buch "Menschenbilder", das ich für die Ausstellung in Aarau plane. Nach dem Mittag hatten Monika und ich eine Beratung mit der Buchhalterin. Unser Wohnhaus wird immer mehr zu einem Grossraumbüro mit Kochnische.

Am Abend dann eine zwei stündige Telefonkonferenz mit Beat Wismer. Er schreibt einen Text zu meiner Kunst und Bau Arbeit in Aarau.

24. März: Am Morgen habe ich ungefähr 30 Künstlerinnen und Künstler im Internet recherchiert, die sich für ein visarte Stipendium bei der Bick Stiftung beworben haben. Ich war sehr glücklich zu sehen, wie viele sehr gute Künstlerinnen und Künstler  wir im Berufsverband haben. Anschliessend fuhr ich nach Zürich. Eine lange Sitzung war angesagt mit dem Zentralvorstand von visarte. Zuerst die Finanzen, dann die Juristerei und anschliessend Themen, Themen und Themen bis zur Erschöpfung und zum Schluss noch die Jurierung. Bei der hohen Qualität der Bewerber und Bewerberinnen war das ein ichtiges Kopf an Kopfrennen.  

23. März: Ich stand vor sechs Uhr schon unter der Dusche. Ich musste nach Bern fahren für einen Termin bei den Anwälten von visarte. Unser Ziel war es, einen Ausstellungsvertrag für unsere Künstlerinnen und Künstler zu diskutieren und vorzubereiten. Das war alles nicht so einfach für mich. Die Sprache der Juristen ist wirklich keine Alltagssprache.

Am Nachmittag traf ich Lilly Keller, Katharina Altas und Fredi Lerch für die Präsentation des Layouts des geplanten Buches. Es ist nun alles für den Druck vorbereitet und alle sind überaus glücklich mit dem Resultat. Krispin Heé und Samuel Bänziger haben ein sehr schönes Buch kreiert.

20. 21. 22. März:  Monika brachte mich und meine Bücherkisten nach Luzern. Während der Sonnenfinsternis wartete ich an einem Schalter auf eine Ausnahmebewilligung für die freie Fahrt in die Altstadt. Ich brauchte also keine Sonnenbrille um dieses Phänomen zu sehen. Ich stand ja am Schalter. Ich war dann drei Tage in Luzern hinter meinem Büchertisch eingeklemmt. Der Anfang war etwas harzig aber nach und nach kam sehr gute Laune auf. Verlegerinnen und Verleger sind ja eine sehr spezielle Spezies und wenn man dann einmal ins Gespräch kommt wird es meistens sehr interessant. Am Schluss hat dann auch das Geschäft etwas angezogen und die Kisten waren nicht mehr ganz so voll, (aber immer noch voll genug)

19. März: Am Nachmittag hatte ich  im Atelier ein Treffen mit Stefan Rohner und mit einem Grafiker. Gefragt waren Fotos für eine Publikation zum Thema Stiftungen. Der arbeitende Künstler ringt erbarmungslos mit seinem Werk... Am Schluss artete das Ganze fast zu einem Ringkampf zwischen dem Grafiker und dem Fotografen aus. Kein Wunder bei einem solchen Modell.

18. März: Endlich ein Tag für mich.

17. März: Um 11.30 Uhr wurde ich in Aarau erwartet, um die Holzdrucke entgegen zu nehmen. Als ich ankam war alles schon da. Nach dem Mittag haben wir zu dritt begonnen die grossen Drucke im Eingangsraum zu hängen. Dazu war ein grosses Rollgerüst notwendig um in der Höhe von fast fünf Metern arbeiten zu können.  Die dreissig Drucke waren um 17.20 Uhr gehängt. Ich kletterte vom Gerüst, nahm einen kurzen Augenschein und entschloss mich spontan sofort zum Bahnhof zu rennen. Ich getraute mich nicht, noch einmal zurück zu schauen. Ich wollte so schnell wie möglich nach hause, um die nötige Distanz zu schaffen. (Innerlich war ich aber sicher, dass alles gut sein wird)

16. März: Ich hatte am Morgen eine Sitzung in einem Grafikatelier in Zürich und anschliessend musste ich bereit stehen im St. Galler Atelier für den Transport. Beim Warten konnte ich die Bücherkisten vorbereiten für die kleine Buchmesse "Luzern Bucht" vom kommenden Wochenende. Das ist immer so schwierig, was und wie viel man mitnehmen soll. Ich bin immer so optimistisch.

15. März: Gemeinsam mit Monika habe ich den ganzen Sonntagnachmittag alle Holzdrucke umgeschichtet und sortiert. das sind mindestens 500 Kilo Papier. Jetzt liegen drei Stapel Drucke im Atelier und einer ist präpariert für den Transport am Montag für die Ausstellung im Stadtmuseum in Aarau. Diese Arbeit war wie ein langer, anstrengender Spaziergang bei Nebel und in der Kälte. Am Abend schmerzten alle Knochen.

14. März: Fahrt nach Wettingen zur Vernissage im Gluri Sutter Huus. Ein angenehmer  Abend, mit vielen Begegnungen. Saadet Türköz hat sehr berührend gesungen. Dann zu Hause noch ein Nachtkrimi der härteren Sorte. Trotzdem sehr gut geschlafen.

13. März: Am Morgen hatte ich eine Sitzung im Stiftsbezirk für ein spannendes Buchprojekt. Mein PC konnte zum Glück wieder hergestellt werden ohne Datenverluste. Bis gegen Abend konnte ich viele Pendenzen erledigen und die aktuellen Buchprojekte aufarbeiten.

12. März: Der PC ist richtig heiss gelaufen und blockiert. Meine Anwenderkompetenz konnte nichts mehr ausrichten. Ich trug die ganze Kiste zu fornetic, in der Hoffnung dass die helfen können. Anschliessend hatte ich ein sehr gutes Gespräch beim Amt für Kultur beim Kanton und dann erwischte ich noch den 12 Uhr Zug nach Zürich. Ich musste bei visarte Schweiz bei der Revision der Jahresrechnung mit dabei sein und dann auch gleich das Budget für 2015 besprechen. Ich kenne eine Frau, die alle Zahlen plastisch und in Farben sieht. Ich bin da einfacher. Ich kenne rot und schwarz.

Mit langen Spurt schaffte ich dann den Zug um 17.09 nach St. Gallen. ich  Ich wollte unbedingt bei der Jahresversammlung von visarte ost dabei sein. Es war ein lustiges Bild. Stefan Rohner, der Präsident, umringt von all den Frauen aus dem alten und dem neuen Vorstand.

11. März: Heute Morgen kaufte ich als Erstes einen neuen Drucker. Mit dem Einrichten war ich völlig überfordert. Bis zum Mittag hatte ich es dann aber doch geschafft. Die Gebrauchsanleitung musste ich zwar wegen einer Fehlmanipulation auf Dänisch Schritt um Schritt erraten und durch meine unkonventionelle Arbeitsweise am PC habe ich sicher auch unbeabsichtigt einige Einkäufe getätigt und gleichzeitig einer neuen Generation von Hackern ein grosses Fenster ins Nirwana geöffnet. Wie von Zauberhand gesteuert und ungefragt  druckte mein "Neuer" den Satz aus "Felix du bist eine Pfeifffe". Nun habe ich meinen Drucker "brother of Duchamp" getauft. Monika war dann so begeistert über meine digitalen Anwendertechniken, dass sie mir gleich noch Skype eingerichtet hat. Jetzt muss ich mich auch noch rasieren vor dem Telefonieren . Das Leben wird immer komplexer. Als Belohnung und zur Erdung ass ich dann am Mittag eine schmerzlindernde St. Galler Bratwurst. Am Nachmittag habe ich froh und heiter am PC gearbeitet. Als ich am Abend alles abschalten wollte, bekam ich die Meldung, dass 24 updates gemacht werden. Nach dem Nachtkrimi war das Programm immer noch nicht abgeschlossen.

10. März: Ich fuhr mit einem frühen Zug nach Zürich und dann nach Wettingen. Ich hatte mich mit Peter Emch verabredet um die Ausstellung mit dem rätselhaften Titel "da stieg ein Baum" einzurichten. Das ging alles sehr gut voran und das Resultat hat mich recht zufrieden gemacht. Jetzt bin ich gespannt auf die Eröffnung am Samstag.

9. März: Am Morgen musste ich meinen Putzdienst nachholen und anschliessend druckte ich sehr viele Konzepte und Projekte aus. Mein Drucker lief richtig heiss und beim Patronenwechsel tschäpperte es anschliessend, wie wenn ich eine Schachtel Briefklammern ins Getriebe geworfen hätte. Ich konnte auch die neue Druckerpatrone nicht mehr aus dem Schlund des Druckers ziehen. Mit grossem Gefluche sendete ich alle Unterlagen per Mail zu Monika in das oberen Stockwerk, um meine Dossiers zu produzieren. Am Nachmittag bereitete ich den Transport für Aarau vor. Das lenkte mich etwas ab von meinem Ärger über die von mir unbeherrschbare Technologie.

8. März: Ich wollte eigentlich einen ruhigen tag einschalten und am Ende habe ich bis am Abend um zehn Uhr Gesuche für ein Buchprojekt und einen zu ausführlichen Jahresbericht geschrieben. Statt auf 2500 Zeichen kam ich auf ca. 17 tausend Zeichen. Egal, für mich war es wichtig, zu überprüfen was ich im letzten Jahr für die visarte geleistet habe. Um die Mittagszeit haben wir aber einen wunderschönen Spaziergang erlebt vom alten Rhein bis zum Bodensee. Diese Region hat etwas sehr grosszügiges. In dieser Jahreszeit wirkt der See wie eine kleine Nordsee.

7. März: Ich fuhr früh los nach Zürich. Im Speisewagen plauderte ich mit einer interessanten Frau, die im Landesmuseum in Zürich arbeitet. Eigentlich wollte ich mich auf die Tagung der visarte vorbereiten aber die Zeit war schneller wie mein Denken. In Zürich hatten wir eine Konferenz mit Vertreterinnen und Vertretern von allen Gruppen der visarte. Der Tag war sehr dicht durch die intensive Auseinandersetzung mit interessanten Themen, Diskussionen und Projekten. Ich war zuständig für die Moderation. Am Abend war ich ziemlich geschlaucht aber sehr erfüllt von den Resultaten, die wir gemeinsam erarbeiten konnten.

6. März: Leider musste Vera schon wieder abreisen und ich hatte einen Termin in Luzern. Ich irrte dann sehr lange hinter dem Bahnhof herum, da ich die Adresse Rösslimattweg 8 nicht gefunden habe. Die Hausnummer ist hinter einem Briefkasten versteckt. Ich plane ein Buch mit Jeroen Geel in der Reihe "Junge Kunst", die von der Stadt Luzern herausgebracht wird. Das Treffen war dann doch sehr produktiv. Das gibt ein sehr schönes Buch.

5. Ich hatte um 14 Uhr ein Treffen mit Kaba Rössler im neuen Stadtmuseum in Aarau. Ich brachte eine  dokumentarische Fotoserie meiner Fassadenarbeit mit, die in einem Zwischengeschoss im Neubau eingerichtet wird. Wir mussten auch noch einmal die Wände in der grossen Halle im Erdgeschoss ausmessen, wo ich 30 Menschenbilder von der grossen, neuen Holzdruckserie bis im Juli ausstellen werde. Anschliessend trafen wir uns mit den Architekten von Diener & Diener für einen Rundgang durch die neu gestalteten Räume.

4. März: Wir trafen in Oberriet die ganze Familie für die Abschiedsfeier von unserer Mutter.

3. März: Am Morgen wurden meine Arbeiten abgeholt für die Ausstellung im Glury Sutter Huus in Wettingen. Unter Anderem meine neue Arbeit "Birkenwäldchen gerodet", das ich aus Pappelholz geschnitten und bemalt habe. Am Nachmittag kam Regine von der visarte Geschäftsstelle nach St. Gallen für eine Vorbesprechung. Dann trafen wir zwei Vertreter von der Künstlervereinigung aus Lichtenstein. Das war ja ein richtiges internationales Verbandstreffen. Am Abend kam Vera von Berlin nach St. Gallen. Wir hatten dann einen richtig schönen Familienabend und konnten vieles bereden.

27. Februar: Die Guerilla Galerie St.Gallen eröffnete eine neue Ausstellung in einer alten Gewerbeliegenschaft an der Heimatstrasse 15. Sebastian Stadler & Patrick Cipriani präsentieren einen eindrücklichen Film.

26. Februar: Um neun Uhr las ich die Nachricht von meiner Schwester, dass  unsere Mutter in der Nacht ganz ruhig wegschlummern konnte. Es ist ein trauriger und besinnlicher Moment. Dieser Verlust wirft so viele Fragen auf mich selber zurück.

Am Abend besuchte ich die Voreröffnung der neuen Bibliothek in der Hauptpost St.Gallen. Bei den vielen Reden wurde nur in einem Nebensatz erwähnt, dass diese Bibliothek nur dank einer der grössten Volksbewegungen zustande gekommen ist. Weit über zehntausend Menschen forderten diese Bibliothek, nachdem der Regierungsrat des Kantons St.Gallen diese Bibliothek aus Spargründen verhindern wollte. Nun ist ein wunderbarer Ort geschaffen worden für das Buch. Es ist zu hoffen, dass aus diesem Provisorium eine wichtige dauerhafte Stätte für eine Volksbibliothek etabliert werden kann.

25. Februar: Ich sass gestern und heute den ganzen Morgen bei meiner Mutter im Alterszentrum Gais. Sie war nicht mehr ansprechbar aber sehr ruhig. Beim letzten Besuch sangen wir zusammen noch alle alten Lieder die mir eingefallen sind. Mutter kannte alle Texte und hatte grosse Freude daran. Wir sagten auch alte Sprüche und Verse auf. Einer wird mir sicher ewig bleiben:

Ich und Du,
Müllers Kuh,Bäckers Stier,das git zäme vier.

23. Februar: Am Nachmittag hatte ich in Zürich einen fruchtbaren Gedankenaustausch mit Marianne Burki und Nicole Rielle von der Pro Helvetia. Regine Helbling und ich konnten die Anliegen von der visarte, dem Berufsverband visuelle Kunst in einem offenen Gespräch einbringen.

22. Februar: Am frühen Abend waren wir in der Tonhalle. Ich wollte mir unbedingt das neue Werk von Alfons Karl Zwicker anhören. Das Orchesterwerk "Unter dem Grabhügel für Orchester und Saxophon" entstand im Rahmen von "oevres:suisse". Alfons Zwicker ist ein beeindruckendes Klangwerk gelungen. Ich freue mich schon auf das kommende grosse Werk, das als Oper geplant ist. Anschliessend wurde das Requiem von Johannes Brahms, zusammen mit dem Bach-Chor und dem Tablater Konzertchor aufgeführt. Für mich war es überraschend und beeindruckend, wie viele alte Bekannte mit ihrer grossen Stimmkraft in diesen Chören mitsingen.

21. Februar: Mein Atelier an der Haggenstrasse ist bitter kalt. Trotzdem geht die Arbeit am Birkenwädchen voran. Am Abend waren wir Gäste beim sehr schönen Fest von Gabriele im Baratella.

19. Februar: Heute konnte ich meine Fotoabzüge abholen. Ich bin gespannt, wie diese Auswahl wirken wird. Ich bin dann gleich ins Atelier gefahren, um mein Birkenwäldchen zu bemalen. ich hatte einen richtigen Mutanfall und nun ist der erste Anstrich vollbracht. Am Abend besuchte ich das Jahresfest bei Vitamin 2 an der Bogenstrasse. Ein erstaunliches Potential an jungen kreativen Menschen war da versammelt. Eine St. Galler Sängerin hat mich sehr überrascht.

17. Februar: In den letzten Tagen habe ich vieles klären und entscheiden müssen. Nach langem Abwägen habe ich eine 16 teilige Fotoserie zusammengestellt für die Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum Aarau. Es sind zwei Präsentationen geplant. In einem Zwischengeschoss des Neubaus wird die Kunst am Bauarbeit von mir dokumentiert und  in der grossen Halle im Parterre werden rund dreissig Menschenbilder präsentiert. Das sind grosse Holzdrucke, die ich von den Original Reliefs vom Mammutbaum Aarau abgezogen habe. Für diese Drucke hat Helmuth Sennhauser mit mir zusammen eine spezielle Vakuumdrucktechnik entwickelt, damit die Holzplatten nicht mit Druckfarbe eingefärbt werden mussten.

13. Februar: Beni Bischoff wird im Kunstmuseum St. Gallen mit dem Manor Kunstpreis ausgezeichnet. Eine etwas späte aber verdiente Preisverleihung. Beni Bischof hat in den letzten zehn Jahren sehr viel gemacht. Nächstes Jahr wird er vierzig und dann kommt schon die Reifeprüfung. Das Künstler Leben ist hart.

12. Februar: Ich bin früh mit dem Zug nach Zürich gefahren für eine Besprechung für ein Buchprojekt. Zufällig habe ich überall alte Bekannte getroffen. Im Speisewagen, auf der Strasse, im Bürogebäude und auf dem Bahnhof. In der Schweiz ist es gar nicht so einfach unerkannt durch eine Stadt zu gehen.

11. Februar: Ich habe wirklich Lust zum malen.

10. Februar: Am Morgen früh erwartete ich eine Lieferung mit Keilrahmen. Dann ein Fototermin für die Aufnahme der neusten Bilder. Das ermuntert mich immer wieder Abschied zu nehmen und etwas neues zu beginnen. Am Abend eine lange und ergiebige Sitzung mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St. Gallen.

9. Februar: Den ganzen Tag gemalt, gekocht, gelesen, gemalt, gekocht, Bücher eingepackt und Holz geschleppt für den Ofen im Atelier.

7. Februar: Heute habe ich die Steuerklärung für meine Mutter ausgefüllt. Ich musste nur zwei Zahlen eintragen. Die AHV Beiträge und den Kontostand. Es scheint Sachen zu geben, die im Alter einfacher werden.

5. Februar: Gestern Abend habe ich mir den Film "Heute bin ich blond: Das Mädchen mit den neun Perücken" auf Arte angeschaut. Lisa Tomaschewsky ist umwerfend. Eine Verfilmung des Bestsellers von Sophie van der Stap durch Marc Rothemund.

Am Wochenende beginnt das Fieber, die grosse Müdigkeit und der tiefe schmerzhafte Husten. Ich begebe mich in den Winterschlaf und sage alle Termine ab.

30. Januar: Heute hatten wir endlich wieder einmal Zeit meine Mutter zu besuchen. Sie kann so lustig sein und trotzdem ist diese letzte Phase des Lebens so anstrengend und traurig.

29. Januar: Eine zügige Sitzung zur Kampagne "Folgerecht". Ich kümmere mich um die Vorbereitung des Plakats.

28. Januar: Wir besuchten eine Theaterabend in der Lokremise. Gerda hatte vor Jahren einen Hirnschlag. Nun spielt sie mach vielen Jahren Rehabilitierungsarbeit mit in einem Theaterstück, das die Frage nach dem "normalen" Menschen stellt. Ziemlich erschütternd das Ganze.

26. Januar: Monika machte mir per Mail den Vorschlag eines gemeinsamen Mittagessens auf dem Flughafen. Meine Alternative war ein Treffen um dreizehn Uhr bei Bindella in Winterthur. Das hat alles gut geklappt. Der Flug von Monika war pünktlich. Es gab viel zu erzählen. Ich staune immer wieder wie man sich schon nach ein paar Tagen wieder aneinander gewöhnen muss. Ich bin dann um 15 Uhr weitergefahren nach Solothurn an eine vorbereitende Sitzung für die visarte Sektion Solothurn. Der Neuanfang scheint zu gelingen. Wir haben uns getroffen im Künstlerhaus an der Schmiedegasse. Ich kannte diesen Ausstellungsort gar nicht.

25. Januar: Um halb 11 Uhr bin in die Stadt gefahren. Die Konzertreihe von Klein aber fein beginnt mit einem Konzert zu John Cage. Albert Zwicker interpretiert Stücke am Piano und Florian Vetsch rezitiert Texte von Cage. Das war ein grandioser  Sonntagmorgen. Ein amerikanischer Frühschoppen. Am Nachmittag malte ich an meinem neuen Bild weiter. Es ist zwar noch nicht viel zu sehen.

24. Januar: Am frühen Morgen habe ich meinen Holzofen eingeheizt und eine grosse Leinwand vorbereitet.  Dann habe ich den ganzen Tag abwechselnd gelesen, gemalt und vor mich hin sinniert.

23. Januar: Ich habe den ganzen Tag im Atelier gearbeitet. Das Birkenwäldchen ist bereits zu einer siebzehnteiligen Installation herangewachsen. Heute war Feinarbeit angesagt. Bildhauerisches Verfeinern, Schleifen, ausgiebiges Husten und Frieren. Ich habe mich körperlich überanstrengt und bin am Abend total erkältet. Eigentlich wollte ich zuerst die Eröffnung von Miriam Cahn in Aarau besuchen. Als ich um 17 Uhr immer noch im Atelier stand dachte ich, dass ich statt nach Aarau ja nach Winterthur fahren könnte, zur Vernissage von Otto Meyer Amden. Ich fuhr nach Hause und duschte mich. Unter dem Wasserstrahl entschied ich mich für die Eröffnung in der Kunsthalle St.Gallen. Als ich dann wieder angezogen und hungrig in der Küche stand entschloss ich mich definitiv für ein gutes Essen und eine Flasche Wein. Ich kochte, führte ausgiebige Selbstgespräche und ich sagte mir: <Es kann einfach nicht immer nur Kunst sein.> 

22. Januar: Heute bin ich mit der Fachkommission HF bildende Kunst an der Fürstenlandstrasse verabredet. Wir müssen die Noten vom Zwischendiplom besprechen. Ich werde das Mittagessen für die teilnehmenden neun Personen vorbereiten. Es gibt ein Tomatensüppchen mit frischen Orangen zubereitet und zwei unterschiedliche Gemüsewähen. Elisabeth Nembrini bringt die Salate mit. In meinem Übereifer habe ich sogar unsere eigenen Backbleche mitgenommen. Als die Gemüsewähen fertig belegt und mit Guss übergossen waren, stellte ich fest, dass die Bleche nicht in den Ofen passen. Eine Nummer zu gross. Zum Glück konnte ich die Kuchen ohne grosse Probleme "umladen". Das Essen ist gelungen und die Sitzung war sehr konstruktiv.

21. Monika ist heute nach Berlin geflogen. Zum Glück habe ich mich vor dieser Reise gedrückt. Ich habe so viel zu tun in meinem künstlichen Birkenwäldchen.

19. Januar: Am Morgen um 10 Uhr begannen die Zwischendiplom - Gespräche vom HF Bildende Kunst im NEXTEX. In der Jury waren Corinne Schatz, Marcus Gossold, Una Szeemann, Britta Polzer, Thomas Müllenbach und Roland Roos. Die Studierenden waren sehr nervös, gaben aber ihr Bestes. Ich mag solche Arbeitsgespräche sehr. Es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich künstlerische Arbeiten beurteilt werden können. Als Zuhörer denkt man sich dann natürlich auch einiges. Manchmal musste ich richtig auf die Zunge beissen, um einen Kommentar zu unterdrücken.

17. Januar: Im letzten November schon bin ich vom Verein für Originalgrafik angefragt worden für eine Ausstellung mit überarbeiteter Druckgrafik. "Original und Edition". Die Arbeit habe ich dauernd vor mich her geschoben. In den 80er und 90er Jahren machte ich sehr viel Grafik für den VFO. Vor einigen Tagen habe ich versucht einen alten Holzschnitt zu überarbeiten. Das ging aber ziemlich daneben. Am Schluss war das Blatt einfach komplett weiss überstrichen. Nichts war mehr zu sehen. Das brachte mich auf die Idee, drei alte Radierungen mit Berglandschaften, die ich schon längst vergessen hatte mit weisser Kunstharzfarbe zuschneien zu lassen. Die drei Blätter heissen nun "Neuschnee" und sind sehr schön und rein geworden. Ein bisschen wie klassische Japanische Holzschnitte. Für die Malerei habe ich eine spezielle Technik ausgetüftelt. Eine Art Maltüte.

16. Januar: Ich habe den ganzen Tag im Atelier gearbeitet. Am Abend besuchte ich die Eröffnung im NEXTEX. Der Lehrgang HF Bildende Kunst präsentiert dort die Arbeiten zum Zwischendiplom. Viele kleine und feine Arbeiten sind zu sehen. Ich bin gespannt auf die Werkbesprechungen am Montag und Dienstag.

15. Januar: Gestern und heute konnte ich sehr gut arbeiten im Atelier. Am Nachmittag fuhr ich dann nach Basel. Ich wurde aufgeboten, um in der Kunsthalle an einer Podiumsdiskussion teil zu nehmen. Ich habe mich richtig darauf gefreut alte Weggefährten und Wegweiserinnen zu treffen. Peter Burri leitete die Diskussion vor vollem Haus. Das Kulturamt Basel hat wirklich die unsägliche Idee, allen Künstlern und Künstlerinnen der Ateliergemeinschaft in der Kaserne auf Ende 2017 zu kündigen, mit dem Vorwand, dass die Gebäude saniert werden müssen. Diese Ateliergemeinschaft existiert sage und schreibe seit fünfzig Jahren. Das ist die älteste und grösste selbst verwaltete Ateliergemeinschaft in der Schweiz. Ich verstehe, dass jeder Kulturbeamte auch die Kunstszene mitgestalten möchte. Ich finde aber, dass das Kulturamt viel gescheiter eine eigene neue Initiative für ein Atelierhaus für junge Künstler aufbauen sollte. Um mehr Ateliers zu kreieren darf man doch nicht einfach ein seit fünfzig Jahren bewährtes und kostengünstiges Modell zerstören. Am besten gefallen würde mir in Basel ein riesiger, international besetzter Atelierturm für alle Kreativen der Welt. Internationale Architekten und Architektinnen gibt es ja in Basel genug, die fähig wären, den  höchsten Turm der Schweiz für kreative Zwecke zu bauen.  Nicht nur die Wissenschaft, auch die Künstlerschaft braucht Platz. Dieser Turm müsste einfach das Herzog de Meuron Gebäude, das zur Zeit für die Roche gebaut wird, um einige dutzend Meter überbieten. Ein solcher, von Kunstschaffenden belebter Wolkenkratzer hätte den Vorteil, dass die Kunstwerke für die Art Basel quasi per Rohrpost zur Messe transportiert werden könnten. Gell Gilli. 

13. Januar: Im Atelier in Haggen wird der Glasfaseranschluss installiert. Ich musste früh raus. Am frühen Nachmittag fand eine Ausstellungsbesprechung in Wettingen statt. Im Zug hatte ich plötzlich Panik. Ich war nicht mehr sicher ob ich wirklich nach Wettingen oder doch eher nach Wetzikon hätte fahren müssen. Der Kurator tröstete mich mit der Aussage, dass ein Künstler Wettingen mit Winterthur verwechselt habe. Na nu und Kanu klingt ja auch ähnlich.

Um 17 Uhr musste ich dann schon wieder in Zürich in der Helferei sein. Ich wollte die Diskussion zum Hafenkrahn auf keinen Fall verpassen. Der anwesende SVP Gemeinderat fand es gar nicht lustig, dass er als einer der verlässlichsten Partner und Wegweiser des Projekts <Zürich Transit Maritim> Projekts benannt wurde. Ian Morgentaler meinte, dass im die SVP  mit ihrer Penetranz und Hartnäckigkeit immer wieder Beachtung geschenkt und somit auf dem holperigen kulturellen Weg die Richtung angezeigt und ihn begleitet habe. Der Herr Thuja, Tenna oder Tonna? (habe gerade den Namen vergessen) wurde zu einem bedeutenden DADA Künstler ernannt. DADA - SVP (sil's vous plats).  Der Abend war sehr lustig und ich war sehr froh, dass ich mit der neuen KUNST UND BAU NUMMER 2 zum Thema Zürich Trans Maritim richtig Gas gegeben habe. Ich konnte die neue Vexer Publikation an diesm Abend rechtzeitig auflegen. Der Essay von Barbara Preisig  <Denkmal an die Schwerkraft - Über Rost, Welthandel und Zürichs nostalgische Beziehung zum Hafenkran> ist richtig gut und wird sinnstiftend ergänzt durch die Lobrede von Christoph Doswald zum Kunstwerk als Phantasma. Die Nummer zwei macht wirklich Freude. 

12. Januar: Am Morgen eine lange Besprechung mit interessanten Leuten aus der Kulturszene mit dem kantonalen Amt für Kultur zum neuen Kulturgesetz. Die Sitzung war sehr spannend und aufschlussreich.

Am Abend eine Redaktionssitzung von XYLON in Winterthur. Das war eine Freude. Kaspar Toggenburger hat mir sechs uralte Xylon Nummern besorgt, die mir in meiner Sammlung noch gefehlt haben. Ich glaube die drei Künstlerinnen und Künstler die dieses Jahr die Xylon Zeitschrift machen sind stark. Das verspricht einmal mehr ein guter Jahrgang zu werden.

5. Januar im 2015: Es ging schon wieder richtig los mit interessanten Sitzungen. Ich hatte aber genügend Zeit, wieder einmal kräftig die Motorsäge zu schwingen. Ich arbeite an einem grossen Birkenwald für eine thematische Ausstellung in Wettingen.  Der Titel lautet: "Da stieg ein Baum" nach einem Gedicht von Rilke. Ich plane eine Rodungsarbeit. Das macht nachdenklich und grossen Spass. Gegen Abend hatte ich ein Treffen mit Krispin Heé im Comercio. Ich übergab ihr Fotomaterial für das Buch von Lilly Keller.

25. Dezember bis 4. Januar 2015: Wunderbar! Wir hatten überhaupt keine Termine. Spazieren, schlafen lesen und das Leben geniessen. Einzig am Silvester besuchten wir ein Konzert im Palace mit einer jungen Klezmer Band aus Biel. Da haben wir wieder einmal sattsam getanzt bis um drei.

24. Am Nachmittag des 24. Dezembers veranstalten wir seid langer Zeit ein Lyoner Essen. Nicht weil wir diese Wurst speziell lieben, nein ich habe das schon in den siebziger Jahren eingeführt weil das bei uns zu Hause Tradition hatte. mein Vater wurde als Bauer immer an Weihnachten von allen Metzgern der Region mit Schinken Lyonern und weiteren exotischen Würsten beschenkt. Meine Mutter hat diesen Wursthaufen dann immer am Weihnachstabend  vor der Bescherung aufgetischt. Als Andenken an meinen familiären Hintergrund ziehen wir das nun jedes Jahr durch. Der Unterschied zu früher ist einfach, dass wir die Würste nicht geschenkt bekommen. Ich bin ja auch kein Bauer - oder?

Einen schönen und ruhigen Weihnachtsabend mit einem wunderbaren Essen feierten wir mit unserer alten Freundin Anita Zimmermann. Wir übten uns im langsamen Sprechen und guten Zuhören.

23. Dezember: Heute habe ich viele Pendenzen aufgearbeitet, unter Anderem einen Brief an alle visarte Mitglieder. Es ist an der Zeit, mich zu bedanken, für all die Arbeit, die in den Sektionen geleistet wird. Nun habe ich eben einen Salat mit frischen Mandarinen vorbereitet. Dazu gibt es einen Wildlachs mit Toast und einen jungen Weisswein.

22. Dezember: Am Mittag wartete ich auf einen Holztransport. Seit Jahren habe ich wieder Lust Skulpturen zu machen. Aber ich plane nichts Figürliches. Ich habe drei fünf Meter lange Pappelstämme bestellt. Auf dem Langholz Sattelschlepper sahen die Stämme aus wie drei Bleistifte. Jetzt liegt das Holz im Atelier und ich glaube ich könnte Millionen von Bleistiften daraus schnitzen.

Am Nachmittag  verkochte ich eine sicher 80 cm grosse Zucchini aus dem Piemont auf meinem Holzkochherd als Basis für Festtagssuppen. Am Abend machte ich an unserer gedeckten Feuerstelle im Freien ein schönes Feuer. Ich verbrannte ein grosses Stück Pappelholz von einer Skulptur, die ich vor Jahren zersägt hatte. Dann genossen wir gewärmt durch das Feuer und geschützt durch warme Decken, zusammen mit Vanja und Medea ein herrliches Fondue in der kalten Nacht. 

21. Dezember: Den heutigen Abend verbrachten wir am Bodensee in Arbon. Wir feierten mit Freunden die Sonnenwende an einem riesigen Feuer.

20. Dezember: Diese Woche hatte ich einige Mammut Sitzungen. Die Unterhaltsamste war die Besprechung mit Krispin Heé und mit Samuel Bänziger. Wir haben die Gestaltung des geplanten Buches von Fredi Lerch, über Lilly Keller diskutiert. Ich hatte ziemlich genaue Vorstellungen, wie das aussehen sollte. Nun sind wir einen grossen Schritt weitergekommen. Der Einstig in Lillys Welt wird bunt und wild und wunderschön. Ich sprach immer von einem "schützenden Mantel", den ich um den Text von Fredi Lerch legen will. Ich glaube das haben wir geschafft. Gestern Nachmittag konnte ich alle anstehenden Projekte mit Vera besprechen. Das war sehr intensiv und konstruktiv. Am frühen Abend fuhren wir an einen Geburtstagsapéro in der Brauerei in Rorschach und später haben wir ein wunderbares Essen gekocht. Nüsslisalat mit gekochten Randen, garniert mit Birnenschnitzen, dann ein schönes angebratenes Wurzelgemüse, Kastanienspätzle und dazu feinstes Reh Filet. Getrunken haben wir einen sehr schönen Malbec aus Argentinien. Das war unser "Jahresessen" mit Vera. Heute früh ist sie schon wieder weitergeflogen nach Toulouse und ich vergnüge mich heute mit den Vorbereitungen für meinen Jahresabschluss. Mir glaubt das niemand aber ich mache diese Arbeit sehr gerne. Ich habe schon als Kind eine Milchbüchlein Rechnung geführt für mein spärliches Taschengeld. Bis zur fünften Klasse erhielt ich einen Franken in der Woche und ab der sechsten  wurde der Betrag verdoppelt. (Ho-Ho sagt der Schäfer)

15. Dezember: Heute Nacht bin ich schon um 2.30 Uhr aufgewacht. Mich trieb die Angst um, Monika könnte ihren Flieger nach Wien verpassen. Sie hatte schon auf vier Uhr früh ein Taxi bestellt. Nach unserem Abschied bin ich dann noch einmal tief weggedriftet und habe seit langem wieder einmal bis neun verschlafen. Nach einem grossen Kaffee habe ich lange mit Vera telefoniert. Heute vor 35 Jahren ist sie geboren, lebt schon lange in Berlin und ist doch so nah! Der 15.12. ist und bleibt immer ein grosser Tag für mich.

11. Dezember: Monika verknurrte mich in Luzern zu einem Stadtrundgang. Sie versuchte mich neu einzukleiden. Ich wehrte mich, so gut ich konnte. Zwei Pullover musste ich dann aber doch kaufen, um die Stimmung nicht zu verderben. Ich wollte auf dem Weg nach Zürich unbedingt das Kunsthaus in Zug besuchen. Die Ausstellung von Dieter Roth ist ein echtes Highlight. Musik war ein grosses Thema des Künstlers. Dieser Aspekt wird mit grosser Sorgfalt und durchaus üppig dargelegt.
Um 14 Uhr hatten wir dann einen Termin im Schnittraum von donkeyshot in Zürich Altstätten. Sandra Gysi und Ahmed Abdel Mohsen erwarteten uns schon. Wir haben uns den Rohschnitt des Films angeschaut, der zu meiner Fassadenarbeit für das Stadtmuseum Aarau gedreht worden ist. Ich glaube das Filmprojekt ist auf sehr gutem Wege.

In St.Gallen mussten wir am Abend noch meinen PC beim Computerdoktor abholen und anschliessend besuchte ich die Veranstaltung im Kunstmuseum St.Gallen. Die Ankäufe von drei Skulpturen von Hans Josephson und die Installation der Dauerleihgabe von Pipilotti Rist wurden gefeiert. Ich habe mich sehr gefreut Pipilotti wieder einmal zu sehen. Sie schafft es immer wieder das Publikum und natürlich auch mich zu überraschen. Reich beschenkt und glücklich über die vielen guten Gespräche bin ich dann ins Bett gesunken.

10. Dezember: Monika und ich haben gemeinsam Geburtstag heute. Ich freue mich auf die Buchvernissage mit Monika Günther und Ruedi Schill im Kunstmuseum Luzern, die um 18 Uhr stattfindet.

Wir sind schon am Mittag los gefahren. Zuallererst haben wir die 300 Brötchen bei der Bäckerei Wernli in St.Gallen abgeholt. Um 14 Uhr waren wir schon bei Ruedi, um eine Anzahl Bücher abzugeben. Dann sind wir zum Hotel Rebstock gefahren, haben unsere Sachen aufs Zimmer gebracht und schnell etwas gegessen. Dann brachten wir die Bücher in das Kunstmuseum und richteten den Raum für den Apéro  ein. Zur Performance von Monika und Ruedi und zu der anschliessenden Buchpremiere kamen über einhundert interessierte Menschen. Ein super Abend, inmitten einer tollen Ausstellung von Candida Höfer. Ich habe in den letzten dreissig Jahren mit dem Vexer Verlag noch nie so eine fulminante Premiere, mit so vielen verkauften Büchern erlebt. Die Museumsdirektorin Fanni Fetzer hat gestrahlt und war auch überaus glücklich. Ja das war einer der besten Geburtstage die ich schon erlebt habe. Mal sehen was sich im nächsten Jahr machen lässt.

7. Dezember: Raclette - Spezial im vernebelten Appenzeller Land mit allem Drum und Dran.

6. Dezember: Ich musste zeitig aufstehen, um die Eröffnungsrede für die jurierte Jahresausstellung "Schöne Bescherung" der Visarte Zürich im  ART DOC vorzubereiten. Diese Ausstellungen bieten ja im ganzen Lande immer wieder Konfliktstoff zwischen Institutionen und Kunstschaffenden. Ich persönlich glaube an die grosse Kraft des Provinziellen. Um 13.15 hackte ich die letzten Sätze ins Dossier und um 13.48 fuhr der Zug nach Zürich. An der Eröffnung waren sehr viele Künstlerinnen und Künstler anwesend. Als Ehrengast Gottfried Honegger am Stock. Der 96 jährige ist immer noch präsent und erstaunlich agil. Meine Rede wurde gut aufgenommen und ich fuhr früh wieder zurück nach St.Gallen. Ein wunderbares Nachtessen war mir versprochen worden.

5. Dezember: Am frühen Nachmittag besuchte mich Kaspar Toggenburger. Er brachte mir die Xylon Zeitschriften Nummer zwei bis sechs. Nun fehlen mir noch die Nummern eins, sieben, acht, neun, zehn, 16 und vierundzwanzig. Die Nummer eins hatte ich schon in den Fingern vor ein paar Wochen. Leider habe ich diese sehr rare Nummer dann auf dem Bahnhof Winterthur oder im Zug nach St.Gallen liegen gelassen. Jetzt ist die Nummer eins wieder ein Stück wertvoller.

Um 16 Uhr hatte ich mich mit Richi Küttel im Raum für Literatur in der Hauptpost verabredet. Ich hatte den Raum kurzfristig reserviert für eine Präsentation der neusten Xylon Druck Produktionen. Rainer Stöckli, ein profunder Kenner der Literatur rezitierte dann vor einem begeisterten Publikum Texte aus der alten und schönen Literatur zum Thema Selbstbildnis. Rainer Stöckli war einmal mehr grossartig. Der Abend hat sich gelohnt.

4. Dezember: Am Nachmittag traf ich Krispin Hée und Samuel Bänziger. Wir hatten gleich fünf Druck - Projekte zu besprechen. Nach zwei Sunden war ich fix und fertig aber gut gelaunt.

2. Dezember: Im Speisewagen hatte ich eine angenehme Unterhaltung mit Andrea. Ich musste nach Zürich. Andrea kenne ich von einer Jurierung bei Tanz Plan - Ost. Am Nachmittag war ich das erste Mal dabei an der Stiftungsratssitzung der Stiftung Bick in der Geschäftsstelle der visarte in Zürich. Das wird ein harter Brocken Arbeit. Heinrich hat viel Energie und Zeit investiert um die Ateliers im Tessin besser zu vermieten aber die Stiftung braucht Geld, um die notwendigen Renovationen realisieren zu können.

1. Dezember: Heute habe ich ein kleines Bild gemalt. Am Abend war ich in Winterthur verabredet für das Jahresessen mit der Xylon Druck Gruppe. Wir können auf ein gutes Jahr zurück schauen. Drei gelungene Zeitschriften mit Gustav Kluge, Heinz Keller und Alice Gafner. Dazu die Publikation "SELBST", zum 70 jährigen Jubiläum von XYLON Schweiz. Alle 45 Mitglieder haben ein Selfie in Holz geschnitten. (Was für ein doofes Wort)

29. November: Am Mittag hatten wir ein Treffen im Engel, um einen Kulturanlass mit Bundesrat Berset vorzubereiten. Paul, Norbert, Alex, Kaspar und ich. Die Stimmung war ein bisschen wie vor dreissig Jahren. Anschliessend fuhr ich mit Monika nach Schaffhausen. Jassen und Essen mit Freunden. Das Essen war super und das Jassen eine Katastrophe. Wer verliert schon gerne.

28. November: Ich hatte am Mittag in Bern eine Sitzung mit suisse culture und am Abend ein Abschiedsessen mit Heinrich Gartentor und Hanna Scheuring in Zürich mit dem Vorstand der visarte Schweiz. Ein gelungener Abend mit einem schönen Essen unter der Hardbrücke. Am Schluss, bei der Übergabe des Abschiedsgeschenks blieben mir die Worte im Halse stecken. Ich konnte nur zweimal sagen. Heinrich Gartentor - Heinrich Gartentor. Es kam mir alles so absurd vor. Ich verabschiede jemanden, den ich in drei Tagen bereits wieder für die nächste Sitzung treffen werde. Und überhaupt - Gartentore soll man zwar zuziehen aber nicht verschliessen. Am Schluss des Abends musste ich wieder rennen, um den letzten Zug nicht zu verpassen.

27. November: In den letzten Tagen hatte ich wieder einmal etwas Ruhe und konnte an meiner neuen Bilderserie weiter arbeiten. Um 10 Uhr hatte ich einen Termin zum Haare schneiden. Immer wenn ich etwas zu Ende bringen kann bekomme ich Lust, die Haare kurz zu schneiden. Das ist schon fast ein Ritual. Um 13 Uhr wurden die Bücher von Monika Günther und Ruedi Schill aus Deutschland geliefert. Das sind immer sehr aufregende und emotionale Momente. Es geht immerhin um ein aufgearbeitetes Lebenswerk von zwei Künstlerpersönlichkeiten, die ich in der Schweiz einzigartig finde. Alles ist gut geworden und ich bin sehr erleichtert. Es geht ja auch immer um sehr viel Geld, das investiert werden muss. Ich packte so viele Bücher wie möglich in meinen Handrollwagen und fuhr mit dem Bus nach Hause, um gleich die ersten Bücher zu verschicken.

Um 16 Uhr musste ich schon wieder im Atelier sein. Rolf Müller lieferte die Bilder zurück von der Ausstellung im Haus der Kunst Uri. (Rolf Müller ist übrigens sehr zu empfehlen für Kleintransporte. Ruhig, achtsam und günstig!) Esther Maria Jungo hatte dort eine sehr interessante Ausstellung organisiert mit dem Titel: Aus der Tiefe rufe ich zu Dir,  Teufelsküche & Gotteserfahrung. Von John Armleder war zum Bespiel eine vergoldete Dornenkrone zu sehen. Ein wunderschönes Objekt, das man nicht mehr vergisst.

Um 19.30 Uhr besuchte ich eine Präsentation von Karl Anton Führer und Theres Engeler im Kulturraum des Kantons St.Gallen. Die Marktgasse war komplett verstopft. Der Stadtpräsident von St.Gallen, Thomas Scheitlin  eröffnete die Weihnachtsbeleuchtung  in der Altstatt mit einer fulminanten Rede zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts. Viele Glühweingerötete Backen wendeten sich ihm aufmerksam zu.

Irgendwie schaffte ich es dann doch, den Klosterhof zu erreichen. Die Präsentation der ROM Zeichnungen von Karl Fürer und die von Theres Engeler in ihrer monotonen, eher traurigen aber sehr schönen Stimme vorgetragenen Texte hat mich sehr beeindruckt.

Damit nicht genug. Nach einem Apéro besuchten wir einen Club in der Altstadt, wo ein Musiker und eine Musikerin aus Frankreich zusammen mit ihrem Bassisten aufspielten. Ein super Konzert, das uns seit langer Zeit wieder einmal zum wilden Tanzen anregte.

24. November: Mit der Morgenpost erhielt ich heute einen Gruss der besonderen Art. Die Kunsthalle schickte mir die Jahresedition von 2014, die von Maria Anwander geschaffen wurde. Titel: "French Kiss on Paper". Ein weisses Blatt Papier mit einem Abdruck des Gesichts der Künstlerin. Ich habe gleich der Künstlerin geschrieben und mich bedankt für diesen morgendlichen, feuchten Kuss am Brunnentrog. Danach habe ich den ganzen Tag gemalt. Kurz vor sechs Uhr bekam ich per Mail einige Fotos zugeschickt von der Druckerei. Die Bücher von Monika Günther und Ruedi Schill sind fertig und bereits auf dem Weg nach St.Gallen. Nach dieser Nachricht hatte ich Lust ein Festessen zu kochen. Ein kleiner Kürbis lag in der Küche bereit. Ich schnitt einen schönen Deckel weg in der Absicht, diesen vor dem Verfaulen noch zu malen. Ich schnitt den Kürbis in Stücke, die ich mit etwas Olivenöl und Salz in eine Backform legte und in den Ofen schob. Nach fünf Minuten sahen die Kürbisstücke ziemlich traurig aus. Ich überlegte, was dazu passen könnte. Ich fand ein kleines Päckchen Polenta mit Gewürzen vom Feinkostladen Aemisegger in St.Gallen. Ich kochte kurzerhand einen Liter Gemüsesuppe vom Mittag auf. Dann hackte ich einen grossen Büschel Kraut von einer Petersilienwurzel, warf das gehackte Kraut in die Suppe und streute die Polenta vorsichtig dazu. Nach kurzer Zeit war der feine Mais schon schön dickflüssig. Ich leerte den Brei über die Kürbisstücke und schob das Zufallsgericht  wieder in den Backofen. dazu habe ich vier Rinds - Burger gebraten. Das war wirklich super. Die Polenta goldgelb und würzig, der Kürbis mit süssbitterem Mandelgeschmack und der Rotwein tief und rot. Er wirkte wundersam gesprächsanregend. Insgesamt ein sehr gelungener Abend - gell Moni.

23. November: Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir meine Mutter in Gais besucht. Sie hat seit ein paar Tagen Probleme mit dem Herz. Sie bekommt immer wieder bedrängende Atemnot. Ich bin so froh, dass sie im Alterszentrum so gut aufgehoben ist. Dann sind wir nach Appenzell gefahren. Agathe Nisple hatte eine Ausstellungseröffnung. Es war so sonnig und warm und eine sehr schöne Stimmung in dieser winzigen Galerie. Der Raum ist so klein und so schnittig wie ein frisch gekämmter Appenzeller. Wir haben einige Künstlerinnen und Künstler getroffen und einige neue Publikationen gekauft unter Anderem von Marlis Pekarek. Zu Hause versuchte ich etwas zu lesen aber ich versank im Nebel des Mittagschlafs. Am Nachmittag hatten wir uns bei Freunden zum Jassen und Essen verabredet. Vor dem Essen führten wir mit Zehn zu Null. Nach dem Essen ging es nur noch Bachab. Endresultat: 10 zu 11.

22. November: Am Morgen musste ich viel Bürokram erledigen. dann habe ich mich überwunden zusammen mit Monika auf den Markt zu gehen. Wir haben wunderbare Saibling Filets aus dem Neuenburgersee gekauft. In der Comedia habe wir einige Bücher gesucht. Ich habe mich für das Buch von Simone Lappert  entschieden und das Weinberger - Archiv von Christian Rechsteiner. Draufgelegt habe ich noch Dorothee Elmigers Schlafgänger. Bücher die mir gefallen kaufe ich oft zweimal. Eins hat mir Dorothee an der Buchmesse in Leipzig geschenkt, das muss ich schonen. Bei Markus Comba hatte ich einige Titel von Henri Michaux bestellt und immer wieder vergessen sie abzuholen. Nun ist auch das gemacht. Die Erstausgabe von Dichtungen. Exorzismen und ein kleiner Bildband der Galerie Lelong.

Zu Hause haben wir dann einen feinen Salat und den frischen Fisch verspeist.

Am Abend musste ich einen Stapel Künstlerbücher von Bernard Tagwerker in die Lokremise bringen. Bernard hat heute den grossen Kulturpreis der Stadt St.Gallen erhalten. Eine schöne Feier mit Musik von Edu Haubensack und einer stimmigen Laudatio von Friedemann Malsch.

21. November: Am Mittag war ich zum Essen eingeladen mit dem Stiftungsrat der Taggeldkasse von visarte, die von der Swiss Life in Zürich betreut wird. Das war eine sehr anregende Runde. Anschliessend habe ich Regine in der Geschäftsstelle getroffen um einige Sachen zu besprechen. Ich bin dann durch Zürich geschweift und habe viele Baukräne und den Hafenkrahn fotografiert, inklusive dem Info Container von Zürich Transit Maritim. Leider war die Verkaufsdame im Matrosenkostüm nicht anwesend. Dafür stand ein Dreirad - Fahrradtaxi mit der Aufschrift "Just married" vor dem Container. Am Abend besuchte ich die vielen Eröffnungen im Löwenbräu. Thomas Müllenbach konnte sich in allen Räumen der Kunsthalle ausbreiten. Eine überraschende und gelungene Präsentation seines malerischen Werks. Ein schöner Abend mit vielen Begegnungen und interessanten Gesprächen. Herzig war die Sammlerin Frau Hauser. Sie begrüsste im Treppenhaus der Galerie Hauser und Wirth alle ihre ganz artigen und hübsch gekleideten Enkelkinder.

20. November: Ich war die ganze Woche gedanklich mit dem Buchprojekt von Lilly Keller beschäftigt. Ich habe ganz meditativ an meinen Bildern gearbeitet und dabei viel nachgedacht. Mein Zeitbegriff hat sich in dieser Woche ziemlich krass verschoben. Wohin wird das führen?

17. November: Um fünf Uhr früh ist mir der Wecker auf den Boden gefallen. Die Einzelteile konnte ich nicht mehr zusammensetzen. Ich musste sehr früh aufstehen. Mein Zug fuhr um 6.42. Ich hatte vor, mit Fredi Lerch einen Besuch bei Lilly Keller in der Nähe von Neuenburg zu machen. In Bern traf ich Fredi auf dem Bahnsteig. Zusammen fuhren wir nach Ins. Eine wunderschöne und fruchtbare Gegend. Auf dem Bahnhof holte uns Lilly Keller mit ihrem Auto ab. Sie fährt sehr zügig für ihr Alter. Im Februar wird sie 86 Jahre alt. Wir haben uns sofort sehr gut verstanden und ich konnte mir viele Arbeiten anschauen. Fredi Lerch hat in den letzten Jahren unzählige Gespräche mit der Künstlerin geführt und damit ein literarisches Portrait erarbeitet. Diesen Text werde ich im Vexer Verlag herausgeben. Eingebettet in zwei grosse Bildteile. Am Anfang möchte ich den Garten als langsam gewachsenes Kunstwerk zeigen und am Schluss Eindrücke aus dem Haus und aus dem Atelier. Ich bewundere die künstlerische Energie von Lilly. In Ihren Händen scheinen die Pflanzen aus dem Park weiterzuwachsen, umgewandelt in eigenwillige Kunstwerke. Nach dem feinen Essen spazierten wir durch den grossen Garten. Das ist eigentlich ein lebendiges, stetig wachsendes Bambusmuseum. Es gibt auch einige vor vierzig Jahren gepflanzte Mammutbäume. In hundert Jahren wird es eng werden in diesem Paradies.

14. November: Am Morgen haben wir meine Mutter besucht im Altersheim. Sie kann so lustig und so traurig sein. Manchmal sind wir uns sehr nah und dann kann es wieder sehr anstrengend sein. Am Besten geht es ihr, wenn sie in der Jetztzeit beschreiben kann was sie gerade sieht. Sie hat eine wunderbare Aussicht, kann Kühe zählen, den Bauern bei der Arbeit zuschauen oder auf die Appenzellerbahn warten. Sie sagt dann immer: "Warte ein bisschen, jetzt pfeifft es dann gleich." Und wirklich, immer bei der Kurve vor Gais ertönt ein Pfiff. Diese Wiederkehr des Gleichen beruhigt meine Mutter ungemein. Nach unserem Besuch sind wir nach Bregenz gefahren um im Kunsthaus die Ausstellung von Jeff Wall anzuschauen. Eine sehr beeindruckende Ausstellung. Der Fotograf als Regisseur. Er inszeniert das Elend und die Verlassenheit von Randständigen genauso, wie das Elend und die Einsamkeit von Schwerreichen. Am Mittag haben wir im nahen Gasthof riesige Wienerschnitzel gegessen. man gönnt sich ja sonst nichts...

Am Nachmittag waren wir dann noch in Friedrichshafen um in der Galerie Bernd Lutze eine Ausstellung mit Kachina Puppen der Hopi Indianer anzuschauen. Horst Antes scheint ein grosser Sammler dieser Figuren zu sein. Er konnte die sehr schöne Sammlung von Duchamp erwerben. Bernd war vor vielen Jahren der Sekretär von Antes und hat mit ihm die Indianerreservate besucht und viele der Puppen gekauft.

13. November: Gestern Abend erlebte ich einen Aufsteller in Olten. Die Visarte Gruppe Solothurn hatte zu einer ausserordentlichen Generalversammlung eingeladen. Es ging um die Frage der weiteren Zukunft dieser traditionsreichen Visarte Sektion. Es standen verschiedene Optionen im Raum. Auflösung des Vereins, die Fusion mit Basel oder der Anschluss an der Gruppe Schweiz. Ich hatte im Vorfeld der Versammlung an alle Mitglieder einen Brief geschickt und mich dafür stark gemacht, dass sich der Verein neu organisiert und aus eigener Kraft weitermacht. Nach zweieinhalb Stunden war einstimmig klar: Der Verein bleibt selbstständig bestehen, eine Arbeitsgruppe plant die Zukunft mit einem neuen Vorstand, im Januar 2015 gibt es eine Strategiesitzung  Kulturhaus in Solothurn und im Frühling sollte der neue Präsident oder die neue Präsidentin mit einem motivierten Vorstand der Öffentlichkeit vorgestellt werden können. Wenn es irgendwo "Heimwehsoloturner" Künstlerinnen und Künstler gebe sollte, die Lust haben bei diesem Projekt mitzumachen, meldet euch bitte sofort. Wir suchen auch junge Künstlerinnen und Künstler aus dieser Region. Eine Verjüngung der Gruppe ist dringend angesagt!

11. November: Am Morgen früh sass ich schon wieder im Zug. Heute war Bern angesagt für eine Sitzung zum Folgerecht. Am Nachmittag machte ich einen Zwischenstopp in Zürich, um Susanna Kulli zu besuchen und um ein  Vexer Verlagsprojekt zu besprechen.

9. November: Am Nachmittag holte mich Monika wieder ab in Frauenfeld. Die drei Tage haben sich sehr gelohnt. Es gibt immer wieder Überraschungen. Ich habe erstaunlich gut verkauft und das Zusammensein mit der kurligen Druckerzunft hat Spass gemacht. Viele Kollegen von der XYLON sind vorbeigekommen, um bei Eva Gallizzi ihre Exemplare der neuen Xylon Publikation "Selbst" abzuholen.

7. Am Morgen früh laden wir die Bücher und Monika fährt mich nach Frauenfeld.

5. Am Morgen besuchte ich die Ausstellung im Haggenquartier von drei ehemaligen Studenten der HF Bildende Kunst. Die drei waren immer noch mit dem Aufbau beschäftigt. Anschliessend habe ich Schachteln mit Vexer Büchern vollgepackt für die Buch und Handdruckmesse in Frauenfeld. Am Mittag traf ich den in Basel lebenden Künstler Alex Silber in der Stadt. Wenn ich ein Museum hätte, würde ich bald möglichst eine Retrospektive von ihm organisieren.  Beim Mittagstisch war auch Christine Rinderknecht dabei. ich muss mir ihre zwei Bücher besorgen, die im Pendo Verlag erschienen sind. Einer der Titel: "Ein Löffel in der Luft" passt ja bestens zur Gemüsebouillon.

4. November: Es geht früh los, mit den Mittarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Amt für Kultur des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Wir reisen gemeinsam nach Aarau, um den Ergänzungsbau des Stadtmuseums zu besichtigen. Gemeinsam mit Christian Severin von Diener & Diener Architekten mache ich eine zweistündige Führung. Vor dem Gebäude sind nun die Bauabschrankungen entfernt und der neue Bodenbelag ist aufgebracht. Jetzt ist endlich der Neubau und meine Fassadenarbeit erstmals richtig zu sehen. Nach dem Mittagessen besuchten wir gemeinsam das Kunsthaus. Ich nahm auch an der Führung durch die Ausstellung von Sophie Teuber Arp teil, obwohl ich diese grandiose Werkschau schon vor ein paar Wochen gemeinsam mit Monika besucht hatte. Sophie Teuber Arp ist wohl die berühmteste Schülerin der Textil und Modefachschule von St.Gallen. Ich habe etwa siebzig Jahre nach ihr die gleiche Schule besucht. (Natürlich mit anderen Lehrern und in einer befreiteren Zeit) Leider gibt es diese Schule nicht mehr. das ist ein echter Kulturverlust für St.Gallen. Das Textilmuseum ist dafür sehr viel aktiver wie damals und präsentiert immer wieder hervorragende Ausstellungen auf Weltniveau. 

3. November: Gegen Mittag erwarte ich Katharina Altas und Fredi Lerch, um das Buchprojekt über Lilly Keller zu besprechen. Es ist interessant. 2011 als Lilly Keller im Kunsthaus Grenchen ausstellte, bat ich Eva Inversini, mir alle verfügbaren Bücher von der Künstlerin signieren zu lassen. Und nun kommt diese spannende Anfrage für ein Buchprojekt. Lilly Keller ist eine beeindruckende Künstlerin, die ab den 50er Jahren einige Erfolge feiern konnte. Viele Künstlermachos stellten sie aber  wegen ihren Tapisserien in die Ecke der Kunstgewerblerinnen. Eine emanzipierte Frau, die einiges durchgewirbelt und wenig ausgelassen hat.

2. November: Die Tage in Agrano waren streng aber erholsam. Mein Kopf ist wieder ausgelüftet und frei. Ich muss mich noch einmal in das Manuskript von Fredi Lerch einlesen, das er über Lilly Keller geschrieben hat.

30. Oktober: Wir fahren zeitig los nach Italien. Gemeinsam mit Freunden wollen wir die ganzen Hänge auf dem Grundstück in Agrano Alto mähen. In den steilen Hanglagen würde sonst alles mit Farn und Sträuchern verwachsen.  Eine sehr schöne ruhige Fahrt in den Süden. Ich persönlich bin sehr froh, dass ich nie Autofahren gelernt habe. Ich liebe das Gefühl chauffiert zu werden. Bei dieser Fahrt habe ich mir überlegt, wie es wohl gewesen wäre einmal mit Goethe in der Pferdekutsche mit zu reisen.

29. Oktober: Um 10 Uhr wurde meine riesige "Hirtenhose" abgeholt für die kleine Messe im Shed im Eisenwerk Frauenfeld. Heute suche ich antiquarisch alle Bücher die mir von Henri Michaux fehlen. Die Lesung von gestern Abend hat mich sehr überzeugt.

28. Oktober: Am Abend besuchte ich mit Monika die Gedenklesung zum 30ten Todestag von Henri Michaux im Kultbau. Florian Fetsch, Clemens Umbricht, Corinne Riedener und Daniel Fuchs lasen Texte von Michaux. Daniel unterlegte seine Lesung mit Klängen aus dem All von den Planeten Pluto und Mars (oder waren es Andere ?) das Ganze wurde per PC bildlich in Sphärische-, an Emma Kunz erinnernde Klangbilder umgesetzt. Ich habe gestaunt, dass Henri Michaux 1979 in der Erker Galerie in St.Gallen ausgestellt hat. Herr Larese und Herr Janet hatten doch nichts mit Meskalin zu tun? Oder etwa doch? Maskulin trifft es sicher besser.

27. Oktober: Am Morgen kam Thomas Stricker vorbei um eine angedachte Publikation über seinen Garten in Afrika zu diskutieren.

25. Oktober: Am Mittag kochte Monika ein wunderbares Fischgericht für Maryam Sachs, Roger Diener, für sich und für mich, als kleine Abschlussfeier des Kunst und Bauprojekts für das Stadtmuseum in Aarau. Wir schauten uns dann auf dem Klosterplatz die Fotoinstallation von Kathalin Deér zum Thema der Wandermönche an. Kathalin hat ihre Fotos von Neapel ausgedruckt und auf einfachen Plakatständern aufgezogen. Eine einfache und gelungene Ausstellungsform für den Aussenraum. In meinem Atelier hatte ich eine Präsentation vorbereitet mit den neu entstandenen Drucken, die ich anlässlich der Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum in Aarau ausstellen werde. Zudem hatte ich in meiner Bibliothek eine grosse Auswahl von Vexer Publikationen ausgelegt. Wir erlebten einen wirklich sehr angenehmen Nachmittag mit feinen Gästen und guten Gesprächen.

24. Oktober: Am Morgen früh bin ich nach Zürich gefahren. Wir hatten den ganzen tag Bewerbungsgespräche bei visarte. das war sehr spannend und ich bin überzeugt, dass wir die Assistentenstelle der Geschäftsleitung sehr gut besetzen konnten.

23. Oktober: Ich war um 14 Uhr in der Brasserie am Bärengraben in Bern zum Mittagessen eingeladen. Ich war von 1996 bis 2000 in der Ankaufskommission der Stiftung Kunst Heute, zusammen mit Esther Maria Jungo und Jean Paul Felley. das war eine spannende Zeit und ich denke wir haben einige sehr gute Ankäufe gemacht. Unter Anderem die Katastrophenfotos von Christoph Dräger, eine  sehr grosse, installative Arbeit von Thomas Hirschhorn, eine Gefriertruhe mit einem Paar mit Wasser gefüllten Gummistiefeln von Roman Signer, eine riesige Videoinstallation von Muda Mathis und vieles, vieles  mehr. Der Nachmittag in der Brasserie war sehr anregend. Ich sass zusammen mit Loredana Sperini, Hans Gerni und Peter Aerschmann.  Anschliessend haben wir uns die Ausstellung im Kunstmuseum angesehen, die von Sarah Mertens kuratiert wurde. Die Ausstellung ist sehr schön gemacht. Gleichzeitig werden auf der gleichen Etage die ausführlichen Studien zu Marcel Duchamp von Bethan Huws gezeigt. Diese Fülle von Material ist optisch sehr reizvoll aber inhaltlich nicht zu bewältigen in einem Ausstellungsbesuch. Auf der Zugfahrt nach St.Gallen konnte ich meine Eindrücke im Speisewagen wunderbar setzten lassen.

21. Oktober: In den letzten Tagen und Wochen konnte ich sehr viel malen. Heute habe ich endlich das Bild "Überlicht" Nr. IV vollendet. Begonnen habe ich damit im August 2013. Jetzt hängt es im Büro von Monika und strahlt vor sich hin. Gegen Abend fürhr ich ins Atelier an der Haggenstrasse. Der Lastwagen mit den 66 Holzplatten stand schon an der Rampe. Ausstellungen gehen immer so schnell vorbei. Der Rücktransport vom Schweizer Architekturmuseum Basel verlief reibungslos.

18. Oktober: Am Nachmittag bin ich nach Rapperswil gefahren. Ich liebe diese Zugstrecke. Gerold und Anita Späht haben zum 75. Geburtstag eingeladen im Rathaussaal. Eine gute Gelegenheit um viele alte Bekannte wieder einmal zu treffen. Um halb fünf bin ich abgeschlichen. Ich wollte mir bei dieser Gelegenheit die Ausstellungen von Hugo Sutter, Rolf Winnewisser/Christian Rothacher und von Othmar Eder anschauen. im Kunst(Zeug)Haus.  Die Zeichnungen von Othmar Eder sind verblüffend, teilweise eventuell etwas zu grafisch aber wirklich schön. Bei Hugo Sutter staune ich immer wieder über seine Einfälle. Der obere grosse Raum ist für seine feinen Arbeiten zu unruhig und in diesem "Schlauch" besteht immer die Problematik, dass die Arbeiten hintereinander aufgereiht werden müssen. Aber die Zusammenstellung und die Querbezüge zu Winnewisser und Rotacher sind spannend. Ich sehe das immer wieder gerne. Die schönste Ausstellung von Hugo habe ich in diesem Januar bei Roberto Medici in Solothurn gesehen.

Am Abend war ich eingeladen zu einem wunderbaren Konzertabend in St.Gallen. Andreas Weller und Götz Payer interpretierten den 24 teiligen Liederzyklus "Die Winterreise" von Franz Schubert. Ich staune immer wieder, wie sich ein musikalisches Werk nach mehr als 200 Jahren so frisch, radikal und thematisch aktuell erleben lässt. Für mich war das ein wundersames musikalisches Erlebnis bei dem sich Kunst und Musik vereinte. Vor Allem das grosse Gemälde von Vera über dem Riesenflügel, das sich mir an diesem Abend noch rätselhafter und geheimnisvoller zeigte wie je zuvor. Vielleicht lag es auch an der gebündelten Energie von all den spannenden Menschen, die sich an diesem Abend gemeinsam auf die Winterreise machten.

17. Oktober: Ich war den ganzen Tag beschäftigt mit dem Redigieren eines Gesprächs, das ich mit Thomas Stricker zu seinem Gartenprojekt in Afrika geführt habe. Die letzten Korrekturen machte ich im Zug während meiner Fahrt nach Winterthur. Ich hatte einen Gesprächstermin mit Heinrich Gartentor. Ich wollte endlich die offizielle "Amtsübergabe" als visarte Präsident nachholen. Wir hatten ein sehr anregendes und informatives Gespräch. Es gibt viel zu tun in unserem Berufsverband. Das wichtige Anliegen der sozialen Sicherheit, das Folgerecht, das Erarbeiten von Ausstellungsverträgen und als grosse Kiste die Planung des Jubiläums im Jahr 2015/16. Der Verband feiert das 150 jährige Bestehen. Viel Gesprächsstoff gab auch die notwendige Sanierung der Bick Stiftung. Diese wunderschönen Ateliers im Tessin möchte ich so bald wie möglich anschauen. Ich kenne nur die Bilder von der visarte Homepage. Die Belegung in konnte dank dem Einsatz von Heinrich dieses Jahr enorm gesteigert werden. Im Moment müssen wir auch noch eine gute Nachfolge für Hanna Scheuring von der Geschäftsstelle finden. Hanna übernimmt ab Januar die Direktion vom Bernhard Theater in Zürich. Schade dass Hanna geht aber der Job ist natürlich SUPER! Auf unsere Stellenausschreibung haben sich etwa 120 sehr interessante Kandidatinnen und Kandidaten aus der Creativwirtschaft gemeldet. Es gibt ein super Gefühl, dass so viele bestens ausgebildete Menschen bei visarte CH arbeiten möchten. Ich freue mich schon auf die Bwerbungsgespräche. Zur Stärkung bestellten wir wunderbaren Rehpfeffer mit Spätzle und eine Flasche cum laude. Ein wunderbarer Abend. Es wird sicher weitere Treffen geben.

 

16. Oktober: Die letzten zehn Tage konnte ich ohne Unterbruch malen. Es geht etwas. Heute Abend erlebten wir eine sehr berührende Abschiedsfeiuer zum Todestag von Christian Mägerle. Ich vergesse die erste Lesung die ich in den siebzuger jahren gehört habe nie. Er hat damals im Klosterhof gelesen. Ein Gedicht rezitiere ich immer wieder gerne: "Der Luganersee - Der Dichter trinkt und schweigt". Eventuell habe ich das Gedicht auch gekürzt in meinem Kopf. Na ja. Rainer Stöckli hat eine wunderbare Textperformance über das Verschwinden dargeboten und Peter Rot umrahmte die Veranstaltung musikalisch mit einem seinem Chor. Richard Butz, Ruedi Hofmänner und zwei Familienmitglieder erzählten über das Leben und über ihre Begegnungen mit Christian Mägerle. Anschliessend bin ich mit Monika in die Militärkantine zum Essen gegangen um alles in Ruhe zu reflektieren. (Es war wirklich angenehm ruhig an diesem Abend)

11. Oktober: Heute habe ich mit Kaba Rössler die Eröffnungsausstellung im Stadtmuseum Aarau besprochen. Die Eröffnung ist auf den 20. März geplant. Wir werden im Erdgeschoss zwei grosse Blöcke meiner Vakuumdrucke zeigen, die ich ab den Holzplatten gedruckt habe.

9. Oktober: Die Stadt hat mir heute den Geburtsschein von Vera zugeschickt, den sie bestellt hat. Als Erinnerung an die Geburtsstunde um 06.50 Uhr am 15. Dezember 1979 pflanze ich heute spontan einen Quittenbaum. Ich nenne ihn Vera Ida Quitta. Um 16 Uhr wird der Baum geliefert. Ich freue mich sehr darauf. Das Pflanzloch habe ich bereits ausgegraben.

8. Oktober: In der Nacht habe ich ganz allein den grossen, wunderschönen Vollmond genossen.

6. Oktober: Der Samstag und der Sonntag waren für mich sehr streng aber erfüllend. Ich kümmerte mich um die Gestaltung zwei sehr spezielle Orte, für einen in sich abgeschlossenen Platz mit steilen,  von Kastanienbüschen bewachsenen Rändern, wo einmal Kies und Sand abgebaut wurde, schnitt ich eine kleine Venus in einen ca. drei Meter hohen Föhrenstamm, den ich dann beim Eingang zu dieser "Grube" als Pforte aufstellte. Am Ende der Kiesgrube baute ich eine dreiteilige Sitzbank und eine grosse Feuerstelle. Für den zweiten Platz mit einer mächtigen Kastanie baute ich fünf Sitzbänke rund um den Baum. Das Ganze feierten wir am Abend mit einem fulminanten Essen und üppig Wein.

3. Oktober: Nach drei Uhr früh bin ich jede Stunde aufgewacht. Um 05.30 Uhr habe ich mich entschlossen zum Bahnhof zu gehen. Ich wollte spätestens um 8.30 in St.Gallen sein. Monika und ich hatten uns um 11.00 Uhr verabredet um nach Italien zu fahren und ich musste noch meine Sachen packen. Zuerst besuchten wir noch meine Mutter im Altersheim. Sie lag wie ein kleines, müdes Mädchen im Bett. Die Besuch sind immer wieder sehr berührend.

Anschliessend sind wir in die Nähe von Brigels gefahren. Flurina feierte  ihre Hauseinweihung und wir trafen da auch Vera, die ein vielschichtiges, mehrteiliges Kunst am Bauprojekt realisieren konnte. Dann fuhren wir über den Lukmanier ins Tessin, wo wir über eine Stunde im Stau standen. Gegen 20.00 Uhr trafen wir dann in Agrano Alto ein und wurden mit mit einem feinen Nachtessen empfangen.

 

2. Oktober: Am frühen Nachmittag führ ich nach Basel. Ich traf zuerst Ester Hiepler im Garten der Kunsthalle. Sie arbeitet an einer sehr schönen mehrteiligen Publikation. Als ich nach einer Stunde gehen wollte sprach mich Erich Brändle an. Er hatte die Aufgabe, den Architekten Peter Märkli am Abend an der Podiumsdiskussion im Schweizerischen Architekturmuseum  Basel zu vertreten. Wir haben uns gut unterhalten. Die Diskussion mit Ulrike Jehle, Erich Brändle, Roger Diener, Adam Szymczyk und mir zum Thema Kooperationen zwischen Architekten und Künstlern war sehr gut besucht. Rund hundert interessierte Menschen füllten den Saal, in dem 66 Holztafeln von mir die Wände komplett bedecken. Für mich war das ein sehr anregender Abend. Ich landete dann nach dem anschliessenden Essen im Hotel IBIS. Eine Rückfahrt mit dem Zug wäre zu mühsam gewesen.

1. Oktober: Am Morgen hat mich die Filmverleiherin Bea Cuttat angerufen. Sie wollte das Buch "Klartext" an Christian Petzold verschenken. Sein Film "Phoenix" hat Premiere am Abend im Kinok. Ich habe mich zum Glück entschlossen, sofort ein Premierenticket zu bestellen und das Buch persönlich vorbeizubringen. Der Film hat mich sehr berührt. Die beiden Ninas, Nina Hoss und Nina Kunzendorf haben ihre Rollen sehr stark gespielt. Ein Film über die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, über die unmögliche Situation, zurück zu kommen nach dem Krieg in eine Beziehung und einen Alltag den es nicht mehr geben kann. Das Gespräch zwischen Sandra Meier und dem Regisseur Christian Pezold war klug, direkt und von grosser Verehrung geprägt.

9. September: Am frühen Abend nahm ich in Zürich an einer Sitzung teil.  Vorab fotografierte ich einige Baukräne, die ich für die nächste Publikation "Kunst und Bau" sammle. Eine spannende Sitzung nach der Sichtung des Materials zum unvollendeten Film "Dedications" von Peter Liechti. Anschliessend ein Wildessen in der Quartierbeiz.

27. September: Am Mittag bin ich nach Aarau gefahren. Claudia Waldner hat mich angefragt, ob ich die Eröffnungsrede  vor dem Kunsthaus Aarau für den Kunstadapter bei "Kilometer Null" halten würde. Der Adapter ist ein alter, umgebauter Opel Blitz, den man für kulturelle Zwecke mieten und durchs Land fahren kann. Wie früher die Migroslastwagen zu ihren Kunden in abgelegene Quartiere, Weiler und Dörfer gefahren sind fährt nun der Adapter für kulturelle Belange durch die Schweiz. Eine gelungen Initiative von Kunstschaffenden für die Belebung und Verbreitung der Kultur. Der entspannte, fröhliche und inhaltlich reiche Start des Adapterprogramms hat mich sehr beglückt. An diesem Nachmittag habe ich viele visarte Künstlerinnen kennengelernt. Unter Anderem endlich auch Pascal Grau. Sie hat die Stadt St.Gallen für ihr Studium 1979 verlassen, genau in dem Jahr als ich die St. Galerie an der Zürcher Strasse gründete. Schade, aber nie zu spät.

Ich musste relativ früh wieder nach Hause. Am Abend fand die "Aktionärsversammlung" der Militärkantine in St.Gallen statt. Das war ein sehr schöner Abend. Ich konnte wieder einmal mit vielen Freunden reden, die ich sehr selten treffe. Das wiedereröffnete Restaurant und Hotel ist sehr gut gestartet. Die Leute sind sehr motiviert. Dieser Ort mit dem wunderbaren "neuen Stadtpark Kreuzbleiche" ist eine grosse Bereicherung für das gastronomische und kulturelle Leben der Stadt St.Gallen.

26. September: Ein ergiebiges Treffen mit Guido M. von visarte Zürich im Bistro beim HB Zürich. Am Mittag begann die Sitzung des Zentralvorstandes der visarte CH. Eigentlich wollten wir unser 150 Jahr Jubiläum von 2015-16 besprechen. Es gab aber so viele aktuelle Themen, dass das Jubiläum noch etwas warten muss. Vieles ist auf gutem Weg.

25. September: Ich habe wieder grosse Lust zu malen. Ich versuche jede freie Minute dafür einzusetzen. Die Langsamkeit, das Meditative, das Versinken in den Farben und dabei Musik hören tut mir gut.

24. September: Heute haben Monika und ich alle 134 Holzschnitte "meines Volkes" zusammen mit Stefan Rohner in einer Rekordzeit fotografiert. Durchschnittlich brauchten wir gute zwei Minuten pro Portrait. Holzschnitt aufhängen, kontrollieren, fotografieren, abhängen und neu stapeln. Insgesamt etwa 500 Kilo Papier.  Ein Stapel von 200 x 100 x 60 cm. Am Abend hatte ich richtig Muskelkater. Ich belohnte mich persönlich mit einer reichhaltigen Gemüse - Nudel - Cervelat - Pfanne und reichlich Rotwein. OHO.

22. September: Eine weitere Fahrt mit Regine nach Bern. Um elf trafen wir Sergio, den Finanzfachmann von visarte Schweiz. Es ist für mich sehr beruhigend, dass wir in allen Sparten des Berufsverbandes Fachleute haben, die auch komplexe Inhalte vermitteln können. Um 14 Uhr waren wir mit Frau Chassot vom Bundesamt für Kultur verabredet. Die neue Kulturministerin ist ein echter Gewinn für die Kultur. Engagiert, humorvoll und blitzgescheit verbreitet sie eine Stimmung, die ich mir vor dreissig Jahren nie in einem Kulturamt hätte vorstellen können. Es hat sich wirklich viel getan im Umgang und im Verständnis für Kultur.  

21. September: Am Abend besuchten wir ein Konzert vom Chorprojekt von Peter Roth. Nicht nur der Chor, sondern auch das Publikum wird immer älter. Der einfache, für wirklich jeden liberalen Altlinken verständliche Inhalt wurde durch den Chor und das Orchester in sehr bekömmliche musikalische Kost umgewandelt. Ich liebe Chormusik! 

20. September: Am Morgen habe ich in Bern einige neue Hemden gekauft. Auf dem Bahnhof trafen wir zufällig Julian Sartorius und seinen Vater. Die beiden kamen gerade von der Preisverleihung des Schweizerischen Musikpreises vom Bundesamt für Kultur. Julian war überglücklich als einer der nominierten Musiker.

Anschliessend erfuhren wir, dass die Strecke von Aarau nach Zürich gesperrt wurde. Wir mussten über Luzern nach Zürich fahren. Die Züge waren komplett überfüllt. Interessant ist in solchen Momenten, wie gesprächig viele Menschen bei einem solchen Ereignis werden. Per Handy werden dann die individuellen "Katastrophengeschichten" mehrmals in feinen Variationen weitergeleitet. Neben Monika sass eine Frau aus Indien, die dermassen laut geschmatzt und gerülpst hat, dass nun für Monika klar ist, dass  sie dieses Land nie bereisen wird. Ist mir auch recht.

In Zürich fuhr ich direkt zum Kongresshaus an das Fest von Pro Litteris. Ich staunte wie liebenswürdig der umstrittene Herr Hefti von den anwesenden Kulturschaffenden mit einer stehenden Ovation in den Ruhestand entsandt worden ist. Es scheint, dass eine Mehrheit des Publikums mit der angedachten Rente einverstanden ist. Für mich gab es einige überraschende Begegnungen, eine Performance von Christoph Rüttimann, gutes Essen, reichlich Wein und eine wunderbare Salome Buser mit Stiller Haas.

19. September: Am Nachmittag sind wir nach Bern gefahren für die Vernissage von Manon und Franticek Klossner. Das war ein richtiger Menschenauflauf. Die Arbeiten von Manon und von Franticek steigern sich gegenseitig. Das Vergängliche, die Zeit die uns noch bleibt und die langsame Veränderung von allem was uns lieb ist wird verbildlicht. Der Weg nach Bern hat sich gelohnt und ich bin froh, dass wir dieser Einladung spontan gefolgt sind. Der Abend und die Nacht in Bern war voller Überraschungen. Die Begegnungen mit Lischka und Feo Eggimann unter den Lauben waren richtig flackernde Nachtlichter.

18. September: In aller Hergottsfrühe bin ich ins Atelier an der Haggenstrasse gefahren. Ich habe auf einen Transport gewartet. Zwei sehr grosse Holzreliefs aus den 90er Jahren wurden angeliefert. Am Abend war ich kurz im Nextex und anschliessend an einem Konzert im Thime out an einem Konzert von Freunden. Ich staune immer wieder, mit welcher Inbrunst Laien musizieren können. Das hat Spass gemacht. Der singende und Gitarre spielende Zahnarzt und der blusende Ökonom HSG haben mich schon sehr beglückt. Den dürren Schlagzeuger mit dem meistens leicht verspäteten Schlag und den hüftschwingenden Bassisten werde ich auch nicht vergessen können.

17. September: Den ganzen Tag gemalt.

16. September: Jetzt hatte ich zwei Tage Zeit, mich um meine künstlerischen Arbeiten zu  kümmern. Am Abend fuhr ich nach Vaduz für eine Podiumsdiskussion  zum Thema Kunst und Bau und Kunst im öffentlichen Raum, die im Engländerbau stattfand. Ich war eingeladen als Präsident der visarte Schweiz. Das war eine gute Gelegenheit, dieses Thema als Künstler und auch aus der Sicht des Berufsverbandes darzulegen. Es waren sehr viele interessierte Leute da und die Diskussion war sehr anregend. Lichtenstein hat den Kulturprozent in der Verfassung festgeschrieben und trotzdem wird die Kunst am Bau oft vergessen.

14. September: Am Morgen fuhren wir los Richtung Aarau. Monika wollte sich die fertige Fassade des Stadtmuseums ansehen. Vor ein paar Tagen war auch die grosse Glasfront beim Eingang eingebaut worden. Es ist spannend zu erleben, wie sich das Gebäude bei jedem Besuch weiterentwickelt und wie sich das optische Erlebnis durch die fortschreitenden Umgebungsarbeiten dauernd verändert. Der Platz war sehr belebt durch Familien, die sich beim Kino am Schlossplatz tummelten.

Anschliessend haben wir uns die Ausstellung von Sophie Teuber Arp im Kunsthaus angeschaut. Wenn man diese beeindruckende Werkauswahl sieht, kann man nicht verstehen, warum diese Künstlerin so lange so brutal unterschätzt worden ist. Als Ostschweizer ärgert es mich sehr, dass diese bedeutende Künstlerin im Kunstmuseum St.Gallen nicht präsent ist. Die Künstlerin hat lange in Trogen gewohnt und hat die Textilfachschule in St.Gallen besucht. Eigentlich kann man Sophie Teuber Arp als eine wichtige Vorläuferin von Rosemarie Trockel bezeichnen. Mit ihren, von der Kunstkritik schnöde als Kunstgewerbe eingestuften Webereien und Stickereien hat sie für die internationale Kunst grosses geleistet.

Nach dieser bereichernden Ausstellung fuhren wir nach Wallisellen, um dort das neu überbaute Richtiareal anzuschauen. Ich konnte dort für Diener&Diener ein grosses Kunst und Bau Projekt realisieren. Beim Haus Favrehof liess ich auf vier Metern Höhe, in einem Betonrahmen eine achtzig Meter lange und 180 cm hohe Mauer aus Valser Naturstein in der Art einer Trockenmauer bauen. Der Fries setzt nun einen starken Akzent auf der Seite des Boulevards. An den Seitenwänden sind je drei kleinere "Steinbilder" über den Hofeingängen gemauert worden. Die grosse Mauer bildet auch die Balkonabdeckung und auf der Brüstung stehen schon viele Pflanzen, Kürbisse usw. Ein belebtes Bild, das von den Bewohnerinnen und Bewohnern sicher nicht als Kunst wahrgenommen wird. Das ist auch gut so, denn ich wollte bewusst ein Urbild von Urbanisation entwickeln, das einfach da ist und das Haus umfasst.

13. September: Wir sind zeitig losgefahren. In Altdorf habe ich ein Meeting mit einer Delegation von der visarte Zentralschweiz und um 17 Uhr beginnt die Eröffnung der Ausstellung "Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Gotteserfahrungen & Teufelsküche. Esther Maria Jungo hat als Gastkuratorin eine sehr spannende, thematische Ausstellung aufgebaut. Von mir hat sie zwei Bilder zum Thema Wasser ausgewählt. Ein schöner Abend mit vielen Künstlerfreunden aus der ganzen Schweiz.

11.12. September: Ich hatte mir vorgenommen, eine weitere schöne Eiche im Wald vom Kleingehölz zu befreien. Ich habe rund um die Eiche einige Ahornbäume, Eschen, eine Kastanie und eine grosse Birke stehen lassen. Das terrassierte und ausgeforstete Waldstück ist nun lichtdurchflutet und öffnet den Blick für eine kommende pflanzliche Vielfalt. Ich stelle mir vor, wie sich in einigen Jahren stattliche Hirsche brünstig die Schädel klopfen.

10. September: Ich musste heute Morgen in aller Eile meine Reisetasche packen. Wir hatten vor am späteren Nachmittag nach Italien zu fahren. Um 14.00 Uhr besuchte ich aber noch das Herbstforum vom Schulamt St.Gallen in der Olma - Halle. Der Vortrag des Zukunftsforschers Georges T. Roos war für mich eine Offenbarung. Spannend, quirlig und eloquent gedacht und fulminant vorgetragen. Das war für mich eine der unterhaltsamsten Stunden der letzten Jahre. Um 16.30 Uhr fuhren wir dann los in Richtung Piemont. Ich geniesse diese Fahrten. Die Gespräche während  dem Autofahren sind immer so unausweichlich und als Beifahrer kann ich die Landschaft und die Diskussionen voll geniessen. Um 20.30 Uhr waren wir am Ziel. Beim Feuer machen sah ich, dass ein Vogel durch den Kamin in den Ofen gefallen und gestorben war. Bei einer kleine Zeremonie mit einem knisternden Feuer, einem guten Wein und einer scharfen Hirschwurst gedachten wir der schwebenden Seele.

9. September: Am Mittag traf ich mich zu einer kulturpolitischen Aussprache im Volkshaus in Zürich. Der Fleischkäse und der Kartoffelsalat halfen mit, die teilweise komplizierten Sachverhalte zu klären und zu verdauen. Anschliessend ging ich zu Fuss an die Idastrasse 46. Jiajia Zhang hatte dort in einem ehemaligen Ladenlokal eine Ausstellung eingerichtet. Ich finde es immer spannend zu sehen, wie sich eine Arbeit weiterentwickelt und in neuen Zusammenhängen weiter erschliesst. Ich erfuhr, dass in der kommenden Nacht der ganz grosse Mond sichtbar sein soll. (der Supermond war aber glaube ich schon am 10. August)

Mit meinen Gedanken vom grossen Mond im Kopf machte ich mich auf den Weg ins Kunsthaus. Die Ausstellung von Cindy Sherman hat mich sehr beeindruckt. Ich war überrascht, wie konsequent die Künstlerin über all die Jahre immer wieder die gleichen Themen variantenreich bearbeitet hat. So werden die gleichen Inhalte im Alterungsprozess der Künstlerin immer wieder neu sichtbar und neu aufgeladen.

Am Abend war ich zum 1. Kulturgipfel in der Kunsthalle Bern eingeladen. Organisiert wurde der Anlass von den kulturinteressierten Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Ein gelungener Anlass mit vielen bekannten und interessanten Kulturvertreter-innen. Ich habe so viele Gespräche geführt, dass ich gar keine Zeit fand, mich beim üppigen Buffet zu bedienen. Nach einer happigen Verspätung bin ich erst um 00.30 in St.Gallen angekommen. Ab und zu war auch der schön grosse Vollmond am bewölkten Himmel sichtbar.

 

7. September: Gestern bin ich von Basel direkt nach Zürich gefahren. "visarte" führte eine Gruppenkonferenz zum Thema soziale Sicherheit durch. Wir wollen daran arbeiten, dass die Vorsorgeregelung des Bundes auch in Städten, Gemeinden und Kantonen eingeführt wird.  Bei Stipendien, Werkbeiträgen und weiteren Kulturförderungen sollen von den Förderstellen zusätzlich sechs Prozent in eine Pensionskasse oder in die dritte Säule einbezahlt werden. Die Kulturschaffenden bezahlen ebenfalls sechs Prozent. Durch diese Regelung wird ein Grundstein gelegt, dass sich professionelle Kulturschaffende eine Altersvorsorge aufbauen können. Der Berufsverband der Schweizerischen Künstlerinnen und Künstler und Architektinnen und Architekten "visarte" wird diese Kampagne führen, weil "visarte" der grösste Berufsverband von Kunstschaffenden in der Schweiz ist und als einziger Verband in allen Regionen der Schweiz mit starken Regionalgruppen präsent ist. Mit dieser Kampagne wollen wir mithelfen, dass Kunstschaffende auch im Alter autonom sein können, und nicht verarmen und auf Ergänzungsleistungen und Sozialhilfe angewiesen sind.
Die Gruppenkonferenz war sehr spannend und die gute Stimmung machte Mut, dass diese Kampagne für mehr soziale Sicherheit ein Erfolg werden wird.

6. September: Die Ausstellungseröffnung im Schweizer Architekturmuseum war sehr gut besucht. Die Ausstellung ist gelungen und öffnet ein grosses Spannungsfeld von verschiedenen Mentalitäten in Kunst und Architektur. Es ist für mich ein ganz spezieller Moment, nach fünf Jahren Arbeit an einem Projekt an diesem Ort zu stehen. Die grosse Bewährungsprobe folgt dann nächstes Jahr, wenn der Erweiterungsbau des Stadtmuseums in Aarau eröffnet wird. Der Tag ist festgelegt auf den Frühlingsanfang am 20. März 2015.

5. September: Das Essen gestern Abend von unserer Feuerstelle im Freien war ausgiebig und wir diskutierten bis spät in die Nacht hinein. Irgendwann schlug eine Nachbarin ihr Fenster mit einem starken Knall zu. Wir wurden dann zum Glück nicht mehr durch ihr Schnarchen gestört. Heute fahren wir nach Basel. Am Abend wird die Ausstellung "Kooperationen" im Schweizer Architekturmuseum eröffnet. Ich glaube das ist die erste Ausstellung bei der ich beim Aufbau nicht dabei war. Ich bin sehr gespannt, wie meine 66 lebensgrossen Menschenbilder die ich in Mammutbaumholz geschnitten habe in einem Raum vereint wirken. Ulrike Jehle hat bei der Vorbesprechung der Ausstellung von einem Resonanzraum gesprochen und ich glaube sie hat die Stimmung sehr gut getroffen. Die Fassade in Aarau ist gegen aussen gerichtet und der Raum in Basel zeigt die Sicht gegen Innen. Der öffentliche und der private Raum.

4. September: Vera hat uns heute auf einem Zwischenstopp zwischen Berlin, Chur und Toulouse besucht. Am Nachmittag hat sie mir geholfen ein Bild von mir aus dem Jahr 1981 neu aufzuspannen. Ein Sammler kaufte dieses frühe Werk vor ein paar Jahren an einer Auktion. Die Leinwand lag zusammengefaltet in einer Schachtel und  war in einem erbärmlichen Zustand. Die Nachlassverwalter des ursprünglichen, verstorbenen Sammlers dachten wohl, dass dieses Bild ins Dunkel einer Schachtel gehört. Nun haben wir das dünne, mit Dispersion bemalte Baumwolltuch mehrmals gebügelt und über einem mit grundiertem Leinen bespannten Keilrahmen aufgezogen.  Das Bild ist nur zwei Jahre jünger wie meine Tochter. KRASS.

2. September: Heute hatte ich ein Treffen mit Alex Silber und habe mich natürlich an seine Ausstellung in der St. Galerie vor nun wirklich schon 33 Jahren erinnert. Viele meiner Künstlerfreunde und Freundinnen beschäftigen sich mit ihrem Nachlass und der Frage wo all ihre Arbeiten am besten platziert sein könnten. Diese Art des geistigen Aufräumens steht mir auch bevor und ich hoffe, dass das dann auch etwas reinigendes hat.

1. September: Ich habe den ganzen Nachmittag in der Geschäftsstelle von visarte in Zürich verbracht. Die Arbeit in einem Berufsverband ist enorm vielschichtig und spannend. Es gibt so vieles, das ich noch nachfragen muss.

Am Abend traf ich mich mit der XYLON Redaktion in Winterthur, um die geplante Publikation zum 70 jährigen Bestehen der Künstlergruppe zu besprechen. Unter dem Titel "Selbst" werden wir 44 in Holz geschnittene Selbstbildnisse von unseren Mitgliedern publizieren. Das wird eine tolle Sache.

30. August: Wir waren zu einem einzigartigen Wildessen in der Cantina in St.Gallen eingeladen. All die Köstlichkeiten zu beschreiben würde mich eine weitere Nacht kosten.

29. August: Am Nachmittag traf ich Thomas Stricker. Ich machte ein stündiges Interview mit ihm zu seinem Gartenprojekt in Kalkfeld, Namibia. Thomas hat da zusammen mit einer Schule eine reale soziale Skulptur geschaffen, die stetig weiter wächst.

28. August: Heute hat Rolf Müller zwei grosse Bilder abgeholt für die Ausstellung "Aus der Tiefe ruf ich zu Dir - Gotteserfahrungen & Teufelsküche". Diese thematische Ausstellung wird von Esther Maria Jungo kuratiert für das Haus der Kunst in Uri. Die Eröffnung findet am 13. September statt. 

Am Abend hörten wir uns einen Vortrag von Thomas Stricker im NEXTEX an. Titel: "Ich habe einen Garten in Afrika." Thomas hat vor sieben Jahren mit der Arbeit an einem Schulgarten begonnen. Das Projekt ist sehr nachhaltig und die Gartenfläche konnte um die Jahreswende verdoppelt werden.

26. Um 16 Uhr kam Hans Enderli mit seinem Lastwagen, um 66 Holzplatten für die Ausstellung im Schweizer Architekturmuseum in Basel abzuholen. Die Platten sind je 201 x 95 cm gross und ca. 45 Kilo schwer. Sie werden im musealen Rahmen einen Resonanzraum bilden zur Aussenfassade des Stadtmuseums in Aarau. Das war ein echter Lupf zu dritt und die Situation war ziemlich ergreifend. Vorne im Lastwagen lag in einer schweren Kiste wie in einem Sarkophag eine frühe Bronzeplastik von Hans Josephshon und wir luden dann noch 66 Menschen von mir dazu. Insgesamt 67 Menschenbilder in einem Laster. Ich freue mich sehr auf die Ausstellung KOOPERATIONEN mit Diener & Diener/Martin Steinmann mit mir und Peter Märkli mit Hans Josephshon. Die Eröffnung findet statt am Freitag 5. September und die Ausstellung wird kuratiert von Ulrike Jehle-Schulte Strathaus. Es wird auch eine Publikation gedruckt.

www.sam-basel.org

25. August: Beim Mittagessen  im Engel traf ich einen der interessantesten Schweizer Politiker zum Austausch über Kulturpolitik. (PS: Es war bestimmt nicht Geri Müller)

24. August: Monika hat am Freitag auf dem Markt eine riesige Bodenseeforelle eingekauft. gestern stellten wir fest, dass sie unseren Freunden für das Samstagessen zu gross war. Ja nun liegt sie auf einem Kräuterbeet in unserem Backofen und wartet gemeinsam mit uns zusammen auf einen gemütlichen Abend mit guten Menschen. Jetzt hoffe ich, dass nicht der Fisch uns vier verspeist - wobei: Jona hat im Fischbauch dank kräftigem Beten überlebt -  und zu viert könnte man ja auch einen Jass klopfen.

23. August: Ein wunderschöner Abend mit Alpsteinblick über den Dächern im Westen von St.Gallen. Auch regnerische Stimmungen haben dramatisches Lichtpotenzial. Bei Corinne und Guido mit guten Freunden, ein schönes Essen und interessante Gespräche. Literatur, Kunst, Gartenbau, Architektur, Kunstgeschichte, Fotografie, Reisen, Verlagswesen, Unterrichten, Erlebnisse aus Berlin und aus aller Welt, Wandern, Feuer machen (das stand natürlich am Anfang - gell Guido) Auszeiten, älter werden, späte Wünsche, Wünschelruten und vieles mehr. 

22. August: heute Abend sass ich das erste Mal im frisch renovierten Obergerichtssaal in Trogen. H.R. Fricker wurde vom Museum für Lebensgeschichten mit der Publikation seiner eigenen Lebensgeschichte geehrt. Matthias Kuhn las aus der Broschur, Hans Ruedi erzähle Geschichten aus seinem Leben und der Akkordeonspieler Goran Kovacevic spielte ausgewählte Stücke in einer schwindelerregenden und ohrensausenden Virtuosität. Ein familiärer und berührender Abend mit einem Aargauer Künstler, der von den Einheimischen kurzerhand zu einem der Ihren gemacht wurde.  Eine grössere Auszeichnung kann man als Künstler in Appenzell Ausserrhoden kaum bekommen.

21. Die Xylon Schweiz feiert dieses Jahr das siebzig jährige Bestehen. Aus diesem Anlass konzipierte ich eine Publikation zum Thema Selbstbildnis. Alle 45 Mitglieder von Xylon schneiden ein Selbstbildnis in eine Holzplatte. Hanns Studer ist 94 Jahre alt und kann seinen Holzschnitt nicht mehr aus eigener Kraft ins Holz schneiden. Heute Nachmittag sass ich im Sitterwerk an einem PC, um die fotografische Vorlage von Hanns Studer umzusetzen als Grundlage für eine computergesteuerte Fräsung. Hanns hat sich fotografieren lassen mit einem Gefäss frisch gepflückter Kirschen in den Händen. Über seine Ohren hat er wie ein Kind je zwei Kirschen als Ohrringe gehängt. Nun bin ich gespannt was die Fräse wirklich fräsen kann.

19. August: Am frühen Abend besuchte ich die Ausstellungseröffnung der St. Galler Talentschule im Engelwies. Es ist erstaunlich, wie Jugendliche in der Oberstufe die Kraft der eigenen Kreativität entdecken, verfeinern und ausleben können und wie alle eine ganz eigene Sprache im Gestalten entwickeln.

18. August: Heute hatte ich einen spannenden fünfstündigen Sitzungsmarathon an verschiedenen Stationen in Bern und im Zug.

17. August: In den letzten Tagen habe ich einige interessante Performances von Tänzerinnen und Tänzern gesehen im Programm von Tanzplan Ost, das in der Lokremise in St.Gallen präsentiert wurde. Heute wurde ein glanzvoller Höhepunkt geboten mit dem Basler Schlagzeuger Fritz Hauser. Er spielte zusammen mit hörenden und gehörlosen Tänzerinnen und Tänzern.

13. August: Heute ist wieder ein Fest abgesagt worden wegen überflutetem Keller, aufgeweichter Spielwiese und einem Bach am falschen Ort.

10. August: Die ganze Woche war für mich ein innerliches Aufräumen und ein langsames Herantasten an neue Themen. Am Samstag erlebten wir ein sehr schönes Hochzeitsfest in höheren Sphären und Schwingungen der anderen Art mit direktem Ausblick zum Säntis. Ab und zu mussten die Regenschirme aufgespannt werden, damit die Manschettenknöpfe nicht zu rosten beginnen. 

4. August: Am Mittag traf ich Ulrike Jehle beim Bahnhof für einen gemeinsamen Besuch im Sitterwerk als Vorbereitung der Ausstellung "Kooperationen", die am 5. September im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel eröffnet wird. Wir suchten eine stehende Bronzeskulptur von Hans Josephsohn für diese Ausstellung aus.

3. August: Die Ferien in Italien haben mir viel gebracht. Der Holztisch den ich als erste Handlung zusammengezimmert habe hat sich bestens bewährt als Frühstückstisch, Kochtisch, Apérotisch, Cognactisch, Lesetisch, Beistelltisch etc. In den ersten Tagen habe ich meinen kleinen Mammutbaum, den ich vor zwei Jahren als Nachfolger des in Aarau gefällten Baumes gepflanzt habe, von seinem Schutzzaun befreit. Ich habe einen schönen grossen Platz im Wald gerodet, damit sich der Baum in den nächsten Jahren gut entwickeln kann. Mit einem kleinen Steinwall habe ich dafür gesorgt, dass das Regenwasser gebremst wird und beim Baum in den Boden einsickern kann. Über Wassermangel kann man sich ja in diesem Jahr nicht beklagen aber es können ja auch wieder andere Zeiten kommen. Die Baumpflege war für mich ein stimmiger Abschluss meiner grossen Arbeit für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau. Wenn der Baum in hundert Jahren etwa vierzig Meter hoch sein sollte, wird man ihn am Ortasee von Madonna del Sasso aus sehr gut sehen können.

Diese Gegend hat etwas mystisches. Wir haben schwere Gewitter erlebt. In einer Nacht hat es stundenlang wie in einer Disco flackernd und pulsierend geleuchtet und extrem geregnet. Man sah keine Blitze und hörte auch keinen Donner. Das Licht stammte von einem sehr weit entfernten Gewitter hinter den Alpen. An einem Abend raste eine Sternschnuppe so nahe über unsere Köpfe, dass ich vor lauter Schreck gar keine Zeit hatte an einen Wunsch zu denken. Nun ist es wahrscheinlich zu spät aber eventuell erfüllt sich doch das Eine oder Andere.

Am Sonntagmorgen 27. Juli wanderten wir zwei Stunden nach Campello Monti. Das von Omegna ausgehende Tal wurde geprägt durch eindrückliche Walsersiedlungen. An unserem Ziel genossen wir im Dorfrestaurant  ein fulminantes italienisches Sonntagsmenu mit feinstens aufgeschnittenen Salamis, Schinken etc., russischem Salat, Risotto, Polenta, geschmortem Lammfleisch, einem frischen Gamspfeffer, Pasta, Gemüse etc. Beim Dessert konnten wir nur noch zur Hälfte mithalten. Beim Rückweg nach einigen Stunden, sang ein Priester immer noch mit ein paar Getreuen in einer kleinen, der heiligen Magdalena gewidmeten Kapelle unermüdlich Kirchenlieder. Der 27. Juli scheint der Tag von Magdalena zu sein.

In den letzten Tagen unserer Ferien beschäftigten wir uns mit dem Ausholzen eines grossen Waldstücks rund um eine circa hundert Jahre alten Eiche. An diesem Ort steht auch eine ganze Reihe uralter, verkohlter Baumstrünke von ehemals riesigen Kastanienbäumen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrannt sind. Die Dampflokomotiven lösten damals immer wieder heftige Waldbrände bis zu den in grosser Höhe liegenden, damals landwirtschaftlich genutzten Terrassen aus. Die teilweise zwei bis drei Meter hohen schwarzen Baumstrünke stehen noch heute wie wilde Monster und teilweise wie milde Kobolde in einer Linie im Wald. Nach drei Tagen Forstarbeit wächst nun die doppelstämmige Eiche befreit in einer grossen Waldlichtung. Aus einem düsteren dunkeln Ort ist ein lichtdurchfluteter, wunderschöner Platz geworden.

20. Juli: Ein leichter, warmer Sommerregen bringt sanfte Ruhe ins Tal. Monika hat einen riesigen Kochtopf mit einem frisch zerlegten Huhn, Kräutern und Gemüse vorbereitet. Sie trägt den Topf durch den Garten und ruft mir zu das sei so schwer, sie brauche Hilfe. Ein Henkel bricht ab, ein kurzer Schrei und das zerteilte Huhn fliegt ein letztes Mal mit dem gesamten Gemüse durch die Luft. Eine Zwiebel kollert direkt vor meine Füsse und der frische Thymian klebt an meiner Stirn. Jetzt liegt alles wieder im Topf, mit frischem Wasser aufgefüllt köchelt das glücklich gelandete Huhn rund vier Stunden vor sich hin.

19. Juli: Ich sitze im Garten und lausche dem entfernten Donnergrollen. Die Mücken haben mich in den letzten Tagen in eine Art unförmigen Fliegenpilz verwandelt. Zum Glück habe ich Ferien.

18. Juli: Bei Waldarbeiten habe ich heute eine sehr alte Rebe gefunden, die mit extrem langen Ranken an einer Esche ins Licht hochgewachsen ist. Ich habe der Rebe einen Sommerschnitt verpasst, rundherum einige kleinere Bäume gefällt und die Triebe an ein improvisiertes Gestänge aus Ästen gebunden. Im Herbst werde ich sehen, ob es sich um die Ur-Rebe des Nebiolo handelt. Ich hoffe der schöne Eichelhäher überlässt mir ein paar Trauben zum verkosten.

17. Juli: Heute habe ich mich gefragt ob es wirklich möglich ist, dass das Essen im Süden allgemein besser schmeckt. Ist es die Sonne, die Luft, die kleinere Distanz zum Meer oder die grössere Distanz zum Alltag? 

16. Juli: Als erste Ferienaktivität habe ich gemeinsam mit Monika einen einfachen Holztisch aus den Resten von Holzdielen gebaut. 74 cm hoch, 55 cm breit und 92 cm lang steht nun unser neuer Frühstückstisch auf der grünen Wiese im gleissenden Sonnenlicht, wie ein bockiger, junger Stier auf der Alpweide.

15. Juli: Durch einen grossen Zufall konnte ich das Thurgauer Tagblatt mit dem Artikel zur Villa Wiesental in luftiger Höhe lesen. In St. Gallen hat unser Projekt schon einigen Wirbel verursacht. Die Reaktionen sind überraschend und vielversprechend.

14. Juli: Wir fuhren gegen elf Uhr los nach Brig und anschliessend über den Simplonpass. Kurz nach der Italienischen Grenze mussten wir wieder umdrehen, weil die Strasse wegen einem schrecklichen Umfall für ca. sechs Stunden gesperrt werden musste. Wir fuhren zurück nach Brig und verluden unser Auto für die Durchfahrt des Simplon. Wir hatten grosses Glück und waren um 19 Uhr an unserem Ziel über dem Ortasee.

13. Juli: Am Sonntagmittag sind wir losgefahren Richtung Süden, über den Oberalppass, Furkapass zum Grimsel ins Hotel Grimsel Hospitz. Wir besichtigten dort die Ausstellung über den fürchterlichen Rassisten Agazzi, nach dem ein Berg in dieser Region benannt ist. Der Historiker Hans Fässler bemüht sich schon seit Jahren um eine Umbenennung dieses Berges. Wir feierten am Sonntag unser 35 jähriges Eheleben. Ein wunderbares Essen, ein spannendes Fussballfinale und ein sehr schönes Hotelzimmer in einer eindrücklichen Berglandschaft.

11. Juli: Diese Woche hatten wir eine Retraite mit dem Zentralvorstand der visarte. Wir arbeiteten zwei Tage intensiv an den vielen Themen, die in diesem Jahr anstehen. Als Tagungsort haben wir das Hotel/Restaurant Militärkantine in St. Gallen gewählt. Das frisch renovierte, historische Gebäude erstrahlt in neuem Glanz. Hier herrscht nicht mehr das Militär. Eine Gruppe von hochmotivierten Frauen und Männer leiten das Hotel und das sehr schöne Restaurant. Mit diesem wiederbelebten Haus gewinnt der sehr schöne, ehemalige Exerzierpark auf der Kreuzbleiche an Bedeutung für die ganze Region St. Gallen. Wenn es in einigen Jahren gelingen sollte, das alte Zeughaus als neues Schulgebäude für die Schule für Gestaltung in St. Gallen umzunutzen würde dieser Ort geradezu eine magische Ausstrahlung erhalten.  

4. Juli: Gemeinsam mit Jiajia Zhang traf ich am Mittag René Hornung vom Pressebüro St. Gallen. Wir haben ihm unser Projekt für die Erhaltung der Villa Wiesental vorgestellt. René wird einen Artikel für das St.Galler Tagblatt schreiben. Beim Erzählen über das Projekt bin ich selber richtig ins Schwärmen gekommen. Eine Villa aus der Gründerzeit auf einem hohen Sockel, wie ein Kunstwerk im Museum. Ich bin gespannt, wie die Denkmalpflegenden reagieren.

3. Juli: Am Abend machten wir für die Verlagsgenossenschaft ein Essen bei uns im Garten, als "Nachschlag" für die gemeinsame Messebeteiligung in Leipzig. Wir haben sehr viele Themen gestreift und diskutiert. Daraus könnte man mehrere Jahresprogramme in unseren Verlagen erarbeiten.

2. Juli: Zusammen mit Jasmin Kaufmann druckte ich die letzten der 134 Holzplatten. Im Atelier liegt nun ein beachtlicher Stapel von ca. 200 Kilo bedrucktem Recyclingpapier. Die Drucke sind sehr schön geworden. Wir haben alle Motive in einer Auflage von drei Exemplaren mit weisser Farbe auf das graue "Maschinenbüttenpapier" gedruckt im Format von 210 cm x 100 cm. Die neue, speziell für diese Holzschnittserie entwickelte Drucktechnik auf einem Vakuumtisch hat sich bestens bewährt. Die Zusammenarbeit mit dem Künstler und Druckspezialisten Helmut Sennhauser hat sich als Glücksgriff erwiesen.

1. Juli: Ein unterhaltsamer Abend in der Kunsthalle mit dem alljährlichen Galaessen. Giovanni Carmine führte uns durch die aktuelle Ausstellung von Carter Mull und Tobias Kaspar.  Mode, live Style und die Konsumwelt stehen im Fokus der Arbeiten. Im hintersten Raum wird eine sehr schöne Videoarbeit von Kaspar gezeigt, die mit der Hilfe der Kunsthalle St.Gallen in einem Luxusgeschäft in Rom realisiert worden ist. Dorothea Strauss referierte anschliessend über die Möglichkeiten der gesellschaftlichen und der persönlichen Veränderung durch Kunst. Kunst als positive, regenerative Kraft für die Gesellschaft.

30. Juni: Von 10  bis 15 Uhr verfolgte ich die "Enthüllung" der Fassade des Stadtmuseums in Aarau. Das Gerüst wurde abgebaut und die Fassade mit meinen Menschen wurde langsam sichtbar. Es ist schon sehr speziell, wenn ein Werk erst nach fünf Jahren Arbeit als Bild erscheint. Ich bin zum Glück nicht in Ohnmacht gefallen. Im Gegenteil ich fühle mich richtig erlöst und entspannt und bin sehr glücklich, dass alles gut gekommen ist. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle, die an diesem riesigen Werk mitgearbeitet haben. Die 134 erwachsenen Menschen, die drei Kinder und der Hund werden uns bestimmt überdauern.

29. Juni: Um 11 Uhr haben wir uns in der Galerie Bleisch in Arbon die Ausstellungen von Guido von Stürler und von Erwin Schatzmann angeschaut. Guido hat eine sehr lange Zeit keine Kunst mehr gemacht. In der Ausstellung sind frühe Objekte  aus den 90er Jahren neuen digitalen Fotoarbeiten gegenübergestellt. Die "Fliegenfallenobjekte" wirken für mich eher wie Destilliergeräte aus der Landwirtschaft. Apfelernte, Fliegen, Insekten, Bienen, Wespen, Most, Trester und Schnaps und dicke Backen und rote Nasen von den Wespenstichen. In den Fotos werden Säfte abgesondert und gesammelt oder Haut, Körperteile und Haare zu sehr irritierenden, neuen Gewbilden montiert. 

26. Juni: Heute morgen hat mich Fred Bauer besucht. Der 86 jährige Künstler ist immer noch sehr vital. Er hat gerade eine rund 150 teilige Holzschnittserie gemacht. Frisch - frech und witzig.

25. Juni: Heute war ich das erste Mal im Auftrag der visarte im Bundesamt für Kultur in Bern. Der Vernehmlassungsentwurf der zweiten Kulturbotschaft von 2016 bis 2019 wurde vorgestellt. Laut den Aussagen von mehreren Teilnehmern lief das sehr viel professioneller und inhaltlich fundierter ab wie das letzte Mal. Leider will das Bundesamt nur grosse Literaturverlage fördern. Ich sehe das Potenzial selbstverständlich viel eher bei kleinen Kunstbuchverlagen. Es wäre zu hoffen, dass da auch einmal etwas investiert wird. Die einfachste, gerechteste  und beste Förderung wäre sowieso, wenn der Bund das Porto für den Versand von Büchern subventionieren würde. Um die richtigen zu fördern könnte zum Besispiel verlangt werden, dass all die Verlage und Buchhandlungen von billigeren Tarifen profitieren können, die in einem der Schweizerischen Buchändler- und Verlegerverbände Mitglied sind.

Hier der Link zur Kulturbotschaft, die sich nicht so spannend liest wie ein Krimi: http://www.bak.admin.ch/themen/04135/index.html?lang=de    

22. Juni: Ausflug nach Luzern. Zusammen mit Stefan Rohner besuchte ich die Abschlussausstellung der hslu im Messegebäude. Ich wollte mir vor allem die Arbeit von Vanja Hutter ansehen. Die Ausstellung ist eine Überraschung. Die Arbeit zum Thema "Brief" von Vanja gefällt mir sehr. Die Ostschweizer haben mit Vanja Hutter, Selina Buess und Adrian Rast einen starken Auftritt. (die drei sind zusammen im gleichen Quartier in der Remishueb in St. Gallen aufgewachsen) Eine Entdeckung war für mich die Malerin Fabienne Lussmann aus Appenzell. Am Nachmittag konnte ich mich mit Jeroen Geel treffen. Er plant sein Buch für die Reihe "Junge Kunst  in Luzern" für den Vexer Verlag. Das Werk wird 2015 erscheinen.

21. Juni: Eine wunderbare Zeit am Bodensee. Ein kleines Sonnenwendefest mit gutem Essen, schöner Musik, abwechselnd paddeln und schwimmen und diskutierend am Feuer sitzen.

20. Juni: Ab 11:00 Besprechung mit Krispin, Sämi und Florian. Die erste Nummer Kunst und Bau geht schon bald in Druck. Das Kunstwerk "Zugabe"  von Florian Dombois für das Stadtschloss in Potsdam wird am 7. Juli um 10:00 Uhr eingeweiht. Dann muss unser neues Druckwerk vollendet sein.

19. Juni: Ausflug nach Bregenz. Ich wollte endlich wieder einmal alle Ausstellungsorte in Vorarlberg besuchen und einige Sachen einkaufen. Die Geschäfte waren alle geschlossen. Feiertag. Fronleichnam. Ja da blieben dann das erweiterte Landesmuseum mit der speziellen, ornamentalen Betonfassade und die Ausstellung von Maria Eichhorn im Kunsthaus Bregenz. Ich habe noch selten eine so heruntergekühlte Ausstellung erlebt. Dabei geht es um  grosse Fragen, wie: Geldfluss, Körper und Säfte, Schwingungen, Strahlung und Verstrahlung. Da ist die Hanne Darboven geradezu üppig in ihren Installationen. Heute schneide ich mir eine Wünschelrute aus meinem Haselnussstrauch und bin gespannt wo sie juckt und zuckt.

17. Juni: Im St. Galler Tagblatt ist ein Artikel von Brigitte Schmid-Gugler erschienen über das neue Buch Erscheinungen, das ich zusammen mit Wolfram Lotz im Vexer Verlag gemacht habe. Das Buch ist allen zu empfehlen, die selber Engelserscheinungen erlebt haben oder die sich schon an der Suche nach mystischen Tieren beteiligt haben.

Am Nachmittag habe ich genau die Hecke in unserem Garten zurückgeschnitten, in dem sich das Okànugu vor einem Jahr in einer Vollmondnacht versteckt hatte. Zum Glück war damals Vera bei uns. Weil ich kein Stativ hatte, platzierte ich die Fotokamera auf dem Kopf von Vera und konnte dank ihrer Standfestigkeit ein  nicht verwackeltes Foto von diesem historischen Moment festhalten.   

13., 14., 15. Juni: Schöne Tage mit Gartenarbeit, schwitzen und schwimmen, gutem Essen und Gewitterregen. Das waren wirklich gute Tage im Piemont.

12. Juni: Die Vereinigung suisseculture feierte das 25 Jahr Jubiläum in Bern. An die Hauptversammlung am Morgen waren die Geschäftsleitungen und die Präsidien eingeladen. Die anstehende  Kulturbotschaft wurde erläutert und diskutiert. Alle angeschlossenen Verbände waren am Nachmittag eingeladen sich vorzustellen. Das war eine echte Tortur. Die vielen Zahlen und die angestaute Hitze im Gewölbekeller waren erdrückend. Einen eindrücklichen und niederschmetternden Befund las ich aus den Verwertungszahlen der suisa und den Geldern die verteilt werden. Von den Millionen die gesammelt werden sacken zwei Grossverdiener je eine halbe Million ein, für den Rest der Musikurheber und -verleger bleiben nur Brosamen. Bei meiner Schlusspräsentation der visarte zeigte ich ein Bild von RELAX, ( chiarenza& hauser& co.) "je suis une femme pourquoi pas vous?" von 1995. Die Fotoarbeit entstand für den UNO-Frauengipfel 1995 in Peking und zeigt Marie-Antonette mit einer geschulterten Axt vor dem Holzfäller von Ferdinand Hodler. Aufgenommen im Depot des nahegelegenen Kunstmuseums in Bern. Ich wählte dieses Bild, da ich mich bei meinem ersten Auftritt als Präsident der visarte Schweiz bei allen Künstlerinnen entschuldigen wollte, die vor 1971 nicht in die GSMBA aufgenommen wurden. Die Gründerväter waren 1866 der Ansicht, dass Frauen keine ernstzunehmenden Künstlerinnen sein können. Der verehrte Ferdinand Hodler sah das leider in seiner präsidialen Zeit nach 1914 immer noch so. Zu meiner Freude bilden die Künstlerinnen heute die Mehrheit im Berufsverband visarte. 

Nach der Geburtstagstorte bot Sandra Künzi eine witzige und versöhnliche Schlussperformance. Ihr Buch Mikronowellen empfehle ich gerne weiter. www.sanrakuenzi.ch

Nach der Veranstaltung diskutierten wir noch in einer gemütlichen Runde mit Benjamin Dodell, Eva-Marie Würth und Hans Läubli. Dann fuhr ich mit dem Zug nach Domodossola und anschliessend ins Piemont.


8. Juni: Familienfest im Rheintal. Angenehm freundschaftlich, anregend und alles unterlegt mit feinem Essen.

6. Juni: Ich arbeitete den ganzen Tag an meinen Drucken von den Originalholzplatten der Fassade des Stadtmuseums Aarau. Am Nachmittag besuchte ich den Philosophieunterricht im Lehrgang HF Bildende Kunst in der ehemaligen Stickereifachschule an der Fürstenlandstrasse. Nils Röller arbeitete mit den Studierenden an Texten von Platon und Sokrates.  Die drei Stunden waren im Nu vorbei und haben mich sehr angeregt. Ein guter Einstieg in die Pfingsttage. Zurücklehnen, nachdenken, reflektieren und geniessen sind angesagt.

5. Juni: Am Mittag bin ich nach Zürich gefahren für die Abschiedsfeier von Franz Joseph Eberhard in der Fraumünsterkirche. Ich habe Franz sehr gemocht und auch seine Arbeit als Stadtbaumeister in St.Gallen geschätzt. Er hatte einen Blick für das Gesamtheitliche. Er hat viel bewirkt für die Sensibilisierung für Kunst und Bau. Verdichtetes Bauen und Nachhaltigkeit waren Begriffe, die er schon in den 80er Jahren aktiv umgesetzt hat.

Am Abend stand ich hinter der Bar im Nextex, dem Ausstellungsraum der visarte Ost. Ein gemütlicher und lustiger Abend mit Edi als meinen persönlichen Barassistenten.

4. Juni: Heute bin ich nach Basel gefahren für eine Sitzung im Architekturmuseum, um die Ausstellung "Kooperationen" zu besprechen. Dann der obligate Besuch in der Galerie Stampa und anschliessend nach Zürich ins Haus Konstruktiv für die Eröffnung der Ausstellung von Florian Dombois. Hier konnte ich auch Vera treffen, die für ein paar Tage in die Schweiz gereist ist. 

3. Juni: Am Morgen früh bin ich ins Atelier an der Haggenstrasse gefahren, um endlich ein Selbstbildnis in Holz zu schneiden. Für das 70 Jahr Jubiläum der XYLON Schweiz habe ich ein Buchkonzept zum Thema Selbstbildnis entwickelt. Bis Mitte Juli müssen wir das Material beisammen haben. Ich habe ein kompliziertes Labyrinth als Selbstbildnis geschnitten. Mein Kopf ist immer voll von Projekten und die Wege zu den Resultaten sind inach der Entstehung auch für mich oft nicht mehr rekonstruierbar.

Im Zürcher Literaturhaus wurde heute Abend der Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank an den Philosophen, Denker und Schreiber Nils Röller vergeben. Er wurde zu recht ausgezeichnet für sein scharfsinnig, hintergründig und humorvoll geschriebenes Buch "Roth der Grosse". Er umschreibt darin den Künstler und Schriftsteller Dieter Roth bei einem fiktiven Streifzug durch Zürich und seiner Begegnung mit den Schriften von Lenin. Dieser Preis an Nils Röller ist eine doppelte und mehrfache Freude und hat am Rande auch mit St.Gallen zu tun. Nils Röller unterrichtet Philosophie im Lehrgang HF Bildende Kunst in St.Gallen und Dieter Roth besuchte vor Jahrzehnen den Vorkurs an der damaligen Kunstgewerbeschule in St.Gallen. Ab und zu wirft die Geschichte auch einen dünnen Lichtstahl nach St.Gallen. Leider merkt es kaum einer. Die fulminante, in freier Rede entwickelte Laudatio hielt übrigens Stefan Zweifel. Brillant.

Gefreut hat mich an diesem Abend auch der Hafenkran. Gerhard Mack hat dieses Werk in der NZZ am Sonntag als Retro Kitsch bezeichnet. Er hat damit nicht unrecht aber ich staune, wie viel Diskussionsstoff dieser alte, rostige Kran schon geliefert hat. der Ort ist übrigens super ausgewählt. der Kran müsste hier stehen bleiben. Für mich ist dieses Werk ein richtiges zeitgenössisches, öffentliches Schauspiel mit grosser Resonanz. Das ist echtes Theater, das vom Volk mit geschrieben wird.


30. Mai: Am Abend haben wir einen kleinen Ausflug nach Zürich unternommen, um die Abschlussarbeiten an der ZHDK anzuschauen. Überrascht hat uns der starke Trend nach dem fernen Osten. Wir wollten natürlich vor Allem die Arbeit "100 things stolen by my father von Joëlle Lehmann sehen. Der Ausflug hat sich gelohnt!

28. Mai: Heute Abend bekam ich die Nachricht, dass die Leitung der Kunsthalle in Zürich frei wird. Junge Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker jetzt geht es an den Start. Hier der Link zur Ausschreibung:

http://www.kunsthallezurich.ch/index.php?id=370 

Beatrix Ruf hat diese Arbeit sehr lange gemacht und viel bewirkt aber Veränderung tut allen gut. 

23. Mai: Ab nach Turtman ins Wallis. Eine wunderschöhne Bahnfahrt mit gutem Lesestoff. Ahmed hat mir von seinem Filmprojekt erzählt. Er plant die Verfilmung "Zeit der Nordwanderung" von Tajjib Salich. Es ist sehr speziell quer durch die Schweizer Landschaft zu fahren und einen Kultroman aus dem Sudan zu lesen. In Turtman wurden die Delegierten der visarte Schweiz begrüsst von Heinrich Gartentor und dem Dorfmetzger Meyer. Heinrich erklärte die Wahl des Ortes und der Metzger den Inhalt der Würste. Am Abend bot die Gruppe "Bern ist überall" eine wunderbare sprachliche Einstimmung in die kulturelle Vielfalt der aktuellen Schweiz. Am Sonntag fand die Delegiertenversammlung der visarte Schweiz statt. Heinrich führte witzig, gekonnt und stilsicher durch die Versammlung und die Mitglieder des Zentralvorstandes erläuterten die aktuellen Geschäfte. Wir tagten im Hotel Post, in einem engen Raum in der besenreinen Baustelle. Diese Enge öffnete den Geist und die Herzen  der Delegierten, die mich einstimmig zum neuen Präsidenten der visarte  gewählt haben. Ich freue mich auf die kommenden kulturpolitischen Debatten und hoffe natürlich, dass ich unseren Berufsverband im Sinne der Künstlerinnen und Künstler weiterentwickeln kann. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den engagierten und dossiersicheren Vorstandsmitgliedern. Zu meiner neuen Aufgabe konnte ich ohne langes Zögern ja sagen, insbesondere auch dank der von Regine Helbling professionell geführten Geschäftsstelle und ihrem Team.

22. Mai: Frühe Bahnfahrt nach Basel. In Zürich muss ich in einen uralten Rumpelzug umsteigen. Der ICE ist nicht eingetroffen. Ich treffe Ulrike Jehle im Architekturmuseum. Sie plant eine Ausstellung zum Thema der Zusammenarbeit von Architekten mit Künstlern. Das wird ein spannendes Projekt. Es geht im speziellen um die Projekte von Peter Märkli mit Hans Josephson und Diener&Diener mit JFM. Auf diese Gegenüberstellung freue ich mich sehr. Als eindrückliches Beispiel zeigte mir Ulrike Jehle die wunderbare "Orgelarbeit" im Basler Münster mit den kleinen Josephson Reliefs. Nach dem Mittagessen im Kunsthallenrestaurant schaute ich mir die Ausstellung von Martina Gmür in der Galerie Stampa an. Martina zeigt einmal mehr fein installierte, objekthafte Malerei aus einem verschärften weiblichen Blickwinkel.

Am Abend trafen sich viele Weggefährten, Freundinnen und Freunde von Peter Liechti im Kinok in der Lockremiese in St.Gallen zu einer besinnlichen Abschiedsfeier. Sandra Meier, Christoph Egger,  Marcel Elsener und H.R. Fricker sprachen vom Werk und vom Menschen Peter Liechti, Norbert Möslang intonierte das Werk auf seine Weise und ich sprach über die im Vexer Verlag veröffentlichten Texte. Mir war es ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass eine grosse Gruppe von Kunstschaffenden, politisch Denkenden, Kulturaktivisten und Feministinnen in den 80er Jahren, unter Anderem zusammen mit Peter Liechti wichtige Weichenstellungen in der Kulturpolitik in St.Gallen erarbeitet haben. Die Stadt St.Gallen ist heute nicht mehr das kulturelle Brachland der Achtzigerjahre. Peter Liechti sei Dank!

21. Mai: Ich bin total aufgeregt. Das neue Buch von Joelle Lehmann wird heute früh ausgeliefert. "100 things stolen by my father". Joelle hat als Kind immer nur gestohlene Sachen geschenkt bekommen. Sie hat das nun in eine künstlerische Arbeit umgewandelt. Als ich dieses Buchkonzept bei einem Besuch bei Joelle und Kasper in Burgdorf gesehen habe war ich hell begeistert. Das ist für mich knallharte konkrete Literatur. Das Warten auf den Transport ist ein guter Moment um das Bücherlager neu zu organisieren. Heigold neben Liechti, neben Oberholzer, neben Morgenthaler, neben Tagwerker, neben Dillier, neben Dada, neben Balladada et-cetera. Kurz vor dem Mittag wurde die Sendung geliefert. Nun liegen die Bücher schön verpackt im Atelier. Das Öffnen des ersten Buches ist immer eine Zitterpartie. Das Werk ist wunderbar und liegt anschmiegsam und kostbar in meinen Händen. Super!

20. Mai: Ein weiteres Treffen mit Roger Diener in Aarau. Die Farbe der Plattenfugen und des Verputzes  des Ergänzungsbaus müssen bestimmt werden. Das Bauwerk fügt sich immer mehr zu einem Ganzen.

17. Mai:  Ich wachte heute ziemlich belämmert auf. immerhin konnte ich die Nacht durchschlafen. Nach einem starken Kaffee schleifte ich mit meiner tropfenden Nase den Staubsauger durch das ganze Haus. Treppe rauf und Treppe runter. Am frühen Nachmittag erwartete ich Monika. Sie war die ganze Woche bei Vera in Berlin. Eine frisch staubgesaugte Wohnung löst bei Monika immer gute Laune aus. 

16. Mai: Dieser Morgen hatte es in sich. ich bin sehr früh aufgestanden um rechtzeitig um 8 Uhr in Aarau zu sein. Mein Ziel war, gemeinsam mit den Malern die Fassadenelemente zu vollenden. Ich hatte den Plan, alle hellen Platten noch einmal mit einem helleren Farbton zu übermalen, damit die Farbunterschiede etwas verstärkt werden. Die dunkleren Platten wollte ich noch etwas kräftiger. Nach fünf Stunden war ich total durchgefroren und ich holte mir an diesem Tag eine mühsame Erkältung. Trotzdem hat sich der Tag gelohnt. Zuhause legte ich mich sofort ins Bett mit einem starken Grippemittel. Ich mache das sonst nie aber ich war so auf den Felgen,

13. Mai: Ich muss früh nach Aarau. Ein wichtiges Treffen mit Roger Diener steht bevor. Wir müssen die Farben der Betonplatten kontrollieren und modifizieren. Die Besprechung war sehr konstruktiv. Meine Nervosität legt sich langsam. So richtig freuen kann ich mich aber erst, wenn in ein paar Wochen das Baugerüst abgebaut ist. Auf dieser Baustelle habe ich so viel gelernt über Farbe, Struktur, Nähe und Distanz und über das sich dauernd verändernde Tageslicht. Heute hat es gut gepasst, dass das Filmteam mit dabei war. Wir sind anschliessend gemeinsam nach St.Gallen gefahren, um im Atelier die neue Holzdrucktechnik mit dem von Helmut Sennhauser gebauten Vakuumtisch vorzuführen. Der Film über dieses Mammutbaumprojekt wird enorm vielfältig.

12. Mai: Ich habe den ganzen Tag an den Holzschnitten weitergedruckt mit Jasmin. Wir sind schon ein richtig gut funktionierendes Team.

11. Mai: Ich bin noch ganz erfüllt von der gestrigen Tagung im Sitterwerk in St.Gallen. Markus Dreßen, Anne König und Jan Wenzel haben ihren Verlag Spector Books aus Leipzig vorgestellt. Der Anlass war sehr inspirierend und aufschlussreich. Es ist ein gutes Gefühl in Mitten von siebzig interessierten Menschen aus verschiedenen Bereichen der Buchproduktion zu sitzen, zuzuhören, Gespräche zu führen, nachzudenken und Kontakte zu pflegen und dazu noch neue interessante Menschen kennen zu lernen.Wenn ich mir die Zeit nehme zuzuhören entwickeln sich bei mir meistens die besten Ideen.

Heute bin ich um 6:30 Uhr aufgestanden. Es gibt soviel zu tun. Ich liebe den Sonntagmorgen, wenn es regnet und  wenn ich mich in meinem Büro verkriechen kann. Die letzten 10 Tage waren turbulent, vielschichtig, spannungsreich und viel Administratives ist liegengeblieben. Einer der Höhepunkte war der Besuch der Ausstellung im Textilmuseum in St.Gallen zum Thema Japan. Da muss ich noch einmal hingehen. Dank der Raiffeisen Bankkarte kostet das ja nichts. Jetzt habe ich endlich die Internet Umfrage der Pro Helvetia zur Arbeit des SBVV und zur Finanzierung von Messebeteiligungen ausgefüllt. Auch der Katalogbeitrag für die kleine Kunstbuchmesse in Frauenfeld ist abgeschickt, die Buchhaltung ist nachgeführt, der Schreibtisch ist aufgeräumt, alle Mails sind beantwortet und das am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr. Toll - gell!

Nun hole ich einen frischen Zopf und die Zeitung und dann mache ich mir den ersten Sonntagskaffee und freue mich auf alles Weitere.

1. Mai: Heute um sieben Uhr hat mich mein jüngster Bruder Erich angerufen. Am frühen Morgen ist unsere Mutter gestürzt in der Wohnung. Zum Glück hat eine aufmerksame Nachbarin das Klopfen  gehört. Mutter ist unverletzt aber verwirrt. Der Arzt und die Spitex sind schon durch meinen Bruder informiert worden. Monika und ich fahren so schnell wie möglich ins Rheintal. Der Arzt und die Spitex raten uns, sofort einen Heimplatz zu suchen. Zum Glück haben wir vor einiger Zeit zwei vorsorgliche Anmeldungen in verschiedenen Heimen gemacht. Am Mittag wissen wir schon, dass ein provisorischer Heimplatz in Gais zur Verfügung steht. Ich bin den ganzen Tag bei meiner Mutter geblieben. Sie konnte nicht mehr alleine aufstehen und alleine gehen. Es ist ein sehr spezieller Moment, wenn man die eigene Mutter das erste Mal so hilflos erlebt. Gegen Abend konnten wir unsere Mutter mit dem Auto nach Gais bringen. Mutter wollte wissen, an was für ein Fest dass wir denn nun gehen. Sie wusste nichts mehr von ihrem Sturz und von ihrer Notlage. Sie wurde im Alterszentrum sehr liebevoll empfangen.

Am Abend haben wir Vera getroffen. Sie hat zusammen mit einem Freund bei einem Sammlerpaar alle Bilder neu gehängt und ihre eigenen Werke wunderbar platziert und in der Sammlung integriert. Das gemeinsame Essen und die Gespräche in diesem freundschaftlich-familiären Kreis besänftigten meine aufgewühlte Stimmung.

30. April: Vera hatte am Abend ein Künstlergespräch in Zürich, anlässlich ihrer Ausstellung bei Hermann Germann zusammen mit Sebastian Utzni und Marina Schütz von der Kunstbibliothek im Sitterwerk St.Gallen. Wir konnten leider nicht teilnehmen.

28. April: Der Sonntagabend im Kulturraum des Kantons St.Gallen beim Klosterplatz war ein voller Erfolg. Ich war schon um 15 Uhr da und wartete auf Li und auf Anastasia. Ich war wieder einmal viel zu früh. Aus Langeweile und um das Glück an mich zu erinnern, warf ich einige kleine Münzen in den Brunnen im Klosterhof. Dann habe ich mir die Ausstellung von Rolf Graf und Anastasia Katsidis noch einmal angeschaut. Anastasia hat sich von der Kunstproduzentin zur Kunstaktivistin gewandelt. Ich kann das sehr gut verstehen. Wer grosse Objekte baut, braucht auch grosse Lagermöglichkeiten. Die eigene Kunst kann zum belastenden Riesenklotz am Bein werden. Anastasia lenkt in dieser Ausstellung im Eingangsbereich des Kulturraums den Blick auf das gewellte Sheddach des Stiftsarchivs. Das Dach wird unregelmässig von einer Blitzanlage angeleuchtet. Es erscheint so wie im Blitzgewitter einer fernöstlichen Touristengruppe.

Ja und in diesem Foyer, unter der letzten, eigenhändig von Ferdinand Gehr bemalten Decke  erzählte ich Geschichten aus dem Leben eines Verlegers, von Buchinhalten, Kuriositäten und ernsthaften Begebenheiten im Umgang mit Kunst, Kultur und der Liebe. Dazu sang  Li Tavor mit einer erschütternd schönen Stimme Texte aus dem Dada Modul, improvisierte zu einer Engelserscheinung aus dem neuen Buch von Wolfram Lotz und sang Liebesgedicht von Dorothy Parker. Beim zahlreichen Publikum und bei mir wird dieser Abend noch lange nachklingen. Danke Li!

27. April: Diese Woche war turbulent. ich habe noch nie so viele Bücherpakete wie in diesen Tagen zur Post gebracht. Diese Woche hatte ich spannende Diskussionen zu verschiedenen Buchprojekten, eine interessante Begegnung mit einem Sammler, der mir ein frühes Bild von 1981 zur Restauration gebracht hat, ein weiteres Treffen in Aarau mit den Malern der Firma Durrer, einen sehr angenehmen Umtrunk mit Ursula und Jost Hochueli (mit dem besten Kaffee, den ich dieses Jahr getrunken habe) und einem exzellenten Essen bei Ralph und Margrit gestern Abend. In der Nacht um 1 Uhr sind wir mit den Fahrrädern durch die ganze Stadt gefahren und haben bei einem feinen Nieselregen geniesserisch den unsichtbaren Leermond genossen.

Jetzt muss ich mich vorbereiten für Radio Bellvue im Kulturraum am Klosterplatz. Ich freue mich schon auf die Stimme von Li Tavor, die ab 17 Uhr für uns singen wird.


18. April: Ich hatte eine wunderbare Zugreise nach Domodossola und dann nach Omegna. Ich hatte viel Zeit um zu lesen, nachzudenken und die Landschaft zu geniessen. Monika holte mich mit dem Auto in Omgna ab und wir verbrachten sehr schöne Ostertage in Italien. (Mit ziemlich viel Regen) Aber was soll's, mein junger Mammutbaum "Felice" gedeiht prächtig und er braucht dieses Wasser im Frühling.

16. April: Heute habe ich zusammen mit Jasmin weiter an den Holzschnitten gedruckt. Das sind richtig sportliche Anstrengungen. Nach vier Stunden Arbeit bin ich jeweils total auf den Felgen.

15. April: Nach dem Tod von Peter Liechti gibt es sehr viele Bestellungen von seinen Büchern. Es ist schön zu spüren, dass viele  teilhaben wollen an der aussergewöhnlichen kulturellen Leistung eines  sehr speziellen Menschen.

14. April: Um sechs Uhr früh stand ich heute schon in der Küche für meinen Morgenkaffee. Ich durfte den ersten Bus nicht verpassen für meine Fahrt nach Aarau. Ich hatte in Aarau ein wichtiges Treffen mit Roger Diener, den Architekten von Diener & Diener und der Firma Durrer, um die Farben für die Fassade zu definieren. Diese Treffen sind für mich beispielhaft als Erfahrungen eines Prozesses, der nicht einfach am Schreibtisch endet, sondern bis zur Fertigstellung des Werkes kontrovers und lebendig bleibt. Nach dieser intensiven Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern wird es für mich schwierig sein, alleine auf mich gestellt weiter zu arbeiten. Ich schätze das Miteinander immer mehr.

13. April: Ich stand früh auf an diesem Sonntagmorgen. Ich musste um 10:30 Uhr die Türe für die Ausstellung der XYLON Schweiz im Eisenwerk in Frauenfeld öffnen. Ich hatte mich für den Hütedienst eingetragen. Zum Glück kamen sehr viele interessierte Besucher an diesem Tag. Die Zeit verging dank der vielen Gespräche und Begegnungen im Nu.

12. April: Am Abend besuchten wir die Vernissage in der Kunsthalle Wil. Franticek Klossner hat eine eindrückliche Ausstellung eingerichtet. Es geht in dieser Präsentation nicht nur um die eigene Vergänglichkeit des Künstlers sondern auch um das stete Tropfen der Kunstgeschichte in unseren Köpfen. Franticek hat seinen Kopf und seine Büste in farbiges Eis gegossen. Die schmelzenden Teile hängen an Fleischerhaken in der Manier von Bruce Naumanns Wachsköpfen von der Decke. Im grossen Ausstellungsraum verändert das tropfende Eis die Projektion eines tränenden Auges immer stärker und verwandelt das Bild in eine Spiegelung in einem von Wellen bewegten See.

11. April: Nach dem Frühstück sind wir in Nyon zeitig losgefahren. Auf der Rückfahrt wollte Monika noch die neuen Farbmuster für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau anschauen. Anschliessend fuhren wir nach Zürich für die Urnenbeisetzung von Peter Liechti. Ein sehr trauriger Moment mit vielen guten Menschen. 

10. April: Wir sind quer durch die Schweiz gefahren für die Ausstellungseröffnung im Historischen Museum in Nyon. Vincent Lieber hat eine vielfältige und spannende Ausstellung eingerichtet zum Thema Mensch und Wald. Ich war noch nie in Nyon. Diese kleine Stadt ist wirklich eine Reise wert. Die Vernissage mit dem anschliessenden Essen im prächtigen Schlosssaal hat Freude bereitet.

5. April: Peter Liechti ist gestern Abend verstorben. Die telefonische Benachrichtigung hat mich hart getroffen. Ich kenne Peter seit seinen künstlerischen Anfängen in den 80er Jahren. Unser Kontakt hat sich in den letzten Jahren durch die Buchprojekte "Lauftext ab 1985" und "Klartext - Fragen an meine Eltern" intensiviert. Peter suchte nach Bildern und Klängen wie ein Insektensammler nach Unbekanntem und Unbenanntem. Peter war in allem ein musikalisch empfindender Mensch. Rhythmen, Klänge, Pausen, atemlose Solis, schmerzhafte Pausen, schrille Töne, mühsam erklimmbare Höhen und furchterregende Tiefen interessierten ihn leidenschaftlich. Peter konnte bitter-böse, zynisch-heiter, scharfsinnig-vernichtend, zielstrebig-mäandrierend, unerbittlich-heiter, aufsässig-treu, gnadenlos-ehrlich, laut, zärtlich und leise sein. Peter hatte von allem, was einen unvergesslichen Menschen ausmacht. Peter bleibt ein starker Teil eines stetig rotierenden Ganzen, eines alles verschlingenden und darum unsterblichen, universellen Geistkörpers. Lieber Peter, mit einer grossen Verneigung denke ich an dich auch in Zukunft.

3. April: Das war ein wilder Tag. Monika ist schon am Morgen früh aufgestanden um halb fünf, damit sie ihren Flug nach Wien nicht verpasst. Ich lag derweil wach im Bett und hörte auf die Geräusche. Duschen, kurzer Kaffee, ein Stück Brot in aller Hast, das Zirren vom Kofferreissverschluss, Treppe runter, Treppe rauf, etwas vergessen, Zähne putzen, Treppe runter, die Türe knallt, der Bus fährt in zwei Minuten. Nach zehn Minuten bin ich sicher, sie hat es geschafft. Guten Flug!

Um 11:00 besucht mich Clarissa Höhener. Ich habe sie kennengelernt an der Buchmesse in Leipzig. Sie arbeitet an einem Forschungsprojekt an der Uni St.Gallen. "Die Stadt und den Raum lesen" ist eine Literatur App, die eine andere Art der Benutzung von Literatur ermöglichen soll. Dabei soll die Kunst (der Literatur) in das wirkliche Leben und den realen Raum integriert werden.  Sehr spannend!

Um 16:00 besucht mich Otto Heigold mit seinem neuen Buchprojekt Goldplanet. Otto forscht unermüdlich im Bilderkosmos nach den feinsten Suren von Goldstaub.

Um 18:00 Uhr besuchen mich Florian Dombois und Krispin Hée. Wir planen die Dokumentation des Kunst und Bau Projekts "Zugaben", das Florian für das wiederaufgebaute Stadtschloss in Potsdam realisieren kann. In dem Gebäude sitzt der Landtag von Brandenburg. Der vieldiskutierte Wiederaufbau des vor einigen Jahrzehnten weggesprengten Stadtschlosses und der künstlerische Beitrag von Florian Dombois bieten genug Stoff, um in einem planartigen Druckwerk beleuchtet werden.

1. April: Kein guter Scherz, rein gar nichts. Um elf kommt Krispin Hée zu einer Besprechung eines Projekts für ein Künstlerbuch. Mal sehen was daraus wird und ob wir das so realisieren können. Am Abend besuchten wir das offene Atelier von Karin Karinna Bühler im Sitterwerk. Karin hat spannende Sternenkonstellationen kreiert und dadurch auch ein Stück des Universums erschlossen. Vom Gastatelier aus hat man einen wunderbaren Blick in eine Werkhalle des Sitterwerks. Im Moment liegt dort "unser" bronzener St.Galler Vadian, eingebettet  und geschützt in einer riesigen Polsterrolle. Vadians Kopf, sein Hut und die Füsse werden überholt und verstärkt, damit er auch ja nie auf das einfache Volk herunterstürze.

31. März: Eine weitere frühe Fahrt nach Aarau. Mein Kunst und Bau Projekt für den Erweiterungsbau des Stadtmuseums in Aarau ist jetzt in der letzten Phase. Die Farbgebung und die Behandlung der Reliefplatten muss besprochen werden.

30. März: Ein schöner Spaziergang mit Monika und Vera. Es gibt immer so viel zu bereden. Am Abend diskutierten wir gemeinsam ein Kunstprojekt mit J. Z. und Monika bekochte uns anschliessend köstlich.

29. März: Wir haben diesen Samstag sechs Stunden gejasst im Restaurant Kurzeck. Das von uns zusammen mit Eveline und Roman organisierte Jassturnier war ein absoluter Hit. Monika und ich erjassten uns den zweiten Preis in  einer lustigen und aufgestellten Runde.

28. März: Heute arbeitete ich den ganzen Tag an meinen Holzdrucken mit Jasmin Michelle.

Am Abend fuhr ich zusammen mit Monika nach Zürich für die Ausstellungseröffnung von Vera in der Galerie Hermann Germann contemorary. Vera hat zusammen mit Sebastian Utzni ein interessantes Ausstellungskonzept erarbeitet, mit dem Einbezug der Bibliothek im Sitterwerk St. Gallen. Marina Schütz hat eine spannende Bücherauswahl zum Thema Landschaft getroffen. Die zwei Regale mit den Büchern wirkten auf mich wie zwei starke Energiespeicher. Ich werde mir die Ausstellung und die Bücher sicher noch einmal in aller Ruhe anschauen. Eine schöne Begegnung mit Vera und vielen Anderen.

27. März: Am Morgen früh erledigte ich viel Schreibarbeit und bezahlte haufenweise Rechnungen. Zum Mittagessen traf ich mich im Restaurant Rössli an der Fürstenlandstrasse mit Elisabeth Nembrini, Heidi Schöni und Katrin Dörig von der Fachkommission HF Bildende Kunst für einen Gedankenaustausch. Die drei erzählten von ihrem Besuch im Unterricht der Fachklasse. Gilgi Guggenheim unterrichtete zum Thema "Inspiration". Meine Kolleginnen waren sehr beeindruckt und machten sich nach dem Mittagessen weiter ins Schulhaus Bild.

Ich musste weiter nach Luzern für die Buchvernissage von René Odermatt in der Kunsthalle Luzern. Als Erstes besuchte ich das Kunstmuseum. Einen  ersten Höhepunkt  erlebte ich in der Ausstellung "Ins Offene, Landschaftsdarstellungen von Robert Zünd und Ferdinand Hodler bis Max von Moos". Das Bild "Eichenwald" von Robert Zünd hat mich durch seine Dunkelheit richtig gehend ins Licht gesogen. Mit dem geschätzten Kollegen Robert würde ich auch sehr gerne einmal ausstellen.

Als zweite Ausstellung wird die Arbeit des Künstlerduos Mauricio Dias & Walter Riedweg
"Kleine Geschichten von Bescheidenheit und Zweifel" präsentiert. Ein eindrücklicher und sensibler Einblick in die verborgensten Winkel von Südamerika. Die Videoinstallationen sind aufgebaut wie Teile einer geheimnisvollen Stadt, mit Jahrmärkten, Zeremonien, Slums, verlassenen Bahnhöfen, privaten Wohnungen, Schwulenclubs etc. Überall ist eine tiefe Verbundenheit und eine grosse Liebe zu den Orten und den Menschen spürbar.

Was mich in dieser Ausstellung vor allem sehr berührt hat waren die vielen Südamerikanischen Besucherinnen und Besucher. Ganze Familien und Gruppen von zusammengehörigen Menschen wanderten durch die Räume in einer melancholischen Vertrautheit und grosser Sehnsucht nach Heimat.

Nach diesem Ausstellungsbesuch bin ich mit meinem Rollkoffer Richtung Löwenplatz geschlendert. Eine ganz andere Welt, die sich aber in der Fasnacht für ein paar Tage auch zu einem deftigen Rio de Janeiro verwandeln kann.

René Odermatt war schon da und präsentierte mir das in Eis gegossene Logo OR, das auf dem Getränketisch schon sanft am Schmelzen war. Ein gelungener Anlass für ein schönes Buch mit vielen interessanten Menschen.


26. März: Am Morgen suchte ich in meinem Archiv nach Unterlagen über ein frühes Ölgemälde aus den 80er Jahren. Ich fand das Werk mit dem Titel "Man am Wasser" aus dem Jahr 1982. Luigi Kurmann fotografierte das Bild , das er 1983 im Raum für aktuelle Schweizer Kunst in Luzern anlässlich meiner Einzelausstellung präsentierte. Für diese Ausstellung entstand auch das Buch "Kreuzernachtigall" mit faksimilierten Tuschzeichnungen.

Am Abend besuchte ich einen spannenden Vortrag an der Universität in St.Gallen von Jaques Herzog von Herzog & de Meuron. Die Aula war gerammelt voll. Jaques war total erkältet und kämpfte sich heftig hustend aber vorbildlich durch seinen Vortrag über Stadtentwicklung und Stadterneuerung am Beispiel der Stadt Basel. Er erläuterte das neue Messegebäude, die architektonischen Weiterentwicklungen bei Novartis und Roche und die Studie zur neuen "Birsigstadt". Es ist eindrücklich, was dieses Architekturbüro in den letzten dreissig Jahren geleistet hat. Ich erinnere mich an einen Vortrag von Jaques, den ich 1987 in der Kunsthalle St.Gallen an der Wassergasse organisierte. Die Projekte waren noch ganz bescheiden und trotzdem stark. Er stellte damals unter Anderem das Projekt Nr. 17  "Tavole" von 1982 vor. Das Steinhaus wurde 1985-88 realisiert, oder das Sperrholzhaus in Basel, mit dem in das Gebäude integrierten Baum. Schon die Projekte von damals zeugen von einer starken Auseinandersetzung mit dem historisch Gewachsenen, dem passenden Material und dem inhaltlichen Bezug.  Immer gepaart mit einem  radikalen dialogischen Denken.

25. März: Nach einem harten Arbeitstag im Atelier legte ich mich eine Stunde ins Bett und vergass prompt einen wichtigen Sitzungstermin.

24. März: Am Morgen vereinbarte ich spontanen einen Besuch nach dem Mittag im Kunstmuseum. Ein mir unbekannter Sammler hat dem Museum St.Gallen ein sehr frühes Bild von mir aus den 80er Jahren geschenkt und das wollte ich mir ansehen. Für mich war das ein sehr spezieller Moment, zusammen mit  Roland Wäspe, Koni Bitterli, und der Sammlungskuratorin Selina Gaillard vor einem Bild zu stehen, das ich seit mehr als dreissig Jahren nicht mehr gesehen habe. Ich machte den eher peinlichen Versuch,  diese merkwürdige Situation mit Humor zu überstehen. Eine ähnliche Situation, wie wenn man nach dreissig Jahren einen Schulkameraden trifft und den Namen nicht mehr weiss. Man brabbelt etwas belangloses vor sich hin, lacht ein bisschen und lenkt ab, in der Hoffnung, dass der Name wieder aus der Vergangenheit auftaucht. In der Erinnerung suchte ich sofort nach dem Ort des Entstehens, nach den Umständen und Gefühlen, die zu diesem Bild geführt hatten. Das Gemälde zeigt einen nackten Mann der im Wasser steht und mit den Händen die Hinterläufe eines Tiers hält. Ein ganz ruhig gemaltes Ölbild in einem extremen Hochformat in Menschen Grösse. Ich glaube dieser Mensch, der das gemalt hat, war ich. Mein Entschluss steht fest, ab heute trete ich in die Phase des Wassers ein!

23. März: Ein herrlich ruhiger Sonntag mit Schnee, Regen und vielen Köstlichkeiten.

22. März: Heute musste ich einmal mehr früh aus den Federn. Um 10 Uhr wollte ich in Frauenfeld sein. Seit ein paar Jahren bin ich Mitglied der XYLON Schweiz. Vor vier Jahren habe ich das Konzept für das Jubelbuch XYLON gemacht, das 2011 erschienen ist. Das Buch ist bereits vergriffen. Heute ist nun der 32 jährige Künstler Sebastian Utzni zum neuen Präsidenten gewählt worden. Diese Verjüngung ist für den Verein sehr wichtig. Die XYLON Schweiz wurde 1944 in Zürich gegründet und feiert dieses Jahr das 70 jährige Bestehen. Wir planen nun eine neue Publikation zum Thema Selbstbildnis.

Am Nachmittag besuchten wir das Atelier von Stefan Rutishauser in Frauenfeld und um 17:00 Uhr wurde die Ausstellung "Hochdruck" im Shed im Eisenwerk eröffnet. Die Ausstellung ist trotz dem kleinen Budget und dank einer bestechend einfachen Präsentationsform sehr gut gelungen.

21. März: Heute sind die neuen Bücher von René Odermatt geliefert worden. Megi Zumstein und Claudio Barandun haben ein wunderbares Buch gestaltet.  Ich freue mich auf die Buchremiere am 27.3. in der Kunsthalle Luzern. 

20. März: Baustellenbesuch in Aarau mit den Architekten von D&D. Jetzt geht es um die Schlussbehandlung und um die Farbigkeit der Fassade. Das braucht starke Nerven...

Nach der Besprechung entschloss ich mich nach Winterthur zu fahren. Die Ausstellung von Gerhard Richter im Kunstmuseum hat mich verblüfft und irritiert. Die Streifenbilder kann man nur aus einer gewissen Distanz  und mit dem Einbezug des Raumes betrachten. Wenn man sich den Bildern nähert verliert man total die Orientierung. Es hat mich richtig aus den Schuhen gehoben. Alle fängt an zu kreisen. Ich kenne das von meinen Horrorträumen als Kind. Ich wurde  ab und zu von extrem bunten Spiralen verschlungen.

19. März: Schon wieder den ganzen Tag Holzschnitte gedruckt. Ich kann kaum mehr gerade gehen. Jetzt freue ich mich auf einen doofen und entspannten Fernsehabend.

 

18. März: Wieder zu Hause: Bücher auspacken, Bücher einpacken, Bücher versenden, nix mit ausschlafen, nix mit jammern...  

 

17. März: Die Woche in Leipzig war überwältigend. Viel Zeit für Gespräche, kulturelle Anlässe, Lesungen, Vorträge in der Hochschule und natürlich Bücher überall. Die Zeit mit Monika, Vera und Krispin und all den Anderen war wirklich toll. Es gibt einige interessante Zukunftsprojekte. Darauf freue ich mich sehr. Unsere Veranstaltung im Alabama Sir, mit Wolfram Lotz, Dorothee Elmiger und Michael Bartel war sehr gut besucht und wohltuend intensiv. Die drei Künstlerinnen, die diesen Ausstellungsraum betreiben machen eine ganz wunderbare kulturelle Vermittlungsarbeit. Ganz herzlichen dank an euch alle! Ich habe Leipzig und die Menschen hier richtig gern bekommen.

 

11. März: Monika und ich geniessen die rund achtstündige Bahnfahrt durch Deutschland. Wohlgemerkt - ohne einen Besuch im Speisewagen. Seriosität ist angesagt, mindestens bis nach Leipzig. Die Woche wird sicher noch hart genug.

 

10. März: Roland Stieger holt die Bücherschachteln für Leipzig ab. Fein verpackt und beschriftet vom Herrn Verleger persönlich.

 

8. März: Am Samstag besuchen uns Peter Emch und Madeleine Dreyfus. Die Beiden waren gerade in Indien. Es gibt viel zu erzählen.

 

7. März: Ein frühes Treffen zum Kaffee mit Marcus Gossold. Laut - denken ist immer wieder angesagt. Am Abend, nach meinen Vorarbeiten für die Buchmesse in Leipzig kocht Monika ein sensationelles Abendessen mit Gizi für uns und unsere Nachbarn Rosmarie und Franz. Sapperlot!

 

5. März: Nach dem Drucken besuche ich gemeinsam mit Monika Irène und Max in Abtwil. Die beiden wohnen in einem spannenden Haus, das mehr Energie produziert, als hier verbraucht wird. Ein wunderbares Essen und sehr guten Wein.

 

4. März: Ein Gespräch mit Brigitte Schmid Gugler und Roland Stieger steht an. Ein Artikel zu unserer gemeinsamen Messebeteiligung in Leipzig soll im Tagblatt erscheinen. Am Nachmittag habe ich ein spezielles Treffen in der Bibliothek im Sitterwerk. Megi Zumstein und Vincenz haben mit ihrer Fachklasse der Hochschule Luzern Bücher entworfen, die alle fiktiv im Vexer Verlag erschienen sind. Ein spannendes Projekt, das die Arbeit und die Atmosphäre in der Kunstgiesserei und in allen angesiedelten Bereichen des Sitterwerks beleuchten. Das offizielle Gespräch mit den beteiligten und die Diskussion über den Sinn und Zweck von Büchern hat grossen Spass gemacht.

 

3. März: Wir müssen früh losfahren in Italien. Ich bin total geschafft von der strengen Holzerei.  Das Aufräumen im Wald hat für mich aber immer auch einen grossen Erholungseffekt. Müde und sehr froh gestimmt fahren wir in die Schweiz. Vanja müssen wir in Lugano zum Bahnhof bringen. Sie erträgt die Autofahrerei überhaupt nicht. Ja der kleine Umweg ist immer noch besser, wie wenn sie mir in den Kragen gekotzt hätte.

 

Am Abend bereitete ich im Atelier den Transport meiner Waldbilder für das Historische Museum in Nyon vor. Kaum waren wir zu Hause musste ich gleich wieder ins Atelier. der Transporteur wollte schon am Abend und nicht erst am Morgen früh vorbei kommen. Der gute Mann für dann an unsere Privatadresse, wir warteten eine Stunde und hatten so einen richtig netten Abend im ungeheizten Atelier. Scheisse!

 

Dieses mal fahren wir durch den Gotthard. Ich habe einen Baustellentermin in Aarau.  Leider ist keiner da. Die Besprechung wurde abgesagt. da ich mich immer noch standhaft weigere mit einem Handy herumzulaufen, bin ich quasi selber schuld. Aber ich fahre lieber einmal zu viel nach Aarau als dass ich rote Ohren und im Alter einen Matsch im Hirn riskiere.

 

27. Februar: Wir fahren am morgen früh los nach Agrano in Italien. ich freue mich sehr unsere Freunde und den kleinen Mammutbaum "Felice" wiederzusehen.

26. Februar: Ich habe den ganzen Tag Holzschnitte gedruckt. Um 18 Uhr kommt Anastasia Katsidis vorbei. Sie hat mich eingeladen für ein Abendprogramm in ihrer Ausstellung im Regierungsgebäude des Kantons St.Gallen. Ich wurde für den Sonntagabend 27. April eingeteilt. Um 17:00 Uhr. Mein Programm heisst: Josef Felix Müller erzählt, Li Tavor singt. Li hat eine fantastische Stimme. ich bin sehr glücklich, dass sie für diesen Abend zugesagt hat.

25. Februar: Ich drucke den ganzen Tag zusammen mit Helmut Sennhauser. Sehr anstrengend. Am Abend habe ich eine Sitzung mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St.Gallen. Diese Treffen sind immer sehr interessant. Die Personalführung im Schulamt wird verglichen mit der Privatwirtschaft. Interessant. Es gibt immer etwas zu lernen.

24. Februar: Am Morgen habe ich viel Bürokram erledigt und am Mittag habe ich Eveline besucht in den neuen Räumen des KV neben der Lokremise in St.Gallen. Das Haus wurde vom Atelier Felix Sigrist entworfen. Für mich ist das einer der gelungensten Bauten von diesem Büro. Schlicht, sehr schön und zweckmässig. Die Einfachheit des Gebäudes überzeugt mich total. Das Mittagessen in der Lokremise war wirklich OK. Von Eveline habe ich viel über ihre Verbandsarbeit gelernt.

Am Abend fuhr ich nach Winterthur. Wir planen eine neue Publikation für die XYLON Schweiz. Die Künstlervereinigung feiert dieses Jahr den 70. Geburtstag. Wir machen eine Edition zum Thema Selbstbildnis, mit viel Text und den Köpfen der jetzigen Mitglieder. ich hoffe natürlich dass alle mitmachen.

23. Februar: Eine ruhige Sonntagsfahrt von Bern zurück. Am Abend besuchen wir das Konzert des Komponisten Alfons Karl Zwicker "secretum", 8 Stücke nach den Urzeichen des i-ging bei "Klein aber fein" in St.Gallen. Deborah Walker, Cello und Charlotte Testu aus Paris interpretieren und spielen die Stücke in einer hoch energetisierten Art und Weise. Die Beiden haben meine Moleküle richtig durcheinandergemischt und neu geordnet.

22. Februar: Wir sind den ganzen Tag unterwegs und machen eine sehr schöne Schneeschuhtour im Berner Oberland, geführt von Markus Zürcher. Ein Geburtstagsgeschenk an alle Gäste von Susi. Am Abend sind wir zum Essen eingeladen in der Haberbüni in Bern Liebefeld. Ein sehr gutes Essen mit sehr gutem Wein in einer tollen Atmosphäre.

21. Februar: Am Morgen früh Fahrt nach Aarau. Sitzung mit der Baukommission. Monika sieht die fertig montierte Fassade das erste Mal. Ein emotionaler Moment. In den nächsten Wochen muss ich mich entscheiden, wie die Elemente lasiert werden sollen.
Am Mittag fahren wir nach Burgdorf zu Joelle Lehmann und Kaspar Kobel. Mit Kasper habe ich schon drei Bücher gemacht aber wir haben uns nie getroffen. Alles ging reibungslos per Telefon und Mail. Angefangen hat die Zusammenarbeit vor zwei Jahren mit dem Dada Modul der ZHdK. Jetzt ist das neue Buch von Wolfram Lotz "Erscheinungen" im Druck. Höchste Zeit, sich endlich persönlich kennen zu lernen. Joelle und Kasper wohnen mit ihrer Familie in einem sehr schönen Haus im Zentrum von Burgdorf. Joelle zeigt uns ihre neuen Fotoarbeiten und Bücher. Das Projekt “100 things stolen by my father” ist so überzeugend, dass ich das Buch gleich veröffentlichen möchte.
Das Museum Franz Gertsch ist leider geschlossen. Ausstellungsumbau. Ja dann kommen wir halt ein Andermal wieder. Am Abend fahren wir nach Bern zu Susi und Hugo. Ein schöner gemütlicher Abend.

20. Februar: Drucken ist angesagt. Früh aufstehen. 

19. Februar: Fahrt nach Bern. Mittagessen im Hotel Schweizerhof. Ein gutes Gespräch zu dritt. Alles kommt gut.

18. Februar: 10:00 Uhr, Farbbemusterung für die Fassade in Aarau. Anschliessend Fahrt nach Basel. Künstlerbücher bei Stampa, dann Besuch der Ausstellungen in der Kunsthalle und im Architekturmuseum. dann Fahrt nach Zürich. Kunsthalle, Migros Museum, Kunstgriff, Bob von Orsow, Fremond Gut, Francesca Pia, 3 x Hauser und Wirth wegen Roman Signer, Eva Presenhuber hoch zwei, Maya Hofmann Projekte, etc. Im ganzen Haus habe ich gut gezählt sieben Besucher angetroffen. Etwas scheint mit dem Konzept nicht ganz aufzugehen im Löwenbräu. Die arbeitenden Menschen waren entweder total versunken in irgendetwas und ganz stumm, einige waren wach und nett. Kunst vermittelt hat niemand. Ich gehöre ja eher zu den Profis im Kunstbetrieb. Was machen Menschen, die sich nicht auskennen in der Kunstwelt?

Am Abend eine tolle Vernissage in der Grafischen Sammlung der ETH mit Erik Steinbrecher. Kunst macht dann Spass, wenn alles und alle da sind und der Wein und das Essen schmeckt.

16. Februar: Startersitzung in Luzern für das geplante Buch von Monika Günther und Ruedi Schill. Darauf freue ich mich sehr.

15. Februar: Monika hilft mir beim Drucken der "Hirtenhose". 390 x 240 cm. Frisch gebügelt sieht das Teil recht gut aus. Die Hose vom Hirten ist schön gross geworden. Da passt fast jeder rein.

14. Februar: Piaza del Uomo. Haareschneiden.

13. Februar: Treffen mit Kaba in Aarau. Eine gute Wendung. Die Eröffnungsausstellung im Foyer des Stadtmuseums wird der Architektur und der Kunst gewidmet.

11. Februar: Drucken bei Helmut Sennhauser.

10. Februar: Am Morgen um 10:00 Uhr besuchen wir die Lesung von Michael Guggenheim in der Freihandbibliothek. Ein Buch für uns und eins als Geschenk gekauft.

9. Februar: Familienrat im Sternen Gais. Ehrlich, ernsthaft, konstruktiv und verbindend!

8. Februar: Am Nachmittag kauften wir ein Stück Lachs. Ich übernahm am Abend das Kochen. Als erstes setzte ich einen grossen Topf mit Wasser auf. Ich schnitt Krautstiel und Lauch in feine, ca. fünf cm lange Streifen und warf das Gemüse ins gesalzene Wasser. Dann schnitt ich eine grosse Schalotte, Petersilienstengel und Knoblauch zurecht. Das Gemüse liess ich ein paar Minuten kochen und gab dann diese breiten, gerippten Mafianudeln zu den Gemüsestreifen. Derweil dämpfte ich die Zwiebeln etc. und löschte das ganze mit Weisswein ab. Die mundgerechten Lachsstücke legte ich in die heisse Bratpfanne als die Nudeln fast al dente waren.  Nach dem Anbraten der Lachsstücke fischte ich die Nudeln und die Gemüsestreifen aus dem Wasser und gab sie in die Bratpfanne. Obendrauf frische, flache, feingehackte Petersilie, frischen Pfeffer und feinstes Salinensalz aus Mallorca. Dazu einen einfachen Salice Salentino aus Sardinien.

OOOOHHHH!!!

(Gleichzeitig schlötterlete in dieser Zeit bereits das von Monika vorbereitete Kaninchenragout auf meinem Holzkochherd für den Sonntagabend) Duft aus allen Rohren!

6. Februar: Besichtigung des ersten Holzdrucks bei Helmut Sennhauser, den wir vor zwei Wochen in einem neuen Verfahren gedruckt haben. Monika ist begeistert und das heisst etwas!

4. Februar: Zusammen mit Peter Emch und René Fehr-Biscioni haben wir heute den 86 jährigen Holzschneider Heinz Keller und seine Frau Sylvia in Seen bei Winterthur besucht. Eine eindrückliche Begegnung mit einem Meister seines Fachs. Manchmal scheint die Zeit für einen Moment still zu stehen.

Anschliessend bin ich nach Aarau gefahren, habe Japanisch gegessen und dann beim Erneuerungsbau des Stadtmuseums den Arbeitern beim Montieren meiner Betonreliefs zugeschaut. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, wenn nach fünf Jahren künstlerischer Arbeit plötzlich mein Werk durch wildfremde Arbeiter vor meinen Augen aufbaut wird. Es ist wie ein Film in Zeitlupe.

3. Februar: Ein vergnüglicher Abend in der Kellerbühne mit Arno Camenisch und Chistoph Brantschen. Die zwei Antihelden Fred und Franz sind zwei wirklich furchtbare Typen, denen man aber beim besten Willen nicht böse sein kann. Arno Camenisch hat mit diesem Text ein eigentliches Musikstück geschrieben. Es ist keine leichte Aufgabe für Chrigel am Piano, diese Musikalität zu übertreffen.

31. Januar: Super Nachrichten. Die Gemeinde Teufen und der Kanton Appenzell Ausserrhoden unterstützen unseren gemeinsamen Messeauftritt in Leipzig. Ich habe mich diese Woche entschlossen das neue Buch  "Erscheinungen" mit Wolfram Lotz, der in Leipzig lebt sofort fertig zu machen. Diese Entscheidung nach einer schlaflosen Nacht hat vieles in grosse Fahrt gebracht. Nun planen wir eine Doppellesung in einem Ausstellungsraum in Leipzig. Plötzlich macht alles grossen Spass. Jetzt sind auch noch die Vexer Bücher "Geldräume" von Thomas Mühlenbach, "Das Haus - ein Bericht" von Walter Morgenthaler und Ute Schendel und "Klartext" von Peter Liechti ausgewählt worden für die Schweizer Buchpräsentation vom SBVV am grossen Schweizer Messestand.

30. Januar: Grosse Aufregung herrscht. In Aarau sind die ersten Betonplatten beim Stadtmuseum montiert worden und ich kann hier nicht weg.

29. Januar: Ich bin die ganze Zeit am sinnieren, wie wir den Messestand an der Buchmesse in Leipzig gestalten könnten. Wir planen einen gemeinsamen Messeauftritt mit der Verlagsgenossenschaft St.Gallen. Und dabei male ich immer noch an meinen Türrahmen herum mit einem dunkeln Quarzgrau. Am Abend treffe ich zur Aufheiterung Ute Schendel und Walter Morgenthaler im Concerto zum Apéro und dann erzählten mir die Beiden, dass die Witwe von Remy Zaugg auf eine schreckliche Art Ermordet wurde. Ich habe das gar nicht gelesen und in Solothurn war das überhaupt kein Thema.

28. Januar: Gegen Abend bin ich mit Stefan Rohner und Mirjam Kradolfer nach Vaduz gefahren. Die Beiden haben eine beeindruckende Ausstellung im Engländerbau eingerichtet. Antarktische Kühle herrscht im Raum. Ein riesiger Schlafsack in Überlänge, für sieben Personen hat mir sehr gefallen und die Trommel in der Grösse eines ganzen Kuhfells würde ich gerne mal zu siebt bespielen und anschliessend schlafen im siebenteiligen Schlafsack. Das wär doch was oder?

27. Januar: Ein guter Tag. Das Leben ist wie ein unergründlicher Irrgarten. Frau Gehrer von der Raiffeisenbank möchte aus mir einen E-Banking Kunden machen. Ich glaube jetzt bin ich reif dazu. Frau Gehrer hat eine Beförderung verdient!

24. - 26. Januar: Wir fahren an die Solothurner Filmtage. Für Peter Liechti ist eine Retrospektive seines filmischen Werks organisiert worden. das ist eine tolle Sache. Monika und ich haben uns nach dem Apéro im Rittersaal in die Wogen des reichhaltigen filmischen Angebots des Festivals eingelassen. Wir haben gelernt, geduldig in endlos langen Warteschlangen zu stehen, mit wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen, unseren Hunger mit Sandwiches zu stillen, die ersten Filme ohne Frühstück anzuschauen und in einem mit Himbeerduft erfüllten Motel in Derendingen zu nächtigen. Die Zeit in Solothurn hat uns richtig weich geklopft und wir konnten erleben, wie viele Emotionen durch gute Filme transportiert werden können. Dazu gehörte auch ein spannender Abend mit Roberto Medici und Brigit. Ein inspirierender Austausch mit Essen, Trinken und Plaudern über Kunst, Kultur und bereits verstorbene Freunde.  

23. Januar: 9:48 Abfahrt des Zuges ab HB St. Gallen nach Aarau. Ich besichtige den Rohbau des neuen Stadtmuseums und bin total begeistert von den neuen Räumen. Die Aarauer bekommen ein wirklich tolles Museum. Wir essen anschliessend ein feines Japanisches Gericht und fahren dann nach Dällikon, um die Betongüsse für das Schlössli Aarau zu besichtigen. Ich bin so erleichtert.
Am Abend erwarten wir in St.Gallen Julian Sartorius zur Betrachtung und Bewertung der Plattenhüllen. Die Auswahl ist nicht einfach. Am Schluss sind wir uns aber einig und entscheiden uns für eine gute Lösung.

22. Januar: Um 11:15 ein intensives Treffen mit Ulrike Jehle. Um 16:00 Uhr bin ich mit Helmut Sennhauser verabredet und uns gelingt ein wunderbarer Probedruck mit einem neuen Druckverfahren, auf einem erstaunlich billigen Papier. Um 18:30 Uhr bespreche ich mit Ramon Lenherr die neu entstandenen Plattenhüllen der Grafikfachklasse für die Duets von Julian Sartorius.

20. Januar: Ein kurzes aber interessantes Treffen mit Hansjörg Bachmann. Er zieht um nach Biel.

18. Januar: Ich bin nun schon die ganze Woche am bemalen von Türen. Es scheint nicht aufzuhören. Ich sehe nur noch Türen - Türen - Türen. Am Nachmittag machte ich eine Pause, um mit Monika die Zeichnungsausstellung bei Christian Röllin anzuschauen. Es hatte erstaunlich viele Besucher an der Finissage.

17. Januar: Frühstückskaffee mit Marcus Gossold im Gentile. Wir möchten einen kleinen Blog einrichten für den noch jungen Freundeskreis der Schule für Gestaltung in St.Gallen. Die Adresse: www.laut-denken.ch ist bereits reserviert und wird gegen Ende Januar aufgeschaltet sein.

Um 10.30 Uhr findet an der Tellstrasse eine Eröffnung mit Arbeiten von jungen internationalen Kunstschaffenden statt. Thamar Ette hat aus den Eingaben von 700 Künstlern drei Positionen ausgewählt, die nun für ein halbes Jahr in diesem Gebäude der Uni St.Gallen präsentiert werden. Ein guter Moment, um Felice Varini zu treffen, der im Moment eine Arbeit an der Universität realisiert. Roman Signer war auch da. So gibt es immer wieder Gelegenheit herzhaft zu lachen. Auf Grund eines interessante Gesprächs mit Thomas Geiser habe ich am Nachmittag gleich die zwei Bücher "Schöne Bescherung" und "Das Gefängnis der Wünsche" seines schreibenden Bruders Christoph Geiser bestellt. (Ich mag schliesslich den heiligen Sebastian mit den vielen Pfeilen)

15. Januar: Um 10:00 Uhr hat Urs Burger vom Kunstmuseum St.Gallen die erste skulpturale Arbeit von Roman Signer aus dem Jahr 1972 für die Ausstellung Post/Postminimal abgeholt. Signer ist 1972 von einem Hocker auf einen ca. 30 cm x 30 cm x 10 cm grossen, frisch modellierten Ton Klotz gesprungen. Die Arbeit heisst Selbstbildnis aus Gewicht und Fallhöhe und zeigt die tiefen Abdrücke der Füsse des Künstlers.

14. Januar: Um 11:00 Uhr treffe ich mich mit Ramon Lenherr an der GBS. Er hat mit der Grafiker Klasse LP Hüllen mit Booklets entwickelt für eine Produktion von Julian Sartorius. Die 13 Studierenden haben wirklich starke und sehr unterschiedliche Vorschläge erarbeitet. das wird sicher schwierig eine Auswahl zu treffen.

Am Nachmittag bin ich nach Zürich gefahren und hatte vor einer eventuell schicksalshaften Sitzung noch Zeit für einen Blitzbesuch im Haus Konstruktiv. Ich habe einen Artikel über den Konkreten  Hans Jörg Glattfelder gelesen und wollte mir das kurz anschauen.

13. Januar: Ich habe damit begonnen zu Hause alle Türen und Rahmen mit einem dunkeln Quarzgrün zu bemalen.

12. Januar: Heute um 10.30 Uhr machte Peter Liechti eine Signierstunde an der Brauerstrasse. Ich habe immer wieder Anfragen für signierte Bücher. Derr nun angelegte Vorrat sollte eine Weile reichen.

Am Nachmittag waren wir eingeladen zu einer Führung durch die Ausstellung von Mona Hatum im Kunstmuseum. Daniela Mittelholzer hat das spannend und kompetent gemacht. Ausstellungen gemeinsam anschauen und diskutieren bringt immer wieder neue Aspekte.

11. Januar: Wir sind früh losgefahren mit dem Zug, um die zwei Ausstellungen von Thomas Schütte zu besuchen. Zuerst mit dem Voralpenexpress nach Luzern (der Name ist schneller wie die Bahn je fahren kann). Das Kunstmuseum zeigt Architekturmodelle, Holzschnitte und eine 23teilige Mappe mit Tiefdrucken zum Thema "Behausungen". Die Ausstellung ist sehr schön aufgebaut und ermöglicht einen abwechslungsreichen Spaziergang durch unterschiedliche mentale Räume. Das spannende ist, dass sich die Dimensionen der Modelle immer wieder abwechseln. Dadurch verändert sich der eigene Massstab des Körpers vom winzig Kleinen zum riesig Grossen.
Anschliessend sind wir durch sehr merkwürdige Siedlungsgebiete bis nach Basel gefahren und besuchten die Ausstellung in der Fondation Beyeler. In dieser Präsentation steht das bildhauerische und das zeichnerische Werk von Thomas Schütte im Mittelpunkt. Auch hier ist es interessant zu sehen, was in der Wahrnehmung passiert, wenn sich die Dimensionen eines Werks verändern, vom verspielten Modell und Puppenartigem zur monumentalen Materialität. Das hat den Effekt, wie wenn ein Kind beim Spielen die eigenen Spielsachen plötzlich als echte, bedrohende Monster empfindet. Was ist Spiel und was ist Wirklichkeit. In einem Raum liegen unterschiedlichste, modellierte, polierte, zerstückelte, verformte, gegossene, geschönte und geschundene Frauenkörper auf schweren Metalltischen. Eine Art Seziersaal des Künstlers und der Künste. Die Ausstellung ist unter Anderem auch eine ironische und listige Auseinandersetzung mit den Veränderungen in der Gesellschaft und der Kunst der letzten Jahrhunderte. Das spürt man direkt, wenn man den Rundgang durch das Museum fortsetzt in die Räume mit Werken von Picasso, Calder, Giacometti,  Barnett Naumann, Louise Bourgeois etc. Thomas Schütte ordnet sich in diesem Kontext naht- und mühelos in ein Gesamtbild der Kunstgeschichte ein. Er stellt künstlich her, was die Fratzen, Köpfe, Krieger, Engel und Heiligenfiguren an historischen Bauwerken durch die Witterung und den sauren Regen in den letzten Jahrhunderten an Zersetzung erlebt haben.
Ein toller Tag!

10. Januar: Von 10.00 bis 19.00 war ich teil der Jury vom TanzPlan Ost. Zusammen mit Andrea Eugster, Gisa Frank, Giovanni Netzer, Claudia Rosiny, Peter Schelling und Brigitte Walk haben wir den ganzen Tag über mehr als vierzig Projekte diskutiert. Als Beisitzer waren dabei: Christoph Gorgé, Aline Feichtinger und Fabienne Duelli. Die Moderation oblag Margrit Bürer. Ich bin sehr erfreut und überrascht über die Vielseitigkeit und das Niveau der Ostschweizer Tanzszene. Es ging bei der Beurteilung der Stücke nicht nur darum, die überzeugendsten Produktionen auszuwählen. Das Ziel der Jurierung war auch, ein stimmiges Programm vorzuschlagen, das auch in allen technischen Belangen durchführbar ist. Das war ein anregender und spannender Tag für mich. Ich freu mich schon auf das Tanzfestival TanzPlan Ost 2014, das am 14. bis 17. August in der Lokremise beginnt und dann auf weiteren Bühnen aufgeführt wird. Erst dann werden wir sehen, ob unsere Beurteilungen der Stücke ein stimmiges Gesamtprogramm ergeben.

9. Januar: Gegen Abend bin ich in die Stadt gefahren, um bei Anita Sonnabend im BazarBizarr ein kleines Aquarell von Lika Nüssli abzuholen. Das Linsenbühlquartier wirkte auf mich wie ein Schrebergarten. Alle pflegen ihr eigenes Gärtchen, ihren Parkplatz, ihr Gewerbe oder das Puff und schauen ganz genau wie und warum sich wer und was bewegt im Quartier.

7. Januar: Och - heute ist schon wieder so viel passiert mit Anfragen, Nachfragen, und Telefonaten. Alle scheinen wieder an den Start gegangen zu sein. Hoch motiviert und überzeugt vom eigenen Können wird im Moment vieles herumgeschickt, das im Zweifel während des Jahresendes liegen geblieben ist. Wie von unberechenbaren Lawinen werde ich zugeschüttet mit Manuskripten, Gedichten, Zeichnungen, Fotoserien, mit verlockenden Angeboten für meine berufliche Zukunft, Restposten im Ausverkauf und mit Anlageprodukten.

Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Das Leben ist ein Spiel! Wir wollten das wissen und haben uns spontan zu einem Theaterbesuch in der Lokremise entschlossen. Wir mögen den Schauspieler Marcus Schäfer und er spielt im Moment den Andrew Wyke im Stück "Revanche" von Anthony Shaffer. Für die Vorbereitung des Stücks haben laut Programmheft 33 Leute gearbeitet. Von drei angesagten Schauspielern waren nur zwei da, nämlich der Marcus Schäfer und der Julian Sigl. Die zwei haben sehr überzeugend für drei gespielt. Das Publikum war im Schnitt schon etwas angegraut. Das drückt dann halt beim Einen oder Anderen auf die Blase oder auf das Gemüt und ein Hörgerät kann dann schon auch mal richtig pfeifen in den Ohren. Ein gelungener Abend! Pedro Lenz und seine Freundin Nadine waren auch da und mir ist ohne Witz wirklich das rechte Bein eingeschlafen.

Im "Programmheft" hat es neben einigen mageren Informationen zum Stück und den Mitwirkenden sage und schreibe zwanzig Farbseiten Werbung von: Swiss Casinos St.Gallen, Feinbäckerei Schwyter, viegener optik, St.Galler Kantonalbank, Max Pfister Bürobau AG, City Garage AG, Pricewaterhouse Coopers AG, Tschudy Druck AG, Priora AG, Ruckstuhl Transporte AG, Baumgartner Kaffee und Tee, Hofstetter Leder und Pelze, Restaurant am Gallusplatz (der ist doch Pleite - oder?) Markwalder + Co. AG, Kultur im Bären Häggenschwil, Helvetia Versicherungen St.Gallen-Appenzell, Frischknecht Juwelier, Raiffeisenbank St.Gallen, Eigenmann Bedachungen, Monsieur Rorschach (salü Kaspar, lange nicht gesehen), Rhomberg Schmuck für besondere Momente, Furter & Furter Verwaltungen etc., Fischer Papier, Sproll & Ramseyer mit dem richtigen Riecher, Christoph & Raffael Sprenger Geigenbau(da muss ich wieder einmal ein geschnitztes Kotelette vorbeibringen - gell), Herold Taxi, PP Autotreff, Bank Julius Bär und dem Ristorante Segreto.
Kultur PUUR!
Das Heft habe ich günstig gekauft für 5 CHF und dann zu Hause gleich entsorgt.

6. Januar: Heute ist ein sehr spezieller Tag. Monika beginnt ihre Tätigkeit als selbständige Organisationsentwicklerin, Beraterin und Coach. Unser Wohnhaus wird immer mehr zum Arbeitsort. Wir sprechen uns jetzt als Herr und Frau Müller an und bitten uns gegenseitig zum Tee oder Kaffee. Ich spiele den internen Pöstler und den hauseigenen Putzdienst und Monika sorgt dafür, dass ich in Zukunft keine organisatorischen und unternehmerischen Leerläufe mehr unternehme und dass unsere Firmenkulturen zusammen wachsen können. Als Einstand kocht mir nun Frau Müller eine Pasta mit "SOBRASADA EXTRA PIC." aus Mallorca. Das riecht schon ganz angenehm nach einem sehr guten neuen Jahr.

5. Januar: Peter Schweiger und Petra Ronner luden ein zum Fest im Theater Rigiblick in Zürich. Ein schön bunter Abend mit vielen Bekannten zum 75. Geburtstag von Peter. Alle Mutigen konnten einen Auftritt von 75 Sekunden darbieten. Überraschend, unterhaltsam und angenehm. 

4. Januar 2014: Ein angenehmer Rückflug nach einer wunderbaren, intensiven Woche auf Mallorca. Ich habe diese Insel total unterschätzt. Ich bin richtig erfüllt von den unterschiedlichsten Kulturlandschaften, den Menschen, Dörfern und Städten. Wir haben täglichen eine andere Gegend erkundigt. Auf einem Spaziergang am Meer bei den Salinen fand ich zufällig ein e.phone in einem Algenteppich. Es ist unglaublich wie viele Informationen bei einem Verlust dieses Teils verloren gehen. Hunderte von E-Mails, SMS, Adresskarteien, Telefonnummern und tausende von Fotos etc. So viele Informationen will und kann ich gar nicht herumschleppen. Nach intensiven Recherchen war es uns möglich, die Besitzerin ausfindig zu machen und Claudia konnte der Hilli aus Deutschland das Mobile  zurückgeben. Ein erstes Glück im neuen Jahr.

In der Neujahrsnacht haben wir im Club von Mirco und Claudia in Palma die ganze Nacht durchgetanzt, aus Spass und um nicht einzuschlafen.

28. Dezember: Ab in den Süden nach Mallorca. Wir wurden sehr herzlich empfangen von Claudia Höhener von der Finca la Vita e Bella. Diese Finca liegt ziemlich genau in der Mitte der Insel und ist sehr zu empfehlen. 

27. Dezember: Wir hatten richtig schöne geruhsame Tage. Am Nachmittag des 24. sassen wir mit Vera, Menga, Fredi, Theo, Vanja, Iréne und Max zum traditionellen Lyoner - Apéro zusammen. Am Abend kochten wir mit Nachbarn und Freunden ein fulminantes Essen.

24. Dezember: Marcel Elsener hat heute einen grossen Artikel über die Zukunft der Schule für Gestaltung im St. Galler Tagblatt geschrieben. Dabei geht es unter Anderem um die Idee, die Schule im alten Zeughaus bei der Kreuzbleiche unter zu bringen.  Die zuständigen Ämter haben sehr nervös und ungehalten reagiert. Ich finde, die Schule für Gestaltung könnte sich in einem eigenen Gebäude viel besser entwickeln und positionieren. Zudem wäre diese Lösung sehr viel kostengünstiger wie ein Neubau für die Gewerbliche Berufsschule. Die Sparpolitiker müssten eigentlich dieses Nutzungskonzept des Zeughauses sofort mit grosser Begeisterung aufnehmen und weiterverfolgen. Der Bauchef Willi Haag hat in diesem Artikel den Satz des Jahres kreiert. Er sagt zur Nutzung des Zeughauses durch die Schule für Gestaltung, dass diese Idee bei der Planung tatsächlich "eine Option einer Variante" gewesen sei.

Das ist doch toll! EINE OPTION EINER VARIANTE. Diese Aussage ist wahrhaftig ein verbales Kunstwerk. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk an alle kreativen Menschen.

22. Dezember: Nach unserem gestrigen, stimmigen Familienessen bei Ursula und Martin im Sternen Gais visionierte ich heute mehr als sieben Stunden Filmmaterial für den Tanzwettbewerb "Tanzplan Ost" und habe erst die Hälfte gesehen. Eine überwältigende Vielfalt von tänzerischem Ausdruck, der da vor mir liegt.

20. Dezember: Die Reaktionen auf den Anlass in der Lokremise waren überwältigend. Das Thema einer eigenen Schule für Gestaltung scheint sehr viele zu bewegen bis hinauf in die höchste Politik. Ich habe keine Ahnung warum das Amt für Bildung und das Bauamt des Kantons derart nervös reagiert. Es macht den Anschein, wie wenn noch eine Bombe im alten Zeughaus lagern würde.

18. Dezember: Ein legendärer Abend in der Kunstzone in der Lokremise in St.Gallen. Wir organisierten ganz spontan ein offenes Podium zum Thema: "Laut denken, Zukunft, Schule für Gestaltung?"

Das Setting war so, dass alle Teinehmenden fünf Minuten Redezeit in Anspruch nehmen konnten. Bis zum Schluss waren  weit über 150 sehr engagierte und interessierte Leute aus der ostschweizer „Kreativwirtschaft“ in der Kunstzone.

Dabei wurden zwei Stunden lang interessante und engagierte Voten für die Schule für Gestaltung abgegeben. Den Anfang machte die engagierte Lehrgangsleiterin des Probedeutikum Susanne Albrecht. Sie votierte für Sorgfalt und Analyse und für eine Schweiz weite  Regelung der notwendigen Vorbildung für den Eintritt in Fachhochschulen im gestalterischen Bereich. Weiter spachen u. Anderem: HJ Bachmann , Oliver Ruess, Karl Führer, H.R. Fricker, Beathe Rudolf, Norbert Völkle, Paul Rechseiner, und viele Andere.

Ich persönlich kannte nur ca. einen Drittel der Rednerinnen und Redner.

Der ganze Anlass verlief in einer aufgestellten, ruhigen aber engagierten Atmosphäre.

Es gab sehr viele schriftlich vorbereitete Statements und auch einige ganz spontane Reden.

Die spürbare Redefreude und die positiven Energien waren ein sehr erfreuliches Erlebnis.

An diesem Abend hat sich wirklich etwas ereignet.

Zur grossen Überraschung sprach dann auch der freigestellte Thomas Gerig, Er brachte die notwendige Sanierung der GBS ins Spiel und die Möglichkeit, vor den Renovationsarbeiten die Schule für Gestaltung in das alte Zeughaus bei der Kreuzbleiche zu verlegen.

Der Wunsch nach einer selbstständigen Schule für Gestaltung wurde von mehreren Votanten angeregt.

Als Ergebnis wurde gestern ein „Freundeskreis Schule für Gestaltung“ gegründet. Diesem sind gestern ca. 100 Leute beigetreten. Der Freundeskreis wird sich Anfang Januar zu einer Aussprache treffen. Ich bin gespannt was dabei heraus kommt und ich hoffe auf ein gemeinsames, konstruktives Weiterdenken.

17. Dezember: Jahresessen mit dem Pädagogischen Beirat der Stadt St.Gallen im Baratella. Gut gegessen, viel diskutiert und viel gelacht.

16. Dezember: Alle Bürofreundinnen und Freunde von Monika waren bei und zu einem Abschiedsessen eingeladen. Ich habe im Freien zwei Biohühnchen auf dem offenen Feuer, am Drehspiess gebraten und immer wieder mit einem Zitronen-Senf Jus übergossen. Ein heiteres Znächtle war das 

15. Dezember: Monika hat ein schönes Essen vorbereitet. Ein schönes Wochenende mit unseren Freunden Susi und Hugo, incl. Spaziergang und vielen Gesprächen.

13. Dezember: Am Abend besuchten wir ein sehr schönes Konzert in der Aula der Kantonsschule. Alte Schweizer Volksmusik, interpretiert von der Gruppe Tritonus und Volksmusik aus Anatolien. Organisiert hat den Anlass eine junge Kantischülerin, die zu diesem Thema die Maturaarbeit geschrieben hat. Ein voller Saal, unterschiedlichste Menschen, interessante Musik und überraschende Gemeinsamkeiten, mindestens in der Gefühligkeit der Musikerinnen und Musiker. Sehnsucht, Schmerz, Liebe und Tod. Immer ein Grund die Seiten und die Flöten zum jammern zu bringen.

10. Dezember: Brigitte Schmid Gugler hat einen tollen Artikel über die Verlagspräsentation und vor allem über das wunderschöne Buch von Laurenz Olivier Schmid im St.Galler Tagblatt veröffentlicht. (Nachzulesen unter Vexer Presse) das Telefon klingelt pausenlos und das Buch ist schon bald ausverkauft.
Um 11.00 Uhr fand eine Informationsveranstaltung für die Lehrgangsleiter und die Präsidenten der Fachkomissionen an der Schule für Gestaltung statt. Es ging um die Kündigung und sofortige Freistellung von Thomas Gerig. Es ist schon verrückt. Ich hatte den Eindruck, dass das Rektorat einen neuen Thomas Gerig sucht aber einen absolut fehlerfreien natürlich.

Monika und ich feierten am Abend unsere gemeinsamen Geburtstage. Wir tranken eine gute Flasche Amarone und grillten zwei grosse Stücke Rindfleisch. Dazu machte ich geschälte und halbierte Kartoffeln im Backofen. (Etwas Salz drauf streuen genügt, Fett ist nicht nötig) Und ganz frisches Gemüse, Pilze, Zuccini, Zwiebeln und viel Petersilie mit Salz, Pfeffer, Kardamomsamen und am Schluss ganz frischen Koreander darauf. Schön und gut war es.

9. Dezember: Den ganzen Tag war ich mit putzen und zügeln beschäftigt. Nun ist mein Malatelier wieder benutzbar. Die Fotoserien von Roman Signer, Peter Liechti und von Flavio Micheli sind wunderbar gerahmt und zurück im Archiv. Ich bin gerüstet für das neue Jahr.

8. Dezember: Die Verlagspräsentation gestern war wunderbar. Die Vorträge, Performances und die Lesung von Peter Liechti sind vom begeisterten Publikum sehr gut aufgenommen worden. Ein Höhepunkt war die Darbietung von Peter Schweiger und Petra Ronner. Sie haben eine wirklich starke DADA Aufführung zelebriert. Wer die neue CD BALLADADA noch nicht gehört hat, sollte das unbedingt nachholen. Insgesamt waren gegen 200 Leute hier im Haus. Das ganze Essen und der Wein wurden spielend und mit Genuss weggeputzt. Ein grossartiger Tag. Allen die da waren ein herzliches Dankeschön!

Am Nachmittag haben wir mit Vera einen eindrücklichen Spaziergang am Bodensee gemacht. Wir haben überall nach Bäumen gesucht, die von der Biberfamilie angeknabbert worden sind. Wir blinden Sumpfhüner haben nichts gefunden. Eine Biberfamilie habe sich am Altenrhein gemütlich eingerichtet, erzählte uns der tierliebende Nachbar Hermann. Na ja, dann halt am nächsten Sonntag.

6. Dezember: Ich habe heute den ganzen Tag Werke gehängt von Flavio Micheli, Peter Liechti und Lorenz Olivier Schmid. Die Vorbereitungen für die Verlagspräsentation laufen auf Hochtouren. Am Abend habe ich auf dem kleinen Holzherd eine riesige Pfanne mit Kutteln gekocht. Monika ist gleichzeitig mit einem wunderbaren Linsengericht und einer sehr speziellen Kürbissuppe zu Gange.

5. Dezember: Der Rauswurf von Thomas Gerig von der Schule für Gestaltung wirft hohe Wellen. Thomas hat in der Weiterbildung der Höheren fachschule mehrere neue Klassen gegründet, u. A. für bildende Kunst, Fotografie, Typografie und neu soll noch Produktedesign dazu kommen. Wurde hier ein initiativer Mitarbeiter kaltgestellt? Hat das Amt für Bildung von Regierungsrat Köliker durch den Rektor der GBS, Lukas Reichle die Reissleine ziehen lassen? Wurde Thomas Gerig zu mächtig im trägen Bildungsapperat? Fragen über Fragen. An diesem Job von Thomas Gerig sind in den letzten fünf Jahren drei Personen gescheitert. Ist das ein Zeichen von organisatorischen Mängeln an dieser Schule? Ist das Management überfordert und sind die Kompetenzen unklar geregelt?

3. Dezember: Ich habe soeben von Lukas Reichle die Meldung erhalten, dass er den Abteilungsleiter Thomas Gerig von der Schule für Gestaltung entlassen und per sofort frei gestellt hat. Vor einer Woche das grossartige Resultat der Petition mit 4600 Unterschriften für moderate Schulgelder beim Vorkurs für Erwachsene und jetzt der Rauswurf. Hallo was ist passiert?

1. Dezember: Wir haben heute in St.Gallen das wunderbare Piano Konzert erlebt von Aki Takase und Alexander von Schipppenbach. Grossartig! Musik von Monk hörte ich erstmals in den Siebzigerjahren. Die Musik scheint mir heute noch sehr lebendig. Das Publikum ist aber eindeutig gealtert zu einem reifen, vielschichtigen Silbergrau mit bunten Tupfern.

30. November: Wir besuchten in der Lokremise die Verleihung des grossen Kunstpreises der St.Gallischen Kulturstiftung an Manon. Der Kunstkritiker Jörg Heiser aus Berlin hielt eine sehr stimmige Laudatio für Manon und erinnerte dabei an die Peinlichkeit Nr. 1, dass die Kunst von Frauen immer noch zu wenig präsent ist in den Museen und er erinnerte an die unverzeihliche Peinlichkeit Nr. 2, dass der deutsche Maler Baselitz immer noch findet, dass Frauen nicht so gut malen können und er doppelte im SPIEGEL ONLINE Interview noch nach "Das ist eine Tatsache". Na ja - er sagt ja auch, dass er es auch nicht kann, dass gute Künstler gar nicht gut malen können dürfen. Nach dieser Logik sind alle nicht so gut malenden Künstlerinnen eindeutig die besseren Künstler. Oder?

29. November: Am Morgen früh hat Bettina Zeitz die ersten Bilderrahmen geliefert. Unter Anderem die allererste Foto Edition von Roman Signer "Einbruch im Eis" von 1985, die ich damals für die Kunsthalle St.Gallen herausgegeben habe ist heute noch gleich frisch und aktuell. Endlich ist diese Arbeit würdig gerahmt.  

25. November: Heute konnten wir im Betonwerk Stüssi drei neue Probegüsse der Beton Reliefs für das Stadtmuseum Aarau begutachten. das sieht nun nach langem und bangem Warten sehr gut aus.

24. November: Diese Woche war nicht so lustig. Monika war krank und musste trotzdem arbeiten, da sie ihre beiden super Jobs gekündigt hat und ab 2014 als freischaffende Organisationsentwicklerin arbeiten wird. Alles ist im Umbruch und das ist gut so. Ich habe die ganze Woche mein Atelier mit meinem Lehm Ofen geheizt. Der Raum ist warm aber ich mache im Moment nur gedankliche Kunstsprünge. Ich habe das neue Buch von Peter Stamm gelesen. Nacht ist der Tag. Peter Stamm müsste mal mit einem zeitgenössischen Künstler reden. Das Künstlerbild das er beschreibt ist so klischiert, dass keine rechte Freude hochkommt. Ich habe das Buch zwar sehr schnell gelesen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich seit meiner Kindheit ein unbeschreibliches Interesse an speziellen Nasen habe. Der Schluss des Buches ist aber so trivial, dass ich richtig muffig und verärgert war. Diese malträtierte Nase hätte etwas besseres verdient.

20. November: In den letzten Monaten habe ich einen ganzen Stapel aktuelle Bücher von Schweizer Schriftstellern angeschafft. So richtig reingezogen hat mich bisher nichts.  Vor ein paar Wochen kaufte ich dann ein Buch von Daniel Kehlmann mit dem Titel "F". Auf einem schwarzen Umschlag leuchtet ein grosses, verschobenes weisses "F". Der Buchstabe hat etwas blinkend - irritierendes, wie ein leuchtendes Warnsignal. F wie Zufall, F wie ungläubig, F wie Glück und Unglück. Das Buch handelt von  einem fresssüchtigen und glaublosen katholischen Priester, seinem Halbbruder, der fremder Leute Geld verbraucht oder in den Sumpf setzt und dessen Zwillingsbruder, dem Kunstkenner, Ästhet und genialen Fälscher. Das Schicksal scheint schon besiegelt, als die Kinder mit ihrem Vater an einem Wochenende zum Zeitvertreib die Show eines Hypnotiseurs besuchen. Das Buch erzählt die von einem launischen Gott vorgesehene Geschichte von drei Brüdern. Das Spiel der Gene weist den Weg bis weit in die Zukunft und darüber hinaus. Ein grossartiges Buch. Ich habe mich schon lange nicht mehr so lange an einem Text verkrallt. Ich las auch weiter, als mir schon lange die Arme eingeschlafen waren. Der Geist blieb wach bis zum Schluss.  

19. November: Um 11:00 Uhr hat mir Dominic Anliker die letzten 17 Holzplatten zurückgebracht. In den letzten Monaten hat er alle Reliefs für die Fassade des neuen Stadtmuseums in Aarau in Matrizen gegossen. Nun ist alles bereit für den Betonguss. Am Nachmittag habe ich meine Arbeit für die 20 Jahre - Jubiläumsausstellung in der Galerie Paul Hafner fertig gemacht. Eine schwere Schachtel mit dem Titel "Wolke 1".

18. November: Heute Morgen habe ich mit einem Grafiker frühe XYLON Nummern gegen einen Holzschnitt und ein XYLON Jubelbuch getauscht. Jetzt fehlen mir nur noch die Nummern 1-10 und 21 und 23. (Wer macht mir ein Angebot?)

Der Film über den Vexer Verlag ist schon online.

http://www.art-tv.ch/10404-0-Josef-Felix-Mueller-Vexer-Verlag.html

17. November: Vera fliegt zurück nach Berlin mit einem schweren Bücherkoffer, kurzer Besuch bei Mutter, kleines Festchen bei Paul, der sechzig geworden ist.

16. November: Lucie und Kurt feiern ihre 70. Geburtstage in Weissbad. Gute Gäste, gutes Essen, sehr feine Musik und viele Gespräche. Es war eine Freude. (Tanzen war auch schön)

15. November: Vernissage bei Christian Röllin. Sangallensia V mit Zeichnungen. Eine sehr schön und stimmig gehängte Ausstellung mit Beni, Othmar, Vanja, Vera, Hans, Birgitt, Felix und Oliver. Endlich wieder einmal etwas verhängt im August.

14. November: Filmaufnahmen für ART-TV an der Haggenstrasse mit Carlos Luegstenmann. 

13. November: Ein schöner Abend mit einem Essen für die Freunde der Kunsthalle mit der legendären Fischsuppe von Agathe Nisple.

12. November: Haare schneiden.

9. November: Beerdigung von Niklaus.

8. November: Gedenkfeier für Ursula.

7. November: Eröffnung der wunderbar freien Ausstellung von Lucy Schenker im Architekturforum in St.Gallen.

5. November: Die Stadt St.Gallen hat mir den Anerkennungspreis 2013 für den Vexer Verlag verliehen. Der Abend im Palace war sehr stimmig. Rainer Stöckli hat eine literarische Laudatio für mich gehalten mit einigen spitzen Querverweisen. Das war eine richtige Performance. Ein spannender Abend mit interessanten Gesprächen und einem feinen Essen im Baratella. Mit dabei war auch die Kulturkommission und die meisten Stadträtinnen und Stadträte. Ich habe unglaublich viele Gratulationsschreiben für diesen Preis erhalten. Das ist ein richtiger Aufsteller. Jetzt freue ich mich auf neue Projekte und auf die Eröffnung vom Vexer Büro Berlin. Vera arbeitet schon intensiv daran.

31. Oktober: Lange Tage der Trauer stehen bevor.

30. Oktober: Gleich werden die Editionen von Flavio Micheli aus Italien angeliefert. Ich muss zur Haustüre, es klingelt.

29. Oktober: An diesem verlängerten Wochenende im Piemont habe ich mich mit der Sense durch grosse Felder von Brombeerstauden hindurch gemäht. Ich befreite junge Eichen, Buchen, Ahorn, Birken und viele Holunderbüsche von der erstickenden Kraft der langarmigen, tentakelnden Gewächse. Mit voller Kraft und aufkeimender Wut schwang ich die Sense gegen den dornenreichen, unkontrollierbaren Wildwuchs. Nun sehe ich aus wie ein kasteiter Glaubensbruder. Kollege Norbert stellte derweil Fallen und fing drei Schermäuse. Nun kämpfe ich mich zu Hause wieder durch meine Mailhaufen und über die Postberge.  

Am Abend besuchte ich die Lesung von Gerold Späth im Literaturraum. Gerold las aus seinem neuen Buch "Drei Vögel im Rosenbusch". Das passte sehr gut zu meinem dornigen Wochenende. Mir gefällt diese nicht zu stoppende, urige Kraftsprache von Gerold Späth. Das kleine Dorf Ernetschwil ist zufällig unser beider Heimatort. Dass dieses kleine Dorf, das immer dichter mit Einfamilienhäusern im Landhausstil zu wuchert, nun noch zu literarischen Ehren kommt freut mich sehr. Als Kind verbrachte ich viele Ferienwochen bei meinen Grosseltern in Ernetschwil. Mein Grossvater war ein gewitzter Geschichtenerzähler, dem ich stundelang zuhören konnte.  

24. Oktober: Gestern Nachmittag hatte ich endlich Zeit, die Ausstellung von Mona Hatoum im Kunstmuseum St.Gallen zu besuchen. Die frühen Videoarbeiten aus den 80er Jahren sind sehr politisch und biographisch geprägt. Die Künstlerin mit palästinensischen Wurzeln verarbeitete die Trennung von ihrer Familie, den Krieg und das Leben im Exil. Im Gegensatz zu den sehr existentiellen frühen Arbeiten kommen die neueren Werke sehr nahe an ästhetische Fragen von Architektur und Design. Die Werkinterpretationen haben mich darum ehrlich gesagt etwas Ratlos gemacht. Ich weiss wirklich nicht, ob ich Handgranaten in Muranoglas geblasen so toll finden kann. 

Zum Schluss habe ich dann im Kunstmuseum das mit sehr viel Leerraum aufgefüllte Buch von Maria Eichhorn gekauft, das im Verlag der Buchhandlung Walther König in Köln erschienen ist und das die Arbeit "Die Zeitkapsel im Wasserfall der Steinach" dokumentiert.

Heute morgen habe ich im Internet ein bisschen recherchiert zur Arbeit von Mona Hatoum und fand einen spannenden Film auf Arte TV. Die Künstlerin erzählt sehr sympathisch über ihre tägliche Arbeit. Ihr freier und spielerischer Umgang mit Kunst hat mich wirklich überrascht.  

http://videos.arte.tv/de/videos/kuenstler_

hautnah_mona_hatoum_ausschnitt_--3785846.html 

23. Oktober: Ich plane zur Zeit die Verlagspräsentation "Schnäppchen und Häppchen II" für den Samstag 7. Dezember. Das Programm an der Brauerstrasse 27 b beginnt um 14 Uhr mit Laurenz Olivier Schmid, um 15 Uhr stellt sich Patricia London Ante Paris aus München vor, um 16 Uhr präsentiert Flavio Micheli seine neue Edition "TIME AND AGAIN", um 16 Uhr tragen Peter Schweiger und Petra Ronner Dadatexte vor von ihrer CD "BALLADADA" und um 18 Uhr wird das Programm abgeschlossen durch eine Lesung von Peter Liechti. Alle Beteiligten haben bereits zugesagt. das ist toll! Nun kann ich schon bald mit Brötchen schmieren beginnen.

22. Oktober: Den ganzen Nachmittag habe ich Holz gehackt. Steinalte Eschen und Ulmenstämme von unvollendeten Skulpturen. Ich glaube etwas härteres und schwereres gibt es kaum.

21. Oktober: Heute ist mir ein sehr schönes Strassenschild aus Email zugeschickt worden. Ich bestellte das Schild in Wien, um endlich die Häuser 27a und 27b besser zu kennzeichnen. In letzter Zeit sind oft Pakete ohne Meldung zurückgeschickt worden, weil der Pöstler unsere Hausnummer nicht gefunden hat. Damit ist jetzt Schluss! Das Schild ist montiert Herr Pöstler - Augen auf!

Am Nachmittag habe ich zusammen mit Hermann die Hecke geschnitten. Das ist immer sooooo ein Spass und man bekommt immer soooo viele Komplimente.

19. Oktober: Wir erlebten einen wunderschönen Herbstnachmittag auf einem Kursschiff auf dem Hallwilersee. Emmi und Otto hatten zum Fest geladen.

18. Oktober: Die Eröffnung der Ausstellung "Das schwache Geschlecht, Neue Mannsbilder in der Kunst" am Donnerstagabend war fulminant. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern ist wirklich gelungen. Ich bin sehr glücklich mit der Platzierung meiner Skulpturen im Raum mit Martin Disler und Paul McCarthy. Was mich besonders freut sind die Texte, die Sarah Merten zu meinen drei Arbeiten geschrieben hat und die gelungene Publikation im Taschenbuchformat, die von Mirjam Fischer, Krispin Heé und Anna Haas konzipiert und gestaltet worden ist.

Am Nachmittag fuhr ich gemeinsam mit Monika von Bern nach Zürich. Monika fuhr direkt nach St.Gallen und ich schaute mir über Mittag die Ausstellung von Edvard Munch im Kunsthaus an. Eine sehr beeindruckende Präsentation von Malerei und Druckgrafik.  Um 14:00 Uhr war ich verabredet in Dällikon, für eine Besprechung im Betonwerk. Das dauerte alles sehr lange und ich war erst um acht zu Hause.

17. Oktober: Am Mittag fuhr ich mit Monika nach Bern. Wir waren in der netten Pension Marthahaus, in einem Wohnquartier in der Nähe des Hauptbahnhofs untergebracht. Wir spazierten am wild wuchernden Brunnen von Meret Openheim vorbei durch die Altstadt zur Kunsthalle. Die Ausstellung des jungen Künstlers Kaspar Müller war bereits fertig aufgebaut aber noch nicht offiziell eröffnet. Eine irritierende Ausstellung bestehend aus vielen Zitaten. Man weiss nicht, ob man sich in einer Sammlung von Gegenwartskunst befindet. Das krasseste sind die sehr schönen Julian Opie Bilder, wo man nicht weiss ob die nun echt oder nachgemalt worden sind. Man hat dauernd das Gefühl alte Bekannte zu sehen. In einer mehrteiligen Fotoarbeit wird das sehr schön durchgespielt. An zwei gegenüberliegenden Wänden sind die genau gleichen Fotos von Kindern auf einem Spielplatz, in einem anderen Massstab und in einer anderen Reihenfolge direkt auf die Wände aufgezogen. Wenn man sich die Fotos anschaut hat man dauernd das Gefühl, eins der Kinder schon einmal gesehen zu haben. Sehr schön ist auch der "Kunstspielplatz" mit dem gelben T-Shirt über einem Strassenpolder und dem blauen Kinderregenmäntelchen über einer kleinen Gasflasche. Herzig.

Vor der Previou im Kunstmuseum setzten wir uns auf die Terrasse im Hotel Bellevue. Ich sah das erste Mal die wunderschöne Bergkulisse mit Eiger Mönch und Jungfrau. Ich war schon so oft in Bern aber das habe ich noch nie gesehen. Entweder war es immer neblig wenn ich da war oder sonst muss ich vernebelt gewesen sein.

16. Oktober: Um 6:00 Uhr musste ich aufstehen um den Zug nach Buchs-Dällikon zu erreichen. Ich hatte einen Termin für Farbproben im Betonwerk. Es gibt ein Problem mit der Saugfähigkeit des Betons. Der Beton soll hydrophobiert werden, damit die Oberfläche geschützt ist und diese Substanz muss in den Beton eindringen können um die Kapillaren zu schliessen. Wir müssen nunabklären, ob das Problem an der Betonmischung liegt oder eventuell an den Matrizen.

Um 14:00 Uhr habe ich mich beim HB St.Gallen mit Vincent Lieber verabredet. Er plant eine Ausstellung zum Thema Mensch und Wald im Historischen Museum in Nyon. Das war eine sehr gute Begegnung nach mehr als 25 Jahren. Ich machte damals einige ganz kleine Lithographien als EX-Libris für ihn.

14. Oktober: Als Vorbereitung für eine thematische Ausstellung im Historischen Museum in Nyon, "Des hommes et la forêt" habe ich eine Auswahl von Malereien aus den letzten Jahren vorbereitet. Solche Präsentationen helfen mir immer, eine Ausstellungsidee zu entwickeln. Monika transportierte am Abend zusammen mit Hermann ein kleines Ausziehsofa nach Hause. Es ist erstaunlich, was alles in einem normalen Auto Platz hat. Ich habe derweil einen Gemüsekuchen gebacken, einen Salat vorbereitet und gleich auch noch Hansjörg Bachmann zum Essen eingeladen.

13. Oktober: Ein wunderschöner Tag. Meine Gereiztheit und Moderikeit konnte ich aber auch bei einem schönen Spaziergang nicht abstreifen. Es gibt Tage wo äusserlich eigentlich alles stimmt und trotzdem hängt ein trüber Sack am Rücken. Am Abend kochte ich für Vanja, Monika, Theo und mich wunderbare Omeletten mit einer feinen Hackfleischfüllung. Meine Stimmung hellte sich dann etwas auf.

12. Oktober: Am Abend bringt mir Hilde vom Rahmenladen Winterthur die zwanzig gerahmten, floralen Malereien von Teresa Peverelli und eine kleine Landschaftsfotografie von Karin Bühler. Darauf freue ich mich sehr. Zudem habe ich von mir ein sehr frühes "Pflanzengedicht" aus dem Jahr 1974 einrahmen lassen. Diese Arbeit werde ich bei Christian Röllin zeigen. Das grosse Blatt hat sich in den letzten 40 Jahren selbständig weitergemalt. Irgendwann scheint jemand zwei Gläser Wein in die Zeichnungsmappe geleert zu haben und viele Ölspritzer von meiner Motorsäge bilden einen stimmigen Hintergrund.

11. Oktober: Heute sind die letzten 19 Reliefplatten für die Fassade des Stadtmuseums Aarau bei mir im Atelier abgeholt worden. Die Matrizenherstellung bei der Ingold AG in Olten läuft sehr gut. 60 Negative sind bereits gegossen. Das neu entwickelte Gussmaterial scheint sich zu bewähren. Am Abend gibt es ein fulminantes Essen bei Andre und Ruth in Kriessern.

10. Oktober:  Am Abend habe ich Otto Heigold getroffen. Wir planen eine Edition mit neun Prägungen in einer kleinen Auflage. Als Erscheinungstermin haben wir den Frühling 2014 festgelegt. Nach dem wunderschönen Buch "Manual", das 2009 im Vexer Verlag erschienen ist, freue ich mich sehr auf eine neue Produktion. Es müssen ja nicht immer Bücher sein.

9. Oktober: Am Morgen früh brachte ich meine Beine zum Therapeuten. Mein Geist und der Restkörper schwebten neben her. Anschliessend kümmerte ich mich zusammen mit dem Spezialisten um die Heizung im Nebenhaus. Nun haben alle wieder warm.

8. Oktober: Ich war den ganzen Tag mit dem Herstellen und dem Versenden meiner Recyclingpakete beschäftigt. Jedes Buchpaket von Peter Liechti wird individuell bearbeitet, gestempelt und mit einer kleinen Zeichnung versehen. Meine momentan sehr gute Laune macht das möglich. (Ich hoffe dieser Zustand hält noch lange an)

Am Abend traf ich die Gestalterin Krispin Heé, die seit kurzem wieder in St.Gallen lebt und arbeitet. Das ist eindeutig eine grosse Bereicherung für die "Buchstadt" St.Gallen. Krispin konnte einige spannende Buchprojekte für die Edition Patrick Frey gestalten und nächstens soll ein Buch von Andy Guhl in der Edition Periferia erscheinen. Andy hätte das Buch gerne im Vexer Verlag gemacht aber ich konnte und wollte das nicht. Norbert Möslang und Andy Guhl haben eine so leidvolle Trennung in ihrer musikalischen Zusammenarbeit hinter sich, da hatte ich keine Lust mich für einen der Beiden zu entscheiden. Ich kenne und schätze ja beide Musiker seit Mitte der Siebzigerjahre. 

Krispin Heé hat übrigens zusammen mit Anna Haas das Konzept und die Gestaltung für das Taschenbuch zur Ausstellung "Das schwache Geschlecht - Neue Mannsbilder in der Kunst" für das Kunstmuseum Bern gemacht. Da bin ich mal gespannt. Ich bin immer wieder überrascht wie sich dauernd Kreise schliessen und mit neuen Inhalten und Menschen verbinden. Wir haben an diesem Abend wirklich einige spannende Themen für neue Vexer Produkte angedacht.

7. Oktober:  Ich war um 11.00 im Kunstmuseum Bern mit Kathleen Bühler verabredet um meine drei frühen Holzskulpturen aus den achtziger Jahren zu platzieren. Nun ist ein stimmiger Raum entstanden mit zwei noch nie gezeigten Papierarbeiten von Martin Disler, zwei sehr grossen Arbeiten von Paul McCarthy und meinen Skulpturen "Mann mit Kind" und "Figur mit Kadaver". Die dritte, stehlen artige Skulptur aus der Sammlung "Schweizer Kunst heute", steht in der Mitte eines Raumes mit Malerei. Es ist schon ein spezieller Moment, eigene Arbeiten nach 20 Jahren wieder zu sehen. Es ist wie mit alten Freunden die man sehr selten trifft. Auf Anhieb ist wieder eine grosse Vertrautheit da und trotzdem fragt man sich wer sich denn nun verändert hat, das selten gesehene Gegenüber oder das eigene Wesen... Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen auf diese thematische Ausstellung "Das schwache Geschlecht - neue Mannsbilder in der Kunst". Zur Ausstellung erscheint ein Taschenbuch in einer sehr hohen Auflage zu einem sehr günstigen Preis. Über meine Arbeit hat Sarah Merten, die ich heute kennen gelernt habe, einen Text geschrieben. Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl, obwohl ich diesen Text noch nicht lesen konnte. Im Museum habe ich endlich auch Klossner Franticek kennengelernt. Von im wird eine frühe, sehr humorvolle, mehrteilige Fotoarbeit präsentiert.

Am Abend hat mich Monika überrascht mit einem neuen Regal für die alten Venylscheiben und den neuen Plattenspieler. Wärend sie zusammen mit Hermann das Regal zusammenbaute bereitete ich einen wirklich gelungenen Gemüsegratin zu mit Krautstiel, frischen Karotten, Kartoffeln, Tomaten usw. Den Guss machte ich mit Eiern, Frischkäse und Kichererbsen Mehl, gemahlenen Mandeln, Ingwer und Kardamon. Dann schnitt ich die Rinde vom restlichen Sonntagszopf in kleine Stücke und ertränkte sie im Guss. Das Ganze kippte ich über das vorgekochte Gemüse. Das eingeweichte Zopfgebäck ergab dann eine wunderbar gebackene Kruste. Dazu tranken wir einen wunderbaren Wein, den Monika aus dem Piemont mitgebracht hatte und wir hörten uns zum Essen einige alte Platten mit afrikanischer Musik an. 

Ein ganz neues Lebensgefühl!

6. Oktober: Ein schöner Spaziergang mit Monika und Vanja am Bodensee bei Gaissau. Ich musste mich richtig überwinden, um das Haus zu verlassen aber es hat sich gelohnt. Anschliessend deckten wir uns in der Pasticceria La Vela in Rorschach mit süssem Gebäck ein und fühlten uns bei Theo und Ursula wie im Süden. Eine warme und offene familiäre Nähe.

5. Oktober: Diese Woche war ich alleine und nutzte die ruhige Zeit um zu recherchieren und um vieles nach zu lesen. 

3. Oktober: Gestern war ich fast zwei Stunden mit dem Ausladen und dem Einladen meiner Holzreliefs beschäftigt. Heute habe ich einen Ganzkörper - Muskelkater. Am Abend gab es ein wunderbares Essen bei Hansjörg Bachmann. Ich war eingeladen, um endlich ein sehr frühes Bild von 1979 zu signieren. Hansjörg hat während seinem Japanaufenthalt wunderbare schwarzweiss Fotos gemacht.

Diese Woche ist wirklich lesen angesagt. Antiquarisch habe ich einige frühe Bücher von Hans Boesch gefunden. Bei meiner Recherche bin ich auf die Bogendrucke gestossen, die in den 50er Jahren beim Tschudy Verlag in St.Gallen erschienen sind. Heute habe ich die vollständige Serie der 67  hortulus Zeitschriften von Hans Rudolf Hilty aus den fünfziger und sechziger Jahren bei Markus Comba gekauft, die auch im Tschudy Verlag erschienen sind. Hans Boesch wurde von Hilty stark gefördert und hat viele seiner Texte als Erstabdrucke veröffentlicht. Die hortulus Serie ist ein spannendes Zeitdokument der literarischen und der gestalterischen Entwicklung. Die Bogendrucke, die 67 hortulus Hefte, die 10 Vexer Hefte ab 1985 und die Erstlingsdrucke vom Sabon Verlag aus den neunziger Jahren ergeben eine erstaunliche Kontinuität im Umgang mit Texten. Ich hoffe, dass ich gemeinsam mit Vera vom Vexer Büro Berlin diese Kontinuität weiterführen kann. Wir sind intensiv im Gespräch über individuelle Theorien und Vera arbeitet dafür mit Erik Steinbrecher an einem spannenden Pilotprojekt. Drucksachen erzeugen grossen Spass, sind aber teuer und machen Arbeit. (Karl Valentin hätte das sicher schöner formulieren können)

30. September: Mein Tag begann sehr früh. Ich hatte einen Termin beim Physiotherapeuten. Anschliessend hatte ich vor, mit meiner Malerei weiter zu machen. Es kam alles ganz anders. Ich entschied mich für das Lesen.

29. September: Monika und ich waren eingeladen bei der Kongregation der Ilanzer Dominikanerinnen vom heiligen Josef in  Ilanz und wir sind schon um acht Uhr losgefahren. Meine Gotte feierte ihre 50 jährige Zugehörigkeit zum Orden.  Ich war beeindruckt von der Ruhe, den dieser spirituelle Ort ausstrahlt. Für mich war es auch ein Moment des Erinnerns. Als acht jähriger war ich vor fünfzig Jahren bei der Feier dabei als Schwester Gerlinde in den Orden eingetreten ist. Ich war damals und heute sehr beeindruckt und irritiert von der Wahl zu einem solchen Lebensentwurf. Eine unerwartete und überraschende Zeitreise.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ich  nahm den Zug nach St.Gallen und Monika fuhr mit dem Auto direkt nach Italien.

28. September: Heute war ich sehr früh im Atelier und habe eine kleine Ausstellung eingerichtet für die Gesellschaft zur Förderung des Stadtmuseums Aarau. Die grosse, sehr interessierte Gruppe traf um 10.30 bei mir ein und blieb bis nach 12 Uhr. Ich finde das immer sehr spannend mit hochmotivierten Menschen über Kunst und Kultur zu diskutieren und zu referieren.

27. September: Ich habe per Post eine schöne Sendung von mehreren frühen Werken des Schriftstellers Hans Bösch erhalten, die ich antiquarisch gefunden habe. Hans Boesch ist für mich als Schriftsteller ein ähnliches Kaliber wie John Berger. Beide beschreiben eine bäuerische, einfache Welt, die so bald nicht mehr existieren wird. Von Boesch habe ich den ersten veröffentlichten Text "OLEANDER Der Jüngling" gefunden, der als Bogendruck 1951 bei Tschudy in St.Gallen erschienen ist. Grossartig.

26. September: Heute wurde endlich das Xylon Mappenwerk Nr. 2 angeliefert. Das Transportunternehmen DPD fand irgendwie meine Adresse nicht und brauchte fast eine Woche für dieses Paket. Am Nachmittag arbeitete ich weiter an der Bibliothek und an meinem Archiv. Das dauert und dauert, weil ich immer wieder an alten Briefen und Dokumenten hängenbleibe.

25. September: Heute hat für mich ein intensiver Therapietag begonnen. Um 6.30 Uhr bin ich aufgestanden, um rechtzeitig beim Physiotherapeuten zu sein. Er hat die Aufgabe meinen "Morbus Ledderhosen" an beiden Füssen zu behandeln. Auf dem Schragen liegend habe ich mir überlegt, wie dieses Leiden wohl bei Frauen heisst. Der Fall ist klar, das muss der Morbus Dirndl sein. Der Therapeut meinte dann, das passe sehr gut in den Oktober hinein. Ozapft is...

Nun bereite ich mich mental auf den nächsten Termin vor. Um 10.00 beginnt die Zahnreinigung. Ich höre schon dieses wahnsinnig hohe Geräusch der Schleifmaschine. (Schleifmaschine müsste eigentlich mit doppeläff geschrieben werden)

24. September: Die letzten zwei Tage war ich ans Haus "gebunden". Ich erwartete einen Transport, der aber nicht angekommen ist. Das erleichterte mir die Arbeit am PC, um meine Gartenfotos zu durchsuchen für die Zeitschrift "FERMENT". Monika hat am Abend eine grosse Auswahl der Fotos zusammengestellt. Nun bin ich gespannt, was die Bildredaktion dazu meint.

22. September: Am Morgen früh verliess ich das Haus mit meinem "Vexer - Firmenwagen". Und das an einem Sonntag! Ein hässlicher Rolli, in dem ich aber locker 40 Bücher von Peter Liechti transportieren kann. Ich fuhr mit dem Zug nach Zürich, wo ich Thamar traf, die direkt von Düsseldorf einflog. Wir hatten ausgemacht, dass sie den Büchertisch betreut und das hat alles wunderbar funktioniert. Im Kino Riffraff war um 11.30 Uhr die offizielle Filmpremiere von Vaters Garten, die Liebe meiner Eltern. Der Film wurde in Zürich viel emotioneller angenommen wie in St.Gallen. Peter war gut drauf und hat im Gespräch sehr treffend auf die inhaltlichen Dimensionen des Films reagieren können. Das Riffraff Team hatte alle Hände voll zu tun mit dem Kochen von St.Galler Würsten (Schüblig mit Senf) und wir haben uns so wohl gefühlt, dass eine kleine Gruppe von Freunden zusammen mit Peter, Jolanda, Carol, Gass und einigen Anderen richtig gehend verhockt sind an den Gartentischchen der Riffraffbar. Thamar und ich erwischten dann erst den 19.07 Zug nach St.Gallen. Zu Hause sass ich dann nach einer rasanten Taxifahrt, mit den neusten Nachrichten aus dem Radio zur Bundestagswahl in Deutschland, mit Monika zusammen, draussen vor dem Feuer und wir erfreuten uns an Köstlichkeiten vom Grill, aus der Salatschüssel und aus dem Weinkeller.
Hui-hui.

21. September: Es ist schon fast Mitternacht. Ich bin soeben nach Hause gekommen und ziemlich kaputt. In den letzten zwei Tagen habe ich mir ca. 10 Vorträge angehört am Typo-Kongress an der gewerblichen Berufsschule in St.Gallen. Das war alles sehr interessant. Ich habe viel erfahren und ganz unterschiedliche Vortrags- und Präsentationstechniken kennen gelernt. Leoni von der Buchhandlung zur Rose hat mit ihrem Bücherstand zwei Tage lang ausgeharrt. Sie präsentierte viele Bücher zum Thema der typographischen Gestaltung und eine Auswahl von Vexer Büchern. Ich habe viele gestaltende Menschen und ihre Arbeiten kennengelernt und die Vorträge und Gespräche werden noch lange nachhallen. Was mich aber immer wieder irritiert, sind die in sich geschlossenen Interessengruppen. Das spartenübergreifende, vernetzte Denken scheint in den Ostschweizer - Kulturköpfen noch nicht angekommen zu sein. Das Abschlusskonzert von Manuel Stahlberger war tiefschürfend, witzig und abgrundtief Sankt Gallisch. Nach dem Meienberg schreibt jetzt eben ER, der Stahlberg-er in Reim - Form und frühlingshaft-er über unser Leben an der Grenze zum Wahnsinn.

19. September: Heute Morgen haben wir 30 Holzplatten verladen für die Herstellung der Matrizen für die Fassade in Aarau. Anschliessend habe ich eine Ladung Bücher vorbereitet für den Büchertisch an der Typo 2013 an der GBS in St.Gallen. Und nun widme ich mich dem gestern gepflückten Holunder. Ich habe schon alle Beeren abgezupft. Jetzt koche ich ca. 12 Liter "Holderäzunä". Wir haben das früher als Kinder immer zu Omeletten, Chrazete, Griesauflauf, Hafer- oder Griesmus gegessen, meistens am Ende des Monats, wenn kein Geld mehr da war. Die Holunderbeeren werden aufgekocht mit ein bisschen Mehl, das im Milchwasser aufgeschäumt worden ist. Einfach dass das Mus etwas "gebunden" wird. Für sechs Liter Holunder nehme ich ein Kilo Zucker. Ich liebe den Holunder im Winter zum Frühstücksmüesli. (Das ist jetzt aber sehr privat, jetzt weisst Du alles über mich!) Diese Art von Speisen habe ich künstlerisch verarbeitet im Buch Mama eine Szene von Wolfram Lotz. (Vexer Verlag, gleich zwei mal signiert und ein mal nummeriert)

Nachher muss ich noch einige Buchpakete zur Post bringen und die Buchhandlung zur Rose beliefern.

18. September: Ich war vorhin beim Orthopäden wegen meinen malträtierten Füssen. Er hat "Morbus Ledderhosen" diagnostiziert. Das klingt zwar sehr lustig, ist es aber gar nicht. Anstelle von Ferien sind nun Therapien angesagt.

17. September: Im Moment kommen immer wieder Angebote für thematische Gruppenausstellungen. Ich finde das spannend aber es gibt auch viel zu tun. Für jede Ausstellung müssen die richtigen Werke ausgewählt werden. Da stehe ich dann im Archiv herum und sinniere vor mich hin. Die Tage vergehen im Nu. Heute habe ich spontan ein Pflanzengedicht vom Sommer 1974 für eine Zeichnungsausstellung ausgewählt. Mit achtzehneinhalb entwickelte ich eine Schrift aus Pflanzen und Gräsern. Mit dieser Schrift schrieb ich dann Gedichte. Ein ganz grosses Blatt aus dieser Zeit ist noch erhalten. Interessanterweise hat sich die Arbeit selbständig weiterentwickelt. Die Zeichnungsmappe stand immer am falschen Ort in meinem Atelier. Im Laufe der Zeit haben Ölspritzer der Motorsäge einen Grundraster über das Blatt gelegt und mindestens zwei Gläser Rotwein, die irgend jemand in die Zeichnungsmappe geschüttet hat ergaben eine spannende figurale Zeichnung. Kurz entschlossen bin ich nach Winterthur gefahren, um das Blatt einrahmen zu lassen. Diese frühe Pflanzenzeichnung gebe ich Christian Röllin für seine sangallensia V Ausstellung in diesem Winter.

15. September: Mit dem Zug sind wir am Mittag los gefahren nach Basel. Zugfahrten bieten immer wieder die Möglichkeit, Texte die schon länger liegengeblieben sind nachzulesen. Wir besuchten als Erstes die Ausstellung von Allyson Vieira in der Kunsthalle Basel. Wir haben sie und ihr Werk vor ein paar Wochen im Gastatelier im Sitterwerk in St.Gallen kennengelernt. Allyson präsentiert im Obergeschoss eine raumfüllende Installation. In letzter Zeit staune ich immer wieder über junge Künstler und Künstlerinnen, wie sie es schaffen, mit ganz einfachen Mitteln, enorme skulpturale Wirkungen zu erzielen. Allyson liess in ca. vier Meter Abstand von den Längswänden, fünf Meter hohe Leichtmetallelemente aufstellen, wie sie für den Bau von Rigipswänden verwendet werden. Diese in einem regelmässigen Raster aufgebauten metallenen Grundgerüste liess sie dann einige Meter vor dem Ende des Raumes gegen die Wände kippen und zurrte sie mit Gurten hoch oben an den Querstangen die den Raum zusammenbinden fest. Durch diesen Kippeffekt verwandeln sich die zwei Metallgerüste versetzt auf beiden Raumseiten zu zwei elegant gewellten, skulpturalen Formen, die den Besuchern wie riesige Absperrgitter den Weg durch den Raum weisen. Im Zentrum der Installation stehen die "drei Grazien" (Schönheit, Freude und Überfluss), die aus Ziegelsteinen aufgemauert und mit dem Winkelschleifer zurechtgeschnitten wurden. Als gemeinsamer Kopf dienen ihnen zwei quer über den Skulpturen liegende Zementröhren. Man kann also auf der Kopfebene gleichzeitig wie durch ein Fernrohr durch die zusammengefügte Röhre schauen. Die "Grazien" selber sind bei diesem Durchblick aber nicht durchschaubar.  An den Längswänden stehen Reliefs, die aus dem Abfall des Werkprozesses in Blechschalen zusammen gepflastert wurden. Die Dimensionen der "Kunstkuchenbleche" entsprechen übrigens der Körpergrösse der Künstlerin.

In den kleinen Räumen am Schluss der Ausstellung wird auf unnötig komplizierte Weise ein Film gezeigt aus der Optik der Schaulustigen, die sich von den Bauarbeiten am neuen One World Trade Center in New York beeindrucken lassen. Es wird einem schmerzlich bewusst, dass nicht nur alle Grazien dieser Welt der Vergänglichkeit ausgesetzt sind. Werden - Sein und Vergehen ist auch für jedes Bauwerk vorprogrammiert.

Am Abend genossen wir vor allem das Werden und das Sein. Das Fest zum 130 Jährigen Geburtstag von Diego Stampa und Thomas Spielmann mit vielen interessanten Freundinnen und Freunden war einfach ein Hammer. Der Anlass dauerte bis in den frühen Morgen hinein und Dank des guten Weins war auch der Sonntag immer noch sehr angenehm.

Beim Frühstück im Hotel Krafft staunten wir nicht schlecht, trafen wir doch zufällig? auf eine weitere Schar von Freunden, die sich am Samstagabend die Tanzperformance von Alexandra Bachzetsis in der Kaserne angeschaut hatten.

Wir genossen die Zugfahrt zurück nach St.Gallen und legten uns zuhause direkt ins Bett. Ich bin dann heimlich abgeschlichen und besuchte um 17 Uhr ein Orgelkonzert in der Kathedrale von St.Gallen. Ein Vorarlberger komponierte ein unwahrscheinliches Orgelwerk für sechs Hände. Ich musste immer wieder an "Schlafes Bruder" denken. Ein dichtes einstündiges Klangwunder mit grossartigen Variationen. Höchste Klangflitzer, die sich über die Zuhörerinnen und Zuhörer ergossen wie ein strahlender Sternenregen und tiefe Klänge, die an eine Herde von verletzten Urtieren erinnerten, lösten sich ab mit brummender Wut, glucksender Verwunderung, wohliger Verzückung, tiefer Trauer und sich ergiessender Erleichterung. Oh - oh - oh weh, jetzt klingt das Alles etwas  sehr euphorisch. Es war ein wirklich starkes Stück. ich bin anschliessend völlig befreit  und ganz langsam durch den Regen gegangen, und völlig durchnässt mit dem Bus nach Hause gefahren.

 

13. September: Der Bibliotheksraum im Atelier wird sehr schön. Die Ordnung wächst dank Thamar täglich. Am Nachmittag besuchte ich zusammen mit Monika die Ausstellung von Andrea Vogel im Architekturforum. Die Künstlerin hat eine Rolle Plastikabsperrband von mehr als einem Kilometer Länge zu einer flächigen, ca. 180 cm hohen Absperrplane verwoben. Die verwobenen rot weissen Streifen ergeben ein raffiniertes Muster in unendlicher Vielfalt und sich nicht wiederholenden Formen.

Paul Hafner zeigt in seiner Galerie neue Arbeiten von Julia Bornefeld. Sie bearbeitete einen Konzertflügel auf brachiale Weise. Reste davon hängen als Objekte im Ausstellungsraum. Zentral steht zudem eine grosse Skulptur mit zwei überdimensionierten Küchenmessern, die durch eine Holztüre gerammt sind. Auffällig ist, dass bei Bornefeld Teile des Pianos von der Decke hängen und in der Kunsthalle hängt die Flöte von David Renggli. Im Kunstmuseum stehen überdimensionierte Gemüseraffeln von Mona Hatoum und bei Paul Hafner riesige Küchenmesser von Bornefeld. Manchmal ist der Zufall ein gemeiner, herrenloser streunender Hund.

12. September: Am Nachmittag besuchte ich Christian Röllin in seiner Galerie. Ich brachte ihm einen Stapel Bücher für Vera und das neue Büro Berlin. Vera wird schon bald den Verkauf der Vexer Bücher in Deutschland ankurbeln.

Roellin zeigt zur Zeit eine Auswahl von Bildern des Malers Willi Oertig. Eine sehr gelungene Ausstellung mit überraschenden Bildern. Die sachlichen, vereinfachten Bildfindungen zeigen Räume, geometrisierte Stadtlandschaften, Bahnhöfe, Strassenschilder und unspektakuläre Orte in einem speziellen Licht. Dieser Maler ist nicht einzuordnen in die gängigen Kategorien der Kunst. Er ist aussergewöhnlich in seiner Wahrnehmung und eigenwillig in der Umsetzung der Motive. 

11. September: Früh am Morgen erwartete ich im Atelier Dominik für den Transport von 20 Holzplatten nach Olten. Um neun gab es eine Besprechung mit Helmuth Sennhauser. Wir diskutieren verschiedene Möglichkeiten, die 134 Relief Platten abzudrucken. Die Kunst liegt darin, die Platten nicht direkt einzufärben, damit das Mammutbaumholz nichts von seiner Farbigkeit  und von der sägerohen Ursprünglichkeit verliert. Irgendwann im Herbst werden wir die ersten Druckversuche machen, damit ich mich für ein Druckverfahren entscheiden kann.

Anschliessend begann ich mit Thamar meine Bibliothek neu einzuordnen. Als Ausnahmen gelten die Serie von NSB Büchern der Kunstgeschichte, die mir meine Mutter als 15 jähriger bestellt hat. Monatlich kam per Post ein Buch für mich, von Cézanne, van Eyck, Goya bis Picasso und anschliessend noch die ganze Russische Literatur. Für diesen Bildungsschub in der Bauernfamilie bin ich meiner Mutter heute noch sehr dankbar. Die weiteren Ausnahmen sind die Bücher von Picasso, John Lennon und Yoko Ono, Joseph Beuys und Andy Warhol. Diese künstlerischen Positionen waren für mich prägend und haben mich bildungsmässig sozialisiert.

Am Mittag zeigte ich meine frisch gewaschenen Füsse dem Herrn Doktor von der Swica. Der wiederum sucht nun einen Orthopäden zur sachkundigen Abklärung meiner geschundenen Sehnen. Das ist gar nicht so einfach, denn alle Orthopäden haben einen vollen Terminkalender. Es scheint so zu sein, dass in der Ostschweiz tausende von Menschen mit einem defekten Gehwerk in der Gegend herumstolpern.

Am Nachmittag besuchte ich das Herbstforum der Direktion Schule und Sport in der Olma Halle zum Thema der Medienkompetenz. Ein spannender Vortrag von Prof. Urs Gasser brachte zwar nicht sehr viel Neues. Einige wissenschaftlich abgestützte Erkenntnisse und einige für mich sehr spannende Gedanken zum Thema Medienkompetenz verblüfften mich aber schon. Mir war zum Beispiel nicht wirklich bewusst, wie viel kreative Kompetenz durch den bewussten Umgang und den Gebrauch von sozialen Foren erarbeitet werden kann. Spannend finde ich auch, dass Jugendliche ihr Handy als ihr persönlichstes und privatestes Gut empfinden. Der Verlust eines Handys ist heute wirklich enorm. Fotos, Adressen, Telefonnummern, persönliche Kontakte und Korrespondenz können in die falschen Hände geraten. Da sind die persönlichen Poesiealben aus unserer Kindheit richtig harmlos und doof.  

10. September: Die harte körperliche Arbeit der letzten Monate hat Spuren hinterlassen. Ich habe meine Sehnen an den Füssen überstrapaziert. Am Nachmittag hatte ich die zweite osteopathische Behandlung. Der Therapeut beendete die Sitzung nach einer halben Stunde und riet mir, einen Spezialisten aufzusuchen. Was wird das nun? 

9. September: Eigentlich wollte ich heute nach Aarau fahren für den Abschied von Hugo Suter. Dann sass ich aber im Atelier und musste auf einen Transport warten. Ich benutzte die Gelegenheit, in meinem Archiv alle Kataloge, Bücher und die Korrespondenzen mit Hugo zu durchstöbern. So nutzte ich die Zeit zu einem ganz persönlichen Abschied.

8. September: Ein Sonntags - Jässchen war angesagt, mit Eveline und Roman. Monika und ich waren in wunderbarer Spiellaune und der Sieg schien uns gewiss. Irgendwann kippte das Spiel und wir mussten harte Schläge einstecken. Zwischendurch ergab sich noch ein aufgeladener, kulturpolitischer Disput zwischen Eveline und mir. Die Argumente flogen wie Schellen, Schilten und Eicheln kreuz und quer über den Tisch. Entzündet hat sich die Diskussion an der extremen Kürzung des kantonalen Beitrages an den Ausstellungsraum in der Lockremise, der vom Kunstmuseum bespielt wird. Ich vertrete ganz klar die Meinung, dass bei Sparübungen in der Kultur alle Institutionen einen gleichen prozentualen Anteil leisten sollten, das Theater inklusive. Sparmassnahmen gäbe es auch bei den immer üppiger werdenden Massenverköstigungen bei kulturellen Anlässen. Die kulturelle Nahrung scheint schon lange nicht mehr zu genügen, um das Vernissage Publikum zu befriedigen. Na ja, wo die Kunst ist kommt halt auch ein Hüngerchen - gell.  

7. September: Ich bin immer noch am Verdauen von einem riesigen Stück Rindfleisch. Wir haben gestern Abend zusammen mit Margrit und Ralph die Ruth und den Hermann zum Argentinischen Essen eingeladen. Die Beiden sind sechzig geworden. Gleich über der Grenze in Fussach, sechs Kilometer vor Bregenz befindet sich das Argentinische Restaurant Gaucho. Eine Türkische Familie, die lange in Argentinien gelebt und gearbeitet hat, führt nun ein Argentinisches Restaurant in Österreich, nahe von der Schweizergrenze. Ein echter internationaler Fleischaustausch mit grenzüberschreitender Verdauung. Es hat Spass gemacht! 

6. September: Im Moment steht viel organisatorische Arbeit an. Alle Abläufe für die Herstellung der Betonelemente für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau müssen geplant werden.

Gestern Abend besuchte ich das Konzert von Christoph Gallio (Saxofon) und seiner Band Day & Taxi mit dem Bassisten Silvan Jezer und dem Schlagzeuger David Meier in der Kunsthalle St.Gallen. Ein sehr schönes klassisches Jazzkonzert mit gelungenen Kompositionen, musikalische Geschenke, die Christoph Gallio unter Anderem Silvia Bächli, Beat Sreuli und anderen Freunden gewidmet hat. das Konzert fand im Foyer der Kunsthalle statt vor der grossen Hinterglasmalerei und der skulpturalen, hängenden Riesenflöte von David Renggli. Die Werke entwickelten wieder eine ganz neue Dimension durch die musikalische Intervention.

Als ich nach Hause kam schaute ich mir als Erstes das letzte Heft von Typodron an, das Manuel Stahlberger gewidmet ist. Monika war am Konzert im Grüningerstadion. Ein klug gewählter Ort für einen politisch denkenden Musiker. Roland Stieger von TGG hat die Publikation sehr schön gestaltet. Wenn man das Buch öffnet entsteht durch das harte Vorsatzpapier ein interessanter Klang, der beim Blättern des dünnen Papiers des Inhalts in ein zartes Wispern übergeht und beim Schliessen des Buches mit einem feinen "Plop" endet. Für mich ist das  ein richtig musikalisches Buchwerk. 

3. Die Diskussionen mit Vera waren sehr anregend. Wir sind voller Tatentrang. Wir haben uns entschlossen, im März 2014 an der Buchmesse in Leipzig teilzunehmen.

2. September: Am Morgen hatte ich eine Besprechung mit Thamar, um die anstehenden Arbeiten zu organisieren und um mir ihre Erlebnisse als "reisende Buchvertreterin" anzuhören. Der Buchhandel funktioniert sehr zäh und ist von grosser Vorsicht und Ängstlichkeit geprägt. Und gerade deshalb gibt es momentan neue  Entwicklungen, die sehr vielversprechend sind und die viele neue Möglichkeiten für zukünftige Projekte eröffnen.

Am Mittag kam Vera direkt vom Flughafen. Wir diskutieren zur zeit intensiv über die Gründung eines "Büros" in Berlin. Wir sind beide überzeugt, dass heute alle Aktivitäten vernetzt, optimiert und breiter abgestützt werden müssen. Es gibt so viele ungenutzte Energien, die wir gemeinsam orten und erschliessen wollen. 

1. September: Monika hatte für ein abgeschlossenes Projekt einen Gutschein für ein Sonntagsbüffet auf dem Säntis geschenkt bekommen. Es war kalt, neblig und es regnete in Strömen. Es war trotzdem ein unterhaltsamer Morgen. Eigentlich wollten wir noch ein Stück wandern. das Wetter war aber so schlecht, dass wir uns entschlossen nach Teufen zu fahren. Die Ledi - Wanderbühne steht zur Zeit neben dem Grubenmannmuseum. In einer Sonderausstellung werden unter Anderem Landschaftsbilder gezeigt. Ein ganz kleines Ölbild von Zeller mit einem gelblich schimmernden Licht hat mich sehr begeistert. Ja und die Fotografien von Verena Schoch wirken sehr mystisch und die Modelle der Brückenbauer Grubenmann sind Weltklasse.

31. August. Um 11.00 war die Eröffnung der Ausstellung von Jiajia und Anastasia im Kornhaus Rorschach angesagt. Ich schrieb bis 10.40 an meiner Rede. Die Werke der beiden Künstlerinnen haben mich sehr angeregt und ich glaube den beiden ist wirklich eine stimmige Zustandsskizze der Jetztzeit gelungen. (Meine Rede kann nachgelesen werden unter Texte von JFM)

Anschliessend hat uns Michael Lüscher und Irene zusammen mit Laurin zu einem mehrgängigen und vielstimmigen Essen auf dem Balkon mit Bodenseesicht eingeladen. Fulminant und wunderbar!

30. August: Ein spezieller Tag. Am Morgen früh fuhr ich mit dem Zug nach Buchs-Dällikon. In das Betonwerk Stüssi. Wir konnten die ersten zwei Probegüsse der Betonelemente anschauen. Es ist erstaunlich, wie fein sich die Strukturen des sägerohen Holzes des Mammutbaums und die Einfräsungen der Motorsäge im Betonguss abzeichnen. Es gibt aber immer wieder neue Denkaufgaben. Eine sehr wichtige Frage wird sein, wie die Betonelemente ohne Schaden zu nehmen gelagert, transportiert und montiert werden können.

29. August: Ich war den ganzen Tag mit Bücherpacken und mit Schreiben beschäftigt. Am frühen Abend traf Vanja ein. Wir mussten alles besprechen und den Büchertisch für Peter Liechti vorbereiten. Um 20:00 Uhr war die Filmvorpremiere im Kinok angesagt. Der Film "Vaters Garten - Die Liebe meiner Eltern" ist mir echt unter die Haut gegangen. Ich hatte den Film vorher nie gesehen. Ich hatte keine Möglichkeit Anfang Jahr die Berlinale zu besuchen, wo der Film das erste Mal an einem Festival gezeigt wurde. Zum Glück war Vera vor Ort. Sie hat mich in meinem Vorhaben bestärkt, die Interviews von Peter mit seinen Eltern herauszugeben. Ohne den Film zu sehen war es für mich schwierig zu entscheiden ob das Sinn macht oder nicht. Nun ist das Buch ein ganz eigenständiges Werk geworden. "Ein Sprachmonument der Liebe..." wie Ruth Schweikert im Klappentext geschrieben hat. Der Buchhandel hat am Anfang zögerlich reagiert auf das Buch. Wenn meine Praktikantin Thamar in Buchhandlungen angerufen hat hiess es unisono - der Peter Liechti sei zu speziell. Nun bestellen alle, aber wirklich alle.

28. August: Am Nachmittag fuhr ich nach Rorschach, um den Stand der Aufbauarbeit der gemeinsamen Installation von Anastasia Katsidia und Jiajia Zhang im Kornhaus anzuschauen. Alles war noch ein bisschen chaotisch aber ich hatte schnell das Gefühl, dass die Inszenierung gelingen kann. Ich wurde von den beiden Künstlerinnen angefragt für die Eröffnungsrede. Zwei junge sympathische Weltreisende mit Migrationshintergrund, das lohnt sich über die Arbeiten nachzudenken.

26. August: In den letzten Wochen habe ich sicher schon 200 selbstgebastelte Verpackungen aus Altkarton zusammengebaut. Ich habe ein neues Label: "Vexer Packet Recycling". Alle, die beim Vexer Verlag ein Buch bestellen, bekommen eine von mir hergestellte recyclierte  Karton Verpackung. Das wird eines meiner umfassendsten Kunstprojekte und das zum Nulltarif, einfach aus Spass am Spass!

24. August: Wir sind früh aufgestanden. Wir waren um 11:00 verabredet zu einem Treffen mit der Familie Müller auf einer Alp auf dem Rickenpass. 52 Familienmitglieder hatten sich angemeldet. Wir mussten einiges an Kleidern zusammenpacken, denn am Abend waren wir zu einer Gala im Kunsthaus Aarau eingeladen. Auf der Autofahrt gab es viel zu erzählen zum Bücherabend in Appenzell und zu all den Gesprächen die wir geführt hatten.

Das Treffen auf der Alp Egg war sehr speziell. Ein richtiges Familienbiotop - ein ideales Umfeld für einen jungen Tümpelforscher. 

Um 17 Uhr waren wir bereits im Hotel Aarauerhof und um 19 Uhr beim Apéro im Kunsthaus Aarau. An dieser Gala wurde der Um- und Neubau von Herzog & de Meuron gefeiert, der vor zehn Jahren zusammen mit Remy Zaugg geplant und gebaut wurde.  Roger Diener hatte einen Tisch reserviert. Eingeladen waren Christine Binswanger, Gilli und Diego Stampa, Albert Kriemler, Katalin Deér, Peter Handschin und Monika und ich. Ein Höhepunkt war der Auftritt und die Rede von Christine, der Juniorpartnerin von Herzog & de Meuron, in ihrem atemberaubenden Kleid von Akris und am späteren Abend das Konzert von Dieter Meier mit zwei jungen Musikern. Ich wusste gar nicht, dass Dieter Meier eine solch ausserordentlich gute Stimme hat. Zudem ist er ein brillanter Erzähler und Unterhalter. Ein gelungener Abend mit vielen guten Begegnungen.

 

23. August: Ich hatte den ganzen Tag etwas den "Flatteri". Ich musste einiges vorbereiten für die Buchvernissage von Peter Liechti. Um 17:00 Uhr packte ich das Auto von Monika voll mit Büchern. Ich neige eher zur Übertreibung und bin ein unverbesserlicher Optimist. Es ist doch peinlich, wenn man nicht für alle Fälle gewappnet ist. Es könnte ja sein, dass eine literarisch interessierte Wandergruppe aus dem Süddeutschen Raum auftaucht und gleich fünfzig Bücher braucht. Um 19:00 Uhr waren wirklich schon sehr viele interessierte Menschen da und es wurde immer offensichtlicher, dass längst nicht alle Platz finden werden im Gewölbekeller des Bücherladens. Schön, dass auch Vera mit dabei sein konnte. Sie hatte an der Berlinale den neuen Film "Vaters Garten" von Peter gesehen und mich in meinem Vorhaben bestätigt, das Buch mit den Interviews von Peter und seinen Eltern unbedingt herauszugeben. Der Abend wurde zu einer der berührensten und grossartigsten Buchvernissagen die ich je erlebt habe. Peter war körperlich sehr schwach. Er setzte aber mit seinem starken Geist eine unglaubliche Energie frei. Im wunderbar geführten Gespräch durch Thamar Ette  entwickelte sich eine selten erlebbare inhaltliche Dichte und die anschliessende Lesung von Peter war sehr berührend. Peter war nachher mindestens eine Stunde mit dem Signieren von seinen Büchern beschäftigt. Agathe Nisple erwies sich einmal mehr als kulinarische Göttin des Appenzells und zusammen mit Carol Forster, der Schutzpatronin des gut sortierten Buchhandels kommt einfach alles gut. Herzlichen Dank auch an das grossartige Publikum und an alle gemeinsamen Freundinnen und Freunde die an diesem Abend dabei sein konnten.

22. August: Heute erschien ein sehr guter Artikel über das neue Buch von Peter Liechti im St. Galler Tagblatt. Brigitte Schmid-Gugler ist begeistert von dieser Neuerscheinung. Ich verpackte den ganzen Tag KLARTEXT Bücher. Erst am Nachmittag wurde ich darauf hingewiesen, dass am Morgen um 7.45 im Radio DRS 2 eine tolle Besprechung von Angelika Schett gesendet wurde. Ein wunderbarer Auftakt und eine sehr gute Werbung für die Buchpremiere, die morgen im Bücherladen in Appenzell stattfindet.

Madeleine Herzog von der Fachstelle für Kultur bat mich um einen Rückruf und eröffnete mir dann, dass der Stadtrat gestern beschlossen habe, mir für meine Verlagstätigkeit den Anerkennungspreis 2013 der Stadt St. Gallen zu verleihen. Die Preisverleihung soll am 5. November um 18 Uhr im Palace stattfinden. Da seid ihr natürlich ALLE eingeladen zum Feiern. Ich schwebe auf Wolke sieben und das kurz nach Vollmond und nach 28 Jahren Vexer Verlag. Ich bedanke mich bei allen Mitgliedern der Kulturkommission, die mich unterstützt haben und bei allen die in der langen Verlagsgeschichte mit Begeisterung dabei waren. Dazu gehören natürlich auch alle, die die Vexer -Bücher und Editionen sammeln. Jetzt gönne ich mir ein gutes Glas Wein, mache ein schönes Feuer und schaue was es darauf zu braten gibt. Olleee - oleole - ollee....

Am Abend habe ich erfahren, dass meine Arbeit von der Baukommission von Aarau mit Begeisterung abgenommen worden ist. Nun können wir mit voller Energie an den Vorbereitungen und  der Ausführung der 134 menschengrossen Betonelemente weiterarbeiten.

21. August: Um 11 Uhr war ich beim Bahnhof mit einer jungen Journalistin vom Aargauer Tagblatt verabredet. Sie schreibt einen Artikel zu meiner monumentalen Arbeit für das Stadtmuseum in Aarau. Am Abend traf sich die Fachkommission HF bildende Kunst zu einer Besprechung des Lehrplans der Kunstklasse. Ein anregender und spannender Abend. Nun sind auch Kathrin Dörig und Heidi Schöni mit dabei. Ich bin sehr froh, dass dieser Studiengang mit zwanzig Studierenden durchgeführt werden kann.

20. August: Am Nachmittag kam Vera mit ihrem schweren Koffer bei uns an. Sie ist für ein paar Tage in der Schweiz. Am frühen Abend fuhren wir zum Sitterwerk. Die Amerikanerin Allyssen Vieira präsentierte ihre skulpturalen Arbeiten im Gastatelier. Die neuen Werke werden im September in der Kunsthalle Basel präsentiert. An der Wand hing eine beeindruckende, vielschichtige Bildhauer - Zeichnung, die trotz des geometrischen Rasters erstaunlich lebendig und körperlich wirkte. Allyssen vermauerte ganze und schräg zugeschnittene Backsteine zu drei körperhaften Stehlen und verwendete den Abfall aus diesem Arbeitsprozess für die Ausformung von Reliefs, die wiederum wie eine Serie von Topografien von Landschaften wirken. Der Leiter der Kunsthalle Basel, Adam Szymczyk hat mit dieser Künstlerin wirklich eine Entdeckung gemacht. Wir waren am Wochenende mit ihm zusammen  in Champfèr und ich hätte gerne über diese Arbeiten gesprochen.

Anschliessend wollte ich unbedingt die Ausstellung der Talentschule im Schulhaus Engelwies besuchen. Karin Bucher, Eva Lips und das ganze Team dieser neuen Förderklasse haben mit den Kindern interessante Ergebnisse erarbeitet. Ich finde es sehr wichtig, dass in den St. Galler Talentschulen nicht nur Sport und Musik, sondern auch die Gestaltung gefördert wird.

Das waren berührende Seherlebnisse.

19. August: Der ganze Tag war voller Hektik. Viele Telefonate, Bestellungen und Anfragen zum neuen Buch von Peter Liechti. Ich liebe diese Verlagstage. Am Abend fuhr ich mit dem Zug nach Winterthur für eine Sitzung der Arbeitsgruppe "XYLON DRUCK". Ich war etwas zu früh bei Kaspar Toggenburger. Aus dem Atelier drang laute Musik. Nach einem kurzen Zögern trat ich ein und staunte. Der Gesang wurde nicht im Radio gespielt. Der Sänger war Kaspar. Mein Staunen spornte ihn richtig an und er sang nur für mich ein wunderbares Lied. Ich erlebte das erste Mal, dass ein Sänger durch das Singen an Volumen und an Körpergrösse zunimmt und richtig über sich hinaus wächst. WAU!

18. August: Monika und ich erlebten ein sehr schönes Wochenende in Champfèr. Wir waren eingeladen, die fertiggestellten, ersten Holzhäuser von Diener & Diener Architekten zu besichtigen und das erste Mal da zu übernachten. Zur Zeit sind vier Maler an der Arbeit, um die riesigen Holzfassaden aus zwei Hebebühnen heraus noch einmal weiss zu bemalen. 20 Tausend Laufmeter Holzbretter wurden für die Fassade verbaut. Ich entwickelte dafür ein Muster, inspiriert von einem künstlerisch begabten Borkenkäfer, der sich durch das ganze Holz frisst. Als Türdrücker für die zwei Eingangstüren schnitzte ich zwei Astgabeln aus einem grossen Baumstamm, die ich dann in der Kunstgiesserei in St.Gallen in Bronze giessen liess. Es ist ein sehr schönes und verbindendes Gefühl, dass alle Besucher der Häuser diese Astgabeln beim Eintreten berühren. Für die Abdeckungen der Pfähle auf den Loggias schnitzte ich Holzstücke mit Borke, mit einer schrägen, geschliffenen Schnittfläche. Die insgesamt 12  Teile sind in Schanghai in Bronze gegossen worden. In die polierten Schnittflächen liess ich 12 reale Sternbilder eingravieren. Für jedes Sternbild habe ich einen eigenen Stern dazu erfunden und Monika hat ihnen die Namen gegeben.

Am Sonntagnachmittag sind wir über den Albula zurück gefahren und waren begeistert wie ein Holländisches Paar, das zum ersten Mal in die Berge fährt.

17. August: Wir machten uns zeitig auf den Weg nach Champfèr im Engadin. Nach einem Halt bei meiner Mutter in Oberriet fuhren wir nach Chur um die Ausstellung von Steiner-Lenzlinger im Bündner Kunstmuseum zu sehen. Das Künstlerpaar hat einen Nationalpark eingerichtet. Im Eingangsbereich können die Besucher Utensilien für die Kunstwanderung auslesen. (Rucksack, Kämpferanzug, Fischerrute, Affen oder Bärenmaske, Sonnenbrillen, Hüte und vieles Lustiges mehr. Ich bin ein Animations - Muffel. Mir sträuben sich schon bei den kleinsten Anweisungen und Aufforderungen im Kunstbetrieb die Nackenhaare. Eltern mit Kindern, egal in welchem Alter scheinen das zu mögen. (Oft noch mehr wie die mitgeschleppten "Kleinen") Diese Ausstellung, in den zum Abbruch freigegebenen Räumen ist sicher ein kluger Einfall und ein populärer Schlusspunkt vor dem geplanten Neubau. In den sehr gut bestückten Salons des Museums war dann aber grosse Stille und Menschenleere. Starke aber nicht so bekannte Bilder von Augusto Giacometti, Giovanni Segantini und Ferdinand Hodler sind hier zu entdecken.

Im Untergeschoss sahen wir uns die interessante Ausstellung über nicht bewohnbare Räume an. Die kleinen, fensterlosen Ausstellungsräume lösten bei mir klaustophobische Zustände aus. Ich musste schnell wieder raus aus diesem Haus und habe mir überlegt, wer in den 70er Jahren (?) fähig war, so unwirtliche und beengende Räume für Kunst zu konzipieren. In diesen Räumen kann man höchstens ein Getränkelager unterbringen.

Unser Tom Tom fürhrte uns dann wegen einem Unfall auf der Autobahn zweimal rund um Chur herum. Unser Ziel, die Videoausstellung im Palazzo Castelmur in Stampa erreichten wir erst um 16 Uhr. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Selten habe ich eine so dichte, unterhaltsame und technisch brillante Videoausstellung auf kleinstem Raum gesehen. Die Videoarbeiten sind speziell für die Räume im Palazzo geschaffen worden und beleben diesen historischen Bau mit seiner Geschichte auf eine wunderbare Weise.

16. August: Um 17.45 waren wir in der Kunsthalle St.Gallen, um die Ausstellung von David Renggli anzuschauen. Im Eingangsbereich hängt eine überdimensionierte Blockflöte von der Decke. Die Kunstflöte ist aus verschiedenen Gründen nicht spielbar. Sie ist nicht ausgebohrt, die angebrachten Löcher sind rund herum platziert und liegen soweit auseinander, dass es die Hände einer Grossfamilie brauchen würde um die Flöte zu halten, zu blasen und die Löcher mit den Handflächen zuzuhalten. Als Betrachter fühlt man sich wie ein kleines Kind, das eben zu klein ist um mit dem begehrten Stück zu spielen. Diese Riesenflöte verändert auch die Dimension der stattlichen Hinterglasmalerei im musealen Rahmen, zu einer abstraken Skizze in Flöten - Grösse.  

Im grossen Ausstellungsraum sind acht Neonskulpturen platziert wie grosse Werbestehlen. Die bunten Neon - Buchstaben bilden Worte, die nicht sofort lesbar sind. SAEBEL, LIBIDO, IRGEND, SORRY, NUDE, usw. (Die anderen Worte habe ich bereits vergessen). Diese "Signs" sind sehr gut geeignet, per e-Phone fotografiert und als Kurzbotschaft verschickt zu werden. Sie leuchten, sind rätselhaft schön und dadurch für viele Zwecke verwendbar. Das gilt auch für die gegossenen Betonbänke, die mit grossen Flusssteinen und Halbedelsteinen geschmückt und mit Vertiefungen versehen sind, in die exakt Schweizermünzen hineinpassen. ( Hier werden sympathischer - oder ironischer Weise keine Dollars verwendet).

Nach einer Quelle, bestehend aus einer grossen, leeren Schnapsflasche (?) im kleinen Zwischenraum gelangt man in die letzte Zone, wo zwei elektronisch gesteuerte Roboter - Flöten, behaucht von einem Kompressor, unaufhörlich und sehr dilettantisch ein Duett spielen. Mit Schmerzen in den Ohren erinnert man sich an die stundenlangen Übungen von Kindern, die wiederholt versuchen, zweistimmig eine erkennbare Melodie zu spielen. Eine schöne, humorvolle und intelligente Ausstellung.

(Ich überlege mir gerade wie ein Zusammenspiel zu dritt, mit meiner 540 cm langen Hirtenflöte klingen würde, die ich vor einigen Jahren in ein massives Brett eines Mammutbaumes geschnitten und als Holzschnitt abgedruckt habe)

Um 19 Uhr waren wir schon in der Propstei in St. Peterzell. ich konnte letztes Jahr an diesem Ort den Vexer Verlag präsentieren und ich wollte unbedingt die zweite Ausstellung von Ramon Lenherr anschauen. Er hat eine sehr schön gestaltete, selbstreflektierende Ausstellung über das Neckertals konzipiert. Es stellt sich aber natürlich immer wieder die Frage, was für Ausstellungen an solch abgelegenen Orten auf dem Lande sinnstiftend sein könnten. Nach drei Ansprachen, Volksmusik, Häppchen und Wein sind wir wieder nach St.Gallen gefahren und haben uns in der Kunsthalle einmal mehr sehr wohl gefühlt. Ein lustiger Abend, mit inspirierenden Gesprächen mit Patrick Frey, Dorothea Strauss, Christoph Doswald, Beat Huber, Yvette Sanchez, Giovanni Carmine, Maren Brauner und vielen mehr.

 15. August: Ich stand früh auf und fuhr mit dem Fahrrad zum Bäcker, um frische Brötchen zu holen. Die Laugengipfel sahen aus wie wenn sie mir die Zunge herausstrecken würden. Als ich die Verkäuferin mit meiner Beobachtung konfrontierte, erklärte sie mir, dass die Gipfeli das nicht persönlich meinten. Das Gebäck sei einfach nicht schön auf das Blech gelegt worden und dann schauen sie eben so aus. Ich musste einen Büro und Organisationstag einschalten und das verlangte nach einem üppigen Frühstück, also kaufte ich zwei Stück von dem fröhlich lallenden Gebäck.

14. August: Um 10.30 war ich mit Stefan Rohner verabredet. Wir konnten nun endlich das dritte Bild von Fribourg fotografieren. Um 11.48 fuhr mein Zug nach Olten. Ich war verabredet mit Lukas Metternich, dem Matrizenhersteller um die ersten Proben der Negative anzuschauen. Mit dabei war auch der Architekt Christian Severin von Diener & Diener und der Chef des Betonwerks Stüssi aus Dällikon. Ich war total fasziniert von den präzisen Abgüssen meiner Motorsägen - Zeichnungen.  Ich hatte immer die Meinung, dass ich ein gutes Vorstellungsvermögen habe aber die Negative sehen verblüffend "anders" aus. Die Zugfahrt nach St.Gallen nutzte ich, um das Buch von Nils Röller "Roth der Grosse" zu lesen. Wer Dieter Roth mag wird dieses Buch lieben. Es ist erschienen im KLEVER Verlag und beschreibt die fiktive Begegnung von Roth mit Lenin im Niederdorf Zürich . 

"Ich sang, itz wein ich".

"Ich weint, itz sing ich". 

Am Abend besuchten wir die Feier für die Ladenerweiterung von Mode Weber. Inge und Erich machen das super. Gespräche, Wein, Häppchen und Modeschau. Das hat richtig Spass gemacht und ist gar nicht viel anders als eine Ausstellungseröffnung. Die Menschen sind einfach etwas besser angezogen und die Frauen sind eindeutig in der Überzahl. 

13. August: Heute Morgen musste ich sehr früh im Atelier sein wegen dem erwarteten Bildertransport. Die Strasse war komplett verstopft. Für die Busse gab es kein Durchkommen. Ich rannte kurz entschlossen zum Bahnhof St. Fieden, um doch noch rechtzeitig in Haggen anzukommen. Alles hat bestens geklappt. Das Bild ist nun da und vom Keilrahmen abgespannt. Heute Abend fahre ich mit meinem neuen Dampf - Bügeleisen (speziell für Männer geeignet) noch einmal ins Atelier, um die zerknitterte Leinwand herzurichten.  Der sehr versierte Deutsche Verkäufer sagte mir, dass dieses Bügeleisen einen so starken Dampfstrahl habe, dass man sogar senkrecht an einer Wand bügeln könne. Ich fragte mich dann einfach, was man denn flach an der Wand bügelt.

12. August: Ich habe einen wunderbaren Tag im Garten verbracht. Die Steinplatten auf dem Sitzplatz mussten neu ausgefugt werden und die Sandsteintreppe im Steilhang war völlig überwuchert und die Fugen durch den starken Regen völlig ausgeschwemmt. Ich war den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, die Treppe und die Trockenmauern wieder herzurichten. Am Abend ging ich vom vielen Sand und Steine schleppen ziemlich gebückt durch die Landschaft. 

11. August: Der gestrige Abend war wirklich sehr speziell, hoch über den Dächern in der St. Galler Altstadt. Ab 22:00 Uhr fängt in den Gassen ein Murmeln der Menschen an, das immer mehr anschwillt.

Heute erwartete ich Besuch im Atelier von Roger Diener, Christine Binswanger und von Albert Kriemler. Ich präsentierte meine 134 Menschenbilder, die ich in den letzten Monaten mit der Motorsäge in die Holzplatten vom Mammutbaum aus Aarau gesägt habe. Dieser Nachmittag war ein echter Höhepunkt in meiner bisherigen künstlerischen Laufbahn.  Bei uns zu Hause hatte Monika ein sehr feines Essen vorbereitet. Die unwahrscheinlich spannende aber harte und anstrengende Arbeit der letzten vier Jahre hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt und das gemeinsame Essen war eine sehr schöne Abrundung dieses Tages.  

10. August: Eigentlich sollte heute das dritte Bild von Fribourg fotografiert werden. Der Termin fällt aus. Am Abend sind wir zusammen mit unseren Nachbarn bei der Stadt - Ruth eingeladen. das wird sicher ein feines Essen und eine lustige Runde.

9. August: Heute um 10 Uhr holte mich Matthias Strupler ab, damit wir im Atelier gemeinsam die neuen Bücherregale aufbauen konnten. Um 11 Uhr traf schon der Bildertransport aus Basel ein. Über die Mittagszeit öffnete ich die riesige Bilderrolle. Geliefert wurde nicht ein Bild sondern drei Bilder und dazu noch die drei falschen. Nun muss weitergesucht werden im Lager. Um halb zwei ist Thamar ganz begeistert zurück gekommen von ihrem ersten Kontakt mit Carol Forster vom Bücherladen Appenzell. Sie werden gemeinsam die Buchpremiere von Peter Liechti organisieren.
Um 15 Uhr waren die Regale aufgebaut. Eine Erweiterung der Bibliothek um 30% ist nun möglich. Um 17 Uhr konnte ich tief durchatmen. Das dritte Werk aus der Gruppe "Drei Nächte , drei Bilder" von 1981 ist gefunden worden. Am nächsten Dienstag werden die drei Leinwände wieder beisammen sein und fotografiert werden können.

8. August: Heute hatten Thamar und ich ein Treffen mit Anita Zimmermann und dem Grafiker Yvo Egger im Franz im Linsenbühl. Anita plant ein spannendes Buch, exklusiv für die Kinder des Gerhalden Schulhauses als Kunst am Bau Projekt. Sie wollte meine Meinung zum Papier, zur Bindung, zum Umschlag etc. einholen und hat uns zum Essen eingeladen. Das neue Restaurant ist sehr schön gemacht und bringt wieder ein bisschen Grossstadtgefühl nach St.Gallen. Der Ort ist Franz Kafka gewidmet, der am 3. August 130 Jahre alt geworden wäre. Er kaute konsequent an jedem Bissen 32 mal herum und nervte damit seinen Vater bis aufs Blut. Er war ein absoluter Ess- und Trinkmuffel. Ich denke Kafka hätte beim dargebotenen Essen im Franz kuriert werden können. Nun ist es zu spät, da gibt es nichts mehr zu kauen und zu spülen für Franz im Franz.

7. August:  Heute Mittag hatte ich ein schönes Telefongespräch mit Vera. Sie hat mir von ihren neuen und riesigen Malereien erzählt und versprochen einige Fotos an mich zu mailen. Ich bin sehr gespannt.

6. August: Heute werden alle restlichen Reliefplatten von Stefan fotografiert. Wenn alle Fotos aufbereitet sind, kann ich endlich sehen, wie die Fassade  ungefähr aussehen wird.

5. August: Ab 9:00 Uhr telefonierte sich Thamar mit Erfolg durch alle Kulturredaktionen der Schweizer Presse. Am Mittag um Eins erwarteten wir Peter Liechti und auch er ist begeistert vom neuen Buch. Ein druckfrisches Werk in den Händen zu halten ist ein wirklich emotionaler Moment.

Am Abend musste ich zusammen mit Monika meine uralten Skandalbilder von 1981 im Lager heraussuchen, damit die Werke in einer guten Qualität fotografiert werden können. Ein französischer Verlag plant die Herausgabe eines Buches zum Thema "les procès de l'art". Wir mussten sehr viele riesige Bilderrollen öffnen. Am Schluss stand fest, dass ein Bild fehlt. Ich hatte eine richtige Kriese, bis mir eingefallen ist, dass das Bild im Lager bei Josy Kraft in Basel sein muss. das hat sich dann zum Glück auch bestätigt. Monika und ich hängten die zwei grossen Bilder auf. Wir haben diese frühen Arbeiten sehr lange nicht mehr gesehen. Der erste Eindruck war eher schwierig. Nach und nach konnte ich mich aber wieder in die Zeit und die Wut der frühen 80er Jahre versetzen.

Erst sehr späht konnten wir essen. Ich hackte am Nachmittag einen grossen Bund Petersilie, Rosmarin, Oregano und Isop, schnitt einige Tomaten in kleine Stücke und mischte das Ganze zu einer Kräuterpampe. Ich schnitt  frische, grosse Stangenbohnen in 5 cm lange Stücke, viertelte kleine frische und ungeschälte Kartoffeln und kochte das ganze mit etwas Salz und Knoblauch im Dampf mit einem Kräutersud. Dazu lege ich immer die Stengel und das Holzige der Kräuter ins Wasser.  Am Abend als wir fix und fertig nach Hause kamen machte ich sofort ein Feuer und bereitete eine kleine Glut vor. Das leicht aufgewärmte Gemüse mit den Kartoffeln legten wir dann in kleine Bratpfännchen, gaben die gehackten Kräuter mit Tomaten darüber, legten einige frische Zwiebelringe und je ein Stück Racletkäse darauf. Auf der Glut gebraten wird das Ganze zum kulinarischen Erlebnis, vor Allem, wenn dann der Wein auch noch stimmt. Wir wählten einen Sangiovese von Parmoleto. Ohhh...

4. August: Ein tolles Frühstück, ein bisschen Aufräumen und etwas Sport auf dem Sempachersee. Monika entdeckte für sich das "Padelbrett".  Keine Ahnung wie das richtig heisst. Sie paddelte zuerst leicht schwankend und mit der Zeit immer sicherer auf dem See herum. Wir fuhren dann über den Ricken zurück nach St.Gallen. Eine richtig schöne Sonntagsfahrt.

Der Kühlschrank zuhause war fast leer. Ich fand eine gelbe und eine rote Peperoni, fünf recht verschmörzelte Pilze und einige Oliven. Im Garten pflückte ich ohne Konzept einige Kräuterbüschel und in der Küche lag auch noch eine Zwiebel. Das Ganze zerlegte ich nach bestem Können und ich warf alles in die Bratpfanne mit einer gehörigen Portion Tomatenpüree, das ich stark angebraten habe.  Gleichzeitig setzte ich einen grossen Topf mit heissem Wasser auf (Solarerhitzt) und harrte der Dinge. Im Schrank lag ein halber Pack Spagetti und spontan entschied ich mich, noch den Rest einer angebrauchten Packung "Kurznudeln" in das kochende Wasser zu schütten. Diese ungewöhnliche Nudelmischung war ein richtiger, kulinarischer Stimulator und Alles war gut.

3. August: Mit frischer Energie bin ich früh aufgewacht. Die neue Regendusche habe ich bewusst auf kalt, ehrlich gesagt eher auf leicht kühl eingestellt, oder doch fast ein bisschen warm? Auf jeden Fall bin ich fröhlich aufgestanden und genüsslich in den Tag hineingerutscht. Meine Abmachung war, in meiner neuen Badehose  um 15.10 in Sursee anzukommen und abgeholt zu werden. Ich sass dann relativ lange auf einer Bank beim Bahnhof. In Sursee gibt es keine Telefonkabine, kein Restaurant, keine Auskunft, keine Busse, keinen Streichelzoo, keinen Kiosk, keine Einkaufszone, keine Kuschelecke und keine Menschen, die man etwas fragen könnte. Ich habe mich entschlossen, ganz entspannt zu warten. Das hat sich gelohnt. Hanna und ihr Freund Mo haben mich dann zum Glück gefunden.

Das Fest am Sempachersee war einmal mehr wunderbar. Viele, ganz unterschiedliche Musiker aus der Berner Szene erzeugten eine musikalische Grundstimmung, die ich in der Ostschweiz so nie erlebt habe.

2. August: Ein wunderbarer Moment nach langem Warten und der Ungewissheit ob alles gelungen ist. Eine Sendung mit zwei Paletten Bücher ist im Atelier eingetroffen. Die Nase in ein druckfrisches Buch hineinlegen, die Augen schliessen und den ölig-tranigen Duft geniessen, der die Kraft hat, mich in die Nähe des Ozeans zu wehen.

1. August: Nationalfeiertag. Wer ist wer und wo ist wo? Den ganzen Tag habe ich an meiner Adresskartei  gearbeitet, begleitet vom Knallen und Zischen von zu früh abgeschossenen Krachern und Raketen. Am Frühen Abend fuhr ich nach Arbon an ein kleines privates Fest. Beim Sonnenuntergang erlebte ich das erste Mal diese unglaublichen Farbstimmungen der  Seebilder von Adolf Dietrich. Wir ruderten zu dritt ein Stück auf den Bodensee hinaus, der sich farblich trennte in Flächen von Tag- und Nachtfarben. Strahlendes, schimmerndes Weiss mit Zitronengelb, Orange und Grün und auf der anderen Seite, Richtung Osten, kaltes Blau, Rot und Violett, umhüllt von aufkommender Dunkelheit. Dazu die quecksilbrige Oberfläche des Sees. Wir glitten mit dem Boot fast lautlos durch das Wasser. Bei der Rückfahrt war der Alpstein mit dem Säntis koloriert wie eine alte Postkarte. Ich empfand ganz unerwartet eine grosse Leichtigkeit, Schönheit und Unendlichkeit bis zu dem Moment als das Boot am Ufer wieder im Schlamm auffuhr. Dann in der Dämmerung ein kleines, von Fredi inszeniertes Feuerwerk, ein feines Essen mit frischem Fisch und viel Getöse und BUM - BUM von all den Festanlässen am See. Ein Abend der Farben.

31. Juli: 10:00 Uhr. Heute habe ich Kunst - Post bekommen von Patricia London Ante Paris aus München. Für die LAp Mitglieder zeichnet oder malt Patricia immer ein Originalblatt. Ich liebe diese Arbeiten und bin darum Doppelmitglied, damit ich dann zwei fast gleiche Kunstwerke bekomme. Heute waren es zwei sehr schöne Aquarelle mit dem Titel "Hunger". Wie ich diesen Titel "Hunger" lese, merke ich, dass mein Magen knurrt. Ich muss mir dringend etwas kleines kochen. Morgen am 1. August ab 19 Uhr, findet im Atelier von Patricia, an der Schluderstrasse 45 in München die Video- und Performance Nacht "NACHTPULS" statt. Von mir zeigt sie den frühen Super 8 Film "BAD" von 1983. Monika und ich geniessen in diesem Film ein Bad im Dachstock unserer damaligen Wohnung an der Bleichestrasse 3 in St. Gallen. (Genau da, wo sich heute der rote Platz von Pippilotti Rist befindet) Dem friedlichen und gemütlichen Badefilm ist ein sehr ungemütlicher, finsterer Text von mir unterlegt. Den Filmschnitt und die Musik machte damals an einem Nachmittag Muda Matthis. Die Kamera wurde von Flavia Jäggi bedient. Der Film entstand ganz spontan für die Buchpremiere meines ersten Buches "Kreuzernachtigall" in der Buchhandlung Comedia. Den Film spielten wir am Abend draussen auf der Stasse ab. Eine ziemlich wilde Sache war das und schön aufregend.

Nach dem sehr frühen Mittagessen musste ich mich eine Weile hinlegen. Das nützt immer um die Gedanken neu zu ordnen. Dabei habe ich bemerkt, dass die Glyzinie mit ihren grünen Schlingarmen schon fast die Bettpfosten erreicht. Das hatte etwas beängstigendes und ich beschloss diese Pflanze mal richtig kräftig zurück zu schneiden. Um 15.00 Uhr hatte ich eine Besprechung mit dem Dachdecker. Das Dach, die Dachrinnen und die Guggeren müssen dringend kontrolliert und repariert werden. Unter den Solarmodulen müssen Schneehacken angebracht werden, damit der Schnee im Winter keine Katze erdrückt. Es gibt immer etwas zu tun.

30. Juli: Heute hat die Druckerei Bescheid gegeben, dass die Bücher von Peter Liechti bereits am Freitag geliefert werden. Das ist natürlich super. Alles passt. 

29. Juli: Pünktlich um 9 Uhr traf Thamar ein. Sie macht ein Praktikum bei mir für zwei Monate. Wir haben einige mögliche Projekte für diese Zeit besprochen. Es gibt viel zu tun. Thamar wird vor allem das neue Buch von Peter Liechti betreuen, Werbung, Vertrieb, Buchpremiere usw. Ein weiteres Projekt ist die Neuorganisation meiner Bibliothek. Ich bestellte gleich den Schreiner Matthias Strupler, um den Weiterbau der Regale zu organisieren. Zum Glück hat er Zeit. In zehn Tagen wird bereits alles eingebaut. Dann kann ich endlich wieder Bücher kaufen.

28. Juli: Die Tage im Piemont waren sehr erholsam. Ich habe viel geschlafen und gelesen. Der Mammutbaum "Felice", den ich letztes Jahr im Kastanienwald gepflanzt habe gedeiht prächtig. Am Sonntagnachmittag brachte mich Monika nach Domodossola. Ich konnte nur ein Ticket nach Brig lösen, der PC am Bahnschalter wollte nicht mehr. Alles war sehr hektisch wegen einer Baustelle an den Geleisen. Ich musste auf den Schienenersatzbus warten. Lustiger weise haben wir hier eine alte Bekannte getroffen, die nach Bern reiste. Andreas, der Sohn von Maya Fröhlich besuchte Anfang der 80er Jahre die gleiche Spielgruppe wie unsere Tochter Vera. Durch so eine Begegnung wird man unverhofft in eine ganz andere Zeit versetzt und man erinnert sich plötzlich an die damalige Rolle als junge Eltern. Gleichzeitig tauchen in der Erinnerung alle gemeinsamen Freunde aus dieser Zeit wieder auf.

Schlussendlich hat mit der Reise alles geklappt und ich war um 19.30 Uhr wieder in St.Gallen.

25. Juli: Ich bin schon um sechs Uhr aufgewacht und schreibe noch einige e-Mails. Um acht Uhr fahren wir los Richtung Italien.

24. Juli: Um die Mittagszeit erwarte ich Sandra Gysi und Ahmed von Donkeyshot und Bärbel Gysi und Martin Steinemann aus Aarau im Atelier. Ich habe mir vorgenommen für die Filmaufnahmen die Holzplatte zu bearbeiten, die beim Gebäude direkt rechts neben der Eingangstüre platziert werden wird. Ich sehe da schon lange einen Mann mit Hund. Die Anspannung ist bei mir immer sehr viel grösser, wenn ich vor Publikum arbeite. Der Mann und der Hund sind da und ich bin völlig verschwitzt. Nach einer Kaffeepause rede ich noch eine Stunde über meine bisherige Arbeit an diesem Projekt. Wir brauchen das für den Off-Text. Ich glaube das ist ziemlich gut gelungen. Am Nachmittag habe ich die letzten fünf Reliefs geschnitten. Es wird Zeit für ein paar Tage Erholung.

22. Juli: Heute kommt Monika von Berlin zurück. Am Morgen mache ich die letzten Vorbereitungen für das Filmteam, das mein Kunst am Bau Projekt begleitet. Am Mittwoch muss alles bereit sein.

Für das Begrüssungsessen habe ich einen feinen Argentinischen Malbec, vier Lammkotelettes und ein schönes Stück Rindfleisch eingekauft. Dazu werde ich grosse halbierte Kartoffeln, mit Butter und Kräutern in der Folie direkt im Feuer braten.

21. Juli: Ich hatte schon mein Frühstück gegessen, als Monika aus Berlin telefonierte.  Sie lag noch im Bett mit ihrem Handy. Eigentlich finde ich solche Gespräche immer eher schwierig aus solchen Distanzen. Ich fühle mich so extrem an einem anderen Ort. Es ist ja auch so. Aber es war trotzdem schön die Stimme von Monika zu hören. Es war für mich zu nebensächlich, ihr zu erzählen, dass ich zwei Frühstückseier gekocht hatte und dass beide Eier überhaupt nicht optimal gelungen sind. Eins ist ausgelaufen und das zweite Ei war einfach nicht genug gekocht. Monika ist mit den Frühstückseiern immer sehr kritisch. Die Note sechs bekomme ich aber fast jeden Sonntag. An jedem Zweiten ist es eine bis sechs. Meine Parole lautet: "Kein Sonntag ohne Frühstücksei". Heute waren es zwei halbe.

Dann habe ich viel gelesen und viel Romantik im Fernseher gesehen. (Und etwas Fussball).  

Nun kochte ich aber wunderbar. Ich bereitete draussen ein Feuer vor. Holzhacken am Sonntag ist immer spassig. Aber mein Lammfleisch von der Coop-Tankstelle  wollte ja gegrillt werden. Die zwei Fenchel im Kühlschrank machten einen so erbärmlichen Eindruck auf mich, dass ich sie sogleich zubereiten musste. Gemeinsam mit zwei Kartoffeln, die ich in Schnitze geschnitten habe, kochte ich das alles im Dampf mit Liebstöckel und Rosmarin. Am Schluss sah das so traurig aus, dass ich richtig viel Curry dazu gegeben habe. Das Essen ist richtig gut gelungen. Nachbar, der wunderschöne Kater von nebenan schaute mit beim Essen zu. Er knurrte und schnurrte und verstand sehr wohl, dass es nichts zum Teilen gab.

Jetzt hat gerade Sandra eine E-Mail geschrieben. Sie ist mit dem Auto  kurz vor dem Gotthard und wird am Mittwochmorgen um elf Uhr in St. Gallen sein. (Hoffentlich)

20. Juli: Jetzt habe ich gerade einen  Salat der Völkerverständigung für mich ganz allein gemacht. Griechischer Salat mit Cervelat. Den frischen Salat habe ich bewusst im Garten der Nachbarn gegessen, damit der alte Kater "Tiger" nicht vereinsamt. Er ist dauernd um meine Beine herumgeschlichen und miaute mir etwas vor. Nach dieser strengen Woche hatte ich Lust auf Gesellschaft und wollte nicht alleine essen. Ich habe dem Tiger also ziemlich alles erzählt und versucht zu erklären was so abgeht bei mir und in St.Gallen. Meine strenge aber erfüllende Arbeit, die vielen Menschen in meinem Atelier und vor Allem mein Schreck als heute morgen um 5.30 Uhr die Erde bebte. Es war wirklich speziell. Ich hatte das Gefühl, dass mein Bett und das ganze Haus mit einem Ruck ins Tal gestossen wird. Ich rannte sofort auf den Balkon und rundherum standen auf allen Terrassen Menschen in Unterhosen oder ähnlich Spärlichem. Ein spezielles Bild. Das Erdbeben war Mensch gemacht. Das Experiment mit der Geothermie scheint doch nicht so harmlos zu sein. Der zuständige Stadtrat Fredi Brunner wird heute Nacht sicher nicht so gut schlafen. Nächste Woche sieht ja eventuell alles wieder ganz anders aus. St.Gallen hat eine einträgliche Gasquelle und der Gewinn daraus wird für eine lebendige Buchstadt verwendet. Und nur dafür!

Nun schaue ich mir im Bayerischen Rundfunk den Film 24 Milchkühe und kein Mann an. Schluss jetzt - ich bin fix und fertig. Melken tu i nimmer heut.

16. Juli: Die gestrige Besprechung hat mich beruhigt und angespornt. Diese Woche muss etwas gehen. 

15. Juli: Am Nachmittag hatte ich eine ausführliche Besprechung mit Lukas Metternich von der Modellbaufirma Ingold AG. Er wird die Negativformen der Holzplatten in Olten giessen. Er wird fünf bis sechs Arbeitstische vorbereiten, auf denen die Platten montiert und fixiert werden können. Die ersten sechs Platten sind nun schon unterwegs in die Werkstatt, damit die ersten Versuche gemacht werden können.

Monika hat geputzt, gewaschen und gepackt. Sie fliegt für eine Woche zu Vera nach Berlin. Ich fahre mit zum Flughafen und nehme gleich den nächsten Zug zurück. Das lässt Raum zum Plaudern und zum Nachdenken. Ich meine natürlich auf der Hinfahrt. Die Rückfahrt bietet keine Möglichkeit zum Plaudern. 

14. Juli: Die verschwundene Mutter scheint bei mir am Samstag eine Magenverstimmung ausgelöst zu haben. Ich kochte mir literweise Haferschleimsuppe, lag im Bett, konnte viel schlafen und vor mich hin sinnieren. Hafer hilft bei mir immer. Am Abend war ich fit genug, das erste mal das Blues/Rock Openair in Bühler zu besuchen. Ein spezieller Abend. Ich habe gestaunt, wie viele alt Hippies mit Kindern und Kindeskindern immer noch in dieser Region leben. Ein enorm viel rauchendes und trinkendes Publikum feierte enthusiastisch die Sololäufe ihrer alternden Stars. Die Sängerin Maggi Bell und nach ihr der Australische Gitarrist Rob Tognoni waren auch für mich absolute Highlights an diesem Abend.

12. Juli: Ein freier Nachmittag im Rheintal. Eigentlich wollte ich meine Mutter in Oberriet besuchen aber sie öffnete die Wohnung nicht. Das konnte nur heissen, dass sie überraschend für einen Ausflug abgeholt wurde  oder dass ihr etwas zugestossen war. Meine Mutter ist 86 Jahre alt und verlässt das Haus nur noch ungern und sicher nicht alleine. Ich ging einen Kilometer zu Fuss um meinen Bruder zu informieren. Er hat einen Wohnungsschlüssel. Gemeinsam öffneten wir die Wohnung und konnten erleichtert feststellen, dass alles in Ordnung war aber die Mutter war verschwunden.

Am Abend hat sich alles aufgeklärt. Meine ältere Schwester hatte meine Mutter für einen Ausflug abgeholt. Ich persönlich kann nicht Autofahren und besitze kein Handy. In solchen Momenten der Ungewissheit ist das schwer zu ertrage und zu begründen. Was soll's. Später, beim Jassen mit den Schwiegereltern haben Monika und ich dann auch noch verloren. Was macht man nicht alles an einem freien Nachmittag.

11. Juli: Schon wieder ein guter Tag. Madeleine Herzog von der Fachstelle Kultur der Stadt St.Gallen hat mich heute informiert, dass das neue Buch KLARTEXT von Peter Liechti unterstützt wird. Nun kann die Produktion beginnen. Super.

Heute wollte ich mich erholen von meiner harten körperlichen Arbeit. Am Morgen besuchte ich das Kunstmuseum in St.Gallen um endlich die Retrospektive von Dan Flavin anzuschauen. Eine baulich sehr aufwändige Ausstellung. Um die Verkabelung der Leuchtstoffröhren zu verdecken, wurden sehr viele Wandflächen aufgedoppelt. Das ganze ist nicht nur eine Lichtinstallation. Das hohe Gesirre und tiefe Brummen der Röhren legt einen richtigen Klangteppich in die Räume. Die eindrücklichste Rauminstallation von Dan Flavin sah ich vor einigen Jahren in Houston. Die permanente Präsentation ist installiert in einer grossen Halle der Menil Collection.

Anschliessend bin ich nach Winterthur gefahren um eine vielteilige Arbeit von Teresa Peverelli einrahmen zu lassen. Darauf freue ich mich. Vor der Besprechung besuchte ich das Reinhard Museum. Eigentlich wollte ich die Kreidefelsen von Caspar David Friedrich besuchen. Dann entdeckte ich wunderbare Landschaften von Caspar Wolf  und Alexandre Calame, die Villa am Meer von Böcklin, frühe Hodler usw. Da muss ich wieder hin.

Das Kunstmuseum Winterthur präsentiert das Werk von Giuseppe Penone. Es ist schon sehr interessant, dass ein Künstler plötzlich wieder so präsent ist. In einem Jahr habe ich sicher schon fünf seiner Baumarbeiten gesehen. Überraschend waren für mich seine frühen Arbeiten mit Zündschnur und Wachs von 1968. Die Idee, den natürlichen Wachstumsprozess der Natur für die Kunst zu nutzen ist sehr interessant.  Beim Betrachten der verschiedenen Werkphasen bekommt man das Gefühl, dass sich sehr viele Künstler  bei Penone mit Ideen bedient haben. Die Arbeiten haben einen hohen sinnlichen Reiz. Teils Atemberaubend schön und teilweise grenzwertig esoterisch.

Um 17.30 kontrollierte ich bei TGG die Druckbogen für das neue Buch von Peter Liechti und erteilte das Gut zum Druck. Spontan habe ich mich dann entschieden, auf dem Höhenweg bis zu den drei Weiern zu spazieren. Auf diesem Weg stehen richtige Baumriesen, Pappeln, Linden und Eschen. Nach der Ausstellung von Penone fährt das richtig ein.

10. Juli: Der Buchantiquar Markus Comba hat heute eine grosse Anzahl Bücher im Atelier vorbeigebracht, die ich bei ihm ausgewählt habe. Es wird langsam Zeit, dass ich ein Sammlungskonzept für meine Bibliothek erstelle. Das wird aber schwierig werden, denn das Uferlose gefällt mir sehr. Am Nachmittag befragte mich eine Firma im Auftrag einer Kreditversicherung telefonisch nach meiner finanziellen Lage. Ich versicherte dem jungen Mann treuherzig, dass alle meine Lieferanten grosse Freude an mir und meiner Zahlungsfähigkeit hätten. Stimmt doch - oder?

9. Juli: Ich kann kaum mehr gehen und stehen. Die Arbeit mit der Kettensäge ist extrem anstrengend aber die Arbeit für Aarau geht kontinuierlich weiter. Ich bin sehr beruhigt. Das Zeichnen mit der Motorsäge  ist nicht so einfach. Enge Kurven können einen schnell aus der Bahn werfen. Bis jetzt ist alles gut gegangen. Wie bei den Ausserrhodener gibt es auch in meiner Arbeit Schöne, Hässliche und Schön - Hässliche. Ich kann mir die Menschen ja nicht aussuchen die mir begegnen. Schwups sind sie einfach da und schauen mich an. Bei manchen Figuren muss ich mich zuerst eine halbe Stunde hinsetzen und vorsichtig überprüfen, wer sich in mein Atelier geschlichen hat und mich anschaut.

Jeder Tag wird zu einem Fest. Monika hat sehr gut gelagertes Fleisch aus Schaffhausen mitgebracht. Dazu koche ich in einem alten Schwarzblech verschiedene Gemüse auf dem Feuer. Köstlich. Mit etwas Wein lockern sich auch meine Rückenmuskeln langsam und ich kann wieder aufrecht gehen.

6. Juli: Die letzten zwei Tage war ich beschäftigt mit der Kunstklasse der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Am Donnerstag konnten wir an der Kommissionssitzung mit Freude zur Kenntnis nehmen, dass alle 16 Studierenden das Diplom erhalten werden und gestern Abend fand im Festsaal des Hauptbahnhofs die würdevolle Diplomfeier statt. Die Forderung nach einer Kunstklasse wurde im Umfeld des Vereins Kunsthalle schon in den 80er Jahren gestellt. Nach rund dreissig Jahren ist es nun endlich soweit. Ich hoffe natürlich, dass sich diese Kunstklasse langfristig im Ostschweizer Bildungsangebot etablieren kann. Die beste Werbung für dieses Anliegen liegt nun in den Händen der frisch diplomierten Künstlerinnen und Künstler, denen ich herzlich gratuliere und viel Erfolg wünsche.

4.Juli: Ich freue mich nun sehr auf das neue Buch von Peter Liechti.  Die Finanzierung scheint gesichert, alles ist aufgegleist. Im August wird sich Judith Thamar Ette aus Düsseldorf exklusive um dieses Buchprojekt kümmern. Sie studiert zur Zeit Kunstgeschichte und Romanistik (M.A.) an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Als Verlagsassistentin wird sie die Werbung, Vermarktung und Vermittlung begleiten.

Am Nachmittag habe ich bei Markus Comba im Buchantiquariat einen riesen Stapel Neueingänge angeschaut und sehr viele Bücher gefunden, die in meine Sammlung passen.

3.Juli: In den letzten Tagen habe ich sehr viel Material für meine Menschensammlung zusammentragen können. Skizzen, Fotos, Zeitungsausschnitte usw. Morgen wage ich mich wieder an eine neue Serie von Reliefs. Heute Mittag assen wir im schwarzen Engel. Es ist lustig, dass es seit dreissig Jahren immer wieder junge Menschen gibt, die sich für diese Genossenschaftsbeiz einsetzen. Alle sind sehr engagiert und voll motiviert. Nach dem Essen musste ich zu TGG, um zusammen mit Jessica Frey die Schlusskorrekturen für das Buch von Peter Liechti zu machen und um die Werbekarte zu gestalten. Ich sass bis 18 Uhr vor dem Computer und benahm mich wie ein richtiger Verlags Direktor. Das war alles sehr anstrengend aber es hat Spass gemacht. Die letzten Details brauchen immer sehr viel Zeit. Nun ist alles im Kasten. BRRRR...

2. Juli: Heute musste ich wieder einmal einen Büro Tag einlegen, mit Peter Liechti die Werbestrategie für sein neues Buch "Klartext" besprechen, mit Carol Forster die Buchpremiere vorbereiten, mit Kasper Kobel die Gestaltung des geplanten Erzählbandes von Wolfram Lotz verfeinern, mit Wolfram Lotz über einen möglichen Partnerverlag in Deutschland sinnieren, einen Stapel saftige Rechnungen begleichen, das Tagebuch nachtragen, bei Farben Müller ein schönes Grau für die Garagentore mischen lassen, die zwei Türen der Garagen streichen, das Nachtessen vorbereiten, (Kartoffeln, Broccoli und Krautstiel mit vielen frischen Kräutern und dazu separat gebratene Pilze) dann ein Feuer vorbereiten für die Glut um den Racletkäse zu schmelzen. Gemeinsam essen und früh ins Bett.

1. Juli: Am morgen früh wurde ich von Stefan Rohner abgeholt. Er fotografierte die zweite Serie meiner Menschenbilder für Aarau. In zwei Stunden trug ich mehr als eine Tonne Holzplatten durch mein Atelier. Ich scheine zum Schleppen geboren worden zu sein. Am Nachmittag habe ich im Garten zwei Birken zurückgeschnitten. Zu meinem Erstaunen war ich plötzlich auf der Höhe des dritten Stockwerks vom Nachbarhaus und konnte so vom Baum aus auf der gleichen Ebene mit Lilian plaudern. Die Birken habe ich vor ca. 20 Jahren gesetzt. Ich habe sie damals im Rheinvorland bei Kriessern als kleine Bäumchen ausgegraben.

30. Juni: An diesem Sonntag wurde uns ein kulinarischer und literarischer Nachmittag der Sonderklasse geboten bei Agathe Nisple in Appenzell. Carol Forster vom Bücherladen feierte mit den Helferinnen und Helfern und den Sponsoren den Abschluss des Projekts "Bücher laden ein". Lojze Wieser, der Verleger, Autor, Koch und Geniesser  füllte unsere Mägen und das Hirn mit dem Feinsten. Als wir am Abend über den Bahnhofplatz in St.Gallen trollten, bot sich uns ein sehr spezielles Bild. Der ganze Platz, die Busse und die Menschen waren völlig verdreckt. Die Festivalbesucher vom Openair verwandelten die Stadt in einen Acker. Dieses von Erde verkrustete Stadtbild war ziemlich lustig und ungewohnt. Am Rand des Unterstands bei der Bushaltestelle standen ganz einsam zwei ordentlich abgestellte, weiss getupfte Gummi Stiefel.  

29. Juni: Um 10 Uhr fuhren wir in das kleine Städtchen Saint-Marie-aux-Mines. Hier wurde früher Silber  geschürft. Nun findet hier seit 50 Jahren eine der grössten, internationalen Edelstein und Mineralien Messen statt. Trotz strömendem Regen fanden wir einige sehr schöne Steine. Ich kaufte unter Anderem einen riesigen Kristall aus dem Himalaya Gebirge, der  vor kurzer Zeit am Fusse des K2 gefunden wurde. Der Strahler wickelte den Stein in ein grosses Tuch und ich trug das 20 Kilostück wie ein brutal schweres Baby durch den Regen.

Auf der Rückfahrt in die Schweiz stieg ich in einen Zug nach Zürich, um Vanja bei der Verlagspräsentation zu helfen. Ich wollte sie mit den schweren Koffern nicht alleine lassen. In einer Bierkneipe im Niederdorf waren alle Verleger und Helferinnen zum Essen eingeladen. Das Schnipo schmeckte ausgezeichnet. Um halb zwölf war ich wieder zu Hause. Bis um Eins beantwortete ich meine Mails und sackte anschliessend müde ins Bett.

 

28. Juni: Cefi chauffierte uns über Land nach Colmar. Als erstes besuchten wir die Kathedrale St .Martin, um das Bild von Martin Schongauer anzuschauen. "LA VIERGE AU BUISSON DE ROSES" ist ein wirklich eindrückliches, malerisches Werk. Bei der Betrachtung dieses Bildes passierte in meiner Wahrnehmung etwas sehr eigenartiges. Ich sah plötzlich den Bauch eines männlichen Körpers auf der Stirne der Jungfrau. Beim längeren Schauen dachte ich, dass man diese Erscheinung auch als Herzform oder mit etwas Phantasie als Eichel interpretieren könnte. Die unbefleckte Empfängnis scheint förmlich in die Stirne von Mutter und Kind hineingemalt zu sein. Mit meiner verzückenden Interpretation des Bildes blieb ich aber alleine. Meine Begleiter fanden meine Sichtweise ziemlich absurd. Na ja.

Am Abend assen wir in einem sehr guten Restaurant. Um 21.45 war aber Schluss mit lustig. In Colmar scheinen alle sehr früh ins Bett zugehen. Uns blieb nur das Jassen in der Hotelloby. Auch an diesem Abend hatten die Frauen beim Spiel keinen Hauch einer Chance.

27. Juni: Heute um 10.48 bin ich mit dem Zug nach Zürich gefahren. In zwei Koffern transportierte ich ca. 100 Kilo Bücher. Beim Aussteigen in Zürich knackste es im Koffergriff. Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten. Zum Glück konnte ich die zwei Koffer aber ohne Zwischenfall bis ins Helmhaus ziehen. Nun sind die Bücher dort und Vanja wird am Samstag den Büchertisch stressfrei aufbauen können. Um 14 Uhr war ich bereits wieder zurück in St.Gallen. Ich musste packen für unseren Ausflug ins Elsass. gegen Abend fuhren wir zuerst nach Schaffhausen um den Geburtstag von Coni zu feiern. Sie offerierte uns einen Reissalat nach dem Rezept ihrer Mutter, mit Fleischkäse, von dem Coni riesige Stücke abschnitt und auf unsere Teller legte. Ein Traum. Die anschliessende Jass Runde gewannen Cefi und ich auf eindrückliche Art. Ich glaube, der hervorragende spanische Wein schwächte die Damen ein bisschen.    

26. Juni: Die letzten zwei Tage sass ich in der Hauptpost und hörte mir alle Gespräche von der Prüfungsjury an. Über die Arbeiten der 16 abschliessenden Studierenden der Höheren Fachschule Bildende Kunst in St.Gallen sprachen Corinne Schatz, Una Szeemann, Britta Polzer, Thomas Müllenbach, Markus Gossolt und Patrick Riklin. Die Ausstellung wurde sehr clever und einfühlsam kuratiert von Maren Brauner von der Kunsthalle St.Gallen. Für mich war das eine wohltuende Weiterbildung in Sachen Kunstbetrachtung. Es ist immer wieder erstaunlich, wie verschieden Kunst wahrgenommen und interpretiert werden kann. Die Studierenden waren teilweise sehr nervös und die Jurymitglieder brillierten in ihren sich gegenseitig steigernden Ausführungen. Ab und zu hatte ich das Gefühl, dass alle  komplett andere Werke sehen oder in ihrer überbordenden Fantasie ganz andere Werke aus den bestehenden schaffen wollten. Das waren aber nun wirklich zwei geistig angereicherte Tage und ich habe ganz neue Fassetten der mir bekannten Jurymitglieder entdecken können. Una und Britta kannte ich vorher nicht persönlich und ich bin sehr glücklich dass ich zwei Tage lang zwei so brillanten Menschen zu hören dürfte.  

 24. Juni: Ein Ateliertag im Haggen. Meine Menschengruppe wächst jede Woche weiter. Die Nervosität legt sich langsam. 

23. Juni: Ein ruhiger, verregneter Sonntag.

22. Juni: Am Nachmittag sind wir zum Badhüslifest bei Elsbeth und Hansueli in Arbon eingeladen. In St.Gallen ist es kalt aber am Bodensee wärmt die Sonne den See, die Wiese, die Gäste und die Musiker rund um Willi Häne. Ich habe die Gelegenheit endlich einmal ein Gespräch mit Lika Nüssli zu führen. Sie bemalt seit einiger Zeit einen Raum in der Hauptpost und am Samstag findet dort ein Konzert statt. Ich hätte mir das gerne angehört aber wir sind im Elsass. Im Sommer zeigt sie Arbeiten im Schloss Dottenwil. Da werde ich an einem Wochenende mal dahin spazieren um zu Essen, zu Kauen und zu Schauen.  Es war auch wirklich schön, nach langer Zeit an diesem Ort  mit Pius Knüsel, dem Ex von Pro Helvetia zu plaudern. Mir ist einmal mehr klar geworden was es für einen Menschen bedeutet, eine öffentliche Person zu sein. Ich habe den Eindruck Pius hat wieder zu sich gefunden und geniesst die Momente danach.

Den Abend haben wir bei Ralph und Margrit am Schattenhang von St.Gallen verbracht mit gutem Essen, feinem Wein und hitzigen Diskussionen. Es ist immer wieder schön, die sich rasant entwickelnde Stadt aus dieser Höhe zu betrachten. Felix Sigrist hat in den letzten dreissig Jahren als Architekt immer wieder interessante Baugründe in St.Gallen gefunden. Wenn man dann in diesen Wohnungen quer durch die Stadt Freunde besuchen kann, sind das immer wieder wunderbare Einblicke in ganz persönliche, politische und kulturelle Entwicklungsgeschichten. Gegen halb Eins sind wir zum Marktplatz spaziert und haben uns gewundert wie viele Menschen noch in der Stadt unterwegs sind. Es fährt lange Zeit kein Bus, wir nehmen ein Taxi und der Fahrer ist so dankbar für die zwei Franken Fünfzig Trinkgeld, dass ich denke von jetzt an fahre ich  nach Mitternacht nur noch mit dem Taxi nach Hause. Ein Tipp an die SVP Politiker: spart nicht bei den Schulen und bei der Kultur, spart doch bitte bei den Kotzbussen in die Aglo.

21. Juni: Heute Abend fand die Eröffnung der Ausstellung der Schule für Gestaltung St. Gallen im Hauptpostgebäude statt. Erstmals werden die Abschlussarbeiten von allen Studiengängen gemeinsam präsentiert. Das beginnt bei den Vorbereitungskursen für die gestalterischen Vorkurse, Typographie, Grafik, Signalethik, Farbe, Form, Raum und dem HF Bildende Kunst. Bei diesem dreijährigen neuen Studiengang wurden unter der Leitung von Adrian Notz und vielen Dozierenden erstmals 16 Studierende in bildender Kunst ausgebildet.  Ich bin beeindruckt von der Präsentation und vor allem von der Entwicklung im künstlerischen Ausdruck, die sich die Studierenden im Laufe der letzten drei Jahre erarbeitet haben. Ich hoffe doch sehr, dass sich in St.Gallen eine Kunstklasse an der Höheren Fachschule für Design, Gestaltung und Kunst etablieren kann. Die Basis ist gelegt. Die Aufbauarbeit kann weitergehen. Es wird interessant, wie sich dieser Studiengang weiterentwickeln wird. Die gesamte Ausstellung im Posthauptgebäude ist ein einmaliger Einblick in das kreative Potenzial einer ganzen Region. Es ist wichtig, dass sich die Schule für Gestaltung in Zukunft stärker als  Kreativzentrum positionieren kann und in der Öffentlichkeit präsenter wird.

Maren Brauner von der Kunsthalle St.Gallen hat in den letzten Monaten intensiv mit den Studierenden HF Bildende Kunst gearbeitet und die Ausstellung dieses Studiengangs kuratiert. Das Resultat ist mehr als sehenswert. Ich wünsche allen Studierenden dieses Studiengangs viel Erfolg.

Stephanie Amstad, Margit Bartl, Anna Beck-Wörner, Hansjakob Büchi, Simon Gehrig, Hans Guggenheim, Rita Harder, Angie Hauer, Daniel Mata, Melanie Lutz-Maurer, Gertrud Metzger, Hanspeter Nüesch, Norbert Parpan, Claudia Wälchli, Hapiardi Wild und Stefanie Zellweger.

 

19. Juni: Wir haben die letzten Abende sehr genossen im Garten. Am Dienstag waren wir in der Kunsthalle eingeladen mit dem Sponsorenclub zu einem Gala Diner zu Ehren von Roman und Alexandra Signer. Giovanni Carmine hat eine Führung durch die Ausstellung gemacht, ich habe einiges über die 80er Jahre im Bezug zu Roman Signer erzählt und Hilar Stadler hat anschliessend auf sehr originelle Art das Museum im Bellpark in Kriens vorgestellt. Anschliessend sassen wir im Innenhof der Kunsthalle und mussten nach einer halben Stunde wegen starkem Regen die ganze Tischgesellschaft in die Ausstellung zügeln. Das bewirkte eine totale Veränderung der Sitzordnung und hat die ganze Gesellschaft aufgelockert und aufgemischt. Eine empfehlenswerte Methode bei jedem grösseren Diner. (Es empfiehlt sich das Besteck in die Hosentasche zu stopfen und das Glas nicht aus der Hand zu geben)

15. Juni: Heute hat mich Stefan Rohner zuhause abgeholt, um alle neuen Reliefplatten zu fotografieren. Ich bin sehr gespannt zu sehen, wie die 26 Menschen nebeneinander wirken. Eine bunt gemischte Menschenschar. Nächste Woche folgt die zweite Reihe. Alles läuft rund.

Am Abend hat Monika zwei richtig schöne Bodenseeforellen mit Gemüse und Gewürz umwickelt und auf dem offenen Feuer gebraten. Martin und Peter hatten spontan Zeit für ein gemeinsames Essen. Schön und gut war es.

14. Juni: Heute am frühen Morgen montierten ein grosser und ein kleiner Elektriker das neue Licht im Bildhaueratelier. Dazu brauchten sie eine grosse und eine sehr grosse Leiter. Nun kann ich auch in der Nacht arbeiten wenn ich das will.

13. Juni: Diese Woche ist viel gelaufen. Am Montagabend sind wir von Wien zurückgeflogen. Als erstes muss ich immer Berge von Post abarbeiten. Am Dienstagmorgen früh wurden die letzten Arbeiten im neuen Bad gemacht. Anschliessend habe ich mich um meine Menschenbilder gekümmert. Bis am Mittwochabend habe ich richtig hart und konzentriert gearbeitet. Heute besuchte ich die Art in Basel. Schon am Bahnhof traf ich die ersten Freunde aus St.Gallen.An der Art Unlimeted habe ich die wunderschöne, mehrteilige Arbeit aus gegossenem farbigem Glas von Roni Horn gesehen. Ein nachhaltiger Kunstgenuss. Der Besuch der Kunstmesse hat sich schon für diese Arbeit gelohnt. Ich hatte viele gute Gespräche und Begegnungen und bekam sehr viele Komplimente für meine neue, grosse Malerei, die in der Galerie Stampa präsentiert wurde.

9. Juni: Wir freuen uns auf ein Sonntagmorgenfrühstück im Museumsquartier. Anschliessend wollen wir die Retrospektive von Albert Oehlen im MUMOK besuchen. Die Spiegelbilder aus den frühen 80er Jahren sah ich erstmals 1982 in der Kunsthalle Basel. Die gemalten, braunen, versifften Kellergewölbe werden durchbrochen durch Spiegelglas, beziehen dadurch die Betrachter mit ein und öffnen den Bildraum in die Jetztzeit. Die Malereien der 90er Jahre sind clever platziert und entfalten eine nie gesehene Leuchtkraft. Alte Zeichnungen und kleine Collagen werden neuen monumentalen Bildmontagen gegenübergestellt. Hier arbeitet ein deutscher Künstler weiter an der noch jungen amerikanischen Kunstgeschichte von Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Cy Twombly etc. Die totale Anglikanisierung scheint nicht nur in der Sprache, im Film, im internationalen Geschäftsleben und im Weltmachtsanspruch, sondern auch im Kulturbetrieb angekommen zu sein. Wer sich für den amerikanischen Markt rüsten will muss Teil davon werden und Englisch büffeln. Eine beeindruckende Ausstellung die viele Denkräume öffnet. Mercy Albert!

Anschliessend haben wir die Ausstellung von Meret Oppenheim im Kunstforum besucht. Eine umfassende Präsentation, die mir schmerzlich bewusst macht, wie wenig bekannt die Werke dieser Künstlerin sind. Die Pelztasse fehlt zwar, ist aber im Kopf dauernd omnipräsent. Die Fotos von Man Ray von der sehr attraktiven, jungen  Meret sind wohl bekannt. Auf jeden Fall viel bekannter wie die Malereien, Zeichnungen, Texte und Objekte der lange unterschätzten Künstlerin. Damals war vor allem die schöne Muse gefragt. Kunst machten ja schliesslich die Männer.

Nach diesen alt-neuen Bildwelten sind wir in einen Park gelegen, ich habe etwas gezeichnet und Monika hat gelesen. Ein warmer und erfüllender Sonntagnachmittag mit einem wunderbaren Essen in einem Wiener Restaurant mit einer Weinhandlung in der man wirkliche olfaktorische Entdeckungen machen kann.

8. Juni: Nach langem Schlaf haben wir am Nachmittag die Zeichnungsausstellung "Bosch, Breugels, Rubens, Rembrandt" in der Albertina besucht. Ein wirklicher Hochgenuss mit teilweise absolut verblüffenden Werken. Die Zeichnung als Möglichkeit, Meisterwerke zu notieren, zu transformieren und für weitere Generationen zu sichern. Ein Besucher hat konsequent mit seinem Handy die ganze Ausstellung durchfotografiert. Blatt für Blatt, inklusive der Texte. Ich finde abzeichnen wäre sinnlicher.

Unverständlich ist für mich die Retrospektive von Helnwein. In den 80er Jahren war mir Helnwein bekannt als Grafiker, Plakatkünstler, Illustrator und Aquarellist. Als bildender Künstler bearbeitet er Tabuthemen in einer unerträglich Illustrativen Art und scheint sich um die wesentlichen Unterschiede von Fotografie und Malerei nicht zu kümmern.

Am späten Nachmittag besuchen wir die neuen Ausstellungsräume von Ernst Hilger in einer ehemaligen Brotfabrik. In ersten Stockwerk gab es eine Messe für Fotobücher. Wir staunen über den Besucherandrang. Hunderte junge Gestalterinnen und Fotografinnen tummeln sich hier, um die Produktion der neusten Fotobücher zu sehen. Bei Hilger ist eine kleine improvisierte Ausstellung zu sehen von Studenten der Fotografin Anastasia Khoroshilova von der Rodtschenko Akademie in Moskau. Wir lernen Alla Afonina, Vera Lamponkina, Ekaterina Anokhina und weitere Studenten kennen. Wir kaufen alle Bücher und einige signierte Fotos. Der Stand wird regelrecht gestürmt von Interessierten. Am Abend gehen wir alle zusammen zum Heurigen im naheliegenden Böhmischen Prater. Mit Drehorgel, Hähnchen, Haxen, Wein etc. Wunderbar!

7. Juni: Heute sind wir von Altenrhein nach Wien geflogen und dann direkt in die Galerie von Ernst Hilger gegangen. Ich war natürlich sehr gespannt, wie sich meine neuen Arbeiten in diesen Räumen präsentieren. Das schöne an Ausstellungen ist ja, dass man selber die eigene Arbeit neu beurteilen kann. Für mich ist es meistens so, als würde ich Bilder eines Onkels als Aussenstehender betrachten. Ich bin sehr beruhigt über die Ausstellung. Dieser Onkel hat für mich alles recht gemacht.

Um 18 Uhr war ein Treffen in der Galerie vereinbart. Wir verbrachten anschliessend einen schönen Abend mit Freunden und Sammlern von Ernst Hilger in einem italienischen Restaurant an der Dorotheergasse.

5. Juni: In den letzten Wochen zeichne ich überall Menschen, wenn ich auf etwas warten muss, wie sie dastehen, warten, schwatzen oder telefonieren. Ich habe lange Zeit das Zeichnen total vernachlässigt. Nun brauche ich dringend Skizzen, um die geplanten 134 Reliefs vor zu bereiten. Heute um halb vier ist das Filmteam ins Atelier gekommen und ich habe direkt mit der Motorsäge zwei Figuren ins Holz geschnitten. Es war sehr anstrengend. Wenn jemand zuschaut bei der Arbeit, braucht es noch viel mehr Konzentration. Ich bin erleichtert. Die Filmaufnahmen sind geglückt und ich kann ohne Druck in den Sommer hinein weiterarbeiten.
Am Abend habe ich im Garten Ananassalbei, Melisse, Brokkoli, Fenchel, Selleriestangen und einen Kürbis gepflanzt. Das macht Freude.

Nun bin ich total auf der Schnauze. Noch ein paar Texte lesen und dann lege ich mich flach.

4. Juni: Ich bin den ganzen Tag mit Farbproben beschäftigt für eine Gebäudebeschriftung von Diener & Diener Architekten auf dem Richti Areal in Wallisellen. Das Gebäude heisst FAVREHOF. Ich suche einen idealen Blau- und einen Grauton. Es macht grosse Freude, einmal "nur" Farben auf Papier zu malen. Für diese Arbeit liebe ich meine Ölfarben und ich glaube ich habe die Farbklänge gefunden.

3. Juni: Ausklingender Familientag. Um 16 Uhr bringe ich Vera zum Hauptbahnhof. Sie fliegt heute zurück nach Berlin. 

2. Juni: Am Sonntagmittag besuchten wir die Eröffnung der Ausstellung von Vanja Hutter im Frauenpavillon im Stadtpark St. Gallen. Wir waren wegen leichter Übermüdung etwas spät dran und verpassten darum die halbe Eröffnungsrede von Nadia Veronese. Ich war noch nie in diesem Raum. Der frisch renovierte Pavillon ist mit den rot gestrichenen Wänden, der heruntergehängten Decke und den dominanten Wandlampen nur bedingt für Kunstausstellungen geeignet. Vanja hat eine starke Arbeit für diesen Raum ersonnen. Ihre Zeichnungen hängen nicht an den Wänden. Sie hat einen "Kunstchalter" eingerichtet. Nach der Wahl einer selber bestimmten Nummer werden die Besucher und Besucherinnen einzeln zum Kunstgenuss aufgerufen. Eine feine, mit Schnüren gezogene Umzäunung muss geöffnet werden, um den Schalterraum betreten zu können. Die Künstlerin steht hinter einem improvisierten Tisch mit zwei übereinander montierten Tischplatten. Auf der unteren Platte liegen geordnet viele kleine Stapel von Zeichnungen. Vanja legt ganz behutsam für jede Besucherin und jeden Besucher eine sorgfältig ausgewählte, individuelle Folge von Texten und Zeichnungen auf den Tisch. Jeder Rezipient sieht nur einen kleinen Teil von den Werken. Alle Besucher werden zu exklusiven Erinnerungsträgern eines sehr persönlichen Moments. Das Gesehene können sie nur beschreiben und erzählen als etwas Eigenes, selbst erlebtes.

Anschliessend machten wir eine Fahrt durch das überschwemmte Rheintal nach Kriessern zu einem friedlichen Familienfest. Arthur ist 85 und Theo 57 geworden und beide sind sehr gut drauf.

1. Juni: Heute musste ich den ganzen Tag Bürokram erledigen. Am Abend fuhr ich mit dem Zug nach Rorschach, um die Ausstellung von Teresa Peverelli und Mirjam Kradolfer im Kornhaus anzuschauen. Unter dem Begriff "Gewächskammer" präsentieren die beiden Künstlerinnen eine gelungene Installation zu einem Thema, das mich schon sehr lange beschäftigt. Kunst als ein natürlicher, stetig wachsender Prozess. Dabei gibt es immer wieder Zeiten, in denen man daraus Früchte ernten, Essenzen gewinnen oder Destillate herstellen kann.

Anschliessend bin ich im strömenden Regen an die Geburtstagsparty von Ruth und Hermann im Restaurant Schweizerhof gegangen. Das war ein sehr lustiger Abend, mit einem Vorgeschmack auf zukünftige Feste in Altersresidenzen. Wilde, ältere Herren, die mit oder ohne Gebiss, mit oder ohne Hörapparat hemmungslos laute Musik machen und mit grosser Entschlossenheit versuchen, ihre Mitbewohner zu unterhalten. 

31. Mai: Am Morgen früh mache ich schon auf Kriese. Die zwei neuen und teuren Matratzen hängen durch. Die Unterlage ist viel zu weich. Ich beharre darauf, dass das Problem sofort gelöst werden muss, mit der Drohung, dass ich sonst ins Hotel ziehe. Nach dieser Ankündigung fahre ich ins Atelier, schneide zwei wirklich schöne Menschen in grosse Holztafeln und warte auf Stefan Rohner. Wir wollen alle bisher entstandenen Holztafeln fotografieren und schauen, ob es möglich ist, durch eine digitale Bearbeitung auf Foto Shop, die Holztafeln in fertig gegossene Betonplatten zu verwandeln. Mit dem Resultat bin überglücklich und zufrieden.  Am Mittag fahren Monika und ich zum Interio und kaufen zwei billige Lattenroste, die ich anschliessend mit dem Kombitaxi nach Hause transportiere und im Bettrahmen einbaue.

Um 17.30 Uhr gehe ich zu einem angekündigten Apéro im Saiten Verlag, um auf das neue Heft anzustossen, für das ich einen Artikel über Roman Signer geschrieben habe. Ich bin einen Tag zu spät, auf der Einladung stand Donnerstag 31. Mai und ich sah nur die Zahl. Ich treffe aber auf zwei weitere zu spät gekommene, nämlich auf Harry Rosenbaum und Ruth Erat. Peter Surber offeriert uns einen Wein und wir essen die übrig gebliebenen Salzstangen und Erdnüsse vom Vortag.

Monika fährt mich anschliessend nach Herisau. Auf der "Ledi-Die Wanderbühne" erleben wir eine wunderbare orchestrierte Lesung mit Dorothee Elmiger, Hannes Becker, Roman Ehrlich, Carlos Adrian Hidalgo, Judith Keller, Wolfram Lotz und Sascha Macht. Gefeiert wird im Appenzellischen 500 Jahre AR.AI. Der Text beschäftigt sich mit Geschehenem in der Zeit vor 500 Jahren, in Bezug auf heute. Der Auftritt der "Leipziger Truppe" um Dorothee Elmiger war wirklich stark und sehr lustig. Man konnte sich amüsieren trotz der Kälte, im clever geplanten Pavillon von Ueli Frischknecht. Ich mag die Appenzellerinnen und Appenzeller und würde mich sofort für einen Kanton Säntis engagieren.

Die Kälte treibt uns nach Hause. Ich mache ein Feuer und Monika zaubert etwas kleines zum Essen. Nach einem guten Wein bin ich gespannt auf den zweiten Matratzentest.

30. Mai: Organisieren, telefonieren, E-Mails schreiben, Rechnungen tippen, Bücher einpacken, Kaffee trinken, nachdenken, zum Bahnhof gehen, Alix Stadtbäumer abholen, ins Atelier fahren, Druckplatten für die neue XYLON Zeitschrift anschauen und besprechen. Punkt zwölf Uhr telefoniert Stampa wegen der Art Basel. Wir entscheiden uns, das 2 x 3 Meter grosse neue Bild "Überlicht I" zu zeigen. Nun muss ich dringend  die Verpackung und den Transport organisieren. 12.15 Uhr Mit der S-Bahn in die Stadt, Mittagessen im Engel zusammen mit Monika, dann die Ausstellung in der Lockremiese zum zweiten Mal anschauen, wieder ins Atelier fahren, weiter an den Druckstöcken arbeiten und dann alles für die Spedition vorbereiten.

Dann eine Busfahrt in die Stadt, ein Besuch mit Alix in der Kunsthalle, ein angenehmes Gespräch mit Raphael Liebi über die Ausstellung von Roman Signer und vielen weiteren jungen Künstlern , eine geraume Zeit auf Monika warten, über den roten Platz von Pipilotti schlendern, einige kurze Blicke in die Kathedrale werfen, schnöden über die kommenden Umbauten für den Altar und dann endlich einen Apèro nehmen im National, nachher in einer grossen Schlaufe Alix zum Bahnhof bringen, nach Hause fahren, etwas kleines Essen und ein erstes Mal die neuen  Matratzen ausprobieren.

29. Mai: Wieder einer dieser Tage wo ich auf Handwerker oder auf einen Transport warten muss. Heute werden zwei neue Matratzen geliefert zwischen 9 und 11 Uhr. Mein Rücken freut sich jetzt schon. Ich nutze die Wartezeit um das Haus zu putzen. Am Abend kommt Monika von ihrem Wellness Urlaub zurück. Ich weiss nicht ob ich das aushalten würde. Eine ganze Woche im weissen Bademantel herumschlurfen und den Anderen zu sehen wie sie älter werden. Am Nachmittag arbeite ich an meinen Menschenbildern weiter. Ohne Bademantel und Schlarpen. 

27. Mai: Heute morgen habe ich alle Bilder verpackt. Die werden morgen früh abgeholt. Die Einladungskarten für meine Ausstellung bei Ernst Hilger in Wien sind auch angekommen und ich habe gleich 100 Stück verschickt. Den Rasen habe ich auch schon gemäht und am Abend gibt's ein schönes Stück Fleisch bei Hermann. Bei uns im Osten lässt es sich sehr gut leben!

26. Mai: Gestern Abend habe ich Oliver Stäudlin und Annina Frehner bekocht. Anschliessend haben wir gemeinsam mit Bayern München das Fussballspiel gewonnen. Der Abend hat richtig Spass gemacht. Heute habe ich mich informiert über die Arbeit von Annina. Sie konnte letztes Jahr für die Kulturlandsgemeinde in Appenzell Ausserrhoden eine grosse Raumarbeit realisieren und residiert zur Zeit im Gastatelier im Sitterwerk. Sie hat zusammen mit Asylbewerbern Sichtkanäle in Räume gebaut. Die Arbeit ist dokumentiert in einem Sonderheft von Obacht Kultur. Das muss ich mir gleich bestellen. Am frühen Abend habe ich das Konzert von Werner Aeschbacher bei Kleinaberfein besucht. Eine wunderbare Stimmung, mit vielen Örgeli Fans. Seine Musik macht richtig Freude und hat etwas sehr versöhnliches und verbindendes.

24. Mai: Auf 16.00 Uhr hat sich Stampa für einen Atelierbesuch angemeldet. Nachher gehen wir gemeinsam zur Eröffnung der Ausstellung zu Ehren von Roman Signer in der Kunsthalle. Die Idee von Giovanni, die Ausstellung von Roman in der ersten Kunsthalle von 1988 zu rekonstruieren gefällt mir. Da liegt ein viertel Jahrhundert dazwischen und viele der Besucher die nun da sind und den Künstler feiern, haben damals noch über die Arbeiten von Signer gelacht. Eine spannende Ausstellung mit vielen jungen, noch zu entdeckenden Künstlern als Gäste. Am Schuss des Abends haben wir uns noch einen Absacker im Lagerhaus gegönnt. Eine spannende Runde mit Bernard Tagwerker, Karin Bühler, Peter Hubacher, Patrick Rohner, Michael Bodenmann und Barbara Signer. Ja und Peter hat mir von einem einzigartigen Text über das Abendrot erzählt von Claude Levi-Strauss.

22. Mai: Jeder Tag ein Abschied - jeder Tag ein Neuanfang. Im Atelier habe ich die neue Bildserie "Abend I-VIII" installiert und mit einer interessanten Besucherin besprochen. Sie wird einen Text für den geplanten Katalog für die Ausstellung in der Galerie Hilger in Wien schreiben. An diesen Bildern habe ich nun mehr als ein Jahr gearbeitet. Die ersten  Fotos habe ich letztes Jahr (oder war es das Vorletzte?) bei einem Besuch bei Peter Liechti im Bierli in Wald gemacht. Abendstimmungen wechseln sehr schnell und sind unberechenbar.

Am Nachmittag hat Giovanni Carmine 55 Bücher von Roman Signer abgeholt, die genau vor 25 Jahren gedruckt worden sind. In meinem Alter gibt es fast täglich ein Jubiläum zu feiern. Heute ist mein Festmotto: "40 Jahre Rasur". Wenn ich rechne 40 x 350 Rasuren pro Jahr, gibt das die stolze Zahl von 14 tausend Rasuren in meinem bisherigen Leben. Das ist doch eine echte Leistung. 

Vera hat geschrieben, dass sie Wein Etiketten machen kann für den Bio-Wein 2012 von Walenstatt. Sie hat ein Foto angefügt, wie sie als Kind in einer hellblauen Manchesterjacke neben Martina Hanimann in diesem Rebberg sitzt. Vor bald dreissig Jahren. Ist das wirklich lustig? Wie die Zeit vergeht? Diesen Wein werde ich sicher bestellen und lange nicht trinken, um die Zeit aufzuhalten.

20. Mai: Wer räumt sein Archiv am Pfingstmontag? Wer sucht verzweifelt nach wichtigen Dokumenten? Wer findet sie ganz bestimmt? Wer ist am Abend überglücklich? Richtig! Sein Name ist Felix.

19. Mai: Endlich! Heute Morgen kurz vor dem Aufwachen hatte ich die entscheidende Idee, wie ich meine Arbeit für die Fassade des Stadtmuseums in Aarau visualisieren kann. Es stimmt eben doch: "An Pfingsten geht es am Ringsten!" Nun geht es los! Aus lauter Freude bin ich früh aufgestanden und zum Flughafen gefahren. Mir ist eingefallen, dass auf Bahnhöfen und auf Flughäfen die Menschen so schön ruhig herumstehen. Eine ideale Situation, um zu zeichnen. Nach zwei Sunden fuhr ich nach Winterthur und arbeitete dort weiter. Am Abend hatte ich eine reichhaltige Serie von kleinen Zeichnungen. Das nächste Ziel ist der Bahnhof Aarau. Auf diesem Bahnhof ist es ratsam keinen Hut und keine Kappe zu tragen. Der Luftzug der durchbrausenden Züge ist trügerisch. 

18. Mai: Um 8.30 Uhr klingelte  es schon an meiner Haustüre. Ich wurde abgeholt, um nach St. Peterzell zu fahren. Zusammen mit der Familie des Kurators Ramon Lenherr haben wir bis um 14 Uhr die gesamte Ausstellung "Felix der Verleger" abgebaut. Für die grosse Arbeit von Roman Signer hatte ich spezielle Schachteln anfertigen lassen. Auf der Fahrt ins Toggenburg war das ganze Auto total vollgestopft. Die Mutter von Ramon war nicht mehr sichtbar unter all den Schachteln. Nun sind die Kostbarkeiten wieder in meinem Vexer Archiv. Lustiger weise habe ich beim Einräumen das lange vermisste Multiple "Taschenlampe" von Roman Signer wieder gefunden. Da ich die Batterien der zwei an den Leuchtflächen zusammengeklebten Lampen nicht entfernt hatte, ist das Objekt komplett verrostet. Der Zeitfaktor spielt ja in der Arbeit von Roman eine grosse Rolle. Das passt.

Als Abschluss haben wir bei mir im Garten spontan ein kleines Essen veranstaltet.

17. Mai: Ab 10 Uhr war ich heute bei TGG, um das geplante Buch von Peter Liechti zu gestalten. Zusammen mit Jessika Frey sass ich vor dem Bildschirm und wir bearbeiteten Seite um Seite. "Klartext. Fragen an meine Eltern" wird im August erscheinen anlässlich der Schweizer Vorpremiere vom Film "Vaters Garten". Für den Schutzumschlag verwenden wir eine Skizze der Figurenbauerin Eva Ruch. Den Klappentext wird Ruth Schweikert schreiben. Geplant ist ein flaschengrüner Leineneinband mit Prägeschrift und einem dreiseitigen, rüebliroten Farbschnitt und zwei Lesebändeln in Schürzenblau und Kragenweiss. Das Vorsatzpapier wird Obergine. Wir haben ohne Unterbruch bis 14 Uhr durchgearbeitet. Nun sind die wichtigsten gestalterischen Entscheidungen gefallen. Das wird ein tolles Buch.

16. Mai: Heute Nachmittag war ich zu einer EXPO Schweiz, 2027 Sitzung in Herisau an die Schützengasse eingeladen. Die alte Kaserne wurde sehr schön renoviert und umgebaut. Sie dient nun als Staatsarchiv. Im Eingang hängt der Holzschnitt "Bloch" von Markus Gossold und Johannes Hedinger. Schräg gegenüber ist die sechsteilige Fotoserie "Waldschrat" von Peter Liechti platziert.  Sehr schön gerahmt, macht sich der durch den Wald hüpfende und durch eine Warmbildkamera aufgenommene H.R. Fricker sehr gut.

15. Mai: Am Dienstag reiste ich nach Basel um zusammen mit Gilli und Diego Stampa mit Sammlerfreunden zu feiern. Das Sammlerpaar hat letztes Jahr eine riesige, frühe Zeichnung von mir dem Museum Folkwang in Essen geschenkt. Als Dankeschön schenkte ich den Sammlern nun eine kleine Zeichnung, "Erinnerung an einen Wald". Ein wunderbares Essen, Guter Wein und schöne Gespräche. Übernachtet habe ich in einem Hotel in der Nähe vom Messeplatz. Der Neubau von Herzog &  de Meuron ist gigantisch.  Mit einem sehr langen und 10 Meter hohen Baukörper wird ein neues Eingangstor zum Messeplatz geschaffen. Zudem entsteht ein neuer zentraler Platz mit einem runden offenen Schlund zum Himmel, der mit seinem Sog die Messebesucher gleich am Anfang in höhere Sphären katapultiert. Der vor ein paar Jahren von Hotz entworfene Messeturm wirkt nach diesem gelungenen architektonischen Eingriff immer noch schön aber etwas klein und verloren.

Heute Nachmittag habe ich meine Mutter besucht. Wie immer in den letzten Jahren um diese Zeit habe ich einen kleinen Tomatenstock auf ihrem Balkon eingepflanzt. Mutter pflegte früher immer einen grossen Gemüsegarten zu unserem Wohl. Mich bezeichnete sie als Kind immer als den besten Pflanzer, wohl wissend dass ich die Gartenarbeit nach so einem Lob noch viel eifriger ausführen würde. Die Tomaten geben der Mutter das Gefühl immer noch einen Garten zu betreuen und sie kann bis in den Herbst hinein fast täglich ernten. Dazu gehört natürlich auch Schnittlauch und Petersilie für die Suppe und Pfefferminze für den Tee.

Als Aufheiterung brachte ich auch das Buch "MAMA - Eine Szene" mit. Die dicken Buchseiten haben sie sichtlich irritiert. Das Gesicht aus Brei und Holunderkompott erinnerte sie an meine nicht zu bremsende Lust, als Kind dauernd für Unruhe und Unterhaltung bei den gemeinsamen Familienessen zu sorgen.

Einmal drückte ich beim "Znüni" den Senf direkt auf den Tisch anstatt in den Teller, mit der Begründung, dass Mutter so viel weniger Abwasch habe. Mein Vater wurde so hässig, dass er seine volle Kaffeetasse quer über den Tisch nach mir warf. Ein Jahr später drückte die ganze Familie den Senf direkt auf den Küchentisch und das blieb so. 

13. Mai: Die Schlussveranstaltung in der Propstei St.Peterzell war ein voller Erfolg. Viele Interessierte aus der ganzen Schweiz reisten am internationalen Museumstag in die Provinz, um die Vexer Verlagspräsentation zu sehen und den ersten Film von Peter Liechti zu geniessen. "Sommerhügel, eine Inszenierung der Appenzellischen Landschaft in 10 Akten" entstand 1984. Mitwirkender war unter anderem auch Roman Signer, der am Anfang des Films ein an einer Gummischnur befestigtes Taburettli von der Ganggelibrücke im Haggenquartier ins Sittertobel wirft. Mich hat es sehr gefreut, dass Roman an diesem Nachmittag anwesend war. Er hat ja für diese Ausstellung die wunderbare Arbeit "Vexer-Necker-Skulptur" realisiert. Unter seinem Beisein haben wir letztes Jahr 112 seiner Bücher "Skulptur" im Necker gewässert und im Dachstock der Propstei ein Jahr lang luftgetrocknet.

12. Mai: Am Samstagabend besuchte ich mit Monika, Vera, und Eri die Lesung bei Felix Falkner. Er und eine schreibende Kollegin lasen Texte zum Thema Mutter , Mütter und Mütterchen. Ich staune immer wieder, wie neu man einen bereits bekannten Text empfinden kann, wenn er von jemandem vorgelesen wird. Durch eine andere Stimme, durch einen anderen Menschen entfaltet und entwickelt sich auch der Text. In einer Gruppe von Menschen spürt man direkt, dass alle Anwesenden mit ihren Gedanken in ihrer eigenen Weise um das Gehörte herumkreisen.  

11. Mai: Das war ein wirklich schöner Abend in Zürich. Am Bahnhof hatten wir zwar grossen Ärger. Kein Taxifahrer war bereit uns an die Holzgasse zu fahren und wir wussten nicht mehr genau wo die Strasse ist. Das war richtig mühsam. Ich kenne keine Stadt, wo so etwas passiert. Ich dachte immer, Taxis sind dazu da um Passagiere zu befördern und nicht um blöd am Bahnhof herum zu stehen. Na ja. Dafür wurden wir etwas später bekocht von Petra und Peter mit einem excelenten Kabeljau mit Kräuterkruste, Frühlingszwiebeln und Kartoffelstampf. Als Dessert frische Erdbeeren, Rhabarber und Vanilleeis. Das Leben kann so überraschend und gut gewürzt sein. Nun freue ich mich auf die Lesungen von Felix Falkner heute Abend. Ich bin sehr gespannt, wie er den MAMA-Text von Wolfram Lotz lesen wird und natürlich Jelinek und Mayröcker, und, und, und...

 

10. Mai: Gestern hatten wir eine schöne, internationale Gästerunde. Hermann hat im Garten  eine wunderbare Paella gekocht für Freunde aus der Schweiz, Deutschland, Taiwan und Argentinien. Heute fahren wir nach Zürich zu Petra und Peter. Gut Essen, fein trinken und über die neue CD BALLADADA reden...

8. Mai: Ein strahlender Tag. Ich freue mich schon darauf das von den Sonnenkollektoren aufgewärmte Wasser über mich regnen zu lassen. Wir haben seit ein paar Tagen eine Regendusche - oder sagt man dazu Regenschauer?  Am frühen Nachmittag ist Vera für einen Besuch angereist. Gegen fünf habe ich Peter Liechti getroffen. Er hat die 50 DVD seines ersten Films "Sommerhügel" von 1984 signiert. Dann diskutierten wir die Buchgestaltung der geplanten Publikation "Klartext". Ich bin sehr froh über all die Entscheidungen. Das Buch wird sehr schön. Um 22 Uhr gab Norbert Möslang ein fulminantes Konzert im Palace. Unheimlich lauter Sound, vibrierende Bilder und Lichtblitze, die den ganzen Körper in Wallung gebracht haben. Durch die Bässe spürte ich alle meine Organe und entdeckte noch einige dazu.

7. Mai: Ein Tag wie man sich das so vorstellt. Um 7.30 Uhr steht der Elektriker vor der Türe. Er will uns schon Helle bringen, bevor wir einen starken, dunkeln Kaffee getrunken haben. Gegen Mittag ist alles repariert, erneuert und Strom auf allen Leitungen. Am frühen Nachmittag holt Matias meine neuen Bilder ab, die ich im grossen Atelier aufhängen und kontrollieren will, bevor sie für meine Ausstellung in Wien abgeholt werden. Anschliessend gehe ich spontan zum Grafikatelier TGG, um die Buchumschläge und die Schriften für das neue Buch von Peter Liechti zu besprechen. Es ist sehr anregend, mit Roland und Jessica zusammen zu arbeiten. Um sieben Uhr bin ich mit einem Stapel Kopien zu Hause und schaue alles noch einmal durch. Ich muss die Entwürfe herumliegen lassen bis eine Entscheidung fällt. Um acht kommt Ramon, um gemeinsam eine Schrift für ein Gebäude zu Entwickeln. Seit ich unser neues Bad gestrichen habe, möchte ich am liebsten alles in einem feinen Petrol sehen. FAVREHOF heisst das Gebäude. FAV - REH - OF ist mir spontan eingefallen. Das ist gar nicht so einfach.

6. Mai: Flach liegen und lesen. Erica Pedretti hat mir als kleine Retourkutsche auf meine Glückwünsche zum Literaturpreis ihr Buch "fremd genug" mit einer Widmung zugeschickt. ( Insel-Bücherei Nr. 1329) Das Büchlein ist sehr zu empfehlen und wunderbar zu lesen. Es beschreibt aus der erinnerten Erinnerung einer zurückblickenden Frau heraus die Kindheit am Ende des Krieges, auf der Flucht, die Überquerung der Grenze in St. Margrethen, die Zeit bei der Grossmutter, die Aufenthalte in verschiedenen Kinderheimen, ihre Stationen in Balgach und in Amerika. Fremd sein und heimisch werden an den Orten, an denen sie versuchte bei sich selbst zu sein. Erica hat dem Rheintal einige Sätze mehr geschenkt wie dem fernen Amerika. Wissen die Rheintaler eigentlich, dass sich eine Literaturpreisträgerin auf ihrem Talboden bewegt hat? Ich habe Erica vor 33 Jahren kennengelernt und sie hat damals eine wunderbare Ausstellung in meiner St. Galerie eingerichtet mit Flügelobjekten. Wenn es etwas zu gratulieren gibt, sende ich in letzter Zeit immer das neue Buch "Anthologie Bd. 1 von Lorenz Oliver Schmid. Dieses wunderbare Blumenbuch ersetzt jeden vergänglichen Wiesenstrauss. Ich habe das Buch auch an Eva und Walter Reimann von der Hirslanden Buchhandlung geschickt. Die Beiden haben dieses Jahr den Preis für die beste Buchhandlung bekommen. Walter Reimann hat mir eine Dankes-Mail geschrieben. Darin steht "Vielen herzlichen Dank.... ein wunderschönes Bch. Ich habe Ihre Website angekuckt und die gefällt mir, ihr Tagebuch ist toll Ich denke es braucht auch viel Zeit es zu schreiben. Ich könnte stundenlang darin lesen, wie bei Thomas Mann, Tagebücher." Ja, bei solchen Komplimenten kann ich mich ja richtig aufbauen, auftürmen, über mich hinauswachsen, über den Berg sehen, weiterschreiben und fast platzen vor Freude. Schluss jetzt... Ich muss ja schon wieder wunderbare Blumenbücher zur Post bringen.

5. Mai: Ein heiterer Sonntag, der  mit etwas Gartenarbeit beginnt. Am Nachmittag haben wir uns überwunden, die Vernissage von Veronika Spierenburg im Sitterwerk zu besuchen. Veronika zeigt in der Bibliothek sehr schöne Videoarbeiten zum Thema Buch. Im Zentrum des Raumes steht ein eigens für diese Ausstellung gebautes Bücherrad. Die Künstlerin verbrachte sehr viel Zeit mit dem Bücherschatz dieser einzigartigen Sammlung. Entstanden ist in dieser Zeit ein wunderbares Buchprojekt mit Buchseiten von 1 - 500. Für jede Seite der neuen Publikation mit dem Titel "In Order of Pages" wurde stellvertretend eine Buchseite aus den Beständen der Bibliothek ausgewählt. Der daraus entstandene Bilderbogen vermittelt ein ganz eigenes Bild der ästhetischen und inhaltlichen Vorlieben und Interessen der Künstlerin. Ein spannendes gedankliches Kreisen und persönliches Aneignen von Kultur. Das Buch ist bei Kodoji Press erschienen. Super!

4. Mai: Heute Abend haben wir unsere allererste Aktionärs Versammlung besucht. In der Militärkantine mitten im Park der Kreuzbleiche soll ein neues Restaurant mit einem Hotelbetrieb aufgebaut werden. Das anschliessende Fest ist gelungen und ich habe mich sehr gefreut, dass es in St.Gallen und Umgebung möglich ist, so viele Menschen zu finden, die bereit sind eine kulturelle Initiative finanziell mit zu tragen. Hier versammelte sich nicht der übliche St.Galler Kuchen. Es scheint, dass sich die Basis für solche Projekte vergrössert hat. Ich habe auf jeden fall sehr viele neue Gesichter gesehen. Das Tanzen hat mich richtig beflügelt.

1. Mai: Heute ist ein guter Tag. Ein viel versprechendes Gespräch mit einer guten Freundin für eine Sponsoring Idee. Dann am Mittag ein langes und spannendes Telefongespräch mit Vera. Ich freue mich immer wieder auf Neuigkeiten aus Kreuzberg. Heute am 1. Mai ist Vorsicht angesagt. Wer an diesem Tage arbeitet scheint verdächtig. Ich weiss zwar nicht ob das auch für Künstler gilt. Ich habe heute nur mit weisser Grundierung  gemalt und bin dann prompt auf eine rote Tube Ölfarbe gestanden. Es hat bis zum Kinn gespritzt. Sauerei. 

30. April: Heute hat Stefan Rohner alle Abendbilder fotografiert. Ich bin sehr erleichtert und freue mich nun sehr auf den geplanten Katalog. Gestern habe ich mit Monika einen Dialog notiert als Grundlage für die Textarbeit. Und das Thema für meine neue Bilderserie steht auch schon fest. Am Mittag habe ich Roland Stieger getroffen, um das geplante Buch "KLARTEXT" von Peter Liechti zu besprechen. Roland hat schöne Schriftmuster mitgebracht und ich habe ein schönes altes Buch gefunden als Idee für die Ausrüstung.

29. April: Ein geruhsamer Sonntag. Die Wochentage sind so dicht, dass ich manchmal kaum Ruhe finde. Malend in meinen Bildern herumspazieren macht bei diesem Wetter sowieso mehr Spass wie mit kalten, nassen Füssen durch den Sumpf zu stapfen.

28. April: Gestern hatten wir einen lustigen und interessanten Abend mit Inge und Erich. Monika hat einen wunderbaren Rehrücken gebraten. So schläft es sich gut...

25. April: Eigentlich hatten wir geplant, am Freitag früh nach Italien zu fahren. Die Wetteraussichten sind aber so schlecht, dass wir keine Lust haben. Wann gibt es das schon. St.Gallen 17 - 19 Grad, Piemont 12 - 14 Grad. Na ja es gibt viel zu tun hier. Ich werde am Wochenende meine Bilderserie "Abend" fertigstellen für die Ausstellung in der Galerie Ernst Hilger in Wien. Die Eröffnung ist am 7. Juni.

23. April: Seit heute Mittag habe ich endlich wieder Internetzugang und ein funktionierendes Telefon. Aus unerfindlichen Gründen hat mir die Swisscom letzten Donnerstag die ISDN Leitung gekappt. Diese Woche ohne Festnetz Telefon, ohne funktionierenden Mail Kontakt und ohne Internet hat mich ziemlich an den Rand gebracht. Eigentlich hatte ich mit Swisscom die schriftliche Abmachung, dass das System ab dem 10. Mai auf Glasfaser umgestellt wird und dass der technische Dienst vor Ort alles einrichtet. Nun haben sie als kleines Dankeschön gleich alle Leitungen gekappt. Wenn so ein Fehler passiert, frage ich mich immer, wie das Menschen machen, die jeden Tag zur Arbeit ausser Haus gehen müssen. Ich war eine Woche lang damit beschäftigt, mit dem Abbo-Service von Swisscom hin und her zu telefonieren und auf verschiedenste Techniker zu warten. Eine solche Kacke wünsche ich niemandem. Nun funktioniert fast alles, ausser dem Fernsehempfang. Das nennt sich Vivo Casa. Der Name klingt ja schon sehr gut. So viel Leben war schon lange nicht mehr im Haus. Vivo Merda wäre aber doch stimmiger.

15. April: Um 10.30 Uhr erwartete ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtmuseums von Aarau. Ich hatte speziell für diesen Anlass eine kleine Präsentation aufgebaut, um mein Projekt für die Fassade des neuen Museums zu erläutern. Das Interesse der ganzen Gruppe hat mich sehr motiviert. Das Erzählen, Diskutieren und Beantworten von Fragen dauerte volle zwei Stunden. Das war ein gelungener Starteranlass für meine Arbeit.

14. April:  Endlich ein wunderbar langer, warmer Tag. Am frühen Abend kochte Monika feine Bodenseeforellen mit allem Drumherum für uns und unsere Nachbarn Thomas und Ursina. Ein richtig schöner Sonntag für alle Sinne. Insbesondere für Magen Geist und Herz.

13. April: Wieder eine von diesen ganz schnellen Wochen. Einer der kulturellen Höhepunkte war der Besuch der Kunsthalle St. Gallen. Die Arbeiten von Irene Kopelmann und von Stefan Burger interessieren mich sehr. Beide versuchen Zusammenhänge von Natur, Gesellschaft und Kultur in einer Art Puzzle zusammen zu führen und durch verschiedene Arbeitsmethoden verständlich zu machen. Das Buch "sehr sehr dünne suppe" von Stefan Burger musste ich gleich kaufen. Als erstes bin ich auf die Arbeit Seite 34/35 zur Abwassernutzung des Höllentors von August Rodin gestossen. Anlässlich meiner Führung für die Mitglieder des Vereins für Originalgrafik zu diesem Werk vor einer Woche, ist mir die spezielle Abwasserführung auch sofort aufgefallen.

Auf Einladung von Menga und Fredi waren wir am Abend Gäste an der langen Tafel von Matias Stebler. Ein angenehmer und anregender Abend.

12. April: Der exzellente Kaffee beim Zahnarzt heute Morgen war ein echter Genuss.

7. April: Das waren dichte Tage. Am Freitagabend hatten wir eine gelungene Informationsveranstaltung für den neuen Lehrgang HF Bildende Kunst. Ich erzählte 45 Minuten lang über meinen beruflichen Werdegang als Künstler und Verleger. 58 Jahre im Schnellgang. Anschliessend stellte Adrian Notz das geplante Lernprogramm vor. Hoffentlich melden sich viele interessierte für die Kunstklasse an. Ich war sehr in Eile, Monika holte mich ab, um mich zu schminken für den Maskenball von Martin Leuthold. Er feierte seinen sechzigsten Geburtstag im Grubenmann Museum in Teufen mit einem berauschenden Fest. Ein wunderbar gestalteter Festsaal, viele interessante Menschen in fantasievollen Kostümen, gute Musik zum Tanzen und Essen vom Feinsten. Man kann sich auf die Neueröffnung der Militärkantine freuen. Martin Kappenthuler und sein Team sind einfach Spitze. 

Am Samstag Abend fand die Hauptversammlung vom Verein für Originalgrafik statt. Zu diesem Anlass referierten verschiedene Künstler über ein Werk aus der Sammlung des Kunsthauses Zürich. Ich sprach draussen in der Kälte über das Höllentor von August Rodin. Die Auseinandersetzung mit diesem Werk hat mir persönlich sehr viel gebracht. Ich bin auf interessante Zusammenhänge gestossen. Es wartet viel Lesestoff auf mich. Anschliessend verbrachte ich einen sehr lustigen Abend mit Georg Gatsas und Claudius Krucker. Im Speisewagen machten wir noch eine Berufsberatung für die Kubanische Kellnerin. Ich habe ihr geraten Schriftstellerin zu werden. In St. Gallen kam ich dann etwas zu spät zu einem feinen, privaten Jazz Konzert vom Kimm Trio bei Brigitte und Felix.  Das war ein sehr anregender und langer Tag mit grossartigen Gastgebern und interessanten Menschen. 

4. April: In den letzten Tagen seit Beginn der Sommerzeit spüre ich doch etwas wie Frühling. Eine Stunde früher aufstehen bringt meine Sensorien durcheinander. Mein ganzer Körper sehnt sich nach Wärme. Frierend bin ich am organisieren. Durch Malen, Zeichnen, Lesen und Schreiben versuche ich meine nächsten Aufgaben in den Griff zu bekommen. Ich muss mir etwas einfallen lassen für das Freitagsgespräch, das am 5.4. um 19.00 in der ehemaligen Stickfachschule an der Fürstenlandstrasse 142 in St.Gallen stattfindet. Als Präsident der Fachkommission HF Bildende Kunst werde ich über meinen Werdegang als Künstler und Verleger erzählen. An diesem Abend macht Adrian Notz eine Informationsveranstaltung zum neuen Lehrgang HF Bildende Kunst.  In der legendären Küche wird Max Bottini bereit stehen. Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele interessierte, zukünftige Studentinnen und Studenten anwesend sein werden.

Zudem beschäftige ich mich mit dem Höllentor von Rodin, das seit 1947 beim Eingang des Kunsthauses Zürich platziert ist. Ich mache am Samstag dazu einen kurzen Vortrag vor dem Werk in Zürich.

31. März: Seit heute weiss ich warum bei uns die Ostereier bunt bemalt werden müssen. Man würde sie sonst im Schnee nicht finden.

30. März: Bei Dauerregen sind wir am Morgen nach Aarau gefahren. Der erste Akt ist immer ein Besuch im Kunsthaus. Die Ausstellung "Stille Reserven" bietet Einblick in einen grossen Fundus von unbekannten oder selten gesehenen Malereien. Für mich ist der Maler Hans Emmenegger eine grosse Entdeckung. Die Präsentation von «Stille Reserven» ist anders, weil die Ausstellung auf zwei ganz verschiedenen Sammlungen basiert. Erstens auf dem, was der Basler Künstler, Sammler und Autor Peter Suter nach dem eigenen Interesse und Geschmack über Jahrzehnte zusammengetragen hat und andererseits auf den Schlüsselwerken zur Schweizer Kunst aus den Beständen des Kunsthauses Aarau.  

Im Untergeschoss wird in einer weiteren Sammlungspräsentation der Frage nachgegangen: "Was ist grau genau?" Hugo Sutter hat sich mit dieser Frage ein Künstlerleben lang befasst. In dieser Ausstellung steht die sehr spät entdeckte Künstlerin Maya Aeschbach (1928) im Mittelpunkt. Ich frage mich, warum das erstaunliche Werk der 85 jährigen Künstlerin erst jetzt gebührend gewürdigt wird. Es scheint auch in unserer Zeit der totalen Vernetzung noch unentdeckte schwarze Löcher zu geben. Zu meiner Überraschung hängen auch zwei kleine, frühe Werke von mir in dieser Präsentation.

Kurz vor Mittag habe ich in der Buchhandlung Kronengasse die drei bestellten Bücher von Lorenz Oliver Schmid vorbei gebracht. Hauslieferdienst macht immer Spass. Anschliessend haben wir die Baustelle für die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums besucht. Es ist interessant, wie sich ein Platz durch einen baulichen Eingriff verändert. Im Moment sieht alles eher klein und kompliziert aus. Wenn das Bauwerk fertig ist, wird sich hier ein neuer, grosszügiger Platz befinden. Ich versuche mir vorzustellen, wie dann meine 134 lebensgrossen, in Beton gegossenen Menschenbilder an der Fassade wirken werden. Bis zur Vollendung dieses Werks bleibt noch ein langer Weg.

Nach dem Mittagessen beim Italiener fahren wir weiter nach Küttigen. Wir besuchen Lorenz, um die Restauflage seiner Anthologie abzuholen. Er wohnt und arbeitet in der alten Papiermühle. Ein eindrücklicher frühindustrieller Bau, der 1822 - 24 erbaut worden ist. Hier entstanden schon sehr früh die ersten Vorzeige -  Lofts in der Schweiz.

29. März: Heute Morgen hat mich eine Kindheitserinnerung eingeholt. Im Tankstellenshop habe ich zwei Pakete Fischstäbchen und einen grossen Sack Ofenfrites gekauft. Als Kinder freuten wir uns immer, dass am Karfreitag kein Fleisch gegessen werden durfte, denn unsere Mutter tischte an diesem Tag immer einen riesen Berg Fischstäbchen auf. Mit Fasten war da gar nichts. Heute Mittag kommt Vanja Hutter zum gemeinsamen Essen. Ich bin gespannt auf alle ihre neuen Projekte, die sie an der Hochschule in Luzern gemacht hat. Vor zwei Tagen hatten wir gar keine Gelegenheit lange zu reden. Bei der Buchpremiere waren so viele Leute anwesend und ich musste um 20 Uhr bereits zurück. 

28. März: Gestern Mittag bin ich nach Luzern gefahren und habe mir die Ausstellungen im Kunstmuseum angeschaut. In der Ausstellung NEUNZEHNHUNDERTSIEBZIG werden sehr schöne Arbeiten aus der Sammlung präsentiert. Überraschendes von John Armleder, Rolf Winnewisser, Aldo Walker und ein schönes Wiedersehen u. A. bei Hanna Villiger, James Lee Bayers oder Helmuth Federle. Seine Bergzeichnung sah ich in den siebziger Jahren an einer Eidgenössischen Stipendiumsausstellung. (So hiess das damals noch) Im Eingangsbereich des Museums hängt ein unbeschrifteter Block mit Papierarbeiten. Ich dachte, dass es sich um frühe Arbeiten von Rolf Winnewisser handelt. In der Ausstellung wurde ich überrascht durch die grosszügige plastische Umsetzung dieser Zeichnungen und es zeigte sich, diese Werke stammen nicht von Winnewisser, sondern vom Argentinischen Künstler Jorge Macchi. 

Anschliessend suchte ich die Produzentengalerie zur Vorbereitung der Buchpräsentation der Anthologie von Lorenz Oliver Schmid, die ich im Vexer Verlag herausgegeben habe. Ein guter Raum, sehr schöne Arbeiten von Lorenz, ein toll gestaltetes und produziertes Buch und ein riesiger Andrang von interessierten Leuten. Alles wunderbar gelaufen!

 26. März: Im Haus rumoren die Handwerker. Eine neue Dusche wird eingebaut. Zum Glück sind wir schon gestern Abend nach Hause gefahren. Es gab einige Fragen zu klären auf der Baustelle. Eigentlich wollte ich heute an meinen Reliefs arbeiten aber es ist einfach zu kalt. Nun sitze ich schon den ganzen Tag im Büro und beschäftige mich mit Papieren aller Art... Am Abend diskutieren wir im Pädagogischen Beirat der Stadt über die Frage wie Schulkindern ein adäquater Umgang mit neuen Medien vermitelt werden kann.

25. März: Vier Tage Waldarbeit im Piemont. Ich habe einige Bäume gefällt und ein ganzes Waldstück aufgeräumt. Der Brennholzvorrat wirkt beruhigend. Ab dem Sonntag war es regnerisch und sehr kalt. Eine lustige, eingespielte Truppe war mit dabei. Wunderbares Essen und guter Wein - das hat Spass gemacht. Dem kleinen Mammutbaum, den ich letztes Jahr gepflanzt habe geht es prächtig. Der lange Winter hat ihm nicht zugesetzt. Heute Morgen hat uns Markus Allemann einen spontanen Obstbaum Schneidekurs gegeben. Jetzt habe ich endlich einiges verstanden. Die Wetteraussichten waren so schlecht, dass wir uns am Mittag entschlossen haben nach Hause zu fahren. Die Heimreise war sehr angenehm bis nach dem San Bernardino. Da kam der Regen und im Rheintal begann ein richtiger Schneesturm. Zuhause erwarteten mich ein richtiger Postberg, den ich verzweifelt abzubauen versuchte.

21. März: Morgen müssen wir um 5.30 aufstehen. Wir fahren nach Italien.

19. März: Heute Morgen musste ich mich spontan einem bildhauerischen Prozess unterwerfen. Die neue Dentalhygienikerin von Marco Stefani hat mich zur Zahnreinigung aufgeboten. Ich habe zwar keine Goldzähne aber mir ist während der Behandlung eingefallen, dass dieser Beruf eine gute Grundlage für Goldschmiede sein könnte. Broschen aus Amalgan,  Perlen aus Keramik und ab und zu einen Fingerring aus einem alten Goldzahn schmieden...autsch... Spülen bitte....

17. März: Ich freue mich auf heute Abend mit Vera und auf ihre Neuigkeiten aus Berlin. Monika wird einen wunderbaren Zander aus dem Bodensee schmoren mit Currykartoffeln und einem Gemüsegratin. Wenn ich ein Anderer wäre würde ich mich beneiden.

16. März: Stefan Rohner hat heute Morgen meine neue Bilderserie "Abend" fotografiert. An dieser Serie arbeite ich schon mehr als ein Jahr. Die Bilder werde ich im Sommer in der Galerie Hilger in Wien präsentieren. Am Abend sind wir bei Anita Zimmermann eingeladen. Vor einer sehr komplizierten Operation möchte sie in diesen schwierigen Tagen noch einmal alle Freunde sehen. Ich bewundere die Haltung von Anita. Sie holt sich die Unterstützung der Menschen, die sie mag.

15. März: Heute Morgen sind wir nach Schaffhausen gefahren zum Waldfriedhof. Die betagte Mutter einer lieben Freundin ist gestorben. Das war ein sehr schöner und würdiger Abschied. Auf Wunsch der beiden Töchter der Verstorbenen sangen wir in der Kirche das Lied: "Es isch mir alles ei Ding, ob i lach oder sing..." Der Pfarrer war leicht irritiert. Er hat dann aber die richtigen Worte gefunden. 

14. März: Die Woche ist so schnell vorbei wie wenn es sie nicht gegeben hätte. Milenco hat im oberen Stockwerk den Boden aufgefräst. Wir wollen eine neue Dusche einbauen. Es gibt viel zu diskutieren und zu organisieren.

11. März: Ich habe unruhig geschlafen und bin um 6 Uhr aufgestanden. Ich musste rechtzeitig im Atelier in Haggen sein. Ich sperrte  die Zufahrt und die Parkpläte, damit der erwartete Sattelschlepper dann auch zu meinem Atelier fahren konnte. Mit dem Holztransport hat dann auch alles sehr gut geklappt. Matias Stebler, Martin Steinmann und das Filmteam von donkeyshot waren bei diesem beeindruckende Moment dabei. Heute ist genau ein Jahr nach der Fällaktion der ganze Mammutbaum in Form von verleimten Brettern zu mir nach St. Gallen geliefert worden. Neun Paletten mit je 18 Brettern aufeinandergelegt. Das sind neun absolut kompakte Holzblöcke von rund 2000 x 950 x 810 mm. Das ist Minimal Art der Urzeit. Das Mammut ruft. Dieser ganze Prozess, der schon 2009 mit den ersten Planungen begonnen hat, eröffnet mir einen ganz neuen Zeitbegriff.

9. März: um 13 Uhr haben wir uns im Kinok in der Lockremiese den Film "Vergiss mein nicht" von David Sievekind angeschaut. Der Satz von der an Alzheimer erkrankten Mutter: "lass uns an einen Ort sitzen wo man nicht stirbt" hat mich nachhaltig beeindruckt.  Ein sehr berührender Film über eine beeindruckende und wunderschöne Frau, die durch ihre Krankheit die gelebten Ideale in einem anderen Licht erscheinen lässt und ihre Familie komplett neu aufstellt.

Das Kunstmuseum präsentiert in der Lokremiese eine eindrückliche Lichtinstallation von Anthony McCall. Mich faszinierten als Kind immer wieder die Lichtspiele in der Scheune, wenn durch ein Astloch scheinendes Sonnenlicht den ganzen Heuboden mit einer hellen Linie durchflutete. Der Staub des Heus flimmerte dann in diesem Lichtkanal wie ein glitzerndes Sternenmeer. Bei McCall erschafft das Licht der Filmprojektoren skulpturale Räume, die man betreten kann. Ein Nebelschleier erzeugt sich dauernd verändernde Muster, die sich auf den Lichtkegeln abbilden. Da durch die Projektoren nur die äusseren Linien der Lichtskulptur auf die Wände projeziert werden, kann man diese skulpturalen Räume betreten und sich in diesen Körpern bewegen. 1981 stand ich sprachlos in einem der ersten Lichträume von James Tyrell in der Kunsthalle Basel. Mich faszinierte damals die ungeheuerliche Schönheit und die unfassbare Unendlichkeit des Lichts. Bei McCall werden wir zu aktiven Benutzer der Skulpturen, die wir betreten und verlassen können. Das Licht und der Raum bewirken ein spezielles, verstörendes Körpergefühl, im Gegensatz zu Tyrell. Beim Betrachten seines Lichts fühlt man sich eher gereinigt.

Am frühen Abend haben wir uns noch den Film über Les Raines Prochaines angeschaut. Muda Mathis kenne und schätze ich seit 1979. Die künstlerische Beharrlichkeit dieser ganzen Frauen Truppe ist grossartig. Die Aussage:"Alleine denken ist kriminell" werde ich mir zu Herzen nehmen.

7. März: Ich muss leider meine geplante Reise nach Reutlingen absagen. Am Wochenende muss ich alles vorbereiten, damit der Holztransport am Montag klappt. Das Filmteam von donkeyshot wird auch mit dabei sein.

6. März: Ich kann wieder fröhlich durchatmen. Die Zahnreinigung fällt aus. Bei der Dentalhygienikerin muss ich immer die Augen schliessen. Diese vorwurfsvollen Blicke auf meinen Zahnstein sind noch fast schmerzhafter wie die Behandlung.

5. März: Ich freute mich den ganzen Tag auf die Lesung von Laura de Weck im Kulturraum in der Hauptpost - und das zu Recht. Eine junge sehr sympathische Frau mit hell wachem Geist und einer kristallklaren Sprache. Diese Frau hat die Gabe, ganz genau hin zu hören und das Gehörte nieder zu schreiben. Dank ihrer Ausbildung zur Schauspielerin ist es auch ein grosser Genuss zu zu hören. Es gibt ja sehr viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die ihre eigenen Texte derart verknorzt vortragen, dass man jegliche Lust verliert, je ein Buch von ihnen zu kaufen.

4. März: Am Morgen bin ich zur Firma  Debrunner gegangen. Der bestellte Palettroli mit zwei Meter Gabellänge ist eingetroffen. Wenn man so ein Gerät abholen muss, wird einem bewusst wie lang zwei Meter wirklich sind. Ein sympatischer Secondo begleitete mich mit dem Lift ins Untergeschoss. Er zog dann den Roli ca. 800 Meter durch die riesigen Lagerhallen, vorbei an Armierungseisen, Stahlplatten, Profilrohren usw. alles geradeaus bis zum Bahnhof Haggen. Unterwegs wurden wir von vielen wartenden Lastwagenfahrern begrüsst. Ein Mann mit einem zwei Meter langen, niegelnagelneuen Gerät macht offensichtlich grossen Eindruck.

2. März: Heute möchte ich ein weiteres Bild aus dem Zyklus "Abend" endlich fertig malen. Es handelt sich dabei um einen frühen Abend im Piemont  mit sehr schönem, kühlem Herbstlicht.

1. März: Heute baute ich zusammen mit Matias eine knapp fünf Meter hohe Wand ins Atelier, damit ich dann die Abdrucke meiner geplanten Reliefs aufhängen und auf ihre Wirkung hin kontrollieren kann. Der Raum hat sich dadurch stark verändert. Die Wirkung ist gigantisch.

28. Februar: Nach sehr vielen Telefonaten und Abklärungen habe ich endlich eine Firma gefunden, die meine Sternbilder in Bronzeskulpturen eingravieren kann. Heute werden die Teile in der Kunstgiesserei im Sitterwerk abgeholt und am Freitag nach Dietikon transportiert. Ich bin erleichtert. Am Abend feiern wir in der Blume bei Ali einen Meilenstein im Entwicklungsprozess, den Monika für die Fusion der Spitex des Kantons Appenzell Ausserhoden mitgestaltet hat.


26. Februar: Um 8.00 Uhr erwarte ich Matias Stebler. Ein Freund aus bewegten alten Zeiten. Er hilft mir, die schweren, fünf Meter langen Bretter von einem Mamutbaum und eine grosse Ladung von Brennholz zu transportieren. In den lezten Wochen habe ich einige alte unvollendete Skulpturen zersägt. Ich brauche einfach Platz für mein grosses Projekt für das Stadtmuseum in Aarau.

25. Februar: Wolfram nimmt den 12 Uhr Zug zurück nach Leipzig und ich arbeite weiter in meinem Bildhaueratelier an der Haggenstrasse. Alles muss geräumt werden für die grosse Holzlieferung die ich am 4. März erwarte. 

24. Februar: Am Abend holen wir Wolfram Lotz beim Bahnhof ab. Gemeinsam werden wir am Montagmorgen die 300 Bücher signieren. Ein angenehmer Abend, mit einem wunderbaren Rehgulasch mit Gemüse und Spätzle, das Monika vorbereitet hat, dazu einem guten Wein und lange Gespräche über Literatur und Kunst.

23. Februar: Am Morgen besuchen wir einen Graveur in Flawil, der eine Serie von Sternbildern in Bronzegüsse eingravieren soll. Das wird eine kurlige Begegnung.  In der Küche eines winzigen Häuschens warten wir auf den frisch pensionierten Meister, der bedächtig die Treppe herabsteigt...

22. Februar: Gestern fuhr ich mit dem Zug nach St. Moritz. Das ist immer eine wunderbare Reise. Es war ein ganz spezieller Moment, zum ersten Mal die fertig gebauten Häuser in Champfèr zu sehen. Die Fassade mit meinem eingefrästen Muster sieht umwerfend aus. Die Handwerker haben wunderbare Arbeit geleistet. Das Eröffnungsfest am Abend hat mich sehr berührt.  Es ist schon sehr speziell, wenn über 20 junge Schreinerinnen und Schreiner acht Monate lang gemeinsam auf der gleichen Baustelle arbeiten und auch die Freizeit gemeinsam verbringen. Da kennt man am Schluss alle Macken der Kollegen und jedes Astloch auf der Baustelle.

Um 10 Uhr sass ich schon wieder im Zug Richtung Chur. So schaffte ich es, rechtzeitig in St.Gallen zu sein, um die Büchersendung der Niedermann Druck AG entgegen zu nehmen. Ich freue mich sehr auf das Theaterstück "MAMA EINE SZENE" von Wolfram Lotz mit meiner Bildvolge "BREI".

20. Februar: Am Nachmittag traf ich Felix Lehner im Sitterwerk. Die Bronzegüsse für die Häuser in Champfèr sind eingetroffen und frisch poliert. Langsam begreife ich die alchemistische Kraft, die im Gussverfahren drin steckt.

17. Februar: Wir haben ein kleines Landschaftsbild von Stéphan Schweizer gekauft und zuhause lange den richtigen Platz dafür gesucht. Nun hängt es über einem Textbild von Ernst Bonda: "dem lärm entwischt der stille das zirpen abgelauscht". Neben meinem aus Mammutbaumholz gebauten Bücherregal. Dieses Regal heisst "Irrtumstier". Diesen Namen kreierte die Tochter von Sandra Kranich und Jochem Hendricks bei einem Besuch bei uns.

Ich habe anschliessend den ganzen Nachmittag gemalt. Um 16.30 feierten wir den Abschluss meines Bildes "Abend VI". Anschliessend waren wir mit den Nachbarn zusammen bei Ali und Gülüstan zu einem feinen Essen eingeladen. Ein wirklich schöner Abend. Es gab viel zu reden. In den letzten Jahren ist das ganze Quartier im Umbruch.

16. Februar: Gestern besuchten wir Freunde in Flims. Eine schöne Fahrt durchs Rheintal mit viel Gesprächsstoff. Nach einer ausführlichen Besichtigung der neu gebauten Bleibe an einem Steilhang mit Blick auf Flims fuhren wir zu viert nach Morissen. Ein schöner einstündiger Fussmarsch durch die Surselva führt zur Bündner Rigi in Surcuolm. Das ist eines der ältesten Gasthäuser in dieser Gegend. Hier waren wir zu Alexas Geburtstag eingeladen und haben an diesem Ort das bestgelagertste Hirschentreôte des bisherigen Lebens gegessen. Grossartig!

Nach dem Abstieg fuhren wir um 17 Uhr von Flims zurück zu meiner Mutter, um für sie die Steuererklärung zu machen.

 

14. Februar: Jetzt rufe ich gleich Vera in Berlin an. Ich bin gespannt, wie sie gestern den neuen Film "Vaters Garten"von Peter Liechti erlebt hat. Ich wäre gerne selber an die Berlinale gegangen aber es ist einfach zu viel los hier in der Provinz ...

Am Nachmittag ist Lorenz Olivier Schmid vorbei gekommen. Er hat ein wunderbares Buchprojekt entwickelt. Eine Serie von Fotos von gepressten Blumen, die nun wirken wie verbotene Einblicke ins Universum oder in den Mikrokosmos der gefährlichsten Elemente. Auf dieses Künstlerbuch freue ich mich wirklich. Das gibt ein grandioses Werk.

13. Februar: Der Tag des Telefons. Ich sass den halben Tag am PC und am Telefon. Es gibt viel zu organisieren für mein Fassadenprojekt für das Stadtmuseums in Aarau. Für meine Reliefs werden ca. neun Tonnen Holzplatten angeliefert. Bis dahin muss alles präziese geplant sein. Scharfkantiges Denken ist angesagt. Meine Tage sind schon lange sehr dicht. Organisieren, malen, telefonieren, notieren und beim Weitermalen alles noch einmal reflektieren.

12. Februar: Sophia von Gaffron hat ein kurzers Filmchen über meine Malaktion vom 18. 1. 2013 in München auf you tube geladen. Hier der Link: http://www.youtube.com/watch?v=WP4I7nxKERI

11. Februar: Ich habe den ganzen Tag gemalt und vergessen das Radio einzuschalten. Erst am Abend habe ich erfahren, dass der Papst zurückgetreten ist.

10. Februar: Nach einem schönen Spaziergang am Morgen, mit Sicht zum Bodensee und guten Gesprächen über unsere Wohn- und Arbeitssituation in St. Gallen sehe ich einiges wieder klarer. St. Gallen ist eindeutig unser Landsitz. Ich komme darauf, weil heute ein schönes Foto vom Atelier von Mary Heilmann in der NZZ am Sonntag veröffentlicht worden ist. Jetzt fehlt uns einfach noch die tolle Wohnung in einer interessanten Grossstadt. 

Bereits sind die ersten Handyfotos der frisch gehängten Bilder in der Galerie Lovers of Art in Gstaad per Mail eingetroffen. Freude herrscht. Alles kommt gut. Die acht Bilder aus dem Naturzyklus ab 2000 scheinen ihren Winterurlaub in Gstaad zu geniessen. Jetzt wird mit vollem Elan weiter gemalt an rosaroten Wolken, dann gibts Kaffee und Kuchen... 

9. Februar: Am Morgen bin ich mit Ramon Lenherr nach St. Peterzell gefahren. Ich wollte wissen wie es den ganzen Vexer Projekten geht. Die Ausstellung "Felix der Verleger" in der Propstei ist noch nicht abgebaut. Die Fledermäuse, die hier im Dachstock überwintern verhalten sich sehr ruhig und sie hängen auch nicht in den Büchern von Roman Signer wie im letzten Herbst. Ich plane eine Veranstaltung am Samstag 18. Mai. Dann können sich alle, die noch keine Zeit hatten die Ausstellung anschauen und um 17 Uhr werde ich dann den ersten Film "Sommerhügel" von Peter Liechti zeigen. Dieses Filmexperiment entsand 1983 und zeigt sehr gut den damaligen künstlerischen Aufbruch in der Ostschweiz.  Ich werde diesen Film in einer kleinen Auflage als DVD im Vexer Verlag herausgeben.

Am Nachmittag sehen wir uns im Kinok den Film "DIE WAND" an. Ein weiteres Beispiel von einer unüberwindbaren Enge. Als Bild fällt mir das Kinderspielzeug ein, wo man eine Glashalbkugel drehen kann und dann schneits. Die Figuren in der Halbkugel bewegen sich nicht, sie werden einfach zugeschneit. In diesem Film ist es umgekehrt. Die Frau im Film lebt in ihrem eigenen Eingeschlossensein und das Leben ausserhalb der Kugel ist erstarrt. (Nur als Kinobesucher ist man priviligiert und lebt) Nach der Vorstellung treffen wir noch Elisabeth und Bruno Karrer. Zwei Ostschweizer Komponisten an zwei Tagen. Das kann ja ein richtig musikalisches Jahr werden.

Am Abend gibt es einen spontanen Besuch von Eveline und Roman. Monika hat bereits kleine Artischocken in der Bratpfanne. Nun wird das Menü umgestellt und ergänzt mit viel Gemüse, Peperoni, Zwiebeln und Petersilie. Wir kochen diese speziellen Teigwaren, die wie Spätzle aussehen. Alles kommt in einen grossen Topf und obendrauf gibt es wunderbare kleine Rehschnitzel. Der Jäger sitzt mit uns am Tisch. Und dann wird gejasst dass es eine Freude ist.   

8. Februar: Am Mittag hat mich der Komponist Alfons Karl Zwicker besucht. Diese Begegnung wäre schon lange fällig gewesen. Ich weiss auch nicht, warum ich mich bis anhin nicht auf diesen Komponisten und seine Klangwelt eingelassen habe. Ich entschuldige mich selbst damit, dass diese Musik eine Reife braucht, die mir wahrscheindlich gefehlt hat. Der Tod, die nicht gelebten Leben und die Erlösung oder Erfüllung im Jenseits sind ja nicht gerade leichte Brocken. Nun habe ich viel Lesestoff zu bestellen für eine vertiefte Auseinandersetzung und in den nächsten Tagen bekomme ich einige musikalische Kostproben. Ich spüre schon jetzt, wenn ich diese Türe nur einen Spalt breit öffne, fliessen nicht mehr zu stoppende universelle Klänge in mich hinein. Wie heisst es so schön im Alpsegen: Bhüet's Gott, vergelt's Gott. (Nicht etwa verhüet's Gott)

Am Abend einen super Krimi gesehen bei Arte: Der Räuber.

7. Februar: Peter Liechti hat mir die Interviews geschickt, die er mit seiner Mutter und seinem Vater gemacht hat als Vorbereitung zu seinem neuen Film. Beim Lesen erschüttert mich die Enge und die Sprachlosikeit der Kriegsgeneration, zu der ja auch meine Eltern gehören. Diese Enge beschreibt ja auch Paul Nizon sehr eindrücklich. Bei ihm genügte es noch 1977 nach Paris zu entfliehen. Wo könnte man heute hin? Ich glaube es bleiben uns nur noch unsere eigenen geistigen Reservate.

6. Februar. Aus einer angedachten, kleinen Präsentation von drei Bildern, wird nun eine Einzelausstellung in Gstaad. In der Galerie haben unter Anderem schon Balthasar Burkhard, Franz Gertsch und Sam Francis ausgestellt. Die Ort heisst "GALERIE LOVERS OF FINE ARTS".  Bei diesem Namen kann ja nichts schief gehen und etwas frische Bergluft schadet meinen Malereien sicher auch nicht. So schnell und spontan habe ich noch nie eine Ausstellung organisiert. Heute Morgen sind meine Bilder bei Stampa bereits abgeholt worden. Good Luck.

5. Februar: Am Abend fand eine XYLON Sitzung in Winterthur statt. Die drei Künstler und Künstlerinnen für die drei Nummern der Zeitschrift sind nun ausgewählt. Das gibt eine gute Sache. Am Bahnhof kaufte ich unter Anderem Wurst Brot und ein paar Brezeln. In Winterthur kostet eine Brezel 3.60 und in München 30 cent. Das ist der elffache Preis. Brezeln scheinen mir unter diesen Umständen in der Schweiz nicht als Grundnahrungsmittel geeignet. 

4. Februar: Eine überraschende Anfrage für die Präsentation von drei Bildern in Gstaad muss abgeklärt werden. Welche Bilder stehen zur Verfügung und wo sind sie? Ist eine solche Aktion sinnvoll?

2. Februar: Heute hat mir Wolfram Lotz das Gut zum Druck gegeben für sein Stück "Mama eine Szene", zu dem ich die Bildfolge "BREI" entwickelt habe. Das kleine Theaterstück und meine 16 teilige Fotoserie ergeben eine Publikation, die von Kasper Kobel typographisch gestaltet worden ist und sicher rechtzeitig zum Muttertag 2013 erscheinen wird.  Ein Buch für jeden Sohn, alle Töchter, Väter und eben für alle Mütter und Grossmütter...(Am Besten gleich vorbestellen! Auflage 300 nummerierte, signierte und gestempelte Exemplare für Fr. 55.- ((weil ich diese Zahl so schön finde))

13.00 Uhr: Hermann hat uns zu einer wunderbaren Gemüsepasta eingeladen.

Jetzt habe ich soeben eine schöne E-Mail erhalten mit viel Text von einer Landschaftsarchitektin. Ich kenne sie nicht persönlich. Sie hat auf diesem Bloc gelesen, dass ich mich mit dem Malen von Bäumen beschäftige. Ich male ja Bäume nicht nur, ich pflanze, schneide und fälle auch ab und zu einen. Mich interessiert das Gestalten, das Wachsenlassen im Garten und im Wald genauso wie im Bild. Ich freue mich und staune immer wieder über Zusammenhänge, Verflechtungen und Lichtungen, die sich ja nicht nur in unseren Lebensräumen, sondern auch im Denken und Empfinden aus unserem Tun entwickeln. Spannend in diesem Zusammenhang finde ich die Schnittstellen von wilder, ungezähmter Natur und den bewusst gestalteten Räumen, die wir Menschen schaffen können.

1. Februar: Monika hat gestern schon ein wunderbares Rehgulasch mit Blaukraut und Spätzle zubereitet für heute Mittag. Ganz benommen male ich nun Eschen und Birken vor einen Wolkenhimmel, derweil ab und zu Farbe auf meinen Bauch tropft.

31. Januar: In den letzten Tagen beschäftigte ich mich mit einem Ausstellungsangebot in Gstaad. In der Galerie haben unter Anderem Franz Gertsch, Balthasar Burkhard, Sam Fancis, Michel Compte usw. ausgestellt. Ich denke ein bisschen frische Bergluft würde meinen Bildern nicht schaden.

30. Januar: Walter Angern zeigt mir eindrückliche Fotos, die auf einer einsamen Insel irgendwo in der Nähe von Irland entstanden  sind. Die Lanschaft wirkt wie wenn sie nach einem geheimen Plan aus Basaltsteinen und Basaltplatten aufgemauert worden wäre.

Vera fliegt heute nach New York. Ich bin gespannt auf ihre Eindrücke - super, so muss ich nicht selber reisen, das ist schön bequem und ich leide auch nicht unter der Zeiverschiebung...

29. Januar: Hansjörg Bachmann bringt eine riesige, ca. 25 Jahre alte schwarz weiss Fotografie vorbei, die für eine Atelierausstellung im Schlattergebäude an der Wassergasse entstanden ist.  Er hat dieses Foto zu seinem letzten Arbeitstag als Lehrer geschenkt bekommen. Ein Kollege von ihm hat es vor einem Jahr auf dem Flohmarkt gekauft. Es ist ein sehr spezielles Gefühl, wenn solche Dokumente schon auf dem Flohmarkt angeboten werden. Auf dem Bild sind die meisten Künstlerinnen und Künstler abgebildet, die damals im Schlattergebäude gearbeitet haben. Die eigene Geschichte holt uns alle ein.

Am Nachmittag traf ich Peter Liechti. Ich überlege mir, sein erstes Filmexperiment "Sommerhügel" von 1982 als DVD herauszugeben. Felix Kählin, Walter Siering, Roman Signer, Walter, Johanna und Budatz waren bei diesem Film mit dabei. Ich warte nun auf die Texte zum neuen Film "Vaters Garten" und auf die Standbilder davon. Eventuell wäre das etwas.

28. Januar: Petra Ronner feiert Geburtstag auf dem Zürichsee und ich beschäftige mich mit den Fotos und der Gestaltung für die neue CD von Petra und Peter. Das nennt man Arbeitsteilung.

27. Januar: Am Samstag malte ich den ganzen Tag. Am Abend ein feines Essen, guten Wein und endlose Diskussionen mit Hugo und Susi. Heute Morgen erholten wir uns durch einen langen Spaziergang am Bodensee bei Rheineck. Zum Abschluss dann Kaffee und Gugelhopf in der Lockremise. Da sassen um 14.00 Uhr immer noch Dutzende junge Väter und Mütter mit ihren kleinen Kindern beim Frühstück. Das scheint sehr atraktiv zu sein. Da müssen keine Breireste weggeputzt und keine Brösmeli aus dem Teppich gepoppelt werden wie zuhause. 

24. Januar: Ich musste früh zum Bahnhof heute Morgen. Zuerst an eine Sitzung in Olten, dann nach Bern ins Kunstmuseum. Kathleen Bühler plant eine thematische Gruppenausstellung zum Thema: "Das schwache Geschlecht: Neue Mannsbilder in der Kunst", das wird ein spannendes Projekt. Ich habe mir dann noch die aktuellen Ausstellungen angeschaut. Leider hatte ich nicht so viel Zeit, da ich um 16 Uhr in Zürich erwartet wurde. Der Sounddesigner Ernst Thoma macht Aufnahmen von Petra Ronner und Peter Schweiger für eine neue CD Produktion im Vexer Verlag. Das wird eine ziemlich schräge Sache mit DADA Zitaten, Tierlauten, Klaviermusik und Sound usw. Ich machte einige hundert Fotos für die bevorstehende Produktion.

23. Januar: Ich male an meinem Abendbild mit schräg über das Bild ziehenden Wolken.

22. Januar: Am frühen Nachmittag traf ich Giovanni Carmine zu einer Besprechung wegen der geplanten Ausstellung zum 75. Geburtstag von Roman Signer in der Kunsthalle St. Gallen. Giovanni möchte eine Art Rekonstruktion der Ausstellung von 1988 organisieren, die ich damals für die Kunsthalle kuratiert habe. Peter Liechti hat mir Fotos  geschickt und Giovanni hat eine Ankündigung der Führungen durch die Ausstellung gefunden, die damals von Corinne Schatz, Hans Ulrich Obrist und von mir gemacht wurden. Das war wirklich eine tolle Zeit.

21. Januar: Ich erledige den ganzen Tag die angestauten Pendenzen und freue mich auf den Vortrag von Dorothea Strauss im Kulturraum des Kantons St. Gallen. Der Titel:" Mit Kunst die Welt besser ertragen". Liebe Dorothea das hat wirklich Spass gemacht!

20. Januar: Eine wunderbare Zugfahrt. Zuhause laden wir spontan Ruth und Hermann zum Fondue ein. Der Käse klumpt bei mir nicht wärend des Essens sondern erst im Magen und das bis  früh am Morgen. Beim Aufstehen fühle ich mich wie ein gross gewachsener Appenzeller im Emmental.

19. Januar am Nachmittag: Unsere zwei Museumsbesuche in München waren sehr speziell. In der Pinakothek der Moderne wird eine kleine Ausstellung gezeigt von "Entarteter Kunst", die 2010 bei Bauarbeiten in Berlin gefunden wurden. Kriegsarchäologie sozusagen. Da sind einige interessante Werke von Frauen dabei die ich nicht kannte. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass an diesem Ort sehr viele nicht so bekannte Werke gezeigt werden. Einige sehr interessante Münchner Maler von denen ich noch nie etwas gesehen habe. Ich fragte einen der Museumswärter, wo sich denn die Caspar David Friedrich Werke befinden. der alte, bereits pensionierte Mann beklagte sich, dass alles im Haus umgestellt worden sei und dass er keine Ahnung mehr habe wo was gehängt sei. Er ärgerte sich sehr über ein Werk von Goustav Courbet, bei dem der Maler total dilletantisch den Reiter auf dem Pferd kurzerhand übermalt habe. Er zeigte auf den seiner Meinung nach schlampig gemalten Sattel und auf die Zügel, die total straff zum nicht mehr vorhandenen Reiter zielten. Der sichtlich erboste Wärter meinte, mit diesem schlechten Bild im Saal mache ihm die Aufsicht überhaupt keinen Spass mehr. Wir haben dann unseren Rundgang fortgesetzt und bei Arnold Böcklin trafen wir einen rotbackigen gwieften Herrn Aufseher, der uns auf einige Spezialitäten des Malers hinwies. Er sprach über Geräusche, Klänge und Bildwitze, die er in diesen Bildern entdeckt hatte. Der aussergewöhnliche Mann verriet uns auch, dass er schon einen Platz für seine Asche reserviert habe auf einem 3500 Meter hohen Schweizerberg und dass er sich schon freut über die Ruhe im Winter, unter einer Meterdicken Schneedecke. Der Aufseher wurde abgelöst von einem Kollegen, der uns zurückschickte zum Bild "Die Teufelsbrücke". Er zeigte uns das Bild im Katalog und wollte wissen ob wir das "Mystische" im Bild erkennen. Wir rätselten etwas herum und nach langem Hin und Her zeigte er uns am oberen Bildrand die im Felsen verborgene Darstellung des Teufels. Ja und ein paar Bilder weiter könnten wir uns dann noch die Hand Gottes anschauen. Auch sie verborgen in der Malerei, in einer Klippe versteckt. Im Hintergrund das sinkende Schiff im stürmischen Meer, das die Passagiere wie durch ein Wunder auf eben diese Klippe gespült hatte.

Nach diesen unerwarteten Begegnungen labten wir uns im nahegelegenen Restaurant und besuchten anschliessend das Museum Brandhorst. Die Fassade ist sehr schön. Das Gezeigte sieht etwas stark nach "Deutsch - Amerikanischer Freundschaft" aus. Warhol, Polke, Baselitz, Alex Katz, Eric Fischel etc. und im obersten Stock Cy Twombley. Neben wunderbaren skulpturalen Arbeiten und frühen Malereien werden grosse Gruppen von neueren Werken gezeigt die ich ziemlich schrecklich finde. Alterswerke sind leider nicht immer Meisterwerke. Das ist die zweite Begegnung mit zweifelhaften Twombleys. In Berlin im Hamburger Bahnhof hängt ein  scheinbar frühes Werk dieses Malers, das meiner Meinung nach erst kürzlich gemalt worden sein kann. Hat da etwa ein toller Künstler schon einige Zeit vor seinem Tod die Pinsel an einen seiner Assistenten übergeben? Wer weiss?

Na ja und im Untergeschoss spielen eine Überzahl von bunten Warhols gegen einen defensiven Sumamoto in schwarz weiss. In den abgedunkelten Räumen mit einer sehr präziesen Lichtführung beginnen die Fotoarbeiten, verschärft durch die sehr aufwändige Rahmung, eine unerklärliche Farbigkeit zu entwickeln.

Um 18 Uhr fahren wir zurück zum Hotel, ruhen uns aus und freuen uns auf das Nachtessen bei Patricia. Ein sehr netter Abend, mit Patricia, ihrem Partner Gerd, der Fotokünstlerin Scarlett Berner und dem Lichtdesigner Jan Roth und dem schönen Hund, desssen Name ich vergessen habe. Patricia hat wunderbar gekocht. München und die Menschen hier tun uns gut!

19. Januar am Morgen: Ich habe lange geschlafen. Nach meiner Malaktion war ich fix und fertig aber auch erlöst von diesem enormen Druck. Der Abend war sehr anregend mit vielen interessanten Begegnungen. Um Mitternacht sind wir gegangen und vor dem Verlassen des Hauses zerbrach meine Brille und ist auf den Steinboden gefallen. Zum Glück waren die beide Gläser nicht zerbrochen aber ich hatte ein wirklich grosses Problem. Ohne Brille bin ich ziemlich hilflos. Die Lichter sehen aus wie grosse Lichtkugeln, Menschen sind nur noch dunkle Gestalten. Zum Glück war Monika bei mir. Ich bereitete mich schon darauf vor, am nächsten Morgen früh mit dem ersten Zug nach St. Gallen zurück zu fahren. Eine Stadt in der man nichts sieht ist nicht sehr angenehm. Nach dem Frühstück erkundigte ich mich an der Reception nach Brillenfachgeschäften. Gleich neben dem Hotel gab es ein grosses Optikergeschäft. Apollo Optik am Rotkreuzplatz. Der Chef, ein sehr sympatischer Türke bediente mich und suchte eine Brillenfassung, in die er meine alten Gläser schleifen konnte. Er fand eine kleine, schwarze Fassung die einigermassen passte. Nach einer halben Stunde war die Brille fertig. Ich hatte wirklich grosses Glück. Ich sehe nun einfach aus wie ein grosser Knabe mit einem alten Gesicht.

18. Januar: Am Mittag holte ich Monika beim HB München ab. Wir kauften in einem Warenhaus noch einige Kleinigkeiten für meine Ausstellung und haben anschliessend im Augustiener gegessen. Dann wollte ich Monika möglichst bald meine Hängung bei Patricia zeigen. Ich war den ganzen Nachmittag ziemlich nervös. Malen vor Publikum ist wirklich eine Herausforderung, besonders wenn man vorher kein präzieses Bild im Kopf hat.

Um 19 Uhr waren dann ca. vierzig Personen anwesend und ich malte eine Stunde lang mit schwarzer Ölfarbe ein immer dichter werdendes Dickicht. Als begleitenden Text hatte ich eine Hör - CD von Peter Kurzeck ausgewählt, auf der er aus einer kindlichen Sicht erzählt über die Zeit nach dem Krieg. Mich hat es sehr interessiert was passiert, wenn ein Text gesprochen wird während des Malens.  Nach einer Stunde war ich total KO und beendete meine Aktion abrupt. Die Zuschauer waren begeistert von diesem Text und der dazu entstandenen Malerei.

17. Januar: Am Morgen früh habe ich alles zusammengepackt für meine Ausstellung und die Malaktion im LabKunstklub bei Patricia London Ante Paris in München. Jetzt freue ich mich auf eine entspannende Zugfahrt. Pünktlich um 13.30 Uhr bin ich in München angekommen. Patricia hat mich abgeholt und wir sind gleich in ihr Atelier gefahren. Meine Arbeiten waren am Abend gehängt und fotographiert. An der zentralen Wand des Raumes platzierte ich eine grosse Papierbahn für die geplante Malaktion. Um 21 Uhr trafen wir Gerd beim Griechen. In der Nacht schlief ich im Atelier von Patricia.

16. Januar: Gestern Abend sind wir bei Schneegestöber mit Ruth und Hermann nach Fussach in A gefahren. Wir wollten den sechzigsten von Hermann feiern in einem Argentini-schen Restaurant Namens Gaucho an der Rheinstrasse 89. Unser TOM TOM hat versagt. Er wollte wissen, ob die Strasse in Höchst oder in Hard ist. Da wir das auch nicht wussten, haben wir das Restaurant nur mit grosser Mühe gefunden. Diese Mühe hat sich aber gelohnt. Hermann und ich haben je ein richtig grosses Stück Rinsfilet verschlungen. Unsere Damen waren etwas zurückhaltender in den Mengen. Ein schöner Abend mit genügend Malbec, der sehr viele gute Erinnerungen an unsere Argentinienreisen zu Erika Bachmann in Buones Aires wachgerufen hat.

Am Morgen ein klärendes Gespräch mit Wolfram Lotz. Als erstes gebe ich nun im Vexer Verlag den Text "MAMA - eine Szene" heraus. Das Büchlein mit einer Bildfolge von mir sollte rechtzeitig zum Muttertag verfügbar sein. Auf den Herbst planen wir  eine Textsammlung mit Erzählungen von Wolfram und zwei weiteren Bildfolgen von mir.

Heute Mittag hatte ich ein "Arbeitsessen" mit Ramon Lenherr. Bei selbst gekochter Gemüsesuppe, Käse, Fleisch und Brot haben wir Schrift- und Sternbilder entwickelt. Das hat richtig Spass gemacht. Ich nehme mir jetzt den Satz von Muda Mathis und Les Raines Prochaines zu Herzen, der da lautet: "Alleine Denken ist kriminell."  

15. Januar: Die letzten Tage waren sehr intensiv. Ich habe zwei Gussmodelle aus Pappelholz geschnitten. Es ist so lustig, zwei Tannenholzstämme aus Pappelholz zu schnitzen, mit Rinde und Ast und Schnittfläche etc. Die fertigen Modelle übergab ich heute Morgen am Bahnhof an Felix Lehner, der sie gleich mit nach Schanghai genommen hat. Die zwei Modelle werden dann in Bronze gegossen. Die zwölf Teile dienen dann als Abdeckungen von geschählten Holzpfählen auf Balkonen. Die oberen Schnittflächen werden poliert und anschliessend wird in jedes der 12  Gussteile ein anderes  Sternbild eingraviert.

Morgen Mittag treffe ich mich mit Ramon, um die grafische Umsetzung der Sternbilder vorzubereiten. Nun muss ich aber endlich alles zusammenpacken für meine Ausstellung und die geplante Malaktion in München, die am Freitagabend um 19 Uhr im LAPKUNSTKLUB von Patricia London Ante Paris,  an der Schluderstrasse 45 stattfindet.  

 

http://lap-kunstklub.blogspot.de

 

13. Januar: Ein richtiger Sonntag, mit allem was dazugehört.

12. Januar: Heute mussten wir schon um 4.45 aufstehen. Wir waren verabredet zum Frühstück bei Lisa Schiess in Waldstatt mit einem Schubel Silvesterkläuse. Als Erstes holten wir zwei riesige Butterzöpfe beim Quartierbeck Wernli ab und dann fuhren wir los. Das Zusammentreffen war sehr lustig und eindrucksvoll. Ich war total überrscht und beeindruckt von der Präzision und der durchdachten Choreographie bei diesem Silvesterbrauchs. Die träfen Sprüche, der frische Schnee, die Morgendämmerung, der Gesang und die magisch strahlenden Farben verzauberten diesen Morgen.

Am Abend ein wunderbares Essen mit einem sensationellen Wein und guten Gesprächen bei unseren Nachbarn Ursina und Thomas.

11. Januar: Am Mitteg telefonierte ich lange und mit einigen Unterbrüchen mit Vera.
Das war ein wiklich sehr interessantes Gespräch über Strategien von jungen Künstlern. Vera hat da eine ganz differenzierte eigene Meinung. Mir scheint, dass die heutige globale Vernetzung bei vielen Künstlern zu einem gigantischen Jdeenklau oder positiv ausgedrückt zu einem Jdeentransfer geführt hat. Die gesammte Kunstgeschichte und alles was aktuell auf dem Markt sichtbar ist, wird gnaden- und rücksichtslos kopiert, variert  und als eigene Leistung präsentiert. Junge Kuratorinnen und Kuratoren kämpfen an vorderster Front für ihre Schützlinge und fördern nach zwei drei Jahren schon die nachfolgenden Scharen von Verehrern der zuvor geförderten. Heute sind die Jungkuratorinnen und Kuratoren ja in gleichem Masse unter einem riesigen Erfolgsdruck. Da lob ich mir doch die alten Hasen, die ab und an auch hinter einem Baum verharren, bis die ganze Jagdgesellschaft mit ihren jungen Hunden vorbei gezogen ist. Was aber die Hasen oft vergessen: hinter dem dicksten Baum lauert der alte Fux und der beisst im richtigen Moment genüsslich zu.

Am Nachmittag wühle ich im Archiv herum, um alte Dokumente von Roman Signer zu sichten. Was ich suchte habe ich sofort gefunden. Toll!

10. Januar: Den ganzen Tag habe ich nach geeigneten Papieren gesucht im Internet für eine grosse Serie von Holzschnitten die ich plane. Für diese Arbeit werde ich fast eine Tonne Papier benötigen. Will ich das wirklich? Jetzt suche ich ein ganz dünnes aber strapazierfähiges Seidenpapier, dann reichen 50 Kilo. Am Abend habe ich mir die Wettbewerbsarbeiten für das neue Krematorium in St. Gallen angeschaut. Das Architekturbüro von Iso Senn aus St.Gallen hat den Wettbewerb gewonnen. Mich interessiert das sehr, denn vor fast dreissig Jahren habe ich mein erstes Kunst am Bau Projekt für die Abdankungskapelle im Friedhof Feldli realisieren können. Ich habe damals drei fünf Meter hohe "Menschensäulen" aus ganzen Pappelstämmen gehauen. Es wäre wünschenswert, dass im Zuge eines Neubaus auch die Kapelle renoviert werden könnte. Mit einem neuen Verputz im Inneraum, zeitgemässem Mobiliar und einer neuen Beleuchtung wäre schon viel gewonnen.

Anschliessend ein kurzer Besuch in der Kunsthalle. Giovanni Carmine plant eine Ausstellung von und zu Roman Signer, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Giovanni möchte die Ausstellung von Roman rekonstruieren, die ich 1988 in der Kunsthalle an der Wassergasse kuratiert habe. Spontan skitzierte ich ihm die Ausstellung mit den Signer Objekten. Das war wirklich eine tolle Ausstellung. Roman war damals schon fünfzig!

 Auf dem Weg nach Hause kaufte ich bei Farben Müller noch einiges Malmaterial, das ich für München brauche.

9. Januar: Malen, malen, malen und nachdenken über die geplante Malaktion in München.

8. Januar: Am Nachmittag konnte ich meine zwei in Holz geschnitzten und in Bronze gegossenen Äste im Sitterwerk abholen. Die sind sehr schön geworden. Für den Transport hatte ich mein kleines Rollwägelchen mitgenommen. Die Bronzeteile waren aber um einiges schwerer als ich gedacht hatte. Nach der Steigung im Stocken war ich ziemlich ausser Atem und der Wagen rollte auf den Felgen. Ein nächste Mal werde ich wohl ein Taxi rufen.

7. Januar: Das intensive Malen hat mich einen wichtigen Schritt weitergebracht. Langsam klären sich die Vorstellungen für die geplante Ausstellung bei Ernst Hilger in Wien. Es bleiben mir ja noch ein paar Monate.
Letzte Nacht träumte ich von meiner Familie. In einem skulpturalen Anfall fräste ich heute Nachmittag meine ganze Familie aus der Sicht als 16 jähriger mit der Motorsäge aus einem Pappelstamm. Vater, Mutter sieben Geschwister und mich. Die ganze Bande packte ich am Abend in eine COOP Einkaufstasche und wartete an der Bushaltestelle, um mit meiner ganzen Familie gemeinsam nach Hause zu fahren. "Exgüsi, isch do no frei"? fragte ich eine alte Dame im Bus. "Ich brauche Platz für meine Grossfamilie." Die Dame machte sich ganz klein und dachte wohl der spinnt.  

Am Abend freute ich mich schon darauf, Monika meine neuste Arbeit zu präsentieren. Als sie nach Hause kam ging sie zuerst in ihr Arbeitszimmer. Ich war in der Küche beschäftigt und hörte plötzlich einen lauten Schrei und noch einen und dann noch ein sehr lautes, anhaltendes Gekreische. Irritiert schaute ich nach und sah Monika am Boden liegen. Sie machte mit den Armen merkwürdige Ruderbewegungen. Die Szenerie wirkte, als müsste sich Monika, auf dem Rücken liegend vor einem Gespenst in Sicherheit bringen. Ich versuchte Monika zu beruhigen: "Eine Fledermaus" schrie sie, eine riesige Fledermaus ist im Zimmer". Wirklich flog inm Raum ein riesiges Etwas im Kreis herum. Ich löschte sofort das Licht und öffnete die Fenster. Nach einigen vergeblichen Versuchen flog das Tier in die Nacht hinaus. Monika beruhigte sich langsam und wir rätselten darüber, wie dieser "Flugsaurier" wohl in den verschlossenen Raum gekommen sein konnte. Nach einigem Hin und Her waren wir uns einig, dass es sich um eine verirrte Schwalbe gehandeln haben musste. Sie hatte wohl den Abflug nach Afrika verpasst. Oder war das Ganze ein misteriöses Zeichen? Hatte sich mein verstorbener Vater nach meiner Familienschnitzarbeit bei mir gemeldet? War er nicht zufrieden mit seinem Abbild? Wer kann es wissen?

6. Januar: Malen

5. Januar: Malen

4. Januar: Malen

3. Januar: Malen

2. Januar 2013: Wir sind zurück in St.Gallen. Die Zeitungen der letzten Tage habe ich nachgelesen und die Post erledigt. Das neue Jahr kann beginnen. Es wartet viel Arbeit auf mich. Nun restauriere ich als Erstes meine kleine schwarze Madonna, die beim Herstellen der Gussform kaputt gegangen ist. Es ist ein spezielles Gefühl, eine selbst gestaltete Figur nach vierzig Jahren nachzuempfinden und wieder herzustellen.

Wir waren einige Tage im Piemont mit Freunden bei Freunden. Wir haben excelent gegessen, Gutes getrunken, schöne Spaziergänge gemacht durch Rebberge und durch Eichenwälder, wir sind ans Meer gefahren und durch Sand gestapft, haben Steine gesucht und gefunden, wir legten sie und uns an die Sonne und ich fotografierte silberne Sterne im gleissenden Licht, das sich auf den Wellen brach. In einem kleinen Restaurant assen wir ein paar Köstlichkeiten. Ich konnte dem fritierten Tintenfisch, den Sardellen, den Scampis und den Pomes nicht widerstehen. Am Abend haben wiir gut gekocht, viel diskutiert und debatiert vor dem Kaminfeuer und tanzten dann ins neue Jahr hinein.

28.Januar: Eine lange geruhsame Autofahrt ins Piemont. Solche Fahrten bieten immer die Möglichkeit für ausführliche Gespräche. Monika fährt und ich bin der Lotse.

26. Dezember: Endlich ein ruhiger, besinnlicher Tag. Ich male ein grosses Bild fertig. Der Himmel war schon lange vorbereitet und die Wolken gemalt...

15.00 Uhr: "Poem in the Sky" Nr. I ist vollendet...

25. Dezember: Ein wunderbarer, dreistündiger Spaziergang von Niederteufen bis zu uns nach Hause. Wenige Menschen sind unterwegs. Viele werden sich prall und satt auf ihren Sofas trollen. Bei der Wegkreuzung nach der Waldegg treffen wir Jolanda und Peter Liechti. Das kurze Gespräch bringt gute Laune für unseren Abstieg durch den Pflotsch auf der letzten Wegstunde. Bei einem Bauernhof weckt Monika den alten Appenzellerhund, der uns schon seit vielen, vielen Jahren immer wieder erschreckt und uns ausgiebig anbellt. Warum musste sie ihn aufwecken? Ich glaube es war das letzte Mal.

24. Heute haben wir einige Freunde zum "Lyoner" eingeladen. In meiner Familie war das ein rituelles Mal vor der Beschehrung. Mein Vater bekam immer sehr viele Lyoner, Salami und Schinken von den Metzgern und Viehändlern, denen er über das Jahr hindurch Tiere vom Bauernhof des Bürgerheims verkauft hatte. Dieser Wurstberg wurde dann immer gemeinsam mit der ganzen Familie am Heiligabend abgebaut. Erst nach diesem Abendmal duften wir die Stube mit dem von der Mutter geschmückten Christbaum betreten . Für uns Alle gab es mindestens ein Paar selbst gestrickte Socken, eine Schokolade und je nach Finanzlage auch mehr oder weniger Spielzeug... Bei acht Kindern war das dann doch immer ein richtiger Geschenkeberg in den 60er und 70er Jahren. (Und natürlich ein guter Grund zum Singen)

Vera istam Nachmittag leider schon wieder abgereist. Sie besucht Freunde in Winterthur und Zürich.

Heute im Jahre 2012 braten wir am Abend zwei schöne Biohühnchen, draussen am Drehspiess, am offenen, geschützten Feuer für Ruth, Hermann, Nock und Ning. Das wird sicher ein lustiger Abend, mit dem transportablen, batteriebetriebenen Christbäumchen von Ruth. Leider musste Vera schon am Nachmittag wieder weiterziehen.Sie ist unterwegs als junge Weihnachtsfrau mit einem prall gefüllten Rollkoffer, voll von Geschenken, die sie noch verteilen will. 

23. Dezember: Weihnächtliches Familientreffen mit Hutters in Kriessern. Alle haben etwas Selbstgekochtes mitgebracht. Ein wunderbarer Nachmittag mit vielen Überraschungen.

22. Dezember: Um 10 Uhr morgens ist Vera eingetroffen. Sie kam direkt vom Flughafen. Wir hatten Zeit, die wichtigsten Neuigkeiten auszutauschen, bevor wir nach Gais fahren mussten, denn heute hat das Müller - Familientreffen früher als üblich stattgefunden. Sieben Jahre lang haben Monika und ich immer am 25. Dezember für die ganze Familie Müller und am 26. Dezember für die Familie Hutter gekocht. Das sind pro Familie doch immer 15 bis 25 Personen. Dieses Jahr haben wir die Termine nach vorne verlegt. Heute bekochten uns Ursula und Martin in ihrem Restaurant Sternen in Gais. Alles war sehr gut, sehr gemütlich und ich hatte es ausserordentlich lustig.

21. Dezember: Gestern hat mir mein Bruder Hubert gesagt, dass drei kleine Bronzegüsse fertig geworden sind von meiner allerersten Skulptur, die ich als 15 Jähriger in der 3. Sek. modelliert habe. Eine kleine schwarze Madonna, die seit dieser Zeit bei meiner Mutter in der Wohnung steht. Ich war sehr gerührt als meine Mutter den Wunsch äusserte, dass sie diese kleine Madonna als Bronzeguss für ihren zukünftigen Grabstein haben möchte.  Hübi hat alles organisiert und morgen werde ich das Resultat sehen. Leider ist bei der Herstellung der Gussform mein Tonmodell zerstört worden. Ich weiss noch nicht wie Mama darauf reagieren wird.

20. Dezember: Vor zwei Tagen habe ich ein Musterbrett zu Urban Stoob in die Druckerei gebracht. Ich überlege mir, von den Reliefs für Aarau Abriebe zu machen, damit ich die Wirkung der geplanten Motorsägenzeichnungen kontrollieren kann. Urban war voll im Schuss und hat gleich angefangen Proben zu machen. In anderthalb Stunden hiengen schon acht Blätter an der Wand. das Problem liegt darin, dass ich die Zeichnungen seitenrichtig sehen möchte. Die Proben sind sehr vielversprechend. Ein Knackpunkt ist es, das geeignete, farbige Papier in der Grösse von 100 x 200 cm zu finden. Heute bekomme ich die ersten Papiermuster die ich gefunden habe.

Am Abend war ich an einer Weihnachtsfeier bei Vitamin 2. Ramon Lenherr hat mich eingeladen. Eine bunte gemischte Gesellschaft von sehr jungen Gestalterinnen und Gestaltern. Wenige bekannte Gesichter aber viele junge Menschen, die in Zukunft eine schönere Warenwelt kreieren möchten.

19. Dezember: Kurzbesuch in Basel. Stampas machen grossen Bücherverkauf und haben eine Zeichnungsausstellung eingerichtet mit Arbeiten aus ihrem Archiv aus der Zeit von 1970 - 81. Von mir liegen auch zwei sehr frühe Tuschzeichnungen in einer Vitrine. Ich liebe solche Einblicke in Archive und die sich daraus ergebenden zufälligen Nachbarschaften. Es ist doch schon speziell, wie in einem Massenlager neben wildfremden aber total wichtigen Zeitgenossen zu liegen. Notabene ohne Schnarchgeräusche und verschwitzte Wandersocken. Anschliessend eine Sitzung mit den Architekten. Eine Besprechung für einen künstlerischen Schlussakt für die Wohnhäuser in Chamfèr.

18. Dezember: Gestern hatte ich Besuch von einem Fachmann für die Herstellung von Gussmatritzen für den Betonguss. Nun muss ich alles ordnen und aufarbeiten. Ich staune was heute alles möglich ist. Bei ornamentalen und figurativen Betonfassaden wird aber sehr viel blödsinniger Kitsch produziert. Am Mittag sägte ich mit der Motorsäge einen Kopf in ein sägerohes Mammutbaumbrett und habe gleich eine Mustermatritze bestellt. Im Januar sehe ich weiter. 

17. Dezember: Arbeitsreiche Tage. Viele Anfragen und Angebote. Gegen Ende Jahr wollen alle Pendenzen abbauen und das neue Jahr vorplanen. Eine richtige Aufräumwoche. Vermeintlich kleine Aufgaben erweisen sich oft als richtig schwierige und aufwändige Projekte. Ich habe einige Tage mit meinem neuen PC gekämpft. Jetzt läuft alles wieder perfekt. Ich bin gerüstet.
Heute werden meine in Holz geschnitzten Astgabeln in der Kunstgiesserei  im Sitterwerk gegossen. Ich habe die konzipiert als "Türdrücker" für die zwei Häuser in Champfèr, wo ich auch das Borkenkäfermuster für die Holzfassaden entwickelt habe. Ich bin ja gespannt.

16. Dezember: Am Nachmittag ist Jassen angesagt mit Conny und Ceferino aus Schaffhausen. Cefi ist ein Naturtalent. Wir haben den zwei Damen erbarmungslos den Garaus gemacht.

10. Dezember: Abschied, langes Warten, Rückflug und zu Hause ein gemeinsames Geburtstagsessen (Monika und ich haben wirklich gemeinsam Geburtstag) Es gibt einen wunderbaren Barolo, Pasta und Wienerli, sonst ist nichts mehr da. Nach den kulinarischen Höhepunkten der letzten Tage ein spezieller Schlusspunkt, der uns inspiriert, nach Berlin möglichst bald wieder einmal nach Wien zu reisen. 

9. Dezember: Der Sonntag beginnt im Einstein an der Kurfürstenstrasse mit einem fulminanten Frühstück zu später Mittagsstunde.  Die Stadt ist durch den vielen Schnee ruhig und kaltgestellt. Die Atmosphäre im Einstein ist einmalig. Da kommen bei mir immer etwas Heimatgefühle hoch.

Durch dichtes Schneetreiben stapfen wir zur Nationalgalerie. Hans Peter Feldmann hat eine Kopie der Aphrodite in einer hohen Vitrine in der Mitte des Ausstellungsraumes platziert. Die grossen Glascheiben des Gebäudes von Mies van der Rohe sind im oberen Bereich beschlagen und bieten dadurch einen schleierhaften "Vorhangblick" in die Stadtlandschaft hinaus. Ein wunderbares Raumerlebnis mit einer leicht schielenden, dem Meerschaum entstiegenen Göttin im Zentrum.

In den unteren Räumen wird eine Ausstellung aus Sammlungsbeständen der Nationalgalerie präsentiert. "Roter Himel über Berlin" oder so... es gibt immer wieder Entdeckungen zu machen. Unter Anderem die beeindruckende Skulptur "Bleiche Mutter Deutschland".

Am Abend haben wir sehr gut aber überteuert gegessen bei einem Italiener an der Rudolf Dutschke Strasse.

8. Dezember: Endlich haben wir die Gelegenheit die neuen Arbeits- und Wohnräume von Vera in Kreuzberg zu sehen. Vera hat sich wirklich gute Räume geschaffen. Riesige Leinwände stehen zur Grundierung bereit. Ich bin sicher, das wird ein malerisches Freudenfest. Anschliessend gehen wir zum Frühstück im Bethanien. Bei mir kochen natürlich viele Erinnerungen hoch an meine Zeit vor 21 Jahren. Kurz nach dem Mauerfall war ich Gast des Akademischen Austasuschdienstes DAAD und hatte für ein Jahr ein Atelier und eine Wohnung im "Ärztehaus" neben Bethanien. Vera war damals elf Jahre alt und wollte nicht mit nach Berlin. Nun 22 Jahre später arbeitet sie ganz in der Nähe meines damaligen Arbeitsortes. Hinter dem Haus wohnen immer noch die Rollheimer und verwehren was sie verwehren können. In den Ausstellungsräumen werden Werke gezeigt, die sich mit der Warnehmung von Gehörlosen auseinandersetzt. Unter Anderem werden auf Monitoren Filme von Roman Signer gezeigt und über jedem Fernseher läuft ein weiteres Bild mit der jeweiligen Simultanübersetzung in der Gebärdensprache. Am Abend geniessen wir ein üppiges Essen in einem Restaurant, das sich auf Spezialitäten aus Lyon eingeschwoen hat. Viele Innereien werden angeboten. Wir haben erstmals Gänsemagen gegessen. Der zieht sich beim Kochen zu einem kleinen fleischigen Ballen zusammen.0h das war gut aber zu viel.

7. Dezember: Wir haben sehr gut geschlafen an der Boxhagenerstrasse. Eine angenehme, ruhige Wohnung. Um 10.30 Uhr treffen wir Vera zum Frühstück im Restaurant von Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof. Es gibt viel zu geniessen und zu erzählen.

Der anschliessende Besuch der Ausstellung von Martin Honert ist ein wunderbarer Anfang für unser familiäres und kulturelles Treffen in Berlin. Ich schätze die Arbeiten von Honert schon seit den 80er Jahren. Ich glaube Jean Christophe Amman hat erstmals Werke in der Kunsthalle Basel gezeigt und dann viele Arbeiten für das MMK Frankfurt angekauft.

Über dem Lokal von Sarah Wiener wird bis im April 2013 eine sehr feine Ausstellung präsentiert von der jungen Schwedischen Künstlerin Nina Canell und vom letztes Jahr verstorbenen Klang- und Bildkünstler Rolf Julius.

Für den Abend hat Vera Tickets reserviert in der Volksbühne am Rosa Luxenburgplatz. Gespielt wird "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann und Oskar Panizza/Klinik. Ein starker Wind wirbelt für mich unbekannte Seiten der Romantik auf die Bühne und dreht meinen Blick auf diese Zeit. Das Bühnenbild ist gewöhnungsbedürftig, realistisch und anregend. Nach der Vorstellung spielt Bob Rutmann mit seinem Steel Cello Ensemble im Parkett-Café. Ein lustiges Konzert mit einem richtig alten Mann. Ein richtiger Ausklang.

6. Dezember: Heute hatte ich eine spannende Weiterbildung im Hofkeller in St.Gallen. Das statistische Amt des Kantons St. Gallen feierte das 15 jährige Jubiläum. Hochkarätige Referentinnen und Referenten führten ein in Sinn und Zweck von Statistiken und würdigten Dr. Theo Hutter, den Leiter des Amtes, der mit seinem Team die 15 jährige Aufbauarbeit geleistet hat. Ich habe viel über kreative Mathematik und die Spielräume in der Interpretation von Zahlen gelernt. Der anschliessende Imbiss war auch nicht ohne. Unter Anderem Ribelmais mit Maroni und Rüebli? Ich weiss nicht mehr genau, schmeckte aber sehr gut. 

Am Abend Abflug nach Berlin. Endlich können wir Vera besuchen.

5. Dezember: Gestern und heute sind sehr viele Bestellungen für das Buch "DAS HAUS - EIN BERICHT" hereingerasselt. Walter Morgenthaler beschreibt in diesem Buch sehr präziese sein Elternhaus in Grabs, in dem er seine Kindheit verbracht hat. Fotografisch dokumentiert wurde das Haus von Ute Schendel. Das Vorwort hat Peter Zumtor geschrieben. Gestern war eine kleine aber feine Buchbesprechung in der NZZ abgedruckt und nun wollen alle dieses Buch vom Vexer Verlag. Ja nun bestellen und bestellen und bestellen sie ohne Unterbruch. Mich freuts - das ist ja auch ein ganz schönes Teil.

4. Dezember: Eine Sitzung bei D&D in Basel hat länger gedauert als gedacht. Ich konnte mir gar keine Ausstellungen anschauen. Es ging unter Anderem um die Entscheidung wie die Oberfläche der Mammutbaumretter behandelt werden soll. Sägeroh, Geschliffen, Gehobelt,  oder Gebürstet. Das Holz für die Reliefs, die ich für die Fassade Stadtmuseums in Aarau mache muss über die Festtage im Ofen getrocknet werden und im Januar müssen die Holzplatten produziert werden.

3. Dezember: Nach dem Gespräch mit Ernst Hilger bin ich voll motiviert zum Malen. Es ist einfacher mit einem genauen Ziel die notwendige Disziplin und die Motivation zu halten. Langsam klären sich auch die möglichen Motive für die Bilder. Dieser Prozess wird immer aufwändiger je länger ich an meinem Naturzyklus arbeite.

2. Dezember: Es wurde sehr spät gestern. Ein schönes Frühstück und eine gebührende Aufarbeitung der nächtlichen Dikussionen dauert bis zum Mittag.
Um 16 Uhr gehe ich an ein Künstlergespräch von Bernard Tagwerker mit Roland Wäspe im Architekturforum an der Davidstrasse. Ein Künstler, ein Museumsdirektor und zwölf Besucher. Die eineinhalb Stunden sind schnell vorbei und mir wird einmal mehr klar, wie rasant sich die digitale Technik in den letzten zwanzig Jahren weiterentwickelt hat. Wie schnell auch neue Technologie einen nostalgischen Anstrich bekommt. Bernard arbeitet schon lange mit dem Zufallsprinzip. Ich finde es spannend, dass in der Kunst von Bernard durch präziese Konzepte, durch eine sorgfältige Materialwahl und durch Beharrlichkeit über viele Jahre hinweg ein sehr sinnliches, ästhetisches und sehr persönliches Werk entstanden ist. Eigentlich hat Bernard ja das Persönliche, Künstlerische und Haptische an technische Gerätschaften delegiert und trotzdem sind die entstehenden Resultate immer sehr intime, persönliche Werke.

1. Dezember: Gestern haben wir einen wunderbaren Abend verbracht, mit feinen Speisen, gutem Wein und interessanten Gesprächen. Helen und Hansjörg Heé sind gute Esser und ebensogute Gesprächspartner. Für mich wird das Altern immer mehr zu einem Thema. Viele Freundinnen und Freunde werden in den nächsten Jahren pensioniert und planen somit ihre letzten Lebensabschnitte. Das ist sehr spannend und macht mir bewusst, dass es wichtig ist auch wieder vermehrt mit einer jüngeren Generation in Kontakt zu treten. Plötzlich ist man mitten drin, was eigentlich ganz schön ist.

Heute kommen Walter Tschopp, Tina Moor, Brigitte Ambühl und Hans Fässler. Ich habe schon wieder meinen Holzofen eingeheizt. Monika hat einen Hackbraten vorbereitet, dazu gibts Kartoffelstock und Blaukraut - es duftet schon sehr gut im Haus. Ich treffe Walter am Bahnhof und wir fahren direkt zum Atelier. Es ist bitter kalt. Der Raum ist fast nicht heizbar aber ich habe eine kleine Ausstellung vorbereitet um die Arbeit der letzten 10 Jahre nachvollziehbar zu machen.
Der Abend wird sehr lustig und unterhaltsam. Am Schluss entsteht noch eine vehemente Männerdiskussion über den Feminismus.  Brigit Schmid hat im Tagesanzeiger Magazin eine Polemik zum livestyl Feminismus geschrieben. Die drei Frauen am Tisch hatten den Artikel nicht gelesen. Umso heftiger argumentierten wir Männer.  Na ja eine Lösung wäre ja, wenn wir nicht mehr über Männer und Frauen, sondern über soziale Gerechtigkeit diskutieren würden. Über gleiche Löhne, gleiche Bildungschancen und Solidarität über die Körper- und Landesgrenzen hinaus.

30. November: Schneeschaufeln, malen und Feuer machen. Heute wird auf dem Holzherd in meinem Atelier ein Kaninchen aus dem Rheintal gekocht. Monika hat schon alles vorbereitet. Wir erwarten Besuch. 

29. November: Malen - organisieren - nachdenken - lesen. Ein langes Telefongespräch mit Ernst Hilger bringt Klarheit. Die geplante Ausstellung in Wien ist jetzt fixiert auf Dienstag 28. Mai 2013 und dauert bis mitte Juli. . Ich mache die Ausstellung in der Galerie an der Dorotheergasse, obwohl Ernst im März einen riesigen neuen Galerieraum bei der Brot Kunsthalle eröffnet. Für meine Ausstellung mit neuen Bildern ist ein Katalog geplant. Darauf freue ich mich natürlich sehr.

28. November: Heute Mittag war ich kurz in der Giesserei im Sitterwerk um die zwei Wachsmodelle meiner Äste zu kontrollieren. Die zwei Astgabeln habe ich mit der Motorsäge aus einem Pappelstamm herausgeschnitten und bearbeitet. Mitte Dezember werden die zwei Teile in Bronze gegossen und anschliessend als "Türdrücker" bei zwei Häusern in Champfèr montiert.

27. November: Die letzten Tage war ich sehr gespannt auf die Gestaltungsarbeit von Kasper Kobel. Ihn habe ich kennen und schätzen gelernt durch das Dada Modul, das er zusammen mit Joelle Lehmann gestaltet hat. Er hat nun die drei geplanten Publikationen von Wolfram Lotz vorbereitet. Ich habe diesen Herbst im Piemont drei Bildfolgen zu diesen drei Titeln gemacht. "MAMA eine Szene", "Einige Engelserscheinungen in Amerika" und "Kleine Erzählungen". Diese drei Bände möchte ich in der Serie der neuen Planeten herausgeben. In dieser Reihe ist als erstes das Buch der Niederlagen von Vanja Hutter erschienen. Heute morgen habe ich gelesen, dass der Stand der Planeten einen grossen Einfluss auf die Sonnenstürme hat. Das habe ich schon lange vermutet und darum die Serie der neuen Planeten gestartet. Für noch mehr Sturm.

26. November: Jetzt habe ich das neue Parkett vor mir liegen mit dem Maler Liu Xiaodong und der Malerin Nicole Eisenmann. Das haut mich um.

25. November: Ein ruhiger Sonntag mit einem langen Spaziergang. Die Stadtratswahl bietet eine grosse Überraschung. Markus Buschor wird als Parteiloser gewählt und die zwei SP Kandidaten schaffen es nicht. In unserem Quartier kann nun das Naturmuseum gebaut werden. Das ist eine sehr gute Entscheidung und ermöglicht mehr Raum für das Kunstmuseum.

24. November: Ich arbeitete den ganzen Tag im Garten und habe das Holz verarbeitet. In zwei Tagen habe ich sechzig Büscheli geschafft. Das reicht um zwei Monate mein Atelier zu heizen. Am Abend essen wir mit sieben Freunden bei Ali und Gülüstan in der Blume und gehen anschliessend in die Disco im Kastanienhof. Hermann und Ruth legen auf. Tanzen macht Spass.

23. November: Am Morgen habe ich begonnen das ganze zurückgeschnittene Holz der Hecken zu Büscheli zu verarbeiten. Als kleiner Knabe habe ich meinem Grossvater tagelang zugeschaut, wie er am Waldrand riesige Haufen von Ästen zu wunderschönen Büscheli verarbeitet hat. Nun mache ich das Gleiche aus der Erinnerung heraus. Ich bin mir nicht sicher, ob die kleine rote Katze die mir den ganzen Tag zuschaut, in ihrem nächsten Leben fähig ist Büscheli zu machen.

Am Abend haben wir schnell bei Christian Röllin vorbeigeschaut. Die Eröffnung von Sangalensia III. Was hätte wohl Gallus zu dieser Ausstellungs-Serie gesagt? Wärend ich am PC sitze und schreibe, sitzen zwei riesige schwarze Raben auf dem Essigbaum im Garten und versuchen mir mit grossem Lärm etwas zu erklären. Ich verstehe leider ihre Sprache nicht.
Um 19 Uhr schiebt Monika eine riesige Bodenseeforelle auf einem getrockneten Estragonbett in den Backofen. Dazu gibt es Kartoffeln, die ich in Currywasser koche (wegen dem Geschmack und der Farbe) das passt wunderbar zu Spinat. Leider haben Werner und ich keine Chance beim Jass gegen Monika und Gabriela. Schön war's trotzdem.

22. November: Am Morgen habe ich ein neues Bild begonnen und am Nachmittag 200 Bücher nummeriert und einzeln an Bernard Tagwerker zum signieren hingereicht. Bernard hat viel erzählt. Beim signieren wird das immer schwierig weil man die bereits geschriebenen Nummern vergisst oder beim Schreiben des Namens den eigenen Namen vergisst. Es kann sein, dass Bernard einige Bücher mit Bernard Picasso unterschrieben hat. Wir haben wirklich viel gelacht.

 21. November: Gestern hatte ich Besuch von einer Gruppe Studierender von der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen. Zwanzig junge, sehr symathische Menschen, vor allem Frauen, die in Zukunft Kinder unterrichten werden. Ich staune einfach immer wieder über die Tatsache, dass Kunst für viele Menschen sehr sehr weit weg ist. Kunst ist für viele ein klischierter Sammelbegriff für überteuertes, exzentrisches und unverständliches Tun. Unfassbar, unbeschreibbar, unbrauchbar. Ich hoffe, dass ich diesen Eindruck ein bisschen korrigieren konnte. Hat es ein Tennisspieler eventuell einfacher, die Menschheit von seiner hohen Kunst des Spiels zu überzeugen?

18. November: Heute Sonntagmorgen um 11 Uhr waren wir zu sechst zu einer Führung durch die Ausstellung von Pipilotti Rist im Kunstmuseum St. Gallen eingeladen. Das war nun mein dritter Besuch der Ausstellung. Zuerst bei der Eröffnung mit sehr vielen Menschen, dann fast alleine unter der Woche und nun in einer kleinen Gruppe mit einer Museumspädagogin. Ich habe viel über neue Gerätetechnologie, versteckte Projektoren und Minimonitoren erfahren. In einer Gruppe schaut es sich leichter und man kann unbekümmerter in den Räumen herumliegen. Ich persönlich werde mit meiner eigenen blutbetriebenen Kamera weiterschauen und an meinen Bildern weitermalen. Meine Malereien sind bei Tageslicht auch bei einem Stromausfall sichtbar. Manchmal gibt mir die Tatsache zu denken, dass ein Sturm genügt, um alle digitalen Bilder auszuschalten und hunderttausende von Menschen unerreichbar zu machen.

Am Nachmittag werden in der Bibliothek im Sitterwerk die schönsten Schweizer Bücher von 2011 präsentiert. Leider ist das XYLON Jubelbuch nicht dabei. Wir haben es leider verpasst dieses Buch einzureichen. Es ist trotzdem das schönste Buch von 2011. Gell. Anisha Imhasly vom Bundesamt für Kultur hat die Ausstellung eröffnet mit einer erhellenden Einführung in den Wettbewerb und in die aufliegenden Publikationen. Dieses Jahr hat der Nieves Verlag gross abgeräumt. Als Schweizerbuch gilt ein Werk, wenn der/die Gestalter oder der Herausgeber oder der Verlag oder die Druckerei in der Schweiz ansässig ist oder aus der Schweiz stammt. Herr Minder wäre mit diesem Swissnessbegriff sicher nicht einverstanden.  

17. November: Am Abend haben wir den Film über Marina Abramovic im Kinok gesehen. Ein sehr eindrücklicher Dokfilm, der viel zu denken gibt. 750 tausend Menschen haben ihre Ausstellung im MOMA in New York gesehen. Tausende dieser Menschen hatten eine direkte persönliche Begegnung mit der Künstlerin. Sie war drei Monate als Mensch performativ in der Ausstellung anwesend. Eine riesige Anstrengung, die neue Bewusstseinsebenen bei der Künstlerin und beim Publikum öffnete. Kunst als eine neue Form von Religion scheint nun Wirklichkeit geworden zu sein.

16. November: Heute habe ich ausgerechnet wie viele Kilos ich herumschleppe mit dem neuen Buch von Bernard Tagwerker. Das ganze Balett wiegt 800 Kilo. Jedes Buch wird kontrolliert und signiert. Schritt eins: alle Büpcher auspacken und zum signieren vorlegen = 800 Kilo. Schritt zwei: jedes Buch wird in ein Makulaturpapier eingepackt =1600 Kilo. Schritt drei: jedes Buch wird nach Hause getragen = 2400 Kilo. Schritt vier: jedes Buch wird ins Lager eingeordnet = 3200 Kilo. Schritt fünf: jedes Buch wird aus dem Lager geholt = 4000 Kilo. Schritt sechs: jedes Buch wird in einen Versandkarton gepackt = 4800 Kilo. Schritt sieben: jedes Buch wird zur Post gebracht = 5600 Kilo. Erfahrungsgemäss muss das Lager einmal im Jahr aus Platzgründen umgeräumt werden. Das sind dann schon 10 Tonnen Bücher von Bernard Tagwerker, die ich bis Ende Jahr herumgeschleppt habe. Meine Erkenntnis: das Herausgeben von Büchern macht grossen Spass und das Herumtragen von Büchern macht extrem müde.

15. November: Es ist Zeit für einen radikalen Schnitt. Meine Haare müssen weg. Diese Lust auf Veränderung gibt es bei mir immer wieder. Es tut gut, allte Zöpfe abzuschneiden und neu zu beginnen. Wenn ich meine Ohren wieder sehe, läuft alles viel einfacher.

12. November: Die Nachbereitung der Frauenfelder Buch und Handpressenmesse gibt einiges zu tun. Aber diese Woche wird gemalt. Ich muss mich total disziplinieren, damit ich wirklich dran bleibe. Einige grosse Leinwände sind grundiert und die Motive ausgewählt.

11. November: Am Freitagmorgen reiste ich nach Frauenfeld an die Buch und Handpressen-Messe. Ich habe das erste Mal an diesem Ort einen Teil vom Vexer Verlagsprogramm präsentiert. Drei Tage an einem Messestand zu stehen ist sehr anstrengend aber es hat sich gelohnt. Einige Profis waren da, u. A. Markus Landert, René Munz, Christof Rütimann, Susanna Gahse, viele Kunstschaffende und auch ganz junge interessierte Gestalter sind vorbeigekommen. Es gab viele  aufschlussreiche Gespräche mit Verlegern, Buchhändlern und interessierten Menschen. Der Verkauf war erstaundlich gut. Ich denke da gehe ich in zwei Jahren wieder hin.

8. November:  Sitzung in Aarau mit der Firma, die nächstes Jahr die Betonelemente für die Fassade des Stadtmuseums Aarau giessen werden. Anschliessend besuche ich die Ausstellung im Kunsthaus Aarau. Anlässlich des 30 Jahr Jubiläums der Manorkunstpreise präsentiert das Kunsthaus 49 Künstlerinnen und Künstler unter 40. Ein Kuratorenboard hat unter dem Vorsitz von Madeleine Schuppli eine Auswahl getroffen. Auffällig ist, dass praktisch alle Kunstschaffenden die hier präsentiert werden bereits durch Galerien vertreten werden. Ich staune immer wieder, wie "Museal" junge Kunst heute daherkommt.  Am beeindruckensten fand ich die vergängliche Installation im Innenhof von Fabian Marti. Der Künstler hat aus ungebranntem Ton verschiedene skulpturale Elemente geformt, die bis zum Ende der Ausstellung durch die Witterung wieder zerstört werden. Das ist Kunst die entstanden ist aus einem vergnügliche künstlerischen Tun und dieses Werk ist sicher nicht für einen Lagerraum bis ans Ende unserer  Zeit gemacht.

Am Abend musste ich wieder in St.Gallen sein für die Eröffnung der Ausstellung von Bernard Tagwerker, mit der Buchpremiere des Vexer Verlages. Bernard hat im Architekturforum Ostschweiz im Lagerhaus vorgeführt, wie man einen Raum durch wenige Eingriffe klären und optimieren kann. Diese Eröffnung war ein richtig guter St. Galler Kulturanlass.  

5. November: Heute machte ich einen Atelierbesuch bei Walter Angern in Teufen. Der bald sechzigjährige hat in den letzten Jahren eindrückliche Werke geschaffen. Ausgehend von "abstrakten" Fotos sucht er malerische Antworten. Dabei entstehen meist mehrteilige Arbeiten, die durch die feinstoffliche Farbigkeit und die delikate Materialität eine sehr persönliche, intime Empfindsamkeit offenbaren. Diese Arbeiten haben mich echt überrascht und beeindruckt.

4. November: Dieses Wochenende waren wir in Biel und haben Freunde besucht. Wunderbares Essen, gute Gespräche, interessante Stadtspaziergänge. Biel scheint mir aber sehr verschlafen zu sein. Am Sonntag auf der Heimreise machen wir in Olten einen Zwischenhalt, um die Ausstellung von Katja Schenker anzuschauen. Sie hat die Böden des Museums mit einem Flies abgedeckt, mit Isolationsmaterial ausgelegt  und mit Zement übergossen. Mit grossen, blumenartigen Tampons, die mit Farbe getränkt wurden, vertropfte sie dann den Boden. Durch das Gewicht der Besucher bildeten sich Risse im Zement und das weiche Isolationsmaterial gab bei jedem Schritt nach. Dadurch entstand ein irritierendes, unangenehm weiches Körpergefühl beim Gehen. Dieses Gefühl ist auch nicht unbedingt förderlich um die an den Wänden platzierten Zeichnungen anzuschauen. Man bekommt dabei ganz weiche Knie. Was will uns Katja wohl damit sagen? 

2. November: Am Morgen treffe ich Felix Lehner in der Kunstgiesserei im Sittertal für eine Besprechung meiner Türdrückeridee für Champhèr. Felix führt mich anschliessend durch die Räume, (da ist wieder einiges dazugekommen) und zeigt mir all die Werke, die in Arbeit sind.  Es ist eindrücklich und verrückt was hier entsteht und entstanden ist.

Am Abend fahre ich mit Monika nach St. Peterzell. Wir sind eingeladen zu einem Abschlussessen mit all den Helferinnen und Helfern, die im Sommer die Vexer Ausstellung in der Propstei gehütet haben. Das sind alles ganz feine und interessierte Menschen. Die Ausstellung bleibt bis im nächsten Frühsommer installiert und kann bei Voranmeldung in Gruppen angeschaut werden. Die Vexer-Necker-Skulptur von Roman Signer kann somit richtig schön langsam im Dachgeschoss lufttrocknen.

 

1. November: Heute bin ich nach Basel gefahren für eine Besprechung. Ich konnte die Fassaden für zwei Holzhäuser von Diener&Diener in Champhèr gestalten. Nun geht es darum, wie die Türdrücker für die zwei Hauseingänge gestaltet werden. Mir wurde bei dieser Aufgabe bewusst, wie wichtig dieses Detail ist. Wenn wir eine Türe öffnen, ist das die erste Berührung mit dem Haus, das wir betreten möchten. Achtsamkeit und Sorgfalt sind angesagt. Ich denke mir, ein kleines "Hopla", "Aha" oder "Exgüsi" bei dieser Berührung könnte nicht schaden.

Anschliessend habe ich im Kunstmuseum die Ausstellung "Arte Povera - Der grosse Aufbruch angeschaut". Der erste Raum ist so schwindelerregend und so voll. Ich fühlte mich wie bei einer Bergtour, kurz bevor man den Gipfel erreicht. Man stolpert über die letzten Steine und ist schon vom sich bietenden Ausblick überwältigt. Die eindrücklichen Werke aus der Sammlung Goetz bieten einen Panoramablick auf die Zeit seit den sechziger Jahren. Staunend stellt man fest, wieviele Ideen von diesen Pionieren (P wie: Pascali, Paolini, Prini, Pistoletto usw.) bis in unsere Zeit nachhallen. Diesen Werken würde man gerne mehr Platz wünschen.

Im Kupferstichkabinett wird das breite zeichnerische Werk von Markus Rätz ausgebreitet. Ein Genuss. Rätz ist für mich auch ohne Professur einer der wichtigsten Lehrer in Sachen Warnehmung.
Anschliessend ein Besuch in der Galerie Stampa. Die Fotoarbeiten von Daniela Kaiser überraschen mich immer wieder. Valentina Stieger hat Keilrahmen mit Bettwäschemustern überzogen und mit malerischen Mitteln "versteift". Schreckliche Muster aus Warenhäusern. Für mich als ehemaligen Stickerei- und Textilentwerfer ist es fast unmöglich diese Scheusslichkeiten auszuhalten. Ein biederer, halb über die Heizkörper hängender Vorhang und eine glänzende Stahlrohrskulptur im Raum, die mich an eine Vergrösserung einer Büroklammer erinnert, gibt mir den Rest. So haben Büro und Wohnräume in den siebziger und achziger Jahren gewirkt. 
Nach dem Besuch bei Stampas habe ich noch die Ausstellungen in der Kunsthalle angeschaut. Pamela Rosenkranz bespielt die Räume im Erdgeschoss mit Ironie und Intelligenz. Am Anfang der Ausstellung fliesst unter hohem Druck blaues Wasser in ein Waschbecken. Blaue Viagratabletten bilden eine Linie, die man überschreiten muss. Kleine Videos  werden durch Petflaschen, die mit hautfarbenen Flüssigkeiten gefüllt sind an die Wände projeziert. In einem Zwischenraum hängen vergrösserte und verfremdete blaue Arbeiten von Yves Klein. In einem Kühlschrank stehen weitere Petflaschen als Vorrat bereit. In dieser Ausstellung hat es im Gegensatz zum Kunstmuseum Platz zum versauen.
Im Oberlichtsaal zeigt Adriana Lara durch eine simple Darstellung den Domino Effekt. Laut der aufliegenden Ausstellungsbroschüre geht es nicht um das Spiel sondern um Revolutionen. Der Künstlerin ist es gelungen, das Leid und die Not von Millionen von Menschen auf eine unerträgliche Art und Weise zu simplifizieren, die ich zum Schreien finde.
Ab zum Bahnhof - ab nach Hause.

 

29. Oktober: Beim Malen denke ich darüber nach, wie ich die Türdrücker für die Häuser in Champhèr gestalten könnte. Holz?, geschmiedetes Eisen oder eine Gussform? Es eilt. Die Wohnungen werden bis Februar 2013 bezogen.

28. Oktober: Endlich habe ich etwas Zeit für mich. Am Freitag habe ich mir natürlich auch die Ausstellungen im Kunsthaus Zürich angeschaut. Die graphischen Blätter von Paul Gaugin sind sehr eindrücklich in ihrer Einfachheit. Spürbar wird der grosse Respekt vor dem unfassbaren, göttlichen Geist. Keine grossen Gesten, eher ein vorsichtiges Herantasten an die verborgenen spirituellen Geheimnisse. Bei diesen Arbeiten geht es nicht darum, sich als potenter Künstler zu beweisen, Gaugin wollte eher etwas über das Sein in einer fremden Kultur herausfinden und begreifen. Eine kleine feine Präsentation. Im Obergeschoss wird mit grosser Geste die Grosszügigkeit des geplanten Neubaus durchgespielt. Der Drang nach Internationalität zeigt sich beispielhaft am übergewichtigen massiven Holzrahmen eines Werkes von David Renggli. Fetter Rahmen, magerrer Inhalt. das ist natürlich ironisch gemeint - oder. Im Tagesanzeiger lese ich von der ablehnenden Haltung der Visarte Zürich zum Neubauprojekt. Bei knapper werdenden Geldmitteln scheint sich wieder ein Sturm gegen die etablierten Kulturhäuser aufzubauen. Die Frage ist natürlich berechtigt, ob es bei Kultur um Städtemarketing und Schickimicki oder um die Vermittlung von Inhalten gehen soll. Ich bin ja gespannt. Schön wäre ja auch wenn private Stiftungen wenigstens für die Versicherungsgelder aufkommen würden. Von den Wertsteigerungen durch die Dauerpräsenz in einer Institution profitieren ja auch nur sie.

27. Oktober: http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/reflexe/2741.sh10244498.html

26. Oktober: Ein strenger Tag. In der Früh mit dem Zug nach Zürich ins Radio Studio. Dann das Gespräch als Monatsgast für Reflexe mit Barbara Basting. Solche Momente der Konzentration ordnen bei mir die Gehirnzellen. Das tut gut. Anschliessend bin ich zum Helmhaus gefahren und schaute mir die Malereiausstellung noch einmal in aller Ruhe an. Das war sehr aufschlussreich und anregend. Im Kunstkiost bei Bruno Rusterholz fand ich zufällig ein paar antiquarische Kostbarkeiten von Frida Kahlo und Tina Modotti, von Michael Foucault "Überwachen und Strafen" Die Geburt des gefängnisses und ein thematisches Buch von Claudia Benthien und Christoph Wulf "KÖRPERTEILE". Beim Kapitel Haar habe ich schon gelernt, dass es auf französisch verschiedene Worte gibt für Körperhaar und Kopfhaar. Interessant. Der Kopf ist Mensch und der Körper ein Tier?

Am Nachmittag werden die Bücher von Bernard Tagwerker geliefert. Wir treffen uns um 15.00 Uhr im Atelier in Haggen.Die Freude ist gross. Vorsichtig blättert Bernard Seite um Seite. Bei diesen zwölffachen Überdrucken ist es auch ihm nicht möglich ebventuelle Fehler zu erkennen. Das Buch ist wunderschön geworden und sehr schwer. 1,6 Kilo pro Buch. Nun liegt fast eine Tonne neue Bücher bei mir im Atelier. Bis die alle signiert, eingepackt, gelagert, nach Hause gebracht, in Packete verpackt und auf die Post gebracht sind, habe ich weitere zehn Tonnen Material herumgeschleppt. Was mache ich doch alles für die Kunst. Ich bin ein Schlepper.

25. Heute male ich bis der Pinsel Funken sprüht. Ich habe keine Zeit zum Essen. Morgen bin ich im Radio Studio DRS bei Barbara Basting als Monatsgast eingeladen. Die Sendung wird um 10.00 Uhr direkt übertragen. Beim Malen sage ich heute dauernd ä und ö und ä und ö, damit mir das morgen nicht zu oft passiert. Patricia London ante Paris hat mich heute zu einer Malaktion und zu einer Ausstellung nach München eingeladen. Ich werde das im Januar machen. Malen vor Publikum generiert so wunderbar viel Adrenalin und München ist immer einen Besuch wert.

Morgen Nachmittag werden die Bücher von Bernard Tagwerker ausgeliefert. Ich bin sehr gespannt darauf. Es ist immer ein sehr spezieller Moment, wenn man das erste Buch einer neuen Produktion öffnen kann. Nur schon der Geruch ist einmalig. Besser als die feinsten Fritten.

24. Oktober: Langsam habe ich alle meine Pendenzen erledigt. Gestern war ein strenger Tag. Ich habe eine kleine Ausstellung eingerichtet in meinem Atelier. Besuch war angesagt. Eine spannende Begegnung die Katharina Bütikofer aus Bern organisiert und geleitet hat. Am Abend sind wir einmal mehr nach Zürich gefahren. Sebastian Utzni hat eine sehr dichte Zeichnungsausstellung für die Galerie Katz Contemporary kuratiert. Ein bunter Mix aus verschiedenen Künstlergenerationen bis hin zu Albert Anker und Ferdinand Hodler. Dabei sind auch Peter Emch und Thomas Müllenbach und viele ihrer ehemaligen Schüler von der ZHDK. Vera zeigt eine Serie von neuen Blättern, die auf mich wie mikroskopische Einblicke in ihre neuen "abstrakten" Bilder wirken.  Viel Überraschendes und Unbekanntes, genügend Erotisches und Skurriles um einen Besuch dieser Ausstellung interessant und lohnenswert zu machen.

21. Oktober: Ein wunderbarer Herbsttag und ich sitze im Keller in meinem Büro. Es gibt soviel zu tun nach 14 Tagen Piemont. Wir waren in unserem winzigen Haus oberhalb des Ortasees. Den See haben wir praktisch nie gesehen. Es war neblieb, niesieg und kalt. Ein super Wetter um täglich drei Stunden steile Wiesenborde mit der Sense zu mähen. Ich war etwas aus der Übung aber nach dem dritten Tag klappte es immer besser. Das Mähen war eine ungeahnte Möglichkeit, mit meinem Grossvater und meinem Vater in Kontakt zu treten. Die beiden sind schon lange gestorben aber durch die Arbeit erwachten viele Erinnerungen. Mein Grossvater weigerte sich 1960 standhaft den Motormäher  zu benützen. Er schnitt das Gras für das Vieh täglich mit der Sense und mein Onkel konnte die Verweigerungshaltung seines Vaters nicht verstehen. Als kleines Kind hat mir die Meinung des Grossvaters sehr imponiert. Dass dieser alter Mann so uneinsichtig und starrköpfig sein konnte, bestätigte mich in meiner Angst vor Maschinen. Zufällig fand ich in einem Gemischtwarenladen in Omegna ein handgeschmiedetes Eisenteil, das notwendig ist um Sensen zu dengeln. Aus meiner Erinnerung heraus baute ich einen Dengelbock. Dazu fällte ich im Wald zuerst eine abgestobene Lärche mit ca. 25 cm Durchmesser und sägte die notwendigen Holzrugel zurecht. Die Sitzbank schnitt ich mit der Motorsäge aus einem Kastanienbrett.

Bevor ich weiterschreibe lege ich mich nun in die Badewanne mit frisch von der Sonne erwärmtem Wasser. Herrlich!

Auf den Abend haben wie einige Nachbarn zu Maroni, Käse, und Salami eingeladen. Auch der Wein kommt aus dem Piemont. Ein einfacher Nebiolo, der in Zweilitterflaschen abgefüllt ist. Die Maroni brate ich direkt über dem Feuer im Freien. Vera wird auch dabei sein. Monika hat schon alle Schaffelle bereitgelegt, damit niemand frieren wird. Wärend das Badewasser langsam abkühlt, denke ich an die wunderschöne Wanderung, die wir am einzig richtig sonnigen Tag im Nationalpark Val Grande unternehmen konnten - und schon klingelt es an der Haustüre...

6. Oktober: Gestern baute ich einen neuen grossen Drucktisch. Die Kniehebelpresse von Emil Zbinden ist nun gut platziert und betriebsbereit. Es macht Spass, 1000 Kilogramm Gusseisen alleine herumbewegen zu können.  Aber ich gebe zu, dass ich einen Moment lang Angst hatte, dass die ganze Maschine vom Palett herunterkippen könnte.

Am Aben gingen wir zur Eröffnung in die Kunsthalle St.Gallen. Die Malerin Sylvia Sleigh wird mit einer Retrospektive präsentiert. Martin Leuthold hat eine spannende Inszenierung geschaffen. Aus gemusterten Bildausschnitten hat er Tapeten produziert und damit ganze Wände überzogen. Die Bilder sind nun eingebettet auf bunten und gemusterten Wänden. Ein interessanter Rückblick auf den gesellschaftlichen Aufbruch in den, sechziger und siebziger Jahren. Jimi Hendricks wir vermissen dich. Es ist so verrückt, die Muster stammen aus der Zeit als ich mit Martin zusammen an der Vadianstrasse Müsterli gezeichnet habe.

4. Oktober: Ich habe den ganzen Tag mein Bildhaueratelier umorganisiert. Ich muss Platz schaffen, wenn in den nächsten Monaten die 150 Holzplatten für das riesige Kunst am Bau Projekt für das Stadtmuseum in Aarau geliefert werden. Das ist eine logistische Herausforderung.

Um 18 Uhr treffe ich Monika auf dem Bahnhofplatz. Wir wollen uns eine Ausstellung von Christian Vetter anschauen. Er hat auf Einladung der Guerilla Galerie in den ehemaligen Räumen des Betreibungsamtes eine Installation realisiert. Die Türen der Schränke sind teilweise geöffnet. Er hat schwarzen Stoff über Dachlattenrahmen gespannt und diese unterschiedlich in den Räumen platziert. Die ganze Installation wirkt ärmlich, mager und kulissenhaft. In einem Raum steht ein grosser, geschlossenner, schwarzer Stoffkubus. Die letzten Reste der tiefen schwarzen Schuldenlöcher, in die schon so viele Menschen und nun auch ganze Staaten gefallen sind. Der prunkvolle Holzkorpus des Schalterbeamten, mit dem eingebauten Tresor wirkt wie ein Altar um Schuldscheine zu zelebrieren. Dieser Altar wäre bestens geeignet für alle zukünftiegen Abdankungsfeiern für den Kapitalismus.

3. Oktober: Eigentlich wollte ich gestern Mittag nur kurz zur Raiffeisenbank. In der Vadianstrasse konnte ich aber nicht am Textilmuseum vorbei gehen. Es zog mich förmlich in dieses Haus hinein. Manchmal verschwindet die Zeit. Gedankenverloren schritt ich die Treppen hinauf, wie anfang der siebziger Jahre, als ich in der Textilfachschule zum Stickereientwerfer ausgebildet wurde. Im obersten Stock ist aber keiner meiner Lehrer. Kein Willi Koch, kein Peter Käser und auch kein Urs Hochuli. Es riecht auch nicht mehr nach alten Textilien in hunderten von Kartonschachteln, mit eingestreuten Mottenkugeln.

Das Haus wirkt gelüftet und ausgestaubt. Im Textilmuseum werden Herrlichkeiten präsentiert. Die textilen Kirchenschätze aus St.Gallen sind wunderschön. Als Kind wäre ich in der Sonntagsmesse immer gerne ganz nahe an die priesterlichen Gewänder herangegangen. Die prunkvoll bestickten Textilien blieben aber für mich etwas Geheimnisumwobenes. Als Kind stellte ich mir vor, dass die Priester in der Kirche nicht selber gehen. Ich sah ja keine Füsse. Mir schien es eher so zu sein, dass sie durch eine höhere Macht langsam, würdevoll und sehr vorsichtig hin und her geschoben werden. Dabei bewegten sich die farbigen Kleider kaum. Nun stehe ich vor den Vitrinen und drücke mir fast die Nase platt, um ja kein Detail zu übersehen. Das ist wirklich Weltkultur.

Etwas benommen bin ich dann an der Bank vorbei zum Bahnhof gegangen und nach Winterthur gefahren.

Ich liebe die Arbeiten von Vallotton. Die Frauenzeichnungen im Kunstmuseum sind schon fast schmerzhaft schön.
Was mich aber völlig beglückt hat ist die Sammlungsausstellung im Neubau mit den Neuerwerbungen. Die schwarz lackierte Holzskulptur "Meister Gerhard" von Isa Gensken umweht die präziese ausgewählten Werke mit einer sanften Ironie und öffnet Gedankenräume einer Künstlerin. Die Werke scheinen plötzlich sprechen zu können. Ich höre die Stimmen der Künstler. Was mich besonders gefreut hat ist die Wiederbegegnung mit dem britischen Bildhauers Richard Deakon. Ich habe ihn kennengelernt 1985 in einem Kloster in Frankreich. Wir waren beide eingeladen für die "Premiers Ateliers Internationaux de Fontevraud". Ich habe keine Ahnung, ob es die erste und gleichzeitig die letzte Ausstellung an diesem Ort war. Er hämmerte, bohrte und werkte im Obergeschoss an seinen Skulpturen herum und ich bearbeitete im Hof der Abtei einen Marmorblock und einen riesigen Baumstamm. Wir verstanden uns sehr gut und wir beide waren froh, die Arbeitsgeräusche des Anderen zu hören. Die Marmorskulptur "Fuss-Kopf" schenkte ich später aus Dankbarkeit dem Museum in les Sables d'Olonne. Ja und nun ist eine sehr schöne Werkgruppe von Richard im Kunstmuseum Winterthur gelandet. Dieter Schwarz sei's gedankt.

2. Oktober: Heute gibt es einen geistigen Aufräumtag. Gedanken ordnen und die anstehenden Projekte planen. Zuerst signiere ich aber einen Stapel Hozdrucke, die Ulrich Tarlatt für seinen Almanach gedruckt hat. In ein Mammutbaumbrett habe ich den Satz "Viel Glücks und gute Zähne, dein Borki" gefräst. Na ja der Borkenkäfer hat nun auch schreiben gelernt. Per Mail kommt eine gute Nachricht von Dorothee Elmiger. Gedankenreisen in die Zukunft halten mich lebendig. Am Nachmittag werde ich mir die Zeichnungen von Félix Vallotton in Kunstmuseum Winterthur anschauen. Am Abend haben wir dann eine Redaktionssitzung für die nächsten drei Xylon Zeitschriften und anschliessend gibt es beim Italiener hinter dem Bahnhof Winterthur ein Belohnungsessen für die ganze Arbeit rund um das Xylon Jubelbuch.

1. Oktober: Gestern Sonntag wurde um 11.00  der Film von Ai Wei Wei das letzte Mal im Kinok gespielt. Wir haben uns dann gegen Ai Wei Wei und für ein gemütliches Frühstück entschieden. Am Nachmittag machten wir einen Ausflug nach Littenheid. Dieter Hall hat dort eine Ausstellung eingerichtet im ehemaligen Kofferraum der Klinik Littenheid. In diesem Raum wurden alle Koffer der Patienten und vom Personal gelagert. Viele der Koffer blieben 20, 30 Jahre hier liegen, bis zum Tode. Unter dem Titel "Heimat - eine Erfindung" hat Dieter eine eindrückliche Malerei Ausstellung inszeniert. Sein Vater arbeitete in dieser Klinik und Dieter hat hier seine Jugend verbracht. Eine berührende Ausstellung an einem emotional aufgeladenen Ort. An diesem Sonntagnachmittag scheinen alle Patienten still und flach und ruhig gehalten zu sein. Die Vorstellung, dass die authentischen und ehrlichen Bilder von Dieter Hall diese eigenartige und trügerische Ruhe an diesem Ort ausgelöst haben, gefällt mir. Ich spüre aber, dass über all diesen Gebäuden eine unsichtbare, dämpfende, pharmazeutische Wattewolke schwebt. Ein bisschen unheimlich ist es schon. Zum Glück ist Dieter da. Schön, dass er wieder da ist nach 27 Jahren New York.

Es gibt soviel zu diskutieren auf der Heimfahrt. Ich liebe es nach Ausstellungsbesuchen über das Gesehene zu diskutieren. Zuhause mache ich sofort eine grosse Karaffe Tee mit frischer Pfefferminze und Zitronenmelisse aus dem Garten. Dazu essen wir ein wunderbares Schokoladengebäck das uns Ruth vorbei gebracht hat.

Anschliessend kochen wir ein Festessen. Bratkartoffeln und ein sensationelles Gemüse mit Bohnen, Rüebli und einer scharfen Paprikaschotte im Dampf vorgegart. Dann frischen Knoblauch angedämpft, das Gemüse dazu und ganz am Schluss, kurz vor dem Anrichten, frische, kleingeschnittene Tomatenwürfel drauf. Im Chemineofen brateten wir auf der vorbereiteten Glut zwei Gigosteaks. Herrlich!
Der Gesprächsstoff ist unendlich. Es ist wunderbar mit Vera über Kunst, Kunst im öffentlichen Raum, Kunst am Bau, Künstliches, Aufgeblasenes, Dekoratives, über die unterschiedliche Wahrnehmung und das Künstlerleben zu reden.

30. September: Vera kam erst gegen Abend. Wir sind dann wieder einmal im Engel eingekehrt. Als Vera ihre Berufslehre machte, haben wir drei Jahre lang jeden Mittag im Engel gegessen. Das Essen an diesem Abend war sehr gut und der Wein ebenso. Der Kellner hat drei Gläser gefüllt. Irgendwie war spürbar, dass Monika fehlt. Um 22.00 Uhr stehen wir im Palace. Es liest Danko Rabrenovic der Balkanizer. Anschliessend über die Strasse in die Grabenhalle. Der Deutsche Reiseschriftsteller Helge Timmerberg berichtet aus Indien und Afrika. Die zwei Lesungen haben sich gelohnt. Seit Donnerstag läuft das Wortlaut Festival. Mir ist das immer viel zu viel des Guten. Ich staune über die vielen Menschen, die sich einen ganzen Tag lang, jede halbe Stunde eine Lesung an einem anderen Ort anhören können.

29. September: Der Abend bei Urs und Heinz war sehr anregend. Sehr feines Essen, sehr feiner Wein in einer sehr schön renovierten Altbauwohnung. Es ist interessant, wie Urs Eberle durch die Kunst einen ganz eigenständigen Weg gefunden hat für seine architektonischen Arbeiten. Urs hat einfach einen guten Geschmack, einen guten Partner und er kann sehr gut kochen. (Mit so einer ungeduldigen Leichtigkeit hingezaubert)
Um Mitternacht habe ich noch den Tatort und anschliessend den wunderschönen Film "Les petites Fugues" von Alain Tanner angeschaut. Ich war so aufgekratzt und der Film von 1979 passte so gut zum Abend. Das war die Zeit als Urs zusammen mit Lucie Schenker die Kunst der Perfomance in St. Gallen bekannt machte. Ich als Landei war sehr beeindruckt, wie die beiden mit schwarzen Masken durch die Multergasse schritten. Ich weiss nicht ob es um die Frage des blinden Konsums in der Einkaufsstrasse ging. Na ja- es war einfach die erste Performance in St.Gallen und dieses Bild habe ich nie vergessen.

Heute bin ich früh aufgestanden und las das Buch von Judith Schalansky "Der Hals der Giraffe". Dieser Text hat in mir sehr viele Erinnerungen an meine Schulzeit geweckt. Ich staune immer wieder wie ähnlich spiessig und streng der Alltag in der DDR und in der Schweiz die ich kenne war. Was mich erstaunt hat sind die Beschreibungen des Schulalltags kurz vor der Wende. So habe ich die Schule in den sechziger Jahren in der Schweiz erlebt. Ein sehr gut geschriebenes Buch, das mit einem emotionalen Notstand endet. Könnte eventuell vieles besser sein, wenn Menschen mehr auf ihren Bauch hören würden und der Kopf wie bei der Giraffe ganz weit weg nur für das Fressen und nicht für das Denken zuständig wäre?

In den nächsten Augenblicken kommt Vera. Wir werden was schönes kochen und vieles diskutieren.  Ich bin ja so gespannt wie die Reaktionen auf ihre neuen Arbeiten waren. Ich finde die neuen Bilder auf eine wunderbare weise berührend und sehr intim. Wie die abgelegten Kleider eines glücklichen Harlekins nach einem tollen Auftritt.

28. September: Die Ausstellung im Helmhaus ist etwas abenteuerlich gehängt. Es ist ein interessanter Versuch der Kuratoren, ohne das Beisein der Künstler Werke in Zusammenhänge zu stellen und die Bilder im malerischen Dickicht zu testen. In diesem Bilderdschungel heben sich Werke hervor, lösen sich heraus, behaupten sich oder verschwinden im Verbund der Belanglosigkeit. Eine Ausstellung, die natürlich viele Zürcher Malerinnen und Maler  provoziert, die nicht mit dabei sind. Eine Malereiausstellung über die man wunderbar und ergiebig streiten und dabei über Malerei nachdenken kann. Mich persönlich hat diese Bilderschau angeregt und nicht aufgeregt. Was ich aber noch nie richtig verstanden habe im Helmhaus ist der helle, reflektierende Bodenbelag und das daraus resultierende quätschig - blendige Licht. Ich rieb mir die Augen und zusammen mit Monika, Sandra Kranich und Jochem Hendricks verbrachten wir einen vergnügten Abend in der Bodega im Niederdorf. So gefällt mir Zürich. Ich freue mich nun auf heute Abend. Wir sind bei Urs und Heinz eingeladen.

27. September: Malen, schreiben, planen, verlegen und wieder nach Zürich reisen. Im Helmhaus wird Malerei aus Zürich präsentiert. Ich freue mich auf Vera und auf ihre neuen Bilder. Und ich freue mich auf Dieter Hall. Ihn habe ich so lange nicht mehr gesehen. 1981 stertete er zusammen mit Martin Disler den Verlag "Nachbar der Welt" Da war ich auch in einer Publikation mit dabei. 1987 traf ich ihn mal in New York, seither sah ich nur auf seinen Bildern, wie auch er stetig reift.

26. September: Am Morgen habe ich stapelweise Zeitungen durchgeblättert. Ich suche Menschen die als Ganzes und unbeschnitten abgebildet sind. Drei Taikonauten, Pussy Riots und eine Serie von sehr schönen Modeaufnahmen sind meine Faforriten. Den Rest der Zeitungen habe ich schön gebündelt und für die Wiederverwertung bereitgelegt.
Am Abend fahren wir nach Zürich an die Eröffnung der Ausstellung von Jochem Hendricks im Haus Konstruktiv. Im Speisewagen treffen wir Kati Deer und den Fortospezialisten vom Sitterwerk. Eine lustige Fahrt. Die Ausstellung von Jochem ist sehr eindrücklich. Im Haus Konstruktiv schreitet man zuerst durch eine Arbeit von Mariana Castilla Deball. Rote, gelbe und blaue Fetzen mit Bildfragmenten hängen an Metallrahmen. Die Bildträger erinnern an überdimensionierte Kletterhilfen für Rosen und Schlingpflanzen. Jochem empfängt die Besucher als nackter Abguss mit vergoldetem Kopf. Seine Kleidungsstücke liegen ordentlich gebügelt und geordnet auf einem Servierwagen. Diese Arbeit macht nachdenklich. Der Künstler entblösst sich für das Publikum. Er zeigt sich nackt. Ist nun das Denken, das Konzept, die Entblössung oder die äusserste Schicht, die Kleidung die Kunst? Die Kleider als Skulpturen auf dem Wagen, der auch ein Sockel sein könnte. Ich stelle mir beim Malen immer wieder die Frage, ob die äusserste, sichtbare Haut des Bildes auch wirklich die inhaltlich relevante Schicht des Bildes ist.

Beim anschliessenden Essen habe ich mich wieder einmal richtig gut unterhalten. Ein wunderbar anregender Abend.

25. September: Am Morgen früh war ich mit Bernard Tagwerker in der Ostschweizdruck AG in Wittenbach. Es stellte sich heraus, dass der Chef Urs Kolb auch in Oberriet aufgewachsen ist und mit einer der legendär schönen Hühnerfarm - Huttertöchter aus Kriessern verheiratet ist. Ja das ist alles sehr beeindruckend. Um 9.00 Uhr beginnt der Druck des neuen Buches. Kein Mensch weiss wie das Resultat aussehen wird. Sechs Farbwerke drucken gleichzeitig sechs ausgewählte Pantonefarben auf das Format 70 x 100 cm. Immer nach 400 Blatt wird ein Farbwerk nach dem anderen ausgeschaltet, dann werden die nächsten sechs Farbwerke eingerichtet für den Überdruck. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, ob die Hutters 12 oder 13 Töchter haben, jede so schön wie eine der Pantonefarben aus diesem Buch. Einen Schockmoment erlebte ich beim Verlassen der Firma. Ich hörte ein merkwürdiges Rumpeln und Platschen. Ich drehte mich um und sah, wie Bernard die Treppe herunterstürzte oder eher wie ein Gummiboot herunterschnellte. Das Leben ist nicht ungefährlich. Bernard meinte noch auf dem Boden liegend und den schmerzenden Kopf haltend:"Zum Glück ist hier kein Türstoper montiert".

Am Nachmittag habe ich gemalt, Martin Suters Buch "Die Zeit, die Zeit" fertig gelesen und über das Sein oder Nichtsein nachgedacht. Die Rekonstruktion der Geschichte, der ungewisse Ausgang und ein verblüffendes Resultat. Das Alles passt zum neu entstehenden Buch
Am Abend besuchten wir Anastasia Katsidis im Sitterwerk. Sie belegt dort noch drei Wochen ein Gastatelier und öffnete die Tore für das Publikum. Der spielerische Aspekt in ihren Arbeiten gefällt mir sehr. Ich habe auch immer noch grosse Freude an ihrem Werkbuch, das sie vor zwei Jahren im Vexer Verlag herausgegeben hat. Mit Kati Deer verstrickte ich mich noch in eine Diskussion über die Notwendigkeit der regionalen Kulturförderung durch alle staatlich finanzierten Institutionen. Wie auf Knopfdruck kann ich mich da immer wieder in eine grosse Erregung hinein verknoten. Ich frage nächstens im Migros Kulturbüro an, ob sie nicht einen kulturpsychologischen Dienst anbieten könnten.  

24. September: Ich bin erkältet. An diesem Wochenende hatten wir von allem sehr viel. Gut gegessen, gut getrunken, schön gewandert, viel gelacht und ausgelassen getanzt.

Zuhause wartet ein Stapel Zeitungen und die Post auf Leser. Im Magazin des Tagesanzeigers ist ein grosser Artikel über die Augenzeichnungen von Jochem Hendricks erschienen. Im Vexer Verlag ist das nummerierte und signierte Buch Augenzeichnungen von 1993 immer noch erhältlich. Auch die FAZ als Sonderausgabe von 1994 gibt es noch.   

21. September: Bis 11 Uhr müssen alle Pendenzen erledigt und der Koffer gepackt sein. Wir fahren ins Zillertal. Patrick hat uns eingeladen, wir feiern seinen fünfzigsten Geburtstag.

20. September: Ein hektischer Tag. Beim Gut -  zum - Druck des Buches von Bernard Tagwerker stellt sich heraus, dass die Paginierung doch nicht wie vorgesehen möglich ist. Ein Denkfehler.  (Ich liess mich übeschwatzen aber so spät Recht zu bekommen ist auch nicht lustig) Nun haben wir eine Lösung. Anfang Woche wird gedruckt. Meistens wenn ich ein verlängertes Wochenende plane rollt eine kleine Problemlawiene auf mich zu in Form von vielen Anfragen, mails, Briefen, Gefühlen usw.

19. September: Das Nachdenken hat sich gelohnt. das war ein fruchtbarer Tag heute. Fruchtbar, nicht furchtbar! Das begann schon beim Morgenmüsli , mit Erdbeeren und einer Birne. Bis zum Mittag hatte ich schon soviel gearbeitet, dass ich mich auf den Weg machen musste, um etwas zum Essen zu finden. Ich packte das neue Buch "Die Zeit die zeit"von Martin Sutter ein, kaufte mir einen Schockogipfel, sass in den Bus und fuhr quer durch die Stadt. Das nächste mal bleibe ich sitzen bis ich das Buch fertig gelesen habe. Vom Stephanshorn bis zum Wolfganghof, immer dieselbe Schlaufe. Im Haggener Atelier streichelte ich kurz über die gusseiserne Druckpresse und ordnete anschliessend sackweise Bücher in meine Bibliothek. Im Briefkasten lag ein sehr schöner Brief eines grossen Sammlers. Das tut meiner Seele gut.

18. September: Und was tat ich heute?

Ich dachte nach.

Und dann kam ein Postpaket mit sämtlichen Büchern von Julia Schalansky. Da habe ich im "Hals der Giraffe" gelesen, dass wir Menschen die Säuger auf diesem Planeten sind mit den tiefsten Hirnfurchen. Denken gibt Falten habe ich dann gedacht - gell. Dann brachte ich noch zwei Signer Publikationen in eine Buchhandlung und habe gleich das neue Buch "Die Zeit, die Zeit" von Martin Sutter gekauft. Schon im Bus habe ich mit lesen begonnen. Ich habe ja so viel Zeit zum lesen, zum nachdenken und zum bildhauern. Ich bearbeite zur Zeit ein riesiges Relief. Ich arbeite lesend und denkend an meinem bilhauerischen Werk, nämlich an der Vertiefung meiner Hirnfalten.
Und nun muss ich noch eine dropbox einrichten (tropox gibts doch auch - oder?) , damit ich die Buchdaten von Vanja herüberbiemen kann. Das gibt heute wieder keinen Feierabend. Doch es gibt Feierabend mit einem gemütlichen Essen in der Blume um die Ecke, bei Ali und Gülüstan.

17. September: Was tat ich heute? Viel! Und weil ich so viel tat, wollte ich mich und Monika am Abend mit einem kleinen Rehrücken belohnen, der dann aber zu meinem Entzücken von Monika zubereitet wurde. Ich meinerseits kochte die riesige Kartoffel aus unserem Garten. Ohne Witz, die sah aus wie eine Supervenus mit mehreren, kiemenden, Knollenkindern. Irgendwann werde ich das Foto veröffentlichen, das ich heute auch noch gemacht habe. Dass die Kartoffel wärend des Fotografierens nicht nach hinten kippte, schob ich ihr eine kleine Astgabel unter ihren Hintern. Jawohl.

16. September: Heute war die Schlussveranstaltung der Verlagspräsentation in der Propstei St.Peterzell. Julian Sartorius traf schon um 13.30 Uhr ein. Er reist fast immer mit dem ÖV. Auf einem Sackkarren transportiert er sein ganzes Schlagzeug durch die Welt. Gemeinsam mit Peter Schweiger setzten wir uns ins Restaurant Schäfle, um den Ablauf des Auftritts zu besprechen. Die dadaistische Lesung von Peter und die musikalischen Reaktionen von Julian waren fulminat und grossartig. Das Publikum war begeistert. Dieser Ausklang hat mich total beglückt. Schade, dass keine Studierenden der HDKZ mit dabei waren. Sie haben die Texte für das DADA MODUL geschrieben. Die hätten sicher gestaunt, was Peter Schweiger aus ihen Texten herausgeholt hat. Na ja, St.Peterzell liegt ja auch nicht gerade am Weg. Umso erfreulicher, dass Ute Schendel und Walter Morgenthaler die lange Reise von Basel auf sich genommen haben.

15. September: Das gestrige Treffen mit Walter Tschopp in Neuenburg war sehr herzlich und aufschlussreich. Seit Matthias Thomi seine Masterarbeit in Zeitgeschichte über die Kunst Skandale von Kurt Fahrner und von mir geschrieben hat, bin ich wieder öfter mit der Vergangenheit konfrontiert. Dieser Prozess liegt nun schon mehr als dreissig Jahre zurück. Nach so langer Zeit ist es spannend, zu reflektieren, wie Andere das Ganze erlebt haben und was man vergessen oder in anderer Erinnerung behalten hat. Ich freue mich auf jeden Fall, Walter schon bald in St. Gallen empfangen zu können. Auf dem Heimweg sass ich im Speisewagen, trank viel Wasser und las im Buch von Dorothee Elmiger vom verschwundenen Fluss Buenaventuro, wärend der Zug der Aare entlang fuhr.

Am Nachmittag fahren wir nach Appenzell. Im Bücherladen findet die letzte Runde des spannenden Jubiläumsprogramms "bücher laden ein" statt. Um 18 Uhr stelle ich den Vexer Verlag und die neusten Publikationen von Vanja Hutter, Tamara Weibel und Roman Signer vor. Anschliessend ist im Gewächshaus der Schlusspunkt mit der musikalischen Komödie von Lutz & Guggisberg. Ich war sozusagen die Vorgruppe. Das hat grossen Spass gemacht. Das ganze Programm war ein Hammer und das in der Hauptstatt von Appenzell in Apppenzell. Diese Kultur - Destination muss man sich merken.

14. September: Ich fahre heute früh mit dem Zug nach Neuenburg und treffe mich mit Walter Tschopp. Vergangenheitsbewältigung ist angesagt. 

13. September: Ich sammle schon seit langer Zeit Abbildungen von Menschen in Zeitungen. Menschen die einfach so dastehen. Das gibt es gar nicht so oft. Die meisten Bilder sind beschnitten. Beine scheinen nur in Ausnahmefällen interessant zu sein. Heute habe ich ein schönes Bild gefunden. Eine Chemikerin im hellblauen Schutzanzug. Sie bekommt einen Ehrenplatz in meiner Menschen Sammlung. Um 14.30 Uhr bei TGG die Freigabe des Buches von Bernard Tagwerker. Einige letzte Korrekturen. Grosse Freude herrscht. Am Nachmittag arbeite ich an den Illustrationen für die Zeitschrift "Kirchenbote" zum Thema Patchworkreligion. Als Titelblatt habe ich eine "Pussy Riot Srickmütze" gemalt, mit verschiedenen religiosen Motiven von allen grossen Weltreligionen drauf. Weiter malte ich ein schwarzes Tier, das rechts an der Umfriedung leckt und ein oranges Tier, das links am Zaun leckt. Das Feld in dem sich die beiden Tiere befinden ist mit braunen Kegeln bedeckt. Eine Zeichnung zeigt einen ziemlich zerzottelten Kopf, der einen orangen Ballon aufbläst mit drei Kreuzen drauf. Kreuze fliegen auch im ganzen Bild umher, oben sehen sie aus wie Sterne oder Flugzeuge, unten sind es eher zerzauste Barthaare. Monika hat diese Zeichnung als "Sterntrinker" betitelt.

Dann habe ich den Himmel noch einmal gemalt. Himmel - Hergott, dieses Bild wird nie fertig. Als Abschluss des Tages gibt es vorgekochte Kartoffelscheiben mit vielen Kräutern und Frischkäse aus der Folie und Felchen auf der Feuerstelle gebraten, plus einen Gemüsesalat mit Fenchel. Gute Nacht.

12. September: Heute beginnt der Schlussspurt für das Künstlerbuch von Bernard Tagwerker. Das wird ein tolles Projekt. Heute Morgen war schon Peter Zünd bei mir. Er hat Texte von Eugen Cunz aufgearbeitet und sucht einen Verlag. Eugen war Zeichnungslehrer und ein Neffe von Martha Cunz. Er beschreibt aus der Erinnerung heraus St.Gallen und das  Bürgertum ab den 30er Jahren. Die Sache ist sehr spannend aber nichts für Vexer. Nun kommt gleich ein Techniker, der mich von einem super schnellen Internetzugang überzeugen will. Am Nachmittag wird die museumsreife Kniehebelpresse von Emil Zbinden in mein Atelier transportiert. Ich freue mich schon, auf dieser geschichtsträchtige Druckmaschine meine Experimente zu machen und an Jeremias Gotthelf zu denken. (und an seine nie geöffneten Briefe) Dann ist um 17.30 Uhr der Launch Apero der Crowdfunding-Kampagne von artagenda.com und anschliessend wird gejasst. Uff - das wird ein langer Tag.

11. September: Den ganzen Tag herumgekramt, verlegt und gefunden, am neuen Bild weitergemalt und gekocht. In der Nacht bis 24 Uhr Holunder zum einkochen vorbereitet. Sechs Liter habe ich geschafft.  Wir sagen dem "Holderezune", Holunderbeeren mit Zucker und etwas Mehl aufgekocht. Ideal für Desserts, als Beilage zu Eierspeisen oder ins Morgenmüsli. Der ganze Küchenboden war violett gesprenckelt, sah sehr schön aus. Ein gutes Bild. Man malt ja auch beim Kochen.

10. September: Zufällig habe ich DRS 2 eingeschaltet um fünf vor drei. Zwei Stunden Parlando mit Petra Ronner und Claudia Rüegg, die sich seit Jahren mit der Musik von John Cage beschäftigen. Die besprochenen und abgespielten  CD's mit "PREPARED PIANO" sind 2004 und 2005 im Vexer Verlag erschienen. Stolz? ja, sehr stolz! Anschliessend schwimmen im See, derweil das Lammfleisch und das Gemüse in der Tachine auf dem kleinen Feuer vor sich hin köchelt. Och - da gibt es nichts zu murren.

9. September: Eine schöne Fahrt nach Schaffhausen zu einem Konzert mit dem Chor von Peter Roth. Das Requiem von Gabriel Fauré musste dieses Mal herhalten für Gallus. Die Gallusfeier in St.Gallen hat einiges an kostspieligen, kulturellen Blüten erzeugt. Duftende und verduftende.

8. September: Die "Kompression" in Feldkirch war sehr speziell. Ein wunderbarer Ort, gute Begegnungen. Hans Ruedi Fricker hat eine Performance mit Anagrammen vorgeführt. Max Grrüter hat überall hin Siebdrucke gemacht und wir haben viel gelacht. Ich habe einige sehr interessante Leute kennengelernt. Die Vorarlberger würden wirklich gut zu uns passen. Schade dass der Zusammenschluss mit der Schweiz nicht geklappt hat. Die wären eine echte Bereicherung für uns.

Am Abend ein wunderschönes Geburtstagsfest von Norbert Möslang und Paul Rechsteiner im Alpenhof auf dem St. Anton bei bestem Herbstwetter. Es ist spannend zu sehen wie sich das Rheintal entwickelt. Es wächst immer mehr zu einer grossen Stadt zusammen. Etwas unorganisiert, ungeplant und anarchisch. Ich denke den Rheintalern ist das gar nicht so bewusst. Die wollen das gar nicht sehen. Nach ethlichen Reden und verbalen Längen hat Norbert eine starke Performance zu Ehren von Hans Käfig gemacht am präparierten Klavier. Super. Paul rückte mit einem kurzen und prägnanten Statement alles ins richtige Mass. Ich war froh, einmal zu sehen und zu hören, wie man heute den sechzigsten Geburtstag feiert. Bei mir dauert das ja auch nicht mehr so lange.

8. September: 8.00 Uhr. Heute fahren wir nach Feldkirch. Karlheinz Pichler hat mich zu seiner Ausstellung "Fünf Wochen an einem Tag-eine Kompression" eingeladen. Das ganze findet in und um eine Burg herum in Feldkirch statt. Alles beginnt um 11.00 Uhr. Aufbau, Vernissage, Führungen, Lesungen, Performances, Präsentationen, Finissage und Abbau der Ausstellung an einem Tag. Die Idee gefällt mir. Morgen ist dann wieder ein anderer Tag und ein neues Projekt. Ich mache auf stressfrei, es ist ja Samstag. Ich lege ein Sortiment meiner Vexer Bücher auf einer schönen blauen Decke aus. Ein Layout sozusagen. Kaufen kann man nichts, nur schauen, blättern und  lesen . Ich bin gespannt auf die Österreichischen "Kunstraubritter" und ihre Komparsen.

6. September: Habe heute ein neues Bild begonnen. Wie eine befreiende weisse Wolke ist diese Leinwand. Vera hat mir schöne Videolinks von Jonathan Meese und Thomas Schütte geschickt. Dank dieser Videos habe ich nun endlich den Nerv, das notwendige Kabel für den Ton am richtigen Ort reinzustecken. Am Abend sind wir bei Martha und Christian zu Pizza eingeladen. Köstlich.

5. September: Ich habe den ganzen Tag die zwei neuen Bilder abhängen lassen. Erst wenn sie trocken sind kann ich beurteilen ob das Resultat OK ist für mich. So gelitten an meiner Malerei habe ich schon lange nicht mehr. Sicher schon vier oder fünf mal hatte ich das Gefühl, die Bilder seien fertig und immer wieder prallte mir am nächsten Morgen eine unerträgliche Dumpfheit entgegen. Scheinbar harmlose Abendbilder, die aber sehr viel mit Abschied und dem Eintreten in ein neues Licht, in Energie, in etwas unbekanntes zu tun haben. Heute Mittag habe ich mit Vera telefoniert. Sie hat eine Serie von neuen Bildern gemalt und nun kann sie alle ausstellen im Helmhaus Zürich. Zürcher Malerei. Da sind einige alte Freunde mit dabei. Die Vernissage ist am Donnerstag 27. September. Am Mittwoch, einen Tag davor hat Jochem Hendricks seine Eröffnung im Haus Konstruktiv. Da fällt mir ein, dass ich die liebe Dorothe Strauss anrufen muss, dass sie alle Bücher von Jochem aus dem Hause Vexer rechzeitig auf dem Büchertisch hat. Heute war ich den ganzen Tag administrativ tätig. Rechnungen bezahlen, mails beantworten und frohe Botschaften entgegen nehmen. Dorothée Elmiger hat mir alle  ihre Texte geschickt, die sie in der Altpapiersammelstelle in Appenzell gelesen hat. Ich bin total beeindruckt. Gertrude Stein hätte sicher grosse Freude an diesen sinnlichen, realen Schriftwerken von Dorothée. Jetzt warte ich noch neugierig auf die Texte von Wolfram Lotz. Ich habe leider diese Lesung verpasst, weil ich im Kunsthaus Grenchen engagiert war. Das tut mir so leid aber etwas verpasstes ist immer auch eine Chance, wenn man nachhakt.

Ach und heute Abend der grosse Auftritt eines Urgrossvaters der Kunsttheorie. Bazon Brock trug 100 Minuten in freier Rede vor, anlässlich der Ausstellung von Com%Com im Architekturforum St.Gallen. Er redete pausenlos und ohne Erbarmen. Diese Veranstaltung haben zu viele verpasst. Ein gutes Duzend inklusive der am Projekt beteiligten waren da. Bazon Brock hat viele seiner Themen aufgebrüht und einige alte Weggefährten abgekocht. Die Dokumentaleiterin Carolyn Christov-Bakargiev hat er unwiedersprochen als wohlstandsverwarlostes Dummerchen bezeichnet. weil sie mit Bäumen spricht - oder den Dialog mit ihnen sucht, Hunde abstimmen lässt usw.  BB meinte, dass jeder intelligente Mensch wissen müsste, dass Bäume nichts über ihre Jahrringe wüssten und dass von den Bäumen keine Weisheiten kommen. Gebildete müssten wissen, dass  von den Bäumen viel mehr hundertausende von Erhängten heruntergefault seien in der Menschheitsgeschichte. Ich denke aber schon, dass doch einiges mehr an Früchtchen und Früchten geerntet und verspeist worden sind, als all die Teile von Erhängten, die  im Gras landeten. Dazu kommt, dass Kunsttheoretiker natürlich auch dauernd irgendwelche armen Wesen aufknöpfen und verbal vernichten.

Eine Behauptung oder besser eine heoretische Enthauptungvon vielen Kunstschaffenden stimmt nachdenklich. Laut Bazon Brock kann man sich erst dann Künstler nennen, wenn man 35 Jahre künstlerisch und zwar ausnamslos künstlerisch gearbeitet hat. Meine diesbezügliche  Arbeit begann 1979.  Ich wurde durch die Verkündigung dieser frohen Botschaft schon ein halbes Jahr vor der Geburt von Vera zum Vater. Dieses Ereignis katapultierte mich in eine neue Rolle, die ich nur durch eine intensive Suche und Auseinandersetzung mit mir, meiner Mitwelt und durch Kunst bewältigen konnte. Das würde laut BB bedeuten, dass ich 2014 berechtigt bin, mich als Künstler zu bezeichnen. Vera wird 2014 bereits 35 Jahre alt und ich werde endlich Künstler.

4. September: Die letzten zwei Tage habe ich voll durchgemalt. die zwei Abendbilder sind nun hoffentlich fertig. Getern kam Vanja vorbei. Wir brauchen schon wieder neue Bücher. Sie macht alles selber, handgezeichnet, handkopiert, handgeschnitten, handgebunden. Das macht hungrig. Ich kochte für uns alle eine riesige Portion Gehacktes mit Hörnli. Ohne Apfelmus, dafür mit frischem Krautstiel aus dem Garten. Den roten und den grünen, schön geschnitten und die Blätter am Schluss dazu, mit einer Béchamelsauce. Der erdige Geschmack des Gemüses passt ausgezeichnet.  (Das Hackfleisch vom Reh schmeckt auch herrlich)

Am späteren Abend hatten wir noch ein kleines Festchen mit Ruth und Hermann. Er hat eine Praktikumsstelle bekommen und das mit 59 Jahren. Das ist doch super.

3. September: Rückblickend ein dichtes, inspirierendes Wochenende. Am Samstag die Diskussion in der Propstei mit rund fünfzig sehr interessierten Menschen. Ich bekomme immer noch positive Rückmeldungen. Am Sonntag der literarische Spaziergang mit neun kurzen Lesungen im Appenzellischen. Der Text von Peter Kurzeck hat gut gepasst. Um 17 Uhr präsentierte sich der Salon Verlag aus dem Tirol mit kulinarischen Köstlichkeiten. Der Kunsthof war rammelvoll mit Leuten. Ich staune immer wieder wieviele interessante Menschen sich irgendwo ins Hinterland zurückziehen und immer wieder auftauchen. Am Abend auf der Rückfahrt ein gutes Gespräch mit Walter Angehrn, der vor fünf Jahren den weissen Ärztekittel abgelegt hat und sich seither auf seine künstlerische Arbeit konzentriert.

2. September: Monika ist drei Tage weg. Trotzdem geniesse ich mein einsames Frühstück mit Kaffee, argentinischer Musik, dem obligatorischen dreieinhalb Minuten - Sonntags - Frühstücks - Ei und einem Eurogipfel. Kennst du die Eurogipfel? Die sind riesig und hängen rechts und links über den Tellerrand. NZZ am Sonntag - jetzt zwei Stunden später fällt mir nichts mehr wichtiges ein, was ich gelesen habe.  
Ach doch, da gibt es jetzt die neue populäre Theaterform, das "Eastwooding", erfunden von einem wirren, alten Mann. Clint Eastwood wird mit dem leeren Stuhl in die Theatergeschichte eingehen.  
Als Vorbereitung für den Nachmittag lese ich einige Stellen von Peter Kurzeck und lege eine seiner Hör CDS auf. Ich mag seine Stimme. Er erzählt wie ein sprudelnder Bach über seine Kindheit und über die Gepflogenheiten auf dem Lande wärend des Krieges. Jeder Stein, jedes Huhn, die Schweine und die Menschen - er erzählt und erzählt stundenlang mit der Angst im Nacken, etwas wichtiges vergessen zu können. Ich mag das sehr.

1. September: Heute werde ich früh abgeholt von Ramon Lenherr. Wir haben eine Veranstaltung in der Propstei. Thema"Wie entsteht ein Buch" Mit dabei sind Monika Dillier, Isabell Zürcher und Thomas Dillier. Monikas Mann, der Professor Wolfram wird auch da sein. Die vier sind schon gestern abend gereist und haben in St.Peterzell im Gasthof Schäfle übernachtet. Die Reise von Basel dauert doch rund drei Stunden. Das ist fast wie zu Goethes Zeiten. Um halb zehn sitzen alle gut gelaunt und ausgeschlafen am Frühstückstisch. Wir machen noch eine kurze Besprechung. Ich werde die Moderation des Gesprächs übernehmen. Um 11 Uhr sind schon mehr als 20 interessierte Personen da. Wir warten noch auf zwanzig junge Gestalterinnen und Gestalter. Die ganze "Typo" Klasse von Roland Stieger hat sich angemeldet. Die sind in Herisau durch einen Alpabzug aufgehalten worden. Die ganze Veranstaltung hat grossen Spass gemacht. Die Lust auf spezielle Bücher scheint ungebrochen zu sein, trotz oder gerade auch dank der neuen Medien. 

31. August: Habe heute den ganzen Morgen mit Christian Röllin zugebracht. Wir trafen uns um 9.00 bei mir zu Hause. Ich benutzte die Gunst der Stunde und belud den gemieteten Bus mit Säcken voller Bücher, mit gesammelten Artikeln, Korrespondenz, schöner Post usw. um alles in mein Atelier im Haggen zu transportieren. Der Transport war notwendig, weil ich alle restlichen Arbeiten, die ich bei Christian in der Galerie ausgestellt hatte wieder für weitere Ausstellungsprojekte brauche. Dann ein gemeinsames Mittagessen in der frisch renovierten Blume an der Brauerstrasse. Am Nachmittag ruft mich Carol vom Bücherladen Appenzell an, ob ich Lust hätte, am Sonntag aus einem meiner Lieblingsbücher zu lesen. Ich mache das sehr gerne. Einen literarischen Spaziergang, zuhören und zuhören, verschiedenen Texten, Orten und Menschen begegnen. Spontan habe ich mich für das Buch "Kein Frühling" von Peter Kurzeck entschieden. Diese Texte passen sehr gut in die Appenzellerlandschaft.

28. August: Mit grossem, angestautem Ärger habe ich heute zwei Abendbilder komplet übermalt. Das Schwimmen im See holt mich wieder auf den Boden. Eigentlich ist das merkwürdig. Ich schwimme und ich erde mich gleichzeitig.

Heute hat mir Mathias Tomi seine Masterarbeit zugeschickt. Titel: "Künstler mit nonkonformistischem Gedankengut provozieren die Schweiz. Zu den Skandalen um Kurt Farner und Josef Felix Müller" 

Am Abend Sitzung mit dem pädagogischen Beirat. Eine spannende Sitzung zur Frage der Mitwikung der Eltern in der Schule.

27. August: Atelier aufräumen ist angesagt. Um 14.00 Sitzung bei TGG mit Ronny Kocher, Roland Stieger und Bernard Tagwerker. Das geplante Buch muss besprochen werden. Ich habe wieder so viel gelernt über das Drucken. Das Projekt von Bernard bringt jedes noch so schnelle Computer Programm an den Rand des Möglichen. Ich freue mich auf dieses Buch. Bernard fuhr mich nach der Besprechung nach Hause. Wir hatten eine interessante Diskussion über Kunst am Bau, über "drop skulpters" usw. Ich habe den Gauklerbrunnen vor dem Kunstmuseum St. Gallen verteidigt und mit Freude festgestellt, dass Bernard diese Arbeit von Max Oertle auch als eine seiner besten figurativen Arbeiten schätzt. Der günstig angekaufte Richard Serra vor dem Kunstmuseum ist da eher ein Problemfall. Serra entwickelte seine Skulptur als ortsbezogene Plastik für ein Barockgebäude in Münster. Mit grossem theoretischem Getue wurde diese Skulptur in Münster installiert und im Ausstellungskatalog der Skulpturen Projekte  gepriesen. Die Münsterianer kauften diese Arbeit nicht und schlussendlich konnte Rudolf Hanhart 1987? das Werk günstig nach St.Gallen holen mit Geldern der Müller - Guernian Stiftung. Froh wer Müller heisst und Guerne isst.  Na ja - für das lausige Plätzchen in St.Gallen war das Werk von Serra nicht gedacht. Aber lustig ist es doch, dass der Künstler in seiner amerikanischen Grosszügigkeit aus einer klar konzipierten ortsspezifischen Skulptur eine "drop skulpture" für St. Gallen machte. Der Manon macht es möglich. Die Manon musste ihren Krankenwagen wieder wegfahren....

Bernard ist ein versierter Kenner der Kunst und ein starker Lobist für das Urheberrecht. Er liebt die pro Literis. Ich bin eher für pro Klitoris. Am Abend habe ich einen Film im Fernsehen gesehen über ein Somalisches Fotomodell, das als Kind geschlechtlich total verstümmelt worden ist. Das war kein super Film aber die Frage nach der absolut notwendigen Unversehrtheit des Körpers ist so brisant. Für mich darf es kein Recht darauf geben, dass an Kindern aus religiösen Gründen herumgeschnipselt wird.

26. August: Um 9.00 Uhr schwimmen im Bodensee. Es ist stürmisch und bedeutend kälter wie in den letzten Tagen. Vor dem Schwimmbad treffen wir zwei ältere Damen, mit glänzenden Augen. Fit, aufgestellt und total käferig schwärmen sie vom wunderbaren Wasser... 

Schon 13 Uhr - jetzt fahren wir zusammen mit Vera nach St.Peterzell. Vera möchte unbedingt die Vexer Verlagspräsentation in der Popstei anschauen, bevor sie nach Berlin zurück fliegt.

25. August: Heute war frühes aufstehen angesagt. Ich musste noch meine Rede vorbereiten für die Eröffnung im Kunsthaus Grenchen. Das XYLON Jubelbuch, die XYLON Zeitschriften und das wunderbare Mappenwerk Nr. 1 von Felix Droese, Claudia Comte und Irène Wydler werden da ausgestellt. Vera ist seit ein paar Tagen im Lande und kommt heute gegen elf bei uns vorbei. Die Freude ist gross. Es gibt so viel zu berichten. Monika und Vera fahren nach Appenzell zum grossen Literaturnachmittag, den das Team rund um den Bücherladen organisiert hat. Ich fahre nach Grenchen und treffe in Zürich Peter Emch, René Fehr, Eva und René Gallizzi zur Weiterfahrt. Die Eröffnung ist sehr gut besucht. Eva Inversini hat mit Ihren Leuten die Ausstellung wunderbar gehängt. 199 in Holz geschnittene Druckplatten sind sehr sorgfältig nach Farben zusammengestellt. Diese Sorgfalt bringt die Druckstöcke richtig zum strahlen. (eine Platte von mir ist auf mysteriöse Weise verschwunden). Im oberen Stockwerk sind alle Einzelblätter als Gruppen in einer sehr spielerischen Form gruppiert und geschickt in formale und inhaltliche Zusammenhänge gestellt. Die drei neuen Nummern der Xylon Zeitschrift von Felix Droese Nr. 146, Claudia Comte Nr. 147 und Irène Wydler Nr. 148 sind ein absoluter Hammer.
Im Parterre werden Holzschnitte von Alois Lichtsteiner präsentiert, die im Atelier von Nik Hausamann  gedruckt worden sind. Schneefelder und bunte Gebirge.
Herr und Frau Zbinden suchen einen Platz für die Kniehebelpresse von Emil Zbinden. Ein wares Museumsstück. In meiner Euphorie sage ich spontan zu, die Maschine in mein Atelier zu nehmen. Ich habe keine Ahnung wie gross und wie schwer diese Druckmaschine ist.
Ein gelungener Anlass mit guten Begegnungen und einem abrupten verregneten  Abgang. Die Rückreise im Zug mit Peter Emch und Sebastian Utzni ist wunderbar unterhaltsam. Über Kunst und vor allem um das ganze drum herum zu quatschen macht einfach Spass. Von Wil bis St.Gallen wird es auf jedem Bahnhof lauter. St. Gallen hat 2:1 gegen Basel gewonnen. In der Stadt pumpert es so richtig  durch die Gassen. Zu Hause gibt es noch ein kuzes Hallo, etwas Krimi und etwas Boxen und Schluss.

24. August: Heute Morgen ist der Artikel "Vexers Vielfalt" von Brigitte Schmid-Gugler im St.Galler Tagblatt erschienen. Danke - danke Brigitte. Der Artikel hat mich animiert, eine Initiative zu eröffnen für den günstigen Versand von Büchern. Das wäre eine direkte und effiziente Kulturförderung für Verlage. Wir bezahlen in der Schweiz etwa dreimal so viel Porto für den Buchversand wie in den umliegenden europäischen Ländern. Manchmal kostet der Versand mehr wie das Buch im Paket. Der Artikel im Tagblatt bringt den ganzen Tag viel Resonanz und Arbeit.

Heute hat Vitamin 2 die Homepage Atelier Visite aufgeschaltet. ateliervisite.ch  

23. August: 6.30 Uhr. Monika hat heute eine Kadertagung. Mich zieht es auch früh raus. Alle Störungen sind beseitigt. Die Laune ist wieder hervorragend. Um 11.15 Uhr Termin beim Friseur Christian Sutter. Er macht das super.
Im Briefkasten liegen zwei Bücher. Felix Droese hat mir sein Buch über das ALDI Multiple Projekt von 2003 geschenkt und dazu noch das Buch von Herta Müller "DIE BLASSEN HERREN MIT DEN MOKKATASSEN" vom Hanser Verlag dazugelegt. Jetzt bin ich den ganzen Nachmittag beschäftigt. Wenn Felix der Verleger Bücher geschenkt bekommt, ist er der glücklichste Verleger der Welt. Die Bibliothek wächst und wächst und das ist gut so. (Wie auch der Käsekuchen von der Bäckerei Wernli, den ich mir beim Nachhausegehen gekauft habe) Ich bin dann noch kurz entschlossen ins Atelier gefahren und habe einen Holzschnitt für den Almanach 2012 von Ulrich Tarlatt gemacht. Eine spontane Idee zog mich in den Westen der Stadt. Jetzt kann ich das morgen einfach noch abschicken. Kaum zu Hause steht Vanja Hutter vor der Türe mit zehn neuen Büchlein. Die Menschen lieben es, wenn andere ihre Niederlagen aufzeichnen.

22. August: Habe gerade erfahren, dass frühe Arbeiten von mir bei Hilfiker Kunstprojekte in Luzern gezeigt werden. Es gibt immer wieder Überraschungen auf diesem kleinen Planeten. Um 16 Uhr kann ich meinen revidierten und durchgeputzten PC bei fornetic schepis ag abholen. Das ist ein super Service. Jetzt kümmern sich weltweit einige Spezialisten um meine Homepage, die gehackt worden ist. Mein Tagebuch scheint so brisant, dass es jemand vernichten will. Wo sind meine Feinde? Ich halte mich nun an den Rat  "Liebt Euere Feinde". Dieser Spruch ist warscheinlich etwas vom gemeinsten das man machen kann. Es gibt nichts schlimmeres und demütigenderes für einen Feind, wie wenn ich ihn liebe. Ja ich liebe euch alle! Hackt doch ruhig auf meiner Homepage herum. 

17.30 Schwimmen im Bodensee. Heute hat es Wellen wie am Mittelmeer.

Das Nachtessen ist erst um 21.00 bereit. Rind- und Gemüsespiess vom Grill, dazu noch ein seperates Mischgemüse mit breiten Bohnen, Blumenkohl, Tomaten und frischen Kräutern. Für das Feuer verwende ich  Nussbaumholz aus dem Garten des Nachbarn, das ich vor zwei Jahren zu "Büscheli" verarbeitet habe. Der Geschmack des gegrillten Fleisches wird einmalig.

21. August: Heute Nachmittag musste ich meinen PC notfallmässig in die Werkstatt bringen. Ein Trojaner frass mir meine gute Laune weg.  Jetzt habe ich alle Zeit zum malen.

Am Abend fahren Monika und ich nach Zürich. Paul Tanner von der Graphischen Sammlung der ETH Zürich zeigt alle Editionen von Jan Anüll. Eine gelungene Ausstellung, ein gelungener Katalog, erschienen im Schwabe Verlag, ein gut gelaunter Jan und viele alte Bekannte.

19. August: Heute morgen haben wir Abschied gefeiert von unserer lieben Freundin Sabin Schreiber. Sie wünschte sich zu diesem Anlass das Zusammensein ihrer Freunde, bei einem Feuer an ihrem Lieblingsplatz beim Hörlenwald. Alles war so liebevoll, achtsam, und berührend an diesem strahlenden Morgen.

Durch diesen Abschied haben sich für mich viele, vermeintlich wichtige Sachen relativiert. Die Ruhe an dieser Feier hatte für mich etwas ungemein tröstendes.  

18. August: Alles ist gut gegangen. Am Freitagabend eine wunderbare Ausstellungseröffnung. Sehr viele liebe Freunde aus dem ganzen Lande und darüber hinaus reisten ins Toggenburg. Corinne Schatz hat mich und den Verlag mit ihrer Laudatio "Felix der Verleger" sehr stimmig beschrieben. Die Musikantinnen Ruth Degen und Christine Schmid spielten und sangen einige alte Pilger- und Volkslieder. Mir gefällt an dieser Musik die Einfachheit und die Inbrunst im Bitten nach Geist, Wohlergehen und Liebe. Dieser Abend an diesem ORT DER RUHE hat mich gestärkt in meinem Willen, den eingeschlagenen Weg voller Neugierde weiterzugehen und zwar in meinem eigenen Rhythmus.

17. August: Das waren sehr anstrengende Tage. Am Mittwochmittag bis in die Nacht hinein arbeiteten Ramon und ich an den letzten notwendigen Retuschen der Ausstellung in der Propstei. Die neuen Publikationen von Tamara Weibel und von Roman Signer fehlten noch. Die wurden erst am Donnerstag geliefert. Am Donnerstagnachmittag konferierten wir in der Fachkommission HF Bildende Kunst über die neue Promotionsordnung. Das ist alles ser komplex aber auf gutem Weg. Bei dieser neuen Klasse muss jeder Entwicklungsschritt neu erarbeitet werden. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es Thomas Gehrig und seinem Team gelungen ist, nach langjährigen kulturpolitischen Forderungen, in St.Gallen eine Kunstklasse an der GBS einzuführen. Die Studierenden sind hochmotiviert und Adrian Notz, der Leiter des Lehrgangs erweist sich immer mehr als eine Traumbesetzung für diesen Job. Jetzt muss ich dreissig Publikationen von Roman Signer präparieren. (DVD Hüllen einkleben und jedes Exemplar nummerieren) Meine Rede ist noch nicht fertig geschrieben und um 12.30 Uhr holt mich Ramon ab.

14. August: Tom Bömmels hat soeben 300 DVD's von Roman Signer gebracht. Jetzt fehlt nur noch die dazugehörige Publikation.

Schon fast 14. August: 23.30 Uhr. Ich bin soeben von St. Peterzell (nicht von Petersburg oder New York) zurückgekommen. Ramon montierte die letzten Schriften, die Jahreszahlen von 1985 bis 2012. Er installierte zwei Leselampen mit schönen roten Kabeln, den Beamer, den CD Player für die John Cage Interpretation von Petra Ronner, einen Flachbildschirm für die neue DVD von Roman Signer usw. Ich habe die neuen zehn Büchlein von Vanja Hutter in die Vitrine gelegt, das TV Möbel grau gestrichen, Fledermauskot weggewischt, Insekten aller Art zusammengelesen, (Hummeln, Wespen, Bienen, Fliegen, Mücken, tropische Holzbockvarianten, Chinesische Tupfenbrigaden, Spinnen, Spinner und Flieger aller Art. Wir haben einfach alles notwendige getan, damit die Ausstellungseröffnung am Freitag eine grosse Freude werden kann. Um 19 Uhr führten wir alle freiwilligen Helferinnen und Helfer durch die Ausstellung, die im nächsten Monat die Ausstellungsaufsicht machen und den ganzen Laden hüten. Ich liebe die Provinz und all die Menschen die da draussen leben und die sich für ihren Lebensraum einsetzen und engagieren. Ruedi hat am Schluss einen so wunderbaren Gedanken eingebracht zur Arbeit von Roman Signer. Im Sinne von: Bücher sind alle gleich wenn sie produziert werden. Durch den individuellen Gebrauch und durch das Lesen verändern sich die Menschen und auch die Bücher. Jedes Buch wird einzigartig. Ruedi hat etwas andere Worte gebraucht aber er hat absolut recht.  Ja und nun trinke ich ein grosses Glas Rotwein (kein Gläschen). Ich freue mich am Leben und an den extrem vielen Rückmeldungen die ich auf meinen E-Mail Versand erhalten habe. Oh - so zfrieden konn nur ein olter, gschmerzter Herrgottsschnitzer sein. Oh mei-jetzt locht er. Gut's Nächtle.

13. August: Der Postbote hat mir heute morgen endlich die Einladung zu meiner Ausstellung "Felix der Verleger" in der Propstei St. Peterzell in den Briefkasten gelegt. Die Eröffnung ist schon diesen Freitag um 19 Uhr und es gibt noch so viel zu tun. Die neue Publikation Roman Signer "Vexer-Necker-Skulptur"mit einer DVD muss diese Woche fertig werden und ich möchte endlich meine vielen schwarzen Himmelbilder vollenden. Schwarze Himmel sind so tief traurig und enorm schwierig zu malen. Diese Bilder widme ich der Sabin.
Und jetzt erwarte ich um 11.00 Uhr die Karoline vom Bücherladen Appenzell. Sie holt all die Vexer Bücher ab, die ich für das 20 jährige Jubiläum in Appenzell vorbereitet habe. Der Bücherladen feiert sich und die treue Kundschaft mit einem spannenden Jubiläumsprogramm unter dem Titel "bücher laden ein". Das Literatur und Kulturfest beginnt an diesem Wopchenende. Am Samstag 18. August um 17 Uhr werden Lutz & Guggisberg ihre Buchvernissage mit dem Nives Verlag feiern. Liest Thomas Hürlimann wirklich um 19 Uhr?, soviel ich weiss liegt er im Spital... weiteres unter www.bücherladen-appenzell.ch/programm

Bücher überall. Jetzt habe ich auf dem Plakat vom Bücherladen den Satz von Gustave Flaubert gelesen:"In einem Buch müssen sich Sätze wie die Blätter im Wald bewegen, alle in ihrer Ähnlichkeit unähnlich". Das klingt ja wie Minimal Musik. Bruno Steiger muss dringend noch einen Nachsatz sprechen auf seiner CD Amerikanische Musik Deutsche Fassung. (Natürlich im Vexer Verlag erschienen. Wo sonst?)

12. August: Gestern Abend sassen wir zusammen mit unseren Nachbarn mitten in der Stadt, auf dem Balkon, bei der zauberhaften Stadtruth. Sie bekochte uns fürstlich und versorgte uns mit reichlich Wein. Mir war gar nicht bewusst wie pulsierend St.Gallen in der Nacht sein kann. Im Innenhof in der Engelgasse geht also wirklich die Post ab. Sternschnuppen haben wir leider trotz bester Aussicht keine gesehen und wir haben uns auch keinen Schnupfen geholt. Monika hat sich eingepackt wie eine Polarforscherin im Frühling und ich stellte mir vor ich sei ein ganz heisser Eskimo... TSSSSCHHHH... 
Heute: schwimmen im Bodensee, Martha und Christian besuchen beim Schaugenbädli, anschliessend das frisch renovierte Gasthaus Blume von Gülüstan und Ali bewundern. Die müssen noch die ganze Nacht putzen... und wir können dann ab Montag eine frisch renovierte Quartierbeiz geniessen. Die Beiden haben Mut!

Heute Abend gibt es bei uns frische Bodenseeforellen im Kreuterbeet vom Grill. Für das Feuer werde ich nur feinstes Baumnussholz verwenden. Krautstiel und einen Lauch habe ich schon im Garten geholt. Zu Fisch liebe ich vorgegarte Kartoffelscheiben mit  viel Kräutern und Frischkäse in der Folie, vorsichtig direkt auf der Glut erhitzt.

11. August: Um 10.30 Uhr habe ich mich auf dem Hauptbahnhof in Zürich mit Felix Droese verabredet. Als wir diesen Termin vor einigen Wochen vereinbart haben, war mir nicht bewusst, dass an diesem Tag eine Million Menschen nach Zürich an die Techno Party reisen. Es war erstaunlich ruhig auf dem Bahnhof, einige Engelchen und ein Engel hingen in der Halle herum", inklusive der von Niki de Saint Phalle. Eine Passantin mit Hündchen hat Felix Droese gefragt, ob er wisse bei wem sie sich beschweren könne. Der grosse Engel müsse dringend gereinigt werden. Auf diese Frau scheint Droese wie ein spiritueller Experte für die Engelreinigung gewirkt zu haben. Wir sind dann mit der S-Bahn in die Druckerei Studer nach Horgen gefahren. Felix signierte dort seine Holzschnitte für das erste Xylon Mappenwerk . Die drei neuen Xylon Zeitschriften von Claudia Comte, Irene Wydler und von Felix Droese sind wunderschön geworden. Ich empfehle allen Freunden der Originalgraphik, sofort die Xylon Zeitschrift zu abonnieren. Für 103 Fränkli plus Porto gibt es 12 Originalholzschnitte vom Feinsten. Diese Nummern sind sicher schon bald ausverkauft. Abbobestellungen bitte sofort an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (späteres Jammern gilt nicht)

Nach dem Signieren sassen wir im Garten des Restaurant Schäfli oder Schwänli?, zusammen mit dem legendären Werber und grossen Kunstfreund  Gredinger. Wir sassen zusammen, assen italienische Speisen und amüsierten uns köstlich über die feinsinnigen, intellektuellen Einschübe von Herrn Gredinger.

10. August: Heute morgen in der Früh, kurz nach sechs Uhr ein wunderbares Morgenschwimmen mit Monika und Eveline im Bodensee.

9. August: Gestern ist unsere liebe Freundin Sabin Schreiber würdevoll und selbstbestimmt gestorben. Wir sind sehr traurig. Als Sabin vor drei Jahren mit der Krebsdiagnose zu uns gekommen ist, hatte ich die spontane Idee, jede Woche einmal für sie zu kochen. Die regelmässigen gemeinsamen Mittagessen ermöglichten viele Gespräche, die unsere Gedankenräume öffneten und erweiterten. Die Zeit hat in diesen drei Jahren eine ganz neue Bedeutung und einen neuen Sinn für mich bekommen. Ich habe auch begriffen, was Joseph Beuys gemeint hat mit seiner Aussage, dass es keine Krankheiten, sondern nur Prozesse gebe. Das nahe Teilhaben an diesem Prozess eines Menschen verändert die Warnehmung auf sich selbst und auf die Mitwelt. Dafür bin ich sehr dankbar.

28. Juli:  Gemütliches Frühstück bei Silvia und Patrick Droz auf der Kalberweid in Teufen, mit Blick zum Säntis. Silvia schenkte uns eine schöne minzenartige Pflanze aus ihrem Garten, die ich bei uns zu Hause gleich zwischen den Pfefferminz und die Zitronenmelisse gesetzt habe.

Jetzt gehts ab zum Sempachersee, zur Geburtstagsparty von Hugo. Ich freue mich schon auf ein Bad im See bei Regen. Als Geschenk bekommt der Hugo einen Bund  Weidenstecklinge zur Befestigung des Seeufers. Für die Stecklinge habe ich gestern einen dicken Ast von unserer Kopfweide herunter geschnitten. Damit pflanze ich eine direkte Verbindung von St. Gallen nach Sempach.
  
Heute Morgen bestellte ich als Erstes zwei Stempel bei arial.ch. In St. Peterzell habe ich bemerkt, dass viele Wanderer Pilgestempel vom Jakobsweg sammeln. Wärend der Ausstellung in der Propstei können nun alle den 

VEXER PILGERSTEMPEL der PROPSTEI ST. PETERZELL 

in ihr Wanderheft stempeln lassen.
Als Zentrum des runden Stempels habe ich eine weibliche und eine männliche Pflanze ausgewählt. So macht Stempeln wirklich Spass.

27. Juli: In den letzten drei Tagen haben wir die Ausstellung in der Probstei St. Peterzell aufgebaut. Das ganze Vexer Verlagsprogramm der letzten 27 Jahre ist das erste Mal als gesamter Werkblock ausgebreitet. Ramon Lenherr hat letzte Woche alle notwendigen Einbauten zusammengeschreinert. Die Denkräume und die Lesebänke. Das war alles sehr anstrengend aber es hat sich gelohnt. Am Abend veranstalten wir zusammen mit Ruth und Hermann ein gemütliches Racletessen im Garten am Kaminfeur.  Zwei heftige Gewitter die uns gleichzeitig von links und von rechts mit Blizen und Donnergegrolle beleuchten und beschallen, können uns nichts anhaben. Geschützt in unserer Gartenhöhle geniessen wir den geschmolzenen Alpkäse und schildern uns gegenseitig die gefärlichsten Erlebnisse bei Gewittern im Gebirge.

20. Juli: Wergenstein ist von Nebel eingehüllt. In der Viamalaschlucht gelingen mir einige interessante Fotos. Die Farbe des Wassers ist atemberaubend blau.

19. Juli: Fahrt nach Wergenstein. Ein wunderschöner Ort, sehr gute Küche und guter Wein. Ein Regenbogen über das ganze Tal.

18. Juli: Ein sehr schönes italienisch - schweizerisches Fest, tägliche Erholung im Schwimmteich, Essen vom Feinsten und guten Schlaf. Gelesen habe ich das Buch "Ein Portrait - Pablo Picasso", das im Piet Meyer Verlag erschienen ist und das ich bei König in Wien zum Spottpreis von 12 Euro gekauft habe...  "Malerei ist nie Prosa" (sagte mal Picasso und pinselte weiter).

13. Juli: Heute sind Monika und ich 33 Jahre verheiratet. Gut so, sogar sehr gut! Als kleinen Höhepunkt fahren wir über den Gotthard.
Jetzt habe ich aber noch das ganze Haus geputzt und die Fussböden Nebelfeucht gewischt. Im Brifkasten ist das Buch "Glimmende Peripherie" von Anselm Stalder gelegen. Ich habe das Buch aufgeschlagen und  seinen Text Nr. 1  gelesen. Was für ein Zufall! In diesem Text beschreibt Anselm den Nebel in Mailand so: "Im November wird der Nebel in Mailand an manchen Tagen so undurchdringlich, dass die Stadt verschwindet. Der Nebel wird zur einzigen Architektur. Die Häuser, Kirchen, Produktionshallen erscheinen wie unscharfe Projektionen, wenn sie aus der gräulich weissen Dichte auftauchen. das Gewicht des Nebels verleitet einen dazu, mit präzisen Schnitten einen Block herauszutrennen, nach Hause zu tragen und zur Beobachtung auf den Tisch zu stellen. Die Wärme der Wohnung wrd den Nebel schnell im ganzen Zimmer verteilen und auflösen, es sei denn man steckt den Nebelblock sofort in ein Glas und verschliesst es fest." .... Ein wunderschönes Buch, gestaltet von Georg Rutishuser. Kann bestellt werden bei: www.editionfink.ch Meine nebelfeucht gewischten Holzböden sind nun trocken und ich kann wieder ins obere Stockwerk ohne ins Feuchte zu tappen. Jetzt fahre ich mit dem Zug nach Baar und treffe Monika zur Weiterfahrt in den Süden. Hoffentlich hängt kein Nebel über dem Gotthard  und es wäre doch schön, wenn weiterhin gute Laune herrscht in den nächsten 33 Jahren.
Die Prognosen sind gut, sehr gut sogar!

12. Juli: Die alten Himbeerstauden entfernt und die Hecke kräftig zurückgestutzt. Dabei einige Astgabeln gesammelt und ein Vogelnest entdeckt. Das werde ich malen ! oder?

11. Juli: Maltag ist Zahltag...

10. Juli: 7.00 Uhr frischen Kaffee, Tagblatt lesen, Tagi lesen, Malerei von gestern begutachten, PC starten, Anfragen beantworten, die drei neuen XYLON Nummern zu Ende bringen, Buchbinder, Drucker, Siebdrucker und Gestalter der Schriften kontaktieren, Korrektur für die Postkarte www.ereignisse-probstei.ch an Grafiker mailen, Farbe für den Nachmittag vorbereiten, mit dem Zug nach Gossau, Sitzung mit Diener & Diener beim Holzbauer, Fassade für Chamfér begutachten, Farbe wählen, zurück nach St.Gallen fahren und dabei die  NZZ lesen, Monika zum Mittagessen treffen, Reise nach Italien besprechen, ins Atelier fahren, weitermalen, Öl bestellen, DADA Buch nach Hamburg schicken, Mails beantworten, Radiosendung mit der Performerin Marina Abramowich anhören. Ein wunderbarer Satz bleibt bei mir hängen, den Abramowich von Schamanen kennt: " Das Leben ist schlafen und der Tod ist das Aufwachen".
Abendessen: Krautstiel, Bohnen, Rüebli, im Dampf vorgekocht, Spätzli vom Bauernmarkt in der Bratpfanne mit Olivenöl erhitzt, das Gemüse dazugegeben, in der Mitte der Bratpfanne frische Zwiebeln, Knoblauch und fein gehackte Tomaten und Pilze gedünstet, eine gereucherte Lammwurst geschnitten und dazugegeben, alles untereinanderrgerührt, hat wunderbar geschmeckt, wie ein altes Bündnerrezept... 

9. Juli: Heute morgen musste ich einmal mehr den Dachkännel herausputzen. Gestern Abend erlebten wir einen beängstigenden Gewaltsregen. Der Himmel verfärbte sich in ein Alpkäsegelb. Ich hatte Angst dass es uns alle Ziegel vom Dach herunterhageln könnte.  Im Garten krochen heute morgen hunderte von wohlgenährten Schnecken im Garten herum. Über Nacht haben sie alles Kleingehackte weggeputzt. Kein Wunder bei unserem exquisiten Kräutergarten. Mal sehen ob ich noch einige Kräuter finde für die geplante Tagine von heute Abend. Ein schönes Stück Lammfleisch liegt schon in der Marinade.

8. Juli: Um 11.55 habe ich mit Monika zusammen den Film "Laila, Hala und Karima - Ein Jahr im revolutionären Kairo" im SF1 angeschaut. Ein erschütternder Film von Ahmed Abdel Mohsen und Eduard Erne, der von Sandra Gysi produziert worden ist. Drei Künstlerinnen beschreiben im Film ihre Hoffnungen, Probleme und Gefühle während  der Revolution in Ägypten. Dieser Kampf um MENSCHLICHE, politische und künstlerische Freiheiten ist von solch existentieller Wucht, dass ich mir mit meinen Alltagssorgen total kümmerlich vorkomme. Ich bewundere den Mut der drei Frauen in diesem Freiheitskampf, die stellvertretend für hundertausende von Menschen in diesem Film porträtiert worden sind.

7. Juli: Ich musste früh raus, trotz  all dem gutem Wein am Vorabend. Der Rollkoffer steht schon seit zwei Tagen vollgepackt mit den neusten Vexer Publikationen startbereit. Georg Rutishauser hat mich eingeladen zu den "Publisher's Tables", anlässlich der Präsentation der schönsten Schweizer Bücher im Helmhaus Zürich. Der Tag beginnt ziemlich anstrengend. Ich bin immer wieder überwältigt vom Gewicht von Büchern. Koffer in den Bus, Koffer aus dem Bus, Koffer in den Zug und dann den  Koffer in den oberen Stock im Zug. Ach - ich freue mich schon auf einen Kaffee mit Gipfeli. Ein Angestellter rumpelt ziemlich unmotiviert in der Küche des Speisewagens herum. Nach einer halben Stunde stellt sich heraus, dass der Aku der Kaffeemaschine leer ist. Meiner war es auch.
Der Tag in Zürich war sehr anregend. Vanja Hutter war mit dabei, mit zwanzig, eigens für diesen Tag von Hand kopierten, von Hand geschnittenen und von Hand gebundenen Büchlein der kleinen Niederlagen. Wir haben dreizehn Stück davon verkaufen können. (In die besten Sammlungen versteht sich) Vanja muss gleich weiter produzieren. Ich konnte viele schöne Publikationen tauschen. Mein Koffer war darum am Schluss gleich schwer wie am Morgen, obwol der Verkauf sehr gut gelaufen ist. Als Abrundung des Tages und des Körpers offerierte das Bundesamt für Kultur ein feines Buffet mit Libanesischen Köstlichkeiten...Um 24 Uhr stand der Koffer wieder im Grossraumbüro des Vexer Verlags.

6. Juli: Heute koche ich für Margrith, Ralph und Monika. Monika hat sehr schöne Sachen eingekauft und einen vielversprechenden Zweigelt dazu.

5. Juli: Heute kann ich endlich weitermalen... 

4. Juli: Heute machte ich Körper - Energiearbeit mit Joy. Das war eine der entspannendsten Stunden die ich je erlebt habe. Ich weiss jetzt tausende von Sachen die ich will und einige die ich nicht will. Holderiho! Und als total gesund empfinde ich mich noch dazu! Holderidiho!
Am Feierabend treffe ich mich mit Roman und Ramon bei Vitamin 2. Wir visionieren die Fotos und den Film, der beim wässern der Bücher im Necker entstanden ist. Roman gefällt das Material und ist einverstanden, dass wir den Film herausgeben im Vexer Verlag. Das muss jetzt schnell gehen, damit die neue Produktion bei der Verlagspräsentation in der Probstei St.Peterzell am 17. August fertig ist.

3. Juli: Besuch im Kunsthaus Grenchen mit Peter Emch um die XYLON Ausstellung vorzubereiten, die am 25. August um 16.30 Uhr eröffnet wird.  www.xylon.ch 
Das Kunsthaus Grenchen ist das einzige Museum mit einem eigenen Bahnhof das ich kenne. Die Kuratorin Eva Inversini macht ihre Arbeit sehr gut. Dafür würde sie eigentlich eine bunte Phantasieuniform verdienen!

2. Juli: Ich musste heute früh nach Brugg. Ich habe ein Ticket nach Baar gekauft. Keine Ahnung warum.

1. Juli: Gestern Abend ist mir ein wunderbares Nachtessen geglückt für Monika, Cony und Cefi. Als Vorspeisen - 1. Schüssel: einige ganz frische kleine Tomaten aus dem Garten und einige spezielle Sorten vom Bauernmarkt geviertelt, schwarze Oliven, etwas Feta, kleine Kugeln aus einer Honigmelone gestochen, frischer Basilikum, etwas Olivenöl und weisser Balsamico. 2. Schüssel: viel frischen Fenchel aus dem Garten ganz fein geschnitten, geräucherte Hünerbrust - noch feiner geschnitten, Parmesanscheibchen, das ganze mariniert mit einer Sauce mit Senf, Olivenöl, Zitronenöl, Balsamico, Birnell, Salz und Pfeffer und etwas Zucker, nach einer Stunde den Fenchel in der Marinade gewendet und blaue Salatblüten , wilde Rosenblütenblätter, Malvenblüten und Borretschblüten darübergestreut. Am Schluss eine Hand voll kleine wilde Himbeeren aus dem Garten frisch gepflückt über alles geschmissen.
Serviert mit einem frischen Brot. Die Teller waren nach dem Essen so blank geputzt, ich hätte sie gleich wieder in den Schrank stellen können.
Als Hauptspeise Vorbereitet hatte ich eine Pfanne mit Bratkartoffeln mit Rosmarin, ein Mischgemüse mit Stangenbohnen, Ruebli und Chefen. Ganz frisch gemacht a la minüt: Felchenfilets gebraten mit einer ganzen Schüssel fein gehackter Zitronenmelisse, angereichert mit zwei Eiern, Milch und  etwas Mehl. Dazu Fischleber, Jakobsmuscheln und Fischbäggli zart im Butter gewendet. Die Fischleber angerichtet wie ein Vogelnest, aussenherum Seebohnen mit etwas Tomaten und Zwiebeln.

Getrunken haben wir dazu einen Ripasso.

Ach ich sage dir... das war einfach wunderbar...

Hier noch ein Hinweis auf Borretschblüten:  John Gerard in „The Herball, or Generall Historie of Plantes“ (1597):

Heute tun die Menschen die Blüten in den Salat, um sich fröhlich zu stimmen und die Laune zu verbessern. Vieles kann man aus der Pflanze machen, was das Herz erleichtert, die Sorgen vertreibt und den Geist erhebt. Die Blätter des Borretsch, im Wein zu sich genommen, machen Männer und Frauen froh und glücklich, vertreiben Trauer, Langeweile und Melancholie, das haben bereits Dioskorides und Plinius bestätigt. Sirup aus Borretschblüten ist gut für das Herz, lässt die Melancholie vergeben und beruhigt die Verrückten.

29. Juni: Bin heute sehr früh aufgestanden. Der Zug nach Basel fährt um 7.48. Im Zugrestaurant bei Kaffee und Gipfeli lese ich im Tagblatt als erstes den Artikel über die Wyborada, illustriert mit einem schönen Bild von Sabin Schreiber und Marina Widmer. Die Frauenbibliothek wurde vor 25 Jahren gegründet. Es ist immer wieder spannend, wenn Zeit menschlich, räumlich und geschichtlich fassbar wird, weil man beim zurückliegenden Ereignis irgendwie mit dabei war. Von Zürich nach Basel staune ich über das alte Rollmaterial der SBB. Das ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Wenn die Fenster im Zug runterlassen werden können, erinnert mich das immer an Schulreisen. Wir Schüler mussten aufpassen, dass uns der Luftzug nicht das Hemd vom Leibe riss und der Lehrer musste derweil sein Toupet sichern.
In Basel hatte ich eine lange Architektursitzung und anschliessend besuchte ich die Kunsthalle. Die Räume und die Installation von Paul Sietsema im Parterre sind wirklich sehr schön. Craigie Horsfield im Oberlichtsaal schöpft aus dem vollen der Menschheitsgeschichte. Mit dem grossen Nashornpaar, eingepfercht - eingesperrt im kleinen Raum ist man mittendrin. Bringt er damit die Situation der Kunst auf den Punkt?...
Nach der Kunsthalle besuche ich wie immer  Stampas. Ernesto Tatafiore verarbeitet den Untergang der Titanik. Geht es dabei um den eigenen Untergang, das eigene Versinken im Strudel von schönen Frauen?
Im hinteren Raum zeigt sich Guido Nussbaum als Kulturbüezer. Er präsentiert humorvoll Welt- und Kunstgeschichte. Beide Künstler füllen die Räume mit etwas viel von Gutem. (Ist das eine Frage des Alters? Wenn man dann mal kann will man dann mal auch?)
Anschliesssend eine lange Unterhaltung mit Ester Hipler im Projektraum an der Gärtnerstrasse. In diesem Atelierhaus arbeiten dutzende von Künstlerinnen und Künstlern. Eine art Kreativbatterie inmitten von internationalen Chemiekonzernen. Die Präsentation ist nun leider schon wieder vorbei.  Es gibt viel nachzudenken auf der Heimfahrt über Produktion, Präsentation, Kunstvermittlung, Warnehmung usw.

28. Juni: Die Veranstaltung in der Kunsthalle St. Gallen war sehr interessant. Gute Gespräche mit interessanten Leuten, eine spannende Einführung in die Ausstellung, feines Essen und jede Menge Klatsch. ( z.B. soll Hans Schweizer seine Retrospektive Einzelausstellung im KUNST Zeughaus in Rapperswil abgesagt haben. Stimmt das wirklich?)
In der Kunsthalle St.Gallen arbeitet ein wirklich hoch motiviertes Team rund um Giovanni, Maren und Elli. Der Vortrag von Urs Stahel hat für mich einige Themenfelder aufgemacht die ich sehr interessant finde. Durch die Digitalisierung kann Fotografie problemloser in den Medien transportiert und verbreitet werden. Der Ausdruck auf Papier ist für nächste Generationen gar nicht mehr so relevant. Laut Urs Stahel gähnen junge, mediengewohnte Museumsbesucher vor Kunstwerken, die sie nicht interaktiv benutzen können. Museen müssen wegen der Preisentwicklung immer früher ankaufen auf die Gefahr hin, dass sie mit der Sammlung danebenliegen. Heute bestimmen nicht mehr Museen die Karrieren von Kunstschaffenden. Es sind vielmehr private SammlerInnen, die mit ihrer Marktkraft erheblichen Einfluss ausüben. Dazu kommt, dass grosse Sammler ihre eigenen Museen bauen und ihre Werke nicht mehr in die Obhut eines öffentlichen Museums geben wollen...Ich habe mir die Frage gestellt, ob sich der Erfolg der Fotografie als künstlerisches Medium durch die Digitalisierung wieder in sich selber auflöst, sozusagen im Universum aufpixelt oder im schwarzen Loch verdampft.

27. Juni: Manchmal öffnet sich der Himmel und alles wird klarer. Am Mittag offerierte ich der Sabin eine super Suppenhuhn Suppe mit Gemüse und sehr vielen frischen Kräutern aus dem Garten und einige Riccota Ravioli, die ich darin baden liess. Monika brachte grosse Erdbeertörtli vom BIO Konditor Lehmann.  Ja und nach dem Essen wurde es wärmer, die Sonne wollte uns sehen. Ein wunderbares Licht verwandelte die Blutbuche im Garten zu einem Kaleidoskop. Rot, hellgrün, hellblau, ein dunkelstes Braun und gleissendes Licht durch die Blätter, wie sirrende Öffnungen in eine andere Welt.
Nun gehts ab in die Kunsthalle. Urs Stahel hällt einen Vortrag, der bestimmt auch zur weiteren Erhellung beitragen wird. Dann gibts schon wieder ein wunderbares Essen...

25. Juni: Heute war ein guter Tag. Ich hatte Besuch vom Künstler Thomas Geiger aus Wien. Er arbeitet zur Zeit in Zürich an seinem Ziel Millionär zu werden.  Für seinen "Mark Pezinger Verlag". Thomas hat mir einige Bücher gebracht von ihm selber und von Karsten Födinger. Ich habe die Publikationen das erste Mal gesehen in einer Präsentation der Kunsthalle St.Gallen. Toll! Ein anregender Nachmittag. Nun habe ich einiges zu recherieren. ZB. www.booklooker.de, Daedalus Verlag Wien, Amour Fou, Paul Armand Gette, Zimtzauberkonserven von Daniel Spoerri, Salon für Kunstbuch, der alle Bücher nach Farben sortiert, Piet Meier Verlag, Billy x Comeno, Prof. Meuser, Julius Deutschbauer usw.  .... jetzt drückt endlich die Sonne durch.

22. Juni: Ab heute werden die Nächte wieder länger. Die Tage kürzer. Bleibt weniger Zeit Tagi zu lesen. Heute analysiert Simon Eppenberger das Debakel um das "Kunst-Y" im Hardaupark in Zürich und Jürg Rohrer karikiert in seinem Artikel "39 Grad Kunstfieber" die gross angelegte Stadtbewerbungsshow "Art and the City". Die fünf amüsant  zu Kunst im öffentlichen Raum erklärten Beispiele verkürzen den Tag schon bevor er begonnen hat.
Manchmal wünscht man sich die Zeiten zurück, als "grosse Kunstwerke" noch in der unbelastenden Form einer konzeptuellen Zeichnung oder einer Ideenzkizze im Listaschrank verschwanden.

20. Juni: In meinem Traum kochte ich eine heilende Suppe aus allen Tränen dieser Welt, mit extra viel Liebstöckel und gekrauster Petersilie.

19. Juni: Von meiner Italienreise zurück. Ich habe zwei neue Abendmotive gefunden, einen einfachen Holztisch gebaut und wunderbar gegessen. Gelesen habe ich im Buch von Umberto Eco "Der Friedhof von Prag".

8. Juni: Bin schon ganz aufgeregt. Vera kommt zu Besuch. Ich bin gespannt was sie über ihr neues Atelier in Berlin berichtet und über das Projekt in Rügen und und und...

7. Juni: Wer die Ausstellung von Pipilotti Rist im Kunstmuseum St.Gallen besucht, sollte sich die Zeit nehmen, die bunten Stickereien von Ficht Tanner im Museum im Lagerhaus an der Davidstrasse anzuschauen. Ich musste unweigerlich an Yellow Submarins von den Beatles denken. Das passt ja auch zu Pepperminta von Pipilotti. Farbige, fliegende Restteile von Erinnerungen, schwebend wie Luftballons. 

Übrigens: vor ein paar Tagen habe ich die Rechnung für das St.Galler Tagblatt erhalten, mit der Aufforderung, mein Zugangskonto zum E-Paper mit meiner neuen Abonummer zu aktualisieren. Ich blieb schon beim Login stecken. Das System lehnte drei mal meinen Namen ab. Ziemlich wütend schrieb ich dann beim Benutzername einfach Arschloch. Dieser Name wurde sofort akzeptiert. Nun klappt ja alles, aber wer hat schon Lust als Arschloch Nummer 10251551 das E-Paper vom St.Galler Tagblatt zu lesen?

6. Juni: Heute abend las und erzählte Peter von Matt im Literaturraum in der Hauptpost in St.Gallen. Ein voller Saal, ein spezielles Thema: "Das Kalb vor der Gotthardpost". Ich kenne dieses Bild von Koller seit der Primarschule, als etwas abgeschabtes und verbrauchtes Schaubild, vom Bambusstöckchen des Lehrers jahrelang malträtiert, hing es leicht schräg an einer Schnur neben der Wandtafel. Stundenlang mussten wir dieses Bildwerk beschreiben. Der Schwanz des Kalbes, die schwingenden Schweife der Pferde, die knallende Geisel des Postillions. Der aufgewirbelte Strassenstaub. Von Matt sprach von den verschiedenen Geschwindigkeiten im Bild und gab spannende und aufheiterne Gedanken zum Mythos der Schweiz zum Besten. Das Bild entstand 1873 zeitgleich mit dem damaligen Börsencrash. Da ging noch die Post ab... da stürzten sich die Spekulanten reihenweise von den Brücken. Ich frage mich, ob heute alle Kälber der Welt fähig wären, die schlingernde internationale Wirtschaftskutsche noch zu stoppen. 

6. Juni: Heute morgen um fünf  habe ich geträumt wie sich die Venus als schwarzer Punkt vor die Sonne schiebt. Im Traum war die Bewegung ruckartig wie in einem alten Superachtfilm. Ich war in einem grossen, gegen oben offenen Toilettenraum. Alles war besetzt. Stumme Menschen schwenkten die leicht bekleideten Körper ihrer Liebsten in grossen Trögen sanft in einer gelblichen Flüssigkeit hin und her. Niemand beachtete mich. Ich musste raus aus diesem Raum und pisste an die seitliche Wand der Erde. Um sechs Uhr bin ich aufgestanden, um eventuell das Venusspektakel real zu beobachten. Der Himmel war mit Wolken behangen. Nur in Richtung Vorarlberg waren zwei Öffnungen in den Wolken zu sehen, wo Sonnenlicht durchscheinen konnte. Weder die Sonne noch die Venus waren zu sehen. Ich dachte mir, dass diese zwei Löcher durch tausende von Augenpaaren in die Wolkendecke geätzt worden sind.

4. Juni: Nachdenken über die Lesungen von Birgit Kempker im Museum Olten und ihr Gespräch mit Monika Dillier. Birgit hat Monika mit ihren Fragen ziemlich an die Wand gedrückt.

3. Juni: Die ganze Woche habe ich gemalt und nachgedacht. Kräuter und Salat angesäht. Gestern traf ich nach langer Zeit wieder einmal Alex Silber und Rut Himmelsbach zu einem Gespräch. Gemeinsam sind wir dann zur Eröffnung von Pipilotti ins Kunstmuseum St. Gallen gepilgert. Eine angenehme Feststimmung mit Weisswein und Bratwurst. Manon war da und Claude Sandoz mit einem schönen Hut, Peter Liechti, der Norbert kam grad vom Schaffen und der Alex trug eine Sonnenbrille, Felix Falkner im Gespräch mit , ach - Caro Niederer war auch da und so viele Andere, grad wie an einem Sommerfest.  Die Ausstellung werde ich mir ein zweites Mal in Ruhe anschauen wenn das überhaupt möglich ist. Unweigerlich erinnerete ich mich an den Geruch der ersten Ausstellung mit Pipilotti in der Kunsthalle 1989, mit Muda Mathis und "Les Raines Prochaines". Da waren alle noch angewiesen  auf einen Schlafplatz bei Freunden, auf genügend Schlafsäcke und auf Entdeckungen in Brockenhäusern. Das sind andere Gerüche und Zeiten, die man nicht wegwaschen oder vergessen kann. Rudolf Schawalder und Roland Frei kauften damals für Pipilotti über Monate hinweg hunderte von alten Handtaschen im Heilsarmee Brockenhaus. Braune, Schwarze, graue, grün gespriggelte, baige. Die Verkäuferinnen machten sich sicher ihre Gedanken, was diese zwei Männer mit all diesen Damentaschen anstellen werden. Und nun in der Jetztzeit?  Der erste Eindruck: eine überraschende, erfrischende bunte Welt. Das Kunst - Licht scheint die Räume auf wundersame Weise zu durchlüften und zu reinigen. Im Oberlichtsaal eine Schafherde wie bei Segantini. Ich weiss nicht ob Pipilotti die Segantini Ausstellung Ende der 90er Jahre im Kunstmuseum gesehen hat. Ich glaube schon. Alle, die sich mit Licht, Rasterung, Projektion und Farbe beschäftigen, werden irgendwann mit der Frische im Werk von Segantini konfrontiert. Der ZUFALLSRASTER in der Malerei kommt dem natürlichen Licht näher wie diese normierten Pixel. Aber die Reinheit des Lichts in der  Arbeit von Pipilotti ist für mich  mit Segantini vergleichbar.  Pipilotti gestaltet Licht in ihrem Sinne. Pipilotti hat die Fähigkeit, sich rein zu denken. Sie denkt ins Reinheft. Brave Mädchen bekommen Schmetterlinge und Bienchen und Kosenamen ins Reinheft. Knaben prügeln sich, zertrampeln Brillen und nerven. Segantini hustete sich mit seinen Visionen in den frühen Tod. Das Licht, die Intensität der Farbwirkung bei Segantini hat mich um die Jahrtausenwende wieder an die Qualität von Malerei glauben lassen. Heute verzweifle ich manchmal fast an der Wirkung von Farbe. Ist das Abendrot gleichzusetzen mit dem Ende? Wann wird ein intensives Gefühl zu Kitsch?

12.15 Uhr. Jetzt reise ich gleich nach Olten an die Buchpräsentation von Monika Dillier im Kunstmuseum. Ich bin gespannt auf die Ausstellung. Die Arbeit von Monika hat sich auch in die Farbe hinein weiterentwickelt.

29. Mai: Pfingsten ohne Stau überstanden. Gut gegessen, gut getrunken, viel geredet. Monika hat viel gejätet. Es ist erstaunlich, wie viel unerwünschte Biomasse in einem Garten ungefragt vor sich hin wächst. Was nicht auf dem Komposthaufen landet, wird für Blumensträusse abgerissen und in Vasen gestellt, als Suppenkräurter klein gehackt, als Salat zerzupft und weggeputzt, Äste werden zu Brennholz verarbeitet, diverse Blüten für Teemischungen getrocknet und Astgabeln sammle ich für ein Kunstprojekt. Der Postbote hat heute nichts spannendes gebracht. Ich habe mich um zwei neue Bilder gekümmert. Abendlicht im Bierli. Türkiese, helles Ultamarin, Orange und Zitronengelb, sehr dunkles Blau mit Lampenschwarz. Aschgrau und Zinkweiss. Die Bilder müssen eine Stille auslösen, dass man meint die Blattläuse  singen zu hören.  
Alex Silber und Rut Himmelsbach haben sich für einen Besuch am Samstag angemeldet.  
Ein Silberstreifen am Abendhimmel.
In Italien bebt die Erde und wir fühlen uns so sicher.
Die Blätter der Weide bewegen sich sachte und zeigen ihre silbergraue Farbe.
Gelber Mohn wiegt in der Abendsonne vor meinem Fenster.
Höre ich  wirklich das feine Plätschern eines Brunnens oder ist das etwa ein kühlender Apéro?
Mai - es ist ein Besuch - Ende - Mai.

28. Mai: Besuch bei Rolf und Anik - wunderbar.

27. Mai: Besuch in Schaffhausen, 2 x 55 er Fest bei Coni und Cefi - wunderbar.

26. Mai: Besuch von Judith Hauptlin. Nachmittag - Besuch von Dipl. Ing. Fust. Der Dampfabzug wird repariert.

25. Mai: Besuch von Otto Heigold.

24. Mai: Super Bescheid vom Kanton St.Gallen. Das Amt für Kultur hat einen Beitrag gesprochen für das geplante Buch von Bernard Tagwerker.

23. Mai: Heute muss ich hundert Heimatbücher nach Genf schicken. Eine Knochenarbeit. In zwei Stunden schaffe ich sechs Pakete, die meisten wiegen über 25 Kilo. Der Pöstler in Genf wird seine helle Freude haben. Die Bücher gehen an die Rue Rothschild in Genève, das ist doch nobel - gell? Und dann sind gleich noch 10 Lauftext von Peter Liechti nach Zürich beordert worden. Die Bücher Lauftext sollten doch eigentlich selber laufen können. Das wäre sehr praktisch und lustig, wenn ich mir vorstelle, wie zehn Bücher in Einerkolonne über den Fussgängerstreifen marschieren.

22. Mai: Es gibt so viel zu tun. Ich bin von einem verlängerten Wochenende zurück. Ein kleines Wunder bei diesem Verkehr. Im Stau stehen als Beifahrer ist mühsam und Harntreibend. In Italien habe ich einen  Mammutbaum gepflanzt. Ich habe das Bäumchen "Wildschwein- und Rehsicher" mit Maschendraht eingezäunt. Den Draht habe ich an vier grossen Pfählen aus Kastanienholz befestigt. Mit Heinz zusammen suchte ich einen schönen Platz, wo der Baum in hundert Jahren immer noch gut stehen kann. Einen halben Tag habe ich gebraucht, um das Waldstück aufzuräumen, einen Bewässerungskanal anzulegen und den Baum zu pflanzen. Am Abend haben Silvia, Heinz, Monika, Eri und ich ein kleines Pflanzfest veranstaltet. Der Baum wurde eingeschwemmt mit einer grossen Giesskanne Wasser und wir tranken auf sein Wohl eine Flasche Champagner. Ja nun bin ich zurück und bearbeite meine Post. Im Moment scheinen viele Menschen grosse Lust zu haben Bücher bei mir herauszugeben. Wenn alle, die ein Buch machen wollen zuerst ein dutzend Bücher bei mir kaufen würden, wäre das Vexer Lager sehr schnell leergeräumt. Esther Hiepler hat mir ein sehr schönes Projekt zugeschickt. Da werde ich sicher dran bleiben.

Ach - ich muss mich beeilen. Meine erste Sitzung als Präsident der Fachkommission HF bildende Kunst an der GBS findet heute um 17 Uhr statt. Wir müssen auch in der Ostschweiz dringend mehr Menschen zu Künstlerinnen und Künstler ausbilden. Es gibt einfach viel zu wenig Kunstschaffende. Ich würde es toll finden, wenn alle Berufe in einem künstlerischen Sinne ausgeübt würden. Die Elektriker verlegen alle Kabel in phantasievollen, ornamentalen Formen, die Strassenwischer formen den Abfall zu kleinen, skandalösen Skulpturen, die Automechanikerinnen schweissen alle eintreffenden Neuwagen zu hohen Türmen zusammen. Die Sekretärinnen reimen ihre Geschäftsbriefe zu langen, aufwühlenden Versfolgen, die Bauern und Bäuerinnen machen täglich Land-Art mit Hühnermist, die Homeopatinnen malen mit ihren zehn mal geschüttelten Tröpfchen kleine unsichtbare Bildchen usw. und Ueli Maurer könnte bunte Griepen basteln. ((lieber Toni, schreibt man diese fliegende Grippe wirklich mit ie)) ?

Scheisse, jetzt muss ich rennen...

16. Mai: Endlich komme ich mit meiner Malerei wieder einen Schritt weiter. Das Abendlicht im Bild lullt mich in seiner Sanftheit richtig ein.

15. Andreas Fröhlich und sein Studienkollege aus Indien, beide von der Uni St.Gallen, besuchen und befragen mich. Ein Gesprräch zu meiner dreiteiligen Arbeit an der Universität. Der junge Herr Fröhlich hat es in sich. Ich werde richtiggehend gelöchert. Das hat Spass gemacht.  

14. Mai: Spontanes Gegrille am Feuerplatz.

13. Mai: Gestern feierten wir Sabins 50 sten. an der Metallstrasse. Ich stand als Erster schon um 16 Uhr da. Vorher umrundete ich das ganze Quartier, da ich viel zu früh vor Ort war. Nach dem Bau des Bundesverwaltungsgerichts scheint das ganze Quartier umgepflügt zu werden. An der Zürcherstrasse gibt es immer noch das Ladenlokal, wo ich vor 30 Jahren die St.Galerie eingerichtet hatte. In den letzten Jahren wurde dieser Laden genutzt als Kleiderladen, Bauchtanzkostümladen, für gebrauchte Hochzeitbekleidung, Quartierstübli, Hiundesalon, usw. Im Moment ist ein Nagelstudio eingerichtet. Das Schaufenster wirkt wie eine schräge Installation eines Jungkünstlers. Ja und dann ein selten schönes Fest zu Ehren von Sabin. Ruhig, besinnlich und achtsam. Tiefgründige Gespräche, stimmige Musik und  liebevoll zubereitete Leckereine, die von den Gästen mitgebracht worden waren.

12. Mai: Ströhmender Regen. Die Dachrinne ist verstopft. Mit meinem Schirm steige ich auf die Leiter um kiloweise Buchenlaub und Dreck aus dem Kängel zu putzen. Ich bin total durchnässt und fühle mich wie ein schlecht gemaltes Aquarell.

11. Mai: Es ist soviel passiert in den letzten Tagen. Das grosse Bild entwickelt sich. Das Brennholz im Garten ist gehackt und verstaut. Den doofen Wasserhahn von Philippe Starck habe ich eigenhändig repariert. Vieles von Starck ist zwar schön aber unpraktisch. Der Wasserstrahl spritzt jetzt nicht mehr durch das Badezimmer oder an meinen Bauch. Durch ein kleines Ersatzteil fliesst das Wasser nun wieder kontrolliert in den Trog. Den verstopften Syphon im Erdgeschoss habe ich endlich gereinigt und nach heftigem Fluchen, mit Hilfe meines Nachbarn wieder zusammengebaut. Dann war diese Woche noch Diego Stampa hier um Bilder für die Art Basel auszuwählen. Zusammen haben wir dann die Ausstellung von Vera bei Christian Röllin angeschaut. Zwischendurch habe ich viele Bücher in alle Richtungen abgeschickt. Drei wahnsinns Packete habe ich für das Kunstmuseum Olten gemacht mit Büchern von Monika Dillier. Der arme Pöstler. Ich verstehe nicht, wie man für ein winziges Packet sieben Franken bezahlt und für 20 Kilo Packete nur 15 Stutz. Ja und dann haben wir ja am Montag 100 Bücher von Roman Signer im Necker gewässert und anschliessend luftgetrocknet . Vexer - Necker - Skulptur.

Heute stand ich um sechs Uhr auf. Ich nahm den Zug um sieben nach Chur. Dann mit der Rhätischen Bahn nach Jlanz und dann mit dem Postauto nach Vals. Das dauert fast dreieinhalb Stunden. Ich war im Steinbruch von Truffer in Vals. Das ist alles sehr beeindruckend. Mal sehen was aus meinem 190 m2 Mauerprojekt wird.

3. Mai: Seit Tagen male ich an einem grossen neuen Bild. Ich habe mich gefreut über die Ballonaktion am 1. Mai in Zürich. Um Chaoten fröhlich zu stimmen hat eine Gruppe von Menschen drei Tage lang tausende von Ballonen aufgeblasen und dann am ersten Mai in einer Strasse aus den Wohnungen aufs Volk schweben lassen. Dieser Akt scheint eine sehr positive Energie ausgelöst zu haben. Die Chaoten konnten Ballone zerknallen und mussten keine Polizisten attackieren. Frische Luft tut einfach gut. Pfff....

1. Mai: Ich wünsche allen einen tief grünen 1. Mai.

29. April: Um 5.25 Uhr stand ich in Wien auf.  Ich habe extra einen Wecker kaufen müssen, aber ich bin fünf Minuten vor ihm aufgewacht.  Trotzdem verpasste ich fast das Flugzeug. Ich habe mich entschieden, mit der Strassenbahn zur U-Bahn zu fahren, dann mit der U-Bahn zum CAT, das ist der Zug zum Flughafen. Das ist eigentlich sehr praktisch, weil man da gleich das Flugticket bekommt und den Koffer aufgeben kann. Nicht aber heute morgen. Das Einchecken war nicht möglich, der Cat fuhr erst in 30 Minuten und ich musste ein Taxi nehmen. Im allerletzten Moment schaffte ich es noch, auf dem Flughafen mein Ticket zu bekommen. Das Problem lag darin, dass die Galerie bei der Buchung den Namen Josef Felix Müller angegeben hat und in meinem Pass steht Felix Josef. Um 7.20 war der Abflug und in Zürich fehlte mein Koffer, der wollte in Wien bleiben. Zum Glück habe ich in weiser Voraussicht die Magnum Flasche Rotwein dem Taxifahrer geschenkt, sonst hätte ich auch noch Zollprobleme bekommen. In den Sonntagszeitungen lese ich, dass David Weiss gestorben ist. Was für ein himmeltrauriger Tag!

28. April: Ich bin den ganzen Tag unterwegs in der Stadt. Zuerst Frühstück im Kunsthallenrestaurant. Auffallend ist, dass sich die Gastronomie im Museumsquartier jedes Jahr ausweitet. Kunst scheint enormen Durst auszulösen. Im MUMOK wird die Arbeit von Claes Oldenburg aus den 60er Jahren gezeigt. Die Ausstellung ist für meinen Geschmack etwas zu Warenhausmässig aufgebaut - eher ein Warenhaus der billigeren Sorte, mit vielen Podesten und einer unmotivierten "Überhängung" der Wände. Einige Arbeiten sind wunderschön, z.B. die weichen Lichtschalter. In der Kunsthalle durfte Urs Fischer seine Werke ausbreiten. Interessant ist die verblüffende Nähe zur Arbeit von Oldenburg. Begrüsst wird man von der pinkfarbigen, "weichen" Strassenlaterne, die im Mondschein geschmolzen zu sein scheint. Mich überzeugt das Skelett, das auf einer Parkbank total vital seinen Arsch in die Höhe streckt. Richtig meditativ wird es bei den zwei gegossennen, langsam im Raum kreisenden Ästen. An den Enden der Äste steht je eine brennende Kerze. Der heruntertropfende Wachs bildel zwei sich überschneidende, weisse  Kreise am Boden.  Die Aufsicht, warscheindlich eine handwerklich begabte Kunststudentin, hat einiges an Gerätschaften unter ihrem Sitzplatz angehäuft. Sie scheint dafür zuständig zu sein, dass die Motoren geschmiert und der tropfende Kreislauf nicht unterbrochen wird. In jedem Raum hängt ein knallrotes, echtes Feuerlöschgerät, warscheindlich sind die dazu da, um die Gefahr der brennenden Kerzen zu bannen. Unweigerlich wünscht man sich, dass auch diese Feuerlöschgeräte aus Wachs gefertigt wären und vor sich hinschmelzen könnten.

Im Foyer der Kunsthalle wird der Film über Urs Fischer auf einem Monitor gezeigt. In Schweizerdeutsch, das die Wienerinnen und Wiener ja so gut verstehen.

Der Höhepunkt des Tages ist die Ausstellung im Kunstforum mit der Sammlungspräsentation der Fondation Hubert Looser. Eine  präziese und stimmige Sammlung, die sehr sorgfältig aufgebaut worden ist. Die intelligenten Gegenüberstellungen und die daraus entstehenden Dialoge zwischen den Werken sind eine Sinnesfreude und eine grosse Bereicherung.

27. April: Flug nach Wien. Ernst Hilger zeigt Malerei unter dem Titel "Zeitlos". Die Vernissage am Mittwochabend habe ich verpasst. Ernst hat ein Jahresblatt von mir herausgegeben, das ich heute abend für seine Sammler und Freunde signieren soll. Ernst möchte Arbeiten von mir zeigen an der Kunstmesse Wien, die im September stattfindet und für das nächste Frühjahr planen wir eine Einzelausstellung. Es gibt viel zu tun. Das wurde ein gemütlicher Abend mit netten Leuten, gutem Essen und schönem Wein.

25. April: Ein wunderbares Essen von Meria genossen. Christian Röllin hat uns eingeladen mit einem sehr sympatischen Sammlerpaar.

23. April: Heute ist «Welttag des Buches» Schade, dass die meisten Buchläden am Montag geschlossen sind.
Gestern am Sonntagnachmittag haben wir uns zusammen mit Irené, Max, Ursula, Alena und Theo im Bücherladen Appenzell "einschliessen und geniessen" lassen. Eine wirklich gute Idee. Man wird drei Stunden im Bücherladen eingeschlossen mit Getränken, Essen und natürlich mit all den auserlesenen  Büchern. Wir haben alle einiges an Spezialitäten gefunden. ZB. Fortuna auf Triumphzug, Von der Notwendigkeit des Zufalls, Verlag Galiani Berlin (das habe ich gekauft weil ich mich mit dem Zufall in der Kunst von Bernard Tagwerker beschäftige) oder "Tauschen, sprechen, begehren" Edition Akzente Hanser Verlag - oder Jenseits von Gut und Böse, "Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind" Piper Verlag.... Das weitgefächerte Sortiment im Bücherladen Appenzell ist wirklich sehr erstaunlich. H.R.Fricker, Cecile Wick, Alex Katz, James Joyce von Fritz Senn, eine Fassbinder Biographie... bekannte und weniger bekannte Freunde...., da ist einiges zusammengekommen an diesem Nachmittag.

13.30 Uhr: Erstes Treffen mit Gaston Isoz aus Berlin. Er gestaltet die Publikation "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel. Ich glaube das kommt gut. Es lohnt sich die Veröffentlichungen von Gaston in seinem Kleinverlag anzuschauen. www.disadorno.de

21. April: Hermann hat mir angeboten, beim Zersägen des ganzen Buchenholzes zu helfen. Ich mache heute kurze Scheiter für den Holzkochherd, damit ich im nächsten Winter wieder all diese Köstlichkeiten schmoren lassen kann. Monika rumpelt zur Zeit in der Küche herum. Sie packt Töpfe, Geschirr und Besteck zusammen für unser winziges Haus in Italien.

Ja jetzt hat gerade Vera aus Berlin angerufen und erzählt von ihrer Begegnung mit den zwei Töchtern von Hees die sie in Berlin getroffen hat. Nächste Woche soll alles mit dem Wunschatelier geklärt werden. Alles kommt gut!

Heute Abend fahren wir mit dem Zug nach Tägerwilen und dann gehts zu Fuss nach Gottlieben zur Tischeinweihung bei Lucy Schenker und Kurt Huber. Ich habe ihnen ein grosses Stück massives Mammutbaumholz besorgt für ihren neuen Tisch. An diesem Abend sind auch der Schreiner Marcel und der Schlosser Markus mit ihren Frauen anwesend. Ich freue mich. 

20. April: Früh am Morgen trinke ich noch einen Kaffee mit Monika Dillier und bespreche die nächsten Schritte, die wir organisieren müssen. Zum Beispiel die Abrechnung für Pro Helvetia und die Buchpräsentation am Sonntag 3. Juni im Kunstmuseum Olten...
Anschliessend findet um 9.00 die Startersitzung mit allen Fachplanern bei D&D Architekten für die Sanierung und Erweiterung des Stadtmuseums Aarau statt.  Ich staune immer wieder über die Komplexität eines solchen Bauvorhabens. 
Am Mittag fahre ich nach Zürich und hohle in der Galerie von Marlene Frei den "Kurator" von Nanne
Meyer ab. Vor vielen Jahren habe ich in Berlin einen "Zwieback" von Nanne gekauft. Nun bin ich stolzer Besitzer von einem Zwieback und einem Kurator. Das ist doch toll! Und passt in die Zeit der "Zwieback zum Frühstück Kuratoren".
Auf der Nachhausefahrt schimpft im Zugabteil hinter mir eine etwas ältere "Kunststudentin" über die Galerien, die sich allesamt mit fremden Federn schmücken. Dazwischen schellt dauernd ihr Handy und sie bespricht sich mit schweissenden, malenden, polierenden und verzweifelnden Künstlerfreunden, denen sie allen von ihrem inspirierenden Südfrankreich Aufenthalt vorschwärmt. (Derweil stelle ich mir all die noch feuchten Aquarelle in ihrem Rollköfferli vor) 

Kaum zu Hause klingelt mein Nachbar an der Haustüre. Er hat seine Buchenhecke mit einem Bagger ausreissen lassen, nun schenkt er mir das Holz und ich stehe zwei Stunden frierend mit der Motorsäge in Nachbars Garten...

19. April: Eigentlich hatte ich geplant an diesem Abend die Vorträge von Roger Diener und von Franz Wanner im Gewerbemuseum Winterthur anzuhören zum Thema Glas. Nun findet aber die Buchpremiere von Monika Dillier bei Stampa in Basel statt. Ich liebe die Zugfahrt nach Basel. Die Zeit bis Zürich reicht genau für das Lesen der NZZ und der zweite Abschnitt bis Basel eignet sich sehr gut für die Reflektion des Gelesenen. Wasserkraft, Atomausstieg, Zersiedelung, Rückbau von Atomanlagen, Grenzverkehr, Eurokurs, Asylanträge und jammernde Bauern die günstige Landarbeiter aus Moldavien brauchen...
Bei Stampa diskutiert eine Gruppe von Frauen in englischer "Sprasche" vor den Bildern von Hanspeter Hofmann. Die Lebenspartnerin von Hanspeter übt mit ihrer Englischklasse den Umgang mit Kunst. Dann werde ich gleich von Anna Rist begrüsst. Sie ist eine wunderbare, interessierte und offene Urmutter der Kunst. Ich habe nicht mit einer Vertreterin des Oberrheintals gerechnet. An diesem Abend wird  mir bewusst, dass in den 80er Jahren sehr viele interessante Ostschweizerinnen nach Basel gezogen sind und es ist erstaunlich, wieviele von ihnen an diesem Abend auftauchen. Da ist einmal Muda Mathis, Bernadette Johnson die Cellistin, Silvia Staub, die mich in den 80ern in den aufrechten Gang, mit Alexandertechnik eingeführt hat und viele mehr. Thomas Spielmann taucht auf und Alex Silber, Mireille Gros, Irene Wiedler, Marlies Pekarek von St.Gallen ist auch da. Sie war einmal Schülerin von Monika Dillier an der F&F und dann natürlich Anneliese Zwez, die schon viele der hier anwesenden Künstlerinnen und Künstler  mit ihren Texten gewürdigt hat.
Birgit Kempker liest an diesem Abend. Beim Nachtessen kann ich mich endlich outen als begeisterter Leser ihrer Bücher und ich gelobe, dass ich nach diesem Abend alle ihre Bücher abstauben und frisch lesen werde. Alle ihre Bücher sind komplett aufgereiht in der direkten Nachbarschaft von John Berger und Marlene Duras. Die Buchpremiere ist ein voller Erfolg. Jetzt hoffe ich einfach, dass alle aufgeweckten Köpfe dieses Buch bestellen... Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

18. April: Heute sollten die Bücher von Monika Dillier eintreffen. Ich bin sehr gespannt. Es ist schon ein spezieller Moment, das gesamte Werk einer Künstlerin in einem Buch ausgebreitet und beschrieben zu sehen. Vor allem, wenn man diese Künstlerin schon seit den frühen 80er Jahren kennt. Ich kann mich noch erinnern an diese Ausstellung in Nürnberg 1987, "Offenes Ende - Junge Schweizer Kunst" Da habe ich beschlossen die erste Publikation mit Monika Dillier im Vexer Verlag herauszugeben. Eine Mappe mit 23 faksimilierten, schwarzen Zeichnungen. Ich zeigte damals meine riesigen Holzschnitte meines Ateliebodens in der ehrenwerten Dürer Gesellschaft. 50 Künstler wurden damals an 17 verschiedenen Orten in Nürnberg und Erlangen vorgestellt. Monika zeigte damals Zeichnungen und Hefte, die mich sehr beeindruckten. 1997 verlegte ich dann das Buch "177 mal grosse Sehnsucht und grosse Angst" 177 Kugelschreiberzeichnungen die für den Vexer Verlag entstanden waren. Wenn ich dieses Buch heute wieder anschaue stelle ich einfach fest, dass sich Monika Dillier immer wieder als eine der verquersten und eigenwilligsten Zeichnerinnen ihrer Generation behaupten kann. 1987, 1997, 2012 - drei Publikationen und schon sind wieder 25 Jahre weggeflutscht.
Jetzt sind wir gerade  eingeladen worden zum Nachtessen bei Elsbeth Fischer und Hansueli Stettler, mit Fredi  Altherr und Menga Frei. So hangelt man sich glücklich von Tisch zu Tisch.

Der Transport wird sich verspäten, die Verzollung scheint nicht so einfach zu sein. Es ist zwar sehr viel billiger, Bücher in Deutschland zu drucken aber die Grenze existiert immer noch als grosses Handelshindernis. Wir vereinbaren, dass Manuel der Fahrer bei Elsbeth anruft, wenn er in St.Gallen eintrifft. So kann ich das Abendessen geniessen. Kaum hatte ich das wunderbare Gemüsecurry gegessen kam das Telefon und die Bücher. Der Fahrer Manuel Meisel ist  Bandmitglied von Anna Rossinelli. Als erstes hat er mich gefragt, ob der grosse Berg, den man von der Autobahn aus sehen könne, der Säntis sei. Die Band hat ein Konzert am 28. April auf dem Säntis. Manuel wollte dann noch wissen, ob man mit dem Auto auf den Säntis fahren könne. (Wegen der vielen Instrumente) Ich kann leider nicht an dieses Konzert gehen, ich fliege Ende Woche nach Wien. Die  Ausstellung "ZEITLOS-Positionen der Malerei" wird bei Hilger eröffnet. Bin ich wirklich schon zeitlos? ich empfinde mich eher als rastlos.

13. April: Vordergrund über Abendrot gemalt. (Die Stimmungen stammen vom Bierli, einem Weiler in Appenzellausserhoden) Am Nachmittag bringen wir 100 Bücher "Skulptur" von Roman Signer zum Buchbinder, um Löcher bohren zu lassen. Der Buchbinder hatte nicht viel Zeit. Er wollte zum Tauchen im Bodensee, Welse anschauen. Der 77 järige erzählte von riesen Welsen, die da herumschwimmen. Die Bücher von Roman Signer dürfen  auch bald schwimmen im Necker. Am Abend ein Geburtstagsfest im ehemaligen Kino in Uster. Felix Roth ist sechzig geworden. Ein Dorf mit 30 tausend Einwohnern und einem Kino, das für Anlässe von der Gemeinde gemietet werden kann. Super geschlafen im Gästezimmer von Liv und Felix, umgeben von einer imposanten Spielzeugburg von Linus. Beim Frühstück spannende Gespräche über Ernährungswissenschaft und Gesundheit. Spiel, Sport und Kultur, Lebensplanung, Freidenker, Kinder, veganische Gerichte usw.

... ob ich je Veganer werden kann bezweifle ich. Ich habe gestern Abend einen Lammbraten auf dem Holzofen gegart, mit Basilikumtomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz, Rosmarin, Estragon, Thymian und einer riesigen, in mundgerechte Stücke geschnittenen Peperoni und natürlich frischen, gevierteilten Pilzen. Die Pilze saugen den Geschmack so wunderbar auf) Den halben Liter verdampften Rotwein nicht vergessen. (Zum Essen genoss ich  dann einiges an Gegorenem aber unverdampft)

12. April: Ich wage mich wieder an meine Abendrotbilder. Abendbrot wäre auch mal was. Am Mittag habe ich einen Gemüsekuchen gebacken. Rote Peperoni, Selleriestangen, Karotten, Brocoli, Zugetti, Pilze, Ingwer, zwei Eier, etwas Mehl, Hüttenkäse, Koreander, Salz und Pfeffer. Dazu frischen Salat mit Schnittlauch, importiert aus meinem  Italienischen Kräutergarten. Sabin und Monika waren sehr zufrieden.

11. April: Das Haus im Piemont ist ausgemalt. Die Farbe macht sich prächtig. Ein grün, frisch wie Pfefferminze oder diese scharfen Fischermannsfreunde. Ein wunderbares Erdpigment. Am Montag habe ich aus grossen, teilweise behauenen  Steinbläcken eine Feuerstelle gebaut. Schön gross und archaisch. Die Ecksteine stammen teilweise vom Haus, das restauriert und neu aufgebaut worden ist. Einen kleinen Kreutergarten habe ich auch schon angelegt - für die geplanten Grilladen. Da fehlt aber noch einiges. Wir sind seit dem 10. April zurück in St.Gallen. Eine riesen Flut von mails schwappte mir beim Öffnen des PC's entgegen. Ein grosser Aufsteller: Felix Droese hat die Entwürfe für die XYLON Zeitschrift geschickt. Das wird super. Die Nachlese der Zeitungen der letzten Tage braucht viel Zeit. Brigitte Schmid-Gugler hat einen Artikel über die Ausstellung von Vera geschrieben. Ich versuche den Text für Monika laut vorzulesen. Ich stolpere bei jedem zweiten Satz. Ist der Text so kompliziert geschrieben oder bin ich noch in einer anderen Welt? Klammern, Komas, verschachtelte Sätze zu hauf. Aber Kunst muss man ja von allen Seiten betrachten und sich ab und zu auf den Kopf stellen. Apropos schreiben, heute habe ich einen super Satz von Bruno Steiger gelesen. Er stellt sich die Frage ob es Worte gibt, die sich nicht in Anführungszeichen setzen lassen. - "Schlittenhund". Geht das?  Und, so es ginge, was für Schlüsse wären daraus zu ziehen; Frage. Zitiert aus dem Buch: Bruno Steiger, Der Trick mit dem Sprung aus dem Stuhl, herausgegeben von Urs Engeler, roughbook 021, April 2012.

5. April: Ich muss dringend die weisse Untermalung schaffen, damit das Riesenbild über Ostern trocknen kann. Ich male weisse Ostern 2012.
Dann gehts ab ins Rheintal, Mutter besuchen und dann nach Italien. Vera  hat ein wunderschönes grün für das Haus in Italien ausgewählt. Das Haus ist mit einem zweistöckigen Ei vergleichbar. Innenmass 270 x 330 cm. Die Gesammthöhe 535 cm. Dieses Haus werde ich wie ein Ei bemalen aber von Innen. Frohe Ostern an Alle.

4. April: Seit Tagen warte ich auf ein Packet von DHL. Ich warte weil ich warten muss. Wenn ich mit dem Zug nach Deutschland und zurück gefahren wäre, hätte ich mein Zeugs sieben Tage früher gehabt und die Zollkosten sparen können. Reisen macht mitunter Sinn!
Dafür am Mittag eine gute Neuigkeit. Roman Signer macht ein Projekt für die Vexer Verlagsausstellung in der Probstei St. Peterzell. Wir lassen hundert seiner Bücher "Roman Signer Skulptur" die 1987 im Vexer Verlag erschienen sind an Schnüren im Necker schwimmen. Die aufgequollenen Buchskulpturen werden dann am 17. August erstmals in der Probstei präsentiert. Das gibt ein Fest. (Eröffnung am 17. August um 19.00 Uhr)

3. April: Malen, malen, malen. Am Abend Premiere des Dokumentarfilms von Brigitte Schmied-Gugler. "Das Geheimnis der Heie" in der Lockremiese. Wir sind viel zu früh da und haben dadurch die Möglichkeit die Ausstellung des Kunstmuseums in der Lockremiese anzuschauen. Werke von Künstlerinnen aus der Sammlung von Ursula Hauser. Wohnen und Hausen mit diesen zum Teil riesigen Werken wird wohl eher schwierig sein. Sammeln und lagern ist da eher das Thema. Die Ausstellung mit Werken von Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Loredana Sperini, Carol Rama usw. gibt einen spannenden Einblick zu Empfindsamkeit und körperliches Empfinden.  Die Ausstellung ist gut gemacht und zeigt die Problematik dieses Ausstellungsortes, der eben wirklich mehr ein "Ort" wie ein konzentrierter Raum für Kunst ist.

Dann ein grosszügiger Apéro - mehr ein Toggenburger Nachtmahl am Tresen, gesponsort vom Metzgermeister aus Ennetbühl.

Dann der Film - Das Geheimnis der Heie...

Wer kennt den Bildhauer Jesper Neergaards? Wer kennt Ennetbühl? Wer kennt die Skulptur Heie? Wie kommt dieser Marmormocken auf diese Alp? Eine interessante Geschichte, die mehr aussagt über lokale Politik und Schlitzohrigkeit wie über das Verständnis von Kunst auf dem Lande. Ein gut betuchtes Sammlerehepaar sucht einen passenden OIrt für eine mehrere Tonnen schwere Marmorskulptur, die das Universum mit dem Irdischen verbinden soll. Um den riesigen Mocken auf die schöne Alp zu bringen braucht es eine mit einem Lastwagen befahrbare Alpstrasse. Das Sammlerehepaar finanziert diese Strasse, die Ortsbürger stellen einen Quadratmeter Land zur Verfügung und die "Anlage" wird bewilligt, ohne das Wissen des Kantons. Lustig ist, dass dieses Kunstwerk für die Baubewilligung als "Anlage" und nicht als "Baute" behandelt wurde.  Der Kanton schluckte dann nach einer Beschwerde diese Bewilligung missmutig mit der Auflage, dass vom Sammlerehepaar rund um die Skulptur herum sieben Bergahornbäume als Sichtschutz gepflanzt und gepflegt werden müssen. Die Kraft der "Heie" erweist sich aber als so stark, dass bis anhin nur ein Bergahorn überleben konnte.
Kunst als Anlage für das Seelenheil und die Heilung der Erde - und der Strassenbau als Weg zur Kunst.

2. April: Malen, malen, malen r

1. April: Kein Scherz in Sicht. Eventuell kommt noch Lisa Schiess vorbei für einen Büchertausch. Am Mittag bereite ich eine Sauce für die Pasta am Abend vor. Zwiebeln, gehacktes vom Reh, zwei Hände voll kleine, fein geschnittene Ringe von grünen Peperonis aus Sizilien, 1 Pfefferschote, Pelatti und Basilikumtomaten, Pilze, Oliven, Oregano, beim Anbraten etwas Tomatenpürée... den Weisswein lege ich in den Kühlschrank, den Korkenzieher habe ich schon in den Zapfen gedreht und im letzten Moment auf Wein in der Sauce verzichtet. Nun liegt die Flasche mit Korkenzieher schräg im Kühlschrank und muss bis zum Abend warten.
Die Sauce köchelt den ganzen Nachmittag vor sich hin.
Monika und Vera sind am Abend echt begeistert.

31. März: Ausflug mit Ramon Lenherr zur Probstei in St. Peterzell. Ausstellungsbesprechung mit Roman Menzi. Hier wird vom 17. August bis zum 16. September der Vexer Verlag präsentiert. Das wird hoffentlich ein Fest. Wir feiern 27 Jahre Vexer Verlag.

30. März: 11.00 Meret Brauner doziert "Kuratieren" an der Höheren Fachschule für bildende Kunst in St. Gallen. Sie hat mich eingeladen, zwei Stunden über die Anfänge der Kunsthalle St. Gallen zu dozieren. Ich habe über die kulturelle Situation in den 80er Jahren geredet. Über die St. Galerie, die ich von 1979-1982 betrieben habe, die ersten Szenenausstellungen, das Engagement einer ganzen Künstlergeneration für mehr Kulturräume. Heute ist es unvorstellbar, dass das Kunstmuseum in St. Gallen von 1968 bis 1987 wegen Baufälligkeit geschlossen war. Eine Stadt, zwanzig Jahre ohne Kunstmuseum. Zwei Künstlergenerationen ohne institutionelle Unterstützung. Das wäre in der gegenwärtigen Diskussion, die Pius Knüsel mit angezettelt hat ein spannendes Thema für eine Feldstudie. Ja die Anfänge der Kunsthalle in St. Gallen, mit der ersten Ausstellung -  Balthasar Burkhard im Volksbad, den Videopräsentationen mit Ulrike Rosenbach, Filmen von Pezold, Tanz mit Christine Brodbeck... und dann die Zeit an der Wassergasse mit der ersten Ausstellung von Pippilotti Rist und Muda Mathis, den Präsentationen von Roman Signer, Sivia Bächli, Guido Nussbaum, Boris Nieslony, Katharina Sieverding, Patricia London Ante Paris usw. usw. Das war eine spannende Zeit in St.Gallen. Wir beackerten gemeinsam das kulturelle Brachland...

Anschliessend ein schönes Essen im Klassenraum. Bibi hat Huhn gekocht und Reis und Karotten und Zugetti und Kartoffeln - wunderbar.  

Am Abend die Eröffnung von meiner Tochter Vera Ida Müller in der Galerie Christian Röllin. Ich bin sehr beglückt. Berlin scheint der richtige Arbeitsort für Vera zu sein. Was im letzten halben Jahr unter erschwerten Umständen entstanden ist, finde ich einfach fantastisch.

28. März: Zwei grosse Bilder überarbeitet. Jetzt kommt alles gut. Flug für Wien bestellt. Ernst Hilger plant im April eine Ausstellung mit Malerei wo ich mit dabei bin.
Am Abend eine wunderbare Lesung mit Arno Camenisch in der Buchhandlung zur Rose in St.Gallen. Zuerst fand ich den Tonfall etwas aufgesetzt - "schlätzig". Nach einer gewissen Zeit wurde die Lesung rhytmischer und musikalischer. Die feinen textlichen "Rückgriffe" und kleine Wiederholungen liessen das Publikum durch das eigene Erinnern zu einem Teil der Textentwicklung werden. Ich bin gespannt wie die drei Bücher funktionieren wenn man sie selber liest. 

27. März: 5.30 Uhr aufstehen. Der Mammutbaum wird gesägt in der Sägerei Koller in Attelwil. Filmaufnahmen mit Sandra von donkyshot. Es ist kalt und laut. Das Singen der Sägen macht verquitschte Ohren. Der Kaffee von Bärbel wärmt die Seele. Beim Fällen des Baumes erzählte Sandra, dass sie einmal auf einem Bauernhof beim Schlachten einer Sau dabei gewesen sei. Nach dem Todesschuss sei die Sau auf einen Schlag nur noch Fleisch gewesen. Bei diesem Baum war es genau gleich. Ein Schnitt und der Baum wurde zu Holz. Und nun in dieser Sägerei relativieren sich die Dimensionen. Hier wird  jeder noch so grosse Baum sehr schnell sehr klein. Mich beeindruckt die Konzentration, die Ernsthaftigkeit und die Ruhe der Sägereiarbeiter inmitten dieser kreischenden Sägen. Eine interessante Geschäftsidee fällt mir ein: feine, kleine, rötliche Zahnstocher aus Mammutbaumholz, von Hand geschnitzt.

23. - 26. März: Holzen im Piemont. Am Abend Wiedersehn mit Vera. Sie baut ihre Ausstellung bei Christian Röllin auf.

22. März: Heute ist von Honoré de Balzac eingetroffen: Die derbdrolligen Geschichten in den Abteien der Touraine, gesammelt und ans Licht gebracht durch den edlen Herrn von Balzac zur besonderen Erbauung aller Pantagruelsfreunde und nicht für andere. Leipzig 1927. Die Illustrationen von Gustave Doré sind teilweise sehr skurriel.

21. März: Heute muss ich mir eine Sicherheitshose kaufen für Kettensägearbeiten aber vorher werde ich noch eine Ulme malen.

20. März: Konzeptarbeit für das geplante Künstlerbuch von und mit Bernard Tagwerker. Gespräch mit der Druckerei und mit Roland Stieger von TGG. Dieses Projekt wird spannend, da es die Möglichjkeiten einer neuen Offsetmaschiene total ausnützt. Eine Maschiene mit sechs Farbwerken, die schrittweise dazugeschaltet werden können.
Am Mittag ein Treffen mit Maren Brauner von der Kunsthalle. Sie ist Assistenzkuratorin von Giovanni Carmine und unterichtet "Kuratieren" an der höheren Fachschule für bildende Kunst der GBS in St. Gallen. Meine Aufgabe besteht darin, in einer Woche den Studierenden von den Anfängen der Kunsthalle zu erzählen, die 1985 gegründet wurde. All die Bilder kommen wieder hoch, die erste Ausstellung im Volksbad mit einer riesigen Fotoarbeit von Balthasar Burkhard und Vernissagemusik aus dem Gummikanu auf dem Wasser. Norbert Möslang und Ralph Hug spielten Saxophon. Dann das "Erobern" von leerstehenden Räumen für Kunstprojekte und die verzweifelte Suche nach etwas Geld.
Am Nachmittag finde ich das Buch "Tante Lisbeth" von Balzac im Briefkasten, vom Antiquariat pinkRus. In den nächsten Tagen werde ich von Balzac umgeben sein, wenn alles eintrifft, das ich bestellt habe.
Ich schlage das Buch auf und lese:"Herr Crevel!" schluchzte Madame Hulot in ihr Taschentuch, das bereits ganz tränenfeucht war. "Es ist genug! Schweigen Sie!"

19. März: Die Frösche in den Teichen sind heute ruhig. Wenn es kühler wird tauchen sie ab.

18. März: Beim lesen der NZZ am Sonntag spüre ich noch die Nachtschwere. Das Textverständnis lässt zu wünschen übrig. Am Nachmittag ein wunderschöner Spaziergang zum alten Rhein. Efeubewachsene Baumstämme im Sonntagslicht.

17. März: Rosen schneiden, Staubsaugen, Himmel malen und beim Kochen helfen. Heute Abend kommen Gäste. Ein bewährtes Grüppchen von Geburtstag feiernden. Zwischen durch lese ich Honoré de Balzac. "Das unbekannte Meisterwerk", mit Illustrationen von Pablo Picasso, neu erschienen in der Insel-Bücherei. Ein sensationelles Buch für 14.90. Grossartig!
Das Essen am Abend ist umwerfend. Dabei hilft auch der schwere Amarone.

16. März: Rosen schneiden, anschliessend Vorbereitungsgespräch mit Adrian Notz und Thomas Gehrig für die Fachkommission Bildende Kunst der GBS St. Gallen, deren Präsidium ich übernehmen soll.  Adrian zeigt uns ein beeindruckendes Filmchen auf seinem Handy, von einer Performance. Eine Studentin in Basel sagt vor Publikum sehr intensiv eine Stunde lang den Satz: "Was ist Kunst". Sie schreit sie haucht sie zischt diesen Satz bis sie komplet erschöpft und heiser ist. Heute erreichte ich nach einigen vergeblichen Versuchen Felix Droese. Ein gutes Gespräch. Ich bin gespannt auf seinen Beitrag und freue mich darauf.

15. März: Rosen schneiden und Himmel malen.

14. März: Seit langer Zeit wieder einmal mit Rolf Staeck aus Heidelberg gesprochen. Seit dem 3. Bitterfelder Kongress von 1992 habe ich ihn und meinen Hasen nicht mehr gesehen. Rolf hat damals eine kleine Skulptur von mir gekauft. Ein Holzhase mit Schockoladeohren, vor der Welt stehend.

13. März: Andreas Schwendener hat Filmaufnahmen gemacht von meiner Malaktion "Mammutbaum und Hirte", die am 7. März in meinem Atelier stattgefunden hat. Der Anlass wurde von der Universität St. Gallen organisiert im Rahmen der öffentlichen Vorlesungen.  Angeregt wurde die Aktion vom Musiker Rudolf Lutz. Andreas Schwendener hat diesen Film nun auf You Tube veröffentlicht. Hier der Link:

http://www.youtube.com/watch?v=0CmTy07ej7M

Um 15.15 treffe ich Sandra und Ahmed von www.donkeyshot.ch zu einer Besprechung des Aarauer Filmprojekts. Ich muss unbedingt Balsac lesen. In der grössten Buchhandlung der Stadt fand ich kein Buch von Balzac. Es scheint, dass dieser Bursche nicht mehr so gefragt ist...

Comédie
humaine

12. März: Ein dichter Tag. Am Abend Sitzung in Winterthur. Wir bestimmen die drei Künstler-Innen für die nächsten XYLON Zeitschriften. In der Altstadt hat es gebrannt. Undefinierter Rauchgeruch erzeugt bei mir immer ein angespanntes Körpergefühl.

11. März: Mineralienbörse in St. Gallen. Wir kaufen einen sehr grossen, wunderbaren Rutilrauchquarz aus Brasilien, (Zwillingsrutil) einen grossen Mocken Schwefelkristall für Vera, wegen der Farbe, einen sehr speziellen Calcit Doppelender mit Pyrit und Kupfer und für mich drei kleine Bergkristalle aus dem Tessin. Diese drei kleinen, sehr spitzen Kristalle scheinen eingraphierte Botschaften aus einem anderen Zeitraum in sich zu tragen. Die Transparenz dieser drei Kristalle ist wie frisches Eiswasser am Morgen.

10. März: 7.15 Uhr raus aus dem Bett. Das war eine kurze Nacht. Fünf Stunden Schlaf. Normalerweise brauche  ich acht bis neun Stunden Schlaf, aber die GV der XYLON Vereinigung beginnt um 9.00 in Winterthur. Im Zug treffe ich Ulrich im Bistro. Er gönnt sich ein grosses Frühstück. Wir sprechen über den Begriff Wutkäufer von Karl Marx oder Wutbesitzer? Ueli hat aus Wut über die Banken eine Eigentumswohnung gekauft. Im Restaurant Blume in Winterthur sind schon eine grosse Anzahl Xylonistinnen und Xylonisten versammelt zu Kaffee und Gipfeli. Es wird eine ausgesprochen anregende und engagierte GV. Der grosse Erfolg des Jubelbuches gibt etwas Spielraum für die Zukunft der Xylon Zeitschrift, die jetzt von der gleichen Arbeitsgruppe herausgegeben wird, die auch das Jubelbuch gemacht hat. Die Zusammenarbeit mit Eva Galizzi, Ernst Egli, René Fehr-Biscioni, Peter Emch und Kaspar Toggenburger ist für mich sehr angenehm und bereichernd.

Um 15.00 Uhr ist eine weitere Buchpräsentation vorbereitet im Gewerbemuseum Winterthur. Die Xylon Vereinigung hatte früher in diesem Haus regelmässig ihre internationalen Ausstellungen. Als 17 oder 18 jähriger besuchte ich erstmals eine Xylon Ausstellung. Zu Hause suchte ich sofort nach ein paar Brettern und machte meine ersten Holzschnitte. Adrian Künzi hällt eine kurze Rede und ich erzähle wie das Buch entstanden ist. Ich glaube wirklich an die Kraft von archaischen Drucktechniken, in einer Zeit der totalen Digitalisierung.
Beim anschliessenden Gespräch mit Markus Rigert, dem  Direktor des Museums wird mir klar, was für eine wunderbare, kleine Museale Seidenstrasse in der Schweiz existiert. Vom Museum für Gestaltung in Zürich, über das Gewerbemuseum in Winterthur zum Textilmuseum in St. Gallen. (Ich bin gespannt auf die Arbeit der neuen Direktorin Michaela Reichel im Textilmuseums in St. Gallen. Etwas Wiener Schmäh kann nicht schaden.

9. März: Ein Verlagsmorgen mit vielen Bestellungen des Dada Büchleins. Im St. Galler Tagblatt ist dazu ein Artikel von David Gazde erschienen. Viele schöne Rückmeldungen auf die Malaktion. Am Abend ein wunderbares Nachtessen, gute Gespräche und viel Heiterkeit mit Helen, Hansjörg, Meria, Monika und Christian. Ich fühle mich angekommen und aufgehoben in einem neuen Lebensabschnitt. Ich fühle mich seit einiger Zeit einer anderen Generation zugehörig.

8. März: Ein erfüllter, ruhiger Morgen. Gaston Isoz, hat mir letzthin ein schönes Buch geschickt. Er arbeitet als Gestalter in Berlin und ich überlege mir, das Buch "Wunschbrunnen" von Tamara Weibel mit ihm zu machen. Viele Mails erledigt. Dann koche ich für Sabin und Monika. Eigentlich wollte ich eine Pizza backen aber Sabin schreibt eine mail. Sie braucht heute Schonkost. Im letzten Moment stelle ich um auf Kartoffeln, die ich in Schnitze schneide, etwas Lauch, Selleriestangen, italienische Petersilie und einen grossen Broccoli. Ich koche das Gemüse mit etwas Salz im Dampf. Derweil bereite ich für Monika und mich einen einfachen Salat zu, mit diesem speziellen Cicorino (keine Ahnung wie man das schreibt). Der sieht ein bisschen aus wie ein grünes, zusammengewachsenes Bündel Chicorée, umrandet mit Löhwenzahnblättern. Diesen Salat zerreisse ich und schneide die grossen Stücke kreuz und quer. Ich rühre zwei Eier an mit etwas Milch und grobem Roggenmehl, gebe das Gemüse und den Guss in eine Gratinform. Etwas Kräutersalz, Pfeffer, und gemörserten Koreander drauf. Bevor ich jeweils den Gemüsegratin in den Ofen schiebe, schaue ich immer nach, was noch im Kühlschrank liegt. Ich finde ein Stück Feta, das ich auf zwei Drittel des Gemüses brocke. Sabin bekommt das nicht. Ein bisschen Muscat und dann ab in den heissen Ofen. Für den Salat liebe ich Olivenöl, weissen italienischen Balsamico, groben Senf und einen Löffel Birnell. Das verrühre ich zu einer sähmigen Sauce mit etwas Pfeffer und Salz.
Alles OK.
Um 15 Uhr erwarte ich Ramon Lenherr. Er bereitet eine Ausstellung vor zum 27 Jahr Jubiläum des Vexer Verlags. Ramon bringt die frisch gedruckten Kärtchen: "27=3 hoch 3 = Denkräume". Gemeinsam sichten wir alle Auflagenobjekte. Wir überlegen hin und hehr, ob wir für die Ausstellung ein grosses Sitzpodium oder eine doppelte Leesekabine bauen sollen...schon 18 Uhr.


 7. März: Dieser Tag war sehr anstrengend. In der Nacht (morgens um drei) habe ich die gemeinsame Aktion mit dem Musiker und Improvisator Rudolf Lutz durchgedacht. Er hat mich für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen eingeladen, die dann am Abend in meinem Atelier an der Haggenstrasse stattfinden sollte. Ich war fest entschlossen, an diesem Abend nur Geschichten aus meiner Jugend zum Thema Wahrnehmung zu erzählen und nicht zu malen. Malen vor Publikum ist für mich ein fast unvorstellbarer Akt. Trotzdem habe ich zugesagt, dass ich diesen Abend mache. Nun steh ich da und habe die Hosen voll. Getrichen voll.
Am morgen um 10 Uhr ein Interview im News, mit David Gadze. Er schreibt einen Text zum neuen Dada Buch für das St. Galler Tagblatt. Ich habe die Tendenz, wenn ich gefordert bin, alle Anfragen anzunehmen, um noch einmal einige Hacken schlagen zu können ...
Am Mittag Stühle schleppen für den Abend und letzte Vorbereitungen im Atelier. Monika half mir schon am Vorabend ein riesiges Stück Papier aufzuhängen (275 x 800). Ich konnte mich am Nachmittag überhaupt nicht konzentrieren. Ich hatte den totalen Bammel. Für Rudolf Lutz war es der dritte Auftritt in dieser Veranstaltungsreihe. Den ersten Abend bestritt er mit Hans Thomann, dann improvisierte er zur Arbeit von Floristinnen und nun bin ich an der Reihe. Den letzten Abend spielt er dann zusammen mit Gardi Hutter. Vor dem Clown kommt also der Affe.
Um 18 Uhr sind schon einige Leute da. Ich rechne so mit 20 Personen. Um 18.15 drängen sich schon 70 bis 80 Menschen in meinem Malatelier. Noch mehr Stühle - der Raum ist gerammelt voll. Ruedi Lutz macht eine kurze Einführung. Wir haben vorher darüber geredet, dass für einen Musiker das Auftreten vor Publikum das Normalste der Welt ist. Für mich als Maler ist das ganz anders. Ich suche im Normalfall die Stille, um mich konzentrieren zu können. Nun sitze ich auf meinem Stuhl und wage einen Blick ins Publikum. Erwartungsvoll schauen mich all diese Menschen an. 
Ein Adrenalinstoss - und schon stehe ich auf meinem Stuhl. Ich singe das Lied, das der Hansli vom Bürgerheim immer in den Beizen gesungen hat (für eine Flasche Bier). "Schwarz schwarz schwarz ist alles was ich habe, drum lieb ich was schwarz ist weil mein Vater Bürgermeister ist". Beim Hansli war es natürlich der Kaminfegermeister, nicht der Bürgermeister. (Der schwarze Bürgermeister ist mir spontan eingefallen) Ich erzählte dann die Geschichte von den Buchstaben in der ersten Klasse, die ich nicht sehen konnte. Die Lehrerin tippte auf einen imaginären Ort an der Tafel und die andern Kinder sagten: "Das ist ein H - oder das ist ein M, ein ÄSS, bis das ganze Alphabet durch war. Alle, die einen Buchstaben richtig sagen konnten, durften nach Hause gehen. Ich sass  bis zum Schluss da und hatte keine Ahnung was da ablief. Die Lehrerin dachte sicher: "Ach der arme Bub."
Dann folgte die Geschichte von mir als Hirte am Rhein, als ich Rinder und Kälber hüten musste.
Das Rheinvorland wurde ca. 1960 total abgeholtzt. Als Kindergärtler sah ich die tausenden von Wurzelstöcke, die wie eine riesige Mammutherde im sandigen Boden lagen. Ich erzählte, wie mein Vater mit dem Fahrrad, in einer Milchkanne eine Suppe mit Würstchen zum Weideplatz brachte. Er zog eine Wurst aus der Kanne und an der Wurst klebten all die Buchstaben der Buchstabensuppe. Das war eine sehr eindrückliche Skulptur. Ich wollte damals sofort Schriftsteller werden. Ich stellte mir all die geheimen Texte vor, die beim Durchschütteln der Suppe in der Milchkanne fortwährend geschrieben wurden. 
Nach dieser Erzählung setzte ich mich auf meinen Stuhl und wartete auf die Musik von Ruedi. Mir wurde schlagartig klar, dass ich keine Geschichten mehr erzählen konnte. Ich musste malen. Die Leute wollten das.

Das tat ich dann auch. Ich schrieb zuerst und malte dann ruhig und rythmisch mit der Musik, im Dunst von Leinöhl und Terpentin. Es war unglaublich. Ich hatte keine Distanz zum Bild, hinter meinem Rücken all die vielen Menschen, die Musik, der einsetzende Gesang, die sich langsam ausbreitende Körperwärme des Publikums. Ich fühlte mich getragen, aufgewärmt von einem überwältigenden, kollektieven "Heizkörper".

Ich glaube ich habe eine grosse Schwelle überschritten und meine Malhemmung abgelegt.

In verschiedenen Schichten entstand ein riesiger liegender Baumstamm. Ich werde einige Tage warten, bis ich diese Zeichnung richtig anschauen kann. Ich habe diese Aktion in einer Mail angekündigt als "Mammutbaum und Hirte", als Vorbereitung und Reflextion meiner geplanten Arbeit mit dem Aarauer Mammutbaum, der letzte Woche gefällt worden ist.

6. März: Ein strahlend blauer Himmel. Sonnenschein. Heute abend nehme ich ein Bad mit Wasser, das den ganzen Tag durch Solarenergie aufgewärmt wird. Das ist ein super gutes, feines Gefühl. Diese Investition hat sich gelohnt. Ich habe am Wochenende eine Wette abgeschlossen mit Monika. Sie sagte, dass  Beat Wismer im Kunst Palast Düsseldorf eine Goya Ausstellung vorbereite. Ich wettete, dass es eine Grünewald Ausstellung sei. Nun ist es aber eine El Greco Ausstellung. Monika behauptet nun sie habe recht gehabt. Sie hätte zwar Goya gesagt, aber El Greco gemeint. Nun ja, selbstverständlich haben wir beide recht, ich sagte zwar Grünewald, meine aber ganz klar El Greco. Voila! Die gute Flasche bleibt im Haus.

5. März 10.30 Uhr: Adrian Küenzi holt die letzten verkäuflichen Bücher vom sehr erfolgreichen XYLON JUBELDRUCK bei mir im Atelier ab, für die Buchpräsentation am 10. März, 15 Uhr im Gewerbemuseum Winterthur.
Ich muss heute alles vorbereiten für die öffentliche Vorlesungsreihe der Universität St. Gallen. In meinem Atelier an der Haggenstrasse 51 mache ich am 7. März eine gemeinsame Veranstaltung  mit Rudolf Lutz. Mein Arbeitstitel: "Mammutbaum und Hirte". Rudolf Lutz improvisiert und ich auch.

4. März: Ich wollte Monika den geräumten Platz beim Schlössli Aarau zeigen. Da wo der Erweiterungsbau für das Stadtmuseum gebaut wird. Nun steht an Stelle des gefällten Mammutbaumes ein grosses weisses Kreuz, beschriftet mit "Mammutbaum".  Am Boden stehen Kerzen. Ein richtiger Trauerplatz ist da eingerichtet worden. Anschliessend besuchen wir die Ausstellung von Roman Signer im Kunsthaus Aarau. Eine tolle Präsentation mit einer wunderbaren Raumabfolge. Als ich 1989 sämtliche Super 8 Filme von Roman Signer im Vexer Verlag als dreistündiges Videoband herausgegeben habe, wäre eine solch perfekte Installation gar nicht machbar gewesen. Die technische Entwicklung macht aus diesen Arbeiten etwas ganz Anderes. (Wenn man das vergleicht mit der Präsentation im Fojer des Kunsthauses Zürich in den 80er Jahrenden, als die original "Super 8 Wackelfilmchen" in kleinen Filmboxen vor sich hin ratterten. 
In der Ausstellung wird auch die Fotoserie mit "Verkaufsständchen" für Früchte und Gemüse und "Altärchen" für Verkehrsopfer am Strassenrand gezeigt.

3. März: Besuch in Baden. Wir steigen ab im Atrium Hotel Blume. Das Atrium ist wunderschön. Den Wunschbrunnen muss ich bei Gelegenheit noch fotografieren. Tamara Weibel hat einen wissenschaftlichen Text zum Thema geschrieben, den ich gerne mit meiner Arbeit für die Kantonalbank Filiale Bruggen bebildern und im Vexer Verlag veröffentlichen möchte. Das wird aber sicher Sommer.
Am Abend zu Besuch mit einem wunderbaren Essen von und bei Susanna Widmer, mit Christoph Gallio, Gabi Fuhrimann, Wiliam und Rolf Winnewisser. Ich habe selten so viel gelacht.

2. März 10.07:
Gute Nachrichten. Pro Helvetia bezahlt einen schönen Beitrag an das geplante Buch "Knabenmorgenblütenträume" von Monika Dillier, das Isabel Zürcher im Vexer Verlag herausgeben wird. Mit  Beiträgen von Andreas Cremonini, Birgit Kempker, Andrea Saemann, Chris Regn. Da freue ich mich drauf. Die Buchpremiere findet statt am 19. April bei Stampa in Basel.
Aus grossem Jubel heraus habe ich den ganzen Morgen an einem Himmel gemalt. Der Himmel ist von Peter Liechtis Wohnung im Bierli herausfotografiert, vor einem wunderbaren Abendessen im letzten Herbst.

1. März, 23.10 Uhr:
Alles ist OK. Der Mammutbaum liegt in der Sägerei und die Eröffnung der Dada Ausstellung in Zürich war auch sehr interessant.
Das neue Vexer Buch mit Dada Poesie mit dem schlichten Titel "Modul BMK-BMK-11H-IN-PRFO-01" ist sehr schön geworden.
24.07 Uhr: Ich sitze jetzt schon länger am PC und versuche meine Stimmungen und Eindrücke zu sammeln. Ich hole mir ein Glas Wein und versuche einiges zu klären. Ich war gestern in Aarau. Die Vorbereitungen für die Fällaktion des Mammutbaumes waren sehr gut vorbereitet. Alle waren da. Die da waren,  waren Martin und Bärbel und Sandra und Achmed und der Tonmeister. Aber auch Kaba vom Stadtmuseum, alle Facharbeiter vom Forstamt und viele andere die ich nicht kannte und ich war auch da. Ja da wurden dann um 13.15 Uhr (auf die Minute genau)  die Abschrankungsgitter platziert. Auf alle Fälle und zur Sicherheit. Allsbald wurden die untersten Äste des Baumes bis auf ca. 15 Meter hinauf  abgesägt. Der Baum sah nicht mehr sehr vorteilhaft aus. Es wurden Begriffe genannt wie: gerupftes Huhn, WC Besen, Zahnstocher mit was dran usw. , und auch Bemerkungen wie: "jetzt sieht er aber gar nicht mehr schön aus" oder "am Morgen hat es mich noch gereut dass der gefällt wird, aber jetzt ist die Aussicht um einiges besser - oder "Scheisse! jetzt hauen die den Baum um." Ja es war ein starkes Bild. Ein 130 jähriger Baum, den "Unterleib" entblösst. Für mich gab es aber keinen Moment der Peinlichkeit gegenüber dem Baum. Da muss ich betonen, dass ich am Morgen früh, bevor ich nach Aarau gefahren bin, das Gespräch gesucht habe zu diesem 130 jährigen Baum. In diesem persönlichen Kontakt mit dem Baum versuchte ich ihm klar zu machen, dass es bei dieser Fällaktion nicht um einen böswilligen Zerstörungsakt geht. Ich kam in einen Zusatand hinein, in dem ich fast den Baum vergass, fast den Zug verpasste und auch nicht bemerkte dass die liebe Monika schon längst zur Arbeit gegangen war. Der Mammutbaum hat aufmerksam zugehört und hat alles verstanden.
Mein rechtes Augenlied zittert leicht. Eigentlich ist das ein Zeichen , endlich schlafen zu gehen. Aber - es gibt so viel zu berichten.
der Mittwoch war ein himmelblauer Tag. Endlich  Sonne nach einer langen, sehr  kalten und grauen Winterzeit. Ich hatte das Gefühl, dass der Baum sich auf einen riesigen, frühlingshaften ersten Schluck des frisch aufgetauten, eiskalten Frostwassers eingestellt hatte. Und nun diese Aufregung. Absperrungen, Kettensägen, Helme, Kameras, kreisende Krähen usw. Aber der Baum zeigte sich von seiner elegantesten Seite.
Um 16.00 musste ich gehen. Möglichst schnell nach Zürich ins Cabaret Volaire, zur feierlichen Übergabe das Buches: Modul BMK - 11H - Int - PRFO - 01" an die  Studierenden der ZHDK.
All die Bücher für die Studierenden zog ich in einem Rollkoffer zum Cabaret. Im Niederdorf versuchte ich ganz höfeli und langsam am Koffer zu ziehen, damit der Krach, dieses unmögliche Geräusch des ploppernden Koffers nicht stört.
Ich war dann so durcheinander, dass ich bei meiner kurzen Einführung Ernst Hemingway mit Hermann Hesse verwechselte. Pardong den Erben! Dabei wollte ich ja nur das Buch von Eveline Hasler empfehlen.

Dann schnell wider nach Aarau zum Znacht. Ein guter Abend mit dem Filmteam Sandra und Achmed und den Gastgebern Bärbel und Martin. (Frühlingssalat, Pasta mit Ruccola und Speckwürfeli, Wein aus der Toscana, sehr schöne Stimmung)

29. Februar, 10.00:
Heute Nachmittag beginnen die Vorbereitungen für die Baumfällaktion in Aarau. Der  Mammutbaum wird zu Brettern gesägt. Das Holz verwende ich für Reliefs, die in Beton gegossen werden für die Fassade des Neubaus von Diener&Diener. Um 17 Uhr feierliche Übergabe des Buches "Dada Modul" im Cabaret Voltaire an die beteiligten Studierenden der ZHDK. Das gibt einen dichten Tag. Ich freue mich.

27. Februar, 22.30:
Martin Steinmann hat angerufen. Die Sanierung und Erneuerung des Stadtmuseums Aarau ist heute Abend vom Einwohnerrat der Stadt Aarau bestätigt worden. Die SVP war trotz einer klaren Volksmehrheit geschlossen dagegen und will weitere Kulturprojekte kompromisslos verhindern. Vor drei Jahren hat mich Roger Diener angefragt ob ich interessiert wäre, die Fassade des neuen Gebäudes zu gestalten. Jetzt geht es an die Realisierung. Hodleriho...Holderi-oh...

27. Februar 19.27:
Heute den ganzen Tag Dada Poesie verpackt und verschickt. Wer noch ein nummeriertes Dadamodul will muss sich beeilen. Heute Abend gibts Gerstensuppe, Käse Brot und Wein mit unseren lieben Nachbarn Ruth und HerrMann. Ihre Katze Tiger muss zu Hause bleiben. (Tieger kriegt Trockenfutter)
Jetzt fällt mir wieder ein was ich in Berlin gegessen habe. Das ist ein richtiges Esswortspiel. Ich verwechsle nämlich immer ähnlich klingende Begriffe und Namen wie Goldach und Gossau, Nanne und Nina oder Biene und Maia, Amriswil und Abderhalden usw. Also in Berlin habe ich als Vorspeise Oktopus gewählt und als Hauptspeise ass ich dann Ossobucco. Octopus und Ossobucco war super zu essen aber sehr schwierig richtig auszusprechen und sprachlich nicht zu verwecheln.

26. Februar:
Gestern Samstag habe ich nach Jahren Nanne Meyer wieder einmal getroffen anlässlich ihrer Eröffnung in der Galerie & Edition Marlene Frei in Zürich. Ausstellungstitel: "Reste der Welt". Ich war schon vor der Ausstellung sehr begeistert von einer Zeichnung mit dem Titel "Kurator" von 2011. Ein gelbgrüner, schwarz gefleckter Hund sitzt da, gegen rechts schauend. Dieser Hund ist als Kurator bezeichnet. Mit offenen, nach oben gereckten Ohren hört er alles. Der Hund wirkt, wie wenn er gleich zu einem kurzen aber kräftigen Durchschnuppern ansetzen würde. Gleichzeitig scheint er sehr interessiert und konzentriert ein Werk ausserhalb des Bildes zu betrachten. Hinter dem Hund liegt eine Kugel - die Welt frisch geschissen und in alle Richtungen versplitternd. Der Hund trägt ein Halsband mit dem Wichtigkeitsverzeichnis. Abgetrennt vom "Kurator" liegt sein Schwanz, der als Künstler beschriftet ist.
Nachher Nachtessen im EXER (Was für ein Zufall dass Herr und Frau VEXER im Restaurant EXER dinieren) Der Max Wexler war auch im EXER und viele andere interessante Gäste mit schönen Namen. Der Grossneffe von Nanne, der Klaus ist Hirnforscher und weiss von jedem Getier bis hinunter zu den Hunden und Insekten, warum die schnell fliegen, wenig fressen, gut riechen oder was auch immer usw. - etc.  weil er eben ein Hirnforscher ist. Seine reizende Lebensgefährtin die Sina aus Indien ist Neurologin, weiss auch sehr viel, kocht gut und sieht auch noch toll aus. Ich habe ihr erklärt, wie ich das mit dem Hirn sehe, dass das Denken sich nämlich wie Wasser verhalte, einfach immer den geringsten Widerstand wähle. Das Tolle am Fluss der Gedankenströme sei aber, dass im Hirn genau wie auf dieser Kugel Erde alles in alle Richtungen fliessen könne, eben wegen der Rundung. Ja na, dem Wexler Max war im Exer der Wein zu teuer und dem Vexer war der Abend fast zu kurz, weil da nämlich schon der Zug im HB bereit stand. Ganz kurz noch mit Lis Mjinssen und Felix Philipp Ingold und seiner Freundin ein paar Sätze ausgetauscht. Mit Christoph Gallio und Susanna reden wir dann am nächsten Samstag mehr. Mit Stefan Kunz und Max und Monika schnellstens zum Bahnhof. Beim Tramfahren hat mir der Stefan gesagt, dass ich vor Jahren gesagt hätte, dass die Gründung der Kunsthalle St. Gallen von grösster Bedeutung sei, denn Basel, Zürich, Bern und Luzern seien viel Erdbeben gefährdeter als St. Gallen. Wenn eine Kunsthalle verschont bleibe vom grossen Beben sei das eben St. Gallen. Ja die Abende sind einfach zu kurz.

25. Februar, 10.10:
Heute nummeriere ich die fünfhundert DADA MODULE. Ich liebe es, jedes einzelne Buch in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen und die richtige Zahl hinein zu schreiben, was gar nicht so einfach ist. Man kommt leicht ins Stocken, - 187, 188, 189 ... oder war das die 198? Das Buch aufgeschlagen auf Seite 107. Da steht doch wirklich: "ICH MÖCHTE EIN STEIN SEIN" von Valéri Voeten. Ist doch grossartig - oder?

24. Februar:
MODUL DADA  ist DA! - die Bücher sind endlich eingetroffen. Druckfrische Bücherstapel machen mich so glücklich. Diese Bücher riechen etwas nach Mehl und Olivenöl. Es muss das Papier sein. Munkenprint riecht gut. Das nächste Projekt ist auch auf gutem Wege. Die Göhner Stiftung hat soeben einen Beitrag an das geplante Buch von Monika Dillier gesprochen. Titel: KNABENMORGENBLÜTHENTRÄUME. Wenn nun auch noch Pro Helvetia ja sagt kann gedruckt werden.
Vera hat gut verhandelt in Berlin.

23. Februar:
Habe heute die traurige Nachricht erhalten, dass die Malerin Leta Peer gestorben ist.  Ich werde versuchen am Himmel weiter zu malen. 

22. Februar:
Schneller Kaffee und schnelle Brötchen zum Frühstück nebenan an der Boxhagenerstrasse, ein Taxi zum Flughafen und dann warten, der Flug ist verspätet. Wir treffen um 14.15 in St. Gallen ein. Zu Hause fühlen wir uns wie bei der Ankunft in einem Ferienhaus. Erledigen der Post, dann schneller Abgang zurück nach Zürich zur Buchpräsentation in der Grafischen Sammlung der ETH. Paul Tanner hat uns eingeladen, Das XYLON JUBELBUCH und die Xylon Zeitschrift vorzustellen. Viele bekannte Menschen, gute Gespräche. Daniel Meile überrascht mich und stellt mir seine Freundin vor, Liv Kriesi und Felix Roth und Luzzi Rageth mit Freiherr von Gamm, Monika Dillier und Prof. Wolfram und einige Sammler, die alte Sachen signiert haben möchten und das in Zürich. Peter Emch präsentiert die Zeitschriften von Adrian Küenzi, Katharina Henking und Sebastian Uzni. Ich erzähle über die Entstehung des XYLON Jubelbuches. 200 Holzschnitte von 50 KünstlerInnen. Alles super gelaufen. Wieder sieben Bücher weg. Wer noch eins will muss sich beeilen. (Das ist wiklich sensationell, drei Monate nach Erscheinen des Buches sind die fünfhundert Exemplare praktisch weg)

21. Februar:
Vera hat vor ein paar Tagen den Bescheid bekommen, dass sie aus dem provisorischen Atelier auf der 4. Etage in ein anderes Provisorium im Nebengebäude umziehen muss. Wir helfen heute, die Bilder zu verpacken und zu transportieren. Das Treppenhaus ist wie für die  Bilder gebaut. Wenn die Formate zehn Zentimeter grösser gewesen wären hätten wir keine Chance gehabt.
Anschliessend zeigt uns Vera die Baustelle ihres Traumateliers am Mehringdamm.  Anschliessend ein schnelles Pils in einer Raucherkneipe und dann etwas verspätet treffen wir Beate Günther und Tobias Hauser an der Olauerstrasse. Beate hat umwerfende neue Bilder gemalt und die ersten Broncegüsse ihrer "Farbrestskulpturen" bei Noack gegossen. Die Güsse sind sensationell. Eingemalte und eingegossene, dichte Zeitgeschichte. Ein umspannendes, künstlerisches Netzwerk hält das Wesentliche zusammen. 
Anschliessend grosses Wienerschnitzel vom Kalb in der Nähe der U-Bahn Görlitzebahnhof.
Erst beim Rausgehen bemerke ich Leiko Jkemura und Philipp von Matt.

20. Februar:
Schönes Frühstück beim Hamburger Bahnhof gemeinsam mit Vera. Die Ausstellung von Tomás Saraceno. Cloud Cities ist ein begehrter Rummelplatz für Familien mit Kindern. In der Ausstellung der "Toten" von Hanspeter Feldnmann treffen wir Otto Heigold und seine Rosmarie (quiklebendig).
Anschliessend Besuch des Naturkundemuseums. Wir schauen uns stundenlang Steine an. Als starken Abschluss: der neue Raum von Diener & Diener, angefüllt bis zur Decke mit in Formaldehyd eingelegtem Getier. Eine Wucht.
Fulminantes Essen bei Sarah Wiener. Sechs Gänge mit Weinbegleitung. Ein kleiner Zwischengang bestand aus einer Kartoffelknödelscheibe mit vermantschtem Ossobucozentrum in einer Milchschaumsauce. Das Ganze sah aus wie ein Markbein eines jungen Kalbes. Meine spontane Beschreibung: "Man fühlt sich wie das Kalb auf der Wiese, an einem Estragonzweig kauend. Gleichzeitig beisst man in das Bein des Kalbeskamarädleins, das gerade eine Kartoffel vermantscht, schwelgend in der Erinnerung an den ersten Milchschoppen, als Abgewöhnung von der Kuhbrust gedacht".

19. Februar:
Als ich 1991 als Gast des daad für ein Jahr in Berlin lebte, im Nebenhaus von Bethanien, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal einen schönen Weisswein in einer Wohnung an der Karl Marx Allee trinken würde. Die Mauer war damals zwar offen aber zum grössten Teil noch real da, auch in den Köpfen. Nun sind wir beim Apéro bei Vera, in einer "Volkswohnung" an der einstigen Paradestrasse. Vera wohnt hier vorübergehend mit einer Freundin, zusammen mit zwei Katzen. Zum Apéro kommen der Landschaftsarchitekt Tilo, die Architekten Stefan und Monika aus Winterthur, mit der reizenden Luzia (9 Monate) und die Mitbewohnerin Edith.  Später spazieren wir zu acht mit Kinderwagen zum Alexanderplatz - wie eine Grossfamilie in Palermo.

18. Februar:
Nach dem Besuch der Alten Natianalgalerie fühle ich mich malerisch plattgewalzt. Die grauen Bilder von Gerhard Richter im grauen Saal an Drähten aufgehängt, leicht schräg. Eigentlich dachte ich diese Art der Hängung sei schon seit Jahrzehnten überwunden. Trotzdem - der "Zyklus 18. Oktober 1977"  ist sehr berührend. Die Bemerkung von Monika, dass in der alten Nationalgalerie alle dargestellten Menschen und alle Künstler schon längst tod sind hat mich umgehauen. Der einzige Maler in diesem Haus der noch lebt ist Gerhard Richter.(Malerinnen gibt es glaube ich gar keine an diesem Ort)

17. Februar:
Angekommen in Berlin. Taxifahrt zur Boxhagenerstrasse. Tolle kleine Wohnung im 4. Stock gemietet. Keine Zeit vertrödeln - zu Fuss Richtung Alexanderplatz. Fischsuppe bei einem Spanier. Um 17 Uhr wollen wir Vera treffen in ihrem provisorischen Atelier in einem seit 10 Jahren leerstehenden Neubau, Next Malzfabrik. Eine wild überbaute Gegend beim Südkreuz. IKEA weist den Weg. Finden den Eingang nicht. Auf der 4. Etage oben links arbeitet Vera seit September in diesem komplett leeren Gebäude. Nebst all dem organisatorischen Alltagskram und der aufwändigen Neuorientierung hat sie noch gemalt. Bewundernswert!

16. Februar 17.30:
Eigentlich sollte ich meine Sachen zusammenpacken. Wir fliegen nach Berlin. Ich habe heute Nachmittag an meinem Himmel weitergemalt - der war vorher um einiges schöner. Mit meiner Malerei ist es wie mit dem Wetter. Gestern habe ich alle Bücher aus dem Vexer Verlag ausgelegt für Ramon Lenherr. Er ist verantwortlich für die Verlagspräsentation in der Probstei St. Peterszell. Die Eröffnung findet am 17.August 2012 statt. Das ist schon sehr speziell, was da in 27 Jahren an Publikationen zusammen gekommen ist.

13. Februar 15.17 Uhr:
Oliver Stäudlin hat uns heute besucht und bei Suppe und Brot über Leipzig erzählt. Wir haben über das XYLON Jubelbuch, über den Lubock Verlag und den kleinen SALZ Verlag geredet. Die Bemühungen, original graphische Druckerzeugnisse unter die Leute zu bringen scheint ein Bedürfnis zu sein. Jetzt bin ich total ausser Atem, den alten Volvo von Oli die gefrorene Rampe rauf schieben war gar nicht so einfach bei diesem vielen Schnee.

10. Februar 2012:
Unbedingt die Kunsthalle in St.Gallen besuchen. Im Foyer wird der Mark Pezinger Verlag präsentiert. Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten. Meine Bibliothek ist um einige Titel  gewachsen. www.markpezinger.de
Und nach der Kunsthalle das Museum besuchen! Silvia Bächli schauen.

9. Februar: 2012
Habe heute einen Himmel gemalt und verkehrt aufgehängt. Nun steht die Welt  Kopf und niemand hats bemerkt.

7. Februar 2012:
Banker sind die wahren Künstler. Nach dem Verkauf von Wegelin an Raiffeisen wurde über Nacht der Bankname Notenstein kreiert. Pirmin Vinzenz überlegt sich schon wie die Bank Julius Bär genannt werden könnte... Für mich ist klar, nach Notenstein folgt Frankenstein.

copyright: Josef Felix Müller und Vexer Verlag

 

 

31. Dezember: Silvesterfeier bei Eveline und Ralph mit Eri, Monika und mir. Vollmundig und Vollmondig - wunderbar. Das neue Jahr kann eigentlich nur besser werden - oder?

Donnerstag 24. Dezember: Zusammen mit Vanja und Thomas genossen wir einen sehr schönen Weihnachtsabend. Als Vorspeise servierten wir draussen, am wärmenden Feuer die von Thomas kreierte Karotten Orangensuppe, serviert mit Hefedampfbrötchen, gefüllt mit karamellisierten Zwiebeln, Spinatsalat mit Datteln, gerösteten Mandeln und Fladenbrot.  Ich habe dabei an unserer geschützten Feuerstelle einen wunderbaren Lammgigot am Drehspiess gebraten mit einer Schawarma Marinade nach Ottolenghi. Dazu servierten wir dann im Wohnzimmer Süsskartoffeln aus eigener Ernte - aus dem Backofen mit Balsamico-Dressing. 

Dessert konnten wir beim besten Willen dann leider nicht mehr....

Dienstag 22. Dezember: Heute traf ich zusammen mit Monika Corinne Schatz. Wir arbeiten intensiv an unserem Digitalen Archiv über den Vexer Verlag. Corinne wird einen Text zur Verlagsgeschichte schreiben. 

Montag 21. Dezember 2020: Ich bin zur Zeit mit einer interessanten Projektgruppe in Kontakt, um ein neues transformatives Förderprojekt für Kulturschaffende zu entwickeln. Ich bin gespannt wo das hinführen wird. Die ersten virtuellen Treffen waren sehr vielversprechend.

Am Abend verbrachten wir eine sehr schöne Zeit mit Freunden am Bodensee. Nachbarn von uns machen am Abend der Sonnenwende immer ein grosses Feuer am See, mit eingesammeltem Schwemmholz. Trotz dem einsetzenden Regen war es wunderschön. Edi hat auf einer kleinen Feuerstelle Polenta gekocht. 

Samstag 19. Dezember: Heute Nachmittag sind wir zu Fuss in die Stadt spaziert um die aktuellen Ausstellungen im Kunstmuseum zu besuchen. Ich war sehr gespannt auf die Ausstellung "Welt am Draht". Es herrschte eine gespenstische Leere im Haus. Der historische Film von Peter Liechti "Kick that Habith" mit den Musikern Norbert Möslang und Andy Guhl hat mich einmal mehr sehr berührt. Vor allem das Konzert Draht, das 1987 in der Grabenhalle stattgefunden hat ist für mich immer noch etwas vom beeindruckendsten des Musiker - Duos aus dieser Zeit. Wir haben damals die Edition DRAHT im Vexer Verlag herausgegeben mit einer Tonband - Kassette des Konzerts und einem Begleitheft. Ralph Hug hat den Text geschrieben und Thomas Peretti machte die Fotodokumentation.  

Nach der Ausstellung spazierten wir wieder nach Hause und entdeckten dabei im Osten ein für uns total unbekanntes Stadtgebiet hinter der Oststrasse. 

Freitag 18. Dezember: Am Nachmittag besuchte ich zusammen mit Monika die Ausstellung in der Kunsthalle St. Gallen. Katalin Deér und Jiri Makovek zeigen sehr überzeugende, starke Fotoarbeiten. Caroline Ann Baur und Vanessa Heer präsentieren im kleinen Kabinett eine Sound Installation und im hintersten Raum wird ein kleiner Teil des Kunsthallen Archivs präsentiert. Es bleibt ein Rätsel, was alles in den vielen aufgestapelten Kartonschachteln verborgen bleibt, die von Giovanni Carmine aufgefüllt wurden. Giovanni ist nun seit 2007 Direktor der Kunsthalle. Er hat es geschafft, in dieser langen Zeit nur gerade eine einzige Einzelausstellung mit einem Ostschweizer Künstler zu präsentieren. Der Glückliche war Beni Bischoff. Seit Jahren vermisse ich regelmässige Präsentationen von Kulturschaffenden aus der Region. Es scheint systemisch bedingt zu sein, dass nun genau diese Ausstellung mit regionalen Kunstschaffenden nach einer Woche wieder geschlossen werden muss. Als wir 1985 den Verein Kunsthalle St. Gallen gründeten war es uns ein grosses Anliegen, regionale, nationale und internationale Kunst im Dialog zu präsentieren.

Die Ausstellung von Leila Bock  im geilen Block in Arbon in diesem Sommer hat aufgezeigt, dass in unserer Region sehr viele Künstlerinnen und Künstler auf einem sehr hohen Niveau arbeiten, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen.

Uns war es aber auch ein Anliegen, dass die Kunsthalle ein Experimentierfeld bietet für junge Kuratorinnen und Kuratoren. Wir haben darum die Wirkungszeit der Kurator*innen bewusst auf sechs Jahre beschränkt.  

Dienstag 15. Dezember: Ich muss dauernd meine Agenda bereinigen. Es gibt so viele Anlässe, die abgesagt werde müssen. Morgen wäre ein Treffen mit der Parlamentarischen "Kulturgruppe" in Bern geplant gewesen. Nun nutze ich die Zeit, um mit kulturinteressierten Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu telefonieren und zu korrespondieren. Es freut mich sehr, dass das Verständnis für die sehr schwierige Lage der Kulturschaffenden aus allen Sparten in der Politik quer durch alle Parteien erstaunlich gross ist. 

Was mich im Moment am meisten ärgert ist die Tatsache, dass viele grosse Institutionen sehr viel Geld in ihre Reserven transformieren. Das Stadttheater St. Gallen macht zum Beispiel eine Rückstellung von 3 Millionen Franken mit Kulturgeldern, die nicht ausgegeben werden konnten. Ich bin der Meinung, dass ein grosser Teil dieses Geldes an die Kulturschaffenden ausbezahlt werden müsste, deren Vorstellungen wegen Cporona abgesagt worden sind. 

Montag 14. Dezember 2020: Ich bin heute morgen früh aufgestanden. Ich muss wieder einmal mit dem Zug nach Zürich fahren. Im Moment ist das nicht sehr angenehm. Die Menschen sind verunsichert und die Stimmung hinter ihren Masken ist schlecht einschätzbar. Ich fahre nach Zürich um die Baustelle zu besichtigen, wo meine Kunst am Bau - Arbeit nach mehr als vier Jahren Planungs- und Ausführungszeit endlich fertiggestellt ist. Die Eröffnung wird hoffentlich im nächsten Sommer stattfinden können. Die "Brise soleil" ist nun mein grösstes "Aquarell" bestehend aus: "Wasser - Farbe - Licht" am Zürichsee. Das Treffen war sehr - sehr angenehm. Ich bin sicher, dass dieser renovierte Baukomplex zu einem neu zu entdeckenden, kulturellen Glanzlicht in Zürich wird. 

Eigentlich hatte ich geplant von Zürich aus direkt nach Luzern zu fahren für eine Buchbesprechnung. Wir planen ein Buch über die legendäre, seit 50 Jahren bestehende Kulturplattform APROPOS, die der kürzlich verstorbene Ruedi Schill 1970 gegründet hat. Eine sehr spannende, nicht kommerzielle Institution.

Die Sitzung machen wir nun über eine Internetplattform und ich fahre darum sofort nach St. Gallen zurück.

Samstag 12. Dezember: Heute war die Jahresversammlung von Visarte Graubünden im grossen Saal im Hotel Masöl in Chur geplant. Ich habe mich sehr auf diesen Anlass gefreut. Wegen Corona musste alles abgesagt werden. Schade. Die Bündner machen das immer sehr gut und kombinieren die Versammlung mit der Eröffnung der Jahresausstellung im Kunstmuseum. 

Donnerstag 10. Dezember: Monika und ich feiern unsere Geburtstage. Ich bekomme ab heute mein bedingungsloses Grundeinkommen. Ein merkwürdiges aber würdiges Ereignis. Am Abend haben wir zusammen mit Vanja ein wunderbares Essen genossen an der Engelgasse in der Sauceria. Ihr Mitbewohner Thomas kocht dort. Er wurde uns vom Chef als Pasta-Kkönig des Hauses vorgestellt. Ein wunderbarer Abend. Geniessend altern ist etwas wunderbares. 

Mittwoch 9. Dezember: Um 7.30 Uhr war schon der Elektromonteur im haus. Es gibt Lichttechnisch im ganzen Haus einiges zu optimieren.

Am Mittag bin ich mit der Bahn nach Appenzell gefahren. Monika wartete beim Bahnhof auf mich. Gemeinsam fuhren wir dann über die Schwägalp nach Nesslau - Krummenau. Die Fahrt war ziemlich abenteuerlich. Es hat stark geschneit und die Passstrasse war nicht sehr einfach zu befahren. Zum Glück ist aber alles gut gegangen. Wir besuchten die Schmiedin Eveline Kesseli in ihrer Werkstatt. Sie hat für mich einige Schmiedeproben ausgeführt für ein Kunst am Bau Projekt. Nun wollte ich die geschmiedeten Metallteile abholen. Geschmiedetes Metall hat einen ganz anderen, intensieferen Klang wie normales Eisen. Die Teile scheinen richtig aufgeladen zu sein durch die Hammerschläge der beeindruckenden Schmiedin. Ich denke die Eisenteile werden nun zu einem Bestandteil meines geplanten Schlagzeugs. 

Dienstag 8. Dezember: Im Moment werden uns täglich neue Buchprojekte angeboten. Es ist paradox. In der Schweiz gibt es fast keine auf Kunst spezialisierten Buchhandlungen mehr und alle Künstler*innen wollen Bücher herausgeben. Als Kunstbuchverlag fühlen wir uns natürlich geehrt aber jede Woche zwei neue Bücher verlegen können wir nicht...

Am Abend waren wir bei Anita Zimmermann zu einem wunderbaren Kaninchenessen eingeladen. 

Montag 7. Dezember: Heute hatte ich eine Zoomsitzung, ein Interview mit Lisa Steinke zum Thema Bildschulen in der Schweiz. Es war ganz spannend. In St. Gallen kenne ich die Kleine Kunstschule. Die sind sehr aktiv und erfolgreich. Die grosse Frage ist, wie sich diese Schulen besser vernetzen können und wie auch mehr öffentliche Gelder generiert werden könnten.

Sonntag 6. Dezember: Heute Morgen besuchten wir die Ausstellung von Guido von Stürler in der Galerie Bleisch in Arbon. Guido hat eine sehr beeindruckende Ausstellung mit neuen Fotoarbeiten und Objekten aufgebaut und Corinne Schatz führte ein Künstlergespräch mit Guido.  

Samstag 5. Dezember: An diesem Wochenende hätte ein kleine Buchmesse stattfinden sollen im Untervogthaus in Männedorf. Thomas Howeg hat das geplant und viele Kleinverlage aus verschiedenen Sparten dazu eingeladen. Vorgesehen waren Buchpräsentationen, Lesungen, Gespräche etc. Ich habe mich schon auf ein Eisschwimmen im Zürichsee gefreut. Daraus wird nun wieder nichts. Ich lasse mir ein kaltes Bad einlaufen und mache mir einen Eistee. In diesem Jahr konnten wir mit dem Vexer Verlag nur bei der Buchmesse "I never read" im Schaulager in Basel teilnehmen. Alle anderen Messen in der Schweiz und in Europa wurden abgesagt. Ich bin gespannt wie das im nächsten Jahr aussieht. Für viele Kleinverlage ist das eine riesige Katastrophe. Wir haben das Glück, dass wir Anfang Jahr ein grosses Projekt gestartet haben. Wir arbeiten an einem digitalen Archiv für den Vexer Verlag. Nach 35 Jahren Verlagsarbeit wollen wir alle Titel digital dokumentieren. Das beinhaltet eine neue Webseite für das Archiv, einen Webshop, und einen Gesamtkatalog aller Publikationen, der dann jährlich ergänzt werden kann. Ein riesiges Projekt, das zum Glück von vielen Kulturstiftungen unterstützt wird. 

Freitag 4. Dezember: Heute hatte ich eine spannende Zoomsitzung mit der Alltagagentur. Transformative Projekte sind gefragt für neue Formen der Kulturvermittlung. Wie kann Kultur vermittelt werden, wenn alle Institutionen geschlossen sind? Corona zwingt uns zur Entwicklung von neuen Plattformen im Kulturbereich. 

Donnerstag 3. Dezember: In unserer Nachbarschaft wird gebaut. Das ganze Quartier ist in Aufregung. Eine riesige Baustelle, viel Lastwagenverkehr und Lärm. Am Mittag wollten Monika und ich losfahren zur Körpertherapie. Es war aber kein Durchkommen mit dem Auto. Bei der Baustelle wurde ein riesiger Kran montiert. Alles war versperrt. Ich habe viele Fotos gemacht von den Monteuren, die in schwindelerregender Höhe die Kranteile zusammengebaut haben. 

Mittwoch 2. Dezember: Monika hat sich in den letzten Tagen sehr viel mit Vera ausgetauscht. Vera hat eine präzise Anleitung geschrieben, wie ihre Installation im Hiltipold aufgebaut werden muss. Ich habe gestern die feinen Holzleisten auf das festgelegte Mass zugesägt und mit schwarzer Gouache bemalt und auch weissen Faden schwarz eingefärbt.  ich bin gespannt wie sich das alles zusammenfügt. Vera kann ja im Moment nicht in die Schweiz reisen wegen allen Quarantänevorschriften. Sie muss also Arbeiten delegieren. das ist ein spannender Prozess. Sie denkt sich ein Kunstwerk, eine Installation und beschreibt sie, dass alles in ihrem Sinne präzise aufgebaut werden kann.

Das ist mehr als Farbenmischen. Gell. 

Am Morgen hatte ich eine intensive Projektbesprechung mit der Grafikerin Julia und mit der Performerin Thalaya. Es ist viel in Bewegung.

Dienstag 1. Dezember 2020: Heute Morgen hatte ich zusammen mit Regine Helbling, unserer Geschäftsführerin von Visarte Schweiz eine lange Diskussion über Skype mit Vertreterinnen vom Bundesamt für Kultur. Die Bildübertragung hat leider nicht funktioniert. Wir haben dann einfach diskutiert und uns gegenseitig informiert ohne uns zu sehen. Ich glaube man kann in der jetzigen Zeit feststellen, dass die Anliegen von Kulturschaffenden auf politischer Ebene wirklich gehört werden. Das ist eine ganz tolle Tatsache.

Sonntag 29. November: Am Morgen sind wir nach Arbon gefahren zur Ausstellung von Guido von Stürler in der Galerie Bleisch. Die Ausstellung in diesen wunderbaren Räumen ist eindrücklich. Corinne Schatz hat an diesem Anlass ein langes Gespräch mit Guido geführt. Die digital umgewandelten und collagierten Stillleben haben uns sehr gefallen. Wir werden zu Hause sofort die Küche ausmessen und schauen ob eine Arbeit von Guido Platz hätte über unserem Küchentisch. 

Samstag 28. November: Die letzten Tage waren ausgefüllt durch viele Telefongespräche, Zoomsitzungen regem E-Mailverkehr. Am Abend hat Monika wunderbar gekocht für uns und unsere lieben Nachbarn Thomas und Ursina. Wildschweinragout nach orientalischer Art. (Wir haben dann ohne Schleier gegessen)

Mittwoch 25. November: Am Abend genossen wir die Lesung von Brigitte Schmid Gugler im Raum für Literatur. Der Musiker Marc Jenny hat die Veranstaltung mit seinen wunderbaren Zwischenklängen zu etwas ganz Besonderem gemacht. Der Einstieg zur Lesung war durch eine glanzvolle performance Leistung vom Schriftgelehrten Rainer Stöckli garantiert. 

Dienstag 24. November: Am Nachmittag hatten wir einen grossen Brennholztransport. Toni und sein Sohn aus Dicken haben mit dem Traktor neun Ster Brennholz geliefert. Nun ist unser Aussenraum mit der Feuerstelle richtig gut geschützt, durch das ganze aufgeschichtete Holz. 

Montag 23. November: Heute hatte ich ein überraschendes Telefongespräch mit Andreas Fagetti von der WOZ. Er will einen Artikel schreiben zu den Stadtratswahlen in St. Gallen. Unsere Stadt scheint ja nun endlich anzukommen, wo andere schon längst angelangt sind. Eine links grüne Mehrheit scheint möglich mit Maria Papa als SP Stadtpräsidentin. Andreas hat sich vor allem für den kulturellen Wandel interessiert, der seit den frühen 80er Jahren in St. Gallen passiert ist. Interessant ist, dass alle damals neu entstandenen Institutionen, wie die Grabenhalle, die Kunsthalle, das KINOK, die Wiborada etc. von einer jüngeren Generation ohne Krämpfe weitergetragen wurden. Das kulturelle Klima hat sich wirklich stark verbessert. Jetzt müssen wir einfach hoffen, dass durch Corona nicht alles in Frage gestellt wird. 

Sonntag 22. November: Monika hat heute den Anlass der Freunde der Buchhandlung in Appenzell besucht. Ich hätte Carole und ihre tollen Mitarbeiterinnen gerne wieder einmal gesehen. Aber im Gewühl ist es mir im Moment gar nicht wohl. Ich weiss ja, dass sicher alle Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden - aber dieses Aufeinandertreffen von Masken ist nicht wirklich mein Ding.

Samstag 21. November: Am Mittag bin ich mit dem Zug nach Solothurn gefahren für die Eröffnung der Ausstellung "überleben" im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist. Claude Barbey, der Präsident von Visarte Solothurn hat mich ursprünglich für die Vernissage - Rede eingeladen. Wegen Corona wird das nun aber keine Rede. Ich habe dafür einen Text für den Katalog geschrieben: "Über Leben mit Kunst". Die Bahnreise war etwas gespenstisch. Am Bahnhof Solothurn wurde ich abgeholt von Hansjörg Bachmann. Er hat zusammen mit Ruedi Schwyn die Ausstellung kuratiert.

Die Präsentation ist sehr gut gelungen und ich hatte sehr schöne Begegnungen und gute Gespräche mit vielen Künstlerinnen und Künstlern. 

ich bin dann um halb Acht wieder zu Hause angekommen und Monika hat mich mit einem wunderbaren Nachtessen empfangen. Panierte Trutenschnitzel mit feinstem Gemüse-pipapo. OHH.

Freitag 19. November: heute ist das grosse Einräumen angesagt, nach unserer Renovation. Das Farbkonzept macht Freude, die Böden sind geschliffen und eingeölt, und alle Tische sind frisch geschliffen und mit Öl präpariert für die nächsten zehn Jahre. 

Donnerstag 19. November: Am Abend schauten wir und drei Tanzaufführungen vom Tanzplan Ost in der Lockremiese an. Ein gelungener Abend. Vor allem das letzte Stück mit Musik von Julian Sartorius. Der einstündige "Schlotter- oder Schütteltanz" hat mich total beeindruckt.

Mittwoch 18. November: Heute holte Ursula Jacob einen Teil ihrer Bücher "Blumenlese" ab. Die Bücher sind sehr gut verkauft worden.

Sonntag 15. November: Heute haben wir alle Möbel aus dem Wohnzimmer, aus dem Büro und aus der Küche geräumt. Morgen kommen die Schreiner, um die Holzböden abzuschleifen. 

Samstag 14. November: Am Nachmittag ein besuch auf der Baustelle in Zürich, um die Wirkung meiner farbigen Gläser zu kontrollieren. Eine sehr schöne Stimmung am See. Freude herrscht. Dann zu Fuss zu Petra Ronner und Peter Schweiger zu einem Nachtessen der Spperlative. Wienergulasch mit Serviettenknödeln. Grossartig auch der erlesene Wein. Dazu hat Monika ein wunderbares Dessert mitgebracht. Bratapfelmarmelade von unseren eigenen Äpfeln, caramelisirte Apfelstücke und Vanillerahm mit Meringes - Vanilleeis. 

Donnerstag 12. November: Visarte Zoom

Mittwoch 11. November: Lesung von Laura Vogt im Raum für Literatur.

Dienstag 10. November: Projektbesprechung zum Buch über 50 Jahre Apropos in Luzern.

Montag 9. November: Projektbesprechung mit Aurelia und Oliver zu den Walser Briefen am Mermet.

Donnerstag 5. November: In den letzten Tagen habe ich unsere Wohnräume im Erdgeschoss vorbereitet, um alles neu zu streichen. Das Farbkonzept hat sich nun verfestigt und heute lasse ich bei Farben Müller die Farbtöne mischen. ich bin gespannt wie das alles wird. Ein Moosgrün für den Essbereich. Dazu ein ganz helles Grau und im Büro von Monika ein Türkise mit dem hellen grau. Wände malen ist anstrengend - macht aber grossen Spass.

Donnerstag 29. Oktober: Um 11 Uhr hatte ich eine Zoomsitzung für ein Buchprojekt. der Kurator Damian Jurt vom Bündner Kunstmuseum plant eine Ausstellung von Camillo Paravicini, der den Manor Kunstpreis erhält. Das gibt ein sehr spannendes Projekt mit vielen bekannten Autorinnen und Autoren.

Mittwoch 28. Oktober: Am frühen Nachmittag erwartete ich einen Skulpturen Transport. Unser Freund Notker Helfenberger verlässt die Schweiz, um mit seiner Frau vorwiegend in Tailand zu leben. Er reduziert zur Zeit seinen Wohnsitz in Berg und er kann nicht alle Kunst mit nehmen. Eine Leihgabe von mir (ein sehr frühes, grosses Schlangenbild) möchte er nun tauschen für eine Steinskulptur von Peter Kamm aus den frühen 80er Jahren. Die bemalte Sandsteinskulptur: "Nie, Niemals, Nein...) steht nun bei mir in der Atelierbibliothek an der Lukasstrasse.

Montag 26. Oktober: Heute steht eine weitere Zoomsitzung an. Visarte Strategie.

Samstag 24. Oktober: Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir einen wunderbaren, langen  Spaziergang durch Wälder in der Umgebung von Bern gemacht. Das wunderbares Herbstlicht verführte mich viele Fotos zu machen. 

Am Sonntag wollten wir eigentlich alle aktuellen Ausstellungen in Bern anschauen. Es war aber alles geschlossen. Wir sind dann gegen Mittag wieder nach St. Gallen zurück gefahren.

Freitag 23. Oktober: Im Moment werden viele Bücher von Peter Wirz bestellt. Es sind einige sehr gute Artikel erschienen über Wirziana. ich konnte alles erledigen, bevor wir nach Küttigen gefahren sind. Wir mussten 200 Bücher an Lorenz Olivier Schmid ausliefern. Anschliessend sind wir nach Burgdorf gefahren. Im Franz Gertsch Museum wurde die Ausstellung von der KWS Sammlung eröffnet. Von mir ist ein grosses Waldbild in dieser Sammlung vertreten. Die Eröffnung war etwas merkwürdig. Alle Anwesenden mit Gesichtsmasken. Nach der Vernissagerede wurde erklärt, dass die Ausstellung bis auf Weiteres geschlossen werden muss. Ein wirklich unheimliches Gefühl. Wir sind dann nach Bern gefahren zu Susi Ernst und Hugo Schittenhelm. Intensive Gespräche, feines Essen und viel guten Wein. Es wurde ziemlich spät.

Donnerstag 22. Oktober: Heute Abend bin ich fröhlich zur Hauptpost gefahren, um in der Bibliothek die Hauptversammlung von "Buchstadt St. Gallen" zu besuchen und die Ausstellung "Schönste Schweizerbücher" anzuschauen. Nach langen Vorgesprächen mit verschiedenen Bekannten merkte ich, dass die Veranstaltungen erst in einer Woche stattfinden werden. Ich war wieder einmal zu früh unterwegs. 

Mittwoch 21. Oktober: Am Morgen hat mich Benno Zehnder zusammen mit seiner Frau besucht um Bücher abzuholen. Das Buch über sein Farbkonzept, das er im Spital Schwyz über viele Jahre realisieren konnte ist wirklich wunderbar. Die Auseinandersetzung mit Spitalbauten scheint aber nicht so populär zu sein. Das Buch müsste meiner Meinung nach in jeder Artztpraxis und in jedem Architekturbüro aufliegen. (Sofort bestellen bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Dienstag 20. Oktober: Heute wäre ich am Abend für ein Künstlergespräch im Kunstmuseum Olten eingeladen gewesen. Vier Stunden Zugfahrt, herumstehen und reden mit Maske und erst um Mitternacht zu Hause - ich habe meine Teilnahme schweren Herzens abgesagt. Ich liebe es ja über Kunst zu reden aber in dieser verrückten Zeit mit Corona habe ich einfach keine Lust meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Zugfahren mit Maske ist total unangenehm.

Sonntag 18. Oktober: Irene hat uns ein schönes Frühstück serviert und wir spazierten anschliessend zum grossen Park, um die Skulpturenausstellung zu besuchen. Für uns war das ein überraschender Kunstparcours mit teilweise sehr schönen Arbeiten. Um 11 Uhr war ein Konzert angesagt. Indische Sitar-Klänge mit elektronischen Überhöhungen. Ein hochmotivierter, alternder Musiker mit seinem riesigen Instrument vor einem alten, kleinen Holzgebäude mitten im Park. So richtig Völkerverbindend und ich erinnerte mich an ein wunderbares Konzert von Ravi Shankar, das ich ca. 1977 in der Tonhalle in St. Gallen erlebt habe.

Nach diesem musikalischen Zeiten-Sprung habe ich mein Modell und die Ausstellungskataloge abgeholt. Wir hatten dann eine sehr gemütliche und staufreie Rückfahrt nach St. Gallen. Ich liebe solche Fahrten, die einem die Zeit für sehr ausführliche und unausweichliche Gespräche bieten... 

Samstag 17. Oktober: Ich bin früh aufgestanden und packte meine sieben bis neun Sachen in die Reisetasche. Ich fahre heute mit dem Zug nach Brig und Monika fährt mit dem Auto nach einer intensiven Italienwoche über den Simplon und holt mich dann beim Bahnhof in Brig ab. Gemeinsam werden wir dann gemütlich nach Bex fahren für die Finissage der Skulpturen-Triennale "Bex & Arts", wo ich dieses Jahr eine Arbeit realisieren konnte. Ich möchte dort auch mein Modell abholen, damit das nicht im Müll oder auf einer Auktion landet. Der Ausstellungsorganisation fehlt das Geld für den Rückversand...

Es hat alles sehr gut geklappt und die Reise war total stressfrei. Nervig war, dass es im Zug keinen Speisewagen gab. In der jetzigen Zeit finde ich es sehr viel entspannter im Speisewagen zu reisen. In Brig suchten wir uns ein nettes Gartenrestaurant für ein einfaches Mittagessen aus. Wir hatten uns gegenseitig viel zu erzählen. Nach dem Essen fanden wir zufällig passende, senfgelbe Schuhe für Monika und einen neuen Ledergürtel für mich. 

Am frühen Abend waren wir dann in Bex. Wir machten einen kleinen Spaziergang, gönnten uns einen guten Weisswein und suchten anschliessend unsere Unterkunft. Die Gastgeberin Irene ist sehr nett, belesen und lebensfreudig. Sie wohnt in einem grossen, alten Bauernhaus, mitten in einem schönen Garten. Es ist schön, wieder einmal in einem Haus zu sein mit einer auserlesenen Bibliothek und viel "Erinnerungskunst" an den Wänden. Wir haben uns wunderbar unterhalten und genossen am Abend ein gemeinsames Nachtessen in einem sehr angenehmen Restaurant in Bex. 

Freitag 16. Oktober: Am Morgen schaute ich mir mein Betonrelief im Osten der Stadt an, das von Markus und Alexander Morant sehr spontan angefragt und von mir ausgeführt wurde. Ich muss entscheiden, wie ich die "Lesbarkeit" der Zeichnung verbessern kann, ohne dass ich den Reliefcharakter zerstöre. Das wird nicht einfach.

Am frühen Nachmittag holte mich Paul von der Agentur Alltag ab. Sie feiern mit kleinen Gruppen das 15 Jahre Jubiläum der Firma. ich wurde eingeladen mit der Anfrage, ob ich Lust hätte, ein neues Buch vom Vexer Verlag vorzustellen, mit der Idee, dass dann allen Festbesuchern von Alltag eins der Bücher geschenkt werden kann. Ich habe mir das Buch über "Die andere Welt von Peter Wirz" entschieden. Wir feiern in unserer Gesellschaft ja immer auch unsere Erfolgsgeschichten und vergessen oft, dass es auch viele Verlierer in unserer Gesellschaft gegeben hat. Der Künstler Peter Wirz ist einer dieser "Verdammten", der schon vor seiner Geburt abgeschrieben worden ist. Eine sehr traurige und einzigartige Geschichte.  

Donnerstag 15. Oktober: Pünktlich um 11 Uhr standen Peter Zimmermann und Jso Maeder vor der Tür. Heute konnten wir wichtige Entscheidungen treffen für das Künstlerbuch das im Zeitraum von rund zwanzig Jahren entstanden ist. Ich glaube nun ist das Projekt auf einem guten Weg.  

Mittwoch 15. Oktober: Am Morgen um 10 Uhr erwartete ich Julia Marti und Marie - Hélène Talaya Schmid für eine Projektbesprechung. Das Gespräch und der Austausch war sehr spannend. Eigentlich ist das ein interessantes Frauenprojekt, das sicher Vera übernehmen wird. Im Moment ist es einfach schwierig sich physisch zu treffen. Nun müssen die genauen Inhalte definiert werden, die in diesem geplanten Magazin besprochen werden. 

Dienstag 13. Oktober: Ich habe mich auf Grund des guten Wetters entschieden, am Nachmittag in der Wärme der Mittagssonne Zwiebeln und Knoblauch zu setzen im Garten. Ein wunderbarer Tag. Ich bereitete an zwei verschiedenen Plätzen schöne Gartenbeete vor. Beim Setzen entwickelte sich ein umfangreiches Kochbuch in meinem Kopf, mit vielen Rezepten, bei denen Zwiebeln oder Knoblauch eine wichtige Geruchsmarke entwickeln und ich fühlte mich etwas wie ein Felix - Otto Lenghi.

Montag 12. Oktober: Inhalte, Zahlen, Titel, 35 Jahre Lebenszeit. Heute habe ich eine Zwischenbilanz zusammengestellt von unserem grossen Projekt eines digitalen Archivs für alle Publikationen vom Vexer Verlag. Wir sind auf sehr gutem Weg. Der Stand der Finanzierung ist sehr erfreulich. Viele Stiftungen haben Beiträge zugesagt. Vera hat schon sehr viel Vorarbeit in Berlin geleistet. In den nächsten Tage erwarte ich den ersten Teil von Kurztexten zu den Büchern. Das ist alles sehr aufwändig aber es macht richtig Freude die ganze 35 jährige Verlagsgeschichte zu dokumentieren. 

Sonntag 11. Oktober: Nach vielem Überlegen habe ich heute den ganzen Tag an einem Katalogtext gearbeitet mit dem Thema: "Über Leben mit Kunst". Wir Kunstschaffenden wollen ja leben von unserer Kunst. Es geht aber auch um unsere Lebenshaltung, um persönliche Strategien und über unser Empfinden mit der Entscheidung über das Leben mit Kunst... Kunst leben ist ja mindestens so anspruchsvoll wie Kunst zu machen.

Am Abend hat ein Freund einen riesigen Tisch vorbeigebracht. Das wird unser neuer Verpackungstisch. Wir werden in den nächsten Wochen unser Handlager und unseren Bücherversand optimieren. Monika hat Lust wieder im Verlag einzusteigen. Das ist natürlich super.

Samstag 10. Oktober: Eigentlich war für heute bei Vera in Berlin die Buchvernissage von Peter Wirz geplant. Der Autor Andres Müry ist angereist, obwohl Vera schon letzte Woche diesen Anlass absagen musste. Der Corona - Wahnsinn geht in aller Härte weiter.

Freitag 9. Oktober: Am frühen Morgen wurde ich überrascht. Die Bücher von Lorenz Olivier Schmid wurden geliefert. Die Sendung war eigentlich am kommenden Montag geplant. Zum Glück war ich da und konnte die Sendung entgegennehmen. Transportfirmen gehen immer davon aus, dass man rund um die Uhr anwesend ist. Am frühen Nachmittag war ein Atelierbesuch bei mir angesagt. Ich bin dann gleich an der Lukasstrasse geblieben und habe mein aufgeräumtes Atelier genossen. 

Donnerstag 8. Oktober: Monika fährt heute für 10 Tage nach Italien. Felix ganz allein zu Hause...Ich habe endlich wieder einmal Zeit zum Schreiben. Vieles ist liegen geblieben. Aber als Erstes muss ich endlich mein Büro aufräumen. Alle Bücherstapel abtragen und archivieren.

Mittwoch 7. Oktober: Die letzten beiden Tage war ich mit meiner Darmreinigung beschäftigt. Meine Ärztin hat mich für eine Rutine Abklärung - eine Darmspiegelung angemeldet. Heute Morgen musste ich schon um fünf Uhr aufstehen, um all die darmreinigende Flüssigkeit zu trinken. Das war schon sehr speziell. Eindrücklich war dann die live Filmvorführung der Aufnahmen aus meinem Dickdarm. Das ist ja ein wunderbares, feines Organ. Ich konnte die ganze Untersuchung am Bildschirm mitverfolgen. Nun werden noch zwei Gewebeproben untersucht und ich hoffe natürlich dass alles OK ist.

Montag 5. Oktober: Nach dem Mittag konnte ich in einem Lager an der Davidsdstrasse viele Werke des verstorbenen Künstlers Hans Späti anschauen. Ich denke dieses Werk sollte neu entdeckt und gewürdigt werden. Wie ich mich erinnern kann hat das Richard Butz schon vor Jahren erkannt.

Sonntag 4. Oktober: Heute Morgen um 11 Uhr hatten wir eine Buchpräsentation im Museum im Lagerhaus in St. Gallen. Andres Müry stellte das neu im Vexer Verlag erschienene Buch "Wirziana" Die andere Welt des Peter Wirz vor. Ein richtig spannendes Matinée mit einem anschliessenden Essen im Kastanienhof. Monika Jagfeld hat einen sehr spannenden Artikel für dieses Buch geschrieben und sie wird im nächsten Jahr Arbeiten von Peter Wirz im Museum präsentieren.  

Samstag 3. Oktober: Unsere Zeit in Agrano war sehr angenehm. Wir haben bis Donnerstagabend viel gearbeitet und gut gegessen. Am Freitag war das Wetter sehr schlecht. Es hat extrem geregnet und gestürmt. Wir mussten einen Ruhetag einlegen. Am Samstagmorgen waren wir mit dem Beheben von Sturmschäden beschäftigt. Es war unglaublich. Im Wald hat es dicke Eichen auf vier Metern Höhe einfach geknickt wie Streichhölzer. Bei den umliegenden Hügeln flossen an vielen Orten neue Bäche ins Tal. Es war richtig unheimlich.  

Am Mittag sind wir zurückgefahren in die Schweiz und haben Halt gemacht in Chur. Wir waren eingeladen zur Eröffnung der Ausstellung von Roman Signer im Kunstmuseum. Die Skizzen von Roman sind wunderbar lesbar wie Gesprächsnotizen. 

Mittwoch 30. September: Wir fahren für vier Tage nach Italien für das traditionelle Schlussheuen in Agrano. 

Montag 28. September: Heute Morgen habe ich Lika Nüssli besucht. Sie hat mir ihre neusten Arbeiten gezeigt, die in diesem Sommer in Belgrad entstanden sind. Das war ein guter Morgen.

Sonntag 27. September: der gestrige Tag im Atelier war ein grosser Erfolg. Unser Konzept mit den stündlichen Programmpunkten hat sich bewährt. Es war zwar bitter kalt in meinen nicht geheizten Dachräumen aber die Stimmung war wunderbar, die Vorträge und Gespräche waren sehr spannend und gut besucht. Das Abschlusskonzert machte richtig Spass. Auch unser Schutzkonzept ist voll aufgegangen. Die Räume sind sehr gross und der nötige Abstand zwischen den Gästen konnte immer eingehalten werden. Insgesamt sind an diesem bitterkalten Tag rund 120 Menschen vorbeigekommen und wir konnten viele abgesagte Buchpremieren an einem Tag nachholen. Es war wirklich toll. Die meisten Gespräche und Buchpräsentationen hat Vera gemacht und ich glaube es wurde allen Besucherinnen und Besuchern klar, dass Vera bereit ist, den Vexer Verlag kompetent in die Zukunft zu führen. 

Freitag 25. September: Heute wurde es noch einmal hektisch. Um 11 Uhr fuhr ich mit einer Kunstinteressierten Baslerin zu einem Steinbruch und zu einer Kunststeingiesserei und dann folgten die letzten Vorbereitungen für die grosse Präsentation im Atelier und am Abend erwarteten wir sehnlichst unsere Tochter Vera.

Mittwoch 23. September: Ich war den ganzen Tag im Atelier an der Lukasstrasse, um alles für die Präsentationen am Samstag vorzubereiten. Der Raum sieht nun sehr gut und aufgeräumt aus. Ich habe vieles umgestellt und herumgeschleppt. 

Dienstag 22. September: Monika hat mich heute zu unserer Körpertherapeutin gefahren. Ich wurde im 1. Stock von Theresa durchgeknetet, parallelisiert und in den Senkel gestellt und Monika hat derweil auf dem Parkplatz Dokumente studierend auf mich gewartet.

Nun hängen meine beiden Arme wieder auf der gleichen Höhe. Toll.

Sonntagabend 20. September: Ich sitze wieder im Zug Richtung St. Gallen. Die Tage in Basel waren sehr angenehm und sehr anstrengend. Am Morgen konnte ich jeweils Ausstellungen anschauen und am Nachmittag bis Abends um 9 Uhr sass ich an meinem Bücherstand im Schaulager. Ich habe sehr viele interessante Menschen getroffen und neue kennengelernt, gute Gespräche geführt und viele Bücher verkauft. 

Bei Stampa habe ich die sehr schöne Ausstellung von Steiner Lenzlinger genossen und ich habe mich mit Gilli und Diego zu einem feinen Essen verabredet im Garten der Kunsthalle. Das war wieder einmal wie in alten Zeiten. Heute Abend auf meiner Fahrt nach St. Gallen habe ich nach Zürich im Speisewagen eine sehr nette junge Frau kennengelernt, die in Zürich improvisiertes Theater macht. Ich glaube sie heisst Martina oder Miriam? oder Marian? Auf jeden Fall etwas mit M. Mein Namensgedächtnis ist wirklich schrecklich. Sie weiss wie ich heisse. Ich habe ihr nämlich ein Buch geschenkt... ich weiss einfach nicht mehr welches. Hahaha. 

Donnerstag 17. September: Nach einem erholsamen Schlaf stand ich hoch motiviert sehr früh auf. Ich fahre für vier Tage nach Basel für die Buchmesse "i never read", die in diesem Jahr wegen Corona mit einem speziellen Schutzkonzept im Schaulager stattfindet. Ich kann zum Glück im Atelier von der Künstlerin Esther Hiepler logieren. So wird die ganze Messe für mich nicht so teuer. 

Mittwoch 16. September: Heute Morgen um 10.30 Uhr werde ich in Zürich auf einer Baustelle erwartet. Ich bin um 9.25 losgefahren. Im Zug bin ich tief eingeschlafen und wurde durch die Kondukteurin geweckt. Sie wollte mein Ticket sehen und fragte mich wohin ich denn fahren wolle. Ich sagte nach Zürich und sie antwortete ja und wo fahren sie nun hin? Ich sagte noch einmal "nach Zürich" und sie klärte mich auf, dass wir schon lange Richtung Bern fahren. Ich musste heute also über Bern nach Zürich fahren. Meinen Baustellenbesuch konnte ich zum Glück auf halb Eins verschieben. Die letzten Tage scheinen doch etwas ermüdend gewesen zu sein. So etwas ist mir noch nie passiert. 

Montag 14. September: Meine Reiserei geht heute weiter. Wir haben mit dem Zentralvorstand von Visarte in der Nähe von Listhal unsere jedes Jahr stattfindende Retraite. Wir haben uns in den letzten Monaten selten getroffen. Sitzungen mussten wir per Zoom abhalten. das ist alles etwas schwierig. Ich freue mich sehr, dass wir uns nun endlich wieder einmal im direkten Gespräch zwei Tage lang austauschen können.

Freitag 11. September: Um 11 Uhr war ich im Kastanienhof verabredet mit einer kunstinteressierten Baslerin. Wir sind im Gespräch über ein Kunst am Bau Projekt für ein Wohnhaus in Basel. 

Am frühen Nachmittag sind Monika und ich losgefahren für einen Besuch bei Freunden am Sempachersee. das war ein wunderbares Wochenende mit guten Gesprächen, feinem Essen, erlesenem Wein und mit viel erfrischendem Geplantsche im warmen See. 

Dienstag 8. September: Um 15 Uhr bin ich losgefahren. Ich war eingeladen von der Parlamentarischen "Kulturgruppe" im Alpinen Museum in Bern. Bundesrat Alain Berset referierte über die Covid-Massnahmen und über die Auswirkungen auf das kulturelle Leben. Es gab einige sehr interessante Referate. Es ist erstaunlich, wie sich das Verständnis in der Politik für die Probleme der Kulturschaffenden entwickelt hat. Die Vernetzung von Politik und Kultur hat sich stark verbessert.

Vor der Veranstaltung traf ich zufällig Gabriela Gerber und Lukas Bardill. Sie werden in zwei Tagen geehrt mit dem SAC Kunstpreis und können eine Ausstellung im Alpinen Museum präsentieren. Das ist eine gute Wahl.

Sonntag 5. September: Heute Nachmittag haben wir uns die Ausstellungen im Kunstmuseum St. Gallen angeschaut. Ich war sehr gespannt auf die Ausstellung von Adrian Schiess. Der Einstieg in die Ausstellung im Voyer im ersten Stock hat mich ziemlich irritiert. Ein riesiges Durcheinander von Fetzen, Abfallmaterial, Videos und Unfertigem, das normalerweise in der Mulde landet. So ein richtiges Künstlercliche. Aus dem Chaos entspringt das Meisterwerk. Genervt hat mich nachher aber der klar vorgegebene Ausstellungsparcour. Adrian hat die Ausstellung so eingerichtet oder besser gesagt die Räume so verbaut, dass man sich nicht frei bewegen konnte. 

Samstag 4. September: Am Nachmittag bin ich zusammen mit Monika mit dem Zug nach Olten gefahren für die Eröffnung der Ausstellung im Kunstmuseum Olten. Die Ausstellung ist wirklich sehenswert. Im Mittelpunkt steht das Werk von Meinrad Paier und die umfassende Holzschnittsammlung des Museums, ergänzt mit aktuellen Arbeiten von Alois Lichtsteiner, Scarlet Mara, Selina Zürcher und von mir. Es war alles sehr angenehm. Wir sassen vor dem Museum und trafen viele Freundinnen und Freunde aus nah und fern. Ein richtig erfüllender Nachmittag.

Freitag 4. September: Nach einem dichten und anstrengenden Tag besuchten wir am Abend im St. Galler Stadtpark ein Konzert von Les Raines Prochaines. Wir kennen die Musikerinnen seit den 80er Jahren. Monika war damals bei einem der ersten Konzerte als Performerin in der Shedhalle in Zürich mit dabei. Sie musste mithelfen einen riesigen Wahlfisch auf die Bühne zu schleppen. Ja und nun 2020 sitzen wir gesittet im Stadtpark und hören den gut gealterten und immer noch munteren Damen zu. das war ein wirklich lustiger Abend bis zu dem Zeitpunkt, als ich zu Hause die Türe aufschliessen wollte. Scheisse - ich hatte den Schlüsselbund verloren. Monika hatte dann die gute Idee, einer der Veranstalterinnen anzurufen und nachzufragen, ob mein Schlüsselbund eventuell an dem Platz verloren ging wo ich mein Fahrrad abgestellt hatte. Andrea hat dann die Schlüssel zum Glück genau dort gefunden. Der Tag war gerettet. D A N K E. 

Donnerstag 3. September: Am Morgen versuchte ich alle Künstlerinnen und Künstler zu erreichen, die ich gerne am 26. September in meinem Atelier als Referent*innen dabei hätte. Ich plane im Rahmen von Fünfstern ein dichtes Programm mit Referaten, Buchpräsentationen, Lesungen und Musik.  

Mittwoch 2. September: Die Nacht war kurz. Ich bin ich früh aufgestanden. Mein Zug fuhr um 8.07 los. Ich hatte ziemlichen Stress. Schutzmaske suchen, Bücher zusammenpacken, Zeitungen besorgen und bei der Hauptpost meine Briefe einwerfen. Zeitlich hat dann alles geklappt. Ich fahre wenn möglich immer im Speisewagen, dann muss ich nicht stundenlang eine Maske tragen. Ich war um 10 Uhr verabredet mit dem Aufbauteam im Kunstmuseum Olten. Wir haben als Erstes alle Holzdrucke ausgelegt und geschaut ob alles passt. Das war gar nicht so einfach. Die Holzdrucke sind teilweise riesig und auch ziemlich verletzlich. Es hat aber alles funktioniert wie geplant. Am Nachmittag kam dann die Druckerin Anja Sitter. Unser letztes Druckprojekt liegt schon lange zurück. Sie hat für mich von 1999 bis 2000 eine Mappe mit 100 Radierungen gedruckt mit dem Titel Zyklus. Das war eine wunderbare Zusammenarbeit. Die Radierungen konnte ich damals in der Grafischen Sammlung der ETH Zürich ausstellen und der Verlag Walter König veröffentlichte ein Buch zu diesem Anlass.

Ja und nun hatte ich endlich wieder einmal die Gelegenheit mit Anja zu drucken. Ich hatte eine grosse Holzplatte vorbereitet, die nun eingefärbt werden musste. Zum Drucken hat Dorothee Messmer Freundinnen und Freunde des Museums eingeladen, die nun in dicken Wollsocken auf dem Papier herumrutschen und mit ihrem Gewicht den Holzdruck realisieren mussten. Wir schafften in drei Stunden "nur" zwei Drucke. Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Das dunkle Rot zeichnet wunderbar. Es war ein sehr spezieller Anlass. Ein ganzes Druckerteam mit unterschiedlichen Schutzmasken und Wollsocken im Kunstmuseum vor meinem neusten Holzschnitt.

Dienstag 1. September: Wir haben einen Bus gemietet, um alle Arbeiten in Arbon wieder abzuholen. ich habe alle archäologischen Fundstücke aus unserem Garten, die ich auf A3 Blättern ausgelegt habe noch einmal fotografiert. Der Abbau der riesigen Foto Arbeiten hat reibungslos funktioniert und schon ist alles wieder vorbei.

Sonntag 30. August: am Morgen sind wir  eingeladen zum Brunch in der Ausstellung im geilen Block. Wir haben uns die tolle Ausstellung noch einmal min Ruhe angeschaut und anschliessend, gemeinsam mit vielen Künstlerinnen und Künstlern das Frühstück genossen. 

Samstag 29. August: Eigentlich wäre heute wieder einmal eine Ausstellungseröffnung in der Kunsthalle aber ich mag einfach nicht... Wir kochen stattdessen ein feines Abendessen für Freunde. 

Freitag 28. August: Das Gartenfest von der Agentur Alltag ist abgesagt. Ich habe so viel Zeit für mich in den letzten Monaten. Das wird schon fast unheimlich...

Donnerstag 27. August: In den letzten Tagen habe ich einige Briefe an Politikerinnen und Politiker geschrieben. Es ist sehr wichtig, dass die Kulturschaffenden im Notrecht zu Corona nicht vergessen gehen. Eine total verrückte Zeit. 

Mittwoch 26. August: Bei uns in der Nachbarschaft wird schon seit Wochen gebaggert. Auf dem Areal der ehemaligen Bierbrauerei "Hockbräu" an der Brauerstrasse 25 sollen viele kleine Wohnungen entstehen. Beim Vorbereiten der Baugrube scheinen nun riesige "Altlasten" zum Vorschein gekommen zu sein. Die Baugrube wird immer tiefer und unheimlicher. Unter einem unscheinbaren Betriebsgebäude wurden riesige und unbekannte, massive, aus Sandsteinblöcken gebaute Kellergeschosse gefunden, die nun mühsam abgebaut werden müssen. Eine schon lange verstorbene Nachbarin erzählte uns einmal, dass es einen unterirdischen Stollen gab, über den früher ganze Eisschollen auf einer Rutsche von der Brauerstrasse bis an die Lindenstrasse transportiert werden konnten. Das Eis wurde gebraucht um an Festanlässen das Bier kühlen zu können. Es ist zu hoffen, dass das Amt für Kantonsarchäologie diese sehr spezielle Fundstelle professionell dokumentiert hat. Ich kann ja nicht alles selber machen - oder?

Dienstag 25. August: In den letzten Tagen standen einige wichtige politische Arbeiten an. Ich habe  Politikerinnen und Politiker  angeschrieben, damit sie beim neuen Corona - Nothilfegesetz die Kulturschaffenden nicht vergessen. Die Situation ist sehr anstrengend. Zur Zeit versuchen viele Kulturschaffende und Kulturinstitutionen ihre Aktivitäten wieder hoch zu fahren und niemand weiss ob dann auch wirklich alles stattfinden kann. Niemand scheint ein Rezept zu haben gegen diese übermächtige Corona-Bremse.   

Sonntag 23 August: Nach einem geruhsamen Sonntag machten wir einen langen Spaziergang bis kurz vor Mörschwil. Wir legten uns ins Gras und genossen die Aussicht zum Bodensee. Ich freue mich immer über den Gedanken, dass  direkte Linien von Arbon bis zum Säntis durch unseren Garten gezogen werden könnten. Diese Linien stelle ich mir wie eine Wanderung vor, die jedes mal etwas anders sein wird. Vergleichbar mit den Linien von Duchamp, die entstanden sind, indem er Fäden auf den Boden fallen liess. Der Fixpunkt hier wäre einfach unser Garten.

Samstag 22. August: Heute wollte ich mir eigentlich die Ausstellung von Eric Steinbrecher in Basel anschauen. Die Vorstellung, fünf Stunden mit einer Gesichtsmaske in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbringen schreckte mich aber ab. Nach einem intensiven Gartentag besuchten wir dann eine Veranstaltung in der aktuellen Ausstellung im Saurer Gebäude in Arbon. Christian Röllin hat Referentinnen und Referenten eingeladen für ganz persönliche "Schnörkel". Die Vorträge waren wirklich sehr spannend und total unterschiedlich. Wir haben uns anschliessend noch einmal die ganze Ausstellung angeschaut. Es ist wirklich sehr beeindruckend was hier alles entstanden ist.  

Freitag 21. August: Gegen Abend hat mir ein Nachbar eine riesige 10 Liter Glasflasche gebracht und er hat mich angeleitet, wie ich mit heruntergefallenen und etwas lädierten Äpfeln selber einen Apfelessig ansetzen kann. Das scheint gar nicht so schwierig zu sein. Ich habe sofort unter unseren Bäumen alle wurmstichigen Äpfel zusammengelesen und anschliessend fein säuberlich verwertet. Ich bin ja gespannt wie sich dieses Projekt entwickeln wird. Im Internet gibt es sehr viele Rezepte. 

Donnerstag 20. August: Um halb zwölf wurde ich vom Techniker und seiner Mitarbeiterin vom Kunstmuseum Olten abgeholt. Wir sind mit dem grossen Bus gemeinsam zum Atelier gefahren, um alles aufzuladen. Das sind immer wieder logistische Herausforderungen. Es hat alles geklappt und um 14 Uhr waren alle Werke sicher im Bus verstaut. Ich habe dann den Nachmittag genutzt, um zwölf meiner Holztafeln mit den Menschenbilder von Aarau neu zu platzieren. Das ergibt eine komplett neue Atmosphäre im Raum. Der Nachmittag war sehr heiss und ich war schweissnass nach diesem Kraftakt. 

Zu Hause musste ich sofort unter die Dusche. Anschliessend habe ich bei unserer Feuerstelle alles vorbereitet, um auf unserem Drehgrill ein schönes Biohühnchen zu braten. Vreni und Hans Ruedi Fricker  kommen heute zu uns. Wir haben dann gleich einen Gartenrundgang gemacht, um zu zeigen wo all das Gemüse wächst das wir anschliessend geniessen werden. Das Nachtessen war wirklich grossartig. Monika hat wunderbare Vorspeisen und Salate kreiert und das gebratene Huhn war köstlich. Hans Ruedi kenne ich schon seit den späten 80 er Jahren. Wir haben viele gemeinsame Projekte realisiert. Nun sind wir beide in einem Alter, wo wir uns als Künstler mit dem eigenen Nachlass beschäftigen müssen. Das war ein richtig schöner und dichter Abend.  

Mittwoch 19. August: Der heutige Tag war sehr streng. Ich musste alle riesigen Holzdrucke verpacken für die Ausstellung im Kunstmuseum Olten.

Anschliessend begann ich mit einer Aufräumaktion. Ich will einiges umstellen für den grossen Anlass am 26. September. Ich mache in diesem Jahr beim "Fünfstern" mit. Viele Künstlerinnen und Künstler öffnen ihre Ateliers. Ich plane ein grosses Tagesprogramm mit den Neuerscheinungen vom Vexer Verlag. Viele Künstlerinnen und Künstler werden ihre Publikationen präsentieren. Es wird Gespräche, Lesungen und erfrischende musikalische Einlagen geben.

Eines meiner langfristigen Projekte ist zur Zeit die Optimierung meines grossen Kunst- und Bücherlagers. Heute bin ich einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Der Staubsauger ist richtig heiss gelaufen und der Raum erscheint nach den vielen Umschichtungen und Veränderungen wieder in einem ganz neuen Licht.

In den letzten Wochen waren wir stark beschäftigt mit der Eingabe um Förderbeiträge beim Bundesamt für Kultur für den Vexer Verlag. Ich schreibe seit meiner Kindheit - seit meinem ersten Taschengeld von einem Franken in der Woche - bis heute alle Einnahmen und Ausgaben von Hand in ein Kassenbuch. Für diese Gesuchen muss ich nun schon wieder alles in Exel-Tabellen übertragen. Eine wunderbare Arbeit. Ich fluche ja eher selten.... aber jetzt? ... Ich bleibe stur und spitze auch in Zukunft meinen Bleistift für meine Buchhaltung. So bekommen all die zahlen wenigstens eine ganz persönliche Note.  

Dienstag 18. August: Ach tat das gut! Heute Nachmittag kam ich nach einer langer Pause wieder einmal zu einer Körper - Therapiestunde bei Theresa. Sie hat meinen Rücken, meine Wirbel und mein Becken wieder in Ordnung gebracht. Ich stand wirklich ziemlich schief im Raum. Es geht sich nun wieder leichter...
Nach der Therapie bin ich mit dem Postauto nach St. Gallen gefahren und vom Kronbühl nach Hause spaziert. Es war schön, wieder gerade gehen zu können. Es ist doch einfach lästig, wenn man beim Gehen immer den rechten Arm am Boden nachschleift - oder?

Montag 17. August: Am Nachmittag hat mich Gabriela Falkner besucht und mir ihre eindrücklichen Foto Arbeiten aus dem Bergell gezeigt, die in diesem Sommer entstanden sind. 

Sonntag 16. August: Am Morgen waren wir am See um zu baden und am frühen Abend hatten wir unsere Nachbarn zu Gast. Das schon fast traditionelle Treffen war sehr lustig. Alle haben Köstlichkeiten aus Küche und Garten mitgebracht.

Es gab viel zu berichten über die bestehenden und die kommenden Baustellen rund um unsere Gärten.

Samstag 15. August: Ein ruhiger Samstag mit einem schönen Bad im Bodensee und am Abend viele Gäste von Eveline als kleines Fest für ihren Umzug an die